BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
Kooperation International
 

1. Überblick

Indien hat seine bilaterale Zusammenarbeit mit verschiedenen Industriestaaten im Bereich von Forschung und Technologie stetig erweitert und dürfte auch in Zukunft an dieser Politik festhalten. Es verspricht sich hiervon eine Beschleunigung der technologischen Entwicklung des Landes sowie erhebliche Kostenersparnisse. Insbesondere in den Bereichen Biotechnologie, Gesundheitsforschung, Agrarforschung, Mikroelektronik und Materialwissenschaften versucht es, durch Kooperationen mit der internationalen Entwicklung Schritt zu halten.

Die indische Regierung hat mit mehr als 50 Staaten Kooperationsabkommen in Forschung und Technologie abgeschlossen. Mit u.a. Ägypten, Australien, Großbritannien, China, Frankreich, Israel, Japan, Ungarn, Russland, Schweden, Sri Lanka, Ukraine, Usbekistan und Vietnam wurden bilaterale Ausschüsse oder Unterausschüsse eingerichtet, die Indiens F&T-Zusammenarbeit mit diesen Staaten koordinieren. Mit den USA wurde die Gründung eines Indo-US Science and Technology Forum beschlossen. Ein Teil der F&T-Zusammenarbeit mit den USA wurde bisher über das Programme for the Advancement of Commercial Technology abgewickelt, das mit Finanzmitteln der US-Entwicklungshilfe die Gründung amerikanisch-indischer Joint-Ventures auf dem Gebiet von Forschung und Technologie durch die Bereitstellung günstiger Kredite finanziert.
Die indische Regierung bemüht sich verstärkt, mit wichtigen Partnern gemeinsame Forschungs- und Technologiezentren zu gründen. So wird die F&T-Zusammenarbeit mit Frankreich bereits größtenteils über das Indo-French Center for the Promotion of Advanced Research (CEFIPRA / IFCPAR) mit Sitz in New Delhi abgewickelt. Mit Usbekistan wurde 1995 ein Abkommen über die Gründung eines Indo-Uzbek Center for the Promotion of Scientific and Technological Cooperation mit Sitz in Taschkent abgeschlossen. Für die Zusammenarbeit mit Russland gibt es ein Integrated Long Term Programme of Cooperation in Science and Technology. Britisch-indische Forschungsprojekte werden aus einem von beiden Seiten eingerichteten Research Collaboration Fund finanziert.

Mit der im November 2006 durch den damaligen Minister für Wissenschaft und Technologie, Kapil Sibal und der Confederation of Indian Industry (CII) gestarteten Initiative Global Innovation & Technology Alliance (GITA) soll die internationale industrienahe F&E-Kooperation Indiens gestärkt werden (s. Dokumente).

Die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit mit der Europäischen Union im Rahmen des EU-Programms für wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern soll in eine neue Phase treten. Indien hat ein entsprechendes Kooperationsabkommen mit der EU unterzeichnet.

Die OECD hat Ihre Kooperationen mit Indien in den letzten Jahren ausgebaut. Indien hat z.B. Beobachter-Status im Committee for Scientific and Technological Policy (CSTP). Die Working Party on Biotechnology (WPB) legte im Jahr 2005 einen Überblick über den Biotechnologiesektor in Indien vor (s.u.). In vielen anderen Forschungs- und Bildungsbereichen liegen entsprechende Berichte und umfangreiche (statistische) Übersichten der OECD zu Indien vor.

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2. Bilaterale wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit (WTZ)

Im Rahmen der vom BMBF über das IB geförderten WTZ werden in über 50 gemeinsamen Forschungsprojekten jährlich rund 75 indische Wissenschaftler an deutsche Partnereinrichtungen entsandt und besuchen ca. 75 deutsche Wissenschaftler die indischen kooperierenden Institute. Das IB unterstützt mehrere bilaterale Workshops pro Jahr zur Anbahnung neuer Aktivitäten.

Dazu kommen weitere Austauschprogramme der Helmholtz-Zentren, Max-Planck-Institute, Universitäten und Fachhochschulen sowie Einrichtungen der gewerblichen Wirtschaft. Auch die Förderprogramme des DAAD (PPP), der DFG und der AvH können im erweiterten Sinne der WTZ zugerechnet werden. Die WTZ-Aktivitäten und Netzwerke zwischen Indien und Deutschland sind über mehr als drei Jahrzehnte gewachsen und inzwischen (im positiven Sinne) "unüberschaubar" geworden.

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3. Europäische Programme und Initiativen

Die Europäische Kommission arbeitet eng mit Indien zusammen, sowohl innerhalb des 7. Forschungsrahmenprogramms (multilaterale Zusammenarbeit) als auch im Rahmen bilateraler Abkommen (WTZ-Abkommen 2002). Die fachlichen WTZ Schwerpunkte der EU Kommission mit Indien sind: Neue Materialien (Koordinierter Aufruf 2008), Lebensmittel/Landwirtschaft/Biotechnologie (Koordinierter Aufruf 2009), Erneuerbare Energien, Umwelt/Klima, Transport, Informations- und Kommunikationstechnologien sowie als Querschnittsaufgabe Mobilität der Forscher. Indien beteiligt sich an den künftigen europäischen Großforschungseinrichtungen FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research) und ITER (International Termonuclear Experimental Reactor).

Bis September 2008 förderte die Kommission die Specific Support Action "AOUDA" (Koordinator CNRS, Frankreich). Ein weiteres Projekt, das BILAT "EUINEC" (Koordinator EMPSC, Ungarn) startete im Herbst 2008. Das ERA-Net "New INDIGO" (Koordinator CNRS, Frankreich) als Weiterführung von AOUDA startete im Januar 2009 mit dem Kick-Off-Treffen in Paris. Deutschland wurde in AOUDA und wird in New INDIGO durch das Internationale Büro des BMBF beim DLR vertreten.
Ziel dieser Maßnahmen ist eine bessere Vernetzung bilateraler WTZ Kooperationsprogramme der EU-Mitgliedsstaaten mit Indien, Identifizierung von "Best practice" und Vorbereitung eines gemeinsamen transnationalen (EU-Mitgliedstaaten und Indien) Forschungsförderprogramms.

Die EU ist im Rahmen der Initiative „Strategic Forum for Internationale Science and Technology Cooperation (SFIC)“ an die indische Regierung herangetreten, um eine gemeinsame Pilotinitiatve zu Forschungskooperationen der EU-Kommission, der Mitgliedsstaaten und Indien im Bereich Wasser zu starten.

Seit 2005 ist die Kommission mit einer eigenen Vertretung in Neu-Delhi präsent. Nähere Informationen sind der Website der Delegation of the European Commission to India (link siehe unten) zu entnehmen.

Redaktion: 03.08.10, von: Dörte Merk, IB Internationales Büro des BMBF im DLR e. V.

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4. Internationaler thermonuklearer Reaktor (ITER)

Der Internationale Thermonukleare Experimental-Reaktor (ITER) ist ein gemeinsames internationales Forschungs- und Entwicklungsprojekt zur Demonstration der wissenschaftlichen und technischen Machbarkeit der Nutzung der Fusionsenergie. Die Partner sind die Europäische Union (vertreten durch EURATOM), Indien, Japan, China, Republik Korea, Russische Föderation und USA. ITER wird in Cadarache (Südfrankreich) gebaut. Die Baukosten werden voraussichtlich 4,57 Mrd. € betragen. Indien beteiligt sich mit 10 % der Kosten an ITER.

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5. Biowissenschaften

Im diesem Bereich werden 2010 Anbahnungsmaßnahmen im Rahmen einer laufenden gemeinsamen Ausschreibung zwischen BMBF-IB und DST gefördert. Nähere Informationen sind beim Internationalen Büro des BMBF erhältlich.

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6. Energie

Die Helmholtz-Gemeinschaft und die Anna-University in Chennai kooperieren in der Energieforschung. Nachdem im Sommer 2007 bereits ein Workshop in Indien stattfand unterzeichnete Helmholtz-Präsident Mlynek am 30.10.2007 im Rahmen des Besuchs der Bundeskanzlerin Merkel und Bundesministerin für Bildung und Forschung Schavan in New Delhi einen Kooperationsvereinbarung (MoU) mit der Anna University in Chennai. Mit der Vereinbarung soll die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energieforschung intensiviert werden.

Im Rahmen des Deutsch-Indischen Energiedialogs zwischen der Bundesregierung und der Indischen Regierung erfolgt ein intensiver Austausch über die Zusammenarbeit beider Länder im Energiesektor. Daran beteiligt sind auf deutscher Regierungsseite BMWi, BMU, BMZ und BMBF. Die Vereinbarung zwischen den Energieagenturen beider Länder, die während des Besuchs des indischen Energieministers in Deutschland im Jahr 2006 unterzeichnet wurde, das deutsch-indische Symposium zur Energieeffizienz sowie das deutsch-indische Umweltforum, das vom 15.-20. November 2009 in New Delhi stattgefunden hat, haben dem bilateralen politischen Energiedialog weitere Impulse verliehen. Dies hat dazu beitragen, Projekte der Zusammenarbeit in diesem Bereich zu identifizieren. Der baldige Abschluss einer Vereinbarung über Projekte im Rahmen des Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (CDM) wird diesen Prozess weiter stärken. Die CDM-Zusammenarbeit wächst und umfasst derzeit (2007) bereits 21 gebilligte Projekte.

Indien und Deutschland werden zusammen mit anderen Ländern im Bereich der Fusionsenergieforschung künftig enger zusammenarbeiten. Beide Länder beteiligen sich am Bau und Betrieb des Internationalen Thermonuklearen Experimental-Reaktors ITER in Cadarache, Südfrankreich (s.o.).

Seit August 2007 läuft der "Dialogue for Sustainability (D4S): Sustainable Solutions - Science for Sustainability". Angestoßen durch die G8-Staaten (Gipfeltreffen in Heiligendamm, 2007) werden gemeinsam mit wichtigen Schwellenländern Leitlinien und Impulse für nationale Programme, die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit und den internationalen Forschungsdialog erarbeitet. Schwerpunktländer der Zusammenarbeit sind neben Indien Brasilien, Russland, China und Südafrika. Partner des IB bei der Organisation und Durchführung von Konferenzen ist die United Nations University (UNU) in Bonn.

Die erste deutsch-indische Konferenz  "Science for Sustainability - Driver for a Common Future" fand am 9. September 2008 in Neu-Delhi statt. Veranstalter waren das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Department for Science and Technology (DST), Government of India. Rund 80 Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft nahmen daran teil. Die Veranstaltung war Teil der Indienreise von Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan. Sie und ihr indischer Amtskollege Kapil Sibal unterzeichneten während der Konferenz eine Gemeinsame Erklärung. Darin vereinbarten sie auf dem Gebiet der "Forschung für Nachhaltigkeit" künftig eng zusammenzuarbeiten. Die zweite deutsch-indische Konferenz "Science for Sustainability - Driver for a Common Future" (27. - 28. April 2009, Bonn) konzentrierte sich auf "Energie" und "Landnutzungsforschung". Deutsche und indische Experten (gesamt: 67 Teilnehmer) erarbeiteten Vorschläge für die künftige Zusammenarbeit zu diesen wichtigen Forschungsfeldern. Eine dritte Konferenz zu Wasser- und Abfallmanagementforschung ist für Anfang 2010 in Planung. (www.dialogue4s.de)

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7. Gesundheitsforschung

Das Internationale Büro des BMBF unterstützt Anbahnungsmaßnahmen im Bereich der Gesundheitsforschung zusammen mit dem ICMR auf indischer Seite im Rahmen von gemeinsamen (jährlichen) Ausschreibungen. Eine besondere Maßnahme zur Anbahnung gemeinsamer größerer Forschungsvorhaben stellt das IGLO Indo-German Liaison Office (Würzburg - Hyderabad) dar. www.iglo.uni-wuerzburg.de

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) eröffnete zusammen mit dem ICMR im April 2007 das (virtuelle) "Indo-German Science Centre for Infectious Diseases (IG-SCID)". Im Rahmen dieses Zentrums werden größere bilaterale Forschungsvorhaben im Bereich der klinischen Infektionsforschung durchgeführt.  www.mh-hannover.de/6057.html

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8. Information und Kommunikation

Die Max Planck Gesellschaft (MPG) ist an einer Ausweitung der Kontakte mit indischen Einrichtungen interessiert. Eine intensivere Zusammenarbeit soll demnach stattfinden im Bereich Informatik aber auch in der Infektionsbiologie, Bioinformatik und Nanotechnologie. Es sind wachsende Zahlen von indischen Doktoranden in MPG-Instituten zu verzeichnen, was ein zusätzliches Instrument zur stärkeren Einbeziehung von indischen Forschern in die Spitzenforschung Deutschlands darstellt.

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9. Meeres- und Polarforschung

Im Bereich der Klima- und Meeresforschung kooperierte das Alfred-Wegner-Institut für Polar-und Meeresforschung in Bremerhaven (Helmholtz-Zentrum) mit der größten meereskundlichen Einrichtung Indiens, dem National Institute of Oceanography (NIO) in Goa. Helmholtz-Präsident Mlynek unterzeichnete am 30. Oktober 2007 anlässlich des Besuchs der Bundeskanzlerin Merkel und der Bundesministerin für Bildung und Forschung Schavan ein "Memorandum of Understanding", welches eine Zusammenarbeit im Bereich der Biologischen Ozeanographie vereinbarte. Unter dem Namen „LOHAFEX“ untersuchten die Wissenschaftler insbesondere, ob eine gezielte "Düngung" der Ozeane mit Eisen das Wachstum von Algen anregen und CO2 aus der Atmosphäre binden kann. Das letzte von drei an Bord des Forschungsschiffs Polarstern wurde im Frühjahr 2009 von indischen und deutschen Wissenschaftlern gemeinsam durchgeführt.

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10. Nanotechnologie

Im diesem Bereich wurden 2007 Anbahnungsmaßnahmen im Rahmen einer laufenden gemeinsamen Ausschreibung zwischen BMBF-IB und DST gefördert.

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11. Produktionstechnologie

Ziel eines größeren BMBF- und DST-geförderten deutsch-indischen Verbundforschungsprojektes in der Produktionstechnologie ist es, am Beispiel der Fertigung Anforderungen und Gestaltungsspielräume für zukünftige schlanke Produktionssysteme zu erforschen. Das Forschungsprojekt mit dem Namen „LeanDi" hat sich zur Aufgabe gesetzt, Methoden zu entwickeln, die eine Anpassung von Produktionssystemen unter Nutzung der „Lean Manufacturing Ansätze" am Beispiel des Bedarfes indischer Unternehmen erlauben. Dabei will das Forscherteam an der TU Darmstadt (Institut PTW) und dem IIT Delhi und dem PSG College of Technology in Coimbatore sowohl innovative Lösungen im Bereich der Werkzeugmaschinentechnologie als auch im Bereich des Maschinenumfelds und der Arbeitsorganisation in der spanenden Fertigung erarbeiten. Ein entsprechendes MoU wurde am 30.10.2007 anlässlich des Besuchs der Bundeskanzlerin Merkel und der Bundesministerin für Bildung und Forschung Schavan in New Delhi unterzeichnet.

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Redaktion: 03.08.10, von: Dr. Martin Goller, IB Internationales Büro des BMBF beim DLR e. V.
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