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Forschungslandschaft: Finnland
1. Überblick
Finnland ist eines der forschungsintensivsten Länder der Welt. In vielen Themenfeldern (u.a. Forstwissenschaft, Umwelttechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie) gehört die finnische Forschung zur Weltspitze. Innovation, Forschung und Entwicklung, Technologie und Wettbewerbsfähigkeit – in diesen Bereichen zählt Finnland seit Jahren zu den weltweit führenden Ländern. Ebenso gehört Finnland zusammen mit Dänemark, Deutschland, Großbritannien und Schweden weiterhin zu den führenden europäischen Innovationsländern. Als einen Schlüsselfaktor für erfolgreiche und nachhaltige Aktivitäten in Forschung, Entwicklung und Innovation wird in Finnland der Bildungssektor angesehen. Zusammen mit den Nachbarländern Schweden und Dänemark nahm Finnland im Bereich Hochschul- und Berufsbildung laut "Global Competitiveness Report 2009-2010“ einen der ersten drei Plätze ein.
Insgesamt lag Finnland im Global Competitiveness Report 2010-2011 an Position sieben gegenüber Rang sechs im Jahr zuvor. Bei den Nordischen Ländern war lediglich Schweden (Position zwei) besser positioniert, innerhalb der EU lag Finnland hinter Schweden und Deutschland an Position drei. Bei den drei Subindizes belegte Finnland im Bereich der institutionellen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen Position fünf sowie bei den Innovations- und Entwicklungsfaktoren Rang sechs. Am schwächsten war Finnland vertreten mit dem 14. Platz beim Indikator Effizienzsteigerung.
Innerhalb der EU und der OECD liegt Finnland in Bezug auf den FuE-Anteil am BIP zusammen mit Schweden seit Jahren an der Spitze. Die FuE-Förderung zählt zu den wichtigen Regierungszielen. Im Durchschnitt der letzten Jahre betrug der BIP-Anteil der FuE-Ausgaben ca. 3,5%. Finnland erfüllt damit seit Jahren das Lissabon-Ziel von 3%. Bis zum Jahr 2012 strebt es nach Angaben des Entwicklungsplanes für Bildung und Forschung 4% an.
Aufgrund der im Jahre 2009 auf Finnland besonders stark durchgreifenden Wirtschaftskrise wurde dieses 4%- Ziel erstmalig 2009 knapp erreicht (vgl. FuE-Indikatoren). Dieser Anteil wurde 2010 aufgrund der positiven Wirtschaftsentwicklung nicht wieder erreicht, er lag bei 3,87%. Finnland war von der Wirtschaftskrise im Vergleich zu den anderen EU-Staaten (ausgenommen die baltischen Länder) mit am stärksten betroffen (Rückgang des BIP im Jahr 2009 um 7,8%, EU-27: BIP 2009: -4,2%, Schweden und Dänemark jeweils -4.9%) (Qu.: EUROSTAT). Die nationalen FuE-Ausgaben betrugen 2009 ca. 6,9 Mrd. EUR und lagen damit in etwa in der Höhe von 2008.
Der Anteil der öffentlichen FuE-Förderung lag 2008 bei ca. 22%, der privatwirtschaftliche betrug etwa 70% (wobei annähernd die Hälfte auf NOKIA fällt), aus dem Ausland kamen ca. 7%. Die öffentlichen FuE-Ausgaben lagen damit mit 0,82% Anteil am BIP unter der angestrebten 1%-Marke der Lissabon-Ziele. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte ist der öffentliche Anteil an den Gesamtaufwendungen für FuE zurückgegangen. Mitte der 1980er Jahre lag er noch bei etwa 40%.
Für das Jahr 2010 sieht der finnische Haushalt für FuE-Mittel ca. 2,1 Mrd. EUR vor, davon ca. 0,9 Mrd. EUR für das Bildungsministerium (ca. 45%) und 0,7 Mrd. EUR für das Wirtschaftsministerium (ca. 37%). Über weitere umfangreichere FuE-Mittel verfügen das Sozial- und Gesundheitsministerium (ca. 0,13 Mrd. EUR) und das Landwirtschafts- und Forstministerium mit knapp 0,1 Mrd. EUR (Quelle: Government R&D funding in the state budget 2010, Statistics Finland).
Für Forschung und Entwicklung ist das Bildungsministerium zuständig, während das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft die Felder Innovation und Technologie abdeckt.
Wichtigstes Beratungsgremium der finnischen Regierung in Bezug auf die nationale Forschungs-, Innovations- und Technologiepolitik ist der zum 01.01.2009 ins Leben gerufene Forschungs- und Innovationsrat (RIC). Er folgte dem ehemaligen Science and Technology Policy Council of Finland und erfuhr durch die Einbeziehung des Bereichs Innovation eine Aufwertung. Der Vorsitz des RIC liegt beim jeweiligen Ministerpräsidenten (z. Zt. bei Ministerpräsidentin Mari Kiviniemi).
Die großen Förder- und Mittlerorganisationen Finnlands (Akademie von Finnland, Tekes und Sitra) decken unterschiedliche Bereiche des Wissenschafts- und Innovationssystems ab (vergl. Kap. Förderorganisationen).
Finnland ist Mitglied der OECD. Daten zu Forschung, Entwicklung und Innovation werden von der OECD daher regelmäßig im Rahmen vergleichender Statistiken veröffentlicht. Die aktuellsten Daten bieten die von der OECD zwei Mal jährlich publizierten Main Science and Technology Indicators, die jedoch nur in Auszügen unbeschränkt zugänglich sind. Unbeschränkten Zugang zu Länderstatistiken gibt es über das Web Book STI Scoreboard 2009 und die 2010 veröffentlichte Online Version von „Measuring Innovation“. Ein Länderkurzprofil zu Wissenschaft und Innovation in Finnland erstellte die OECD erstmals 2008.
Die Wertschätzung der finnischen Forschungs- und Innovationspolitik wird auch darin ersichtlich, dass Finnland 2009 eines der ausgewählten Länder der vom BMBF beauftragten Studie „Die Internationalisierung der Wissenschaftspolitik: Nationale Wissenschaftssysteme im Vergleich“ (www.internationales-institut.de/content/publikationen/zeitschrift/2010_1_Hesse.html) des Instituts für Staats- und Europawissenschaften war.

- Das finnische Wissenschafts- und Technologiesystem (Qu.: Finnish Science and Technology Information Service, www.research.fi/en/innovationsystem)
2. FuE-Indikatoren
| Indikator | Finnland | Stand | OECD-Gesamt | Stand |
|---|---|---|---|---|
| Nationale FuE-Ausgaben | 7.634,8 Mio. USD | 2011 | 995.732,3 Mio. USD | 2010 |
| FuE-Ausgabenwachstum i. Vgl. zum Vorjahr | 1,33 | 2011 | 2,51 % | 2010 |
| FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) | 3,78 % | 2011 | 2,38 % | 2010 |
| Anteil öffentlicher FuE-Ausgaben am BIP | 0,95 % | 2011 | 0,74 % | 2010 |
| Öffentlicher Anteil an den FuE-Ausgaben | 25,0 % | 2011 | 31,1 % | 2010 |
| Anteil der Wirtschaft an den FuE-Ausgaben | 67,0 % | 2011 | 60,3 % | 2010 |
| Ausländischer Anteil an den FuE-Ausgaben | 6,5 % | 2011 | ||
| FuE-Ausgaben in Universitäten (intramuros) | 1.525,9 Mio. USD | 2011 | 196.273,6 Mio. USD | 2011 |
| Anteil der FuE-Ausgaben in Universitäten am BIP | 0,76 % | 2011 | 0,45 % | 2011 |
| FuE-Personal (Vollzeitäquivalente) | 54.526 | 2011 | ||
| Anzahl FuE-Personal (VZÄ) je 1000 Arbeitnehmer | 21,7 | 2011 | ||
| Anzahl Forscher (Vollzeitäquivalente) | 40.003 | 2011 | 4.203.260 | 2007 |
| Anzahl Forscher (VZÄ) je 1000 Arbeitnehmer | 15,9 | 2011 | 7,5 | 2007 |
| Anzahl Forscher (VZÄ) in privaten Unternehmen | 22.949 | 2011 | 2.678.378 | 2007 |
| Anzahl Forscher (VZÄ) in privaten Unternehmen in % der Gesamtzahl | 57,4 % | 2011 | 63,7 % | 2007 |
| Anzahl "triadischer" Patentfamilien (nach Prioritätsjahr) | 366 | 2010 | 48.550 | 2010 |
| Anteil an der Gesamtheit triadischer Patentfamilien | 0,73 % | 2010 | 96,42 % | 2010 |
3. Forschungsorganisationen
Eine wichtige Funktion innerhalb der finnischen Forschungs- und Innovationslandschaft nehmen die 18 staatlichen Forschungsinstitute ein. Im Schnitt werden diese Institute zu etwas mehr als 50% aus öffentlichen Mitteln gefördert (insgesamt ca. 296 Mio. EUR in 2010). Die größten Anteile erhalten dabei das Technische Forschungszentrum VTT (ca. 85 Mio. EUR) und das Institut für Forstforschung (ca. 43 Mio. EUR). (Qu.: Finnish Science and Technology Information Service, 2010).
| Institut | Staatliche Mittel (Mio. EUR) |
Externe Mittel (Mio. EUR) |
Gesamtmittel (Mio. EUR) |
|---|---|---|---|
| Gesamt | 295,7 | 255,9 | 551,6 |
| VTT Technisches Forschungszentrum | 85,7 | 168,3 | 254,0 |
| Institut für Gesundheit und Wohlfahrt | 34,2 | 29,0 | 50,3 |
| Agrifood Forschungsinstitut | 34,6 | 15,7 | 50,3 |
| Institut für Forstforschung | 43,2 | 5,5 | 48,7 |
| Institut für Gesundheit am Arbeitsplatz | 20,4 | 9,9 | 30,3 |
| Meteorologisches Institut | 16,3 | 7,3 | 23,5 |
| Umweltinstitut | 11,3 | 7,1 | 18,5 |
| Geologischer Dienst | 11,0 | 2,3 | 13,3 |
| Wild- und Fischereiforschungs-institut | 9,0 | 3,3 | 12,3 |
| Amt für Strahlung und nukleare Sicherheit | 6,2 | 0,8 | 7,0 |
| Forschungsinstitut für die Sprachen Finnlands | 5,2 | 0,5 | 5,7 |
| Geodätisches Institut | 3,6 | 1,9 | 5,5 |
| Regierungsinstitut für Wirtschaftsforschung | 4,2 | 1,0 | 5,2 |
| Institut für Internationale Beziehungen | 3,1 | 0,2 | 3,4 |
| Zentrum für Verbraucherforschung | 2,3 | 0,9 | 3,2 |
| Zentrum für Metrologie und Akkreditierung | 2,5 | 0,5 | 3,0 |
| Amt für Nahrungsmittelsicherheit | 1,5 | 1,2 | 2,7 |
| Nationales Institut für Justizpolitik | 1,2 | 0,6 | 1,8 |
Staatliche finnische Forschungsinstitute – Budgetrahmen 2010, Quelle: Finnish Science and Technology Information Service, 2010 (www.research.fi/en/research_environments/state_research_institutes)
Das Technische Forschungszentrum von Finnland (VTT) mit 2.935 Angestellten (01.01.10, Qu.: VTT-Jahresbericht 2009) ist das größte interdisziplinäre Forschungszentrum der nordischen Länder. VTT bietet hochwertige Technologien und Innovationen. Als wichtiger Bestandteil der finnischen Innovationslandschaft ist es dem Wirtschaftsministerium zugeordnet. Seit Anfang 2010 operiert VTT in einer neuen Gruppenstruktur.
Der überwiegende Teil der finnischen Großunternehmen, aber auch die meisten der in der Hochtechnologie tätigen kleinen und mittleren Betriebe sind Kunden des VTT. Insgesamt verzeichnet VTT laut Jahresbericht 2009 mehr als 6.500 Kunden, darunter mehr als 600 ausländische Unternehmen.
Die VTT-Schlüsseltechnologiefelder sind:
- Materialforschung
- Biochemische und chemische Prozesse
- Energie
- Informations- und Kommunikationstechnologie
- Industrielle Systeme
- Mikrotechnologie und
- Dienstleistungen.
Das seit dem 01.01.2009 agierende nationale Institut für Gesundheit und Wohlfahrt ist ein FuE-Institut im Zuständigkeitsbereich des Sozial- und Gesundheitsministeriums. Mit ca. 1.400 Beschäftigten ist es das zweitgrößte finnische Forschungsinstitut.
Centers of Excellence (CoE)
Die Akademie von Finnland fördert im Rahmen von zwei Programmlinien gegenwärtig 41 finnische Centers of Excellence (2006-2011: 23, 2008-2013: 18). Das nächste CoE-Programm läuft für den Zeitraum 2012-2017. Mit den CoEs wird ein innovatives und zielorientiertes Forschungsumfeld geschaffen. Darüber hinaus werden Nachwuchsspitzenkräfte gefördert.
Ferner unterstützt die Akademie auch die vier laufenden Programme zu den Nordic Centers of Excellence (NCoE) mit jeweils fünf Jahren Laufzeit.
Die Nordischen Exzellenzzentren sind nach Angaben des Jahresberichtes 2009 der Akademie:
- Nordic Centers of Excellence on Molecular Medicine (2009 abgeschlossen)
- Nordic Centers of Excellence for the Humanities and Social Sciences
- Nordic Centers of Excellence Programme on Food, Nutrition and Health und
- Nordic Centers of Excellence Programme on Welfare Research.
Strategische Zentren für Wissenschaft, Technologie und Innovation (SHOK bzw. CSTI)
In den Jahren 2007 bis 2009 wurden in Finnland in den Bereichen Forstwirtschaft (2007), Informations- und Kommunikationstechnologie, Ingenieurwesen, Umwelt und Energie (2008), Bauwesen sowie Gesundheit (2009) sechs virtuelle Zentren aufgebaut. In den Zentren soll die Zusammenarbeit hochqualifizierter universitärer und in Forschungsinstituten angesiedelten Forschergruppen mit Unternehmen, die die Ergebnisse anwenden, vorangetrieben werden. CSTIs sind anwendungsbezogen und multidisziplinär ausgerichtet. Die öffentliche Förderung erfolgt sowohl über die Akademie von Finnland als auch über Tekes.
Darüber hinaus wird öffentliche FuE an den 16 Universitäten und 30 Fachhochschulen betrieben (vgl. Kap. Schulen und Hochschulen).
4. Förderorganisationen
Die großen Förder- und Mittlerorganisationen Finnlands decken in sich ergänzender Art und Weise unterschiedliche Bereiche des Wissenschafts- und Innovationssystems ab:
- Die Akademie von Finnland (gegr. 1947) untersteht dem Bildungsministerium. Sie betreibt Forschungsförderung im Bereich der Grundlagenforschung. Für ihre Aufgaben stehen ihr 2010 etwa 385 Mio. EUR zur Verfügung. Die Förderprogramme der Akademie erstrecken sich auf Projekt-, Programm- und Personenförderung.
- Tekes (The Finnish Funding Agency for Technology and Innovation) wird vom Wirtschaftsministerium gesteuert. Die 1983 gegründete Agentur ist im Bereich der angewandten Forschung und Innovation tätig und verfügt 2010 über Mittel von ca. 610 Mio. EUR. Tekes ist mit Büros in Brüssel, Peking, Shanghai, Tokio, Washington, Santa Clara (Silicon Valley) auch organisatorisch international aufgestellt.
- Der finnische Innovationsfonds Sitra (seit 1967) ist eine, dem Parlament unterstehende Stiftung. Er wird nicht öffentlich gefördert, sondern bezieht seine Mittel aus bestehendem Vermögen. Sitra setzt die Mittel v.a. für Risikokapital in der angewandten Forschung und Innovation ein. Ende 2008 lag der Marktwert von Sitra bei 626 Mio. EUR.
Die Akademie von Finnland
Die Akademie ist Förderorganisation (v.a. für die Grundlagenforschung) und hat gleichzeitig eine Beraterfunktion für die Regierung. Die Aufgaben der Finnischen Akademie sind, die wissenschaftliche Forschung zu intensivieren, die internationale Forschungszusammenarbeit zu unterstützen und fachliche Berater für die Forschungspolitik zur Verfügung zu stellen.
Die Akademie wird von einem Beirat geleitet. Sie verfügt über vier mit Fördermitteln (Qu.: Jahresbericht der Akademie 2009) ausgestattete Forschungsausschüsse in den Bereichen:
- Biowissenschaften und Umwelt (2009: 57,3 Mio. EUR)
- Kultur und Gesellschaft (2009: 69,6 Mio. EUR)
- Naturwissenschaften und Technik (2009: 102,6 Mio. EUR) sowie
- Kultur (2009: 53,2 Mio. EUR).
Die wichtigste Aufgabe der Finnischen Akademie der Wissenschaften ist die Finanzierung der vielseitigen Grundlagenforschung. Der Großteil der Forschungsförderung geht an Forschungseinrichtungen und Universitäten. Der Anteil der Akademie an der staatlichen Förderung für Forschung und Entwicklung beläuft sich 2010 auf knapp 19%.
Die Förderprogramme der Akademie lassen sich in drei Kategorien einteilen:
- Projektförderung
- Programmförderung und
- Personenförderung.
Im Dezember 2009 betrieb die Akademie zwölf laufende Forschungsprogramme:
| Forschungsprogramm, Laufzeit | Fördersumme (Mio. EUR) |
Projektanzahl |
|---|---|---|
| Business Know-how LIIKE 2, 2006-2009 | 4,3 | 18 |
| Future of Work and Well-being WORK, 2008-2011 | 8,4 | 21 |
| Information Technology in Mechanical and Automation Engineering KITARA, 2005-2009 | 5,6 | 15 |
| Nanoscience FinNano, 2006-2010 | 9,5 | 10 |
| Neuroscience NEURO, 2006-2009 | 7,0 | 23 |
| Nutrition, Food and Haelath ELVIRA, 2006-2010 | 7,0 | 15 |
| Power and Society in Finland VALTA, 2007-2010 | 7,4 | 24 |
| Responding to Public Health Challenges SALVE, 2009-2012 | 9,3 | 11 |
| Sustainable Energy SusEn, 2008-2011 | 13,2 | 31 |
| Sustainable Production and Products KETJU, 2006-2010 | 9,2 | 20 |
| Substance Use and Addictions ADDIKITIO, 2007-2010 | 5,5 | 13 |
| Ubiquitous Computing an Diversity of Communication MOTIVE, 2009-2012 | 9,0 | 15 |
In 2010 starteten weitere drei Forschungsprogramme:
- Computional Science (LASTU), 2010-2015 (Fördersumme 9,2 Mio. EUR
- Health and Welfare of Children and Young People (SKIDI-KIDS), 2010-2013 (Fördersumme 8,5 Mio. EUR)
- Photonics (Fotoniikka), 2010-2013 (Fördesumme 9,0 Mio. EUR).
Die jeweils aktuelle Liste der laufenden Forschungsprogramme der Akademie finden sich unter www.aka.fi/en-gb/A/Science-in-society/Research-programmes/Ongoing/.
Durch die Finanzierung internationaler Forschungszusammenarbeit will die Akademie die Mobilität der Wissenschaftler verbessern und deren internationalen Kontakte ausbauen. Die Akademie arbeitet mit mehreren internationalen Forschungsorganisationen (darunter auch der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG) zusammen und nimmt an vielen internationalen Forschungsprogrammen teil, z. B. an Programmen mit nordischen Organisationen und der Europäischen Union. So trägt sie die nationale Verantwortung für zwei spezifische Programme und sechs Sub-Programme des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms.
Darüber hinaus ist die Akademie an 14 ERA-NETs als Konsortialpartner beteiligt, und koordiniert ein weiteres (NORFACE+, 2009-2014: New Opportunities for Research Funding Co-operation in Europe – A Strategy for Social Sciences). Ebenso wirkt die Akademie an den INCO-NET Projekten EULARINET (EU-Lateinamerika) und INCO-NET EECA (Osteuropa und Zentralasien) mit.
Im Rahmen der regionalen Zusammenarbeit des Nordischen Forschungsraumes koordiniert die Akademie zwei NORIA-nets und ist Partner in vier weiteren.
Die Akademie kooperiert im nationalen Bereich an Schnittflächen mit der wichtigsten finnischen Förderorganisation Tekes. Neben den strategischen Zentren für Wissenschaft, Technologie und Innovation gilt dies beispielsweise auch für das „Finland Distinguished Professor Programme“ (FiDiPro), das ausländische Spitzenkräfte ins Land holen soll und gleichzeitig im Ausland tätige finnische Spitzenforscher ermutigen soll, nach Finnland zurückzukehren.
Tekes
Tekes (The Finnish Funding Agency for Technology and Innovation) spielt eine zentrale Rolle bei der Formulierung und Umsetzung der finnischen Technologie- und Innovationspolitik. Bei der Entwicklung und Umsetzung von Programmen genießt die Agentur, die über ca. 390 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügt, eine relativ hohe Autonomie. Tekes ist der Hauptträger der Finanzierung technologischer Forschung und Entwicklung. In Ergänzung zu den Förderaktivitäten der Akademie von Finnland liegt daher der Fokus auf der angewandten Forschung sowie der Technologie- und Prozessentwicklung. So aktiviert und finanziert Tekes hochkarätige Forschungs- und Produktentwicklungsprojekte sowohl von Forschungsinstituten als auch von Unternehmen. Eine matrixartige Organisationsstruktur soll Tekes eine hohe Koordinationsdichte und –geschwindigkeit verleihen (vgl. Studie: „Die Internationalisierung der Wissenschaftspolitik: Nationale Wissenschaftssysteme im Vergleich“).
Für das Jahr 2010 stehen Tekes aus öffentlichen Mitteln ca. 610 Mio. EUR für Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsprojekte zur Verfügung (das entspricht ca. 30% der gesamten öffentlichen Mittel).
Nach Angaben des Jahresberichtes förderte Tekes in 2009 annährend 2.200 Projekte mit insgesamt 579 Mio. EUR, davon stammten 22 Mio. EUR aus EU-Strukturfonds-Mitteln. 343 Mio. EUR davon investierte Tekes in Projekte von Unternehmen (darunter 87% an Unternehmen mit weniger als 500 Angestellten), die verbleibenden 236 Mio. EUR gingen für 665 Projekte an Universitäten, Fachhochschulen und Forschungsinstitute.
Die Verteilung der Fördermittel für Universitäten, Fachhochschulen und Forschungsinstitute war 2009 wie folgt:
- Universitäten: 131 Mio. EUR
- Forschungsinstitute (VTT und weitere): 76 Mio. EUR
- ESA-Beiträge: 15 Mio. EUR
- Fachhochschulen: 6 Mio. EUR sowie
- Sonstiges: 8 Mio. EUR.
Darüber hinaus wurden 2009 über 1.500 Projekte beendet. Bei knapp 900 handelte es sich um FuE-Projekte in Unternehmen. Die 1.500 Projekte führten zu 458 Produkt-, 459 Dienstleistungs- und 328 Prozessinnovationen. Es kam zu 709 Patenanmeldungen und 1.811 wissenschaftlichen Publikationen.
Unter der Projektträgerschaft von Tekes geführte Technologieprogramme zählen zu den wichtigsten Pfeilern des finnischen Innovationssystems.
Für das Jahr 2009 weist der Jahresbericht von Tekes 29 laufende Programme aus, in die Tekes 242 Mio. EUR Fördermittel investierte (etwa 43% der Gesamtfördersumme der Agentur). An diesen Programmen nahmen 3.869 Unternehmen und 1.571 Forschungseinrichtungen teil.
Die internationale Vernetzung der TEKES-Technologieprogramme nimmt seit
einigen Jahren zu, was sich u.a. in der wachsenden Zahl internationaler FuE-Projekte äußert. Etwa 43% der von Tekes geförderten Projekte in 2009 waren internationaler Natur. In diese internationalen Projekte flossen ca. 306 Mio. EUR.
Sitra
Der Innovationsfonds Sitra nimmt in der Forschungs- und Innovationsförderung eine Sonderrolle ein: Er finanziert seine Förderprogramm ohne Zuschüsse aus dem Staatshaushalt. Als unabhängige öffentliche Stiftung untersteht der Fonds dem Parlament. Seine Mittel stellt er vor allem als Wagniskapital für innovative Firmen zur Verfügung und finanziert einzelne Projekte der Grundlagenforschung und der Ausbildung (Qu.: Deutsche Botschaft Helsinki 2010, unveröffentlicht). Der Marktwert von Sitra mit etwa 100 Angestellten betrug Ende 2008 ca. 630 Mio. EUR. Sitra unterstützt vor allem Projekte zum Wohle der finnischen Gesellschaft.
Sitra setzt aktuell fünf, jeweils auf vier bis fünf Jahre ausgerichtete, Programme in den folgenden Bereichen um:
- Kommunale Entwicklung (2009-2013)
- Energieforschung (2008-2012)
- Mechanische Industrie 2008-2011)
- Ländlicher Raum (2010-2014) sowie
- Management und Administration (2010-2013).
Darüber hinaus gibt es eine Reihe von weiteren Organisationen zur Umsetzung innovationsorientierter Politik in Finnland, wie Finnerva, Finnish Industry Investment und Finpro.
Quelle: OECD Main Science and Technology Indicators, 2012/2
Redaktion: 19.03.13, von: H. Lübbers und M. Krux, VDI Technologiezentrum GmbH
5. FuE im öffentlichen Sektor
Der öffentliche FuE-Anteil (insgesamt knapp 2,1 Mrd. EUR in 2010) an den gesamten FuE-Aufwendungen ist mit ca. 22% relativ gering. Er liegt bei knapp 1% des BIP.
In 2010 verteilen sich die Mittel (Qu.: Government R&D funding in the state budget 2010, Statistics Finland) auf
- Universitäten: 506 Mio. EUR
- Universitätskliniken: 30 Mio. EUR
- Akademie von Finnland: 385 Mio. EUR
- Tekes: 610 Mio. EUR
- Staatliche Forschungsinstitute: 296 Mio. EUR und
- Sonstiges: 218 Mio. EUR.
Im Bereich der Universitäten und Fachhochschulen ist der Anteil der institutionellen Förderung gegenüber der wettbewerblichen im Rückgang begriffen. In 2007 betrug er nur noch 44% (50% an den Universitäten und 28% an den Fachhochschulen).
6. FuE im privaten Sektor
Privatwirtschaftliche Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sind für das finnische Forschungs- und Innovationssystem außerordentlich bedeutsam. Die FuE-Ausgaben finnischer Untenehmen betrugen im Jahr 2009 ca. 5 Mrd. EUR. Etwa 90% dieser Ausgaben wurden im privaten Sektor reinvestiert, ca. 9% gingen in öffentliche Forschungsprojekte.
Der privatwirtschaftliche Anteil an den gesamten FuE-Ausgaben lag bei etwa 70%. Sektoriell lag der Schwerpunkt in der Elektroindustrie mit annährend 60% der privaten FuE-Aktivitäten. Mehr als 80% der FuE-Aktivitäten erfolgten in großen Unternehmen mit mehr als 250 Angestellten, dies bedeutet, dass die FuE-Aktivitäten auf wenige große Firmen konzentriert sind. Bedeutendster privater FuE-Investor ist Nokia. Der finnische Konzern nahm mit 5,32 Mrd. EUR 2008 in der EU Platz zwei hinter Volkswagen und weltweit Rang acht bei den FuE-Investitionen (Qu.: EU Industrial R&D Investment Scoreboard) ein. Nokia ist für das finnische Innovationssystem deshalb von zentraler Bedeutung. Die FuE-Ausgaben Nokias lagen über den gesamten FuE-Ausgaben der finnischen Unternehmen – allerdings floss ein großer Teil dieser Investitionen ins Ausland – die inländischen Ausgaben sind 2010 rückläufig. Damit ist Finnland im FuE-Bereich auf wenige private Akteure angewiesen.
7. Öffentlich-private Zusammenarbeit in FuE
Öffentlich-private Zusammenarbeit ist eine wichtige Antriebskraft innerhalb des finnischen Forschungs- und Innovationssystems. Die erfolgreiche Kooperation zwischen „Wissen erzeugenden“ Einrichtungen und Unternehmen ist mit entscheidend für die Anwendung neuen Wissens und neuer Technologien in innovativen Produkten und Prozessen. Die Kooperation zwischen der Industrie und öffentlich finanzierten Forschungseinrichtungen ist in Finnland intensiv. Sie zeigt sich beispielhaft bei den strategischen Zentren für Wissenschaft, Technologie und Innovation (CSTI).




