Das staatliche ägyptische Bildungssystem ist kostenlos. Durch den Bevölkerungszuwachs (2,1 % jährlich) steigt die Zahl der Schüler kontinuierlich an (2000: ca. 20 Mio. Schüler). Ein Lehrer verdient durchschnittlich 100 DM im Monat. Diese drei Tatsachen, in Verbindung mit einer verkrusteten, inkompete-tenten Verwaltung, sind die Ursache fiir das stetig sinkende Niveau der staatlichen Schulen. Die Schulgebäude sind verfallen, überfullt, die Lehrer lehren den Stoff erst nach Schulschluß in Privatstunden, die ihnen das Überleben sichern.
Der Lernstoff wird auswendig gelernt, Frontalunterricht ist die Regel, die Lehrbücher sind veraltet; Nachdenken, Nachfragen oder frei Formulieren steht nicht auf dem Stundenplan. Für ägyptische Familien ist die Ausbildung ihrer Kinder das wichtigste Ziel. Wer kann, gibt sein Kind in eine der vielen Privat-schulen, die Schulgeld erheben, aber eine bessere Ausbildung bieten, als die staatlichen Schulen. Für die Bezahlung von Schulgeld und Privatstunden werden große Opfer gebracht. Die große Nachfrage nach guten Privatschulen macht sich jedes Jahr auch bei den deutschen Schulen bemerkbar. Das Erziehungsministerium prangert regelmäßig das Privatstunden-Unwesen an, kritisiert die hohen Schulgelder der Privatschulen und hat vor kurzem versprochen, die Lehrergehälter zu erhöhen. Mit einer wirklichen Reform ist jedoch nicht zu rechnen. Die Bundesregierung fördert den Bau von Grundschulen aus FZ- Mitteln, mit bisher insgesamt 131 Mio. DM.
Deutsche Schulen
Die drei anerkannten deutschen Auslandsschulen wurden im Schuljahr 2000/ 2001 von 2800 Kindern und Jugendlichen besucht, ca. 80 % davon Ägypter bzw. Binationale. Alle drei Schulen sind integrierte Begegnungsschulen. Sie führen zum Abitur und zur ägyptischen Hochschulreife (Thanaweya Amma), bzw. in Alexandria zum ägyptischen Handelsdiplom. Die Schulen genießen einen hervorragenden Ruf, ihre Absolventen sind in Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung vertreten und sind unentbehrlich bei den deutschen Institutionen. Jede der Schulen hat jedes Jahr 200 bis 300 Bewerbungen für je 60 Kindergartenplätze und muß die Vierjährigen einem Aufnahmetest unterziehen.
Hochschulen
Ägypten hat eine lange akademische Tradition und ist das wissenschaftlich bedeutendste Land in der arabischen Welt. Es gibt 18 Universitäten, davon fünf private im Großraum Kairo. Die Universität Al Azhar, gegründet 988, ist größte mit 200.000 Studenten. Insgesamt studieren in Ägypten rund 1,5, Milli-onen, die Zahl ist steigend.
Die Mißstände an den Schulen setzen sich an den -gebührenfreien -staatlichen Universitäten fort: Zu vie-le Studenten, überfüllte Veranstaltungen, schlecht bezahlte Dozenten, mangelhafte Forschungseinrichtungen, verkrustete Strukturen. Universitätskarrieren basieren häufig nicht auf Leistung, sondern auf Dienstalter oder Beziehungen. Für begabte Nachwuchskräfte ist dies frustrierend; ihre Chancen liegen im Ausland. In Deutschland studieren derzeit nach Schätzungen 1000 Ägypter.
1996 wurden vier Privatuniversitäten gegründet -eine deutsche Privatuniversität ist in Planung - um der Nachfrage nach qualitativ besserer Ausbildung entgegenzukommen. Der ägyptische Staat hat 1999 eine Hochschulreform beschlossen, zu deren Elementen u.a. das Leistungsprinzip für Hochschullehrer gehört, und deren Umsetzung abzuwarten bleibt.
Deutsche Hochschule
Die Grundsteinlegung zur 1. Deutschen Universität in Kairo, German University Cairo (GUC), erfolgte am 21.10.2001. BMBF unterstützte die Startphase dieses Vorhabens über den DAAD mit UMTS-Mitteln in Höhe von ca. 1.2 Mio DM. Treibende Kräfte, Organisatoren und Koordinatoren auf deutscher Seite sind derzeit die Universitäten Ulm und Stuttgart, unterstützt durch das Land Baden-Württemberg. Die eigentliche Finanzierung der GUC erfolgt über Sponsoren, vor allem aus dem Bereich der ägyptischen Industrie; langfristig werden Studiengebühren einen erheblichen Teil der Kosten decken; d.h. man erwartet, dass die GUC sich privatwirtschaftlich „rechnet“.
Derzeit bestehen in Ägypten14 öffentliche und 5 private Universitäten.