BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
Kooperation International
 

FlaggeLänderbericht: Frankreich

1. Allgemeine Landesinformationen

1.1. Bevölkerung/Geografie

Ländername République Française
Französische Republik
Hauptstadt Paris
Fläche 547.026 km²
(ohne Übersee-Departements)
Bevölkerungszahl 65,3 Mio.
(Schätzung Juli 2011)
Lebenserwartung Frauen: 84,44 Jahre
Männer: 77,91 Jahre
(Schätzung 2011)
Altersstruktur 0-14 Jahre: 18,5%
15-64 Jahre: 64,7%
65 Jahre und älter: 16,8%
(Schätzung 2011)
Bevölkerungswachstum 0,5%
(Schätzung 2011)
Bevölkerungsgruppen Franzosen aus keltisch/germanisch/lateinischen Wurzeln je nach Region verschieden ausgeprägt, Baskische Minderheit, Völker der ehemaligen Kolonien: Nord-Afrikaner, Afrikaner, Indochinesen, Karibik-Völker
Sprachen Französisch (Amtssprache)
Regionale Dialekte/Sprachen: Elsässisch, Baskisch, Provenzalisch, Okzitanisch, Katalanisch
Religionen 83% römisch-katholisch
7% Muslime
2% Protestanten
1% Juden
Nationaltag 14. Juli
Zeitzone MEZ (UTC + 1);
März bis Oktober: MEZ + 1 (UTC +2)
Währung Euro EUR / 100 Cent
Wechselkurse zu anderen Währungen unter OANDA.com - Währungskonverter (siehe u.a. Links)
Vorwahl +33

Quelle: Auswärtiges Amt, INSEE, CIA World Factbook, www.travelshop.de, www.oanda.com

Politische Karte Frankreichs (bitte anklicken für eine vergrößerte Version)
Politische Karte Frankreichs (bitte anklicken für eine vergrößerte Version)

Mit ca. 550.000 km2 ist Frankreich das drittgrößte Land Europas nach Russland und der Ukraine. Es liegt im äußersten Westen des eurasischen Festlandsockels und wird von 3 Meeren und 6 Nachbarländern begrenzt. Die Nordgrenze bilden Belgien und Luxemburg, im Osten liegen Deutschland, die Schweiz und Italien. Die Südgrenze bildet das Mittelmeer. Entlang der Pyrenäen im Südwesten liegt Spanien. Die westliche Küste wird vom Atlantik begrenzt und im Nordwesten befindet sich der Ärmelkanal.

Das französische Staatsgebiet bildet ein kompaktes Sechseck (mit Seitenlängen von ca. 1.000 km), weshalb es auch als Hexagon bezeichnet wird. Frankreich weist eine große Vielfalt seiner Landschaften wie auch seiner klimatischen Bedingungen auf. 

Die großen fruchtbaren Ebenen liegen im Südwesten, im Aquitanischen Becken und im Norden rund um das Pariser Becken und machen etwa 2/3 der Gesamtlandschaft aus. Die Gebirge liegen komplementär dazu. Im Nordosten sind es die Vogesen, zu denen die Regionen Elsass, Lothringen und Hochburgund gehören. Der höchste Berg ist hier der Ballon de Guebwiller (1.424 Meter).

Im Osten an der Grenze zur Schweiz liegt der Jura, der ungefähr der Region Franche Comté entspricht. Er ist durch steile Felsen und parallel verlaufende Täler gekennzeichnet, die von einer Vielzahl von Flüssen durchschnitten werden: Doubs, Loue, Lison. Hier existiert eine einzigartige Fauna.

Der französische Teil der Alpen im Südosten des Landes mit den Regionen Rhône-Alpes und Provence-Alpes-Côte-d'Azur bildet in Frankreich einen 400 km langen Streifen, der sich südlich des Genfer Sees bis hin zur Mittelmeerküste zieht, wo er in die französischen Seealpen übergeht. Es ist eine der grandiosesten Landschaften Europas. Zu ihr gehören der Mont Blanc (4.807 m), der höchste Gipfel der Alpen beim Dreiländereck Frankeich-Italien-Schweiz, und dem Grand Canyon nordwestlich von Nizza, wo der Fluss Verdon eine bis zu 600 Meter tiefe Schlucht in die Kalkfelsen geschnitten hat. 

Das Zentralmassiv liegt in der Mitte des südlichen Frankreichs links der Rhône und umfasst etwa 1/7 der Gesamtfläche des Landes. Es erstreckt sich über die Regionen Auvergne, Limousin, Rhône-Alpes, Languedoc-Roussillon und Midi-Pyrénées, bis tief in den Südwesten des Landes. Aufgrund seines Alters, es entstand vor ca. 350 Mio. Jahren, ist das Gebirge stark abgetragen. Die durchschnittlichen Erhebungen betragen nur etwa 500-1000 m. Der höchste Berg ist der Puy de Sancy (1885 m) in der Auvergne, der größten zusammenhängenden Vulkanlandschaft Europas. 

Im Südwesten schließlich, als Verbindung zwischen Mittelmeer und Atlantik, liegen die Pyrenäen, ein Hochgebirge mit großartigen Schluchtenlandschaften. Die höchsten Berge auf französischer Seite sind der Pic de Vignemale (3.298 m) und der Pic Perdiguère (3.222 m).Die größten und wichtigsten Flüsse Frankreichs sind die Loire (1.012 km) und die Garonne (575 km), die beide unregelmäßige Wasserstände aufweisen und daher ungeeignet für die moderne Schifffahrt sind. 

Die Seine (776 km) und die Rhône (522 km) dagegen sind als Verkehrswege ausgebaut.Die landschaftliche Vielfalt spiegelt sich auch in Frankreichs Küstenlandschaften wieder, die insgesamt eine Länge von über 5.000 km aufweisen. Im Bereich des Ärmelkanals nördlich der Seinemündung sind bis zu 100 m hohe Kreidekliffs vorherrschend. 

n der Bretagne hat das Meer Landspitzen und vorgelagerte Klippen geformt, die den Seefahrern oft zum Verhängnis wurden. Dieselben Formationen finden sich ebenso in der Provence. Im Gegensatz dazu stehen die langen geradlinigen Sandstrände, die am Atlantik vornehmlich im Südwesten bei Bordeaux vorkommen und auf der Mittelmeerseite im Languedoc, dem Gebiet zwischen den Pyrenäen und dem Rhônedelta. Letzteres hat die Carmague geformt, ein Sumpfgebiet an der Flussmündung welches, ebenso wie sein Pendant auf der Atlantikseite in der Region Poitou-Charentes, lange Zeit für den Menschen unzugänglich war, heute jedoch zu den touristischen Highlights von Frankreich gehört. 

Während der Westen und der Norden des Landes maritimes, gemäßigtes Klima aufweisen, liegt der Osten bereits im Übergangsklima zum Festland. Im Süden herrscht Mittelmeerklima mit heißen Sommern und milden Wintern. Allerdings kann in der Provence der Mistral, ein rauer trockener und böiger Wind aus den Cevennen, erhebliche Temperaturstürze mit sich bringen.

1.2. Politik/Administration

Ländername République Française
Französische Republik


Regierungsform Parlamentarische Präsidialdemokratie


Staatsoberhaupt François HOLLANDE (UMP)
Seit dem 15. Mai 2012 Staatspräsident der Französischen Republik.


Hauptstadt Paris


Regierungschef Manuel VALLS
Premierminister


Außenminister/in Laurent FABIUS
(Minister für äußere und europäische Angelegenheiten)


Bildungs- und Forschungsminister/in Benoît HAMON

Parlament Zwei-Kammer-Parlament
Assemblée Nationale / Nationalversammlung (577 Abgeordnete, für 5 Jahre gewählt)
Sénat / Senat (331 Senatoren, für 6 Jahre gewählt)


Regierungsparteien
  • UMP - Union pour un Mouvement Populaire / Union für eine Volksbewegung (39,5%) Gründung der UMP im November 2002 durch Einbeziehung der DL (Liberale), RPR (Neogaullisten), die sich damit auflösten, und Teilen der UDF (Zentristen).
  • NC - Nouveau Centre / Neues Zentrum (2,4 %)



Oppositionsparteien Im Parlament mit Fraktionsstatus:
  • PS - Parti Socialiste / Sozialistische Partei (24,7%) bildet Fraktionsgemeinschaft mit Abgeordneten:
  • PRG - Parti Radical de Gauche / Radikale Linke (1,3%)
  • MRC - Mouvement Républicain et Citoyen / Republikanische und bürgerliche Bewegung
  • PCF - Parti Communiste Francais / Franz. Kommunistische Partei (4,3%)
  • Les Verts / Die Grünen (1,3%) bilden ebenfalls eine Fraktionsgemeinschaft
Ohne Fraktionsstatus:
  • MPF - Mouvement pour la France / Bewegung für Frankreich
  • MoDem - Mouvement démocrate / Demokratische Bewegung
Ohne Parlamentssitze:
  • FN - Front National / Nationale Front
  • LCR Ligue Communiste Révolutionaire / Kommunistische Revolutionäre Liga
  • CPNT - Chasse, Pêche, Nature, Tradition / Jagd, Fischerei, Natur, Tradition
  • Génération Ecologie - Ökologische Generation
  • MNR - Mouvement National Républicain
  • LO - Lutte Ouvrière / Arbeiterkampf
Ergebnisse der Wahlen zur Nationalversammlung vom 10. und 17. Juni 2007.

Weitere Informationen zu Wahlergebnissen und Parteien - Stimmenanteile, Sitzverteilung im Parlament, etc. – unter France auf der Wikipedia-Website: Elections by country


Landwirtschaftsminister Stéphane LE FOLL
(Minister für Landwirtschaft und Ernährung)


Verwaltungsstruktur Frankreich hat 4 Verwaltungsebenen: 1. Städte und Gemeinden (communes)
2. Départements (96 im europ. Frankreich, mit dem Präfekten an der Spitze)
3. Überseeische Gebiete (territoires d`outre mer)
4. Regionen (régions)
Im europäischen Frankreich gibt es die folgenden 22 Regionen:
Alsace, Aquitaine, Auvergne, Basse-Normandie, Bourgogne, Bretagne, Centre, Champagne, Franche, Haute-Normandie, Ile-de-France, Languedoc-Roussillon, La Corse, La Lorraine, Limousin, Midi-Pyrénées, Nord-Pas-de-Calais, Pays de la Loire, Picardie, Poitou, Provence-Alpes-Côte d´Azur, Rhônes-Alpes Beschließendes Organ der Regionen ist der Regionalrat (Conseil Régional), der seit 1986 direkt gewählt. Seine Aufgaben: Wirtschaftsplanung, Raumordnung, Wirtschaftsförderung, berufliche Bildung und Gymnasien.

Quelle: Auswärtiges Amt, CIA - World Factbook, CIA - Chiefs of State, Wikipedia - Elections by country

Der Präsident der Republik

Das politische System der Fünften Republik wird geprägt durch die zentrale Rolle des Präsidenten der Republik. Er genießt eine Sonderstellung innerhalb der Demokratien Europas.
Infolge seiner Direktwahl durch das Volk ist er in ähnlicher Weise wie die Nationalversammlung unmittelbar legitimiert. Durch eine Verfassungsänderung wurde 2002 seine Amtszeit von früher sieben auf fünf Jahre verkürzt. Sie entspricht damit der Länge des Mandats der Nationalversammlung.

Der Präsident ist Staatsoberhaupt und Hüter der Verfassung. Er ist zugleich oberster Chef der Exekutive. So führt der Präsident den Vorsitz im Ministerrat und vertritt Frankreich, unter Umständen gemeinsam mit dem Premierminister, auf internationaler Ebene (z.B. beim Europäischen Rat). Die Außen- und Sicherheitspolitik gilt traditionell vorrangig als seine Zuständigkeit ("domaine réservé"). Die herausgehobene Stellung des Präsidenten verpflichtet ihn einerseits zur Überparteilichkeit (Repräsentant aller Franzosen), zugleich ist er aber auch Repräsentant einer politischen Richtung.

Politische Parteien 

Die politischen Parteien des Landes ordnen sich traditionell dem Lager der „Linken“ oder der (bürgerlichen) „Rechten“ zu. Zur Regierungsmehrheit gehört die bürgerlich-rechte Sammelpartei „Union pour un mouvement Populaire“/UMP sowie das aus der UDF hervorgegangene Nouveau Centre / Neue Zentrum, das aber eine eigene Fraktion bildet.

Größte Oppositionspartei ist die „Parti socialiste“/PS.  Die Grünen, ebenfalls im Parlament vertreten, sind bei den Europawahlen (2009) und Regionalwahlen (2010) zur drittstärksten politischen Kraft avanciert. Ferner sind die PC (Kommunisten), die PRG (linke Radikaldemokraten) und die ebenfalls aus der UDF hervorgegangene „Demokratische Bewegung“ in der parlamentarischen Opposition.

Quelle: Auswärtiges Amt (Stand März 2011)

1.3. Wirtschaftsinformationen

Logo iXPOS für Wirtschaftsinformationen

Wirtschaftsinformationen mit Basisdaten zum Außenhandel sowie Informationen zur deutschen Außenwirtschaftsförderung finden Sie bei iXPOS - dem Außenwirtschaftsportal.

Frankreich - Wirtschaftskraft im Ländervergleich - 2010
Land Bevölkerung in Mio. Gesamt-BIP kaufkraftbereinigt in Mio. internat. $* BIP pro Kopf kaufkraftbereinigt in internat. $*
Frankreich 64,88 2.194.118 33.820
Großbritannien 62,25 2.231.150 35.843
Italien 60,58 1.908.569 31.508
Deutschland 81,64 3.071.282 37.622

*Internationaler $ ist der Wertausdruck der Kaufkraftparität. Es ist die Anzahl von Einheiten einer Landeswährung, die man benötigt, um dieselbe Warenmenge in diesem Land einzukaufen, die man für 1 US$ in den Vereinigten Staaten erhalten könnte.

Quelle: Weltbank - World Development Indicators database

Frankreich - Wirtschaftliche Entwicklung - 2008-2010
Kenngröße 2008 2009 2010
Wachstum 0,4% -2,5% 1,5%
Inflation 3,2% 0,1% 1,5%
Arbeitslosenrate 8,0% 9,6% 9,7%

Quelle: Germany Trade & Invest - Wirtschaftsdaten kompakt: Frankreich, Mai 2011

Frankreich - Weitere Eckdaten - 2010
Kenngröße 2010
Haushaltssaldo (% BIP) -7,6% (Schätzung)
Staatsverschuldung (% BIP) 81,5%
Exporte (Veränd. z. Vorjahr) 386,0 Mrd. EUR (+13,3%)
Importe (Veränd. z. Vorjahr) 452,0 Mrd. EUR (+13,2%)
Handelsbilanz -66,0 Mrd. EUR

Quelle: Germany Trade & Invest - Wirtschaftsdaten kompakt: Frankreich, Mai 2011

Frankreich - Import-Export weltweit - 2010
Wichtigste Importgüter Anteil am Gesamtimport Wichtigste Exportgüter Anteil am Gesamtexport
Mechanische Ausrüstungen, IT/Optik/Elektronik 21,0% Transportmittel 21,8%
Transportmittel 15,2% Mechanische Ausrüstungen, IT/Optik/Elektronik 19,5%
Chemische Erzeugnisse   8,6% Chemische Erzeugnisse 12,1%
Maschinenbau   7,3% Luftfahrzeuge 10,6%
KFZ   6,9% Nahrungsmittel   9,3%
Nahrungsmittel   6,7% Pharmaprodukte   7,5%
Pharmaprodukte   5,1% Eisen, Metalle und Stahlerzeugnisse   7,1%
Textilien, Bekleidung   4,7% KFZ   6,3%
Eisen, Metalle und Stahlerzeugnisse   4,6%    

Quelle: Germany Trade & Invest - Wirtschaftsdaten kompakt: Frankreich, Mai 2011

Frankreich - Handelspartner - 2010
Hauptlieferländer Anteil am Gesamtimport Hauptabnehmerländer Anteil am Gesamtexport
Deutschland 17,3% Deutschland 16,3%
VR China   8,3% Italien   8,0%
Belgien   7,9% Belgien   7,6%
Italien   7,5% Spanien   7,5%
Spanien   6,1% Großbritannien   6,7%
USA   5,9% USA   5,7%
Großbritannien   4,4% Niederlande   4,1%
Niederlande   4,2% VR China   3,9%

Quelle: Germany Trade & Invest - Wirtschaftsdaten kompakt: Frankreich, Mai 2011

1.4. Handel mit Deutschland

Zwei Tortendiagramme zeigen die französischen Exportgüter nach Deutschland und deutsche Exportgüter nach Frankreich 2010. Die größten Bereiche nehmen dabei jeweils KFZ- und KFZ-Teile, sowie sonstige Fahrzeuge ein.
Quelle: Statistisches Bundesamt

2. Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft

2.1. Bildungslandschaft

2.1.1. Überblick

Frankreich hat ein hoch differenziertes Bildungssystem, welches jedem Kind erlaubt, seine Anlagen zur Entfaltung zu bringen. Ein breites Spektrum von zentral verwalteten, öffentlichen Schulen, aber auch Privatschulen, bieten jedem Kind ab dem dritten Lebensjahr die Möglichkeiten vorschulischer und schulischer Ausbildung.

Derzeitige Grundlage für das französische Schulsystem ist das „loi d’orientation pour l’avenir de l’École“ vom 23.4.2005. Schwerpunkte des Gesetzes sind:

  • die Verbesserung der Chancengleichheit
  • die nachhaltige Verbesserung des Fremdsprachenunterrichts auf allen Stufen des Schulsystems in Verbindung mit einer inhaltlichen "Europäisierung des Bildungswesens"
  • die Vorbereitung der Schüler auf das Berufsleben
  • die Reform der Lehrerausbildung und -fortbildung 
  • Bekräftigung der staatsbürgerlichen Ziele ("valeurs de la République")
  • die Verbesserung der Organisation der Schulen (u. a. durch verstärkte Mitwirkungsmöglichkeiten der Eltern; vorsichtige Einräumung autonomer Entscheidungen der Schulleitungen und des Lehrpersonals)
  • Einrichtung eines "Rates für das Erziehungswesen"

Gegenwärtig wird ein Gesetz vorbereitet, welches das französische Schulsystem von Grund auf reformieren soll. Eckpunkte sind die Schaffung von deutlich mehr Lehrerstellen, Einführung eines Ethik-Unterrichts sowie Vertiefung der Ausbildung im Bereich Informatik.

Auch das Hochschulsystem ist breit gefächert. Es erfährt gegenwärtig eine Reduzierung seiner Vielfalt durch Aufbau von regional verankerten " Pôles de Recherche et d'Éducation Supérieure (PRES)", in denen regional benachbarte Einrichtungen zusammengelegt werden. Das Studium in Frankreich ist gebührenpflichtig. Es folgt den in Frankreich vollständig umgesetzten Bologna-Beschlüssen. Es gliedert sich in Bachelor (in Frankreich Licence genannt) / Master / Doktorat und wird deshalb mit dem Kürzel "LMD" zitiert. 

Auch für den Hochschulbereich wird zurzeit ein neues Gesetz in den parlamentarischen Instanzen erörtert. Ziel ist, das Qualifikationsniveau der Jugend anzuheben sowie deren Berufsorientierung und Beschäftigungsaufnahme zu unterstützen, um zu einer Hochschulabschlussquote von 50% (gegenwärtig: 40%) für jede Generation zu kommen.

2.1.2. Indikatoren für Bildung

Indikator Frankreich Stand OECD-Gesamt Stand
Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: primäre und sekundäre Bildung 4,1 % 2010 3,9 % 2010
Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: tertiäre Bildung 1,5 % 2010 1,6 % 2010
Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: Gesamtbildung 6,3 % 2010 6,3 % 2010
Wachstum des Bildungsanteils am BIP (Differenz i. Vgl. zum Vorjahr in Prozentpunkten) 0,0 2010 0,1 2010
Anteil öffentlicher Bildungsausgaben an den öffentlichen Gesamtausgaben 10,4 % 2010 13,0 % 2010
Pro-Kopf Ausgaben pro Student/in 15.067 USD 2010 13.528 USD 2010
Anteil tertiär Graduierter an der Gesamtbevölkerung keine Angaben 2010 50 % 2011
Schülerzahl pro Lehrer, Primarstufe 18,4 2011 15,4 2011
Schülerzahl pro Lehrer, Sekundarstufe 12,3 2011 13,6 2011
Klassengröße, Primarstufe 22,7 2011 21,2 2011
Klassengröße, Sekundarstufe 24,7 2011 23,3 2011
PISA-Ergebnisse: Lesen 21. von 65 2012 --- ---
PISA-Ergebnisse: Naturwissenschaften 26. von 65 2012 --- ---
PISA-Ergebnisse: Mathematik 25. von 65 2012 --- ---

Quellen: "OECD - Education at a Glance 2013" und "OECD PISA 2012 – Ergebnisse"
Redaktion: 10.12.13, von: Helena Lübbers, Tim Mörsch und Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

2.1.3. Hochschulen

Die allgemeine Struktur des französischen Schulsystems
Vorschule, Grundschule, Kolleg, Lyzeum


In Frankreich besuchen praktisch alle Kinder ab dem dritten Lebensjahr die "École maternelle" (École préélémentaire), die man nicht ohne weiteres mit einem Ganztagskindergarten gleichsetzen darf, vielleicht eher als Ganztagsvorschule bezeichnen kann. 25 % der Zweijährigen besuchen die "École maternelle" bereits von diesem Alter an. Im Alter von sechs Jahren beginnt für alle Kinder eine einheitliche, neun Jahre dauernde obligatorische, ganztägige Schulausbildung: fünf Jahre "École élémentaire", häufig aber auch "École primaire" genannt, vier Jahre "collège". Insoweit besteht keine Differenzierung im Sinne von Hauptschule, Realschule und Gymnasium.

6 % bis 7 % eines Geburtsjahrgangs verlassen das Schulsystem ohne jeglichen Abschluss; in den sechziger Jahren waren es noch mehr als 30 %; nach offiziellen Angaben (Ex-Erziehungsminister de Robien) verlassen jährlich 15.000 Schüler das "collège" ohne Abschluss schon vor dem Erreichen des 16. Lebensjahres. Bildungspolitisches Ziel bleibt, dass bis zum Jahre 2012 hundert Prozent der Schüler zumindest den Kollegabschluss durch Erlangung des "diplôme national du brevet" (DNB) erreichen.

70 % (1985 weniger als 40 %) eines Geburtsjahrgangs durchlaufen nach dem "collège" das drei Jahre dauernde "lycée" Die politische Zielgröße besteht in der  Erlangung des "baccalauréat" (Hochschulreife) durch 80 % eines Jahrgangs. Das "baccalauréat" gilt schon als erster Hochschulabschluss; Je nach gewähltem "Schulzug" wird heute unterschieden zwischen dem

  • baccalauréat général
    2012: 334 464 = 48 % der Kandidaten (2011: 50,2 %); 36,7 % eines Altersjahrgangs (2011)
  • baccalauréat technologique
    2012: 148 622 = 21 % der Kandidaten (2011: 22,6 %); 16,2 % eines Altersjahrgangs (2011)
  • baccalauréat professionnel
    2012: 219 973 = 31 % der Kandidaten (2011: 27,4 %); 18,9 % eines Altersjahrgangs (2011)

In 2011 haben 71,8 % des Altersjahrgangs ein baccalauréat geschafft.

Hinzuweisen ist für die Vorbereitung eines baccalauréat noch auf die Variante des "Centre d’enseignement à distance" (Cned) - "Fernunterricht" - dem eine nützliche begleitende "Hilfsfunktion" zugeschrieben werden kann.

Die französischen Hochschulen

Das französische Hochschulsystem unterscheidet zwischen den "universités", den "Écoles" (Ingenieur- und Wirtschaftshochschulen) und den "Grandes Écoles"; 40 % eines Geburtsjahrgangs erreichen einen Hochschulabschluss.

Einen zahlenmäßigen Überblick über die Vielzahl (insgesamt 3.500) der in Frankreich bestehenden Einrichtungen, die dem Hochschulbereich zugerechnet werden, sowie die Anzahl der von ihnen verliehenen Abschlusstypen vermittelt eine am 22.2.2008 vom französischen Forschungsministerium in Netz gestellte Zusammenstellung. Der Zugang zu den Universitäten ist grundsätzlich nicht beschränkt. Jeder "bacchelier" kann sich an einer Universität in dem Studienfach seiner Wahl einschreiben. 

Die Aufnahme in eine "École" / "Grande École" ist hingegen nur über besondere Vorbereitungsklassen bzw. Prüfungen (concours) möglich; bildungspolitisches Ziel der im Mai / Juni 2007 vom damaligen Staatspräsidenten Sarkozy berufenen Regierung war es, dass 5 % der durch besondere Leistungen ausgewiesenen "baccheliers" ("filières générales et technologiques", davon sollten 8 % auf die "filières générales" entfallen), automatisch in eine "classe préparatoire" aufgenommen werden; eine besondere Förderung sollen dabei junge Menschen aus sozialen Problemzonen erfahren. Eine Selektion findet auch vor der Aufnahme in einen zweijährigen Kurzstudiengang / "filières courtes" (IUTSTSÉcoles paramédicales) statt.

Frankreich gab in 2010 27,2 Mrd. €, d.h.  insgesamt 1,4  % seines BSP für seine Hochschulen aus; dieser Prozentsatz liegt nur knapp unter dem OECD-Durchschnitt von 1,5 %.

75-80% eines Abiturjahrganges schreiben sich an einer Universität ein. Die Gesamtstudentenzahl belief sich  im Studienjahr 2010-2011 in Frankreich auf  2.318.000 Studenten, 0,2% mehr als im Vorjahr. Diese Zahl schließt alle jungen Menschen ein, die nach dem "baccalauréat" ihren Bildungsgang an einer Universität oder einer anderen Einrichtung, die dem Hochschulbereich zuzurechnen ist, fortsetzen. Davon entfallen 35 % auf die Universitäten, 8,3 % auf die IUT, 7,3 % auf die Vorbereitungskurse für die Grandes Écoles (CPGE), 19,5 & auf die STS und 7,9% auf andere Studiengänge. 

Die europäische Harmonisierung der Studiengänge (Bologna – Prozess)  ist in Frankreich zu 100 % eingeführt. Alle Universitäten  und die großen Einrichtungen des Hochschulwesens sind mit Wirkung vom 1.9.2006 zum L.M.D. –System (Licence, Master, Doctorat) übergegangen.
Beibehalten werden in ihrer bisherigen Form die zweijährigen Kurzstudiengänge  ("brevets de technicien supérieurs" /B.T.S, "diplômes universitaires de technologies" / D.U.T.;"diplômes d’études universitaires scientifiques et techniques“ / D.E.U.S.T. sowie die "licence" . Für "alte Diplome" (DEUG und "maîtrise“ ) wurden Übergangsregelungen getroffen. 

Bezogen auf die Gesamtzahl eines Lebensjahrganges der Bevölkerung nimmt die Zahl derer, die ihre Ausbildung mit einen Diplom abschließen, in den letzten Jahren von 42,5% (2006) auf 46,8% (2010) zu und nähert sich der politisch intendierten Quote von 50%.
Die Zahl der Jugendlichen, die in 2008, 2009 und 2010 ihr Studium erfolgreich beendet bzw. abgebrochen haben, wird vom MESR auf 713.000 p. a. geschätzt. Von diesen verlassen 122.000 jedes Jahr die Hochschule ohne jeglichen Abschluss bzw. mit der licence. Das sind 17% der Abgänger.

Das Ministerium für Hochschulwesen und Forschung (MESR) trägt innerhalb der Regierung die zentrale Verantwortung für die Belange der Hochschulen und insbesondere der "universités"; neben dem Lehrauftrag der Universitäten findet an diesen mehr als 50 % der in Frankreich betriebenen, öffentlich geförderten  Forschung statt. Für die "Grandes Écoles" / "Écoles" sind je nach Ausrichtung andere Fachministerien zuständig.

Nach dem Sachstand von Mitte 2007 gab der französische Staat jährlich 10.150 € für Studierende aller Hochschuleinrichtungen gegenüber 8.970 € für einen Studenten an einer Universität aus. Eine im Frühjahr 2006 besonders in das Bewusstsein der Öffentlichkeit getretene sensible Schnittstelle zwischen den französischen Universitätsstrukturen und der jungen Generation besteht - nach erfolgreichem Diplom - in dem Übergang der Absolventen in die Arbeitswelt.

Die ehemalige Forschungsministerin Pécresse wies u.a. im Sommer 2007 im Zusammenhang mit der Beratung des Universitätsreformgesetzes im Parlament darauf hin, dass die Mehrzahl der Absolventen eines Master-Abschlusses (Bac + 5) noch ein Jahr nach ihrem Abschluss eine Beschäftigung suchten; der frühere Erziehungsminister de Robien sagte, dass 11 % aller Studenten /Studentinnen, die ein Diplom abgelegt haben, sogar nach drei Jahren noch ohne Arbeitsplatz sind.   

Das Problem der Analphabeten in Frankreich

Nach einer Anfang 2007 veröffentlichten Studie, die als Gemeinschaftsarbeit der "Agence Nationale de Lutte contre l’illettrisme" (ANLCI) und von INSEE  durchgeführt wurde, leiden 12 % der Bevölkerung in Frankreich zwischen 18 und 65 Jahren an einer "besorgniserregenden Schwäche in Lesen, Schreiben und Rechnen. Von den Personen, die eine französische Schule besucht haben, werden 9 % als "illettrées" bezeichnet; hierbei handelt es sich insgesamt um 3,1 Millionen Personen. Nach dem Stand des Jahres 2005 standen davon 57 % als "salariés" eines Unternehmens im Erwerbsleben; 11 % waren erwerbslos.

Die  oben genannte Studie ("Prévenir et lutter contre l’illettrisme") war die erste landesweite repräsentative Erhebung dieser Art. Sie wurde in einigen Punkten durch die ANLCI in 2010 in Form einer vierundzwanzigseitigen Darstellung aktualisiert bzw. ergänzt. 

Die schulische Situation behinderter Kinder

 
Zu Beginn des Schuljahres 2011 / 2012 waren 210.395 behinderte Kinder in die allgemeinen Schulen integriert, davon 130.517 in der Grundschule und 79.878 in einer weiterführenden Schule. 

2.1.4. Berufliche Bildung

Diese Grafik zeigt die möglichen Wege im Rahmen der beruflichen Ausbildung auf.
Repères et références statistiques sur les enseignements, la formation et la recherche 2013

Es sind zwei Wege der beruflichen Ausbildung zu unterscheiden: das "Lycée professionnel", das mit dem "Baccalauréat professionnel" abschließt, einerseits und das Durchlaufen einer "Lehre" ("apprentissage") andererseits. Letztere schließt daran anschließend das Ablegen eines „Baccalauréat professionnel“ nicht aus. Man geht davon aus, dass 10 % bis 15 % eines Jahrgangs eine Lehre absolvieren.

Die schulische Berufsausbildung liegt in der Ressortverantwortung des Erziehungsministers, während für die Vermittlung einer "Lehre", die Fragen der Fort- und Weiterbildung von bereits Berufstätigen bzw. arbeitslos gewordenen Personen schwerpunktmäßig in die Ressortverantwortung des Ministeriums für Finanzen Wirtschaft und Beschäftigung fallen. 

Die Fragen der schulischen Berufsausbildung (insbesondere die künftige Gestaltung des "Lycée professionnel" einschließlich seiner Abschlüsse als Bestandteil der "éducation nationale") wird von M. Michel Sapin, Minister für Arbeit, Beschäftigung, berufliche Ausbildung und sozialem Dialog - im Benehmen mit dem Erziehungsministerium - betrieben. Er wird unterstützt vom stellvertretenden Minister Thierry Repentin, der für berufliche Bildung und Lehre verantwortlich zeichnet. 

Thierry Repentin hat am 8. Oktober 2012 mit den Sozialpartnern begonnen, über einen Rahmenvertrag zur Ausbildung der Jugend und zu Beschäftigung Suchenden zu sprechen. Danach wird der Zugang der Jugendlichen und Erwachsenen zur beruflichen Aus- und Weiterbildung als absolut prioritär erachtet. Für die wenig oder gar nicht qualifizierten Jugendlichen haben die Partner die Einführung regionaler Pakte zu erzieherischen und beruflichen Erfolgen gefordert. Diese  Vereinbarungen sollen  Zielgrößen  zu definieren erlauben, um die Zahl der Jugendlichen zu reduzieren, die in den  Arbeitsmarkt ohne Ausbildung oder Qualifikationen in den Arbeitsmarkt eintreten.

Für die Beschäftigung Suchenden haben die Partner Einverständnis zur Bedeutung erzielt, deren Zugang zur Fortbildung zu verbessern, falls diese das wünschen. In diesem  Zusammenhang wird die Verbesserung der Information zu Weiterbildungsangeboten sowie die Verringerung der Wartezeiten bis zur Aufnahme einer Weiterbildungsmaßnahme als essentiell befunden.

Auf Ersuchen Minister Sapins wird der  "Conseil d’Orientation pour l’Emploi" bis April 2013  eine Untersuchung der Rolle von finanziellen  Hilfen  für die Unternehmen vorlegen, um deren Bedeutung für die wirtschaftliche und beschäftigungspolitische Entwicklung beurteilen zu können.

Weiterbildung

Alle Unternehmen sind verpflichtet, jährlich einen Mindestbetrag für die Finanzierung der beruflichen Weiterbildung aufzuwenden. Seit den 70er Jahren ist die permanente berufliche Weiterbildung ("formation professionnelle permanente") eine nationale Verpflichtung. Sie umfasst die grundlegende Ausbildung und spätere Weiterbildung für Jugendliche und Erwachsene, die schon im Erwerbsleben stehen oder dieses gerade aufnehmen. Diese später Weiterbildung wird als berufliche Weiterbildung ("formation professionnelle continue") bezeichnet.Die berufliche Weiterbildung ist Teil der lebenslangen Bildung ("éducation permanente"). Der Staat, die Gebietskörperschaften, die öffentlichen Einrichtungen, die Einrichtungen des öffentlichen und privaten Bildungswesens, die Vereine, die Berufsverbände und die gewerkschaftlichen und sozialen Einrichtungen tragen ebenso wie die Unternehmen zu ihrer Durchführung bei. Die berufliche Erwachsenenbildung ("formation professionnelle des adultes") gibt es in Frankreich seit 1971 (Gesetz vom 16. Juli 1971). Dieses Gesetz wird durch das Gesetz vom 17. Juli 1978 zur Förderung des Individuums und zum Bildungsurlaub ergänzt. Das Gesetz vom 24. Februar 1984 zum individuellen Bildungsurlaub ("congé individuel de formation") und zur beruflichen Weiterbildung der Jugendlichen soll gewährleisten, dass Arbeitnehmer/-innen während der gesamten Dauer ihres Berufslebens die Möglichkeit haben, ihre beruflichen Fähigkeiten zu verbessern, neue zu erwerben oder sich umschulen zu lassen. Wegen Einzelheiten wird auf das  Dokument "La formation tout au long de la vie" hingewiesen.

2.2. Forschungs- und Innovationslandschaft

2.2.1. Überblick

Seit 2014 ist in Frankreich das „ministère de l'éducation nationale, de l'enseignement supérieur et de la recherche" in der Regierung federführend für die Bildungs- und Forschungspolitik. Seit Inkrafttreten der Regierung von Manuel Valls im April 2014 trägt Minister Benoit Hamon Verantwortung für dieses Ressort. Zusammen mit anderen, ebenfalls tangierten Ministerien (z.B. Industrie, Verteidigung, Umwelt) gestaltet und verantwortet das Ministerium gegenüber dem Gesetzgeber den Aufgabenbereich Bildung und Forschung in Form der Mission interministérielle Recherche et Enseignement Supérieur MIRES. Für diesen Bereich werden jedes Jahr die Politikansätze und deren finanzielle Ausstattung als Anhang zum Haushaltsgesetz in Form des Annexe au projet de loi de finances (genannt „Bleu budgetaire“) ausführlich erläutert. 

Für die folgenden Jahre sind in den mehrjährigen Budgets maßvolle Steigerungen im nationalen Staatshaushalt vorgesehen, verstärkt durch

  • die weltweit größte steuerliche Förderung von Forschungsaufwendungen der Wirtschaft (Crédit d’Impôt Recherche, CIR),
  • die “Große Staatsanleihe“ (Grand Emprunt national 2010), durch die in den nächsten Jahren für Zukunftsinvestitionen („Investissements d’avenir“) 35 Mrd. €, davon ca. 22 Mrd. € für Forschung und Bildung, zur Verfügung stehen, 
  • Die "Große Staatsanleihe II", die nochmals 12 Mrd. € für FuE vorsieht,
  • Zunehmende Investitionen der Gebietskörperschaften in Forschung und Technologietransfer.

Die vorläufigen Budgetangaben für 2012:

  • MIRES:14,00 Mrd. €
  • Crédit d’impôt recherche: 5,08 Mrd €
  • Zukunftsinvestitionen: n.v. (hängt ab von Reaktion auf Ausschreibungen)
  • Gebietskörperschaften:1,32 Mrd. €

Quelle: MESR „Létat de l’enseignement supérieur et de la Recherche en France" (Feb. 2013)

Die vollständigen Ausgaben Frankreichs für Forschung und Entwicklung einschließlich der Aufwendungen der Privatwirtschaft liegen erst für 2010 vor. Sie betrugen 44,8 Mrd. € einschließlich der französischen Beiträge für ausländische FuE, d.h. 2,30 % des französischen Bruttoinlandsproduktes.

Quelle: Ministère de l'enseignement supérieur et de la recherche

2.2.2. FuE-Indikatoren

Indikator Frankreich OECD-Gesamt Stand
Nationale FuE-Ausgaben 55.351,9 Mio. USD 2012 1.106.506,4 Mio. USD
FuE-Ausgabenwachstum i. Vgl. zum Vorjahr 3,83 % 2012 4,76 %
FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2,29 % 2012 2,40 %
Anteil öffentlicher FuE-Ausgaben am BIP 0,80 % 2011 0,71 %
Öffentlicher Anteil an den FuE-Ausgaben 35,4 % 2011 29,8 %
Anteil der Wirtschaft an den FuE-Ausgaben 55,0 % 2011 59,9 %
Ausländischer Anteil an den FuE-Ausgaben 7,7 % 2011 5,2 %
FuE-Ausgaben in Universitäten (intramuros) 11.395,4 Mio. USD 2012 201.566,8 Mio. USD
Anteil der FuE-Ausgaben in Universitäten am BIP 0,47 % 2012 0,44 %
FuE-Personal (Vollzeitäquivalente) 402.318 2011  
Anzahl FuE-Personal (VZÄ) je 1000 Arbeitnehmer 14,9 2011  
Anzahl Forscher (Vollzeitäquivalente) 249.086 2011 4.296.736
Anzahl Forscher (VZÄ) je 1000 Arbeitnehmer 9,2 2011 7,7
Anzahl Forscher (VZÄ) in privaten Unternehmen 156.708 2012 2.556.190
Anzahl Forscher (VZÄ) in privaten Unternehmen in % der Gesamtzahl 59,5 % 2011 59,5 %
Anzahl "triadischer" Patentfamilien (nach Prioritätsjahr) 1.827 2012 41.041
Anteil an der Gesamtheit triadischer Patentfamilien 4,27 % 2012 96,33 %

Quelle: OECD Main Science and Technology Indicators, 2014/1
Redaktion: 18.08.14, von: R. Glitz und M. Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

2.2.3. FuE im öffentlichen Sektor

Die FuE-Ausgaben im Jahre 2010 beliefen sich im öffentlichen Sektor auf insgesamt 15.984 Mio. €.  Hiervon kamen 39 %, d.h. 6,3 Mrd. €  den Hochschulen und Grandes Écoles  zugute; das ist der größte prozentuale Anteil der staatlichen Haushaltsmittel für zivile FuE-Zwecke.
Im öffentlichen Sektor, also Hochschulen, Grandes Écoles und öffentlichen Forschungseinrichtungen waren in 2010 insgesamt 162.396 Forscher und technische Hilfskräfte tätig, darunter 99.728 Forscher (beide Angaben in Vollzeitäquivalenten).

Seit der Wahl von Nicolas Sarkozy zum Staatspräsidenten wurden von der damaligen Regierung Fillon starke Akzente zur Verstärkung der Hochschulforschung gesetzt. Dazu gehört auch, dass in gewissem Umfang Forschung aus dem Bereich der staatlichen Forschungseinrichtungen in Richtung der Hochschulen, insbesondere der Universitäten, verlagert werden soll.

2.2.4. Forschungsorganisationen

Forschungseinrichtungen, Allgemeines 

In Frankreich bestehen die mehr oder weniger verbundenen „Säulen“ Universitäten, außeruniversitäre Forschung und Unternehmen/Industrie. Diese Versäulung wird zunehmend als nicht mehr funktional erkannt und ist zurzeit Gegenstand struktureller Veränderungen (vgl.: Formen der Zusammenarbeit in diesem Kapitel).

Universitäten 

In Frankreich haben mit dem Gesetz aus dem Jahre 2007 von den insgesamt 83 Universitäten inzwischen 80 ihre Autonomie erhalten (Stand 1.1.2012). Diese Autonomie wird im Sommer 2013 durch ein in Vorbereitung befindliches Gesetz neu geregelt. Wie in Deutschland ist auch in Frankreich Forschung zunächst grundsätzlich Aufgabe dieser Universitäten, was in den letzten Jahrzehnten jedoch durch Einrichtung von Mischstrukturen zwischen Universitäten und CNRS-Instituten (unités mixtes) relativiert wurde. Daneben wurden auch andere Mischstrukturen mit dem Ziel einer administrativen Erleichterung sowie einer regionalen Fokussierung gegründet: in 26 pôles de recherche et d'enseignement supérieur (PRES) arbeiten Universitäten mit außeruniversitären Einrichtungen zunehmend eng zusammen. Hinzu kommen 24 Grandes Écoles und Ingenieurschulen, 18 große Einrichtungen, 8 Instituts d'études politiques, 5 Instituts nationaux des Sciences appliqués (INSA), 5 Einrichtungen der Lehrerausbildung (EFE), 4Ecoles normales supérieures, 3 Ecoles centrales, 3  Instituts natinauxd polytechniques (I.N.P)., 2 Observatorien, 2 pôles universitaires européens. Dabei gehört Forschung weiterhin zu den Aufgaben der Professoren, der sog. "Enseignants-chercheurs" (maîtres de conférences et professeurs des universités). Diese Forschungsaufgaben spielten jedoch bislang im Verhältnis zu den Aufgaben der Hochschullehre (Enseignement supérieur) eine eher geringere Rolle und nehmen erst jetzt wieder zu, zumal sich den Universitäten seit Gründung der Agence Nationale  de la Recherche (ANR) der Weg zu Projektgebundenen Fördermitteln geöffnet hat.

Am 25.04.2009 wurde ein Änderungsdekret zum „Statut des enseignants-chercheurs“ im Journal Officiel veröffentlicht. Das Dekret legt die Arbeitsstundenzahl der „enseignants-chercheurs“ auf 1607 fest und führt die Möglichkeit der „Modulierung“ ein. Dies bedeutet, dass Tätigkeiten, die nicht in die Bereiche Lehre und Forschung fallen (u.a. pädagogische Betreuung, Fernkurse, Tätigkeiten im Rahmen der internationalen Kooperation einer Hochschuleinrichtung) auf die abzuleistenden Stunden angerechnet werden können.

Weiterhin hat jeder „enseignant-chercheur“ das Recht in einer Forschergruppe, die nicht seiner Einrichtung angehört, mitzuarbeiten.
Ein neuer Aspekt betreffend die Evaluierung der „enseignant-chercheurs“ ist eine Überprüfung durch den CNU (Conseil National des Universités) im Vier-Jahres-Rhythmus. Der CNU wird außerdem über 50% der Beförderungen bestimmen. Die anderen Fälle können die Universitäten lokal entscheiden.

Die Universitäten zählen zum großen Bereich der Etablissements publics à caractère scientifique, culturel et professionnel (EPCSCP), in denen neben den Hochschulen so unterschiedliche Einrichtungen wie z. B. das Collège de France, französische Auslandsschulen, Ecoles Normales, Museen, etc. zusammengefasst sind.

Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen 

Die außeruniversitäre Forschungslandschaft ist in Frankreich außerordentlich vielfältig. Anders als in Deutschland gibt es in Frankreich eine große Anzahl von nach Rechtsform, Aufgabe/Mission, Größe des Budgets, der Personalausstattung und des Personalstatuts sehr unterschiedlicher (zentralstaatlicher) Forschungseinrichtungen:

  • 9 Établissements Public à Caractère Scientifique et Technologique (EPCST,   « personne morale de droit public dotée de l’autonomie financière ») - öffentliche  Einrichtungen der Wissenschaft und Technologie
  • 15 Établissements Public à Caractère Industriel et Commercial  (EPIC,  meistens « personnes morales de droit privé ») – öffentliche Einrichtungen mit industriellem und Handels-Charakter
  • 10 Établissements Public à Caractère Administratif (EPA, « personne morale de droit public disposant d’une certaine autonomie administrative et  financière ») – öffentliche Einrichtungen mit Verwaltungsaufgaben
  • 45 Établissements Publics à Caractère Scientifique, Culturel et Professionnel (EPCSCP) – öffentliche Einrichtungen mit wissenschaftlichem, kulturellen und berufsbezogenen Aufgaben.
  • 19 Établissements Public de Coopération Scientifique (EPCS) mit jeweils zahlreichen Kooperations-Partnern unterschiedlicher Zugehörigkeit zu  den vorgenannten Gruppen). 
  • 4 Fondations - Stiftungen
  • 8 Groupements d’Intérêt Public (GIP) – Gruppierungen von öffentlichem Interesse
  • 149 Instituts fédératifs – föderale Institute.

Die französische Regierung ist gegenwärtig bemüht, diese Vielfalt zu reduzieren.

Instituts Carnot (Association des Instituts Carnot)

Das im Pacte pour la recherche 2006 geschaffene „Label Carnot“ wird an inzwischen 34 bestehende FuE-Institute verliehen, die damit zu „Instituts Carnot“ werden. Die Arbeit dieser Institute orientiert sich an dem Modell der Fraunhofer Gesellschaft im Bereich des Zusammenwirkens von Forschung und Wirtschaft. Ziel ist eine gleichwertige Partnerschaft zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen zur Nutzbarmachung wissenschaftlicher Erkenntnisse. In der im November 2008 angenommenen «Charte des bonnes pratiques de Propriété Intellectuelle et de Transfert de Connaissances et de Technologies des Instituts Carnot » sind die Prinzipien der Zusammenarbeit zwischen den Partnern aus der Forschung und aus der Wirtschaft dargelegt.
Auf der Basis "Nationalen Forschungs- und Innovationsstrategie" decken die 34 Laboratorien neue Themenfelder ab (u.a. Human- und Sozialwissenschaften; Medizinwissenschaften). Sie sind über das ganze Land verteilt und beschäftigen rund 25.000 Forscher.

Die Kooperation der 34 ausgewählten Institute mit der Wirtschaft wird in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt 300 Millionen Euro gefördert
Am 10. Mai 2011 startete auch das neue "Programme Inter Carnot-Fraunhofer". Ziel dieser Projektausschreibung war es, neue Kooperationen zwischen Deutschland und Frankreich aufzubauen und deutsch-französische Projekte zwischen den Carnot- und den Fraunhofer-Instituten zu entwickeln, mit folgenden drei Schwerpunkten:

  • Stärkung der Spitzenposition im Bereich industrielle Forschung (auf nationaler und internationaler Ebene)
  • Optimierung des Wissens- und Technologietransfers in die Industrie
  • Aufbau strategischer deutsch-französischer Allianzen zwischen Spitzenforschungszentren.

Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft 

Forschung und Entwicklung in französischen Unternehmen konzentrieren sich hauptsächlich auf Großunternehmen der Bereiche

  • Automobilindustrie
  • Pharmazeutische Industrie
  • Geräte für Telekommunikationsdienste
  • Luftfahrtindustrie
  • Optik und medizinische Instrumente

Die Rolle der kleinen und mittleren Unternehmen (PME) wird gegenwärtig mit sichtbarem Erfolg gefördert.

Formen der Zusammenarbeit 

Die Analysen des französischen Forschungs- und Innovationssystems aus Anlass der Entwicklung einer Nationalen Forschungsstrategie (SNRI) hat auch bei der Zusammenarbeit der staatlichen Forschungseinrichtungen zu einer  Veränderung geführt: Es wurde festgestellt, dass eine Steigerung der Leistung und Wahrnehmbarkeit der französischen Forschung eine Klärung der Rolle seiner Akteure, eine Stärkung ihrer Autonomie und der Verbesserung der nationalen und europäischen  Koordinierung voraussetzt. Deshalb wurden Allianzen gegründet, die in lockerem Verbund die Hauptakteure der Forschung (Forschungseinrichtungen, Universitäten, Grandes Écoles) vereinigen. Sie haben die Aufgabe, die nationale Programmierung zu stärken, indem sie die Verbindung zwischen der von der Regierung definierten Ausrichtung (SNRI) mit den selbst gewählten Aufgaben der Forschungseinrichtungen  herstellen.

  • AVIESAN (Alliance nationale pour les sciences de la vie et de la santé, Allianz für Lebenswissenschaften und Gesundheit)
    Die Allianz hat 9 Gründungsmitglieder (CEA, CHRU, CNRS, CPU, INRA, INRIA, INSERM, Institut Pasteur sowie IRD).
    Präsident von AVIESAN ist z.Zt. der Vorstandsvorsitzende von INSERM, André Syrota; Vizepräsident ist Patrick Netter, Direktor des Institut des sciences biologiques (INSB) des CNRS. Sie bilden mit drei weiteren Mitgliedern den fünfköpfigen Geschäftsführenden Vorstand („bureau executif“). Daneben besteht ein zehnköpfiges Präsidium. Im Rahmen von AVIESAN bestehen zehn „Instituts Thématiques Multi-Organismes“ (ITMO), die die Aufgabe haben, die jeweils einschlägigen Forschungsaktivitäten zu koordinieren.
     
  • ANCRE (Allliance nationale de coordination de recherche pour l’énergie, Allianz zur Koordinierung der Energieforschung)
    CEA, CNRS,CPU und IFP Énergies Nouvelles sind die Gründungsmitglieder von ANCRE. Die Allianz hat 15 assoziierte Mitglieder. Für die Arbeit der Allianz ist ein „Comité de coordination“ verantwortlich. Es setzt sich aus Vertretern der drei Gründungsmitglieder zusammen. Im Rahmen eines alle zwei Jahre stattfindenden Wechsels ist der derzeitige Präsident von ANCRE Bernard Bigot, Generaladministrator des CEA.
    Es bestehen acht thematische Programmgruppen, deren Arbeitsergebnisse von einer neunten Querschnittsprogrammgruppe „Prospective énergétique globale“ (GP 9) analysiert werden. Sie legt ihre Schlussfolgerungen dem „Comité de coordination“ in Form eines Syntheseberichts vor.
    Die Programmgruppen beziehen die Vertreter der jeweils einschlägigen „Pôles de compétitivité“ als Partner in ihre Arbeiten ein. 
     
  • ALLISTENE (Alliance des sciences et technologies du numérique , Allianz für Forschung und Technologie im Bereich der Informatik) 
    Gründungsmitglieder der Allianz sind CEA, CNRS, CDEFI, CPU, INRIA und das Institut Télécom. Michel Cosnard, Vorstandsvorsitzender von INRIA ist z.Zt. Präsident von ALLISTENE.
    Für die Arbeit von ALLISTENE ist ein „Comité de coordination“, dem die Gründungsmitglieder angehören, verantwortlich. Es besteht eine Arbeitsteilung zwischen den Aufgaben des Präsidenten und dem „Comité de coordination“; bei letzterem liegt die „animation globale“.
    Fünf Vizepräsidenten haben die Rolle von "Animatoren", die die Arbeit von ALLISTENE in den sechs Querschnittsaufgaben der Allianz („missions transversales“) anregen. Letzteren entsprechen sechs Programmgruppen.
  • ALLENVI  (Alliance alimentation, eau, climat, territoires, Allianz für Ernährung, Wasser, Klima und Raumordnung)
    Die Allianz wurde von zwölf Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen (BRGM, CEA, CEMAGREF, CIRAD, CNRS, CPU, IFREMER, INRA, IRD, LCPC, Météo France, MNHN). Sie bilden den „Rat der Allianz“. Er entscheidet über die Aufnahme assoziierter Mitglieder aus dem Kreis der Einrichtungen der Forschung und des Hochschulwesens.
    Präsident von ALLENVI ist François Houllier, Generaldirektor des  INRA. Neben dem Präsidenten besteht ein Vorstand, in dem CPU, CNRS, IFREMER, IRD und Irsta vertreten sind. Im Wechsel von zwei Jahren nimmt jedes Mitglied des Vorstandes den Vorsitz des Gremiums wahr.
    Es bestehen11 thematische Arbeitsgruppen. Unter der gemeinsamen Federführung von CNRS und INRA verfügt ALLENVI über ein ständiges Exekutivsekretariat. Es hat die Aufgabe, die Gesamtheit der einschlägigen Aktionsbereiche abzudecken.

Diese vier Forschungsallianzen wurden in enger Anlehnung an die einzelnen Forschungsprioritäten der Nationalen Forschungsstrategie (SNRI) Frankreichs ins Leben gerufen. Die fünfte Allianz, ATHENA, Allianz für Geistes- und Sozialwissenschaften, nimmt Querschnittsaufgaben war, da in der Nationalen Forschungsstrategie dieser Disziplin eine zentrale Bedeutung für alle Bereich zugewiesen worden war.

  • ATHENA (Alliance des sciences humaines et sociales)
    Die Allianz wurde von vier Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen (CNRS, INED, CPU, CGE). ATHENA hat ein neunköpfiges Direktorium, dessen Präsident und Vizepräsident in zweijährigem Wechsel unter den je zwei Vertretern des CNRS und der CPU ausgewählt werden. Präsident der Allianz ist z.Zt. Jean-Emile Gombert, Präsident der Universität Rennes; Vizepräsident ist Alain Fuchs, Präsident des CNRS. Es bestehen acht Arbeitsgruppen.
  • Pôles de compétitivité“ (seit 2005): ein Instrument der regionalen Strukturpolitik, mit dem Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Universitäten und Ausbildungseinrichtungen zur Entwicklung der Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Region vernetzt werden sollen.
  • Association des Instituts Carnot: Zusammenfassung von 34 Forschungseinrichtungen, die anwendungsorientierte Vertragsforschung für die Wirtschaft anbieten. Präsident ist Alain Duprey.

Die  Allianzen sollen bei dem in Vorbereitung befindlichen Gesetz über Bildung und Forschung eine zentrale Rolle bei der kontinuierlich fortzuschreibenden, nationalen Strategie erhalten.

Das FuE Personal 

Im Jahr 2010 belief sich in Frankreich die Gesamtzahl der Forscher (ohne Hilfskräfte) auf 239.6130 Vollzeit-Arbeitskräfte (Staat und Wirtschaft); einschließlich Hilfskräfte auf 393.131, davon

  • in der Industrie: 139.885 (mit Hilfskräften: 230.735); Steigerung seit dem Jahre 2007: 2,8 %
  • in staatlichen Forschungseinrichtungen (EPST und EPIC) und im ministeriellen Bereich: 45.743 (mit Hilfskräften: 83.598)
  • im Bereich der  Hochschulen (Universitäten, Grandes Écoles, Universitätskliniken, Krebsforschungszentren): 51.185 (mit Hilfskräften: 73.139)
  • in gemeinnützigen Einrichtungen "sans but lucratif" (associations, fondations: 2.799 Forscher und Doktorats-Stipendiaten (mit Hilfskräften: 5.659 Personen)).

Insbesondere die Zahl der Forscher in der Industrie hat sich seit 2005 von damals 106.837 auf 138,885 im Jahr 2010 um 31,5 %erhöht.
Die in 2009 zuletzt erschienene Ausgabe des Berichtes des Observatoire de l’emploi scientifique "L’état des lieux de l’emploi scientifique en France" vermittelt einen umfassenden Überblick u.a. über

  • die Beschäftigungssituation des wissenschaftlichen Personals im öffentlichen und privaten Sektor
  • die geographische Verbreitung des wissenschaftlichen Personals innerhalb Frankreichs
  • die Mobilität der Forscher.

2.2.5. FuE im privaten Sektor

Die im Vergleich zu anderen OECD-Ländern auffallende Schwäche der französischen Wirtschaft bei FuE wird in Frankreich selbst deutlich gesehen und beklagt. 
Im Jahre 2010 standen dem privaten Bereich 27,4 Mrd. € für FuE zur Verfügung. Dabei führten die 100 FuE-Aufwendungintensivsten Unternehmen 59% der FuE-Arbeiten aus und beschäftigten 50% der Forscher. Weniger als 3% der Unternehmen beschäftigen mehr als 50 Forscher aber führen mehr als ¾ der  industriellen FuE aus; ihnen kommen ohne Berücksichtigung der steuerlichen Förderung 80% der öffentlichen FuE-Projektförderung zugute, und sie beschäftigen 67% der Forscher.

Auf fünf Branchen konzentrieren sich rd. 50 % der in der Wirtschaft ausgegebenen FuE-Mittel: Automobilindustrie (15%), Pharmaindustrie (12%), Luft- und Raumfahrtindustrie (11%), IuT-Industrie (5%) und Software-Industrie (6%).

FuE-Personal in Frankreich
Kenngröße 2009 2010 Veränderung
gegenüber Vorjahr
in %
Forscher in der Wirtschaft 133.701 139.885 4,6
Forscher im öffentlichen Dienst 99.063 99.728 0,7
Gesamtzahl der Forscher 232.764 239.613 2,9
Gesamtpersonal im Bereich FuE in der Wirtschaft 225.851 230.735 2,1
Gesamtpersonal im Bereich FuE im öffentlichen Dienst 161.956 162.396 0,3
Gesamtpersonal im Bereich FuE 387.847 393.131 1,4

Quelle: Repères et références statistiques sur les enseignements, la formation et la recherche (RERS 2012)

2.2.6. Förderorganisationen

Die institutionelle Förderung von Forschung und Entwicklung obliegt den in der Mission interministerielle recherche et enseignement supérieur, MIRES, zusammengschlossen Ministerien unter Federführung des Ministeriums für Hochschulen und Forschung.

Die Projektförderung von Forschung und Entwicklung obliegt der ANR und Oséo. Darüber hinaus unterstützen Mittlereinrichtungen  wie die Pôles de Compétitivité eine effiziente Mittelallokation.

Agence Nationale de la Recherche 

Die seit 2007 in der heutigen Form bestehende Agence Nationale de la Recherche (ANR), ist die größte und wichtigste Einrichtung der französischen Forschungsförderung. Sie ist vergleichbar mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), mit der sie zunehmend enger zusammenarbeitet. Ihr Budget 2011 belief sich auf ca. 728,5 Mio. €, das für 2012 vorgesehene Budget beträgt 734,8 Mio. €. Ihr Förderbereich erstreckt sich auf Projekte der Grundlagen- und der anwendungsorientierten Forschung  in allen Disziplinen; ANR richtet ihre Ausschreibungen an öffentliche Forschungseinrichtungen und an Unternehmen; der größte Teil der Mittel kam den öffentlichen Forschungseinrichtungen und Universitäten zugute, etwa 15% den Unternehmen.

Nach dem Jahresbericht 2011  bildeten nicht rückzahlbare Projektbewilligungen auf Projektausschreibungen in Höhe von ca. 557 Mio. € den größten Ausgabenblock, gefolgt von ca.170  Mio. € für die Forschungsfinanzierung unter Beteiligung an Förderungsprogrammen anderer Institutionen, insbesondere der „pôles de compétitivité“. 
Die Projektausschreibungen bezogen sich auf die Themenbereiche: Biologie-Gesundheit; Ökosysteme und nachhaltige Entwicklung; nachhaltige Energie und Umwelt; Ingenieurwissenschaften, Verfahrenstechnik und Sicherheit; Informations- und Kommunikationswissenschaft und -technologien; Human- und Geisteswissenschaften. Hinzu trat ein nicht spezifischer Themenbereich (opérations non-thématiques) der zum Ziel hat, neuen Ideen Raum zu geben. Hier ist geplant, die Zusammenarbeit mit der DFG  zu intensivieren.

Neben  dieser traditionellen Projektförderung verwaltet die ANR 18,8 Mrd. € der für 2010 bis 2015 vorgesehenen "Investitionen in die Zukunft Frankreichs" (investissements d’avenir) in Höhe von insgesamt 34,6 Mrd. €. 

Oséo

Nach der Ankündigung im Frühjahr 2004 wurde im Januar 2005 die (inoffiziell sog.) „Agence des PME“ unter dem Namen Oséo gegründet. Sie bündelt Kompetenzen und Erfahrungswissen von ANVAR (Agence nationale de valorisation de la recherche, dite „Agence de l’innovation“) und BDPME/Sofaris (Banque du développement des PME, mit ihrer Tochtergesellschaft Sofaris, Société française d’assurance/garantie des risques du financement des PME). Der gewollt anspruchsvolle Name (Oséo = « oser haut ») sollte von Anfang an den Ehrgeiz der neuen Institution kundtun, die kleinen und mittleren Unternehmen (PME) als neue Wachstumskeime der französischen Wirtschaft zu etablieren. Durch die kontinuierliche Unterstützung des Innovationsprozesses (fachliche Assistenz bei Innovation, Finanzierung von Investitionen und Markteinführung) soll dazu beigetragen werden, dass „Champions de demain“ entstehen.

Oséo ist ein Établissement public à caractère industriel et commercial, EPIC; es hat für das operationelle Geschäft  die Aktiengesellschaft SA Oséo gegründet und arbeitet mit der Bank Caisse des dépôts eng zusammen. Die konsolidierte  Bilanz schloss am 31. Dezember mit 25,9 Mrd. € (nach 22,1 Mrd. € im Vorjahr). Das Unternehmen hat in ganz Frankreich Außenstellen für kundennahe Beratung. Im Berichtsjahr 2011 haben durch Engagement der OSEO 84.000 Unternehmen  finanzielle Unterstützung in Höhe von  insgesamt 31 Mrd. € erhalten.

Oséos Tätigkeit gliedert sich in drei Bereiche, entlang dem Innovationsprozess:

  • Oséo – innovation: Finanzzuschüsse bzw. Staatsdarlehen für innovative Vorhaben              
                                    in 2011: 1,9 Mrd. €
  • Oseo – financement: Oséo hilft bei der Beschaffung von Risikokapital sowie kurz-  und mittelfristigen Finanzierungen von Investition.
                                    in 2011: 19,35 Mrd. €
  • Oséo – garantie: Oséo stellt Bankbürgschaften bereit
                                    in 2011: 9, 3 Mrd. €

Pôles de Compétitivité

Pôles de compétitivité sind regionale Zentren, in denen sich Unternehmen, Universitäten/ Forschungseinrichtungen und Einrichtungen der Ausbildung (formation) als gleichwertige Partner zur Entwicklung ihrer Innovationsfähigkeit und Stärkung industrieller Wettbewerbsfähigkeit zusammenfinden. Sie sind vergleichbar den in Deutschland seit 1995 eingerichteten Kompetenznetzen und -zentren. Hauptziel ist die Stärkung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs und internationale Sichtbarkeit. Wichtiges Ziel ist außerdem, dass Hochschulen mit der Welt der Wirtschaft in Kontakt treten und Unternehmen ihrerseits die eventuell vorhandene Scheu vor der Wissenschaft verlieren.

Insgesamt sind über das gesamte Staatsgebiet bis 2011 71 Pôles de compétitivité gegründet worden mit regionalen Schwerpunkten in Paris, Marseille und Nizza. Ende 2011 waren 8034 Unternehmen mitglieder dieser Zentren.

Zur Finanzierung der Forschungsvorhaben der Pôles de compétitivité wurde 2007 ein „Fonds Unique Interministériel“ (FUI) eingerichtet. Dieser Fonds ist seit 2009 in Oséo integriert. Neben diesem Fonds beteiligen sich ANR und Oséo an der Finanzierung der Pôles de compétitivité. Ausgehend von einer gemeinsamen Vision der verschiedenen Akteure erarbeitet jedes Kompetenzzentrum seine eigene Fünfjahresstrategie und definiert entsprechende Projekte. In den Jahren 2005 – 20010 wurden diese Projekte mit insgesamt 3,22 Mrd. €  gefördert.

Stiftungen 

Zu den traditionell bestehenden drei Stiftungen Institut Curie, Institut Pasteur de Paris und Institut Pasteur de Lille ist inzwischen als viertes das Centre d`Études du Polymorphisme Humain (CEPH)  hinzugekommen. Sie haben die Rechtsform einer gemeinnützigen privatrechtlichen Stiftung; zur Finanzierung ihrer umfangreichen, eigenen  wissenschaftlichen Aktivitäten erhalten sie  erhebliche staatliche Zuwendungen.
Seit Inkrafttreten des Gesetzes zur Autonomie der Universitäten (August 2007) verfügen die Universitäten über zwei neue Instrumente  um eine finanzielle Unterstützung durch Unternehmen, Vereinigungen und Privatpersonen zu mobilisieren: Universtitäre Stiftungen und Partnerschaftliche Stiftungen.
Binnen drei Jahren sind 24 Universitäre und 15 Partnerschaftliche Stiftungen entstanden.

Universitäre Stiftungen können durch Entscheidung des Verwaltungsrates der Universitäten entstehen und haben generelle Themen der Universitäten zum Gegenstand: Stipendien, Lehrstühle, internationale Mobilität etc. Partnerschaftliche Stiftungen haben hingegen in der Regel ein konkretes Projekt zum Gegenstand, haben eine Mindestlebensdauer von fünf Jahren, und das finanzielle Volumen der Stiftungen muss über 150.000 Euro liegen. Zuwendungen an die Stiftungen sind steuerlich begünstigt.

Evaluierung von Forschung und Lehre 

Die Errichtung der Agence d’évaluation de la recherche et de l’enseignement supérieur (AERES) ist eine der zentralen Neuerungen des „Pacte de la recherche“ (September 2005) und des darauf aufbauenden Forschungsprogrammgesetzes vom 18.6.2006.
Die AERES evaluiert  Hochschuleinrichtungen, staatliche Forschungseinrichtungen, „unités mixtes de recherche“, Studienangebote und Doktorandenschulen. Im Mai 2011 hat die AERES ihre offizielle Anerkennung im Rahmen des Bolognaprozesses durch das European Quality Assurance Register for Higher Education (EQAR) erfahren.

2.3. Thematische Stärken

2.3.1. Überblick

In diesem Abschnitt werden die Tätigkeitsbereiche der staatlichen Forschungseinrichtungen stichwortartig dargestellt. Über zwei Links des französischen Ministeriums für Hochschulen und Forschung sind die Pressekommuniqués der 24 staatlichen Forschungseinrichtungen und ihnen gleichgestellter Einrichtungen verfügbar.

Neben den staatlichen Forschungseinrichtungen spielt die universitäre Forschung in Frankreich eine zunehmend wichtige Rolle. Die Forschung an den Universitäten ist Gegenstand des MIRES-Programms 150 "Formations supérieures et recherche universitaires" (dort die Aktionen No 6 bis 12).

Bei dem alle Akteure miteinander verbindenden Instrumentarium der Forschungsplanung ist eine scharfe Grenzziehung zwischen staatlicher Forschungsplanung einerseits und der Programmplanung der staatlichen Forschungseinrichtungen andererseits nicht mehr möglich. Sie wäre auch von der Sache her problematisch.

Zu 14 Sachgebieten werden im Folgenden die 23 Forschungseinrichtungen, soweit einschlägig, unter die einzelnen Sachgebiete subsumiert. Es kommt häufig vor, dass mehrere Einrichtungen, wenn auch mit verschiedenen Schwerpunkten und mit verschiedenem Gewicht, auf dem gleichen Gebiet tätig sind. Es werden in diesen Überblick nur diejenigen Forschungseinrichtungen aufgenommen, die in dem "Bleu budgetaire MIRES“ des jeweils letzten Jahres als "Opérateur“ bzw. in anderen offiziellen Dokumenten als "Acteur“ aufgeführt sind.

Darüber hinaus wird auf einschlägige "pôles de compétitivité" und jüngst entstandene Forschungsallianzen verwiesen.

2.3.2. Aus- und Weiterbildung

Bisher waren das Institut national de recherche pédagogique (INRP) sowie die nachfolgenden „Organismes sous tutelle“ die wichtigsten Akteure der französischen Bildungsforschung:

  • Centre d’Etudes et  de Recherches sur les Qualifications (Cereq)
  • Service culture éditions ressources pour ‘éducation nationale (Scéren) 
  • Centre de liaison de l’enseignement et des médias d’information (Clemi) 
  • Centre de ressources et d’informations sur les multimédias pour l’enseignement supérieur (Cerimes – S.F.R.S.) 
  • Centre National d’Enseignement à Distance  (Cned) 
  • Centre international d’etudes pédagogiques (Ciep) 
  • Office national d’information sur les enseignements et les professions (Onisep) 

Das INRP ist mit Wirkung vom 1.1.2011 in dem neu geschaffenen „Institut Francais de l‘éducation“ (IFE) aufgegangen. Das IFE wurde seinerseits der „École Normale Supérieure de Lyon“ (ENS) zugeordnet. Dem IFE wurde gleichzeitig eine Koordinierungsfunktion über die in Frankreich auf dem Gebiet der Bildungsforschung arbeitenden Einrichtungen übertragen.

2.3.3. Biowissenschaften

Biowissenschaften und Gesundheit

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Centre national de la recherche scientifique (CNRS)
  • Institut national de la santé et de la recherche médicale (INSERM)
  • Institut national de la recherche agronomique (INRA)
  • Centre de coopération internationale en recherche agronomique pour le développement (CIRAD)
  • Commissariat à l’énergie atomique et aux énergies alternatives (CEA)
  • Institut Pasteur 
  • Institut Curie
  • Consortium national de recherche en génomique (CNRG)

Die wichtigsten auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften und der Gesundheit tätigen Akteure (Inserm, CNRS, le CEA, l’Inra, l’Inria, l’IRD, la Conférence des Présidents d’université et l’Institut Pasteur ) haben am 8.4.2009 eine "Alliance natinale pour les sciences de la vie et de la santé" unter sich vereinbart. Die Alliance strukturiert ihre Arbeit in zehn "Instituts Thématiques Multi-Organismes" (ITMO):

  • Molekulare und strukturelle Grundlagen des Lebens
  • Zellbiologie – Entwicklung und Evolution und Weiterentwicklung
  • Genomik und Bioinformatik
  • Neurowissenschaften, Kognitive Wissenschaften, Neurologie und Psychiatrie
  • Mikrobiologie und Infektionskrankheiten
  • Krebs
  • Immunologie, Hämatologie, Pneumologie
  • Volksgesundheit
  • Medizintechnik
  • Als neuer Schwerpunkt besonderer Förderung durch die französische Exzellenzinitiative wurde der Bereich “Kohortenforschung“ aufgenommen

Angesichts der hochkomplexen Entwicklungen durch die Möglichkeiten der Entschlüsselung des Genoms und  Einflüsse der globalen Veränderungen auf die lebenden Arten ist der Schwerpunkt der Arbeiten in diesem Bereich  eine integrale Systembiologie, die ein einheitliches Verständnis des Lebens erlaubt. Dies erfordert ein funktionales Vorgehen mit der Untersuchung der Integrationsmechanismen über alle Stufen des Lebens, vom Molekül bis zum komplexen Ökosystem. Die wissenschaftlichen Untersuchungen sind auch im Lichte ihres Beitrags zur Biotechnologie, zur Biomedizin und - unter Vernetzung mit der klinischen Forschung und den Klinikbetrieben - zur Gesundheit zu sehen.
Das Vorgehen ist jeweils pluridisziplinär angelegt und hat die medizinische und industrielle Verwertung im Blick.
Insbesondere beim CEA  kommen in diesem Kontext auch nukleare Technologien (isotopische Marker, bildgebende Verfahren etc.) zum Einsatz. Dabei handelt es sich um die Programme „Nukleartechnologien für Gesundheit und Biotechnologien“ sowie „nukleare Strahlenbiologie/Toxikologie“. Darüber hat Frankreich an internationalen Aktivitäten wie dem Europäischen Molekularbiologischen Labor u.a. teil.

Die in der „Alliance nationale pour les sciences de la vie et de la santé“ Allianz zusammengeschlossenen Einrichtungen suchen die Zusammenarbeit mit der Industrie, insbesondere dem Pharma-Riesen Sanofi-Aventis.

Im Bereich der Bioökonomie organisieren sich Forschung und Industrie in Frankreich im Rahmen von „Pôles de compétitivité“. Nach Themen untergliedert sind dies:

1. „UPC2V (Union des pôles de la chimie verte du végétal)“, in der sich fünf einzelne Pôles zusammengeschlossen haben:

Industries & Agro Ressources:

  •  zentrale Themen: Bioressourcen, Materialien, Energie
  • aktive Mitglieder: 78 Unternehmen, darunter 25 KMU, zwölf Forschungslabors, sieben Ausbildungsstätten sowie 39 andere Partner

Axelera

  • zentrale Themen: Fabrik der Zukunft im Bereich ökologischer Verfahren,  Recycling und Rezyklierbarkeit von Materialien, Pflanzenbasierte Chemie,  Chemie im Dienst großer Gesellschaftlicher Fragestellungen (Gebäude, Transport und CO2-freier Energie)
  • Aktive Mitglieder 137 Unternehmen, darunter 78 KMU, 53 Forschungsstätten, neun Ausbildungsstätten sowie acht andere Partner

Agrimip Innovation 

  • zentrales Thema: Landwirtschaft
  • aktive Mitglieder: 244, darunter 44 KMU, zwei Großforschungszentren, zwölf Ausbildungsstätten sowie 13 andere Partner

Fibres

  • zentrale Themen: Bioressourcen und Materialien
  • aktive Mitglieder: 134 Unternehmen, darunter 56 KMU, 34 Forschungsstätten, 22 Ausbildungsstätten sowie 18 andere Partner

Xylofutur

  •  zentrale Bereiche: Bioressourcen, Materialien mit  den Fragestellungen ’Versorgung der Holzindustrie’, ’ Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen’ und ’Zukünftige Entwicklung der Märkte’
  • aktive Mitglieder: 79 Unternehmen, darunter 64 KMU, 19 Forschungsstätten, 17 Ausbildungsstätten und 31 andere Partner.

2. Verbund der Pôles de Compétivité zur Nutzung von Algen

Trimatec

  •  zentrale Bereiche: Energie, Ingenieurwesen, Dienstleistungen mit den Fragestellungen: Produktion und Verwertung von Algen-Biomasse, Trenn- und Membranverfahren
  • aktive Mitglieder: 105 Unternehmen, darunter 78 KMU, zwölf Forschungsstätten, sieben Ausbildungsstätten sowie 23 weitere Partner

Mer Bretagne

  • zentrale Bereiche: Energie, IuK-Technologien, Transport mit den Fragestellungen: Meeressicherheit,  Seefahrt, energetische Meeresressourcen, biologische Meeresressourcen
  • aktive Mitglieder:  220 Unternehmen, darunter 167 KMU, 54 Forschungs- und Ausbildungsstätten sowie 43 weitere Partner.

Mer PACA

  •  zentrale Bereiche: Energie, IuK-Technologien, Transport mit den Fragestellungen: Meeressicherheit,  Seefahrt, energetische Meeresressourcen, biologische Meeresressourcen
  • aktive Mitglieder: 156 Unternehmen, darunter 104 KMU sowie 81  Forschungs- und Ausbildungsstätten 

3. „France Green Plastics“ umfasst drei Pôles de Compétivité zur Nutzung von pflanzlichen Rohstoffen für die Kunststoffindustrie, die ihrerseits in europäische (RP7-) Projekte eingebunden sind

  • Céréales Vallée (verbunden u. a. mit dem deutschen  Unternehmen BASF)
  • Industries & Agro-Ressources (IAR)  
  • Plastipolis (verbunden u.a. mit dem deutschen Kompetenznetz CFK Valley (Stade)

2.3.4. Energie

Nukleartechnologie

Leistungsträger von FuE in diesem Bereich ist insbesondere das:

  • Commissariat à l'Énergie Atomique et aux Énergies Alternatives (CEA).

Eine umfassende Darstellung der Arbeitsschwerpunkte des CEA enthält das "Bleu budgetaire  MIRES 2013" (Seite 318 ff) unter dem Programm "Recherches scientifiques et technologiques pluridisciplinaires“.

  • die Verlängerung der Lebensdauer der gegenwärtigen Reaktorgeneration und Verbesserung der Leistungsfähigkeit ihrer Brennelemente
  • die Konzeption und Evaluierung neuer  Reaktorgenerationen  (Entwicklung des Prototyps eines Reaktors der vierten Generation in der Perspektive des Jahres 2020)
  • wirksame und für die betroffene Bevölkerung annehmbare technische Lösungen für die Behandlung radioaktiver Abfälle 
  • der Rückbau von Kernenergienanlagen unter größtmöglicher Rücksichtnahme auf die Umwelt 

Die „Stratégie nationale de recherche et d‘ innovation“ behandelt die Kernenergie unter den vier „domaines clés“ der Sicherstellung der Energieversorgung an erster Stelle. Die Strategie legt hinsichtlich der Bemessung der staatlichen Fördermittel ein ausgeglichenes Verhältnis (50:50) von Nuklearenergie und neuen Energietechnologien fest.

Das "Programm Zukunftsinvestitionen" sieht für die "Kernenergie von morgen" eine Milliarde Euro, davon 100 Millionen Euro für Forschungen auf dem Gebiet der Entsorgung radioaktiver Abfälle, vor.

Der das Programm vorbereitende Bericht der Kommission Juppé – Rocard hatte die beschleunigte Fortentwicklung der Kernenergie (4. Reaktorgeneration)  in seiner "axe 4" und eine noch zielgerichtetere  Behandlung des Themenkomplexes "Radioaktive Abfälle" empfohlen. Dies fand in der "Action 11" ("Préparer les technologies nucléaires de demain") der Handlungsempfehlungen der Kommission seinen ins Einzelne gehenden Niederschlag.

Alternative Energien

Mit Ankündigung Präsident Hollandes, den Anteil der Nukleartechnik  an der Stromerzeugung mittelfristig auf 50% der  Gesamtversorgung zurückzuführen, nehmen die Forschungsarbeiten im Bereich der alternativen Energien zu. Auch hier liegt ein Schwerpunkt beim CEA, ein weiterer im ehemaligen Institut Francais du Pétrole, das jetzt den Namen IFP Energies nouvelles trägt.

Die wichtigsten Akteure des Bereichs „Energieforschung“ (allgemein) haben 2009 eine „Alliance nationale de coordination de la recherche pour l‘ énergie“ (Ancre) unter sich vereinbart.

2.3.5. Geistes- und Sozialwissenschaften

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Centre national de la recherche scientifique (CNRS)
  • Institut national d’études démographiques (INED)

aber auch:

  • Institut national de la santé et de la recherche médicale (INSERM)
  • Institut de recherche pour le développement (IRD)
  • Institut national de la recherche agronomique (INRA)
  • Institut national de recherche sur les transports et leur ´securité (INRETS)
  • École des Hautes Études en sciences sociales (EHESS)

Die Human- und Sozialwissenschaften (SHS) sind Bestandteil des MIRES-Programms 172 „Recherches scientifiques et technologiques pluridisciplinaires“. Ihnen ist die Aktion No 10 „Recherches scientifiques en sciences de l’homme et de la société“ gewidmetAnhand der einschlägigen Dokumente ist erkennbar, dass auf den verschiedensten Gebieten der Geistes- und Sozialwissenschaften anwendungsbezogene Forschung, Interdisziplinarität, Internationaliserung und Europäisierung in wachsendem Umfang an Bedeutung gewinnen. Zum ersten Male wurde im Mai 2013 ein „Salon Innovative Geistes- und Sozialwissenschaften“ veranstaltet, mit dem sich dieser Wissenschaftsbereich um die Vermarktung seiner Forschungsergebnisse bemüht.

Die „Stratégie nationale de recherche et d‘innovation 2009 – 2012“ enthält als einen von fünf Leitgedanken die Aussage, dass die Human- und Sozialwissenschaften künftig im Rahmen der drei von der Strategie identifizierten “axes prioritaires“ eine wichtige Rolle bei der Aufdeckung interdisziplinärer Schnittstellen spielen müssten.
Im Gefolge der Schaffung des „Rates für Sozialwissenschaften“ im Jahre 2009 ist zu erkennen, dass der Beitrag der SHS zum staatlichen Handeln auf allen Ebenen künftig eine vorrangige Aufgabe der in ihnen zusammengefassten Disziplinen sein dürfte. 

Die wichtigsten Akteure im Bereich der Human- und Sozialwissenschaften haben am im Juni 2010 eine „Alliance nationale des humanités, sciences humaines et sociales“ (Athena) unter sich vereinbart.

2.3.6. Geowissenschaften und Meeresforschung

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Bureau de recherches géologiques et minières (BRGM)
  • Institut français de recherche  pour l’exploitation de la mer (IFREMER)
  • Institut polaire français – Paul Émile Victor (IPEV)

BRGM wendet sich gegewärtig - in Zeiten knapper werdender Ressourcen - wieder  verstärkt der Suche nach (und Aufbereitung von)  Bodenschaätzen zu. Darüber hinaus gewinnt der Bereich der Geothermie an  Bedeutung.

Im Schwerpunkt sind die  Aktivitäten von  IFREMER in verschiedenen Aktionen des  Programms Nr. 187 "Recherche dans la domaine de la gestion des milieux et des ressources" (rapport bleu MIRES 2013) enthalten.

Die entsprechende Fundstelle zu IPEV ist das Programm Nr. 172 "Recherches scientifiques et technologiques pluridisciplinaires" insbesondere Aktion Nr. 9  „Recherches scientifiques et technologiques en sciences de la terre, de l’univers et de l’environnement“.

Schwerpunkte der IFREMER- Aktivitäten sind: 

  • Großgeräte im Dienste der Ozeanographie
  • Überwachung, Nutzung und Verwertung der Küstengewässer
  • Überwachung und Optimierung von Aufzuchtanlagen
  • nachhaltige Nutzung der Fischbestände und ihre Ausbeutung,
  • Erforschung und Ausbeute der Ozeantiefen; ihre Biodiversität, 
  • Meeresströmungen und die Ökosysteme des Meeres: ihre Mechanismen, ihre Evolution und voraussichtliche Entwicklung 

IPEV ist in erster Linie eine Förderorganisation und Kompetenzzentrum für die Erforschung der Arktis und der Antarktis. Es initiiert jährlich eine für die nationale Wissenschaftlergemeinschaft bestimmte Projektausschreibung in folgenden Bereichen:

  • Lebenswissenschaften
  • Wissenschaft des Universums
  • Mensch und Gesellschaft

Die wichtigsten Akteure im Bereich Meeres- und Polarforschung haben im September 2009 eine „Alliance pour les sciences de la mer“ unter sich vereinbart. Ihr gehören auch das CNRS mit seinen beiden Instituten INSU und INEE sowie das IRD an.

2.3.7. Gesundheitsforschung

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Centre nationale de la recherche scientifique (CNRS)
  • Institut national de la santé et de la recherche médicale (INSERM)
  • Institut Pasteur
  • Institut Curie
  • Agence nationale pour la recherche sur le sida 

Der „Plan Cancer 2009-2013“, der „Plan Alzheimer 2008 -2012“ und der „Plan national santé – environnement 2009 – 2013“ (PNSE 2) sowie die Aids-Forschung  sind hinsichtlich ihrer Forschungskomponenten Schwerpunkte der französischen Gesundheitsforschung. 
Es bestehen Querbezüge zu dem Programmschwerpunkt  "Biologie - Santé" (Abschnitt 2  der "ANR-Programmation 2009“  und dem Programmschwerpunkt  "Ecosystèmes et Développement Durable /EDD der ANR. Auf den Abschnitt  „Biowissenschaften  und Gesundheit“ der vorliegenden Darstellung wird wegen etwaiger Überschneidungen hingewiesen.

Krebsforschung

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Centre national de la recherche scientifique (CNRS)
  • Institut national de la santé et de la recherche médicale (INSERM) 
  • Commissariat à l’énergie atomique et aux énergies alternatives (CEA)
  • Institut national du cancer (Inca)
  • sieben über das französische Staatsgebiet verteilte « cancéropoles » ; sie spielen in ihrer Zusammenarbeit mit den Universitätskliniken eine hervorgehobene Rolle.

Von den 13 MIRES-Programmen bestehen die engsten Bezüge zu dem Programm 187 "Recherches scientifiques et technologiques pluridisciplinaires" ("Livre Bleu MIRES 2013"). Die einschlägige  Aktion No 5“ „Recherches scientifiques et technologiques en sciences de la vie et de santé“ nimmt den ersten Platz  in diesem Programm ein. Auch insoweit wird wegen etwaiger Überschneidungen  auf den Abschnitt „Biowissenschaften und Gesundheit“ (s.o.) hingewiesen.

2.3.8. Grundlagenforschung

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Centre national de la recherche scientifique (CNRS)
  • Universitäten („unités mixtes de recherche avec les grands organismes“; études doctorales; pôles de recherche et d’enseignement supérieur /PRES)
  • Écoles des Hautes études en sciences sociales (EHESS)

Das Programm no 172 "Recherches scientifiques et technologiques pluridisciplinaires" (Livre Bleu MIRES 2013) enthält  wesentliche Elemente der französischen Grundlagenforschung. Auf die Aufzählung  der einschlägigen 14 "Actions" ist in diesem Zusammenhang besonders hinzuweisen:

  • Aktion Nr. 5 : Lebenswissenschaft, Biotechnologie und Gesundheit
  • Aktion Nr. 6: Mathematik, Information und Kommunikation
  • Aktion Nr. 7: Physik, Chemie, und Ingenieurwissenschaften 
  • Aktion Nr. 8:Kernphysik und Hochenergiephysik
  • Aktion Nr. 9: Geowissenschaften, Universum, Umwelt
  • Aktion Nr. 10: Human- und Gesellschaftswissenschaften 
  • Aktion Nr. 13: Wissenschaftliche Großgeräte 

Darüber hinaus fördert Agence Nationale de la Recherche (ANR) sowohl gebietsspezifisch als frei in erheblichem Umfang Projekte der Grundlagenforschung.

2.3.9. Information und Kommunikation

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Institut national de recherche en informatique et en automatique (INRIA)
  • Centre national de la recherche scientifique (CNRS) 
  • Commissariat à l’énergie atomique et aux énergies alternatives (CEA)

In diesem Bereich sind sowohl die Informations- und Kommunikationstechnologien im engeren Sinne als auch physikalischen Grundlagen (insbesondere Mikro- und Nanotechnologien) und die Anwendungsfelder  (Modellierung und Prozesssimulation mittels Höchstleistungsrechnern) angesprochen.

INRIA hat in seinem Vierjahresplan (2009-2012 / „Plan stratégique“) sieben  Handlungsfelder identifiziert, auf denen es seine Aktivitäten konzentrieren will.

INRIA hat im Verhältnis zu anderen einschlägig tätigen Einrichtungen eine « rôle fédérateur ». In Durchführung  seines  « Plan stratégique 2008 – 2012 » haben 151 Projektgruppen die Aufgabe, in acht regionalen Zentren die darin festgelegten Ziele und Themenstellungen zu bearbeiten; 121 dieser Gruppen werden gemeinsam mit dem CNRS, den Universitäten und den « Grandes Écoles » betrieben. INRIA ist auch in der Entwicklung einiger « pôles de compétitivité », die die  Regierung mit einem welt-weiten Mandat versehen hat, beteiligt. 

Die «Information und  Kommunikation» sind Gegenstand 
der Aktion No 06 "Recherches scientifiques et technologiques en mathématiques, sciences et techniques de l' information et de la communication, micro et nanotechno-logies" des MIRES-Programms no 172 "Recherches scientifiques et technologiques pluridisciplinaires" (Bleu budgetaire MIRES 2013) in Verbindung mit den Beschreibungen der darin erwähnten  Leistungsträger.

Die «Stratégie nationale de recherche et d’ innovation 2009» weist die «information, la communication et nanotechnologies» als eine der drei «axes prioritaires» der Forschungs- und Technologiepolitik der nächsten Jahre aus.

Das «Programm Zukunftsinvestitionen» sieht für Projekte der «digitalen Revolution» («Développement de l’ économie numérique») 4,5 Milliarden Euro vor.
Die wichtigsten Akteure dieses Bereichs haben am 17.12.2009 eine „Alliance des Sciences et Technologies du Numérique“ (Allistene) unter sich vereinbart.

2.3.10. Mobilität und Raumfahrt

Luftfahrtforschung 

Innerhalb der staatlichen Forschungseinrichtungen werden Luftfahrtforschung und -technologie im Schwerpunkt von dem "Office national d’ études et de recherches aérospatiales" (ONERA) abgedeckt. ONERA betreibt Luft- und Raumfahrtforschung  einschließlich bedeutender Segmente im Verteidigungs- und Sicherheitssektor (insbesondere in den Bereichen Ärodynamik, Avionik, Materialien, Umwelt). 
Am 28.4.2009 wurden von ONERA  fünf langfristige Unternehmensziele für den Zeitraum 2009 bis 2014 bekanntgegeben: 

  • Stärkung  des Know-how-Effekts von militärischen auf zivile Anwendungen und umgekehrt
  • Intensivierung der Akquisitionsbemühungen zur Durchführung von FuE- Aufträgen  großer  Flughäfen, von Luftfahrtgesellschaften und großer Industrieunternehmen auch außerhalb des Luftfahrtbereichs
  • weiterer Ausbau des Beziehungsnetzes zu Kleinen und Mittleren Unternehmen 
  • Ausweitung seiner Rolle als Projektführer von Vorhaben, an denen mehrere Firmen bzw. Stellen beteiligt sind ( z.B. Machbarkeitsstudie betreffend den Einsatz alternativer Treibstoffe durch Flugzeuge 
  • verstärkte Zukunftsinvestitionen  durch Sachinvestitionen und  Einstellung junger Ingenieure, von Studierenden mit abgeschlossener Promotion sowie von Ingenieuren mit Berufserfahrung .

Verknüpfungen zwischen den an der Weltraumforschung und -technologie beteiligten Akteuren sind unter der Überschrift „L’espace“ im „Bleu budgetaire MIRES 2013“ im Rahmen des Programms 193 dargestellt.

Raumfahrtforschung

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Centre national d’ études spatiales (CNES)
  • Centre national de la recherche scientifique (CNRS)
  • Institut national de recherche en informatique et en automatique (INRIA)
  • Commissariat à l’énergie atomique et aux énergies alternatives (CEA)
  • Groupe des Écoles des télécommunications (GET)

Dabei fällt CNES die Führungsrolle  zu.
Am 26.10.2010 hat CNES mit der Regierung seinen nächsten Fünf-Jahresvertrag über die Ziele seiner zukünftigen Arbeit abgeschlossen. Darin ist festgehalten:
CNES soll mit den ihm zur Verfügung stehenden Finanzmitteln und dank der neuen einschlägigen Bestimmungen des Lissabon-Vertrages zu dem kraftvollen Einstieg der EU in den Raumfahrtbereich beitragen, in dem es sich mit der EU, ESA und den Mitgliedsstaaten gut abstimmt. Insbesondere soll CNES  auf gute Fortschritte in den Pro-grammen Galileo und GMES hinwirken.  Darüber hinaus soll es auf nationaler Ebene - allein oder mit anderen ausländischen Partnern -  zahlreiche Satellitenprojekte auf den Weg bringen; hierzu gehören Projekte in den Bereichen

  • Wasserkreislauf (Megha-Tropiques)
  • Höhenmessung der Meere (Altika und Jason 3; Zusammenarbeit mit den USA)
  • Fernmeldewesen (Alphabus und Athéna Fidus)
  • Meteorologie (Meteosat der 3. Generation)
  • sowie die Beobachtung des Universums und die Erforschung des terrestrischen Magnetfeldes. 

Eine weitere Aufgabe von CNES wird darin bestehen, seine Unterstützung und seine Expertise in die Entwicklung neuer Generationen von Satelliten-Systemen einzubringen (Beispiele: SWOT für die Höhenmessung des Meeres; wissenschaftliche Mikrosatelliten wie u. a. Taranis) und die Trägertechnik (Ariane 5 ME und Ariane 6) weiter zu entwickeln. 

Das CNES vertritt die Interessen  Frankreichs in  der ESA.

2.3.11. Physikalische und chemische Technologien

Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere die Universitäten, die Institute des CNRS und das Commissariat à l'Énergie Atomique et aux Énergies Alternatives (CEA). Hier wird die ganze Breite der naturwissenschaftlichen Forschung der nichtbelebten Natur betreiben, auch als Grundlage der angewandten und ingenieurwissenschaftlichen Forschung.  Ein besonderer Erfolg der französischen  Forschung im Bereich der Physik war in 2012 mit der Verleihung des Nobelpreises an Serge HAROCHE, Mitglied der Akademie der Wissenschaften und den Amerikaner David J. WINELAND für ihre Arbeiten im Bereich der Vermessung und Handhabung individueller Quantensysteme  zu verzeichnen.

Neue Materialien

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Centre nationale de la recherche scientifique (CNRS)
  • Commissariat à l'Énergie Atomique et aux Énergies Alternatives (CEA)
  • Écoles d’ingénieurs
  • Universitäten

Ein spezielles MIRES-Programm „Neue Materialien“ besteht nicht. Auf die Förderung dieses Bereichs – insbesondere der Nanotechnologie -  wird in den Regierungsprogrammen Recherches scientifiques et technologiques pluridisciplinaires  sowie Recherche et enseignement supérieur  hingewiesen.
Darüber hinaus unterhält die Agence Nationale de la Recherche (ANR) seit 2006 das "Programme ingénierie, matériaux et procédés".

Seit 2005 besteht im Großraum Grenoble das Kompetenzzentrum „Minalogic“, welches sich auf intelligente, miniaturisierte Lösungen für die Industrie spezialisiert hat.

2.3.12. Umwelt und Klima

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Institut national de la recherche agronomique (INRA)
  • Institut national de recherche en sciences et technologies pour l'environnement et l'agriculture (Irstea)
  • Bureau de recherches géologiques et minières  (BRGM)
  • Institut de recherche pour le développement (IRD)
  • Centre de coopération internationale en recherche agronomique pour le développement (CIRAD)
  • Institut français de recherche pour l’exploitation de la mer (IFREMER)

aber auch:

  • Institut Nationale des Sciences de l’univers (INSU)
  • Centre national d’études spatiales (CNES)
  • Laboratoire central des ponts et chausses (LCPC)
  • Institut polaire français – Paul Émile Victor (IPEV)

Ein speziell diesem Themenbereich gewidmetes MIRES-Programm besteht bisher nicht. 
Einen aktuellen Überblick über geplante FuE-Aktivitäten im Bereich „Umwelt und Klima“ liefert der  im Rahmen des Grenelle de l’Environnement  unter dem Datum vom 8.9.2008 fertig gestellte Bericht des "Comité opérationnel Recherche“.

Die „Stratégie nationale de recherche et d‘ innovation“ (Rapport général) behandelt die „Urgence environnementale et les écotechnologies“ als eine von 3 vorrangigen Problemfeldern.

Das „Programm Zukunftsinvestitionen“ enthält die „Ecologie, développement et aménagement durables“ als einen Förderschwerpunkt, für den 1,6  Milliarden Euro veranschlagt sind. Überschneidungen mit einigen anderen Förderschwerpunkten des Programms sind zu beachten.

Die wichtigsten im Bereich „Umwelt und Klima“ tätigen Akteure haben am 9.2.2010 eine „Alliance pour l‘ environnement“ (AllEnvi) unter sich vereinbart.

 

3. Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik

3.1. Ministerien und Gremien

3.1.1. Für Bildung und Forschung zuständige Ministerien

Für die Gestaltung der Regierungspolitik in den Bereichen Hochschulwesen und Forschung ist das seit dem Jahre 2007 neben dem Erziehungsministerium selbstständige Ministerium für Hochschulen und Forschung Ministère de l'Éducation nationale, de l’Enseigement Supérieur et de la Recherche in Zusammenarbeit mit anderen Ministerien zuständig.

Die anderen Ministerien sind:

  •  le ministère de l'écologie, du développement durable et de
     l'énergie
  •  le ministère des finances et des comptes publics
  •  le ministère de l'économie, du redressement productif et du numérique
  •  le ministère de l'agriculture, de l'agroalimentaire et de la forêt
  •  le ministère de la défense
  •  le ministère de la culture et de la communication
  •  le ministère du travail, de l'emploi et du dialogue social

Diese Ministerien teilen die Aufgabe der Gestaltung von Forschung und Bildung, die "Mission interministerielle recherche et éducation supérieure", MIRES, wozu das Minstèr de l'éducation nationale, de l'enseignement supérieur et de la recherche die  Federführung hat. Es ist seine Sache, den Großteil der vom Parlament bereitgestellten Mittel gemäß den Forschungsschwerpunkten den Forschungseinrichtungen zuzuweisen, was zunehmend im Rahmen von vierjährigen Ziel- oder Mittelvereinbarungen (contrats quadriennaux) zwischen dem Ministerium und den Verantwortlichen dieser Einrichtungen geschieht. Dabei gibt das Parlament bei seiner Abstimmung lediglich den Rahmen für die Programme vor  -  das Ministerium kann innerhalb der Programme noch anschließend Mittel abweichend vom Haushaltsentwurf  auf einzelne Aktionen verteilen. Diese breite Zuständigkeit ermöglicht es dem MESR, auch auf Haushalts- und Finanzebene die Verantwortung für die staatliche Forschungspolitik zu übernehmen und die Forschungspolitik gegenüber Universitäten, Forschungseinrichtungen und in der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zu bestimmen und durchzusetzen.

Im April 2014 wurde Benoit Hamon zum Minister für Bildung, Hochschulen und Forschung ernannt.

3.1.2. Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungspolitik

Unter den Bezeichnungen "Conseil", "Comité" und "Commission" bestehen zzt. folgende Gremien mit primär beratendem Charakter im Verantwortungsbereich des Forschungsministeriums

Ministère de l'Enseignement Supérieur et de la Recherche  

CONSEILS 

  • Haut Conseil de la Science et de la Technologie (HCST)
  • Conseil Supérieur de la Recherche et de la Technologie (CSRT)

LES COMITÉS 

  • Comité consultatif des ressources biologiques (CRB) 
  • Comité consultatif sur le traitement de l'information en matière de recherche dans le domaine de la santé (CCTIR) 
  • Comité de concertation pour les données en sciences humaines et sociales  
  • Comité de coordination des sciences du vivant (CCSV) 
  • Comité de coordination des sciences de la planète et de l'environnement (CCSPE)
  • Ministère de la recherche: Rapport intermédiaire du Comité de coordination des sciences et technologies de l'information et de la Communication 
  • Comité de coordination des sciences et technologies de l'information et de la communication (CCSTIC) 

LES COMMISSIONS 

  • Commission de génie génétique.  Das Ministerium für Hochschulwesen und Forschung hat durch Verlautbarung vom 24.7.2007 (s.u.) zusammenfassend das Mandat der Kommission dargestellt und die Namensliste ihrer 19 Mitglieder bekanntgegeben. 

Das Verhältnis des funktionell beim Premierminister angesiedelten HCST zum CSRT (angesiedelt beim Forschungsminister) ist wie folgt zu charakterisieren: Der HCST hat die Funktion, prospektive Empfehlungen auszusprechen; hierauf ist auch seine sehr hochrangige Besetzung und seine begrenzte Mitgliederzahl zugeschnitten.

Demgegenüber hat der seit 1982 bestehende CSRT eine Beratungsfunktion zu eher punktuellen Themen, die sich aus aktuellen Fragestellungen der Forschungs- und Technologiepolitik ergeben. Der CSRT wird von seinem Generalsekretär als ein "lieu de rencontre et débat" der Akteure der Forschung und Technologie (40 Mitglieder, davon 20 aus dem akademischen Bereich) an der Schnittstelle von Wissenschaft / Forschung und Technologie bezeichnet. 

Ministère de l'Éducation Nationale

Organismes rattachés et indépendants (Bildungsministerium):

  • Haut conseil de l'éducation
  • Conseil supérieur de l’ éducation  
  • Délégation aux usages de l'internet
  • Médiateur de l'éducation nationale
  • Observatoire national de la sécurité dans les établissements scolaires et d'enseignement supérieur
  • Observatoire national de la lecture
  • Comité national de l'évaluation
  • Haut fonctionnaire de défense
  • Contrôle financier
  • Conseil national de l'enseignement supérieur et de la recherche (C.N.E.S.E.R.)
  • Mission scientifique, technique et pédagogique 
  • Conseil national de la vie lycéenne

Hier ist mit Verabschiedung des in Diskussion befindlichen Gesetzes zu Bildung und Forschung mit zwei größeren Veränderungen zu rechnen:

Beim Premierminister wird ein „Conseil Stratégique de la recherche“ (Strategischer Forschungsrat) eingerichtet werden, der den Haut conseil de la science et de la technologie ablöst sowie den conseil supérieur de la recherche et de la technologie. Ihm obliegt es, die wissenschaftlichen und strategischen Prioritäten zu Forschung und Innovation vorzuschlagen, die in der Agenda „France Europe 2020“ der Regierung zur Entscheidung vorgelegt werden wird. 

Weiter wird ein „Comité de pilotage interministériel“, (interministerieller Lenkungsausschuss) unter der Leitung des Abteilungsleiters Forschung und Innovation etabliert, der die Akteure der akademischen und industriellen Forschung sowie Parlamentarier (Office parlementaire d'évaluation des choix scientifiques et techniques - OPECST), vereinen wird. Ihm obliegt es, die strategische Forschungsagenda unter der Schirmherrschaft Strategischen Forschungsrates zu entwerfen und umzusetzen.

3.2. Politische Zielsetzungen

3.2.1. Überblick

Die übergeordneten Zielsetzungen der französischen Regierung orientieren sich im Grundsatz an denen der Europäischen Union (Lissabon-Prozess):

  • Schaffung des Europäischen Forschungsraumes
  • Konvergenz bei den thematischen Prioritäten
  • Erhöhung der Forschungsaufwendungen auf 3% des BSP (ursprünglich bis 2012)
  • Schaffung eines Europäischen Hochschulraums (Bologna Prozess) und Situationsbericht 

Das Ministerium für Hochschulen und Forschung hat zuletzt im Mai 2013 unter dem Titel "L’état de l'Enseignement supérieur et de la Recherche en France" zum sechsten Mal eine flächendeckende Beschreibung der französischen Hochschul- und Forschungslandschaft herausgegeben und ins Netz gestellt. 

Diese Gesamtdarstellung ist in 45 "indicateurs" gegliedert. Sie besteht aus zwei Teilen: "Enseignement supérieur" mit  25 Indikatoren und "Recherche" mit 20 Indikatoren. Diese sind mit zahlreichen graphischen Darstellungen unterlegt. In der 112 Seiten umfassenden Darstellung steht die Präsentation von Zahlenmaterial gegenüber inhaltsbezogener Sachstandsbeschreibung und Problemaufbereitung im Vordergrund.

Das französische Erziehungsministerium hat seinerseits im November 2011 zum 21.  Mal einen 78 Seiten umfassenden Jahresbericht „Etat de l’ École“ ins Netz gestellt. Die Darstellung ist in „30 indicateurs sur le système éducatif  françaisgegliedert. 

Beide Berichte stellen noch die politische Ausrichtung dieser Politikfelder der Regierung unter dem damaligen Präsidenten Sarkozy und seinem Premierminister Fillon dar.  Inzwischen wird für das Schulsystem eine neue Struktur für das Schulsystem  in Konzertation mit Leherern und Eltern entwickelt. Hierzu hat Minister Peillon im Oktober 2012 den Bericht "rapport de la concertation sur la refondation de l’École de la République" vorgelegt, der gegenwärtig erörtert wird; er mündet im Laufe des Sommers 2013 in ein neues Gesetz über das Schulwesens

Für den Bereich Hochschulwesen und Forschung gelten weiterhin die Pläne für die Verselbständigung der Universitäten, sowie - im Bereich Forschung - die Stratégie nationale de la recherche et de l'innovation, für die umfangreiche Mittel im Rahmen der "Investissements pour l'avenir" festgelegt wurden.

Das Innovationsverhalten des französischen Forschungs- und Entwicklungssystems soll aufgrund der Regierungsentscheidung vom 6.11.2012  im Rahmen des "Paktes für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung" in den kommenden Jahren entscheidend verbessert werden.  Zu Förderung des Innovationsverhaltens wurde beschlossen:

  • Den Technologietransfer von öffentlich geförderten Forschungseinrichtungen zur Industrie zu verbessern
  • Neue Finanzierungsinstrumente für alle Phasen des Innovationsprozesses bis hin zur Prototyperstellung und Markteinführung zur Verfügung zu stellen
  • Die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur (Netze mit hohen Übertragungsraten, cloud computing etc.) auszubauen
  • Die Ausbildung zum Umgang mit diesen Technologien, mittels hierfür geförderten Lehrgängen („France Universités Numériques“) zu intensivieren
  • Bei den „Pôles de Compétitivité“ auf eine Differenzierung nach internationaler Ausstrahlung beziehungsweise regionaler Entwicklung hinzuwirken und sie in Hinblick auf ihre konkreten Ergebnisse zu evaluieren.

3.2.2. Bildungspolitische Ziele

Anlässlich der offiziellen Vorstellung des Berichtes „Lasst uns die Schulen grundlegend umgestalten“ hat Präsident Hollande am 9. Oktober 2012 in der Sorbonne die großen Linien seiner Erziehungspolitik vorgestellt, die zu einem Rahmengesetz für das Schulwesen führen sollen. In Zeiten wirtschaftlicher Stagnation und hoher Jugendarbeitslosigkeit soll alles versucht werden, mehr Schülern einen schulischen Erfolg zu ermöglichen, ihre Integration in die Gesellschaft zu sichern und sie auf ihre Berufe gut vorzubereiten. Ein leistungsfähiges Schulsystem wird als Voraussetzung gesehen, der Globalisierung zu begegnen und die Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs zu sichern.

Die wichtigsten Punkte des aktuellen Plans sind:

  1. Kindergarten und Grundschule: Die Einschulung der unter Dreijährigen soll ab Sommer 2013 in Gebieten mit Schwierigkeiten wieder eingeführt werden. Die Unterrichtung wird auf erstes Lernen und insbesondere die mündliche Sprache konzentriert werden. Das Ziel ist, gegen das Schulversagen der Kinder aus weniger begünstigten Familien zu kämpfen. In der Grundschule soll vor allem das Prinzip „mehr Lehrer als Klassen“ hingewirkt werden, um das gemeinschaftliche Lernen in Gruppen zu erleichtern.
  2. Schulrhythmen: Die Schule soll wieder an viereinhalb Tagen stattfinden, statt bislang nur vier.
  3. Sekundarschule: In dieser entscheidenden Etappe akzentuieren sich oft Unterschiede, treten Misserfolge ein, werden Ungleichheiten offenkundig, die auch noch durch die Infragestellung des Schulbesuchs erschwert werden. In dieser Phase soll der gemeinsame Sockel des Wissens gesichert werden.
  4. Oberschule: Hier werden die Anstrengungen auf das „lycée professionnel“ (Berufsschule) konzentriert, bei der die Komplementarität von Lehre und Schule begünstigt wird.
  5. Kampf dem Abbrechen von Schulbesuchen: Da 140.000 Jugendliche jedes Jahr die Schule verlassen, soll in den Schulen mit hoher Abbrecherquote ein Referent eingesetzt werden, der gefährdete Schüler bei deren Reintegration unterstützt.
  6. Lehrer: jedes Jahr sollen 10.000 neue Stellen geschaffen werden Bereits von Januar 2013 an sollen 6.000 Stellen „zukünftige Lehrer“ besetzt werden; Mit ihnen sollen die Eingangsverhältnisse von Studenten verbessert werden, die den Beruf des Lehrers ergreifen wollen.
  7. Berufsberatung: Ein wichtiges Ziel der Präsidentschaft ist eine völlige Überarbeitung der Berufsberatung. Die regionalen öffentlichen Berufsberatungsstellen werden beauftragt, die bestehen Möglichkeiten zu koordinieren und echte Alternativen anzubieten.
  8. Schule und neue Technologien: Die neuen Technologien sollen als „Hebel für Veränderung, für Öffnung“ eingesetzt werden.
  9. Ethik-Unterricht soll eingeführt werden, um die Werte der französischen Nation fest zu verankern.

3.2.3. Forschungspolitische Ziele

Die hochschul- und forschungspolitischen Ziele derMission interministérielle recherche et enseignement supérieur" (MIRES) werden jährlich in dem als informatorische Aufzeichnung für die Mitglieder der Nationalversammlung und des Senats konzipiertenRapport sur les politiques de recherche et de formations supérieures" (Jaune budgetaire MIRES) in allgemeiner Form  dargestellt. 
Gleichzeitig werden Indikatoren für ihre Erfolgskontrolle ("indicateurs de performance") festgelegt.
Ziele und Erfolgsindikatoren bilden den Inhalt des als formelle Entscheidungsgrundlage (vergleichbar dem deutschen "Einzelplan" des BMBF) für die Verabschiedung des "Loi de finances" dienenden, sehr viel umfangreicheren und detaillierteren "Bleu budgetaire MIRES 2013.

Beide Dokumente wurden in wenigen Monaten nach der Präsidentschaftswahl 2012 verfasst und ihre Inhalte werden im Lichte der Neuausrichtung der Bildungs- und Forschungspolitik gegenwärtig überarbeitet. Die französische Ministerin für Bildung und Forschung, Geneviève Fioraso, hat am 21. Mai  2013 im traditionsreichen Institut de France die zentralen Inhalte einer neuen Strategie „France Europe 2020“ vorgetragen, die Frankreich zu mehr Wettbewerbsfähigkeit führen soll. Zum ersten Mal wird diese Strategie für die Bereiche Bildung und Forschung gemeinsam angelegt, und zum ersten Mal wird sie gesetzlich verankert.

Das Gesetz hat zwei Ziele:

  • Das Qualifikationsniveau der Jugend anzuheben sowie deren Berufsorientierung und Beschäftigungsaufnahme zu unterstützen, um zu einer Hochschulabschlussquote von 50% für jede Genration zu kommen; seit Jahren habe sie kaum 40% erreicht.
  • Der Forschung in Frankreich zu einem neuen Ehrgeiz zu verhelfen, um sich den großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen. Zunächst sei die unabdingbare  Stetigkeit der Grundlagenforschung  zu bewahren, aber vor allem sei die technologische Forschung und der Technologietransfer zu fördern, Frankreichs gegenwärtige Schwachpunkte im Verhältnis zu vergleichbaren Ländern.

Der französischen Forschung soll mit dieser Neuausrichtung in die Lage versetzt werden, besser den großen wissenschaftlichen, technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen dieser Jahrzehnte zu begegnen und zwar in Kohärenz mit der europäischen Dynamik, die ihren Anschub durch das Programm „Horizont 2020“ erhalte. Die großen Herausforderungen, welche die französischen Forscher  aktiv werden müssten, sind:   die Gesundheit, die Ernährungssicherheit, der maßvolle Umgang mit Ressourcen, der Kampf gegen die Klimaveränderung, die Energiewende, die Mobilität und nachhaltige Stadtsysteme, die Entwicklung des E-Business und die Weltraumtechnologien und darüber hinaus die Reindustrialisierung Frankreichs Gebiete.

Über diese großen Herausforderungen hinaus soll die Grundlagenforschung als Schlüssel zu Frankreichs Zukunft erhalten bleiben,

Die Ministerin hat noch keine detaillierten Strategieinhalte präsentiert, vielmehr den Weg aufgezeigt, diese zu erarbeiten: Die Ziele und Wege dorthin sollen kollektiv erarbeitet werden, wozu die neu errichteten thematischen Allianzen die Hauptlast tragen werden. Zur Quervernetzung wird dem Centre de la Recherche Scientifique (CNRS) eine transversale Rolle übertragen. Über die strategischen Ziele hinaus sollen Schlüsseltechnologien (genannt werden Nanoelektronik, Nanomaterialien, Mikro- und Nanofluidik, Software, Robotik, Biotechnologien und imbedded systems) stärker gefördert werden. Auch neue Strukturelement wie Carnot-Institute oder die regionalen Technologieplattformen des CEA  sollen Stärkung erfahren. Und damit aus diesen Forschungsanstrengungen marktfähige und arbeitsplatzschaffende Innovationen werden, soll die eingeschlagene Anstrengung zur Beschleunigung des Technologietransfers weiterverfolgt werden.

Die Strategie soll regelmäßig revidiert werden, wozu beim Premierminister ein Strategierat eingerichtet wird, der den gegenwärtigen Hohen Rat für Wissenschaft und Technologie ablöst. Dieser wird auch darauf achten, dass die angestrebten Strukturen  ausgeprägte gebietsspezifische Komponenten haben werden, in denen auch die regional etablierten  Hochschulen ihren Platz haben werden.

Die Aufgaben der ANR werden neu ausgerichtet und die Kohärenz ihrer Programmierung mit der Strategie „France Europe 2020“ sowie dem neuen Rahmenprogramm „Horizont 2020“ angestrebt. 

3.3. Initiativen und Programme

3.3.1. Überblick

Ziel der französischen Bildungs- und Forschungspolitik ist es, Frankreich einen Platz unter den führenden Nationen in Forschung und Entwicklung zu sichern und weiter auszubauen. Gleichzeitig möchte Frankreich mit seiner Politik einen wichtigen Beitrag zum Aufbau des Europäischen Bildungs- und Forschungsraumes leisten.

In 2012 hat die französische Regierung mit den  Assises de l’enseignement supérieur et de la recherche“ diesbezügliche Fachkreise intensiv mit der Weiterentwicklung  des französischen Bildungs- und Forschungswesens befasst. Der im Dezember Premierminister Ayrault übergebene Abschlussbericht zu den assises enthielt Empfehlungen zu einem besseren Erfolg der Studenten, ehrgeizigere Pläne für Frankreichs Forschung, Vorschläge zur Neudefinition der gebietsspezifischen und nationalen Organisation von Bildung und Forschung sowie zu einer Intensivierung des Technologietransfers.

Diese Empfehlungen wurden in einen Gesetzesentwurf  aufgenommen, der gegenwärtig die Assemblée Nationale und den Senat beschäftigt. Das Gesetz hat zwei Ziele:

  • Das Qualifikationsniveau der Jugend anzuheben sowie deren Berufsorientierung und Beschäftigungsaufnahme zu unterstützen, um zu einer Hochschulabschlussquote von 50% für jede Generation zu kommen; seit Jahren habe sie kaum 40% erreicht.

  • Der Forschung in Frankreich zu einem neuen Ehrgeiz zu verhelfen, um sich den großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen. Zunächst sei die unabdingbare Stetigkeit der Grundlagenforschung zu bewahren, aber vor allem sei die technologische Forschung und der Technologietransfer zu fördern, Frankreichs gegenwärtige Schwachpunkte im Verhältnis zu vergleichbaren Ländern.

Im Vorgriff auf die Verabschiedung des Gesetzes hat die französische Regierung den Entwurf einer „Agenda France Europe 2020“ veröffentlicht, welche den Weg zur Erreichung der vorgenannten Ziele präzisiert. Die französische Forschung soll in die Lage versetzt werden, besser den großen wissenschaftlichen, technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen dieser Jahrzehnte zu begegnen und zwar in Kohärenz mit der europäischen Dynamik, die ihren Anschub durch das Programm „Horizont 2020“ erhält. Die großen Herausforderungen, welche die französischen Forscher aktiv angehen sollen, sind: 

  • Ressourcenmanagement und Anpassung an den Klimawandel
  • Energie: saubere, sichere und effiziente Energie
  • Wiedererstarken der Industrie
  • Gesundheit und Wohlbefinden
  • Ernährungssicherung und demografische Herausforderung
  • Mobilität und nachhaltige Stadtsysteme
  • Informationsgesellschaft und Kommunikation
  • Innovative und integrative Gesellschaften
  • Raumfahrtehrgeiz für Europa

Über die Anstrengungen zur Begegnung dieser  großen Herausforderungen hinaus werden acht weitere Ziele festgeschrieben:

  • Neugestaltung der Koordination der Forschung in Frankreich
  • Förderung der technologischen Forschung (genannt werden Nanoelektronik, Nanomaterialien, Mikro- und Nanofluidik, Software, Robotik, Biotechnologien und embedded systems)
  • Förderung der Ausbildung und der digitalen Infrastruktur
  • Förderung von Innovation und Technologietransfer
  • Entwicklung einer „Wissenschaftskultur“
  • Entwicklung eines Programmierungsprozesses der ANR der an die großen Prioritäten der Forschung und Innovation angepasst ist
  • Kohärenz der universitären Zentren
  • Erhöhen der Präsenz französischer Forschung europaweit und international

Noch sind keine detaillierten Strategieinhalte definiert. Die präziseren Ziele und Wege dorthin sollen kollektiv erarbeitet werden, wozu die neu errichteten, thematischen Allianzen die Hauptlast tragen werden. Zur Quervernetzung wird dem Centre de la Recherche Scientifique (CNRS) eine transversale Rolle übertragen. Auch neue Strukturelement wie Carnot-Institute oder die regionalen Technologieplattformen des CEA sollen Stärkung erfahren. Und damit aus diesen Forschungsanstrengungen marktfähige und arbeitsplatzschaffende Innovationen werden, soll die eingeschlagene Anstrengung zur Beschleunigung des Technologietransfers weiterverfolgt werden.

Die neue Strategie soll kein Solitär werden, sondern bereits verfolgte Strategien mit engerer Zielrichtung stärken, als da sind:

  • Die nationale Energieforschungsstrategie für eine Energiewende,
  • die Nationale Gesundheitsstrategie,
  • die nationale Strategie für Nachhaltige Entwicklung,
  • die prospektiven Überlegungen der Kommission „Innovation 2030“

Einen zuverlässigen Gesamtüberblick liefern die jährlich dem Entwurf des Haushaltsgesetzes (projet de loi de finances“) beigefügten Erläuterungen „Rapport sur les politiques nationales de recherche et de formations supérieures(genannt "rapport jaune budgétaire MIRES 2013"). Sie dienen der Information des Parlamentes zu dessen Entscheidungsprozess.

3.3.2. Programme in der Bildung

Das französische Erziehungsministerium hat im Oktober 2012 die  einundzwanzigsten Fortschreibung des 76 Seiten umfassenden Jahresbericht „Etat de l’École“ ins Netz gestellt. Die Darstellung ist in „31 indicateurs sur le système éducatif français“ gegliedert. Eine kompakte Darstellung der Maßnahmen im sekundären und tertiären Bildungsbereich findet sich im ersten Teil der Broschüre "Bestandsaufnahme im Bereich Bildung und Forschung in Frankreich, Februar 2013 (L'état de l'Enseignement supérieur et de la recherche en France).

Darüber hinaus ist die Regierung unter Premierminister Ayrault im Begriff, eine grundlegende Reform (refondation) des französischen  Schulwesens herbeizuführen. Ein entsprechender Gesetzentwurf beschäftigt zurzeit beide Häuser der Legislativen.

Universitäten/ Universitätsreformen

Im Verlaufe des zweiten Halbjahres 2006 zeichnete sich für die Universitäten eine  Reformphase ab, die bis heute andauert. Sie konnte jedoch  erst nach der Wahl des Staatspräsidenten und den dieser folgenden Wahlen zur Nationalversammlung ab Juni 2007 effektiv eingeleitet werden. Das "Loi relative aux libertés et aux responsabilités des universités" wurde als einer der innenpolitischen Prioritäten vom damaligen Staatspräsident Sarkozy nach Zustimmung durch das Parlament am 10.8.2007 verkündet.
Die wesentlichen Neuerungen des Hochschulreformgesetzes waren:

  • die berufliche Orientierung der Studierenden und die Hilfestellung der Universitäten bei deren Übergang in das Berufsleben als neue Aufgabe der Universitäten
  • die Reform der Verwaltungsräte der Universitäten (Beschränkung auf 20 - 30 Mitglieder) und ihre Öffnung auf das regionale / lokale Umfeld der Universitäten und auf die Wirtschaft (mindestens ein Unternehmenschef oder leitende Persönlichkeit aus der Unternehmenswelt als Mitglied eines Verwaltungsrats)
  • die zügigeren Entscheidungsabläufe (absolute Mehrheit ausreichend) und bessere Verknüpfung der drei bestehenden gemischt zusammengesetzten universitären Beratungsgremien
  • die Wahl eines mit verstärkten Entscheidungsbefugnissen ausgestatteten Universitätspräsidenten
  • die stärkere Autonomie der Universitäten in Haushalts- und Personalfragen (u.a. Globalhaushalt) 
  • die Gewährleistung echter demokratischer Mitwirkungsmöglichkeiten der Universitätsangehörigen in den Vertretungsorganen
  • die Präzisierung der Rolle der Mehrjahresverträge zwischen Staat  und Universitäten 
  • die größere Transparenz der universitären Entscheidungsabläufe

Die Verfolgung dieser neueren Entwicklungen hat die 2012 ins Amt gekommene Regierung veranlasst, erneut eine Gesetzesänderung herbeizuführen, um weniger gelungene Reformelemente zu korrigieren. Die Stratégie nationale de recherche et d‘innovation (SNRI; Herbst 2009) enthielt noch keinen speziell den Universitäten und ihrer Reform gewidmeten Abschnitt. Sie beschränkte sich – neben den Prioritäten der künftigen Forschungs- und Innovationspolitik – auf die strukturellen Aspekte eines Système de recherche et d‘innovation performant“.  

Das „Programm Zukunftsinvestitionen“, das finanzielle Instrument zur Verfolgung dieser Strategie,  hat  jedoch Hochschulen und Forschung als Priorität No. 1 identifiziert und einen Wettbewerb „Exzellenzinitiative“ angestoßen, der zu inzwischen zu einer Reihe von ausgewählten Universitäten, Labors und Investitionen geführt hat.

3.3.3. Programme in der Forschung

Die Inlandsausgaben für Forschung und Entwicklung (DIRD= dépenses intérieur de recherche et developpement ) in 2010 betrugen 43,4 Mrd. €, ein Zuwachs in Höhe von 1,6 Mrd. € gegenüber 2009. Dabei betrug der staatliche Anteil (DIRDA=dépenses intérieur de recherche et developpement (administration)) 43% und der Unternehmensanteil (DIRDE = dépenses intérieur de recherche et developpement (entreprises)) 57%. Die Staatsausgaben in 2010, die darüber hinaus auch im Ausland getätigte Forschung und Entwicklung  finanzieren, (DNRD = dépenses nationale de recherche et developpement) betrugen 44,6 Mrd. €.

Grafische Darstellung der Inlandsausgaben für Forschung und Entwicklung

Die eingangs dargestellte Mission Interministerielle "Recherche et Enseignement Superieur" hat seit geraumer Zeit neun Programme zum Gegenstand, die jährlich - im Rahmen der Haushaltsverhandlungen mit der Legislative - neue Schwerpunkte enthalten. Sie sind im anhängenden Dokument ausführlich erläutert, hier zu nennende Schwerpunkte sind in gebotener Kürze:

Programm 142  "Landwirtschaftliche Bildung und Forschung"

Die weltweiten Herausforderungen werden in der Sicherstellung der Ernährung und Bereitstellung  von Trinkwasser, sowie der Entwicklung nachhaltigen Ladwirtschaftens gesehen, unter Berücksichtigung der Erderwärmung, sanitärer und ökologischer Radbedingungen. Die hierzu notwendigen Forschungsarbeiten werden in einem Netz von Forschunseinrichtungen durchgeführt: Institut national de la recherche agronomique (INRA), Institut national de recherche en sciences et technologies pour l’environnement et l’agriculture (IRSTEA, vormals  CEMAGREF), Institut français de recherche pour l’exploitation de la mer (IFREMER) sowie die Agence nationale de sécurité sanitaire, de l’alimentation, de l’environnement et du travail (ANSES). Für Forschungsvorhaben mit Bezug zur Dritten Welt werden die Arbeiten koordiniert mit dem  Centre de recherche agronomique pour le développement (CIRAD) et les instituts techniques.

Budget für 2013:  308,8 Mio. €, davon  36,1 Mio. € für Forschung und Entwicklung

Programm 150 "Universitäre Forschung"

Breit angelegtes Programm über alle Disziplinen für transdisziplinäre Projekte in enger Kooperation mit CNRS in sog. "unités mixtes".

Budget für 2013: 12.760.347.649 €, davon rd. 5,96 Mrd. €  für Forschung und Entwicklung

Programm 172 "Pluridisziplinäre Forschung"

Dieses Programm ist das wichtigste unter den Forschungsprogrammen, was auch seine finanzielle Ausstattung (5 Mrd. €) belegt. Hierunter werden mit CNRS, CEA, INSERM, Institute Pasteur und Curien und INED praktische alle wissenschaftlichen Disziplinen institutionell gefördert. Auch Großgeräte (très grandes infrastructures de recherche (TGIR)) in Frankreich wie im Ausland (CERN, XFEL etc.) werden aus diesem Programm gefördert. Projektförderung wird aus diesem Programm seit 2009 über die ANR gefördert.

Schließlich werden im Rahmen dieses Programmes auch die Steuermindereinnahmen verwaltet, die Wirtschaftsunternehmen zur Förderung ihrer eigenen Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten (crédit d’impôt recherch) eingeräumt werden.

Budget für 2013: 5,12 Mrd. €

Programm 186 "Kulturelle Forschung und Wissenschaftskultur"

Mit diesem Programm ist MIRES bestrebt, im Bewusstsein der Öffentlichkeit die Bedeutung von Wissenschaft und Technik zu stärken. Darüber hinaus kulturspezifische Forschung zu fördern, insbesondere Projekte, die dem Erhalt des nationalen Erbes dienen (Archäologie, Kunstgeschichte, Ethnologie…)

Budget in 2013: 118,8 Mio. €

Programm 187 "Forschung im Bereich gesundheitlicher und ernährungsspezifischer Umweltbelange und Ressourcen"

Dieses Programm  fördert institutionell  6 Einrichtungen (INRA, IRD, IRSTEA {ex-

Cemagref}, CIRAD, IFREMER und  BRGM), die Forschung und Entwicklung zur Sicherung der Ernährung, einer intakten Umwelt und Biodiversität sowie der Ressourcen zum Gegenstand haben. Diese Themen haben insbesondere durch die stratégie nationale de la recherche et de l’innovation neue Priorität.

Budget in 2013: 1,282 Mrd. €

Programm 190 "Forschung im Bereich Energie und nachhaltige Entwicklung"

Dieses Programm, das vom französischen Umweltministerium (als Mitglied der MIRES) koordiniert wird, hat den gesamten Bereich der Energieversorgung, einschließlich des Übergangs zu einem nachhaltigen Versorgungssystem  mit einem mittelfristig festgelegtem Nuklearanteil von 50% zum Gegenstand. Dabei stützt sich das Programm auf die Kompetenzen des Commissariat à l’énergie atomique et aux énergies alternatives (CEA) und des IFP Énergies nouvelles (IFPEN). Für den Bereich Transport und Bau werden die beiden Forschungsinstitutionen Institut français des sciences et technologies des transports, de l’aménagement et des réseaux (IFSTTAR) und das Centre scientifique et technique du bâtiment (CSTB) institutionell gefördert. Darüber hinaus ist die Agence de l’environnement et de la maitrise de l’énergie(ADEME) eingebunden, die drei zentrale Programme betreut:

  • Forschung und Innovation im Schiffsbau (recherche et l’innovation dans la construction navale CORICAN),
  • Forschung und Innovation beim terrestrischen Transport (programme de recherche et d’innovation dans les transports terrestres, PREDIT),
  • Forschung im Bereich der Energie bei Gebäuden ( programme de recherche sur l’énergie dans le bâtiment, PREBAT)

Budget in 2013: 1,38 Mrd. €

Programm 191 "Duale Forschung" (zivile und militärische)

Im Rahmen dieses Programmes werden Forschungsarbeiten gefördert, die sowohl militärische  als auch zivile Anwendungen finden. Hauptsächliche Leistungsträger sind CNES und CEA: bei CNES sind es

  • der zweite Satellit PLEIADES;
  • der französisch-italienische Telekommunikationssatellit ATHENA-FIDUS   für hohe Übertragungsraten;
  • der indische Satellit ALTIKA, für den CNES den Modul zur Bestimmung der Höhe der Meeresoberfläche entwickelt hat.

Bei CEA werden duale Fragestellungen im Bereich der Lebenswissenschaften erforscht.

Budget in 2013: 193 Mio. €

Programm 192 "Wirtschafts- und Industrieforschung"

Unter diesem Programm finden insbesondere die Wettbewerbszentren „pôles de compétitivité“ ihre Förderung. Darüber hinaus wird über OSEO die Gründung wissensbasierter Unternehmen gefördert.

Budget in 2013: 1.008 Mio. €

Programm 193 "Weltraumforschung"

Hierunter wird die gesamte französische Weltraumforschung - einschließlich derjenigen im Forschungszentrum CNES mit seinem Raumfahrtzentrum  in Kourou - und dem Satellitenbetreiber EUMETSAT gefördert. Ferner beinhaltet das Programm sachlich und finanziell die Beteiligung Frankreichs an der  European Space Agency ESA, dort insbesondere auch die Arbeiten am europäischen GPS-System GALILEIO.

Budget in 2013: 1,413  Mrd. €

3.3.4. Innovationsstrategien und Kooperationen in der Wirtschaft

Die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Forschung und Unternehmen zählt zu den Prioritäten der französischen Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik. Weiterhin fördern anwendungsorientierte Forschungsnetze "Réseaux de recherche et d'innovation technologique" (RRIT) die Zusammenarbeit zwischen privaten und staatlichen Forschungslabors mit jeweils  einem thematischen Schwerpunkt. Zusätzlich wurden seit dem Frühjahr 2005 71 "pôles de compétitivité" als neue Strukturen der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft eingerichtet. Sie arbeiten nach dem Prinzip der Cluster, in denen Experten der Wissenschaft und der Wirtschaft ihre jeweilige Erfahrung konzertiert einbringen, um Erkenntnisse aus der Front der Wissenschaft rascher der wirtschaftlichen Verwertung zuzuführen. Der Auf- und Ausbau der Instituts Carnot begünstigt dort die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Unternehmen, wo noch eine Phase der Auftragsforschung und -entwicklung vorgeschaltet werden muss, bevor an die  Markteinführung einer Technologie gedacht werden kann. Ein weiterer, intensiv geförderter Weg der Überleitung wissenschaftlicher Ergebnisse in die Wirtschaft besteht in der Unterstützung von Neugründungen  mit Hilfe von Inkubatoren: “Incubateurs d’entreprises innovantes“ sowie durch Bereitstellung von Risikokapital und Steuererleichterungen (CIR, vgl. S. 28).

Frankreich sucht auch im internationalen Bereich Partner  der Zusammenarbeit: in 2011 war Frankreich als Ehrengast auf der Hannover Messe und hat in insgesamt sieben Hallen beeindruckend den Stand seiner Technologien präsentiert. 

Premierminister Jean-Marc Ayrault hat diese Anstrengungen jüngst mit einem „Pakt für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung“  noch verstärkt:  Zu Förderung des Innovationsverhaltens wurde beschlossen:

  • Den Technologietransfer von öffentlich geförderten Forschungseinrichtungen zur Industrie zu verbessern
  • Neue Finanzierungsinstrumente für alle Phasen des Innovationsprozesses bis hin zur Prototyperstellung und Markteinführung zur Verfügung zu stellen
  • Die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur (Netze mit hohen Übertragungsraten, cloud computing etc.) auszubauen
  • Die Ausbildung zum Umgang mit diesen Technologien, mittels hierfür geförderten Lehrgängen („France Universités Numériques“) zu intensivieren
  • Bei den „Pôles de Compétitivité“ auf eine Differenzierung nach internationaler Ausstrahlung beziehungsweise regionaler Entwicklung hinzuwirken und sie in Hinblick auf ihre konkreten Ergebnisse zu evaluieren.

Förderung der Technologieentwicklung im privaten Sektor

Die Förderung von Forschung, Technologie und Innovation im privaten Sektor basiert insbesondere auf:

  • Steuererleichterungen (Crédit d'impôt recherche / CIR) sowie 
  • Zuwendungen für die Durchführung von  Forschungsprojekten aus Mitteln des Staatshaushalts.

Der "crédit d’impôt recherche" wurde durch das "loi de finances 2008 (Artikel 69 - 70) entscheidend verbessert. Die Unternehmen können 30 % ihrer  FuE- Investitionen bis zu einem Volumen von 100 Mio. €  von ihrer Steuerschuld absetzen, 5 % soweit diese 100 Mio. € übersteigen. Der CIR ist dadurch auch für Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU / PME) attraktiv geworden. Der Satz wird auf 60 % erhöht, wenn von einem Unternehmen einer staatlichen Forschungseinrichtung die Durchführung eines Forschungsprojekts übertragen wird. Nehmen sie diese Möglichkeit zum ersten Mal in Anspruch, betragen diese Prozentsätze im ersten Jahr 50% und im zweiten Jahr 40%, im dritten Jahr werden einschlägige Personalkosten und Sachinvestitionen berücksichtigt, aber auch Kosten infolge der Erteilung von FuE-Unteraufträgen, die Beobachtung technologischer Entwicklungen („veille technologique“) und Aufwendungen für die Beantragung, Pflege und die rechtliche Durchsetzung von Patenten. 

Das MESR hat im Jahre 2010 eine Erhebung über die Auswirkungen des CIR durchgeführt. Die Erhebung bestätigte die positiven Auswirkungen der eingeführten Neuerungen auf die Bereitschaft der Unternehmen, FuE–Aktivitäten durchzuführen bzw. überhaupt erst aufzunehmen. Die Steuerausfälle infolge des "crédit d’impôt recherche" betrugen im Jahre 2009 4,7 Mrd. €.
    
Zuwendungen für die Durchführung von  Forschungsprojekten werden von OSEO und ANR gewährt:

  • auf dem Wege der gezielten Förderung von KMU / PME  mittels Beratungs- und Vermittlungsstellen. Hierfür wurden in den Jahren 1999 – 2002 die Grundlagen geschaffen (u.a. Loi sur l’innovation et la recherche vom 12.7.1999;  Plan innovation / Dezember 2002);
  • auf dem Wege der  Förderung von jungen Unternehmen, deren Unternehmenszweck die gezielte Vermarktung einer Innovation ist („entreprises innovantes“); hierfür  wurde durch das die Loi sur l’innovation et la recherche vom 12.7. 1999 geschaffen. Die darin vorgesehenen Maßnahmen sind auf die verschiedenen Stadien der Entstehung von innovativen Unternehmen abgestellt: 
  1. junge Menschen für das Unternehmertum sensibilisieren und ihnen die Lust etwas zu unternehmen zu vermitteln, 
  2. für die wirtschaftliche Verwertung der Forschungsergebnisse staatlicher Forschung durch Unternehmensgründungen die rechtlichen Voraussetzungen schaffen  
  3. Projekte für Unternehmensgründungen anregen, ermutigen  und begleiten
  4. ihnen beim Start und in der ersten Entwicklungsphase Hilfestellung leisten.

Seinerzeit wurde durch Ergänzung des Code de la recherche (Artikel 413-1, 413-8 und 413-12) die Möglichkeit dafür geschaffen, dass Mitarbeiter von staatlichen Hochschuleinrichtungen und staatlichen Forschungseinrichtungen, sich unter verschiedenen Formen in innovative Unternehmensgründungen persönlich einbringen können. Seit dem Jahre 1999 wird jährlich ein „Concours national d’aide à la création d’entreprises de technologies innovantes“ durch das französische Forschungsministerium durchgeführt. Am 1. Dezember 2010 wurde zum 13. Concours national aufgerufen.

  • auf dem Wege der Förderung von FuE- Projekten eines Unternehmens innerhalb von Netzwerken (seit 2005 ganz überwiegend  in Form von "pôles de compétitivité", zzt. 71). Während die Gesamtverantwortung für die Förderung der „pôles de competitivité“ bei OSÉO liegt, fördert die Agence nationale de la Recherche ergänzend durch Projektausschreibungen gezielt FuE-Projekte der Gemeinschaftsforschung, die über einen fachlich einschlägigen „pôle de compétitivité“ eingereicht werden. ANR hat im Jahre 2010 2006,5 Mio. € für 313 FuE-Projekte aus „pôles de compétitivité“ bewilligt
  • auf dem Wege der verstärkten Rolle, die OSÉO im Verlaufe der letzten Jahre insbesondere zur Innovationsförderung  durch Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU / PME) zugewiesen wurde.

Der OSÉO-Geschäftsbereich OSÉO- Innovation, in dem die Ex-ANVAR und die bis zum 1.1.2008 bestehende Agence de l’innovation industrielle (AII) aufgegangen sind, hat die Aufgabe, „die industrielle Entwicklung und das Wachstum durch technologische Innovation“ insbesondere kleiner und mittlerer Unternehmen zu fördern und zu unterstützen sowie zum Technologietransfer beizutragen. Sie wird zu diesem Zweck auf lokaler, nationaler, der EU-Ebene und darüber hinaus ganz allgemein international tätig. 

OSÉO-Innovation hat im Juni 2011 seinen Jahresbericht 2010 vorgelegt. In allen Geschäftsbereich zusammengenommen hat OSÉO im Jahre 2008 80.000 Unternehmen unterstützt. Zur Innovationsförderung  hat OSÉO 2010 650 Millionen Euro zur Verfügung gestellt; Projekte der Gemeinschaftsforschung spielen darin eine bedeutende Rolle.  

Durch den Plan zur Wiederbelebung der französischen Wirtschaft („Plan de relance“) wurden OSÉO zusätzliche Aufgaben zugewiesen. 

Der OSÉO- Jahresbericht 2010 weist u.a. die Unternehmen, die eine Unterstützung von OSÉO- Innovation erhalten haben, nach deren Größe und nach großen Förderbereichen (Gesundheit; Nachhaltige Entwicklung; Informations- und Kommunikationstechnologien) aus.

Netzwerkprogramme

Die zwischen den Bundesressorts und der französischen Regierung abgestimmte Sachstandsaufzeichnung "Forum zur Finanzierung von Innovation und Wettbewerbsfähigkeit am 14.12.2006 in Straßburg", die der Vorbereitung des 7. Deutsch-Französischen Ministerrates (Paris, 12.10.2006) diente, vermittelt einen sehr guten Überblick über die unverändert entwicklungsfähige Rolle von Netzwerken / Kompetenznetzen in der deutsch-französischen wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit. 

Die letzte zzt. verfügbare Darstellungen  "La recherche partenariale – Les partenariats avec les acteurs publics / Les pôles de compétitivités / Les partenariats universités –organismes de recherche“ " enthält das "Jaune budgetaire MIRES 2011". Am 9.11.2007 haben die VDI-Innovation +Technik GmbH und die Stiftung Sophia Antipolis eine Kooperationsvereinbarung mit dem Ziel unterzeichnet, eine engere Zusammenarbeit zwischen französischen "pôles de competitivité" und deutschen Kompetenznetzen einzuleiten. Konkrete Ergebnisse sind bisher nicht bekannt geworden. 

In diesen Zusammenhang sind als Formen der „partenariats avec les acteurs privés“ die „Institus Carnots“  ("Recherche contractuelle": Jaune budgetaire MIRES 2011) und die "Formation par la recherche en entreprise /“Conventions industrielles de formations par la recherche“  (CIFRE; / Förderung von Jungforschern )("Jaune budgetaire MIRES 2011) einzuordnen.

4. Ansprechpartner

4.1. Weitere Informationen

Nähere Informationen zur bilateralen Kooperation zwischen Deutschland und Frankreich sowie Beteiligungsmöglichkeiten an Programmen und Fördermaßnahmen erteilt im Auftrag des BMBF das Internationale Büro des BMBF.

Fachlicher Ansprechpartner für Frankreich:

Dr. Naima Barouk

Internationales Büro des BMBF beim DLR (IB)
Heinrich-Konen-Str. 1
53227 Bonn
Deutschland
Tel: +49 228 3821-1418
Fax: +49 228 3821-1444
E-Mail: Naima.Barouk(at)dlr.de

www.internationales-buero.de

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Redaktion: 09.07.13, von: Dr. Naima Barouk und Lydia Schmidt
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