BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
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FlaggeLänderbericht: Kanada

1. Allgemeine Landesinformationen

1.1. Bevölkerung/Geografie

Ländername Kanada
Canada
Hauptstadt Ottawa
Fläche 9.970.610 km²
Bevölkerungszahl 33,03 Mio.
(Schätzung Juli 2011)
Lebenserwartung Männer: 78,81 Jahre
Frauen: 84,10 Jahre
(Schätzung 2011)
Altersstruktur 0-14 Jahre: 15,7%
15-64 Jahre: 68,5%
65 Jahre und älter: 15,9%
(Schätzung 2011)
Bevölkerungswachstum 0,8% (Schätzung 2011)
Bevölkerungsgruppen Herkunft: britische Inseln 28%,
aus Frankreich 23%,
sonst. Europäer 15%,
nordamer. indianisch 3,6%,
chinesisch 3,7%
Sprachen Englisch und Französisch
Religionen Römisch-katholisch 43,2%,
Protestanten 29,2%
(United Church, Anglikaner, Presbyterianer, Lutheraner, Baptisten), Juden 1,1%, Moslems 2%, u.a.
Nationaltag 1. Juli - Canada Day
Zeitzone Pacific Standard Time: MEZ – 9 (UTC – 8)
Mountain Standard Time: MEZ – 8 (UTC – 7)
Central Standard Time: MEZ – 7 (UTC – 6)
Eastern Standard Time: MEZ – 6 (UTC – 5)
Atlantic Standard Time: MEZ – 5 (UTC – 4)
Newfoundland Standard Time: MEZ - 4:30 Std (UTC – 3:30)
Anmerkung: Vom zweiten Sonntag im März bis zum ersten Sonntag im November werden die Uhren eine Stunde vorgestellt (ausgenommen in Saskatchewan).
Währung Kanadischer Dollar 1 CAD = 100 Cents
Stand: 21.10.2011
1 CAD = 0,71568 EUR
1 EUR = 1,39676 CAD
Aktueller Wechselkurs unter OANDA.com - Währungskonverter (siehe u.a. Links)
Vorwahl +1

Quelle: Spiegel Jahrbuch, Auswärtiges Amt, CIA World Factbook, www.travelshop.de, www.oanda.com, Kanad. Statistikamt

Politische Karte Kanadas (bitte anklicken für eine vergrößerte Version)
Politische Karte Kanadas (bitte anklicken für eine vergrößerte Version)

Kanada erstreckt sich fast vollständig über die nördliche Hälfte des nordamerikanischen Kontinents und ist mit einer Fläche von 9.970.610 km2 nach Russland das zweitgrößte Land der Erde. Es grenzt im Osten an den Atlantischen Ozean, im Nordosten an die Baffinbai und die Labradorsee, die Kanada von Grönland trennen, im Norden an die Beaufortsee als Teil des Nordpolarmeers, im Westen an den Pazifischen Ozean, im Nordwesten an den US-Staat Alaska und Süden an die USA. Eine Kuriosität sind die Inseln St. Pierre et Miquelon, die vor dem kanadischen Neufundland liegen und eine Übersee-Gebietskörperschaft  des französischen Staates bilden. 

Für Kanada können im folgende geographische Regionen unterschieden werden: 

  1. Die Tieflandgebiete des Sankt Lorenz-Stromes im Osten, welcher von seiner Quelle in Minnesota unter verschiedenen Namen die Großen Seen durchfließt und von dort aus als Verbindung zum Atlantik die wichtigste Wasserstraße des Landes darstellt (der Fluss wird erst ab dem Ostende des Ontariosees Lorenz-Strom genannt). Die Gebiete entlang des Stroms gehören mit ihren fruchtbaren Schwemmböden zu den Inneren Ebenen (Interior Plains) Nordamerikas.

  2. Die Großen Seen im Südosten bilden die Grenze zu den USA, in der Reihenfolge nach Größe der in Kanada liegenden Fläche: HuronseeOberer SeeEriesee und Ontariosee; zwischen den letztgenannten Seen stürzt der sie verbindende Fluss knapp 60 m in die Tiefe und bildet die Niagara-Fälle, die somit zu einem Teil zu Kanada, zu einem anderen Teil zu den USA gehören.

  3. Die größte Region ist der Kanadische Schild, der mehr als 50% des Landes einnimmt, ein felsen- und gewässerreiches Flachland mit sandigen Böden und dichten Wäldern. Es erstreckt sich von der Labrador-Halbinsel, beschreibt einen Bogen um die Hudson-Bai und zieht sich entlang der großen innerkanadischen Seen bis in den Nordwesten zum Mackenzie, mit 4.241 km der längste Fluss Kanadas.
    Zu dieser Seenlandschaft, die sich von Südosten nach Nordwesten zieht, gehören der Lake Winnipeg, der Große Sklavensee und der Große Bärensee, mit 31.328 km² der größte See des Landes.

  4. Die großen Ebenen im Landesinneren (Great Plains) befinden sich zwischen den innerkanadischen Seen und den im Westen liegenden Rocky Mountains. In weitläufigen Stufen steigen sie von 300 m im Osten auf 1.500 m im Westen an.

  5. Der Westen Kanadas wird von einem mehrkettigen Hochgebirgssystem geprägt, welches von Norden nach Süden verläuft. Hoch im Norden beginnt es mit den Mackenzie Mountains und dem 2.972 m hohen Peak Keele. Ihnen schließen sich die Rocky Mountains an, die sich auf fast 4.000 m erheben (Mount Robson 3.954 m). Den Rocky Mountains ist ein drittes Gebirgssystem vorgelagert und zwar das direkt an der kanadischen Westküste verlaufende Küstengebirge mit dem Mount Logan (5.951 m) als dem höchsten Berg Kanadas.

  6. Der Kanadisch-Arktische Archipel ist eine im Norden des kanadischen Festland liegende Inselwelt, die ins Nordpolarmeer hineinreicht und im Nordwesten an Grönland grenzt. Die größten dieser Inseln sind: die Baffin-Insel, die Victoria-Insel, die Banks-Insel und die Gruppe der Königin-Elizabeth-Inseln (400.000 km²). Die östlichen Inseln des Kanadisch-Arktischen Archipels sind gebirgig die westlichen dagegen flach.

Bedingt durch die Größe des Landes, weist Kanada große klimatische Unterschiede auf (vom Polar- zum gemäßigten Klima). In weiten Teilen herrscht überwiegend boreales Klima, mit langen, kalten Wintern (bis zu -35°C) und kurzen, heißen Sommern (bis 35°C). 60% des Landes haben eine jährliche Durchschnittstemperatur von unter 0°C.

1.2. Politik/Administration

Ländername Kanada
Canada
Regierungsform Bundesstaatliche konstitutionelle Monarchie
Parlamentarisches Regierungssystem mit Mehrheitswahl (Direktmandate)
Staatsoberhaupt H.M. ELIZABETH II, Queen of Canada
vertreten durch
David Lloyd Johnston
Governor General and Commander-in-Chief of Canada
Hauptstadt Ottawa-Carleton
Regierungschef Stephen Joseph HARPER (CPC)
Außenminister/in John Russell BAIRD (Department of Foreign Affairs, Trade and Development - DFATD)
Minister für internationalen Handel Ed FAST (Department of Foreign Affairs, Trade and Development - DFATD)
Staatsminister für Wissenschaft Ed HOLDER
Minister of State (Science and Technology)
Entwicklungshilfeminister/in Christian PARADIS (Minister of International Development and Minister for La Francophonie, Department of Foreign Affairs, Trade and Development - DFATD)
Industrieminister/in James MOORE (Minister for Industry)
Parlament Zwei-Kammer-Parlament: Das House of Commons (Unterhaus) wird alle fünf Jahre gewählt. Die 308 Sitze repräsentieren die 308 Wahlbezirke Kanadas.
Der Senat (Oberhaus) setzt sich aus 105 Sitzen zusammen. Die Senatoren werden nicht gewählt, sondern ernannt.
Regierungsparteien CPC - Conservative Party of Canada / Parti Conservateur du Canada (39,62% der Stimmen, 166 von 308 Sitzen im Parlament)
Oppositionsparteien
  • NDP - New Democratic Party / Nouveau Parti Démocratique (30,63% der Stimmen, 103 Sitze)
  • LPC - Liberal Party of Canada / Parti Libéral du Canada (18,91% der Stimmen, 34 Sitze)
  • BQ - Bloc Québécois (6,04% der Stimmen, 4 Sitze)
  • Grüne (3,91% der Stimmen, 1 Sitz im Parlament
Wahlergebnisse der Unterhauswahlen vom 2. Mai 2011.

Weitere Informationen zu Wahlergebnissen und Parteien - Stimmenanteile, Sitzverteilung im Parlament, etc. – unter Canada auf der Wikipedia-Website: Elections by country
Landwirtschaftsminister Gerry RITZ
Minister of Agriculture and Agri-Food and Minister for the Canadian Wheat Board
Verwaltungsstruktur Föderale Verwaltungsstruktur mit 10 Bundesländern und 3 Territorien*: Alberta, British Columbia, Manitoba, New Brunswick, Newfoundland and Labrador, Northwest Territories*, Nova Scotia, Nunavut*, Ontario, Prince Edward Island, Quebec, Saskatchewan, Yukon Territory*
Unabhängigkeit 1867, voll souverän seit 17. April 1982 (Constitution Act)

Quelle: Auswärtiges Amt, CIA - Chiefs of State, Wikipedia - Elections by country, CIA - World Factbook, Mitteilungen der kanadischen Botschaft

Politisches System 

Kanada ist ein Bundesstaat ("Confederation") mit zehn Provinzen und drei bundesabhängigen Territorien. Das Land gehört dem Britischen Commonwealth an. 

Die britische Monarchin, derzeit Königin Elisabeth II., ist zugleich Staatsoberhaupt von Kanada, ihr Vertreter der für jeweils fünf Jahre ernannte Generalgouverneur (Governor General). Diese Position mit überwiegend repräsentativen Aufgaben bekleideten seit den 1950er Jahren abwechselnd anglophone und frankophone Kanadier. 

Seit 1. Oktober 2010 wird dieses Amt vom Rechtswissenschaftler David Johnston ausgeübt. Zu ihren Rechten, die sie in der Regel nur auf Vorschlag des Premierministers wahrnimmt, zählt die Einberufung bzw. Auflösung des Parlaments, Zeichnung von Gesetzen, Ernennung von Richtern und Senatoren. In den Provinzhauptstädten wird sie durch Vize-Gouverneure (Lieutenant Governors) vertreten.

Die vom Premierminister, der über weitgehende Befugnisse verfügt, geleitete Bundesregierung in der Hauptstadt Ottawa ist zuständig für AußenpolitikVerteidigungHandel, Geldwesen, Verkehr und Post sowie die Aufsicht über die Administration der drei bundesabhängigen Nordterritorien Yukon, North-West-Territories und Nunavut.

Das Parlament besteht aus dem Unterhaus (House of Commons) mit 308 Abgeordneten, die für fünf Jahre nach Mehrheitswahlrecht gewählt werden, und dem Oberhaus (Senat). Die 105 Senatoren werden nicht gewählt, sondern vom Generalgouverneur auf Vorschlag des Premierministers und entsprechend konstitutionell festgelegten Regionalquoten ernannt.

Quelle: Auswärtiges Amt  

Dieses Schaubild zeigt das kanadische Regierungssystem mit der Gewaltenteilung in drei Äste: Parlament, Kabinett und Gerichte.
Das kanadische Regierungssystem

1.3. Wirtschaftsinformationen

Kanada gehört zu den führenden Wirtschaftsnationen der Welt. Das Land ist reich an Rohstoffen und ein bedeutender Agrarproduzent. Der Schwerpunkt der Wirtschaftstätigkeit verlagert sich jedoch zunehmend in Richtung Dienstleistungen und Zukunftstechnologien.

Kanada ist ein Exportland, es exportiert knapp 35% seines BIP. Im Jahre 2008 über 80% der Warenexporte gehen in die USA, von denen Kanada andererseits ca. 56% seiner Importe bezieht. Kanada ist deshalb wirtschaftlich in besonderem Maße von den USA abhängig. 8,7% der Exporte absorbiert die EU, der EU-Anteil an der kanadischen Gesamteinfuhr beträgt 12,2%. Die EU ist damit der zweitwichtigste Handelspartner Kanadas, wenn auch mit großem Abstand zu den USA.

Weitere Wirtschaftsinformationen mit Basisdaten zum Außenhandel sowie Informationen zur deutschen Außenwirtschaftsförderung finden Sie bei iXPOS - dem Außenwirtschaftsportal.

Kanada - Wirtschaftskraft im Ländervergleich - 2010
Land Bevölkerung in Mio. Gesamt-BIP kaufkraftbereinigt in Mio. internat. $* BIP pro Kopf kaufkraftbereinigt in internat. $*
Kanada   34,17   1.327.345 38.841
USA 309,71 14.582.400 47.084
Mexiko 108,52   1.652.168 15.224
Deutschland   81,64   3.071.282 37.622

*Internationaler $ ist der Wertausdruck der Kaufkraftparität. Es ist die Anzahl von Einheiten einer Landeswährung, die man benötigt, um dieselbe Warenmenge in diesem Land einzukaufen, die man für 1 US$ in den Vereinigten Staaten erhalten könnte.

Quelle: Weltbank - World Development Indicators database

Kanada - Wirtschaftliche Entwicklung - 2008-2010
Kenngröße 2008 2009 2010
Wachstum 0,5% -2,5% 3,1%
Inflation 2,4% 0,3% 1,8%
Arbeitslosenrate 6,2% 8,3% 8,0%

Quelle: Germany Trade & Invest - Wirtschaftsdaten kompakt: Kanada, Mai 2011

Kanada - Weitere Eckdaten - 2010
Kenngröße 2010
Haushaltssaldo (% des BIP) -4,1%
Staatsverschuldung (% des BIP) 32,2%
Exporte (Veränd. z. Vorjahr) 387,3 Mrd. US$ (+22,9%)
Importe (Veränd. z. Vorjahr) 391,6 Mrd. US$ (+22,5%)
Handelsbilanz -4,3 Mrd. US$

Quelle: Germany Trade & Invest - Wirtschaftsdaten kompakt: Kanada, Mai 2011

Kanada - Import-Export weltweit - 2010
Wichtigste Importgüter Anteil am Gesamtimport Wichtigste Exportgüter Anteil am Gesamtexport
Maschinen und Ausrüstungen 27,5% Maschinen & Ausrüstungen 18,8%
KFZ und KFZ-Teile 16,6% KFZ & KFZ-Teile 14,0%
Diverse Konsumgüter 14,0% Rohöl 12,4%
Metall und -legierungen   8,0% Landwirtschaftliche Erzeugnisse   9,1%
Landwirtschaftliche Erzeugnisse   7,2% Metall und -legierungen   8,9%
Chemische Erzeugnisse   7,0% Chemische Erzeugnisse   7,4%
Rohöl   5,8% Forstwirtschaftliche Produkte   5,4%
    Erdgas   3,8%

Quelle: Germany Trade & Invest - Wirtschaftsdaten kompakt: Kanada, Mai 2011

Kanada - Handelspartner - 2010
Hauptlieferländer Anteil am Gesamtimport Hauptabnehmerländer Anteil am Gesamtexport
USA 50,4% USA 74,9%
VR China 11,0% Großbritannien   4,1%
Mexiko   5,5% VR China   3,3%
Japan   3,3% Japan   3,1%
Deutschland   2,8% Mexiko   1,7%
Großbritannien   2,7% Deutschland   1,3%

Quelle: Germany Trade & Invest - Wirtschaftsdaten kompakt: Kanada, Mai 2011

1.4. Handel mit Deutschland

Zwei Tortendiagramme zeigen die kanadischen Exportgüter nach Deutschland und deutsche Exportgüter nach Kanada 2010. Deutschland exportiert vor allem (32,7 Prozent) KFZ und KFZ-Teile nach Kanada.
Quelle: Statistisches Bundesamt

2. Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft

2.1. Bildungslandschaft

2.1.1. Überblick

In Kanada sind die Provinzen und Territorien zuständig für das Bildungswesen, ein Bildungsministerium auf Bundesebene gibt es nicht. Daraus resultiert eine große Heterogenität des kanadischen Bildungsbereichs von den Schulen und Universitäten sowie den Aus- und Weiterbildungsprogrammen. 

Besonders großen Wert legt Kanada auf den tertiären Bildungsbereich. Mit seinen Ausgaben hierfür und mit der Zahl derjenigen, die in entsprechenden Einrichtungen eingeschrieben sind, nimmt Kanada im Vergleich zu anderen Industrieländern eine Spitzenposition ein. Diese spiegelt sich auch im Bildungsanteil des Bruttoinlandproduktes (BIP) wider. Der Anteil der Kanadier im Alter zwischen 18 und 24 Jahren, die als Vollzeitstudenten eine Universität, ein College oder eine technische Fachschule besuchen, ist im internationalen Vergleich (hinter den USA) der zweitgrößte. Mehr als ein Viertel aller Kanadier im arbeitsfähigen Alter haben einen Universitäts- oder College-Abschluß; fast die Hälfte kann auf den erfolgreichen Abschluß einer höheren Schule verweisen.

2.1.2. Indikatoren für Bildung

Indikator Kanada Stand OECD-Gesamt Stand

Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: primäre und sekundäre Bildung 4,0 % 2010 3,8 % 2011

Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: tertiäre Bildung 2,8 % 2010 1,6 % 2011

Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: Gesamtbildung 6,8 % 2010 6,1 % 2011

Wachstum des Bildungsanteils am BIP (Differenz i. Vgl. zum Vorjahr in Prozentpunkten) 0,2 2010 -0,2 2011

Anteil öffentlicher Bildungsausgaben an den öffentlichen Gesamtausgaben 13,3 % 2010 12,9 % 2011

Pro-Kopf Ausgaben pro Student/in 23.226 USD 2010 13.958 USD 2011

Anteil tertiär Graduierter an der Gesamtbevölkerung 52 % 2011 50 % 2012

Schülerzahl pro Lehrer, Primarstufe keine Angaben 2011 15 2012

Schülerzahl pro Lehrer, Sekundarstufe 14 2011 13 2012

Klassengröße, Primarstufe keine Angaben 2012 21 2012

Klassengröße, Sekundarstufe keine Angaben 2012 24 2012

PISA-Ergebnisse: Lesen 8. von 65 2012 --- ---

PISA-Ergebnisse: Naturwissenschaften 11. von 65 2012 --- ---

PISA-Ergebnisse: Mathematik 13. von 65 2012 --- ---

Quellen: "OECD - Education at a Glance 2014" und "OECD PISA 2012 – Ergebnisse"
Redaktion: 18.09.14, von: Helena Lübbers, Tim Mörsch und Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

2.1.3. Schulen und Hochschulen

Grund- und weiterführende Schulen
Kanadas öffentliches Schulsystem ist koedukativ. Der Schulbesuch ist bis zum Abschluss der höheren Schule kostenlos. Allgemeine Schulpflicht besteht ab dem sechsten bzw. siebten Lebensjahr bis zum 15. bzw. 16. Lebensjahr. In Quebec ist auch der Besuch der allgemein- und berufsbildenden Schulen (sog. CEGPs Collèges d'enseignement générals et professionels), bis auf eine geringe Einschreibegebühr, kostenlos. Die meisten anderen weiterführenden Bildungseinrichtungen verlangen Studiengebühren.

In einigen Provinzen können Vierjährige den Kindergarten besuchen und werden im Alter von sechs Jahren eingeschult. Der Lehrplan für Grundschulen umfasst Kernfächer wie Sprachen, Mathematik, Sozialkunde sowie eine Einführung in den Kunst- und Naturkundeunterricht.

In einigen Provinzen gibt es Förderprogramme für besonders begabte Kinder. Für die Förderung von Schülern mit Lernschwierigkeiten oder Behinderungen gibt es Sonderprogramme oder -klassen sowie Sonderschulen. Behinderte Schüler werden jedoch immer häufiger in das reguläre Unterrichtssystem integriert.

Höhere Schulen haben in der Regel zwei Bildungsgänge. Der eine bereitet die Schüler auf ein Hochschulstudium vor, der andere auf den Besuch eines "Community College", einer technischen Fachschule oder auch direkt auf die Berufsarbeit. Spezielle Förderprogramme werden Schülern angeboten, die vorzeitig von der Schule abgegangen sind. Bereits an den Schulen gibt es einen strategischen Aufbau bei der Berufsberatung, der als vorbildlich angesehen werden kann.

In den meisten Provinzen ist heute jede Schule selbst für Inhalt, Durchführung und Bewertung der Abschlußprüfungen zuständig. Manche Provinzen verlangen jedoch für den Zugang zur Hochschule eine erfolgreich abgelegte Prüfung in bestimmten Kernfächern. Folglich ist die Zulassung zum Universitätsstudium von der Fächerkombination sowie von den auf der höheren Schule erzielten Noten abhängig. Die Zulassungskriterien sind jedoch von Provinz zu Provinz verschieden.

Bei der OECD PISA (Programme on International Student Assessment) Studie hat Kanada einen der führenden Plätze im internationalen Vergleich belegt.

Andere Schultypen

Konfessions- und Privatschulen bieten Alternativen zum öffentlichen Schulsystem. Die Gesetzgebung der Provinzen erlaubt Religionsgemeinschaften die Einrichtung von Konfessionsschulen. Es handelt sich dabei überwiegend um katholische Schulen, die in manchen Provinzen - vom Kindergarten bis zum Sekundarabschluß - ein vollständig kirchlich konzipiertes Unterrichtsprogramm anbieten.

Universitäten und Colleges

Bis Mitte der 1960er Jahre lag der tertiäre Bildungsbereich fast ausschließlich in der Hand der Universitäten. Diese waren überwiegend private Einrichtungen, viele mit konfessioneller Ausrichtung. Doch als in den 1960er Jahren die Zahl der Studierenden sprunghaft anstieg und zugleich die Nachfrage nach einer größeren Vielfalt des Studienangebots immer größer wurde, entstanden die ersten öffentlichen, nicht-universitären Bildungseinrichtungen im tertiären Bereich.

Heute erhalten Universitäten und andere Einrichtungen des tertiären Bildungsbereichs Fördermittel der Bundesregierung und der Provinzen. Die Studiengebühren machen im Durchschnitt 17,8% der Einnahmen in Höhe von 6,6 Mrd. Dollar aus.

93 Universitäten und Colleges sind in der "Association of Universities and Colleges of Canada" (AUCC) zusammengeschlossen. Fast alle Bildungseinrichtungen - Universitäten eingeschlossen - bieten die Möglichkeit eines Vollzeit- oder eines Teilzeitbesuchs. Es gibt im tertiären Bereich etwa 1,4 Mio. Voll- und Teilzeitstudierende. Von ihnen sind 40% vollzeitlich an einer Universität immatrikuliert. Alljährlich werden 180.000 Universitäts- sowie 600.000 College-Diplome verliehen. Über 27.000 Absolventen schließen ihr Studium mit einem Magister- oder Doktorgrad ab. Um bedürftigen Studierenden zu helfen ihr Studium fortzusetzen und zu beenden unterstützt die Bundesregierung diese mit einem speziellen Darlehen ("Canada Student Loans Program").

Angesichts der Bemühungen um ein lebenslanges Lernen hat sich im Laufe der letzten 20 Jahre die Zahl erwachsener Studierender wesentlich erhöht.
Derzeit sind mehr als 55% der Universitätsstudenten Frauen. Mehr Frauen als Männer erzielen einen Hochschulabschluss. Ähnlich ist es in den Colleges: hier sind 53% der Vollzeit-Studierenden und fast 63% der Teilzeitstudenten Frauen.

Im Jahr 2012 waren 265.400 internationale Studenten für mindestens ein halbes Jahr an einer kanadischen Hochschule eingeschrieben. Der größte Anteil (42 %) der Gaststudenten hielt sich in Ontario auf, gefolgt von British Columbia (27 %) und Quebec (14 %).

2.1.4. Berufliche Bildung

Jede der zehn kanadischen Provinzen und drei Territorien ist für das Bildungssystem selbst verantwortlich. Das bedeutet eine große Vielfalt an gesetzlichen Normen, Bildungsangeboten, Zuständigkeiten, Finanzierungsmodellen etc.

Ihren Schwerpunkt hat die Berufsausbildung bzw. -vorbereitung im postsekundären Bereich. Jedoch reichen die Ausbildungsprogramme des Sekundarbereichs, die nach insgesamt zwölf Schuljahren enden, von allgemeinbildend (academic), die in erster Linie die Schüler auf das College oder die Universität vorbereiten, bis berufsbildend (vocational, sog. "job-training") und auf den Übergang zum Arbeitsmarkt vorbereiten. Berufsbildende Kurse werden verstärkt in den letzten beiden Schuljahren und üblicherweise an denselben Schulen angeboten. In den vergangenen Jahren ging die Entwicklung in Kanada weg von einer Trennung von Ausbildungseinrichtungen für Berufsbildung einerseits und allgemein bildenden Schulen andererseits.

Das Abschlussdiplom für die Sekundarstufe wird an die Schüler verliehen, die die Pflicht- und Wahlfächer ihres Programms absolviert haben. In Quebec, wo bereits nach insgesamt elf Schuljahren die Schulausbildung endet, müssen die Studenten vor einem Übergang in eine Universität die sog. Cégeps (Collèges d´enseignement général et professionel) besuchen, die sowohl allgemeinbildende, als auch berufsvorbereitende Programme anbieten.

Grundsätzlich steht somit der Erwerb eines Sekundarabschlusses vor dem Beginn einer spezialisierten berufsvorbereitenden bzw. -orientierten Ausbildung. Problematisch ist, dass die Schulpflicht aber bereits vor dem Zeitpunkt, zu dem üblicherweise mit ca. 18 Jahren der allgemeine Schulabschluss erworben wird, endet. Diese Konstellation führt dazu, dass eine beachtliche Gruppe (1999: ca. 30%) der Jugendlichen keinen Sekundarabschluss haben.

Das kanadische Bildungssystem eröffnet jedoch im postsekundären Bereich durch seine Bildungseinrichtungen, die eine Vielzahl von Bildungsprogrammen anbieten, attraktive Chancen und Möglichkeiten, Abschlüsse zu erwerben. Es werden u.a. neben den Programmen für die berufliche Erstausbildung, solche für Weiterbildung, Transferprogramme für den Übergang in den universitären Bereich, Fort- und Erwachsenenbildung, Umschulung und workshops angeboten.

Community Colleges, Technische Institute und die Cégeps

Für die berufliche Erst- und Weiterbildung sind die Community Colleges, die Technischen Institute und die Cégeps von zentraler Bedeutung. Aber auch die Universitäten sind Anbieter von berufsorientierten Ausbildungsprogrammen. Die Verwirklichung der Idee des lebenslangen Lernens für alle, ist der Leitfaden für die Entwicklung des Bildungssystems in Kanada - Kanada als "knowledge-based society". Daran richten sich Ausbildungsprogramme und die sie umsetzenden Bildungseinrichtungen aus. Ziel ist, für jeden interessierten Kanadier, Bildungsmöglichkeiten im postsekundären Bereich anzubieten. Entsprechend offen werden die Zugangsmöglichkeiten gestaltet und variieren je nach Programm und Ausbildungsanbieter. Für Bewerber ohne formalen Bildungsabschluß gibt es beispielsweise das sog. Prior Learning Assessment and Recognition (PLAR). Dieses Werkzeug ermöglicht es Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen sichtbar zu machen und den Zugang zu einem postsekundaren Bildungprogramm zu eröffnen. Die Ausbildungsprogamme werden von öffentlichen und privaten Einrichtungen angeboten.

Landesweit gab es im Jahr 2002 insgesamt 175 öffentlich finanzierte Community Colleges, Technischen Institute und Cégeps, mit Niederlassungen in 900 Kommunen. Sie sind in der "Association of Canadien Community Colleges" (ACCC) zusammengeschlossen. Diese Colleges und Institute sind eng mit der örtlichen Wirtschaft und öffentlichen Verwaltung verbunden und orientieren sich bei der Auswahl ihrer Ausbildungsangebote stark am regionalen Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Sie entscheiden selbst über ihr Angebot an Bildungsprogrammen.

Neben den oben genannten Bildungsangeboten haben viele Colleges auch Programme für Postgraduierte oder in Kooperation mit Universitäten Programme in ihrem Angebotsportfolio, die mit einem "degree" abschließen. In erster Linie haben sie jedoch als "non-degree-granting"-Institutionen den Focus auf Programmen mit den Abschlüssen "certificate" oder "diploma" gerichtet. In Quebec bieten die Cégeps als Abschluß die sog. "attestations" an. Die Programme unterscheiden sich durch die berufsfachliche Ausrichtung, Schwierigkeitsgrad oder Dauer. Die Certificate-Programme dauern für Vollzeitstudenten in der Regel drei Jahre, werden jedoch auch häufig teilzeitig angeboten. Für den Besuch der Colleges und Insitute werden Studiengebühren erhoben, für die jedoch Stipendien beantragt werden können (für die Einwohner von Quebec ist der Besuch der Cégeps gebührenfrei).

Von den Community Colleges, Technischen Insituten, und Cégeps werden für gewerbliche Berufe im Rahmen des "apprenticeship"-Programms Berufsbildungsgänge angeboten, die in ihrer Struktur an die Lehrlingsausbildung in Deutschland erinnern. Etwa 80% der Ausbildungszeit, die je nach Programm zwei bis fünf Jahre dauert, verbringen die Studenten im Betrieb, mit dem sie einen entsprechenden Vertrag geschlossen haben. Die sog. "off-site" Ausbildung wird schwerpunktmäßig von Community Colleges, Insituten und Cégeps angeboten. Die Studenten erhalten während ihrer Schulphase einen Ausbildungszuschuß, während des on-the-job-trainings einen Lohn ihres Unternehmens. Das Ausbildungsprogramm kann je nach Berufswahl und/oder Niveau mit unterschiedlichen Abschlüsse abgeschlossen werden, überwiegend mit dem "Certificate of Qualification" aber auch dem "diploma".

Das sog. "Red Seal"- Programm ermöglicht es qualifizierten gewerblichen Facharbeitern ihr Gewerbe oder Handwerk in allen Provinzen und Territorien auszuüben, vermeidet das Ablegen mehrerer Prüfungen und erhöht die geographische Mobilität. Das „Red Seal“- Programm beinhaltet landesweit gültige Standards und Ausbildungsvorschriften für die „Certificates of Qualification“, den Abschlüssen eines „apprenticeships“-Programms.

Neben den Community Colleges bieten die Universitäten das „Co-operative Education program“ an, das ebenfalls die Möglichkeit, Studium an einer Universität und Arbeit in einem Unternehmen miteinander verbindet.

Für den Bereich der Elementar- und Sekundarschulen sind in allen Provinzen und Territorien die Bildungsministerien zuständig, die die Curriculumentwicklung, Prüfungen, technische Ausstattung, Beachtung der Chancengleichheit (Rasse, Geschlecht etc.) umfasst. Als Diskussions-, Kooperations- und Informationsplattform gibt es auf nationaler Ebene das Council of Ministers of Education, Canada (CMEC). Auf lokaler Ebene liegt die Zuständigkeit für Ausbildungsfragen in den Händen der sog. School boards, deren Vertreter von den Einwohnern in die Gremien gewählt werden.

Für die Entwicklung Kanadas auf dem Gebiet der Förderung von Humanressourcen ist das 1993 eingerichtete Human Recources Development Canada (HRDC) mit seinen landesweit 320 Büros von zentraler Bedeutung. Es verwaltet Förderprogramme, deren strategische Zielsetzung eine Verbesserung der Bildungs-, Arbeitsmarktchancen insgesamt aber auch persönlicher Entwicklungschancen des Einzelnen ist (z. B. durch das Programm zur Wiedereingliederung Arbeitsloser in den Arbeitsmarkt, dem Human Investment Program, Förderung lebenslangen Lernens etc.).

Die direkte Finanzierung der Regierungen der Provinzen und Territorien ermöglicht die Ausbildung im öffentlichen postsekundären Bereich. Sie erhalten Zuschüsse vom Finanzministerium des Bundes in Ottawa. Daneben fließen Gelder aus Schulgebühren, Forschungszuschüssen, und aus Kooperationsverträgen mit Industrie und Wirtschaft in diesen Bildungsbereich.

Quelle: BIBB

2.1.5. Weiterbildung

Die Formen der Weiterbildung sind äußerst vielfältig, Inhalt und Dauer sehr unterschiedlich. Während für den Primar- und Sekundarbereich sowie für den Tertiärbereich die Bildungsangebote klar geregelt sind, gilt dies für die Weiterbildung nicht. Für die berufliche Weiterbildung sind neben den öffentlichen Trägern und anderen Verbänden die Unternehmen von großer Wichtigkeit. Sie nehmen sich besonderer beruflicher Themenbereiche an und verbinden diese Inhalte oft mit den Firmenprodukten. Auch der Fernunterricht, der überwiegend von privaten Unternehmen durchgeführt wird, ist hier von Bedeutung.

Die Entwicklung der Weiterbildungsangebote wird kaum durch strategische Überlegungen entschieden sondern orientiert sich am Bedarf. So werden in Colleges auf der Grundlage von Bedarfsermittlungen die verschiedensten Kurse in den gewünschten Richtungen angeboten. Die Inhalte dieser Kurse werden durch ehrenamtliche Gremien, die aus Vertretern der Industrie, Lehrkräften und Gewerkschaftlern bestehen, festgelegt.

Da klar strukturierte Berufsbildungssysteme nicht vorhanden sind, dienen viele Ausbildungsformen gleichzeitig der Weiterbildung und Umschulung. Sie könnten aber gleichzeitig auch - nach kanadischem Verständnis - originäre Berufsbildung sein.

Quelle: Internationales Handbuch der Berufsbildung

2.1.6. Bildungsorganisationen

Die Zuständigkeit für Bildung, vom Vorschulbereich bis zu den Universitäten, obliegt den Provinzen. Ottawa vermeidet es, die Kulturhoheit in Frage zustellen, so dass zentrale Organisationen von operativem Charakter rar sind. Zentrale Einrichtungen und Dachverbände von Nichtregierungsorganisationen übernehmen überwiegend Dienstleistungen im Bildungsbereich.

Die im Jahr 1911 gegründete "Association of Universities and Colleges Canada" (AUCC) repräsentiert 95 staatliche und nicht auf Gewinn ausgerichtete private kanadische Universitäten sowie University Colleges. Die Aufgabe des AUCC besteht darin, die Interessen seiner Mitglieder im Inland durchzusetzen und den Universitätsstandort Kanada im Ausland zu fördern.

Das "Department of Human Resources Development Canada" hat mit seiner Initiative "Canlearn" eine interaktive Bildungs- und Weiterbildungsplattform geschaffen, die bei der beruflichen Karriereplanung, einschließlich Universitätsausbildung, helfen soll.

Das "Canadian Bureau for International Education" (CBIE) ist Kanadas einzige Institution, die sich ausschließlich mit internationalen Bildungsmöglichkeiten befasst.

2.2. Forschungs- und Innovationslandschaft

2.2.1. Überblick

Kanada hat in den letzten Jahren erhebliche F&E-Neuinvestitionen in Hochschulen, Forschungseinrichtungen und der Industrie getätigt. Die Ausstattung der Forschungsinstitute ist gut, neue Institute werden und wurden gegründet und die Förderorganisationen bzw. strategischen Förderprogramme konnten in prioritären Themen erhebliche Zuwächse verzeichnen. Daraus ergeben sich wichtige Potenziale für die Zusammenarbeit.

Kanada ist ein föderal aufgebauter Staat, und die bundesstaatliche Ebene sowie die 13 Provinzen und Territorien teilen sich die Zuständigkeit für Forschung und Wissenschaft. Die kanadische Regierung finanziert rund ein Fünftel aller Investitionen in diesem Bereich. In Kanada existiert kein bundesstaatliches Forschungs- oder Bildungsministerium, die Forschungsthemen sind den jeweiligen Fachministerien (Science-Based Departments and Agencies) zugeordnet. Wichtig sind hier vor allem folgende Ministerien, die alle auch über eigene Forschungsinstitute verfügen: Environment Canada, Natural Resources Canada, Agriculture and Agri-Food Canada, Fisheries and Oceans Canada und Health Canada.

Weiterhin spielt das Ministerium Industry Canada eine bedeutende Rolle, da hier zwei der drei wichtigen Förderorganisationen (NSERC, SSHRC), wichtige strategische Programme (z.B. Genome Canada, Canada Foundation for Innovation) sowie die bundesstaatliche Forschungsorganisation National Research Council angesiedelt sind. Auch die Canadian Space Agency liegt im Verantwortungsbereich von Industry Canada.
Neben der direkten Mittelvergabe an Forschungsprojekte der Wirtschaft, der Hochschulen und der Forschungsinstitute fördert die Bundesregierung privatwirtschaftliches Engagement in der Forschung durch großzügige, gezielte Steuervergünstigungen. Ein wichtiges Programm ist hier das "Scientific Research and Experimental Development Tax Incentive Program".

Auch auf der Ebene der Provinzen sind eigene Forschungsstrukturen etabliert, hier gibt es  Ministerien für die Bereiche Bildung, Forschung und Innovation. In den Verantwortungsbereich der Provinzen fallen aber vor allem die Universitäten, die Provinzen verfügen zu dem über einzelne Forschungsinstitute.
Von bundesstaatlicher Seite werden Transferzahlungen an die Provinzen geleitet, die z.B. durch spezielle strategische Forschungs- und Förderprogramme den Universitäten zu gute kommen.

Als beratendes Gremium für das über verschiedene Ebenen und Ministerien aufgeteilte Forschungs- und Innovationssystem Kanadas wurde unter der konservativen Regierung der 18-köpfige "Science, Technology and Innovation Council" eingerichtet. Dieser löste den National Science Advisor, der zur Zeit der liberalen Regierung die beratende Funktion ausübte, ab.

Im Jahr 2007 veröffentlichte Kanada seine derzeit gültige Wissenschafts- und Innovationsstrategie mit dem Titel "Mobilizing Science and Technology to Canada´s Advantage".

2.2.2. FuE-Indikatoren

Indikator Kanada Stand OECD-Gesamt Stand
Nationale FuE-Ausgaben 24.801,1 Mio. USD 2012 995.732,3 Mio. USD 2010
FuE-Ausgabenwachstum i. Vgl. zum Vorjahr 0,18 % 2012 2,51 % 2010
FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) 1,69 % 2012 2,38 % 2010
Anteil öffentlicher FuE-Ausgaben am BIP 0,58 % 2012 0,74 % 2010
Öffentlicher Anteil an den FuE-Ausgaben 34,5 % 2012 31,1 % 2010
Anteil der Wirtschaft an den FuE-Ausgaben 48,4 % 2012 60,3 % 2010
Ausländischer Anteil an den FuE-Ausgaben 5,8 % 2012  
FuE-Ausgaben in Universitäten (intramuros) 9.492,0 Mio. USD 2012 196.273,6 Mio. USD 2011
Anteil der FuE-Ausgaben in Universitäten am BIP 0,65 % 2012 0,45 % 2011
FuE-Personal (Vollzeitäquivalente) 228.970 2011  
Anzahl FuE-Personal (VZÄ) je 1000 Arbeitnehmer 13,0 2011  
Anzahl Forscher (Vollzeitäquivalente) 157.360 2011 4.203.260 2007
Anzahl Forscher (VZÄ) je 1000 Arbeitnehmer 8,9 2011 7,5 2007
Anzahl Forscher (VZÄ) in privaten Unternehmen 93.440 2011 2.678.378 2007
Anzahl Forscher (VZÄ) in privaten Unternehmen in % der Gesamtzahl 59,4 % 2011 63,7 % 2007
Anzahl "triadischer" Patentfamilien (nach Prioritätsjahr) 512 2012 48.550 2010
Anteil an der Gesamtheit triadischer Patentfamilien 1,20 % 2012 96,42 % 2010

Quelle: OECD Main Science and Technology Indicators, 2014/1
Redaktion: 18.08.14, von: R. Glitz und M. Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

2.2.3. Forschungsorganisationen

Die wichtigste und führende kanadische Forschungsorganisation auf Bundesebene ist der National Research Council Canada (NRC), der 1916 gegründet wurde. Administrativ liegt der NRC im Verantwortungsbereich des Ministeriums Industry Canada. Die über 20 Forschungsinstituten und Technologiezentren des NRC sind in allen Provinzen vertreten. Thematisch sind die Forschungsaktivitäten des NRC weit gefächert, Schwerpunkte liegen in den anwendungsnahen Bereichen der Lebenswissenschaften, Physik, Ingenieurswissenschaften, IKT, Materialwissenschaften, Energie und Meersforschung.

Der NRC hat außerdem elf  Technologie-Cluster eingerichtet, die sich über alle Provinzen verteilen. NRC-Forschungsinstitute bilden hier, meist in Zusammenarbeit mit einer oder mehreren Universitäten, die Zentren für bestimmte Forschungs- und Entwicklungsthemen und stellen Labore, state-of-the-art Geräte, Räumlichkeiten für Ausgründungen und sonstige Infrastruktur zur Verfügung. Der NRC bewirkt damit eine Konzentration von Forschung, Entwicklung und Technologietransfer in die angesiedelten Betriebe. Beispiele sind das Nanotechnologie-Cluster in Edmonton, das Photonik-Cluster in Ottawa, das Cluster für Biomedizinische Technologien in Regina und das Cluster für Brennstoffzellen und Wasserstofftechnologie in Vancouver.

2.2.4. Förderorganisationen

Das kanadische Förderungssystem für Forschung und Technologie unterscheidet sich wesentlich vom deutschen System. Hier ist auf bundesstaatlicher Ebene nicht ein einzelnes Ministerium für die gesamte Forschung und Bildung zuständig, sondern die einzelnen Ministerien sind in ihrem jeweiligen fachlichen Zuständigkeitsbereich auch für die Forschung verantwortlich. Dies bedeutet, dass es zum einen allgemeine Förderprogramme gibt, dass aber die jeweiligen Fachressorts zusätzlich eigene Förderprogramme in ihrer jeweiligen Thematik durchführen. Die Provinzen und Territorien haben wieder eigene Zuständigkeiten und Programme.

Wichtige bundesstaatliche Förderorganisationen Kanadas:

  • Der "Natural Sciences and Engineering Research Council" (NSERC) investiert über 600 Millionen Dollar jährlich in die Förderung der Forschung, die von kanadischen Universitäten in den Natur- und Ingenieurwissenschaften durchgeführt wird.
  • Der "Social Sciences and Humanities Research Council" (SSHRC) unterstützt Spitzenforschung und wissenschaftliche Ausbildung in den Sozial- und Geisteswissenschaften, in der Bildung und im Management.
  • Die "Canadian Institutes of Health Research" (CIHR) sind Kanadas wichtigstes Förderinstrument im medizinischen Bereich.  Gefördert wird Forschung in verschiedenen Gebieten, die zu 13 virtuellen Instituten der Gesundheitsforschung, wie zum Beispiel biomedizinische und klinische Forschung, Untersuchung von Gesundheitssystemen und -dienstleistungen sowie soziale, kulturelle und andere Faktoren, die die Gesundheit der Bevölkerung beeinflussen, zusammengefaßt werden.
  • Zusätzlich gibt es strategische bundesstaatliche Förderprogramme wie Genome Canada, die Canada Research Chairs und die Canada Foundation for Innovation sowie die Networks of Centers of Excellence.  

Beispiele für Förderprogramme der Fachministerien:

  • Die Canadian Space Agency (CSA) eröffnet mit ihrem "Space Science Program" Forschern an Universitäten, anderen Forschungseinrichtungen und der Industrie die Möglichkeit, sowohl über öffentliche Programmaufrufe als auch proaktiv Förderanträge einzureichen. Felder sind: Atmosphärenforschung, Astronomie, Mikrogravitation, Lebenswissenschaften unter Raumfahrtbedingungen und Raumfahrtmissionen.
  • Fisheries and Oceans Canada fördert Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zum Thema Aquakultur. 
  • Natural Resources Canada führt Forschungsprogramme in den Feldern Energie, Forstwirtschaft und Geowissenschaften durch. Ein Beispiel ist das "Program of Energy Research and Development".

2.2.5. FuE im öffentlichen Sektor

Der öffentliche Anteil an den FuE-Ausgaben liegt in Kanada bei insgesamt 32,5 % (2009). Die universitäre Forschung und Entwicklung an den über 100 Universitäten und Colleges, die in der "Association of Universities and Colleges of Canada" (AUCC) zusammengeschlossen sind, spielt dabei die wichtigste Rolle. Die Universitäten stellen den größten Teil der Infrastruktur und laufenden Kosten für die Ausbildung und Forschung an den Universitäten und Universitätskliniken zur Verfügung. Zusätzlich gefördert wird die universitäre Forschung im Bereich Natur- und Ingenieurwissenschaften im Wesentlichen durch den "Natural Sciences and Engineering Research Council" (NSERC), im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften sowie in der Bildung und im Management durch den "Social Sciences and Humanities Research Council" (SSHRC) und in der Medizin/Gesundheitsforschung durch die "Canadian Institutes of Health Research" (CIHR).

Die öffentlich finanzierte außeruniversitäre Forschungslandschaft wird geprägt durch den "National Research Council Canada" (NRC) mit seinen 20 über ganz Kanada verteilten Forschungsinstituten und zehn Technologiezentren. Außerdem existieren nationale Forschungszentren, die den sogenannten "Science Based Departments and Agencies" (SBDAs) der Regierung unterstehen.
Weiterhin wird im Verantwortungsbereich der Provinzen Forschung und Forschungsförderung im öffentlichen Sektor durchgeführt.

2.2.6. FuE im privaten Sektor

Der vergleichsweise geringe Anteil der Wirtschaft an den Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung wird als ein Schwachpunkt im kanadischen Innovationssystem angesehen. Deshalb wird die private Forschung und Entwicklung in Kanada durch eine Reihe staatlicher Initiativen gefördert. Hervorzuheben ist das Programm zur steuerlichen Absetzbarkeit von Kosten für Forschung und Entwicklung im privaten Sektor "Scientific Research and Experimental Development Tax Incentive Program".
(Siehe hierzu auch Kapitel "Öffentlich-private Zusammenarbeit in FuE" und "Wichtige Initiativen und Programme".)

2.2.7. Öffentlich-private Zusammenarbeit

In Kanada sind Partnerschaften zwischen Industrie, Regierung und Universitäten heute eher die Regel als die Ausnahme. Sie haben ihre Ziele mittlerweile so erfolgreich umgesetzt, dass der Einfluss ihrer Leistung wirtschaftlich spürbar wird.

Von Regierungsseite wird die öffentlich-private Zusammenarbeit in verschiedener Weise gefördert. Von bundesstaatlicher Seite wird die Einrichtung von Netzwerken, in denen Vertreter der gesamten Innovationskette zu bestimmten Themen zusammenarbeiten, durch spezielle Programme unterstützt (z.B. Networks of Centres of Excellence, CIHR Institutes). In diesen Netzwerken kooperieren Mitglieder aus ganz Kanada zu bestimmten Themen, so dass hiermit auch ein Beitrag geleistet wird, die riesigen Ausmaße des Landes zu überwinden.

Im Jahr 2012 werden über 20 "Centres of Excellence in Commercialization and Research" und vier "Business-led Networks Of Centres Of Excellence" gefördert.

Der Netzwerk-Gedanke wird auch in den Provinzen umgesetzt, die Provinz Ontario hat z.B. die Ontario Centres of Excellence eingerichtet. 

In Ergänzung zu den Netzwerken werden regionale Forschungs- und Entwicklungs-Cluster geschaffen, die Kanadas kontinuierlichen Beitrag zur neuen globalisierten Wirtschaft sicherstellen. In diesen geographischen Clustern sind typischerweise Universitäten, staatliche Forschungszentren (vor allem des NRC) und Hightech-Industrie vergesellschaftet. Die Regierung übernimmt dabei verschiedene Aktivitäten zur Sicherung des kanadischen Erfolgs in diesem Bereich:

  • Sie trägt zu Forschungskooperationen bei,
  • sie teilt das finanzielle Risiko innerhalb der Spitzenbereiche der industriellen Forschung und Entwicklung,
  • sie bietet zusammen mit den Provinzen steuerliche und finanzielle Anreize, die die industriellen Investitionen in Forschung und Entwicklung fördern und
  • sie unterstützt die Spezialisierung von Arbeitskräften, die zum Wachstum im Privatsektor beitragen.

Zur Erleichterung des Technologietransfers, aber auch auf dem Gebiet der Grundlagenforschung und im Bereich der angewandten Forschung, kooperieren viele Regierungs- und Universitätslaboratorien mit kanadischen Firmen. Dadurch erhalten die Firmen Zugang zu modernsten Ausrüstungen, die ihnen sonst nicht offen stünden.

Auch im Verantwortungsbereich der einzelnen Fachressorts werden Programme zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und privaten Bereich durchgeführt. Beispielhaft sei hier die "ecoENERGY Technology Initiative" des Ministeriums "Natural Resources Canada" genannt.

Die Canada Foundation for Innovation, die wichtigste Organisation für die Förderung von Forschungsinfrastruktur, fördert die Zusammenarbeit von Industrie und wissenschaftlichen Institutionen durch folgendes Programm:

  • College-Industry Innovation Fund: Förderung von Colleges bei der Anschaffung von Forschungsinfrastruktur, die für die Partnerschaft mit einer Firma notwendig ist. Firma muss bereits bei der Antragstellung beteiligt sein.

Automotive Partnership Canada ist eine Initiative Kanadas, durch die wichtige Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten gefördert werden sollen, die der kanadischen Autoindustrie nützt. Insgesamt stehen für fünf Jahre bis 2014 145 Mio. CAD zur Verfügung, die von den jeweils zuständigen Förderorganisationen vergeben werden. Die Zusammenarbeit von Forschern und Firmen ist hier unerlässlich.

Das Industrial Research Assistance Program des National Research Council ist Kanadas wichtigeste Programm zur Unterstützung der Innovation von Kleinen und Mittleren Betrieben. Das Programm existiert schon seit über 60 Jahren. Wichtigester Baustein ist hier die Beratung der SMEs beim Innovationsprozess und vermittelt Expertise bei der Kommerzialisierung. Ein System von Beratern ist über ganz Kanada verteilt, entsprechende Netzwerke stehen zur Verfügung. Den SMEs können außerdem durch mehrere Programme Fördermittel zur Verfügung gestellt werden.  

Der Natural Scieces and Engineering Research Council (NSERC) hat in den letzten Jahren eine Palette von Programmen entwickelt, mit denen die Forschungszusammenarbeit vom universitären Sektor mit Firmen intensiviert werden sollen. Die Mittel können von den Universitäten und Colleges bzw. von Forschern an den Universitäten beantragt werden.

Industry-Driven Collaborative R&D Program

  • Interaction Grants: Build a new relationship with an academic researcher.
  • Engage Grants: Undertake a short-term R&D project to address a specific problem.
  • Collaborative Research and Development: Conduct a focused long-term R&D project with a university researcher.
  • Industrial Research Chairs: Participate in a significant long-term research project.
  • Partnership Workshops Grants: Organise a workshop with university faculty to address your research and technology needs

College and Community Innovation Program

  • Applied Research and Development Grants: Access research expertise and capabilities at Canadian colleges. 
  • Innovation Enhancement Grants: Partner with local colleges to address technical challenges in your business.
  • Technology Access Centres – Pilot: Access technical services, specialized facilities and college expertise in your region
  • Applied Research Tools and Instruments Grants: Co-fund research equipment and installations at a college.

Training in Industry Program

  • Industrial Postgraduate Scholarships: Collaborate with talented master's and doctoral students.
  • Industrial R&D Fellowships: Hire doctoral graduates at minimal cost.
  • Industrial Undergraduate Student Research Awards: Hire top undergraduate students quickly and easily.

Strategic Partnerships Program

  • Strategic Network Grants: Participate in large-scale research projects with other companies, universities and organizations in your field.
  • Strategic Project Grants: Reduce the risk associated with leading-edge research.
  • Automotive Partnership Canada: Pursue a transformational project within the automotive supply chain with university partners.
  • Chairs in Design Engineering: Gain access to leading design groups and solve your design engineering challenges.
  • Innovation Frontiers: Work on large-scale projects focused on transformative industrial innovation.

Commercialization Program

  • Idea to Innovation: Commercialize new concepts.

2.3. Stärken des Forschungssystems

2.3.1. Überblick

Im Mai 2007 stellte die kanadische Regierung ihre neue nationale Strategie zu Wissenschaft und Technologie "Mobilizing Science and Technology to Canada´s Advantage" vor. Die Forschung und Entwicklung wird auf Themen fokussiert, in denen Kanada stark ist, großes Potential hat oder einen erheblichen Nutzen sieht.

Die Schwerpunktthemen sind

  • Umweltforschung und –technologie,
  • Natürliche Rohstoffe und Energie,
  • Gesundheit und gesundheitsrelevante Lebenswissenschaften und -technologien sowie
  • Informations- und Kommunikationswissenschaften.

Als Unterprioritäten wurden folgende Bereiche festgelegt: 

  • Environmental science and technologies
    Sub-priorities: Water (health, energy, security); cleaner methods of extracting, processing and using hydrocarbon fuels, including reduced consumption of these fuels 
  • Natural resources and energy
    Sub-priorities: Energy production in the oil sands; Arctic (resource production, climate change adaptation, monitoring); biofuels, fuel cells and nuclear energy 
  • Health and related life sciences and technologies
    Sub-priorities: Regenerative medicine; neuroscience; health in an aging population; biomedical engineering and medical technologies 
  • Information and communications technologies
    Sub-priorities: New media, animation and games; wireless networks and services; broadband networks; telecom equipment

2.3.2. Bio- und Agrarwissenschaften

Bereits 1983 hat Kanada eine erste nationale Biotechnologie-Strategie aufgestellt. Eine revidierte Fassung wurde als Canadian Biotechnology Strategy im Jahr 1998 verabschiedet. Maßgeblich für die Entwicklung und Umsetzung dieser Strategie ist das Ministerium "Industry Canada". In der im Jahr 2007 veröffentlichten Wissenschaftsstrategie "Mobilizing Science and Technology to Canada´s Advantage“wird Biotechnologie aber nicht mehr als Priorität der kanadischen Regierung genannt.

Die Förderung von Forschungs- und Entwicklungsmaßnahmen liegt bei den  fachlich relevanten Förderorganisationen "Canadian Institutes of Health Research", "Genome Canada" und "Natural Sciences and Engineering Research Council". Außerdem führen mehrere Ministerien relevante Forschung durch, so z.B. die Ministerien "Agriculture and Agri-Food Canada", "Fisheries and Oceans Canada" und das "Department of National Defence".

Die kanadische Biotechnologie-Industrie, etwas 500 Firmen, konzentriert sich vor allem in den drei Städten Montréal, Toronto und Vancouver. Fachlich liegt hier der Schwerpunkt vor allem im Bereich menschliche Gesundheit (52%) sowie Landwirtschaft und Ernährung (30%).

In Montréal hat sich ein Biopharma-Cluster gebildet. Etwa 150 Firmen sind hier eng mit Forschungsinstituten, dem NRC Biotechnology Research Institute und den vier Universitäten Montréals, vergesellschaftet. Im Großraum Toronto ist ein Schwerpunkt in den Gebieten Genomforschung und Bioinformatik festzustellen. In Vancouver liegt der Fokus bei der Gesundheitsforschung.

Hervorzuheben ist außerdem, dass sich Saskatoon zum kanadischen Zentrum der landwirtschaftlichen Biotechnologie entwickelt hat. Dort arbeiten zwei bundesstaatliche Forschungsinstitute (Agriculture and Agri-Food Canada´s Research Centre und das Plant Biotechnology Institute des NRC) eng mit der University of Saskachewan zusammen.

Ein bedeutendes strategisches Regierungsprogramm ist in diesem Bereich ist "Genome Canada". Dieses Programm soll das in Kanda vorhandene Potential in der Genomforschung koordinieren und stärken. Daher wird "Genome Canada", eine nicht auf Gewinn ausgerichtete Gesellschaft, mit erheblichen Mitteln gefördert. Bei den geförderten Projekten handelt es sich teilweise um Gemeinschaftsprojekte mit Institutionen anderer Länder, u.a. auch Deutschland. Hier ist die Pflanzenzüchtung Kooperiationsschwerpunkt, und Genome Prairie ist der wichtigste Partner. Ein Verbundprojekt zur Rapszüchtung, für das von Seiten des BMBF ca. 1,3 Mio € aufgewendet wurde, ist 2009 beendet worden. Ein Verbundprojekt zur Weizenzüchtung, das mit ca. 1,7 Mio. € vom BMBF gefördert wurde, endete Ende März 2010. Die Kooperation wird mit neuen Projekten fortgesetzt.

2.3.3. Energie

Für den Energiesektor ist, wie auch z.B. für die Themen Forstwirtschaft und Geologie/Rohstoffe, das Ministerium Natural Resources Canada (NRCan) zuständig. Kanada ist ein rohstoffreiches Land und verfügt über erhebliche Reserven an fossilen Energieträgern wie Erdöl und Uran. Andererseits ist sich Kanada der Nachteile ihrer Nutzung bewußt: Die Verfügbarkeit der fossilen Brennstoffe ist endlich und der Abbau sowie der Gebrauch bergen Risiken und nicht einschätzbare Folgen. In diesem Spannungsfeld agiert die kanadische Energiepolitik. Einerseits wird die Nutzung der fossilen Energien vorangetrieben, auf der anderen Seite werden aber auch vielfältige Äktivitäten zur Energieeffizienz und zur Nutzung alternativer Energien (Biofuel, Brennstoffzellen) gefördert. Auch im Bereich der CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) ist Kanada sehr aktiv.

Das CANMET Energy Technology Centre (CETC), NRCan zugehörig, ist die in Kanada für die Forschung und Entwicklung im Energiebereiche zuständige Organisation in Kanada. Sie arbeitet eng mit Industrie, Forschungseinrichtungen und Regierungsorganisationen zusammen. Als ein Schlüsselthema wurde von der kanadischen Regierung der Klimawandel identifiziert, und innovative technologische Lösungen, die zur Reduktion der CO2-Emmissionen beitragen, stehen besonders im Fokus.

Das Office of Energy Research and Development (OERD) koordiniert die Aktivitäten in der Forschung und Entwicklung im Energiesektor zwischen den verschiedenen bundesstaatlichen und den Provinzen zugehörigen Stellen, dem privaten Sektor sowie den Universitäten und Forschungsinstituten. Es ist für die Förderung innerhalb der Energieforschungsprogramme zuständig. Relevante Themen sind:

  • Reduktion der Emission von Treibhausgasen,
  • Verbesserung der Energieeffizienz (Häuser, Büros, Industrie), 
  • Alternative Energiequellen,
  • Saubere und effizientere Transportfahrzeuge und –systeme,
  • Sicherstellung der Energieinfrastruktur sowie
  • Förderung der Industrie im Energiesektor.

Eine neue Maßnahme, die Bestandteil des im Mai 2007 präsentierten Strategiepapiers der kanadischen Regierung „Mobilizing Science and Technology to Canada´s Advantage“ ist, ist die „ecoEnergy Technology Initiative“, für die 230 Mio. CAD zur Verfügung gestellt werden, um die Luftverschmutzung und Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren. Mit dieser Initiative wird die Forschung und Entwicklung in Hinblick auf drei Hauptziele gefördert:

  • Erhöhung  des Angebotes an sauberer Energie, 
  • Steigerung der Energieeffizienz sowie
  • Reduzierung der Verschmutzung durch konventionelle Energiequellen.

Der kanadische National Research Council hat für die kommenden fünf Jahre die Themen Gesundheit, Energie und Umweltforschung als Prioritäten festgelegt. Unter der Überschrift „Energie“ verbergen sich Programme zu den Bereichen Brennstoffzellen und Biokraftstoffen.

Das NRC-Programm zu Brennstoffzellen und Wasserstoff umfasst folgende thematische Schwerpunkte:

  • Advanced Materials and Processing, 
  • Modeling and Numerical Simulation,
  • Novel Architecture Design,
  • Unit and Integrated System Testing sowie
  • Sensor and Diagnostic Development.

Dies wird jeweils bei Polymer Electrolyte Membrane Fuel Cells (PEMFC), Solid Oxide Fuel Cells (SOFC), Direct Methanol Fuel Cells (DMFC) und Wasserstoff und alternative Brennstoffe angewandt.

Das NRC-Programm zur Brennstoffzellenforschung wird im Wesentlichen an drei NRC-Instituten umgesetzt, die umfassendste Forschung findet am NRC-Institute for Fuel Cell Innovation in Vancouver statt. Mit seinen Aktivitäten im Bereich der Brennstoffzellenforschung trägt der NRC zu der Umsetzung der „Canada´s Fuel Cell Commercialization Roadmap“, einer übergeordneten bundesstaatlichen Initiative, bei.

Auf dem Gebiet der Brennstoffzellenforschung wird derzeit durch das BMBF ein Forschungsverbund gefördert. Der Forschungsverbund untersucht unter dem Titel „Mikro-Wassermanagement durch Optimierung von Brennstoffzellenkomponenten“ die Eigenschaften verschiedener Teile einer Brennstoffzelle mit innovativen Charakterisierungstechniken und mathematischen Modellen. Neue Erkenntnisse für die Verbesserung der Leistungsfähigkeit und Lebensdauer werden erarbeitet und damit einen Beitrag zur Erhöhung des Wirkungsgrades von Brennstoffzellen als Mittel zur dezentralen und umweltfreundlichen Stromerzeugung geleistet.

In den Jahren 2010-2012 wurde außerdem von Seiten des Landes NRW das HIPerLoCo-Projekt mit 380.000 € gefördert, in dem Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen und des kanadischen Institute for Fuel Cell Innovation (NRC-IFCI) gemeinsam an der Entwicklung vielseitig einsetzbarer, günstiger Brennstoffzellen arbeiten.

2.3.4. Geowissenschaften und Meeresforschung

Die Entwicklung des kanadischen Nordens ist in den letzten Jahren in den Fokus des Interesses der kanadischen Regierung getreten. Kanada betont ausdrücklich, seine Souveränität in den arktischen Gebieten verteidigen zu wollen.

Mit dem AWI existiert eine langjährige und gute Zusammenarbeit mit zahlreichen kanadischen Instituten und Organisationen auf dem Gebiet der Arktisforschung. Hierzu gibt es offizielle Kooperationsvereinbarungen mit Environment Canada, der Université Laval und der McGill University. Gemeinsame Projekte in der Permafrost-Forschung, zur geologischen und geophysikalischen Untersuchung der Entwicklung des Arktischen Ozeans und der Klima- und Atmosphärenforschung (einschließlich glaziologischer Studien der arktischen Land- und Meereisausdehnung) werden durchgeführt. Die gemeinsamen ozeanographischen und meeresbiologischen Arbeiten im Nordatlantischen und Arktischen Sektor Kanadas werden in Zukunft noch verstärkt durch die Kooperation mit dem im Juni 2011 eröffneten Halifax Marine Research Institute (HMRI) an der Dalhousie University. Kanadische Partner unterstützen das AWI ebenfalls bei der logistischen Durchführung von Arktisexpeditionen.

In den Geowissenschaften führen die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) gemeinsame Forschungsprojekte mit dem Geological Survey of Canada (GSC) zur Geologie der Arktis durch.

2.3.5. Gesundheitsforschung

Die von der kanadischen Regierung im Mai 2007 vorgestellte neue Strategie "Mobilizing Science and Technology to Canada´s Advantage" nennt das Thema Gesundheit und gesundheitsrelevante Lebenswissenschaften und Technologien als einen der vier wichtigsten Schwerpunkte.

Das Gesundheitsministerium "Health Canada" ist nicht nur für die Gesundheitspolitik zuständig sondern verfügt auch über eigene Forschungseinrichtungen, in denen insgesamt 4.000 Mitarbeiter/innen, 160 davon Wissenschaftler/innen, an 15 Orten in Kanada arbeiten. Die Health Canada zugeordneten Institute verfügen auch über zwei Stipendienprogramme, das "Visiting Fellowships Program" und das "Postdoctoral Fellowship Program".

Der größte Teil der medizinischen Forschung wird aber an den Universitäten und Universitätskliniken durchgeführt. Die bundesstaatliche Förderorganisation für die Gesundheitsforschung sind die "Canadian Institutes of Health Research" (CIHR). Thematisch werden Projekte gefördert, die neue medizinische Erkenntnisse liefern, die die neuen Erkenntnisse zur Umsetzung führen und die das Gesundheitssystem oder einzelne Gesundheitsprodukte verbessern.

Zusätzlich werden 13 virtuelle Institute gefördert, bei denen es sich um Netzwerke handelt, deren Mitglieder über ganz Kanada verstreut sind. In jedem dieser thematischen Netzwerke wird darauf Wert gelegt, dass die gesamte Bandbreite von der grundlegenden biomedizinischen und klinischen Forschung über die für das Gesundheitssystem relevanten Aspekte, bis hin zu den sozialen und kulturellen Aspekten abgedeckt sind.
Folgende virtuelle Institute wurden bislang eingerichtet:

Auch durch das kanadische Programm „Network of Centers of Excellence werden Netzwerke im Gesundheitsbereich gefördert.

Der kanadische "National Research Council" führt substanzielle Forschung im medizinischen Bereich durch. Hervorzuheben ist hier das Cluster zu biomedizinischer Technologie in Winnipeg, das seit der Gründung des "Institute for Biodiagnostics" im Jahr 1992 beständig gewachsen ist. Mittlerweile arbeiten in diesem Institut etwa 200 Wissenschaftler und 150 Firmen und Organisationen, die im Medizinbereich tätig sind, haben sich in Winnipeg angesiedelt.

2.3.6. Grundlagenforschung

Die Verantwortung für die Grundlagenforschung liegt in Kanada im Wesentlichen bei den Universitäten.

TRIUMF, auf dem Campus der University of British Columbia gelegen, ist das nationale Forschungszentrum für Partikel- und Nuklearphysik. Das Zentrum wird mit Unterstützung der kanadischen Regierung über den National Research Council von einem Konsortium kanadischer Universitäten betrieben. Die Provinz British Columbia unterstützt zusätzlich die bauliche Infrastruktur.

2.3.7. Information und Kommunikation

Die Informations- und Kommunikationstechnologien in Kanada verstehen sich vor allem als eine 130 Mrd. CAD Industrie mit mehr als einer halben Million Beschäftigter. In diesem Sektor wird bzw. intensiv in Forschung und Entwicklung investiert.

Die kanadischen IKT-Cluster sind über ganz Kanada verteilt und haben sich meist auf unterschiedliche Bereiche spezialisiert:

  • Der Raum Ottawa verfügt mit dem Communication Research Centre (zu Industry Canada gehörend) und dem NRC-Institut Photonics Fabrication Centre sowie durch zwei Universitäten mit einer intensiven Ingenieursausbildung (Carlton University und  University of Ottawa) über große Ressourcen in der IKT-Entwicklung. 
  • Bei dem IKT-Cluster um Toronto liegt der Schwerpunkt im Bereich der Multimedia, Software und Mikroelektronik. Es findet eine enge Zusammenarbeit der dort angesiedelten Firmen mit der University of Toronto sowie der University of Waterloo statt. 
  • In der Region Montréal ist eine Konzentration von Aktivitäten in den Feldern Spiele- und Animationssoftware sowie bei der „wireless communication“ festzustellen.
  • Die beiden Provinzen Ontario und Quebec verfügen in den Informations- und Kommunikationstechnologien insgesamt über die größten Ressourcen, einige andere Provinzen entwickeln sich aber ebenfalls dynamisch.
    In British Columbia wird der IKT-Sektor durch die Firma Nokia geprägt, die hier über  Entwicklungszentren verfügt. Das Mobile Communications Laboratory und Labore zur Entwicklung von Prototypen der Simon Fraser University stellen weitere Institute in diesem Bereich dar.
  • Calgary, Alberta, hat sich zum Schwerpunkt der schnell wachsenden "wireless communication"-Industrie entwicklt. Dies ist auch eng mit dem systematischen Ausbau der Nanotechnologie-Aktivitäten in Edmonton verzahnt.

2.3.8. Mobilität und Raumfahrt

Der kanadische Sektor der Luft- und Raumfahrt ist georgaphisch auf die Provinz Québec, besonders in der Region um Montréal konzentriert.

Die kanadische Luftfahrt steht mit über 400 Firmen und 75.000 Arbeitskräften an weltweit vierter Stelle. Insgesamt elf Universitäten bieten einen entsprechenden Abschluss an. Kanadische Firmen, die z.B. Flugzeuge, Hubschrauber, Gasturbinen oder Flugsimulatoren herstellen, sind weltbekannt und teilweise sogar Marktführer. In der Forschung und Entwicklung ist das Netzwerk Consortium de Recherche et d´innovation en aérospatiale du Québec (CRIAQ) hervorzuheben, in dem sechs führende Luftfahrtunternehmen in der Umgebung von Montréal und sechs Universitäten organisiert sind. Das NRC-„Institute for Aerospace Research“ in Ottawa ist ebenfalls ein prominentes Forschungsinstitut in diesem Bereich. Zu diesem Institut gehört auch das „Aerospace Manufacturing Technology Centre”, das der NRC auf dem Campus der Université de Montréal betreibt.

Die kanadische Weltraumforschung wird vor allem durch die Canadian Space Agency (CSA), ebenfalls im Raum Montréal ansässig, geprägt. Sie arbeitet zusammen mit Industriepartnern im Bereich der Satellitennavigation, Fernerkundung und Robotik. Insgesamt sind etwa 6.000 Personen in 200 Firmen in diesem Bereich beschäftigt.

Kanada ist bereits 1979 assoziiertes Mitglied der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Seither hat Kanada mehrere hundert Millionen Dollar in prioritäre ESA Aktivitäten investiert, insbesondere in die

  • Erdbeobachtung, 
  • Satellitenkommunikation, 
  • Simulation, 
  • Satellitennavigation sowie
  • Raumfahrttechnologien.

Deutschland trägt auch maßgeblich zum ESA-Wissenschaftsprogramm bei und beteiligt sich mit Messinstrumenten an den Anwendungsprogrammen der ESA zur Erdbeobachtung und Navigation.

2.3.9. Physikalische und chemische Technologien

Die wichtigste strategische Entscheidung in Hinblick auf den Ausbau der Nanotechnologie in Kanada war der Entschluss, den Raum Edmonton systematisch zum kanadischen Nanotechnologie-Cluster zu entwickeln. Der bislang größte Schritt in diese Richtung war im Jahr 2001 die Gründung des „National Institute of Nanotechnology“ (NINT) durch den NRC und in Kooperation mit der „University of Alberta“ und der Provinz Alberta. Zusätzlich zu dieser Investition von 120 Mio. CAD wurde im Jahr 2006 das „NINT Research Facility and Innovation Centre“, eine über 50 Mio. CAD teure Forschungstransfer-Einrichtung, eröffnet.
Ziel ist es, das NINT bis zum Jahr 2010 zu einem der weltweit fünf besten Nanotechnologie-Instituten auszubauen.
 
Zusätzlich wird im Nanotechnologie-Bereich auch an anderen Instituten und forschungsstarken Hochschulen, vor allem in Ontario und Quebec, Forschung und Entwicklung durchgeführt.

2.3.10. Umwelt- und Klimaforschung

Das Ministerium Environment Canada ist für den Umweltbereich inklusive der zugehörigen Forschungsthemen zuständig. Insgesamt arbeiten etwa 6.000 Mitarbeiter/innen für das Ministerium und in den diesem Ministerium zugehörigen Forschungsinstituten. Das jährliche Budget beträgt etwa 500 Mio. CAD, wovon ca. 80% in Forschung und Entwicklung fließen.
 
Auch einige andere Ministerien sind für Teilaspekte der Umweltfragen zuständig, z.B. Fisheries and Oceans Canada, Agriculture and Agri-Food Canada sowie Natural Resources Canada. Außerdem sind die Aktivitäten der Universitäten zu nennen.
 
Von bundesstaatlicher Seite werden im Programm "Network of Centers of Excellence" derzeit zwei Netzwerke im Umweltbereich gefördert: Das ArcticNet und das Canadian Water Network, in denen landesweit Wissenschaftler, Firmen und weitere Partner zusammenarbeiten.

Fachlich ausgerichtete neue Inititativen sind die "Canadian Foundation for Climate and Atmospheric Sciences" (CFCAS) und "Sustainable Development Technology Canada" (SDTC). Die "Canadian Foundation for Climate and Atmospheric Sciences" wurde von der kanadischen Regierung im Jahr 2000 als unabhängige Agentur gegründet, um die Klima- und  Atmosphärenforschung und die zugehörigen Aspekte der Meeresforschung in den Universitäten zu fördern. Das Gesamtbudget beträgt 110 Mio. CAD. Themen sind u. a.:

  • Klimasysteme, 
  • Klimawandel, 
  • Extremwetter sowie 
  • Luftqualität.

"Sustainable Development Technology Canada" wurde von der kanadischen Regierung mit 550 Mio. CAD ausgestattet, um die Entwicklung und Demonstration von technologischen Fortschritten in Hinblick auf Klimawandel und Sauberkeit von Luft, Wasser und Böden zu  fördern. SDTC fördert bis zu 33% von Projekten, in die akademische Partner, Industrie, Non-Profit-Organisationen sowie Regierungsstellen auf bundesstaatlicher Ebene oder von den Provinzen eingebunden sind.

3. Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik

3.1. Ministerien und Gremien

3.1.1. Für Bildung und Forschung zuständige Ministerien

Die Zuständigkeiten für Forschung, Wissenschaft und Bildung teilen sich die föderale Regierung, landesüblich kurz Ottawa genannt, und die zehn Provinzen und drei Territorien. Das gesamte Bildungswesen, einschließlich der Universitäten, unterliegt den Provinzregierungen. Zudem haben einzelne Provinzen auch eigenständige Forschungsministerien, die insbesondere die lokalen Wissens- und Wirtschaftskräfte stärken sollen.

Die durch die kanadische Bundesregierung organisierte und finanzierte Forschung und Forschungsförderung ist dezentral verankert, es gibt in Kanada kein föderales Forschungsministerium. Vielmehr tragen verschiedene Fachministerien und deren nachgeordnete Einrichtungen, die so genannten "Science Based Departments and Agencies" (SBDAs), Verantwortung für das Forschungsressort. Die allgemeinen Aspekte der Forschungspolitik unterliegen dem Industrieministerium, die internationale Zusammenarbeit im Bereich der Forschung und Technologie ist dem "Department of Foreign Affairs, Trade and Development" zugeordnet.

Auf Bundesebene tragen demnach die im Folgenden aufgeführten Fachministerien Verantwortung für das Forschungsressort.

3.1.2. Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungspolitik

Im Rahmen der kanadischen Wissenschaftsstrategie "Mobilizing Science and Technology to Canada’s Advantage" wurde 2007 die Einrichtung eines neuen Beratungsgremiums angekündigt, das die Regierung zu den Themen Wissenschaft, Technologie und Innovation berät. Dieses Gremium, der Science, Technology and Innovation Council (STIC), ist dem Ministerium Industry Canada zugeordnet.
Der STIC besteht aus einem Vorsitzenden und 17 Mitgliedern.

Der Council of Canadian Academies wurde im Jahr 2005 als ein Gremium gegründet, das unabhängige Studien zu wichtigen wissenschaftsrelevanten Themen erstellt und somit die Politik in diesen Belangen beraten kann. Der Council of Canadian Academies wurde im Gründungsjahr von der Kanadischen Regierung mit Mitteln in einer Höhe von 30 Mio. CAD ausgestattet, mit denen die Kernaufgaben für zehn Jahre durchgeführt werden sollen.

Mitglieder im Council of Canadian Academies sind:

  • The Royal Society of Canada (RSC)
  • The Canadian Academy of Engineering
  • The Canadian Academy of Health Sciences

3.2. Politische Zielsetzungen

3.2.1. Überblick

Die Förderung von Innovation, anwendungsorientierter Forschung und Entwicklung sowie Bildung wird von der Regierung als zentraler Faktor für den Erhalt und die Weiterentwicklung des Wohlstandes Kanadas in einer zunehmend wissensbasierten Wirtschaft angesehen.

3.2.2. Bildungspolitische Ziele

Für den Bereich Bildung sind in Kanada im Wesentlichen die Povinzen und Territorien zuständig, der Einfluss der Bundesregierung ist beschränkt.

Die wichtigen Ziele der Bundesregierung im Bereich Bildung sind: 

  • hochqualifizierte Schüler/innen, insbesondere in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesekompetenz. Im internationalen Vergleich wird hier eine Position unter den ersten drei Ländern angestrebt.
  • deutliche Steigerung des Anteils an Kanadiern/innen, die eine Qualifikation im tertiären Bildungsbereich erwerben. Dies gilt sowohl für den Ausbildungssektor als auch für hochqualifizierte Abschlüsse (Steigerung des Anteils von Master- und PhD-Studenten/innen.
  • Ausbau des Weiterbildungssektors.
  • gezielte Anwerbung hochqualifizierter Einwanderer für den kanadischen Arbeitsmarkt.

Es wird von der Regierung als essentiell angesehen, das Studium von Kanadiern im Ausland stärker zu fördern sowie über gezielte Programme ausländische Studenten, sowohl aus Industrieländern als auch aus Entwicklungsländern, nach Kanada zu holen. So sollen strategische Verbindungen geschaffen werden, die Kanada als notwendig erachtet, um den Herausforderungen der Globalisierung gerecht werden zu können.

Darüber hinaus soll das lebenslange Lernen gefördert werden. Als landesweite Herausforderung wird vom "Advisory Committee for Online Learning" (ACOL) insbesondere der Ausbau des E-Learnings im gesamten tertiären Bildungsbereich angesehen.

Die Zielsetzungen der einzelnen Provinzen und Territorien sind aufgrund der dezentralen Organisation des Bildungswesens und der z.T. sehr verschiedenen regionalen Gegebenheiten uneinheitlich.

3.2.3. Forschungspolitische Ziele

Im Mai 2007 stellte die kanadische Regierung ihre neue nationale Strategie zu Wissenschaft und Technologie "Mobilizing Science and Technology to Canada´s Advantage" vor. Hauptunterschied zu der Strategie der vorangegangenen Regierungen ist, dass die Intensivierung der Forschungsaktivitäten im privaten Bereich als Schlüssel für die Stärkung der kanadischen Wirtschaft in den Vordergrund gestellt wird.

Folgende Hauptaussagen werden getroffen: 

  • Kanada braucht eine starke Beteiligung des privaten Sektors bei Forschung und Entwicklung,
  • Kanada muss weiterhin seine Wissensbasis vergrößern,
  • Kanada muss ein Magnet für talentierte, gut ausgebildete und kreative Menschen sein.

Der Fokus in Forschung und Entwicklung wird auf folgende Bereiche konzentriert, die aus ökonomischen und sozialen Gründen wichtig sind:

  • Umweltforschung und –technologie,
  • Natürliche Rohstoffe und Energie,
  • Gesundheit und gesundheitsrelevante Lebenswissenschaften und -technologien sowie
  • Informations- und Kommunikationswissenschaften.

Als Unterprioritäten wurden folgende Bereiche festgelegt: 

  • Environmental science and technologies
    Sub-priorities: Water (health, energy, security); cleaner methods of extracting, processing and using hydrocarbon fuels, including reduced consumption of these fuels 
  • Natural resources and energy
    Sub-priorities: Energy production in the oil sands; Arctic (resource production, climate change adaptation, monitoring); biofuels, fuel cells and nuclear energy 
  • Health and related life sciences and technologies
    Sub-priorities: Regenerative medicine; neuroscience; health in an aging population; biomedical engineering and medical technologies 
  • Information and communications technologies
    Sub-priorities: New media, animation and games; wireless networks and services; broadband networks; telecom equipment

3.2.4. Innovationspolitische Ziele

Im Mai 2007 stellte die kanadische Regierung ihre neue nationale Strategie zu Wissenschaft und Technologie "Mobilizing Science and Technology to Canada´s Advantage" vor. Im Unterschied zu der Strategie der vorangegangenen Regierungen wird die Intensivierung der Forschungsaktivitäten im privaten Bereich als Schlüssel für die Stärkung der kanadischen Wirtschaft in den Vordergrund gestellt.

3.3. Initiativen und Programme

3.3.1. Überblick

Die wichtigsten Initiativen und Programme Kanadas bemühen sich um die Förderung der Technologieentwicklung im privaten Sektor, die Stärkung des Forschungspotentials durch innovative Partnerschaftsmodelle, sowie eine Stärkung der Universitäten.

3.3.2. Programme in der Bildung

Kanada ist bestrebt, die Anzahl derjenigen, die die über einen tertiären Bildungsabschluss verfügen, anzuheben. Hierzu stehen auf bundesstaatlicher Ebene folgende Programme zur Verfügung:

  • Das "Canada Student Loans Program" unterstützt jährlich über 350.000 kanadische Studenten/innen finanziell und ist somit die wichtigste Aktivität der kanadischen Regierung, um Studenten den Zugang zu tertiärer Bildung zu ermöglichen.
  • Die kanadische Regierung stellte 1998 2,5 Mrd. CAD für 10 Jahre zur Verfügung, durch die der Zugang zu tertiärer Bildung verbessert und die Schulden der Studenten verringert werden sollen. Im Januar 2000 wurde die "Canada Millennium Scholarship Foundation" als unabhängige Körperschaft gegründet, die die Mittel für zwei Programme verwaltet, die einigen 100.000 Studenten/innen zugute kommen sollen. Hierbei werden sowohl die wirtschaftliche Bedürftigkeit als auch die Leistungen der Studenten berücksichtigt.
  • Das "Canada Education Savings Grant Program" wurde 1998 ins Leben gerufen. Hiermit stellt die kanadische Regierung Zuschüsse zu speziellen Sparplänen (Registered Education Savings Plan) zur Verfügung, die für die Finanzierung der tertiären Bildung abgeschlossen werden. Seit 1998 haben mehr als eine Million Kanadier/innen Mittel aus diesem Programm erhalten.

Die kanadische Regierung hat außerdem eine Serie von Stipendienprogrammen gestartet, die den gesamten Karriereweg vom Studenten bis zum erfahrenden Wissenschaftler abdeckt. Hiermit sollen herausragende Fachkräfte aller angesprochenen Erfahrungsstufen aus dem In- und Ausland für kanadische Forschungsinstitute gewonnen werden.

3.3.3. Programme in der Forschung

Universitäten

In Kanada liegen die Universitäten vollständig im Zuständigkeitsbereich der Provinzen und Territorien. Die Universitätslandschaft ist deshalb sehr heterogen und Initiativen und Programme für die Universitäten beschränken sich auf die jeweilige Provinz.

Die bundesstaatliche Ebene hat aber bereits früh die Bedeutung von Bildung und Forschung für die Zukunft des Landes erkannt und fördert die Universitäten zusätzlich zu den Provinzen durch spezielle Programme.

Zur Stärkung der universitären Forschung wurde im Jahr 2000 die Regierungsinitiative Canada Research Chairs gegründet. Die Bundesregierung stellt hiermit Mittel für 2000 neue Forschungslehrstühle zur Verfügung, um so die Universitäten dabei zu unterstützen, entsprechend ihrer strategischen Ausrichtung und Prioritäten ihre Forschungs- und Ausbildungskapazitäten auszubauen.

Bis zum November 2011 konnten 1798 Stellen besetzt werden. Über ein Viertel (27%, 473 Personen) wurden an Wissenschaftler/innen vergeben, die sich zuvor im Ausland aufhielten. Insgesamt 217 kanadische Wissenschaftler/innen kamen aus dem Ausland (vor allem aus den USA) nach Kanada zurück.

Durch die Canada Foundation for Innovation fördert Kanada neue Forschungsinfrastruktur an den Universitäten. Die bundesstaatliche Ebene übernimmt bis zu 40 % der Kosten der jeweiligen Infrastruktur, die übrigen 60 % müssen von der jeweiligen Provinz oder anderen Trägern bereitgestellt werden.

Das Programm Canada Research Chairs und die Infrastrukturförderung der Canada Foundation for Innovation können miteinander kombiniert werden, so dass die Universitäten in einem strategischen Forschungsfeld sowohl Mittel für Wissenschaftler als auch für die notwendige Ausstattung beantragen können.

Die kanadische Regierung hat außerdem eine Serie von Stipendienprogrammen gestartet, die den gesamten Karriereweg vom Studenten bis zum erfahrenden Wissenschaftler abdeckt. Hiermit sollen herausragende Fachkräfte aller angesprochenen Erfahrungsstufen aus dem In- und Ausland für kanadische Forschungsinstitute gewonnen werden.

3.3.4. Innovationsprogramme

Eine besonders wichtige Initiative der Bundesregierung stellt das "Networks of Centres of Excellence" (NCE) Programm dar. Dieses 1989 gegründete Programm soll für mehr Kooperation zwischen den wissenschaftlichen Aspekten und der Anwendung in bestimmten Themenfeldern sorgen und außerdem die Akteure in den Fachgebieten aus den unterschiedlichen Gebieten des Landes näher zusammenrücken lassen.

Aus der Neuorientierung der Prioritäten nach der Veröffentlichung der neuen bundesstaatlichen Strategie für Wissenschaft und Technologie im Jahr 2007 resultiert auch eine Schwerpunktverlagerung bei den Networks of Centres of Excellence. Im Februar 2008 wurden erstmals elf neue Exzellenzzentren zum Thema "Kommerzialisierung und Forschung" eingerichtet. Des weiteren wurden Exzellenznetzwerke eingerichtet, die von Konsortien aus dem privaten Sektor geleitet werden (Business-led NCEs).

4. Internationale Kooperation des Landes in Bildung, Forschung und Innovation

4.1. Überblick

4.1.1. Strategien und Programme der internationalen Bildungs-, Forschungs- und Innovationszusammenarbeit

Ein Ausbau der Internationalisierung spielt für Kanada sowohl in der Bildung, als auch in Forschung und Entwicklung eine wichtige Rolle. Enge Beziehungen bestehen zu den USA, den europäischen Ländern sowie zu Ländern des asiatisch-pazifischen Raums.

Im Bereich der Bildung wird es von der Regierung als essentiell angesehen, das Studium von Kanadiern im Ausland stärker zu fördern sowie über gezielte Programme ausländische Studenten, sowohl aus Industrieländern als auch aus Entwicklungsländern, nach Kanada zu holen. So sollen die strategischen Verbindungen und die intellektuellen Voraussetzungen geschaffen werden, die Kanada als notwendig erachtet, um den Herausforderungen der Globalisierung gerecht werden zu können.

4.2. Bi- und multilaterale Kooperationen

4.2.1. Regierungs- und Ressortabkommen mit Partnerländern

Mit über 200 Staatsverträgen und Abkommen besteht eine traditionell sehr enge Beziehung zu den USA. Im akademischen Bereich wird dies besonders deutlich an dem größten universitären Netzwerk, das Kanadastudien anbietet - Deutschland hat übrigens das zweitgrößte Angebot an Kanadastudien.

Abkommen über wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit gibt es lediglich mit

  • Frankreich (1965)
  • Deutschland (1971)
  • Japan (1986)
  • Korea (2002, verlängert 2007)
  • Israel (2006)
  • Indien (2005)
  • China (2007)
  • Brasilien (2008)
  • Chile (MoU 2008)
  • Schweden (MoU 2010)
  • der EU (1996), Amendment (1998)

Federführend in diesem Bereich ist das "Department of Foreign Affairs, Trade and Develpment" (DFATD).

4.2.2. Teilnahme an europäischen Programmen und Initiativen

Kanada ist an insgesamt 127 Projekten beteiligt, die im Rahmen des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms gefördert werden, darunter 94 Projekte mit deutschen Partnern. Thematische Schwerpunkte der Zusammenarbeit sind  Gesundheitsforschung und IKT.

4.2.3. Mitgliedschaften in internationalen Regierungsorganisationen

Kanada ist Mitgliedslnd der OECD-Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.  

5. Ansprechpartner

5.1. Weitere Informationen

Nähere Informationen zur bilateralen Kooperation zwischen Deutschland und Kanada sowie Beteiligungsmöglichkeiten an Programmen und Fördermaßnahmen erteilt im Auftrag des BMBF das Internationale Büro des BMBF.

Fachlicher Ansprechpartner für Kanada:

Dr. Barbara Hellebrandt

Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt
Europäische und internationale Zusammenarbeit
Heinrich-Konen-Str. 1
53227 Bonn
Deutschland
Tel: +49 228 3821-1433
Fax: +49 228 3821-1400
E-Mail: barbara.hellebrandt(at)dlr.de

www.internationales-buero.de

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Redaktion: 29.04.14, von: Dr. Barbara Hellebrandt
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