FlaggeLänderbericht: Frankreich

1. Allgemeine Landesinformationen

1.1. Bevölkerung/Geografie

Ländername République Française
Französische Republik
Hauptstadt Paris
Fläche 547.026 km²
(ohne Übersee-Departements)
Bevölkerungszahl 65,3 Mio.
(Schätzung Juli 2011)
Lebenserwartung Frauen: 84,44 Jahre
Männer: 77,91 Jahre
(Schätzung 2011)
Altersstruktur 0-14 Jahre: 18,5%
15-64 Jahre: 64,7%
65 Jahre und älter: 16,8%
(Schätzung 2011)
Bevölkerungswachstum 0,5%
(Schätzung 2011)
Bevölkerungsgruppen Franzosen aus keltisch/germanisch/lateinischen Wurzeln je nach Region verschieden ausgeprägt, Baskische Minderheit, Völker der ehemaligen Kolonien: Nord-Afrikaner, Afrikaner, Indochinesen, Karibik-Völker
Sprachen Französisch (Amtssprache)
Regionale Dialekte/Sprachen: Elsässisch, Baskisch, Provenzalisch, Okzitanisch, Katalanisch
Religionen 83% römisch-katholisch
7% Muslime
2% Protestanten
1% Juden
Nationaltag 14. Juli
Zeitzone MEZ (UTC + 1);
März bis Oktober: MEZ + 1 (UTC +2)
Währung Euro EUR / 100 Cent
Wechselkurse zu anderen Währungen unter OANDA.com - Währungskonverter (siehe u.a. Links)
Vorwahl +33

Quelle: Auswärtiges Amt, INSEE, CIA World Factbook, www.travelshop.de, www.oanda.com

Politische Karte Frankreichs (bitte anklicken für eine vergrößerte Version)
Politische Karte Frankreichs (bitte anklicken für eine vergrößerte Version)

Mit ca. 550.000 km2 ist Frankreich das drittgrößte Land Europas nach Russland und der Ukraine. Es liegt im äußersten Westen des eurasischen Festlandsockels und wird von 3 Meeren und 6 Nachbarländern begrenzt. Die Nordgrenze bilden Belgien und Luxemburg, im Osten liegen Deutschland, die Schweiz und Italien. Die Südgrenze bildet das Mittelmeer. Entlang der Pyrenäen im Südwesten liegt Spanien. Die westliche Küste wird vom Atlantik begrenzt und im Nordwesten befindet sich der Ärmelkanal.

Das französische Staatsgebiet bildet ein kompaktes Sechseck (mit Seitenlängen von ca. 1.000 km), weshalb es auch als Hexagon bezeichnet wird. Frankreich weist eine große Vielfalt seiner Landschaften wie auch seiner klimatischen Bedingungen auf. 

Die großen fruchtbaren Ebenen liegen im Südwesten, im Aquitanischen Becken und im Norden rund um das Pariser Becken und machen etwa 2/3 der Gesamtlandschaft aus. Die Gebirge liegen komplementär dazu. Im Nordosten sind es die Vogesen, zu denen die Regionen Elsass, Lothringen und Hochburgund gehören. Der höchste Berg ist hier der Ballon de Guebwiller (1.424 Meter).

Im Osten an der Grenze zur Schweiz liegt der Jura, der ungefähr der Region Franche Comté entspricht. Er ist durch steile Felsen und parallel verlaufende Täler gekennzeichnet, die von einer Vielzahl von Flüssen durchschnitten werden: Doubs, Loue, Lison. Hier existiert eine einzigartige Fauna.

Der französische Teil der Alpen im Südosten des Landes mit den Regionen Rhône-Alpes und Provence-Alpes-Côte-d'Azur bildet in Frankreich einen 400 km langen Streifen, der sich südlich des Genfer Sees bis hin zur Mittelmeerküste zieht, wo er in die französischen Seealpen übergeht. Es ist eine der grandiosesten Landschaften Europas. Zu ihr gehören der Mont Blanc (4.807 m), der höchste Gipfel der Alpen beim Dreiländereck Frankeich-Italien-Schweiz, und dem Grand Canyon nordwestlich von Nizza, wo der Fluss Verdon eine bis zu 600 Meter tiefe Schlucht in die Kalkfelsen geschnitten hat. 

Das Zentralmassiv liegt in der Mitte des südlichen Frankreichs links der Rhône und umfasst etwa 1/7 der Gesamtfläche des Landes. Es erstreckt sich über die Regionen Auvergne, Limousin, Rhône-Alpes, Languedoc-Roussillon und Midi-Pyrénées, bis tief in den Südwesten des Landes. Aufgrund seines Alters, es entstand vor ca. 350 Mio. Jahren, ist das Gebirge stark abgetragen. Die durchschnittlichen Erhebungen betragen nur etwa 500-1000 m. Der höchste Berg ist der Puy de Sancy (1885 m) in der Auvergne, der größten zusammenhängenden Vulkanlandschaft Europas. 

Im Südwesten schließlich, als Verbindung zwischen Mittelmeer und Atlantik, liegen die Pyrenäen, ein Hochgebirge mit großartigen Schluchtenlandschaften. Die höchsten Berge auf französischer Seite sind der Pic de Vignemale (3.298 m) und der Pic Perdiguère (3.222 m).Die größten und wichtigsten Flüsse Frankreichs sind die Loire (1.012 km) und die Garonne (575 km), die beide unregelmäßige Wasserstände aufweisen und daher ungeeignet für die moderne Schifffahrt sind. 

Die Seine (776 km) und die Rhône (522 km) dagegen sind als Verkehrswege ausgebaut.Die landschaftliche Vielfalt spiegelt sich auch in Frankreichs Küstenlandschaften wieder, die insgesamt eine Länge von über 5.000 km aufweisen. Im Bereich des Ärmelkanals nördlich der Seinemündung sind bis zu 100 m hohe Kreidekliffs vorherrschend. 

n der Bretagne hat das Meer Landspitzen und vorgelagerte Klippen geformt, die den Seefahrern oft zum Verhängnis wurden. Dieselben Formationen finden sich ebenso in der Provence. Im Gegensatz dazu stehen die langen geradlinigen Sandstrände, die am Atlantik vornehmlich im Südwesten bei Bordeaux vorkommen und auf der Mittelmeerseite im Languedoc, dem Gebiet zwischen den Pyrenäen und dem Rhônedelta. Letzteres hat die Carmague geformt, ein Sumpfgebiet an der Flussmündung welches, ebenso wie sein Pendant auf der Atlantikseite in der Region Poitou-Charentes, lange Zeit für den Menschen unzugänglich war, heute jedoch zu den touristischen Highlights von Frankreich gehört. 

Während der Westen und der Norden des Landes maritimes, gemäßigtes Klima aufweisen, liegt der Osten bereits im Übergangsklima zum Festland. Im Süden herrscht Mittelmeerklima mit heißen Sommern und milden Wintern. Allerdings kann in der Provence der Mistral, ein rauer trockener und böiger Wind aus den Cevennen, erhebliche Temperaturstürze mit sich bringen.

1.2. Politik/Administration

Ländername République Française
Französische Republik
Regierungsform Parlamentarische Präsidialdemokratie
Staatsoberhaupt François HOLLANDE (UMP)
Seit dem 15. Mai 2012 Staatspräsident der Französischen Republik.
Hauptstadt Paris
Regierungschef Jean-Marc AYRAULT
Premierminister
Außenminister/in Laurent FABIUS
(Minister für äußere und europäische Angelegenheiten)
Bildungsminister/in Vincent PEILLON
Wissenschaftsminister/in Geneviève FIORASO
(Ministerin für Hochschulwesen und Forschung)
Parlament Zwei-Kammer-Parlament
Assemblée Nationale / Nationalversammlung (577 Abgeordnete, für 5 Jahre gewählt)
Sénat / Senat (331 Senatoren, für 6 Jahre gewählt)
Regierungsparteien
  • UMP - Union pour un Mouvement Populaire / Union für eine Volksbewegung (39,5%) Gründung der UMP im November 2002 durch Einbeziehung der DL (Liberale), RPR (Neogaullisten), die sich damit auflösten, und Teilen der UDF (Zentristen).
  • NC - Nouveau Centre / Neues Zentrum (2,4 %)

Oppositionsparteien Im Parlament mit Fraktionsstatus:
  • PS - Parti Socialiste / Sozialistische Partei (24,7%) bildet Fraktionsgemeinschaft mit Abgeordneten:
  • PRG - Parti Radical de Gauche / Radikale Linke (1,3%)
  • MRC - Mouvement Républicain et Citoyen / Republikanische und bürgerliche Bewegung
  • PCF - Parti Communiste Francais / Franz. Kommunistische Partei (4,3%)
  • Les Verts / Die Grünen (1,3%) bilden ebenfalls eine Fraktionsgemeinschaft
Ohne Fraktionsstatus:
  • MPF - Mouvement pour la France / Bewegung für Frankreich
  • MoDem - Mouvement démocrate / Demokratische Bewegung
Ohne Parlamentssitze:
  • FN - Front National / Nationale Front
  • LCR Ligue Communiste Révolutionaire / Kommunistische Revolutionäre Liga
  • CPNT - Chasse, Pêche, Nature, Tradition / Jagd, Fischerei, Natur, Tradition
  • Génération Ecologie - Ökologische Generation
  • MNR - Mouvement National Républicain
  • LO - Lutte Ouvrière / Arbeiterkampf
Ergebnisse der Wahlen zur Nationalversammlung vom 10. und 17. Juni 2007.

Weitere Informationen zu Wahlergebnissen und Parteien - Stimmenanteile, Sitzverteilung im Parlament, etc. – unter France auf der Wikipedia-Website: Elections by country
Landwirtschaftsminister Stéphane LE FOLL
(Minister für Landwirtschaft und Ernährung)
Verwaltungsstruktur Frankreich hat 4 Verwaltungsebenen: 1. Städte und Gemeinden (communes)
2. Départements (96 im europ. Frankreich, mit dem Präfekten an der Spitze)
3. Überseeische Gebiete (territoires d`outre mer)
4. Regionen (régions)
Im europäischen Frankreich gibt es die folgenden 22 Regionen:
Alsace, Aquitaine, Auvergne, Basse-Normandie, Bourgogne, Bretagne, Centre, Champagne, Franche, Haute-Normandie, Ile-de-France, Languedoc-Roussillon, La Corse, La Lorraine, Limousin, Midi-Pyrénées, Nord-Pas-de-Calais, Pays de la Loire, Picardie, Poitou, Provence-Alpes-Côte d´Azur, Rhônes-Alpes Beschließendes Organ der Regionen ist der Regionalrat (Conseil Régional), der seit 1986 direkt gewählt. Seine Aufgaben: Wirtschaftsplanung, Raumordnung, Wirtschaftsförderung, berufliche Bildung und Gymnasien.

Quelle: Auswärtiges Amt, CIA - World Factbook, CIA - Chiefs of State, Wikipedia - Elections by country

Der Präsident der Republik

Das politische System der Fünften Republik wird geprägt durch die zentrale Rolle des Präsidenten der Republik. Er genießt eine Sonderstellung innerhalb der Demokratien Europas.
Infolge seiner Direktwahl durch das Volk ist er in ähnlicher Weise wie die Nationalversammlung unmittelbar legitimiert. Durch eine Verfassungsänderung wurde 2002 seine Amtszeit von früher sieben auf fünf Jahre verkürzt. Sie entspricht damit der Länge des Mandats der Nationalversammlung.

Der Präsident ist Staatsoberhaupt und Hüter der Verfassung. Er ist zugleich oberster Chef der Exekutive. So führt der Präsident den Vorsitz im Ministerrat und vertritt Frankreich, unter Umständen gemeinsam mit dem Premierminister, auf internationaler Ebene (z.B. beim Europäischen Rat). Die Außen- und Sicherheitspolitik gilt traditionell vorrangig als seine Zuständigkeit ("domaine réservé"). Die herausgehobene Stellung des Präsidenten verpflichtet ihn einerseits zur Überparteilichkeit (Repräsentant aller Franzosen), zugleich ist er aber auch Repräsentant einer politischen Richtung.

Politische Parteien 

Die politischen Parteien des Landes ordnen sich traditionell dem Lager der „Linken“ oder der (bürgerlichen) „Rechten“ zu. Zur Regierungsmehrheit gehört die bürgerlich-rechte Sammelpartei „Union pour un mouvement Populaire“/UMP sowie das aus der UDF hervorgegangene Nouveau Centre / Neue Zentrum, das aber eine eigene Fraktion bildet.

Größte Oppositionspartei ist die „Parti socialiste“/PS.  Die Grünen, ebenfalls im Parlament vertreten, sind bei den Europawahlen (2009) und Regionalwahlen (2010) zur drittstärksten politischen Kraft avanciert. Ferner sind die PC (Kommunisten), die PRG (linke Radikaldemokraten) und die ebenfalls aus der UDF hervorgegangene „Demokratische Bewegung“ in der parlamentarischen Opposition.

Quelle: Auswärtiges Amt (Stand März 2011)

1.3. Wirtschaftsinformationen

Logo iXPOS für Wirtschaftsinformationen

Wirtschaftsinformationen mit Basisdaten zum Außenhandel sowie Informationen zur deutschen Außenwirtschaftsförderung finden Sie bei iXPOS - dem Außenwirtschaftsportal.

Frankreich - Wirtschaftskraft im Ländervergleich - 2010
Land Bevölkerung in Mio. Gesamt-BIP kaufkraftbereinigt in Mio. internat. $* BIP pro Kopf kaufkraftbereinigt in internat. $*
Frankreich 64,88 2.194.118 33.820
Großbritannien 62,25 2.231.150 35.843
Italien 60,58 1.908.569 31.508
Deutschland 81,64 3.071.282 37.622

*Internationaler $ ist der Wertausdruck der Kaufkraftparität. Es ist die Anzahl von Einheiten einer Landeswährung, die man benötigt, um dieselbe Warenmenge in diesem Land einzukaufen, die man für 1 US$ in den Vereinigten Staaten erhalten könnte.

Quelle: Weltbank - World Development Indicators database

Frankreich - Wirtschaftliche Entwicklung - 2008-2010
Kenngröße 2008 2009 2010
Wachstum 0,4% -2,5% 1,5%
Inflation 3,2% 0,1% 1,5%
Arbeitslosenrate 8,0% 9,6% 9,7%

Quelle: Germany Trade & Invest - Wirtschaftsdaten kompakt: Frankreich, Mai 2011

Frankreich - Weitere Eckdaten - 2010
Kenngröße 2010
Haushaltssaldo (% BIP) -7,6% (Schätzung)
Staatsverschuldung (% BIP) 81,5%
Exporte (Veränd. z. Vorjahr) 386,0 Mrd. EUR (+13,3%)
Importe (Veränd. z. Vorjahr) 452,0 Mrd. EUR (+13,2%)
Handelsbilanz -66,0 Mrd. EUR

Quelle: Germany Trade & Invest - Wirtschaftsdaten kompakt: Frankreich, Mai 2011

Frankreich - Import-Export weltweit - 2010
Wichtigste Importgüter Anteil am Gesamtimport Wichtigste Exportgüter Anteil am Gesamtexport
Mechanische Ausrüstungen, IT/Optik/Elektronik 21,0% Transportmittel 21,8%
Transportmittel 15,2% Mechanische Ausrüstungen, IT/Optik/Elektronik 19,5%
Chemische Erzeugnisse   8,6% Chemische Erzeugnisse 12,1%
Maschinenbau   7,3% Luftfahrzeuge 10,6%
KFZ   6,9% Nahrungsmittel   9,3%
Nahrungsmittel   6,7% Pharmaprodukte   7,5%
Pharmaprodukte   5,1% Eisen, Metalle und Stahlerzeugnisse   7,1%
Textilien, Bekleidung   4,7% KFZ   6,3%
Eisen, Metalle und Stahlerzeugnisse   4,6%    

Quelle: Germany Trade & Invest - Wirtschaftsdaten kompakt: Frankreich, Mai 2011

Frankreich - Handelspartner - 2010
Hauptlieferländer Anteil am Gesamtimport Hauptabnehmerländer Anteil am Gesamtexport
Deutschland 17,3% Deutschland 16,3%
VR China   8,3% Italien   8,0%
Belgien   7,9% Belgien   7,6%
Italien   7,5% Spanien   7,5%
Spanien   6,1% Großbritannien   6,7%
USA   5,9% USA   5,7%
Großbritannien   4,4% Niederlande   4,1%
Niederlande   4,2% VR China   3,9%

Quelle: Germany Trade & Invest - Wirtschaftsdaten kompakt: Frankreich, Mai 2011

1.4. Handel mit Deutschland

Zwei Tortendiagramme zeigen die französischen Exportgüter nach Deutschland und deutsche Exportgüter nach Frankreich 2010. Die größten Bereiche nehmen dabei jeweils KFZ- und KFZ-Teile, sowie sonstige Fahrzeuge ein.
Quelle: Statistisches Bundesamt

1.5. Reiseinformationen

Visa/Zoll – Formelles
Einreise-, Visa- und Zollbestimmungen, sowie auch Sicherheitshinweise werden aktuell auf der Website des deutschen Auswärtigen Amts publiziert – unter der Rubrik Länder- und Reiseinformationen

Das Auswärtige Amt ist direkt zu erreichen unter:
Telefon: 03018-17-2000
Telefax: 03018-17-51000
oder im E-Mail-Formular unter dem Punkt: Kontakt
auf der Website: www.auswaertiges-amt.de

Zusätzliche Informationen, z. B. zu den Kosten für die Visa-Erteilung gibt es im Reiseführer Travelshop.de. Dort das Länderlexikon anklicken! 

Außerdem ist es immer sinnvoll, die Botschaft bzw. ein Konsulat des Reiselandes zu kontaktieren. Adressen unter: Konsulate.

Medizinische Vorsorge
Auskunft zu diesem wichtigen Thema erteilen die Seiten des Reisemedizinischen Infoservice Fit-For-Travel und des Centers for Disease Control and Prevention (siehe u. a. Linkliste). 

Landesinformationen
Top-Landesinformationen bieten die Reiseführer Travelshop.de und derreiseführer.com - beide mit verschiedenen Info-Highlights und Themengewichtungen (siehe u. a. Linkliste).

1.6. News/Presse

In der unten stehenden Linkliste gibt es nur eine kleine Auswahl von Zeitungen/Zeitschriften sowie News von offiziellen Institutionen, vor allem in deutscher oder englischer Sprache.

Für eine Zusammenstellung der fast vollständigen Presselandschaft des Landes gehen Sie auf die Webseite: www.onlinenewspapers.com

Eine Auswahl der wichtigsten Zeitungen des Landes findet sich in der US-amerikanischen Website: www.refdesk.com/paper.html

2. Bildungs- / Forschungslandschaft

2.1. Bildungslandschaft

2.1.1. Überblick

Bildungspolitische Entwicklung im schulischen Bereich 

Grundlage für das französische Schulsystem ist die „loi d’orientation pour l’avenir de l’École“ vom 23.4.2005 („Loi Fillon“). Schwerpunkte des Gesetzes sind:

  • die Verbesserung der Chancengleichheit
  • die nachhaltige Verbesserung des Fremdsprachenunterrichts auf allen Stufen des Schulsystems in Verbindung mit einer inhaltlichen "Europäisierung des Bildungswesens"
  • die Vorbereitung der Schüler auf das Berufsleben
  • die Reform der Lehrerausbildung und -fortbildung (Überführung bis 2008 in die Universitäten)
  • Bekräftigung der staatsbürgerlichen Ziele ("valeurs de la République")
  • die Verbesserung der Organisation der Schulen (u. a. durch verstärkte Mitwirkungsmöglichkeiten der Eltern; vorsichtige Einräumung autonomer Entscheidungen der Schulleitungen und des Lehrpersonals)
  • Einrichtung eines "Rates für das Erziehungswesen"

2.1.2. Indikatoren für Bildung

Indikator Frankreich Stand OECD-Gesamt Stand

Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: primäre und sekundäre Bildung 4,1 % 2009 4,0 % 2009



Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: tertiäre Bildung 1,5 % 2009 1,6 % 2009



Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: Gesamtbildung 6,3 % 2009 6,2 % 2009



Wachstum des Bildungsanteils am BIP (Differenz i. Vgl. zum Vorjahr in Prozentpunkten) 0,3 2009 0,3 2009



Anteil öffentlicher Bildungsausgaben an den öffentlichen Gesamtausgaben 10,4 % 2009 13,0 % 2009


Pro-Kopf Ausgaben pro Student/in 14.642 USD 2009 13.728 USD 2009


Anteil tertiär Graduierter an der Gesamtbevölkerung k. A. 2009 50 % 2010



Schülerzahl pro Lehrer, Primarstufe 18,7 2010 15,8 2010



Schülerzahl pro Lehrer, Sekundarstufe 12,3 2010 13,8 2010



Klassengröße, Primarstufe 22,7 2010 21,2 2010



Klassengröße, Sekundarstufe 24,5 2010 23,4 2010



PISA-Ergebnisse: Lesen 22. von 65 2009 --- ---

PISA-Ergebnisse: Naturwissenschaften 27. von 65 2009 --- ---

PISA-Ergebnisse: Mathematik 22. von 65 2009 --- ---

Quellen: "OECD - Education at a Glance 2012" und "OECD PISA 2009 – Ergebnisse"
Redaktion: 21.09.12, von: Helena Lübbers und Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

2.1.3. Berufliche Bildung

Diese Grafik zeigt die möglichen Wege im Rahmen der beruflichen Ausbildung auf.

Es sind zwei Wege der beruflichen Ausbildung zu unterscheiden: das "Lycée professionnel", das mit dem „Baccalauréat professionnel“ abschließt, einerseits und das Durchlaufen einer "Lehre“ („apprentissage“) andererseits. Letztere schließt daran anschließend das Ablegen eines „Baccalauréat professionnel“ nicht aus. Man geht davon aus, dass 10 % bis 15 % eines Jahrgangs eine Lehre absolvieren. 

Die schulische Berufsausbildung liegt in der Ressortverantwortung des Erziehungsministers, während für die Vermittlung einer "Lehre", die Fragen der Fort- und Weiterbildung von bereits Berufstätigen bzw. arbeitslos gewordenen Personen schwerpunktmäßig in die Ressortverantwortung der Ministerin für Finanzen Wirtschaft und Beschäftigung, Christine Lagarde, fallen; sie wird  hierbei von Laurent Wauquiez, Secrétaire d’Etat chargé de l’Emploi, unterstützt. 

Die Fragen der schulischen Berufsausbildung (insbesondere die künftige Gestaltung des "Lycée professionnel" einschließlich seiner Abschlüsse als Bestandteil der "éducation nationale") wird - soweit dies nach außen erkennbar ist - ausschließlich von Erziehungsminister Xavier Darcos mit politischer Unterstützung durch Premierminister François Fillon  betrieben. 

Eines der großen Anliegen von Xavier Darcos ist es, zu erreichen, dass das "lycée professionnel" nicht mehr als eine "forme de relégation du collège" (Abschiebegleis)  angesehen wird, sondern den Charakter eines "Lycée des métiers" erhält. Auch wird angestrebt, die Zahl der Ausbildungsberufe zu verringern. Nach dem Sachstand vom September 2008 befanden sich 719.000 Schüler in 1700 Einrichtungen in einem "Lycée professionnel" in Ausbildung. 

Eine ausführliche Darstellung der aktuellen Probleme der außerschulischen „formation professionnelle“ mit Schwerpunkt in finanzieller Hinsicht enthält das „Livre Jaune 2008 ‚Formation professionnelle’“. 

Die Praxis hat gezeigt, dass es den Schülern des "Collège" und ihren Eltern schwer fällt, die Tragweite der von ihnen zu treffenden Entscheidung zu erkennen. Hier setzt der Plan von Erziehungsminister Darcos ein, ab dem Schuljahr 2008 die Schüler schon im 2. Kollegjahr ("cinquième") mit möglichen Berufsbildern vertraut zu machen ("découverte des métiers"), was im 4. Kollegjahr durch die Vermittlung einer "option de découverte professionnelle" ergänzt werden soll. Im Verlauf des 3. Kollegjahrs soll zuvor den Schülern durch den Besuch eines "Lycée général", eines "Lycée technologique", eines "Lycée professionnel" und eines "Centre de formation d'apprentis" eine praktische Vorstellung von denen für sie in Betracht kommenden alternativen Wegen einer beruflichen Ausbildung vermittelt werden.

Erziehungsminister Xavier Darcos will erreichen, dass sich künftig eine sehr breite Mehrheit der Schülerinnen und Schüler  für einen dieser Ausbildungsgänge entscheidet. Darin sieht er eine Möglichkeit, der geringeren gesellschaftlichen Wertschätzung der beruflichen Ausbildungsgänge entgegenzuwirken.

Es ist ihm gelungen, am 23.5.2008 mit einigen Gewerkschaften des Erziehungswesens ein "Protocole d'accord sur la rénovation de la voie professionnelle" abzuschließen. Zusammen mit einem "Relévé de conclusions du 30 avril 2008" (Ergebnisvermerk) betreffend die "Rénovation de la voie professionnelle" enthalten diese Dokumente insbesondere eine Situationsanalyse der nach allgemeiner Meinung gesellschaftspolitisch unverändert unbefriedigenden Einordnung derjenigen  jungen Menschen, die das Schulsystem ohne jeglichen Abschluss verlassen; 32 % von ihnen waren im Jahre 2007 noch drei Jahre später arbeitslos. Die Dokumente enthalten darüber hinaus die Eckwerte für eine - in der Perspektive des Schuljahres 2009 / 2010 angestrebte - Neuordnung. Danach soll  einerseits  das „Certificat d’aptitude professionnelle“( CAP), bzw. das  „Brevet d’études professionnelles“ (BEP ) nach zweijährigem Besuch eines „Lycée professionnel“ beibehalten werden;  anderseits sollen mit Blick auf einen vielleicht erreichbaren Abschluss des "niveau IV" (Baccalauréat) Übergänge  zwischen dem “Lycée professionnel" und dem "Lycée général ermöglicht werden.. 

Der "Rapport de suivi 2007 du programme nationale de réforme 2005 - 2008" unter dem Titel "Pour une croissance sociale" wurde von der französischen Regierung am 17.10.2007 als "2. Fortschriftsbericht des Lissabon-Prozesses" der EU-Kommission vorgelegt. 

Er enthält einen sehr instruktiven Unterabschnitt, „Weiterentwicklung der beruflichen Lehre und ihre berufsnahe Ausgestaltung“ sowie anderer an der Schnittstelle von Bildung / Ausbildung  und Arbeitsmarkt von der französischer Regierung eingeleiteter Initiativen.   

Der "Conseil d'Orientation de l' Emploi" (COE) hat sich  intensiv mit den Fragen der beruflichen Ausbildung der Jugendlichen und der ihrer sich daran anschliessenden Einordnung in das Berufsleben auseinandergesetzt. (Le Figaro économique vom 10.5.2007: " Formation et droit du travail: les réformes capitales pour l'insertion des jeunes"). 

Er hat am 8.4.2008 seinen mit reichhaltigem Zahlenmaterial unterlegten Bericht „Travaux du COE sur la formation professionnelle“ vorgelegt. Sein Schwerpunkt liegt auf den Fragen der beruflichen Aus- und Fortbildung von Arbeitnehmern und der Umschulung von Arbeitslosen.
Eine am 10.5.2007 veröffentliche Studie "Bilan Formation - Emploi" des "Institut National de la Statistique et des Études Économiques" (INSEE) unterstreicht zusätzlich die bildungs- und gesellschaftspolitische Dringlichkeit des Problems.
 
Staatspräsident Nicolas Sarkozy erklärte am 19.12.2007 anlässlich eines Zusammentreffens mit den Spitzenvertretern der Sozialpartner (Hôtel Marigny), bei dem er die "agenda social des mois à venir" darstellte, dass das gegenwärtige System der Berufsausbildung am Ende sei ("malheureusement notre système est à bout de souffle"). Er schlug vor, dass eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Staates, der Sozialpartner und der Regionen bis Ende 2008 einen Bericht vorlegen sollte, bei dem die vorrangigen Ziele und die Methoden ihrer Verwirklichung herausgearbeitet werden. Dabei könne sie sich auf die Arbeiten des "Conseil d'orientation pour l'emploi" (s. o.) abstützen, Aus seiner Sicht komme es darauf an, dass berufsbildende Maßnahmen insbesondere aber auch die zu ihrer Finanzierung bestimmten Einnahmen aus der "taxe d'apprentissage"  vorrangig denen zugute kommen, die ihrer am meisten bedürften (Arbeitssuchende und weniger qualifizierte Arbeitnehmer sowie Jugendliche ohne Schulabschluss). 

In diesem Zusammenhang geht es auch um die ordnungspolitische Frage, welche Sachverhalte durch Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften durch Kollektivverträge geregelt werden können und welche einer gesetzlichen Regelung vorbehalten werden müssen. Staatssekretär Novelli hat einen Gesetzentwurf vor Ende 2008 angekündigt. Die Regierung hat in dieser Perspektive den Sozialpartnern im Juli 2008 in Form einer „feuille de route“ ihre Vorgaben für deren Verhandlungen, die im Herbst 2008 beginnen werden, mitgeteilt. 

Auf das „Document de politique transversale“ (politische Querschnittsfragen)  mit dem Titel „Orientation et insertion professionnelles des jeunes“ (Annex zu dem Entwurf des Haushaltsgesetzes 2008) wird hingewiesen.

2.1.4. Bildungsorganisationen

 Die Universitäten und die übrigen Einrichtungen mit Hochschulstatus

Zurzeit gibt es 83 Einrichtungen mit Universitätsstatus ("universités et établissments assimilés")  - nicht eingeschlossen die "Grandes Écoles" (siehe hierzu nachstehend unter "Andere Bildungsträger"). Es bestehen:

  • 83 Universitäten und gleichgestellte Einrichtungen, zu denen über den Link "Liste der nach Standorten alphabetisch aufgeführten Universitäten in Frankreich" weitere Informationen zur Verfügung stehen
  • 240 Ingenieurschulen
  • 220 Schulen für Handel, Betriebswirtschaftslehre und Rechnungswesen
  • mehr als 3000 andere Einrichtungen, die dem Hochschulbereich zugerechnet werden, insbesondere Lyzeen, die nach dem "baccalauréat" eine Ausbildung-STS oder C.P.G.E anbieten
  • die drei "Instituts Nationaux Polytechniques" (Grenoble, Nancy, Toulouse)
  • das "Institut d’Etudes Politiques" in Paris
  •  das "Institut National des Langues et Civilisations Orientales"- das "Observatoire" in Paris
  • die "Ecole du paysage", in Blois

Die Universitäten sind in der französischen Rektorenkonferenz (Conférence des Présidents d'Université / CPU) zusammengeschlossen.
Hinzuweisen ist noch darauf, dass in Frankreich fünf „Instituts catholiques“ im Range einer Universität bestehen und zwar in Paris, Angers, Lille, Lyon und Toulouse. Sie erfreuen sich eines zunehmenden Zuspruchs. 

Einige Studienfächer, wie zum Beispiel Jura und Medizin werden nur an den Universitäten gelehrt. 

Die anderen Bildungsträger

Das System der "Grandes Écoles" bzw. "Écoles" besteht parallel zu den Universitäten - "Liste der nach Fachrichtungen angeordneten "Grandes Écoles" in Frankreich".
Zu den bekanntesten "Grandes Écoles" gehören die "École Polytechnique", die Verwaltungshochschule ENA ("École nationale d’administration") und die "École des Mines". Die „Grandes Écoles“ sind in „Conférence des Grandes Écoles“ zusammengeschlossen. Als wichtiges Element der französischen Hochschullandschaft ist die Kenntnis auch ihrer Probleme für die Einschätzung der jeweiligen hochschulpolitischen Situation unverzichtbar.

Der Zugang zu diesen Einrichtungen geschieht über ein besonderes Auswahlverfahren. Die so ausgewählten Abiturienten besuchen zunächst für die Dauer von zwei Jahren sog. Vorbereitungsklassen für die "Écoles", für "Grandes Écoles" die "CPGE" ("Classes préparatoires aux grandes Écoles"), um sich auf die entscheidende Eingangsprüfung ("Concours") vorzubereiten. Die in der Regel zweijährigen Vorbereitungsklassen haben denselben Stellenwert wie der "Premier cycle" einer Universität und werden bei einem Wechsel in das universitäre System anerkannt.

Etwa 12 % eines Abiturjahrganges, wählen eine zweijährige Ausbildung  als "Höherer Techniker" (BTS) in der "Section Technicien Supérieur" eines IUT ("Institut Universitaire Technologique") oder in einem medizinischen Hilfsberuf ("formation paramédicale"). Diese Ausbildungsformen sind unmittelbar berufsbezogen und erfreuen sich eines wachsenden Zuspruchs.

Die nachstehende Abbildung verdeutlicht die Grundzüge des französischen Bildungssystems.

Diese Abbildung verdeutlicht die Grundzüge des französischen Bildungssystems, ausgehend vom Baccalauréat, das in Deutschland etwa dem Abitur entspricht. Die Grafik zeigt die verschiedenen Möglichkeiten im Rahmen von u.a. Universitäten auf.
Quelle: www.hku.hk/french/dcmScreen/lang2043/lang2043doc/enseignement_superieur.jpg
Diese Abbildung zeigt eine Übersicht über den französischen Bildungsabschluss im Vorfeld des Baccalauréat (Abitur).
Quelle: www.danielmartin.eu

Zur Erläuterung der Abkürzungen in den beiden oberen Grafiken:

  • BTS: Brevet de Technicien Supérieur
  • DESS: Diplôme d'Etudes Supérieures Spécialisées
  • CPGE: Classes préparatoires aux grandes Écoles
  • DEUG: Diplôme d'Etudes Universitaires Générales
  • DEA: Diplôme d'Etudes Approfondies
  • IUT: Institut Universitaire de Technologie
  • DUT: Diplôme Universitaire de Technologie
  • STS: Section de techniciens supérieur

CNOUS
Das "Centre National des Oeuvres Universitaires et Scolaires" (CNOUS) hat drei wesentliche Aufgaben, die in Deutschland denen des Studentenwerks, der Auslandsämter und in Teilen denen des DAAD entsprechen:

  • Betreuung der Studenten (Stipendien, Wohnungen, Mensen,  Studentenjob, Mobilitätsunterstützung, gesundheitliche Betreuung)
  • Betreuung von ausländischen Studenten (Orientierungshilfen, Einschreibung usw.)
  • Förderung von kulturellen Veranstaltungen im universitären Bereich sowie studentischer Initiativen zur Gestaltung ihres Gemeinschaftslebens

Das CNOUS verfügt über ein Jahresbudget von rund 800 Millionen Euro. Es unterhält ein Netzwerk von 28 regionalen (CROUS) und 16 lokalen Büros in ganz Frankreich.

Das seit 17.5.2006 im Internet bestehende "Portail étudiant" des Erziehungsministeriums informiert u.a. auch über die sozialen und finanziellen Probleme, bei denen CNOUS den Studenten Hilfestellung leisten kann. CNOUS nimmt an internationalen Treffen zu seinem Aufgabengebiet teil. Ihm obliegt die Mittelverwaltung für bestimmte Programme der EU (wie z.B. SOCRATES, LEONARDO).

Die heutige Struktur der beruflichen Ausbildung junger Menschen geht im Wesentlichen auf das Jahr 1985 zurück. Es besteht Einvernehmen darüber, dass sie den Anforderungen des aktuellen Arbeitsmarktes nicht mehr gerecht wird.
Es sind hierbei zwei Wege der Berufsausbildung zu unterscheiden; das künftig dreijährige statt bisher vierjährige  "lycée professionnel" einerseits und das Durchlaufen einer "Lehre" (2009: 579.198 Jugendliche) und das “certificat d´aptitude professionelle“, C.P.A. andererseits.

Die schulische Berufsausbildung liegt in der Verantwortung des Erziehungsministers, während für die Vermittlung einer "Lehre", die Fragen der Fort- und Weiterbildung von bereits Berufstätigen bzw. arbeitslos gewordenen Personen die Ministerin für Finanzen und Wirtschaft zuständig ist. Diese Dualität der Zuständigkeiten erschwert die nach allgemeiner Meinung überfälligen Reformen.

Ex-Erziehungsminister Darcos war es in 2008 gelungen, mit einigen Gewerkschaften des Erziehungswesens ein "Protocole d' accord sur la rénovation de la voie professionnelle" abzuschließen. Es enthält eine Situationsanalyse der gesellschaftspolitisch unverändert völlig unbefriedigenden Einordnung der jungen Menschen, die das Schulsystem ohne jeglichen Abschluss verlassen; 32 % von ihnen waren im Jahre 2007 noch drei Jahre nach Verlassen der Schule arbeitslos.

Der im Oktober 2005 von Ex-Premierminister de Villepin bei seinem Amt angesiedelte "Conseil d' orientation de le l' emploi" (COE) setzt sich in den letzten Jahren intensiv mit den Fragen der beruflichen Ausbildung  Jugendlicher und der ihrer sich daran anschließenden Einordnung in das Berufsleben auseinander. 
Diesem gesellschaftspolitisch wichtigen Thema ist auch das "Grünbuch für eine neue Politik zugunsten der Jugend" ("Reconnaître la valeur de la jeunesse“) gewidmet, das der Haut Commissaire de la Jeunesse Martin Hirsch im Auftrag von Staatspräsident Nicolas Sarkozy vorgelegt hat; das Grünbuch (57 Vorschläge) ist das Ergebnis viermonatiger Arbeit einer achtzigköpfigen Kommission. 

Allgemeines zum schulischen Bereich einer beruflichen Orientierung

Ganz allgemein ist der Sekundarschulbereich in Frankreich in zwei Stufen untergliedert:

  • den Sekundarbereich I (12-16-Jährige, "collège").  Hier kann sich der Schüler nach dem 7. Schuljahr (14 Jahre) entscheiden, in eine berufsvorbereitende Klasse zu wechseln und im Anschluss daran auf verschiedenen Wegen einen Berufsbildungsabschluss zu erwerben oder aber in der allgemeinbildenden Schule zu verbleiben.
  • den Sekundarschulbereich II (16-18-Jährige, "lycée"), der einen allgemeinbildenden, einen technisch-fachlichen ("filière "technologique") Zug  und einen beruflichen  Schulzweig („lycée professionel“) in der Regel  nebeneinander bestehenden Schulen umfasst. 

Den Schülern bieten sich somit im Sekundarschulbereich II folgende Optionen: 

  • den allgemeinbildenden bzw.den technologischen Zug  an einer allgemeinbildenden Lyzeum ("lycée général") , die nach drei Jahren mit einem „baccalauréat général“ bzw. einem “baccalauréat  technologique“ abschließen; 
  • die Absolvierung eines nach drei Jahren ebenfalls mit der Hochschulreife abschließenden .“lycée professionel“ („bac PRO“).

Daneben wird eine  zwei- oder dreijährige Berufsausbildung angeboten, die zu einem beruflichen Abschlusszeugnis führt, d. h. zu einem Berufsbefähigungszeugnis (CAP), einem Berufsbildungszeugnis (brevet d´études professionellesBEP). Eine Berufsausbildung dieses Typs soll auf einen direkten Übergang ins Erwerbsleben vorbereiten. Sie wird in der bildungspolitischen Debatte der letzten Jahre favorisiert.

2.1.5. Schulen und Hochschulen

Die allgemeine Struktur des französischen Schulsystems
Vorschule, Grundschule, Kolleg, Lyzeum


In Frankreich besuchen praktisch alle Kinder ab dem dritten Lebensjahr die "École maternelle" (École préélémentaire), die man nicht ohne weiteres mit einem Ganztagskindergarten gleichsetzen darf, vielleicht eher als Ganztagsvorschule bezeichnen kann. 25 % der Zweijährigen besuchen die "École maternelle" bereits von diesem Alter an.
Im Alter von sechs Jahren beginnt für alle Kinder eine einheitliche, neun Jahre dauernde obligatorische, ganztägige Schulausbildung: fünf Jahre "École élémentaire", häufig aber auch "École primaire" genannt, vier Jahre "collège". Insoweit besteht keine Differenzierung im Sinne von Hauptschule, Realschule und Gymnasium. 

6 % bis 7 % eines Geburtsjahrgangs verlassen das Schulsystem ohne jeglichen Abschluss; in den sechziger Jahren waren es noch mehr als 30 %; nach offiziellen Angaben (Ex-Erziehungsminister de Robien) verlassen jährlich 15.000 Schüler das "collège" ohne Abschluss schon vor dem Erreichen des 16. Lebensjahres. Bildungspolitisches Ziel bleibt, dass bis zum Jahre 2012 hundert Prozent der Schüler zumindest den Kollegabschluss durch Erlangung des "diplôme national du brevet" (DNB) erreichen.

70 % (1985 weniger als 40 %) eines Geburtsjahrgangs durchlaufen nach dem "collège" das drei Jahre dauernde "lycée" Die politische Zielgröße besteht in der  Erlangung des "baccalauréat" " (Hochschulreife) durch 80 % eines Jahrgangs.   Das "baccalauréat" gilt schon als erster Hochschulabschluss; es wird in seitdem inhaltlich mehrfach modifizierter Form seit 1808 durchgeführt. Je nach gewähltem "Schulzug" wird heute unterschieden zwischen dem

  • baccalauréat général
    2007: 327 590 = 52,71 % der Kandidaten (2008: 53 %); 34,6 % eines Altersjahrgangs (2006)
  • baccalauréat technologique
    2007: 170 907 = 27,50 % der Kandidaten (2008: 27 %); 17,2 % eines Altersjahrgangs

  • baccalauréat professionnel
    (bisher vierjähriger Schulzweig in den "lycées professionnels"; es wurde erstmals für das Jahr 2007 um neun neue berufliche Spezialisierungen - 2008: 13 -  erweitert).
    2007: 123 035 = 19,80 % (2008: 20 %) ; 12 % eines Altersjahrgangs
    2007: Gesamtzahl der Kandidaten: 621 532
    2007: 64,2 % eines Altersjahrgangs  haben ein baccalauréat  der drei vorgenannten Kategorien abgelegt

Hinzuweisen ist für die Vorbereitung eines baccalauréat noch auf die Variante des "Centre d’enseignement à distance" (Cned) - "Fernunterricht" - dem eine nützliche begleitende "Hilfsfunktion" zugeschrieben werden kann.

Die französischen Hochschulen

Das französische Hochschulsystem unterscheidet zwischen den "universités", den "Écoles" (Ingenieur- und Wirtschaftshochschulen) und den "Grandes Écoles"; 40 % eines Geburtsjahrgangs erreichen einen Hochschulabschluss.

Einen zahlenmäßigen Überblick über die Vielzahl (insgesamt 3.500) der in Frankreich bestehenden Einrichtungen, die dem Hochschulbereich zugerechnet werden, sowie die Anzahl der von ihnen verliehenen Abschlusstypen vermittelt eine am 22.2.2008 vom französischen Forschungsministerium in Netz gestellte Zusammenstellung.
Der Zugang zu den Universitäten ist grundsätzlich nicht beschränkt. Jeder "bacchelier" kann sich an einer Universität in dem Studienfach seiner Wahl einschreiben. 

Die Aufnahme in eine "École" / "Grande École" ist hingegen nur über besondere Vorbereitungsklassen bzw. Prüfungen (concours) möglich; bildungspolitisches Ziel der im Mai / Juni 2007 von Staatspräsident Sarkozy berufenen Regierung ist es, dass 5 % der durch besondere Leistungen ausgewiesenen "baccheliers" ("filières générales et technologiques", davon sollen 8 % auf die "filières générales" entfallen) automatisch in eine "classe préparatoire" aufgenommen werden; eine besondere Förderung sollen dabei junge Menschen aus sozialen Problemzonen erfahren.
Eine Selektion findet auch vor der Aufnahme in einen zweijährigen Kurzstudiengang  / "filières courtes" (IUTSTSÉcoles paramédicales) statt.

Nach der OECD-Review für Bildungspolitik 2007 gibt Frankreich insgesamt 1,3  % seines BSP für seine Hochschulen aus; dieser Prozentsatz liegt nur knapp unter dem OECD-Durchschnitt von 1,4 %. Bisher ging dies zu Lasten der Universitäten.
 
Die Gesamtstudentenzahl belief sich  im Studienjahr 2007-2008 in Frankreich auf  2.228.000 Studenten  gegenüber 2.254.000 im Studienjahr 2006 - 2007. Diese Zahl schließt alle jungen Menschen ein, die nach dem "bacca-lauréat" ihren Bildungsgang an einer Universität oder einer anderen Einrichtung, die dem Hochschulbereich zuzurechnen ist, fortsetzen. Davon entfallen  1,26 Mio.  auf die Universitäten, 115.500 auf die IUT, 79.000 auf die CPGE, 238.000 auf die STS und 75.500 auf die Ingenieurschulen. 

75-80% eines Abiturjahrganges schreiben sich an einer Universität ein. Von 100 Studenten schließen 64 ihr Studium mindestens mit einer "Licence" (Vordiplom) ab.
Die europäische Harmonisierung der Studiengänge (Bologna – Prozess)  ist in Frankreich zu 100 % eingeführt.
Alle Universitäten  und die großen Einrichtungen des Hochschulwesens sind mit Wirkung vom 1.9.2006 zum L.M.D. –System (Licence, Master, Doctorat) übergegangen.
Beibehalten werden in ihrer bisherigen Form die zweijährigen Kurzstudiengänge  ("brevets de technicien supérieurs" /B.T.S, "diplômes universitaires de technologies" / D.U.T.;"diplômes d’études universitaires scientifiques et techniques“ / D.E.U.S.T. sowie die "licence" . Für "alte Diplome" (DEUG und "maîtrise“ ) wurden Übergangsregelungen getroffen. 
Der Stand des L.M.D.-Prozesses in Frankreich  im Zeitraum 2005 – 2007 sowie der in Vorbereitung der Ministerkonferenz der Bologna-Staaten (Louvain, 28 / 29.4.2009) von der französischen Regierung vorgelegten Länderbericht geben detailliert den letzten Sachstand wider.

2006 verließen 21 von hundert Studenten das Hochschulsystem ohne Abschluss; in absoluten Zahlen sind dies rd. 80.000 Studenten jährlich. Bezogen auf die Gesamtzahl eines Lebensjahrgangs der Bevölkerung schließen rd. 25% ihre Ausbildung mit einem Hochschuldiplom ab, gegenüber z.B. knapp 50 % in Finnland und 45 % in Polen (Quelle: OECD). Auch die französische Regierung hat die Zielvorstellung, dass 50 % eines Lebensjahrgangs den Hochschulbereich mit einem Diplom verlassen sollten. 
Das Ministerium für Hochschulwesen und Forschung (MESR) trägt innerhalb der Regierung die zentrale Verantwortung für die Belange der Hochschulen und insbesondere der "universités"; neben dem Lehrauftrag der Universitäten findet an diesen mehr als 50 % der in Frankreich betriebenen, öffentlich geförderten  Forschung statt. Für die "Grandes Écoles" / "Écoles" sind je nach Ausrichtung andere Fachministerien zuständig.

Nach dem Sachstand von Mitte 2007 gab der französische Staat jährlich 10.150 € für Studierende aller Hochschuleinrichtungen gegenüber 8.970 € für einen Studenten an einer Universität aus.

Eine im Frühjahr 2006 besonders in das Bewusstsein der Öffentlichkeit getretene sensible Schnittstelle zwischen den französischen Universitätsstrukturen und der jungen Generation besteht - nach erfolgreichem Diplom - in dem Übergang der Absolventen in die Arbeitswelt. 

Die ehemalige Forschungsministerin Pécresse wies u.a. im Sommer 2007 im Zusammenhang mit der Beratung des Universitätsreformgesetzes im Parlament darauf hin, dass die Mehrzahl der Absolventen eines Master-Abschlusses (Bac + 5) noch ein Jahr nach ihrem Abschluss eine Beschäftigung suchten; der frühere Erziehungsminister de Robien sagte, dass 11 % aller Studenten /Studentinnen, die ein Diplom abgelegt haben, sogar nach drei Jahren noch ohne Arbeitsplatz sind.   

Das Problem der Analphabeten in Frankreich

Nach einer Anfang 2007 veröffentlichten Studie, die als Gemeinschaftsarbeit der "Agence Nationale de Lutte contre l’illettrisme" (ANLCI) und von INSEE  durchgeführt wurde, leiden 12 % der Bevölkerung in Frankreich zwischen 18 und 65 Jahren an einer "besorgniserregenden Schwäche in Lesen, Schreiben und Rechnen. Von den Personen, die eine französische Schule besucht haben, werden 9 % als "illettrées" bezeichnet; hierbei handelt es sich insgesamt um 3,1 Millionen Personen. Nach dem Stand des Jahres 2005 standen davon 57 % als "salariés" eines Unternehmens im Erwerbsleben; 11 % waren erwerbslos.

Die  oben genannte Studie ("Prévenir et lutter contre l’illettrisme") war die erste landesweite repräsentative Erhebung dieser Art. Sie wurde in einigen Punkten durch die ANLCI per 31.12.2008 in Form einer vierseitigen Darstellung aktualisiert bzw. ergänzt. 

Die schulische Situation behinderter Kinder

 
Zu Beginn des Schuljahres 2007 / 2008 waren 160.000 behinderte Kinder in die allgemeinen Schulen integriert, 135.000 Kinder erfuhren eine Ausbildung in Sonderschulen. 

2.1.6. Weiterbildung

Allgemeines / Rechtliche Grundlagen

Alle Unternehmen sind verpflichtet, jährlich einen Mindestbetrag für die Finanzierung der beruflichen Weiterbildung aufzuwenden. Seit den 70er Jahren ist die permanente berufliche Weiterbildung ("formation professionnelle permanente") eine nationale Verpflichtung. Sie umfasst die grundlegende Ausbildung und spätere Weiterbildung für Jugendliche und Erwachsene, die schon im Erwerbsleben stehen oder dieses gerade aufnehmen. Diese später Weiterbildung wird als berufliche Weiterbildung ("formation professionnelle continue") bezeichnet.

Die berufliche Weiterbildung ist Teil der lebenslangen Bildung ("éducation permanente"). Der Staat, die Gebietskörperschaften, die öffentlichen Einrichtungen, die Einrichtungen des öffentlichen und privaten Bildungswesens, die Vereine, die Berufsverbände und die gewerkschaftlichen und sozialen Einrichtungen tragen ebenso wie die Unternehmen zu ihrer Durchführung bei.

Die berufliche Erwachsenenbildung ("formation professionnelle des adultes") gibt es in Frankreich seit 1971 (Gesetz vom 16. Juli 1971). Dieses Gesetz wird durch das Gesetz vom 17. Juli 1978 zur Förderung des Individuums und zum Bildungsurlaub ergänzt. Das Gesetz vom 24. Februar 1984 zum individuellen Bildungsurlaub ("congé individuel de formation") und zur beruflichen Weiterbildung der Jugendlichen soll gewährleisten, dass Arbeitnehmer/-innen während der gesamten Dauer ihres Berufslebens die Möglichkeit haben, ihre beruflichen Fähigkeiten zu verbessern, neue zu erwerben oder sich umschulen zu lassen. Wegen Einzelheiten wird auf das  Dokument "La formation tout au long de la vie“  hingewiesen.

Auch insoweit befindet sich die französische Bildungslandschaft  -  an der Schnittstelle zwischen Erziehungswesen und Arbeitsmarkt  -  noch in einem Prozess der Wandlung, dessen Konturen sich noch nicht bestimmen lassen. Von Bedeutung ist auch, dass für die hiermit zusammenhängenden Fragen die Federführung innerhalb der französischen Regierung nur sehr partiell, nämlich für den Bereich des Lehrpersonals, nicht beim Erziehungsministerium sondern bei dem für Fragen des Arbeitsmarktes zuständigen Ministeriums für Wirtschaft, Finanzen und Beschäftigung liegt.

2.2. Forschungslandschaft

2.2.1. Überblick

Seit 2007 ist in Frankreich das „ministère de l'enseignement supérieur et de la re-cherche“ in der Regierung federführend für die Bildungs- und Forschungspolitik. Zusammen mit anderen, ebenfalls tangierten Ministerien (z.B. Industrie, Verteidigung, Umwelt) gestaltet und verantwortet es gegenüber dem Gesetzgeber den Aufgabenbereich Bildung und Forschung in Form der Mission interministérielle Recherche et Enseignement Supérieur MIRES. Für diesen Bereich werden jedes Jahr die Politikansätze und deren finanzielle Ausstattung als Anhang zum Haushaltsgesetzt in Form des Annexe au projet de loi de finances (genannt „Bleu budgetaire“) ausführlich erläutert. 

Für die folgenden Jahre sind in den mehrjährigen Budgets maßvolle Steigerungen im nationalen Staatshaushalt vorgesehen, verstärkt durch

  • die weltweit größte steuerliche Förderung von Forschungsaufwendungen der Wirtschaft (Crédit d’Impôt Recherche, CIR),
  • die auf Initiative des Präsidenten Sarkozy gestartete Opération Campus vor allem zum Ausbau und zur Sanierung der Hochschulen mit insgesamt 5 Mrd. EUR. Ziel sind Hochschulen auf „Weltniveau“
  •  und die “Große Staatsanleihe“ (Grand Emprunt national 2010), durch die  in den nächsten Jahren für Zukunftsinvestitionen („Investissements d’avenir“) 35 Mrd. €, davon ca. 21 Mrd. € für Recherche und Enseignement Supérieur, zur Verfügung stehen. 

Die vorgesehenen staatlichen Ausgaben für das Jahr 2011 in Mrd. €:

Bereiche   2010 (Ist)     2011 (Soll)
Finanzierungsmodus Gesamt Davon Bildung Davon FuE Gesamt Davon Bildung Davon FuE
Haushaltsgesetz MIRES 24,726 14,721 10,005 25,2 14,9 10,3
Steuerliche FuE-Förderung (Crédit d’impôt recherche) 4,812   4,812 4,9   4,9
Opération Campus       0,5 0,5
Zukunftsinvestitionen in FuE       3,6   3,6
29,538 14,721 14,817 34,2 15,4 18,8

Quelle: Ministère de l'enseignement supérieur et de la recherche

2.2.2. FuE-Indikatoren

Indikator Frankreich OECD-Gesamt Stand


Nationale FuE-Ausgaben 51.891,0 Mio. USD 2011 995.732,3 Mio. USD 2010


FuE-Ausgabenwachstum i. Vgl. zum Vorjahr 3,92 2011 2,51 % 2010


FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2,25 % 2011 2,38 % 2010


Anteil öffentlicher FuE-Ausgaben am BIP 0,83 % 2010 0,74 % 2010


Öffentlicher Anteil an den FuE-Ausgaben 37 % 2010 31,1 % 2010


Anteil der Wirtschaft an den FuE-Ausgaben 53,5 % 2010 60,3 % 2010


Ausländischer Anteil an den FuE-Ausgaben 7,6 % 2010  


FuE-Ausgaben in Universitäten (intramuros) 11.006,3 Mio. USD 2011 196.273,6 Mio. USD 2011


Anteil der FuE-Ausgaben in Universitäten am BIP 0,48 % 2011 0,45 % 2011


FuE-Personal (Vollzeitäquivalente) 392.875 2010  


Anzahl FuE-Personal (VZÄ) je 1000 Arbeitnehmer 14,7 2010  


Anzahl Forscher (Vollzeitäquivalente) 239.613 2010 4.203.260 2007


Anzahl Forscher (VZÄ) je 1000 Arbeitnehmer 9,0 2010 7,5 2007


Anzahl Forscher (VZÄ) in privaten Unternehmen 139.885 2010 2.678.378 2007


Anzahl Forscher (VZÄ) in privaten Unternehmen in % der Gesamtzahl 58,4 % 2010 63,7 % 2007


Anzahl "triadischer" Patentfamilien (nach Prioritätsjahr) 2.465 2010 48.550 2010


Anteil an der Gesamtheit triadischer Patentfamilien 4,89 % 2010 96,42 % 2010

2.2.3. Forschungsorganisationen

Forschungseinrichtungen, Allgemeines 

In Frankreich bestehen die mehr oder weniger verbundenen „Säulen“ Universitäten, außeruniversitäre Forschung und Unternehmen /Industrie. Diese Versäulung wird zunehmend als nicht mehr funktional erkannt und  ist zurzeit Gegenstand strukturel-ler Veränderungen (vgl.: Formen der Zusammenarbeit in diesem Kapitel).

Universitäten 

Wie in Deutschland ist in Frankreich Forschung zunächst grundsätzlich Aufgabe der (83) Universitäten, was in den letzten Jahrzehnten jedoch durch Einrichtung von Mischstrukturen zwischen Universitäten und CNRS-Instituten (unités mixtes) relativiert wurde. Dabei gehört Forschung weiterhin zu den Aufgaben der Professoren, der sog. "Enseignants-chercheurs" (maîtres de conférences et professeurs des universités). Diese Forschungsaufgaben spielten jedoch bislang im Verhältnis zu den Aufgaben der Hochschullehre (Enseignement supérieur) eine eher geringere Rolle und nehmen erst jetzt wieder zu, zumal sich den Universitäten seit Gründung der Agence Nationale  de la Recherche (ANR) der Weg zu Projektgebundenen Förder-mitteln geöffnet hat. 

Am 25.04.2009 wurde ein Änderungsdekret zum „Statut des enseignants-chercheurs“ im Journal Officiel veröffentlicht. Das Dekret legt die Arbeitsstundenzahl der „enseignants-chercheurs“ auf 1607 fest und führt die Möglichkeit der „Modulierung“ ein. Dies bedeutet, dass Tätigkeiten, die nicht in die Bereiche Lehre und Forschung fallen (u.a. pädagogische Betreuung, Fernkurse, Tätigkeiten im Rahmen der internationalen Kooperation einer Hochschuleinrichtung) auf die abzuleistenden Stunden angerechnet werden können.

Weiterhin hat jeder „enseignant-chercheur“ das Recht in einer Forschergruppe, die nicht seiner Einrichtung angehört, mitzuarbeiten.
Ein neuer Aspekt betreffend die Evaluierung der „enseignant-chercheurs“ ist eine Überprüfung durch den CNU (Conseil National des Universités) im Vier-Jahres-Rhythmus. DER CNU wird außerdem über 50% der Beförderungen bestimmen. Die anderen Fälle können die Universitäten lokal entscheiden. 

Die Universitäten zählen zum großen Bereich der Etablissements publics à caractère scientifique, culturel et professionnel (EPCSCP), in denen neben den Hochschulen so unterschiedliche Einrichtungen wie z. B. das Collège de France, französische Auslandsschulen, Ecoles Normales, Museen, etc. zusammengefasst sind.

Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen 

Die außeruniversitäre Forschungslandschaft ist in Frankreich außerordentlich vielfältig. Anders als in Deutschland gibt es in Frankreich eine große Anzahl von nach Rechtsform, Aufgabe/Mission, Größe des Budgets, der Personalausstattung und des Personalstatuts sehr unterschiedlicher (zentralstaatlicher) Forschungseinrichtungen:

  • 9 Établissements Public à Caractère Scientifique et Technologique (EPCST,   « personne  morale de droit public dotée de l’autonomie financière ») - öffentliche  Einrichtungen der Wissenschaft und Technologie
  • 15 Établissements Public à Caractère Industriel et Commercial  (EPIC,  meistens « personnes  morales de droit privé ») – öffentliche Einrichtungen mit industriellem und Handels-Charakter
  • 10 Établissements Public à Caractère Administratif (EPA, « personne morale de droit public disposant d’une certaine autonomie administrative et  financière ») – öffentliche Einrichtungen mit Verwaltungsaufgaben
  • 45 Établissements Publics à Caractère Scientifique, Culturel et Profession-nel (EPCSCP) – öffentliche Einrichtungen mit wissenschaftlichem, kulturel-len und berufsbezogenen Aufgaben.
  • 19 Établissements Public de Coopération Scientifique (EPCS) mit jeweils zahlreichen Kooperations-Partnern unterschiedlicher Zugehörigkeit zu  den  vorgenannten Gruppen). 
  • 4 Fondations - Stiftungen
  • 8 Groupements d’Intérêt Public (GIP) – Gruppierungen von öffentlichem In-teresse
  • 149 Instituts fédératifs – föderale Institute

Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft 

Forschung und Entwicklung in französischen Unternehmen konzentrieren sich hauptsächlich auf Großunternehmen der Bereiche

  • Automobilindustrie
  • Pharmazeutische Industrie
  • Geräte für Telekommunikationsdienste
  • Luftfahrtindustrie
  • Optik und medizinische Instrumente

Die Rolle der kleinen und mittleren Unternehmen (PME) wird gegenwärtig mit sichtbarem Erfolg gefördert.

Formen der Zusammenarbeit 

Die Zusammenarbeit der staatlichen Forschungseinrichtungen mit den Universitäten bzw. "Écoles / Grandes Écoles" oder der Industrie erfolgt in folgenden Formen:

  • UMR (Unité mixte de recherche): Gemischte Forschungsgruppen (Zusammenarbeit zwischen staatlichen Forschungseinrichtungen, insbesondere CNRS,  und / oder Hochschulen)
  • IFR (Institut fédératif de recherche): Gemischte Projektgruppe, gebildet aus wissenschaftlichen Mitarbeitern verschiedener Forschungseinrichtungen am Standort eines der Partner, Zuweisung von Mitteln und Personal der jeweiligen Partner, eigene Verantwortung des IFR in Hinblick auf Forschungsinhalte und Mittelverwendung
  • GDR (Groupement de recherche): Abgestimmte Forschungsaktivität verschiedener Einheiten innerhalb einer Forschungseinrichtung, bzw. mit Partnern anderer Forschungszentren
  • RRIT (Réseau national de recherche et d'innovation technologique): anwendungsorientierter Forschungsverbund (thematisches Netzwerk), Netzwerk von privaten und staatlichen Labors bzw. Instituten, sonderfinanziert im Rahmen des Innovationsgesetzes vom Juli 1999 ("Loi sur l'innovation")
  • ACI (Action concertée incitative): Sondermittel zur Förderung der Forschungskompetenz in Bereichen, in denen ein gewisser "Nachholbedarf" festgestellt wurde (Empfehlungen des "Comité intermi-nistériel de la recherche scientifique et technique" (CIRST))
  • GIP (Groupement d'intérêt public): Vereinigung (Verband) von privaten oder staatlichen Einrichtungen mit wissenschaftlichen, technischen, kulturellen bzw. erzieherischen Interessen.
  • TGE (Très grands équipements): Großgeräte
  • pôles de compétitivité“ (seit 2005): ein Instrument der regionalen Strukturpolitik
  • Instituts Carnot : Zusammenfassung in  der „Fédération Carnot“ in Anlehnung an das Modell Fraunhofer-Gesellschaft.
    Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)

Das FuE Personal 

Im Jahr 2008  belief sich in Frankreich die Gesamtzahl  der Forscher (ohne Hilfskräf-te) auf 229.130 Vollzeit-Arbeitskräfte (Staat und Wirtschaft); einschließlich Hilfskräfte auf 388.284, davon

  • in der Industrie: 129.824 (mit Hilfskräften: 221.876); Steigerung seit dem Jahre 2007: 2,8 %
  • in staatlichen Forschungseinrichtungen (EPST und EPIC) und im ministeriel-len Bereich: 44.183 (mit Hilfskräften: 80.244)
  • im Bereich der  Hochschulen (Universitäten, Grandes Écoles, Universitätskliniken, Krebsforschungszentren): 50.550 (mit Hilfskräften: 72.197)
  • in gemeinnützigen Einrichtungen "sans but lucratif" (associations, fondations: 3.036 Forscher und Doktorats-Stipendiaten (mit Hilfskräften: 5.620  Personen)).

Insbesondere die Zahl der Forscher in der Industrie hat sich seit 2001 von damals 88.479 auf 129.824 im Jahr 2008 um fast 50% erhöht.
Die in 2007 zuletzt erschienene Ausgabe des Berichtes des Observatoire de l’emploi scientifique "L’état des lieux de l’emploi scientifique en France" vermittelt einen um-fassenden Überblick u.a. über

  • die Beschäftigungssituation des wissenschaftlichen Personals im öffentlichen und privaten Sektor
  • die geographische Verbreitung des wissenschaftlichen Personals innerhalb Frankreichs
  • die internationale Mobilität der Forscher; nach Le Monde vom 21.6.2007 verlassen 3 % der französischen Forscher Frankreich, um eine Tätigkeit im Ausland aufzunehmen; dies sei der geringste Prozentsatz aller europäischen Länder. 80 % davon kehren - so Le Monde - nach einigen Jahren mit ihren spezifischen Auslandserfahrungen wieder nach Frankreich zurück.

FuE-Personal im öffentlichen Sektor

Die französische Verwaltung unterscheidet im öffentlichen  Sektor zwischen drei Be-reichen:

  • Forschungseinrichtungen, andere öffentliche Einrichtungen und ministerielle Dienste
  • Universitäten, Grandes Écoles, Universitätskliniken, Krebsforschungszentren
  • gemeinnützige Einrichtungen: Vereinigungen, Stiftungen.

Für 2008 liegen hiefür die Zahlen vor:

Organisationen Gesamtzahl der in FuE Beschäftigten (Vollzeitäquivalent) Forscher, Forschungsingenieure und Doktoranden (Vollzeitäquivalent)
Öffentliche Forschungseinrichtungen 84.819 45.719
Universitäten etc. 72.197 50.550
Gemeinnützige Einrichtungen 5.620 3.036
Gesamt (ohne Verteidigung) 162.636 99.305
Verteidigung 166.407  

Für die folgenden Jahre sind

  •  in den mehrjährigen Budgets maßvolle Steigerungen im nationalen Staatshaushalt vorgesehen
  • und die "Große Staatsanleihe" (Grand Emprunt national 2010), durch die  in den nächsten Jahren für Zukunftsinvestitionen („Investissements d’avenir“) 35 Mrd. €, davon ca. 21 Mrd. € für Recherche und Enseignement supérieur, zur Verfügung stehen.

2.2.4. Förderorganisationen

Die großen Fördereinrichtungen in Frankreich kann man grob einteilen in Einrichtungen der Projektförderung (ANR und Oséo) und Mittlereinrichtungen mit dem Akzent zur Stärkung der Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft (Instituts Carnots und Pôles de Compétitivité). Jede dieser Einrichtungen bekommt zur Verfolgung und Erreichung ihrer Ziele erhebliche Finanzmittel zur Verfügung gestellt.

Agence Nationale de la Recherche 

Die seit 2007 in der heutigen Form bestehende Agence Nationale de la Recherche (ANR), ist die größte und wichtigste Einrichtung der französischen Forschungsförderung. Sie ist vergleichbar mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), mit der sie zunehmend enger zusammenarbeitet. Ihr Budget 2010 belief sich auf ca. 794 Mio. €, das für 2011 vorgesehene Budget beiträgt 752 Mio. €. Ihr Förderbereich erstreckt sich auf Projekte der Grundlagen- und der anwendungsorientierten Forschung  in allen Disziplinen; ANR richtet ihre Ausschreibungen an öffentliche Forschungseinrichtungen und an Unternehmen; der größte Teil der Mittel kam den öffentlichen Forschungseinrichtungen und Universitäten zugute, etwa 15% den Unternehmen.

Nach dem Jahresbericht 2009 (erschienen im Juli 2010) bildeten nicht rückzahlbare Projektbewilligungen auf Projektausschreibungen in Höhe von ca. 650 Mio. € den größten Ausgabenblock, gefolgt von ca.180, 5  Mio. € für die Forschungsfinanzierung unter Beteiligung an Förderungsprogrammen anderer Institutionen. 
Die Projektausschreibungen bezogen sich auf die Themenbereiche: Biologie-Gesundheit; Ökosysteme und nachhaltige Entwicklung; nachhaltige Energie und Umwelt; Ingenieurwissenschaften, Verfahrenstechnik und Sicherheit; Informations- und Kommunikationswissenschaft und -technologien; Human- und Geisteswissenschaften. Hinzu trat ein nicht spezifischer Themenbereich (opérations non-thématiques) der zum Ziel hat, neuen Ideen Raum zu geben. Hier ist geplant, die Zusammenarbeit mit der DFG  zu intensivieren.

Neben  dieser traditionellen Projektförderung verwaltet die ANR 18,8 Mrd. € der für 2010 bis 2015 vorgesehenen "Investitionen in die Zukunft Frankreichs" (investissements d’avenir) in Höhe von insgesamt 34,6 Mrd. €. 

Oséo  

Nach der Ankündigung im Frühjahr 2004 wurde im Januar 2005 die (inoffiziell sog.) „Agence des PME“ unter dem Namen Oséo gegründet. Sie bündelt Kompetenzen und Erfahrungswissen von ANVAR (Agence nationale de valorisation de la recherche, dite „Agence de l’innovation“) und BDPME/Sofaris (Banque du développement des PME, mit ihrer Tochtergesellschaft Sofaris, Société française d’assurance/garantie des risques du financement des PME). Der gewollt anspruchs-volle Name (Oséo = « oser haut ») sollte von Anfang an den Ehrgeiz der neuen Insti-tution kundtun, die kleinen und mittleren Unternehmen (PME) als neue Wachstums-keime der französischen Wirtschaft zu etablieren. Durch die kontinuierliche Unter-stützung des Innovationsprozesses (fachliche Assistenz bei Innovation, Finanzierung von Investitionen und Markteinführung) soll dazu beigetragen werden, dass „Champions de demain“ entstehen.

Oséo gliedert sich in drei Bereiche, entlang dem Innovationsprozess:

  • Oséo – innovation: Finanzzuschüsse  bzw. Staatsdarlehen
  • Oseo – financement: Oséo hilft bei der Beschaffung von Risikokapital
  • Oséo – garantie: Oséo stellt Bankbürgschaften bereit

Nach der konsolidierten Bilanz wurden in 2010 rd. 530 Mio. € für Innovationsvorhaben in Unternehmen aufgewandt, die insgesamt eine Investition in Höhe von 2 Mrd. € in industrielle FuE bewirkt haben.

Pôles de Compétitivité 

Pôles de compétitivité sind regionale Zentren, in denen sich Unternehmen, Universitäten/ Forschungseinrichtungen und Einrichtungen der Ausbildung (formation) als gleichwertige Partner zur Entwicklung ihrer Innovationsfähigkeit und Stärkung industrieller Wettbewerbsfähigkeit zusammenfinden. Sie sind vergleichbar den in Deutschland seit 1995 eingerichteten Kompetenznetzen und -zentren. Hauptziel ist die Stärkung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs und internationale Sichtbarkeit. 
Wichtiges Ziel ist außerdem, dass Hochschulen mit der Welt der Wirtschaft in Kon-takt treten und Unternehmen ihrerseits die eventuell vorhandene Scheu vor der Wissenschaft verlieren.

Insgesamt sind über das gesamte Staatsgebiet bis 2010 71 Pôles de compétitivité gegründet worden mitmit regionalen Schwerpunkten in Paris, Marseille und Nizza. Darunter sind als Ergeb-nis der jüngsten Bewerbungsrunde  in 2010  sechs  Pôles  im Bereich der Umwelttechnologien eingerichtet worden.
Zur Finanzierung der Forschungsvorhaben der Pôles de compétitivité wurde 2007 ein „Fonds Unique Interministériel“ (FUI) eingerichtet. Dieser Fonds ist seit 2009 in Oséo integriert. Neben diesem Fonds beteiligen sich ANR und Oséo an der Finanzierung der Pôles de compétitivité. Ausgehend von einer gemeinsamen Vision der verschiedenen Akteure erarbeitet jedes Kompetenzzentrum seine eigene Fünfjahresstrategie und definiert entsprechende Projekte. In 2009 wurden insgesamt  1000 Projekt mit insgesamt 600 Mio. € gefördert. 

Instituts Carnot (Fédération Carnot) 

Das im Pacte pour la recherche 2006 geschaffene „Label Carnot“ wird an bestehende  FuE-Institute verliehen, die damit zu  „Instituts Carnots“ werden; es wurde seit 2006 auf die Dauer von vier Jahren an 33 Einrichtungen verliehen. Die Arbeit dieser Institute orientiert sich an dem Modell des Zusammenwirkens von Forschung und Wirtschaft der Fraunhofer Gesellschaft (FhG). Ziel ist eine gleichwertige Partnerschaft zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen zur Nutzbarmachung wissenschaftlicher Erkenntnisse. In der im November 2008 angenommenen « Charte des bonnes pratiques de Propriété Intellectuelle et de Transfert de Connaissances et de Technologies des Instituts Carnot » sind die Prinzipien der Zusammenarbeit zwischen den Partnern aus der Forschung und aus der Wirtschaft dargelegt.
Nach Ablauf der ersten Vier-Jahres-Periode fanden eine Evaluierung sowie eine neue Ausschreibung zur Vergabe des „Label Carnot“ für eine Fünf-Jahres-Periode statt. Ende April 2011 wurden die Ergebnisse  veröffentlicht: unter den nunmehr 34 Instituten befinden sich zehn neu hinzugekommene. Auf der Basis  "Nationalen Forschungs- und Innovationsstrategie" decken die 34 Laboratorien neue Themenfelder ab (u.a. Human- und Sozialwissenschaften; Medizinwissenschaften). Sie sind über das ganze Land verteilt und beschäftigen rund 25.000 Forscher.

Die Kooperation der 34 ausgewählten Institute  mit der Wirtschaft wird in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt 300 Millionen Euro gefördert 
Am 10. Mai 2011 startete auch das neue "Programme Inter Carnot-Fraunhofer". Ziel dieser Projektausschreibung ist es, neue Kooperationen zwischen Deutschland und Frankreich aufzubauen und deutsch-französische Projekte zwischen den Carnot- und den Fraunhofer-Instituten zu entwickeln, mit folgenden drei Schwerpunkten:

  • Stärkung der Spitzenposition im Bereich industrielle Forschung (auf nationaler und internationaler Ebene)
  • Optimierung des Wissens- und Technologietransfers in die Industrie
  • Aufbau strategischer deutsch-französischer Allianzen zwischen Spitzenfor-schungszentren.

Im Anschluss an das deutsch-französische Forschungsforum im Jahr 2008 unter-zeichneten die französische Förderagentur (ANR) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine Absichtserklärung für ein dreijähriges Förderprogramm. Die Ausschreibung steht allen Forschungsbereichen offen. 

Stiftungen 

Zu den traditionell bestehenden drei Stiftungen Institut Curie, Institut Pasteur de Paris und Institut Pasteur de Lille ist inzwischen als viertes das Centre d`Études du Polymorphisme Humain (CEPH)  hinzugekommen. Sie haben die Rechtsform einer gemeinnützigen privatrechtlichen Stiftung; zur Finanzierung ihrer umfangreichen, eigenen  wissenschaftlichen Aktivitäten erhalten sie  erhebliche staatliche Zuwendungen.
Seit Inkrafttreten des Gesetzes zur Autonomie der Universitäten (August 2007) verfügen die Universitäten über zwei neue Instrumente  um eine finanzielle Unterstützung durch Unternehmen, Vereinigungen und Privatpersonen zu mobilisieren: Universtitäre Stiftungen und Partnerschaftliche Stiftungen.
Binnen drei Jahren sind 24 Universitäre und 15 Partnerschaftliche Stiftungen entstanden.
Universitäre Stiftungen können durch Entscheidung des Verwaltungsrates der Universitäten entstehen und haben generelle Themen der Universitäten zum Gegenstand: Stipendien, Lehrstühle, internationale Mobilität etc. Partnerschaftliche Stiftungen haben hingegen in der Regel ein konkretes Projekt zum Gegenstand, haben eine Mindestlebensdauer von fünf Jahren, und das finanzielle Volumen der Stiftungen muss über 150.000 Euro liegen. Zuwendungen an die Stiftungen sind steuerlich begünstigt.

Evaluierung von Forschung und Lehre 

Die Errichtung der Agence d’évaluation de la recherche et de l’enseignement supérieur (AERES) ist eine der zentralen Neuerungen des „Pacte de la recherche“ (September 2005) und des darauf aufbauenden Forschungsprogrammgesetzes vom 18.6.2006.
Die AERES evaluiert  Hochschuleinrichtungen, staatliche Forschungseinrichtungen, „unités mixtes de recherche“, Studienangebote und Doktorandenschulen. Im Mai 2011 hat die AERES ihre offizielle Anerkennung im Rahmen des Bolognaprozesses durch das European Quality Assurance Register for Higher Education (EQAR) erfahren.

Quelle: OECD Main Science and Technology Indicators, 2012/2
Redaktion: 19.03.13, von: H. Lübbers und M. Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

2.2.5. FuE im privaten Sektor

Die im Vergleich zu anderen OECD-Ländern auffallende Schwäche der französischen Wirtschaft bei FuE wird in Frankreich selbst deutlich gesehen und beklagt. 
Im Jahre 2008 standen dem privaten Bereich 25,8 Mrd. € für FuE zur Verfügung. Dabei führten die 100 FuE-Aufwendungintensivsten Unternehmen 59% der FuE-Arbeiten aus und beschäftigten 50% der Forscher. Weniger als 3% der Unternehmen  beschäftigen mehr als 50 Forscher aber führen mehr als ¾ der  industriellen FuE aus; ihnen kommen ohne Berücksichtigung der steuerlichen Förderung 80% der öffentlichen FuE-Projektförderung zugute, und sie beschäftigen 67% der Forscher.

2.2.6. Öffentlich-private Zusammenarbeit in FuE

Die Zusammenarbeit zwischen gemeinnützigen Forschungsstätten und der Wirtschaft nimmt in den letzten Jahren aufgrund staatlicher Förderung unterschiedlicher Art zu:

  • das "Label Carnot" (2006) und die Schaffung der "Fédération Carnot" nach dem Modell der Fraunhofer-Gesellschaft hat ein beachtliches Vertragsfor-schungspotenzial geschaffen, das von der  Wirtschaft auch angenommen wird;
  • die "Pôles de compétitivité" bilden regional gegliederte Kompetenznetze, in denen Forschungsstätten und Unternehmen zusammenarbeiten;
  • die nachhaltige Favorisierung der EUREKA-Struktur als flexibles, grenzüber-schreitendes Modell einer öffentlich-privaten europäischen FuE - Zusammen-arbeit
  • die Partnerschaftlichen Stiftungen an Universitäten nehmen zu
  • die „Convention CIFRE“ ermöglicht Unternehmen über staatliche Förderung Doktoranden aufzunehmen, die für bis zu drei Jahren ihre jeweilige, an Uni-versitäten erworbene wissenschaftliche Expertise in die Wirtschaft einbringen.

2.3. Schwerpunktthemen

2.3.1. Überblick

In diesem Abschnitt werden die Tätigkeitsbereiche der staatlichen Forschungseinrichtungen stichwortartig dargestellt. Über einen Link des französischen Forschungsministeriums sind die Pressekommuniqués der 34 staatlichen Forschungseinrichtungen und ihnen gleichgestellter Einrichtungen verfügbar; damit gleichzeitig auch die jeweiligen Internetauftritte der 34 Einrichtungen. 

Neben den staatlichen Forschungseinrichtungen spielt die universitäre Forschung in Frankreich eine erhebliche Rolle. Tendenziell wird gegenwärtig angestrebt, die universitäre Forschung im Verhältnis zu den FuE- Aktivitäten der staatlichen Forschungseinrichtungen signifikant aufzuwerten. 
Die Forschung an den Universitäten ist Gegenstand des MIRES-Programms 150 "Formations supérieures et recherche universitaires". Innerhalb dieses Programms sind die Aktionen No 6 bis 12 sedes materiae. 
Bei dem alle Akteure miteinander verbindenden Instrumentarium der Forschungsplanung ist eine scharfe Grenzziehung zwischen staatlicher Forschungsplanung einerseits und der Programmplanung der staatlichen Forschungseinrichtungen andererseits nicht mehr möglich. Sie wäre auch von der Sache her problematisch.

Die von der ehemaligen Forschungsministerin Pécresse in Form eines "Generalberichts" vorgelegte "Stratégie nationale de recherche et d‘ innovation" (SNRI) wurde im Dezember 2009 vom Ministerrat verabschiedet. Sie ist auf einen Zeitraum von vier Jahren (2009 – 2012) angelegt und soll dann jeweils für den gleichen Zeitraum fortgeschrieben werden. Sie spielt künftig als Instrument der französischen Forschungsplanung eine maßgebende Rolle. Die Forschungsministerin bezeichnete die Strategie als Eckstein der Reform des französischen Forschungs- und Innovationssystems.

Auf der Grundlage von 15 Sachgebiete werden im Folgenden die 34 Forschungseinrichtungen, soweit einschlägig, unter die einzelnen Sachgebiete subsumiert. Es kommt häufig vor, dass mehrere Einrichtungen, wenn auch mit verschiedenen Schwerpunkten und mit verschiedenem Gewicht, auf dem gleichen Gebiet tätig sind. Es werden in diesen Überblick nur diejenigen Forschungseinrichtungen aufgenommen, die in dem "Bleu budgetaire MIRES“ des jeweils letzten Jahres als "Opérateur“ bzw. in anderen offiziellen Dokumenten als "Acteur“ aufgeführt sind.

Darüber hinaus wird auf einschlägige "pôles de compétitivité" und jüngst entstandene Forschungsallianzen verwiesen.

Die in der vorangehenden „Einleitung“ erwähnte „Stratégie nationale de la recherche et de l’ innovation“ erlaubt im Einzelnen  keine Aussage zu der Aufgabenzuweisung der von der Strategie herausgearbeiteten drei Prioritäten

  • Gesundheit, Wohlbefinden, Ernährung, Biotechnologien;
  • drängende Umweltprobleme sowie Umwelttechnologien;
  • Information, Kommunikation, Nanotechnologien

an die 34 staatlichen Forschungseinrichtungen. Diesem Zweck dient verstärkt der von der Regierung mit jeder einzelnen Forschungseinrichtung für jeweils vier Jahre abgeschlossene "contrat d‘ objectifs et de moyens". Seit dem "loi de programme pour la recherche" (18. April 2006) ist der Abschluss eines solchen Vertrages obligatorisch. Für die inhaltliche Ausgestaltung der Verträge spielen neben der "Stratégie nationale" die von den einzelnen staatlichen Forschungseinrichtungen beschlossenen langfristigen "plans stratégiques" eine wichtige Rolle. 

2.3.2. Bildung

Bisher waren das Institut national de recherche pédagogique (INRP) sowie die nachfolgenden „Organismes sous tutelle“ die wichtigsten Akteure der französischen Bildungsforschung:

  • Centre d’Etudes et  de Recherches sur les Qualifications (Cereq
  • Service culture éditions ressources pour ‘éducation nationale (Scéren) 
  • Centre de liaison de l’enseignement et des médias d’information (Clemi) 
  • Centre de ressources et d’informations sur les multimédias pour l’enseignement supérieur (Cerimes – S.F.R.S.) 
  • Centre National d’Enseignement à Distance  (Cned) 
  • Centre international d’etudes pédagogiques (Ciep) 
  • Office national d’information sur les enseignements et les professions (Onisep) 

Das INRP ist mit Wirkung vom 1.1.2011 in dem neu geschaffenen „Institut Francais de l‘éducation“ (IFE) aufgegangen. Das IFE wurde seinerseits der „École Normale Supérieure de Lyon“ (ENS) zugeordnet. Dem IFE wurde gleichzeitig eine Koordinierungsfunktion über die in Frankreich auf dem Gebiet der Bildungsforschung arbeitenden Einrichtungen übertragen.

2.3.3. Biowissenschaften

Biowissenschaften und Gesundheit

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Centre national de la recherche scientifique (CNRS)Institut national de la 
  • santé et de la recherche médicale (INSERM)
  • Institut national de la recherche agronomique (INRA)
  • Centre de coopération internationale en recherche agronomique pour le développement (CIRAD)
  • Commissariat a l’énergie atomique (CEA)
  • Institut Pasteur 
  • Institut Curie
  • Consortium national de recherché en génomique (CNRG)

Die wichtigsten auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften und der Gesundheit tätigen Akteure (Inserm, CNRS, le CEA, l’Inra, l’Inria, l’IRD, la Conférence des Présidents d’université et l’Institut Pasteur ) haben am 8.4.2009 eine "Alliance natinale pour les sciences de la vie et de la santé" unter sich vereinbart. Die Alliance strukturiert ihre Arbeit in zehn "Instituts Thématiques Multi-Organismes" (ITMO):

  • Molekulare und strukturelle Grundlagen des Lebens
  • Zellbiologie – Entwicklung und Evolution und Weiterentwicklung
  • Genomik und Bioinformatik
  • Neurowissenschaften, Kognitive Wissenschaften, Neurologie und Psychiatrie
  • Mikrobiologie und Infektionskrankheiten
  • Krebs
  • Immunologie, Hämatologie, Pneumologie
  • Volksgesundheit
  • Medizintechnik

Angesichts der hochkomplexen Entwicklungen durch die Möglichkeiten der Entschlüsselung des Genoms und  Einflüsse der globalen Veränderungen auf die lebenden Arten ist der Schwerpunkt der Arbeiten in diesem Bereich  eine integrale Systembiologie, die ein einheitliches Verständnis des Lebens erlaubt. Dies erfordert ein funktionales Vorgehen mit der Untersuchung der Integrationsmechanismen über alle Stufen des Lebens, vom Molekül bis zum komplexen Ökosystem. Die wissenschaftlichen Untersuchungen sind auch im Lichte ihres Beitrags zur Biotechnologie, zur Biomedizin und - unter Vernetzung mit der klinischen Forschung und den Klinikbetrieben - zur Gesundheit zu sehen.
Das Vorgehen ist jeweils pluridisziplinär angelegt und hat die medizinische und industrielle Verwertung im Blick.
Insbesondere beim CEA  kommen in diesem Kontext auch nukleare Technologien (isotopische Marker, bildgebende Verfahren etc.) zum Einsatz. Dabei handelt es sich um die Programme „Nukleartechnologien für Gesundheit und Biotechnologien“ sowie „nukleare Strahlenbiologie/Toxikologie“. Darüber hat Frankreich an internationalen Aktivitäten wie dem Europäischen Molekularbiologischen Labor u.a. teil.

Für das Programm „Wissenschaftlich-technische Forschung zu Lebenswissenschaften, Biotechnologie und Gesundheit standen im Jahr 2011 im Bundeshaushalt 1,18 Mrd. € zur Verfügung.

Die in der „Alliance nationale pour les sciences de la vie et de la santé“ Allianz zusammengeschlossenen Einrichtungen suchen die Zusammenarbeit mit der Industrie, insbesondere dem Pharma-Riesen Sanofi-Aventis; weitere 156 Unternehmen sind hier aufgelistet.

Im Bereich der Bioökonomie organisieren sich Forschung und Industrie in Frankreich im Rahmen von „Pôles de compétitivité“. Nach Themen untergliedert sind dies:

1. „UPC2V (Union des pôles de la chimie verte du végétal)“, in der sich fünf einzelne Pôles zusammengeschlossen haben:

Industries & Agro Ressources:

  •  zentrale Themen: Bioressourcen, Materialien, Energie
  • aktive Mitglieder: 78 Unternehmen, darunter 25 KMU, zwölf Forschungslabors, sieben Ausbildungsstätten sowie 39 andere Partner

Axelera

  • zentrale Themen: Fabrik der Zukunft im Bereich ökologischer Verfahren,  Recycling und Rezyklierbarkeit von Materialien, Pflanzenbasierte Chemie,  Chemie im Dienst großer Gesellschaftlicher Fragestellungen (Gebäude, Transport und CO2-freier Energie)
  • Aktive Mitglieder 137 Unternehmen, darunter 78 KMU, 53 Forschungsstätten, neun Ausbildungsstätten sowie acht andere Partner

Agrimip Innovation 

  • zentrales Thema: Landwirtschaft
  • aktive Mitglieder: 244, darunter 44 KMU, zwei Großforschungszentren, zwölf Ausbildungsstätten sowie 13 andere Partner

Fibres

  • zentrale Themen: Bioressourcen und Materialien
  • aktive Mitglieder: 134 Unternehmen, darunter 56 KMU, 34 Forschungsstätten, 22 Ausbildungsstätten sowie 18 andere Partner

Xylofutur

  •  zentrale Bereiche: Bioressourcen, Materialien mit  den Fragestellungen ’Versorgung der Holzindustrie’, ’ Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen’ und ’Zukünftige Entwicklung der Märkte’
  • aktive Mitglieder: 79 Unternehmen, darunter 64 KMU, 19 Forschungsstätten, 17 Ausbildungsstätten und 31 andere Partner.

 

2. Verbund der Pôles de Compétivité zur Nutzung von Algen

Trimatec

  •  zentrale Bereiche: Energie, Ingenieurwesen, Dienstleistungen mit den Fragestellungen: Produktion und Verwertung von Algen-Biomasse, Trenn- und Membranverfahren
  • aktive Mitglieder: 105 Unternehmen, darunter 78 KMU, zwölf Forschungsstätten, sieben Ausbildungsstätten sowie 23 weitere Partner

Mer Bretagne

  • zentrale Bereiche: Energie, IuK-Technologien, Transport mit den Fragestellungen: Meeressicherheit,  Seefahrt, energetische Meeresressourcen, biologische Meeresressourcen
  • aktive Mitglieder:  220 Unternehmen, darunter 167 KMU, 54 Forschungs- und Ausbildungsstätten sowie 43 weitere Partner.

Mer PACA

  •  zentrale Bereiche: Energie, IuK-Technologien, Transport mit den Fragestellungen: Meeressicherheit,  Seefahrt, energetische Meeresressourcen, biologische Meeresressourcen
  • aktive Mitglieder: 156 Unternehmen, darunter 104 KMU sowie 81  Forschungs- und Ausbildungsstätten 

 

3. „France Green Plastics“ umfasst drei Pôles de Compétivité zur Nutzung von pflanzlichen Rohstoffen für die Kunststoffindustrie, die ihrerseits in europäische (RP7-) Projekte eingebunden sind

  • Céréales Vallée (verbunden u. a. mit dem deutschen  Unternehmen BASF)
  • Industries & Agro-Ressources (IAR)  
  • Plastipolis (verbunden u.a. mit dem deutschen Kompetenznetz CFK Valley (Stade)

Für alle (76) Pôles de Compétitivité sind für die drei Jahre 2009-2011 insgesamt 1,5 Mrd. € vorgesehen, davon aus einem interministeriellen Fonds 600 Mio. €, von OSEO, von ANR von CDC 850 Mio. und von Total 50 Mio.

2.3.4. Energie

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Commissariat à l’énergie atomique (CEA)
  • Agence de l’environnement et de la maîtrise de l’énergie (ADEME)
  • Institut français du pétrole (IFP)

Ziele der Forschungsanstrengungen sind:

  • Die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Nukleartechnik zu erhöhen sowie die Sicherheit des gesamten Brennstoffkreislaufes
  • Den zunehmenden Einsatz neuer Energietechnologien zu ermöglichen und damit die Energie-Effizienz zu erhöhen
  • Die Wettbewerbsfähigkeit von Raffinerien zu erhöhen und deren Umweltbelastung sowie die der Verbrennungsmotoren zu reduzieren sowie die Diversifikation der Kraftstoffe zu erhöhen.

Vorgesehene öffentliche Mittel in 2011: 1.094 Millionen. Davon entfallen 632 Millionen Euro auf das CEA und 128 Millionen Euro auf das IRSN; die verbleibende Summe von 168 Millionen Euro fließt ADEME, ANR, CNRS IFP INRETS und OSEO-Innovation zu. 
In der „Stratégie nationale de recherche et d‘ innovation 2009“ wird  die Energie unter der Überschrift „Maîtriser l‘ énergie dans quatre domaines clés“ behandelt.

Parallel und ergänzend tritt auch insoweit das von Staatspräsident Sarkozy Mitte 2009 initiierte „Programm Zukunftsinvestitionen“. Der seiner Vorbereitung dienende Bericht der Kommission Juppé – Rocard  hat als eins von sieben „prioritären Achsen“ als Schwerpunkt die erneuerbaren Energien und eine größere Energieeffizienz entwickelt („Développer les énergies décarbonées et l‘ efficacité dans la gestion des ressources“). Dies findet folgerichtig sowohl in dem „Tableau de synthèse des actions proposées“ als auch in den Bericht als in Anlagen beigefügten mehr ins Einzelne gehenden „Fiches de présantations des actions“ seinen Niederschlag.
Das Haushaltsergänzungsgesetz vom 9.3.2010, das dem „Programm Zukunftsinvestitionen“ in eine haushaltrechtliche Form gießt, ordnet  den Sektor „Energie“ dem Bereich „Nachhaltige Entwicklung“ zu. 

Im „Programm Zukunftsinvestitionen“ sind für energierelevante Aktivitäten verschiedene Ansätze vorgesehen:

  • für Demonstrationsanlagen und technologische Plattformen auf dem Gebiet der erneuerbaren und CO 2-freien Energien und der grünen Chemie 1,6 Milli-arden Euro
  • für das „Fahrzeug der Zukunft“:1 Milliarde Euro
  • für die Gründung von Exzellenzinstituten auf dem Gebiet Co 2-freier Energien: 1 Milliarde Euro
  • für die „Kernenergie der Zukunft“ 1 Mrd.  Euro. 

Die wichtigsten auf dem Energiesektor (FuE) tätigen Akteure haben 2009 eine „Alliance nationale de coordination de la recherche pour l‘ énergie“ (Ancre) unter sich vereinbart.

2.3.5. Geistes- und Sozialwissenschaften

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Centre national de la recherche scientifique (CNRS)
  • Institut national d’études démographiques (INED)

aber auch:

  • Institut national de la santé et de la recherche médicale (INSERM)
  • Institut de recherche pour le développement (IRD)
  • Institut national de la recherche agronomique (INRA)
  • Institut national de recherche sur les transports et leur ´securité (INRETS)
  • École des Hautes Études en sciences sociales (EHESS)

Die Human- und Sozialwissenschaften (SHS) sind Bestandteil des MIRES-Programms 172 „Recherches scientifiques et technologiques pluridisciplinaires“. Ihnen ist die Aktion No 10 „Recherches scientifiques en sciences de l’homme et de la société“ gewidmet. Insgesamt belaufen sich die im Jahre 2011 die für die SHS vorgesehenen staatlichen Fördermittel auf 2,61 Milliarden Euro; davon entfallen 1,9 Milliarden Euro auf das MESR (hiervon 1,9 Milliarden Euro für die universitäre Forschung  und die Aktion « Formation à la recherche » und 336 Millionen Euro auf das CNRS).

Anhand der einschlägigen Dokumente ist erkennbar, dass auf den verschiedensten Gebieten der Geistes- und Sozialwissenschaften anwendungsbezogene Forschung, Interdisziplinarität, Internationaliserung und Europäisierung in wachsendem Umfang an Bedeutung gewinnen.

Die „Stratégie nationale de recherche et d‘ innovation 2009 – 2012“ enthält als einen von fünf Leitgedanken die Aussage, dass die Human- und Sozialwissenschaften künftig im Rahmen der drei von der Strategie identifizierten “axes prioritaires“ eine wichtige Rolle bei der Aufdeckung interdisziplinärer Schnittstellen spielen müssten.
Im Gefolge der Schaffung des „Rates für Sozialwissenschaften“ im Jahre 2009 ist zu erkennen, dass der Beitrag der SHS zum staatlichen Handeln auf allen Ebenen künftig eine vorrangige Aufgabe der in ihnen zusammengefassten Disziplinen sein dürfte. 

Die wichtigsten Akteure im Bereich der Human- und Sozialwissenschaften haben am im Juni 2010 eine „Alliance nationale des humanités, sciences humaines et sociales“ (Athena) unter sich vereinbart. 

2.3.6. Gesundheitsforschung

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Centre nationale de la recherche scientifique (CNRS)
  • Institut national de la santé et de la recherche médicale (INSERM)
  • Institut Pasteur
  • Institut Curie
  • Agence nationale pour la recherche sur le sida 

Der „Plan Cancer 2009-2013“, der „Plan Alzheimer 2008 -2012“ und der „Plan national santé – environnement 2009 – 2013“ (PNSE 2) und die Aids-Forschung  sind hinsichtlich ihrer Forschungskomponenten Schwerpunkte der französischen Gesundheitsforschung. 
Es bestehen Querbezüge zu dem Programmschwerpunkt  "Biologie - Santé" (Abschnitt 2  der "ANR-Programmation 2009“  und dem Programmschwerpunkt  "Ecosystèmes et Développement Durable /EDD der ANR. Auf den Abschnitt  „Biowissenschaften  und Gesundheit“ der vorliegenden Darstellung wird wegen etwaiger Überschneidungen hingewiesen. 
 
Krebsforschung

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Centre national de la recherche scientifique (CNRS)
  • Institut national de la santé et de la recherche médicale (INSERM) 
  • Commissariat à l’énergie atomique (CEA)
  • Institut national du cancer (Inca)
  • sieben über das französische Staatsgebiet verteilte « cancéropoles » ; sie spielen in ihrer Zusammenarbeit mit den Universitätskliniken eine hervorgehobene Rolle.

Von den 13 MIRES-Programmen bestehen die engsten Bezüge zu dem Programm 187 "Recherches scientifiques et technologiques pluridisciplinaires" ("Livre Bleu MIRES 2009"). Die einschlägige  Aktion No 5“ „Recherches scientifiques et technologiques en sciences de la vie et de santé“ nimmt mit 1,1 Mrd. € den ersten Platz (22,10 %) in diesem Programm ein. Auch insoweit wird wegen etwaiger Überschneidungen  auf den Abschnitt „Biowissenschaften und Gesundheit“ (s.o.) hingewiesen.

2.3.7. Grundlagenforschung

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Centre national de la recherche scientifique (CNRS)
  • Universitäten („unités mixtes de recherche avec les grands organismes“; études doctorales; pôles de recherche et d’enseignement supérieur /PRES)
  • Écoles des Hautes études en sciences sociales (EHESS)

Das Programm no 172 "Recherches scientifiques et technologiques pluridisciplinaires" (Livre Bleu MIRES 2009) enthält  wesentliche Elemente der französischen Grundlagenforschung. Auf die Aufzählung  der einschlägigen 14 "Actions" ist in diesem Zusammenhang besonders hinzuweisen:

  • Aktion Nr. 5 : Lebenswissenschaft, Biotechnologie und Gesundheit
  • Aktion Nr. 6: Mathematik, Information und Kommunikation
  • Aktion Nr. 7: Physik, Chemie, und Ingenieurwissenschaften 
  • Aktion Nr. 8:Kernphysik und Hochenergiephysik
  • Aktion Nr. 9: Geowissenschaften, Universum, Umwelt
  • Aktion Nr. 10: Human- und Gesellschaftswissenschaften 
  • Aktion Nr. 13: Wissenschaftliche Großgeräte 

Darüber hinaus fördert Agence Nationale de la Recherche (ANR) sowohl gebietsspezifisch als frei in erheblichem Umfang Projekte der Grundlagenforschung.

2.3.8. Information und Kommunikation

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Institut national de recherche en informatique et en automatique (INRIA)
  • Centre national de la recherche scientifique (CNRS) 
  • Commissariat à l’énergie atomique (CEA)

In diesem Bereich sind sowohl die Informations- und Kommunikationstechnologien im engeren Sinne als auch physikalischen Grundlagen (insbesondere Mikro- und Nanotechnologien) und die Anwendungsfelder  (Modellierung und Prozesssimulation) angesprochen.
Für den Gesamtbereich belaufen sich im Jahre 2011 die staatlichen Fördermittel auf 1230 Millionen Euro; das sind 9 % der Haushaltsmittel für F+E-Zwecke; hiervon sind 32 % für das CEA (230 Millionen) und das CNRS (190 Millionen) vorgesehen. Auf die universitäre Forschung entfallen 10 % der staatlichen Fördermittel. 

Die wichtigsten Akteure dieses Bereichs haben am 17.12.2009 eine „Alliance des Sciences et Technologies du Numérique“ (Allistene) unter sich vereinbart. 

INRIA hat in seinem Vierjahresplan (2009-2012 / „Plan stratégique“) sieben  Handlungsfelder identifiziert, auf denen es seine Aktivitäten konzentrieren will.

INRIA hat im Verhältnis zu anderen einschlägig tätigen Einrichtungen eine « rôle fédérateur ». In Durchführung  seines  « Plan stratégique 2008 – 2012 » haben 151 Projektgruppen die Aufgabe, in acht regionalen Zentren die darin festgelegten Ziele und Themenstellungen zu bearbeiten; 121 dieser Gruppen werden gemeinsam mit dem CNRS, den Universitäten und den « Grandes Écoles » betrieben. INRIA ist auch in der Entwicklung einiger « pôles de compétitivité », die die  Regierung mit einem welt-weiten Mandat versehen hat, beteiligt. 

Die «Information und  Kommunikation» sind Gegenstand 
der Aktion No 06 "Recherches scientifiques et technologiques en mathématiques, sciences et techniques de l' information et de la communication, micro et nanotechno-logies" des MIRES-Programms no 172 "Recherches scientifiques et technologiques pluridisciplinaires" (Bleu budgetaire MIRES 2011) in Verbindung mit den Beschreibungen der darin erwähnten  Leistungsträger.

Die «Stratégie nationale de recherche et d’ innovation 2009» weist die «information, la communication et nanotechnologies» als eine der drei «axes prioritaires» der Forschungs- und Technologiepolitik der nächsten Jahre aus.

Das «Programm Zukunftsinvestitionen» sieht für Projekte der «digitalen Revolu-tion» («Développement de l’ économie numérique») 4,5 Milliarden Euro vor.  

Der das Programm vorbereitende Bericht der Kommission Juppé – Rocard hatte als eins von sieben prioritären Bereichen die «Achse No 7» «Investir dans la société numéri-que» entwickelt. Das fand in dem „Tableau de synthèse des actions proposées“ und in den dem Bericht als Anlagen beigefügten - mehr ins Detail gehenden - „Fiches de présantations des actions“ entsprechenden Niederschlag.

2.3.9. Luft- und Raumfahrt

Luftfahrtforschung 

Innerhalb der staatlichen Forschungseinrichtungen werden Luftfahrtforschung und -technologie im Schwerpunkt von dem "Office national d’ études et de recherches aérospatiales" (ONERA) abgedeckt. ONERA betreibt Luft- und Raumfahrtforschung  einschließlich bedeutender Segmente im Verteidigungs- und Sicherheitssektor (insbe-sondere in den Bereichen Ärodynamik, Avionik, Materialien, Umwelt). 
Am 28.4.2009 wurden von ONERA  fünf langfristige Unternehmensziele für den Zeitraum 2009 bis 2014 bekanntgegeben: 

  • Stärkung  des Know-how-Effekts von militärischen auf zivile Anwendungen und umgekehrt
  • Intensivierung der Akquisitionsbemühungen zur Durchführung von FuE- Aufträgen  großer  Flughäfen, von Luftfahrtgesellschaften und großer Industrieunternehmen auch außerhalb des Luftfahrtbereichs
  • weiterer Ausbau des Beziehungsnetzes zu Kleinen und Mittleren Unternehmen 
  • Ausweitung seiner Rolle als Projektführer von Vorhaben, an denen mehrere Firmen bzw. Stellen beteiligt sind ( z.B. Machbarkeitsstudie betreffend den Einsatz alternativer Treibstoffe durch Flugzeuge 
  • verstärkte Zukunftsinvestitionen  durch Sachinvestitionen und  Einstellung junger Ingenieure, von Studierenden mit abgeschlossener Promotion sowie von Ingenieuren mit Berufserfahrung .

Die zivile Luftfahrtforschung ist Teil des MIRES-Programms 190 „Recherche dans le domaine des transports, de l’équipement et de l’habitat“ Aktion Nr. 12; sie ist im Jahre 2011 mit 113  Mio. € an Haushaltsmitteln ausgestattet.  
Die Ausgaben im Bereich militärischer  bzw. dualer FuE sind beim Verteidigungsministerium (Mission interministerielle „Défense“, dort Programm Nr. 144)  veranschlagt und betragen im Jahre 2011 118,5 Mio. € 
Hier hinzu kommen neuerdings im Rahmen des mehrjährigen Programms „Zukunftsinvestitionen“ das Programm 238 „Luftfahrtforschung“ mit den beiden Unterprogrammen „Luftfahrtdemonstratoren“ (900 Mio. €) und „neue Flugzeuge“ (600 Mio. €) in den Jahren 2010-2013.
Verknüpfungen zwischen den an der Weltraumforschung und -technologie beteiligten Akteuren sind unter der Überschrift „L’espace“ im „Bleu budgetaire MIRES 2009“ im Rahmen des Programms 193 dargestellt.

Raumfahrtforschung

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Centre national d’ études spatiales (CNES)
  • Centre national de la recherche scientifique (CNRS)
  • Institut national de recherche en informatique et en automatique (INRIA)
  • Commissariat à l’énergie atomique (CEA)
  • Groupe des Écoles des télécommunications (GET)

Dabei fällt CNES die Führungsrolle  zu.
Am 26.10.2010 hat CNES mit der Regierung seinen nächsten Fünf-Jahresvertrag über die Ziele seiner zukünftigen Arbeit abgeschlossen. Darin ist festgehalten:
CNES soll mit den ihm zur Verfügung stehenden Finanzmitteln und dank der neuen einschlägigen Bestimmungen des Lissabon-Vertrages zu dem kraftvollen Einstieg der EU in den Raumfahrtbereich beitragen, in dem es sich mit der EU, ESA und den Mitgliedsstaaten gut abstimmt. Insbesondere soll CNES  auf gute Fortschritte in den Pro-grammen Galileo und GMES hinwirken.  Darüber hinaus soll es auf nationaler Ebene - allein oder mit anderen ausländischen Partnern -  zahlreiche Satellitenprojekte auf den Weg bringen; hierzu gehören Projekte in den Bereichen

  • Wasserkreislauf (Megha-Tropiques)
  • Höhenmessung der Meere (Altika und Jason 3; Zusammenarbeit mit den USA)
  • Fernmeldewesen (Alphabus und Athéna Fidus)
  • Meteorologie (Meteosat der 3. Generation)
  • sowie die Beobachtung des Universums und die Erforschung des terrestrischen Magnetfeldes. 

Eine weitere Aufgabe von CNES wird darin bestehen, seine Unterstützung und seine Expertise in die Entwicklung neuer Generationen von Satelliten-Systemen einzubrin-gen (Beispiele: SWOT für die Höhenmessung des Meeres; wissenschaftliche Mikrosatelliten wie u. a. Taranis) und die Trägertechnik (Ariane 5 ME und Ariane 6) weiter zu entwickeln. Hierzu werden Mittel aus dem "Plan Zukunftsinvestitionen" in Höhe von 500 Mio. € in den Jahren 2010-2014 bereitgestellt (250 Millionen Euro für die Weiterentwicklung der Trägertechnologie / Ariane 6; 250 Millionen Euro für innovative Satellitenprogramme). 
Zur Durchführung des MIRES-Programms 193  „Recherche spatiale“ stehen im Jahre 2011 1,39 Mrd. €  an Haushaltmitteln zur Verfügung. Davon entfallen 755 Mio. € auf den französischen ESA-Beitrag. 

2.3.10. Meeres- und Polarforschung

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Institut français de recherche  pour l’exploitation de la mer (IFREMER)
  • Institut polaire français – Paul Émile Victor (IPEV)

Im Schwerpunkt sind die  Aktivitäten von  IFREMER in verschiedenen Aktionen des  Programms Nr. 187 "Recherche dans la domaine de la gestion des milieux et des ressources" (Livre bleu MIRES 2009,) enthalten. IFREMER  sind im Jahre 2009 148 Mio € an Haushaltsmitteln zugewiesen. 
Die entsprechende Fundstelle zu IPEV ist das Programm Nr. 172 "Recherches scientifiques et technologiques pluridisciplinaires" insbesondere Aktion Nr. 9  „Recherches scientifiques et technologiques en sciences de la terre, de l’univers et de l’environnement“.

Schwerpunkte der IFREMER- Aktivitäten sind: 

  • Großgeräte im Dienste der Ozeanographie
  • Überwachung, Nutzung und Verwertung der Küstengewässer
  • Überwachung und Optimierung von Aufzuchtanlagen
  • nachhaltige Nutzung der Fischbestände und ihre Ausbeutung,
  • Erforschung und Ausbeute der Ozeantiefen; ihre Biodiversität, 
  • Meeresströmungen und die Ökosysteme des Meeres: ihre Mechanismen, ihre Evolution und voraussichtliche Entwicklung 

IPEV ist in erster Linie eine Förderorganisation und Kompetenzzentrum für die Erforschung der Arktis und der Antarktis. Es initiiert jährlich eine für die nationale Wissenschaftlergemeinschaft bestimmte Projektausschreibung in folgenden Bereichen:

  • Lebenswissenschaften
  • Wissenschaft des Universums
  • Mensch und Gesellschaft

Die wichtigsten Akteure im Bereich Meeres- und Polarforschung haben im September 2009 eine „Alliance pour les sciences de la mer“ unter sich vereinbart. Ihr gehören auch das CNRS mit seinen beiden Instituten INSU und INEE sowie das IRD an.

2.3.11. Nachhaltige Entwicklung

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Centre national de la recherche scientifique (CNRS),

aber auch: 

  • Institut national de la recherche agronomique (INRA) 
  • Commissariat à l’énergie atomique (CEA) 
  • Institut francais de recherche pour l’exploitation de la mer (IFREMER 
  • Centre national du machinisme agricole, du génie rural, des eaux et des forêts (CEMAGREF 
  • Bureau de recherche géologique et minière (BRGM) 
  • Institut de recherche pour le développement (IRD), („groupe de pilotage“)

Von den zehn Programmen der "Mission Interministérielle Recherche et Enseignement Supérieur" (MIRES) bestehen die engsten Bezüge zu dem Programm 187 "Recherche dans le domaine de la gestion des Milieux et des Ressources" (Bleu budgetaire MIRES 2011) und dem Programm 190 "Recherche dans les domaines de l’énergie, du développe durable et de l‘ aménagement durable". 
Das "loi 2009 -967 de programmation relative à la mise en oeuvre du Grenelle de l‘environnement" vom 3.8.2009 umreißt in Artikel 22 des Titels I /Kapitel V des Gesetzes  ein breites Spektrum an Themen, zu denen die Forschung im Bereich "Nachhaltige Entwicklung" intensiviert werden soll.

Die Schwerpunkte der einschlägigen Forschungsaktivitäten sind in dem Bericht des "Comité opérationnel Recherche issu du Grenelle de l’Environnement" an den damaligen Umweltminister Borloo und dsie damalige Forschungsministerin Pécresse vom 8.9.2008 ausführlich dargestellt. 
Den aktuellsten Überblick über die einschlägigen FuE-Aktivitäten bietet die Webseite des französischen Umweltministeriums mittels des Schwerpunktes "Développement durable" unter dem Stichwort "recherche et innovation / L‘ actualité de la recherche".

Parallel und ergänzend tritt auch insoweit das von Staatspräsident Sarkozy  Mitte 2009 initiierte "Programm Zukunftsinvestitionen"; seiner  Vorbereitung diente der Bericht "Investir pour l‘avenir – Priorités stratégiques d‘ investissement et emprunt national", mit dessen Erstellung der Staatspräsident die ehemaligen Premierminister Juppé und Rocard im Juli 2009 beauftragt hatte. Der Bericht der Kommission Juppé – Rocard  enthält einen besonderen Abschnitt "Un modèle de développement plus durable est à construire". Die Mehrzahl der in dem Bericht entwickelten sieben Achsen haben einen direkten oder indirekten Bezug zu einer "Nachhaltigen Entwicklung"; dies findet sowohl in dem „Tableau de synthèse des actions proposées“ als auch in den Bericht als in Anlagen beigefügten mehr ins Einzelne gehenden "Fiches de présantations des actions" seinen Niederschlag.
Die wichtigsten Akteure im Bereich der Umweltforschung haben sich 2010 zur "Alliance pour l'Environnement" (AllEnvi) zusammengeschlossen. Ihr gehören an:

  • le Bureau de recherches géologiques et minières (B.R.G.M.),
  • le Commissariat à l'Energie Atomique (C.E.A.),
  • l'Institut de recherche en sciences et technologies pour l'environnement (Cemagref),
  • le Centre de coopération internationale en recherche agronomique pour le développement (Cirad),
  • le Centre national de recherche scienti-fique (C.N.R.S.), 
  • la Conférence des présidents d'université (C.P.U.),
  • l'lnstitut français de recherche pour l'exploitation de la mer (Ifremer),
  • l'Institut national de recherche agronomique (INRA),
  • l'Institut de recherche pour le développement (I.R.D.), 
  • le labora-toire central des ponts et chaussées (L.C.P.C.),
  • Météo France et le Muséum national d'histoire naturelle.

Das Haushaltsergänzungsgesetz vom 9.3.2010, das dem "Programm Zukunftsinvestitionen" eine haushaltrechtliche Form gibt, weist dem Bereich "Nachhaltige Entwicklung" fünf Milliarden Euro aus der "Großen Staatsanleihe" zu. 

2.3.12. Neue Materialien

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Centre nationale de la recherche scientifique (CNRS)
  • Commissariat à l'Énergie Atomique et aux Énergies Alternatives (CEA)
  • Écoles d’ingénieurs
  • Universitäten

Ein spezielles MIRES-Programm „Neue Materialien“ besteht nicht. Auf die Förderung dieses Bereichs – insbesondere der Nanotechnologie -  wird in den Regierungsprogrammen Recherches scientifiques et technologiques pluridisciplinaires (Insges. 509 Mio. € in 2011) sowie Recherche et enseignement supérieur (375 Mio. € in 2011) hingewiesen.
Darüber hinaus unterhält die Agence Nationale de la Recherche (ANR) seit 2006 das "Programme ingénierie, matériaux et procédés".

Seit 2005 besteht im Großraum Grenoble das Kompetenzzentrum „Minalogic“, welches sich auf intelligente, miniaturisierte Lösungen für die Industrie spezialisiert hat. Seit Bestehen sind dort Projekte mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 1,7 Mrd. € (Fördersumme 535 Mio. €) bearbeitet worden.

2.3.13. Nukleartechnologie

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich ist insbesondere das:

  • Commissariat à l'Énergie Atomique et aux Énergies Alternatives (CEA).

Eine umfassende Darstellung der Arbeitsschwerpunkte des CEA enthält das "Bleu budgetaire  MIRES 2011" (Seite 318 ff) unter dem Programm "Recherches scientifiques et technologiques pluridisciplinaires“.

  • die Verlängerung der Lebensdauer der gegenwärtigen Reaktorgeneration und Verbesserung der Leistungsfähigkeit ihrer Brennelemente
  • die Konzeption und Evaluierung neuer  Reaktorgenerationen  (Entwicklung des Prototyps eines Reaktors der vierten Generation in der Perspektive des Jahres 2020)
  • wirksame und für die betroffene Bevölkerung annehmbare technische Lösungen für die Behandlung radioaktiver Abfälle 
  • der Rückbau von Kernenergienanlagen unter größtmöglicher Rücksichtnahme auf die Umwelt 

Die wichtigsten Akteure des Bereichs „Energieforschung“ (Allgemein) haben 2009 eine „Alliance nationale de coordination de la recherche pour l‘ énergie“ (Ancre) unter sich vereinbart. 

Die „Stratégie nationale de recherche et d‘ innovation“ behandelt die Kernenergie unter den vier „domaines clés“ der Sicherstellung der Energieversorgung an erster Stelle. Die Strategie legt hinsichtlich der Bemessung der staatlichen Fördermittel ein ausgeglichenes Verhältnis (50:50) von Nuklearenergie und neuen Energietechnologien fest.

Das „Programm Zukunftsinvestitionen“ sieht für die „Kernenergie von morgen“ eine Milliarde Euro, davon 100 Millionen Euro für Forschungen auf dem Gebiet der Entsorgung radioaktiver Abfälle, vor.

Der das Programm vorbereitende Bericht der Kommission Juppé – Rocard hatte die beschleunigte Fortentwicklung der Kernenergie (4. Reaktorgeneration)  in seiner „axe 4“ und eine noch zielgerichtetere  Behandlung des Themenkomplexes „Radioaktive Abfälle“  empfohlen. Dies fand in der „Action 11“  („Préparer les technologies nucléaires de demain“) der Handlungsempfehlungen der Kommission seinen ins Einzelne gehenden Niederschlag.

2.3.14. Produktionstechnologie

In Frankreich ist einschlägige Forschung am ehesten dem MIRES-Programm 172 "Recherches scientifiques et technologiques pluridisciplinaires" ("Action 05" : Recherches scientifiques et technologiques en physique, chimie et sciences pour l’ingénieur) und dem MIRES-Programm 192 "Recherche et enseignement supérieur en matière économique et industrielle" ("Action  02 und 03") zuzuordnen (Bleu Budgetaire MIRES 2011). 

2.3.15. Umwelt und Klima

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Institut national de la recherche agronomique (INRA)
  • Centre national du machinisme  agricole, du génie rural, des eaux et des frêts (CEMAGREF)
  • Bureau de recherches géologiques et minières  (BRGM)
  • Institut de recherche pour le développement (IRD)
  • Centre de coopération internationale en recherché agronomique pour le développement (CIRAD)
  • Institut francais de recherche pour l’exploitation de la mer (IFREMER)

aber auch:

  • Institut Nationale des Sciences de l’univers (INSU)
  • Centre national d’études spatiales (CNES)
  • Laboratoire central des ponts et chausses (LCPC)
  • Institut polaire français – Paul Émile Victor (IPEV)

Ein speziell diesem Themenbereich gewidmetes MIRES-Programm besteht bisher nicht. 
Einen aktuellen Überblick über geplante FuE-Aktivitäten im Bereich „Umwelt und Klima“ liefert der  im Rahmen des Grenelle de l’Environnement  unter dem Datum vom 8.9.2008 fertig gestellte Bericht des "Comité opérationnel Recherche“ .
Die wichtigsten im Bereich „Umwelt und Klima“ tätigen Akteure haben am 9.2.2010 eine „Alliance pour l‘ environnement“ (AllEnvi) unter sich vereinbart.

Die „Stratégie nationale de recherche et d‘ innovation“ (Rapport général) behandelt die „Urgence environnementale et les écotechnologies“ als eine von 3 vorrangigen Problemfeldern.

Das „Programm Zukunftsinvestitionen“ enthält die „Ecologie, développement et
aménagement durables“ als einen Förderschwerpunkt, für den 1,6  Milliarden Euro veranschlagt sind. Überschneidungen mit einigen anderen Förderschwerpunkten des Programms sind zu beachten.

2.3.16. Verkehr

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  •  Agence de l’environnement et de la maîtrise de l’énergie (ADEME)
  • Institut national de recherché sur les transports et leur sécurité (INRETS)

aber auch:

  • Laboratoire central des ponts et chausses (LCPC)
  • Institut national de recherché en informatique et en automatique (INRIA).

In der ressortübergreifenden Forschungsplanung (MIRES) ist das Programm 190 „Recherche dans les domaines de l’énergie, du développement et de l’aménagement du-rables “ (Aktion Nr. 12: Recherche dans le domaine des transports, de la construction et de l’aménagement sowie Aktion Nr 12-04 : "Recherche en matière de transport".  sedes materiae (Bleu budgetaire MIRES 2011).

Was speziell den erdgebundenen Verkehr und die Forschung zur Fortentwicklung der einschlägigen Technologien betrifft, ist auf PREDIT, das "Programme de Recherche et d’Innovation dans les Transports Terrestres", -hinzuweisen. Für "PREDIT 4 " im Zeitraum 2008 - 2012 stellt das MESR zur Durchführung des Programms einen Haushaltsrahmen von 400 Mio. € zur Verfügung, das entspricht einer Aufstockung der Haushaltmittel gegenüber PREDIT 3 um 33 %. 
Die Schwerpunkte von PREDIT 4 sind:

  • Energie und Umwelt
  • Leistungsfähigkeit der Transportsysteme
  • Mobilität in Stadtregionen
  • Logistik und Transport von Waren
  • Wettbewerbsfähigkeit der Hersteller von Transportmitteln
  • Verkehrspolitik
  • Elektromobilität

Für den zivilen Luftverkehr hat  der „Conseil stratégique pour la recherche aéronauti-que civile (CORAC)“ im Jahr 2008 einen Meilensteinplan erarbeitet, dem gegenwärtig in der entsprechenden FuE mit folgenden Zielen gefolgt wird:

  • Reduzierung des Treibstoffverbrauchs durch Weiterentwicklung der Aerodynamik, der Architektur, der  Strukturen und modernen Materialien,
  • Optimierung der Avionik (Systeme und  Ausrüstung) und Optimierung der glo-balen Energieverwaltung an Bord der Flugzeuge
  • Verbesserung des Leistungsvermögens der Flugmotoren unter Umweltaspekten, Optimierung der Integration des Antriebsensembles
  • Erforschung neuer Treibstoffarten.

Diese Arbeiten werden mit den unter „Luftfahrtforschung“ dargelegten Aktivitäten koordiniert.

3. Bildungs- / Forschungspolitik

3.1. Ministerien und Gremien

3.1.1. Für Bildung und Forschung zuständige Ministerien

Für die Gestaltung der Regierungspolitik in den Bereichen Hochschulwesen und Forschung ist das seit dem Jahre 2007 neben dem Erziehungsministerium selbstständige Ministerium für Hochschulen und Forschung Ministère de l’Enseigement Supérieur et de la RechercheMESR, in Zusammenarbeit mit anderen Ministerien zuständig. Dazu gehört auch die Verantwortung für die überwiegende  Zahl der staatlichen Forschungseinrichtungen. 

Dabei ist es Sache des MESR, den Großteil der vom Parlament bereitgestellten Mittel gemäß den Forschungsschwerpunkten den Forschungseinrichtungen zuzuweisen, was zunehmend im Rahmen von vierjährigen Ziel- oder Mittelvereinbarungen (contrats quadriennaux) zwischen dem Ministerium und den Verantwortlichen dieser Einrichtungen geschieht. Dabei gibt das Parlament bei seiner Abstimmung lediglich den Rahmen für die Programme vor  -  das Ministerium kann innerhalb der Programme noch anschließend Mittel abweichend vom Haushaltsentwurf  auf einzelne Aktionen verteilen. Diese breite Zuständigkeit ermöglicht es dem MESR, auch auf Haushalts- und Finanzebene die Verantwortung für die staatliche Forschungspolitik zu übernehmen und die Forschungspolitik gegenüber Universitäten, Forschungseinrichtungen und in der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zu bestimmen und durchzusetzen. 

Im Juni 2011 wurde Laurent Wauquiez zum Minister für Hochschulen und Forschung ernannt.

3.1.2. Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungspolitik

Unter den Bezeichnungen "Conseil", "Comité" und "Commission" bestehen zzt. folgende Gremien mit primär beratendem Charakter im Verantwortungsbereich des Forschungsministeriums

Ministère de l'Enseignement Supérieur et de la Recherche  

CONSEILS 

  • Haut Conseil de la Science et de la Technologie (HCST)
  •  Conseil Supérieur de la Recherche et de la Technologie (CSRT)

LES COMITÉS 

  • Comité consultatif des ressources biologiques (CRB) 
  • Comité consultatif sur le traitement de l'information en matière de recherche dans le domaine de la santé (CCTIR) 
  • Comité de concertation pour les données en sciences humaines et sociales  
  • Comité de coordination des sciences du vivant (CCSV) 
  • Comité de coordination des sciences de la planète et de l'environnement (CCSPE)
  • Ministère de la recherche: Rapport intermédiaire du Comité de coordination des sciences et technologies de l'information et de la Communication 
  • Comité de coordination des sciences et technologies de l'information et de la communication (CCSTIC) 

LES COMMISSIONS 

  • Commission de génie génétique.  Das Ministerium für Hochschulwesen und Forschung hat durch Verlautbarung vom 24.7.2007 (s.u.) zusammenfassend das Mandat der Kommission dargestellt und die Namensliste ihrer 19 Mitglieder bekanntgegeben. 

Das Verhältnis des funktionell beim Premierminister angesiedelten HCST zum CSRT (angesiedelt beim Forschungsminister) ist wie folgt zu charakterisieren: Der HCST hat die Funktion, prospektive Empfehlungen auszusprechen; hierauf ist auch seine sehr hochrangige Besetzung und seine begrenzte Mitgliederzahl zugeschnitten.

Demgegenüber hat der seit 1982 bestehende CSRT eine Beratungsfunktion zu eher punktuellen Themen, die sich aus aktuellen Fragestellungen der Forschungs- und Technologiepolitik ergeben. Der CSRT wird von seinem Generalsekretär als ein "lieu de rencontre et débat" der Akteure der Forschung und Technologie (40 Mitglieder, davon 20 aus dem akademischen Bereich) an der Schnittstelle von Wissenschaft / Forschung und Technologie bezeichnet. 

Organismes rattachés et indépendants (Bildungsministerium):

  • Haut conseil de l'éducation
  • Conseil supérieur de l’ éducation  
  • Délégation aux usages de l'internet
  • Médiateur de l'éducation nationale
  • Observatoire national de la sécurité dans les établissements scolaires et d'enseignement supérieur
  • Observatoire national de la lecture
  • Comité national de l'évaluation
  • Haut fonctionnaire de défense
  • Contrôle financier
  • Conseil national de l'enseignement supérieur et de la recherche (C.N.E.S.E.R.)
  • Mission scientifique, technique et pédagogique 
  • Conseil national de la vie lycéenne

3.2. Politische Zielsetzungen

3.2.1. Überblick

Die von Forschungsministerin Pécresse am 23.7.2009 in Form eines Generalberichts  zur weiteren Abstimmung vorgelegte Stratégie nationale de la recherche et de l’innovation für den Zeitraum der nächsten vier Jahre wird künftig die entscheidenden forschungspolitischen Zielsetzungen für die jährlich anstehenden Haushaltsentscheidungen des Staates, das Jahresprogramm der ANR und die Aktivitäten der staatlichen Forschungseinrichtungen und der Universitäten vorgeben.

Die übergeordneten Zielsetzungen der französischen Regierung orientieren sich im Grundsatz an denen der Europäischen Union (Lissabon-Prozess):

  • Schaffung des Europäischen Forschungsraumes
  • Konvergenz bei den thematischen Prioritäten
  • Erhöhung der Forschungsaufwendungen auf 3% des BSP (bis 2012)
  • Schaffung eines Europäischen Hochschulraums (Bologna Prozess) und Situationsbericht 

Das Ministerium für Hochschulwesen und Forschung hat zuletzt im Dezember 2010 unter dem Titel "L’état de l'Enseignement supérieur et de la Recherche en France" zum vierten Mal eine flächendeckende Beschreibung der französischen Hochschul- und Forschungslandschaft herausgegeben und ins Netz gestellt. 

Diese Gesamtdarstellung ist in 35 "indicateurs" gegliedert. Sie besteht aus zwei Teilen: "Enseignement supérieur" mit  20 "indicateurs“ und "Recherche" mit 15 Indikatoren. Diese sind mit zahlreichen graphischen Darstellungen unterlegt.
In der 93 Seiten umfassenden Darstellung steht die Präsentation von Zahlenmaterial gegenüber inhaltsbezogener Sachstandsbeschreibung und Problemaufbereitung im Vordergrund.

Das französische Erziehungsministerium hat seinerseits im November 2010 zum zweiten Mal einen 76 Seiten umfassenden Jahresbericht „Etat de l’ École“ ins Netz gestellt. Die Darstellung ist in „29 indicateurs sur le système éducatif français“ gegliedert. 

Wichtige forschungs- und hochschulpolitische Zielsetzungen enthalten auch die „Strategie nationale de recherche et d‘ innovation“ (SNRI; Herbst 2009: „Pour un système de recherche et d‘ innovation performant“) und das „Programm Zukunftsinvestitionen“ (Abschnitt Enseignement supérieur et recherche“) das in Form  eines Haushaltsergänzungsgesetzes vom 9.3.2010 verkündet wurde.
Inhaltlich baut letzteres auf den von der „Commission Juppé – Rocard“ Ende 2009 vorgelegten Empfehlungen (hier: „Axe No 1“: Soutenir l‘ enseignement supérieur, la recherche et l‘ innovation“) auf. Es  sieht ein Gesamtvolumen von  35 Milliarden Euro vor, für die der Staat sukzessive Kapitalmarktmittel aufnimmt. Sie dienen der Finanzierung von strukturstärkenden Projekten in den Bereichen Hochschulwesen, Forschung, sektorspezifische Industriezweige, Kleine und Mittlere Unternehmen, Nachhaltige Entwicklung und digitale Wirtschaft. Allein auf zehn MIRES-Programme entfallen 21,9 Milliarden Euro.

3.2.2. Bildungspolitische Ziele

In Form eines "document annexe" (Livre Bleu Enseignement scolaire) sind in jedem Jahr - zuletzt für das Jahr 2011 - auch für den Bereich der Bildungspolitik dem „projet de loi de finances“ die einschlägigen "Objectifs et indicateurs" beigefügt.

Für den Bereich "Enseignement scolaire" gibt das „Livre Bleu 2011  Enseignement scolaire“ elf Ziele ("objectifs") vor: Sie sind wie folgt aufgegliedert:

Staatliches Primarschulwesen
 (Livre Bleu "Enseignement scolaire")

  • Alle Schüler zur Beherrschung der Basiskompetenzen hinführen, die am Ende der "École primaire" gefordert werden; insbesondere Beherrschung des Französischen in Wort und Schrift sowie Mathematik (5 Bewertungsparameter)
  • Den schulischen Erfolg von Schülern aus Problemzonen und solchen, die eine ihrer Veranlagung angepasste Erziehungsform benötigen (einschließlich Behinderte und  kranke Kinder), nachhaltig fördern (6 Bewertungsparameter) 
  • Die Verfügbarkeit einer den jeweiligen Situationen angepassten Zahl von  Lehrkräften gewährleisten (4 Bewertungsparameter)  
  • Unter dem Gesichtspunkt eines gleichgewichtigen Lehrangebots auf eine ausgewogene Raumordnung hinarbeiten (3 Bewertungsparameter).

Die "Présentation stratégique“ des für das Programm 140 "Enseignement scolaire public du premier degré" zuständigen Generaldirektors Jean-Michel Blanquerist  für das Erfassen des schulpolitischen Kontexts von besonderem Interesse; ebenso die "Présentation du programme et des actions".

Staatliches Sekundarschulwesen ("collège" und "lycée" /Livre Bleu "Enseignement scolaire" 2009“)

  • Eine möglichst große Zahl von Schülern auf das Leistungsniveau bringen, das am Ende der Schulpflicht (16 Jahre) vorgeschrieben ist, und sie zu den entsprechenden Abschlüssen hinführen (11 Bewertungsparameter)
  • Den schulischen Erfolg von Schüler aus Problemzonen und solchen, die eine ihrer Veranlagung angepasste Erziehungsform benötigen, steigern (5 Bewertungsparameter) 
  • Auf die Mehrspurigkeit der Wege, die zu einer abgeschlossenen beruflichen Ausbildung führen, achten (2 Bewertungsparameter).  
  • Die Weiterverfolgung des schulischen Bildungsweges junger Menschen (Lyzeum) oder ihre berufliche Eingliederung nach dem Ende der Schulpflicht (16 Jahre) fördern (4 Bewertungsparameter)  
  • Einen Beitrag zur Entwicklung lebenslanger Erziehung und Ausbildung leisten (1 Bewertungsparameter).  
  • Ein Potential qualifizierten Lehrpotentials zur Verfügung haben (4 Bewertungsparameter). 
  • Unter dem Gesichtspunkt eines gleichgewichtigen Lehrangebots eine ausgewogene Raumordnung bei optimaler Nutzung der verfügbaren Ressourcen gewährleisten (5 Bewertungsparameter).

Die "Présentation stratégique du projet annuel de performances" des auch für das Programm 141"Enseignement scolaire public du second degré" zuständigen General-direktors M. Jean-Michel Blanquer ist für das Erfassen des schulpolitischen Kontexts von besonderem Interesse; ebenso die daran anschließende "Présentation du programme et des actions".

Das gilt ebenfalls für die "Présentations stratégiques du projet annuel de performances" des auch für die Programm 230 "Vie de l'élève"  zuständigen Generaldirektors Jean-Michel Blanquer und des für Privatschulwesen (Programm 139) zuständigen Directeur des affaires financières Frédéric Guin.

3.2.3. Forschungspolitische Ziele

Objectifs et indicateurs de performance de la mission interministérielle recherche et enseignement supérieur

Die hochschul- und forschungspolitischen Ziele der „Mission interministérielle recher-che et enseignement supérieur (MIRES) werden jährlich in dem als informatorische Aufzeichnung für die Mitglieder der Nationalversammlung und des Senats konzipierten „Rapport sur les politiques de recherche et de formations supérieures (Jaune budgetaire  MIRES) in allgemeiner Form  dargestellt. 
Gleichzeitig werden Indikatoren  für ihre Erfolgskontrolle ("indicateurs de performance") festgelegt.
Ziele und Erfolgsindikatoren bilden den Inhalt  des als formelle Entscheidungsgrundlage (vergleichbar dem deutschen "Einzelplan" des BMBF) für die Verabschiedung der "Loi de finances" dienenden  sehr viel umfangreicheren und detaillierteren "Bleu budgetaire MIRES 2011.
Die wichtigsten Querschnittsziele Ziele sind:

  • wissenschaftlche Erkenntnisse auf höchstem internationalen Niveau erarbeiten 
  • Zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der nationalen Wirtschaft mittels des Transfers und der wirtschaftlichen Verwertung (valorisation des resultats) der Forschungsergebnisse auf  Unternehmensebene beitragen
  • Aktiv am Aufbau des Europäischen Forschungsraumes mitwirken 
  • Die Beziehungen zwischen der Wissenschaft und der Gesellschaft stärken 
  • Durch Forschung das Nachwuchspotential wissenschaftlichen Sachverstandes aufbauen, um den Bedürfnissen der Forschung und der Wirtschaft von morgen entsprechen zu können  
  • Die Voraussetzungen für einen chancengleichen Zugang von jungen Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten schaffen 

Die jeweiligen programmspezifischen Ziele und die dazugehörenden Erfolgsparame-ter sind im „Bleu Budgetaire MIRES 2011“ als Bestandteil der nachstehend aufgeführten  Programme – unmittelbar im Anschluss an die die einzelnen Programme (10) einleitenden „Présentations  stratégiques“ des zuständige Generaldirektors - dargestellt: 

Es bestehen folgende Fachprogramme:

  • Formations supérieures et recherche universitaire (Programme 150)Vie étudiante  (Programme 231)
  • Recherche scientifiques et technologiques pluridisciplinaires (Programme 172)
  • Recherche dans le domaine de la gestion des milieux et des ressources (Programme 187)
  • Recherche spatiale (Programme 193)  
  • Recherches dans les domaines de l’ énergie, du développement durable et de l’ aménagement durable (Programme 190) 
  • Recherche et enseignement supérieur en matières économique et industrielle (Programme 192)

Von den  jeweiligen "Présentations  stratégiques"  ist die Darstellung der   Programmziele  folgender Programme von grundsätzlichem Interesse:

  • Recherche duale / civile et militaire (Programme 191) Recherche culturelle et culture scientifique (Programme 186)
  • Enseignement supérieur et recherche agricoles (Programme 142) 

Die bi- und multilaterale Zusammenarbeit mit Industriestaaten und Entwicklungsländern gehört ebenfalls zu den Zielen der französischen Forschungspolitik.

3.2.4. Zusammenarbeit mit anderen Ländern

Die im Herbst 2009 vom französischen Ministerrat verabschiedete "Stratégie nationale de recherche et d‘ innovation" soll nach den Vorstellungen der ehemaligen Forschungsministerin Pécresse auch für die Zusammenarbeit Frankreichs mit anderen Ländern neue Akzente nach sich ziehen; sie stellte hierzu fest, "dass  das  der internationalen Zusammenarbeit  bisher zugrunde liegende Konzept im Verlaufe der letzten Jahrzehnte nicht genügend weiterentwickelt wurde".

Auf internationaler Ebene

A) Die bisher maßgebende  feuille de route des Quai d´Orsay (Außenministerium) ist einer auf Deutsch verfassten Internet-Selbstdarstellung des Quai d’Orsay zum Thema "Bildung und Universität" (Stand:17.03.08) entnommen:

Im Bereich der Forschung und des Hochschulwesens verfolgt der Quai d’Orsay  eine  wissenschaftliche Kooperationspolitik, um die Mobilität der Forscher, den Ausbau von Austauschaktionen und Partnerschaften einerseits zur Errichtung von regionalen wissenschaftlichen Plattformen und andererseits von Forschungsprogrammen im Rahmen eines Netzwerks zu fördern.

Die französische Strategie ist auf drei Schwerpunkte fokussiert:

  • Vertiefung der Partnerschaft mit den großen Industrieländern, insbesondere im Rahmen des europäischen Forschungsraums, wie auch die Verstärkung von wissenschaftlichen Programmen mit den EU-Beitrittskandidaten 
  • Entwicklung  von Kooperationen mit den großen Schwellenländern in Asien und in Lateinamerika. Drei Zielländer - China, Indien, Brasilien - sind Gegenstand von neuen wissenschaftlichen Programmen und dienen zur Unterstützung der Ausbildung von jungen Doktoranden 
  • Die Unterstützung der Forschung im Süden im Rahmen der vorrangigen Solidaritätszone durch Projekte für die Strukturierung von Forschungsinstituten und die Verstärkung der wissenschaftlichen Kapazitäten in südlichen Ländern

Über diese geographischen Prioritäten hinaus legt Frankreich seit langer Zeit ein besonderes Gewicht auf die auf die Zusammenarbeit  im Bereich der Sozialwissenschaften und  der Archäologie. Sie wird weltweit durch 28 Forschungsstellen und über 155 archäologische Missionen, unterstützt.

Eine stärker inlandsbezogene Selbstdarstellung jüngeren Datums (Stand: 2.2.2010) des Quai d‘ Orsay steht in französischer Sprache unter der Überschrift „Coopération éducative, enseignement supérieur, formation professionnelle“ über die Web-Seite „France Diplomatie“ zur Verfügung.

Eine breiter angelegte Darstellung mit dem Schwerpunkt "La coopération en matière d'enseignement supérieur" - steht im Abschnitt  "La construction de l‘espace européen de l‘enseignement supérieur et de la recherche – l‘action et la coopération internatio-nales“" im "Jaune budgetaire MIRES 2011" zur Verfügung. 

B) Die operative Ausführung der feuille de route des Quai d'Orsay erfolgt im Wesentlichen durch das Forschungsministerium:

Die internationale Politik des Forschungsministeriums basiert auf der Bestimmung von Regionen mit vorrangiger Bedeutung und der Entwicklung thematischer Kooperationsachsen. Sie wird in Abstimmung mit den Aktionen der Europäischen Union (7. EU-Forschungsrahmenprogramm) und der Politik des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten durchgeführt.

C) Maßnahmen
Drei Arten von Aktionen sind hervorzuheben:

  • Gewährung von Stipendien an ausgewiesene Forscher und ausländische Post-Doktoranden
  • Förderung der Mobilität im Rahmen der cotutelle de thèse (gemeinsame Betreuung der Doktorarbeit mit ausländischen Partnern)
  • Unterstützung von Forschungsnetzwerken, zum Beispiel durch die Finanzierung des Austauschs von Forschern.

3.3. Initiativen und Programme

3.3.1. Überblick

Ziel der französischen Bildungs- und Forschungspolitik ist es, Frankreich einen Platz unter den führenden Nationen in Forschung und Entwicklung zu sichern. Gleichzeitig möchte Frankreich mit seiner Politik einen wichtigen Beitrag zum Aufbau des Europäischen Bildungs- und Forschungsraumes leisten. Zu den Initiativen des Ministeriums für Erziehung einerseits und des Ministeriums für Hochschulwesen und Forschung der letzten Jahre zugunsten von Forschung und technologischer Entwicklung andererseits zählen:

  • eine vorausschauende Personalpolitik im Bereich der Wissenschaft
  • eine aktive Kooperationspolitik zwischen öffentlichen Forschungseinrichtungen mit Universitäten /Hochschulen sowie mit der Industrie
  • die Förderung von Forschungs- und Innovationsprogrammen, Förderung von KMU über die Finanzierungsinstrumente von OSEO 
  • die Verbesserung der finanziellen und steuerlichen Rahmenbedingungen für innovative Unternehmen (crédit d'impôt recherche“/CIR)
  • die Netzwerkbildung in der technologischen Forschung
  • Fortbildungsmaßnahmen für junge Forscher in Unternehmen (CIFRE)

Einen guten - wenn auch nicht erschöpfenden - Überblick über die einschlägigen seit dem Frühsommer 2007 von der Regierung Fillon u.a. im Bereich der Erziehungswesens, der Hochschulen und der Forschung bisher eingeleiteten Reformmaßnah-men vermittelt der Mitte Mai 2008 ins Netz gestellte "Guide des réformes et des mesures 2007 - 2008". Er wurde im Mai 2011 durch einen „point d‘étape des Elysée-Palastes „4 ANS D’ACTION – Mai 2007 – Mai 2011“ fortgeschrieben. Insbesondere die darin als ergänzendes Material aufgeführten Dossiers „Enseignement supérieur et recherche“ und „Investissements d‘avenir“ sind im vorliegenden Zusammenhang von Interesse.  In dem „point d‘étape“ als solchem ist vor allem hinzuweisen auf die Unterabschnitte:

  • „Die Gleichheit der Chancen in der Schule gewährleisten“
  • „Der Hebung des geistigen Niveaus absolute Priorität einräumen“
  • „Sich dank des ‚Grenelle de l‘ environnement“ für eine nachhaltige Entwicklung entscheiden“
  • „Die Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs stärken“. 

Einen zuverlässigen Gesamtüberblick  liefern unabhängig hiervon die jährlich die als Annex dem Entwurf des Haushaltsgesetzes für das jeweils kommende Jahr („projet de loi de finances“) dem Parlament von der Regierung vorgelegte „Rapport sur les politi-ques nationales de recherche et de formations supérieures“ („Jaune budgetaire MIRES).

3.3.2. Programme in der Bildung

Das französische Erziehungsministerium hat im November 2010 zum zweiten Mal in Folge einen 76 Seiten umfassenden Jahresbericht „Etat de l’École“ ins Netz gestellt. Die Darstellung ist in „29 indicateurs sur le système éducatif français“ gegliedert.
Die zzt. letzten verfügbaren aktuellen Informationen zu den schulpolitischen Prioritäten des im September 2011 begonnen Schuljahres enthält das im Journal Officiel vom 5.5.2011 veröffentlichte ministerielle Rundschreiben „Priorités de la rentrée 2011“. 

3.3.3. Programme in der Forschung

Aktuell im Sinne dieses Unterabschnitts sind Sachverhalte, insbesondere nach der Sommerpause 2010 eingetretene, die die forschungspolitische Diskussion in Frankreich noch heute prägen.
Die auf der Webseite des französischen Forschungsministeriums verfügbaren "dossiers thématiques"

  • "Die nationale Strategie in den Bereichen Forschung und Innovation"
  • "Zukunftsinvestitionen"
  • "Die Operation Campus"
  • "Die Rechtsstellung der enseignants-chercheurs" 
  • "Die digitale Universität“
  • "Die Autonomie der Universitäten"
  • "Der Plan betreffend die beruflichen Aufstiegschancen in den Bereichen Hochschullehre und Forschung"

"Der Rat für die Entwicklung der Human- und Sozialwissenschaften" (CDHSS). In Verbindung mit dem Link "Nouvelle Université" und den auf der Webseite abrufbaren "Actualités" vermitteln sie ein umfassendes Bild von der Aktualität der französischen Hochschul- und Forschungspolitik.

3.3.4. Förderung der Technologieentwicklung im privaten Sektor

Die Förderung von Forschung, Technologie und Innovation im privaten Sektor basiert insbesondere auf:

  • Steuererleichterungen (Crédit d'impôt recherche / CIR) sowie 
  • Zuwendungen für die Durchführung von  Forschungsprojekten aus Mitteln des Staatshaushalts.

Der "crédit d’impôt recherche" wurde durch das "loi de finances 2008 (Artikel 69 - 70) entscheidend verbessert. Die Unternehmen können 30 % ihrer  FuE- Investitionen bis zu einem Volumen von 100 Mio. €  von ihrer Steuerschuld absetzen, 5 % soweit diese 100 Mio. € übersteigen. Der CIR ist dadurch auch für Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU / PME) attraktiv geworden. Der Satz wird auf 60 % erhöht, wenn von einem Unternehmen einer staatlichen Forschungseinrichtung die Durchführung eines Forschungsprojekts übertragen wird. Nehmen sie diese Möglichkeit zum ersten Mal in Anspruch, betragen diese Prozentsätze im ersten Jahr 50% und im zweiten Jahr 40%, im dritten Jahr werden einschlägige Personalkosten und Sachinvestitionen berücksichtigt, aber auch Kosten infolge der Erteilung von FuE- Unteraufträgen, die Beobachtung technologischer Entwicklungen („veille technologique“) und Aufwendungen für die Beantragung, Pflege und die rechtliche Durchsetzung von Patenten. 

Das MESR hat im Jahre 2010 eine Erhebung über die Auswirkungen des CIR durchgeführt. Die Erhebung bestätigte die positiven Auswirkungen der eingeführten Neue-rungen auf die Bereitschaft der Unternehmen, FuE–Aktivitäten durchzuführen bzw. überhaupt erst aufzunehmen. Die Steuerausfälle infolge des "crédit d’impôt recherche" betrugen im Jahre 2009 4,7 Mrd. €.
    
Zuwendungen für die Durchführung von  Forschungsprojekten werden von OSEO und ANR gewährt:

  • auf dem Wege der gezielten Förderung von KMU / PME  mittels Beratungs- und Vermittlungsstellen. Hierfür wurden in den Jahren 1999 – 2002 die Grundlagen geschaffen (u.a. Loi sur l’innovation et la recherche vom 12.7.1999;  Plan innovation / Dezember 2002);
  • auf dem Wege der  Förderung von jungen Unternehmen, deren Unternehmenszweck die gezielte Vermarktung einer Innovation ist („entreprises innovantes“); hierfür  wurde durch das die Loi sur l’innovation et la recherche vom 12.7. 1999 geschaffen. Die darin vorgesehenen Maßnahmen sind auf die verschiedenen Stadien der Entstehung von innovativen Unternehmen abgestellt: 
  1. junge Menschen für das Unternehmertum sensibilisieren und ihnen die Lust etwas zu unternehmen zu vermitteln, 
  2. für die wirtschaftliche Verwertung der Forschungsergebnisse staatlicher Forschung durch Unternehmensgründungen die rechtlichen Voraussetzungen schaffen  
  3. Projekte für Unternehmensgründungen anregen, ermutigen  und begleiten
  4. ihnen beim Start und in der ersten Entwicklungsphase Hilfestellung leisten.

Seinerzeit wurde durch Ergänzung des Code de la recherche (Artikel 413-1, 413-8 und 413-12) die Möglichkeit dafür geschaffen, dass Mitarbeiter von staatlichen Hochschuleinrichtungen und staatlichen Forschungseinrichtungen, sich unter verschiedenen Formen in innovative Unternehmensgründungen persönlich einbringen können. Seit dem Jahre 1999 wird jährlich ein „Concours national d’aide à la création d’entreprises de technologies innovantes“ durch das französische Forschungsministerium durchgeführt. Am 1. Dezember 2010 wurde zum 13. Concours national aufgerufen.

  • auf dem Wege der Förderung von FuE- Projekten eines Unternehmens innerhalb von Netzwerken (seit 2005 ganz überwiegend  in Form von "pôles compétitivité", zzt. 71). Während die Gesamtverantwortung für die Förderung der „pôles de competitivité“ bei OSÉO liegt, fördert die Agence nationale de la Recherche ergänzend durch Projektausschreibungen gezielt FuE-Projekte der Gemeinschaftsforschung, die über einen fachlich einschlägigen „pôle de compétitivité“ eingereicht werden. ANR hat im Jahre 2010 2006,5 Mio. € für 313 FuE-Projekte aus „pôles de compétitivité“ bewilligt
  • auf dem Wege der verstärkten Rolle, die OSÉO im Verlaufe der letzten Jahre insbesondere zur Innovationsförderung  durch Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU / PME) zugewiesen wurde.

Der OSÉO-Geschäftsbereich OSÉO- Innovation, in dem die Ex-ANVAR und die bis zum 1.1.2008 bestehende Agence de l’innovation industrielle (AII) aufgegangen sind, hat die Aufgabe, „die industrielle Entwicklung und das Wachstum durch technologische Innovation“ insbesondere kleiner und mittlerer Unternehmen zu fördern und zu unterstützen sowie zum Technologietransfer beizutragen. Sie wird zu diesem Zweck auf lokaler, nationaler, der EU-Ebene und darüber hinaus ganz allgemein international tätig. 

OSÉO-Innovation hat im Juni 2011 seinen Jahresbericht 2010 vorgelegt. In allen Geschäftsbereich zusammengenommen hat OSÉO im Jahre 2008 80.000 Unternehmen unterstützt. Zur Innovationsförderung  hat OSÉO 2010 650 Millionen Euro zur Verfügung gestellt; Projekte der Gemeinschaftsforschung spielen darin eine bedeutende Rolle.  

Durch den Plan zur Wiederbelebung der französischen Wirtschaft („Plan de relance“) wurden OSÉO zusätzliche Aufgaben zugewiesen. 

Der OSÉO- Jahresbericht 2010 weist u.a. die Unternehmen, die eine Unterstützung von OSÉO- Innovation erhalten haben, nach deren Größe und nach großen Förderbereichen (Gesundheit; Nachhaltige Entwicklung; Informations- und Kommunikationstechnologien) aus. 

3.3.5. Universitäten/Universitätsreformen

Im Verlaufe des zweiten Halbjahres 2006 zeichnete sich für die Universitäten eine  Reformphase ab, die bis heute andauert. Sie konnte jedoch  erst nach der Wahl des Staatspräsidenten und den dieser folgenden Wahlen zur Nationalversammlung ab Juni 2007 effektiv eingeleitet werden. Die "Loi relative aux libertés et aux responsabilités des universités" wurde als einer der innenpolitischen Prioritäten von Staatspräsident Sarkozy nach Zustimmung durch das Parlament am 10.8.2007 verkündet.
Die wesentlichen Neuerungen des Hochschulreformgesetzes sind:

  • die berufliche Orientierung der Studierenden und die Hilfestellung der Universitäten bei deren Übergang in das Berufsleben als neue Aufgabe der Universitäten
  • die Reform der Verwaltungsräte der Universitäten (Beschränkung auf 20 - 30 Mitglieder) und ihre Öffnung auf das regionale / lokale Umfeld der Universitäten und auf die Wirtschaft (mindestens ein Unternehmenschef oder leitende Persönlichkeit aus der Unternehmenswelt als Mitglied eines Verwaltungsrats)
  • die zügigeren Entscheidungsabläufe (absolute Mehrheit ausreichend) und bessere Verknüpfung der drei bestehenden gemischt zusammengesetzten universitären Beratungsgremien
  • die Wahl eines mit verstärkten Entscheidungsbefugnissen ausgestatteten Universitätspräsidenten
  • die stärkere Autonomie der Universitäten in Haushalts- und Personalfragen (u.a. Globalhaushalt) 
  • die Gewährleistung echter demokratischer Mitwirkungsmöglichkeiten der Universitätsangehörigen in den Vertretungsorganen
  • die Präzisierung der Rolle der Mehrjahresverträge zwischen Staat  und Universitäten 
  • die größere Transparenz der universitären Entscheidungsabläufe

Die Neuerungen sind auf der Webseite des MESR unter „Nouvelle Université“ im Einzelnen unter „autonomie des universités“ dargestellt. 

Die „Stratégie nationale de recherche et d‘ innovation“ (SNRI; Herbst 2009) enthält noch keinen speziell den Universitäten und ihrer Reform gewidmeten Abschnitt. Sie beschränkt sich – neben den Prioritäten der künftigen Forschungs- und Innovationspolitik – auf die strukturellen Aspekte eines „Système de recherche et d‘ innovation performant“.

Der das „Programm Zukunftsinvestitionen“ vorbereitende Bericht der Kommission Juppé – Rocard weist – insoweit den Ansatz der SNRI fortführend  und über diese hinausgehend – das Hochschulwesen als vorrangige Priorität No 1 „Soutenir l’Enseignement supérieur, la recherche et l‘ innovation“ aus. Er untermauert diese durch konkrete Empfehlungen unter „Action 1“. 

Das „Programm Zukunftsinvestitionen“ (Haushaltsergänzungsgesetz vom 9.3.2010; Gesamtvolumen 35 Milliarden Euro) baut auch in dem hier interessierenden Bereich auf dem Bericht der Kommission Juppé – Rocard auf.  

3.3.6. Kooperationen in der Wirtschaft

Die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Forschung und Unternehmen zählt zu den Prioritäten der französischen Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik. Weiterhin fördern anwendungsorientierte Forschungsnetze "Réseaux de recherche et d'innovation technologique" (RRIT) die Zusammenarbeit zwischen privaten und staatlichen Forschungslabors mit jeweils  einem thematischen Schwerpunkt. Zusätzlich wurden seit dem Frühjahr 2005 71 "pôles de compétitivité" als neue Strukturen der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft eingerichtet. Sie arbeiten nach dem Prinzip der Cluster, in denen Experten der Wissenschaft und der Wirtschaft ihre jeweilige Erfahrung konzertiert einbringen, um Erkenntnisse aus der Front der Wissenschaft rascher der wirtschaftlichen Verwertung zuzuführen. Der Auf- und Ausbau der Instituts Carnot begünstigt dort die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Unternehmen, wo noch eine Phase der Auftragsforschung und -entwicklung vorgeschaltet werden muss, bevor an die  Markteinführung einer Technologie gedacht werden kann. Ein weiterer, intensiv geförderter Weg der Überleitung wissenschaftlicher Ergebnisse in die Wirtschaft besteht in der Unterstützung von Neugründungen  mit Hilfe von Inkubatoren: “Incubateurs d’entreprises innovantes“ sowie durch Bereitstel-lung von Risikokapital und Steuererleichterungen (CIR, vgl. S. 28).

Frankreich sucht auch im Internationalen Partner  der Zusammenarbeit: in 2011 war Frankreich als Ehrengast auf der Hannover Messe und hat in insgesamt sieben Hallen beeindruckend den Stand seiner Technologien präsentiert. 

3.3.7. Netzwerkprogramme

Die zwischen den Bundesressorts und der französischen Regierung abgestimmte Sachstandsaufzeichnung "Forum zur Finanzierung von Innovation und Wettbewerbsfähigkeit am 14.12.2006 in Straßburg", die der Vorbereitung des 7. Deutsch-Französischen Ministerrates (Paris, 12.10.2006) diente, vermittelt einen sehr guten Überblick über die unverändert entwicklungsfähige Rolle von Netzwerken / Kompetenznetzen in der deutsch-französischen wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit. 

Die letzte zzt. verfügbare Darstellungen  "La recherche partenariale – Les partenariats avec les acteurs publics / Les pôles de compétitivités / Les partenariats universités –organismes de recherche“ " enthält das "Jaune budgetaire MIRES 2011". Am 9.11.2007 haben die VDI-Innovation +Technik GmbH und die Stiftung Sophia Antipolis eine Kooperationsvereinbarung mit dem Ziel unterzeichnet, eine engere Zusammen-arbeit zwischen französischen "pôles de competitivité" und deutschen Kompetenznetzen einzuleiten. Konkrete Ergebnisse sind bisher nicht bekannt geworden. 

In diesen Zusammenhang sind als Formen der „partenariats avec les acteurs privés“ die „Institus Carnots“  ("Recherche contractuelle": Jaune budgetaire MIRES 2011) und die "Formation par la recherche en entreprise /“Conventions industrielles de for-mations par la recherche“  (CIFRE; / Förderung von Jungforschern )("Jaune budgetai-re MIRES 2011) einzuordnen.

4. Kooperationen

4.1. Grundlagen

4.1.1. Überblick

Entwicklung der Zusammenarbeit:

Zunächst wird darauf hingewiesen, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung und der damalige  Minister für Hochschulwesen und Forschung (Ministre délégué) in Zusammenarbeit mit der DFGWT und der AFAST im Mai 2005 erstmals eine umfassende Dokumentation " 40 Jahre Deutsch - Französische Zusammenarbeit in Forschung und Technologie - Bilanz und Perspektiven 1963 -2003" vorgelegt haben (zweisprachig). Sie weisen in ihrem gemeinsamen Vorwort darauf hin, "dass das 1. Forum zur Deutsch - Französischen Forschungskooperation (Paris, 12. Februar 2002) neue Initiativen zur Intensivierung der Zusammenarbeit ausgelöst habe und zwar auf Forschungsfeldern, die weltweit zu den großen technologischen und gesellschaftspolitischen Herausforderungen der Zukunft gehören“:

  • Luft -und Raumfahrt
  • Nanotechnologie
  • Materialforschung
  • Umwelt- und Klimaforschung
  • Verkehr
  • Pflanzengenom 
  • Gesundheitsforschung

Die Dokumentation enthält auch die „Gemeinsame Erklärung zum 40. Jahrestag des Elysée-Vertrages“, soweit sie hier einschlägig ist.

Das 2. Forum zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation fand am 6./ 7. Juli 2005 im Geoforschungszentrum Potsdam in Anwesenheit der ehemaligen  Bundesministerin Bulmahn und François Goulard statt. 
Es bestand in Potsdam Einvernehmen darüber, dass sich die beiden Foren zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation in Form eines "Review" des jeweils in der bilateralen Zusammenarbeit Erreichten zu einem unverzichtbaren Kontinuum verdichtet haben.
Das 3. Forum zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation fand am 29.2.2008 in Paris statt. Es sollte sich hauptsächlich - so das Livre Jaune MIRES 2008 - mit Fragen der "strategischen Forschungsplanung und der Prospektive" im FuE- Bereich und mit der Abstimmung zu den von Frankreich im Rahmen der französischen EU-Präsidentschaft beabsichtigten Initiativen in Fragen des Geschäftsbereichs des Ministeriums für Hochschulwesen und Forschung einerseits und des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft anderseits befassen. 
Das 4. Forum zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation hat im Jahre 2011 in Deutschland (Berlin) stattgefunden. 
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts spielen neben dem Technologietransfer auch der Austausch von Nachwuchswissenschaftlern sowie der Ausbau eines Europäischen Forschungsraums auch innerhalb der bilateralen Kooperationen eine immer größere Rolle. Insgesamt gesehen hat sich das Spektrum der Zusammenarbeit in den letzten Jahren verbreitert. Das hohe Niveau der beiderseitigen wissenschaftlich-technischen Beziehungen hat zu neuen wichtigen Projekten und Vorhaben geführt.

4.1.2. Regierungs- und Ressortabkommen

Die Schwerpunkte der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich werden in gemeinsamen Arbeitsprogrammen, den sog. „Feuilles de route“ festgelegt. Das derzeitige Arbeitsprogramm  umfasst Aktivitäten in folgenden Bereichen:

  • Institutionelle Kooperation der Forschungsorganisationen  (vgl. Bi- und multilaterale Programme)
  • Innovation
  • Gesundheitsforschung 
  • Nanotechnologie 
  • Meeres- und Polarforschung
  • Nachhaltige Entwicklung
  • Verkehrsforschung
  • Geistes- und Sozialwissenschaften

Innovation
Zur Intensivierung der Kooperation in der Innovationspolitik haben die beiden Forschungsminister während des Forums in Potsdam (2005) eine Gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Hierin wurde u. a. eine enge Kooperation der FhG und den Instituts Carnot vereinbart, die in 2008 zu einem unmittelbaren Abkommen der beiden Gesellschaften geführt hat. Ebenso wird die Initiative „Deutsch-französische Kompetenznetze“ fortgesetzt. 

Gesundheitsforschung
Die deutsch-französischen Kooperationen in diesem Bereich (seit 1978) werden schrittweise auf europaweite Zusammenarbeit ausgeweitet, die Forschungsanstrengungen zur Entwicklung europäischer Forschungsinfrastrukturen werden im Rahmen der European Strategy Forum 
on Research Infrastructures
 (ESFRI) road maps koordiniert. 

Krebsforschung (Kooperation DKFZ mit F) 
DKFZ/ INSERM (Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale). Die integrierte Forschungseinheit (Unité mixte) von DKFZ/ INSERM in Heidelberg forscht seit 1993 in der „Tumorvirologie“; nach einer internationalen Bewertung in 2008 Entscheidung über die Weiterführung des Projekts 2009 – 2012;
DKFZ/ CGE (Cancéropôle du Grand-Est). Das gemeinsame Forschungsprogramm (unterzeichnet Februar 2006 für 3 Jahre) untersucht die Rolle Humaner Papillomviren (HPV) unter Beteiligung von 6 DKFZ Teams und 8 frz. Laboratorien. Gefördert durch BMBF, HGF, DKFZ, INCa, Ministère de la Recherche und der Ligue Nationale contre le Cancer
DKFZ/ Univ. Besançon (im Rahmen der DAAD/ INCa-Förderung zur Krebsforschung). Das gemeinsame Projekt zielt auf eine Kombinationstherapie zur Bekämpfung von Gehirntumoren. 

Projekt “INUMAC” 
Projekt zur Hochfeld-Magnetoresonanztomographie (MRT) „INUMAC“ (Imaging of Neurodisease Using High Field MR and Contrastophores) für die neurologische Forschung. Partner aus D und F entwickeln medizinische Bildgebung durch MRT weiter. Das auf 5 Jahre angelegte Projekt umfasst ein Volumen von rd. 200 Mio. € (rd. 80 Mio. € von dt. und frz. Regierung, rd. 120 Mio. € von der Industrie). 

Genomforschung
Kooperationsprojekte (seit 1999) zu Modell- und Nutzpflanzen, landwirtschaftlichen Nutztieren. Projekte im Bereich der Metagenomik beim Menschen und der nicht-ernährungsbezogenen Verwertung landwirtschaftlicher Produkte (grüne Chemie, weiße Biotechnologie) in Planung. 

GABI/ Génoplante: die beiden nationalen Programme arbeiten seit 2001 zusammen (2006: 10 Projekte). Integration der künftigen Programme (Génoplante 2010 und GABI 2) in das 7. FRP. 

Europäische Ebene: gemeinsamer Aufbau des ERA-Net „Plantgenomics“; Ziel: Erarbeitung von Integrationsmodalitäten (GBF mit INRA; Institut Pasteur, ISNERM und CNRS). 

FUGATO (dt.) und AGENAE (frz.): zur Funktionellen GenomAnalyse im Tierischen Organismus wird eine Machbarkeitsstudie zu einer gemeinsamen industriellen Plattform durchgeführt; gemeinsame Nutzung von Forschungsinfrastrukturen ist in Planung. 

Nanotechnologie
Dt. und frz. Partner arbeiten seit 2002 (1. dt.-frz. Forum) erfolgreich in bi- und multilateralen Projekten (Verknüpfung von Kompetenznetzwerken). 
Fraunhofer-Verbund Mikroelektronik/ CEA-LETI: Halbleitertechnologie;
Arbeitsgruppe Nanotechnologie koordiniert Programme in den Bereichen Nano-Biophotonik: Molekulare und zellulare Bildherstellung; Bildherstellung der Gewebe vom Kleintier; Meta-Mikroskopie (Instrumente für die Entwicklung von Bild- und Analysesystemen); Nano- und Biomolekularsonden und –sensoren;
Beschluss zur Errichtung einer binationalen Biophotonikinstitution. 

Meeres- und Polarforschung
Verstärkte Zusammenarbeit von D und F im Tripartite-Abkommen (mit weiteren europ. Staaten) zum Austausch von Forschungsinstrumenten anvisiert. 
IFREMER und IfM Geomar unterzeichnen 2007 ein bilaterales Abkommen. Gespräche zur Identifizierung gemeinsamer Interessen haben begonnen. 
Gemeinsame Aktivitäten dt. und frz. Forschungseinrichtungen zu einem Frühwarnsystem in europäischen Meeren werden unterstützt. Die Arbeiten dazu laufen im Rahmen der IOC der UNESCO. 

AWI/ IFREMER: fünfjähriges Kooperationsabkommen (Juni 2006) zum Küstenschutz sowie Gründung einer gemeinsamen Abteilung mit zwei Standorten für Unterwassertechnologien („Virtual Department on Underwater Vehicles and Marine Technology“) 

AWI/ IFREMER und AWI/Institut Paul-Emile Victor: Abkommen (Juni 2006) über die Gründung eines gemeinsamen Instituts zur Meeres- und Polarforschung. 

AWI/ IFREMER: geplante Kooperationen nach 2010:
Gemeinsame Entwicklung von technischen Lösungen für den Einsatz von Tiefseeinstrumenten in Polargebieten (ROV, AUV, Bohrgeräte)
Erweiterung der Partnerschaft im „Virtual Department“ durch Mitglieder aus Frankreich (INSU) und Deutschland (MARUM, IFM-GEOMAR). 

Nachhaltige Entwicklung
Umwelt und Gesundheit: Abstimmung zw. D und F zu „Atemwegserkrankungen“, „Infektionskrankheiten“ und zu „Auswirkungen geringer Dosen toxischer Substanzen auf die Entwicklung von Krebs und anderen Erkrankungen“; Empfehlung zur stärkeren Einbeziehung in das 7. FRP. 

Nachhaltige ländliche Entwicklung: dt.-frz. Expertentreffen mit Landwirtschaftsministerien 2007 in Straßburg zur Untersuchung des Kooperationspotentials. 

Biodiversität und Wüstenbildung: internat. Workshop von CSFD, desernet und IFAD im Dezember 2006 sowie dt.-frz. Abstimmung, um frz. Studie zu wirtsch.-, soz. und Umweltkosten internationale Dimension zu verleihen; Workshop zum Vergleich der von den Roselt- und Biota-Observatorien eingesetzten Methoden; Abstimmung zw. dem Sahara- und Sahel-Observatorium und „desernet“. 

Verkehrsforschung 
Schwerpunkte sind hier: Umweltverträgliche Güterverkehrskorridore („Green Freight Transport Corridors“), Bahntechnologie, Verkehrstelematik, Reduzierung des Verkehrslärms, Sicherheit im Straßenverkehr durch Fahrerassistenzsysteme, Städtischer Verkehr und Mobilität, Ausweitung von DEUFRAKO auf der Basis der nat. Forschungsprogramme "Mobilität und Verkehr" (D) und "Predit" (F). 

Geistes- und Sozialwissenschaften 
Die dt.-frz. Zusammenarbeit in diesen Bereichen ist älter als der Elysée-Vertrag und weist daher enge Verzahnungen in universitären und anderen Forschungskooperationen auf. 
Spezielle dt.-frz. Institutionen (z. Bsp.: CMB) fördern Doktorandennetzwerke und Stipendienprogramme und Forschung im Partnerland.
MPG und DFG führen Projekte und Ausschreibungen mit frz. Partnern (INED, ANR, Universitäten in Toulouse, Bordeaux, Paris etc) aus.

4.1.3. Einzelvereinbarungen

Zu den tragenden Säulen der bilateralen Kooperation gehören auf deutscher Seite die Max-Planck-Gesellschaft (MPG), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Fraunhofer Gesellschaft (FhG), die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF), die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL), die Universitäten sowie andere Institutionen, die in eigener Verantwortung Kontakte mit französischen Partnerorganisationen unterhalten und mit ihnen zusammenarbeiten.
Die wichtigsten Partner der institutionellen Zusammenarbeit auf französischer Seite sind das Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS), das Centre National d'Études Spatiales (CNES), das Commissariat à l'Énergie Atomique (CEA), das Institut National de la Recherche Agronomique (INRA), das Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale (INSERM), das Institut Français de Recherche pour l'Exploitation de la Mer (IFREMER), Universitäten andere Forschungsinstitute und -zentren sowie u.a. halbstaatliche Einrichtungen.

4.1.4. Bilaterale Gremien und Beauftragte

Der Elysée-Vertrag vom 22.1.1963 hat  in beiden Ländern das Amt eines "Koordinators für die deutsch-französische Zusammenarbeit" geschaffen. Die Koordinatoren, die bei den Außenministerien angesiedelt sind, wirken auf eine weitere Vertiefung der Beziehungen zwischen den Gesellschaften beider Länder hin. 
Der Elysée-Vertrag sieht zusätzlich die Benennung eines "Bevollmächtigten für die kulturellen Angelegenheiten" vor. Da die Kulturhoheit in Deutschland bei den 16 Ländern liegt, vertritt auf Grund einer Bund-Ländervereinbarung von 1969 immer ein Ministerpräsident als Bevollmächtigter die Gesamtheit der Länder in den kulturellen Angelegenheiten mit Frankreich. Während seiner vierjährigen Amtszeit rangiert der Bevollmächtigte protokollarisch als Bundesminister unmittelbar hinter dem Außenminister.  Ab 1.1.2007 nimmt der Regierende Bürgermeister des Landes Berlin, Wowereit, diese Funktion wahr. Seine Gesprächspartner auf französischer Seite sind die jeweiligen  Erziehungsminister bzw. Kulturminister.

Durch die Verabschiedung der "Gemeinsamen Erklärung" am 22. Januar 2003 stellten die beiden Regierungen ihre Konsultationen auf eine neue Basis. Die bisherigen "Gipfelgespräche" sollten danach künftig den Charakter eines „Deutsch-Französischen Ministerrates“ erhalten.  Die ebenfalls am 22. Januar 2003 verabschiedeten 18 Aktionspläne, davon zwei im Bereich Bildung und Forschung, hatten zum Ziel, die Zusammenarbeit zwischen den deutschen und französischen Ministerien zu konkretisieren. Auf dieser Linie liegt auch, dass sich die 6. Sitzung des Deutsch-Französischen Ministerrates (Berlin, 14.3.2006)  mit dem "Deutsch-Französischen Beitrag für Forschung und Innovation in Europa" und mit dem Thema „Europa der Chancengleichheit: Integration ist Zukunft“ befasste. Das in der Abschlusserklärung u.a. angekündigte Großprojekt "Quaero" ist allerdings nicht zustande gekommen.

Die bilaterale Kooperation der Regierungen  sowie der FuE-Institutionen wird  in Deutschland  auch vom Internationalen  Büro des BMBF unterstützt sowie durch die beiden "Deutsch-Französischen Gesellschaften für Wissenschaft und Technologie" (AFAST in Paris und DFGWT in Bonn).

4.1.5. Vertretung in Deutschland

Die Französische Botschaft in Berlin ist eine der größten diplomatischen Vertretungen Frankreichs. Seit  14. März 2011 ist S.E. Maurice Gourdault-Montagne im Amt. 

Der Botschaftsrat für Wissenschaft und Technologie berät und vertritt die französischen Behörden in Fragen der Forschungs- und Technologiepolitik. Er informiert die öffentlichen und privaten Institutionen in Frankreich über wissenschaftliche und technologische Innovationen in Deutschland sowie umgekehrt. Er fördert und unterstützt die bi- und in gewissem Umfang die multilaterale Zusammenarbeit im Bereich Forschung und Entwicklung sowie -  mit Unterstützung von fünf Außenstellen (Hamburg, Potsdam, Bonn, Heidelberg und München) - die Zusammenarbeit der Universitäten und Hochschulen. 
Für die auswärtige Kulturpolitik Frankreichs in Deutschland ist die Kulturabteilung der Botschaft  zuständig. Die Arbeit der Kulturabteilung betrifft im Wesentlichen die Zu-sammenarbeit im Sprach- und Bildungsbereich, die universitären Angelegenheiten, den audiovisuellen Bereich, die künstlerischen Angelegenheiten und den Bereich Buch und Edition.

4.1.6. Deutsche Vertretung im Partnerland

Zu den Aufgaben der deutschen Botschaft in Paris gehört es u.a. über Stand und Entwicklung von Wissenschaft, Forschung und Technologie in Frankreich zu berichten sowie bilaterale Kooperationen zu unterstützen. Der deutsche Botschafter, Reinhard Schäfers, hat Präsident Sarkozy am 15. September 2008 sein Beglaubigungsschreiben überreicht.

4.1.7. Deutsche Wissenschafts- und Kulturinstitutionen im Partnerland

Zahlreiche deutsche Wissenschafts- und Kulturinstitutionen des öffentlichen Lebens und aus dem Bereich der Zivilgesellschaft haben einen Sitz bzw. eine Außenstelle in Paris, einige auch in einer der größeren Städte Frankreichs.

4.1.8. Institutionen der deutschen Wirtschaft

Die Deutsch-Französische Industrie- und Handelskammer fördert die Entwicklung der Handelsbeziehungen beider Länder. Sie ist der "Focal point" der deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen auf der Ebene der Unternehmen.
Einen umfassenden Überblick über die "Institutionen mit deutschem Bezug im Großraum Paris", vermittelt das unten als Querverweis eingestellte Dokument. Zahlreiche deutsche Unternehmen bzw. wirtschaftsnahe Einrichtungen haben einen Sitz bzw. eine Vertretung in Paris oder auch in einer der größeren Städte Frankreichs.

Sie sind als Dokument unter den unten eingestellten Querverweisen aufgeführt; das Dokument beruht auf einer von der deutschen Botschaft in Paris zur Verfügung gestellten Übersicht.

4.2. Deutsche Programme

4.2.1. Überblick

Zwischen Frankreich und Deutschland bestehen zahlreiche unterschiedliche Kooperationsprogramme, und sowohl auf Regierungsebene und staatlichen Forschungseinrichtungen als auch zwischen Partnern in anderen Organisationsformen.
Im Folgenden werden die wichtigsten Kooperationen zwischen Frankreich und Deutschland, die zurzeit bestehen, aufgeführt. 
In der Rubrik "Weitere" finden Sie Informationen zur Zusammenarbeit über die hier aufgelisteten deutschen Einrichtungen hinaus, wie zum Beispiel die Zusammenarbeit im Hochschulbereich, zwischen einigen Ländern der Bundesrepublik Deutschland und deutschen Kompetenzzentren und französischen pôles de compétitivité.

4.2.2. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Der Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Bildung und Forschung umfasst im Rahmen der Zuständigkeit des Bundes folgende Aufgabengebiete:

  • Allgemeine Forschungsförderung und Bildungsforschung und -berichterstattung
  • Berufliche Bildung, Maßnahmen der Weiterbildung und Qualitätssicherung in der Weiterbildung sowie Lebenslanges Lernen
  • Hochschulen, Wissenschaft und Ausbildungsförderung
  • Lebenswissenschaften, umweltgerechte nachhaltige Entwicklung, naturwissenschaftliche Grundlagenforschung
  • Schlüsseltechnologien wie Informations-, Nanotechnologie, Mikrosystemtechnik, Optische Technologien

Auf Grundlage des Organisationserlasses der Bundeskanzlerin vom 22. November 2005, Ziffer II, Nr. 2 (BGBl I S. 3197) sind dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie aus dem Geschäftsbereich des Bundesministerien für Bildung und Forschung  die Zuständigkeiten für

  • den Verkehr und die Raumfahrt
  • die Patente und die Erfinderförderung
  • die Forschung und Entwicklung und die Innovation in der Wirtschaft; die KMU; die Unternehmensgründungen

übertragen worden. Bei der Durchführung von Vorhaben oder Programmen bedient sich das Ministerium der Hilfe von Projektträgern oder Projektbegleitern. 

Das Internationale Büro (IB) unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) auch in Fragen der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Es unterstützt insbesondere im Vorfeld von und flankierend zu den Fachprogrammen des BMBF Kontakte von Institutionen und Wissenschaftlern verschiedener Länder, um die Kooperationsinteressen zu identifizieren und gemeinsame Forschungsprojekte mit Hilfe sogenannter Anbahnungs- und Querschnittsprojekte vorzubereiten sowie ihre Durchführung zu unterstützen.
Das BMBF ist der wichtigste Akteur der internationalen Kooperation in Bildung, Wissenschaft und Technologie mit Frankreich. 

Daneben bestehen zahlreiche Einzelvereinbarungen, die von deutschen Selbstverwaltungsorganisationen mit französischen Forschungseinrichtungen geschlossen worden sind.
Auf ministerieller Ebene vereinbarte Kooperationsprogramme bestehen  beispielsweise in den Bereichen:

  •  Materialforschung und -anwendungen auf deutscher Seite das BMBF- Programm "Neue Materialen für Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts - MaTech" und auf französischer Seite das Programm "Réseau de Recherche et d'Innovation Technologique Matériaux et Procédés -RRIT" .
  • Energieforschung haben 1978 das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) und das "Commissariat à l'Énergie Atomique et aux Énergies Alternatives " (CEA) eine Vereinbarung im Bereich der Sicherheits-forschung bei Leichtwasserreaktoren unterzeichnet. Die Zusatzvereinbarung vom September 1983 ermöglichte eine Fortführung der Kooperation um wei-tere fünf Jahre mit einer Ausweitung der Fachgebiete. In der zweiten Zusatz-vereinbarung 1988 wurde das technische Spektrum auf den gesamten Be-reich der Reaktorsicherheitsforschung ausgedehnt und eine automatische Laufzeitverlängerung der Vereinbarung um jeweils fünf Jahre festgelegt.  Zu-sätzlich schlossen 1989 die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) mbH und das "Institut de Protection et de Sûreté Nucléaire" (IRSN), unter dem Dach der BMFT-CEA-Vereinbarung, eine enge Kooperation. 
  • Meeresforschung unterzeichneten das BMFT und das "Institut Français de Recherche et d'Exploitation de la Mer" (IFREMER) bereits 1974 ein bilatera-les Forschungsabkommen zur Aufsuchung, Förderung und Aufbereitung von Manganknollen. 

Wegen des Sachstandes im Zeitpunkt des 40. Jahrestages des "Elysée-Vertrages" am 22.01.2003 wird nochmals auf die BMBF- Broschüre "40 Jahre deutsch-französische Zusammenarbeit in Forschung und Technologie: Bilanz und Perspektiven" hingewiesen.

4.2.3. Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH)

Seit 1955 hat die AvH insgesamt 518 französische Wissenschaftler gefördert. Im Jahr 2005 förderte die AvH insgesamt 33 Gastwissenschaftler aus Frankreich, davon vier in den Geisteswissenschaften und 29 in den Naturwissenschaften. 
Der seit 1981 jährlich vom französischen Forschungsministerium gemeinsam mit der AvH verliehene Preis Gay-Lussac/ Humboldt würdigt die Verdienste von Wissenschaftlern um die deutsch-französische Zusammenarbeit in Forschung und Lehre. Unter den Preisträgern befinden sich auf deutscher wie auf französischer Seite Forscher, die im weiteren Verlauf ihrer Karriere den Nobelpreis erhalten haben. 

In der Liste der zehn häufigsten Herkunftsländer der durch die Stiftung mittels Stipendien im Jahre 2008 geförderten Forscher steht Frankreich mit 31 Forschern an fünfter Stelle (USA: 148; China:101; Indien: 56; Italien: 38; Großbritannien: 28).

Exzellente ausländische Wissenschaftler unter 35 Jahren können sich für den Sofja Kovalevskaja-Preis bewerben. Er ist mit bis zu 1,2 Mio. Euro dotiert und dient dem Aufbau einer Nachwuchsgruppe an einer Forschungsinstitution in Deutschland für einen Zeitraum von vier Jahren. Alle zwei Jahre werden ca. zehn Preise verliehen.

4.2.4. Deutscher Akademischer Austauschdienst e.V. (DAAD)

Die Förderprogramme des DAAD für Frankreich reichen von Kurz-, Semester- und Jahresstipendien für Studierende und Graduierte, Doktoranden und Promovierte bis hin zu Studienaufenthalten für Wissenschaftler aller Fachrichtungen.
Wichtige Förderinstrumente für Graduierte und Promovierte sind u.a.:

  • Jahres- und Kurzstipendien für Doktoranden-Forschungsstipendien für Postdoktoranden
  • Stipendien für Aufbaustudien (Master of Business Administration, Master of Laws) 
  • Stipendien für das Studium an der ENA (Ecole Nationale de l'Administration).

Darüber hinaus bietet der DAAD das PROCOPE-Programm an: Es handelt sich dabei um ein bilaterales Programm zur Intensivierung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit.

Der DAAD unterhält in Paris ein eigenes Beratungsbüro: http://paris.daad.de.

4.2.5. Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Die DFG hat sich in ihrer Satzung verpflichtet, Verbindungen der Forschung zu ausländischen Wissenschaftlern zu pflegen. In diesem Zusammenhang stellen die Bemühungen um Pflege und Förderung der Beziehungen zwischen deutschen und französischen Wissenschaftlern seit vielen Jahren eine Priorität für die DFG dar. Sie hat daher schon früh mit der wichtigsten französischen Forschungsorganisation, dem CNRS, ein Abkommen zur Förderung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit abgeschlossen.

Diese Vereinbarung aus dem Jahr 1971 wurde im Jahre 2001 durch eine Zusatzvereinbarung ergänzt. Beispiele für Kooperation und gemeinsame Förderung auf dieser Basis sind kooperativ angelegte Projekte von Arbeitsgruppen auf den Gebieten der Strömungsphysik und Atmosphärenforschung, der Biologie und der Chemie, die überwiegend an Schwerpunktprogramme, vereinzelt auch an Forschergruppen und Sonderforschungsbereiche der DFG anknüpfen. Ausgeprägt sind auch grenzüberschreitende Interaktionen im Rahmen koordinierter Programme der DFG wie Sonderforschungsbereiche und Schwerpunktprogramme, die auf Gebieten wie den Ingenieurwissenschaften, der Meeres- und Polarforschung oder der Laserforschung seit Jahren mit Arbeitsgruppen in Frankreich eng verzahnt sind.

Auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften gibt es sowohl in von der DFG geförderten Einzelprojekten als auch in den koordinierten Programmen eine Reihe von Kooperationen mit Wissenschaftlern des CNRS; in diesem Zusammenhang stellt das Abkommen zwischen der ANR und der DFG vom 19.1.2007 zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit in den Geistes- und Sozialwissenschaften  eine bemerkenswerte Fortentwicklung dar. Es schafft die Möglichkeit, zur Förderung von Projekten, die gemeinsam von in Deutschland und Frankreich tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beantragt und durchgeführt werden ("integrierte Projekte").

Im Jahre 1977 wurde eine Rahmenvereinbarung mit INSERM über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der experimentellen und klinischen Medizin abgeschlossen,  die in den letzten Jahren fast ausschließlich für den Austausch von Stipendiaten genutzt wurde.

Die DFG hat Vereinbarungen mit CNRS, INSERM und ANR abgeschlossen. Es werden sowohl Einzelförderungen als auch Förderungen im Rahmen koordinierter Programme angeboten. Zu nennen sind die "Internationalen Graduiertenkollegs"(fünf dt.-frz), die Förderung bilateraler Projekte, Gastprofessuren, Nachwuchsförderung und Austausch von Stipendiaten, z. B. auf dem Gebiet der Medizin (INSERM). Im Jahr 2009 gab es bereits drei neue Ausschreibungen von DFG und ANR in den Bereichen Chemie, Geistes- und Sozialwissenschaften und Ernährungsforschung. Im Juli 2010 haben die DFG und ihre französische Partnerorganisation ANR (Agence Nationale de la Recherche) eine Rahmenvereinbarung unterzeichnet, die die deutsch-französische Zusammenarbeit in allen wissenschaftlichen Disziplinen stärken soll. Künftig wird es für die Forschenden beider Länder noch leichter, Anträge zur Förderung gemeinsamer Forschungsprojekte zu stellen. Im Rahmen gemeinsamer Ausschreibungen werden diese Anträge künftig bilateral bearbeitet und begutachtet; die Finanzierung der bewilligten Projekte erfolgt dabei nach wie vor getrennt.

4.2.6. Deutsche Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

Die Verbindungen der deutschen Rektorenkonferenz zu Frankreich sind besonders eng und traditionsreich. Frankreich ist im Bereich Hochschulzusammenarbeit der wichtigste Partner für Deutschland.
Die enge Zusammenarbeit manifestiert sich unter anderem in den regelmäßigen Treffen zwischen Vertretern der HRK mit ihren französischen Partnerorganisationen, der Conférence des Présidents d’Université (CPU) und der Conférence des Grandes Écoles (CGE). In den Gesprächen werden Absprachen bezüglich aktueller Entwicklungen in der Hochschulpolitik getroffen, so z.B. Fragen der Einführung der Abschlüsse Bachelor und Master, der Qualitätssicherung und der akademischen Anerkennung. Immer wichtiger wird die Abstimmung bezüglich der Hochschulpolitik auf europäischer Ebene. Sowohl CPU als auch HRK sind wichtige Akteure innerhalb der Europäischen Rektorenkonferenz EUA.
Mit der CPU entwickelte die HRK das Konzept gemeinsam betreuter Promotionsverfahren (sog. Cotutelle-Verfahren) zwischen französischen und deutschen Hochschulen, welches mittlerweile Vorbild für ähnliche Abkommen mit anderen Ländern geworden ist.

4.2.7. Fraunhofer-Gesellschaft (FhG)

Die FhG fördert den Ausbau der europäischen Beziehungen durch Industriekontakte, die Einbindung ihrer Forscher in die internationale Wissensgemeinschaft und durch längerfristige institutionalisierte Kooperationen. Der sich rasch entwickelnde europäische Forschungsraum setzt die Parameter für die Europastrategie der Fraunhofer-Gesellschaft. Ziel ist, die Kooperation mit den europäischen Nachbarn in drei Kernbereichen zu intensivieren: 

  • bilateral angelegte langfristige Zusammenarbeit mit exzellenten Forschungspartnern
  • Zusammenarbeit im Rahmen von europäisch geförderten Projekten
  • Erschließung des europäischen Vertragsforschungsmarktes

Dem Standort Frankreich, als europäisches Kernland eines der bedeutendsten EU-Länder, kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Die Institute der Fraunhofer-Gesellschaft sind hier bereits seit vielen Jahren aktiv. Bereits 1996 entstand das Laserzentrum Coopération Laser Franco-Allemande (CLFA), eine Einrichtung für praxisnahe Forschung und Entwicklung, mit Sitz in Paris. In der CLFA kooperiert das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT mit führenden französischen Forschungseinrichtungen (insbesondere der École des Mines/Armines). Die Kooperation ist Mitglied in nationalen Verbänden und Gremien und bindet die Fraunhofer-Gesellschaft in wichtige Aktivitäten vor Ort ein. Zusammen mit der École des Mines de Paris wird ein gemeinsames Forschungslabor in Evry betrieben. 
Mehrjährige erfolgreiche Zusammenarbeit mit französischen Industriepartnern (Thales Microelectronics, Schlumberger oder ST Microelectronics) kann das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM vorweisen. Eine langjährige Forschungspartnerschaft besteht mit dem Laboratoire d´Electronique et de Technologie de l´Information (CEA-Leti), einem der drei wichtigsten Akteure in der europäischen Forschung zur Mikro- und Nanoelektronik.
Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI pflegt seit Beginn der 90er Jahre eine enge Partnerschaft mit der Universität Louis Pasteur in Strasbourg und mit der nationalen Forschungseinrichtung Centre Nationale de la Récherche (CNRS), insbesondere mit dem CNRS-Bureau d´Economie Théorique et Appliquée (BETA)
Ausdruck der engen Zusammenarbeit zwischen Fraunhofer, CNRS und der Université Louis Pasteur Strasbourg war im Frühjahr 2004 die Einrichtung des Laboratoire Européen Associé (LEA). Hauptziel des LEA ist gemeinsame Forschungsarbeit im Themenfeld »Wissen, Wissenschaft und Innovation«. Durch Analysen von regionalen Innovationssystemen und Studien zur Technologiediffusion und Wissensentstehung können signifikante Beiträge und Impulse für die Entwicklung des französischen, deutschen und europäischen FuE-Marktes geleistet werden. 

Zum Abschluss des 3. Forums zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation am 29.2.2008 hat die Fraunhofer-Gesellschaft - gleichzeitig mit der Leibniz-Gemeinschaft und dem Forschungszentrum Jülich für ihren Bereich - eine Kooperationsvereinbarung mit der Association des Instituts Carnot ( (AICarnot) abgeschlossen. Sie hat eine auf 5 Jahre angelegte "strategische Partnerschaft" in 5 Bereichen zum Gegenstand: Erneuerbare Energienzivile Sicherheitsforschung (sécurité civile), Verkehrswesen Gesundheit  und die Technologien der Information und Kommunikation

Die Vereinbarung sieht weiter eine gemeinsame Beteiligung an europäischen Programmen und die Finanzierung gemeinsamer Forschungsprogramme vor. 
Ein Steering Committee auf Leitungsebene überwacht und bewertet  die Fortschreibung der gemeinsamen Strategie. Jedes Leitthema wird darüber hinaus von einem deutsch-französischen Koordinatorenpaar gelenkt und weiterentwickelt.

4.2.8. Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren

Die 16 Mitgliedseinrichtungen der HGF sind leistungsfähige Partner in internationalen Forschungsnetzwerken. Auf Grund vielfältiger gemeinsamer Interessen bestehen seit über 40 Jahren intensive Beziehungen mit französischen Forschungseinrichtungen, insbesondere in der physikalischen Grundlagenforschung (DESY und ILL), der Luftfahrtforschung (DLR und ONERA), der Raumfahrtforschung  (DLR und CNES), der Meeresforschung und der Geowissenschaften (AWI und IFREMER), der Gesundheitsforschung (DKFZ und INSERM), und der biotechnologischen Forschung (GBF und INSERM bzw. CNRS).
Um die gemeinsamen Aktivitäten zu intensivieren und der Zusammenarbeit neue Impulse zu verleihen, haben HGF und CNRS im Januar 2003 ein neues Abkommen unterzeichnet. Ganz im Sinn der mit der Neuausrichtung der HGF angestrebten stärkeren internationalen Vernetzung erweitert das Abkommen das bestehende Kooperationsinstrumentarium auf europäische Kooperationsprojekte, z.B. in Form von Programmes Internationaux de Coopération Scientifique (PICS), von Laboratoires Européens Associés (LEA), oder von Groupement de Recherche Européens (GDRE).

4.2.9. Max-Planck-Gesellschaft (MPG)

Die internationale Ausrichtung der MPG wird von dieser als ein wesentliches Merkmal zur Sicherung ihrer wissenschaftlichen Exzellenz und Wettbewerbsfähigkeit angeführt. In diesem Zusammenhang spielt die Zusammenarbeit der Max-Planck-Institute mit Forschungspartnern in Europa eine zentrale Rolle: 
Von den weltweit knapp 2.900 Forschungspartnern der Max-Planck-Institute befinden sich über 1.600 in den Ländern in der Europäischen Union, darunter viele in Frankreich.

In Anerkennung des Umstandes, dass  Grundlagenforschung ein primär bottom-up getriebener Prozess ist,  findet ein reger Austausch der MPG auch mit dem CNRS statt, regelmäßig zunächst auf Leitungsebene und dann, in der Folge, in Form von Workshops, um neue Kooperationspotentiale abzuschätzen, in denen Nachwuchswissenschaftler aus beiden Ländern eine besondere Förderung erfahren.

Neben diesen instituts- und personenbezogenen Kooperationen unterhalten Max-Planck-Institute gemeinsam mit europäischen Forschungspartnern größere Forschungsanlagen. Hierzu gehören das Hochfeld Magnetlabor Grenoble, welches gemeinsam mit dem CNRS betrieben wird, und das Institut für Radioastronomie im Millimeterbereich (IRAM), welches gemeinsam mit dem CNRS und dem spanischen IGN betrieben wird.

4.2.10. Robert-Bosch-Stiftung

Einer der wichtigsten Förderschwerpunkte der Robert Bosch Stiftung ist die Völkerverständigung; ein Schwerpunkt sind die Deutsch-französischen Beziehungen. 
Robert Bosch trat zwischen den Weltkriegen nachdrücklich für die deutsch-französische Verständigung und für den friedlichen Interessenausgleich zwischen den europäischen Nationen ein. Heute geht es darum, das deutsch-französische Verhältnis im zusammenwachsenden Europa zu stärken und vor allem junge Menschen und Vertreter der Medien dafür zu gewinnen. 

Die 1980 mit Mitteln der Robert Bosch Stiftung gegründete DVA-Stiftung wurde im Jahre 2005 auf die Robert Bosch Stiftung übertragen. Sie fördert an der Universität Stuttgart ein Programm für französische Gastprofessoren. Außerdem soll durch Vorträge und durch wissenschaftliche Kooperationen der deutsch-französische Wissenschaftsdialog vorangetrieben werden.Im Jahre 1992 wurde in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Studentenwerk (DSW) das „Tutorenprogramm“ begründet, das jährlich 70 Nachwuchsakademiker fördert.Absolventen französischer, amerikanischer,  polnischer, tschechischer und russischer Universitäten verbringen ein Studienjahr (von Oktober bis Juli) als Tutoren. Sie sind an verschiedenen Bildungseinrichtungen in Deutschland tätig: Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogischen Instituten, Fremdsprachenzentren und Gymnasien sowie Studentenwohnheime. Zu den Aufgaben der Tutoren gehören Sprachkurse, Konversationsübungen und Gesprächskreise über landeskundliche Themen. Außerdem sollen sie die Beratungstätigkeit am Hochschulort unterstützen, indem sie Studierenden, die einen Auslandsaufenthalt planen, in den Akademischen Auslandsämtern der Hochschulen für Sprechstunden zur Verfügung stehen.

4.2.11. Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL)

Die Leibniz-Gemeinschaft und das französische Institute National de la Recherche Agronomique (INRA) unterzeichneten 2007 eine gemeinsame Absichtserklärung zur Agrarforschung. Ziele der gemeinsamen Erklärung sind unter anderem die Stärkung der Agrarforschung im europäischen Rahmen, die erleichterte Entwicklung geeigneter Forschungsstrategien, die gemeinsame Nutzung von Infrastrukturen sowie die Politik-beratung auf nationaler und EU-Ebene.

Zum Abschluss des 3. Forums zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation 2008 (Paris) hat die Leibnizgemeinschaft - gleichzeitig mit der Fraunhofer-Gesellschaft und dem Forschungszentrum Jülich jeweils für ihren Bereich - ein Abkommen über eine "strategische Partnerschaft" mit INRA abgeschlossen. Dieses Abkommen gibt den zahlreichen zwischen Forschergruppen der beiden Organisationen bzw. Einrichtungen bereits bestehenden Kooperationsabsprachen einen Rahmen. INRA und die Leibniz-Gemeinschaft werden ihre "rôle moteur" in den Programmen betreffend die Sequenzierung des Weizen- und Gerstengenoms verstärken.

4.2.12. Weitere

Im Bereich Hochschulkooperation bilden die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen deutschen und französischen Hochschulen und der Erfahrungsaustausch zwischen Hochschullehrern und dem akademischen Nachwuchs einen Kernbereich der bilateralen Wissenschaftskooperation.
Bildung und Forschung sind dabei eng miteinander verbunden. Die deutsch-französischen Hochschulbeziehungen blicken hierbei auf eine lange Tradition zurück. Die Beziehungen zwischen den französischen Universitäten Écoles und deutschen Universitäten / TH und FH sind vielfältig und vielschichtig. 

Wichtige Akteure sind:

  • die Hochschulrektorenkonferenz
  • die Deutsch-Französische Hochschule, die eine zentrale Rolle spielt. Zur Zeit werden über 100 Doppelstudiengänge bzw. Doppeldiplome angeboten
  • die Deutsch-Französischen Hochschultage
  • die internationalen Graduiertenkollegs sowie die "Cotutelle de thèse", die als Beitrag zum Bologna-Prozess gelten.

Darüber hinaus gibt es gemeinsame deutsch-französische Hochschulinstitute, u.a.: 

  • die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes und die Universität Metz bieten deutsch-französische Studiengänge an. Diese werden durch das Deutsch-Französische Hochschulinstitut / Institut Supérieur Franco-Allemand de Techniques, d'Economies et de Sciences (DFHI/ISFATES), seit 1999 binationales Institut, organisiert
  • das Deutsch-Französische Institut für Umweltforschung / Institut Franco-Allemand de Recherche sur  l'Environnement (DFIU/IFARE) wurde 1991 als gemeinsame Forschungseinrichtung gegründet
  • das Deutsch-Französische Institut für Automation und Robotik ermöglicht durch seine Zweigstellen an den Universitäten Karlsruhe und Grenoble einen integrierten Studiengang in den Fachbereichen Elektro- und Informationstechnik und den Austausch eines Doppeldiploms
  • das Bayrisch-Französische Hochschulzentrum (BFHZ) wurde durch eine Vereinbarung beider Münchener Universitäten gegründet.
  • Besonders engagiert reagiert das im Entstehen befindliche Karlsruhe Institute of Technology (KIT) mit seiner deutsch-französischen Inititaive („Defi“) auf die Bedürfnisse zunehmend durch die  Internationalisierung betroffener industrieller Unternehmen. Schon seit einiger Zeit gibt es an der Fakultät für Maschinenbau der Universität Karlsruhe für angehende Ingenieurinnen und Ingenieure die Möglichkeit, über ein Austauschprogramm mit der Ecole Nationale Supérieure d'Arts et Métiers (ENSAM) in Frankreich zwei Semester im jeweils anderen Land zu studieren und ein Doppeldiplom beider Hochschulen zu erlangen. 


Auch im Rahmen von Regionalpartnerschaften gibt es intensive bzw. sich noch herausbildende Formen der Forschungskooperation und des Studentenaustausches. Beispielhaft seien genannt:

  • die Partnerschaft zwischen Baden-Württemberg und der Region Rhône-Alpes
  • die sich abzeichnende engere Zusammenarbeit zwischen Bayern und dem Departement Alpes-Maritimes, für die der frühere  Senator Pierre Laffitte im Jahre 2007 neue Impulse gesetzt hat (Sophia-Antipolis); auch auf das "Bayerisch-Französische Forum zu Innovation und Wettbewerbsfähigkeit", das am 3.4.2008 in der IHK für München und Oberbayern stattfand, ist in diesem Zusammenhang hinzuweisen. – Das Bayerisch-Französische Hochschulzentrum konnte im Jahre 2008 bereits auf sein zehnjähriges Bestehen zurückblicken
  • die anlässlich der Eröffnung des Frankreich - Jahres 2008 / 2009 in Nordrhein-Westfalen von Ministerpräsident Dr. Rüttgers am 22.1.2008, dem 45. Jahrestag der Unterzeichnung des Elysée-Vertrages, angekündigte einschlägige Initiative; Dr. Rüttgers wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, dass zwischen nordrhein-westfälischen Hochschulen und Frankreich über 500 Kooperationen bestehen; die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen werde  einer der Schwerpunkte der Initiative sein; die nordrheinwestfälischen Hochschulen hätten zusätzlich über 30 Projekte für das Frankreich-Nordrhein-Westfalen-Jahr vorgeschlagen
  • die Vernetzung von Hochschulen, wie sie beispielweise zwischen den Uni-versitäten Saarbrücken und Metz oder im Regionalverbund Saar-Lor-Lux so-wie am Oberrhein mit dem Verbund EUCOR ("Europäische Konföderation der Oberrheinischen Universitäten") besteht. Im Bereich von SaarLorLux, Rheinland-Pfalz und Belgien besteht die Vernetzung seit dem 25.10.1984 unter der Bezeichnung "Charta - Hochschulkonferenz". Sie trat zuletzt am 28.11.2008 in Metz zusammen, um neue gemeinsame Projekte zu planen 

Eine herausragende Rolle spielen auch die Oberrheinkonferenz (Zusammenarbeit zwischen Frankreich, Deutschland und der Schweiz) sowie das EU-Programm INTERREG, das die Grenzregionen fördert.
Das Deutsch-Französische Institut für Umweltforschung (DFIU) wurde 1991 als Forschungseinrichtung ins Leben gerufen, um dem in Frankreich und Deutschland weitverbreiteten Wunsch nach Verstärkung der grenzüberschreitenden wissenschaftlichen Zusammenarbeit im Bereich der Umweltforschung Rechnung zu tragen. Das DFIU wird auf französischer Seite im Rahmen des Contrat de Plan Etat-Région Alsace, des CNRS und der Universität Louis Pasteur zu Straßburg, auf deutscher Seite durch das Land Baden-Württemberg und die Universität Karlsruhe (TH) gefördert. 

Im Jahre 2001 gründeten die Electricité de France (EDF) und die Universität Karlsruhe das Deutsch-Französische Zentrum für Energieforschung (DFZE). Ziel ist es, neue umweltverträgliche Wege der Energienutzung und -erzeugung zu erforschen.
In der Klima- und Atmosphärenforschung arbeiten verschiedene französische Forschungseinrichtungen unter Federführung des CNRS und auf deutscher Seite die HGF, das MPI für Meteorologie sowie drei Universitätsinstitute zusammen.
Auf dem Gebiet Lebenswissenschaften existieren langjährige gemeinsame Kooperationen beispielweise zwischen den Universitäten Straßburg und Karlsruhe. Die Forschungsarbeiten führten zur Gründung gemeinsamer Einrichtungen wie dem interdisziplinären Institut für Nanotechnologie im Forschungszentrum Karlsruhe (1998) oder dem Institut de Science et d'Ingénierie Supramoléculaires (2002) an der Universität Straßburg.

Zusammenarbeit zwischen deutschen Kompetenzzentren und französischen pôles de compétitivité

Kompetenznetze und  Pôles de compétitivité sind in Deutschland und Frankreich mit der gleichen Intention gegründet worden, die Wechselwirkung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft unter Ausnutzung regionaler  bzw. fachlicher Spezifitäten  zum Zweck der Stärkung der Innovationsfähigkeit zu intensivieren. Deshalb lag es nahe, auch grenzüberschreitend Kompetenzen in engere Zusammenarbeit einzubringen. Als bereits bewährtes Beispiel  kann der Verbund  BioValley angesehen werden, in dem Kompetenzzentren aus dem Elsass, der Nordschweiz und des Landes Baden im Bereich der Lebenswissenschaften erfolgreich  zusammenarbeiten. 

Die VDI /VDE Innovation + Technik GmbH, Berlin, und die Sophia-Antipolis Stiftung haben mit dem Ziel einer vertieften Zusammenarbeit  am 9.11.2007 in Sophia Antipolis eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Man darf der weiteren hierdurch angestoßenen Entwicklung mit optimistisch entgegensehen.
Wahrscheinlich unabhängig hiervon fand am 3.4.2008 in der IHK für München und Oberbayern ein "Bayerisch-Französisches Forum zu Innovation und Wettbewerbsfähigkeit statt Bei dieser Gelegenheit wurde eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem bayerischen Cluster Informations- und Kommunikationstechnik BICC-NET und dem französischen pôle de compétitivité System@tic Paris Region, mit dem die Zusammenarbeit insbesondere auf dem Feld der "embedded Systems" gestärkt werden soll.
In vier Workshops  fand ein intensiver Erfahrungsaustausch zur praktischen Netzwerkarbeit und zu Kooperationsfeldern statt.

4.3. Programme des Partnerlandes

4.3.1. Überblick

Zwischen Frankreich und Deutschland bestehen zahlreiche und unterschiedliche Kooperationsprogramme, und zwar auf der Ebene der Regierungen / Ministerien und unmittelbar zwischen Forschungseinrichtungen.
Diese Kooperationsprogramme werden im Kapitel "Deutsche Programme" und im Kapitel "Bi- und multilaterale Programme" aufgeführt. 

Die DFH Deutsch-Französische Hochschule (DFH) bemüht sich um die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich im Hochschulbereich. Sie fördert deshalb die Beziehungen und den Austausch zwischen deutschen und französischen Hochschulen so wie binationale Aktivitäten und Projekte in Lehre, Erstausbildung und Weiterbildung, Forschung und Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. 

4.4. Bi- und multilaterale Programme

4.4.1. Überblick

Die deutsch-französische Zusammenarbeit ist wegen ihres Umfangs sowohl für Deutschland und Frankreich als auch für Europa von fundamentaler Bedeutung. In vielen Forschungsbereichen übernimmt die bilaterale deutsch-französische Zusammenarbeit eine Innovations-, Antriebs- und Leitfunktion. Sie bringt innovative Ideen hervor, die oft den Kern für europäische Kooperationsprojekte bilden und auf europäi-scher Ebene bzw. in multilateralen Programmen und Projekten weiterentwickelt werden.

Unterstützt wird dieser Prozess durch die zunehmende Globalisierung, die auch in der internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit zu neuen Arbeitsteilungen und engen Partnerschaften mit bedeutenden Synergieeffekten führt. So findet ein großer Teil dieser wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich heutzutage innerhalb europäischer Forschungsprogramme und multi-lateraler Großforschungs- und Technologieeinrichtungen statt und leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Integration der europäischen Forschung. Die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich werden auch in Zukunft ein wichtiger Beitrag zum europäischen Forschungsraum sein, aber auch für die Weiterentwicklung der EU und ihrer Erweiterung um die osteuropäischen Staaten.

Beim bilateralen Gipfel am 4. Februar 2010  haben Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Sarkozy die 80 Punkte umfassende gemeinsame „Agenda 2020“ verabschiedet, die auch die Richtung für die Zusammenarbeit in Forschung und Bildung für die kommenden Jahre beinhaltet. Die operationelle Umsetzung solcherart politischer  Vorgaben geschieht seit 2002 in den sogenannten „Foren zur deutsch-französischen Forschungskooperation". Diese Foren werden alle drei Jahre von den Bildungs- und Forschungsministern beider Länder unter Einbeziehung der Leitungsebene aller For-schungs- und Bildungsinstitutionen  ihrer Länder veranstaltet: Paris, 2002,  Potsdam 2005, Paris, 2008 und, zuletzt, Berlin 2012).

4.4.2. Europäische Programme und Initiativen

Das 7. EU-Forschungsrahmenprogramm (2007 - 2013) bildet neben der nationalen Förderung eine ergänzende Plattform für bilaterale Aktivitäten. Mit Blick auf künftige EU-Projekte wurde im Juli 2002 eine Aufforderung zur Einreichung gemeinsamer Projektvorschläge veröffentlicht. Die deutsche EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 bot eine gute Gelegenheit, im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms auch neue deutsch-französische Projekte zu initiieren.

Eine Darstellung des Europäischen Forschungsraumes aus französischer Sicht enthält das Livre Jaune MIRES 2009. Auf die die darin enthaltenen Ausführungen zu "La coopération scientifique internationale" (außerhalb des institutionellen  EU-Rahmens) wird gleichfalls hingewiesen. 
Der Generalbericht, mit dem die ehemalige Forschungsministerin Pécresse im Juli 2009 die Stratégie nationale de la recherche et de l’ innovation den wichtigsten Gremien der französischen Wissenschaft zur Stellungnahme zugeleitet hat, lässt erkennen, dass die französische Regierung dem weiteren Ausbau des Europäischen Forschungsraumes  auf der Grundlage der "Vision 2020" (Ljubljana) weiterhin eine hohe Priorität beimisst. 

4.4.3. EUREKA/COST

Ein wichtiges Element der europäischen Forschungskooperation ist die Initiative für verstärkte technologische Zusammenarbeit in Europa (EUREKA), an der sich inzwischen 37 Staaten und die Europäische Union beteiligen. EUREKA hat sich erfolgreich als Ergänzung zu den Forschungsprogrammen der EU etabliert.
Im Rahmen von EUREKA werden neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen aus allen Technologiebereichen entwickelt. An den Projekten beteiligen sich neben großen Unternehmen, Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen auch zahlreiche kleinere und mittelständische Unternehmen.
1985 von Frankreich initiiert, hat EUREKA schon frühzeitig den Brückenschlag zwischen den europäischen und den EFTA-Staaten geschaffen. Frankreich und Deutschland sind nach wie vor die prägenden Kräfte.
Seit 1985 trugen etwa 3000 Projekte mit anwendungsorientierter Ausrichtung  das Label EUREKA. 
Von der französischen Regierung wird insbesondere die "bottom-up" - Struktur von EUREKA positiv bewertet; sie erlaube den Beteiligten, europäische FuE-Projekte auf Grund eigenen Entschlusses und auf der Grundlage eigener Bedürfnisse bei einem Maximum an Kontrolle und Flexibilität zu initiieren.
Der aktuelle Sachstand hinsichtlich Organisation und Funktionieren von EUREKA aus französischer Sicht ist in einer Aufzeichnung des französischen Forschungsministeriums unter dem Datum vom 18.12.2007 dargestellt (s.u.).

Neben EUREKA spielen die Aktivitäten von COST- Europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der wissenschaftlichen und technischen Forschung (seit 1971) - eine wichtige Rolle.  COST geht auf eine deutsch - französische Initiative zurück. An COST beteiligen sich insgesamt 35 Staaten (EU-Mitgliedstaaten, der EU assoziierte Staaten und Israel als kooperierendes Land).
Im Rahmen von COST werden nationale Forschungsaktivitäten europaweit im vorwettbewerblichen Bereich  in interdisziplinären Netzwerken  zusammengeführt, die das jeweilige EU-Forschungsrahmenprogramm ergänzen. COST ist eine wichtige Komponente des Europäischen Forschungsraumes.
COST umfasst neun interdisziplinäre Wissenschaftsbereiche unter Einbeziehung neuester Entwicklungen; nahezu 30.000 Wissenschaftler arbeiten im Rahmen von COST in unterschiedlichen Konstellationen aus 34 europäischen Ländern in rund 200 Aktionen zusammen; hinzu kommen zurzeit mehr als 100 Forschungseinrichtungen aus Nicht-COST-Mitgliedstaaten.

4.4.4. Internationale Raumstation (ISS)

Die Internationale Raumstation (ISS) - Umlaufbahn etwa 350 km Höhe - ist das größte technisch-wissenschaftliche Projekt der Menschheit. An ihm sind außer Frankreich und Deutschland die USA, Russland, Japan, Kanada und Europa beteiligt. Die vertragliche Grundlage für die Zusammenarbeit ist ein Abkommen zwischen den Regierungen der beteiligten Partner aus 1998. Im Jahre 2010 - so ursprünglich vorgesehen - soll die endgültige Konfiguration von ISS erreicht sein. 

Deutschland ist der wichtigste ISS-Partner der ESA in Europa. Als größter europäischer Beitragszahler dieses Großprojekts finanziert die Bundesrepublik 41 Prozent der europäischen Infrastruktur und trägt maßgeblich zur wissenschaftlichen Nutzung der Raumstation bei. Die DLR Raumfahrt-Agentur koordiniert die deutschen Beiträge zu den ISS-Programmen der ESA bezogen auf Aufbau, Betrieb und Nutzung der Station. Hierzu gehören unter anderem:

  • das Forschungs-Labor COLUMBUS; Mehrzwecklabor für multidisziplinäre Forschung unter Schwerelosigkeit; seine Kosten belaufen sich auf 880 Mio. Euro (Beteiligung: D 42 %; I 25 %, F 21 %); 28 europäische Unternehmen waren an dem Bau von COLUMBUS beteiligt; 240 Ingenieure und Techniker aus 14 Ländern haben Vollzeit daran gearbeitet,
  • die Entwicklung des unbemannten Logistik-Fahrzeugs ATV "Jules Verne"(Automated Transfer Vehicle),
  • die Planung und Durchführung des Nutzungs- und Betriebsprogramms (u. a. Materialforschung, medizinische Projekte, biologische Experimente), einschließlich des Astronauteneinsatzes,
  • der Betrieb des COLUMBUS-Kontrollzentrums in Oberpfaffenhofen,
  • das Datenmanagementsystem für das russische Modul Zarya,
  • der Roboterarm (ERA) für den russischen Teil der Station.

Das 13 Tonnen schwere Forschungslabor COLUMBUS startete mit dem Shuttle  Atlantis am 7.2.2008 u. a. mit den ESA-Astronauten Hans Schlegel aus Deutschland und Léopold Eyharts aus Frankreich an Bord. Nach erfolgreicher Ankoppelung von Columbus an ISS und programmgemäßer Inbetriebnahme von Columbus landete Atlantis am 20.2.2008  wieder am Kennedy Space Center in Florida. 

Das 19,5 Tonnen schwere ATV "Jules Verne" - s. o. - wurde als schwerer europäischer Raumtransporter (Länge: 10 m; Durchmesser: 4,5, m; bis zu  9,5 Tonnen Fracht) Ende 2006 zum Startplatz Kourou (Ariane 5 Rakete) transportiert; in ihr steckt eine Entwicklungsarbeit von zwölf Jahren; hierfür wurden 1,3 Milliarden Euro benötigt. 

Der Start  fand am 9.3.2008 erfolgreich statt. Das mittels eines Lasersystems ferngesteuerte automatische Andocken an die ISS erfolgte planmäßig am 3.4.2008. 

Im Auftrag von ESA wird CNES für das "Centre de contrôle de ATV " verantwortlich sein, das z. Zt. im "Centre Spatial de Toulouse" aufgebaut wird; ATV kann bis zu sechs Monate an Columbus andocken und u. a. dessen Höhe kontrollieren und gegebenenfalls korrigieren.

4.4.5. Internationaler thermonuklearer Reaktor (ITER)

Mit ITER soll zum ersten Male versucht werden, prototypisch Energie aus der Kernfusion zu erhalten. Am 28.6.2005 fiel nach schwierigen, fünfjährigen Verhandlungen über den Standort von ITER anlässlich eines Treffens auf Ministerebene der beteiligten Länder und der EU Kommission in Moskau die Entscheidung zugunsten des französischen Standortes Cadarache / Département Bouches-du-Rhône; es handelt sich um ein Gelände von 180 ha in unmittelbarer Nähe des bereits seit Jahrzehnten bestehenden CEA-Kernforschungszentrums.
An dem Projekt beteiligen sich neben den Ländern der EU Japan, USA, Kanada, Russland, China, Indien und Südkorea. Es hat bei einer Perspektive von 40 Jahren ein Investitionsvolumen von 10 Mrd. €  davon werden voraussichtlich etwa 4,5 Mrd. € im Verlauf der nächsten 10 Jahre während der Errichtungsphase von ITER anfallen; erste Versuche sind für 2016 in Aussicht genommen.
Man geht davon aus, dass während der Bauphase zusätzlich zu den 500 Personen als Angestellte von ITER als internationale Organisation in Cadarache 2.000 bis 3.000 Personen - verschiedener Nationalität -  arbeiten werden. Für die Betriebsphase von ITER ab 2016 geht man von einem Personalbestand von 1.000 Personen aus. 
Gegenwärtig wird die Errichtung der ITER-Bauten vorbereitet: Der Bauteil für ITER umfasst 39 Gebäude, verteilt auf eine Fläche von 50 ha; die  gesamte Gebäudegrundfläche wird 21.000 m², das Bauvolumen 750.000 Kubikmeter umfassen. Im Budget für 2009 waren 85 Mio. € für die Vergabe von Aufträgen vorgesehen.

4.4.6. GALILEO

GALILEO ist das europäische satellitengestützte Navigations- und Ortungssystem. Das von der Europäischen Kommission initiierte und gemeinsam mit der Europäischen Weltraumorganisation entwickelte System soll der Europäischen Union (EU) eine vom amerikanischen GPS und dem russischen GLONASS unabhängige Technologie zur Verfügung stellen.

4.4.7. Biowissenschaften

Bereits 1984 unterzeichneten das Bundeslandwirtschaftsministerium und INRA ein Abkommen zur Biotechnologie. Ein wichtiger Schritt in der Biotechnologie und Pflanzengenomforschung ist die Bündelung von Forschungsaktivitäten in nationalen Programmen. 1999 starteten die Pflanzengenomprogramme GABI in Deutschland und Génoplante in Frankreich. Beide Programme vereinigen grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung und basieren auf einer „Public-Private-Partnership“ im jeweiligen Land. Ihr Ziel ist es, die Funktionen einer sehr großen Anzahl von Genen und der enormen Komplexität ihrer Interaktionen aufzuklären.

Internationale Zusammenarbeit: PLANT-KBBE

Bereits seit mehreren Jahren existieren zwischen Deutschland, Frankreich und Spanien auf dem Gebiet der Genomforschung enge Kontakte und gemeinsame Forschungsprojekte. Die zugrunde liegende Fördermaßnahme "Transnational Plant Alliance for Novel Technologies - towards implementing the Knowledge-Based Bio-Economy in Europe" (PLANT-KBBE) ist eine gemeinsame Initiative vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zusammen mit dem Ministerium für Forschung und Innovation (MESR) in Frankreich - vertreten durch die nationale Forschungsagentur (ANR) - und dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft in Spanien (MEC). Ziel dieser Partnerschaften ist es, den zeitnahen Transfer von Forschungsergebnissen in Produktinnovationen zu erreichen. Innerhalb der vorgesehehen Laufzeit von sechs Jahren (2008 – 2013) sind drei konsekutive Ausschreibungen vorgesehen. Als Ergebnis  der ersten Ausschreibung sind 12 Projekte begonnen worden, von  denen elf den Charakter einer "private public partnerschip" haben. Als Themenfelder wurden gewählt:  

  • Gesunde und sichere Nahrung
  • Biomaterialien und biobasierte Produkte
  • Bioenergie   
  • Systembiologie

Pflanzen und Landwirtschaft

Die Leibniz-Gemeinschaft (WGL) und das "Institut National de Recherche Agronomique" (INRA) haben am 29. Februar 2008 im Rahmen des 3. Forums zur deutsch-französischen Forschungskooperation ein strategisches Abkommen unterzeichnet. Die Hauptzielsetzungen dieser gemeinsamen Initiative im Bereich Nahrungsmittel, Umwelt, Landwirtschaft und Bodenbewirtschaftung (im vorliegenden Dokument als "Agronomie" zusammengefasst) zwischen den beiden Forschungsorganisationen sind: 

  • Entschlüsselung der Genome von Weizen und Gerste sowie 
  • fünf spezifischere Themen  aus dem Bereich der menschlichen Ernährung:
  • Entwicklung von Geschmacks und Nahrungsmittelpräferenzen ( insbesondere bei Kindern)
  • Einwirkung des Verzehrprofils auf den Metabolismus, der Zusammenhang zwischen Verbraucherverhalten und Gesundheit
  • die metagenomische Analyse der Darmmikrobiotik und ihre Wechselwirkung mit ihrem Wirt.
  • Ernährungstoxikologie
  • Umwelt und Landwirtschaft 

4.4.8. Energie

Mit der Entscheidung der Bundesregierung für den künftigen Verzicht auf die Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung haben sich auf dem Gebiet der nuklearen Energieforschung neue Randbedingungen ergeben. Deshalb konzentriert sich in Zukunft die bilaterale Forschung im Wesentlichen auf die Sicherheitsfragen bestehender kerntechnischer Anlagen und die Endlagerung von radioaktiven Abfällen.
 
Ziel des Europäischen Instituts für Energieforschung (EIfER), das 2001 von der EDF und der Universität Karlsruhe gegründet wurde, ist es, neue umweltverträgliche Wege der Energienutzung und -erzeugung zu erforschen. Gemeinsam bewerten Wissenschaftler der Universität Karlsruhe und französische Forscher des EDF-Geschäftsbereichs „Forschung und Entwicklung" die Auswirkungen technologischer Neuerungen, innovative Formen der Energieerzeugung sowie nachhaltige und umweltverträgliche Produkte und Dienstleistungen. Die Problemstellungen reichen von den klassischen Energieträgern bis hin zur regenerativen Energiewandlung, von der Hochtemperaturgasturbine bis zur Brennstoffzelle oder zu Solar- und Wasserstofftechnologien. Zu den Aufgaben der Forscher zählt auch die Beschleunigung der industriellen Umsetzung der Forschungsergebnisse. Das Projekt ist zunächst auf fünf Jahre ausgelegt. 

Ziel der aktuellen Bemühungen ist der systematische Ausbau dieser Zusammenarbeit. Zu diesem Zweck wurde am 3.12.2007 ein Memorandum of Understanding zwischen CEA und HGF unterzeichnet, welches sowohl auf bessere Strukturierung der schon existierenden Zusammenarbeit abzielt als auch auf eine Ausweitung der Kooperationen auf die gesamte Helmholtz-Gemeinschaft; hierbei sind insbesondere die  Themenfelder Energie- und Klimaforschung von Interesse. 

Das Forschungszentrum Jülich (FZJ) hat am 29. Februar 2008 ein bilaterales Zusammenarbeitsabkommen mit der CEA unterzeichnet, das u. a. als prioritäre Forschungsfelder die Bereiche Brennstoffzellen und, Nukleare Sicherheitsforschung identifiziert. 

Den Auftakt bildete der Workshop zum Thema Supercomputing im Januar 2008 in Jülich, der bereits zu konkreten Umsetzungsvereinbarungen im Bereich Technologieentwicklung für Supercomputer und deren Einsatz für Simulationen in den Bereichen Computational Nanoscience, Soft Matter and Biophysics, Earth System Sciences, Nuclear Safety Research, Hadronphysics und Fusion führte.
Weitere Workshops haben im 2. Quartal 2008 im Bereich Nanowissenschaften in Grenoble und Brennstoffzellen in Paris statt gefunden. Den vorläufigen Abschluss haben die Neurowissenschaften Ende 2008 wieder in Jülich. Im Interesse einer Qualitätssicherung werden in jährlichen Folgeveranstaltungen die ereichten Ergebnisse bilanziert und die Ziele der strategischen Partnerschaft den aktuellen Entwicklungen angepasst.  

Das Forschungszentrum Karlsruhe hat im November 2008 sein dreißigstes Einzelabkommen zur Kooperation mit dem CEA unterzeichnet. 

CEA und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt wollen auf dem Gebiet der Konzentrierenden Solarsysteme enger zusammenarbeiten. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums Berlin (ehem. HMI)  haben im Februar 2008 bei einem Besuch des Institut National pour l’Energie Solaire (INES) in Chambéry mögliche Kollaborationen auf dem Gebiet der Dünnschicht-Photovoltaik sondiert.

4.4.9. Geistes- und Sozialwissenschaften

In den Bereichen Geistes- und Sozialwissenschaften hat eine lange Tradition der deutsch-französischen Zusammenarbeit dazu geführt, dass sich vielfältige und eng verzahnte universitäre und außeruniversitäre Forschungskooperationen entwickelt haben. Vor allem im erstgenannten Bereich liegt der Schwerpunkt auf bilateralen Hochschulkooperationen.

Verschiedene Programmträger sollen beispielhaft erwähnt werden: 

  • das Deutsche Historische Institut Paris (DHI),
  • Die "Mission Historique Française en Allemagne" (MHFA),
  • Das Deutsche Forum für Kunstgeschichte,
  • das "Maison des Sciences et de l'Homme" (MSH),
  • das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB),
  • das "Deutsch-Französische Institut" (DFI),
  • die Robert Bosch Stiftung,
  • das "Centre Marc Bloch" (CMB),
  • das "Centre Interdisciplinaire d'Études et de Recherches sur l'Allemagne" (CIERA).

Neben bilateralen Projekten, die insbesondere seit dem Jahre 2007 im Rahmen gemeinsamer Ausschreibungen der ANR und der DFG in diesem Bereich zustande gekommen sind,  darf das in Berlin arbeitende Centre Marc Bloch als ein Zentrum bilateraler Zusammenarbeit im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften bezeichnet werden. Dem Jahresbericht des Instituts sind folgende Arbeitsbereiche zu entnehmen:

  • Praktiken und Repräsentationen der Macht mit den Schwerpunkten:
  • Nationalsozialismus und autoritäre Regime
  • Partizipative Demokratie und politische Repräsentation  
  • Governance, Recht, Technologie
  • Politische Kommunikation: Medien, Öffentlichkeit, Emotionen
  • Geschlecht, Wissen und öffentliche Politikfelder
  • Rekonfigurationen europäischer Handlungsräume mit den Schwerpunkten:
  • Erbe, Transfer und Erinnerung in Mittel- und Osteuropa sowie im Balkan
  • Migration, Territorium, Gesellschaft
  • Handlungsebenen der öffentlichen Politik in Europa
  • Wissen und Praxis mit den Schwerpunkten:
  • Die vergangene Zukunft Europas
  • Wirtschaft und Wissen
  • Methoden, Theorien und Fallstudien (METEC)
  • Kunstgeschichte und Kunsttheorie
  • Musikanthropologie
  • Experten und Expertisen
  • Philosophie und Soziale Theorie mit den Schwerpunkten:
  • Philosophie und Kulturwissenschaft
  • Methoden der Kulturwissenschaft: Positionen im hermeneutischen Diskurs
  • Ästhetik
  • Sprachpolitik und Übersetzung in den Kulturwissenschaften
  • Intimität, Sexualität, Gesellschaft


Über diese Arbeiten hinaus  besteht eine enge Zusammenarbeit mit externen Institutionen, insbesondere der Humboldt-Universität zu Berlin, dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und der Freien Universität Berlin.

4.4.10. Gesundheitsforschung

Im Jahre 1978 haben die DFG und INSERM eine Kooperationsvereinbarung über den Austausch von Forschern geschlossen. Der Austausch erstreckt sich auf alle Forschungsgebiete, insbesondere auf die NeurowissenschaftenGenetikImmunologie und Biochemie. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, und INSERM unterhalten seit vielen Jahren auf dem Gebiet der Krebsgenomforschung eine sehr enge Zusammenarbeit.

Seit 1993 besteht eine DKFZ/INSERM-Einheit in der Abteilung „Tumorvirologie“ am DKFZ. Die Einheit wird demnächst eine internationale Begutachtung durchlaufen, nach der über ihre Verlängerung für den Zeitraum 2009-2012 entschieden wird. Die wissenschaftlichen Aktivitäten der Einheit konzentrieren sich auf die Therapie von Krebs mit onkolytischen Viren. Basierend auf neuen Entdeckungen dieser Einheit wird derzeit eine klinische Studie zur Therapie von Gliom-Patienten mit Parvovirus H-1PV vorbereitet.

Seit 2006 besteht eine Kooperation zwischen DKFZ und Cancéropôle du Grand-Est (CGE): In dem Programm sind sechs Abteilungen des DKFZ und acht Institute (Gruppen) im Osten Frankreichs (Strasbourg, Reims, Besançon) involviert. Das Programm hat eine Laufzeit von drei Jahren und beschäftigt sich mit der mechanistischen Analyse, Diagnose, Prävention und Therapie von Krebserkrankungen des Menschen, die mit Humanen Papillomviren assoziiert sind.

Daneben fördert die Deutsch-Französische Hochschule ein gemeinsames deutsch-französisches Doktorandenprogramm in angewandter Tumorvirologie von DKFZ (incl. DKFZ/INSERM-Einheit) und CGE.

4.4.11. Grundlagenforschung

Aufgrund ihrer ähnlichen Aufgaben und Struktur haben die MPG und der CNRS traditionell enge Forschungsbeziehungen. Seit 1981 besteht zwischen beiden Organisationen ein Kooperationsvertrag zur Förderung der Zusammenarbeit in Form von Kooperationsprojekten und gemeinsamen Forschungsprogrammen.

Zu den am längsten währenden Kooperationsprogrammen zählt der gemeinsame Betrieb des Instituts für Radioastronomie (IRAM) in Grenoble, das 2009 sein 30-jähriges Bestehen gefeiert hat.
Zu den jüngeren, von CNRS und MPG initiierten Forschungsprogrammen gehören die sehr erfolgreichen Laboratoire Européen Associé (LEA), die Groupement De Recherche Européen (GDRE) und die Projet International de Coopération Scientifique (PICS). Zurzeit gibt es sieben aktive LEA. Zusätzlich gibt es drei aktive GDRE und ein Antrag in Abstimmung. PICS existieren derzeit noch keine. 

Ein sehr erfolgreiches LEA ist das seit 1998 bestehende LEA Kriminalität und Sicherheits- bzw. Präventionspolitik: Vergleichende deutsch-französische Forschungen. Ein weiteres Leuchtturmprojekt ist das LEA European Laboratory for Gamma Ray Astronomy. Hier wurden am Fuße des Gamsberges in Namibia vier Cherenkov-Teleskope aufgestellt, die seit 2003 alle in Betrieb sind und wissenschaftliche Erkenntnisse liefern, die weltweit Beachtung finden. In neuen Kooperationsprojekten sollen auch südafrikanische und namibische Wissenschaftler mit einbezogen werden. 

Auf europäischer Ebene haben MPG und CNRS bei den EuroHORCs eine Vorreiterrolle im Hinblick auf strategische Fragestellungen. Beide Forschungsorganisationen haben darauf hingewirkt, dass die EuroHORCS besser wahrgenommen werden, indem beispielsweise die Kooperationsforen mit der Europäischen Kommission, der ESF, aber auch weltweit aktiviert bzw. verstärkt werden.

Künftige Kooperation 

MPG und CNRS haben ihre Zusammenarbeit auf den Gebieten Systembiologie, Nanomaterialien und Neurowissenschaften verstärkt und außerdem 2008 eine gemeinsame Arbeitsgruppe in der Systembiologie eingerichtet. Darüber hinaus wollen MPG und CNRS die wechselseitige Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern verstärkt fortführen. Im Rahmen eines Post Doc-Programms sollen Nachwuchswissenschaftler für zwei bis drei Jahre mittels eines Forschungsstipendiums an einem MPI bzw. an einer Einheit des CNRS ihrer Wahl Forschungsprojekte durchführen.

Das Ziel der EuroHORCs in den kommenden Jahren ist die Stärkung des Europäischen Forschungsraums. MPG und CNRS sind dabei zu eruieren, welche Aktivitäten eine "Roadmap of Excellence" zum Gegenstand haben könnte, die insbesondere die Zusammenarbeit der Forschungsförderorganisationen wie die der Forschungsträgerorganisationen untereinander stärken soll.

4.4.12. Information und Kommunikation

Deutschland und Frankreich arbeiten seit mehr als dreißig Jahren auf dem Gebiet der Kommunikationstechnologien zusammen. Bereits 1974 unterzeichneten die Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung mbH (jetzt: Fraunhofer-Gesellschaft) und INRIA ein gemeinsames Abkommen. Im Verlauf der weiteren bilateralen Zusammenarbeit standen die gemeinsame Entwicklung und Nutzung von Fernmelde-, Rund-funk und Fernsehsatelliten im Mittelpunkt der Aktivitäten.

Auf europäischer Ebene trugen beide Länder zur Kommerzialisierung von Satellitengestützten Diensten bei. So entstanden das mittlerweile privatisierte Unternehmen EUTELSAT (Rundfunksatelliten) und die zwischenstaatliche Organisation EUMETSAT (Wettersatelliten). Seit 2003 arbeiten Deutschland und Frankreich mit anderen EUREKA-Mitgliedsstaaten an der Entwicklung moderner Telekommunikationstechnologien; jüngster Schritt dabei ist die Aufnahme der Entwicklung einer 100GBit Ethernet Technologie im Rahmen des Clusterprogramms CELTIC.

Auch in der Informationstechnik sind die Fortschritte von gleichen Charakteristika geprägt: rasante Fortschritte und Europäisierung der  Zusammenarbeit. Auf dem Gebiet der Mikro- und Nanotechnologie ist in Europa mit der Heterogeneous Technology Alliance unter Beteiligung Deutschlands und Frankreichs ein leistungsfähiger Innovationspartner für die europäische Industrie entstanden. Im Rahmen der EU-Technology Platform European Nanoelectronic Initiative Advisory Council (ENIAC) stimmen die in diesem Bereich aktiven Mitgliedsländer, darunter Deutschland und Frankreich, ihre Strategien für das Jahr 2020 ab. Im EUREKA-Programm  CATRENE, dem EUREKA-Nachfolgeprogramm zu JESSIE, MEDEA und MEDEA+ stärken und festigen die Mitgliedsländer die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Halbleiterindustrie. So treibt das Forschungszentrum Jülich (FZJ), die strukturelle Vernetzung mit dem CEA als strategischem Partner in Europa voran.

Bei der Unterzeichnung des bilateralen Kooperationsvertrags zwischen FZ Juelich und CEA am 29. Februar 2008 wurde als weiteres prioritäres Forschungsfeld der Bereich Supercomputing festgelegt.

Über die EU Technology Platform ARTEMIS arbeiten Unternehmen und Forschungsinstitute Deutschlands und Frankreichs zusammen mit Partnern in 18 anderen EU-Mitgliedsländer daran, Computer-Intelligenz unmittelbar in technische Systeme zu integrieren ("Embedded Systems"), z. B. auch, um hoch innovative digitale Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die die Lebensqualität älterer Menschen zu Hause, am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft allgemein erhöhen sollen.

4.4.13. Luft- und Raumfahrt

Frankreich und Deutschland haben sich als erste europäische Staaten in der Raumfahrt engagiert. Heute sind Frankreich und Deutschland von ihrem programmatischen und finanziellen Beitrag her die beiden größten und wichtigsten Mitgliedstaaten in der ESA. Beide verfügen über ein maßgebliches nationales Programm und ein breites Spektrum von Raumfahrtkompetenzen, die sie national sowie im europäischen Rahmen zum Einsatz bringen.  Beide Länder setzen ihr wissenschaftliches, technologisches und industrielles Know How für die Umsetzung der Europäischen Raumfahrtpolitik ein: sowohl über die ESA wie auch über verschiedene bilaterale Forschungsabkommen und Kooperationsverträge zwischen der französischen Raumfahrtagentur CNES und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). 

Ende November 2008 hat der ESA-Rat wichtige Entscheidungen zur mittelfristigen  Weiterentwicklung der Raumfahrt-FuE getroffen, darunter zur  Finanzierung des Programms für fortgeschrittene Forschung zu Telekommunikationssystemen (ARTES), das auch Vorbereitungstätigkeiten für ein Europäisches Datenrelaissystem (EDRS), ein satellitengestütztes Kommunikationssystem für das Flugverkehrsmanagement (Iris) und die Förderung integrierter Anwendungen umfasst. Weiter wurde beschlossen, die Förderung des Programms zur Weiterentwicklung des Globalen Navigationssatellitensystems Europas fortzuführen, um das Galileo-System weiter auszufeilen.

4.4.14. Meeres- und Polarforschung

Entwicklung einer privilegierten Partnerschaft zwischen AWI und IFREMER
 
In Anwesenheit des französischen Forschungsministers wurde das Memoradum of Understanding (MoU) aus dem Jahr 2001 im Jahr 2006 fortgeschrieben und zwei neue Abkommen unterzeichnet, die die Kooperation erweitern:

Zusammenarbeit in der Küstenforschung mit folgenden Themen: 

  • Auswirkungen menschlicher Eingriffe auf die Küstenökosysteme
  • Identifizierung und Vorhersage von toxischen Algenblüte, 
  • Analyse historischer Datensätze in Bezug auf die Veränderlichkeit des Systems
  • Untersuchungen des Nahrungsnetzes und Reaktionen von Individuen und Populationen auf toxische Substanzen
  • Aufbau eines gemeinsamen Virtual Department on Underwater Vehicles and Marine Technology zur langfristigen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Technologieentwicklung und der Nutzung von Unterwasserfahrzeugen. Es beruht auf der Erfahrung aus dem gemeinsamen Einsatz des ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugs (Remote Operated Vehicle ROV) “Victor 6000” des IFREMER auf FS POLARSTERN und FS L’ATLALANTE. Das Virtual Department dient auch der Verbesserung des Austausches von Geräten zwischen den Forschungsflotten, der Ausbildung von Studenten aus ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studiengängen sowie der Kooperation mit der maritimen Industrie. Als wichtigstes Projekt im Rahmen des MOUs ist die Entwicklung eines neuartigen Schwestersystems zum ROV „Victor 6000“ mit dem Namen “Victoria” für den Einsatz in eisbedeckten Gebieten vorgesehen.

Gemeinsame Nutzung von Schiffskapazitäten (von IFREMER und Universitätsinstituten)

Im Jahr 2006 stand das Forschungsschiff FS POLARSTERN erstmalig unter französischer Fahrtleitung von Dr. Christine Provost (Univ. Pierre et Marie Curie) im Rahmen des Projektes DRAKE im Rahmen des „International Polar Year (IPY)“. Auch im Februar 2008 wird FS POLARSTERN in der Fortführung dieses Projektes von den französischen Partnern genutzt werden. Weitere Zusammenarbeit, die im Rahmen des IPY mit Reisen von FS POLARSTERN verknüpft sind, erfolgt in den Projekten DAMOCLES (Dr. Gascard, Univ. Pierre et Marie Curie) und CASO (Dr. Speich, Univ. de Bretagne Occidentale). 

Ziele für die Weiterentwicklung der Partnerschaft AWI – IFREMER:

  • Identifikation gemeinsamer Forschungsprojekte in geeigneten Forschungsfeldern (s. o.)
  • Aktive Beteiligung an der Entwicklung des Europäischen Forschungsraums insbesondere durch die Entwicklung oder den Erwerb weiterer Unterwasserfahrzeuge und die Beibehaltung der gemeinsamen Kompetenz in Tiefseetechnologie
  • gemeinsame Nutzung großer maritimer Infrastruktur (Forschungsschiffe, Unterwasserfahrzeuge)
  •  Verbesserung des Austausches kostenintensiver Infrastrukturen und die Entwicklung austauschbarer Gerätemodule für Unterwasserfahrzeuge
  • Partner in den Europäischen Projekten: HERMES (Hotspot Ecosystem Research along the Margins of European Seas), ESONET (European Observatory Seas Network) und dem neuen Projekt HYPOX (Sauerstoffverteilung im Ozean)

4.4.15. Nanotechnologie

Die Nanotechnologie beschreibt ein noch relativ junges Gebiet mit einem enormen Innovations- und Marktpotenzial sowie einer großen gesellschaftlichen und ökonomischen Bedeutung. Eine zum Abschluss des 3. Forums zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation am 29.2.2008 (Paris) unterzeichnete Kooperationsvereinbarung  zwischen dem Forschungszentrum Jülich und dem CEA sah bereits eine Zusammenarbeit im Bereich der Nanowissenschaften vor. Konkret hat das Forschungszentrum Jülich am 12. März 2009 das Peter Grünberg Centrum eingeweiht; es ist die zentrale Plattform für Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Nanoelektronik in der Region Jülich/Aachen. Einer der ganz wichtigen europäischen Partner des Centrums ist die französische Forschungseinrichtung CEALETI. Eine Vereinbarung zur engen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Halbleiter-Mikrotechnologie wurde im Rahmen der Eröffnungsfeier unterzeichnet.

4.4.16. Pflanzen und Landwirtschaft

Die Leibniz-Gemeinschaft (WGL) und das „Institut National de Recherche Agronomique“ (INRA) haben am 29. Februar 2008 im Rahmen des 3. Forums zur deutsch-französischen Forschungskooperation ein strategisches Abkommen unterzeichnet. Die Hauptzielsetzungen dieser gemeinsamen Initiative im Bereich Nahrungsmittel, Umwelt, Landwirtschaft und Bodenbewirtschaftung (im vorliegenden Dokument als „Agronomie“ zusammengefasst) zwischen den beiden Forschungsorganisationen sind: 

  • Entschlüsselung der Genome von Weizen und Gerste sowie
  • fünf spezifischere Themen aus dem Bereich der menschlichen Ernährung:
  1. Entwicklung von Geschmacks und Nahrungsmittelpräferenzen (insbesondere bei Kindern)
  2. Einwirkung des Verzehrprofils auf den Metabolismus der Zusammenhang zwischen Verbraucherverhalten und Gesundheit
  3. die metagenomische Analyse der Darmmikrobiotik und ihre Wechselwirkung mit ihrem Wirt.
  4. Ernährungstoxikologie
  5. Umwelt und Landwirtschaft 

4.4.17. Umwelt und Klima

In der Klima- und Atmosphärenforschung wurde die Rechenkapazität sog. Supercomputer bisher hauptsächlich durch Anwender der jeweiligen nationalen Institute genutzt. Um Kapazitäten zusammenzuführen, initiierten das MPI für Meteorologie und das Deutsche Klimarechenzentrum (DKRZ) in Hamburg gemeinsam mit einer Reihe weiteren europäischen Institutionen das Projekt Programme for Integrated Earth System Modelling (PRISM). Dort wird im schnellsten Hochleistungsrechenzentrum Europas die Rechnerkapazität für hochkomplexe Klimamodellierungen bereitgestellt. An diesem 2001 gestarteten Projekt sind auf deutscher Seite neben dem MPI in Hamburg das MPI für Biogeochemie in Jena, das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK, Leibniz-Gemeinschaft) sowie nationale Vertretungen der Computer-Hersteller NEC, SGI und SUN beteiligt. Auf französischer Seite nimmt das neu gegründete Centre Lions teil. 

Zur Klimafolgenforschung wurde beim 3. Forum für deutsch-französische Forschungskooperation am 29. Februar 2008 in Paris beschlossen:

  • Workshops mit Wissenschaftlern aus Frankreich, Deutschland und afrikanischen Staaten zum Informationsaustausch und zur Diskussion neuer Strategien durchzuführen; die Workshops können auf den Themen der Programme RIPIECSA sowie AMMA aufbauen
  • ein virtuelles deutsch-französisches Instituts für regionalisierte Vorhersage des Klimawandels und seiner Auswirkungen sowie entsprechender Anpassungsmaßnahmen, eventuell im Rahmen des EIT, zu errichten. An dieser Initiative könnten das Institut Pierre-Simon Laplace (IPSL), das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), das Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg und weitere Partner teilnehmen.

Deutschland und Frankreich wollen ihre Anstrengungen zur Anpassung an globale Umweltveränderung wie den Klimawandel koordinieren. Dazu wurde beschlossen, zwei Spitzenforschungsinstitute, das Institute for Advanced Sustainability (IASS) in Potsdam und das Hôtel des sciences pour le développement soutenable (HSDS) in Paris zu etablieren. Darüberhinaus sind beide Länder im Rahmen der Wissens- und Innovationsgemeinschaften (KIC) an den KIC zum Klimaschutz (Climate-KIC) und zur Nachhaltigen Energie (KIC InnoEnergy) beteiligt.

4.4.18. Verkehr

Aufgrund ähnlicher Verkehrsprobleme in beiden Ländern entstand 1978 ein bilaterales Forschungsprogramm zum spurgeführten Hochgeschwindigkeitsverkehr. Diese enge und ertragreiche deutsch-französische Kooperation (DEUFRAKO) im Bahnbereich besteht somit seit mehr als 30 Jahren. Seit 1998 sind auch die Themengebiete Güterverkehr, Verkehrstelematik sowie Städtischer Verkehr und Mobilität eingebunden. Die überwiegend interdisziplinären Projekte werden in Zusammenarbeit mit Industrieunternehmen, Forschungsinstituten und Hochschulen durchgeführt und – entsprechend den jeweiligen Forschungsstandorten – von beiden Ländern anteilig gefördert.

Auch im Bereich des Individualverkehrs bahnt sich eine bilaterale Kooperation an: Bei der jüngsten gemeinsamen Ausschreibung der ANR und des BMBF ist ein Kooperationsprojekt des Fraunhofer Instituts  für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit  und des  Carnot-Institut Français du Pétrole - Moteurs „Verkleinerter Dieselmotor mit sehr wenig Treibstoffverbrauch und sehr geringen CO2-Emissionen“ in die engere Wahl genommen worden. Seine Realisierung hängt noch von der Bereitstellung privater FuE-Mittel der Volkswagen AG ab.

4.4.19. Weitere

Anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung

Zur Zusammenarbeit in anwendungsorientierter FuE  wurde beim 3. Forum für deutsch-französische Forschungskooperation am 29. Februar 2008 in Paris ein Abkommen zwischen der Fraunhofer-Gesellschaft und der Association des Instituts Carnot unterzeichnet. Dem ging eine Orientierungsphase auf der Basis Projekte voran:  in 2007 konnten die ersten 12 Carnot-Fraunhofer-Projekte anlaufen. Die Projekte sind eingebettet in ein Rahmenprojekt, in dem eine strategische Auswertung von «best practices» zum weiteren Aufbau bilateraler Kooperationen durchgeführt wird. Dies war der Beginn eines koordinierten Vorgehens zum Aufbau von Kooperationen.

Die Projekte involvieren insgesamt 24 Fraunhofer- und 31 Carnot-Institute und konzentrieren sich auf die folgenden fünf Themengebiete: Energie (1 Projekt), Sicherheit (2 Projekte), Automobiltechnik (4 Projekte), Informations- und Kommunikationstechnik (3 Projekte) und Medizintechnik (2 Projekte).

Für die nächsten fünf Jahre wurden fünf prioritäre Leitthemen als Kooperationsfelder identifiziert:

  • Nachhaltige Energie
  • Zivile Sicherheit
  • Transport
  • Gesundheit
  • Informations-  und Kommunikationstechnik

Ein Steering Committee auf Leitungsebene wird die Fortschreibung der gemeinsamen Strategie überwachen und bewerten. Weiterhin sollen im Rahmen der Kooperation zwei strategische Instrumente entwickelt werden: Marktorientierte Netzwerke und Strategische Task Forces.

  • Fraunhofer-Carnot Industrial Task Forces
    Ziel der Task Forces ist es, kurzfristig Lösungen für Industriekunden (KMU und Großindustrie) anzubieten. Erste Ansätze dazu kommen aus der französischen Grenelle-Initiative (Umwelt, Ökologie). Weitere Themenfelder sollen in den nächsten sechs Monaten unter besonderer Berücksichtigung von KMU beider Länder definiert werden.
  • Fraunhofer-Carnot marktorientierte Netzwerke
    Mittel- bis langfristig ist das wesentliche Ziel der Fraunhofer-Carnot-Kooperation die Etablierung marktorientierter Netzwerke. Diese bestehen aus Carnot- und Fraunhofer-Instituten, die spezifische Märkte oder Marktsegmente innerhalb eines der fünf prioritären Leitthemen adressieren. Der Fokus liegt dabei nicht auf kurzfristigen Forschungsprojekten, sondern auf dem Aufbau einer langfristigen Zusammenarbeit zur Nutzung von Synergien in Bezug auf Kompetenzen, wissenschaftlichen Ansatz und Marktkenntnis. Diese Bündelung von Ressourcen erlaubt es darüber hinaus, ein breiteres Feld wissenschaftlicher Themen und spezifischer Märkte zu bearbeiten und Leistungen in Integration in den nationalen und europäischen Kontext.

 

Deutschland und Frankreich beteiligen sich maßgeblich unter anderem an folgenden weiteren europäischen Forschungs- und Technologieeinrichtungen sowie Programmen:

  • EZMW: Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage
  • EMBL: Europäisches Laboratorium für Molekularbiologie
  • EHI: Europäisches Hochschulinstitut HFSP: Human Frontier Science Program
  • 7. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union (2007-2013)
  • CERN: Europäische Organisation für Kernforschung
  • ETW: European Transonic Windtunnel
  • ESO: Europäische Organisation für astronomische Forschung in der südlichen Hemisphäre
  • ESA: Europäische Weltraumorganisation
  • Europäisches Satellitennavigationssystem Galileo
  • Institut Laue - Langevin (ILL; Höchstflussreaktor), Grenoble

5. Ansprechpartner

5.1. Weitere Informationen

Nähere Informationen zur bilateralen Kooperation zwischen Deutschland und Frankreich sowie Beteiligungsmöglichkeiten an Programmen und Fördermaßnahmen erteilt im Auftrag des BMBF das Internationale Büro des BMBF.

Fachlicher Ansprechpartner für Frankreich:

Dr. Naima Barouk

Internationales Büro des BMBF beim DLR (IB)
Heinrich-Konen-Str. 1
53227 Bonn
Deutschland
Tel: +49 228 3821-1418
Fax: +49 228 3821-1444
E-Mail: Naima.Barouk(at)dlr.de

www.internationales-buero.de

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Redaktion: 16.01.12, von: Dr. Naima Barouk und Lydia Schmidt
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