BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
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FlaggeLänderbericht: Frankreich

1. Allgemeine Landesinformationen

1.1. Bevölkerung/Geografie

Ländername République Française
Französische Republik
Hauptstadt Paris
Fläche 543.965 km²
(ohne Übersee-Departements)
Bevölkerungszahl 66.259.012
(Schätzung Juli 2014)
Lebenserwartung Frauen: 84,91 Jahre
Männer: 78,55 Jahre
(Schätzung 2014)
Altersstruktur 0-14 Jahre: 18,7%
15-64 Jahre: 63%
65 Jahre und älter: 18,3%
(Schätzung 2014)
Bevölkerungswachstum 0,45%
(Schätzung 2014)
Bevölkerungsgruppen 89,6% Franzosen (per Geburtsrecht): überwiegend mit keltischen/germanischen/lateinischen Wurzeln oder aus ehemaligen Kolonien: Nord-Afrikaner, Afrikaner, Indochinesen, Karibik-Völker
Baskische Minderheit
4,5% Franzosen (per erworbene Staatsbügerschaft)

(8,7% Immigranten
6% Ausländer (INSEE Definitionen))

(Stand 2011)
Sprachen Französisch (Amtssprache)
Regionale Dialekte/Sprachen: Elsässisch, Baskisch, Provenzalisch, Okzitanisch, Katalanisch
Religionen 83-88% römisch-katholisch
5-10% Muslime
2% Protestanten
1% Juden
Nationaltag 14. Juli ("Fête nationale")
Jahrestag des Sturms auf die Bastille 1789
Zeitzone MEZ (UTC + 1);
März bis Oktober: MEZ + 1 (UTC +2)
Währung 1 Euro EUR / 100 Cent

Wechselkurse zu anderen Währungen unter OANDA.com - Währungskonverter (siehe u.a. Links)
Vorwahl +33

Quelle: Auswärtiges Amt, INSEE, CIA World Factbook

Politische Karte Frankreichs (bitte anklicken für eine vergrößerte Version)
Politische Karte Frankreichs (bitte anklicken für eine vergrößerte Version)

1.2. Politik/Administration

Ländername République Française
Französische Republik
Hauptstadt Paris
Staatsform / Regierungsform Republik / Parlamentarische Präsidialdemokratie
Staatsoberhaupt Präsident François Hollande
seit 15. Mai 2012
Regierungschef/in Manuel Valls
Premierminister
seit 31. März 2014
Außenminister/in Laurent Fabius
(Minister für äußere und europäische Angelegenheiten)
seit 16. Mai 2012
Bildungs- und Forschungsminister/in Najat Vallaud-Belkacem
(Ministerin für nationale Bildung, Hochschulen und Foschung)
seit 26. August 2014
Parlament Zwei-Kammer-Parlament

Assemblée Nationale / Nationalversammlung (577 Abgeordnete, für 5 Jahre gewählt)

Sénat / Senat (331 Senatoren, für 6 Jahre gewählt)
Regierungsparteien Socialiste, républicain et citoyen (SRC) / Sozialistisch, Republikanissch und Bürgerlich Franktion (288 Sitze in der Nationalversammlung). Bestehend aus

  • Parti socialiste (PS) / Sozialistische Partei und kleinen assoziierten Parteien
Zur Regierungsmehrheit gehört zusätzlich
  • Europe Écologie-Les Verts (EELV) / Die Grünen (17 Sitze in der Nationalversammlung)

Oppositionsparteien
  • Union pour un Mouvement Populaire (UMP) / Union für eine Volksbewegung (197 Sitze in der Nationalversammlung)
  • Radical, Républicain, Démocrate et Progressiste-Radikal (RRDP) / Republikanisch, Demokratisch und Progressiv (16 Sitze in der Nationalversammlung)
  • Gauche démocrate et républicaine (GDR) / Linke Demokraten und Republikaner (15 Sitze in der Nationalversammlung)

  • Ergebnisse der Wahlen zur Nationalversammlung vom 10./17. Juni 2012
Verwaltungsstruktur 4 Verwaltungsebenen:
1. Städte und Gemeinden (communes)
2. Départements (96 im europ. Frankreich, mit dem Präfekten an der Spitze)
3. Übersee Gebiete (territoires d`outre mer)
4. Regionen (régions)

Quelle: Auswärtiges Amt, CIA - World Factbook, Regierungsseite Frankreich (www.gouvernement.fr ), Parlamentsseite Frankreich (www.assemblee-nationale.fr)

Staatsaufbau

Der Präsident der Republik

Das politische System der Fünften Republik wird geprägt durch die zentrale Rolle des Präsidenten der Republik. Er genießt eine Sonderstellung innerhalb der Demokratien Europas.
Infolge seiner Direktwahl durch das Volk ist er in ähnlicher Weise wie die Nationalversammlung unmittelbar legitimiert. Durch eine Verfassungsänderung wurde 2002 seine Amtszeit von früher sieben auf fünf Jahre verkürzt. Sie entspricht damit der Länge des Mandats der Nationalversammlung.

Der Präsident ist Staatsoberhaupt und Hüter der Verfassung. Er ist zugleich oberster Chef der Exekutive. So führt der Präsident den Vorsitz im Ministerrat und vertritt Frankreich, unter Umständen gemeinsam mit dem Premierminister, auf internationaler Ebene (z.B. beim Europäischen Rat). Die Außen- und Sicherheitspolitik gilt traditionell vorrangig als seine Zuständigkeit ("domaine réservé"). Die herausgehobene Stellung des Präsidenten verpflichtet ihn einerseits zur Überparteilichkeit (Repräsentant aller Franzosen), zugleich ist er aber auch Repräsentant einer politischen Richtung.

Politische Parteien 

Die politischen Parteien des Landes ordnen sich traditionell dem Lager der „Linken“ oder der (bürgerlichen) „Rechten“ zu. Die aktuelle Regierungsmehrheit führt die SRB-Fraktion (Sozialistisch, Republikanisch und Bürgerlich) bestehend aus Parti Socialiste (PS), MRC und den französischen Grünen EELV, die mit 17 Abgeordneten erstmals eine eigene Fraktion in der Nationalversammlung bilden. Der PS stellt im Senat sowie in fast allen Regionen ebenfalls die Mehrheit.

Die konservative UMP verlor durch die Parlamentswahl am 17. Juni 2012 mehr als 100 Mandate und ist zur stärksten Oppositionskraft in der Nationalversammlung geworden. Bei den Kommunalwahlen im März 2014 eroberte sie die Mehrzahl der französischen Städte und Gemeinden.

Aktuelle Innenpolitische Lage

Bei den Kommunalwahlen Ende März 2014 erlitten die Sozialisten herbe Verluste und verloren zahlreiche Städte und Gemeinden an bürgerlich-konservative Kandidaten. Darüber hinaus entschieden sich 14 Städte für rechtspopulistische Bürgermeister, zumeist vom insgesamt erstarkten Front National.

Als Reaktion auf die Wahlergebnisse trat Primierminister Ayralt zurück, die Position wurde durch Manuel Valls, einem Innenminister in Kabinett Ayralt neu besetzt. 

Die höchste Priorität der neuen Regierung ist die Erschaffung neuer Arbeitsplätze. Dies soll durch Maßnahmen in einem von Hollande angekündigten "Verantwortungspakt" erreicht werden, welcher unter anderem den Abbau von bürokratischen Hürden und die Senkung von Sozialabgaben für Unternehmen vorsieht. Hollande hat ferner einen Solidaritätspakt angekündigt, welcher Maßnahmen gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit im Land enthält. 

Quelle: Auswärtiges Amt

1.3. Wirtschaftsinformationen

Logo iXPOS für Wirtschaftsinformationen

Wirtschaftsdaten zu Frankreich finden Sie in der Reihe "Wirtschaftsdaten kompakt" von Germany Trade and Invest (GTAI). Diese wird zweimal jährlich im Mai und November aktualisiert. Folgende Indikatoren sind unter anderem enthalten: Einwohner, Bevölkerungsdichte, Währung, Wechselkurs, Bruttoinlandsprodukt, BIP je Einwohner, BIP-Wachstum, Inflationsrate, Durchschnittslohn, Arbeitslosigkeit, Haushaltssaldo, Außenhandel, wichtigste Ein- und Ausfuhrgüter, wichtigste Handelspartner, ausländische Direktinvestitionen, Länderbonität, Devisenreserven, Außenhandel mit der EU und Deutschland, wichtigste deutsche Ein- und Ausfuhrgüte

2. Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft

2.1. Bildungslandschaft

2.1.1. Überblick

Frankreich verfügt über ein differenziertes Bildungssystem. Ein breites Spektrum von zentral verwalteten, öffentlichen Schulen, aber auch von Privatschulen, bietet jedem Kind ab dem dritten Lebensjahr die Möglichkeit zur vorschulischen und schulischen Ausbildung. Im Hochschulbereich gibt es einerseits Universitäten. An diesen kann sich jeder mit einer Hochschulzugangsberechtigung (Baccalauréat) gesetzlich verankert frei einschreiben. Andererseits stellen eine Vielzahl von Écoles und Grandes Écoles, spezialisierte Hochschulen, an denen eine Eignungsprüfung bestanden werden muss, den traditionell prestigeträchtigeren Teil des tertiären Bildungssystems dar. Bildung ist Hoheitsgebiet des Staates, private Angebote sind aber vorhanden. Seit einigen Jahren verfolgt Frankreich das Ziel, das Bildungsangebot an den Hochschulen kohärenter und international sichtbarer zu gestalten. Darüber hinaus sollen die Universitätsabschlüsse für den Arbeitsmarkt attraktiver werden. Studierende werden bei der Wahl ihrer Studienfächer und während des Studiums unterstützt, um sicher zu stellen, dass möglichst wenig Studienabbrüche erfolgen. 

Das Studium folgt den in Frankreich vollständig umgesetzten Bologna-Beschlüssen. Es gliedert sich in Licence (grundständiger Abschluss) / Master / Doktorat (LMD). Die Berufsausbildung spielt eine untergeordnete Rolle, wird aber politisch seit einigen Jahren gefördert. 2013 wurden 15,3 Millionen Personen (Schüler, Studierende, Auszubildende) im Bildungssystem erfasst. Knapp 1,2 Millionen Personen (Lehrer, Verwaltungs- und Technikpersonal) arbeiten im Bildungssystem.

2.1.2. Indikatoren für Bildung

Indikator Frankreich Stand OECD-Gesamt Stand
Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: primäre und sekundäre Bildung 4,1 % 2010 3,9 % 2010
Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: tertiäre Bildung 1,5 % 2010 1,6 % 2010
Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: Gesamtbildung 6,3 % 2010 6,3 % 2010
Wachstum des Bildungsanteils am BIP (Differenz i. Vgl. zum Vorjahr in Prozentpunkten) 0,0 2010 0,1 2010
Anteil öffentlicher Bildungsausgaben an den öffentlichen Gesamtausgaben 10,4 % 2010 13,0 % 2010
Pro-Kopf Ausgaben pro Student/in 15.067 USD 2010 13.528 USD 2010
Anteil tertiär Graduierter an der Gesamtbevölkerung keine Angaben 2010 50 % 2011
Schülerzahl pro Lehrer, Primarstufe 18,4 2011 15,4 2011
Schülerzahl pro Lehrer, Sekundarstufe 12,3 2011 13,6 2011
Klassengröße, Primarstufe 22,7 2011 21,2 2011
Klassengröße, Sekundarstufe 24,7 2011 23,3 2011
PISA-Ergebnisse: Lesen 22. von 65 2009 --- ---
PISA-Ergebnisse: Naturwissenschaften 27. von 65 2009 --- ---
PISA-Ergebnisse: Mathematik 22. von 65 2009 --- ---

Quellen: "OECD - Education at a Glance 2013" und "OECD PISA 2009 – Ergebnisse"
Redaktion: 09.07.13, von: Helena Lübbers und Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

2.1.3. Schulen und Hochschulen

Das französische Bildungssystem (Quelle: Repères et références statistiques sur les enseignements, la formation et la recherche (RERS 2014), S. 17.)
Das französische Bildungssystem (Quelle: Repères et références statistiques sur les enseignements, la formation et la recherche (RERS 2014), S. 17.)

Vorschule bis Gymnasium
In Frankreich besuchen praktisch alle Kinder ab dem dritten Lebensjahr die École maternelle (École préélémentaire), eine Ganztagsvorschule. Im Alter von sechs Jahren beginnt für alle Kinder eine einheitliche, neun Jahre dauernde obligatorische und ganztägige Schulausbildung. Zu Beginn steht  die Primarstufe (premier degré) in Form von fünf Jahren Grundschule (École élémentaire, häufig auch École primaire genannt), in die 2013 3,24 Millionen Schüler eingeschult waren. Dann folgt die Sekundarstufe (deuxième degré), in die 2013 inklusive der Berufsschulen (Centre de formation des apprentis, CFA) 2,14 Millionen Schüler eingeschult waren. Diese absolvieren vier Jahre lang das obligatorische Collège (vergleichbar mit der deutschen Sekundarstufe I) und dann, in etwa entsprechend der Sekundarstufe II, entweder das Gymnasium (Lycée) oder eine zweijährige Schulausbildung mit Abschluss durch das niedrigste berufsbefähigende Zertifikat (Certificat d'aptitude professionnelle, CAP, oder Brevet d'études professionnelles, BEP).

85,2 % der Schüler (791.200) haben 2014 das Collège durch die Erlangung des Diplôme national du brevet (DNB), einer Art Realschulabschluss, erfolgreich bestanden. 75 % (603.500) dieser Schüler setzen ihre Schullaufbahn daraufhin fort. 1,47 Millionen Schüler sind 2013 im drei Jahre dauernde Lycée angemeldet, um die allgemeine oder technologische Hochschulreife zu erlangen und 670.000 verfolgen das Ziel Fachabitur (Baccalauréat professionnel). Die Hochschulreife gilt aus historischen Gründen als erster Hochschulabschluss, woraus sich der freie Zugang zu den Universitäten ableitet. 2013 haben 86,9 % der Kandidaten (589.400 von 678.200) das Baccalauréat bestanden. Über die zentral organisierten Prüfungen wird landesweit berichtet und sie werden von Schülern, Eltern, Schulen aber auch der Regierung aufmerksam verfolgt. 2013 haben 9,7 % der Franzosen zwischen 18 und 24 Jahren das Bildungssystem ohne ein Diplom der Sekundärstufe oder nur mit dem DNB verlassen. Sie gelten damit als „vorzeitige Aussteiger“ (Anm.: von 2012 auf 2013 wurde die Methode umgestellt, 2012 lag die Quote noch bei 11,6 %). Das Ziel, die im Rahmen der Lissabon-Strategie vereinbarte Abbruchquote von max. 10 % zu erreichen, ist damit erfüllt. 

Derzeitige Grundlage für das französische Schulsystem ist das Rahmen- und Programmgesetz zur Neugestaltung des Schulwesens (Loi d’orientation et de programmation pour la refondation de l'école) vom 09.07.2013. Das Schulsystem wurde zuvor 1989 unter Lionel Jospin sowie 2005 unter François Fillon gesetzlich reformiert. Staatspräsident François Hollande hatte bereits während seines Wahlkampfs angekündigt, die Jugend zu einer Priorität seiner Amtszeit zu machen. Besonders die abnehmenden Mathematik- und Rechtschreibkenntnisse, Schulabbrüche, mangelnde Chancengleichheit sowie die Entwertung des Lehrerberufs wurden als problematisch identifiziert. Die aus dem Gesetz resultierenden Schwerpunkte lauten daher:

  • Priorität für die Grundschule (z.B. Förderung der Einschulung von Kindern unter drei Jahren durch neue pädagogische Maßnahmen in den Kindergärten);
  • Aus –und Fortbildung von Lehrkräften in neuen Pädagogischen Hochschulen, die an den Universitäten (Écoles supérieures du professorat et de l'éducation, ESPE) eingerichtet wurden (siehe auch „Lehrerbildung“ in diesem Kapitel);
  • Reform der Unterrichtszeit (Unterricht findet nun auch am Mittwoch statt, Hintergrund ist die Überzeugung des Bildungsministeriums, dass Kinder morgens unterrichtet werden sollten, wenn sie sich am besten konzentrieren können);
  • Eine digitale Strategie für die Schule (digitale Unterrichtsmaterialen, Einrichtung eines zentralen Dienstes für digitalen Unterricht);
  • Kampf gegen Schulabbruch;
  • Überarbeitung der Lehrprogramme;
  • Überlegungen bezüglich der Reformierung der Lehrberufe
  • Verstärkung der „éducation prioritaire“ (besondere Unterstützung für Schüler aus sozialschwachem Umfeld)
  • Verbesserung des Schulklimas (Kampf gegen schulische Gewalt) 

Weiterhin sollen bis 2017 54.000 neue Stellen für Lehrkräfte geschaffen werden, über 22.000 wurden bereits bis 2012 geschaffen.


Die französischen Hochschulen

- Gesetzliche Grundlage - 

Am 22.07.2013 wurde ein neues Gesetz für Hochschulen und Forschung verabschiedet (Loi sur l’enseignement supérieur et la recherche, Loi ESR). Eines der wichtigsten Ziele ist es, das Qualifikationsniveau der Jugend anzuheben und deren Berufsorientierung und Beschäftigungsaufnahme zu unterstützen. Damit soll eine Hochschulabschlussquote von 50 % (gegenwärtig 43 %) für jeden Jahrgang erreicht werden. Die französische Regierung bemüht sich seit 2007, die Abbrecherquote in den ersten Studiensemestern zu senken. Hierzu wurden verschiedene Maßnahmen eingeführt, unter anderem eine Website, auf der sich Abiturienten für verschiedene Studienangebote anmelden bzw. bewerben können (Admission Post-Bac) sowie zahlreiche Beratungsangebote, die die Orientierung erleichtern sollen. Zudem wird seit 2013 jährlich eine Statistik über die Erfolgsquote der Universitätsstudierenden veröffentlicht, aus der u.a. hervorgeht, dass 30 % der Studierenden nach dem 1. Jahr der Licence abbrechen. 

Darüber hinaus hat das Loi ESR den Anspruch, die Forschungseinrichtungen zu mehr Kooperationen mit Hochschulen, aber auch internationalen und privatwirtschaftlichen Partnern anzuregen und die Hochschul- und Forschungslandschaft umzugestalten. Z. B. wurde die Erstellung einer Forschungsstrategie gesetzlich verankert, die Form der Zusammenschlüsse von Hochschulen und Forschungseinrichtungen reformiert und die nationale Evaluierungsinstanz ersetzt (siehe Kapitel „Forschungslandschaft“).

- Struktur und Studierendenzahlen - 

Das französische Hochschulsystem unterscheidet zwischen den Universités, den Écoles (Ingenieur- und Wirtschaftshochschulen) und den Grandes Écoles. Da sich die Hochschullandschaft seit 2013 im Umbruch befindet (Fusionen, Änderungen der Rechtsform), kann die Anzahl der Einrichtungen nicht definitiv angegeben werden. Insgesamt gibt es knapp 200 Hochschulen unterschiedlichen Statuts (Universitäten, Grands établissements, Écoles normales supérieures, Ingenieurhochschulen …), darunter 73 Universitäten (August 2014). Seit der Hochschulreform 1968 gab es in französischen Städten häufig mehrere Universitäten; eine Trennung, die seit 2006 aus politischen Gründen rückgängig gemacht wird. Als erster Standort einigten sich 2009 die drei Strasbourger Universitäten auf eine Fusion. Es folgten Aix-Marseille (Université de Provence, de la Méditerranée, Paul-Cézanne, 2011), Université de Lorraine (Nancy und Metz, 2012) und die Université de Bordeaux (Bordeaux I, Victor Segalen Bordeaux II und IV, 2014). Eine regelmäßig aktualisierte Übersicht des Ministeriums findet sich hier.

Durchschnittlich 80% der Abiturienten schreiben sich an einer Hochschule ein. Die Zahl der Studierenden zum Wintersemester 2013 belief sich in Frankreich auf 2.429.900, wobei die Einschreibungen seit 2008 kontinuierlich ansteigen. Davon entfallen 1.355.900 auf die Universitäten, 93.500 auf die Vorbereitungskurse für die Grandes Écoles (CPGE), 255.000 auf zweijährige berufsorientierte Studien (Brevet de technicien supérieur, BTS), 134.200 auf die Handelshochschulen (Écoles de commerce, gestion, comptabilité et vente), 137.300 auf die Hochschulen im Ingenieurwesen und 454.000 auf andere Studiengänge. 43 % eines Geburtsjahrgangs erreichen einen Hochschulabschluss (Stand 2013); als politisches Ziel für Frankreich sollen 50 % erreicht werden.
Der Zugang zu den Universitäten ist grundsätzlich nicht beschränkt. Jeder Bachelier kann sich an einer Universität in dem Studienfach seiner Wahl einschreiben. Die Aufnahme in eine École / Grande École ist hingegen nur über besondere Vorbereitungsklassen (CPGE) bzw. Prüfungen (concours) möglich. Eine Selektion findet auch vor der Aufnahme in einen zweijährigen Kurzstudiengang (filières courtes, IUT, BTS, Écoles paramédicales) statt.

Zum Wintersemester 2013/2014 waren 20.546 Professoren und 37.247 unbefristete Hochschuldozenten (Maîtres de conférence, der französische Mittelbau) an französischen Hochschulen beschäftigt. Sie bilden die Gruppe der „lehrenden Forscher“ (enseigants-chercheurs), die Frankreich arbeitsrechtlich wie gesellschaftlich von den ausschließlich Forschenden (chercheurs) unterschieden wird. Dazu kommen eine Reihe von befristeten Hilfskräften, die z.B. für die Lehre eingestellt werden (Attaché temporaire d'enseignement et de recherche, ATER).

Frankreich gab 2013 25 Milliarden Euro, d.h. 1,5 % seines BIP für seine Hochschulen aus; dieser Prozentsatz liegt knapp unter dem OECD-Durchschnitt von 1,6 %, steigt jedoch in den letzten Jahren kontinuierlich an (2010: 1,4 %).

Das Universitätsstudium ist in Frankreich kostenfrei, gezahlt werden müssen lediglich vom Bildungsministerium festgelegte Immatrikulationsgebühren.

Die europäische Vereinheitlichung der Studiengänge (Bologna-Prozess) wurde vollständig eingeführt. Alle Hochschulen sind mit Wirkung vom 1.9.2006 zum L.M.D.-System (Licence, Master, Doctorat) übergegangen. Beibehalten werden in ihrer bisherigen Form die zweijährigen Kurzstudiengänge  (Brevets de technicien supérieur, BTS; Diplômes universitaires de technologie, DUT; Diplômes d’études universitaires scientifiques et techniques, DEUST) sowie die Licence, die aber mit dem Bachelor verglichen werden kann. Auch existieren zweistufige Master von jeweils einem Jahr: Master 1 und Master 2. Die Masterstudiengänge sind prinzipiell für alle Absolventen einer grundständigen Studienphase zugänglich. Es wird jedoch häufig eine Selektion beim Übergang zum Master 2 praktiziert, die insbesondere von den studentischen Gewerkschaften kritisiert wird.

Das Ministerium für Bildung, Hochschulen und Forschung (Ministère de l'éducation nationale, de l'enseignement supérieur et de la recherche, MENESR) trägt innerhalb der Regierung die zentrale Verantwortung für die Belange der Hochschule, insbesondere für die Universitäten. Neben ihrem Lehrauftrag führen diese auch mehr als 50 % der in Frankreich betriebenen, öffentlich geförderten Forschung durch. Für die Grandes Écoles / Écoles sind je nach Ausrichtung andere Fachministerien zuständig. Sie sind in der Regel deutlich weniger forschungsorientiert.

2012 gab der französische Staat im Schnitt jährlich 11.740 Euro (2005: 9.910 Euro) pro Studierenden aus. Zwischen den verschiedenen Hochschulformen gibt es hierbei deutliche Unterschiede: 10.940 Euro (2005: 8.510 Euro) an einer Universität gegenüber 15.020 Euro (2005: 15.930 Euro) pro Studierendem in einer Vorbereitungsklasse auf eine Grande École.

Bereits im Februar 2008 startete auf Betreiben des damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy die „Operation Campus“. Sie wurde später in das nach wie vor laufende, umfangreiche Investitionsprogramm Zukunftsinvestionen (Programme d‘investissements d’avenir, PIA) integriert. Es handelte sich um einen Wettbewerb, bei dem zehn universitäre Standorte ausgewählt wurden, um ihren Campus zu modernisieren und international wettbewerbsfähig zu werden. PIA sieht vor, dass von den insgesamt 35 Milliarden Euro Budget 22 Milliarden in Hochschulen und Forschung investiert werden sollen. Neben der Campusmodernisierung wurden Mittel für Standorte (Idex, ähnlich der deutschen Exzellenzinitiative), Forschergruppen (Labex) und Forschungsinfrastruktur (Equipex) ausgeschrieben (siehe Kapitel „Initiativen und Programme“). PIA ist das erste Investitionsprogramm dieses Umfangs für Hochschulen und Forschung und für die Wettbewerbsfähigkeit der entsprechenden Standorte von enormer Bedeutung.

- Doktorandenausbildung -

In Frankreich können seit 2006 diejenigen Einrichtungen den Doktorgrad verleihen, die Teil einer vom Bildungsministerium akkreditierten „Doktorandenschule“ (École doctorale) sind. In der Regel sind dies Universitäten, es können jedoch auch andere Strukturen wie zum Beispiel die so genannten „Großen Einrichtungen“ (Grands établissements, z.B. Sciences Po oder das Institut de physique du Globe de Paris, IPG) sein. Weiterhin können assoziierte Einrichtungen die Promotion über die tatsächlichen Mitgliedseinrichtungen anbieten, ähnlich dem Modell deutscher Fachhochschulen, die ein gemeinsames Graduiertenkolleg mit einer Universität haben. Auf dieser Basis bieten mittlerweile auch die meisten Grandes Écoles Doktorandenprogramme an. Alle 70.000 Doktoranden sind obligatorisch in einer der 285 École doctorale eingeschrieben (2012). Diese sind dementsprechend thematisch breit aufgestellt und können nur bedingt mit deutschen Graduiertenschulen verglichen werden.

- Lehrerbildung -
Nachdem 2010 die Lehrerausbildung unter großem Protest der Studierenden und der Lehrenden „masterisiert“ worden war, wurde diese Reform unter der Staatssekretärin Geneviève Fioraso wieder rückgängig gemacht. Zuvor hatten zuständige unabhängige Institute auf die verschiedenen Prüfungen vorbereitet, die vor dem Eintritt in den Lehrerberuf bestanden werden müssen. Seit 2013 werden die zukünftigen Lehrer in neu gegründeten, an den Universitäten angesiedelten Instituten ausgebildet, den Écoles supérieures du professorat et de l'éducation (ESPE). Dort erhalten sie in zwei Jahren den Master für Lehrberufe (Métiers de l’enseignement, de l’éducation et de la formation, MEEF), der in die LMD-Struktur (Licence/Master/Doctorat) eingebettet ist. Das zweite Jahr ist dual organisiert: die Studierenden erlernen den Lehrerberuf direkt in einer Schule.

Maßnahmen zur Digitalisierung
Die „Digitale Universität“ (Université numérique) wird als Chance gesehen, um folgende Ziele fördern:

  • Studierendenerfolg (erfolgreicher Abschluss des Studiums)
  • Förderung von Lebenslangem Lernen und dualer Ausbildung
  • Höhere Sichtbarkeit und Attraktivität, vor allem auf internationaler Ebene

Das Bildungsministerium hat eine „Digitale Agenda für Hochschulen“ veröffentlicht, in der 18 Maßnahmen genannt werden, die zur Zielerreichung umgesetzt werden sollen. Eine Schnittstelle im Bildungsministerium, das Büro für die Digitalisierung der Hochschulen (Mission numérique pour l'enseignement supérieur, MINES) unterstützt dies. Die Aufgabe dieses Büros ist es, nationale Kohärenz zu vergrößern; Maßnahmen, Erfahrungen und Mittel zu bündeln; innovative Projekte zu identifizieren und die internationale Sichtbarkeit zu fördern.

Die 18 Maßnahmen sind in vier Themenbereiche unterteilt: Onlineangebote für den Studienerfolg und Berufseinstieg; Digitalisierung als Beitrag zur Erneuerung der Lehrmethoden; Digitalisierung als Bestandteil der Entwicklung von zukunftsfähigen Hochschulstandorten (Campus d’@venir); Digitalisierung für Universitäten, die sich Europa und der Welt öffnen. 

Weiterhin werden im Rahmen des PIA unter anderem vier Projekte gefördert, die versuchen, digitale Instrumente für die Bildung zu entwickeln.

Private Einrichtungen

Insbesondere die Schul- aber auch die Hochschulbildung sind gelten als wichtige Fundamente der Französischen Republik. Dennoch gibt es eine Vielzahl privater Einrichtungen, die vom Staat streng kontrolliert werden.

Im Schuljahr 2011/2012 besuchten knapp 17 % der Schüler eine der 8.800 Privatschulen (13,6 % der Schuleinrichtungen). Im Hochschulbereich gibt es 13 private Hochschulen (établissements privés d'enseignement supérieur libres) und in denen 30.000 Studierende eingeschrieben sind. Fünf davon werden von der katholischen Kirche geführt. Hinzu kommen etwa 50 privat geführte, spezialisierte Ingenieur- und Handelshochschulen mit etwa 45.000 Studierenden. Insgesamt sind also etwa 3 % der Studierenden an privaten Hochschulen eingeschrieben.

Die schulische Situation behinderter Kinder

Zu Beginn des Schuljahres 2012/2013 waren 298.400 behinderte Kinder eingeschult, drei Viertel in allgemeinen Schulen. Von den regulär eingeschulten behinderten Kindern besuchten 135.907 (2011: 130.517) die Grundschule und 89.035 (2011: 79.878) eine weiterführende Schule.

2.1.4. Berufliche Bildung

Die berufliche Ausbildung findet dual in Ausbildungszentren (Centres de formation d’apprentis, CFA) und Unternehmen statt. In den CFA können entweder ein Zertifikat für berufliche Eignung (Certificat d’aptitude professionnelle, CAP) oder das höherwertige berufliche Abitur (Baccalauréat professionnel) erworben werden. Anschließend sind weitere Abschlüsse auf allen Bildungsebenen möglich, bis hin zum Master oder Ingenieurdiplom. 5,2 % der Altersgruppe zwischen 16 und 25 Jahren absolvierte 2012 eine Ausbildung. Die berufliche Ausbildung spielt vor allem im Westen und Süden des Landes sowie in der Region um Paris (Île-de-France) eine große Rolle, wo fast 20 % der Auszubildenden angesiedelt sind. 59 % lernen in den Produktionssektoren (Bauwesen, Landwirtschaft, Elektrotechnik …), 40 % im Dienstleistungssektor (Handel, Pflege, Kommunikation etc.).

Die berufliche Bildung liegt in der gemeinsamen Ressortverantwortung des Bildungsministeriums und des Ministeriums für Arbeit, Beschäftigung, Ausbildung und sozialen Dialog (Ministère du travail, de l’emploi, de la formation professionnelle et du dialogue social). Die CFA werden mehrheitlich von privaten Strukturen (49,9 %) und den Industrie- und Handelskammern (26,9 %) betrieben.

Staatspräsident François Hollande hatte wie seine Vorgänger das Ziel formuliert, die Zahl der Auszubildenden bis 2017 auf 500.000 zu erhöhen. 2013 ging die Zahl der Auszubildenden jedoch stattdessen um 8 % zurück; ein Trend, der sich 2014 fortsetzt (minus 14 % in den ersten vier Monaten des Jahres 2014) und vom Arbeitgeberverband Medef (Mouvement des entreprises de France) kritisiert wird. Im Frühjahr 2014 gab es 415.000 Auszubildende in Frankreich, die ihren Beruf im Wechsel zwischen Betrieb und Berufsschule erlernen.

Im März 2014 wurde das Ausbildungssystem durch die französische Regierung reformiert. Im Zuge dieser Reform wurden u.a. 550 Millionen Euro an staatlicher Unterstützung für die duale Ausbildung gestrichen und zudem die Ausbildungssteuer (taxe d’apprentissage) angepasst. Unternehmen müssen seit 1925 diese Steuer in Höhe von 0,5 % ihrer Lohnsumme für Ausbildungszwecke abführen.

2012 führte die Regierung zudem die Maßnahme „Beschäftigung für Zukunft“ (Emploi d’avenir) ein, eine Eingliederungsmaßnahme für arbeitslose Jugendliche ohne Schulabschluss. Der Staat finanziert für bis zu 150.000 Jugendliche eine 12- bis 36-monatige Ausbildung in einem Unternehmen (2013 nahmen 100.000 an der Maßnahme teil).

2.1.5. Weiterbildung

Die berufliche Weiterbildung ist Teil der lebenslangen Bildung (formation tout au long de la vie). Der Staat, die Gebietskörperschaften, die öffentlichen Einrichtungen, die Einrichtungen des öffentlichen und privaten Bildungswesens, die Vereine, die Berufsverbände und die gewerkschaftlichen und sozialen Einrichtungen tragen ebenso wie die Unternehmen zu ihrer Durchführung bei.

In Frankreich besteht die Möglichkeit, sich langjährige Berufserfahrung als Hochschulabschluss anerkennen zu lassen (Validation des acquis de l'expérience, VAE und Validation des acquis professionnels, VAP). 2013 wurden 13.800 VAE vom Bildungsministerium bewilligt. 2005 wurde im Auftrag des Bildungsministeriums eine Bestandsaufnahme der Maßnahmen verfasst: www.education.gouv.fr/cid2186/la-validation-des-acquis-de-l-experience-en-actes.html

2.1.6. Bildungsorganisationen

Conférence des présidents d’université (CPU)

Ein 1971 gegründetes Gremium (seit 2007 ein eingetragener Verein), das die Präsidenten aller Universitäten und einiger Grandes Écoles vertritt und mit der deutschen Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zu vergleichen ist. Die CPU hat sich in den letzten Jahren zu einem der hochschulpolitisch wichtigsten Ansprechpartner für das Bildungsministerium entwickelt. Sie arbeitet mit der HRK an vielen Stellen zusammen.

Conférence des grandes écoles (CGE)

1973 gegründetes Gremium, das fast 300 Hochschulen (Écoles) und einige Unternehmen vor allem aus den Bereichen Ingenieurwissenschaft und Management vertritt. Die CGE ist ein eingetragener Verein und akkreditiert u.a. die Diplome seiner Mitgliedseinrichtungen (Mastères Spécialisés, MSc, BADGE).

Conférence des Directeurs des Ecoles Françaises d'Ingénieurs (C.D.E.F.I.)

1976 gegründetes Gremium, das 163 der etwa 220 französischen Ingenieurhochschulen vertritt und eine beratende Rolle hat. Die CDEFI ist seit 2008 ein eingetragener Verein.

Campus France

Campus France ist eine öffentliche Einrichtung und wurde 2010 gegründet. Die Agentur wirbt ähnlich wie der DAAD für die französischen Studienangebote und die internationale Mobilität von Studierenden und Wissenschaftlern. Weiterhin können sich französische Hochschulen von Campus France bei der Einführung und Umsetzung von Internationalisierungsstrategien unterstützen lassen. 

2.2. Forschungs- und Innovationslandschaft

2.2.1. Überblick

Unter Präsident François Hollande wurde ein umfangreicher Konsultationsprozess zur Hochschul- und Forschungspolitik angestoßen. Die französische Regierung hat 2012 hierfür unter der Federführung der damaligen Hochschul- und Forschungsministerin und aktuellen Staatssekretärin Geneviève Fioraso die „Generalstände für Hochschulen und Forschung“ (Assises de l’enseignement supérieur et de la recherche, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus allen Einrichtungen und Regionen) einberufen. Nach zahlreichen landesweiten Debatten übergaben Vertreter der Generalstände im Dezember 2012 dem Premierminister einen Abschlussbericht mit 135 Empfehlungen. Die Empfehlungen sollten beitragen zu: einem besseren Studienerfolg der Studierenden, der Entwicklung einer koordinierenden Strategie für die französische Forschung, einer Überarbeitung der Standortpolitik, einer Aufwertung der wissenschaftlichen Arbeit sowie einer Erhöhung der Ausgaben für Bildung und Forschung. Diese Empfehlungen sind maßgeblich in das Hochschul- und Forschungsgesetz eingeflossen, das am 22. Juli 2013 verabschiedet wurde und dessen Vorgaben bereits zu großen Teilen umgesetzt wurden.

Im Kontext des Konsultationsprozesses und des Gesetzes hat die französische Regierung im Mai 2013 eine strategische Agenda für Forschung, Transfer und Innovation (Agenda France Europe 2020) verabschiedet, in der neun „große Herausforderungen“ festgehalten sind, denen Frankreich in den kommenden Jahren gegenüber steht. Sie wurden zusammen mit den Forschungsallianzen (fünf Zusammenschlüsse von Forschungsakteuren in jeweils einem thematischen Gebiet) entwickelt und sind kohärent zum europäischen Forschungsrahmenprogramm „Horizont 2020“. Aktuell (Herbst 2014) wird auf Basis der „Agenda France Europe 2020“ zudem an der Erstellung einer Nationalen Forschungsstrategie gearbeitet, die prioritäre Forschungsbereiche und Ziele definieren wird. Mit 34 branchenspezifischen Strategien („La nouvelle France industrielle“) versucht der Staat zudem, auch die Wirtschaft einzubinden. (Für ausführlichere Informationen vgl. Kapitel „Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik“).

Für das Jahr 2014 wurden staatliche Ausgaben für Bildung und Forschung in Höhe von 23,4 Milliarden Euro veranschlagt. Hinzu kamen umfangreiche Sonderinvestitionen im Rahmen eines Investitionsprogramms (Programme d‘investissements d’avenir, PIA) sowie zunehmend Investitionen der Gebietskörperschaften in Forschung und Technologietransfer. Das PIA ist ein mehrjähriges Programm, das im Rahmen von Ausschreibungen Innovation und Forschung fördert. Es wird für die Regierung vom Generalkommissariat für Investitionen durchgeführt (siehe Kapitel „Initiativen und Programme“).

Angaben zu den FuE-Investitionen der französischen Wirtschaft sind – wie in den meisten OECD-Ländern – erst mit einer Verzögerung von zwei bis drei Jahren verfügbar. Die französische Wirtschaft investierte 2012 30,1 Milliarden Euro in Maßnahmen im Bereich FuE. Hiervon finanzierte sie selbst 28,8 Milliarden Euro und erhielt Zuschüsse vom Staat in Höhe von 2,5 Milliarden Euro sowie Aufträge aus dem Ausland in Höhe von 2,8 Milliarden Euro. Sie subventionierte aber zugleich extramurale Forschung und Entwicklung in Höhe von 3,7 Milliarden Euro (Abweichung bei Addition durch Rundungen). Von den staatlichen Zuschüssen entfielen 1,2 Milliarden Euro auf militärische FuE und 1,3 Milliarden Euro auf zivile Projekte.

Im OECD-Vergleich mit anderen Ländern zeigt sich, dass Frankreich seine FuE-Ausgaben erhöht hat: von 2,16 % des BIP (2004) auf 2,25 % (2011). In Bezug auf die absolute Höhe der nationalen FuE-Ausgaben liegt Frankreich im globalen Vergleich für 2011-14 nach Schätzungen von Battelle damit konstant auf Rang 6; Deutschland liegt hinter den USA, China und Japan in den genannten Jahren auf Platz 4 (Quelle: Battelle, R&D Magazine, Global R&D Funding Forecast 2014). In Bezug auf die absolute Anzahl der Publikationen liegt Frankreich im globalen Vergleich 2013 ebenfalls auf Rang 6 (Deutschland: Rang 4). Bis 2002 hatte Frankreich Platz 5 inne und ist danach auf Platz 6 gerutscht (Quelle: SCImago. (2007). SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved 16/09/2014, from http://www.scimagojr.com). Die EU-Kommission stufte Frankreich 2014 auf der Basis eines Indexes als „Innovation Follower“ ein, da die Leistungen insgesamt nahe am EU-Durchschnitt liegen.

2011 waren in Frankreich 249.086 Forscher tätig (staatliche und privatwirtschaftliche Vollzeit-Arbeitskräfte ohne Hilfskräfte) und einschließlich der Hilfskräfte 402.317. Mit 8,8 in der Forschung tätigen Wissenschaftlern pro 1.000 Werktätigen liegt Frankreich damit im weltweiten Vergleich auf Rang 7 (Deutschland: mit 7,9 auf Rang 13). Rund 62 % der Forscher sind in der Industrie tätig. (Quelle: L’état de l’Enseignement supérieur et de la Recherche en France 47 indicateurs, S. 78) Die im öffentlichen Dienst Beschäftigten bilden die Gruppe der ausschließlich Forschenden (chercheurs) die Frankreich arbeitsrechtlich wie gesellschaftlich von den „lehrenden Forschern“ (enseigants-chercheurs) unterschieden wird.

Das französische Forschungs- und Innovationssystem (Quelle: Bildungsministerium Frankreich)
Das französische Forschungs- und Innovationssystem (Quelle: MENESR)
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(Prozentzahlen unter 0,5 werden grafisch nicht dargestellt.)

Anmerkung: Es wird nur die direkte Finanzierung von Forschung und Entwicklung erfasst, nicht die Finanzierung durch Steuererleichterungen.

In den OECD-Ländern finanziert häufig die inländische Wirtschaft den größten Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (OECD Gesamt ca. 60 Prozent, Deutschland ca. 65). Der Anteil der französischen Wirtschaft liegt jedoch um zehn Prozent unter dem der deutschen Wirtschaft. Der französische Staat hat dagegen im Vergleich zu Deutschland und OECD Gesamt einen etwas höheren Anteil, dazu kommt ein höherer Anteil an Auslandsfinanzierung.

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(Prozentzahlen unter 0,5 werden grafisch nicht dargestellt.)

Bei der Durchführung von Forschung und Entwicklung nehmen die Unternehmen in den OECD-Ländern häufig eine dominante Rolle mit Anteilen von 60 Prozent und mehr ein (OECD Gesamt 67,9 Prozent). Im Vergleich dazu hält sich die französische Wirtschaft ähnlich wie bei der Finanzierung etwas zurück. Die Anteile von außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen (GOVERD) und Hochschulen (HERD) stehen für den gesamten OECD-Raum in einem Verhältnis von ca. 40 : 60 (Deutschland ca. 45 : 55). Nach der aktuellen Statistik ist das Verhältnis in Frankreich ebenfalls 40 : 60. Allerdings muss dabei beachtet werden, dass die Durchführung von Forschung und Entwicklung an Instituten des CNRS (Centre National de la Recherche Scientifique) in Frankreich dem Hochschulsektor zugeordnet wird (vgl. OECD Main Science and Technology Indicators 2014/1, National Specifications). Würde das CNRS wie vergleichbare Einrichtungen in anderen Ländern den außeruniversitären öffentlichen Einrichtungen zugeordnet, würde sich ein anderes Verhältnis ergeben: der außeruniversitäre öffentliche Sektor wüde dann in Frankreich vor den Hochschulen liegen.

2.2.2. FuE-Indikatoren

Indikator Frankreich Deutschland OECD-Gesamt Stand
Nationale FuE-Ausgaben [Mio. USD] 55.218 103.909 1.145.045 2013
FuE-Ausgabenwachstum im Vergleich zum Vorjahr [Prozent] 1,2 3,2 3,7 2013
FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) [Prozent] 2,2 2,9 2,4 2013
Anteil der FuE-Ausgaben des Staates am BIP [Prozent] 0,8 0,8 0,7 2012
Anteil der FuE-Ausgaben der Wirtschaft am BIP [Prozent] 1,2 1,9 1,4 2012
Ausgaben für FuE in Unternehmen (BERD) [Mio. USD] 35.756 70.487 782.744 2013
Anteil der öffentlich finanzierten Ausgaben für FuE in Unternehmen (direkter Förderanteil) [Prozent] 7,8 4,3 7,7 2012/13/12
Anteil der vom Ausland finanzierten Ausgaben für FuE in Unternehmen [Prozent] 9,2 4,0 6,3 2012/13/12
Ausgaben für FuE in Hochschulen (HERD) [Mio. USD] 11.457 18.179 202.983 2013
Anteil der unternehmensfinanzierten Ausgaben für FuE in Hochschulen [Prozent] 2,7 14,0 5,9 2012
Ausgaben für FuE in außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen (GOVERD) [Mio. USD] 7.259 15.243 128.710 2013
Anteil der unternehmensfinanzierten Ausgaben für FuE in außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen [Prozent] 7,8 10,3 3,5 2012
Anzahl der Forscher (Vollzeitäquivalente) 265.177 360.900 4.304.005 2013/13/11
Anzahl der Forscher (VZÄ) je 1000 Arbeitnehmer 9,3 8,5 7,2 2013/13/11
Anteil der Forscher (VZÄ) in privaten Unternehmen [Prozent] 60,3 56,4 59,6 2013/13/11
Anteil internationaler Ko-Patente an Patentanmeldungen unter dem Vertrag über Patentzusammenarbeit (PCT) [Prozent](1) 19,0 15,5 7,3 2011

Quellen: OECD Main Science and Technology Indicators, 2014/2; (1)OECD Patents Statistics
Redaktion: 27.02.15, von: Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

2.2.3. Forschungsorganisationen

Durch strukturelle Veränderungen wird versucht, die Universitäten, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Unternehmen/Industrie stärker miteinander zu vernetzen, insbesondere im Hinblick auf die Zusammenarbeit der öffentlichen Einrichtungen mit der Privatwirtschaft (vgl. „Formen der Zusammenarbeit“ in diesem Kapitel). Fast alle außeruniversitären, öffentlichen Forschungseinrichtungen arbeiten bereits in unzähligen Forschungsgruppen (unité mixte de recherche) mit den Hochschulen zusammen. Sie sind dadurch in die Lehre und die Doktorandenausbildung eingebunden. Dennoch werden die Bereiche auf der strukturellen Ebene nach wie vor als voneinander getrennt wahrgenommen. Dies ist ein Grund dafür, dass das französische Forschungssystem von externen Beobachtern gelegentlich als unübersichtlich wahrgenommen wird.

Frankreich stellt seit 2014 seine Forschungs-, Entwicklung- und Innovationspolitik unter das Paradigma „strategischer Staat und autonome Akteure“. Der Staat definiert daher im daher im Rahmen der sich in Entwicklung befindenden „Nationalen Forschungsstrategie“ (Stratégie nationale de recherche, SNR) prioritäre Forschungsbereiche und Ziele. Diese sowie die entsprechenden Mittelzusagen werden mit den Forschungseinrichtungen in fünfjährigen Vereinbarungen (contrats d’objectifs et de performance, COP) festgehalten. Von den Einrichtungen wird erwartet, dass sie – vertreten durch die im Jahre 2009 gegründeten thematischen „Allianzen“ – an der Erstellung der Forschungsstrategie mitwirken. Die Allianzen sind Zusammenschlüsse von für die jeweiligen Bereiche relevanten Akteuren, die eine Art Think Tank bilden. Sie wurden in den Bereichen Lebens- und Gesundheitswissenschaften (sciences de la vie et de la santé), Energie, Informationswissenschaften und –technologien (sciences et technologies de l'information), Umwelt sowie Geistes- und Sozialwissenschaften gegründet (vgl. „außeruniversitäre Forschungseinrichtungen“ in diesem Kapitel). Die Aufsichtsgremien der jeweiligen Einrichtungen müssen darauf achten, dass die strategischen Rahmenvorgaben umgesetzt werden (siehe „FuE im öffentlichen Sektor“). Die meisten Forschungseinrichtungen unterstehen zwei Ministerien.

Frankreichs Forschungseinrichtungen im öffentlichen, nichtuniversitären Bereich haben sehr unterschiedliche Rechtsformen, die vor allem darüber verfügen, ob ihre Aufgabe hauptsächlich in der Grundlagenforschung liegt (Öffentliche Einrichtungen wissenschaftlicher und technologischer Prägung, Établissements publics à caractère scientifique et technologique, EPST) oder sie gewinnorientiert arbeiten dürfen (Öffentliche Einrichtungen mit industriellem und Handelscharakter, Établissements à caractère industriel et commercial, EPIC). Darüber hinaus gibt es Stiftungen (Fondations), Vereine (Associations) und Verwaltungen (Öffentliche Einrichtungen mit Verwaltungscharakter, Établissements publics à caractère administratif) die forschen. (vgl. „Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen“ in diesem Kapitel)

FuE-Personal in Frankreich
Kenngröße 2010 2011 Veränderung
gegenüber Vorjahr
in %
Forscher in der Wirtschaft 143.828 148.276 3,1
Forscher im öffentlichen Dienst 99.705 100.807 1,0
Gesamtzahl der Forscher 243.533 249.083 4,1
Gesamtpersonal im Bereich FuE in der Wirtschaft 235.588 238.937 1,4
Gesamtpersonal im Bereich FuE im öffentlichen Dienst 162.188 163.380 0,7
Gesamtpersonal im Bereich FuE 397.756 402.317 1,1

Quelle: Repères et références statistiques sur les enseignements, la formation et la recherche (RERS 2013)

2.2.4. Förderorganisationen

Ursprung der FuE-Mittel nach ausführendem Sektor 2011 (in % ; Quelle : L’état de l’Enseignement supérieur et de la Recherche en France 2014, S. 77)
Ursprung der FuE-Mittel nach ausführendem Sektor 2011 (in % ; Quelle : L’état de l’Enseignement supérieur et de la Recherche en France 2014, S. 77)

Die institutionelle Förderung von Forschung und Entwicklung obliegt dem interministeriellen Ausschuss MIRES unter Federführung des Bildungsministeriums (Ministère de l'Éducation Nationale, de l'Enseignement Supérieur et de la Recherche, MENESR). 

Die wettbewerbliche Projektförderung von Grundlagenforschung sowie Forschung und Entwicklung wird durch die Nationale Agentur für Forschungsförderung ANR (Agence Nationale de la Recherche), die Bank für öffentliche Investitionen (Banque publique d'investissement, BPIfrance) und die Agentur für Umwelt und Energie (Agence de l’Environnement et de la Maîtrise de l’Energie, ADEME) durchgeführt. Darüber hinaus unterstützen Mittlereinrichtungen wie die Cluster Pôles de Compétitivité und die regionalen Forschungs- und Technologiebeauftragten regionale Standortpolitik. Frankreich unterhält zudem eines der weltweit größten Programme zur steuerlichen Förderung industrieller FuE im Umfang von für 2014 geschätzten 6,8 Milliarden Euro, den Crédit d‘impôt recherche (vgl. Kapitel “Öffentlich-private Zusammenarbeit“). Gemeinnützige Vereine und Stiftungen tragen nur geringfügig zur Forschungsförderung bei. Die französische Regierung ermutigt alle Akteure, sich zudem verstärkt im Rahmen des europäischen Rahmenforschungsprogramms Horizont 2020 zu bewerben (siehe Kapitel „Internationale Beziehungen“).

Nationale Agentur für Forschungsförderung (Agence Nationale de la Recherche, ANR)
Die seit 2007 in der heutigen Form bestehende ANR ist die größte und wichtigste Einrichtung der französischen Forschungsförderung. Sie ist vergleichbar mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), mit der sie zunehmend eng zusammenarbeitet. Ihr Förderbereich erstreckt sich auf Projekte der Grundlagen- und der anwendungsorientierten Forschung  in allen Disziplinen; die ANR richtet ihre Ausschreibungen an öffentliche Forschungseinrichtungen und an Unternehmen. Die von ihr bewilligten Projekte umfassten 2013 ein Volumen von 432,5 Millionen Euro. Der größte Teil der Mittel kam den öffentlichen Forschungseinrichtungen und Universitäten zugute, etwa 14% dem privatwirtschaftlichen Bereich. 17% der Mittel wurden für internationale Kooperationsprojekte bewilligt, die von anderen, ausländischen Förderorganisationen kofinanziert wurden. Darüber hinaus ist die ANR Projektträger für das PIA und verwaltet hierfür 22,5 Milliarden Euro in einem mehrjährigen Rahmen.

BPIfrance

Die Bank für öffentliche Investitionen (Banque publique d'investissement, BPIfrance) ist eine öffentliche Einrichtung zur Finanzierung und Entwicklung von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Sie wurde 2012 von der Regierung Ayrault gegründet (Gesetz vom 31. Dezember 2012) und ist bestrebt, nach dem Vorbild der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu arbeiten, besitzt selbst jedoch keine Banklizenz.

Die BPIfrance besteht aus drei Einheiten: 

  • Einer Dachgesellschaft (bpifrance), deren Kapital zu je 50 % beim Staat und bei dem staatlichen Finanzinstitut Caisse des Dépôts (CDC) liegen; sie ist für die Steuerung der gesamten Einrichtung verantwortlich.
  • Einem Finanzierungsbereich  (bpifrance financement) – das bisherige Oséo – der für die Finanzierung von Innovationen, Kofinanzierungen und Darlehenssicherungen vorgesehen ist.
  • Einem Investitionsbereich (bpifrance investissement), hervorgegangen aus dem strategischen Investitionsfonds FSI, CDC Entreprises und deren Filialen (FSI Régions); seine Aufgaben sind Investitionen und die Bereitstellung von Eigenkapital.

BPI verfügt über Mittel in Höhe von 42 Milliarden Euro, wovon für die fünfjährige Regierungsdauer 20 Milliarden Euro für Darlehen und 10 Milliarden Euro für Investitionen in Eigenkapital vorgesehen sind.

Agentur für Umwelt und Energie (Agence de l’Environnement et de la Maîtrise de l’Energie, ADEME)
Die Agentur für Umwelt und Energie ADEME wurde 1990 gegründet und untersteht sowohl dem Umwelt- als auch dem Bildungsministerium. Ihre Aufgabe ist es, den Klimawandel und die Energiewende zu begleiten. Sie steht dafür allen Akteuren (Unternehmen, Gebietskörperschaften, der öffentlichen Hand, der breiten Öffentlichkeit) als Beraterin zur Verfügung; sie vergibt auch Projektgelder, u.a. für Forschungsprojekte, die im Schnitt mit 100.000 Euro gefördert werden. Sie ist für die Bereiche Abfallwirtschaft, Bodenverschmutzung und Brachflächen, Energie und Klima, Luft und Lärm sowie Querschnittsbereiche (nachhaltige Produktion und Konsum, nachhaltige Städte und Gebiete) zuständig.

Stiftungen 

Seit Inkrafttreten des Gesetzes zur Autonomie der Universitäten (August 2007) verfügen die Universitäten über zwei neue Instrumente, um eine finanzielle Unterstützung durch Unternehmen, Vereinigungen und Privatpersonen zu ermöglichen: Universitäre Stiftungen (fondations universitaires) und Partnerschaftliche Stiftungen (fondations partenariales). In sieben Jahren sind 29 Universitäre und 24 Partnerschaftliche Stiftungen entstanden. Universitäre Stiftungen können durch Entscheidung des Verwaltungsrates der Universitäten entstehen, müssen kein Mindestbudget haben und haben generelle Themen der Universitäten zum Gegenstand: Stipendien, Lehrstühle, internationale Mobilität etc. Partnerschaftliche Stiftungen hingegen fördern in der Regel ein konkretes Projekt, haben eine Mindestlebensdauer von fünf Jahren, und das finanzielle Volumen der Stiftung muss über 150.000 Euro liegen. Zuwendungen an die Stiftungen sind steuerlich begünstigt.

Regionale Forschungs- und Technologiebeauftragte (Délégations régionales à la recherche et à la technologie, D.R.R.T.)

Das Bildungsministerium benennt anerkannte Wissenschaftler, die in jeder der 26 Regionen eine Art Mittlerfunktion zwischen dem Staat, den regionalen Einrichtungen und den Unternehmen übernehmen. Sie haben verschiedene Aufgaben und wachen u.a. darüber, dass die nationalen Maßnahmen auf regionaler Ebene umgesetzt werden, führen aber auch Projekte durch, die das Interesse der Bevölkerung für Wissenschaft und Technik steigern sollen.

Wettbewerbscluster (Pôles de compétitivité) (seit 2005): ein Instrument der regionalen Strukturpolitik, mit dem Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Universitäten und Ausbildungseinrichtungen zur Entwicklung der Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Region vernetzt werden. Über die Pôles de compétivité werden auch Projektausschreibungen veröffentlicht. (vgl. Kapitel "Stärken des Forschungssystems" und "Öffentlich-private Zusammenarbeit" in diesem Kapitel“)

2.2.5. FuE im öffentlichen Sektor

Universitäten und Hochschulen

Die Forschungsleistung der einzelnen Universitäten findet erst seit dem Reformgesetz 2007 verstärkt politische Beachtung und seitdem ist, auch durch die französische Exzellenzinitiative im Rahmen der PIA (siehe Kapitel „Bildungslandschaft“ sowie „Initiativen und Programme“), ein Differenzierungsprozess zu beobachten. Einen historischen und geographischen Standortvorteil haben die Einrichtungen im Großraum Paris (Île-de-France). Wirtschaftsstarke Regionen wie z. B. Rhônes-Alpes und die Standorte Lyon oder Grenoble haben jedoch deutlich aufgeholt. Es gibt keine expliziten „Forschungsuniversitäten“, aber allein aufgrund ihrer Lage und finanziellen Ausstattung sind manche Hochschulstandorte in bestimmten Regionen (in Abgrenzung zum Zentrum als Province bezeichnet) weniger forschungsstark.

Offiziell haben in Frankreich die Universitäten mit dem Gesetz von 2007 ihre Autonomie erhalten; durch Zusammenlegung einzelner Hochschulen wurde ihre Zahl gleichzeitig von 83 auf 73 reduziert (Stand 22.05.2014). Diese Autonomie wurde am 22. Juli 2013 durch ein weiteres Gesetz der sozialistischen Regierung unter François Hollande neu geregelt und im Wesentlichen bestätigt. Wie in Deutschland ist auch in Frankreich Forschung zunächst grundsätzlich Aufgabe der Universitäten, wofür der französische Staat im Jahre 2012 6,6 Milliarden Euro aufgewendet hat. Häufig wird die Forschung in Mischstrukturen zwischen Universitäten und Forschungseinrichtungen (unités mixtes de recherche, UMR) durchgeführt. Daneben wurden 2006 übergeordnete Mischstrukturen mit dem Ziel einer administrativen Erleichterung sowie einer regionalen Fokussierung gegründet, diese werden jedoch gegenwärtig wieder umstrukturiert. Von 26 dieser Zusammenschlüsse, den Pôles de recherche et d'enseignement supérieur (PRES), in denen Universitäten mit Grandes Écoles und außeruniversitären Einrichtungen zunehmend eng zusammenarbeiten sollten, sind 2014 noch fünf existent; die anderen 21 haben sich als „Gemeinschaft der Universitäten und Einrichtungen“ (Communautés d'universités et établissements, Comue) juristisch neustrukturiert.

Zu den insgesamt 140 öffentlichen Einrichtungen mit wissenschaftlichem, kulturellen und berufsbildenden Charakter (Établissements publics à caractère scientifique, culturel et professionnel, EPSCP) zählen neben Universitäten, PRES und Comues weitere Insitutionen. Besonders forschungsintensiv sind:

  • die 4 Elitehochschulen Ecoles normales supérieures (ENS) in Paris, Cachan, Lyon und Rennes, die traditionell die Lehrkräfte für das französische Bildungssystem ausbilden und vor allem Grundlagenforschung in allen Disziplinen betreiben;
  • die „Schule für höhere Studien und Sozialwissenschaften“ (École des hautes études en sciences sociales, EHESS), die in ihrer Struktur und Funktionsweise einer Universität ähnelt und in den Sozialwissenschaften zu den besten Einrichtungen in Frankreich gehört;
  • die „Forschungsorientierte Schule für Höhere Studien“ (École pratique des hautes études, EPHE), deren Mission ausdrücklich „Lehre durch Forschung“ ist; 
  • das Institut für politische Studien Paris (Institut d'études politiques de Paris, Sciences Po oder IEP), eine besonders international ausgerichteten Hochschule, die vor allem für ihre politikwissenschaftlichen Forschungen bekannt ist;

Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen 

Die außeruniversitäre Forschungslandschaft ist in Frankreich außerordentlich vielfältig. Anders als in Deutschland gibt es in Frankreich eine große Anzahl von nach Rechtsform, Aufgabe/Mission, Größe des Budgets, der Personalausstattung und des Personalstatuts sehr unterschiedlichen (zentralstaatlichen) Forschungseinrichtungen.  Die wichtigste französische Forschungseinrichtung im Bereich Grundlagenforschung ist das Nationale Zentrum für wissenschaftliche Forschung (Centre national de la recherche scientifique, CNRS). Das CNRS ist mit einem Budget von 3,4 Milliarden Euro, 33.000 Angestellten und zehn weltweiten Außenstellen eine der größten außeruniversitären Forschungseinrichtungen der Welt. Es forscht in allen Wissenschaftsbereichen. Fast alle französischen Träger der Fields-Medaille (der höchsten Auszeichnung im Fach Mathematik) sowie die meisten französischen Nobelpreisträger waren zu irgendeinem Zeitpunkt ihrer Karriere am CNRS angestellt. Im Publishing Index der erfolgreichsten Beiträger der Fachzeitschrift Nature liegt das CNRS auf Platz 7. Die deutsche Max-Planck-Gesellschaft liegt auf Platz 5.

Weiterhin sollten an dieser Stelle folgende herausragende Einrichtungen erwähnt werden:

  • Agronomieforschung: das Nationale Institut für Agronomieforschung (Institut national de recherche agronomique, INRA) (EPST) – Das INRA forscht im Bereich Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt. Es hat ein Budget von 881 Millionen Euro und beschäftigt 8.500 Personen. Das INRA ist im Bereich Agronomie weltweit die am zweihäufigsten zitierte Einrichtung.
  • Energieforschung: das Kommissariat für Atomenergie und erneuerbare Energien (Commissariat à l'énergie atomique et aux énergies alternatives, CEA) (EPIC) – das CEA hat ein Budget von 4,3 Milliarden Euro und beschäftigt über 16.000 Personnen. Es vertritt Frankreich international im Bereich Atomenergie, unterstützt die französische Atomindustrie beim Aufbau internationaler Partnerschaften und hat zahlreiche internationale Forschungskooperationen.
  • Gesundheitsforschung: das Nationale Institut für Gesundheit und medizinische Forschung (Institut national de la santé et de la recherche médicale, Inserm). Das Inserm hat ein Budget von 953 Millionen Euro, es beschäftigt 15.000 Mitarbeiter und unterhält 23 assoziierte europäische und internationale Labore (laboratoires européens et internationaux associés, LEA-LIA).
  • Infektionsforschung: Institut Pasteur de Paris und Institut Pasteur de Lille (Stiftungen) – Die Institut Pasteur hat ein Budget von 270 Millionen Euro und 2.400 Personen. Es unterhält weltweit 32 Forschungseinrichtungen und hat 2014 bei der Bekämpfung der Ebolakrise in Westafrika eine zentrale Rolle gespielt.
  • Informationstechnologien: das Nationale Institut für Informatik und Automatisierungsforschung (Institut national de recherche en informatique et en automatique, INRIA) (EPST) – Das INRIA besteht aus acht unabhängigen Forschungseinrichtungen, denen insgesamt ein Budget von 235 Millionen Euro zur Verfügung steht. 1.677 Forscher sind am INRIA beschäftigt, die zusammen mit 1772 Wissenschaftlern anderer Einrichtungen 2013 4.500 Artikel veröffentlicht und mehr als 110 Start-Ups gegründet haben. 
  • Krebsforschung: Institut Curie (Stiftung) – Das Institut Curie hat ein Budget von 476 Millionen Euro (öffentliche Gelder und Spenden). Das Institut beschäftigt 3.300 Forscher und Pflegekräfte, die fast 650 wissenschaftliche Artikel veröffentlicht haben und sich um fast 13.500 Patienten kümmern (2012).
  • Meeresforschung: das Französische Institut für die Erforschung des Meeres (Institut français de recherche pour l'exploitation de la mer, IFREMER) (EPIC) – IFREMER hat ein Budget von 210 Millionen Euro und beschäftigt 1.528 Personen (2012). In der internationalen Zusammenarbeit konzentriert sich IFREMER auf die großen internationalen Programme und ausgewählte Länder (USA, Kanada, Japan, China, Australien, Russland) sowie die europäische Zusammenarbeit im Mittelmeerraum.
  • Polarforschung: das Polarforschungsinstitut Institut polaire français Paul-Emile Victor (IPEV) – Am IPEV arbeiten etwa 120 Personen. Das jährliche Budget beträgt 28 Millionen Euro. Das IPEV unterhält 6 Forschungsstationen in der Arktis, der Antarktis und den Austral-Inseln.
  • Raumfahrt: das nationale Raumfahrtzentrum (Centre national d'études spatiales, CNES) (EPIC) – Das CNES hat ein Budget von 1,9 Milliarden Euro und beschäftigt über 2.400 Personen (2013). Mit 30 Euro/Einwohner investiert Frankreich damit nach den USA (46 Euro) die höchste Prokopf-Summe in die Raumfahrtforschung. Das CNES vertritt Frankreich innerhalb der europäischen Luft- und Raumfahrtbehörde ESA und hat zahlreiche internationale Kooperationsabkommen.

Auf diese und weitere Einrichtungen wird im Kapitel „Stärken des Forschungssystems“ näher eingegangen.

Von den aufgeführten Einrichtungen führen CNRS und CEA zusammen den größten Teil der öffentlich geförderten FuE durch: der Anteil beider Einrichtungen daran beträgt 19% für CNRS und 15% für den nicht-militärischen Teil des CEA.

Im Rahmen der Analyse des französischen Forschungs- und Innovationssystems zur Entwicklung einer Nationalen Forschungsstrategie wurde festgestellt, dass eine Steigerung der Leistung und Sichtbarkeit der französischen Forschung eine Klärung der Rolle seiner Akteure, eine Stärkung ihrer Autonomie und eine Verbesserung der nationalen und europäischen  Koordinierung voraussetzt. Deshalb wurden Allianzen gegründet, die in lockerem Verbund die Hauptakteure der Forschung (Forschungseinrichtungen, Universitäten, Grandes Écoles) vereinigen. Sie haben die Aufgabe, die nationale Programmgestaltung zu stärken, indem sie die Verbindung zwischen der von der Regierung definierten Ausrichtung mit den selbst gewählten Aufgaben der Forschungseinrichtungen  herstellen.

  • AVIESAN (Alliance nationale pour les sciences de la vie et de la santé, Allianz für Lebenswissenschaften und Gesundheit) – Die Allianz hat 9 Gründungsmitglieder (CEA, CHRU, CNRS, CPU, INRA, INRIA, Inserm, Institut Pasteur sowie IRD). Innerhalb AVIESANs wurden zehn thematische Untergruppen gebildet (Instituts Thématiques Multi-Organismes, ITMO), die die Aufgabe haben, die jeweiligen Forschungsaktivitäten zu koordinieren.
  • ANCRE (Allliance nationale de coordination de recherche pour l’énergie, Allianz zur Koordinierung der Energieforschung) – CEA, CNRS, CPU und das Forschungsinstitut für erneuerbare Energien (IFP Énergies Nouvelles) sind die Gründungsmitglieder von ANCRE. Es gibt acht thematische Programmgruppen, deren Arbeitsergebnisse von einer neunten Querschnittsgruppe „Globale Energieprognosen“ (Prospective énergétique globale, GP 9) analysiert werden. Sie legt ihre Schlussfolgerungen dem Koordinationskomitee vor. Die Programmgruppen beziehen die Vertreter der jeweils relevanten Cluster (Pôles de compétitivité) als Partner ein. 
  • ALLISTENE (Alliance des sciences et technologies du numérique, Allianz für Forschung und Technologie im Bereich der Informatik) – Gründungsmitglieder der Allianz sind CEA, CNRS, CDEFI, CPU, INRIA und das Institut Télécom. Die Arbeit von ALLISTENE ist in sechs Querschnittsaufgaben der Allianz (missions transversales) unterteilt.
  • ALLENVI  (Alliance alimentation, eau, climat, territoires, Allianz für Ernährung, Wasser, Klima und Raumordnung)  - Die Allianz wurde von zwölf Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen (BRGM, CEA, CEMAGREF, CIRAD, CNRS, CPU, IFREMER, INRA, IRD, LCPC, Météo France, MNHN). Es bestehen 11 thematische Arbeitsgruppen. Unter der gemeinsamen Federführung von CNRS und INRA verfügt ALLENVI über ein ständiges Exekutivsekretariat. Es hat die Aufgabe, alle relevanten Aktionsbereiche abzudecken. 
  • ATHENA (Alliance des sciences humaines et sociales, Allianz für Geistes- und Sozialwissenschaften) 

Die Allianz wurde von vier Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen (CNRS, INED, CPU, CGE). Es bestehen acht Arbeitsgruppen.

Die Allianzen sollen sich mit der Privatwirtschaft abstimmen, was zum Teil zu partnerschaftlichen Kooperationsverträgen in konkret definierten Forschungsbereichen geführt hat.

2.2.6. FuE im privaten Sektor

65 % der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Frankreich werden von Unternehmen durchgeführt. 2011 waren in Frankreich 14.000 Unternehmen im Bereich Forschung und Entwicklung aktiv, darunter 84 % kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Von den 28,8 Milliarden Euro, die die Wirtschaft in diesem Jahr in FuE investiert hat, haben die 250 größten Unternehmen 61 % ausgegeben. Dabei ist eine Konzentration auf sechs Branchen zu verzeichnen, deren Aufwendungen rund 50% des privatwirtschaftlichen FuE-Budgets ausmachen (in Klammern: Anteil an den privatwirtschaftlichen FuE-Aufwendungen):

  • Automobilindustrie (16 %)
  • Pharmazeutische Industrie (11 %)
  • Luft- und Raumfahrtindustrie (10%)
  • Informationsdienstleistungen (6 %)
  • Chemische Industrie (5 %)
  • Computerindustrie (5 %)

Die öffentlichen Forschungseinrichtungen arbeiten vor allem im Rahmen der Cluster (Pôles de compétivité) mit Unternehmen zusammen, kooperieren aber auch in der Doktorandenausbildung (Stichwort CIFRE). Die Regierung fördert privatwirtschaftliche Forschung steuerlich (Crédit d’impôt recherche) und ist bestrebt, die öffentlich-private Kooperation im FuE-Bereich deutlich auszubauen. (siehe „Öffentlich-private Zusammenarbeit“ in diesem Kapitel sowie Kapitel „Initiativen und Programme“). 

2.2.7. Öffentlich-private Zusammenarbeit

Das Bildungsministerium legt besonderen Wert auf die Stärkung der öffentlich-privaten Zusammenarbeit, da dies als essentiell für eine Verbesserung der Innovationsfähigkeit betrachtet wird. Während die Grandes Écoles und Écoles der Industrie naturgemäß nahe stehen, ist es für die Universitäten schwerer, in diesem Bereich Kooperationen aufzubauen.

Es existiert zwar seit 1925 für Unternehmen die Möglichkeit, den Hochschulen einen Teil ihrer Ausbildungssteuer (taxe d’apprentissage) zur Verfügung zu stellen, jedoch werden diese Zuwendungen zweckgebunden für Lehre und Studium zur Verfügung gestellt.

Hochschulen und Forschungseinrichtungen kooperieren mit Unternehmen vor allem in regionalen Verbünden wie den Pôles de compétivité  und den anwendungsorientierten Instituts Carnot. Zudem existiert mit den CIFRE (Conventions industrielles de formation par la recherche en entreprise) ein staatlich subventioniertes Instrument, das Doktorarbeiten in Unternehmen fördert. Ein weiteres, sehr wichtiges Instrument sind die nicht unumstrittenen steuerlichen Vergünstigungen für privatwirtschaftliche FuE (Crédits d’impôt recherche). Daneben existieren weitere Förderprogramme. Für nähere Informationen zu den Instrumenten: siehe Kapitel „Initiativen und Programme“ sowie ferner „Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik“.

 Pôles de Compétitivité

Pôles de compétitivité sind regionale Cluster, in denen sich Unternehmen, Universitäten/ Forschungseinrichtungen und Einrichtungen der Ausbildung (formation) als gleichwertige Partner zur Entwicklung ihrer Innovationsfähigkeit und Stärkung industrieller Wettbewerbsfähigkeit zusammenschließen. Sie sind mit den in Deutschland seit 1995 eingerichteten Kompetenznetzen und -zentren vergleichbar. Hauptziel ist die Stärkung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs und die internationale Sichtbarkeit. Ein wichtiges Ziel ist zudem die engere Zusammenarbeit von Hochschulen und Wirtschaft.

Insgesamt sind in Frankreich bis 2014 71 Pôles de compétitivité gegründet worden, deren regionalen Schwerpunkte in Paris, Marseille, Nizza sowie der Region Rhône-Alpes liegen. Ende 2012 waren 7.547 Unternehmen Mitglieder dieser Zentren.

Zur Finanzierung der Forschungsvorhaben der Pôles de compétitivité wurde 2007 ein interministerieller Fonds (Fonds Unique Interministériel, FUI) eingerichtet. Dieser Fonds ist seit 2009 in BPIfrance integriert. Neben BPIfrance beteiligt sich die ANR an der Finanzierung der Pôles de compétitivité. Ausgehend von einer gemeinsamen Vision der verschiedenen Akteure erarbeitet jedes Cluster seine eigene Fünfjahresstrategie und definiert entsprechende FuE-Projekte. In den Jahren 2007 – 2012 wurden diese Projekte mit insgesamt 4,96 Milliarden Euro gefördert. (Siehe auch Kapitel „Stärken des Forschungssystems“)

Instituts Carnot (Association des Instituts Carnot)

Das im Forschungspakt (Pacte pour la recherche) 2006 geschaffene „Label Carnot“ wurde bisher an 34 bestehende FuE-Institute verliehen, die damit zu Instituts Carnot wurden. Die Arbeit dieser Institute orientiert sich an dem Modell der Fraunhofer Gesellschaft, d.h. der Zusammenarbeit von Forschung und Wirtschaft. Ziel ist eine gleichwertige Partnerschaft zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen zur Nutzbarmachung wissenschaftlicher Erkenntnisse. In der im November 2008 angenommenen Carnot-Charta für intellektuelles Eigentum und Wissens- und Technologietransfer (Charte des bonnes pratiques de Propriété Intellectuelle et de Transfert de Connaissances et de Technologies des Instituts Carnot) sind die Prinzipien der Zusammenarbeit zwischen den Partnern aus der Forschung und aus der Wirtschaft festgehalten.
Die 34 Carnot-Institute decken zahlreiche Themenfelder ab (u.a. auch Geistes und Sozialwissenschaften; Medizin). Sie sind über das ganze Land verteilt und beschäftigen rund 25.000 Forscher.

Im Rahmen der PIA erfolgte 2011 eine Sonderausschreibung für die Instituts Carnot. Finanziert werden über fünf Jahre Programme für die Zusammenarbeit mit KMUs und mittelgroßen Unternehmen (250 bis 5.000 Angestellte) sowie internationalen Forschungseinrichtungen.
Für die Zusammenarbeit mit KMUs und mittelgroßen Unternehmen wurden drei Projekte der Instituts Carnot gefördert:

  • AVENEPME (Avenir ENErgies PME) von den Instituts Carnot „Energies du futur“ und M.I.N.E.S – Ziel ist die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen im Bereich Zukunftsenergien; Förderung: 46,9 Millionen Euro;
  • CaPME'UP der Instituts Carnot CETIM, IFP-Moteurs und CEA LIST – Unterstützung von KMUs, die ihr Technologieniveau weiterentwickeln wollen; Förderung: 35,2 Millionen Euro;
  • Captiven der Instituts Carnot Cemagref, BRGM und Ifremer-EDROME – Effizienzsteigerung meteorologischer Instrumente für Risikoüberwachung; Förderung: 17,6 Millionen Euro.

Für die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene wurde ein Projekt gefördert:

  • Global Care der Instituts Carnot Pasteur MI, Voir et Entendre, ICM, Curie-Cancer und CALYM – Steigerung der internationalen Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung aller Instituts Carnot im Bereich „Humangesundheit“; Förderung: 82 Millionen Euro.

Siehe auch Kapitel „Initiativen und Programme“

2.3. Stärken des Forschungssystems

2.3.1. Überblick

In den Bereichen Luft- und Raumfahrtforschung, Mathematik, Forschung zu Infektionskrankheiten, Bio- und Agrarwissenschaften sowie Nukleartechnologie zählt Frankreich zur Weltspitze. Die wichtigste französische Forschungseinrichtung ist das Nationale Zentrum für wissenschaftliche Forschung (Centre national de la recherche scientifique, CNRS). Es ist in fast allen wissenschaftlichen Disziplinen aktiv, daher für alle Unterkapitel relevant (und wird nicht jedes Mal gesondert aufgeführt). Das CNRS ist mit einem Budget von 3,4 Milliarden Euro, 33.000 Angestellten und zehn weltweiten Außenstellen eine der größten außeruniversitären Forschungseinrichtungen der Welt. Darüber hinaus gibt es weitere international renommierte Forschungseinrichtungen, die bei den jeweiligen Themenschwerpunkten aufgeführt werden. In der Regel forschen die außeruniversitären Forschungseinrichtungen und die Universitäten gemeinsam in Gruppen oder Laboren (Unités mixtes de recherche, UMR). In den folgenden Unterkapiteln wird nur auf die wichtigsten Forschungseinrichtungen verwiesen, nicht auf universitäre Arbeitsgruppen.

Frankreich arbeitet an der Entwicklung seiner Forschungsstrategie (Dezember 2014), die thematische Schwerpunkte definieren wird (siehe Kapitel Initiativen und Programme). Vorbereitend wurden bereits zehn gesellschaftliche Herausforderungen benannt, die eine Richtung vorgeben und sich auf die Forschungsstärken auswirken werden (siehe Kapitel „Forschungspolitische Ziele“).

Hinzu kommt mit „La nouvelle France industrielle“ ein Fahrplan für die Industrie, der 34 thematisch relevante Bereiche identifiziert, in denen in den nächsten Jahren Innovationen erwartet und gefördert werden. Die Mehrzahl dieser Prioritäten lässt angewandte Forschung erwarten (siehe Kapitel „Initiativen und Programme“).

Publikationsintensität
Basierend auf den Scimago-Daten für die prozentuale Verteilung der Publikationen auf Themengebiete für 2013 lassen sich folgende thematische Stärken Frankreichs im Vergleich zum Weltdurchschnitt ableiten: Relative Stärken sind Physik und Astronomie mit 10,0 % (Welt 6,0 %; Deutschland 10,4 %), Mathematik mit 5,7 % (Welt 3,6 %; Deutschland 4,5 %) und Erd- und Planetare Wissenschaften mit 3,8 % (Welt 2,9 %; Deutschland 3,5 %).

Frankreich liegt in Bezug auf die absolute Anzahl der Publikationen in diesen Themengebieten 2013 weltweit auf Rang 4 (Mathematik) und Rang 5 (Physik und Astronomie, Erd- und Planetare Wissenschaften), insgesamt auf Rang 6. Die französischen Publikationen werden vergleichsweise häufig zitiert. Die Platzierung in Bezug auf den H-Index (1996-2013) entspricht der guten Platzierung für die absolute Anzahl der Publikationen (Mathematik, Physik) oder ist sogar noch besser (letzteres gilt für Medizin, Pharmazie, Umweltwissenschaften sowie Erd- und Planetare Wissenschaften).

Vergleich der Verteilung auf Themengebiete in Frankreich mit der weltweiten Durchschnittsverteilung von Publikationen (2013)

Dieses Spinnennetzdiagramm stellt die prozentuale Verteilung der Publikationen auf verschiedene Themengebiete dar. Quelle: Eigene Darstellung mit Daten von SCImago, Daten von August 2014.

2.3.2. Bildungsforschung

Die Bildungsforschung hat eine lange Tradition in Frankreich. Insbesondere das Schulwesen wird breit erforscht. Im Rahmen der Debatten über die Reform der französischen Universitäten rückt jedoch zunehmend die universitäre Lehre ins Zentrum. 2012 wurden 36 besonders innovative Lehrkonzepte an Hochschulen im Rahmen der Exzellenzinitiative für innovative Ausbildungsangebote (Initiatives d’excellence en formations innovantes, Idéfi) ausgezeichnet. Sie werden für maximal 8 Jahre mit Summen zwischen 1,5 und 10 Millionen pro Projekt und mit insgesamt 186 Millionen Euro unterstützt. In den letzten Jahren sind das Thema E-Learning und die Frage, wie elektronische Lehrmaterialien in den Unterricht eingebaut werden können, wichtig geworden. Frankreich investiert in die Massive Open Online Courses (MOOCs) und hat im Oktober 2013 mit France Université Numérique (FUN) eine zentrale Plattform für französischsprachige MOOCs gegründet. Diese Anstrengungen dürften im Rahmen der in der Forschungsstrategie festgestellten gesellschaftlichen Herausforderung „Informations- und Kommunikationstechnologien“ fortgesetzt werden. Zudem ist E-education einer der 34 Schwerpunkte von „La nouvelle France industrielle“.

Das Französische Bildungsinstitut (Institut Francais de l’éducation, IFE) ist ein zentraler Akteur und übernimmt auf dem Gebiet der Bildungsforschung eine Koordinierungsfunktion. Es ist an der École Normale Supérieure de Lyon (ENS Lyon) angesiedelt. Die weiteren nachfolgenden, einem oder mehreren Ministerien unterstehenden Einrichtungen (Organismes sous tutelle) sind die wichtigsten Akteure der französischen Bildungsforschung:

  • Studien- und Forschungszentrum für Qualifikation (Centre d’Etudes et  de Recherches sur les Qualifications, Cereq)
  • Nationaler Bildungsservice für Kultur Edition Ressourcen (Service culture éditions ressources pour l’éducation nationale, Scéren)
  • Verbindungsstelle für Bildung und Informationsmedien (Centre de liaison de l’enseignement et des médias d’information, Clemi) 
  • Zentrum für Information zu Multimedia in der Hochschule (Centre de ressources et d’informations sur les multimédias pour l’enseignement supérieur, Cerimes – S.F.R.S.) 
  • Nationales Zentrum für Fernstudium (Centre National d’Enseignement à Distance, Cned) 
  • Internationales Zentrum für Pädagogik (Centre international d’etudes pédagogiques, Ciep) 
  • Nationale Informationsstelle für Bildung und Beruf (Office national d’information sur les enseignements et les professions, Onisep)
  • Französisches Dokumentationszentrum für Pädagogik (Réseau de création et d’accompagnement pédagogiques, Canopé)

2.3.3. Bio- und Agrarwissenschaften

Am 11. September 2014 wurde das Gesetz für Landwirtschaft, Ernährung und Forstwirtschaft (Loi d’avenir pour l’agriculture, l’alimentation et la forêt) verabschiedet. Es soll zur Wettbewerbsfähigkeit der französischen Landwirtschaft beitragen und die Agrarökologie fördern. Frankreich soll Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll zufolge weltweit führend in der Agrarökologie werden.

In der Programmlinie „Landwirtschaftliche Lehre und Forschung“ (Enseignement supérieur et recherche agricoles) des Forschungsbudgets 2014 sind Ausgaben in Höhe von 312 Millionen Euro vorgesehen, um die Ausbildung landwirtschaftlicher Fachkräfte (Ingenieure, Landschaftsarchitekten, Forschern, Tiermediziner) und eine kohärente Forschungspolitik in diesem Bereich zu sichern.

Die weiteren nachfolgenden, einem oder mehreren Ministerien unterstehenden Einrichtungen (Organismes sous tutelle) sind die wichtigsten Akteure der französischen Bio- und Agrarforschung:

  • Nationales Institut für Agronomieforschung (Institut national de la recherche agronomique, INRA) - Das führende INRA hat über 100 Standorte in Frankreich und richtet seine Forschungsarbeiten an sechs Metathemen aus: Nachhaltige Konzepte für die Gesundheit von Pflanzenkulturen; Anpassung der Forstwirtschaft an die Klimaveränderungen; Meta-Genomik mikrobieller Systeme; Nachhaltige Konzepte für die Gesundheit von Tieren; Bestimmende Faktoren und Einfluss von Fütterungspraktiken; Genomische Selektion
  • Französisches Institut für die Erforschung des Meeres (Institut français d’exploitation de la mer, IFREMER) – Seine strategischen Forschungsschwerpunkte im Bereich Biowissenschaften sind Marine Biodiversität und Nutzung der biologischen (Meeres-)Ressourcen Nachhaltiger Fischfang und Aquakulturen
  • Nationales Forschungsinstitut für Umwelt- und Agrarwissenschaften und -technologien (Institut national de recherche en sciences et technologies pour l’environnement et l’agriculture, IRSTEA)
  • Internationales Zentrum für Agronomieforschung in der Entwicklungszusammenarbeit (Centre de coopération International en Recherche Agronomique pour le Développement, CIRAD)
  • Das Institut für Biologie (Institut des sciences biologique) des CNRS

 Die „Agenda France Europe 2020“ auf deren Grundlage die Nationale Forschungsstrategie erstellt wird, die wiederum von den Instituten vertraglich verpflichtend umgesetzt werden muss, gibt für diesen Bereich die folgenden Themen vor:

  • Effizienter Umgang mit Ressourcen und Anpassung an die Klimaveränderungen
  • Gesundheit und Wohlbefinden
  • Lebensmittelsicherung und demographische Herausforderung

Die Umsetzung in konkrete Forschungsvorhaben geschieht mit Hilfe des „Wissenschaftlichen Beirates für biologische Landwirtschaft“ (Conseil Scientifique de l’Agriculture Biologique). Dieser wurde 2008 vom Landwirtschaftsministerium ins Leben gerufen, seine Mitglieder werden ernannt (http://agriculture.gouv.fr/Le-Conseil-Scientifique-de-l).

Die Bio- und Agrarwissenschaft sind zudem ein thematischer Schwerpunkt der Cluster (Pôles de compétitivité), in denen Industrie und Forschung zusammenarbeiten. Und zwar in folgenden Bereichen: Landwirtschaft / Lebensmittel; Bereich Bioressourcen, Materialien, Bioreaktoren; „Fabrik der Zukunft“ im Bereich ökologischer Verfahren,  Recycling und Rezyklierbarkeit von Materialien, pflanzenbasierte Chemie; Nutzung von Algen. Die einzelnen Cluster werden hier nicht aufgeführt, können aber über den Link nachgelesen werden.

2.3.4. Energieforschung

Nuklearenergie und erneuerbare Energien sind die beiden großen Schwerpunkte der französischen Energieforschung. Das Thema Energie hat für die französische Regierung zentrale Bedeutung:

  • 2014 wurde das Gesetz zur Energiewende auf den Weg gebracht (Projet de Loi de programmation pour un nouveau modèle énergétique français, im Dezember 2014 noch nicht verabschiedet); es sieht einen Investitionsfonds für drei Jahre in Höhe von 1,5 Milliarden Euro vor.
  • Zu den im Vorfeld der nationalen Forschungsstrategie benannten gesellschaftlichen Herausforderungen gehört „Saubere, sichere und effiziente Energie“. Die wichtigsten Forschungsakteure haben sich zur Nationalen Allianz für die Koordination der Energieforschung (Alliance nationale de coordination de la recherche pour l‘énergie, Ancre) zusammengeschlossen, die die Prioritäten in diesem Bereich definieren.
  • Im Forschungsbudget ist Energie ein wichtiges Thema im Rahmen der Programmlinie „Nachhaltige Energie, Entwicklung und Mobilität“ (Programme n° 190 :Recherche dans les domaines de l’énergie, du développement et de la mobilité durables), für das 2014 Ausgaben in Höhe von 1,4 Milliarden Euro eingeplant wurden, davon 47 % für die Energieforschung.
  • Das Programm „Zukunftsinvestitionen“ (Programme d‘investissements d’avenir, PIA) sieht für 
                         - die "Kernenergie von morgen" eine Milliarde Euro, davon 100 Millionen Euro für Forschungen auf dem Gebiet der Entsorgung radioaktiver Abfälle, vor.
                         - neun Exzellenzinstitute im Bereich CO2-freie Energien (Instituts d'excellence dans le domaine des énergies décarbonées, IEED) / Institute für den Klimawandel (Instituts pour la transition énergétique, ITE) eine Förderung von 1 Milliarde Euro (750 Millionen Euro Fondskapital + 250 Millionen Euro Verbrauchsmittel) vor. Die IEED wurden in ITE umbenannt.

Frankreich ist weiterhin Standort des internationalen, Kernfusionsreaktors ITER, der sich noch im Bau befindet (siehe Kapitel „Bi- und multilaterale Kooperationen“).

Nukleartechnologie

Leistungsträger von FuE in diesem Bereich ist insbesondere das Kommissariat für Atom und erneuerbare Energien (Commissariat à l'Énergie Atomique et aux Énergies Alternatives, CEA) ; seine Hauptaufgaben sind:

  • Verlängerung der Lebensdauer der gegenwärtigen Reaktorgeneration und Verbesserung der Leistungsfähigkeit ihrer Brennelemente
  • Konzeption und Evaluierung neuer Reaktorgenerationen (Entwicklung des Prototyps eines Reaktors der vierten Generation in der Perspektive des Jahres 2020)
  • wirksame und für die betroffene Bevölkerung annehmbare technische Lösungen für die Behandlung radioaktiver Abfälle
  • Rückbau von Kernenergieanlagen unter größtmöglicher Rücksichtnahme auf die Umwelt 

Alternative Energien

Mit Ankündigung Präsident Hollandes, den Anteil der Nukleartechnik an der Stromerzeugung mittelfristig auf 50% der Gesamtversorgung zurückzuführen, nehmen die Forschungsarbeiten im Bereich der alternativen Energien zu. Auch hier liegt ein Schwerpunkt beim CEA, ein weiterer im ehemaligen Französischen Institut für Erdgas (Institut Francais du Pétrole), das jetzt den Namen IFP Energies nouvelles („Neue Energien“) trägt. Begleitet wird der Wandel von der Agentur für Umwelt- und Energiewirtschaft ADEME, die den Akteuren beratend zur Seite steht, aber auch Projekte fördert.

Im Bereich der Cluster (Pôles de compétitivité), in denen Industrie und Forschung zusammenarbeiten, spielt vor allem das Thema Energieeinsparung und Netzmanagement eine Rolle (inbesondere bei den Clustern Alsace Energivie, Avenia, Capenergies, Industries et Agro-Ressources, S2E2 (Smart electricity cluster), Tenerrdis).

2.3.5. Ingenieurwissenschaften und Produktionstechnologie

In diesem Technologiebereich hat Frankreich traditionell Stärken sowohl im Transportsektor, als auch im Weltraum- und im Energiesektor. Allein für die Raum- und Luftfahrt sind im Forschungsbudget 2014 Ausgaben in Höhe von 2,6 Milliarden Euro vorgesehen. Hinzu kommt im Budget das Programm 192 „Forschung und Lehre im Wirtschafts- und Industriebereich“ (Recherche et enseignement supérieur en matière économique et industrielle: 970 Millionen Euro, die zur Förderung der Unternehmensforschung eingesetzt werden.

Im PIA werden die Ingenieurwissenschaften und Produktionstechnologien gesondert gefördert:

  • Acht Institute für technologische Forschung (Instituts de Recherche Technologique, IRT) werden mit zwei Milliarden Euro der Cluster Pôles de compétivité gefördert, die in Schlüsseltechnologien Forschung und industrielle Anwendung miteinander verbinden. Und zwar in den Bereichen Nanoelektronik ; Luft- und Raumfahrt, Bordsysteme; Infektionsforschung; Materialien, Metallbearbeitung und Verfahren; Schienenverkehrinfrastruktur; Verbundstoffe. 
  • 14 Gewerbliche Gesellschaften für Technologietransfer (Sociétés d’Accélération du Transfert de Technologie, SATT), denen für eine Laufzeit von 10 Jahren 860 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Diese Mittel sollen genutzt werden, um die Phase zwischen Erfindung und Marktreife zu finanzieren sowie die Zusammenarbeit mit den regionalen Akteuren zu intensivieren. Eine Übersicht aller 14 geförderten SATT findet sich hier.

Zu den im Rahmen der nationalen Forschungsstrategie definierten gesellschaftlichen Herausforderungen gehören die „Förderung des industriellen Aufschwungs“ und die „europäische Raumfahrt“. Im Rahmen des Plans für den industriellen Aufschwung „La nouvelle France industrielle“ sind mehrere Schwerpunkte vorgesehen, die die Produktionstechnologie betreffen (siehe Kapitel „Initiativen und Programme“).

Frankreich unternimmt seit 2013 besondere Anstrengungen, um den - aus eigener Sicht vernachlässigten - Bereich der Robotik zu stärken. Gute Ansätze gibt es bei einigen Clustern von Forschungseinrichtungen und Unternehmen, den sogenannten Pôles de compétitivité (v.a. EMC2; Minalogic; ViaMéca; Aerospace Vallex) und bei einem Carnot-Institut („Actions de recherche pour la Technologie et la Société“, ARTS). 

2.3.6. Geistes- und Sozialwissenschaften

Die sechs von Athena identifizierten Schwerpunktbereiche Quelle: http://www.allianceathena.fr/domaines-de-recherche (29.09.2014)
Die sechs von Athena identifizierten Schwerpunktbereiche Quelle: www.allianceathena.fr/domaines-de-recherche (29.09.2014)

Hauptakteure in der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung (GSW) sind die Universitäten, einige Grandes Écoles (insbesondere die Ecoles normales supérieures in Paris und Lyon) und andere sogenannte Grands établissements (EHESS, Ined, Inra …) sowie das Nationale Zentrum für Wissenschaftliche Forschung (Centre national de la recherche scientifique, CNRS). Die wichtigsten Akteure haben sich im Juni 2010 zur Nationalen Allianz für Geistes- und Sozialwissenschaften (Alliance nationale des humanités, sciences humaines et sociales, Athena) zusammengeschlossen. Athena hat sechs Schwerpunktbereiche identifiziert:

  • Märkte und Organisationen
  • Soziale Normen, Institutionen und Verhalten
  • Raum, Umwelt, Gesellschaft
  • Der menschliche Geist, Sprache, Bildung
  • Sprachen, Texte, Kunst und Kultur
  • Alte und zeitgenössische Welten

Etwa 10 % des öffentlichen Forschungsbudgets entfallen auf die GSW. Etwa die Hälfte aller Forscher und aller Doktoranden sind diesem Bereich tätig.

Die GSW sind Bestandteil des Programms 172 im Forschungsbudget, "Pluridisziplinäre wissenschaftliche und technologische Forschungen" („Recherches scientifiques et technologiques pluridisciplinaires“). Ihnen ist dezidiert die Aktion Nr. 10 „Forschung zu Mensch und Gesellschaft (Recherches scientifiques en sciences de l’homme et de la société) gewidmet, für die 2014 330 Millionen Euro vorgesehen waren. Anhand der einschlägigen Dokumente ist erkennbar, dass auf den verschiedensten Gebieten der Geistes- und Sozialwissenschaften anwendungsbezogene Forschung, Interdisziplinarität, Internationalisierung und Europäisierung in wachsendem Umfang an Bedeutung gewinnen.

Zu den im Vorfeld der nationalen Forschungsstrategie benannten gesellschaftlichen Herausforderungen dürften die GSW sich insbesondere unter den Punkten „Innovative, integrierende und anpassungsfähige Gesellschaft“ und „Freiheit und Sicherheit Europas, seiner Bürger und Bewohner“ wiederfinden.

2.3.7. Geowissenschaften und Meeresforschung

Zu den im Vorfeld der nationalen Forschungsstrategie benannten gesellschaftlichen Herausforderungen gehört „Anpassung an den Klimawandel und verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen“, worunter die Geowissenschaften und die Meeresforschung zu verstehen sind. Die wichtigsten Akteure im Bereich Meeres- und Polarforschung sowie der Geowissenschaften gehören zu den zwölf Gründungsmitgliedern der Forschungallianz für Umwelt (Alliance nationale de recherche pour l’environnement). Die Allianz ist für den Beitrag zu den Themen Ernährung, Wasser, Klima und Territorien zur nationalen Forschungsstrategie verantwortlich. Die wichtigsten Akteure in diesem Bereich sind:

  • Französisches Institut für die Erforschung des Meeres (Institut français de recherche  pour l’exploitation de la mer, IFREMER) – Großgeräte im Dienste der Ozeanographie; Überwachung, Nutzung und Verwertung der Küstengewässer; Überwachung und Optimierung von Aufzuchtanlagen; Nachhaltige Nutzung der Fischbestände und ihre Verwertung; Erforschung der Ozeantiefen; ihre Biodiversität, Meeresströmungen und die Ökosysteme des Meeres: ihre Mechanismen, ihre Evolution und voraussichtliche Entwicklung
  • Polarforschungsinstitut (Institut polaire français – Paul Émile Victor, IPEV) – Kompetenzzentrum für die Erforschung der Arktis und der Antarktis; jährliche Ausschreibungen für Forschungsprojekte in den Lebenswissenschaften, der Wissenschaft des Universums und « Mensch und Gesellschaft »
  • Büro für Geologie und Minenforschung (Bureau de recherches géologiques et minières, BRGM) – Suche nach (und Aufbereitung von) Bodenschätzen; Geothermie; Langzeitlagerung von CO2 in tiefgelegenen Aquifers im Zeichen des Klimawandels 

2.3.8. Gesundheitsforschung

Zu den im Vorfeld der nationalen Forschungsstrategie benannten gesellschaftlichen Herausforderungen gehört „Gesundheit und Wohlbefinden“. Frankreich hat auf diesem Gebiet international herausragende Institutionen. Dies sind insbesondere:

  • Nationales Institut für Gesundheit und medizinische Forschung (Institut national de la santé et de la recherche médicale, INSERM)
  • Institut Pasteur
  • Institut Curie
  • 30 Regionale und universitäre Klinikzentren (Centres Hospitaliers Régionaux et Universitaires, CHRU)
  • Universitäre, klinische Forschungsinstitute (Instituts Hospitalo-Universitaires, IHU) – In der ersten Ausschreibungsrunde der PIA 2010 wurden die IHU mit 855 Millionen Euro ins Leben gerufen und gefördert. Ziel war es, die CHRU zu ergänzen und 5 exzellente Standorte für klinische Forschungen zu identifizieren, die Grundlagenforschung mit Behandlungsmethoden und wirtschaftlich verwertbaren Produkten verbinden. Diese werden als Stiftung gefördert. Von einer internationalen Jury wurden 6 von 19 Anträgen ausgewählt, die hier aufgelistet sind.
  • Nationales Institut für Informatik und Automatik (Institut national de recherche en informatique et en automatique, INRIA) – einer der fünf thematischen Schwerpunkte lautet „Gesundheit, Biologie und der digitale Planet“
  • Kommissariat für Atom und erneuerbare Energien (Commissariat à l’énergie atomique et aux énergies alternatives, CEA) – im Bereich der Grundlagenforschung forscht das CEA auch zu Lebenswissenschaften

 Relevant für die Forschung auf diesem Gebiet sind die Nationale Gesundheitsstrategie (Stratégie nationale de la santé, SNS), der Plan für neuro-degenerative Krankheiten (Plan maladies neurodégénératives) und der Plan für den Kampf gegen Krebs (Plan Cancer) (siehe Kapitel „Forschungspolitische Ziele“). Die regionalen und staatlichen Agenturen, die die Forschung im Rahmen dieser Strategien koordinieren, sind:

  • Nationale Agentur für Aidsforschung (Agence nationale pour la recherche sur le sida
  • Nationales Krebsinstitut (Institut national du cancer, Inca) – Trotz des Namens handelt es sich beim Inca in erster Linie um eine staatliche Agentur, deren Aufgabe es ist, die Krebsforschung zu koordinieren und zu steuern
  • Sieben regionale Zentren für Krebsforschung (Cancéropoles) – Koordinierung der Krebsforschung auf regionaler Ebene, mit Unterstützung des Inca

Die Forschungseinrichtungen haben sich in der Nationalen Allianz für Lebenswissenschaften und Gesundheit (Alliance nationale pour les sciences de la vie et de la santé, AVIESAN) zusammengeschlossen, um ihre Arbeit möglichst effizient zu planen und zu koordinieren. Um die große Zahl der Institute optimal einzubinden, hat AVIESAN zehn virtuelle Institute (Instituts thématiques multi-organismes, ITMO) geschaffen, die die Forschung auf folgenden Themenbereichen verantworten: 

  • Molekulare und strukturelle Grundlagen des Lebens
  • Zellbiologie – Evolution und Weiterentwicklung
  • Krebs
  • Kreislauf, Metabolismus, Ernährung
  • Genetik, Genomik und Bioinformatik
  • Immunologie, Hämatologie, Lungenkrankheiten
  • Mikrobiologie und Infektiöse Krankheiten
  • Neurowissenschaften, kognitive Wissenschaften, Neurologie, Psychiatrie
  • Volksgesundheit
  • Medizinische Technologien

Als neuer Schwerpunkt besonderer Förderung durch die französische Exzellenzinitiative im Rahmen des PIA wurde der Bereich „Kohortenforschung“ aufgenommen. Angesichts der hochkomplexen Entwicklungen durch die Entschlüsselung des Genoms und  die Einflüsse der globalen Veränderungen ist der Schwerpunkt der Arbeiten in diesem Bereich eine integrale Systembiologie, die ein einheitliches Verständnis des Lebens erlauben soll. Dafür müssen die Integrationsmechanismen über alle Stufen des Lebens, vom Molekül bis zum komplexen Ökosystem, erforscht werden. Die wissenschaftlichen Untersuchungen tragen zur Biotechnologie, zur Biomedizin und – unter Vernetzung mit der klinischen Forschung und den Klinikbetrieben – zur Gesundheit bei. Das Vorgehen ist jeweils interdisziplinär angelegt und hat die medizinische und industrielle Verwertung im Blick. Kohortenforschung ist auch ein Schwerpunkt der deutsch-französischen Forschungsagenda.

Im Rahmen der Ebola-Epidemie, die im März 2014 in Westafrika ausgebrochen ist, spielt das Institut Pasteur eine herausragende Rolle. Die Labore des Institut Pasteur in Paris, Lyon und Dakar haben zur ersten Diagnose beigetragen und leisten ihren Beitrag zur epidemiologischen Überwachung des Virus. Das Laboratoire Jean Mérieux (Inserm/Institut Pasteur) in Lyon ist das einzige zivile Labor der Sicherheitsstufe 4 in Frankreich und hat europaweit in diesem Bereich die größte Kapazität für Versuchsreihen. 

2.3.9. Grundlagenforschung

Die Grundlagenforschung nimmt eine herausragende Stellung ein und spielt für alle „gesellschaftlichen Herausforderungen“, die im Rahmen der Vorbereitungen für die nationale Forschungsstrategie definiert wurden, eine Rolle. Für die Förderung der zweckfreien Grundlagenforschung, die über diese 9 gesellschaftlichen Herausforderungen hinausgeht, hat die französische Forschungsagentur ANR ihre Ausschreibung „An den Grenzen der Forschung“ (Aux frontières de la Recherche) 2015 erneuert.

Die wichtigsten Akteure in der Grundlagenforschung sind das CNRS sowie allgemein die Universitäten. Die Akteure kooperieren in gemeinsamen Forschergruppen (unités mixtes de recherche, UMR) und sind in größere Verbünde eingegliedert (Hochschul- und Forschungszentren (Pôles de recherche et d’enseignement supérieur, PRES) bzw. nach der Reform Gemeinschaften von Universitären und Einrichtungen (Communautés d’universités et établissements, Comues).

 Frankreich ist in zahlreichen Bereichen der Grundlagenforschung erfolgreich, es erfolgt daher an dieser Stelle keine Detailanalyse. Erwähnt sei, dass Frankreich sich auf europäischer Ebene an zahlreichen Großgeräten für die Grundlagenforschung (z.B. CERN, ESRF, ILL, IRAM etc. siehe Kapitel „Internationale Kooperationen“) beteiligt. 

2.3.10. Information und Kommunikation

Den Informations- und Kommunikationswissenschaften kommt eine strategische Bedeutung zu. Sie dürften in der kommenden Forschungsstrategie unter der dort definierten gesellschaftlichen Herausforderung „Informations- und Kommunikationsgesellschaft“ besondere Förderung erfahren. In diesem Bereich sind sowohl die Informations- und Kommunikationstechnologien im engeren Sinne als auch physikalischen Grundlagen (insbesondere Mikro- und Nanotechnologien) und die Anwendungsfelder  (Modellierung und Prozesssimulation mittels Höchstleistungsrechnern) angesprochen.

Die wichtigsten Akteure in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Nationales Institut für Informatik und Automatisierungsforschung (Institut national de recherche en informatique et en automatique, INRIA) – INRIA hat mit 151 Projektgruppen und acht regionalen Zentren, mehrheitlich in Kooperation mit anderen Einrichtungen, eine federführende Rolle in den Informations- und Kommunikationstechnologien. Seine Forschungen konzentrieren sich auf fünf Schwerpunkte: Gesundheit, Biologie und der digitale Planet; Angewandte Mathematik, Rechnen und Simulation; Wahrnehmung, Erkenntnis, Wechselwirkung; Netze, Systeme und Dienstleistungen, Parallel-Rechnen (Cloud Computing); Algorithmen, Programmierung, Software und Architekturen. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Erhöhung der Sicherheit an der Schnittstelle eines jeweiligen Rechners zu anderen Rechnern/Netzen.
  • Kommissariat für Atom und erneuerbare Energien (Commissariat à l’énergie atomique et aux énergies alternatives, CEA)

Die wichtigsten Akteure dieses Bereichs haben die Allianz der digitalen Wissenschaften und Technologien (Alliance des Sciences et Technologies du Numérique, Allistene) gegründet.

Big Data und der Umgang mit großen Datenmengen sind zunehmend ein zentrales Thema für die französischen Forschungsakteure. Verschiedene französische Forschungseinrichtungen und Universitäten haben sich zusammengeschlossen und mit dem Zentrum für Simulation (Maison de la Simulation) ein interdisziplinäres Labor gegründet, das Forschern mehrere Hochleistungsrechner zur Verfügung stellt. Es wurde am 15. September 2014 eingeweiht. Das Zentrum ist Teil des europäischen Netzwerks Prace (Partnership for Advanced Computing in Europe) und des französischen Netzwerkes Genci (Grand Equipement National de Calcul Intensif). Es wurde gemeinsam von den Forschungseinrichtungen CEA, CNRS, Inria sowie den Universitäten Paris-Sud und Versailles-St Quentin gegründet. Genutzt werden soll das Zentrum sowohl für Grundlagen- als auch für angewandte Forschung. Dafür werden Programme und leistungsstarke Rechner benötigt, die parallele Berechnungen ermöglichen. Nach der Auswertung müssen die Daten mit geeigneten Programmen weiterbearbeitet und ggf. visualisiert werden. Petaflop-Systeme stellen hierbei eine besondere Herausforderung dar, die nur von interdisziplinären Expertengruppen bewältigt werden können. 

2.3.11. Mobilität und Raumfahrt

Die Themen Transport, Mobilität sowie Luft- und Raumfahrt stehen in enger Verbindung mit dem Forschungsschwerpunkt „Ingenieurwissenschaften und Produktionstechnologien“ und sind aufgrund der industriellen Tradition Frankreichs sehr wichtige Bereiche. Sie werden in der kommenden Forschungsstrategie unter den dort definierten gesellschaftlichen Herausforderungen „Mobilität und nachhaltige urbane Systeme“ sowie „Raumfahrt für Europa“ weiterhin besondere Förderung erfahren. Frankreich ist im Bereich der Raumfahrt in Europa der wichtigste Forschungsakteur und legt besonderen Wert auf seine Raumfahrtstrategie (siehe Kapitel „Forschungspolitische Ziele“).

Für die Raumfahrtforschung allein sind für 2014 Ausgaben in Höhe von 1,5 Milliarden Euro eingeplant, davon 755 Millionen für die Europäische Raumfahrtagentur ESA.

Mobilität

Die wichtigsten Akteure in der Mobilitätsforschung sind:

  • Französisches Institut der Wissenschaft und Technologie des Transportes, des Straßenbaus und der Verkehrsnetze (Institut français des sciences et technologies des transports, de l'aménagement et des réseaux, IFSTTAR) – Seine 17 Laboratorien arbeiten zu fünf Querschnittsthemen: Materialien und Strukturen; Geotechnologie, Umwelt, natürliche Risiken und Erdwissenschaften; Bauelemente und Systeme; Transport, Gesundheit, Sicherheit; Straßenbau, Mobilität und Umwelt
  • Studienzentrum für Risikobewertung, Umwelt, Mobilität und Ausbau (Centre d’études et d'expertise sur les risques, l'environnement, la mobilité et l'aménagement, CEREMA) – Wurde am 1.1.2014 gegründet und soll politische Entscheidungen zu Fragen der Raumordnung und der nachhaltigen Entwicklung prüfen und umsetzen. Das CEREMA ist eine Zusammenführung von elf Einrichtungen in den Zuständigkeitsbereichen des Ministeriums für Wohnungswesen, Regionen und ländlichen Raum (Ministère du Logement, de l'Egalité des territoires et de la Ruralité) sowie des Ministeriums für Umwelt, nachhaltige Entwicklung und Energie (Ministère de l’Écologie, du Développement durable et de l’Énergie).

CEREMA und IFSTTAR haben im Juli 2014 ein Kooperationsabkommen unterzeichnet.

Luftfahrtforschung 
Innerhalb der staatlichen Forschungseinrichtungen ist für die Luftfahrtforschung und -technologie das Nationale Büro für Luft- und Raumfahrtforschung (Office national d’ études et de recherches aérospatiales, ONERA) der wichtigste Akteur. ONERA betreibt Luft- und Raumfahrtforschung  einschließlich Forschungen im Verteidigungs- und Sicherheitssektor (insbesondere in den Bereichen Aerodynamik, Avionik, Materialien, Umwelt). Die Schwerpunkte seiner Arbeit lauten: 

  • Übertragbarkeit von militärischen auf zivile Anwendungen und umgekehrt
  • Intensivierung der Akquisitionsbemühungen zur Durchführung von FuE-Aufträgen  großer  Flughäfen, von Luftfahrtgesellschaften und großer Industrieunternehmen auch außerhalb des Luftfahrtbereichs
  • Weiterer Ausbau der Zusammenarbeit mit Kleinen und Mittleren Unternehmen
  • Mehr Projektleitungen bei Projekten mit mehreren Partnern ( z.B. Machbarkeitsstudie betreffend den Einsatz alternativer Treibstoffe durch Flugzeuge
  • Verstärkte Zukunftsinvestitionen durch Sachinvestitionen und Einstellung junger Ingenieure, Doktoren sowie von Ingenieuren mit Berufserfahrung.

Für seine Arbeiten unterhält ONERA eine der weltweit modernsten Windkanalanlagen, in denen Flugmodelle und Flugzeugelemente unter Bedingungen von Mach 0,1 bis Mach 20 untersucht werden können.

Raumfahrtforschung

Die wichtigsten Akteure in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Nationales Luft- und Raumfahrtzentrum (Centre national d’études spatiales, CNES) – Das CNES ist die führende Einrichtung in der Raumfahrtforschung. Es beteiligt sich intensiv an den europäischen Programmen, insbesondere Galileo und Copernicus. Weiterhin ist es auf nationaler Ebene, allein oder mit anderen ausländischen Partnern, für folgende Satellitenprojekte zuständig: Wasserkreislauf (Megha-Tropiques); Höhenmessung der Meere (Altika und Jason 3; Zusammenarbeit mit den USA); Fernmeldewesen (Alphabus und Athéna Fidus); Meteorologie (Meteosat der 3. Generation); sowie die Beobachtung des Weltraums und die Erforschung des terrestrischen Magnetfeldes. Eine weitere Aufgabe des CNES besteht darin, seine Unterstützung und seine Expertise in die Entwicklung neuer Generationen von Satelliten-Systemen einzubringen (Beispiele: SWOT für die Höhenmessung des Meeres; wissenschaftliche Mikrosatelliten wie u. a. Taranis) und die Trägertechnik (Ariane 5 ME und Ariane 6) weiter zu entwickeln. Das CNES vertritt die Interessen Frankreichs in der European Space Agency (ESA).
  • Nationales Institut für Informatik und Automatisierungsforschung (Institut national de recherche en informatique et en automatique, INRIA)
  • Kommissariat für Atom und erneuerbare Energien (Commissariat à l’énergie atomique et aux énergies alternatives, CEA)

2.3.12. Physikalische und chemische Technologien

Neue Materialien

Die wichtigsten Akteure über das CNRS und die Universitäten hinaus in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Kommissariat für Atom und erneuerbare Energien (Commissariat à l'Énergie Atomique et aux Énergies Alternatives, CEA)
  • Die Ingenieurhochschulen (Écoles d’ingénieurs)
  • Das Carnot-Institut Materials Institute Carnot Alsace, MICA“ 
  • Pôle de compétitivité Elastopôle: Kautschuk und Polymere
  • Pôle de compétitivité Materalia: Werkstoff- und Verfahrensinnovation 

Nanotechnologie

Die Nanotechnologie ist in Frankreich aufgrund ihrer Risiken ein nicht unumstrittenes Thema, hat aber zugleich im Industrie- wie auch im  Wissenschaftsbereich eine große Bedeutung. Mehr als 260 Unternehmen sind in diesem Bereich aktiv, vor allem kleine und mittlere Unternehmen. Die wichtigsten Anwendungsbereiche sind der Transport, das Bauwesen, die Gesundheitsindustrie, der Luxussektor und das Verteidigungswesen. Innerhalb der „Agenda France Europe 2020“ sind die Nanotechnologien Bestandteil des Ziels „Förderung des industriellen Aufschwungs“. Sie sind daher auch in den Ausschreibungen der Nationalen Agentur für Forschungsförderung enthalten (Achse 5 „Nanomaterialien und Nanotechnologien für Zukunftsprodukte“). Frankreich investiert nach Deutschland die meisten Mittel in die Entwicklung dieses Technologiebereichs. Die beiden wichtigsten Forschungsakteure sind das CNRS und das CEA, regionale Zentren sind Paris, Lille, Toulouse und Grenoble. 

Nukleartechnologie (siehe „Energieforschung“ in diesem Kapitel)

2.3.13. Sicherheitsforschung

Die zivile Sicherheitsforschung, ist eine vergleichsweise neue Disziplin mit den Kernthemen

  • Schutz von Menschen in urbanen Räumen
  • Sicherheit der Warenketten
  • Schutz kritischer Infrastrukturen und Netzwerke
  • Kriminalitätsbekämpfung/Cyber-Kriminalität

Über die traditionelle Forschung im Bereich von Brandbekämpfung, Flugsicherung etc. hinaus sind typische Beispiele des neuen Ansatzes autonome Robotersysteme einschließlich neuer Kommunikationsarchitekturen, die im Katastrophen- und Brandschutz zum Einsatz kommen können. Ein weiteres ist das Projekt „SMaRT-OnlineWDN“ – Online Security Managementsystem, mit dem Trinkwasserversorgungsnetze auf intendierte oder durch Unfall versursachte Verunreinigungen überprüft werden sollen.

Die wichtigsten Akteure in diesem Bereich sind:

  • Kommissariat für Atom und alternative Energien (Commissariat à l’énergie atomique et aux énergies alternatives, CEA)
  • Hochschule für Schutzmaßnahmen (Ecole d'Application de Sécurité Civile, ECASC) 
  • Kriminologieinstitut der Universität Paris 2 (Institut de criminologie de Paris II, ICP)
  • Nationales Forschungsinstitut für Informatik und Automatik (Institut national de recherche en informatique et en automatique, INRIA)
  • Institut für Kriminalforschung der Gendarmerie (Institut de Recherche Criminelle de la Gendarmerie Nationale, IRCGN) 
  • Nationales Forschungszentrum für Luft- und Raumfahrt (Centre français de recherche aérospatiale, Onera)
  • Universität Paris-Descartes

2.3.14. Umwelt- und Klimaforschung

Dieser Bereich ist in Frankreich aktuell im Umbruch und steht in engem Zusammenhang mit dem Forschungsschwerpunkt „Energieforschung“. In der in Arbeit befindlichen Forschungsstrategie finden sich die Umwelt- und Klimaforschung unter den dort definierten gesellschaftlichen Herausforderungen „Anpassung an den Klimawandel und verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen“ sowie „Saubere, sichere und effiziente Energie“.

2014 wurde zudem das Gesetz zur Energiewende auf den Weg gebracht (Projet de Loi de programmation pour un nouveau modèle énergétique français, im September 2014 noch nicht verabschiedet), eines der zentralen Projekte der Präsidentschaft von François Hollande.

Die Forschungseinrichtungen folgten bislang der Ende 2013 abgelaufenen „Nationalen Strategie für nachhaltige Entwicklung“, an deren Folgedokument der „Nationale Rat für den ökologischen Übergang“ (Conseil national de la transition écologique (CNTE)) arbeitet (Herbst 2014). Er wird dabei zu Forschungsfragen von der Allianz für die Umwelt (Alliance pour l‘ environnement, AllEnvi) unterstützt, in der – neben anderen – die wesentlichen Leistungsträger unter den Forschungseinrichtungen im Bereich Umwelt/Klima/nachhaltige Entwicklung vereinigt sind:

  • Büro für Geologie und Minenforschung (Bureau de recherches géologiques et minières, BRGM)
  • Internationales Zentrum für Agronomieforschung in der Entwicklungszusammenarbeit (Centre de coopération International en Recherche Agronomique pour le Développement, CIRAD)
  • Französisches Institut für die Erforschung des Meeres (Institut français d’exploitation de la mer, IFREMER)
  • Nationales Institut für Agronomieforschung (Institut national de la recherche agronomique, INRA)
  • Forschungsinstitut für Entwicklung (Institut de recherche pour le développement, IRD)
  • Nationales Forschungsinstitut für Umwelt- und Agrarwissenschaften und -technologien (Institut national de recherche en sciences et technologies pour l’environnement et l’agriculture, IRSTEA)

Konkret haben diese Einrichtungen fünf große Aufgabenfelder:

  • Wissenschaftliche Forschung
  • Technologietransfer, um zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit beizutragen
  • Enge Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern
  • Durch wissenschaftlich-technologische Partnerschaften zur Entwicklung des „Südens“ (hier: Nordafrika) beitragenAktiv am Aufbau des europäischen Forschungsraumes mitwirken  

Das Investitionsprogramm PIA enthält „Nachhaltige Ökologie, Entwicklung und Infrastrukturmaßnahmen (Ecologie, développement et aménagement durables) als einen Förderschwerpunkt, für den 1,6  Milliarden Euro veranschlagt sind. Zudem wird Frankreich im Dezember 2015 die UN-Klimakonferenz in Paris ausrichten.

3. Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik

3.1. Ministerien und Gremien

3.1.1. Für Bildung und Forschung zuständige Ministerien

Für die Gestaltung der Regierungspolitik in den Bereichen Hochschulwesen und Forschung ist seit der Regierungsumbildung im August 2014 das Ministerium für Bildung, Hochschulwesen und Forschung (Ministère de l'Éducation nationale, de l’Enseigement Supérieur et de la Recherche, MENESR) zuständig.

Dies geschieht in Zusammenarbeit mit fünf anderen Ministerien:

  • Ministerium für Ökologie, nachhaltige Entwicklung und Energie (Ministère de l'écologie, du développement durable et de  l'énergie)
  • Ministerium für Wirtschaftsaufschwung (Ministère du redressement productif)
  • Verteidigungsministerium (Ministère de la défense)
  • Ministerium für Kultur und Kommunikation (Ministère de la culture et de la communication)
  • Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forst (Ministère de l’agriculture, de l’agroalimentaire et de la forêt)

Ferner im Rahmen gemeinsamer Steuerung von Forschungseinrichtungen:

  • Ministerium für Soziales und Gesundheit (Ministère des Affaires sociales et de la Santé)
  • Ministerium für Arbeit, Beschäftigung und sozialen Dialog (Ministère du Travail, de l’Emploi et du Dialogue social)
  • Ministerium für Auswärtiges und internationale Entwicklung (Ministère des Affaires étrangères et du Développement international)

Diese Ministerien verantworten gemeinsam die Politik der Gestaltung von Forschung und Bildung im Rahmen des interministeriellen Ausschuss für Forschung und Hochschulen (Mission interministerielle recherche et éducation supérieure, MIRES), wobei das MENESR die Federführung hat. Es weist den Großteil der vom Parlament bereitgestellten Mittel gemäß den Forschungsschwerpunkten den Forschungseinrichtungen zu, was zunehmend im Rahmen von fünfjährigen Ziel- oder Mittelvereinbarungen (contrats quinquennaux) zwischen dem Ministerium und den Verantwortlichen dieser Einrichtungen geschieht. Im Hochschul- und Forschungsgesetz 2013 wurde festgelegt, dass perspektivisch Ziel- und Mittelvereinbarungen nur noch mit Standorten (Communautés d’universités et d’établissements, Comues) und nicht mehr mit einzelnen Einrichtungen geschlossen werden sollen.

Das Parlament gibt durch seine Abstimmung lediglich den Rahmen für die Programme vor – das Ministerium kann innerhalb der Programme abweichend vom Haushaltsentwurf Mittel auf einzelne Aktionen verteilen. Diese breite Zuständigkeit ermöglicht es dem MENESR, auch auf Haushalts- und Finanzebene die Verantwortung für die staatliche Forschungspolitik zu übernehmen und diese gegenüber Universitäten, Forschungseinrichtungen und in der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zu bestimmen und durchzusetzen.

Im August 2014 wurde Najat Vallaud-Belkacem zur Ministerin für Bildung, Hochschulen und Forschung ernannt. Geneviève Fioraso war von Mai 2012 bis April 2014 Ministerin für Hochschulen und Forschung. Nach der oben erwähnten Regierungsumbildung ist sie für diesen Bereich als Staatssekretärin zuständig.

3.1.2. Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungspolitik

Zahlreiche Räte (Conseil), Komitees (Comité) und Kommissionen (Commission) stehen dem Bildungsministerium beratend zur Seite und werden im Folgenden kurz vorgestellt.

Hoher Evaluierungsrat (Haut Conseil à l’évaluation de la recherche et de l’enseignement supérieur, HCERES)

Der 2014 ins Leben gerufene HCERES ist eine unabhängige Verwaltungsbehörde. Er hat damit eine Sonderstellung, da er durch Struktur und Budget nicht als klassisches Beratungsgremium bewertet werden kann. Er ist für die Bewertung von Begutachtungsprozessen anderer Instanzen sowie ggf. auch selbst für Gutachten zuständig. Für ausführlichere Informationen: Kapitel „Initiativen und Programme“, Abschnitt „Ergebnisse von Evaluierungen“.

Räte (Conseils)

Hochschulen und Forschung:

Der Strategische Forschungsrat (Conseil stratégique de la recherche, CSR) wurde im Rahmen der Hochschul- und Forschungsreform 2013 geschaffen und fungiert als Beratungsinstanz unter der Leitung des Premierministers (in Vertretung übernimmt dies der für Forschung und Hochschulen zuständige Minister). Dem CSR obliegt es, die wissenschaftlichen und strategischen Prioritäten zu Forschung und Innovation vorzuschlagen, die der Regierung im Rahmen  der Agenda „France Europe 2020“ zur Entscheidung vorgelegt werden (siehe Kapitel „Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik“). Er ersetzt den Hohen Rat für Wissenschaft und Technologie (Haut Conseil de la Science et de la Technologie, HCST) sowie den Obersten Rat für Forschung und Technologie (Conseil Supérieur de la Recherche et de la Technologie, CSRT), die bisher diese Funktion innehatten und besteht aus 26 ernannten Mitgliedern.

Der Nationale Universitätsrat (Conseil national des universités, CNU) ist eine nationale, vom Bildungsministerium relativ unabhängige Instanz der französischen wissenschaftlichen Gemeinschaft, die über Berufungen und Beförderungen an den Universitäten entscheidet. Er besteht aus 11 Gruppen, die in 77 disziplinäre Abschnitte (séctions) aufgeteilt sind. Er hat über 1.800 Mitgliedern (Professoren und Hochschuldozenten), von denen 2/3 gewählt werden. 1/3 wird vom Bildungsministerium ernannt. Um an einer Universität als Hochschuldozent (Maître de conférence) oder Professor eingestellt zu werden, muss sich ein Wissenschaftler beim jeweiligen disziplinären Abschnitt des CNU bewerben. Die Mitglieder des Abschnitts erstellen eine Rangliste. Entsprechend seiner Platzierung kann sich der Wissenschaftler dann auf offene Stellen an den Hochschulen bewerben. Der CNU entscheidet auch über die Beförderungen der Professoren, die zu Beginn „2. Klasse“ (deuxième classe) sind und entsprechend ihrer Leistungen zu „1. Klasse“ oder „außergewöhnliche Klasse“ (première classe, classe exceptionelle) befördert werden können. Damit ist auch eine Gehaltserhöhung verbunden.
Die Fachgruppen Medizin, Pharmazie und Zahnmedizin gehören zum CNU, sind jedoch in einem eigenen Rat, dem CNU-Gesundheit (CNU-Santé) organisiert.

Die Kommission für den Titel des Ingenieurs (Commission des Titres d’Ingénieur, CTI) ist eine unabhängige Einrichtung, die seit 1934 alle französischen Ingenieurdiplome akkreditiert.

Der Nationale Rat für Hochschulen und Forschung (Conseil national de l'enseignement supérieur et de la recherche, Cneser) vereint die Vertreter der universitären Gemeinschaft (CPU, Wissenschaftler der Universitäten (enseignants-chercheurs), studentische Gewerkschaften, Arbeitnehmervertreter …) und muss für Gesetzesvorhaben, die Universitäten bzw. Hochschulen betreffen, konsultiert werden. Die Bewertung der Forschungspolitik gehört nicht zu den Aufgaben des Cneser. Er hat sich 2014 kritisch zu den Hochschulzusammenschlüssen geäußert, die im Rahmen der Hochschul- und Forschungsreform 2013 angestoßen wurden (Regroupements universitaires).  

Schulwesen:

Der Oberste Programmrat (Conseil supérieur des programmes) wurde durch das Schulgesetz 2013 (Loi pour la refondation de l’École de la République du 8 juillet 2013) geschaffen und ersetzt den Hohen Bildungsrat (Haut conseil de l'éducation, in dieser Funktion tätig von 2005 bis 2013). Er ist zuständig für Gutachten und Empfehlungen zu den Lehrprogrammen unter dem Vorsitz des Bildungsministers und soll garantieren, dass die Lehrinhalte wissenschaftlich abgesichert sind. Er ist eine unabhängige Instanz und besteht aus 20 ernannten bzw. parlamentarischen Mitglieder.

Der Oberste Bildungsrat (Conseil supérieur de l’éducation, CSE) berät unter dem Vorsitz des Bildungsministers die Regierung in allen Bildungsfragen und verfügt über eine spezielle Gerichtsbarkeit (juridiction administrative spécialisée). Er besteht aus 97 per Beschluss ernannten Mitgliedern, die das Personal, die Eltern, Schüler, Studierende, die Gebietskörperschaften sowie andere gesellschaftliche Interessensvertreter vertreten. Er ist das Pendant für das Schulwesen zum Cneser (siehe oben). 

Ferner: Ein Nationaler Rat für Schülerbelange (Conseil national de la vie lycéenne, CNVL), der aus 33 gewählten Gymnasiasten (lycéens) besteht; ein Nationaler Rat der den staatlichen Unterricht ergänzenden Bildungsvereine (Conseil national des associations éducatives complémentaires de l'enseignement public, CNAECEP), der seine Einschätzung zu Bildungsvereinen abgibt, die staatliche Mittel erhalten.

Der Nationale Evaluierungsrat des Schulsystems (Conseil national d’évaluation du système scolaire, CNESCO) wurde im Januar 2014 auf Basis des Gesetzes für die Neugründung der Schule (Loi pour la refondation de l’École de la République du 8 juillet 2013) geschaffen. Er evaluiert das Schulsystem, insbesondere im internationalen Vergleich, bewertet bestehende Evaluierungen und vermittelt die Evaluierungskultur dem Lehrpersonal und der Öffentlichkeit. (Siehe auch Kapitel „Ergebnisse von Evaluierungen“)

 

Ausschüsse (Comités) und weitere Instanzen

Hochschulen und Forschung:

Außerhalb der Instanzen im Zuständigkeitsbereich des Bildungsministeriums steht das Office parlementaire d'évaluation des choix scientifiques et techniques (OPECST), das beim Parlament angesiedelt und zuständig für Forschungs- und Technikfolgenabschätzung ist (siehe Kapitel „Initiativen und Programme“, Abschnitt „Ergebnisse von Evaluierungen“)

Darüber hinaus haben die Allianzen eine beratende Funktion für ihren jeweiligen Wissensbereich bei der Erstellung der Nationalen Forschungsstrategie (Stratégie nationale de la recherche, siehe Kapitel „Forschungsorganisiationen“).

Schulwesen:

Der Abgeordnete des Premierministers für Information und Orientierung (Le délégué à l'information et à l'orientation auprès du Premier ministre): hat zur Aufgabe, mit den Regionen und den Sozialpartnern ein umfassendes Informationssystem zu erstellen, das jedem seine individuellen Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung aufzeigt

3.2. Politische Zielsetzungen

3.2.1. Überblick

Mit der Neuordnung des Systems durch das Hochschul- und Forschungsgesetz 2013 (Loi sur l’enseignement supérieur et la recherche du 22 juillet 2013) hat die Regierung drei Prioritäten für diesen Bereich definiert:

  • Studienerfolg (erfolgreicher Abschluss des Studiums)
  • Koordination des Ausbildungs- und Forschungsangebotes durch Standortpolitik
  • Schaffung einer nationalen Strategie für Grundlagen- und technikorientierte Forschung, Transfer und Innovation (seit Sommer 2013 wird eine nationale Forschungsstrategie erarbeitet)

Hochschulen und Forschung sollen aus Sicht der Regierung essentielle Hebel für den wirtschaftlichen und sozialen Aufschwung des Landes sein. Sie sollen die Innovationsfähigkeit des Produktionssystems wiederbeleben, zu neuen Wirtschaftsbereichen beitragen und so neue Arbeitsplätze schaffen.

Für die Bereiche Hochschulen und Forschung gelten die Grundsätze der universitären Autonomie sowie übergeordnet die Ziele der „Agenda France-Europe 2020“, in deren Rahmen die nationale Forschungsstrategie entwickelt wird. Aufgrund der Universitätsreform 1968 (Loi Faure) existieren in vielen Städten mehrere, voneinander unabhängige Universitäten, die teilweise ein überlappendes Studienangebot haben. Durch das Gruppieren oder die Fusion von Hochschul- und Forschungseinrichtungen im Rahmen der „Gemeinschaften der Universitäten und Einrichtungen“ (Communautés d'universités et établissements, Comue) wird versucht, diesen Zustand rückgängig zu machen. Ziel ist es, international sichtbarer zu werden und das Ausbildungsangebot kohärenter zu gestalten. Dies war bereits das Ziel der unter Jacques Chirac beschlossenen und 2007 eingeführten „Hochschul- und Forschungspole“ (Pôles de recherche et de l’enseignement supérieur, PRES), die nun durch die Comues ersetzt werden.

Das Bildungsministerium veröffentlicht unter dem Titel „L’état de l'Enseignement supérieur et de la Recherche en France“ regelmäßig eine flächendeckende Beschreibung der französischen Hochschul- und Forschungslandschaft anhand von 47 Indikatoren, zuletzt im April 2014 (siehe Link unten). 

3.2.2. Bildungspolitische Ziele

Im Bereich der Hochschulbildung ist die oberste Priorität des Bildungsministeriums, allen Jugendlichen das erfolgreiche Erlangen eines ersten qualifizierenden Studienabschlusses zu ermöglichen (réussite pour tous). Die Zielquote lautet 50 %. Hierfür wurden Begleit- und Orientierungsangebote geschaffen, die im Gymnasium (Lycée) beginnen und mit dem ersten grundständigen Abschluss (Licence) enden („bac-3/bac+3“). Zudem wurde das Stipendiensystem reformiert, um insbesondere Studierende zu unterstützen, die neben dem Studium arbeiten, aus einkommensschwachen Haushalten stammen oder von ihren Eltern keine Unterstützung erhalten.

Obwohl die französische Regierung versucht, die Zahl der Auszubildenden zu erhöhen, hat diese in der ersten Jahreshälfte drastisch abgenommen. Staatspräsident François Hollande hatte das Ziel formuliert, die Zahl der Auszubildenden bis 2017 auf 500.000 zu erhöhen. Um die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen, wurden zudem das Programm „Zukunftsfähigen Arbeitsplätze“ (Emplois d’avenir) eingeführt. Bis zu 150.000 Jugendliche sollen innerhalb dieser Maßnahme eine staatlich finanzierte 12- bis 36-monatige Ausbildung in einem Unternehmen absolvieren (2013 nahmen ca. 100.000 Jugendliche daran teil).

Weiterbildung spielt in Frankreich traditionell eine größere Rolle als in Deutschland. Sie erfährt unter der sozialistischen Regierung und im Hinblick auf die europäischen Ziele im Rahmen des Lebenslangen Lernens besondere Aufmerksamkeit. Jeder Arbeitnehmer soll seine Fähigkeiten regelmäßig weiterentwickeln. Unternehmen müssen Weiterbildung mit 1,6 % ihres Lohnvolumens fördern und Arbeitnehmer haben pro Jahr Anspruch auf 20 Stunden Weiterbildung (kumulierbar). Weiterbildung findet in Frankreich in Zusammenschlüssen von lokalen, öffentlichen Einrichtungen, so genannten „Greta“ (Groupement d’établissements), statt.  2014 gab es in Frankreich 191 solcher Netzwerke, die hauptsächlich aus Berufschulen und Collèges bestanden. Über dieses Bildungsniveau hinaus sind die Weiterbildungsangebote der Universitäten und das Nationale Konservatorium für Kunst und Handwerk (Conservatoire National des Arts et Métiers, Cnam) zuständig. Berufliche Erfahrung von mindestens drei Jahren kann in Form eines Bildungsabschlusses zertifiziert werden (Validation des acquis de l'expérience, VAE).

Strategien

Hochschulstrategie (Stratégie nationale de l'enseignement supérieur, StraNES): Im Hochschul- und Forschungsgesetz 2013 wurde die Erstellung einer nationalen Hochschulstrategie festgelegt. Hierzu wurde ein 25köpfiges Komitee aus ausgewiesenen Experten beauftragt, das im Juli 2014 seinen Zwischenbericht vorgelegt hat. Die Strategie soll zusammen mit der Forschungsstrategie veröffentlicht werden.

Komitee für Hochschulabsolventen und Beschäftigung (Comité Sup’emploi): Das Komitee ist Teil der Reformbemühungen im Rahmen des Hochschul- und Forschungsgesetzes 2013, das unter anderem zum Ziel hat, das Bildungsniveau der Jugend anzuheben und ihre Berufsorientierung und Beschäftigung zu unterstützen. Die damalige Ministerin für Hochschulwesen und Forschung Geneviève Fioraso hatte dazu im Dezember 2013 ein Expertengremium als Instanz für Dialog und strategische Überlegungen berufen. Die 22 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik empfehlen der Staatsekretärin, in folgenden drei Bereichen aktiv zu werden:

  1. Das sozio-ökonomische Umfeld der Hochschulen sollte enger in zukünftige Überlegungen zu Ausbildungsangeboten eingebunden werden, indem die Abstimmung zwischen Branchenvertretern, Vertretern der Hochschulen und des Bildungsministeriums verstärkt wird.
  2. Die Eingliederung von Hochschulabsolventen kann aber auch während des gesamten Berufslebens erleichtert werden, indem an den Hochschulen und in allen Bereichen duale Ausbildungsangebote und betreute Praktika entwickelt werden sowie das lebenslange Lernen gefördert wird.
  3. Neue Berufe und Ausbildungen antizipieren, die sich der zunehmend nachgefragten Interdisziplinarität der Berufe anpassen und prioritär  auf den digitalen Sektor abzielen.

3.2.3. Forschungspolitische Ziele

Mit dem Hochschul- und Forschungsgesetz 2013 wurde die Entwicklung einer nationalen Forschungsstrategie (Stratégie nationale de recherche, SNR) beschlossen, die sich jedoch noch in der Entwicklung (Dezember 2014) befindet. Hierfür wurde ein strategischer Forschungsrat berufen. Dieser wird vom Premierminister geleitet und besteht aus 26 ernannten Mitgliedern (verdiente Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft), die über ein einmal erneuerbares Mandat von 5 Jahren verfügen.  

Die Grundprinzipien werden in der Agenda „France Europe 2020“ festgehalten. Mit dieser Agenda sollen neben der Forschungsstrategie auch Transfer und Innovation gefördert und die französische Rolle im europäischen Forschungsraum ausgebaut werden. Die „großen Herausforderungen“, die für die französische Gesellschaft identifiziert wurden und die in den nächsten Jahren prioritär erforscht werden sollen, sind:  

  • Anpassung an den Klimawandel und verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen
  • Saubere, sichere und effiziente Energie
  • Förderung des industriellen Aufschwungs
  • Gesundheit und Wohlbefinden
  • Lebensmittelsicherheit und die demografische Herausforderung
  • Mobilität und nachhaltige urbane Systeme
  • Informations- und Kommunikationsgesellschaft
  • Innovative, integrative und wandlungsfähige Gesellschaft
  • Raumfahrt für Europa
  • Freiheit und Sicherheit Europas, seiner Bürger und Einwohner

Über diese strategisch wichtigen Themen hinaus soll die Grundlagenforschung als Schlüssel zu Frankreichs Zukunft erhalten bleiben.

Für diese zehn Herausforderungen sollen alle relevanten Akteure zusammenarbeiten. Darüber hinaus definiert die „Agenda France Europe 2020“ weitere Ziele:

  • Eine Neugestaltung der Koordination der Forschung in Frankreich – Zu diesem Punkt gehört die „Agenda France Europe 2020“ in deren Rahmen ein strategischer Forschungsrat zusammen mit einem interministeriellen Steuerungskomitee die Agenda in Form der Nationalen Forschungsstrategie ausdefiniert und anpasst.
  • Förderung der technologischen Forschung – Genannt werden Nanoelektronik, Nanomaterialien, Mikro- und Nanofluidik, Software, Robotik, Biotechnologien und embedded systems. Es soll eine Struktur in Anlehnung an die Fraunhofer Institute in Deutschland entwickelt werden. Hierfür wird ein Aktionsplan mit fünf Programmen vorgeschlagen:
    - CEA-Tech (regionale Bereitstellung von Schlüsseltechnologien für Unternehmen);
    - Carnot 3.0 (Weiterentwicklung der den Fraunhofer Instituten ähnlichen Institute Carnot);
    - „Technologie“ (Weiterentwicklung revolutionärer Technologien)
    - „KETs/FETs/EIT“ (Abstimmung der ANR-Programme mit den europäischen Förderprogrammen  Schlüsseltechnologien, Zukunftstechnologien und dem Europäische Innovations- und Technologieinstitut)
    - „LabCom“ (100 gemeinsame Forschungslabore von kleinen und mittleren Unternehmen mit öffentlichen Forschungseinrichtungen)
  • Weiterentwicklung von Ausbildung und Infrastruktur im Bereich der digitalen Technologien – Investition in Großrechner; Cloud Computing und Big Data; France Université Numérique (zentrale Plattform für französische Online-Lehrangebote/Moocs)
  • Förderung von Innovation und Technologietransfer – 15 Maßnahmen für besseren Wissenstransfer, u.a. eine Überarbeitung der gesetzlichen Regelungen zum geistigen Eigentum und ein besonderer Fokus auf kleine und mittlere (bis zu 250 Angestellte) sowie mittelgroße Unternehmen (250 bis 5.000 Angestellte)
  • Förderung des Interesses für Wissenschaft in der Bevölkerung (culture scientifique)
  • Anpassung der Programme der Agentur für Forschungsförderung ANR an die neu definierten Prioritäten für Forschung und Innovation – Ziel ist eine größere Kohärenz mit den europäischen Förderprogrammen; dieser Punkt wurde mit der ANR-Ausschreibung für 2015 bereits umgesetzt.
  • Kohärente Standortpolitik – Das Hochschul- und Forschungsgesetz legt fest, dass das Bildungsministerium Zielvereinbarungen nur noch mit einem Standort schließt und nicht mehr mit jeder einzelnen Einrichtung des Standorts; Regionen werden bei der Durchführung ihrer Forschungspolitik unterstützt, beispielsweise bei Bewerbungen im Rahmen von „Horizont 2020“.
  • Erhöhung der Beteiligung französischer Forschung an europäischen und internationalen Programmen – Obwohl Frankreich für „Horizont 2020“ den zweithöchsten Beitrag stellt, ist es bisher nur auf Platz drei bei der Zahl der geförderten Antragsteller, dies soll sich ändern. Daher soll eine höhere Beteiligung an den Ausschreibungen gefördert werden. Insgesamt sollen sich die französischen Hochschul- und Forschungseinrichtungen für mehr internationale Beteiligung öffnen und die Mobilität ihrer Forscher fördern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der euromediterranen Kooperation.

Die Ergebnisse der unter Präsident Nicolas Sarkozy 2009 verabschiedeten Nationalen Strategie für Forschung und Innovation (Stratégie nationale de recherche et d’innovation, SNRI), sind in die Ausschreibungen für die Zukunftsinvestitionen (PIA) und die Nationale Strategie für Forschungsinfrastruktur (Stratégie nationale des infrastructures de recherche) eingeflossen. 2009 wurden drei Prioritäten definiert:

1. Gesundheit, Ernährung und Biotechnologien;

2. Umwelt und Ökologietechnologien; Information,

3. Kommunikation und Nanotechnologien.

Nationale Strategie für Forschungsinfrastruktur (Stratégie nationale des infrastructures de recherche): Diese Strategie fügt die französische Forschungsinfrastruktur in ihren internationalen und europäischen Kontext ein, insbesondere in das European Strategy Forum for Research Infrastructures (ESFRI) der Europäischen Union.

Ein Fahrplan für die Jahre 2012-2020 wurde entwickelt (Link), der dazu beitragen soll, die staatliche Infrastrukturpolitik im Forschungsbereich transparenter zu gestalten, ein umfassendes Steuerungsschema zu entwickeln und eine Übersicht über die Infrastrukturen zu gewinnen. So ist Frankreich z.B. an 18 „sehr großen Infrastrukturen“ beteiligt (wie z.B. am European X-Ray Free-electron Laser, XFEL in Hamburg). (Siehe auch Kapitel „Internationale Zusammenarbeit“)

Nationale Strategie für Energieforschung (Stratégie nationale de la recherche pour l’Energie, SNRE): Die 2007 erstellte Strategie für Energieforschung wird aktuell mithilfe der Agentur für Umwelt und Energie (Agence de l’Environnement et de la Maîtrise de l’Energie, ADEME), der Forschungsallianz zur Koordinierung der Energieforschung ANCRE und dem parlamentarischen Büro für Forschungs- und Technikfolgenabschätzung (Office parlementaire d'évaluation des choix scientifiques et techniques, OPECST) überarbeitet. Sie soll in den „Energie“-Teil der Nationalen Forschungsstrategie einfließen. (Link)

Nationale Gesundheitsstrategie (Stratégie nationale de la santé, SNS): Im Februar 2013 hat der französische Premierminister die Erstellung einer Nationalen Gesundheitsstrategie in Auftrag gegeben. Forschung und Bildung im Gesundheitsbereich spielen darin eine Rolle. Die wissenschaftliche Exzellenz soll erhalten und die Forschung vorangebracht werden. Frankreich investiert 12 % seines BIP in sein Gesundheitswesen und liegt damit in der OECD auf Platz 3.

Plan für neurodegenerative Krankheiten (Plan maladies neurodégénératives): Am 18. November 2014 wurde von der Ministerin für Soziales, Gesundheit und Frauenrechte, Marisol Touraine, der „Plan für neurodegenerative Krankheiten“ 2014-2019 vorgestellt. Darin ist als eine von vier Maßnahmenpakten die „Weiterentwicklung und Koordination der Forschung über neurodegenerative Krankheiten“ genannt. Es wurde noch kein Budget für den Plan genannt. Für den Vorgänger „Plan Alzheimer“ (2008 bis 2012) standen 1,6 Mrd. Euro zur Verfügung.

Plan für den Kampf gegen Krebs (Plan Cancer): Weiterhin wurde am 4. Februar 2014 von Staatspräsident François Hollande der 3. „Plan für den Kampf gegen Krebs“ für die Jahre 2014-2019 präsentiert. Schwerpunkte sind die Prävention und Diagnosemethoden von Krebs, aber auch die Weiterentwicklung der personalisierten Medizin.

Nationale Strategie für Nachhaltige Entwicklung (Stratégie nationale de développement durable, SNDD): Die Strategie fügt sich in den internationalen Kontext der Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung ein und wurde für 2010 bis 2013 verabschiedet. Forschung und Bildung bilden unter dem Stichwort „Wissensgesellschaft“ eine von neun Herausforderungen, um die nachhaltige Entwicklung voranzubringen.

Raumfahrtstrategie: Die Raumfahrt spielt für Frankreich eine herausragende Rolle. 2012 wurde daher ein Bericht veröffentlicht, der die Leitprinzipien für die französische Raumfahrtstrategie festhält. Frankreich möchte: eine führende Rolle in der europäischen Raumfahrt einnehmen; seine technologische Unabhängigkeit in diesem Bereich bewahren; die Entwicklung von praktischen Anwendungsmöglichkeiten voranbringen; und eine ambitionierte Industriepolitik innerhalb des europäischen Rahmens betreiben.

3.2.4. Innovationspolitische Ziele

Innovation ist ein zentrales politisches Thema in Frankreich. Es wird versucht, die Zusammenarbeit zwischen den öffentlichen Forschungseinrichtungen und forschenden Unternehmen sowie das Wachstum von Start-Ups zu fördern. Mithilfe innovativer Produkte soll die Wirtschaft in Frankreich angekurbelt werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den digitalen Technologien. Im Hochschul- und Forschungsgesetz 2013 wurde erstmals der „Transfer“ als explizite Aufgabe der Wissenschaft definiert (unter Transfer wird in der Strategie die Mobilität von Forschern, die Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen und Unternehmen sowie der Technologietransfer und daraus resultierende Unternehmensgründung verstanden).

Innovation ist auch eines der Kernanliegen der „Agenda France Europe 2020“ (siehe „Forschungspolitische Ziele“ in diesem Kapitel). Dabei sollen Forschung und Entwicklung mit anschließenden Innovationsphasen ebenso gefördert werden wie verbesserte Rahmenbedingungen. Im November 2013 wurde zudem die Strategie für Innovation verabschiedet (Plan national pour l’innovation), die 15 Maßnahmen für Transfer in der öffentlichen Forschung vorschlägt. Diese wird als wichtiger Hebel für Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsfähigkeit angesehen.

Teilweise überschneiden sich die Vorschläge der „Agenda 2020“ und der Strategie für Innovation, daher erfolgt hier eine zusammenfassende Übersicht:

Personal:

  • Technologietransfer ist zu den gesetzlichen Aufgaben eines Wissenschaftlers hinzugefügt worden.
  • Transfer sollte bei der Karriereentwicklung von Forschern und Dozenten berücksichtigt werden.
  • Ein Weiterbildungsangebot für Führungskräfte der öffentlichen Forschung wird eingerichtet.
  • Es sollen Ausbildungsangebot für Transferberufe eingerichtet werden.
  • Kurse zu Innovation und Unternehmertum werden in alle Studiengänge integriert.
  • Beratungstätigkeiten von Forschern für KMU werden erleichtert und Forscher sollen leichter mit Unternehmen in Kontakt kommen können.
  • Das Programm der staatlich geförderten Promotion im Unternehmen (CIFRE) wird ausgebaut. 

Standortpolitik:

  • Ein Strategie-Komitee für Transfer und Innovation für alle Standorte bekommen.
  • Von Schlüsseltechnologien, die von öffentlichen Forschungseinrichtungen entwickelt wurden, sollten möglichst auch KMUs vor Ort profitieren. 

Strukturen:

  • Es werden Indikatoren entwickelt, die den Erfolg von Transferbemühungen dokumentieren.
  • Die Regeln für geistiges Eigentum werden für die öffentliche Forschung vereinfacht. Die Verwertung sollte möglichst auf europäischer Ebene erfolgen.
  • Die Leistungsträger partnerschaftlicher Forschung, insbesondere die Carnotinstitute, werden nach Industriebranchen strukturiert, um gemeinsame Vorhaben mit größerer Wirkung gestalten zu können.
  • Es soll ein kohärentes Förderprogramm für Transfer durch Unternehmensgründung entwickelt werden (Sensibilisierung, Inkubatoren, Startkapital, Rolle für die Karriere)
  • Einrichtung eines Förderprogramms der ANR für gemeinsame Forschungslaboratorien (Laboratoires communs de recherche publique/privé, SCR) zwischen öffentlich geförderten Forschungseinrichtungen und kleinen bzw. mittleren Unternehmen zu einem jeweils gemeinsamen Forschungsthema. Dieser Punkt wurde umgesetzt, 214 Strukturen haben das Label SCR erhalten.

Kommission „Innovation 2030“: Im April 2013 hatte Staatspräsident François Hollande eine Kommission beauftragt, die weltweiten Herausforderungen bis 2030 sowie das französische Innovationspotential dafür zu erarbeiten. Die Kommission hat sieben prioritäre Sektoren identifiziert: 

  1. Energiespeicherung
  2. Recycling von Ressourcen (seltene Metalle)
  3. Nutzung mariner Ressourcen (Metalle, Meerwasserentsalzung)
  4. Pflanzenproteine und grüne Chemie
  5. Personalisierte Medizin
  6. „Silver Economy″ – Innovation im Dienste der steigenden Lebenserwartung
  7. „Big Data″

Plan Hochgeschwindigkeitsfrankreich (Le Plan France Très Haut Débit)
Bis 2022 soll in Frankreich flächendeckend Hochgeschwindigkeitsinternet verfügbar sein.

Das neue industrielle Frankreich (La nouvelle France industrielle)
Die Initiative für den industriellen Aufschwung Frankreichs sieht Investitionen in Höhe von 20 Milliarden Euro bis 2024 vor (davon 3,5 aus der öffentlichen Hand). Es wurden vor allem 34 Aktionspläne mit prioritären Themen entwickelt (siehe Kapitel „Stärken des Forschungssystems“ sowie „Initiativen und Programme“).

French Tech
Initiative für mehr Sichtbarkeit der französischen Startups im Digitalbereich (Link). 

Weiterhin soll der Schienenverkehr modernisiert werden. Zudem hat Frankreich sein Programm zur Förderung von unternehmerischer Forschung und Entwicklung um das Element der Innovationsförderung erweitert (siehe Kapitel „Initiativen und Programme“).

3.3. Initiativen und Programme

3.3.1. Überblick

Ziel der französischen Bildungs- und Forschungspolitik ist es, Frankreich einen Platz unter den führenden Nationen in Europa und weltweit in Forschung und Entwicklung zu sichern und weiter auszubauen. Gleichzeitig möchte Frankreich mit seiner Politik zum Auf- und Ausbau des Europäischen Bildungs-, Forschungs- und Innovationsraumes beitragen. Um diese Ziele zu erreichen, setzt Frankreich zum einen auf die Erarbeitung einer Hochschul- und Forschungsstrategie (siehe Kapitel „Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik“) sowie zum anderen insbesondere auf das umfangreiche Investitionsprogramm „Zukunftsinvestitionen“ (Programme d‘investissements d’avenir, PIA) sowie mehrere spezifische Förderinstrumente.

Das PIA startete 2010 und die zugehörigen Ausschreibungen wurden im Oktober 2014 in Teilbereichen verlängert. Insgesamt sollen 35 Milliarden Euro investiert werden, davon 22 Milliarden in Hochschulen und Forschung, die damit den größten Investitionsbereich darstellen.

In zwei Ausschreibungsrunden 2010 und 2011 wurde insbesondere eine Exzellenzinitiative gestartet, die sich an Standorte (Initiatives d’excellence) (siehe „Programme in der Bildung“ in diesem Kapitel), Labore (Laboratoires d’excellence) und Infrastrukturprojekte (Equipments d’excellence) richtete (siehe „Programme in der Forschung“ in diesem Kapitel). Weiterhin erfolgte eine Ausschreibung für den Bereich „Gesundheit und Biotechnologie“ mit fünf Unterausschreibungen (siehe „Programme in der Forschung“ in diesem Kapitel). Die Auswahlgremien waren international besetzt. Institutionen konnten sich für alle drei Ausschreibungen parallel bewerben. Da diese Programme weiterhin laufen und von enormer Bedeutung für die Hochschul- und Forschungslandschaft sind, wird hier trotz des länger zurück liegenden Starts auf sie eingegangen.

Die Grundfinanzierung der öffentlichen Hochschul- und Forschungseinrichtungen erfolgt durch staatliche Mittelzuweisungen, die im interministeriellen Ausschuss für Forschung und Hochschulen (Mission interministérielle Recherche et Enseignement Supérieur, MIRES) festgelegt werden. Seine Vorschläge werden den Parlamentariern jährlich zur Entscheidung vorgelegt und dabei als Anhang zum Haushaltsgesetzentwurf (genannt Jaune budgetaire) ausführlich erläutert. Für das Jahr 2014 sind im Rahmen des MIRES Ausgaben in Höhe von 23,4 Milliarden Euro veranschlagt.

3.3.2. Programme in der Bildung

Exzellenzinitiativen (Initiatives d’excellence)
Bei den Initiatives d’excellence handelte es sich um eine Ausschreibung ähnlich der deutschen Exzellenzinitiative, bei der fünf bis zehn international wettbewerbsfähige Hochschulstandorte (genannt Idex) identifiziert werden sollten und die sich somit an deren Leitungsebene richtete. Hierfür wurde ein Fonds in Höhe von 7,7 Milliarden Euro geschaffen, aus dem den Standorten Zinserträge ausgeschüttet werden. Ausgewählt wurden in zwei Ausschreibungsrunden acht Standorte: Idex Bordeaux, Unistra (Strasbourg), Paris Sciences et Lettres (PSL), Aix-Marseille University Idex, Université de Toulouse, Idex Paris-Saclay, Sorbonne Université und Université Sorbonne Paris Cité. Sie erhalten vom Staat jeweils zwischen 25 und 30 Millionen Euro jährlich aus den Zinserträgen. 2016 werden die Idex evaluiert und es wird über die Verstetigung ihrer Förderung entschieden.

Diese Ausschreibung wurde im Oktober 2014 erneuert, nun für „Idex“ und „I-Site“ (Initiatives Science – Innovation –Territoires – Economie). Der Unterschied zwischen beiden Förderlinien liegt in der Breite der wissenschaftlichen Themen, in etwa vergleichbar mit der Unterscheidung der deutschen Exzellenzinitiative zwischen „Zukunftskonzepten“ und „Exzellenzclustern“. 

Opération Campus: Bereits im Februar 2008 startete auf Initiative des damaligen Präsidenten der Republik, Nicolas Sarkozy, die Opération Campus (die später in die PIA integriert wurde). Es handelte sich um einen Wettbewerb, bei dem 12 universitäre Standorte ausgewählt wurden, die von insgesamt fünf Milliarden Euro profitieren sollten, um ihren Campus zu modernisieren und international wettbewerbsfähig zu werden. Die Mittel dafür sollten aus dem Verkaufserlös von 3 % der EDF-Staatsanteile kommen. Ausgewählt wurden in zwei Ausschreibungsrunden folgende Standort: Aix/Marseille (Aix-Marseille Université), Bordeaux (Université de Bordeaux), Paris (Campus Condorcet ; Universités de Paris ; Campus du plateau de Saclay), Grenoble (Grenoble Université de l’innovation), Lille (Campus Grand Lille), Metz/Nancy (Campus Lorrain), Lyon (Lyon Cité Campus), Montpellier (Campus Montpellier Sud de France), Straßburg (Université de Strasbourg) und Toulouse (Université de Toulouse). Dazu kamen weitere Standorte, die mit den Labeln „Campus mit Potential“ (Campus prometteur) oder „Innovativer Campus“ (Campus innovant) Mittelzusagen in geringerer Höher erhielten. Der Gewinn aus dem Verkauf der EDF-Anteile belief sich schließlich auf 3,7 Milliarden, die angelegt wurden, um aus den Erlösen die Opération Campus zu finanzieren (etwa 200 Millionen Euro jährlich). Die Umsetzung der Opération Campus wurde durch die Finanzkrise verlangsamt. Die Projekte sollen in einer Öffentlich-Privaten-Partnerschaft umgesetzt werden und werden unter dem neuen Staatspräsidenten François Hollande, nun auch unter Einbeziehung der Regionen, Kommunen und dem staatlichen Finanzinstitut Caisse des Dépôts fortgesetzt. Eine ausführliche Bestandsaufnahme liefert die Zeitschrift Le Moniteur. 

Exzellenzinitiative für innovative Ausbildungsangebote (Initiatives d’excellence en formations innovantes, Idéfi): Im Rahmen der PIA wurde eine Ausschreibung veröffentlicht, die sich an innovative Ausbildungsangebote richtete. 37 Projekte wurden 2012 ausgewählt und mit insgesamt 186 Millionen Euro gefördert. Sie werden für maximal acht Jahre mit Summen zwischen 1,5 und 10 Millionen Euro pro Projekt unterstützt.

3.3.3. Programme in der Forschung

Förderung durch die ANR: Die nationale Forschungsagentur ANR (Agence nationale de la recherche) veröffentlicht jährlich einen Arbeitsplan. Er beschreibt die prioritären Handlungsfelder und Ausschreibungen der Agentur für das kommende Jahr und richtet sich sowohl an öffentliche als auch an privatwirtschaftliche Forschungsakteure. Enthalten ist eine offene Projektausschreibung, auf die sich französische Forscher aus allen Bereichen, auch zusammen mit internationalen Partnern, bewerben können. Der Aktionsplan wird in Abstimmung mit der nationalen Forschungsstrategie und der strategischen Agenda „France-Europe 2020“ entwickelt. Analog zur Struktur von „France-Europe 2020“ gibt es daher vier Schwerpunktbereiche, mit jeweils eigenem Budget und eigener Steuerung:

  • Die großen gesellschaftlichen Herausforderungen – hier sind neun der zehn thematischen gesellschaftlichen Herausforderungen enthalten, die in „France-Europe 2020“ definiert wurden
  • An den Grenzen der Forschung
  • Der Europäische Forschungsraum und die internationale Attraktivität Frankreichs
  • Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Bedeutung der Forschung

Der Aktionsplan beinhaltet eine allgemeine Projektausschreibung, innerhalb derer die Bewerber je nach Ziel ihres Projekts eine Kategorie und das entsprechende Instrument wählen. Gefördert werden Verbundprojekte („Recherche collaborative“) und individuelle Projekte („Chercheur“). Bewerben können sich explizit auch Projekte mit einem oder mehreren ausländischen Kooperationspartnern.

Bewilligt werden in der Regel Projekte mit einer Laufzeit von 24 bis 48 Monaten. Die Fördersummen liegen je nach Art des Projekts zwischen 100.000 und 800.000 Euro. (siehe auch Kapitel "Forschungs- und Innovationslandschaft")

Förderung von Laboren/Forschergruppen & Infrastrukturprogrammen im Rahmen des PIA
Die „Exzellenzlabore“ (Laboratoires d’excellence) fördern die besten französischen Forschergruppen mit einem Fonds von einer Milliarde Euro. In den beiden Ausschreibungsrunden wurden insgesamt 171 Forschergruppen ausgezeichnet. Gleiches galt für die „Exzellente Infrastruktur“ (Equipments d’excellence), die zur Unterstützung mittelgroßer Forschungsinfrastrukturen (1 bis 20 Millionen Euro) dienen, auch hierfür wurde ein Fonds von 1 Milliarde Euro geschaffen. In zwei Ausschreibungsrunden wurden 88 Projekte ausgezeichnet.

Besondere Forschungsausschreibungen im Rahmen des PIA: Innerhalb des PIA gab es eine Sonderausschreibung für „Gesundheit und Biotechnologien“, die in beiden Ausschreibungsrunden enthalten war. Das Budget betrug insgesamt 1,55 Milliarden Euro, von denen 1/3 zum Verbrauch bestimmt war (der Rest der Summe wurde als Fonds bereitgestellt, dessen Zinsen verwendet werden). Die Ausschreibung gliederte sich in folgende Unterkategorien auf: Nanobiotechnologien, Nationale Infrastrukturen für Biologie und Gesundheit (Exzellenzstandorte in den Lebenswissenschaften), Prototypen, Biotechnologien und biologische Ressourcen (Pflanzenzucht und Biomasse), Bioinformatik (interdisziplinäre Projekte zwischen Biologie, Mathematik und Informatik) sowie Kohortenforschung und universitäre, klinische Forschungsinstitute (Instituts Hospitalo-Universitaires, IHU) (siehe Kapitel „Stärken – Gesundheitsforschung“).

Nach der Atomkraft-Katastrophe in Fukushima 2011 schrieb die französische Regierung 2012 eine zusätzliche Förderlinie im Rahmen des PIA aus: „Forschung zur nuklearer Sicherheit und Strahlenschutz“ (Recherche en matière de sûreté nucléaire et de radioprotection, RSNR). 23 Projekte wurden ausgewählt (Link). 

3.3.4. Innovationsprogramme

Besondere Innovationsausschreibungen im Rahmen des PIA: Innovation und Technologietransfer bilden eine wichtige Säule PIA. Beide Ausschreibungsrunden 2010 und 2011 enthielten verschiedene Programmlinien.

  • Weltweiter Wettbewerb für Innovation. Mit der öffentlichen Investitionsbank BPIfrance wurde eine Ausschreibung über 300 Millionen Euro veröffentlicht, die Projekte in sieben Bereichen fördert.
  • Exzellenzinstitute im Bereich CO2-freie Energien (Instituts d'excellence dans le domaine des énergies décarbonées, IEED) / Institute für den Klimawandel (Instituts pour la transition énergétique, ITE): Förderung von 5 bis 10 Exzellenzstandorten für Energieforschung, Gesamtbudget 1 Milliarde Euro (750 Millionen Euro Fondskapital + 250 Millionen Euro Verbrauchsmittel). Die IEED wurden in ITE umbenannt. 9 Projekte werden gefördert (siehe Kapitel „Stärken“).
  • Institute für technologische Forschung (Instituts de Recherche Technologique, IRT): Gefördert mit 2 Milliarden Euro sollen 4 bis 6 exzellente Standorte innerhalb der Cluster Pôles de compétivité entstehen, die in Schlüsseltechnologien Forschung und industrielle Anwendung miteinander verbinden. (siehe Kapitel „Stärken“)
  • Gewerbliche Gesellschaften für Technologietransfer (Sociétés d’Accélération du Transfert de Technologie, SATT): Es wurden 14 gewerbliche Gesellschaften für Technologietransfer gegründet, denen für die Laufzeit von 10 Jahren 860 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Diese Mittel sollen genutzt werden, um die Phase zwischen Erfindung und Marktreife zu finanzieren sowie die Zusammenarbeit mit den regionalen Akteuren zu intensivieren. 
  • Sonderförderung der Instituts Carnot: Ein Fonds von 500 Millionen Euro wurde im Rahmen der ersten Ausschreibung der ANR übertragen. Aus dessen Zinsen werden den anwendungsorientierten Carnot-Forschungsinstituten (siehe Kapitel „Forschungslandschaft“) über 5 Jahre Programme für die Zusammenarbeit mit KMUs und mittelgroßen Unternehmen (250 bis 5.000 Angestellte) sowie internationalen Forschungseinrichtungen finanziert. Diese Sonderförderung soll die gute Entwicklung unterstützen, die die Instituts Carnot seit ihrer Schaffung 2006 genommen haben. Die Förderung erfolgte in Form eines nicht-verbrauchbaren Kapitalzuschusses (dotations non consommable) für 5 Jahre.

„Das neue industrielle Frankreich“ (La nouvelle France industrielle): Die Initiative für den industriellen Aufschwung Frankreichs sieht Investitionen in Höhe von 20 Milliarden Euro bis 2024 vor (davon 3,5 aus der öffentlichen Hand). Es wurden Aktionspläne für 34 Industriebranchen mit prioritären Themen entwickelt. Die Mehrzahl dieser Prioritäten ist forschungsorientiert und lässt angewandte Forschung erwarten. Zu jedem der 34 Themen existiert ein Arbeitsplan, die hier einsehbar sind (vgl. auch Kapitel „Stärken des Forschungssystems“ sowie „Innovationspolitische Ziele“)

Thematische Beispiele sind u.a. erneuerbare Energien, das 2-Liter-Auto, Software und embedded systems, der TGV der Zukunft, intelligente elektrische Netze, Wasserqualität und Wasserknappheit, Grüne Chemie und Biobrennstoffe, Innovative Produkte für eine sichere, gesunde und nachhaltige Ernährung, Big Data und Cloud Computing, Nanoelektronik, Großrechner und Robotik.

Inkubatoren (Incubateurs d'entreprises innovantes liés à la recherche publique): Das Bildungsministerium unterstützt seit 1999 Strukturen, die helfen sollen, wissenschaftliche Ergebnisse durch Unternehmensneugründungen zu verwertbaren Produkte zu entwickeln. 28 solcher zumeist multidisziplinären Inkubatoren existieren in Frankreich und den Überseedepartements. Sie haben seit 2000 zur Gründung von über 2.500 Unternehmen beigetragen. Ein Großteil dieser Unternehmen entstand aus den Ingenieurwissenschaften (29,8 %) und den Lebenswissenschaften (28 %). 

Junge innovative Unternehmen (Jeune entreprise innovante, JEI): Seit 2004 haben Start-Ups die Möglichkeit, sich vom Bildungsministerium als „Junge innovative Unternehmen“ auszeichnen zu lassen. Die Maßnahme wurde bis 2016 verlängert. Aus dem Label erwachsen den Unternehmen steuerliche Vorteile und eine Entbindung von den Arbeitgeberanteilen der Sozialabgaben. Über 3.000 Unternehmen sparten 2013 so Sozialabgaben in Höhe von 108 Millionen Euro.

Steuererleichterungen für Forschungs- und Entwicklungsausgaben (Crédit d'impôt recherche, CIR): Die Steuerbegünstigungen für forschende Unternehmen sind eines der wichtigsten Instrumente des Staates zur Unterstützung von Forschung in Unternehmen. Unternehmen können i.d.R. 30 % ihrer  FuE- Investitionen bis zu einem Volumen von 100 Millionen Euro von der Steuer absetzen, danach 5 %. Nehmen sie den CIR zum ersten Mal in Anspruch, betragen diese Prozentsätze im ersten Jahr 40% und im zweiten Jahr 35 %. Abgesetzt werden können einschlägige Personalkosten und Sachinvestitionen, Kosten für die Erteilung von FuE-Unteraufträgen, die Beobachtung technologischer Entwicklungen (veille technologique) und Aufwendungen für die Beantragung, Pflege und die rechtliche Durchsetzung von Patenten. Der Satz wird auf 60 % erhöht, wenn einer staatlichen Forschungs- oder Hochschuleinrichtung von einem Unternehmen die Durchführung eines Forschungsprojekts übertragen wird. Um die Einstellung von Promovierten durch Unternehmen zu fördern, können seit 2013 auch die Gehaltskosten für einen Doktoranden im Rahmen der CIFRE über den CIR steuerlich begünstigt werden. 
Die OECD hat den CIR in ihrem Bericht zur Innovationsfähigkeit Frankreichs (2014) als überdimensioniert kritisiert. Der Staat hält an dem Instrument fest und reserviert für die CIR jährlich ein Gesamtvolumen von etwa 5 Milliarden Euro. Diese Maßnahme ist damit eine der weltweit umfangreichsten zur Förderung von Forschung in Unternehmen.

CIFRE (Conventions industrielles de formation par la recherche en entreprise): Doktoranden forschen im Unternehmen und werden dabei gleichzeitig akademisch von einem Professor betreut. 2011 haben 11 % aller Doktoranden mit einem CIFRE promoviert, vor allem in den Informations- und Kommunikationstechnologien sowie in den Ingenieurwissenschaften, ein Viertel auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Ein Unternehmen erhält 14.000 Euro staatliche Förderung, wenn es einen Doktoranden für drei Jahre einstellt. Die CIFRE sind sozialversicherungspflichtige Arbeitsverträge.

Sonder-Status „Student-Unternehmer“ (étudiant-entrepreneur): Im Sommer 2014 wurden die Möglichkeiten für Studierende verbessert, unternehmerisch tätig zu werden. Sie können einen speziellen Status („Student-Unternehmer“; étudiant-entrepreneur) bekommen, der ihnen Vorteile wie z.B. die Verlängerung des Studentenstatus‘ bietet. Zudem wurden an den Hochschulen in diesem Rahen 30 Zentren für Innovation, Transfer und Unternehmertum (Pôles pour l'innovation le transfert et l'entrepreneuriat, PEPITE) eingerichtet.

Neben diesen gezielten Maßnahmen steht innovationswilligen Unternehmen das breite Spektrum der Hilfen der nationalen Investitionsbank BPIfrance mit ihren 23 regionalen Zweigstellen zur Verfügung (siehe Kapitel „Forschungslandschaft“).

3.3.5. Ergebnisse von Evaluierungen

Nationale Evaluierungsprozesse

In Frankreich existieren mehrere Evaluierungsinstanzen. Die wichtigste ist der Hohe Evaluierungsrat HCERES (ehemals Agentur für die Evaluation von Forschung und Lehre, Agence d’évaluation de la recherche et de l’enseignement supérieur, AERES), der alle Bestandteile des Hochschul- und Forschungssystems regelmäßig begutachtet. Weiter evaluierende Einrichtungen: Das parlamentarische Büro für Wissenschafts- und Technikfolgenabschätzung (Office Parlementaire d’Évaluation des Choix Scientifiques et Techniques, OPECST), die Nationale Kommission für die Evaluierung der Innovationspolitik (Commission nationale d'évaluation des politiques d'innovation, CNEPI) und der Nationale Evaluierungsrat des Schulsystems (Conseil national d’évaluation du système scolaire, CNESCO)

Hoher Evaluierungsrat (Haut Conseil à l’évaluation de la recherche et de l’enseignement supérieur, HCERES): Im Rahmen des Hochschul- und Forschungsgesetzes 2013 war beschlossen worden, die Agentur für die Evaluation von Forschung und Lehre (Agence d’évaluation de la recherche et de l’enseignement supérieur, AERES) aufzulösen und durch den HCERES zu ersetzen. Dies wurde am 16. November 2014 per Dekret umgesetzt. Grund war die Kritik an der Funktionsweise der Agentur, insbesondere wurden mangelnde Transparenz und mangelnde Unabhängigkeit kritisiert.

Die bedeutendste Neuerung im Vergleich zur AERES besteht in der Aufgabe des HCERES, die Evaluierungsverfahren anderer Einrichtungen zu bewerten und deren Qualität sicherzustellen. So soll der HCERES nur dann selbst evaluieren, wenn die zugehörige(n) Einrichtung(en) keine eigenen Verfahren für den betroffenen Bereich vorsehen und den HCERES daher um seine Expertise bitten. Weiterhin wurde die Benotung abgeschafft.

Der HCERES hat somit folgende Aufgaben:

  • Begutachtung der Hochschul- und Forschungseinrichtungen, der Zusammenschlüsse von Hochschulen und Forschungseinrichtungen (Communauté d'universités et établissements (Comues) und Pôles de recherche et de l’enseignement supérieur (PRES)), wissenschaftlicher Stiftungen und der Nationalen Forschungsagentur (ANR), sowie ggf. Bewertung der Begutachtungsprozesse anderer Instanzen
  • Begutachtung von „Forschungseinheiten“ (unités de recherche, gemeint sind v.a. Forschergruppen oder Labore) auf Anfrage der entsprechenden Hochschul- und Forschungsreinrichtungen sowie ggf. Bewertung der Begutachtungsprozesse anderer Instanzen
  • Begutachtung von Studiengängen sowie ggf.  Bewertung der Begutachtungsprozesse anderer Instanzen; falls der Studiengang akkreditiert werden soll, prüft der HCERES die Einhaltung der nationalen Vorgaben und die Beteiligung von Studierenden an der Evaluierung
  • Sicherstellung, dass bei der Evaluierung des Hochschulpersonals dessen gesetzlich definierte Aufgaben (Missions) vollständig einbezogen werden
  • Sicherstellung, dass Tätigkeiten des Hochschulpersonals in der Industrie oder im Bereich der Wissenschaftskultur ausreichend bei der beruflichen Entwicklung Beachtung finden
  • Nachträgliche Bewertung von Investitionsprogrammen

Auch der neue Rat soll sich, wie die AERES, an der Evaluierung von europäischen und internationalen Programmen oder ausländischen Einrichtungen beteiligen. Er hat zudem explizit die Vorgabe, sich an den internationalen Standards der Begutachtung zu orientieren.

Der Rat behält das Statut der AERES als „Unabhängige Verwaltungsbehörde“.  Eigentum, Rechte und Pflichten der AERES gehen auf den HCERES über. Er hat 30 Mitglieder, die per Dekret ernannt werden (Vertreter anderer Evaluierungsinstanzen, der akademischen Interessensvertretungen und des Parlaments sowie Wissenschaftler und Studierende).

Alle AERES-Berichte (3.770, Stand 02.05.2012) sind auf der Website des HCERES einsehbar, eine Synthese aller Berichte erfolgt nicht. Zusammenfassende Schlüsse über die Leistungsfähigkeit des französischen Bildungs- und Forschungssystems sind daher nicht möglich.

Parlamentarisches Büro für Wissenschafts- und Technikfolgenabschätzung (Office Parlementaire d’Évaluation des Choix Scientifiques et Techniques, OPECST): Das OPECST ist seit seiner Gründung im Jahre 1983 Teil des Senates. Darüber hinaus hat das OPECST durch das Hochschul- und Forschungsgesetz vom 22. Juli 2013 die Aufgabe bekommen, die erfolgreiche Umsetzung der in Entstehung befindlichen Forschungsstrategie alle zwei Jahre nach deren Verabschiedung zu evaluieren.

OPECST bildet für die Bearbeitung jedes Themas eine gemischte Gruppe aus Senatsmitgliedern und Experten; darüber hinaus werden Anhörungen von Sachverständigen und potenziell Betroffenen durchgeführt.  Somit entstehen profunde, ausgewogene Berichte, die in der Fachwelt große Beachtung erfahren, jedoch im Allgemeinen keinen unmittelbar bindenden Einfluss auf Entscheidungen zur Entwicklung eines Technologiefeldes haben.

2014 hat das  OPECST beispielsweise Berichte zur Wissenschaftskultur, Mobilität, Gentechnik und Energiesparen verfasst.

Kommission für die Evaluierung der Innovationspolitik (Commission nationale d'évaluation des politiques d'innovation, CNEPI): Im Sommer 2014 wurde die Gründung einer Kommission für die Evaluierung der Innovationspolitik bekannt gegeben. Sie wurde gemeinsam vom damaligen Bildungsminister Benoît Hamon, Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg (Ministre de l'Economie, du Redressement productif et du Numérique) und Staatssekretärin Geneviève Fioraso eingerichtet. Ihr Vorsitzender ist Jean Pisani-Ferry, Generalkommissar für Strategie und Vorausschau, der bereits für das Strategiepapier „Welches Frankreich in zehn Jahren“ („Quelle France dans dix ans?") verantwortlich war und dessen Kommission die OECD um eine Bewertung des französischen Innovationssystems gebeten hatte (siehe Abschnitt „Evaluationen Frankreichs durch internationale Einrichtungen“). Das 20köpfige Expertengremium soll die verschiedenen Innovationspolitiken und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen sowie ihre Kohärenz untersuchen, aber auch Verbesserungsvorschläge für mehr Effizienz erarbeiten und Best Practice-Beispiele aus den Regionen und dem Ausland zusammenstellen. Die Schaffung der Kommission ist eine von 40 Maßnahmen, die die französische Regierung im Herbst 2013 bekannt gegeben hatte, um die Innovation anzukurbeln ("Une nouvelle donne pour l’innovation").

Nationaler Evaluierungsrat des Schulsystems (Conseil national d’évaluation du système scolaire, CNESCO): Der nationale Evaluierungsrat wurde im Januar 2014 neu geschaffen. Er führt auf ministeriellen Auftrag hin oder selbstständig Evaluierungen durch, bewertet die Evaluierungsmethoden des Bildungsministeriums sowie den Erfolg von schulischen Pilotprojekten.

Evaluierungen von Frankreich durch internationale Einrichtungen

OECD: Die OECD hat auf Bitte Frankreichs das französische Innovationssystem 2014 im Rahmen ihrer Reihe "OECD Reviews of Innovation Policy" untersucht. Sie plädiert für mehr exzellenzbasierte Förderung, eine bessere Evaluierung der öffentlichen Forschung und eine bessere Koordination zwischen der Industrie und dem öffentlichen Sektor. Auch empfiehlt sie, die Universitäten als Forschungsakteure zu stärken und das Wachstum kleiner, innovativer Unternehmen zu fördern sowie vor allem die privatwirtschaftlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) auf 2% des BIPs zu steigern (aktuell 1,4%). Dass vergleichbare Länder hier bereits erfolgreicher sind, führt der Bericht unter anderem darauf zurück, dass es in Frankreich verhältnismäßig wenig verarbeitendes Gewerbe gebe. Weiterhin investiere der französische Staat hohe Summen in die Förderung von FuE, müsse diese aber effizienter einsetzen. Erfolgreiche Beispiele seien die Cluster Pôles de compétivité und die Gründung der nationalen Investionsbank Bpifrance. Die steuerlichen Anreize für privatwirtschaftliche Forschung (Crédit d‘impôt recherche) hingegen sollten kritisch hinterfragt werden. Obwohl die Ausgaben hierfür kontinuierlich stiegen, investierten die Unternehmen nicht mehr in Forschung und Entwicklung. Die OECD empfiehlt stattdessen, die allgemeine Steuerlast der Unternehmen zu reduzieren. Wie OECD-Generalsekretär Angel Gurría zudem in seiner Rede anlässlich der Übergabe des Berichts feststellte, habe sich die öffentliche Forschung nicht ausreichend entwickelt und bleibe hinter ihren Möglichkeiten zurück. Zwar gebe es alle nötigen Instrumente für eine leistungsstarke Forschung (Projektförderung, umfassende Evaluierungen, Exzellenzprogramme…), diese seien allerdings parallel zu den existierenden Strukturen aufgebaut worden. Die Überlagerungen führten zu Effizienzverlust und einer Reihe von Schwierigkeiten. Das 2010 gestartete Förderprogramm für Forschung und Innovation (Programme d’investissements d’avenir, PIA) schließlich weist laut der OECD konzeptionell zwar in die richtige Richtung, sei aber "deutlich zu komplex".

Thomson Reuters: Zur Innovationsfähigkeit publiziert Thomson Reuters das Ranking „Top 100 Global Innovators“. Dieses Ranking basiert auf vier Kriterien: die weltweite Gesamtzahl an Patenten, deren Erfolg, ihr durch Zitation belegter Einfluss in der Welt der Wissenschaft sowie die Anzahl ihrer Nutzungen durch andere Unternehmen. Mit zwölf (von 100) herausragenden Forschungsorganismen belegte Frankreich im Jahre 2013 nach den USA und Japan den dritten Platz. Unter diesen zwölf französischen „Global Innovators“ befinden sich auch drei staatliche Forschungsorganisationen, das Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS), das Commissariat à l’énergie atomique et aux énergies alternatives (CEA) sowie das Institut de Pétrole/Ènergies nouvelles (IFPEN).

4. Internationale Kooperationen des Landes in Bildung, Forschung und Innovation

4.1. Überblick

4.1.1. Überblick

Frankreichs Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind international vielfältig eingebunden: Zahlreiche bilaterale Programme mit den wichtigsten, in Forschung und Entwicklung aktiven Ländern werden parallel zu institutionellen Engagements in multilateral betriebenen Forschungseinrichtungen umgesetzt. Besonderes Interesse gilt dem weiteren Ausbau des Europäischen Forschungsraumes. Im Hochschul- und Forschungsgesetz 2013 ist festgeschrieben, dass die nationale Forschungsstrategie mit der europäischen kohärent sein soll. Die Regierung hat ihre forschungspolitischen Ziele dementsprechend im Rahmen der Agenda „France Europe 2020“ der europäischen Agenda angepasst und beabsichtigt, die französische Beteiligung an der europäischen Forschungspolitik weiter zu intensivieren (siehe auch Kapitel „Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitische Zielsetzungen“). Frankreich hat seine internationale Bildungspolitik vollständig in den europäischen Rahmen eingegliedert. Hier sind Erasmus+ und der Bologna-Prozess als wichtigste Elemente zu nennen.

Die internationale Beteiligung an französischen Forschungsprojekten und Hochschulprogrammen wird von Frankreich seit etwa zehn Jahren zunehmend proaktiv gefördert. 2012 wurden mehr als 48 % aller wissenschaftlichen Publikationen mit mindestens einem ausländischen Co-Autor publiziert. Damit ist Frankreich im internationalen Vergleich führend für internationale Kooperationen (Quelle: Jaunes budgétaires "Forschung und Hochschulbildung" 2014, S. 69). Frankreich ist zudem das drittattraktivste Zielland für ausländische Studierende (hinter den USA und Großbritannien, aber vor Australien und Deutschland). 

Die französischen Hochschul- und Forschungseinrichtungen unterhalten zahlreiche Kooperationen mit internationalen Partnern. Besonders hingewiesen werden soll an dieser Stelle auf das Nationale Zentrum für wissenschaftliche Forschung (Centre national de la recherche scientifique, CNRS). Das CNRS unterhält zehn Außenstellen sowie insgesamt 61 französische Forschungslabore im Ausland bzw. mit internationalen Partnern (Unités mixtes - Instituts français à l’étranger, UMIFRE bzw. Unités mixtes internationales, UMI).

4.1.2. Strategien und Programme der internationalen Bildungs-, Forschungs- und Innovationszusammenarbeit

Frankreich hat das Ziel, seine Hochschul- und Forschungspolitik an die europäischen Strategien anzupassen. Die Hochschulabschlüsse sind mit den Vorgaben des europäischen Hochschulraums größtenteils konform. Die Forschungs- und Innovationspolitik wird im Rahmen der Agenda „France Europe 2020“ verstärkt den europäischen Vorgaben entsprechend weiterentwickelt.

Frankreich zahlt den zweitgrößten Beitrag zum europäischen Forschungsrahmenprogramm „Horizon 2020“, liegt in der Rangliste der geförderten Länder aber nur auf Platz 3. Um französischen Antragstellern die Bewerbung für europäische Ausschreibungen zu erleichtern, wurden 2013 die Nationalen Kontaktstellen (NKS) umgestaltet. Sie werden nun stärker vom Bildungsministerium gesteuert und es wurde eine eigene Informationsseite für französische Antragssteller ins Leben gerufen: http://www.horizon2020.gouv.fr/

Darüber hinaus soll eine „proaktive Politik“ betrieben werden (bezüglich der Positionierung französischer Experten in internationalen Institutionen und Alumni-Netzwerken) und die Verwendung von EU-Mitteln für internationale Kooperationen zu stärken.

Frankreich hat sich aktiv an der Zusammenführung der verschiedenen europäischen Bildungsprogramme zu Erasmus + (2014-2020) beteiligt. 2007-2013 wurden französische Einrichtungen im Rahmen der Vorgängerprogramme mit 636 Millionen Euro gefördert. Anlässlich der Einführung von Erasmus + wurde die Laufzeit der französischen Beratungsstelle für die europäischen Bildungsprogramme verlängert und in „Erasmus +-Agentur / Frankreich Bildung Ausbildung“ (Agence Erasmus + France / Education Formation) umbenannt. 

Neben Europa ist die Zusammenarbeit mit dem Mittelmeerraum ein Schwerpunkt der internationalen Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik. Insbesondere mit den Ländern des Maghreb kooperiert das Bildungsministerium in gemeinsamen Projekten, z.B. im Bereich der Studierenden- und Doktorandenausbildung. Strategisch wichtige Themen sind hier Gesundheit, Mobilität, erneuerbare Energien, Wasserwirtschaft, Umwelt. Zum aktuellen Zeitpunkt (Dezember 2014) ist noch nicht absehbar, inwiefern sich diese Maßnahmen in die von Nicolas Sarkozy 2008 ins Leben gerufene Union für das Mittelmeer einfügen werden.

Forschung als Teil der Entwicklungszusammenarbeit und die Förderung der „Süd-Süd-Kooperation“ (Kooperation von Entwicklungsländern miteinander, insbesondere afrikanischer Staaten sind ein weitere Schwerpunkte der französischen Bildungs-, Forschungs- und Innovationszusammenarbeit.

Unter der Präsidentschaft von Nicolas Sarkozy wurden zudem Brasilien, Russland, China, Indien, Japan und Südkorea als Länder identifiziert, mit denen die Kooperation verstärkt werden sollte, eine Strategie, die unter François Hollande bislang beibehalten wurde (Quelle: Jaunes budgétaires "Forschung und Hochschulbildung" 2015, S. 70).

Gemäß der „Agenda France Europe 2020“ soll die internationale Dimension in Hinblick auf die (zu erforschenden) gesellschaftlichen Herausforderungen und die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden.

Eine Zusammenfassung der französischen Wissenschaftsstrategie im Bereich Internationale Beziehungen wurde 2013 unter dem Titel „Eine wissenschaftliche Diplomatie für Frankreich“ vom Außenministerium heraus gegeben (englische Version unter "weitere Informationen").

4.1.3. Besondere Instrumente und Maßnahmen

Mit dem Hochschul- und Forschungsgesetz 2013 hat Frankreich seine Ambitionen verdeutlicht, sich verstärkt in der internationalen und insbesondere europäischen Kooperation zu engagieren und die Rolle Frankreichs im internationalen Wissenschaftswettbewerb zu stärken.

Die französische Regierung verfolgt das Ziel, Frankreich für ausländische Studierende und Forscher attraktiver zu machen. Dazu wurde im Hochschul- und Forschungsgesetz 2013 erstmals eine mehrjährige Aufenthaltsgenehmigung für alle internationalen Masterstudierenden und Doktoranden geschaffen. Im Anschluss können Studierende und Doktoranden ihren Aufenthalt nun leichter verlängern, z.B. um ein Unternehmen in ihrem Fachbereich zu gründen.

Zudem wurden mit dem Hochschul- und Forschungsgesetz 2013 die Möglichkeiten erweitert, Fremdsprachen als Unterrichtssprache zu verwenden. Französisch ist gesetzlich als Unterrichtssprache verankert. Vor dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes durfte nur dann in einer Fremdsprache unterrichtet werden, wenn es die Sprach- und Kulturstudien erforderten oder ein nicht-frankophoner Wissenschaftler lehrte. Nun ist dies auch möglich, wenn die Lehre im Rahmen eines internationalen Abkommens mit einer anderen Hochschule oder eines europäischen Programms durchgeführt wird oder wenn es sich um mehrsprachige bzw. grenzüberschreitende Studiengänge handelt.

Die französische Agentur für Forschungsförderung, ANR (siehe Kapitel „Forschungslandschaft“) hat ihre Ausschreibungen explizit auch für Kooperationen von französischen Forschern mit ausländischen Partnern geöffnet. Zudem gibt es spezielle Ausschreibungen für internationale Forschungsprogramme (Projets de recherche collaborative – International, PRCI), die mit ausländischen Forschungsförderungseinrichtungen wie z.B. der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) durchgeführt werden. Die ANR bietet weiterhin spezielle Ausschreibungen für die Anwerbung von exzellenten Forschern (Accueil de chercheurs de haut niveau) und die Gründung von europäischen oder internationalen Netzwerken (Montage de réseaux scientifiques européens ou internationaux).

Das Außenministerium fördert gemeinsam mit dem Bildungsministerium eine Reihe von Forschungskooperationen mit ausländischen Partnern. Die wichtigste Programmlinie in diesem Bereich ist das „Hubert Curien Programm“ (PHC). Die Ausschreibung erfolgt jeweils für bestimmte Länder, für Deutschland sind das z.B. die PROCOPE-Ausschreibungen. Weiterhin werden Forschungsprojekte mit Deutschland, Indien, China, Israel und Südafrika speziell mit der Ausschreibung „Programme zur Netzwerkforschung“ (Programmes de Recherche en Réseaux, P2R) gefördert. Seit 2004 wurden 17 P2R initiiert. Das Außenministerium fördert zudem regionale Forschungsnetzwerke in verschiedenen Weltregionen zu verschieden Thematiken (Informationswissenschaften, Lebenswissenschaften, Nachhaltige Entwicklung, Mathematik und Biologie/Biotechnologien) unter dem Titel Partenariats scientifiques régionaux. Eine Übersicht dieser und weiterer Programme ist hier zu finden.

Für Entwicklungszusammenarbeit und „Süd-Süd-Kooperation“ im Forschungsbereich werden Forschungszentren in den betreffenden Ländern gefördert, wie z.B. das Forschungszentrum für Medizin und Gesundheit im Niger (Centre de recherche médicale et sanitaire) oder das Netzwerk der Pasteur-Institute. Auf institutioneller Ebene werden die verschiedenen Aktionen in diesem Bereich von der „Institutionenübergreifenden Agentur für Forschung und Entwicklungszusammenarbeit“ (Agence inter-établissements de recherche pour le développement, AIRD) koordiniert. 

4.1.4. Ergebnisse von Evaluierungen

Wie das französische Bildungsministerium in seiner jährlichen Zusammenstellung „Überblick über Hochschulen und Forschung – 47 Indikatoren“ zusammenfasst (S. 96), waren französische Einrichtungen an 51,7 % der Projekte des 7. Europäischen Forschungsrahmenprogramms (7. FRP) beteiligt. 10 % davon wurden von Frankreich koordiniert. Besonders stark ist die Beteiligung Frankreichs in den Bereichen Luft-und Raumfahrt sowie Nuklearforschung.

Die französische Nationale Kontaktstelle des European Research Council (ERC) hat 2014 eine Evaluierung der französischen Beteiligung an ERC-Programmen veröffentlicht. Zwischen 2007 und 2013, der Dauer des 7. Forschungsrahmenprogramms, erhielt der ERC 43.000 Bewerbungen, von denen 4.500 angenommen wurden. Nur 8 % der Bewerber kamen aus französischen Einrichtungen, Frankreich belegt damit den fünften Platz der Bewerberländer. Dennoch ist das Land mit 567 ausgewählten Bewerbern an dritter Stelle der erfolgreich teilnehmenden Länder. Auf Platz eins und zwei liegen Großbritannien und Deutschland. 15,6 % aller französischen Bewerbungen waren, unabhängig von der Disziplin, erfolgreich (Gesamtdurchschnitt: 10,4 %). Frankreich hat damit die höchste Erfolgsquote im Gesamtvergleich. 

Die Beobachtungsstelle für Wissenschaft und Technik (Observatoire des sciences et des techniques, OST) veröffentlichte bisher alle zwei Jahre einen umfassenden Bericht zur FuE-Leistung Frankreichs, aber auch anderer Länder und im internationalen Vergleich. Seit 2013 sind die Indikatoren einzeln auf der Seite einsehbar. 

4.2. Bi- und multilaterale Kooperationen

4.2.1. Teilnahme an europäischen Programmen und Initiativen

Frankreich beteiligt sich von Beginn und intensiv an den Europäischen Forschungsrahmenprogrammen, die es im Rahmen seiner EU-Mitgliedschaft mitfinanziert. 

Die Europäische Union hat zehn gemeinsame Forschungsprogramme ins Leben gerufen (Joint Programming Initiatives, JPI). Frankreich ist an allen JPIs beteiligt, zwei dieser Programme werden von französischen Einrichtungen koordiniert:

  • Neurodegenerative Krankheiten, insbesondere Alzheimer (JPND), koordiniert von der französischen Forschungsagentur ANR und Aviesan
  • Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und Klimawandel (JPI FACCE), koordiniert vom Nationalen Forschungsinstitut für Agronomie INRA

Eine Übersicht der JPIs findet sich hier

Frankreich engagiert sich beim Europäischen Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen (European Strategy Forum for Research Infrastructures, ESFRI) der Europäischen Union und hat begonnen, eine Übersicht über die französische Forschungsinfrastruktur zu erarbeiten (Nationale Strategie für Forschungsinfrastruktur / Stratégie nationale des infrastructures de recherche; siehe auch Kapitel „Initiativen und Programme“ sowie „Teilnahme an multilateralen Initiativen und Programmen“ in diesem Kapitel). Alle im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms der EU geförderten und allen europäischen Forschern zur Verfügung stehenden Infrastrukturen finden sich in dieser Übersicht. In Frankreich gibt es 122 solcher Forschungsinfrastrukturen, es liegt damit hinter Deutschland (139) im europäischen Vergleich auf Platz 2.

Für die europäischen Forschungsinfrastrukturen, deren Sitz sich in Frankreich befindet (z.B. ESA, ECRIN, EMBL ...) siehe unten, Kapitel "Sitzland für Einrichtungen multilateraler Trägerschaft". Weiterhin finden sich die internationalen Infrastrukturen im Kapitel "Teilnahme an multilateralen Programmen und Initiativen", siehe unten. Weitere erwähnenswerte europäische Infrastrukturen mit französischer Beteiligung werden im Folgenden aufgelistet.

Frankreich ist einer von 15 Mitgliedsstaaten der europäischen Südsternwarte (European Southern Observatory, ESO), die für das Very Large Telescope (VLT) in Cerro Paranal (Chile) sowie das noch zu bauende Extremely Large Telescope (ELT) verantwortlich sind.

Über CEA und CNRS ist es am europäischen Röntgenlaser XFEL (European X-Ray Free-electron Laser), der in Hamburg gebaut wird und 2017 fertig gestellt werden soll. Frankreich ist nach Deutschland und Russland drittgrößter Gesellschafter von XFEL.

Frankreich ist am Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (European Centre for Medium-Range Weather ForecastsECMWF), mit Sitz in Reading (England), beteiligt. 

Das französische CNRS, die Max-Planck-Gesellschaft und das spanische Instituto Geográfico Nacional haben 1979 das Institut für Radioastronomie im Millimeterbereich (Institut de Radioastronomie Millimétrique, IRAM) gegründet. Das Institut mit Hauptsitz in Grenoble gilt als Modell für die multinationale wissenschaftliche Zusammenarbeit.

Das Nationale Institut für Weltraumwissenschaften des CNRS (Institut National des Sciences de l'Univers, CNRS-INSU) ist Mitglied des Europäischen Konsortiums für Forschungstiefseebohrungen (European Consortium for Ocean Research Drilling, ECORD).

Das Kommissariat für Atomkraft und erneuerbare Energien CEA, das Nationale Institut für Weltraumwissenschaften des CNRS (Institut National des Sciences de l'Univers, CNRS-INSU), die Universität Versailles-Saint-Quentin, das Institut für Ökologie und Umwelt des CNRS (Institut Ecologie et Environnement, CNRS-INEE) und das Nationale Institut für Agronomieforschung (Institut National de Recherche Agronomique, INRA) sind Mitglieder im europäischen Netzwerk für Messtürme, dem Integrated Carbon Observation System (ICOS).

Das CNRS-INSU ist Vertragspartner des im Rahmen des 7. Europäischen Forschungsrahmenprogramms finanzierten European Plate Observing System (EPOS). Das französische Netzwerk für Seismologie und Geodäsie koordiniert EPOS-France.

Das französische Institut für Meereserforschung (Institut français de recherche pour l'exploitation de la mer, IFREMER) vertritt Frankreich im European Multidisciplinary Seafloor and Water Column Observatory (EMSO).

Das Netzwerk „Produktion und Verwaltung von Daten in den Geistes- und Sozialwissenschaften“ (PROduction et la GEstion des DOnnées en sciences humaines et socialesProdego) vertritt Frankreich im europäischen Konsortium Council of European Social Science Data Archives (CESSDA) und den beiden europäischen Sozialerhebungen European Social Survey (ESS) und Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE).

Das Europäische Gravitationswellen-Observatorium (European Gravitational ObservatoryEGO) wird durch eine französisch-italienische Kooperation finanziert und hat seinen Sitz in Pisa.

Frankreich ist eines von 17 Partnerländern, die die European Spallation Source (ESS), einen Neutronenbeschleuniger, in Lund (Schweden) bauen. Die ESS wird ergänzt um ein ESS Data Management and Software Centre, das in Kopenhagen gebaut wird.

Frankreich beteiligt sich am europäischen Laserforschungsprojekt Extreme Light Infrastructure (ELI) mit Standorten in Tschechien, Rumänien und Ungarn. 

Seit November 2013 hat Frankreich die Vizepräsidentschaft des Strategischen Forums für internationale Wissenschafts- und Technologiekooperation (Strategic Forum for International Science and Technology Cooperation, SFIC) inne. Das Forum entwickelt eine europäische Strategie für die internationale Kooperation, insbesondere in Bezug auf Kooperationen mit Indien, China, Brasilien und Russland.

4.2.2. Mitgliedschaften in internationalen Regierungsorganisationen

Frankreich ist Mitglied der G8/G7 und der G20. Damit ist es an den jährlichen Beschlüssen der Staats- und Regierungschefs beteiligt, die auch Bildung und FuE betreffen können. 2011 übte Frankreich den Vorsitz für die G20 aus und setzte u.a. einen Schwerpunkt auf Agrarforschung. Im selben Jahr hatte Frankreich auch den Vorsitz für die G8. Seit der Suspendierung des G8-Mitglieds Russland im Jahr 2013 aufgrund der Krim-Krise trifft sich die Gruppe als G7.

Frankreich ist Gründungsmitglied der OECD. Es hat damit in den allgemeinen Bildungs- und Wissenschaftsgremien der OECD vollen Delegiertenstatus. Frankreich ist zudem Gründungsmitglied der UNESCO und Mitglied des Vorstands. Es ist innerhalb der UNESCO an zahlreichen Kommissionen und Komitees beteiligt (UNESCO-Factsheet zu Frankreich). Der Sitz beider Organisationen befindet sich in Paris. 

4.2.3. Teilnahme an multilateralen Programmen und Initiativen

Internationale Organisationen und Initiativen: Frankreich hat auf eigene Initiative hin sein Forschungs- und Innovationssystem von der OECD begutachten lassen. Die Ergebnisse wurden 2014 in der OECD-Reihe „Reviews of Innovation Policy“ veröffentlicht (siehe Kapitel „Initiativen und Programme“, Abschnitt „Ergebnisse von Evaluierungen“).

Frankreich beteiligt sich seit 2000 am OECD-Programm zur Kompetenzmessung von Schülern (PISA) und hat zudem an der ersten Runde (2008-2013) des OECD-Programms zur Kompetenzmessung der erwachsenen erwerbstätigen Bevölkerung (PIAAC) teilgenommen.

Die Akademie der Wissenschaften (Académie des Sciences) vertritt Frankreich als sogenanntes nationales Mitglied im Internationalen Wissenschaftsrat ICSU (International Council for Science). Das französische Bildungsministerium ist mit der ANR sowie der „Allianz für Ernährung, Wasser, Klima und Raumordnung“ (Alliance alimentation, eau, climat, territoires, Allevni) an der von der ICSU ins Leben gerufenen globalen Plattform für Nachhaltigkeitsforschung „Future Earth“ beteiligt.

Die „Allianz für Ernährung, Wasser, Klima und Raumordnung“ (Alliance alimentation, eau, climat, territoires, Allenvi), die nationale Forschungsförderagentur ANR sowie die wissenschaftliche Direktorin für Umwelt im Bildungsministerium vertreten Frankreich in der International Group of Funding Agencies for Global Change Research (IGFA) und beim zugehörigen Belmont Forum.

Die ANR ist das französische Mitglied im G8 Research Council. Zusätzlich beteiligt sie sich an der transnationalen Förderinitiative Open Research Area (ORA) für Sozialwissenschaften (Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Niederlande). Die 4. Ausschreibung der ORA wird von der ANR koordiniert (Deadline 15. Januar 2015). 

 

Beteiligung an internationalen Forschungsinfrastrukturen: Über die europäischen Südsternwarte (European Southern Observatory, ESO) ist Frankreich am größten Radioteleskop der Welt, dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array in der chilenischen Atacama-Wüste, beteiligt.

Mehrere französische Forschergruppen beteiligen sich am internationalen High Energy Stereoscopic System, einem System von Abbildenden Tscherenkow-Teleskopen (IACTs) zur Untersuchung der kosmischen Gammastrahlung, das in Namibia steht.

Über das Europäische Konsortiums für Forschungstiefseebohrungen (European Consortium for Ocean Research Drilling, ECORD) ist Frankreich am Internationalen Meereserforschungsprogramm (International Ocean Discovery Program, IODP) beteiligt.

Das Großteleskop Teleskop Kanada – Frankreich – Hawaii (Canada-France-Hawaii Observatory, CFHO) steht in Hawaii, Mitglied für Frankreich ist das CNRS. 

Frankreich beteiligt sich an FAIR, einer internationalen Beschleuniger-Anlage zur Forschung mit Antiprotonen und Ionen, die in Darmstadt entsteht. 

Für die internationalen Forschungsinfrastrukturen, deren Sitz sich in Frankreich befindet (z.B. CERN, ITER ...) siehe unten, Kapitel "Sitzland für Einrichtungen multilateraler Trägerschaft". Zur Beteiligung Frankreichs an den zahlreichen europäischen Forschungsinfrastrukturen siehe oben Kapitel "Teilnahme an europäischen Programmen und Initiativen".

4.2.4. Sitzland für Einrichtungen multilateraler Trägerschaft

Internationale Einrichtungen:

Der internationale Kernfusions-Forschungsreaktor ITER (International Thermonuclear Experimental Reactor) wird in der Nähe von Cadarache (Bouches-du-Rhône) gebaut. An dem internationalen Forschungsprojekt sind neben der EU China, Indien, Japan, Korea, Russland und die USA beteiligt.

Das internationale Institut Laue-Langevin (ILL) für Neutronenforschung und -technologie hat seinen Sitz in Grenoble. Es wird zu 75 % von Frankreich, Deutschland und Großbritannien finanziert. 13 weitere Länder sind Mitglied. Den französischen Anteil stellen CEA und CNRS sicher.

Die GCRAI, ein Zusammenschluss von Einrichtungen, die zur Nahrungsversorgung forschen, sitzt in Montpellier. Ursprünglich wurde sie als „Beratungsgruppe für die internationale Landwirtschaftsforschung“ (Groupe consultatif pour la recherche agricole internationale) ins Leben gerufen, nennt sich aber nicht mehr so. 

Frankreich ist neben Argentinien Sitzland des UNESCO International Institute for Educational Planning (IIEP). Eines der sogenannten Kategorie 2-Institute, das International Centre for Pure and Applied Mathematics (ICPAM), befindet sich in Nizza. 23 Unesco-Chairs und 4 UNITWIN-Netzwerke befinden sich in Frankreich. Eine Übersicht findet sich hier.

Europäische Einrichtungen:

Paris ist Sitz der Europäischen Weltraumorganisation (European Space AgencyESA) und ihr Generaldirektor ist seit 2003 der Franzose Jean-Jacques Dordain.

Frankreich gehört zu den Gründungsmitgliedern der Europäischen Organisation für Kernforschung CERN (Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire). Der Sitz des CERN befindet sich in der Schweiz, Teile der Beschleunigerringe und einige unterirdische Labore aber auf französischem Territorium. Es hat daher einen besonderen Rechtsstatus.

Einer der 5 Standorte des Europäischen Labors für Molekularbiologie (European Molecular Biology Laboratory, EMBL) befindet sich in Grenoble.

Die European Synchrotron Radiation Facility wird in Grenoble gebaut.

Frankreich ist Mitglied im europäischen LOw Frequency ARray-Netzwerk (LOFAR). Eine der 41 Stationen wurde 2011  sich in Nançay eingeweiht.

Das European Clinical Research Infrastructure Network (ECRIN) wurde mithilfe mehrerer Projekte des 6. und 7. Rahmenforschungsprogramm der Europäischen Union aufgebaut, die vom französischen Institut für Gesundheits- und Medizinforschung Inserm koordiniert wurden. Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien und Portugal sind Gründungsmitglieder des Netzwerks, das seinen Sitz in Paris hat. 

15 europäische Länder haben im August 2014 die Schaffung eines Netzwerkes für digitale Infrastruktur in den Geistes- und Sozialwissenschaften (Digital Research Infrastructure for the Arts and Humanities, DARIAH) beschlossen. Die Partnerländer stellen sich gegenseitig ihre Expertise zur Verfügung. Das Netzwerk wird in Frankreich hauptsächlich vom CNRS getragen, das mit dem Inria und der Bibliographischen Agentur für Hochschulen (Agence bibliographique de l’enseignement supérieur, ABES) zusammenarbeitet. Der Sitz von DARIAH befindet sich in Paris. 

5. Ansprechpartner

5.1. Weitere Informationen

Nähere Informationen zur bilateralen Kooperation zwischen Deutschland und Frankreich sowie Beteiligungsmöglichkeiten an Programmen und Fördermaßnahmen erteilt im Auftrag des BMBF das Internationale Büro.

Fachlicher Ansprechpartner für Frankreich:

Ivika Laev

Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt
Europäische und Internationale Zusammenarbeit
Heinrich-Konen-Str. 1
53227 Bonn
Deutschland
Tel: +49 228 3821-1418
Fax: +49 228 3821-1444
E-Mail: Ivika.Laev(at)dlr.de

 

Dr. Ulrike Kunze

Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt
Europäische und Internationale Zusammenarbeit
Heinrich-Konen-Str. 1
53227 Bonn
Deutschland
Tel: +49 30 67055 7981
Fax: +49 228 3821-1444
E-Mail: Ulrike.Kunze(at)dlr.de

www.internationales-buero.de

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Redaktion: 18.12.14, von: Kathleen Schlütter, Deutsch-Französische Hochschule
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