BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
Kooperation International
 

1. Überblick

Das italienische Bildungswesen durchläuft derzeit eine umfassende Universitäts- und Schulreform, mit der die institutionellen Strukturen verschlankt und vereinheitlicht werden sollen. An den Schulen wird das zur Maturità (Hochschulzugangsberechtigung) führende 13-stufige System beibehalten. Im Bereich des Fremdsprachenunterrichts ist in letzter Zeit eine Konzentration auf das Englische feststellbar, zu Lasten anderer Fremdsprachen. Wissenschaft und Forschung profitieren von zahlreichen internationalen Kooperationsbeziehungen und erbringen, wo diese für stabile Rahmenbedingungen sorgen, hervorragende Leistungen, insbesondere in einigen Exzellenzzentren. Dennoch erlebt Italien seit Jahren eine anhaltende Abwanderung seiner fähigsten Wissenschaftler und Forscher, auch in Richtung Deutschland. 

Quelle: Auswärtiges Amt

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2. Indikatoren für Bildung

Indikator Italien Stand OECD-Gesamt Stand
Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: primäre und sekundäre Bildung 3,1 % 2011 3,8 % 2011
Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: tertiäre Bildung 1,0 % 2011 1,6 % 2011
Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: Gesamtbildung 4,6 % 2011 6,1 % 2011
Wachstum des Bildungsanteils am BIP (Differenz i. Vgl. zum Vorjahr in Prozentpunkten) -0,1 2011 -0,2 2011
Anteil öffentlicher Bildungsausgaben an den öffentlichen Gesamtausgaben 8,6 % 2011 12,9 % 2011
Pro-Kopf Ausgaben pro Student/in 9.990 USD 2011 13.958 USD 2011
Anteil tertiär Graduierter an der Gesamtbevölkerung * 2012 50 % 2012
Schülerzahl pro Lehrer, Primarstufe 12 2012 15 2012
Schülerzahl pro Lehrer, Sekundarstufe 12 2012 13 2012
Klassengröße, Primarstufe 19 2012 21 2012
Klassengröße, Sekundarstufe 22 2012 24 2012
PISA-Ergebnisse: Lesen 28. von 65 2012 --- ---
PISA-Ergebnisse: Naturwissenschaften 32. von 65 2012 --- ---
PISA-Ergebnisse: Mathematik 32. von 65 2012 --- ---

* berücksichtigt nur tertiäre "type A" Programme, keine Daten über "type B" Programme verfügbar (OECD, Education at a Glance 2014, Tabelle A3.1a)

Quellen: "OECD - Education at a Glance 2014" und "OECD PISA 2012 – Ergebnisse"
Redaktion: 18.09.14, von: Helena Lübbers, Tim Mörsch und Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

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3. Schulen und Hochschulen

Das italienische Schul- und Hochschulwesen ist durch nationale Gesetzte geregelt und liegt im Zuständigkeitsbereich des Ministeriums für Bildung, Hochschulen und Forschung (Ministero dell'Istruzione, dell'Università e della Ricerca - MIUR). Es gliedert sich in drei Stufen, mit einer Vorstufe:

  • Vorschule
  • Primarphase (Grundschule und Sekundarschule)
  • Sekundarphase (Gymnasium, Fachoberschule, Berufsfachschulen)
  • Tertiärphase (Hochschulen und höhere Bildungseinrichtungen)

Schulen

Der Besuch der Vorschulstufe (Scuola dell’Infanzia) ab dem Alter von ca. drei Jahren ist üblich, aber nicht verpflichtend. Es besteht die Möglichkeit die Vorschule ganztags oder nur am Vormittag halbtags zu besuchen.

Die Primarphase umfasst den fünfjährigen Besuch der Grundschule (Scuola Primaria) und drei Jahre in der Sekundarschule (Scuola Secondaria di Primo Grado). Dabei erfolgt die Einschulung in der Regel mit sechs Jahren (Vollendung des 6. Lebensjahres bis 31. Dezember im Jahr der Einschulung). In der Grundschule beginnt der Unterricht in der ersten Fremdsprache, üblicherweise Englisch. Im Schuljahr 2009/2010 kehrte man zum Klassenlehrerprinzip zurück, nachdem in den Grundschulklassen vorher zeitweise ein Lehrerteam zuständig war.

Der Übergang in die Sekundarschule erfolgt in der Regel mit 11 Jahren. Es wird mit einer zweiten Fremdsprache begonnen. Die Primarphase endet mit einer Abschlussprüfung, deren Bestehen die Vorraussetzung für den Übertritt in eine weiterführende Schule ist. Bei den Grundschulen wie bei den Sekundarschulen gibt es ein Ganztagsangebot.

Im Alter von 14 Jahren wechseln die Jugendlichen in die weiterführenden Schulen der Sekundarphase. Hier beginnt das gegliederte Schulsystem. Es ist eingeteilt in:

  • Gymnasien (Licei)
  • Fachoberschulen (Istituti tecnici)
  • Berufsfachschulen (Istituti professionali)

Die Sekundarphase umfasst fünf Jahre. Am Ende steht eine staatliche Prüfung (Esame di Stato), die zum Universitätsstudium berechtigt.

Für das Gymnasium gibt es sechs verschiedenen Spezialisierungen:

  • das Kunstgymnasium (Liceo artistico),
  • das Humanistische Gymnasium (Liceo classico),
  • das Neusprachliche Gymnasium (Liceo linguistico),
  • das Musische Gymnasium (Liceo musicale e coreutico),
  • das Mathematisch-/Naturwissenschaftliche Gymnasium (Liceo scientifico e opzione scienze applicate)
  • und das Sozialwissenschaftliche Gymnasium (Liceo delle science umane e opzione economico-sociale). 

Die Fachoberschulen unterteilen sich in Institutionen mit der Fachrichtung Wirtschaft oder Technologie, die sich jeweils in weitere Spezialisierungen aufteilen. Die Berufsfachschulen bilden ebenfalls in zwei Schwerpunktbereichen aus, Industrie und Handwerk sowie Dienstleistungen, jeweils mit weiteren Spezialisierungen. In den Berufsfachschulen werden neben fünfjährigen Ausbildungen auch regional organisierte drei- und vierjährige berufsorientierte Ausbildungsgänge angeboten.

Grundsätzlich besteht in Italien für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und 16 Jahren eine zehnjährige Bildungspflicht. Dies umfasst die Primarphase sowie die ersten beiden Jahre der Sekundarphase. Nach Abschluss der Primarphase können die letzten beiden Jahre der Bildungspflicht (von 14 bis 16 Jahre) alternativ in einem der drei Schultypen der Sekundarphase verbracht werden oder mit einer drei-jährigen Berufsausbildung oder Ausbildungskursen, die regional angeboten werden. Darüber hinaus haben alle das Recht auf mindestens zwölf Jahre Bildung und Ausbildung, bzw. bis sie eine dreijährige Ausbildung abgeschlossen haben und mindestens 18 Jahre alt sind. 

Die verschiedenen Schulen der Sekundarphase können in Schulzentren in unterschiedlicher Zusammenstellung zusammengefasst werden als Istitutio di Istruzione Secondaria Superiore. In den deutsch-, französisch- oder ladinischsprachigen Gebieten kann der Unterricht wahlweise (in getrennten Schulen) auch in dieser Sprache erfolgen.

Hochschulen

Der tertiäre Bereich umfasst primär Universitäten und Afam-Institutionen (Alta Fomazione artistica e musicale), das sind verschieden Hochschulen der Musik und der Künste. Zugangsvoraussetzung ist das Esame di Stato, das nach 13 Schuljahren abgelegt werden kann. Darüber hinaus können das Ministerium für Bildung, Universitäten und Forschung (MIUR) sowie die einzelnen Universitäten spezifische Zulassungsvoraussetzungen festlegen.

In der beruflichen Ausbildung, im Bereich der Fachoberschulen und der Berufsfachschulen, finden sich auch Ausbildungsgänge, die im Rahmen der beruflichen Bildung über die Sekundarphase hinaus weiterqualifizieren (Istruzione e Formatione Tecnica Superiore).
 
Italien war unter den ersten Ländern, die die Bologna Reform umgesetzt haben. Bereits 1999 wurde die Hochschulausbildung entsprechend angepasst. Sie ist unterteilt in drei Phasen:

  • Die erste Phase dauert drei Jahre mit dem Abschluss Laurea, die dem Bachelor entspricht. 
  • Die zweite Phase führt in zwei Jahren zum Laurea Specialista/Magistrale, der dem Master entspricht. Alternativ ist nach einem Jahr ein Master Universitario di 1° Livello erreichbar. 
  • Die dritte Phase führt nach dem zweijährigen Master in drei Jahren zum Dottorato di Ricerca, das entspricht der Promotion. Auch in dieser Phase ist alternativ nach einem Jahr ein Master Universitario di 2° Livello möglich.

Die Abschlüsse der Afam-Institutionen folgen dem gleichen System, die Bezeichnungen sind jedoch abweichend.

Italien verfügt über insgesamt 77 staatlich anerkannte Universitäten, davon 55 staatliche Volluniversitäten, drei staatliche technische Universitäten, 14 „nicht-staatliche“ (aber staatlich anerkannte) Universitäten, zwei sogenannte (staatliche) Ausländeruniversitäten und drei weitere spezialisierte Hochschuleinrichtungen.

Informationen über italienische Hochschulabschlüsse und -grade, die Voraussetzungen für ihren Erwerb sowie Hinweise zu ihrer Einstufung im Verhältnis zu deutschen Hochschulabschlüssen und -graden können in der Datenbank "anabin" recherchiert werden.

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4. Berufliche Bildung

Neben der schulischen beruflichen Erstausbildung gibt es in Italien das Erstausbildungssystem der Regionen und zwei verschiedene Formen einer alternierenden Berufsausbildung. 

Schule

Die schulische Erstausbildung im Sekundarbereich II (ab 14 Jahren) besteht im Wesentlichen aus der Lehrausbildung, der fachlich-technischen Ausbildung, die mit einer breiten Palette von Fachrichtungen grob drei verschiedene Bereiche abdeckt: Landwirtschaft, Industrie und Handel (ca. 45% der Schüler/innen wählen diese Ausbildung) und die berufsbezogene Ausbildung. Sie umfasst eine Reihe von Sektoren: Landwirtschaft, Industrie, Handwerk, Dienstleistungen und spezielle Sektoren. (ca. 20% der Schüler/innen entscheiden sich für diese Richtung). Die drei letztgenannten werden zu den berufsbildenden Zweigen der Schulen des Sekundarbereichs II gezählt. 

Berufsausbildung

Die berufsbezogene Ausbildung wird von den staatlichen Berufsfachschulen (Istituti professionali de Stato - IPS) erteilt. Nach drei Jahren kann ein Berufsbildungsabschluss abgelegt werden. Anschließend ist eine Fortsetzung des Bildungswegs möglich und nach weiteren zwei Jahren kann ein berufsbezogenes Abitur abgelegt werden. 

Die fachlich-technische Ausbildung wird von den staatlichen Fachoberschulen erteilt, die Fachkräfte für mittlere Laufbahnen in technischen und Verwaltungsberufen ausbilden. 

Daneben steht das Erstausbildungssystem der Regionen, das sich in die berufliche Grundbildung nach der Pflichtschulzeit (erste Stufe) und die berufliche Ausbildung im Anschluss an ein Abitur oder einen Hochschulabschluss (zweite Stufe) unterteilt. 

Die Grundbildung stellt eine Bildungsalternative zur Schule dar, die sich insbesondere Jugendlichen anbietet, die mit den für sie zu theoretischen oder abstrakten Konzepten der allgemeinbildenden Schule größere Schwierigkeiten haben. Das Mindestalter ist 15 Jahre. Die Ausbildung dauert in der Regel zwei Jahre (kann von ein bis drei Jahren variieren) und endet mit einem beruflichen Abschluss (ca. 5% der Schüler/innen eines Jahrgangs wählen diese Ausbildungsform). 

Im Rahmen der zweiten Stufe dieses Ausbildungssystems kann eine Spezialisierung im Anschluss an einen ersten beruflichen Abschluss erworben werden. Die zweijährigen Kurse wenden sich an Jugendliche aus Berufsfachschulen, die den Abschluss nach dem dritten Jahr erreicht haben. Die staatlichen Berufsfachschulen sind verpflichtet, ihre Ausbildungsangebote im Anschluss an einen ersten beruflichen Abschluss auf das regionale Berufsbildungssystem abzustimmen, um eine stärkere Professionalisierung und eine effektive Verbindung zur Arbeitswelt zu erreichen. Die Kurse führen zu einem doppelt qualifizierenden Abschluss: berufsbezogenes Abitur und Berufsabschluss des regionalen Berufbildungssystems. 

Des Weiteren sind zwei Hauptformen der alternierenden Ausbildung zu unterscheiden: der Vertrag über Ausbildung und Arbeit (contratto di formazione e lavoro - CFL) und die Lehre. 

Einen CFL können 15- bis 32-jährige abschließen. Ein Vertragstyp ist auf die Vermittlung von beruflichen Kenntnissen für mittlere bis gehobene Laufbahnen ausgerichtet, erstreckt sich über höchstens 24 Monate und beinhaltet 80 bis 130 Stunden theoretischer Ausbildung, je nach Laufbahn. Ein zweiter Vertragstyp zielt auf die Förderung der beruflichen Eingliederung durch Arbeitserfahrung. Die Ausbildungsdauer beträgt ca. 12 Monate mit mind. 20 Stunden Theorie. 

Ein Unternehmen, das einen CFL-Vertrag schließen möchte, muss dem zuständigen, regionalen Beschäftigungsausschuss einen Ausbildungsplan vorlegen. 

Die Lehre ist ein Arbeitsvertrag, der 1997 eine neue gesetzliche Grundlage erhielt. Das Lehrlingsalter liegt zwischen 16 und 24 (in Süditalien 26, im Handwerkssektor 29 Jahre). Die Höchstvertragsdauer beträgt vier Jahre, mindestens hat die Lehre eine Dauer von 18 Monaten. Der Zugang zur Lehre ist nicht an bestimmte Bildungsabschlüsse gebunden. Als mittlere Stundenzahl, die ein Lehrling pro Jahr an einer theoretischen (außerbetrieblichen) Ausbildung teilnehmen muss, sind 120 vorgesehen. Die Unternehmen erhalten mit der Lehre verknüpfte Erleichterungen bei Steuern und Abgaben nur, wenn die Lehrlinge auch an der außerbetrieblichen Ausbildung teilnehmen. 

Abschlüsse

Die Personen, die an einem regionalen Berufsbildungskurs mit Erfolg teilgenommen und eine Prüfung abgelegt haben, erhalten ein Abschlusszeugnis der Region, auf dessen Grundlage die Bezirksarbeitsämter eine Bescheinigung ausstellen, die die Berufsausübung in einem genau definierten Beruf ermöglicht. 

Lehre: für die betriebsexterne Ausbildung, die im Arbeitszeugnis des Arbeitnehmers aufgeführt wird, werden im Rahmen des integrierten Berufsbildungssystems Anrechnungspunkte vergeben. Die am Arbeitsplatz erworbenen beruflichen Kompetenzen werden vom Arbeitgeber zertifiziert, der die zuständigen Arbeitsämter über die Erreichung des Ausbildungszieles informiert. 

Akteure im Berufsbildungssystem

Eine ganze Reihe von Verwaltungsaufgaben im Bereich schulische berufliche Bildung wurde vom Bildungsministerium an die Regionen, Provinzen und Gemeinden übertragen, die daneben wesentliche Aufgaben im Planungsbereich wahrnehmen. 

In Abstimmung mit den Regionen nimmt der Staat über das Ministerium für Arbeit und Sozialvorsorge Aufgaben im Bereich Aus- und Weiterbildung der Ausbilder wahr sowie Zuständigkeiten für Forschungs-, Dokumentations- und Erprobungstätigkeiten. Das dem Ministerium für Arbeit zugeordnete Institut für die Entwicklung der beruflichen Bildung Erwerbstätiger (Istituto per lo sviluppo della formazione professionale dei lavorator – ISFOL) bietet den Regionen technische Unterstützung und überwacht deren Aktivitäten. 

Die Berufsfachschulen ebenso wie die Fachoberschulen verfügen über eine Teilautonomie, die ihnen aufgrund ihrer Verbindungen zur lokalen Wirtschaft und zum produzierenden Gewerbe verliehen wurde. 

Die Berufsbildungskurse der Regionen werden zum Teil von eigenen regionalen Einrichtungen durchgeführt; überwiegend sind jedoch Einrichtungen, die von Gewerkschaften, Unternehmen, Kirchen oder anderen Trägern geführt werden und mit den Regionen einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen haben, mit der Durchführung betraut. 

Quelle: BIBB

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Redaktion: 21.08.14, von: Dr. Ursula Henze-Schulte, Projektträger im DLR
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