BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
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Bildung und Forschung: Berufs- und Weiterbildung

Diese Seite zeigt eine aus den Länderberichten über Bildung und Forschung automatisch generierte Zusammenstellung zu den Aktivitäten einzelner Länder in dem von Ihnen gewählten Themenbereich. Die vollständigen Länderberichte finden Sie auf der Seite Bildung und Forschung.

1. Ägypten

Berufliche Bildung

Der berufliche Ausbildungsweg ist in Ägypten zwar weit verbreitet, wird aber gesellschaftlich als zweitrangig angesehen (vgl. iMOVE 2013). Die berufliche Bildung umfasst eine praxisorientierte Schulbildung, die mit Praktika und Training kombiniert wird. In der iMOVE Länderstudie zu Ägypten des Bundesinstitutes für Berufsbildung BIBB (2013) wird die Ausbildung jedoch als verschult und praxisfern beschrieben. Des Weiteren krankt das System an Unterfinanzierung, veralteten Lehrplänen, mangelhafter Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte, niedrigen Löhnen und unzureichender Fachdidaktik (iMOVE 2013, S. 35).

Berufliche Ausbildung findet vor allem im Rahmen eines berufsvorbereitenden, sekundären Schulabschlusses an technischen Sekundarschulen (TSS) statt und wird kostenlos angeboten. Die Schüler und Schülerinnen erhalten je nachdem, ob sie das drei- (Klasse 9-12) oder fünfjährige Programm (Klasse 9-12 plus 2) wählen, am Ende entweder das „Secondary School Technical Diploma“ oder das „Diploma of Advanced Technical Studies“ (Schulen und Hochschulen). Während ersteres die Ausbildung von angelernten (middle-level) Hilfsfachkräften anstrebt, sieht letzteres eine Ausbildung zu hochqualifizierten Facharbeitern vor. Der Abschluss an einer Technical Secondary School ermöglicht zwar nicht den Zugang zum Studium an staatlichen Akademien wie z.B. in Jordanien, dennoch gilt das „Diploma of Advanced Techical Studies“ unter bestimmten Voraussetzungen als Zulassungsvoraussetzung für ein weiterführendes Universitätsstudium (Schulen und Hochschulen).

Im Schuljahr 2012/13 waren nach Angaben des Ministeriums für Bildung, bei dem die Zuständigkeit für die berufliche Aus- und Weiterbildung angesiedelt ist, 1.686.859 Schüler und Schülerinnen an TSS eingeschrieben (Ministerien und Gremien). Die technische Ausbildung an Sekundarschulen wird in drei Bereiche untergliedert, wobei 50,8 Prozent der Schüler und Schülerinnen den Schwerbunkt Industrie, 38,6 Prozent Handel und 10,6 Prozent Landwirtschaft wählten.

Zusätzlich zu den Sekundarschulen bieten staatliche und private Berufsbildungszentren Ausbildungsplätze. Die meisten dieser Zentren (ca. 1.200) werden vom Ministerium für Handel und Industrie (MoTI) betrieben (iMOVE 2013). An 8 staatlichen, nicht-universitären Bildungseinrichtungen, an die insgesamt 45 Institute angegliedert sind, werden hier entsprechende Programme angeboten. Die weitere berufliche Ausbildung erfolgt über verschiedene staatliche und private - sowohl einheimische als auch ausländische Bildungsträger, meist in einem dualen System. Zu diesen zählen auf ägyptischer Seite u.a. das Productivity and Vocational Training Department (PVTD), der Industrial Training Council (ITC) und die NGO Egyptian Bio Dynamic Association (EBDA). Daneben werden Aus- und Weiterbildungsprogramme von internationalen Universitäten wie der German University Cairo (GUC) oder der American University Cairo (AUC), von Entwicklungshilfeorganisationen wie der GIZ und dem USAID, aber auch von privaten Trägern wie der deutschen Knauf-Gruppe angeboten (vgl. iMOVE 2013).

Berufliche Bildung existiert vor allem in folgenden Spezialisierungsbereichen:

  • Sozialarbeit
  • Gesundheitswesen
  • Handel & Industrie
  • Hotellerie und Tourismus
  • Landwirtschaft
  • Bildende Künste
  • Ingenieurswesen
  • Veterinärmedizin
  • Pharmazie
  • Zahntechnik
  • Medizinisch-technische Assistenz und Krankenpflege (sechs Jahre)
  • Islamisches Recht und Islamstudien

Die Aussichten mit einem technischen Abschluss einen Arbeitsplatz zu erlangen sind in den meisten Fällen relativ begrenzt. Dies liegt zum einen an der schlechten finanziellen Ausstattung der berufsbildenden Zentren und Schulen und zum anderem an der nicht arbeitsmarktbezogenen Ausbildung an den staatlichen Institutionen. Dem fragmentierten System der beruflichen Ausbildung fehlt bislang eine koordinierende Stelle oder Zielsetzung, welche sowohl Institutionen und NGOs als auch die zuständigen Ministerien zusammenbringt. Zur Verbesserung des aktuellen Systems wurden bspw. in Zusammenarbeit mit der GIZ mehrere Programme aufgelegt u.a. die "Mubarak-Kohl Initiative" (MKI) heute „Employment Promotion Programme” (EPP), welches sich mit dem Aufbau des dualen Systems nach deutschem Vorbild beschäftigt (vgl. EPP-egypt 2010).

Seit 2009 versucht man das ägyptische TVET-System zu reformieren bzw. zu vereinheitlichen.  Aufgrund der Komplexität von Strukturen und Zuständigkeiten sowie der Vielzahl an Stakeholdern - allein 17 beteiligte Ministerien, gestaltet sich dieser Prozess als sehr langwierig und schwierig und nur wenige Veränderungen wurden bislang erreicht (Ministerien und Gremien). Nach wie vor besteht eine große Nachfrage nach fachlich qualifiziertem Personal. Davon profitieren wiederum private und internationale Institutionen, die - ähnlich wie die Universitäten, eigene Ausbildungs-Programme anbieten (World Bank 2014, WfD).

2. Argentinien

Sitzland für Einrichtungen multilateraler Trägerschaft

2010 wurde das UNESCO "International Centre for the Advancement of Human Rights" in Buenos Aires eingerichtet. Hierbei handelt es sich um ein Institut der "Kategorie 2" welches mit der UNESCO assoziiert ist. Mit der Einrichtung des Institutes in Buenos Aires wollte die UNESCO ein Zeichen gegen die langjährige Diktatur in Argentinien setzen. Das Institut hat seinen Sitz in der ehemaligen Marineakademie, welche dem Regime von 1976 bis 1983 als Gefängnis diente.

1963 wurde in Paris das UNESCO "International Institute for Education Planning (IIEP)" gegründet. Mit dem Ziel die Umstrukturierung der lateinamerikanischen Bildungssysteme aktiv zu begleiten, hat die UNESCO 1998 ein IIEP-Institut in Buenos Aires eingerichtet. Hauptaufgaben des IIEP Buenos Aires ist es die Umstrukturierung der Bildungslandschaft in Lateinamerika durch Forschung und Weiterbildung zu fördern. Dabei stehen folgende Aktivitäten im Fokus:

  • Qualitätssicherung im Bildungssystem (auch in entlegenen Regionen)
  • Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonal
  • Vernetzung regionaler und internationaler Institutionen

Das 1995 gegründete Iberoamerikanische-Netzwerk für Wissenschafts- und Technologieindikatoren - RICYT (Red de Indicadores de Ciencia y Tecnología -Iberoamericana e Interamericana) hat seinen Sitz in Buenos Aires. Neben allen amerikanischen Staaten sind Spanien und Portugal Mitglieder bei RICYT. RICYT hat Beobachterstatus in der OECD-Arbeitsgruppe für Wissenschafts- und Technologieindikatoren (NESTI) und wird vor allem durch die Organisation Iberoamerikanischer Staaten (OEI) und die spanische Entwicklungsagentur (AECID) gefördert.

Weiterbildung

Auf nationaler Ebene existieren folgende Einrichtungen und Programme unter öffentlicher Leitung zur Gewährleistung beruflicher sowie individueller Weiterbildung: 

Das Nationale Institut für Sozialökonomie (INAES) bietet mit dem „Programm für gegenseitige und kooperative Weiterbildung“ allen Erwachsenen gratis Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich der Verwaltung von Genossenschaften sowie Sozialarbeit. Das Institut ist dem Ministerium für Sozialentwicklung unterstellt. 

Das Nationale Institut für öffentliche Verwaltung (INAP) fällt in den Zuständigkeitsbereich des Sekretariats für öffentliche Verwaltung. Es beinhaltet eine staatliche Weiterbildungsschule und ist gleichzeitig Haupteinrichtung für die Weiterbildung von Staatsbeamten. An das INAP angegliedert ist außerdem ein Forschungs- und Dokumentationszentrum für die öffentliche Staatsverwaltung. 

Das Nationale Institut für Land- und Viehwirtschaft (INTA) realisiert in ganz Argentinien Weiterbildungskurse im Bereich pflanzlicher und tierischer Erzeugung sowie der Ingenieurswissenschaften. Durch das Programm PROCADIS kann die Weiterbildung auch in Form von Fernstudien durchgeführt werden. 

Das Sekretariat für KMUs und Regionalentwicklung (SePyME) hat das Ziel verschiedene Tätigkeiten zu gestalten, zu implementieren und zu überwachen, die die Wettbewerbsfähigkeit und Entwicklung von KMUs in Argentinien verbessern sollen. Durch den Plan zur Weiterbildung soll unter anderem die Entwicklung, Umstellung und das Wachstum der Unternehmen gefördert werden. 

Das staatliche Programa Sociedad de la Información (PSI) bietet Informationen über Weiterbildungskurse und -veranstaltungen in verschiedenen Orten des Landes und fördert die Verbindung zu Fördereinrichtungen.

3. Brasilien

Berufliche Bildung

In Brasilien wird grundsätzlich zwischen Beschäftigung (Ocupação) und Beruf (Profissão) unterschieden. Der größte Teil der beruflichen Tätigkeiten fällt unter den Begriff „Beschäftigung“ und bedarf in Brasilien keiner formalen Ausbildung. Die hierunter geführten Tätigkeiten (ca. 3.800) sind in der brasilianischen Klassifikation für Beschäftigungen (CBO) des Ministeriums für Arbeit festgelegt. 
Daneben gibt es ca. 80 offizielle Berufe, für die eine staatlich anerkannte Ausbildung absolviert werden muss. Dazu gehören Berufe z.B. in den Bereichen Chemie, Handel, Informatik, Umwelt etc.

Allgemein werden in der beruflichen Ausbildung drei Ebenen unterschieden:

  • Aus- und Weiterbildung von Jugendlichen und Erwachsenen mit geringer schulischer Vorbildung
  • Fachstufe: Berufliche und technische Ausbildung mittleren Niveaus  für Jugendliche und Erwachsene mit  schulischer Vorbildung und Oberschulabschluss (nível técnico)
  • Technologische Stufe: Berufliche und technische Ausbildung auf hohem nicht-universitärem Niveau für Jugendliche und Erwachsene mit Gymnasialbildung (nível tecnológico)

Kurse zur beruflichen Bildung auf der Fachstufe (CNCT) werden landesweit von mehr als 3.500 beim Bildungsministerium anerkannten Einrichtungen angeboten. 
Der weitaus größte Teil der beruflichen Aus- und Weiterbildung wird von verschiedene Institutionen des Brasilianischen Industrieverbandes (CNI) bzw. des Landwirtschaftsverbandes abgedeckt:

  • Nationaler Dienst für die Industrielle Ausbildung (SENAI)
  • Nationaler Dienst für die Landwirtschaftliche Ausbildung (SENAR)
  • Brasilianischer Dienst zur Unterstützung von Kleinunternehmen (SEBRAE) 
  • Nationaler Dienst für die kaufmännische Ausbildung (SENAC)

Verschiedene öffentlichen Bildungseinrichtungen der Technologischen Stufe sind im Netzwerk für Berufliche, Wissenschaftliche und Technologische Ausbildung (Rede Federal de Educação Profissional, Científica e Tecnológica) zusammengefasst.  Das Netzwerk ist dem Bildungsministerium - MEC nachgeordnet. Zu den Einrichtungen gehören u.a. die Technologie-Schulen, die mit Universitäten verknüpft sind sowie die Nationalen Institute für Bildung, Wissenschaft und Technologie - IF (Instituto Federal de Educação, Ciência e Tecnologia). Die 38 IF haben eine ähnliche Funktion wie die deutschen Fachhochschulen, sind jedoch stärker auf die berufliche Ausbildung fokussiert. Die Einrichtungen des Netzwerks Ausbildung werden in Brasilien als Hochschulen klassifiziert.

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Partnerinstitution des BIBB in Brasilien ist der Nationale Dienst für Industrielle Berufsbildung (SENAI), der eine der größten Ausbildungseinrichtungen in ganz Lateinamerika ist. Seit 1998 besteht eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem BIBB und SENAI. Diese sieht neben dem Aufbau von Partnerschaften die gemeinsame Entwicklung von Curricula sowie den Informations­austausch im Bereich der beruflichen Bildung vor. Derzeitige Interessenfelder sind die Evaluation in der Berufsbildung insbesondere des Berufsbildungspersonals (Qualifizierung) sowie die Erstellung von Kosten-Nutzen-Analysen.

Brasilien möchte sein Berufsbildungssystem reformieren und sich dabei an dem deutschen Vorbild der dualen Ausbildung orientieren. 2012 hat das BMBF mit dem brasilianischen Bildungsministerium MEC ein MOU zur vertieften Kooperation in der Berufsbildung unterzeichnet. Brasilianische Berufsschullehrerinnen und -lehrer sollen in Deutschland fortgebildet werden, indem sie zu Trainingsmaßnahmen bzw. Fachaufenthalten nach Deutschland kommen. Ziel ist es, von dem deutschen „dualen System“ der Berufsbildung zu lernen und im Nachgang relevante Elemente in Brasilien bedarfsgerecht zu implementieren. Vorschläge zur Umsetzung werden derzeit geprüft.

Berufsbildungsexport

Über die Initiative iMOVE (International Marketing of Vocational Education) wird die Internationalisierung beruflicher Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen aus Deutschland auch nach Brasilien gefördet. iMOVE erstellte eine Studie für den Export von Ausbildungsdienstleistungen in den Brasilianischen Markt. Die Studie analysiert das brasilianische Bildungssystem und leistet praktische Orientierungshilfe für den Bildungsexport.

2011 fand ein iMOVE-Länderseminar Brasilien statt. Die Institution veröffentlichte eine weitere Broschüre mit Beispielen für gelungene deutsch-lateinamerikanischen Bildungskooperationen, u.a. aus Brasilien (IFPA - Instituto de Formação Profissional Administrativa).

iMOVE beteiligte sich 2013 an der Bildungsmesse "Educar & Educador" in São Paulo. Deutsche Bildungsexporteure hatten Gelegenheit sich im Rahmen eines Gemeinschaftsstandes über Chancen und Risiken des brasilianischen Marktes auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.

(Quelle: iMove)

Im Rahmen der BMBF-Förderinitiative Berufsbildungsexport wird derzeit ein FuE-Projekt zur Etablierung von Qualifizierungsmaßnahmen für Experten im Bereich energieeffizientes Bauen und Sanieren gefördert. Koordinator ist die RLP AgroScience GmbH - Institut für Agrarökologie, weitere Partner sind die Handwerkskammer Trier, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und die öko-domo Haus- und Bausysteme Baubetreuungs-GmbH, Landau (Pfalz). Ziel des Verbundvorhabens EnBaSa (Energieeffizientes Bauen und Sanieren) ist die Platzierung und Etablierung der "Weiterbildung zum Passivhausexperten" am brasilianischen Markt, gestärkt durch den Aufbau gezielter deutsch-brasilianischer Partnerschaften.
Im Bereich energieeffizientes Bauen und Sanieren liegen die Herausforderungen darin, lokale, fachliche Kompetenz aufzubauen sowie die Aufmerksamkeit von Bauherren für entsprechende Maßnahmen zu gewinnen und sie von deren Wirtschaftlichkeit zu überzeugen. Gemeinsam mit den brasilianischen Partnern und insbesondere dem Projektbüro in Natal, der Hauptstadt des Bundesstaats Rio Grande do Norte, wird Marktnähe und Zugang zu Bauherren und Fachbetrieben und somit zur Zielgruppe des Bildungsangebotes sichergestellt.

(Quelle: www.berufsbildungsexport.de)

4. Chile

Berufliche Bildung

Nach dem Abschluss der schulischen Grundstufe (Educación Básica) können die Schüler in der Sekundarschule in der elften und zwölften Klasse den technisch-beruflichen Schwerpunkt wählen. Die Ausbildung ist nach dem dualen System aufgebaut. Die Absolventen erhalten neben der Sekundarschulreife auch einen beruflichen Abschluss als Techniker Mittleren Niveaus.

An den Technischen Ausbildungszentren (Centros de Formación Técnica, CFT) kann der Titel eines „Höheren Technikers“ erworben werden. Für den Eintritt in ein CFT ist der Abschluss der schulischen Grundstufe Voraussetzung. Die Ausbildungsdauer in einem CFT beträgt zwischen zwei und drei Jahren und die Ausbildung wird mit einem Titel des „Techniker Höheren Grades“ abgeschlossen. Alle CFTs sind private Institutionen und stehen unter der Aufsicht des Bildungsministeriums. 

Ebenso kann ein Berufstitel von beruflich orientierten Hochschulen (Institutos Profesionales de Educación Superior, IP) vergeben werden. Oft sind diese Studiengänge mit einem Berufspraktikum verbunden.

5. China

Berufliche Bildung

Das Bild zeigt chinesische Arbeiter in einer Produktionsstätte für Automobile.
Quelle: Reuters

In der konfuzianischen Tradition, welche die chinesische Gesellschaft bis heute beeinflusst, wird geistige Arbeit höher geschätzt als körperliche. Darüber hinaus werden – unter anderem aufgrund des Berufsbildungssystems der Mao-Ära – mit dem Beruf des Facharbeiters häufig sehr spezielle Qualifikationen verbunden: dem Prestige nach kann ein Facharbeiter immer nur eine ganz bestimmte betriebsgebundene Arbeit ausführen und ist damit nur einseitig einsetzbar. Aufgrund dieser weit verbreiteten Einstellungen wurde der Beruflichen Bildung in China über lange Zeit insgesamt ein relativ geringer Wert beigemessen: sie konnte sich nie von der Dominanz des akademisch ausgerichteten und prüfungsorientierten allgemeinen Bildungswesens befreien und blieb immer in untergeordneter Position. In den letzten Jahrzehnten zeichnete sich jedoch der wachsende Fachkräftemangel als wichtiger Grund für die Grenzen des chinesischen Wirtschaftswachstums ab (Quelle: Hanns-Seidel-Stiftung). In diesem Zusammenhang haben die politisch Verantwortlichen die Bedeutung Beruflicher Bildung erkannt und versuchen vermehrt diese zu stärken. Seit dem Inkrafttreten des Berufsbildungsgesetzes von 1996, in dem Berufsbildung als Gesamtheit der Maßnahmen zur „berufsvorbereitenden Ausbildung, Umschulung, Lehrlingsausbildung und Weiterbildung von Beschäftigten“ definiert ist, entsteht ein differenziertes System an berufs- bzw. tätigkeitsbezogener Kompetenzvermittlung. Die wachsende Bedeutung der Beruflichen Bildung lässt sich an steigenden Schulen- und Schülerinnen- bzw. Schüler-Zahlen ablesen. Während 2005 nur ca. 16.000.000 Schülerinnen und Schüler an Berufsschulen der Sekundarstufe II eingeschrieben waren, sind es 2013 19.230.000 Schülerinnen und Schüler gewesen (Quelle: China Statistical Yearbook 2014). Dennoch kommt der Berufsbildung noch nicht die Bedeutung zu, die sie beispielsweise in Deutschland hat.

Für die Berufliche Bildung ist neben dem Ministry of Education (MoE) das Ministry of Human Resource and Social Security (MoHRSS) zuständig. Während das MoE für Struktur und Inhalt des Schul- und Hochschulwesens verantwortlich ist, setzt das MoHRSS die chinesische Arbeitsmarktpolitik um und nimmt damit auch Einfluss auf die Berufliche Bildung. Die dem Staatsrat unterstehende National Development and Reform Commission (NDRC) spielt eine wichtige Rolle bei der Finanzierung von Infrastrukturprojekten im Bereich der beruflichen Bildung. So ist sie z.B. für die Planung von Investitionen, den Bau neuer Schulen oder die Modernisierung der Schulausstattungen zuständig.

Eine der größten Herausforderungen an die Berufliche Bildung in China stellt die Qualität der Ausbildung dar: Es stehen selten genügend Mittel zur Verfügung, um die Schulen adäquat mit Infrastruktur und Lehrkräften auszustatten. Während sich die Finanzierung im Bildungssektor insgesamt schwierig gestaltet, haben die Berufsschulen hierunter am meisten zu leiden: 2010 waren die Ausgaben pro Schüler im Bereich der Berufsschulen nur halb so hoch wie die pro Hochschüler. Außerdem wurde, obwohl die Ausstattung von Berufsschulen teurer ist, für Berufsschüler nicht mehr Geld investiert als für Schüler der allgemeinen oberen Mittelschulen. Derartige Finanzierungsschwierigkeiten stellen vor allem Schulen in weniger gut entwickelten Regionen vor große Probleme. Zwar gibt es einige Vorkehrungen für den Finanzausgleich, zum großen Teil sind die Mittel der Schulen jedoch von den Ressourcen der Provinz und des Kreises/ Bezirks abhängig, zu denen sie gehören. Die rasche, aber ungleichmäßige wirtschaftliche Entwicklung Chinas hat zur Folge, dass die Schulen in einigen ländlichen Gebieten und ärmeren Provinzen unterfinanziert und dementsprechend schlecht ausgestattet sind. Ein weiteres Problem stellen die regional sehr unterschiedlichen Regulierungen dar: Es gibt in Bezug auf Ausstattung, Lehrkräfte, Abschlüsse usw. nur wenige klare Mindeststandards für die berufsbildenden Schulen. Die wenigen vorhandenen nationalen Leitlinien werden nur dann umgesetzt, wenn ausreichende Mittel zur Verfügung stehen. Des Weiteren ist an vielen Schulen der theoretische Anteil der Ausbildung zu groß, während der praktische Teil häufig vernachlässigt wird. Auch wenn jeder Auszubildende theoretisch im Rahmen seiner Ausbildung mindestens ein Jahr in einem Betrieb verbringen sollte, ist dies in der Praxis schwierig umzusetzen. Mit Grund hierfür ist der Mangel an kooperationswilligen Betrieben: Auszubildende werden von den meisten Unternehmen auch heute noch eher als finanzielle Belastung denn als Chance zum Ausgleich des Fachkräftemangels wahrgenommen. Obwohl die Regierung bereits versucht, diesem Problem z.B. durch finanzielle Anreize entgegenzuwirken, schreckt das allgemein schlechte Ansehen von Berufsschulen und das vermeintlich niedrige Bildungslevel der Auszubildenden viele Betriebe weiterhin von Kooperationen ab. Auch gibt es für derartige Vereinbarungen keine landesweit gültigen Regulierungen. Beispielsweise ist der Berufsstand eines Auszubildenden während der Praxisphase rechtlich nicht geklärt. Aufgrund der mangelnden Praxisnähe sind viele Berufsbildungsgänge nicht auf die Bedürfnisse der Wirtschaft zugeschnitten, was dem Ruf der Beruflichen Bildung weiter schadet und das Problem des Fachkräftemangels weiter verschärft. Um diesen Tendenzen entgegenzuwirken hat die Regierung mit Blick auf die Berufsbildung im 12. Fünfjahresplan (2011-2015) vor allem die Stärkung des Praxisaspekts betont. Durch die Verbindung von Arbeit und Lernen, die Kooperation von Schulen und Unternehmen sowie durch Praktikumsprogramme sollen die beschäftigungsrelevanten Fähigkeiten und Kenntnisse der Auszubildenden erhöht werden. (Quelle: Hanns-Seidel-Stiftung)

6. Finnland

Berufliche Bildung

Die gebührenfreie berufliche Ausbildung umfasst die berufsqualifizierende Erstausbildung sowie die berufliche Fort- und Weiterbildung. Zentrale Aufgabe der beruflichen Ausbildung ist die Vermittlung der erforderlichen Fachkompetenz für das Berufsleben. Berufsqualifizierende Erstabschlüsse vermitteln die Grundfertigkeiten in den entsprechenden Berufsfeldern. In der beruflichen Weiterbildung liegt ein aktueller Schwerpunkt bei der Erfüllung des Bedarfs des mittelständischen Sektors.

Zum großen Teil findet die Ausbildung in vollschulischer Form mit integrierten praktischen Anteilen statt. Der Unterricht beruht auf den vom Zentralamt für Unterrichtswesen (National Board on Education) erarbeiteten landesweiten Rahmenlehrplänen. Darauf basierend erstellen die Bildungsanbieter örtliche, auf die spezifischen Gegebenheiten ausgerichtete Lehrpläne. Die berufliche Erstausbildung qualifiziert für mehr als 100 Berufe. 

Berufliche Bildungsangebote werden im Jahr 2016 in folgenden Sparten angeboten:

  • Geisteswissenschaften und Bildung
  • Kultur
  • Sozialwissenschaften, Wirtschaft und Verwaltung
  • Naturwissenschaften
  • Technologie, Kommunikation und Verkehr
  • Natürliche Ressourcen und Umwelt
  • Soziale Dienste, Gesundheit und Sport
  • Tourismus, Gastronomie und Hausdienste

Auf diese Sparten verteilt gibt es 2016 ein Angebot von 53 Abschlüssen mit insgesamt 119 Ausbildungsprogrammen. Die Lehrpläne umfassen derzeit berufsbezogene Fächer und allgemeine Pflichtfächer. Alle beruflichen Bildungsgänge beinhalten neben den allgemeinen und theoretischen Fächern auch einen praktischen Ausbildungsteil. Der überwiegende Teil der Ausbildung erfolgt an der beruflichen Bildungseinrichtung, wenn auch ein Teil der im Lehrplan vorgesehenen praktischen Arbeit im Betrieb („Lernen am Arbeitsplatz“) organisiert werden kann. Auch in der Berufsbildung steht das Prinzip des individuellen Lernens im Vordergrund, indem z. B. individuelle Lernpläne erstellt werden.

Die berufliche Erstausbildung dauert in der Regel drei Jahre (Vollzeit) und beinhaltet auch die Zugangsberechtigung zu Universitäten und Fachhochschulen.

Jedes Jahr belegen rund 146 000 Schüler Kurse und Trainingsmaßnahmen der berufliche Erstausbildung in Finnland. Die beliebtesten Felder sind Technologie und Verkehr (36%), Wirtschaft und Verwaltung (19%) und Gesundheits- und Sozialwesen (17%). Auf die Bereiche Tourismus, Gastronomie und Hauswirtschaft verteilen sich 13% der Schüler, auf Kultur 7% und auf Natürliche Ressourcen 6% .

Finnland ist im Bereich der Berufsbildung international führend, was Ansätze zur Qualitätssicherung und Evaluation betrifft. So ist beispielsweise gesetzlich vorgeschrieben, dass Bildungsträger ihre Bildungsangebote und deren Effektivität einer Evaluierung unterziehen und dass sie an externen Evaluierungen teilnehmen. Zuständig für externe Evaluierungen ist der nationale Evaluierungsrat für den Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung.

Weiterbildung

Ziele der Weiterbildung in Finnland bestehen darin, das Wissen und die Fertigkeit der Erwachsenenbevölkerung zu verbessern sowie Bildungschancen zu erhöhen.

Fort- und Weiterbildung nehmen einen wichtigen Stellenwert ein, sie sind in Finnland in über 1.000 Institutionen organisiert. Jährlich nehmen ca. eine Million Finnen an entsprechenden Angeboten teil. 

Im Bereich der Erwachsenenbildung können drei verschiedene Qualifikationsniveaus erreicht werden:

  • Grundlegende Berufsqualifikation (entsprechend der beruflichen Erstausbildung von Jugendlichen)
  • Fortgeschrittene Berufsqualifikation (zusätzliche Weiterbildung und ca. drei Jahre Arbeitserfahrung) sowie
  • Spezielle Berufsqualifikation (ca. fünf Jahre Arbeitserfahrung).

Wie in den anderen nordeuropäischen Ländern auch, sind in Finnland die wissenschaftlichen Fort- und Weiterbildungen stark institutionalisiert. Finnland weist außerordentlich hohe Partizipationswerte bei Erwachsenenbildungsprogrammen auf. So nehmen in Finnland ca. 50% der Erwachsenen an der Erwachsenenbildung teil. Diese ausgeprägte Beteiligung liegt auch am Ausbau der Open Universities, in deren Zeichen die universitäre Weiterbildung seit den 70er Jahren steht. Open Universities sind Teil der Universitäten und prinzipiell gebührenfrei. Sie verleihen keinen akademischen Abschluss, aber Kreditpunkte in Übereinstimmung mit dem European Credit Transfer System (ECTS). So kann der Einstieg in einen Studiengang an traditionellen Universitäten ermöglicht werden. Die Finanzierung der freien Weiterbildung erfolgt durch öffentliche Gelder, Teilnahmegebühren und durch Unternehmen. Die Vereinbarkeit von Lebenslangem Lernen auf der einen Seite sowie Familie bzw. Beruf auf der anderen Seite ist sehr gut gewährleistet. Die Umsetzung wird dadurch erleichtert, dass Erwachsenenbildung, wie Bildung insgesamt, eine hohe Anerkennung in der Bevölkerung hat.

7. Frankreich

Berufliche Bildung

Die berufliche Ausbildung findet dual in Ausbildungszentren (Centres de formation d’apprentis, CFA) und Unternehmen statt. In den CFA können entweder ein Zertifikat für berufliche Eignung (Certificat d’aptitude professionnelle, CAP) oder das höherwertige berufliche Abitur (Baccalauréat professionnel) erworben werden. Anschließend sind weitere Abschlüsse auf allen Bildungsebenen möglich, bis hin zum Master oder Ingenieurdiplom. 5,2 % der Altersgruppe zwischen 16 und 25 Jahren absolvierte 2012 eine Ausbildung. Die berufliche Ausbildung spielt vor allem im Westen und Süden des Landes sowie in der Region um Paris (Île-de-France) eine große Rolle, wo fast 20 % der Auszubildenden angesiedelt sind. Die berufliche Bildung liegt in der gemeinsamen Ressortverantwortung des Bildungsministeriums und des Ministeriums für Arbeit, Beschäftigung, Ausbildung und sozialen Dialog (Ministère du travail, de l’emploi, de la formation professionnelle et du dialogue social). Die CFA werden mehrheitlich von privaten Strukturen (49,9 %) und den Industrie- und Handelskammern (26,9 %) betrieben.

Staatspräsident François Hollande hatte wie seine Vorgänger das Ziel formuliert, die Zahl der Auszubildenden bis 2017 auf 500.000 zu erhöhen. 2013 ging die Zahl der Auszubildenden jedoch stattdessen um 8 % zurück; ein Trend, der sich 2014 fortsetzte  und vom Arbeitgeberverband Medef (Mouvement des entreprises de France) kritisiert wird. 2014 gab es rund 400.000 Auszubildende in Frankreich, die ihren Beruf im Wechsel zwischen Betrieb und Berufsschule erlernen.

Im März 2014 wurde das Ausbildungssystem durch die französische Regierung reformiert. Im Zuge dieser Reform wurden u.a. 550 Millionen Euro an staatlicher Unterstützung für die duale Ausbildung gestrichen und zudem die Ausbildungssteuer (taxe d’apprentissage) angepasst. Unternehmen müssen seit 1925 diese Steuer in Höhe von 0,5 % ihrer Lohnsumme für Ausbildungszwecke abführen.

2012 führte die Regierung zudem die Maßnahme „Beschäftigung für Zukunft“ (Emploi d’avenir) ein, eine Eingliederungsmaßnahme für arbeitslose Jugendliche ohne Schulabschluss. Der Staat finanziert für bis zu 150.000 Jugendliche eine 12- bis 36-monatige Ausbildung in einem Unternehmen.

Weiterbildung

Die berufliche Weiterbildung ist Teil der lebenslangen Bildung (formation tout au long de la vie). Der Staat, die Gebietskörperschaften, die öffentlichen Einrichtungen, die Einrichtungen des öffentlichen und privaten Bildungswesens, die Vereine, die Berufsverbände und die gewerkschaftlichen und sozialen Einrichtungen tragen ebenso wie die Unternehmen zu ihrer Durchführung bei. Jedem privatwirtschaftlich Angestellten steht in persönliches Weiterbildungskonto (Compte personnel de formation, CPF) zu, auf dem jährlich je nach Berufsjahren 24 oder 12 Stunden gut geschrieben werden. Weiterbildung findet in Frankreich in Zusammenschlüssen von lokalen, öffentlichen Einrichtungen, so genannten „Greta“ (Groupement d’établissements), statt.  2014 gab es in Frankreich 191 solcher Netzwerke, die hauptsächlich aus Berufsschulen und Collèges bestanden. Über dieses Bildungsniveau hinaus sind die Weiterbildungsangebote der Universitäten und das Nationale Konservatorium für Kunst und Handwerk (Conservatoire National des Arts et Métiers, Cnam) zuständig. In Frankreich besteht die Möglichkeit, sich lang-, mindestens aber dreijährige Berufserfahrung als Hochschulabschluss anerkennen zu lassen (Validation des acquis de l'expérience, VAE und Validation des acquis professionnels, VAP). 2013 wurden 13.800 VAE vom Bildungsministerium bewilligt. Bereits 2005 wurde im Auftrag des Bildungsministeriums eine Bestandsaufnahme der Maßnahmen verfasst. http://www.education.gouv.fr/cid2186/la-validation-des-acquis-de-l-experience-en-actes.html

8. Großbritannien

Berufliche Bildung

Das System der beruflichen Bildung und Weiterbildung ist im Vereinigten Königreich (England, Wales, Schottland und Nordirland) unterschiedlich geregelt. Während die Ähnlichkeiten zwischen England, Wales und Nordirland sehr groß sind, ist das schottische System grundsätzlich anders. Die folgende Darstellung bezieht sich vorwiegend auf England und Wales.

Dem Berufsbildungssystem im Vereinigten Königreich liegt eine andere Philosophie zugrunde als dem deutschen. Grundsätzlich kann jeder jede berufsorientierte Prüfung ablegen. Wie, wann und wo die dafür notwendigen Kenntnisse erworben werden spielt keine Rolle. Die Qualifikationen bewerten die tatsächlichen Fähigkeiten des Auszubildenden und beruhen auf dem Prinzip der Kombination anrechenbarer Lerneinheiten, so dass Kompetenzeinheiten auf unterschiedlichste Weise und ohne festgelegten zeitlichen Rahmen erworben und anschließend entsprechend dem Baukastenprinzip zu einem Abschluss  zusammengefasst werden können.

Berufsbildung wird überwiegend an weiterführenden staatlichen Schulen (Colleges for Further Education) angeboten, aber auch von privaten Ausbildungsanbietern und teilweise von Arbeitgebern erteilt. Die Abschlussprüfungen erfolgen nach landesweit einheitlichen Kriterien. Die nationalen Standards für Berufe (National Occupational Standards) werden von den Sector Skills Councils (SSCs) gemeinsam mit Arbeitgebern und anderen relevanten Akteuren entwickelt und regelmäßig überarbeitet.

Der überwiegende Teil der beruflichen Bildung erfolgt über die schulische Ausbildung. Daneben gibt es ein- oder zweijährige betriebliche Bildungsgänge (Apprenticeship) mit einem Tag pro Woche schulischem Unterricht. In Vorbereitung auf ein Apprenticeship wird in der jüngeren Vergangenheit auch ein Traineeship angeboten, mit dem gering qualifizierten Jugendlichen der Zugang zu betrieblichen Ausbildungsgängen eröffnet werden soll.

Die Vergabe von Befähigungsnachweisen erfolgt durch eine Vielzahl unabhängiger zeugniserteilender Gremien und Institutionen, die seit 2008 in verschiedenen beruflichen Richtungen  „Diplomas“ anbieten. Darüber hinaus wurden seit 2009 die Grundlagen der betrieblichen Berufsausbildung (Apprenticeship) gesetzlich neu geregelt. Seit 2010 gilt der nationale Qualifikations- und Transferrahmen QCF (Qualification and Credit Framework) der die verschiedenen Abschlüsse unterscheidet (Awards, Certificates, Diplomas), je nach der Dauer der Lernzeit.

(Quellen: bq-portal, Berufsbildungssystem Großbritannien; Cedefop, European Center for the Development of Vocational Training)

9. Indien

Berufliche Bildung

Indien verfügt über ein vergleichsweise elaboriertes berufliches Bildungswesen. Der informelle Sektor (92 % der indischen Wirtschaft) ist jedoch bisher von der Berufsbildung ausgeschlossen. Berufsausbildung wird (noch) weitgehend als staatliche Aufgabe verstanden. Die indische Wirtschaft öffnet sich nur langsam den Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Regierung und öffentlicher Verwaltung. Ein großer Teil der indischen Unternehmerschaft ist wenig ausbildungswillig, viele Betriebe sind nicht ausbildungsfähig. 

Das indische Berufsausbildungssystem umfasst allgemein öffentlich und privat finanzierte Bildungseinrichtungen, Lehrlingsausbildungs-Arrangements und betriebliche Qualifizierung. Nach der Unabhängigkeit (1947) hat das Arbeitsministerium mit dem Aufbau von Strukturen und Institutionen zur Deckung des Arbeitskräftebedarfs begonnen. Daraus hat sich bis heute ein breites Angebot entwickelt: Handwerkerausbildung, (nichthandwerkliche) Lehrlingsausbildung, Fachkräfte-Fortbildung, Ausbildung von Ausbildern für die Handwerker, Supervisor-Ausbildung (vergleichbar Industriemeister), schließlich besondere Maßnahmen für Frauen. Der dem Ministry for Human Resource Development unterstehende Teil des Bildungswesens (Higher Secondary, Technical und Higher Education) blieb – vor allem auf der Sekundarstufe - lange stark allgemeinbildend ausgerichtet. Bezogen auf die gesamte Schülerpopulation ist die Teilnahme an technischen Bildungsgängen (Berufsfachschulen, Fachschulen (Polytechnics)), gering. Ende der 80er Jahre wurde deshalb damit begonnen, an den allgemeinbildenden Sekundar-Schulen berufsbezogene Zweige einzuführen. Um möglichst vielen Kindern und Jugendlichen den Zugang zur Bildung zu ermöglichen, werden die regulären Bildungseinrichtungen auf allen Stufen von non-formalen Zentren bzw. „offenen Schulen“ flankiert, die einen Besuch neben der Arbeit gestatten. Nur ein Drittel der Zielgruppe nimmt überhaupt an Sekundarbildung teil; nur ein Drittel davon an beruflicher Bildung. Der Anteil der formal beruflich Qualifizierten beträgt letztlich nur wenige Prozent eines Altersjahrgangs. 

Gemäß Verfassung unterliegt berufliche Bildung der Zuständigkeit der zentralen Verwaltung und den Länderverwaltungen. Die Entwicklung von Standards, Ausbildungsgängen, Prüfungen und Zertifizierung sind nationale Angelegenheit, während das Angebot Aufgabe der Bundesstaaten ist. Die Zentralregierung wird von einem Nationalen Berufsbildungsausschuss (National Council for Vocational Training) beraten, einem drittelparitätischen Gremium (Staat, Arbeitgeber, Arbeitnehmer); gleiches findet sich auf Landesebene. 

Das formale berufliche Bildungssystem bietet Programme auf fünf Stufen: 

  • certificate (Fachkraft-Qualifikation), 
  • diploma (Techniker), 
  • degree (Ingenieur), 
  • post-graduate (Aufbaustudium), 
  • research degree (Promotion). 

Die Handwerkerausbildung (craftsmen training) findet an ca. 5000 Industrial Training Institutes statt (ca. 2000 im staatlichen, ca. 3000 im privaten Sektor), mit knapp 700.000 Plätzen. Ausgebildet wird in 43 technischen und 24 nicht-technischen Berufen. Zugangsvoraussetzung ist, abhängig vom jeweiligen Beruf, ein Schulabschluss der 8. bis 12. Klasse. Ca. 70% der Ausbildungsdauer von 1-3 Jahren sind der praktischen Ausbildung und 30% der theoretischen Ausbildung gewidmet (Fachkunde, Fachrechnen, Fachzeichnen, Sozialkunde einschließlich Umwelt und Familienwohlfahrt). 

Mit dem Apprentices Act von 1961 wurde in Indien eine duale Lehrlingsausbildung etabliert. Duale Ausbildung gibt es in 140 Berufen in allen Berufsbereichen. Die allgemeinen Voraussetzungen sind die gleichen wie bei der Handwerkerausbildung. Die Ausbildungsdauer variiert zwischen sechs Monaten und vier Jahren; sie basiert auf Ausbildungsordnungen für jeden Beruf. Die Ausbildung umfasst Berufsgrundbildung, gefolgt von betrieblicher Ausbildung und ergänzendem Unterricht. Lernorte für Grundbildung und Unterricht sind staatliche Zentren. Die Lehrlinge schließen einen Vertrag mit einem Unternehmen. Die Verträge werden von einem Ausbildungsbeauftragten registriert. Dieser prüft auch die Eignung der Ausbildungsstätte. 1973 wurde „Lehrlings-Ausbildung“ auch auf der Techniker- und Ingenieurebene eingeführt – für sie dauert die duale Ausbildung ein Jahr. In allen Fragen des Lehrlingswesens wird die Regierung vom drittelparitätischen Zentralen Lehrlings-Ausschuss beraten; Vorsitzender ist der Arbeitsminister, sein Stellvertreter der Bildungsminister.

Im Dezember 2014 wurde ein geänderter Apprentices Act vom Ministry of Labour & Employment vorgelegt und durch beide Parlamentskammern gebilligt. Er sieht eine deutliche Flexibilisierung der Bestimmungen zu Gunsten der Bedarfe und Kapazitäten der Privatunternehmen vor. Durch Stipendienprogramme soll ermöglicht werden, Auszubildenden eine Vergütung zu zahlen, die sich am Mindestlohn orientiert. Die Modelle für ein Zusammenspiel von betrieblicher Ausbildung und schulisch-theoretischer Unterweisung wurden flexibilisiert, so dass außer den überwiegend staatlichen Industry Training Institutes (ITIs) sich auch weitere Bildungsanbieter für den Berufsschul-Part qualifizieren können. Das Ministry of Labour & Employment arbeitet darüber hinaus an einer bedarfsorientierten Ausgestaltung und Modernisierung der Inhalte der Apprenticeships und der sie tragenden öffentlich-privaten Strukturen. Hierfür wurden Expertengremien unter starker Beteiligung von Privatunternehmen geschaffen. Dabei kooperiert die indische Seite eng mit dem BMBF und anderen deutschen Akteuren, um Inhalte und Strukturen an „dualen Prinzipien“ der deutschen Berufsbildung auszurichten und damit mehr Betriebsnähe und Bedarfsorientierung zu gewährleisten.

Für die Anpassungs- und Aufstiegsweiterbildung der Facharbeiter (advanced vocational training) wurde 1977 mit Unterstützung von ILO und UN ein besonderes Programm modularer Kurse von 1-6 Wochen Dauer aufgelegt. Sie werden von Industrial Training Institutes und Advanced Training Institutes (ATIs) angeboten. 

Flankierend zur Einführung der Handwerkerausbildung wurde mit der Ausbildung von Ausbildern (craft instructor training) für angehende Handwerker begonnen. Auch sie ist Sache der ATIs. Der Kurs dauert einJahr; er umfasst Praxis (sechs Monate), Theorie (drei Monate) und Pädagogik (drei Monate).

Die Ausbildung von „Industriemeistern“ (supervisory training), die in zwei Instituten konzentriert ist, geht zurück auf eine Initiative des Landes Baden-Württemberg im Jahre 1970; das Land hat den Aufbau des ersten Institutes mit Personal- und Sachmitteln in Höhe von ca. 9 Mio. € unterstützt. Es werden reguläre Diplom- und Aufbau-Diplomkurse (Technologie, Betriebswirtschaft, Qualitätskontrolle, Problemlösung) angeboten wie auch maßgeschneiderte Kurzzeitkurse.

Um die Beschäftigungsfähigkeit von Frauen zu fördern, wurde 1977 vom Arbeitsministerium ein Berufsbildungsprogramm für Frauen (Women’s Vocational Training Programme) gestartet. Hierfür wurden eigene Institute eingerichtet, die ausschließlich für Frauen Handwerksausbildung, Lehrlingsausbildung und Fortbildung anbieten. Damit soll vor allem Beschäftigung im staatlich organisierten Wirtschaftsbereich ermöglicht werden.

Den Kern des technischen Bildungswesens unter Aufsicht des Ministeriums für Human Resources Development bilden die „Polytechnics“ sowie Schulen des Gesundheitswesens, Handelsschulen und Bergbauschulen (insgesamt ca. 950). Es handelt sich um Fachschulen, die mindestens den Abschluss der 10. Klasse voraussetzen. Die Kurse dauern in der Regel drei Jahre und können zurzeit circa 250.000 Studenten aufnehmen. In einigen Berufsbereichen werden zusätzlich weiterführende Kurse angeboten. Auf der tertiären Stufe schließen daran 370 staatliche und regionale Technische Fachhochschulen (Engineering Colleges) vier technische Universitäten an.

Mit dem Start einer Politik zur „Vocationalisation of Education“ im Jahre 1988 hat die Zentralregierung der Berufsbildung hohe Priorität bei der Reorganisation des gesamten Bildungssystems eingeräumt. 25% der Studenten der oberen Sekundarstufe (Klassen XI und XII) sollten bis 1995 den beruflichen Zweig besuchen; bislang wurden knapp 15% erreicht. Hierfür wurde ein zentrales Förderprogramm aufgelegt. Es gibt Ausbildungsgänge in sechs Berufsfeldern:

  • Agrarwirtschaft, 
  • Wirtschaft, 
  • Metall-/Elektrotechnik, 
  • Gesundheit, 
  • Hauswirtschaft, 
  • Dienstleistungen. 

Das Programm unterstützt auch den Aufbau von Infrastrukturen auf föderaler, Landes-, Distrikt- und institutioneller Ebene. Dazu gehört ein nationaler Gemeinsamer Ausschuss für Berufsbildung mit Partnerorganisationen auf Länderebene für die Planung, Koordination und Evaluation des Berufsbildungsangebots von Organisationen und Agenturen. Der Ausschuss wird vom Minister for Human Resource Development geleitet. 

Der Staat stellt Finanzmittel für Studien zum Qualifikationsbedarf, für Curriculum-Entwicklung, für die Ausstattung von Unterrichtsräumen/Werkstätten, für Lehrerausbildung, Unterrichtsmaterial und Lehrergehälter bereit. Bei den Gehältern trägt die Zentralverwaltung nur 75% der Kosten; 25% sind von den Ländern zu tragen, wie auch die Kosten für Prüfungen, Zertifizierung und Berufsberatung. Der Staat selbst macht große Anstrengungen, um berufliche Bildungsgänge in der Sekundarstufe II einzuführen. Gleichzeitig sollen aber Non-Profit-Organisationen („Freie Träger“) bei der Umsetzung des Programms als Kurs-Entwickler, als Anbieter und Berater eine bedeutende Rolle spielen. Sie können staatliche Förderung beantragen. 

Der Staat stellt Finanzmittel für Studien zum Qualifikationsbedarf, für Curriculum-Entwicklung, für die Ausstattung von Unterrichtsräumen/Werkstätten, für Lehrerausbildung, Unterrichtsmaterial und Lehrergehälter bereit. Bei den Gehältern trägt die Zentralverwaltung nur 75% der Kosten; 25% sind von den Ländern zu tragen, wie auch die Kosten für Prüfungen, Zertifizierung und Berufsberatung. Der Staat selbst macht große Anstrengungen, um berufliche Bildungsgänge in der Sekundarstufe II einzuführen. Gleichzeitig sollen aber Non-Profit-Organisationen („Freie Träger“) sowie Profit-Organisationen („Bildungsanbieter“) bei der Umsetzung des Programms als Kurs-Entwickler, als Anbieter und Berater eine bedeutende Rolle spielen. Sie können staatliche Förderung beantragen.

Zur "Verberuflichung der Bildung" gehört auch die 1993/94 eingeführte Berufsvorbereitung in den Klassen IX und X. Hier geht es um die Vermittlung einfacher marktgängiger Qualifikationen. Wie das ganze Programm wird auch dieser Teil in kleinen Schritten umgesetzt. 

Um möglichst allen Kindern und Jugendlichen den Zugang zur Bildung zu ermöglichen, werden die regulären Bildungseinrichtungen der Sekundarstufe von „offenen Schulen“ flankiert. Sie werden getragen von der 1989 gegründeten Gesellschaft „National Open School“. Sie umfassen neben allgemeinbildenden auch berufsbildende Kurse bzw. Programme. Es gibt bereits 1000 solcher Zentren, die alle staatlich akkreditiert sind. 

Insgesamt sind nur 2 - 3 % der gesamtindischen Arbeitskräfte formal qualifiziert. Bislang war die Ausbildung eher theoretisch und oft nicht auf den Bedarf des Arbeitsmarktes abgestimmt. Daher soll die allgemein-berufliche Bildung in Zukunft bereits in den Sekundarschulen stärker ausgebaut werden. Davon erwartet man vor allem auch die Fähigkeit, sich selbständig zu machen und entsprechend dem jeweiligen Bedarf auch selbst weiter zu lernen.

Internetadressen:

http://education.nic.in (Bildungsministerium)

http://dget.nic.in (Arbeitsministerium)

Quellen: Internationales Büro des BMBF beim DLR (IB); Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und Andere 

Weiterbildung

Studie zum Weiterbildungsbedarf 

iMOVE hat im November 2006 eine Studie zum Weiterbildungsbedarf Indiens veröffentlicht. Die Studie ist auf der Webseite von iMOVE abrufbar. iMOVE – International Marketing of Vocational Education 

10. Indonesien

Berufliche Bildung

Generell wird die berufliche Weiterbildung, anders als in Deutschland, als „weitergehende" Schulbildung ohne ausgeprägten Praxisbezug verstanden. Sie wird von staatlichen und privaten Anbietern in Trainingszentren organisiert und auf Basis des National Competency Standard (Standar Kompetensi Kerja Nasional Indonesia, SKKNI) zertifiziert.

Die SMK Sekolah Menegah Kejuran (Praxisorientierter Zweig der Sekundarstufe II, 15.-17. Lebensjahr, vgl. Graphik) ist am ehesten mit der deutschen Berufsschule zu vergleichen. Es gibt etwa 2.000 staatliche und ca. 5.600 private SMKs. Die SMKs sind nicht mehr wie in den 1990ern auf bestimmte Bereiche festgelegt und bieten ein großes Angebot an 3-jährigen Bildungsgängen. Es gibt etwa 40 verschiedene Lernbereiche in den SMKs. Die fachliche Ausgestaltung der Bildungsgänge wird zu etwa 80 % durch die „Curricula" des indonesischen Bildungsministeriums vorgegeben. Die weitere Ausgestaltung liegt in den Händen des jeweiligen SMK. 

Absolventinnen und Absolventen der SMKs haben es deutlich schwerer als ihre Kolleginnen und Kollegen aus den SMAs (Sekolah Menengah Atas,vgl. Graphik), eine Zulassung für den gewünschten Studienplatz zu erhalten. Dies mag daran liegen, dass die SMKs einen Schwerpunkt auf die praktische Berufsbildung legen und weniger fokussiert auf den Übergang zur Hochschule vorbereiten. Ziel der SMKs ist mithin ein möglichst problemloser Einstieg in die Arbeitswelt.

Es besteht ein starker Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften in Indonesien. Besonders die Zusammenarbeit zwischen Schulen und der Privatwirtschaft ist verbesserungswürdig. Ausbildungsinhalte sind weiterhin zu wenig nachfrageorientiert. Bestehende Projekte zur Einführung des dualen Systems brauchen mehr Praxisbezug in Form von Ausbildungspartnerschaften, um ihre Erfolgschancen zu verbessern. Insbesondere ungenügend qualifizierte Pädagoginnen und Pädagogen sowie veraltetes Lehrmaterial, ein Mangel an aktuellen Lehrplänen und eine ineffiziente Verwaltung erschweren die Situation. Die Regierung unternimmt große Anstrengungen, um dies zu ändern. Seit der Reform des Bildungsgesetzes 2003 befindet sich das Aus- und Weiterbildungssystem Indonesiens in einem ständigen Anpassungsprozess, um den Anforderungen gerecht zu werden.

Quelle: iMOVE: Marktstudie Indonesien (2013) 

11. Israel

Berufliche Bildung

Die Berufsausbildung in Israel findet vor allem an den Universitäten und den Colleges statt. Demzufolge spielt die berufliche Bildung in Israel eine untergeordnete Rolle. Nur etwa 5 % aller Israelis erlernen ihren Beruf durch reine Berufsbildungsprogramme.
Für die meisten Schulabgänger ist die Berufsbildung im Vergleich zu einer akademischen Ausbildung unattraktiv. Das hat zur Folge das berufliche Bildung als „Auffangbecken“ für die Schulabgänger angesehen wird, die an Universitäten und Colleges nicht aufgenommen werden.

Die berufliche Bildung in Israel findet in zwei Phasen statt, die vom Militärdienst unterbrochen werden.

Vor dem Mililtärdienst können israelische Jugendliche nach dem Abschluss der High School eine Ausbildung als Alternative zur „Senior High School“ absolvieren. Das beinhaltet vor allem Ausbildung in den Bereichen Bau, EDV, Friseurwesen und Kosmetik, Verwaltung, Pflege, Metallverarbeitung, KFZ-Mechanik, Elektrotechnik, Gastwirtschaft, Holzverarbeitung und Zahnmedizin
Die Ausbildung umfasst den Besuch von „Industrial Schools“, „Apprenticeship Schools“ oder Arbeitsgruppen bzw. Kursen.
Industrial Schools kooperieren mit großen Firmen, Hotels oder den Israeli Defense Forces, es werden theoretische Kurse sowie praktische Arbeit in den Firmen angeboten.
Apprenticeship Schools sind aus der Zusammenarbeit kleiner und mittelständischer Unternehmen entstanden, die gemeinsam Kurse in regionalen Zentren anbieten.
Arbeitsgruppen und –kurse werden für Jugendliche angeboten, die weder die weiterführende Schule besuchen noch an einem anderen Ausbildungsprogramm teilnehmen. Getragen werden diese Kurse von großen öffentlichen Institutionen, wie Krankenhäuser oder dem Militär

Nach dem Militär existieren verschiedene Systeme, die Kurse in einer Vielzahl von Institution, Trainingszentren oder Berufsbildungsnetzwerken anbieten:

  • Kurse an Berufsbildungszentren, vor allem in den Bereichen technisches Zeichnen, Bau, IKT, Druck, Kosmetik, Schifffahrt, Metalltechnik, Transportwesen, Gastronomie, Elektrotechnik,
  • Ausbildungskurse für Behinderte
  • Ausbildung für Techniker unter der Aufsicht des National Institute for Technical Training
  • Weiterbildung für Immigranten
  • besondere Programme für Weiterbildung oder für Arbeitslose

Quellen:
Das (Berufs-)Bildungswesen in Israel von Anna Jastrzebski, http://www.pedocs.de/volltexte/2013/7083/pdf/Jastrzebski_2012_BerufsBildungswesen_in_Israel.pdf, Abgerufen am 02.09.2013
Technical and vocational education and training and the labour market in Israel, Dr Eli Eisenberg, European Training Foundation, 2006,
http://bookshop.europa.eu/en/technical-and-vocational-education-and-training-and-the-labour-market-in-israel-pbTAX106231, Abgerufen am 02.09.2013

12. Italien

Berufliche Bildung

Neben der schulischen beruflichen Erstausbildung gibt es in Italien das Erstausbildungssystem der Regionen und zwei verschiedene Formen einer alternierenden Berufsausbildung.

Schule

Die schulische Erstausbildung im Sekundarbereich II (ab 14 Jahren) besteht im Wesentlichen aus der Lehrausbildung, der fachlich-technischen Ausbildung, die mit einer breiten Palette von Fachrichtungen grob drei verschiedene Bereiche abdeckt: Landwirtschaft, Industrie und Handel (ca. 45% der Schüler/innen wählen diese Ausbildung) und die berufsbezogene Ausbildung. Sie umfasst eine Reihe von Sektoren: Landwirtschaft, Industrie, Handwerk, Dienstleistungen und spezielle Sektoren. (ca. 20% der Schüler/innen entscheiden sich für diese Richtung). Die drei letztgenannten werden zu den berufsbildenden Zweigen der Schulen des Sekundarbereichs II gezählt. 

Berufsausbildung

Die berufsbezogene Ausbildung wird von den staatlichen Berufsfachschulen (Istituti professionali de Stato - IPS) erteilt. Nach drei Jahren kann ein Berufsbildungsabschluss abgelegt werden, nach weiteren zwei Jahren kann ein berufsbezogenes Abitur abgelegt werden. Die fachlich-technische Ausbildung wird von den staatlichen Fachoberschulen erteilt.

Daneben steht das Erstausbildungssystem der Regionen, das sich in zwei Stufen unterteilt.

Die Grundbildung (Stufe 1) stellt eine Bildungsalternative zur Schule dar, das Mindestalter ist 15 Jahre. Die Ausbildung endet mit einem beruflichen Abschluss (ca. 5% der Schüler/innen eines Jahrgangs wählen diese Ausbildungsform). Im Rahmen der zweiten Stufe dieses Ausbildungssystems kann eine Spezialisierung im Anschluss an einen ersten beruflichen Abschluss erworben werden. Die Kurse führen zu einem doppelt qualifizierenden Abschluss: berufsbezogenes Abitur und Berufsabschluss des regionalen Berufsbildungssystems.

Des Weiteren sind zwei Hauptformen der alternierenden Ausbildung zu unterscheiden: der Vertrag über Ausbildung und Arbeit (contratto di formazione e lavoro - CFL) und die Lehre. Einen CFL können 15- bis 32-jährige abschließen. Die Lehre ist ein Arbeitsvertrag, der 1997 eine neue gesetzliche Grundlage erhielt. Das Lehrlingsalter liegt im Schnitt zwischen 16 und 24. Der Zugang zur Lehre ist nicht an bestimmte Bildungsabschlüsse gebunden.

Akteure im Berufsbildungssystem

Eine ganze Reihe von Verwaltungsaufgaben im Bereich schulische berufliche Bildung wurde vom Bildungsministerium an die Regionen, Provinzen und Gemeinden übertragen. In Abstimmung mit den Regionen nimmt der Staat über das Ministerium für Arbeit und Sozialvorsorge Aufgaben im Bereich Aus- und Weiterbildung der Ausbilder wahr sowie Zuständigkeiten für Forschungs-, Dokumentations- und Erprobungstätigkeiten. Das dem Ministerium für Arbeit zugeordnete Institut für die Entwicklung der beruflichen Bildung Erwerbstätiger (Istituto per lo sviluppo della formazione professionale dei lavorator – ISFOL) bietet den Regionen technische Unterstützung und überwacht deren Aktivitäten. Die Berufsfachschulen ebenso wie die Fachoberschulen verfügen über eine Teilautonomie, die ihnen aufgrund ihrer Verbindungen zur lokalen Wirtschaft und zum produzierenden Gewerbe verliehen wurde. Die Berufsbildungskurse der Regionen werden zum Teil von eigenen regionalen Einrichtungen durchgeführt; überwiegend sind jedoch Einrichtungen, die von Gewerkschaften, Unternehmen, Kirchen oder anderen Trägern geführt werden und mit den Regionen einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen haben, mit der Durchführung betraut,

 

 

13. Japan

Berufliche Bildung

Innerhalb des japanischen Bildungssystems ist der Stellenwert einer staatlich organisierten und kontrollierten Berufsbildung gering. Berufliche Aus- und Weiterbildung sind traditionell Aufgabe der Betriebe, nicht des Staates, wobei die Unternehmen autonom entscheiden können. Für die Durchführung der Ausbildungs-, Weiterbildungs- und Umschulungskurse unterhalten Staat, Präfekturen und die halbstaatliche Employment Promotion Corporation (EPC) unterschiedliche Einrichtungen. So sind z.B. die fast ausschließlich von Präfekturen getragenen Ausbildungszentren für die einfachen Ausbildungsgänge im Rahmen der beruflichen Erstausbildung und für Kurse zur beruflichen Weiterbildung und Umschulung zuständig. Primäres Ziel der Qualifikationsprozesse ist weniger auf die Vermittlung fachlicher Inhalte als auf den sozialen Kontext der Tätigkeiten gerichtet. Aufseiten von Staat oder Öffentlichkeit werden von den Unternehmen keine Ausbildungsleistungen erwartet, die über ihre betriebliche Verwertbarkeit hinaus reichen. Von einem öffentlichen beruflichen Bildungssektor kann daher im Grunde nicht gesprochen werden.

In der Zuständigkeit des MEXT liegen folgende Einrichtungen:

  • Fachoberschulen (kôtô senmon gakkô) mit beruflichem Zweig, mit einer Vielzahl von Fachrichtungen 
  • Fachhochschulen (senmon gakkô) mit Studienmöglichkeiten fast ausschließlich für ingenieurwissenschaftliche Fachrichtungen, deren Abschluss anders als andere Einrichtungen, eindeutig auf eine berufliche Verwertbarkeit zielt 
  • Fachschulen (senshû gakkô) als jüngster Typ des japanischen Bildungssystems, mit einer großer Breite im Kursangebot und anerkannt hohem Niveau im Bereich der neuen Technologien 
  • Verschiedenartigen Schulen (kakushû kakkô), deren heterogene Angebote nur in geringem Umfang berufliche Qualifikationen vermitteln

Die Fachoberschulen, Fachhochschulen und Fachschulen sind in thematisch in acht Bereiche gegliedert

  • Technik 
  • Medizin 
  • Landwirtschaft 
  • Gesundheitspflege 
  • Kultur 
  • Erziehung/Sozialwesen 
  • Handel/Verwaltung 
  • Hauswirtschaft

Die berufliche Bildung in der Zuständigkeit des Ministry of Health, Labour and Welfare (MHLW) wird durch dass Berufsbildungsförderungsgesetz geregelt, d.h. eine umfassende gesetzliche Regelung der öffentlichen und mit öffentlichen Mitteln geförderten beruflichen Ausbildung, Weiterbildung und Umschulung. Schwerpunkt der berufsbildungspolitischen Aktivitäten liegt auf der Förderung der klein- und überbetrieblichen Berufsbildung und der Weiterbildung der Erwachsenen. Für die Durchführung der Ausbildungs-, Weiterbildungs-  und Umschulungskurse unterhalten staatliche Präfekturen und die halbstaatlichen EPC unterschiedliche Einrichtungen. Die praktische und theoretische Ausbildung in den verschiedenen Lehrgängen und Fachrichtungen erfolgt in den mehr als 1 400 anerkannten Berufsbildungseinrichtungen nach vorgegebenen Standards des MHLW.

Ein einheitliches System betrieblicher Berufsbildung gibt es nicht, die Übergänge von Aus- und Weiterbildung sind fließend, d.h. in den Unternehmen vernetzt.

Die berufliche Erstausbildung mit Langzeitkursen richtet sich an Mittel- und Oberschulabsolventen ohne berufliche Vorkenntnisse und Erfahrungen. Für Mittelschulabsolventen dauern sie zwei Jahre, für Oberschulabsolventen ein Jahr. Zwei Varianten werden angeboten: der normale Ausbildungslehrgang mit einer breit gefächerten technischen Grundausbildung auf einfachem Niveau und der höherwertige Fachausbildungslehrgang mit einem hohen Anteil an neuen Technologien.

Kurzzeitkurse bestimmen das Konzept beruflicher Weiterbildung. Ihre Höchstdauer beträgt sechs Monate, mindestens 12 Unterrichtsstunden. Das Lernen am Arbeitsplatz dominiert als eine Kernkomponente aller Qualifizierungsprozesse. Sie unterliegt der Verantwortung der Führungskräfte. Mit einer Vielzahl betrieblicher Schulungsangebote zur Weiterbildung wird die Übernahme spezieller Arbeitsaufgaben vorbereitet. Breite und Qualität der Ausbildung stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Produktionsprogramm und dem technischen Ausrüstungsstand des einzelnen Unternehmens. On-the-job-Training wechseln mit arbeitsplatzfernen Schulungsphasen (Off-Job-Training) jeweils der betrieblichen Arbeitsorganisation und dem internen Laufbahnsystem folgend. Für das Konzept charakteristisch sind die fließenden Grenzen zwischen Arbeit und Qualifizierung in den Betrieben. Die fachliche Qualifizierung am Arbeitsplatz ist immer auch Bestandteil der sozialen Integration in die Arbeitsgruppe und Betriebsgemeinschaft.

Über ein weit verbreitetes Prüfungswesen wird der Nachweis fachlicher Qualifikationen gewährleistet. Bei der Mehrzahl dieser Prüfungen steht nicht der Zugang zu bestimmten Berufslaufbahnen im Vordergrund; Ziel ist vielmehr die individuelle Bestätigung fachlicher Fähigkeiten. Dies bedeutet: Ein dadurch erlangtes Zertifikat ist nicht mit einer lang- oder auch nur mittelfristigen Berufsperspektive verbunden. Der Erwerb staatlich anerkannter Qualifikationen ist verbindlich für solche Tätigkeiten vorgeschrieben, in denen die Sicherheit der Erwerbstätigen und Kunden bzw. die Absicherung von bestimmten Qualitätsstandards als im Interesse des Staates liegend erachtet werden.

Die Zertifikate sind sehr unterschiedlich in ihrer Qualität, in ihrer Bedeutung für die berufliche Tätigkeit des Erwerbers, in ihrem Schwierigkeitsgrad und den Voraussetzungen, zur Prüfung zugelassen zu werden. Insgesamt sind die Qualifikationsprüfungen - im Vergleich zu Deutschland - quantitativ und qualitativ von weitaus geringerer Bedeutung, mit erheblichem Unterschied ihre Funktion auf den externen und internen Arbeitsmarkt. Die meisten offiziell angebotenen Qualifikationsprüfungen liegen in der Zuständigkeit des Arbeitsministeriums. Die Durchführung der Prüfungen ist im Berufsbildungsförderungsgesetz geregelt.

Betriebliche und überbetriebliche Berufsbildung werden durch erhebliche öffentliche Mittel finanziert. Im Fall von Klein- und Mittelbetrieben bzw. deren überbetrieblichen Einrichtungen werden zwei Drittel der laufenden Kosten vom Staat übernommen. Ausbildungsmittel und andere Materialien werden kostenlos zu Verfügung gestellt und technische Hilfen bei der Planung und Durchführung der Berufsbildungsmaßnahmen gewährt. Von den über 1200 anerkannten Berufsbildungseinrichtungen werden rund ein Viertel von Einzelunternehmen, die übrigen drei Viertel von überbetrieblichen Körperschaften getragen.

Angesichts technischer Reformen und wirtschaftlicher Globalisierung sollen berufsbildende Graduate Schools für alle Fachgebiete gegründet werden und mit Hilfe Praxis erfahrener Dozenten international einsetzbare "Praktiker" ausbilden. Je nach Fachgebiet ist eine Studiendauer von ein bis drei Jahren vorgesehen.
Einen ausführlichen Überblick über die berufliche Weiterbildung gibt "Weiterbildungsmarkt Japan" der Gesellschaft für Arbeit und Lernen.

Quelle: BIBB

14. Kanada

Berufliche Bildung

Jede der zehn kanadischen Provinzen und drei Territorien ist für das Bildungssystem selbst verantwortlich. Das bedeutet eine große Vielfalt an gesetzlichen Normen, Bildungsangeboten, Zuständigkeiten, Finanzierungsmodellen etc.

Ihren Schwerpunkt hat die Berufsausbildung bzw. -vorbereitung im postsekundären Bereich. Jedoch reichen die Ausbildungsprogramme des Sekundarbereichs, die nach insgesamt zwölf Schuljahren enden, von allgemeinbildend (academic), die in erster Linie die Schüler auf das College oder die Universität vorbereiten, bis berufsbildend (vocational, sog. "job-training") und auf den Übergang zum Arbeitsmarkt vorbereiten. Berufsbildende Kurse werden verstärkt in den letzten beiden Schuljahren und üblicherweise an denselben Schulen angeboten. In den vergangenen Jahren ging die Entwicklung in Kanada weg von einer Trennung von Ausbildungseinrichtungen für Berufsbildung einerseits und allgemein bildenden Schulen andererseits.

Das Abschlussdiplom für die Sekundarstufe wird an die Schüler verliehen, die die Pflicht- und Wahlfächer ihres Programms absolviert haben. In Quebec, wo bereits nach insgesamt elf Schuljahren die Schulausbildung endet, müssen die Studenten vor einem Übergang in eine Universität die sog. Cégeps (Collèges d´enseignement général et professionel) besuchen, die sowohl allgemeinbildende, als auch berufsvorbereitende Programme anbieten.

Grundsätzlich steht somit der Erwerb eines Sekundarabschlusses vor dem Beginn einer spezialisierten berufsvorbereitenden bzw. -orientierten Ausbildung. Problematisch ist, dass die Schulpflicht aber bereits vor dem Zeitpunkt, zu dem üblicherweise mit ca. 18 Jahren der allgemeine Schulabschluss erworben wird, endet. Diese Konstellation führt dazu, dass eine beachtliche Gruppe (1999: ca. 30%) der Jugendlichen keinen Sekundarabschluss haben.

Das kanadische Bildungssystem eröffnet jedoch im postsekundären Bereich durch seine Bildungseinrichtungen, die eine Vielzahl von Bildungsprogrammen anbieten, attraktive Chancen und Möglichkeiten, Abschlüsse zu erwerben. Es werden u.a. neben den Programmen für die berufliche Erstausbildung, solche für Weiterbildung, Transferprogramme für den Übergang in den universitären Bereich, Fort- und Erwachsenenbildung, Umschulung und workshops angeboten.

Community Colleges, Technische Institute und die Cégeps

Für die berufliche Erst- und Weiterbildung sind die Community Colleges, die Technischen Institute und die Cégeps von zentraler Bedeutung. Aber auch die Universitäten sind Anbieter von berufsorientierten Ausbildungsprogrammen. Die Verwirklichung der Idee des lebenslangen Lernens für alle, ist der Leitfaden für die Entwicklung des Bildungssystems in Kanada - Kanada als "knowledge-based society". Daran richten sich Ausbildungsprogramme und die sie umsetzenden Bildungseinrichtungen aus. Ziel ist, für jeden interessierten Kanadier, Bildungsmöglichkeiten im postsekundären Bereich anzubieten. Entsprechend offen werden die Zugangsmöglichkeiten gestaltet und variieren je nach Programm und Ausbildungsanbieter. Für Bewerber ohne formalen Bildungsabschluß gibt es beispielsweise das sog. Prior Learning Assessment and Recognition (PLAR). Dieses Werkzeug ermöglicht es Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen sichtbar zu machen und den Zugang zu einem postsekundaren Bildungprogramm zu eröffnen. Die Ausbildungsprogamme werden von öffentlichen und privaten Einrichtungen angeboten.

Landesweit gab es im Jahr 2002 insgesamt 175 öffentlich finanzierte Community Colleges, Technischen Institute und Cégeps, mit Niederlassungen in 900 Kommunen. Sie sind in der "Association of Canadien Community Colleges" (ACCC) zusammengeschlossen. Diese Colleges und Institute sind eng mit der örtlichen Wirtschaft und öffentlichen Verwaltung verbunden und orientieren sich bei der Auswahl ihrer Ausbildungsangebote stark am regionalen Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Sie entscheiden selbst über ihr Angebot an Bildungsprogrammen.

Neben den oben genannten Bildungsangeboten haben viele Colleges auch Programme für Postgraduierte oder in Kooperation mit Universitäten Programme in ihrem Angebotsportfolio, die mit einem "degree" abschließen. In erster Linie haben sie jedoch als "non-degree-granting"-Institutionen den Focus auf Programmen mit den Abschlüssen "certificate" oder "diploma" gerichtet. In Quebec bieten die Cégeps als Abschluß die sog. "attestations" an. Die Programme unterscheiden sich durch die berufsfachliche Ausrichtung, Schwierigkeitsgrad oder Dauer. Die Certificate-Programme dauern für Vollzeitstudenten in der Regel drei Jahre, werden jedoch auch häufig teilzeitig angeboten. Für den Besuch der Colleges und Insitute werden Studiengebühren erhoben, für die jedoch Stipendien beantragt werden können (für die Einwohner von Quebec ist der Besuch der Cégeps gebührenfrei).

Von den Community Colleges, Technischen Insituten, und Cégeps werden für gewerbliche Berufe im Rahmen des "apprenticeship"-Programms Berufsbildungsgänge angeboten, die in ihrer Struktur an die Lehrlingsausbildung in Deutschland erinnern. Etwa 80% der Ausbildungszeit, die je nach Programm zwei bis fünf Jahre dauert, verbringen die Studenten im Betrieb, mit dem sie einen entsprechenden Vertrag geschlossen haben. Die sog. "off-site" Ausbildung wird schwerpunktmäßig von Community Colleges, Insituten und Cégeps angeboten. Die Studenten erhalten während ihrer Schulphase einen Ausbildungszuschuß, während des on-the-job-trainings einen Lohn ihres Unternehmens. Das Ausbildungsprogramm kann je nach Berufswahl und/oder Niveau mit unterschiedlichen Abschlüsse abgeschlossen werden, überwiegend mit dem "Certificate of Qualification" aber auch dem "diploma".

Das sog. "Red Seal"- Programm ermöglicht es qualifizierten gewerblichen Facharbeitern ihr Gewerbe oder Handwerk in allen Provinzen und Territorien auszuüben, vermeidet das Ablegen mehrerer Prüfungen und erhöht die geographische Mobilität. Das „Red Seal“- Programm beinhaltet landesweit gültige Standards und Ausbildungsvorschriften für die „Certificates of Qualification“, den Abschlüssen eines „apprenticeships“-Programms.

Neben den Community Colleges bieten die Universitäten das „Co-operative Education program“ an, das ebenfalls die Möglichkeit, Studium an einer Universität und Arbeit in einem Unternehmen miteinander verbindet.

Für den Bereich der Elementar- und Sekundarschulen sind in allen Provinzen und Territorien die Bildungsministerien zuständig, die die Curriculumentwicklung, Prüfungen, technische Ausstattung, Beachtung der Chancengleichheit (Rasse, Geschlecht etc.) umfasst. Als Diskussions-, Kooperations- und Informationsplattform gibt es auf nationaler Ebene das Council of Ministers of Education, Canada (CMEC). Auf lokaler Ebene liegt die Zuständigkeit für Ausbildungsfragen in den Händen der sog. School boards, deren Vertreter von den Einwohnern in die Gremien gewählt werden.

Für die Entwicklung Kanadas auf dem Gebiet der Förderung von Humanressourcen ist das 1993 eingerichtete Human Recources Development Canada (HRDC) mit seinen landesweit 320 Büros von zentraler Bedeutung. Es verwaltet Förderprogramme, deren strategische Zielsetzung eine Verbesserung der Bildungs-, Arbeitsmarktchancen insgesamt aber auch persönlicher Entwicklungschancen des Einzelnen ist (z. B. durch das Programm zur Wiedereingliederung Arbeitsloser in den Arbeitsmarkt, dem Human Investment Program, Förderung lebenslangen Lernens etc.).

Die direkte Finanzierung der Regierungen der Provinzen und Territorien ermöglicht die Ausbildung im öffentlichen postsekundären Bereich. Sie erhalten Zuschüsse vom Finanzministerium des Bundes in Ottawa. Daneben fließen Gelder aus Schulgebühren, Forschungszuschüssen, und aus Kooperationsverträgen mit Industrie und Wirtschaft in diesen Bildungsbereich.

Quelle: BIBB

Weiterbildung

Die Formen der Weiterbildung sind äußerst vielfältig, Inhalt und Dauer sehr unterschiedlich. Während für den Primar- und Sekundarbereich sowie für den Tertiärbereich die Bildungsangebote klar geregelt sind, gilt dies für die Weiterbildung nicht. Für die berufliche Weiterbildung sind neben den öffentlichen Trägern und anderen Verbänden die Unternehmen von großer Wichtigkeit. Sie nehmen sich besonderer beruflicher Themenbereiche an und verbinden diese Inhalte oft mit den Firmenprodukten. Auch der Fernunterricht, der überwiegend von privaten Unternehmen durchgeführt wird, ist hier von Bedeutung.

Die Entwicklung der Weiterbildungsangebote wird kaum durch strategische Überlegungen entschieden sondern orientiert sich am Bedarf. So werden in Colleges auf der Grundlage von Bedarfsermittlungen die verschiedensten Kurse in den gewünschten Richtungen angeboten. Die Inhalte dieser Kurse werden durch ehrenamtliche Gremien, die aus Vertretern der Industrie, Lehrkräften und Gewerkschaftlern bestehen, festgelegt.

Da klar strukturierte Berufsbildungssysteme nicht vorhanden sind, dienen viele Ausbildungsformen gleichzeitig der Weiterbildung und Umschulung. Sie könnten aber gleichzeitig auch - nach kanadischem Verständnis - originäre Berufsbildung sein.

Quelle: Internationales Handbuch der Berufsbildung

15. Kolumbien

Berufliche Bildung

Der SENA ist Kolumbiens nationaler Berufsbildungsdienst und wurde 1957 durch eine Vereinbarung zwischen der kolumbianischen Regierung, der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und der Unternehmensvereinigung in Kolumbien nach Vorbild des brasilianischen SENAI gegründet. Es sollte finanziell von der Regierung unabhängig sein. SENA wird überwiegend direkt von der Wirtschaft und durch einen Lohnanteil der Arbeitnehmer finanziert, erhält aber zu einem kleineren Anteil Mittel von der kolumbianischen Regierung. Die vollständige Unabhängigkeit vom Staat ist demnach (bislang) nicht realisiert worden. Präsidentin des SENA ist seit August 2014 Alfonso Prada Gil.

SENA verfügt über 33 regionale Büros, insgesamt 116 Ausbildungszentren, 18.000 Lehr- und 3.800 Verwaltungskräfte. SENA ist für die Programmatik bzw. Strategien im Bezug auf die Berufsbildung zuständig und beschäftigt sich darüber hinaus mit der Zulassung von Ausbildungsgängen und Betrieben. Die regionalen Ausbildungszentren (Centros de Formación), Institutionen die im Zuge der Dezentralisierung entstanden, führen mit einer jeweils fachlichen Spezialisierung berufliche Qualifizierungen im sozialen, wirtschaftlichen und technologischen Bereich aus. Neben diesen Hauptaufgaben liegen weitere Zuständigkeiten in der Beratung für Auszubildende und Unternehmen hin zur beruflichen Entwicklung und Beschäftigung, in der Beratung zu technologischen Dienstleistungen und der Förderung innovativer Projekte.
Wichtige strategische Ziele / Programme des SENA sind:

  • Stärkung der Ausbildungsprogramme
  • Verbesserung der Arbeitsvermittlung 
  • Unterstützung / Beratung von Unternehmen zur Nutzung moderner Technologien (z.B. IKT)
  • Spezialisierte und technologisch aktuelle Ausbildung des Fachpersonals 
  • Förderung von Innovation und technologischer Entwicklung – Schaffung von Anreizen für die Unternehmenskultur
  • Einbeziehung des mittleren Bildungsbereichs zur frühen Heranführung an technische Berufe 
  • Stärkere Vernetzung des akademischen und unternehmerischen Sektors
  • Internationalisierung durch Kooperationsinstrumente wie der Expertenaustausch, Mobilität von Auszubildenden, Erwerb internationaler Technologien.

Der SENA liegt im Zuständigkeitsbereich des Sozialministeriums, welches für den Bereich "Arbeitsmarkt" zuständig und damit auch für den Zugang zur Berufsausbildung verantwortlich ist. Die Berufsschulen als Einheiten der "educación tercera" gehören allerdings in den Zuständigkeitsbereich des Bildungsministeriums (MEN).

Im Rahmen des Besuchs von Staatspräsident Santos vom 12.-14. April 2011 in Deutschland fand am 13. April ein hochrangiges deutsch-kolumbianisches Treffen in Berlin zur Intensivierung und Erweiterung der Zusammenarbeit im Bereich Bildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation statt. Der Präsident des Bundesinsitituts für Berufsbildung BIBB, Manfred Kremer, und Camilo Bernal, Generaldirektor des SENA, unterzeichneten bei dieser Veranstaltung eine Kooperationsvereinbarung.

Des Weiteren engagieren sich u.a. folgende Institutionen im Bereich "Berufliche Bildung": 

16. Mexiko

Berufliche Bildung

Auch im aktuellen Nationalen Entwicklungsplan 2013-2018 gehört der Aufbau eines qualitativen Bildungssystems (México con educación de calidad) zu den Schwerpunkten. Seit 1978 existiert die gesetzliche Verpflichtung zur angemessenen Ausbildung der Arbeiter und Angestellten in den Firmen. Die Ausbildungskosten können steuerlich von den Firmen abgesetzt werden. In den 90er Jahren kamen als Ausbildungsinhalte Themen wie Qualitätsmanagement, Six Sigma, Lean Manufacturing und andere hinzu.

Ein großes Hindernis bei der Verbesserung der beruflichen Ausbildung ist dabei das Fehlen formeller Maßstäbe und Ausbildungsrichtlinien, wie sie z.B. aus dem dualen Ausbildungssystem für die meisten Berufe in Deutschland bekannt sind. Seit 1995 ist darum der Rat zur Vereinheitlichung und Zertifizierung Beruflicher Kompetenz (CONOCER) mit der Umsetzung von Systemen zur Evaluierung der Fachlichkeit verschiedenster Berufsgruppen beauftragt. 

Mehrere Jahre hat man über verschiedene Modelle der Ausbildung diskutiert und den notwendigen Praxisbezug hervorgehoben. Bisher haben die Auszubildenden an Universitäten oder in den Technikerschulen die Möglichkeit, zehn Prozent ihrer Ausbildungszeit mit Praktika zu verbinden. Mehrere Firmen, wie zum Beispiel VW und Bosch, haben diesen fehlenden Praxisbezug schon vor mehreren Jahren erkannt und ihre eigenen Ausbildungs- und Lehrwerkstätten in Mexiko gegründet. Erwähnenswert ist das von VW 1996 gegründete Institut Instituto para Formación y Desarrollo Volkswagen. Dieses Institut bietet inzwischen der Industrie und Firmen im Allgemeinen an ihr Personal  zum Elektroniktechniker, Werkzeugmacher, Mechaniker in der Produktion oder Mechaniker für Stanzmaschinen auszubilden.

Das deutsche Modell des Dualen Systems wurde lange Zeit diskutiert, jedoch nicht umgesetzt. Ab 2012 wurde im Bundesstaat Mexiko offiziel das Model für die Mittlere und Höhere Bildung umgesetzt. 92 Schulen, 250 Firmen mit insgesamt 550 Studenten nahmen in der ersten Generation teil. Unter den Bildungsinstitutionen befinden sich technologische Institute, CONALEP, die bundesstaatliche Universität des Tals von Ecatepec und die bundesstaatliche Universität Mexiko Bicentenario. Ausbildungsgebiete sind unter anderem Mechatronik, Gastronomie und Tourismus, Umwelt und Erneuerbare Energien und Informationstechnologien.

Die mit Abstand wichtigste Institution der beruflichen Bildung in Mexiko ist das öffentliche Nationale Kolleg für Technisch-Professionelle Ausbildung (CONALEP). Es bietet Absolventen der "secundarias" die Qualifizierung zum "professionellen Techniker", dem "profesional técnico", an. Das CONALEP ist in Mexiko mit 501 Schulen vertreten, an denen mehr als 75 Prozent aller Berufsschülerinnen und Berufsschüler ausgebildet werden. Der Auszubildende hat am CONALEP die Möglichkeit, den Abschluss "profesional técnico" oder aber den "profesional técnico bachiller" mit der Fachhochschulreife zu erlangen.

Daneben gibt es auch ein weniger anspruchsvolles Angebot für Qualifikationen. Diese setzen lediglich den Abschluss der Primärbildung voraus und dauern meist zwischen 150 und 450 Stunden. Jährlich durchlaufen mehr als 1,2 Millionen Personen solche Berufsausbildungskurse.

Die politische Verantwortung im Bereich des beruflichen Bildungswesens tragen das Bildungsministerium und das Arbeits- und Sozialministerium. Letzteres ist aber weniger in der Ausbildung als in der Umsetzung des Arbeitsrechts aktiv. Einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Berufsgruppen und deren Entwicklung in den vergangenen Jahren bietet die Datenbank des Instituts für Arbeitsmarktentwicklung (Observatorio Laboral), das dem Arbeits- und Sozialministerium untersteht.

Das mexikanische Bildungssystem und die technische Ausbildung
Das Bildungssystem in Mexiko erfordert eine Schulpflicht von neun Schuljahren. Sie umfasst Vorschule, Grundschule, Mittelstufe und schließt im Alter von 15 Jahren ab. Ungefähr die Hälfte der 15- bis 19-Jährigen führt ihre Ausbildung weiter und befindet sich in einer Voll- oder Teilzeitausbildung.

Für Schüler, die zwar die Grundschule, aber nicht die Mittelstufe besuchten, gibt es die Möglichkeit ihre Studien mit einer Ausbildung für die Arbeit (capacitación para el trabajo) weiterzuführen. Dies ist eine Ausbildung, die auf einen Arbeitseinsatz in Produktionsstätten vorbereitet. Sie dauert drei bis fünf Monaten, je nach Ausbildungsart in Themen der Produktionstechnik, Landwirtschaft, Handel oder Dienstleistungsbereich. Das Ministerium für öffentliche Bildung (SEP), die Bundesstaaten, offizielle Institutionen (wie die öffentlichen Sozial- und Gesundheitssysteme ISSSTE und IMSS, Ministerien, autonome Universitäten etc.) und private Institutionen bieten diese Ausbildung an. Die Schüler können nach Abschluss der Ausbildung direkt in den Arbeitsmarkt einsteigen.

Innerhalb des Mittelstufensystems existiert die technische Mittelstufe, in der die Schüler in einer industriellen technischen Aktivität, Handel, Landwirtschaft, Fischerei oder Forstwirtschaft ausgebildet werden. Diese Art Ausbildung wird von 28 Prozent der Mittelstufenschüler genutzt.

Die Sekundarstufe II umfasst die Oberstufe und die technische Berufsausbildung educación profesional técnica (durchschnittlich drei Jahre). Das Hauptziel der technischen Berufsausbildung ist zu einer technischen Arbeit zu befähigen.

Es gibt auch ein technisches Abitur (bachillerato técnico), das neben allgemeinen Fächern technische Schwerpunktfächer beinhaltet. Nach dem Abschluss können die Schüler ein Hochschulstudium anschließen oder aber direkt eine ihrem technischen Schwerpunkt entsprechende Berufstätigkeit in den jeweilig dazu gehörenden Sektoren wie Industrie, Fischerei, Land- oder Forstwirtschaft ausüben. Das Ausbildungsprogramm zum technischen Abitur und die Berufsbezeichnung Professioneller Techniker (técnico profesional) wird von verschiedenen Schulverwaltungssystemen und Schulen angeboten.

Das höhere Bildungswesen baut auf das Abitur auf. Die möglichen Bildungsabschlüsse sind das Technikerdiplom "tecnico superior", das Hochschuldiplom "Bachellor" (licenciatura) und die Postgraduiertenabschlüsse "Master" und "Doktor". Das Technikerdiplom bildet professionelle Techniker in spezifischen Fachgebieten aus.

Berufliche Fort-/ Weiterbildung
Die berufliche Fort- und Weiterbildungslandschaft in Mexiko ist sehr komplex. Sie kann differenziert nach Bildungsniveau betrachtet werden:

  • Weiterbildungsmöglichkeiten mit Beendigung der allgemeinen Schulpflicht
  • Fortbildung für Berufsschulabgänger und
  • Angebote für Universitätsabsolventen

Viele öffentliche Einrichtungen bieten Aus- und Weiterbildungschancen an. Diese Einrichtungen unterstehen zum Teil dem Bildungsministerium (z.B. Generaldirektion der Ausbildungszentren für Arbeit - DGCFT), sie sind nicht selten aber auch unabhängig (z.B. CONALEP). Berufliche Fachausbildungen (Profesional Técnico) setzen den Abschluss der Sekundärbildung voraus und dauern durchschnittlich drei Jahre. Private Ausbildungsangebote sind in diesem Bereich selten, jedoch sind Firmen gesetzlich dazu verpflichtet, die beschäftigten Arbeitnehmer entsprechend der von ihnen ausgeführten Tätigkeiten auszubilden.

Größter Anbieter beruflicher Weiterbildung ist die Generaldirektion der Ausbildungszentren für Arbeit (DGCFT) des Bildungsministeriums. Die Kurse der DGCFT werden an den Ausbildungszentren für Industrielle Arbeit (CECATIs) angeboten. Die Kurse sollen die allgemeinen technischen Fähigkeiten fördern. Die DGCFT verwaltet in ganz Mexiko 199 CECATIs sowie 49 mobile Bildungsstationen, die einen Katalog von 207 Kursen aus 45 Bildungsbereichen umfassen. Die Dauer der Kurse ist variabel und reicht von wenigen Wochen bis zu zehn Monaten.

Auch das CONALEP und weitere Abteilungen des SEP bieten berufliche Weiterbildung an. Neben den öffentlichen Weiterbildungsträgern betreuen rund 4.700 private Anbieter rund 500.000 Personen. Knapp 40 Prozent dieser Anbieter sind von der Generaldirektion der Ausbildungszentren für Arbeit (DGCFT) anerkannt und in deren System integriert.

Weiterbildungsangebote der Ausbildungszentren für Industrielle Arbeit (CECATI) und staatlichen Ausbildungsinstitute (ICAT) für Berufstätige, die bereits eine Ausbildung abgeschlossen haben, werden als cursos de extensión angeboten. Sie werden nach Berufsbildern wie Kfz-Mechaniker oder Mechatroniker gegliedert.

Zu den größten privaten Weiterbildungseinrichtungen auf dem Niveau der höheren Bildung gehören die Universitäten Tecnológico de Monterrey und die Universidad Iberoamericana.

17. Neuseeland

Berufliche Bildung

Der Begriff "tertiary education" in Neuseeland beschreibt das gesamte Spektrum der Weiterbildung nach der Schulausbildung. Berufliche Ausbildung findet sehr oft als "training on the job" statt und das berufliche Bildungswesen wird hauptsächlich von Erwachsenen im Rahmen des "continuing learning" parallel zur beruflichen Tätigkeit ausgeübt. "Technical and vocational training" wird meist von den Institutes of Technology, Polytechnics, privaten Trainingsveranstaltern oder direkt auf der Arbeitsstelle angeboten. Zudem gibt es einige Programme an den sekundären Schulen, Wananga, Regierungstrainingsinstituten, an einem College of Education und an den Universitäten.

18. Niederlande

Berufliche Bildung und Weiterbildung

Das System der beruflichen Bildung in den Niederlanden wird von nationalen und regionalen Organen kontrolliert und gesteuert – es ist ein national einheitliches Schulsystem mit dezentraler Verwaltung. Die Gesamtverantwortung liegt beim Bildungsministerium. Das Ministerium stellte im Jahr 2011 für Berufs- und Erwachsenenbildung 3,4 Mrd. EUR zur Verfügung. 

In den 1990er Jahren hat das System eine erhebliche Umstrukturierung erfahren. Am 1. Januar 1996 trat das Gesetz über die Erwachsenen- und Berufsbildung (WEB) in Kraft. Als Ergebnis wurden das Lehrlingswesen und der Berufsschulunterricht in einer Bildungseinrichtung zusammengelegt, dem sog. Regionalen Ausbildungszentrum (ROC). Alle Ausbildungen dort kombinieren schulisches Lernen und praktische Ausbildung. 

Die berufliche Bildung (middelbaar beroepsonderwijs  MBO) (Mindestalter: 16 Jahre) umfasst zwei verschiedene Lernwege:

  • den berufsausbildenden Lernweg (BOL) mit einem Praxisanteil von 20 bis 60% im Sinne einer schulischen Ausbildung und den
  • berufsbegleitenden Lernweg (BBL) im Sinne einer betrieblichen Ausbildung mit einem Praxisanteil von mindestens 60%.

Etwa zwei Drittel aller Auszubildenden in den Niederlanden absolvieren eine schulische BOL-Ausbildung, ein Drittel entscheidet sich für den dualen Weg BBL. 

Die berufliche Bildung orientiert sich an den Wirtschaftssektoren, daher werden die Bildungsprogramme in vier Bereichen angeboten (analog VMBO):

  • Ingenieurwesen und Technologie
  • Handel und Verwaltung
  • Gesundheits- und Sozialwesen
  • Landwirtschaft, Umwelt und 
    Nahrungsmitteltechnologie.

Die Ausbildung kann auf vier verschiedenen Niveaus mit entsprechenden Abschlüssen absolviert werden:

  • Level 1: Assistentenlevel. Dauer: sechs Monate bis ein Jahr 
  • Level 2: Berufliche Grundausbildung. Dauer: zwei bis drei Jahre 
  • Level 3: Berufliche Bildung. Dauer: zwei bis vier Jahre
  • Level 4: Ausbildung für das mittlere Management. Dauer: drei bis vier Jahre und Weiterbildung zum Spezialisten. Dauer: ein bis zwei Jahre.

Die Abschlusszertifikate des MBO-Levels 4 (mittleres Management und Spezialisierung) eröffnen den Zugang zur Höheren Berufsbildung (Hoger Beroepsonderwijs – HBO) an den Fachhochschulen (Hogescholen).
(Qu.: Bundesagentur für Arbeit

Der MBO Raad ist der niederländische Rat für Berufsausbildung. Die Organisation repräsentiert alle Institute für sekundäre berufliche Bildung in den Niederlanden. 

Weiterbildung in den Niederlanden ist wie die berufliche Bildung regional gegliedert. Alle Erwachsenen über 18 Jahre haben unabhängig von ihrer Nationalität ein Recht auf Weiterbildung. CINOP ist das nationale Zentrum für Innovation im Berufs- und Weiterbildungsbereich in den Niederlanden. Die Erwachsenenbildung umfasst die allgemeine Sekundärbildung für Erwachsene (VAVO) und die Grundbildung für Erwachsene.

Das Nationale Informations- und Berufsberatungszentrum (LDC) hat in der Berufsberatung die höchste Fachkompetenz (vgl. www.colo.nl) (Qu.: Bundesagentur für Arbeit).

19. Norwegen

Berufliche Bildung

Die Berufsausbildung fällt unter den Bereich der weiterführenden Schulbildung (Sekundarstufe II) und dauert in der Regel vier Jahre. Sie funktioniert nach dem System „2+2“. Dies bedeutet, dass Absolventen insgesamt zwei Jahre in der Schule und anschließend zwei Jahre eine praktische Ausbildung im Betrieb absolvieren. Zugang zur beruflichen Bildung haben alle Schüler, die die Pflichtschule in Norwegen absolviert hat.

Die beruflichen Bildungszweige sind: 

  • Bau- und Anlagentechnik 
  • Gestaltung und Handwerk 
  • Elektrotechnik 
  • Gesundheit und Sozialvorsorge 
  • Medien und Kommunikation 
  • Landwirtschaft, Fischerei und Forstwirtschaft 
  • Restaurant und Lebensmittelverarbeitung 
  • Dienstleistung, Transport und Verkehr 
  • Technik und industrielle Produktion

Weiterbildung

Norwegen nahm als erstes Land der Welt im Jahre 1976 (Adult Education Act, revidiert zum 01.01.2010) eine Gesetzgebung an, die das Recht von Erwachsenen auf Bildung festschrieb. Programme zur Erwachsenenbildung werden sowohl im formellen Bildungssystem als auch von vielen ehrenamtlichen Einrichtungen angeboten.

Wichtigste Institution in der Erwachsenenbildung ist VOX (Norwegisches Institut für lebenslanges Lernen), eine Agentur des Ministeriums für Bildung und Forschung. VOX engagiert sich, durch eine Verbesserung des Bildungsniveaus Erwachsener, die Teilhabe im Gesellschafts- und Arbeitsleben zu erhöhen. Dabei fokussiert VOX v.a. auf die so genannten Grundfertigkeiten.

Lebenslanges Lernen ist ein wichtiger Grundsatz der norwegischen Bildungspolitik. Zielsetzung sind bessere Qualifikationen unter der erwachsenen Bevölkerung. Außer Qualifikationen für das Erwerbsleben soll die Erwachsenenbildung die Grundlage für ein soziales und kulturelles Engagement sowie für demokratische Mitwirkung in der Freizeit schaffen. Ein Schwerpunkt in den vergangenen Jahren ist die Verbesserung der Bildungschancen schwacher Gruppen durch Erwachsenenbildung. Dies betrifft vor allem Erwachsene mit besonders schwacher Schulbildung, Erwachsene mit Lese-Rechtschreib-Schwäche und fremdsprachige Erwachsene.

Der Fernunterricht wird in Norwegen breitflächig eingesetzt. Jedes Jahr nehmen zwischen 20.000 und 30.000 Studenten/innen an Kursen an den autorisierten, unabhängigen Fernunterrichtseinrichtungen teil. Die Bildungseinrichtungen, die Fernunterricht anbieten sind im norwegischen Verband für Fernunterricht zusammengeschlossen.

Im Jahr 1864 wurde Norwegens erste Volkshochschule gegründet. Heute gibt es etwa 80 Volkshochschulen über das ganze Land verteilt. Etwa 7.000 Studenten, meist im Alter von 18 bis 25 Jahren, besuchen die Volkshochschulen jedes Jahr. Wohnmöglichkeiten als ein wichtiger Bestandteil des Lebens auf dem Schulgelände werden von den Volkshochschulen angeboten. Die Lehrprogramme sehen die Studenten in einer ganzheitlichen Perspektive und sollen sie anregen, sich in individueller, sozialer und akademischer Hinsicht weiterzuentwickeln. Volkshochschulen erteilen keine Abschlüsse und halten auch keine formalen Prüfungen ab. Volkshochschulen werden meistens von denjenigen bevorzugt, die zwischen der Oberen Sekundarschule und der Hochschulausbildung ein Übergangsjahr einlegen möchten oder eine Auszeit für Überdenken ihrer zukünftigen Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten benötigen.

20. Palästinensische Autonomiegebiete

Bildungsforschung

Bildungsforschung ist aufgrund der sehr jungen palästinensischen Bevölkerung ein wichtiger Schwerpunkt an den Universitäten. An vielen wie z.B. An-Najah, Bethlehem, Birzeit, PPU, Al-Quds und der Islamischen Universität wird in Bildungszentren oder eigenen Fakultäten in diesem Bereich geforscht. Ziele dieser Forschung sind einerseits die Verbesserung der Lehre an der eigenen Universität, andererseits die bildungsorientierte Politikberatung zur Optimierung des gesamten Bildungssystems in Palästina. Beispielhaft für palästinensische Forschungsinstitute seien hier das „Center for Continuing Education“ (CCE) an der Birzeit University und das „Center for Excellence in Teaching and Learning“ der Universität Bethlehem genannt. Neben den staatlichen Zentren werden von verschiedenen NGOs Bildungsforschungszentren betrieben (bspw. „Qattan Centre for Educational Research and Development (QCERD)

21. Polen

Überblick

Politische Zielsetzungen für Forschung

Im Oktober 2005 - nach dem Regierungswechsel - wurde durch eine Zusammenlegung des Ministeriums für Wissenschaft und Informatisierung MNiI (Ministerstwo Nauki i Informatyzacji) und des Ministeriums für Nationale Bildung und Sport MENiS (Ministerstwo Edukacji Narodowej i Sportu) das Ministerium für Bildung und Wissenschaft MEiN (Ministerstwo Edukacji i Nauki) gegründet.
Nach den Regierungsumbildungen Anfang Mai 2006 wurden die Zuständigkeiten für die Ressorts Bildung und Forschung wieder getrennt; zuständig für Wissenschaft und Forschung ist nun das Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen (MNiSW).

Kontinuität

Das MNiSW setzt den forschungspolitischen Kurs der Vorgängerminiserien weiter fort und konzentriert aktuell seine Interessen- und Aktivitätsschwerpunke auf die Erarbeitung eigener forschungsrelevanter Ergänzungsverordnungen und Gesetze zum Projekt für den Nationalen Entwicklungsplan 2007-2013 (www.npr.gov.pl), das im September 2005 von dem Ministerrat genehmigt wurde sowie u.a. zum Hochschulgesetz (www.nauka.gov.pl). Diese Projekte sollen nun u.a. durch detaillierte Umsetzungsdirektiven (u.a. zur Budgetaufteilung 2007-2013) ergänzt werden.

Forschungspolitische Ziele und Prioritäten

Für die Forschungs- und Technologiepolitik Polens ist in erster Linie der Wissenschaftsminister verantwortlich. Im Hinblick auf die Kohärenz der nationalen forschungspolitischen Ziele mit der EU-Forschungspolitik spielen zwei ministerielle Arbeitsgruppen - für Strukturfonds und für Europäische Integration - eine wichtige Beraterrolle.
 
Von der neuen Regierung werden die forschungspolitischen Ziele der Vorgängerregierungen im Wesentlichen weiterverfolgt. Sie lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • Weiterführung der Reform der Forschungsförderung
  • Deutliche Steigerung der staatlichen und nicht-staatlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung
  • Reform der Wissenschaftsorganisationen und Flexibilisierung der Personalpolitik
  • Verschärfung der Wettbewerbsbedingungen für die Forschung mit öffentlichen Mitteln
  • Sicherung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses
  • Stärkung der polnischen Wissenschaft im europäischen Wettbewerb
  • Stärkere Nutzung der Mittel aus den EU-Strukturfonds im Rahmen regionaler Innovationsstrategien.

Ende 2005 veröffentlichte das MNiSW das Nationale Rahmenprogramm mit folgenden thematischen Förderschwerpunkten:

  • Gesundheit
  • Umwelt
  • Landwirtschaft und Nahrung
  • Staat und Gesellschaft
  • Sicherheit
  • Neue Materialien und Technologien
  • Informationstechnologien
  • Energie und Energiequellen
  • Verkehrsinfrastruktur

Einen Überblick (nicht immer ganz aktuell) über die Geschichte und Struktur der polnischen Forschungslandschaft sowie über die aktuelle Forschungspolitik findet man auf den Webseiten des MNiSW.

Politische Zielsetzungen für Bildung

Für die Bildungspolitik Polens ist in erster Linie der Minister für Bildung verantwortlich. Dabei wird er von der Abteilung für Informatisierung der Bildungsprozesse sowie vom Rat für Informatische und Mediale Bildung beratend unterstützt.
 
Bildungspolitische Entscheidungen werden auf der Basis von zahlreichen Forschungsanalysen, Gutachten, Expertisen in der Bildung getroffen, die der Minister oder die Sejmkommission für Bildung bei folgenden Einrichtungen bestellt: Zentrum für Forschungspolitik und Hochschulwesen, Institut für Bildungsforschung, Institut für Öffentliche Angelegenheiten, Polnische Akademie der Wissenschaften sowie ausgewählte Hochschulen, vor allem Pädagogische Akademien.

Das Ministerium für Nationale Bildung (MEN) verfolgt in seiner bislang kurzen Amtszeit (seit Mai 2006) die Ziele seiner Vorgängerministerirn MENiS und MEiN weiter fort. Diese lauten zusammengefasst:

  • Einführung weiterer und Sicherung bereits eingeführter Reformen des Bildungssystems
  • Steigerung von staatlichen Bildungsausgaben auf 7% des BSP
  • Steigerung der Bürgeranteile mit mittlerer Reife und vor allem mit Studienabschluss
  • Chancengleichheit beim Zugang zu allen Bildungsformen und div. Bildungseinrichtungen für alle sozialen Schichten
  • Steigerung der Schul- und vor allem der Hochschulautonomie
  • Nachhaltiger Ausbau des nicht-staatlichen (privaten) Bildungssektors
  • Dezentralisierung der Bildungsverwaltung und öffentlichen Finanzen für Bildung
  • Anpassung von polnischen Rechtsgrundlagen im Schul- und Hochschulwesen an das aktuelle EU-Recht
  • Förderung der internationalen Zusammenarbeit und der europäischen Integrationsprozesse im Bildungsbereich

Hochschulbildungspolitische Ziele bis 2010

Die im Hochschulreformkonzept des Ministeriums für Wissenschaft und Hochschulwesen vorgeschlagenen Veränderungen sollen bessere Voraussetzungen für das Funktionieren der Hochschulen in Polen schaffen. Ihnen liegt die Überzeugung zugrunde, dass das in den polnischen Hochschulen liegende Potential durch eine Steigerung ihrer Autonomie, die Berücksichtigung von Instrumenten des Qualitätsmanagements sowie durch eine stärkere Vernetzung der Hochschulen mit dem Umfeld umfassend genutzt werden kann. Die Veränderungen der Hochschulpolitik der Regierung sollen laut dem von Ministerin Kudrycka vorgelegtem Reformkonzept erfolgen u.a. durch:

  • eine Differenzierung der Hochschulen nach dem Kriterium der Qualität in Forschung und Lehre in drei Kategorien: Elitehochschulen („Flaggschiffe“), Hochschulen, die gute Erfolge bei der gesellschaftlich-wirtschaftlichen Entwicklung der Region und des Landes aufweisen, sowie Hochschulen, die in der Lehre auf lokaler Ebene tätig sind (Fachhochschulen);
  • Zunahme der Autonomie der Hochschulen bei der Bestimmung und Ausführung ihres Auftrags;
  • Wandel in Richtung aufgabenorientierte Finanzierung;
  • stärkere Berücksichtigung der Ergebnisse der Tätigkeit der Hochschulen insbesondere der Qualität ihrer Forschungs- und Lehrtätigkeit sowie ihrer Vernetzung mit dem gesellschaftlich-wirtschaftlichen Umfeld.

Die Entwicklung eines Systems, welches die effektive Nutzung der EU-Mittel für die Wissenschaft ermöglicht, ein Paket für die Geisteswissenschaften und eine bessere Vorbereitung der Studenten auf dem Arbeitsmarkt sind Hauptprioritäten des Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen für 2014, erklärte die amtierende Ministerin Lena Kolarska-Bobińska.

  • Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sollen sich bis 2020 um zwei Prozent erhöhen. Die Vizeministerin für Infrastruktur und Entwicklung, Elżbieta Bieńkowska erklärte, dass sich Polen im europäischen aber vor Allem auf dem Weltmarkt beweisenmöchte  und konkurrenzfähiger werden soll.
  • Ein neues unterstützendes System für die verbesserte Anwendung neuer Erfindungen soll entwickelt werden. Unternehmern werden Gutschriften angeboten, für die sie im Gegenzug Lehrveranstaltungen an Universitäten halten. Diese sollen die wissenschaftliche Nachforschung aber vor Allem den Lernprozess fördern.
  • Industrielle Doktorate – Unternehmen, die in enger Verbindung mit Universitäten arbeiten, erhalten die Möglichkeit, Nachforschungsthemen zu stellen. Somit soll die Option,  zu der Erstellung einer Doktorarbeit in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen gegeben sein.
  • Kurse sollen hinzugefügt werden – um das Risiko zu verringern, dass  Absolventen nach der Studienzeit auf dem Arbeitsmarkt keinen Job finden, sollen Kurse eingeführt werden. Diese werden helfen, Kompetenzen, wie Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern bzw. erweitern.
  • Ein dreimonatiges Praktikum während der Studienzeit wird vorgeschrieben, um den Studenten die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, zu bieten.
  • Das Programm „Creative Student-Creative Citizen” wird ins Leben gerufen. Innovatives und kreatives Denken wird während des Lehrprogramms unterstützt und gefördert.
  • Außerdem ist geplant, ein Paket für das Gebiet der Geisteswissenschaften zu entwickeln. Der Inhalt wird jedoch noch mit den dazugehörigen Gesellschaften abgestimmt. Unter Anderem wird über die Möglichkeit diskutiert, Geisteswissenschaften in allen Lehrveranstaltungen zu unterrichten.

Quelle: Science and Scholarship in Poland http://naukawpolsce.pap.pl/en/news/news,398861,science-minister-presented-the-priorities-of-the-ministry-in-2014.html

Qualitätsorientierte Finanzierung der Hochschulen:
Bei einer stufenweisen Steigerung oder gar bei einer Beibehaltung des bisherigen Finanzierungsniveaus (Polen bringt derzeit 1,6 % BIP jährlich für das Hochschulwesen auf) sind folgende Änderungen unabdinglich:

  • Transparentere stationäre sowie institutionelle Zuschüsse werden vor allem zur Beibehaltung der Kontinuität der Hochschultätigkeit bestimmt. Die Entwicklungspolitik wird im Ausschreibungsverfahren aus Mitteln des Haushalts sowie aus EU-Strukturmitteln finanziert werden.
  • Stärkung des aufgabenbezogenen Charakters der stationären Zuschüsse durch ihre Verkopplung mit der Ausbildung der Studierenden. Die Höhe der Zuschüsse wird nach einem Index der Kostenintensität des Studierens bemessen werden (in Abhängigkeit von der Studienrichtung) und im größeren Maße mit der Anzahl der Studenten gekoppelt sein. Außerdem wird der Zuschuss abhängig sein von der Bewertung der Lehrqualität durch die Polnische (früher „Staatliche“) Akkreditierungskommission.
  • Die Höhe des institutionellen Zuschusses wird sich nach der vom Komitee zur Evaluierung Wissenschaftlicher Einheiten vorgenommenen parametrischen Beurteilung richten

Das Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen will 2014 ein neues Konzept für die Finanzierung des Bildungswesens entwickeln. 

Nach Ministerin Lena Kolarska-Bobińska sollten private Universitäten sich mehr dafür einsetzen, Zuschüsse für die Aufrechterhaltung von  Forschungskompetenzen zu erhalten. Diese erhalten gesetzliche Zuschüsse unter Anderem, für Studenten, Stipendien, für Sozialhilfe und die akademische Leistungen. Wobei alle Struktur-und Qualitätszuschüsse auf Grundlage der gleichen Regeln, wie an öffentliche Einrichtungen vergeben werden. Jährlich erhalten sie eine halbe Milliarde Zloty (umgerechnet 120 Mio. EUR) aus dem Staatshaushalt.  Die privaten Universitäten nutzen jedoch lediglich etwa 6 Millionen Zloty (1, 4 Mio. EUR) der gesetzlichen Zuschüsse, um die Forschungskapazitäten aufrechtzuhalten.

Außerdem muss Forschung, aber vor Allem angewandte Forschung der Gesellschaft mehr nutzen. Internationalisierung soll der Schlüssel dafür sein. Internationale Studenten sollen vermehrt an polnischen Universitäten aufgenommen werden, polnische Wissenschaften müssen sich mehr in internationalen Projekten beteiligen und allgemein sollte das Land besser konkurrieren, um Finanzmittel der EU zu erhalten.

Quelle: Science and Scholarship in Poland www.naukawpolsce.pap.pl/en/news/news,398591,minister-of-science-we-have-to-select-a-group-of-elite-universities.html

Verbesserung der Ausbildungsqualität:

Gegenwärtig studieren die polnischen Studenten in mehr als 200 Studienrichtungen: die meisten, nämlich 23 %, in Wirtschafts- oder Verwaltungsstudienrichtungen, nur 6,8 % in Ingenieurs- und technischen Richtungen. Diese Struktur entspricht nicht den Erwartungen des Arbeitsmarktes. Dazu kommt, dass das polnische Hochschulwesen unter dem Gesichtspunkt des Lehrangebots nur schwach differenziert und wenig konkurrenzfähig ist. Um dies zu verbessern, sind u.a. folgende Änderungen geplant:

  • Die grundlegenden Organisationseinheiten der Hochschulen, die Habilitationsbefugnisse haben, werden Studienrichtungen selbstständig bestimmen und in Betrieb nehmen können. Die Programme werden von den geltenden und vom Hochschulminister durch Rechtsverordnungen festgelegten Ausbildungsstandards ausgenommen sein. Bedingung: Definierung der Ausbildungsresultate nach den allgemein geltenden Grundsätzen, die sich aus dem Nationalen Qualifizierungsrahmen für acht Gruppen von Studienrichtungen ergeben.
  • Die übrigen grundlegenden Organisationseinheiten der Hochschule können nach den für die Studienrichtungen in den Nationalen Qualifizierungsrahmen definierten Grundsätzen nach Zustimmung des für Hochschulwesen zuständigen Ministers selbstständig neue Studienrichtungen einrichten.
  • Öffentliche Hochschulen, die über derartige Befugnisse verfügen, werden unter der Bedingung selbstständig neue Studienrichtungen einrichten dürfen, dass sich die allgemeine Anzahl der Studenten in Präsenzstudiengängen der Hochschule nicht erhöhen wird. Eine Steigerung der Zahl der Studenten wird die Hochschule aus Eigenmitteln selber finanzieren müssen, oder der Hochschulminister muss aufgrund einer Analyse der Bildungsstruktur im Lande seine Zustimmung erteilen.
  • Die Hochschulen werden verpflichtet, ihr hochschuleigenes System zur Qualitätssicherstellung einzuführen bzw. zu verbessern.
  • Die Polnische Akkreditierungskommission wird als Kontrollorgan zur Überwachung der Ausbildungsqualität (Programm- und institutionelle Beurteilung) unabhängig von der Regierungsverwaltung tätig werden

Darüber hinaus wurden seit dem 1. September 2012 im polnischen Berufsbildungssystem folgende Veränderungen vorgenommen:

  • schrittweises Auslaufen der Lyzeen mit spezifischen Fachrichtungen,
  • schrittweises Auslaufen der ergänzenden allgemeinbildenden Lyzeen und ergänzenden Technika,
  • alle Ausbildungsgänge in den Berufsgrundschulen werden auf 3 Jahre angehoben (bisher existierten auch 2-jährige Ausbildungsgänge),
  • Reform der Ausbildungsregelungen (poln. podstawa programowa kształcenia w zawodach), auf deren Grundlage Ausbilder und Lehrer die Lehrpläne erstellen,
  • Einführung von beruflichen Zwischenprüfungen, deren Bestehen dem Auszubildenden bestimmte Qualifikationen mit einem Zeugnis bestätigt.

Diese Neuregelungen gelten jedoch nur für die Auszubildenden, die im September 2012 mit der Ausbildung begonnen haben und nicht rückwirkend.

Quelle: BQ-Portal https://www.bq-portal.de/de/db/berufsbildungssysteme/709

Bessere Nutzung des Forschungs- und Lehrpotentials polnischer Hochschulen:
Dazu wird u.a. Folgendes vorgeschlagen:

  • Hochschulen müssen Regelungen zum Schutze geistigen Eigentums und Grundsätze zur Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen ausarbeiten (spin-offs bzw. Lizenzverträge)
  • Einrichtung gemeinsamer Wissenschafts- sowie Wissenschafts- und Industriezentren durch Hochschulen, Institute der Polnischen Akademie der Wissenschaften und Forschungsinstitute für gemeinsame Forschung und Doktorandenstudiengänge durch die präzisere Fassung von Vermögensrechten, einschließlich für große und mittlere Forschungsanlagen, von Rechten auf intellektuelles Eigentum und zur Gewinnaufteilung unter den beteiligten Einrichtungen.
  • Änderung der Vorschriften zu einem Hochschulverbund: Zulassung einer Konsolidierung von öffentlichen und nicht-öffentlichen Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen in zwei Formen:
    a) öffentliche Konsolidierung, wenn die öffentliche Hochschule führend ist,
    b) nicht-öffentliche Konsolidierung, wenn die nicht-öffentliche Hochschule führend ist (davon ausgenommen sind Universitäten).
  • Aufhebung der Auflage, die Studienordnung und die Statuten einer Hochschule vom Hochschulminister bestätigen zu lassen.

Integration der Hochschulen in das gesellschaftlich-wirtschaftliche Umfeld. Schaffung von Wissens-Regionen:
Vorgesehen sind u.a. folgende Maßnahmen:

  • Einführung der Möglichkeit, gemeinsam mit einem Arbeitgeber oder auf Bestellung eines Arbeitgebers auszubilden; Einbeziehung von Praktiken aus Wirtschaftsorganisationen in den Lehrprozess in berufsorientierten Studienrichtungen bei der Aufstellung von Studienprogrammen, bei der Umsetzung des Lehrprozesses und auch bei der Beurteilung der Resultate.
  • Einführung von Kriterien in den Systemen der didaktischen Bewertung von Hochschulen, die etwas über das Niveau der Vernetzung der Ausbildung mit den Bedürfnissen des gesellschaftlich-wirtschaftlichen Umfelds aussagen.
  • Vereinfachung der Verfahrensweise, Studierenden und wissenschaftlichen Kräften steuerfrei Stipendien zu gewähren; diese Regelungen sollen für Gebietskörperschaften, freie Verbände und auch Unternehmer gelten.
  • Obligatorischer Konvent an öffentlichen Fachhochschulen zur Schaffung von Verbindungen zwischen Hochschule und gesellschaftlich-wirtschaftlichem Umfeld; erreicht werden sollen dieses Ziel u.a. durch die Verabschiedung einer Entwicklungsstrategie in Übereinstimmung mit der nationalen und regionalen Entwicklungspolitik.
  • Stufenweise Umgestaltung der staatlichen Fachhochschulen in öffentliche Hochschulen (der ersten Qualifikationsstufe) der Gebietskörperschaften; eingesetzt werden können diese Hochschulen durch Beschluss der Regionalparlamente und nach Erlangung der Zustimmung des Hochschulministeriums; die Tätigkeit dieser FHs der Gebietskörperschaften basiert auf dem Hochschulgesetz.
  • Neuregelung der Rechtsstellung der Fremdsprachen- und Lehrerkollegs – nach Ablauf der Absprachen dieser Kollegs mit Hochschulen; bis zum 30.8.2012 sollen sie in die Außenstelle einer Hochschule umgewandelt werden, mit einer Hochschule oder Fachhochschule eine Verbindung eingehen oder in eine Fachhochschule umgewandelt werden (ein Kolleg oder auch zusammen mit weiteren).

Schaffung von Mechanismen zum Kreieren von nationalen führenden Wissenschaftszentren:

  • Diese Zentren (nach der Abkürzung der polnischen Bezeichnung KNOWs genannt) sollen durch vom Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen ausgeschriebene Wettbewerbe ins Leben gerufen werden.
  • Bedingung für eine Teilnahme am Wettbewerb ist, dass die Hochschule Magister- und Doktorandenstudiengänge als Präsenzstudium anbietet.
  • Den KNOW-Status kann eine Hochschule erhalten oder ein Wissenschaftszentrum bestehend aus mindestens zwei Trägern; in Frage kommen dabei Hochschulen, Institute der Polnischen Akademie der Wissenschaften und Forschungsinstitute.
  • Die Finanzierung – über gezielte Zuschüsse - läuft über fünf Jahre mit der Möglichkeit einer Verlängerung um weitere fünf Jahre.
  • Diese Zentren genießen Priorität bei der Beantragung von Haushaltsmitteln und Geldern aus den EU-Strukturfonds.

Änderungen in der Verfassung öffentlicher Hochschule
Eine neue Hochschulverfassung wird u.a. aus folgenden Elementen bestehen:

  • Vorgesehen ist die Wahlmöglichkeit zwischen zwei Verfahrensweise zur Berufung eines Rektors oder auch eines Institutsdirektors:
    traditionell durch Wahl wie bisher oder durch Ausschreibung, bei der sich Personen bewerben können, die mindestens über einen Doktorgrad verfügen und als Manager ausgebildet sind oder diesbezüglich Erfahrung mitbringen.
  • Im Senat oder im Konvent darf ein Mitglied nur für zwei aufeinander folgende Wahlperioden vertreten sein; das gilt nicht für Mitarbeiter der Hochschulverwaltung und der berufsständischen Vertretungen.

Quelle: Homepage des Wissenschaftsministeriums www.nauka.gov.pl

Forschungsorganisationen

Eine besondere Rolle unter den Forschungsorganisationen erfüllt die Polnische Akademie der Wissenschaften (PAN). Sie ist die größte polnische regierungsunabhängige staatliche Wissenschaftsinstitution, die als Gelehrtengesellschaft tätig ist und 80 eigene Forschungseinrichtungen unterhält. PAN ist Mitgründer von fünf internationalen Forschungseinrichtungen mit Sitz in Polen: Internationales Zentrum für Kybernetik-ICB/Breslau, Internationales Banach-Zentrum für Mathematik-IMC/Warschau, Internationales Zentrum für Starke Magnetfelder und Niedrigtemperaturen-Breslau, Polnisch-Französisches Zentrum für Pflanzenbiotechnologie-FPCPB/Warschau und Internationales Institut für Molekular- und Zellbiologie-IIMCB/Warschau. Neben zahlreichen Regierungsabkommen über die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit bilden die PAN-Vereinbarungen und - Memoranden mit mehr als 50 Staaten die zweitwichtigste Basis für die Beteiligung Polens an etwa 1000 nationalen und 250 internationalen Forschungsvorhaben und –Programmen. Die PAN ist Mitglied bei knapp 100 internationalen Forschungsorganisationen, darunter bei: ESF, IFIP, ICO, IUMS, IUPAP, ICGEB, IUFoST, IIASA, ISA.

Die PAN-Institute führen jährlich mehr als 1.000 nationale und ca. 250 internationale Forschungsprojekte in folgenden Forschungssektoren durch:

  • Mathematik-, Physik-, Chemiewissenschaften (über 300 nationale, ca. 100 internationale Projekte)
  • Biologiewissenschaften (über 250 nationale, ca. 50 internationale)
  • Ingenieurwissenschaften (ca. 200 nationale, ca. 50 internationale Projekte)
  • Geistes- und Sozialwissenschaften (über 150 nationale, ca. 20 internationale Projekte)
  • Medizinwissenschaften (über 100 nationale, ca. zehn internationale Projekte)
  • Agrar- und Veterinärwissenschaften (über 80 nationale, ca. 20 internationale Projekte)
  • Geowissenschaften (über 80 nationale, ca. 20 internationale Projekte)

Die Berliner Außenstelle der PAN wurde im November 2000 eingerichtet. Aufgabe der Außenstelle ist es, die Errungenschaften der polnischen Wissenschaft in Deutschland zu popularisieren und zu fördern und gleichzeitig Informationen über das wissenschaftliche Leben in Deutschland zu sammeln. Ihre Schlüsselaufgabe besteht darin, Kontakte zwischen polnischen und deutschen wissenschaftlichen Einrichtungen aller Art anzubahnen sowie Partner für bilaterale oder auch multilaterale wissenschaftliche Projekte zu vermitteln. In diesem Sinne hat die Außenstelle bereits zahlreiche Veranstaltungen und Konferenzen für Wissenschaftler und Studenten organisiert und im Frühsommer 2003 wurde das Polnische Wissenschaftsforum in Deutschland e.V. gegründet.

Aktivitäten anderer Förder- und Forschungsorganisationen

Die Projektpalette der größten Forschungsförderorganisationen, u.a. der Stiftung für die Polnische Wissenschaft FNP, der Stefan-Batory-Stiftung und der Polnischen Stiftung für die Wissensverbreitung PFUN umfasst u.a. folgende nationale und internationale Angebote:

  • Programm TECHNE – Förderung des Technologietransfers durch Unterstützung der industriellen Anbahnungsphase für die besten polnischen F&E-Arbeiten (Prototypgeräte und -produkte, Inbetriebnahme von neuen Technologielinien, Testuntersuchungen, Zulassungs- und Patentangelegenheiten, etc.
  • Programme zur Förderung der internationalen, vor allem europäischen, wissenschaftlichen Zusammenarbeit und des Erfahrungsaustausches; Beispiele: EXPLORATORIUM – Forschung, technischer Fortschritt, Innovationen (Förderung der europäischen wissenschaftlichen Integration)
  • Stipendienprogramme und Forschungspreise für polnische und ausländische Wissenschaftler – Förderung von Nachwuchswissenschaftlern und Jungprofessoren, Auslandsaufenthalten, Konferenzteilnahmen, Doc- und Postdocstipendien; Beispiele: FNP-Stipendien für junge Doktoranden, FNP-Konferenz- und Wohnungszuschüsse,  Kopernikus-Preis (gestiftet von FNP- und DFG für herausragende deutsch-polnische Wissenschaftlerteams), Polnisches Humboldt-Stipendium (für deutsche Wissenschaftler, die Forschungsarbeiten in Polen durchführen möchten), FNP-Preis für die besten polnischen Forscher
  • Programme zur Förderung der „Informatisierung“ der Gesellschaft; Beispiel: PFUN-Programm „Internet in der Schule“ mit Teilprojekten: Euroschule im Internet, Fortgeschrittene Datenverarbeitung, Internetwerkstatt für eine Idee, Olympische Internetschule, Superwerkstätte
  • Programme zur Gesellschaftsentwicklung, internationale Kooperation und Solidarität; Beispiele: TUO - Offene TV-Universität, MUO - Offene Multimediale Universität und „Gleiche Chancen“ (Förderung der Fernausbildung und der regionalen Chancengleichheit in Bildung), Batory-Programm für Juristische Gesellschaftsausbildung, Batory-Programm für internationale Kooperation und Förderung polnischer Organisationen in Europa (Teilprojekte u.a.: „Freundliche EU-Grenze“, „Kulturerbe“), „Der Dritte Sektor“, „Künstler in Aktion“ (Künstlerförderung), Forum „Freundliche Nachbarn“ (gemeinsame Initiativen in Polen und Litauen), „Partnerschaft der Städte und Bürger“ (gemeinsames Partnerschaftsprogramm von Batory-Stiftung und Robert-Bosch-Stiftung).

Über entsprechende Einzelheiten dazu informieren die Wissenschafts- und Förderorganisationen auf eigenen Websites.

Auf der Zentralebene Polens (Großstädte) sind über 100 und auf der Regionalebene ca. 6.000 Forschungs- und Wissenschaftsorganisationen aktiv. Hiervon arbeiten knapp 30% als staatliche Organisationen, darunter ca. 7% mit der Funktion der MNiSW-Aktivitäten direkt unterstützenden Mitentscheidungs- und Beratungsgremien. Die restlichen ca. 70% sind non-profit-Organisationen, die meist parteipolitisch und weltanschaulich neutral sind und selbst verwaltet werden. Die Mitgliedschaft sowie die Verwaltungs- und Geschäftsleitungaktivitäten sind freiwillig und ehrenamtlich.

Zu den Organisationsformen zählen beispielsweise:

  • Forschungsgesellschaften, -gemeinschaften, -verbände, -kreise, -zentren, -foren
  • Berufsverbände und Vereine für Forschung, Studium und gesellschaftliche Initiativen
  • Clubs für Wissen, Wissenspromotion und Rationalisierung
  • Forschungs- und Innovationskreise und -kammern
  • Studentische Forschungsgruppen, etc.
  • Forschungsbibliotheken und -archive.

Seit einigen Jahren versuchen Teile dieser Organisationen - vor allem aus dem technischen und medizinischen Bereich - sich im Profit-Sektor zu etablieren. Sie werden meistens zu kleineren Privatfirmen/GmbHs (darunter mit gemischtem polnisch-ausländischem Kapital) umgewandelt und befassen sich u.a. mit folgenden Themen: Consulting zu Wissensmanagement, Forschungs- und Innovationsförderung, Wissens-, Informations- und Technologietransfer, Risikomanagement, Business- und Strategieplanung, Investitionsrentabilität, Unternehmens und Personalberatung, Kontaktaufnahme und -sicherung (national, international).

Die ca. 450 bedeutendsten der oben genannten Forschungsorganisationen führen intensive Forschungsarbeit in beinahe allen Forschungs- und Wissenschaftsbereichen durch: 

  • Geistes- und Sozialwissenschaften (über 110 Organisationen)
  • Medizinwissenschaften und Pharma (ca. 100)
  • Ingenieurwissenschften, Technik und Innovation (über 60)
  • Biowissenschaften und Umweltschutz (über 40 Organisationen)
  • Agrar- und Forstwissenschaften (ca. 20)
  • Naturwissenschaften: Mathematik, Physik, Chemie (ca. 20)
  • Geowissenschaften (ca. 10)
  • Andere Forschungsgebiete, wie Rechtswissenschaften, Astronomie u.a. (ca. 50) 

Aktuelle Ziele und Aufgaben

Zu den Aufgaben der Forschungsorganisationen gehören u.a.: 

  • Wissens-, Forschungs-, Technik- und Kulturverbreitung (innerhalb und ausserhalb der Grenzen Polens)
  • Steigerung der Forschungs- und wissenschaftlichen Qualifikationen
  • Bildung von Foren für nationale und internationale (insbesondere europäische) wissenschaftliche Kontakte sowie für Informations- und Erfahrungsaustausch
  • Ethikpflege und -förderung in Wissenschaft, Forschung und jedem Beruf
  • Förderung, Popularisierung und dauerhafte Bewahrung wissenschaftlicher und technischer Leistungen und ihrer Erschaffer
  • Förderung wissenschaftlicher Veröffentlichungen (Forschungsarbeiten, Fachzeitschriften, etc.)
  • Vertretung wissenschaftlicher und beruflicher Interessen div. Zielgruppen
  • Förderung der "Humanisierung der Technik"
  • Erarbeitung und Umsetzung div. wissenschaftlicher Sonderprogramme (z.B. in den Bereichen Umweltschutz, I&K-Technologien, Qualitäts- und Arbeitssicherheitsmanagement
  • Förderung aller Gruppen wissenschaftlichen Nachwuchses (Info- und Forschungsservice für wiss. Jugendclubs und studentische Forschungsgruppen, Fachwettbewerbe, wissenschaftliche Praktika, Vorlesungen und Fachausstellungen für Jugendliche und Studenten )
  • Kooperation mit dem Bildungssektor (u.a. aktive Mitformulierung und -umsetzung von Bildungs- und Forschungsprogrammen, -projekten und Initiativen für Schüler und Studenten, Diskussion über Rückkopplung von Bildung und Forschung, Diskussion über weiterführende Schulen, sachverständige Mitwirkung bei der Neugestaltung und Auswahl von Lehrbüchern)
  • Pflege internationaler Kontakte zu Forschungsgruppen und -organisationen, wiss. Stiftungen und Stipendiatengruppen (europa- und weltweit).

Auf den Webseiten des Ministeriums für Wissenschaft und und Hochschulwesen MNiSW (www.mnisw.gov.pl, Links: „Instytucje naukowe, doradcze, decyzyjne“/Forschungs-, Entscheidungs- und Beratungsorganisationen) sowie der polnischen Datenbank Klon-NGO (www.ngo.pl) wurden zahlreiche der aktuell aktivsten Forschungsorganisationen mit ihren Internetadressen zusammengestellt. Dort wurden aktuelle Informationen über einige für die polnische Organisationslandschaft repräsentativ ausgewählte Forschungsorganisationen - mit einer Weiterführungsoption zu ihren jeweiligen Aktivitäten, von ihnen getragenen Programmen und Projekten ausführlich dargestellt.

Zu dieser Auswahl gehören u.v.a.: 

  • Polnische Gesellschaft für Agrophysik
  • Polnische Gesellschaft für Physik
  • Polnische Gesellschaft für Wissenschaftliche Information
  • Polnische Gesellschaft für Kardiologie
  • Polnische Gesellschaft für Bildverarbeitung
  • Polnische Gesellschaft für Theoretische und Angewandte Mechanik

Berufliche Bildung

Berufsbildung im Reformzustand

Seit 1989 haben sich in Polen tief greifende politische, soziale und wirtschaftliche Veränderungen vollzogen, die Veränderungen im Bildungssystem und insbesondere in der beruflichen Bildung erfordern. Seit Ende der 90er Jahre ist man bestrebt, das Bildungswesen neu zu ordnen und zu reformieren, um es den Erfordernissen der Marktwirtschaft anzupassen. Es lassen sich zwei größere Reformperioden unterscheiden: 1990 - 1999, dabei im Vordergrund die Reform der Hochschulbildung und 1999 - 2005, mit dem Schwerpunkt der Schul- und Berufsbildungsreform.

Das in den 90er Jahren bis zur heutigen Übergangsphase bestehende Bildungssystem in Polen beruht auf dem reformierten Bildungsgesetz von 1991. Mit ihm wurden von den seinerzeit verantwortlichen Ministerien, dem Ministerium für Nationale Bildung (Ministerstwo Edukacji Narodowej) sowie dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Sozialpolitik (Ministerstwo Gospodarki, Pracy i Polityki Spolecznej) neue bildungspolitische Ziele, Prinzipien und  nhaltliche Rahmenvorgaben für alle Schultypen des Systems festgelegt, hinsichtlich der Organisation wurden Teile der bestehenden Strukturen in Grundzügen beibehalten.

Im Oktober 2001 wurde das Ministerium für Nationale Bildung umorganisiert zum Ministerium für Nationale Bildung und Sport (Ministerstwo Edukacji Narodowej i Sportu), in dem eine Abteilung für Berufs- und  Weiterbildung eingerichtet wurde.
Die 1999 initiierten Großreformen des Bildungssystems und der Schulstruktur in allen Bildungssektoren, somit auch der beruflichen Bildung, wurden bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt komplett vollzogen.
Das neue System der beruflichen Bildung ist seit Beginn des Schuljahres 2002/2003 in Kraft.

Berufsbildungsstruktur

Laut den Schulgesetzen von 1999 und 2001 bilden folgende Elemente die Grundlage für die berufliche Bildung in Polen:
Die obligatorische einheitliche Grundschule - diese setzt ein Einschulungsalter von sechs Jahren voraus und umfasst seit dem Schuljahr 1999/2000 sechs Klassen - und das obligatorische dreijährige Gymnasium.

Für die Absolventen der 3. Klasse des Gymnasiums bestehen folgende weiterführende Bildungswege:

  1. Das Allgemeinbildende Lyzeum ("liceum ogolnoksztalcace" / LO) bereitet seit 2002 in drei Jahren auf das Abitur und damit auf die Aufnahme eines Studiums an Hochschulen und Universitäten vor.
    2005/2006 wurden in allen bisher vierjährigen Lyzeen neue Schulprogramme und neue Abiturregelungen eingeführt. Abiturpflicht besteht nicht. Die Aufnahme eines Studiums ist jedoch nur mit erfolgreichem Abitur und bestandener Aufnahmeprüfung möglich. Einige Hochschulen (meistens Fachhochschulen) verzichten auf die Aufnahmeprüfungen.
  2. Die Berufsschule (traditionell "Berufsgrundschule", "zasadnicza szkola  zawodowa" / ZSZ). Diese vollzeitschulische Erstausbildung erfolgte bis 2002 in drei Jahren auf dem Niveau "qualifizierter Arbeiter" (polnischer "Facharbeiter") in industriell-technischen und gewerblichen Berufen. Noch in den 80er Jahren erhielten fast 80% aller Auszubildenden hier ihre Ausbildung. Ein relativ kleiner Teil der Jugend erwarb seine Berufsausbildung in alternierender (dualer) Form in Betrieben des Handwerks und Gewerbes. Bereits 1997 war der Anteil der Auszubildenden auf der Qualifikationsstufe "Berufsgrundschule" - den neuen bildungspolitischen Prinzipien entsprechend - auf 32,1% der Population reduziert.
    Die „neue“ Berufsgrundschule vermittelt seit 2002/2003 in zwei bis drei Jahren neben dem beruflichen Know-how (Berufsprüfung und -diplom) gleichermaßen das Allgemeinwissen und ermöglicht dadurch ihren Absolventen unproblematische Fortsetzung der Ausbildung an einer der Ergänzungsschulen (Ergänzungslyzeum, Ergänzungstechnikum).  2003 besuchten 9,8% der Population diese Schulen.
  3. Das vierjährige Technikum hat 2005/2006 das fünfjährige Technikum sowie das ihm bis 2002 gleichgestellte Berufslyzeum ("liceum zawodowe" – bildete in vier Jahren in ausgewählten anspruchsvollen Facharbeiterberufen aus und  vermittelte zugleich die Hochschulreife für die Aufnahme eines Studiums) landesweit ersetzt. Diese traditionelle doppelqualifizierende Berufsbildungseinrichtung vermittelt sowohl in technischen und landwirtschaftlichen als auch in nichttechnischen Berufen/Richtungen, d.h. ökonomischen, administrativen, künstlerischen, medizinisch-sozialen, pädagogischen u.v.a. eine sog. "mittlere berufliche Qualifikation", die mit der Hochschulreife verbunden ist.

Schließlich gibt  es noch  postabiturielle Formen beruflicher Ausbildung (Postabiturschulen, "szkoly policealne") – für die Absolventen der allgemeinbildenden Lyzeen und Profillyzeen, die kein Studium aufnehmen möchten.

Seit dem  Schuljahr 2005/2006 wurden in den Postabiturschulen (staatliche und nicht-staatliche Schulen) neue d.h. auf max. 2,5 Jahre gekürzte und auf die Kompetenzen der zukünftigen Lyzeumsabgänger abgestimmte Schul- und Qualifikationsprogramme eingeführt.

Vor einigen Jahren wurde die Möglichkeit in Überlegung gezogen, durch höhere Berufsbildungskurse und Kurse auf Magisterniveau berufliche Qualifikationen auf höherem Niveau zu erwerben. Im ersten Fall wäre den Absolventen der Titel eines Bachelor of Arts oder Bachelor of Science verliehen, und sie könnten ihre Bildung in ergänzenden Kursen auf Magisterniveau fortsetzen. Im zweiten Fall wäre es möglich in einheitlichen Kursen auf Magisterniveau den Master of Arts zu erwerben.

Die „Master“-Kurse haben sich inzwischen in einer anderen Studienform etabliert: zusätzlich qualifizierendes Postgraduierten-Studium „Master of Business Administration (MBA)“ für Studienabsolventen aller Fachrichtungen mit obligatorischer Berufspraxis. Solche privat bezahlten Zusatzstudien werden von ca. 300 Weiterbildungseinrichtungen, meistens Hochschulen (davon ca. 150 Auslandeinrichtungen), angeboten.

Gleichzeitig wächst seit  1999 kontinuierlich die Anzahl, Popularität und Bedeutung von beruflichen Hochschulen (Berufshochschulen/Fachhochschulen). Weit über 300 nicht-akademische und überwiegend nicht-staatliche Berufshochschulen erteilen die „einfacheren“ Licencjat- oder Inzynier- Anschlüsse in ca. 70 Fachrichtungen und bereiten seine Absolventen in drei bis vier Jahren (incl. mehrere Praxiswochen) auf direkten und  meist engspezialistischen Berufseinsatz vor.

Das neue System der beruflichen Bildung sieht eine neue strategische Orientierung zur Entwicklung des erforderlichen Qualifikationspotenzials vor. Dafür ist u.a. eine stärkere Verknüpfung der Berufsbildung mit dem Sektor der Weiterbildung und der beruflichen Weiterqualifizierung notwendig.

Externe Bewertung

Seit dem 1. September 2012 bieten Berufsfachschulen die berufliche Bildung in 200 Berufen, die 252 Qualifikationen umfassen, an. Jede Qualifikation wird als eine Reihe von erwarteten Lernergebnissen, die in den Kern-Lehrplänen vordefiniert sind, beschrieben. Die Leistung und damit der Abschluss einer bestimmten Qualifikation, wird durch das Zertifikat von dem Regionalprüfungsausschuss erteilt und bestätigt.
 
In der Praxis kann man sich für ein bis drei Qualifikationen pro Beruf entscheiden –für jede Qualifikation muss eine Prüfung abgelegt werden. Dabei entwickelt der Zentrale Prüfungsausschuss Richtlinien für jede Prüfung.
 
Die Prüfung zur beruflichen Qualifikationen besteht aus zwei Teilen: einem schriftlichen und einem praktischen Teil. Der schriftliche Teil dauert zwischen 45 und 90 Minuten und der praktische Teil zwischen 120 und 240 Minuten. Die Dauer für jede Tätigkeit ist in den Richtlinien definiert. Dabei werden Kenntnisse und Fähigkeiten, die für eine bestimmte Qualifikation erforderlich sind, getestet.
Beim Durchgang der Prüfung für eine einzige Qualifikation, wird einem Student / erwachsenen Lernenden ein Zertifikat von dem Regionalprüfungsausschuss ausgestellt. Nach Bestehen der Prüfungen erhält der Prüfling ein Diplom, welches bestätigt, dass dieser alle Qualifikationen, die für diesen Beruf notwendig sind, besitzt.

An der Berufsprüfung nehmen teil:

  • Schülerinnen und Schüler der beruflichen Grundschulen und Schüler der Fachoberschulen
  • Absolventen von Berufsgrundschulen und Absolventen der technischen Oberschulen sowie
  • erwachsene Lernende, die bereits eine Berufsausbildung absolviert haben.

BOTSCHAFT DER REPUBLIK POLEN in der Bundesrepublik Deutschland
Lassenstr. 19-21
14193 Berlin-Grunewald
Tel.: (+49 30) 223130
Fax: (+49 30) 22313155
e-mail: berlin.amb.sekretariat@msz.gov.pl
website: www.berlin.polemb.net

Institutionen des Partnerlandes in Deutschland

Seit den 50er Jahren ist das Polnische Institut in Berlin existent, es entstand damals noch unter einem anderen Namen und seine Zielsetzung war in der damaligen Wirklichkeit eingebettet. Seine heutige rechtliche Legitimität schöpft das Polnische Institut aus dem "Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit vom 17. Juni 1991", dort im Besonderen aus dem Artikel 24 über die gegenseitige Errichtung und die Tätigkeit von Kulturinstituten. Auf dieser Grundlage entstanden in Polen die Goethe - Institute, in Deutschland hingegen die Polnischen Institute, die zwar bereits vorher hier existierten nun jedoch eine andere rechtliche Grundlage und einen veränderten Tätigkeitsbereich erhielten.Träger des Polnischen Instituts ist das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der Republik Polen.

Die grundlegenden Bereiche der Tätigkeit des Polnischen Instituts sind in erster Linie die direkte Förderung und Präsentation polnischer Kunst und Kultur in Deutschland. Hierbei sollte es sich nicht nur um klassische oder bekannte Kunst und Künstler handeln, vielmehr neue und förderungswürdige Richtungen sollen Unterstützung und Aufmerksamkeit erfahren; es gilt im internationalen Zusammenhang zu zeigen, wie energiegeladen und mit welcher Intensität die polnische Kunst wächst, sich entwickelt und mutig neue Wege und Richtungen beschreitet. Sowohl die Bildenden Künste, Musik aber auch das Theater, der Film und die Literatur der letzten polnischen Künstlergenerationen werden porträtiert und in ihren genuinen Formen auf den Berliner Bühnen dem Publikum zugänglich gemacht.
Auch der kulturelle und politische Dialog im Zuge der neuen europäischen Herausforderungen wird nicht außen vor gelassen. Regelmäßig veranstaltete Podiumsdiskussionen mit Teilnehmern sowohl aus Polen als auch aus Deutschland sollen die gegenseitigen Erwartungen aber auch Befürchtungen aufhellen und klären.
Quelle: www.polnischekultur.de 
 
Neben dem Polnischen Institut Berlin gibt es auch noch die Polnischen Institute in Düsseldorf und in Leipzig:
Polnisches Institut in Düsseldorf
Quelle: www.polnisches-institut.de

Deutsche Vertretungen im Partnerland
Deutsche Botschaft Warschau - Polen
ul. Jazdów 12
00-467 Warszawa
Tel.: +48 (0) 22 - 58 41 700
Fax: +48 (0) 22 - 58 41 739

E-Mail: info(at)warschau.diplo.de
Internet: www.warschau.diplo.de


Deutsche Wissenschafts- und Kulturinstitutionen im Partnerland
Eine Übersicht über die wissenschaftlichen Institutionen, die Kooperationen mit Polen fördern, liefert das Ost-West-Wissenschaftszentrum. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Polen wird durch die großen deutschen Fördereinrichtungen sowie durch zahlreiche kleinere Stiftungen finanziell unterstützt. Auf den Webseiten der Deutschen Botschaft Warschau findet sich eine umfassende Übersicht über alle deutschen Einrichtungen, die in Polen aktiv sind.

Das Deutsche Historische Institut Warschau wird von der bundesunmittelbaren Stiftung öffentlichen Rechts Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland (D.G.I.A.) getragen. Die Stiftung wird vom BMBF finanziert. Das DHI Warschau vergibt Stipendien zur Förderung von Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der polnischen Geschichte und der Geschichte der deutsch-polnischen Beziehungen vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Die Stipendien werden in der Regel an Bewerberinnen und Bewerber aus der Bundesrepublik  Deutschland zur Unterstützung von Promotions-, Habilitations- und Forschungsprojekten vergeben, die aufgrund der Quellen- und Literaturlage einen Aufenthalt in Polen erforderlich machen.
Quelle: www.dhi.waw.pl/de/ 

Bilaterale Gremien und Beauftragte
Die WTZ-Kommission (Wissenschaftlich-Technologische Zusammenarbeit: WTZ) tagt in regelmäßigen Abständen. Partner sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Ministerium für Wissenschaft und Hochschulbildung (MNiSW). Die Kommission legt fest in welchen Bereichen Kooperationen wie unterstützt werden.


Deutsch-Polnisches Forschungsforum
Nach dem erfolgreichen Deutsch-Polnischen Jahr 2005/2006 fand am 21./22. April 2008 in Leipzig das erste Deutsch-Polnische Forschungsforum statt. Zu dieser Veranstaltung haben das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das polnische Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen (MNiSW) Vertreter aus Wissenschaft und Forschung, Politik und Gesellschaft eingeladen. Ziel des Forums war es, die Zusammenarbeit beider Länder in der Forschung zu vertiefen, neue Instrumente der Kooperation zu entwickeln und zur Gestaltung des Europäischen Forschungsraums beizutragen.

Das nächste Forschungsforum ist in Planung.

ERA-Netze mit BMBF/IB-Beteiligung

Im Rahmen der deutsch-polnischen Zusammenarbeit fanden 2002 und 2006 gemeinsame Ausschreibungen des BMBF und des Ministeriums für Wissenschaft und Hochschulwesen (MNiSW) in den klinischen Neurowissenschaften statt, aus der 13 bzw. zehn deutsch-polnische Projekte hervorgingen. Die Begutachtung der Projektanträge erfolgte gemeinsam, die Finanzierung der beteiligten Wissenschaftler durch das jeweilige Ministerium.

Die Erkrankungen des zentralen Nervensystems zu erforschen und die Forschungsergebnisse in verbesserte diagnostische und therapeutische Maßnahmen zu übertragen, ist von höchster Priorität. Daher wurde das Netzwerk ERA-NET NEURON ("Network of European Funding for Neuroscience Research") gegründet, das durch die Europäische Kommission gefördert wird. Ziel des ERA-NET NEURON ist es, die Forschungsaktivitäten und -programme der beteiligten europäischen Länder auf dem Gebiet der krankheitsbezogenen Neurowissenschaften zu koordinieren.

Derzeit erfolgt die Zusammenarbeit beider Ministerien im Rahmen des ERA-Net NEURON, Seit Januar 2012 läuft das ERA-NET NEURON II. Mitglieder sind 21 finanziell unterstützende Organisationen von 16 europäischen Ländern: Österreich (FWF), Belgien (Flandern, FWO), Kanada (CIHR, Québec, FRQS), Finnland (AKA), Frankreich (ANR, INSERM, CNRS), Deutschland (PT-DLR/BMBF), Island (Rannis), Israel (CSO-MOH), Italien (MOH), Luxemburg (FNR), Polen (NCBiR), Portugal (FCT), Rumänien (ANCS-MEdR, UEFISCDI), Spanien (ISCIII, MINECO), Schweden (SRC), Großbritannien (MRC)

Im Jahr 2011 wurde das "ERA-NET on Translational Cancer Research" (TRANSCAN) gegründet, das einen Teil der Forschungsaktivitäten der beteiligten europäischen Länder im Bereich der translationalen Krebsforschung koordinieren soll (www.transcanfp7.eu/).

Im Rahmen von TRANSCAN haben sich die folgenden Partnerorganisationen zusammengeschlossen, um die erste gemeinsame Fördermaßnahme zur Förderung multinationaler kooperativer Forschungsprojekte im Bereich der translationalen Krebsforschung durchzuführen:

  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Deutschland
  • Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF), Österreich
  • Research Foundation Flanders (FWO), Belgium
  • National Cancer Institute (INCa), France
  • General Secretariat for Research and Technology, Ministry of Education, Life Long Learning and Religious Affairs (GSRT), Greece
  • Chief Scientist Office of the Ministry of Health (CSO-MOH), Israel
  • Ministry of Health (MOH), Italy
  • Latvian Academy of Science (LAS), Latvia
  • National Research Fund (FNR), Luxembourg
  • National Centre for Research and Development (NCBiR), Poland
  • Institute of Oncology (IOB), Romania
  • Slovak Academy of Sciences (SAS), Slovakia
  • Ministry of Higher Education, Science and Technology (MHEST), Slovenia
  • Institute of Health Carlos III (ISCIII), Spain
  • Scientific and Technological Research Council of Turkey (TÜBITAK), Turkey

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) ist das anerkannte Kompetenzzentrum zur Erforschung und Weiterentwicklung der beruflichen Aus- und Weiterbildung in Deutschland. Das BIBB identifiziert Zukunftsaufgaben der Berufsbildung, fördert Innovationen in der nationalen wie internationalen Berufsbildung und entwickelt neue, praxisorientierte Lösungsvorschläge für die berufliche Aus- und Weiterbildung.

In seiner international ausgerichteten Arbeit unterscheidet das BIBB zwei Aktionslinien:

  • Internationale Zusammenarbeit: Die internationale Zusammenarbeit ist jede Form von Interaktion und fachlicher Austausch, zum Beispiel in Form von Vorträgen, Workshops, Seminaren, Expertentreffen, Betreuung von Besuchergruppen und Gastwissenschaftlern. Im Vordergrund der Zusammenarbeit stehen der Erfahrungs- und der Informationsaustausch zu aktuellen Fragen und Problemstellungen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung.
  • Systemberatung: Die Systemberatung zielt auf Veränderungen im Berufsbildungssystem, insbesondere den Aufbau von Kompetenzzentren, Reform von entsprechenden Rechtsverordnungen/Prüfungsordnungen oder die Entwicklung von Standards im Partnerland.  Dabei geht es primär um die Genese von passgenauen Konzepten und Strategien, die die landesspezifischen Besonderheiten und Bedürfnisse berücksichtigen. Systemberatung durch das BIBB wird durch Forschung fundiert und flankiert. In diesem Zusammenhang beteiligt sich das BIBB auch als Partner in Konsortien an europäischen Ausschreibungen.

Hochschulen

Deutsch- Polnische Fachhochschultagung

Seit 1993 fanden verschiedene Delegationsreisen und Veranstaltungen mit hochrangigen Vertretern der HRK und polnischer Partnerorganisationen statt. Besonders erwähnenswert ist die Deutsch-Polnische Fachhochschultagung, die auf Initiative des BMBF im November 2001 in Zittau/Görlitz stattfand. Im Rahmen der Tagung wurden die Beteiligung am Bologna-Prozess, erörtert, Informationen über das System der Fachhochschulen in Deutschland und den Berufshochschulen in Polen ausgetauscht sowie Perspektiven der künftigen Kooperation diskutiert.

Seit 1994 hat die HRK regelmäßig Gruppen polnischer Vertreter aus dem gesamten Bereich der Bildung zu Gesprächen empfangen. Diese Besuche wurden von der Robert Bosch Stiftung organisiert. Zudem hat die HRK zahlreiche Besucher aus Hochschulen und Politik aus Polen zu kurzen Gesprächen auf unterschiedlichen Ebenen empfangen.

Hochschulkooperationen

Insgesamt bestehen über 1350 Kooperationen zwischen deutschen und polnischen Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen. (Stand: Januar 2015)

Das Collegium Polonicum in Slubice ist eine gemeinsame Hochschuleinrichtung der polnischen Universität in Posen und der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, die deutsch-polnische didaktische und Forschungskooperation des wissenschaftlichen Hochschulpersonals im EU-Integrationsaspekt fördert. Laut der Regierungsvereinbarung 2002 beider Bildungsminister wurde die Kooperationspalette um weitere wertvolle Elemente, darunter Auslands(teil)studium und div. Postdiplomkurse, erweitert.      

Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

Die HRK, in der sich die staatlichen und staatlich anerkannten Universitäten und Hochschulen in Deutschland zusammengeschlossen haben, konzentriert ihre Arbeit im Internationalen Bereich auf Informationsaustausch, Koordination und Kooperation, Internationale Beratung und Förderung der Internationalisierungsbestrebungen der deutschen Hochschulen. Die Kooperation mit Polen ist von hervorgehobener Bedeutung.

Strategien und Programme der internationalen Bildungs-, Forschungs- und Innovationszusammenarbeit

Ausführliche Informationen über die aktuelle Ausrichtung und Schwerpunktthemen der europäischen und internationalen Beziehungen und der Zusammenarbeit Polens in Bildung und Wissenschaft – mit Bezug auf die Bildungs- und Forschungspolitischen Hintergründe und europäischen Integrationsprozesse – beinhaltet Kapitel 3 im Abschnitt „Politische Zielsetzungen“ (Bereich „Forschungs-/Bildungspolitik“). 

Besondere Instrumente und Maßnahmen

UNESCO

Rechtsinstrumente:
23 zugestimmt und 15 nicht zugestimmt

  • Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes: zugestimmt (16. Mai 2011)
  • Übereinkommen über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen: Beitritt (17. August 2007)
  • Internationale Konvention gegen Doping im Sport: Beitritt (17. Januar 2007)
  • Übereinkommen über den Schutz des Kulturerbes unter Wasser: nicht zugestimmt
  • Zweite Protokoll zum Haager Abkommen von 1954 für den Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikt: Beitritt (3. Januar 2012)

Teilnahme an europäischen Programmen und Initiativen

Bereich Forschung

Seit 1989 ist Polen Mitglied bei der „Mitteleuropäischen Initiative“ (Inicjatywa Srodkowoeuropejska ISE), der ältesten und größten Kooperationsinitiative von Ländern in Mittel- und Osteuropa (MOE). Seit 2000 arbeiten auf Regierungsebene insgesamt zwanzig MOE-Staaten, darunter auch Polen, an gemeinsamen Programmen und Projekten zum europäischen und zwischenregionalen Dialog.

Außerdem ist Polen seit 1989 auch Mitglied bei der CEI–Europäische Initiative (Central European Initiative), an der sich seit 2000 insgesamt 17 MOE-Länder beteiligen. Zahlreiche Arbeitsgruppen, wie z.B. für Forschung und Technologie, befassen sich mit regionalen Kooperationsprojekten zum Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch.

Die Mitgliedschaft bei COST besteht seit 1991. Seitdem werden polnische Forscherteams jährlich an über 100 gemeinsamen Projekten und anderen COST-Aktionen,  insbesondere in der Chemie, Landwirtschaft und Lebensmittelwissenschaften, Meteorologie, Telekommunikation und Biotechnologie, beteiligt.

Polen ist seit 1995 Mitglied bei EUREKA. Seitdem gibt es jährlich über 70 EUREKA-Projekte mit Beteiligung polnischer Forscher. Aktuell arbeiten Wissenschaftler aus fünf polnischen KMUs und 20 Forschungseinrichtungen in 27 EUREKA-Projekten mit.

Ausgewählte polnische Kernforschungseinrichtungen beteiligten sich an Projekten des europäischen Rahmenprogramms EURATOM 2002-2006 (fachspezifisches Teilrahmenprogramm im 6.RP zur Kernforschung und –Schulung).      

Im Forschungsbereich Molekularbiologie beteiligt sich Polen an Projekten und Netzwerk-Aktivitäten der European Molecular Biology Conference EMBC und „Young Investigator Programme“ mit Förderprojekten und Stipendien für Jungwissenschaftler.

Der Vertreter Polens im Europäischen Forschungsfond (ESF) ist seit 1992 die Polnische Akademie der Wissenschaften PAN (Forschungsbereiche: Physik und Ingenieurwissenschaften, Medizin, Umweltschutz, Sozialwissenschaften).

Polen war im Jahr  2000 - neben Ungarn, Tschechischen Republik und Slowakei - der Mitgründer der Internationalen Visegrad Group zur Forschungs-, Kultur- und Kooperationsförderung im Mitteleuropa.

Über die weiteren multilateralen Kooperationsprogramme und Initiativen mit Beteiligung Polens informiert das Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen auf den Webseiten: www.nauka.gov.pl/en/, Menüsektor: „International Co-operation“.   

Forschungsprogramme der EU, Forschungsrahmenprogramm FP7
Im FP7 wurden bisher 1.279 Projekte mit polnischer Beteiligung und 860 Projekte mit deutsch-polnischer Beteiligung gefördert. Folgende Bereiche bilden die fachlichen Schwerpunkte der Beteiligung am FP7: Technologien der Informationsgesellschaft, Nachhaltige Entwicklung, Transport , Forschungsinfrastrukturen, Nanotechnologien und -wissenschaften, Gesundheit, Umwelt und Mobilitätsmaßnahmen Marie-Curie. (Stand 06/2013)

Das Europäische Institut für Innovation und Technologie (EIT) ist ein wichtiger Treiber für nachhaltiges Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit Europas, durch die Stimulation von weltweit führenden Innovationen mit positiven Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Gesellschaft.

Das EIT ist die erste europäische Initiative zur vollständigen Integration der drei Seiten des "Wissensdreiecks" bestehend aus Bildung, Forschung und Wirtschaft. Das Institut basiert auf operative Partnerschaften und den "Knowledge and Innovation Communities" (KIC) - hoch integrierte öffentlich-private Netzwerke von Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen.

Quelle: Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen www.nauka.gov.pl/en/, Dziennik Polski vom 5.3.2009, Gazeta Prawna vom 5.3.2009, Polnische Presseagentur PAP Nauka w Polsce www.naukawpolsce.pap.pl/en/vom 6.3.2009

Bereich Bildung

Seit 1996 gewinnt die Kooperation im Bildungs- und Fortbildungsbereich mit den EU-Staaten kontinuierlich an Bedeutung und ist seit dem EU-Beitritt Polens 2004 zum wichtigsten internationalen Kooperations- und Aktivitätsfeld des polnischen Bildungsministeriums geworden: Im Rahmen des „gemeinsamen“ Bildungspolitik in Europa beteiligt sich Polen an zahlreichen Programmen, Projekten und anderen Aktionen zur Unterstützung der Bildungsprozesse (insbesondere in der Berufsbildung), Förderung der Fremdsprachen sowie am Personal- und Erfahrungsaustausch.

Seit 1991 beteiligen sich zahlreiche polnische Schulen am europäischen Programm-Schulwettbewerb „Europa in der Schule“, das in Polen vom Bildungsministerium (Abteilung für Europäische Bildung) in Zusammenarbeit mit dem Informationsbüro des Europarates und dem Warschauer Kulturzentrum koordiniert wird. Das Thema der 14. Programmedition  in Polen lautete: „Bürger im veränderten Europa“.

Polen ist Mitglied beim Europäischen Hochschulraum und beteiligt sich aktiv an div. EU-Aktivitäten zur Einführung vergleichbarer Hochschuldiplome und akademischer Grade, Förderung des Punktesystems für die Messung studentischer Erfolge (ECTS), Beseitigung von Barrieren für studentische und wissenschaftliche Mobilität, Europathemen-Förderung in Ausbildung und zum Ausbau vom 2-stufigen Studiensystem.

Außerdem ist das polnische Bildungsministerium Mitglied beim Bildungskomitee des Europarats (polnischer Vorsitz 1994-1996) und beim Komitee für Hochschulbildung und Forschung. Seit 2001 veranstaltet Polen unter der Schirmherrschaft von Europarat, EU und UNESCO das „Europäische Fremdsprachenjahr“ ERJ (Europejski Rok Jezykow), das jährlich knapp 1.000 div. Veranstaltungen, Projekte und andere Aktivitäten umfasst – in drei internationalen Kategorien: Sprachen unserer Nachbarn, Europäische Woche für Erwachsenenbildung und Internetspiele.

Unter dem ersten polnischen Vorsitz der Geschichte im Ministerkomitee des Europarats fand im Dezember 2004 die Europäische Konferenz der Bildungsminister statt.  Die dort unterschriebene „Breslauer Deklaration“ formuliert neue gemeineuropäische Ziele für Bildung, Erziehung, Kultur, Jugend und Sport.

Die Abteilung für Internationale Zusammenarbeit des Bildungsministeriums koordiniert die Beteiligung zahlreicher polnischer Schulen, Jugendorganisationen und Regionalzentren an der vom Nord-Süd-Zentrum des Europarats jährlich organisierten „Woche der globalen Bildung“ zur europäischen Bildungsintegration. Unter dem Titel „Zusammen für die Welt ohne Armut“ fanden im November 2006 verschiedene Veranstaltungen statt.   

Die Gesamtgrundlage für EU - weite Zusammenarbeit in Bildung und Ausbildung wird in den Schlussfolgerungen des Rates vom 12. Mai 2009 in einem strategischen Rahmen, dem "Education and Training 2020", festgelegt.

Die Eckpunkte für 2020 sind:

  • der Anteil der 15-Jährigen mit unzureichenden Fähigkeiten in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften, sollte weniger als 15 % betragen;
  • der Anteil der frühen Schulabgänger von Bildung und Ausbildung sollte weniger als 10 % betragen;
  • der Anteil der 30- bis 34 -Jährigen mit Hochschulabschluss, sollte mindestens 40 % betragen;
  • ein Durchschnitt von mindestens 15% der Erwachsenen ( Altersgruppe 25-64 Jahre) sollte am lebenslangen Lernen (vgl. Kapitel „Mitgliedschaften in internationalen Regierungsorganisationen“ – „UNESCO“ ) beteiligt sein.

Über weitere multilaterale Kooperationsprogramme und Initiativen mit Beteiligung Polens informieren die Webseiten des Bildungsministeriums munter www.men.gov.pl/index.php?option=com_content&view=section&layout=blog&id=18&Itemid=138.  – keine englische Version der Seite vorhanden, jedoch Kontaktdaten

Mitgliedschaften in internationalen Regierungsorganisationen

UNESCO

Polen ist seit dem 06. November 1946 Mitglied der UNESCO. Zu den Aufgabengebieten der UNESCO gehört die Förderung von Erziehung, Wissenschaft und Kultur sowie Kommunikation und Information.

Verankerung der UNESCO im Land

In Polen gibt es 14 Objekte, die auf der UNESCO-Liste des Weltkultur- und Naturerbes erfasst sind. Es sind Stadtteile, Klöster, ein Schloss, das Vernichtungslager Auschwitz, ein Urwald und technisches Denkmal. 2013 sind jüngst die Holzkirchen aus der polnischen und ukrainischen Karpatenregion als Kulturerbe hinzugekommen.
Mit der UNESCO verbundene Schulen: 108 (2 Kindertagesstätten und Vorschulen, 17 Grundschulen, 80 weiterführende Schulen und 9 Berufs- und technische Institutionen). Polen trat dem ASP Netzwerk (UNESCO Associated Schools Project Network) 1956 bei. Diese Schulen arbeiten für die Förderung der internationalen Verständigung, des Friedens, des interkulturellen Dialogs,  und der nachhaltigen Entwicklung und Qualität der Ausbildung in der Praxis.
Darüber hinaus ist Polen mit sechs UNESCO-Clubs und einem Verbund Mitglied der Basisorganisation der UNESCO.
Außerdem bestehen drei polnische UNESCO-Excellent Centres, die in der internationalen Forschungsförderung tätig sind (Molekular- und Zellbiologie, Magnetplasma sowie Bioinformatik).

Institut für Lebenslanges Lernen (LLP)
Die Europäische Kommission hat ihre verschiedenen Bildungs- und Ausbildungsinitiativen unter einem Dach, dem Programm für lebenslanges Lernen, integriert. Es besteht aus vier Einzelprogrammen: Comenius (für Schulen), Erasmus (Hochschulbildung), Leonardo da Vinci (für berufliche Aus-und Weiterbildung) und Grundtvig (für Erwachsenenbildung).

Mitgliedschaften Polens:

  • Mitglied im Regierungsrat für das internationale Hydrologischen Programm (Amtszeit endet im Jahr 2015)
  • Mitglied im zwischenstaatlichen Ausschuss zur Förderung der Rückgabe von Kulturgut an das Herkunftsland oder ihrer Entschädigung im Falle einer rechtswidrigen Beschlagnahme (Amtszeit endet 2015)
  • Mitglied im Regierungsrat  des internationalen Programms  für die Förderung der Kommunikation (Amtszeit endet im Jahr 2015)
  • Mitglied im zwischenstaatlichen Ausschuss für Meereskunde
  • Mitglied im zwischenstaatlichen Komitee des internationalen Abkommens zum Schutz der Künstler, der Hersteller von Tonträgern und der übertragenden Organisationen

UNDP

Public-Private Partnerships for Service Delivery (PPPSD) ist ein UNDP-Programm, das den Zugang der Armen zu grundlegenden Dienstleistungen wie Wasser, Abfall, Energie, Bildung und Gesundheit durch die Förderung von Partnerschaften zwischen lokalen einschließlich Regierung, Unternehmen und Gemeinden zu erhöhen versucht. Durch ihre Arbeit auf lokaler Ebene unterstützt PPPSD die Linderung der Armut im Rahmen der Millenniums-Entwicklungsziele.
PPPSD hat ein Netzwerk von Partnern, die hauptsächlich aus Bildungseinrichtungen auf der ganzen Welt, um die Kapazität für die Entwicklungsbemühungen zu stärken. Ziel ist es, mehr Wissensquellen zu generieren und in Aktivitäten, die dieses Wissen verbreiten umzusetzen. Daraus hat sich eine globale Gemeinschaft von Praktizierenden gegründet. Mitglied dieser Gemeinschaft ist, u.a., die Universität Warschau, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, in Polen.

UNIDO

Die Region Europa und Neue Unabhängige Staaten (NUS) umfasst 29 Länder und ist sehr vielfältig in Bezug auf Größe, Lage, Bevölkerung und soziale Entwicklung. Der Übergang von einem zentral geplanten Wirtschaftsmodell zum Aufbau einer gut funktionierenden Marktwirtschaft ist das übergeordnete Ziel der Region.

Das Europa -und NUS- Programm spielt eine Schlüsselrolle in der Entwicklung, Koordination und Überwachung der UNIDO-Programme und Projekte bezüglich der technischen Zusammenarbeit. Ziel ist die Schaffung und Verbreitung von branchenbezogenen Wissen durch die Förderung von globalen Foren. Die drei Kernfunktionen des Europa -und NIS- Programm - das Management der strategische Nachfrage, Partnerschafts- Management und die Kontrolle sowie das Management der Länderportfolio – werden verfolgt , um folgende Ziele zu erreichen :
a. Systematische Analyse von "Entwicklungsschwerpunkte und Anforderungen
b. Effiziente und effektive Interaktion mit verschiedenen Interessengruppen, die nationalen Regierungen, internationalen Organisationen und der Privatwirtschaft für die Projektfindung und Formulierung, und für die Initiierung, Konzeption und Organisation von globalen Foren von regionaler Bedeutung

OECD

Polen beteiligt sich seit dem Jahr 2000 an dem OECD-Programm zur Kompetenzmessung von Schülern (PISA) sowie seit dem Jahr 2011 an dem OECD-Programm zur Kompetenzmessung der erwachsenen erwerbstätigen Bevölkerung (PIAAC).

Die Polish Academy of Sciences vertritt als sogenanntes nationales Mitglied seit 1919 das Land Polen in dem Internationalen Wissenschaftsrat ICSU (International Council for Science) und in dem Internationalen Rat für Sozialwissenschaften ISSC (International Social Science Council).

Außerdem ist das Polen Mitglied der OECD-Sonderorganisation Development Centre. Diese Organisation besteht aus 42 Ländern, von denen 24 OECD-Mitglieder sind und analysiert in Kooperation mit anderen Organisationen Bildungs- und FuE-Systeme vieler OECD-Nichtmitgliedsländer.

Weitere

Der Beitritt Polens in die NATO erfolgte am 12. März 1999. Seitdem nimmt Polen an den NATO-Wissenschaftsbeziehungen und -programmen, z.B. „Security Through Science“, teil. In 2002 haben polnische Forschungsteams an sieben F&E-Projekten in Bereichen „Forschung für Frieden“ und „Zusammenarbeit in Forschung und Technik“ mitgearbeitet und waren am wissenschaftlichen Förderprogramm NATO beteiligt.

Im Jahre 2002 wurde eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der friedlichen Forschung und Nutzung des Weltraums zwischen der Regierung der Republik Polen und der Europäischen Weltraumorganisation ESA unterzeichnet.

Darüber hinaus bestehen Mitgliedschaften bei den internationalen Forschungseinrichtungen: CERN und DESY (jeweils ca. acht Kooperationsprojekte jährlich) sowie EMBO (European Molecular Biology Organisation).

Bilaterale Kooperationsprogramme und Initiativen mit andern Ländern

Bereich Forschung

Seit dem Besuch des damaligen polnischen Wissenschaftsministers Kleiber in Frankreich im September 2003 wird die bilaterale Zusammenarbeit zwischen Polen und Frankreich – diese besteht seit 1966- verstärkt, insbesondere im Bereich der Nanomaterialien. Ähnlich wie mit Deutschland im Bereich der Neurowissenschaften bereiten das polnische und das französische Wissenschafts- und Forschungsministerium eine gemeinsame Ausschreibung von Forschungsprojekten in diesem Fachgebiet vor. Weitere Kooperationsprogramme beider Länder sind u.a.: POLONIUM 2005/2006 (integrierte bilaterale Forschungsprojekte), sog. Zwillingsprojekte polnischer Forschungsinstitute mit dem Französischem Forschungszentrum CNRS im Bereich der Umwelttechnik, Kooperationsprojekte zur Kernphysik mit dem französischem Institut IN2P3 sowie im Rahmen des Internationalen Programms PICS zur Modifikation von Mikrostrukturmodellen. 

Anfang 2004 wurde vom polnischen Wissenschaftsministerium und der Akademie der Wissenschaften PAN sowie der schweizerischen Gruppe Wissenschaft und Forschung im eidgenössischen Department des Inneren ein strukturierter Dialog zwischen schweizerischen und polnischen Wissenschaftlern, insbesondere auf den Gebieten Biowissenschaften und Materialforschung, aufgenommen.

Die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit zwischen Polen und der Tschechischen Republik besteht seit dem Jahr 2000 und umfasst div. forschungs- und Entwicklungsprojekte, Wissenschaftler- und Expertenaustausch, Informations- und Dokumentationstransfer sowie die gemeinsame Durchführung von Tagungen, Workshops, Ausstellungen etc.

Im Mai 2005 wurde die Absichtserklärung für den polnisch norwegischen Forschungsfonds (aktuell: Polish-Norwegian Research Cooperation Programme, 2012-2017) unterzeichnet, in dem Polen und Norwegen sich bereit erklären, einen gemeinsamen Fonds einzurichten. Ziel des Fonds ist es, gemeinsame Forschungsprojekte, die die Realisierung der Forschungsziele der beiden Länder (vor allem den Schutz der Umwelt und Gesundheit) ermöglichen, zu finanzieren.

Bereich Bildung

Polen hat mit mehr als 60 Ländern bilaterale Abkommen im Bildungsbereich (Regierungsabkommen) und zahlreiche Vereinbarungen über die bildungs-kulturelle Zusammenarbeit.

Polnische Hochschulen haben zahlreiche Partnerschaftsabkommen (meist Kooperationsvorhaben zwischen einzelnen Forschern und Forschergruppen) mit Universitäten und Hochschulen in anderen Ländern.

Die bilateralen Abkommen im Hochschulbereich umfassen folgende Kooperationsformen: 

  • gemeinsame Programme und Forschungsarbeiten mit Erfahrungs- und Ergebnisaustausch
  • Austausch von Dozenten, Wissenschaftlern, Doktoranden und Studenten
  • gemeinsame Tagungen, Seminare, Workshops, Kurse, etc.
  • Informations-, Material-, und Publikationsaustausch.

Wichtige weitere Komponenten anderer Vereinbarungen sind:

  • Schüler- und Studentenaustausch (darunter Auslandssemester oder -studium
  • Auslandsaufenthalte für Hochschulabsolventen und wissenschaftlichen Nachwuchs (Graduiertenkollegs, Doktorandenstudien oder andere wissenschaftliche Aufenthalte)
  • Philologische o. slawistische Auslandsstudien an internationalen Akademien und Zentren
  • Sprachkurse und -reisen
  • Aus- und Weiterbildungskurse im Ausland (für Lehrer, Sprachlehre und andere Berufsgruppen)
  • Kulturelle Promotionsveranstaltungen
  • grenzübergreifende Aktionen von Schul-, Hochschul- und wissenschaftlichen Verlagen
  • Bildungs- und kulturell ausgerichtete Aktivitäten für nationale Minderheiten im Ausland.

Im Rahmen des polnisch-französischen Zusammenarbeitsvertrages im Kultur-, Bildungs- und Hochschulbereich wurden intensive Gespräche zwischen den Bildungsministerien beider Länder zu folgenden Themen durchgeführt: polnisch-französisches Abitur mit Reifezeugnis MATUBAC, gegenseitige Anerkennung der Zeugnisse, Hochschuldiplome und akademischen Grade, Aufbaue einer deutsch-französischer Kooperationsgruppe und Promotion vom Polnisch in Frankreich als Fremdsprache.

In Zusammenarbeit mit dem englischen Institut for Citizenship werden in Polen Europa-Konkurse „Speak Out! On European citizenship“ zur Förderung der Kontakte und sozial-europäischen Gespräche zwischen Jugendlichen von 15-18 Jahren durchgeführt.
Im Jahr 2003 wurde zwischen den polnischen und englischen Bildungsministern eine Kooperationsvereinbarung im Bereich der Weiter- und Fernbildung unterschrieben.     

Seit 2004 beteiligt sich das polnische Ministerium für Bildung MEN am „Europäisch-Asiatischen Dialog“ zur Hochschulzusammenarbeit, darunter am koreanischen bilateralen Hochschulstipendienprogramm „DUO-Korea Fellowship“.

Europäisches Forschungsprogramm

Zum 01. Januar 2014 startete das neue Forschungsrahmenprogramm der EU: „Horizon 2020“. In den Zielen des neuen Rahmenprogramms spiegelt sich auch die Wirtschaftskrise der letzten Jahre wieder. „Horizon 2020“ ist eingebettet in die und somit Teil der Europa 2020-Strategie.

Die Europa 2020-Strategie der EU ist die Vision einer Sozialen Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts. Dieses Ziel soll durch drei prioritäre Bereiche erreicht werden: Integratives Wachstum, Nachhaltiges Wachstum und Intelligentes Wachstum. Aus diesen Prioritäten wiederum werden fünf Kernziele abgeleitet (u. a. 3% des BIP der EU für  Forschung und Entwicklung), die Ihre Umsetzung mittels sieben Leitinitiativen erfahren sollen.

Eine der Leitlinien ist die Innovationsunion, deren ausgewiesene Ziele folgende sind:

  • Die Wissensbasis stärken,
  • Guten Ideen zum Markt verhelfen,
  • Den sozialen und regionalen Zusammenhalt stärken und
  • Die Kräfte bündeln für große Herausforderungen.

Insgesamt sollen hierdurch u. a. der Europäische Forschungsraum (EFR) homogenisiert werden und europäische Innovationspartnerschaften geschlossen werden. Dieser Prozess soll durch EU-Förderprogramme für Forschung und Innovation unterstützt werden.

Das „Rahmenprogramm für Forschung und Innovation: Horizont 2020“ ist das wichtigste Instrument zur Umsetzung der Innovationsunion. Mit dieser Flaggschiff-Initiative der Europa 2020 Strategie soll Europas Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden, d.h. es soll die länderübergreifende Zusammenarbeit und den Wettbewerb stärken. Ferner soll es auch zu einem Austausch von, Zugang zu und Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen kommen. Idealerweise führt dies zu mehr Innovation in den beteiligten Ländern sowie zu einer verstärkten Zusammenarbeit und Forschung und Industrie. Zur Implementierung dieser Ziele wurde das Programm in drei thematische Säulen und vier Querschnittsaktivitäten untergliedert.

EUREKA

Einige EUREKA-Mitgliedsländer und die Europäische Kommission haben Anfang 2008 eine gemeinsame Förderinitiative - das Eurostars-Programm - auf Basis von Art. 169 des EG-Vertrags gestartet. 23 EUREKA-Mitgliedsländer, darunter Deutschland (vertreten durch das BMBF) unterstützen die Initiative, die auf eine Gesamtdauer von sechs Jahre ausgelegt ist. Sowohl Deutschland als auch Polen beteiligen sich aktiv an dem Programm. Deutschland (BMBF) stellt für Eurostars jährlich 5 Mio. Euro an Fördermitteln zur Verfügung stellen. Eurostars richtet sich insbesondere an forschende KMUs mit hohem Wachstumspotenzial.
Polen ist seit 1995 Mitglied bei EUREKA.

European Cooperation in the Field of Scientific and Technical Research (COST)

Die Mitgliedschaft Polens bei COST besteht seit 1991. Seitdem werden polnische Forscherteams jährlich an über 100 gemeinsamen Projekten und anderen COST-Aktionen, insbesondere in der Chemie, Landwirtschaft und Lebensmittelwissenschaften, Meteorologie, Telekommunikation und Biotechnologie, beteiligt. 

22. Republik Korea (Südkorea)

Berufliche Bildung

Erstmals bekam die Berufsbildung 1949 einen gesetzlichen Rahmen mit dem Bildungsgesetz. Mittlerweile fußt das Berufsbildungssystem auf dem Berufsbildungsgesetz von 2001. Die Verantwortung für die berufliche Aus- und Weiterbildung obliegt dem MOE und MOEL. In den Curricula der Mittelschulen sind bereits berufsvorbereitende Fächer wie Technik/Industrie, Hauswirtschaft und EDV enthalten. Die berufsbildenden Oberschulen, die von etwa einem Drittel der Studierenden nach der Mittelschule besucht werden, gliedern sich im Wesentlichen in die Fachrichtungen

  • Technik,
  • Kaufmännische Ausbildung,
  • Landwirtschaft,
  • Fischzucht und
  • Hauswirtschaft.

Aus diesem System geht auch der Großteil der koreanischen FacharbeiterInnen hervor. Daneben gibt es noch einige spezielle Oberschulen z.B. in den Fachrichtungen Kunst, Sport, Naturwissenschaft und Fremdsprachen. In einigen Schulen, insbesondere in kleinen Städten und ländlichen Regionen, sind der allgemeinbildende und der berufsbildende Zweig zu einer Bildungsinstitution mit Gesamtschulcharakter integriert. Im Jahr 2010 wurden im Bereich der speziellen Oberschulen zusätzlich Meisterschulen eingerichtet, die in den Bereichen Naturwissenschaften, Fremdsprachen, Kunst und Sport direkt für eine Arbeit als entweder Chief Technical Officer (CTO), Technological Transferee oder Chief Executive Officer (CEO) ausbilden sollen. Im März 2014 gab es bereits 37 solcher Meisterschulen mit 5190 Auszubildenden.

Die Berufsausbildung im eigentlichen Sinne wird vom Arbeitsministerium gelenkt. Das Korean Research Institute for Vocational Education & Training (KRIVET) untersteht dem Premierminister und legt die systematische Ausrichtung der Ausbildungsangebote in Korea fest. Außerdem werden von hier aus Bildungskooperationen mit dem Ausland organisiert. Die angebotenen Ausbildungsmaßnahmen lassen sich in Kurse der Erstausbildung, Aufstiegsfortbildung, Umschulung und „job transfer training“ einteilen, die von staatlichen, autorisierten und betrieblichen Institutionen angeboten werden. Die Programme dauern je nach Schwerpunkt zwischen drei Monaten und zwei Jahren. Die Ausbildungsinstitute haben eine starke akademische Ausrichtung, während von ihnen erwartet wird, dass sie berufsnah ausbilden. Insgesamt gibt es die größten Probleme im Qualitätsmonitoring.

Auf der tertiären Ebene des Bildungssystems gibt es zudem zwei- bis dreijährige, berufsbezogene Fachhochschulen (Junior Colleges). Es werden vor allem die Fachrichtungen

  • Technik,
  • kaufmännische Tätigkeiten,
  • Landwirtschaft,
  • Krankenpflege,
  • Fischerei,
  • Gesundheitswesen,
  • Hauswirtschaftslehre,
  • Kunst und
  • Sport

angeboten.

Neben den o. g. Aus- und Weiterbildungsstätten, bieten auch Universitäten Weiterbildungen an. In dieser Möglichkeit, sich später im Berufsleben zu spezialisieren, wird der Grund dafür gesehen, dass primäre Ausbildungsgänge allgemeiner gestaltet wurden.

 

Quellen:

23. Südafrika

Berufliche Bildung

Die südafrikanische Regierung hat in den letzten Jahren die gesetzlichen Voraussetzungen für ein modernes und entwicklungsorientiertes Berufsbildungssystem geschaffen. Die Regierung hat für jeden Wirtschaftssektor Ausbildungskammern gegründet, sogenannte Sector Education and Training Authorities (SETAs). Sie sind für die Anerkennung neuer Ausbildungsgänge und Ausbildungsstätten zuständig. 

Mittelpunkt des schwach entwickelten südafrikanischen Berufsbildungssektors sind die Technischen Colleges. Ihre Aufgabe ist es, Ausbildungsdefizite bei Menschen aus früher benachteiligten Bevölkerungsgruppen auszugleichen und ihnen eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu geben. Mit der Reformierung des Further Education and Training (FET) College Sektors 2002/2003 wurden die bis dahin bestehenden 152 Technischen Colleges zu 50 "multisite-campus"-Colleges zusammengefasst. Das Angebot der Colleges wurde 2007 umfassend modernisiert, erweitert und auf die Bedürfnisse der südafrikanischen Industrie zugeschnitten, was die Ausbildung insgesamt praxisnäher werden ließ. Durch Kooperationen mit privatwirtschaftlichen Industriebetrieben sollen künftig auch finanzielle Zuwendungen dieser Unternehmen an die Colleges fließen. 

Seit der Öffnung Südafrikas ist die Förderung der beruflichen Bildung ein Schwerpunkt der südafrikanisch-deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) gewesen, die im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit vor allem von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ausgeführt wird. Sie hat beispielsweise die Ausbildungskammern (s.o.) bei der Entwicklung von Lehrplänen und fördert kleine und mittlere Unternehmen (KMU) durch sogenannte Public Private Partnerships beraten. Seit 2012 liegt ein deutlicher Fokus der EZ auf Berufsfeldern im „grünen“ Sektor. 

In den letzten fünf Jahren dienten verschiedene Besuche der Weichenstellung für eine zukünftige Zusammenarbeit des BMBF mit dem DHET (Department of Higher Education) im Bereich "Berufliche Bildung". Im Juli 2013 unterzeichneten die beiden Ministerien eine gemeinsame Absichtserklärung. Damit wird die Berufsbildungszusammmenarbeit als Querschnittsthema ausgebaut und BMBF und BMZ stimmen sich eng bezüglich der Vorgehensweise und Maßnahmen in Südafrika ab. Ausdruck der verstärkten Bedeutung des Themas "Berufliche Bildung" ist auch die Gründung einer eigenen Fachkommission im Rahmen der Bi-Nationalen Kommission (BNK) im November 2014.

 

 

Weiterbildung

Die Marketinginitiative iMOVE (International Marketing of Vocational Education) bietet eine Plattform für Netzwerkpartner, die sich im Bildungsexport für "Training - Made in Germany" engagieren. Südafrika gehört seit einigen Jahren zu den Schwerpunktländern, auf die sich die Arbeit von IMOVE konzentriert. Am 16. Oktober 2013 fand ein iMOVE-Afrika-Tag statt. Weitere - immer noch aktuelle - Informationen bietet die iMOVE-Marktstudie zu Südafrika aus dem Jahr 2010. 

Quelle:
South Africa Yearbook – Education 2013/2014


24. Thailand

Berufliche Bildung

Seit dem Inkrafttreten des ersten Berufsbildungsgesetzes „Vocational Education Act“ im Jahr 2008 muss berufliche Bildung in Thailand in Einklang mit dem „National Economic and Social Development Plan“ und dem „National Education Plan“ stehen. Zuständig für die berufliche Bildung ist das Büro des Nationalen Berufsbildungsausschusses (OVEC) im Bildungsministerium. Die berufliche Bildung in Thailand zielt darauf ab, die Lernenden zu befähigen, berufliches Wissen zu entwickeln und Kenntnisse zu erlangen, die im Berufsleben als ArbeitnehmerInnen und UnternehmerInnen eingesetzt werden können.

Demnach wird berufliche Bildung bereits ab der Grundschule angeboten, um den Schülern erste Arbeitserfahrung und Grundwissen zur Vorbereitung ihrer beruflichen Karriere zu ermöglichen. Formale technische und berufliche Ausbildung beginnt ab der Klasse Mattayom 4. Sie kann mit einem Zertifikat nach der oberen Sekundarstufe, einem Vordiplom oder einem Universitätsabschluss beendet werden. Im Rahmen des Technical and Vocational Education and Training (TVET) werden neun Bereiche angeboten: Landwirtschaft, Hauswirtschaft, Informationstechnik, Fischerei, Betriebswirtschaft, Kunsthandwerk, Industrie, Hotel und Tourismus sowie Textilien. Es herrscht eine Vielfalt an TVET-Programmen – sowohl was die Ausbildungsdauer als auch die Ausbildungsstufe betrifft.

Für die Zeit der oberen Sekundarstufe werden fünf Programme angeboten, die zum Erlangen desCertificate in Vocational Education (Cert. Voc.) führen:

(1)  das Certificate in Vocational Education (Cert. Voc.): Hier eignen sich die Schüler theoretische und praktische Kenntnisse in Schulen an und verbringen ein Semester am Arbeitsplatz.

(2)  das Certificate in Dual Vocational Education (Cert. Voc.-DVT): Dieses dreijährige Programm verbindet praktische und theoretische Kenntnisse durch eine duale Ausbildung in der Schule sowie am Arbeitsplatz. Es wird ein Vertrag mit dem betreffenden Unternehmen geschlossen. Für die Dauer der Ausbildung erhält der Auszubildende auch eine finanzielle Zulage vom Arbeitgeber

(3)  das Certificate in Vocational Education: Credit Accumulating System (Cert. Voc.-CAS): Die Dauer dieses Programms beträgt drei bis fünf Jahre. Es ist für Erwachsene gedacht, die neben ihrem Beruf keine Vollzeitausbildung absolvieren können. Zudem besteht die Möglichkeit, erbrachte Leistungsnachweise von anderen Instituten zu transferieren

(4)  das Certificate in Vocational Education: Evening Class (Cert. Voc.-EC): Das Cert. Voc.-EC entspricht dem Cert. Voc.-CAS und eröffnet Berufstätigen die Möglichkeit, in Abendkursen einen Abschluss zu machen

(5)  das non-formale Programm für das Certificate in Vocational Education: Hierbei wird über ein Fernstudium von mindestens drei Jahren sowohl Berufstätigen als auch Arbeitslosen ein Abschluss ermöglicht

Der nächsthöhere Abschluss eines TVET-Programms ist das Diploma in Vocational Education (Dip. Voc.) für Cert. Voc.- oder obere Sekundarschulabsolventen. Auch hier sind diverse Studiengangsvarianten für einen Abschluss möglich.

Das Higher Diploma in Technical Education kann an Universitäten erlangt werden und qualifiziert die Absolventen für eine Lehrtätigkeit an berufsbildenden Institutionen.

(Quellen: Länderbericht des Office of the Vocational Education Commission unter http://www.unevoc.unesco.org/up/Thailand_Country_Paper.pdf, August 2009;

BIBB IMove Länderbericht Thailand 2014 https://www.imove-germany.de/cps/rde/xbcr/imove_projekt_de/p_iMOVE-Marktstudie_Thailand_2014.pdf)

25. Tunesien

Berufliche Bildung

Die Zuständigkeit für die berufliche Aus- und Weiterbildung liegt beim Ministerium für Beschäftigung und Berufsbildung. Da allerdings auch berufliche Bildungszentren von anderen Ministerien betrieben werden, kann es teilweise zu Überscheidungen in den Zuständigkeiten kommen. Das Ministerium für Berufsbildung und Beschäftigung delegiert bestimmte Aufgaben an andere Gremien, wie etwa die tunesische Agentur für berufliche Bildung (ATFP), welche die meisten Ausbildungszentren betreibt.

Schon Präsident Ben Ali hatte der Berufsbildung in seiner Strategie zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und Entwicklung der Humanressourcen des Landes (11. Entwicklungsplan, 2007-2011; das Programm MANFORME zur Anpassung der Unternehmen und der Berufsbildung) einen zentralen Platz zugewiesen. Die gegenwärtige Interimsregierung setzt diesen Weg fort. Zentrales Vorhaben ist die Anpassung der Aus- und Fortbildung an die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes. 

Erklärtes Vorbild ist hierbei Deutschlands duales Ausbildungssystem (Vgl. Interview mit Minister Said Aidi in der Financial Times Deutschland, 30.Juni 2011). Deutschland fördert die Berufsbildung durch das BMZ, die GIZ, das BMBF und über das AA. Unterstützung erfährt Tunesien im Bereich der Berufsbildung auch von Seiten der EU, etwa mittels technischer Hilfe durch die Europäische Stiftung für Berufsbildung (ETF) oder durch finanzielle Hilfsprogramme im Rahmen der Europäischen Nachbarschaftspolitik. 

Strategie der tunesischen Übergangsregierung zur Steigerung der Beschäftigung

Mit Hinblick auf die gegenwärtigen Entwicklungen auf dem tunesischen Arbeitsmarkt hat das Ministerium für Berufsbildung und Beschäftigung in Absprache mit der tunesischen Interimsregierung im März 2011 einen "Notfallplan" entwickelt. Dieser beinhaltet vier Schwerpunkte:

  1. Schaffung neuer Arbeitsplätze in allen Bereichen und Sektoren (öffentlich, privat, zivilgesellschaftlich, im Ausland etc.)
  2. Förderung privatwirtschaftlicher Unternehmen, besonders hinsichtlich der Neugründung von Unternehmen und der Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen
  3. Sicherung gegenwärtig bestehender Arbeitsverhältnisse durch die Unterstützung der Arbeitgeber
  4. Aktive Begleitmaßnahmen und Berufsvorbereitungsmaßnahmen für gegenwärtig Arbeitsuchende. 

Diese Ad-hoc-Maßnahmen werden begleitet sowohl von Reformplänen für den gesamten Bereich der Berufsbildung als auch von Bemühungen, die privatwirtschaftlichen Investitionen in die Berufsbildung zu erhöhen (Quelle: Informationen auf der Homepage des Ministeriums für Berufsbildung und Beschäftigung; im Internet abrufbar unter: www.emploi.gov.tn/?id=3&L=2 )

Dem Ministerium für Berufsbildung und Beschäftigung zugeordnete Agenturen  

Die wichtigsten in diesen Bereich eingebundenen Institutionen sind

Die Berufsbildung beginnt mit dem Ende der Schullaufbahn. Es bestehen drei verschiedene Abschlüsse: 

  • das certificate of vocational aptitude (CAP),
  • das technische Diplom (BTP) und 
  • das fortgeschrittene technische Diplom (BTS) sowie das certificate of competence (CC). 

Die Finanzierung der Berufsbildungsmaßnahmen erfolgt zum allergrößten Teil durch die öffentliche Hand. Schwerpunkthaft erfolgt die Ausbildung an einem der 135 Zentren des Ministeriums für Berufsbildung und Beschäftigung (95%). Aufsicht über diese Zentren führt die Agentur für Berufsbildung. Andere Aufsichtsbehörden sind das nationale Tourismusbüro, das Ministerium für Gesundheit, das Ministerium für Verteidigung und das Ministerium für Landwirtschaft. Der Privatsektor beteiligt sich nur zu 5% an der Berufsbildung. (Quellen: European Training Foundation 2010: The Torino Process – Tunisia. B. Fourcade: Die Beobachtungsstellen für Beschäftigung und Berufsbildung im Maghreb. Instrumente zur Flankierung des Wandels der Arbeitsmärkte und der Berufsbildung? In: Europäische Zeitschrift für Berufsbildung; Nr. 37, 2006/1.)

26. Türkei

Berufliche Bildung

Technisches Fachpersonal für die Industrie und Dienstleistungssektor werden an beruflich-technischen Gymnasien ausgebildet. Diese Ausbildung bereitet auch auf eine Hochschulausbildung vor. In dünn besiedelten Gebieten wurden Gesamtschulen (ÇP Lise) aus Kostengründen eingerichtet, die nach der Grundschulbildung anstatt einer gymnasialen Oberstufe besucht werden können.

Das türkische Bildungsministerium (MEB) und das BMBF gründeten 2005 die deutsch-türkische Arbeitsgruppe für berufliche Bildung (AG). Auf bisher acht Treffen (Stand September 2014) wurden aktuelle Entwicklungen und gemeinsame Maßnahmen im Bereich berufliche Bildung abgestimmt. Im Februar 2012 wurde eine gemeinsame Absichtserklärung (MoU) der Bildungsminister zur vertieften Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung unterzeichnet.

Weiterbildung

Dienstleistungen im Bereich der Fernbildung dienen der Gewährleistung von Chancengleichheit, der Unterstützung der Grundschul- und Mittelschulbildung und des Hochschulwesens sowie der Durchsetzung des Grundsatzes einer lebenslangen Bildung/Erziehung .

Nach Einführung der achtjährigen Schulpflicht wurde in den Jahren 1998 -1999 die Fern-Grundschulbildungsschule gegründet, um Schülern, die nach der damals noch fünfjährigen Schulpflichtzeit aus unterschiedlichen Gründen keine Mittelschule besucht hatten, es zu ermöglichen, die achtjährige Schulpflicht zu komplettieren.

27. Ukraine

Berufliche Bildung

Die anhaltende Wirtschaftskrise der 90er Jahre in der Ukraine lähmte über mehrere Jahre hinweg die Reformen in der Berufsbildung, die im Zusammenhang mit der Systemtransformation vom Sozialismus zu Demokratie und Marktwirtschaft dringend notwendig geworden waren. Seit 1996 wurden zahlreiche grundlegende Gesetze für die Bildungsreform verabschiedet.

Bezüglich der Berufsbildung wurden nähere Einzelheiten hierzu in dem Gesetz über die Berufsbildung von 1998 und dem Gesetz über die gestufte Berufsbildung von 1999 ausgeführt, zu deren Umsetzung weitere Rechtsakte erfolgten und noch erfolgen werden.

Das Berufsbildungssystem ist dreistufig und stellt dabei hohe Durchlässigkeit zwischen den Stufen sicher.

  • Die erste Stufe vermittelt kursartig eine berufliche Anfangsausbildung und dauert zwischen einer Woche und einem Jahr.
  • Der Zugang zur zweiten Stufe der Berufsbildung ist entweder auf der Basis der vollen allgemeinbildenden Mittelschule (11 Klassen) oder nach Abschluss der Sekundarstufe I der allgemeinbildenden Schule (9 Klassen) möglich. Im letzteren Fall kann in der berufsbildenden Schule parallel zum Erwerb einer beruflichen Ausbildung der Abschluss der vollen allgemeinbildenden Mittelschule nachgeholt werden. Ausnahmeregelungen ermöglichen es auch Personen, die die Sekundarstufe I nicht abgeschlossen haben, den Zugang zur Berufsausbildung in ausgewählten Berufen. Die Dauer der Ausbildung der zweiten Stufe reicht bis zu vier Jahren. Lehranstalten, die diese Art der Ausbildung anbieten, können auch Träger von Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen sein. 
  • Die dritte Stufe der Berufsbildung zählt bereits zum Hochschulniveau. 

Am Ende jeder Stufe wird eine Qualifikation zugewiesen, die sowohl den Eintritt in den Arbeitsmarkt als auch die Fortsetzung des Bildungsweges ermöglicht. Gleichzeitig mit dem Abschlusszeugnis wird stets auch eine Einstufung in eine Gehaltsklasse zugewiesen.

Die berufliche Erstausbildung ist für die Auszubildenden kostenfrei. Berufsbildung hat auch eine starke soziale Funktion als Auffangbecken für Benachteiligte.

Weiterbildung für Beschäftigte und Arbeitslose ist ein dringliches Thema. Die Kenntnisse vieler Beschäftigter entsprechen nicht mehr den Forderungen moderner Technologien und marktwirtschaftlicher Gepflogenheiten, und die Arbeitslosigkeit ist infolge der nach wie vor gespannten wirtschaftlichen Lage hoch. Der noch auszuarbeitende Arbeitsgesetzkodex soll die Arbeitgeber in stärkerem Maß in die Verantwortung nehmen für die Weiterbildung ihrer Beschäftigten. ISO-9000 soll als Kontrollinstrument für die Qualität der Weiterbildung eingesetzt werden. Arbeitslose sollen nach modularem System weitergebildet werden. Für 59 Weiterbildungsberufe wurden bereits Rahmenlehrpläne und modulare Rahmencurricula ausgearbeitet, 2002 begannen auf dieser Grundlage die ersten Weiterbildungskurse.

Staatliche Bildungsstandards für jeden einzelnen Ausbildungsberuf sind im Entstehen. Ein internationales europäisches Projekt unter Federführung der ETF (European Training Foundation) leistet hier Unterstützung. Die Bildungsstandards werden verpflichtende gesamtnationale sowie fakultative regionale Komponenten enthalten. Der Berufsbildungsstandard umfasst eine Qualifikationscharakteristik des Absolventen, einen Rahmenlehrplan und ein Rahmencurriculum für den gegebenen Beruf sowie eine Aufzählung der wichtigsten verpflichtenden Lehrmethoden und die Prüfungsmodalitäten. Ebenso ist die Erarbeitung neuer Rahmenlehrpläne und Rahmenstundentafeln für alle Ausbildungsberufe in Arbeit. Bis zu 20 % der Unterrichtszeit jedes Fachs kann inhaltlich von der einzelnen Ausbildungsstätte frei gestaltet werden. Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat im Rahmen des Beratungsprogramms der Bundesregierung TRANSFORM für einige Berufe exemplarisch gemeinsam mit der ukrainischen Seite neue Lehrpläne, Stundentafeln und Ausbildungsinhalte erarbeitet. Hier besteht auch weiterhin noch starker Unterstützungsbedarf.
Zwischen 1997 und 2003 wurden alle 580 Ausbildungsberufe neu geordnet.

Die neuen Ausbildungsberufe, Fächer und Methoden erfordern eine entsprechende Weiterbildung für das Lehrpersonal. Schulintern werden die einzelnen Lehrkräfte regelmäßig attestiert und zertifiziert. Die dringend notwendige Anpassungsfortbildung für Lehrpersonal wird ebenfalls durch die schlechte Finanzlage des Bildungssektors behindert. Die Reorganisation der Lehrer-Weiterbildungszentren bedarf ebenfalls noch der Unterstützung von außen.

Die Finanzierung der Berufsbildung wurde vor 1990 zu großen Teilen von der Industrie mitgetragen, die diejenigen beruflichen Lehranstalten materiell und finanziell ausstattete, die dafür im Gegenzug Personal für die Industrie ausbildeten. Im Zuge der Wirtschaftstransformation zog sich die Industrie jedoch praktisch vollständig zurück, so dass der Staatshaushalt zum einzigen Finanzier wurde. Inzwischen ist es den berufsbildenden Schulen erlaubt, eigene Einkünfte zu erwirtschaften, etwa durch den Verkauf von
Übungswerkstücken oder durch das Angebot von Weiterbildungskursen gegen Bezahlung. Auf diese Weise sichern sie sich ihre Existenz zu wesentlichen Teilen selbst.

Die Verwaltung wird auf nationaler Ebene durch ein speziell bevollmächtigtes zentrales Exekutivorgan für den Bereich der Berufsbildung geregelt, dessen Funktionen gegenwärtig vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft ausgeübt werden. Es hat unter anderem die Aufgaben, die Durchsetzung der staatlichen Berufsbildungspolitik zu organisieren, Entwicklungsperspektiven zu umreißen, Gesetzentwürfe, das staatliche Verzeichnis der Ausbildungsberufe, staatliche Berufsbildungsstandards, Rahmenlehrpläne und -curricula sowie andere Rechtsakte mit Bezug auf das Funktionieren der Berufsbildung auszuarbeiten, berufsbildende Schulen zu gründen und aufzulösen, zu lizensieren und zu attestieren. Daneben existiert als Koordinationsorgan der Branchenübergreifende Rat für Berufsbildung, dem der Stellvertretende Ministerpräsident, leitende Vertreter verschiedener Ministerien, Parlamentsabgeordnete, Wissenschaftler und Vertreter der Arbeitgeberverbände angehören. Auf regionaler Ebene gibt es eigene Organe der Bildungsverwaltung. Auf lokaler Ebene schließlich liegt die Verwaltung der Berufsschule in den Händen des Direktors, der vom Bildungsministerium angestellt ist.

Die 1992 gegründete Akademie für pädagogische Wissenschaften der Ukraine erhielt 1999 ein neues Statut und erfuhr gleichzeitig eine wesentliche personelle Erneuerung. Ihr gehören auch ausländische Wissenschaftler an. Ihre Hauptaufgabe ist die methodologische, theoretische und methodische Unterstützung der Entwicklung des nationalen Bildungssystems. Im Rahmen der Akademie und darüber hinaus gibt es noch eine Anzahl weiterer Forschungseinrichtungen, Institute und Modell-Lehranstalten, wo wissenschaftliche Arbeiten zur Berufsbildung, insbesondere zur Lieferung einer wissenschaftlichen Basis für politische Konzepte bei der Entwicklung von Innovationen, durchgeführt werden.

Eine stärkere Einbeziehung der Unternehmen / Arbeitgeber in die Prognose von Ausbildungsbedarf und in die Festlegung von Inhalten der Ausbildung wird angestrebt. Die als solche bezeichnete "soziale Partnerschaft" bezieht sich bisher auf Lohnabsprachen zwischen Arbeitgebern, Gewerkschaften und zuständigen Ministerien, nicht jedoch auf aktive Beteiligung an Fragen der Berufsbildung.

Die zahlreichen gesetzlichen Regelungen, die in den vergangenen Jahren verabschiedet wurden, bedürfen noch weiterer Ausführungsbestimmungen, und die konkrete Umsetzung der Transformation der Berufsbildung in Richtung auf die Bedürfnisse einer Marktwirtschaft in jeder einzelnen beruflichen Lehranstalt steht noch in den Anfängen.

Quelle: BIBB

Weiterbildung

Das Netz der Weiterbildungseinrichtungen in der Ukraine ist umfangreich und weit verzweigt. Es gibt rund 500 Einrichtungen, darunter etwa 220 bei Zweigministerien und anderen staatlichen Organen, 185 im System des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft (postgraduale Bildung in Hochschulen) ca. 90 Einrichtungen bei nichtstaatlichen Trägern. Etwa 300.000 Fachleuten nutzen jährlich die Weiterbildungsmöglichkeiten.

Hauptziele der Weiterbildung sind:

  • die Befriedigung der Bedürfnisse des Marktes an qualifiziertem Personal, insbesondere schnelle und flexible Reaktion auf sich vollziehende Veränderungen in der Wirtschaft,
  • Schaffung von Voraussetzungen für das lebenslange Lernen und die Förderung Ermöglichung der ständigen Qualifizierung der im Arbeitsprozeß befindlichen Personen.

Die Weiterbildung erfolgt in verschiedenen Formen: durch Weiterbildungskurse, an Abendschulen, durch Fernstudium, im Selbststudium. Eine besonders intensive Entwicklung ist beim Fernstudium festzustellen, daß in Verbindung mit dem breiten Einsatz von rechnergestützten Programmen eine optimale Kombination von beruflicher Tätigkeit mit der Weiterbildung ermöglicht. Für die Koordinierung auf diesem Gebiet wurde bei der Nationalen Technischen Universität der Ukraine, dem Kiewer Polytechnischen Institut, Das Ukrainische Zentrum für Fernstudium geschaffen, zu dessen Aufgabe die Erarbeitung einer Konzeption für das Fernstudium, die Vorbereitung der erforderlichen normativ-rechtlichen Basis, die Ausarbeitung von Vorschlägen zur Nutzung der elektronischen Medien, die Koordinierung der Tätigkeit der auf dem Gebiet des Fernstudiums tätigen Einrichtungen und die Qualifizierung der Fachleute auf diesem Gebiet gehören.

Sehr gut ist in der Ukraine die (noch zu Sowjetzeiten ausgebaute) Weiterbildung von Pädagogen. Federführend ist das Zentralinstitut für pädagogische postgraduale Ausbildung der Akademie der pädagogischen Wissenschaften. Zum System gehören außerdem 27 regionale Institute für pädagogische postgradualen Bildung und 19 Weiterbildungsfakultäten an pädagogischen Hochschulen und Instituten.

Anerkennung von ausländischen Bildungsqualifikationen

Im Jahre 2000 hat sich die Ukraine der Konvention über die Anerkennung von Hochschulqualifikationen in der Europäischen Region (Lissabon, 11. April 1997) angeschlossen.

Mit 14 Staaten - Estland, Usbekistan, Weißrussland, Ungarn, VR China, Rumänien, Slowakei, Aserbaidschan, Russland, Armenien, Bulgarien, Moldawien, Turkmenistan, Kasachstan - hat die Ukraine eine Vereinbarung über die gegenseitige Anerkennung von Bildungsabschlüssen abgeschlossen. Alle für Anerkennung eingereichte Unterlagen sind bei Verwaltung für Lizensierung und Akkreditierung des Ministerium für Bildung und Wissenschaft einzureichen.

28. USA

Berufliche Bildung

In den USA gibt es keine mit Deutschland vergleichbare Kultur der Berufsausbildung. Etwa ein Drittel der High-School-Abgänger beginnen nach der Schule direkt eine Tätigkeit in Betrieben und werden dort angelernt. In der verarbeitenden Industrie können auch deshalb nach offiziellen Schätzungen etwa 600.000 Stellen nicht besetzt werden, da ausgebildete Fachkräfte fehlen. Dies wurde auch von der politischen Ebene als Problem erkannt.

Lebenslanges Lernen ist in den USA bildungspolitisches Programm. Da Ausbildung überwiegend in staatlichen (z.T. auch privaten, staatlich anerkannten) Colleges und Universitäten stattfindet, werden die Ausbildungsaktivitäten dem "post- secondary" Bildungsbereich zugeordnet. Ausbildung während der High School gilt als Grundausbildung. 93% aller staatlichen High Schools bieten berufsbildende Kurse an. Jugendliche, die solche Kurse über mehrere Schuljahre besuchen, können sich die erworbenen Noten und Credits sowohl auf den Schulabschluss als auch auf die nachfolgende Berufsausbildung auf einem Community College anrechnen lassen. Eine Differenzierung zwischen Erstausbildung und Weiterbildung wird deshalb nicht vorgenommen. Betriebliche und berufliche Erfahrungen werden auf diese Bildungsgänge angerechnet.

Community Colleges

Community Colleges sind öffentliche (kommunale) Bildungseinrichtungen und tragen den Hauptanteil der in den USA stattfindenden Berufsbildung. Betriebe bilden in den USA in der Regel nicht aus. Ergänzend zu einer Ausbildung auf dem Community College bieten die Betriebe Praktikumsplätze an.

  • Die zweijährige Ausbildung auf den Community Colleges bereitet auf einen Berufseinstieg und auf die Fortsetzung der Ausbildung auf einem vierjährigen College vor. Sie richtet sich einerseits stark am Qualifikationsbedarf der örtlichen Wirtschaft aus, zum anderen sind allgemeinbildende Fächer verpflichtender Bestandteil der Curricula und der Abschlussprüfung. Idealtypisch soll für alle die Möglichkeit erhalten bleiben, entweder unmittelbar oder später auf einem vierjährigen College bzw. einer Universität die Ausbildung fortzusetzen. Auszubildenden, die keine zweijährige Ausbildung durchlaufen wollen oder können ist es möglich, nach einem Jahr vom Community College ein berufliches Zertifikat zu erhalten, das bei Wiederaufnahme der Ausbildung angerechnet wird. 
  • Ausbildungsgänge werden überwiegend nach beruflichen Handlungsfeldern, den Career Clustern, und nicht nach einzelnen Berufen konstruiert. Von den Einzelstaaten und/oder von Industrie- und Branchenverbänden anerkannte Skill Standards (Tätigkeitsmerkmale) geben die Grundlage für die beruflichen Inhalte und Lernziele. 
  • Die Curricula für die Ausbildung auf den Community Colleges werden von den einzelstaatlichen Bildungsbehörden genehmigt. Meist werden hier auch die Lernziele für den allgemeinbildenden Bereich festgelegt. In kommunalen Konsortien zusammenarbeitende Vertreter der gesellschaftlichen Gruppen und örtlichen Industrie wirken an Entscheidungen zur beruflichen Orientierung des Lehrangebots der Community Colleges mit. Die Ausbildung selbst wird vom Lehr- und Ausbildungspersonal der Colleges durchgeführt. Diese nehmen auch die Prüfungen ab. Praktikumsplätze in einzelnen Betrieben werden meist von dafür ausgewähltem betrieblichen Fachpersonal auf freiwilliger Basis betreut. 
  • An der Finanzierung der Ausbildung auf den Community Colleges sind die Kommune, der jeweilige Einzelstaat sowie mit Programm- und Projektförderung die US- Bundesregierung beteiligt. Außerdem müssen die Auszubildenden Studiengebühren bezahlen. Zur Verfügung stehende staatliche und private Stipendien erleichtern den Zugang von sozial schwachen Auszubildenden. Die Stipendien werden nach Leistungskriterien erteilt. Die Betriebe beteiligen sich z.T. indirekt an der Finanzierung, indem sie zur materiellen Ausstattung des Colleges beitragen.

Es gibt drei Arten von anerkannten Abschlüssen, die auf dem Arbeitsmarkt anerkannt werden: 

  1. College- und/oder Universitätsabschluss
    Der in einem beruflichen Schwerpunktbereich auf einem Community College zu erzielende Associate Degree ist der erste berufliche Abschluss. Das College nimmt nach zweijähriger Ausbildung die Prüfung ab. Für eine Reihe von beruflichen Tätigkeiten ist der Bachelor Degree nach vierjährigem College- bzw. Universitätsbesuch notwendig. Alle Collegeabschlüsse werden national anerkannt. 
  2. Zertifikate
    Nach einjähriger Ausbildung auf einem Community College kann diese mit einem Zertifikat testiert werden. Ein solches Zertifikat wird im Ausbildungskontext als Zwischenprüfung verstanden. Auf dem Arbeitsmarkt erlaubt es den Berufseinstieg. 
  3. Berufliche Lizenz
    Hierbei handelt es sich um staatliche Anerkennung zur Ausübung eines speziellen Berufes und/oder zur selbstständigen Erwerbsarbeit. Für die Lizenz muss je nach Beruf eine vorgegebene Ausbildung nachgewiesen werden. Diese Lizenzen müssen in mehrjährigen Abständen und unter Nachweis der Teilnahme an Fortbildung erneuert werden.

Obwohl es staatliche Programme zur Unterstützung betrieblicher bzw. betriebsnaher Ausbildung gibt, gehört diese in den USA nach wie vor zur Ausnahme. Dagegen nimmt die Anzahl der Betriebe zu, die Auszubildende als Praktikanten aufnimmt. Damit sie auf den Collegeabschluss anrechenbar sind, stimmen die Betriebe die Inhalte und Ziele der Praktika mit den Colleges ab. 

Seit einigen Jahren gibt es für 16 Berufsfelder bundeseinheitliche, wenn auch nicht gesetzlich verankerte Career Cluster. Diese zeichnen auf der Grundlage von gesicherten Tätigkeitsmerkmalen, den Skill Standards, berufliche Entwicklungsgänge vor. Im Wechsel zwischen Berufsarbeit und Lernaktivitäten, können die verschiedenen Abschlüsse im öffentlichen Bildungssystem erreicht werden. Einzelne Berufe werden von den Betrieben definiert. 

Immer mehr private Unternehmen treten mit Zertifzierungsangeboten auf den Bildungsmarkt, insbesondere im IT- Ausbildungsbereich. Diese Zertifizierungen werden von den Betrieben als Zusatzqualifikation anerkannt, z.T. sogar gefordert. 

Insgesamt hat berufliche Bildung in den USA während der vergangenen Dekade an gesellschaftlicher und bildungspolitischer Bedeutung zugenommen. Dies ist erkennbar am hohen finanziellen Volumen, das die US- Bundesregierung und die Einzelstaaten für Berufsausbildung zur Verfügung stellen, an der erhöhten Partizipation der Betriebe an der Curriculumentwicklung und an einer wachsenden Anzahl junger Erwachsener, die vor dem Berufseinstieg eine Ausbildung auf einem Community College absolvieren. Unverändert geblieben ist hingegen die traditionell hohe gesellschaftliche Bewertung von Collegeabschlüssen z.B. gegenüber einer betrieblichen Ausbildung, wenn diese einen solchen Abschluss nicht beinhaltet.

Weiterbildung

Studie zum Weiterbildungsbedarf
iMOVE hat eine Studie zum Weiterbildungsbedarf des Landes veröffentlicht. Die Studie ist auf der Webseite von iMOVE abrufbar. iMOVE – International Marketing of Vocational Education

iMOVE
beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Robert-Schuman-Platz 3
53175 Bonn
Tel.: 0228/ 107-1745
Fax: 0228/ 107-2895
info(at)imove-germany.de
www.imove-germany.de

29. Vietnam

Berufliche Bildung

Eine systematische Berufsvorbereitung, verbunden mit einer Berufsberatung, findet weiterhin nur in Ansätzen statt. Unter den jungen Beschäftigen haben etwa 40% eine nachschulische Ausbildung durchlaufen, aber 13% der arbeitsfähigen Bevölkerung hat eine abgeschlossene Facharbeiterausbildung vorzuweisen. Die Regierung hat jedoch die Bedeutung gut qualifizierter Fachkräfte für ein weiteres Wachstum der Wirtschaft erkannt und ergreift seit einigen Jahren Maßnahmen zum Aufbau von Strukturen für berufliche Qualifizierung. 

Die bisherigen Bildungseinrichtungen decken vor allem Ausbildungen in den Bereichen Maschinenbau, E-Technik, IKT und Rechnungswesen ab. Ausbildungen im Agrarbereich oder spezifischen Beschäftigungen beispielsweise im Bergbau oder im Bereich der Erdöl-/ Erdgasförderung  werden hingegen bisher nur von wenigen Institutionen angeboten.

Die Berufsbildungseinrichtungen sind hauptsächlich in urbanen Räumen konzentriert. Eine besonders hohe Zahl an Ausbildungsinstitutionen findet sich im Red River Delta in und um Hanoi sowie im Südosten Vietnams. Die verstärkte berufliche Ausbildung ländlicher Arbeitnehmer ist erklärtes Ziel der Regierung. Zahlreiche Teilnehmer an Berufsbildungsprogrammen aus dem ländlichen Bereich kehren nach Abschluss in ihre alten Berufe zurück, haben aber aufgrund der Lehrgänge häufig die Möglichkeit ihre Effizienz und Produktivität zu verbessern. Einigen gelingt es darüber hinaus aufgrund ihrer zusätzlichen Ausbildung neue Arbeitsplätze in der Industrie, dem Handwerk oder im Dienstleistungssektor in ihrer Region zu finden und dadurch ihr Einkommen zu erhöhen. Insgesamt hat sich gezeigt, dass es wichtig ist, die Angebote für berufliche Weiter-/ Ausbildung an die lokalen Entwicklungsstrategien und die Bedürfnisse der Arbeitnehmer und ihrer Familien anzupassen.

Ein Problem stellt die Lehrerausbildung dar. Auch wenn Quantität und Qualität der Berufsschullehrer beständig steigen, so stehen bisher noch zu wenig gut ausgebildete Lehrer zur Verfügung. Eine verbesserte Ausbildung für Lehrer an Berufsschulen – vor allen in den Bereichen Fremdsprachen und PC-Kenntnisse – steht daher sehr weit oben auf der politischen Agenda.

Die Zahl privater Berufsbildungsinstitutionen wächst kontinuierlich, macht aber bisher noch einen relativ geringen Anteil aus.

Das Berufsbildungssystem Vietnams umfasst drei Formen beruflicher Bildungseinrichtungen, die sich nach Zugangskriterien, Dauer der Angebote und Abschlussmöglichkeiten unterscheiden:

  1. Berufszentren/Berufliche Trainingscenter (Vocational Training Center, VTC),
  2. Berufsschulen (Vocational Training Schools, VTS),
  3. Berufscolleges (Vocational Colleges, VC)

Berufszentren

Schwerpunkt der Berufszentren sind kurze Weiterbildungen mit einer Dauer von drei bis zwölf Monaten. In einer Abfolge mehrerer Module werden aber auch Kurse über längere Zeiträume, bis zu eineinhalb Jahren, durchgeführt. Das Angebot soll sich am Bedarf der lokalen Wirtschaft orientieren und richtet sich an Schul- und Collegeabgänger wie auch Berufstätige.

Die ersten Berufszentren wurden in den 1990er Jahren gegründet. Es gibt keine allgemeinen fachlichen Zugangsvoraussetzungen. Die Abschlüsse von Berufszentren gelten nicht als Qualifikation für den Zugang zu Berufsschulen oder Berufscolleges.

Berufsschulen 

Die Ausbildung an Berufsschulen dauert 2 bis 3 Jahre. Die Berufsschulen bilden Facharbeiterinnen und Facharbeiter aus. Es gibt Vollzeitberufsschulen und "Technische Berufsschulen", die auch Unterrichtsfächer der gymnasialen Oberstufe umfassen. Der Abschluss an einer Technischen Berufsschule ermöglicht den Übergang an die Universität, zur fachgymnasialen Oberstufe oder zum Berufscollege. Der Abschluss an einer Vollzeitberufsschule hingegen ermöglicht ausschließlich den Besuch eines Berufscolleges.

Berufscolleges 

Das höchste Berufsbildungsniveau bieten die Berufscolleges. Hier wird zwischen "pädagogischen Berufscolleges" zur Ausbildung von Primarschullehrern, "medizinischen Berufscolleges" zur Ausbildung von Pflegekräften oberhalb des Krankenpflegerberufes und "technischen Berufscolleges" mit Angeboten in den Bereichen Wirtschaft, Finanzen, Kultur und Kunsthandwerk unterschieden. Eingangsvoraussetzung ist eine zentrale Aufnahmeprüfung. Der Abschluss an einem Berufscollege ermöglicht ein Studium oder den Besuch der fachgymnasialen Oberstufe.

Insgesamt streben jedoch immer mehr Jugendliche einen Universitäts- oder Collegeabschluss an, was den Berufsbildungsinstitutionen zunehmend Probleme bereitet. Darüber hinaus ist - gemessen an den Einschreibungsraten an Berufsbildungsinstitutionen - der Anteil von Schülern, die ihren Abschluss machen insgesamt verhältnismäßig niedrig und die Abbruchrate relativ hoch.

Um die Abschlüsse und Standards der diversen Einrichtungen zu vereinheitlichen, arbeitet man derzeit in Kooperation mit der Wirtschaft und Experten an einem weiteren Ausbau von nationalen Prüfungsfragenkatalogen und gut ausgebildeten Prüfern. Dadurch soll die Anerkennung einer Berufsausbildung durch Arbeitgeber und die Gesellschaft verbessert werden. Das General Department of Vocational Training (GDVT) arbeitet seit 2012 am Ausbau eines Akkreditierungsprogramms für die Qualität von Berufsbildungseinrichtungen.

Außerhalb des formellen Berufsausbildungssystems steht die Ausbildung in Familienbetrieben, die von Generation zu Generation die berufsfachlichen Kenntnisse weitergeben. Ihr Umfang ist gerade im ländlichen Raum beträchtlich. Die hier erworbenen Qualifikationen werden im heutigen Berufsbildungssystem als nicht formelle Kompetenzen betrachtet und daher offiziell nicht anerkannt. 

Verwaltungstechnisch sind auf der nationalen Ebene das Ministerium für Arbeit, Invalide und Soziales (MOLISA), mit Schwerpunkt auf berufliche Bildung und das Erziehungsministerium (MOET), mit Schwerpunkt auf universitäre Institutionen zuständig. Auf der Provinzebene sind die Abteilungen für Bildung und Ausbildung (DOLISA) und auf Bezirksebene die Büros für Bildung und Ausbildung für die berufliche Bildung zuständig. In zahlreichen zuständigen Behörden, insbesondere in der DOLISA, ist die Anzahl an gut ausgebildetem Managementpersonal im Bereich Berufsbildung noch sehr begrenzt. Die Regierung bemüht sich um eine bessere Qualifizierung von Berufsbildungs-Managern.

Mit dem Berufsbildungsgesetz von 2006, dem "Erlass über die Verantwortlichkeiten des Staates im Bereich der Berufsausbildung vom 21. August 2009" und weiteren Reformen wurden die historischen Kompetenzüberschneidungen auf nationaler Ebene zwischen den Ministerien MOLISA und MOET weitgehend ausgeräumt. Für das Management und die staatliche Verwaltung des Berufsbildungssystems ist seither das MOLISA verantwortlich. Zu den Aufgaben des Ministeriums zählt die Ausarbeitung der staatlichen Strategien und langfristigen, fünfjährigen und jährlichen Planungen zur beruflichen Bildung sowie die Entscheidung über die Zulassung der Berufsschulinstitutionen. Die im MOLISA für Berufsbildung zuständige Stelle ist das Berufsbildungsamt, General Directorate for Vocational Training (GDVT).

Die weitere positive Entwicklung der Wirtschaft wird durch das mangelnde Angebot an gut ausgebildeten Fachkräften gefährdet. Die Wirtschaft vor Ort bemängelt insbesondere, dass Berufsanfängerinnen und -anfänger trotz der überaus positiven Lerneinstellung kaum über praktische Erfahrungen und notwendiges Fachwissen verfügen. Die Mehrzahl der Unternehmen sieht sich daher gezwungen, die benötigten Arbeitskräfte aufwändig selbst aus- und weiterzubilden. Gleichzeitig ist die Mitarbeitersuche aufwändig und Stellen können nicht unmittelbar besetzt werden.

Vor diesem Hintergrund wurden seit Januar 2011 neue umfassende Reformen eingeleitet, um die quantitative und qualitative Leistungsfähigkeit des Berufsbildungssystems zu verbessern.

Die Technical and Vocational Education and Training (TVET) Strategy for Development 2011-2020 (oder auch kurze Development Strategy for Vocational Training 2011-2012, hier abrufbar) wurde 2012 vom Premierminister verabschiedet und legt für den entsprechenden Zeitraum diverse Ziele in verschiedenen Bereichen, wie beispielsweise Zulassung von Berufsschulen Lehrerausbildung, Curricula, Verbindung zwischen Berufsbildung und Arbeitsmarkt u.v.m. Diese und die in der Entwicklungs-Strategie genannten Umsetzungsmöglichkeiten gelten als Richtlinien für die zukünftige vietnamesische Berufsbildungspolitik. Übergeordnetes Ziel ist der Aufbau eines kohärenten Ausbildungssystems mit anerkannten Abschlüssen. Um dieses Ziel zu erreichen, unterstützt die TVET-Strategie u.a.  eine verstärkte Kooperation mit ausländischen Organisationen, die sich in die vietnamesische Berufsbildung einbringen wollen. Insgesamt scheint die Umsetzung der Strategie jedoch bislang recht schleppend anzulaufen.

Quellen:

iMOVE (2012): Marktstudie Vietnam, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Bonn - General Department of Vocational Training in Kooperation mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) (2014): Vocational Training Report Viet Nam 2012, Ha Noi - ADB (2014): Technical and Vocational Taining in the Socialist Republic of Vietnam - an Assessment. Manila, Philippines.

Weiterbildung

Schulabgängerinnen und Schulabgänger, die nicht an Berufsschulen oder an einer Hochschule aufgenommen werden, besuchen oft Kurse zur beruflichen Fort- und Weiterbildung. Weitgehend offen für alle Interessentinnen und Interessenten sind die beruflichen Fort- und Weiterbildungen, die in Vietnam als kurzzeitige Kurse oder Angebote von 3 bis 12 Monaten durchgeführt werden. Die Kurse finden ganztägig oder stundenweise während der Woche oder am Wochenende statt. Die Bereitschaft, sich in der Freizeit und auf eigene Kosten weiterzubilden, ist in Vietnam sehr hoch. Ziel ist dabei sowohl die aktuelle Arbeitsplatzsicherung als auch die Weiterqualifizierung für neue Aufgaben. Beliebte Themen bei privaten Weiterbildungen sind kaufmännische Inhalte, Management, Sprachen, EDV oder Softskills wie „Präsentationen vorbereiten und halten“ oder „interkulturelle Kompetenz“. Diese Kurse werden sowohl von spezialisierten Bildungsinstituten als auch von Berufsbildungsinstitutionen und Hochschulen angeboten. Daneben führen Branchenverbände und Organisationen wie die Vietnam Chamber of Commerce (VCCI) ebenfalls Fort- und Weiterbildungen durch.

Quelle: iMOVE 2012: Marktstudie Vietnam. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Bonn.