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Aktivitäten in Bildung und Forschung: Schweden
1. Überblick
Sowohl bei den Investitionen in Forschung und Entwicklung (FuE) - bezogen auf das Bruttoinlandprodukt (BIP) - als auch bei weiteren Indikatoren liegt Schweden in Europa mit an führender Position.
So liegt Schweden bei der Anzahl publizierter Forschungsarbeiten pro Kopf in der Statistik an zweiter Stelle hinter der Schweiz. Ebenso die Nummer zwei ist das Land beim Anteil der Forscher an der erwerbstätigen Bevölkerung, hier hinter dem nordischen Nachbarn Finnland.
In der Broschüre „Passion für Research and Innovation“ (2009) haben die vier wichtigsten schwedischen Förderorganisationen aktuelle Schwerpunkte schwedischer Forschung und Innovation in attraktiver Form zusammengestellt.
2. Arbeitsgestaltung und Dienstleistungen
Schwedische Agentur für Innovationssysteme (Swedish Agency for Innovation Systems- VINNOVA)
VINNOVA ist die Schwedische Agentur für Innovationssysteme, die den Auftrag der Forschungsförderung für die Bereiche integrierte technologische Forschung und Entwicklung, Transport und Arbeitsorganisation erhalten hat. Langfristiges Ziel der Förderung ist es, nachhaltiges Wachstum zu schaffen und effektive Innovationssysteme zu etablieren.
Schwedischer Rat für Arbeitsleben und Sozialforschung (Swedish Council for Working Life and Social Research - Forskningsradet för Arbetsliv och Social-Vetenskap - FAS)
Als wichtige schwedische Forschungsfördereinrichtung unterstützt FAS in den Bereichen Arbeitsorganisation und -welt, Arbeitsmarktforschung, -stress, etc. sowohl Projekte der Grundlagenforschung als auch anwendungsorientierte Forschung. FAS fördert den Dialog und die Verbreitung von Ergebnissen sowie die Identifikation zukünftiger Forschungsfelder. Projekte erhalten von FAS Unterstützung in Form von Einzelstipendien oder durch die Einrichtung von Forschungsplätzen an schwedischen Universitäten. Zusätzlich vergibt FAS Stipendien für Auslandsstudien außerhalb Schwedens und ausländische Wissenschaftler, die in Schweden einen Post-doc-Aufenthalt planen.
Nationales Institut für Arbeitsforschung (The National Institute for Working Life - NIWL)
Das NIWL ist ein nationales Wissenszentrum für angewandte Arbeitsforschung zur nachhaltigen Verbesserung des Arbeitslebens. Das NIWL führt im Auftrag des schwedischen Ministeriums für Beschäftigung Forschung und Entwicklung in den drei Schwerpunkten Arbeitsmarkt, Arbeitsorganisation und Arbeitsbedingungen aus.
Die Forschung zu Arbeitsgestaltung und Dienstleistung ist multidisziplinär und praxisorientiert angelegt. Das Institut arbeitet mit den Hauptakteuren wie den Sozialpartnern, Unternehmen, Universitäten, Instituten und internationalen Organisationen zusammen. Standorte befinden sich in Stockholm, Göteborg, Malmö und anderen schwedischen Regionen.
Die einzelnen Forschungsprogramme beziehen sich z.B. auf Fragen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes, der Unternehmens- und Arbeitsorganisation, der Flexibilität und Beteiligung im Arbeitsleben, lebenslanges Lernen für benachteiligte Gruppen, informationstechnische Geschäftsaktivitäten und regionale Entwicklungsprozesse.
Das Institut hat angesichts des hohen Stellenwerts der Arbeitsforschung in Schweden in vielen Bereichen eine international führende Position. Dabei hat die Kooperation mit den nordischen und anderen Ländern, innerhalb der EU und mit den Vereinten Nationen einen hohen Stellenwert gewonnen.
European Industrial Relations Observatory (EIRO)
Das EIRO ist eine Einrichtung, die Nachrichten und Analysen zu europäischen Industriebeziehungen zur Verfügung stellt. Die 1997 gegründete Einrichtung sammelt hochqualitative Daten zu allen Bereichen der europäischen Schlüsselentwicklungen im Industriebereich. Hauptaufgabe ist die Serviceleistung für die nationalen und europäischen Organisationen der Sozialpartner, Regierungsorganisationen sowie EU-Institutionen. Die Arbeit von EIRO basiert auf einem Netzwerk führender Forschungsinstitute in der EU sowie Beitrittskandidatenstaaten und Norwegen. Weitere Informationen, auch zum Thema Arbeitsgestaltung, können (in Englisch) auf der Webseite der Organisation eingesehen werden.
3. Biowissenschaften
Im Jahr 2005 verabschiedete die schwedische Regierung ein nationales Biotech Strategy Program, mit dem über einen Zeitraum von vier Jahren mit insgesamt SEK 2,34 Mrd. (ca. 252 Mio. Euro) speziell die wissenschaftliche biomedizinische Forschung gestärkt und der Biotechnologie-Transfer sichergestellt werden sollte. Um Schweden auf Weltniveau im Bereich der Lebenswissenschaften zu halten, wurde zudem beschlossen, ab 2008 1% des BIP in die Grundlagenforschung zu investieren.
Die Forschung konzentriert sich vor allem auf die pharmazeutische Entwicklung. Vorreiter sind die Regionen Stockholm-Uppsala und Malmö-Lund, daneben wachsen aber auch die Regionen rund um Göteborg, Linköping und Umeå. Die Clusterregion um Stockholm-Uppsala gilt als größtes Life Science Cluster in Europa und beheimatet neben der Stockholmer und der Uppsala Universität elf Universitätskliniken sowie das angesehene Karolinska Institut mit über 2.000 Wissenschaftlern, die innerhalb der Lebenswissenschaften in den Bereichen angewandte Mikrobiologie, Immunologie, Endokrinologie, Diabetes, Infektions- und Autoimmunkrankheiten, Neurowissenschaften und Krebs forschen.
Eine gute internationale Vernetzung gehört bei schwedischen Forschern zum Standard. Nordeuropäische Kontakte - beispielsweise im Ostsee-Netzwerk Scanbalt - spielen immer stärker eine Rolle.
(Quelle: Biotechnologie in Schweden, Forschungslandschaft und Forschungspolitik, www.biotechnologie.de)
Das Cluster Kopenhagen / Öresund Region hat einen seiner thematischen Schwerpunkte in den Lebenswissenschaften (Medicon valley).
Auf der vom BMBF initiierten Internetplattform „biotechnologie.de“ findet sich eine ausführliche Darstellung zum Stand der biotechnologischen Forschung in Schweden.
4. Energie
Das übergeordnete Ziel der schwedischen Energiepolitik besteht darin, den Einfluss der Energienutzung auf das globale Klima zu reduzieren, dabei gleichzeitig günstige Rahmenbedingungen für das Wirtschaftswachstum zu ermöglichen und darüber hinaus die Energiesicherheit zu gewährleisten.
Im März 2009 stellte die schwedische Regierung ihre neue Klima- und Energiepolitik vor: Demnach sollen bis 2020 unter anderem eine 40%-ige Reduktion des Ausstoßes klimaschädlicher Gase, ein Anteil von 50% erneuerbarer Energien an der Gesamtenergieversorgung und eine um 20% effizientere Energienutzung erreicht werden. Das Nullemissionsziel in Bezug auf die „Klimagase“ wird für 2050 angestrebt. Die Dokumentation der erreichten Ziele erfolgt über die jährlich von der Swedish Energy Agency zusammen gestellten Energieindikatoren.
Das schwedische Energieforschungsprogramm orientiert sich an diesen politischen Leitlinien. Es zielt auf den Ausbau des Verständnisses für das Energiesystem durch die Unterstützung von Forschungsaktivitäten an Universitäten, Forschungsinstituten und im privaten Sektor. Darüber hinaus fördert es die Entwicklung neuer Technologien und deren Markteinführung.
Das Energieforschungsprogramm konzentriert sich auf sechs thematische Schwerpunkte:
- Erforschung des Energiesystems
- Gebäude als Energiesystem
- Mobilität, Tarnsport und Verkehr
- Energieintensive Industrien
- Biomasse
- Energiegewinnung für Elektrizität
Einen ausführlichen Überblick über den aktuellen Stand der schwedischen Energieforschung liefert die Broschüre "Swedish Energy Research 2009", herausgegeben von der Swedish Energy Agency (SEA). Die aktuellen Indikatoren zu den Zielen der schwedischen Energiepolitik stellt die Broschüre "Energy indicators 2009" zusammen. Dabei ist der Fokus auf die nationale Umsetzung der EU-Richtlinien gerichtet.
Die Swedish Energy Agency (Energimyndigheten) ist für die Entwicklung von Rahmenbedingungen für ein ökologisches und ökonomisches nachhaltiges Energiesystem in Schweden verantwortlich. Der größte Teil der Technologieförderung im Energiebereich wird durch die Agentur finanziert und koordiniert.
Die Agentur ist beim Ministerium für Unternehmertum, Energie und Kommunikation angesiedelt. Sie finanziert fünf Centers of Excellence und ca. 40 FuE Programme. Daneben werden Fördergelder Industrieorganisationen zur Verfügung gestellt und gehen dort in unternehmensnahe Forschungsprogramme.
Im Jahr 2008 verteilte sich die Förderung (ca. SEK 800 Mio.) zu 48% auf Universitäten, 24% für Forschungsinstitute und ebenfalls 24% für Unternehmen. Ca. 4% gingen in die internationale Zusammenarbeit.
Die Aktivitäten der SEA erfolgen zunehmend in einem internationalen Kontext. Dies geschieht zum einen in Kooperation mit den nordischen Nachbarn (Nordic Energy co-operation), zum anderen auf europäischer Ebene und darüber hinaus in der bilateralen Zusammenarbeit mit (hier vor allem) Brasilien, China, Indien, Polen, der Ukraine und den USA sowie dem us-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien. Für das Jahr 2010 hat die SEA die Führung des European Energy Networks übernommen. Die SEA ist unter anderem auch für die Entwicklung und Durchführung EU-weiter FuE-Programme im Energiebereich zuständig.
5. Geistes- und Sozialwissenschaften
Der Anteil für die Geistes- und Sozialwissenschaften (SSH) an den FuE-Ausgaben der Universitäten betrug 2007 etwa 20% (Qu.: Passion for Research and Education).
Aus politischer Perspektive liegen die gegenwärtigen Schwerpunkte in den Bereichen Kultur und kulturelles Erbe, Zivilgesellschaft, Wachstum und Nachhaltige Entwicklung.
FuE im Bereich der SSH erfolgt in erster Linie an den Universitäten. Mit der Förderung befasst sind der Wissenschaftsrat (Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften), der Rat für Arbeitsleben und Sozialforschung (FAS) sowie der Rat für Umwelt, Agrarwissenschaften und Raumplanung (Formas). Formas ist insbesondere auf dem Gebiet der Nachhaltigen Entwicklung tätig.
Etwa 4% der Fördermittel für Forschung und Entwicklung in den SSH stammen aus Stiftungsmitteln, z.B. der Reichsbank Jubiläumsfond und STINT (Swedish Foundation for International Cooperation in Research and Higher Education).
Aktuelle Informationen zu diesem Thema liefert der „Country Report Social Sciences an Humanities Sweden 2010“ der Europäischen Kommission. Er deckt den Zeitraum Mai 2009 bis März 2010 ab.
Wissenschaftsrat für Geistes- und Sozialwissenschaften
Der Rat unterstützt herausragende Forschung in den genannten Gebieten in Übereinstimmung mit den nationalen Leitlinien. Er setzt im Auftrag der Regierung Forschungsprogramme und verteilt entsprechende Fördermittel.
Nationaler Rat für Kulturelle Angelegenheiten
Die übergreifende Aufgabe des Nationalen Rates für Kulturelle Angelegenheiten ist die Umsetzung der nationalen Kulturpolitik, die die Regierung und der schwedische Reichstag beschließen.
Schwedisches Institut
Das Schwedische Institut ist eine staatliche Einrichtung mit dem Auftrag, im Ausland über Schweden zu informieren sowie den Austausch mit anderen Ländern auf kulturellem Gebiet sowie im Hinblick auf Ausbildung, Forschung und in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens zu organisieren. Das Institut hält ein breites Sortiment an Material (teilweise auch in deutscher Sprache) über Schweden bereit.
6. Gesundheitsforschung
Das Ministerium für Gesundheit und Soziales befasst sich mit allen Belangen im Gesundheits- und Sozialbereich, die die Bevölkerung betreffen. Ihr angegliedert sind verschiedene Agenturen, die sich mit Einzelthemen aus dem Gesamtbereich beschäftigen.
Hauptinvestor in der Gesundheitsforschung ist die pharmazeutische und biomedizinische Industrie (ca. SEK 12 Mrd.). Die Förderung über öffentliche Einrichtungen, vorwiegend grundlagenorientiert, liegt im Vergleich dazu bei ca. SEK 0,5 Mrd. Bei den FuE-Ausgaben der Universitäten nimmt die Gesundheitsforschung mit einem Anteil von über 30% den ersten Platz ein.
Die 1951 gegründete Swedish Cancer Society ist eine unabhängige gemeinnützige Organisation. Sie unterstützt die Krebsforschung in Schweden. Im Jahr 2007 vergab sie dafür ca. SEK 300 Mio. Zu den weiteren wichtigen Non-Profit-Organisationen in der Gesundheitsforschungsforschung zählen:
- Swedish Children’s Cancer Foundation (ca. SEK 111 Mio., 2008)
- Swedish Heart-Lung Foundation (ca. SEK 150 Mio., 2009)
- Swedish Diabetes Association’s Research Foundation
- Swedish Brain Foundation
- Swedish Society of Medicine
- Swedish Society for Medical Research
- Knut and Alice Wallenberg Foundation
- Wenner Gren Foundations
Der Stand zur Gesundheitsforschung ist in der Broschüre "Health and Medical Research in Sweden 2008" ausführlich dargestellt. Die finnische Akademie der Wissenschaften hat darüber hinaus im Mai 2009 eine Studie zur klinischen Forschung in Schweden und Finnland herausgegeben.
7. Grundlagenforschung
Die Grundlagenforschung bildet das Rückgrat der schwedischen Forschung. Der Schwedische Wissenschaftsrat agiert unter dem Ministerium für Bildung und Forschung und ist für die Entwicklung der Grundlagenforschung und Informationen über Forschung in Schweden verantwortlich. Er ist die wichtigste Forschungsförderungseinrichtung für grundlagenorientierte Forschung. Der Wissenschaftsrat hat Anfang 2009 die Grundzüge seiner Politik in seiner Strategie 2009-2013 präsentiert.
Schweden nimmt vor allem in der Kommunikationstechnologie und Biotechnologie eine führende Stellung ein. Prioritäre Fachbereiche sind
- Biotechnologie (besonders Molekularbiologie),
- Gesundheitsforschung/Medizintechnik (besonders Immunologie und klinische Medizin),
- Umweltbereich (Nachhaltigkeit),
- Nanotechnologie,
- Nachhaltigkeit im IT-Bereich,
- Forstwirtschaft,
- Verkehrsforschung und Transport,
- Energieforschung,
- Materialforschung sowie
- Weltraumforschung.
8. Information und Kommunikation
Schweden ist eine der weltweit führenden Nationen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien. Das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Genf kam im Frühjahr 2010 (Global Information Technology Report 2008-2009) zu dem Schluss, dass Schweden (abgelöst wurde Dänemark) weltweit die Nummer eins bei der Nutzung der Informationstechnologie sei. Grund dafür ist, nach Aussage des Reports, dass sowohl der Regierungs- als auch der Privatsektor in Schweden der Ausbildung, Innovation, dem Zugang zu IKT sowie der Verbreitung entsprechender Inhalte seit geraumer Zeit große Bedeutung beimessen.
Ebenfalls an erster Stelle lag Schweden im Digital Economy Ranking 2010. So nutzten beispielsweise bereits 2008 ca. 88% aller Schweden (zwischen 16 und 74 Jahren) das Internet (Platz eins im EU-Vergleich).
Die Gründe dafür, dass gerade Schweden, trotz seiner geografischen Lage und seiner geringen Bevölkerungszahl als Hersteller und Exporteur fortgeschrittener Kommunikationssyteme und als Land mit der intensivsten IT-Nutzung der Welt so erfolgreich ist, sind vielfältig und komplex.
Zu den historischen Ursachen gehört die Tatsache, dass Telekommunikation bereits früh genutzt wurde. Die schwedischen Unternehmen erwiesen sich auf Grund ihres Know-hows als sehr fähig bei der Entwicklung von Produkten für den globalen Markt. Ericsson war dabei führend. Zu den historischen sozialen Faktoren, die zu der positiven Entwicklung beigetragen haben, gehören einerseits das heutige relativ hohe Bildungsniveau und andererseits die Offenheit für innovative Technik. Regionale Aktivitäten für die Informationstechnik sind eine weitere wirtschaftliche und soziale Triebfeder für Schwedens Erfolge in der IT-Branche. Behörden, Unternehmen und Bildungsinstitutionen haben sich vielerorts zusammengeschlossen, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Dank Ericsson entwickelte sich Kista Science City im Norden Stockholms zu einem führenden Zentrum für Forschung und Ausbildung in siliziumbasierter Technik. Kista Science City wird als das größte IKT-Cluster in Europa betrachtet und als die Nummer fünf weltweit. Auch um Göteborg und am Öresund haben sich starke IKT-Standorte etabliert.
9. Luft- und Raumfahrt
Die schwedische Regierung betrachtet Luft- und Raumfahrt als integralen Teil eines innovativen Schweden. In der Luft- und Raumfahrt sind direkt ca. 12.000 Personen beschäftigt, der jährliche Umsatz beträgt über 2 Mrd. Euro. Führende schwedische Unternehmen in diesem Bereich sind Saab, Volvo Aero Corporation, Ericsson microwave Systems, Saab Ericsson Space und die Swedish Space Corporation. Die Unternehmen arbeiten eng mit öffentlichen Einrichtungen, Universitäten und Forschungsinstitutionen zusammen.
Swedisches Nationales Space Board (SNSB)
Die Verantwortung von SNSB liegt in der Koordinierung von nationalen und internationalen Aktivitäten in Raumfahrt und Fernerkundung.
Schwedisches Institut für Weltraumphysik (IRF)
Das IRF ist ein unabhängiges staatliches Forschungsinstitut, das sich mit der Erforschung der Ionosphäre und Magnetosphäre beschäftigt.
Schweden ist unter anderem Mitglied der European Space Agency (ESA).
10. Meeres- und Polarforschung
Eine Evaluierung der marinen Umweltforschung in Schweden für den Zeitraum 2003 bis 2008 hat Formas vorgelegt. Die Evaluierung beinhaltet Forschungsprojekte und –programme, die von Formas und der Schwedischen Umweltschutzagentur EPA gefördert wurden, darüber hinaus auch forschungsrelevante Aktivitäten des Swedish Board of Fisheries. Die internationale Evaluierungskommission stellte eine hohe Qualität der ausgeführten Forschungsarbeiten heraus. Besonders ausgezeichnet waren Projekte in den Bereichen Biodiversität, Eutrophierung und Toxikologie auf. Die Kommission wies darüber hinaus darauf hin, dass die Qualität der Projekte mit dem Grad der nationalen und internationalen Vernetzung einerseits und interdisziplinären Ansätzen andererseits zunehme. Forschung in diesem Bereich habe insgesamt eine hohe gesellschaftliche Relevanz.
Im jährlichen Mittel erhielt die Meeresforschung zwischen 2002 und 2006 SEK 135 Mio. an staatlicher Förderung. Die beiden wichtigsten Förderer mit jeweils SEK 34 Mio. waren FORMAS und der Wissenschaftsrat.
Das Swedish Polar Research Secretariat ist unter dem Ministerium für Bildung und Forschung angesiedelt, dessen Mandat es ist, schwedische Polarforschung zu koordinieren. Die Agentur plant und führt Expeditionen in die Antarktis und Arktis durch.
11. Nanotechnologie
VINNOVA hat 2008 eine Studie zur Nanotechnologie mit dem Titel „Nanotechnology in Sweden – an Innovation System Apporach to an Emerging Area“ vorgelegt. Die Autoren betonen darin, dass die schwedische Nanotechnologie als international wettbewerbsfähig und renommiert wahrgenommen werde. Nanotechnologie werde als eines der wichtigsten Forschungs- und Innovationsgebiete betrachtet.
Im Jahr 2009 geben 20 Universitäten und Forschungseinrichtungen an, sich mit nanotechnologischen Fragestellung zu befassen. Ca. 700 Forscher waren daran beteiligt. Zentren der Nanotechnologieforschung in Schweden sind die Universität Lund, die Technische Universität Chalmers sowie die Universitäten Uppsala und Linköping. An diesen Standorten arbeiten ca. 75% der entsprechend ausgerichteten Forscher. Insgesamt liefen in 2009 etwa 260 Forschungsprojekte, davon am meisten (ca. 25%) an der Technischen Universität Chalmers. Die schwedischen Fördereinrichtungen gaben in der wettbewerblichen Förderung 2008 etwa SEK 280 Mio. für die Nanotechnologie aus. Allein SEK 122 Mio. steuerte der Wissenschaftsrat bei. Insgesamt lag die öffentliche Förderung der Nanotechnologie 2008 bei SEK 600 Mio.
Auf den Feldern der Nanotechnolgie waren 2009 etwa 120 schwedische Firmen aktiv. Sie konzentrieren sich auf die Großräume Stockholm, Göteborg und Malmö (Øresund-Region). Einen Überblick über schwedische „Nanotechnologie-Unternehmen“ bietet die Internetseite „nanowerk“. Thematische Schwerpunkte der kommerziellen Aktivitäten liegen eindeutig in den Lebenswissenschaften und der Elektronik mit insgesamt annährend 80 Firmen. Aus diesen Aktivitäten entstanden 274 Patente.
VINNOVA schlägt eine nationale Nanostrategie vor. Damit sollen die bestehenden Probleme, z.B. die noch mangelnde Koordination von Aktivitäten in diesem Feld angegangen werden. VINNOVA ist unter anderem Mitglied des MNT-ERA.NET Konsortiums. MNT-ERA.NET ist ein Netzwerk von Mikro- und Nanotechnologieförderprogrammen im FP 7. Koordiniert wird das ERA-NET von der österreichischen FFG. Aus Deutschland sind daran beteiligt der Projektträger Karlsruhe (PTKA) und VDI/VDE-IT.
Eine ausführliche Darstellung der schwedischen Nanotechnologie mit Schwerpunkten auf Patenten und den Beziehungen zwischen Unternehmen und Forschung bietet die Studie „Nanotechnology in Sweden - Tracking Patenting Activity & Links Between Nanotech Firms and Swedish Science“. Dabei handelt es sich um einen Bericht an die Royal Swedish Academy of Engineering Sciences.
12. Nukleartechnologie
Im Juni 2010 votierte das schwedische Parlament mit knapper Mehrheit dafür, die Möglichkeit zu bieten, alte Kernreaktoren künftig nach ihrer Stilllegung durch Neubauten zu ersetzen. Für den Vorschlag der Regierung stimmten 174 Abgeordnete, 172 votierten dagegen, drei Abgeordnete fehlten bei der Abstimmung. Zurzeit decken Schwedens drei Atomkraftwerke Forsmark, Ringhals und Oskarshamn mit ihren zehn Reaktoren knapp die Hälfte des schwedischen Strombedarfs.
In der Kernforschung tätig sind vor allem das Royal Institute of Technology und die Technische Universität Chalmers. Beide Einrichtungen bieten auch entsprechende Ausbildungsprogramme an.
13. Produktionstechnologie
Im Bereich der Produktionstechnologien wird u.a. an der Technischen Universität Chalmers geforscht.
14. Umwelt und Klima
Umweltschutz hat in Schweden einen hohen Stellenwert, was sich in einem führenden Platz bei fast allen relevanten Umweltparametern niederschlägt. Die Regierung strebt durch ein umfassendes Umweltgesetz eine stringentere und besser koordinierte Umweltpolitik an.
Schwedische Stiftung für strategische Umweltforschung (MISTRA)
MISTRA, 1994 gegründet, hat die Aufgabe, die Umweltforschung zu unterstützen. Im Jahr 2009 verteilte MISTRA SEK 226 Mio. für Projekte und Maßnahmen im Bereich der Umweltforschung. Der Jahresbericht informiert im Detail über die Aktivitäten der Organisation.
Schwedischer Forschungsrat Formas
Der Schwedische Forschungsrat Formas unterstützt Grundlagen- und Angewandte Forschung im Umwelt- und Landwirtschaftsbereich sowie in der Städteplanung.
15. Verkehr
Schweden verfügt über ein gut ausgebautes, in der Nordhälfte jedoch dünnes Verkehrsnetz. Es sind nur wenige und nicht durchgängig ausgebaute Autobahnen vorhanden. Große Städte werden durch den Hochgeschwindigkeitszug X 2000 (Neigetechnologie) verbunden (Stockholm mit Göteborg, Malmö und Sundsvall). Die Qualität der Eisenbahnverbindungen mit dem hohen Norden ist vergleichsweise geringer. Die feste Querung über den Öresund (Landverbindung zu den anderen EU-Staaten zwischen Malmö und Kopenhagen) wurde am 01.07.2000 dem Verkehr übergeben.
Das schwedische Amt für Transport- und Kommunikationsforschung
Das schwedische Amt für Transport- und Kommunikationsforschung ist ein zentrales Regierungsorgan zur Planung, Bereitstellung, Koordinierung und Unterstützung. Weitere wichtige Adressen für den Bereich Verkehr finden sich unter Einrichtungen.




