BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
Kooperation International
 

FlaggeStatusbericht: Russland

1. Allgemeine Informationen zur Kooperation

1.1. Historie

Deutschland ist im Bereich Wissenschaft und Technologie unverändert ein führender Kooperationspartner Russlands. Die deutsch-russische Zusammenarbeit erstreckt sich auf die gemeinsame Beteiligung am Bau und der Nutzung von Großforschungseinrichtungen, gemeinsame Forschungsprogramme und -projekte, den Studenten- und Wissenschaftleraustausch, Hochschulpartnerschaften, gemeinsame Studiengänge sowie Anbahnungsreisen, Messeauftritte u.a. Als Zeichen der langjährigen Kooperation konnten 2015 zahlreiche Jubiläen begangen werden, z.B. die 20-jährige Kooperation zwischen der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Russischen Fonds für Grundlagenforschung, das zehnjährige Bestehen des Deutschen Historischen Instituts der Max-Weber-Stiftung in Moskau, sowie das zehnjährige Bestehen des Moskauer Büros der Helmholtz-Gemeinschaft.

Die bestehenden Kooperationsschwerpunkte umfassen die Optischen Technologien, Innovationsstrategien und Technologien zum nachhaltigen Umweltschutz und rationelle Nutzung der natürlichen Ressourcen, Biologische Forschung und Biotechnologie, Meeres- und Polarforschung, Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Entwicklung und Anwendung von beschleunigerbasierten Photonenquellen, Nanotechnologieforschung und eine verstärkte Innovationskooperation.

Im April 2005 hatten beide Länder mit der "Gemeinsamen Erklärung über die deutsch-russische Strategische Partnerschaft" den politischen Willen bekräftigt, die erfolgreiche Zusammenarbeit in einem breiten Spektrum von Forschungsgebieten weiter auszubauen (s. unten).

Deutsch-russische strategische Partnerschaft in Forschung und Innovation

Die Koordination der Strategischen Partnerschaft liegt beim BMBF und dem russ. Ministerium für Bildung und Wissenschaft (MON). Beteiligt sind das BMWi mit dem russischen Ministerium für Wirtschaftsentwicklung und Handel sowie das BMI mit der russischen Präsidialverwaltung als Partner. Unter Einbeziehung von Wirtschaft und Wissenschaft, Bildungseinrichtungen und öffentlicher Verwaltung konzentrieren sich die Aktivitäten auf drei Säulen:

  • Forschung, Bildung und Innovation (BMBF), 
  • Fortbildung und Qualifikation von Führungskräften in der Wirtschaft (BMWi), 
  • Weiterbildung von Führungskräften des öffentlichen Dienstes (BMI). 

In den letzten Jahren ist es beiden Seiten gelungen, die Partnerschaft innerhalb der drei Säulen erfolgreich auszugestalten. Die Zusammenarbeit mit Russland in Bildung und Forschung ist vielfältig - tiefgehend in der Spitzenforschung und breit angelegt bei den Hochschulpartnerschaften und bei der Qualifizierung wichtiger Personengruppen. Hervorzuheben ist auch die Intensivierung von Netzwerken in den unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen.

Petersburger Dialog 

Die Zusammenarbeit in Forschung und Technologie ist darüber hinaus auch Bestandteil des Petersburger Dialogs. Er wurde im Jahr 2001 ins Leben gerufen. Der Petersburger Dialog findet abwechselnd in Deutschland und Russland statt und soll den deutsch-russischen Beziehungen neue Impulse geben. Teilnehmer/innen am Dialog sind Vertreter/innen des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft mit Multiplikatorenfunktion.
Vom 22.-24. Oktober 2015 fand in Potsdam der 14. Petersburger Dialog statt. Das Hauptthema des Austausches 2015 war die "Modernisierung als Chance für ein gemeinsames europäisches Haus".

Entwicklung und Bau von Großgeräten

Zwischen Deutschland und Russland besteht eine lange und erfolgreiche Zusammenarbeit bei der Entwicklung und dem Bau von wissenschaftlichen Großgeräten. Gemeinsam mit weiteren internationalen Partnern entstehen in Deutschland zwei einzigartige Großanlagen für die naturwissenschaftliche Forschung: Ab 2017 soll der europäische Röntgen-Freie-Elektronen-Laser European XFEL in der Metropolregion Hamburg in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY hochintensive ultrakurze Röntgenblitze erzeugen. Mit dem Röntgenlaser können Forscherinnen und Forscher sowie industrielle Anwender Prozesse im Nanokosmos in Echtzeit beachten. Das eröffnet neue Erkenntnisse und Anwendungen in Bereichen wie Nanotechnologie, Energietechnik und Medizin. Gemeinsam arbeiten beide Länder außerdem daran, fundamentale Geheimnisse in der Entwicklungsgeschichte des Universums zu entschlüsseln. Grundlage hierzu wird das neuartige Beschleunigerzentrum FAIR sein, das am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt entsteht. In Zukunft können dort mehr als 3.000 Forscherinnen und Forscher aus 50 Ländern neue grundlegende Erkenntnisse in der Kern- und Hadronenphysik, der nuklearen Astrophysik, der Atom- und Plasmaphysik, aber auch in anwendungsorientierten Wissenschaftszweigen wie Biophysik, Materialforschung und Hochleistungscomputing erlangen.
 

1.2. Rechtsgrundlagen (Regierungs- und Ressortabkommen)

Das Abkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Russischen Föderation über die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit wurde anlässlich der deutsch-russischen Regierungskonsultationen am 16. Juli 2009 unterzeichnet. Es ersetzt das zwischen der Bundesregierung und der Regierung der UdSSR am 22. Juli 1986 geschlossene und im Juli 1987 in Kraft getretene Abkommen. Ziele der Zusammenarbeit mit Russland sind vor allem der Ausbau der Kooperationsbeziehungen zwischen Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Wissenschaftsorganisationen, die Intensivierung der bilateralen Zusammenarbeit im Bereich der innovationsorientierten angewandten Forschung zwischen deutschen und russischen Unternehmen, die Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung, der Austausch junger Wissenschaftler/innen sowie die Förderung gemeinsamer Forschungs- und Innovationsstrukturen.

Die zwischen dem BMBF und dem russischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft (MON) seit vielen Jahren bestehenden Fachvereinbarungen auf unterschiedlichen Gebieten werden als ein wichtiges Instrument zur Umsetzung der Strategischen Partnerschaft genutzt.

Folgende Fachvereinbarungen regeln die Kooperationsaktivitäten in einzelnen Fachbereichen:

  • Fachvereinbarung über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Laserforschung und der Lasertechnik, Optische Technologien
  • Fachvereinbarung "Innovationsstrategien und Technologien für den nachhaltigen Umweltschutz und die rationelle Nutzung der natürlichen Ressourcen",
  • Vereinbarung über Zusammenarbeit auf dem Gebiet der biologischen Forschung und der Biotechnologie, Bioökonomie
  • Vereinbarung über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Meeres- und Polarforschung,
  • Entwicklung und Anwendung von beschleunigerbasierten Photonenquellen.

BMBF und MON treffen in regelmäßigen Sitzungen der ‚Gemischten Deutsch-Russischen WTZ-Kommission‘ zusammen. Dort wird der Stand der Kooperation jeweils erfasst und neue Schwerpunkte besprochen. Die letzte WTZ-Sitzung fand am 9. April 2013 in Jülich statt.

1.3. Botschaftsadresse/-telefon, Botschafter, Kontakt für Bildung und Forschung

Botschaft der Bundesrepublik Moskau
Wissenschaftsreferat
Ul. Mosfilmowskaja 56, 119285 Moskau, Russland
Tel.: +7-495/937-9500
Fax: +7-495/938-2876
Internet: www.moskau.diplo.de

2. Kooperationen des BMBF

2.1. BMBF - Initiativen und Förderung

2.1.1. Maßnahmen der Fachabteilungen

Die Zusammenarbeit mit Russland ist im Rahmen der BMBF-Fachprogramme durch die Beteiligung sowohl an bilateralen als auch an multilateralen Verbundprojekten auf der Grundlage der Fachvereinbarungen geprägt.

Meeres- und Polarforschung
Die deutsch-russische Kooperation auf dem Gebiet der Meeres- und Polarforschung ist traditionell eng und adressiert vor allem den Klimawandel. Aus der Fachvereinbarung von 1995 ist eine Vielzahl erfolgreicher Kooperationsprojekte hervorgegangen. Der Austausch zwischen BMBF und MON ist mit regelmäßigen jährlichen Arbeitsgruppensitzungen sehr intensiv. Als Leuchtturm gilt das 2001 gegründete deutsch-russische Otto-Schmidt-Labor (OSL) für Meeres- und Polarforschung in St. Petersburg mit einem gemeinsamen Studiengang seit 2002 (Pomor). Ein Großprojekt der Meeres- und Polarforschung ist das 2013 für weitere drei Jahre verlängerte Verbundprojekt ‚System Laptew-See‘ zur Erforschung des Klimawandels in der Arktis (sieben Mio. Euro Fördermittel bis 2016). Die erste von insgesamt 15 geplanten Expeditionen in die Laptew-See aus der aktuellen Förerphase fand im August 2013 statt. Eine andere institutionelle Kooperation auf diesem Gebiet stellt die bereits 1998 gegründete deutsch-russische Forschungsstation im Lena-Delta zur Erforschung des Permafrosts dar. Die Station wurde 2013 als Neubau mit modernster technischer Ausstattung wieder eröffnet. Die neue Samoylov-Station wird von der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften betrieben, das deutsche Helmholtz-Zentrum für Meeres- und Polarforschung ‚Alfred-Wegener-Institut‘ ist ihr langjähriger Forschungspartner vor Ort.

Biotechnologie
Deutschland wie Russland verfügen über langfristige Entwicklungskonzepte auf dem Gebiet der Biowissenschaften. Die deutsche ‚Nationale Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030‘ verfolgt die Vision einer nachhaltigen bio-basierten Wirtschaft und schafft Grundlagen für die weitere Entwicklung einer wissensbasierten und international wettbewerbsfähigen Bioökonomie. In Russland soll das staatliche Programm ‘Bio 2020’ die Biotechnologie weiter entwickeln und dem Land eine Führungsposition auf diesem Gebiet sichern. Im Rahmen der Fachvereinbarung „Biologische Forschung und Biotechnologie“ wollen beide Seiten ihre Ziele durch eine engere Forschungszusammenarbeit erreichen. Daher wurde die Vereinbarung im Jahr 2013 um den Bereich der Bioökonomie erweitert. Nach einem ersten gemeinsamen Förderwettbewerb beider Ministerien für Biotechnologie 2010 folgte im Januar 2014 ein weiterer für Bioökonomie. Ebenfalls im Rahmen der Vereinbarung entstand der Kooperationsverbund Biotechnologie, der von 2005 bis 2013 vom BMBF und auf russischer Seite vom MON gefördert wurde. Seit 2014 führt der Verbund seine Arbeit selbstständig fort. Ziel war und ist es, die deutsch-russische Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Bereich Biotechnologie zu stärken. Zwei Partner im Verbund, das Deutsche Cluster für Industrielle Biotechnologie 2021, kurz CLIB2021, und das russische A.N.-Bach-Institut für Biochemie eröffneten 2010 in Moskau ein gemeinsames Büro. Es unterstützt die Vorbereitung bilateraler Projekte in den Bereichen Biokatalyse, Bioprozesse und Bioprodukte.

Grundlagenforschung an Großgeräten

Besonders eng ist die deutsch-russische Kooperation im Rahmen der derzeit in Hamburg und Darmstadt entstehenden internationalen Großanlagen für die naturwissenschaftliche Forschung: der Röntgen-Freie-Elektronen-Laser ‚European XFEL‘ und die Beschleuniger-Anlage zur Forschung mit Antiprotonen und Ionen FAIR. An beiden Großanlagen sollen grundlegende neue Erkenntnisse in der Kern- und Hadronenphysik, der Astroteilchenphysik, der Atom- und Plasmaphysik, aber auch in anwendungsorientierten Wissenschaftszweigen wie Biophysik, Materialforschung und Hochleistungscomputing erlangt werden. Russland ist bei beiden internationalen Großprojekten auf deutschem Boden der wichtigste ausländische Partner und bringt substantielle finanzielle Mittel ein. Darüber hinaus hat Russland seit 2011 eine eigene Mega-Science Initiative zum Ausbau von Großforschungsanlagen gestartet (prominent: der Teilchenbeschleuniger NICA in Dubna, der Forschungsreaktor PIC in Sankt Petersburg/Gatschina sowie der Kernfusionsreaktor IGNITOR in Troitsk). In engem Zusammenhang mit der wachsenden Dynamik in der Kooperation auf diesem Gebiet ist die Gründung des deutsch-russischen Ioffe-Röntgen-Instituts zu sehen, das als Dach für die Zusammenarbeit im Bereich der Entwicklung und des Betiebes großer Forschungsanlagen dienen soll und im Oktober 2013 seine Arbeit aufnahm.

Optische Technologien
Die Forschungszusammenarbeit im Bereich der optischen Technologien / Lasertechnologien ist stärker industriell orientiert. In den letzten Jahren wurden auf der Basis der Fachvereinbarung mit BMBF-Förderung mehrere deutsch-russische Erprobungs- und Beratungszentren für Lasertechnik (EBZL) in Moskau, Sankt Petersburg, Jekaterinburg, Kaluga und Obninsk errichtet. Ihr Ziel ist die Modernisierung der russischen Produktion mit Hilfe von Lasertechnik und Know-how aus Deutschland. Die Ausbildung von Fachkräften ist eine weitere zentrale Aufgabe. Angewandte Forschung auf dem Gebiet der Lasertechnologien wird in dem 2009 mit BMBF-Mitteln gegründeten "Deutsch-Russischen Institut für Oberflächentechnologien" betrieben. Träger sind das Laser Zentrum Hannover und das Research Computing Centre an der Lomonossow Universität in Moskau.

Umwelttechnologien/Umweltforschung
Mit der Hightech-Strategie 2020 setzt Deutschland einen klaren Schwerpunkt bei Zukunftsprojekten zu Klimaschutz und Energieeffizienz. Gleichzeitig entwickelt Russland seinerseits Strategien für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Den Rahmen für gemeinsame Initiativen auf diesem Gebiet bietet die seit 1994 bestehende Fachvereinbarung, die 2006 unter dem Titel ‚Innovationsstrategien und Technologien für den nachhaltigen Umweltschutz und die rationelle Nutzung der natürlichen Ressourcen‘ um Aspekte der Effizienz und Ressourcenschonung erweitert wurde. Zwei nennenswerte Initiativen sind die seit 2011 von BMBF für fünf Jahre geförderten Verbundprojekte zum nachhaltigen Landmanagement in den russischen Regionen: Das Projekt KULUNDA "Ökologische und ökonomische Strategien zur nachhaltigen Landnutzung in russischen Steppen" unter der Federführung der Universität Halle-Wittenberg in der westsibirischen Region Altai und das Projekt SASCHA "Nachhaltiges Landmanagement und Anpassungsstrategien an den Klimawandel für den Westsibirischen Getreidegürtel" unter der Federführung der Universität Münster im Oblast Tjumen. Beide Projekte werden zusätzlich aus regionalen Mitteln von russischer Seite gefördert. Sie greifen die Probleme der jeweiligen Regionen auf und erarbeiten gemeinsam mit den russischen Partnern Lösungen für ein nachhaltiges Landmanagement, die auch über die Grenzen der Regionen hinaus von Bedeutung sind. Im Herbst 2013 fand nach zwei Jahren Projektlaufzeit die Evaluierung der Verbundprojekte statt. Die Evaluierung beider Forschungsprojekte fiel positiv aus.

Berufsbildungskooperation
Die Russische Föderation hat in den vergangenen Jahren substanzielle Schritte unternommen, ein System der dualen Berufsausbildung zu entwickeln. Im Rahmen eines staatlichen Wettbewerbs unter den russischen Regionen wurden vor diesem Hintergrund im Dezember 2013 zehn Pilotregionen zur Einführung von dualer Berufsausbildung in Russland ausgewählt. Dort wurden seither in enger Kooperation mit Unternehmen neue gesetzliche Rahmenbedingungen für die duale Berufsausbildung geschaffen und Pilotprojekte v.a. in Hochtechnologieberufen implementiert. Koordiniert wird die Initiative von der russischen Agentur für Strategische Initiativen (ASI).

Für die Einführung der dualen Berufsausbildung in Russland gilt das deutsche „Duale System“ als beispielgebend. Die seit 2005 bestehende bilaterale  Arbeitsgruppe von MON und BMBF zur Berufsbildung hat vor diesem Hintergrund seit 2013 ihre Aktivitäten daher intensiviert. Grundlage der engeren Zusammenarbeit ist die ‚Absichtserklärung über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der beruflichen Aus- und Weiterbildung‘ beider Ministerien vom 16. November 2012.  Die langjährige BMBF-ko-finanzierte Beratung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zur Ausbildereignung (AEVO) ist mittlerweile in einen föderalen Standard für schulisches Berufsbildungspersonal eingeflossen, der russlandweite Bedeutung hat.
Seit Oktober 2013 fördert das BMBF das Projekt VETnet beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und an elf Auslandshandelskammern (AHKs), darunter in Russland (Moskau). Ziele sind die bedarfs- und betriebsnahe Entwicklung und Erprobung von Elementen dualer Berufsbildung und die Unterstützung der Berufsbildungszusammenarbeit des BMBF. Im Rahmen von VETnet wurden eine Reihe von Pilotprojekte für duale Berufsausbildung initiiert, die deutsche Unternehmen in Russland bei der Fachkräfteausbildung unterstützen und zugleich wichtige Impulse für das o. g. Innovationsprogramm in zehn ausgewählten Regionen gegeben. Die AHK arbeitet hierbei eng mit der ASI und dem Föderalen Institut für die Entwicklung der Bildung (FIRO) zusammen.

Zukünftige Aktivitäten der deutsch-russischen Berufsbildungszusammenarbeit konzentrieren sich darauf, unabhängige Strukturen für Qualitätssicherung, Prüfung und Zertifizierung sowie für die Ausbildung betrieblicher Ausbilder in der Russischen Föderation zu etablieren. So soll eine bedarfsnahe und kooperative Form der Qualitätssicherung erreicht werden, die auch in Deutschland als Grundstein der dualen Berufsausbildung gilt. Hierbei wird in dem Flächenland die Internetplattform „Profmayak.ru“ eine wichtige Rolle spielen, die das FIRO mit Unterstützung des BIBB und durch das BMBF ko-finanziert, am Vorbild der deutschen Ausbilderplattform „foraus.de“ entwickelt und etabliert hat. Hierfür ist eine enge Kooperation zwischen ASI, FIRO, AHK und BIBB vorgesehen.

Deutschland hat als Antwort auf den Fachkräftebedarf der deutschen Wirtschaft im In- und Ausland sowie auf die stark angestiegene Nachfrage nach Unterstützung bei Berufsbildungsreformen in Partnerstaaten eine Initiative zur Stärkung der internationalen Berufsbildungskooperation gestartet. Ein 2013 verabschiedetes Strategiepapier der Bundesregierung sieht für die Implementierung dualer Ausbildungselemente in der EU und in anderen Ländern ein konzertiertes Vorgehen der beteiligten Bundesressorts vor. Die hierfür geschaffene Zentralstelle für internationale Berufsbildungskooperation im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) moderiert den Prozess und dient als Plattform zum Informationsaustausch.

2.1.2. Maßnahmen der Internationalen Abteilung

Neben der fachbezogenen Kooperation bietet das BMBF deutschen Hochschulen, außeruniversitären Einrichtungen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen schwerpunktmäßig in Wissenschaft und Forschung Zuschüsse vor allem zu Sondierungsmaßnahmen und zur Vorbereitung von bilateralen Projekten

Vor dem Hintergrund der zwischen Deutschland und Russland bestehenden "Strategischen Partnerschaft" ist die Förderung deutsch-russischer Kooperationen im Bereich angewandter, industrienaher und innovativer Forschung und Entwicklung von besonderer Bedeutung. Zur gezielten Stärkung der deutsch-russischen Zusammenarbeit auf diesem Gebiet schlossen der russische Fonds für die Unterstützung kleiner innovativer Unternehmen (FASIE) und BMBF/PT-DLR Internationales Büro im Dezember 2007 eine Vereinbarung zur gemeinsamen Förderung von innovativen deutsch-russischen KMU-Vorhaben.

Auf der Grundlage dieser Vereinbarung werden seit 2008 in einem jährlichen Förderwettbewerb deutsch-russische anwendungsorientierte Forschungs- und Entwicklungsprojekte durch eine gemeinsame Expertenkommission ausgewählt und auf deutscher Seite durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), auf russischer Seite durch FASIE finanziert. Der Wettbewerb richtet sich in erster Linie an forschungsaktive KMU in Russland und Deutschland, es sollen sich allerdings auch Hochschulen und Forschungseinrichtungen in beiden Ländern beteiligen.

Seit 2009 unterstützt das BMBF außerdem die Etablierung nachhaltiger Strukturen zwischen deutschen und russischen Forschungseinrichtungen in Form von sogenannten Institutspartnerschaften. Ein Highlight unter den geförderten Projekten ist die an der Universität Ulm angesiedelte Instituts-partnerschaft "Institute of Advanced Energy Related Nanomaterials". Professor Alexei Khokhlov, Vize-Rektor der Lomonossow-Universität und Leiter des Ulmer "Institute of Advanced Energy Related Nanomaterials", ist 2013 für sein Wirken an der Universität Ulm und für seine Verdienste bzgl. der deutsch-russischen Forschungskooperation mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Unter seiner Leitung werden an der Universität Ulm in Zusammenarbeit mit der Lomonossow-Universität Nanomaterialien für Energieanwendungen, also Brennstoffzellen, Solarzellen oder etwa Lithium-Ionen-Batterien erforscht.

Ein weiteres Highlight ist das 2011 gegründete Ulrich-Schiewer-Laboratorium für experimentelle Aquatische Ökologie (USElab) in Rostock und Sankt Petersburg. Das deutsch-russische Forschungslabor führt Experimente unter kontrollierten Umweltbedingungen durch und untersucht die Auswirkungen menschlicher Eingriffe und klimatischer Veränderungen auf Flachwasserökosysteme wie die Ostsee. Hieraus lassen sich Risikoabschätzungen zum Klimawandel ableiten. Zukünftig wird sich das USElab auch der Entwicklung von Systemen zur Anzeige klimatischer Trends und menschlich bedingter Einflussnahmen in Flachwasserökosystemen widmen.

2.1.3. ERA-Netze mit BMBF/IB-Beteiligung

ERA.Net RUS Plus (www.eranet-rus.eu, Laufzeit November 2013 – Oktober 2018) ist die Nachfolgeinitiative des erfolgreichen ERA.NET RUS. Es unterstützt die Koordinierung von nationalen Forschungsförderinstitutionen bzw. -programmen. Über die Kernaufgabe der Umsetzung eines Single Joint Call hinaus umfasst das Projekt auch die Entwicklung konzeptioneller Ansätze zur Koordinierung von Aktivitäten Europas mit Russland.

Der Joint Call in den Förderlinien Innovation und S&T (Themenfeldern Nanotechnologie, Umwelt, Gesundheit sowie Sozial- und Geisteswissenschaften) wurde 2014 veröffentlicht.  Nach einem zweistufigen Auswahlverfahren wurden 63 europäisch-russische Forschungskonsortien ausgewählt, die ihre gemeinsame Forschung zwischen Herbst 2015 und Frühjahr 2016 aufnehmen. Insgesamt waren 30 Partner aus Europa und Russland an der Planung und Umsetzung des Calls beteiligt. Für die Forschungsprojekte sind 20 Mio. Euro an Fördergeldern zugesagt.

2.1.4. Weitere EU-Koordinierungsmaßnahmen mit BMBF/IB-Beteiligung

BILAT-RUS-Advanced

Das EU-Projekt "Enhancing the bilateral S&T Partnership with the Russian Federation" (BILAT-RUS-Advanced, Laufzeit November 2012-Oktober 2015) verbesserte als multilaterales Strukturprogramm den Rahmen und die Grundlagen für die bilaterale Kooperation. BILAT-RUS-Advanced hat zur nachhaltigen Verwirklichung des gemeinsamen Forschungs-, Bildungs- und Kulturraums zwischen Europa und Russland beigetragen und Russlands Beteiligung an den Programmen der Europäischen Gemeinschaft weiter gestärkt. Von November 2013 - November 2014 lief das gemeinsame EU-Russland Wissenschaftsjahr unter der operationellen Federführung des Projektes BILAT-RUS-Advanced. Im Laufe des Wissenschaftsjahres fanden etwa 165 Veranstaltungen statt.

SFIC Arbeitsgruppe Russland

Das „Strategic Forum for International S&T Cooperation“ trägt zu einer Internationalisierung des Europäischen Forschungsraums (EFR/ European Research Area /ERA) durch den Austausch über internationale STI-Aktivitäten der Mitgliedstaaten und der Gemeinschaft bei. Um die Wettbewerbsfähigkeit Europas insgesamt zu erhöhen und Europas Attraktivität für Investitionen in Forschung und Technologie zu stärken ist eine engere Koordination von Aktivitäten unter den Mitgliedsstaaten hilfreich.

Die Aufgaben des Forums sind unter anderem

  • strategische Prioritäten zu setzen, mit einer langfristigen internationalen Strategie und gleichzeitiger Entwicklung von Pilotinitiativen;
  • „Hot Spots“ und Stärken zu identifizieren um den globalen Herausforderungen zu begegnen;
  • Vermittler und Koordinierungsstelle zwischen Kommission und Mitgliedstaaten zu sein;
  • Gegenseitigen Austausch vorantreiben;
  • Horizontale Politikkoordination auf nationaler und europäischer Ebene fördern.

Verstärkte strategische Zusammenarbeit mit allen Weltregionen ist für SFIC wichtig. Dabei verfolgt SFIC Pilotinitiativen zu Indien, China, USA und Brasilien und seit 2014 mit Russland.

Mit inhaltlicher und organisatorischer Unterstützung durch das Projekt BILAT-RUS-Advanced hat sich eine Arbeitsgruppe für die Russland-Pilotinitiative gebildet, die aus Vertretern der Mitgliedstaaten besteht, die auch in nationalen Russlandaktivitäten bewandert sind. Dazu gehören die folgenden Länder (Stand Oktober 2015):

  • Deutschland: BMBF (Federführung)
  • Estland: Estonian Research Council
  • Finnland: Ministry of Education and Culture, Academy of Finland
  • Frankreich: Ministry of Higher Education and Research
  • Großbritannien: Department for Business, Innovation and Skills
  • Niederlande: Ministry of Economic Affairs
  • Norwegen: Research Council of Norway
  • Österreich: Federal Ministry for Transport, Innovation and Technology, Federal Ministry of Science, Research and Economy, Austrian Research and Promotion Agency
  • Polen:  Ministry of Science and Higher Education
  • Schweiz: Federal Department of Economic Affairs, Education and Research

sowie die Europäische Kommission.

Ziel der Arbeitsgruppe ist es, Vorschläge zu einer gemeinsamen, abgestimmten Herangehensweise zur Stärkung der STI Kooperation mit Russland vorzubereiten. Die SFIC-Länderinitiative mit Russland hat zum Ziel, die Forschungskooperation der EU Mitgliedstaaten mit Russland besser abzustimmen, strategisch auszurichten und auf eine neue gemeinsame Ebene zu heben.

2.2. Höhepunkte der bisherigen Zusammenarbeit

Deutsch-Russisches Jahr der Bildung, Wissenschaft und Innovation 2011/12

Das bilaterale Wissenschaftsjahr sollte der erfolgreichen bestehenden Kooperation eine höhere Sichtbarkeit verleihen und Impulse für zukünftige Forschungs- und Bildungskooperationen zwischen Deutschland und Russland geben. Im Wissenschaftsjahr wurde daher gezielt der Ausbau der institutionellen Zusammenarbeit in der Spitzenforschung gestärkt. Mit einer deutsch-russischen Ausbildungsinitiative wurde der Aufbau bilateraler Berufsbildungspartnerschaften gefördert. Schließlich setzten sich beide Seiten für eine stärkere Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein. Unter dem Motto 'Partnerschaft der Ideen' brachte das Wissenschaftsjahr mit weit über 200 Veranstaltungen in Deutschland und Russland die Vielfalt und Exzellenz deutsch-russischer Bildungs- und Forschungskooperationen in beiden Länder zum Ausdruck.

Länderkampagne in Russland 

Im März 2012 startete zusätzlich zum gemeinsamen Wissenschaftsjahr eine Kampagne zur Sichtbarkeit deutscher Forschungsexzellenz in Russland. Sie ist Teil der Schwerpunktkampagne im Rahmen der "Werbung für den Innovationsstandort Deutschland" unter der Marke "Research in Germany - Land of Ideas". Mit der Länderkampagne in Russland wurde die Sichtbarkeit deutscher Spitzenforschung und Spitzentechnologie weiter erhöht. Mit einer Vielfalt unterschiedlicher Maßnahmen wurden die Kooperationen zwischen deutschen und russischen Forschungseinrichtungen und innovationsstarken Unternehmen vorangetrieben, neue Kooperationen im Bereich der Fachkräfteausbildung auf den Weg gebracht und insgesamt eine Impulswirkung in Richtung eines noch wissensintensiveren Austauschs zwischen beiden Ländern ausgelöst. Die Länderkampagne wurde im März 2014 mit einer Konferenz in Moskau abgeschlossen.

3. Kooperationen deutscher Forschungs- und Mittlerorganisationen, Hochschulen und weiterer Bildungseinrichtungen

3.1. Stellenwert Deutschlands als Partner in Bildung, Forschung und Innovation

Deutschland ist führender und präferierter Kooperationspartner Russlands in den Bereichen Bildung und Wissenschaft. Die Kooperation ist dabei breit angelegt und reicht vom Austausch von Studenten und jungen Wissenschaftlern, über Hochschulpartnerschaften, gemeinsamen Forschungsinstituten und Forschergruppen, Engagement in den Großforschungsanlagen XFEL (Hamburg) und FAIR (Darmstadt) bis zur Kooperation im Rahmen des Berufsbildungsexports.

3.2. Bildungsorganisationen

3.2.1. Hochschulen

Die Zusammenarbeit zwischen deutschen und russischen Hochschulen hat eine lange Tradition. Derzeit (Stand: September 2015) existieren laut HRK Hochschulkompass 927 Kooperationen zwischen den beiden Ländern auf Hochschulebene. (Quelle: www.hochschulkompass.de/internationale-kooperationen/kooperationen-nach-staaten.html)

Ein Großteil der Kooperationen basiert auf gemeinsamen von BMBF, der DFG oder auch der EU geförderten Forschungsprojekten. Auf der institutionellen Ebene sind neben gemeinsamen Studiengängen (z.B. im Bereich der Meeres- und Polarforschung ‚Pomor‘) vor allem gemeinsame Zentren und Institute zu nennen. Hierzu zählen auch die Institutspartnerschaften „Deutsch-Russisches Forschungszentrum Multifunktionale nanostrukturierte Materialien und Formulierungen für Life Science“ und das „Institut für energierelevante Nanomaterialien“ (s. Abschnitt "BMBF: Initiativen und Förderung").

Mit gleich vier Ingenieur-Studiengängen nach deutschem Vorbild ist im September 2014 das German-Russian Institute of Advanced Technologies (GRIAT) in Kasan an den Start gegangen. Das GRIAT ist eine Zusammenarbeit zwischen der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, der Technischen Universität Ilmenau und der Kasaner Staatlichen Technischen Forschungsuniversität KNRTU-KAI und wird vom BMBF über den DAAD und vom Bildungs- und Wissenschaftsministerium der Republik Tatarstan gefördert.

Aus dem universitären Bereich sind außerdem besonders die FU Berlin sowie die Hochschulallianz Ruhr zu nennen, die an den jeweiligen Partnerhochschulen vor Ort mit eigenen Repräsentanten vertreten sind.

3.3. Forschungsorganisationen

3.3.1. Fraunhofer-Gesellschaft (FhG)

Auch viele Institute der Fraunhofer-Gesellschaft unterhalten intensive Kooperationen mit Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen in Russland. Vor allem im Bereich Mikroelektronik und Automotive, im Maschinenbau, im Energieanlagensektor sowie im Bereich Transportwesen und Logistik sehen zahlreiche Fraunhofer-Institute die Schwerpunkte ihrer Zusammenarbeit mit russischen Partnern. Die große Innovationsinitiative Skolkowo liegt derzeit im besonderen Fokus von Fraunhofer.

3.3.2. Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF)

18 Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V. (HGF) unterhalten seit vielen Jahren, teils Jahrzehnten, Kooperationen mit russischen Partnerinstituten. Darüber hinaus ist die Helmholtz-Gemeinschaft über zahlreiche Großprojekte sowie den Aufbau und Betrieb gemeinsamer Forschungsinfrastrukturen eng mit russischen Forschungseinrichtungen verbunden. So laufen die beiden Großprojekte XFEL und FAIR (siehe Kapitel Historie) jeweils an einem Helmholtz-Zentrum. Die Helmholtz-Gemeinschaft unterhält aufgrund der engen wissenschaftlichen Bindungen zu Russland seit 2005 eine Repräsentanz in Moskau. Strategische Partner der Helmholtz-Gemeinschaft in Russland sind die Akademie der Wissenschaften, das Nationale Forschungszentrum „Kurtschatow-Institut“, die Staatliche Korporation für Atomenergie (ROSATOM), das Vereinigte Institut für Kernforschung in Dubna und der Russische Fonds für Grundlagenforschung (RFFI) u.a. Gemeinsam mit RFFI hat die Helmholtz-Gemeinschaft die Helmholtz-Russia Joint Research Groups aufgelegt, ein Förderprogramm, über das in jährlichen Wettbewerben jeweils mehrere gemeinsame Forschergruppen ausgewählt wurden. Mehr als 200 Kooperationen mit den russischen Partnern sind die Ergebnisse der Tätigkeit der Helmholtz-Gemeinschaft in Russland. Im Februar 2015 wurde eine Kooperationsvereinbarung mit dem Russischen Wissenschaftsfonds unterschrieben.

3.3.3. Max-Planck-Gesellschaft (MPG)

Die Forschungszusammenarbeit der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) mit Russland hat sich in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt. Mit der Russischen Stiftung für Grundlagenforschung (Russian Foundation for Basic Research) besteht seit 2013 ein Memorandum of Understanding, welches auf den Austausch von Wissenschaftlern und die gemeinsame Nachwuchsförderung zielt. Darüber hinaus betreibt die MPG seit 2003 mit dem Sibirischen Zweig der Russischen Akademie der Wissenschaften einen gemeinsamen Messturm zur Klimaforschung. Zudem besteht eine „Partnergruppe“ mit der Moscow State University. Das Partnergruppen-Programm unterstützt gezielt die „brain circulation“ an den Max-Planck-Instituten (MPI): So können herausragende Postdoktoranden nach einem Aufenthalt an einem MPI als Leiter einer Partnergruppe in ihr Heimatland zurückkehren und tragen dort neben der Fortführung des wissenschaftlichen Austauschs zur Etablierung wettbewerbsfähiger Forschungsstrukturen bei.

3.3.4. Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL)

36, und damit mehr als ein Drittel aller Institute der Leibniz-Gemeinschaft, unterhalten Kooperationen mit Partnern in der Russischen Föderation. Die Kooperationen erstrecken sich auf Seiten der Leibniz-Gemeinschaft über alle Sektionen und umfassen damit Geistes- und Bildungsforschung, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumforschung, die Lebenswissenschaften, Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie Umweltwissenschaften. Auf russischer Seite sind in den Kooperationen Partner aus der universitären und außeruniversitären Forschung involviert sowie Unternehmen und weitere Partner. Innerhalb der Leibniz-Gemeinschaft besteht ein starker Schwerpunkt in der Forschung und Zusammenarbeit zu, mit und im östlichen Europa, aus der sich Verknüpfungen zwischen russischen und anderen Partnern aus der Region ergeben. Dies äußert sich unter anderem auch in einem regen Austausch von Forschern, der insbesondere auch russische Forscher an Institute der Leibniz-Gemeinschaft führt und teils auf langjährigen Kooperationsbeziehungen beruht.

3.4. Förder- und Mittlerorganisationen

3.4.1. Alexander von Humboldt Stiftung (AvH)

Die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) in Russland hat folgende Tätigkeitsschwerpunkte:

  • die Verleihung von Forschungsstipendien und Forschungspreisen an hochqualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Russischen Föderation;
  • die Förderung deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich zu einem bis zu zweijährigen Forschungsaufenthalt in der Russischen Föderation aufhalten (Feodor Lynen-Forschungsstipendien);
  • die Aus- und Weiterbildung von Führungs- und Nachwuchskräften für Verwaltung und Wirtschaft  (Bundeskanzler-Stipendien);
  • der Ausbau und die Pflege eines Netzwerkes der Alumni der Alexander von Humboldt-Stiftung in der Russischen Föderation sowie die langfristige Förderung von wissenschaftlichen Kontakten der Alumni mit Fachkolleginnen und Fachkollegen in Deutschland;
  • die Pflege eines Netzwerkes von Wissenschaftlern in Führungspositionen zentraler und fachgebundener Wissenschaftsorganisationen, -verbände und Akademien, die langfristige Kooperationen zwischen Hochschulen, wissenschaftlichen Institutionen, Forschern und Wissenschaftlern ermöglichen.

Wissenschaftler/innen aus der Russischen Föderation erhalten mit den Forschungsstipendien und Forschungspreisen der Stiftung die Möglichkeit nach Deutschland zu kommen, um hier selbst gewählte Forschungsvorhaben mit einer Gastgeberin bzw. einem Gastgeber und Kooperations­partner durchzuführen. Für Russland besonders relevant ist das Bundeskanzlerstipendium für zukünftige Führungskräfte, das an russische, chinesische, indische, brasilianische und US-amerikanische Kandidaten vergeben wird.

In Russland gibt es drei Vertrauenswissenschaftlerinnen und Vertrauenswissenschaftler der Alexander von Humboldt-Stiftung, die an Hochschulen und Forschungseinrichtungen über die Förderprogramme und das internationale Netzwerk der Stiftung informieren und Ansprechpartner für russische Humboldt-Alumni und Humboldt-Alumni-Vereinigungen sind. Das Humboldt-Netzwerk in Russland besteht aus ca. 700 Alumni, die sich in fünf regionalen Humboldt-Alumni-Vereinigungen und einer Alumni-Vereinigung der Bundeskanzlerstipendiaten zusammengeschlossen haben.

3.4.2. Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Die besondere Bedeutung, welche die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) der Wissenschaft in Russland beimisst, findet ihren Ausdruck in dem 2003 eröffneten Verbindungsbüro in Moskau (www.dfg.de/russland). Es dient als Anlaufstelle für deutsche und russische Wissenschaftler vor Ort, steht beim Aufbau neuer Partnerschaften beratend zur Seite und begleitet bestehende Kooperationen. Der systematische Auf- und Ausbau der institutionellen Zusammenarbeit mit russischen Förderorganisationen, u.a. auch mit dem 2014 neu gegründeten Russischen Wissenschaftsfonds (RNF), soll die gemeinsame Förderung von Kooperationen in allen Bereichen der Grundlagenforschung ermöglichen.

Rahmenvereinbarungen zur Kofinanzierung von Forschungsvorhaben und Forschermobilität existieren bisher mit folgenden Partnern:

  • Russische Stiftung für Grundlagenforschung (RFFI)
  • Russische Stiftung für die Geistes- und Sozialwissenschaften (RFH)
  • Russische Akademie der Wissenschaften (RAN) (z.Z. eingestellt)
  • Russischer Wissenschaftsfonds (RSF)

Die DFG unterstützt die Zusammenarbeit mit russischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern durch eine Vielzahl von Instrumenten. Generell gilt: In allen Arten der Projektförderung können die für die internationale Kooperation erforderlichen Mittel mit beantragt werden. Spezielle Förderverfahren wie zum Aufbau internationaler Kooperationen sind auf den Internetseiten der DFG aufgelistet. So fördert die DFG inklusive der Anbahnung deutsch-russischer Kooperationsvorhaben ca. 300 Projekte mit russischer Beteiligung, zunehmend auch im Rahmen von größeren koordinierten Verfahren wie Internationalen Graduiertenkollegs, Schwerpunktprogrammen und Sonderforschungsbereichen. Über aktuell geförderte Forschungsvorhaben der DFG informiert die Internetdatenbank GEPRIS, die Auskunft zu Themen sowie beteiligten Personen und Institutionen gibt.

3.4.3. Deutscher Akademischer Austausch Dienst (DAAD)

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) unterstützt hauptsächlich die Mobilität von Studierenden und ist mit einer Außenstelle in Moskau, Informationszentren in Sankt Petersburg, Nowosibirsk und Kasan sowie 37 Lektorinnen und Lektoren in ganz RUS vertreten. Er fördert jährlich rund 6.000 russische Studierende in Deutschland und 1.600 deutsche Studierende in Russland und unterstützt rund 200 Kooperationen zwischen deutschen und russischen Hochschulen. Im Rahmen des Programms „Michail Lomonosov“ vergibt der DAAD in Kooperation mit dem MON seit 2003 Forschungsstipendien an junge russische Wissenschaftler aus den Natur- und Technikwissenschaften. Sie erhalten die Möglichkeit, in Deutschland für drei bis sechs Monate ein Forschungsvorhaben durchzuführen. Für die Geistes-, Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften wurde 2004 analog das Programm „Immanuel Kant“ ins Leben gerufen. In den jährlichen Ausschreibungen werden im Lomonosov-Programm jedes Jahr ca. 120 und im Kant-Programm ca. 50 russische Nachwuchswissenschaftler gefördert. Seit 2013 haben deutsche Studierende und Graduierte darüber hinaus die Möglichkeit, im Rahmen des neuen Programms ‚Russland in der Praxis‘ einen Praktikumsaufenthalt in Russland zu absolvieren. Das mit Unterstützung der Botschaft Moskau initiierte Programm ist Teil der DAAD-Initiative ‚Go East‘ und konnte bereits im ersten Jahr 32 Praktikanten einen Aufenthalt bei neun Unternehmen in Russland ermöglichen.

In der Kooperation mit Hochschulen und Wissenschaft hat sich das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus Moskau (DWIH-MOS) einen Namen gemacht. Dort vertreten sind der DAAD (Konsortialführer), DFG, HGF, DHI, FU Berlin, AvH und AHK. Das DWIH-MOS legt aktuell einen Schwerpunkt auf die innovationsstarken und für die bilaterale Forschungskooperation besonders attraktiven russischen Regionen und ist dort zu einem bekannten und anerkannten Partner gewachsen. Das DWIH-MOS ist auch Abstimmungsplattform für die beteiligten Wissenschaftsorganisationen und Universitäten und trägt so zum einheitlichen Auftritt der deutschen Wissenschaft in Russland bei.

4. Ansprechpartner

4.1. Weitere Informationen

Nähere Informationen zur bilateralen Kooperation zwischen Deutschland und Russland sowie Beteiligungsmöglichkeiten an Programmen und Fördermaßnahmen erteilt im Auftrag des BMBF der Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt "Europäische und Internationale Zusammenarbeit".

Die fachlichen und administrativen Ansprechpartnerinnen und -partner finden Sie unter www.internationales-buero.de/de/2205.php

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Redaktion: 22.10.15, von: Dr. Karin Kiewisch, DLR Projektträger
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