BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
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Bildung und Forschung: Lebenswissenschaften

Diese Seite zeigt eine aus den Länderberichten über Bildung und Forschung automatisch generierte Zusammenstellung zu den Aktivitäten einzelner Länder in dem von Ihnen gewählten Themenbereich. Die vollständigen Länderberichte finden Sie auf der Seite Bildung und Forschung.

1. Argentinien

Bio- und Agrarwissenschaften

1947 legte der spätere Nobelpreisträger Luis Leloir den Grundstein für die nationale biowissenschaftliche Forschung als er das biochemische Institut, das heute seinen Name trägt, gründete. Seitdem und verstärkt ab den 1980er Jahren wurden mehrere weitere Forschungsinstitute errichtet und die Schwerpunkte der Biowissenschaften systematisch erweitert. Dank dieser Bemühungen wird die biowissenschaftliche Forschung in Argentinien heute nach Meinung internationaler Experten als vielversprechender Forschungsbereich eingeschätzt. Es gibt über 80 Produktionsstätten für biotechnologische Produkte. Mehrere davon führen eigene Forschungstätigkeiten durch. Rund 55% der Produkte werden durch nationale Firmen hergestellt. Das Problem des Kapitalmangels, das in den letzten Jahren das Wachstum des Biotechnologiesektors bremste, soll durch die Verabschiedung eines neuen Gesetzes zu Steueranreizen gelöst werden. 

Die Verband der Biowissenschaftsdozenten Argentiniens (A.D.Bi.A) wurde 1993 durch eine Gruppe Professoren der staatlichen Universität Córdobas gegründet. Der gemeinnützige Verband verfügt über ein Dokumentationszentrum zur Zusammenstellung und Verbreitung der Forschungsergebnisse sowie zahlreiche internationale Beziehungen. Durch insgesamt 18 Zweigstellen ist die Forschungsarbeit über das gesamte Land verteilt.  

Das Zentrum für Forschungen im Bereich Bio-Chemie (Ciquibic) an der staatlichen Universität Córdoba wurde 1982 durch einen Vertrag zwischen Hochschule und CONICET geschlossen. Momentan sind in diesem Zentrum 30 Wissenschaftler/-innen und 55 Stipendiat/-innen – größtenteils durch den CONICET finanziert – beschäftigt. Hauptforschungsschwerpunkte liegen neben der Biochemie in der Zell- und Molekularbiologie sowie der Biotechnologie. 

Die Hauptforschungsfelder im Bereich der Biowissenschaften sind Agrartechnologie und Medizin.

Bioagrartechnologien

Die Nationale Kommission für Agrarbiotechnologie (CONABIA), die dem Agrarministerium untergeordnet ist, übernimmt die Koordination des Bereiches und legt die Prioritäten der Forschung fest. 

Der Schwerpunkt der Agrarbiotechnologie liegt auf der genetischen Verbesserung von Pflanzen, insbesondere bei Soja, Mais und Obst. Im Vordergrund steht die angewandte Forschung - experimentelle Forschung und Grundlageforschung werden jedoch auch betrieben. 

Die Forschung wird in staatlichen und privaten Einrichtungen durchgeführt. Das wichtigste Forschungsinstitut im Bereich sowohl der traditionellen wie auch der biotechnologischen Agrarforschung ist das Nationale Institut für Agrartechnologie (Instituto de Tecnología Agropecuaria, INTA). Zu ihm gehören zahlreiche „Forschungsstationen und drei Forschungszentren mit verschiedenen Instituten (Institute für Biotechnologie, Genetik, Mikrobiologie und Zoologie etc.), ebenso so genannte regionale Zentren, deren Aufgabe es ist, den wissenschaftlichen und produktiven Sektor miteinander zu verbinden. 

Grundlagen- und angewandte Forschung werden auch im Rahmen einer argentinisch-brasilianischen Kooperation durchgeführt. Die Forschungsaktivitäten sowie die Festlegung der Prioritäten liegen bei dem argentinisch-brasilianischen biotechnologischen Zentrum (CABBIO). Aktuelle Schwerpunktthemen sind transgene Pflanzen und Tiere sowie die biologische Bekämpfung von Seuchen. 

Biopharmazie und Biomedizin
Die Darstellung dieser Themen erfolgt im nachfolgenden Kapitel Gesundheitsforschung.

Gesundheitsforschung

Mit rund 14% der Forscher/-innen und knapp 15% der FuE-Ausgaben gehört die Medizin zu den wichtigsten Forschungsgebieten Argentiniens.

Der Nationalrat für die Programme der Gesundheitsforschung (Comisión Nacional de Programas de investigación Sanitaria, CONAPRIS) legt die Prioritäten der Wissenschaft fest. Die Nationale Akademie für Medizin fördert neben dem CONAPRIS  Forschungsprojekte in verschiedenen Bereichen der Medizin.

Die Hauptforschungsfelder im Bereich Medizin sind allgemeine Medizin, Kardiologie, Krebserkrankungen, Stoffwechsel- und Blutkrankheiten sowie neuronale Krankheiten. Die Nuklearmedizin gehört ebenfalls zu den wichtigen Gebieten.

Forschung wird v.a. in staatlichen Krankenhäusern und Universitäten sowie in staatlichen und privaten Forschungsinstituten durchgeführt. Private Krankenhäuser und private Universitäten spielen eine untergeordnete Rolle.  

Das staatliche Krankenhaus Prof. Garrahan führt Grundlagen- und angewandte Forschung von Kinderkrankheiten durch. Viel versprechend sind Forschungsaktivitäten im Bereich der multiplen Sklerose bei Kindern. Seit einigen Jahren bestehen Kooperationen mit Wissenschaftlern aus Toronto, New York und Finnland. 

Die nationale Verwaltung der Gesundheitsinstitute und Labore (ANLIS) ist die Nachfolgeorganisation des renommierten nationalen Instituts für Ansteckungskrankheiten Malbran. Elf untergeordnete Institute führen Forschungstätigkeiten im Bereich der Epidemiologie, Atmungskrankheiten, Parasiten und Viren sowie Hauterkrankungen und Ernährung durch. 

Die im Jahre 1975 gegründete private Stiftung Favarolo ist eines der wichtigsten kardiologischen Institute Lateinamerikas. Zurzeit wird dort mit Erfolg und weltweiter Resonanz an der Anwendung von Impfstoffen gearbeitet, um Herzkrankheiten zu bekämpfen.

Die ebenfalls private Stiftung für die Bekämpfung neurologischer Kinderkrankheiten (Instituto Fleni) führt nicht nur Grundlagen- und angewandte Forschung im Bereich der Neurologie durch, sondern befasst sich auch mit der Entwicklung neuer Techniken für Gefäßchirurgie.

Die Schwerpunkte des Instituts Leloir, eines der bedeutendsten nationalen biotechnologischen Institute, liegen heute nicht nur auf der biochemischen Grundlageforschung, sondern auch in den Bereichen der genetischen und molekularen Medizin sowie der Immunologie.  

Das nach dem argentinischen Nobelpreisträger Milstein benannte Exzellenzzentrum (Centro de Investigación Milstein) bringt unter einem Dach Wissenschaftler des CONICET und der Stiftung Pablo Cassará zusammen. Mehr als 100 Gesundheitsforscher beschäftigen sich dort mit  Biotechnologie und molekularer Genetik. Im Vordergrund steht Grundlagenforschung auf den Gebieten Proteine, Immunologie, Peptiden, Molecular framing und Bioreaktoren.

Einige der wichtigsten Forschungsinstitute des Landes sind an der Medizinfakultät der Universität Buenos Aires angesiedelt. Darunter: das Institut für Zellforschung und angewandte Neurowissenschaften sowie die Institute für Morphologie, Biomembrane und Endokrinologie. Ebenfalls abhängig von der Universität ist das experimentelle Forschungszentrum (Instituto de Biología y Medicina experimental, IBYME), das der Nobelpreisträger Alberto Houssay 1943 gründete.

Die Schule für Nuklearmedizin (FUESMEN) wurde 1986 gegründet, und hat sich mitlerweile zu einem der führenden Zentren für Nuklearmedizin in Lateinamerika entwickelt. Durch die Stiftung für nukleare Diagnostik der Universität Buenos Aires (CEDIN) werden angewandte Forschungstätigkeiten von diversen Nuklearzentren in Argentinien unterstützen. Bereits abgeschlossen sind Verträge mit arabischen Ländern, um die Kooperation in diesem Bereich zu fördern. 

Das argentinische Forum für die Forschungen im Gesundheitssektor (FISA) arbeitet seit fast zehn Jahren im Bereich der Forschungsförderung im Gesundheitssektor. Generell versucht FISA den Austausch der medizinischen Forscher bzw. der privaten und öffentlichen Institutionen zu stärken, um das System in diesem Bereich effizienter zu gestalten.

In Argentinien werden fünf medizinische Zeitschriften publiziert. Die Forschungsartikel, die dort veröffentlicht werden, können durch die beiden nationalen Datenbanken Medline und Lilacs konsultiert werden.

2. Australien

Bio- und Agrarwissenschaften

Das Queensland Bioscience Precinct in Brisbane zählt zu den vielversprechendsten Initiativen Australiens auf dem Gebiet der Biowissenschaften. Die an dem Projekt beteiligten 700 Wissenschaftler/innen, die mit der CSIRO und dem ebenfalls an der University of Queensland angesiedelten Institute for Molecular Bioscience kooperieren, befassen sich mit folgenden Themen:

  • genome mapping
  • bioinformatics
  • tropical and agricultural landscapes
  • resource futures
  • rangelands and savannas
  • crops for northern Australia including wheat, sugar, soybean and macadamia

Gesundheitsforschung

Die Medizinforschung, einer der Leuchttürme der australischen Wissenschaft, soll unter der neuen Abbott-Regierung dauerhaft zusätzliche Mittel erhalten. Hierzu soll ein aus verschiedenen Quellen gespeister Medical Research Future Fund in Höhe von rd. 20 Mrd. AUD eingerichet werden, dessen Zinseinnahmen  für die Förderung der Gesundheitsforschung zur Verfügung gestellt werden sollen. Zusätzlich sollen für die Demenzforschung über die kommenden fünf Jahre 200 Mio. AUD zur Verfügung stehen.

Unter dem Terminus "Health and Wellbeing" hat die Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) einen Forschungsbereich eingerichtet, der folgende Aspekte der Gesundheitsforschung untersucht:

  • Nutrition. Lifestyle and DNA
  • The CSIRO Wellbeing Plan for Kids
  • Food Bioactives for health
  • Food Safety
  • Bowel cancer and gut health
  • Dementia and Alzheimer´s disease
  • Advances in medical imaging
  • Environmental health

Ein Zentrum der Gesundheitsforschung stellt Melbourne dar, z.B. der Parkville Precinct der University of Melbourne (UoM). Im Parkville Precinct konzentriert sich lt. eigener Aussage die größte biomedizinische Kapazität der südlichen Hemisphäre. Biomedizinische Forschung und Anwendung in mehreren Kliniken auf dem Gelände sind räumlich eng verbunden. Insgesamt sind bisher mehr als 5 Mrd. AUD in den Parkville Precinct investiert worden.  

3. Brasilien

Bio- und Agrarwissenschaften

Landwirtschaft

Wichtigste Institution in diesem Bereich ist das Netzwerk der brasilianischen Agrarforschungszentren EMBRAPA (Empresa Brasileira de Pesquisa Agropecuária). Die 1973 gegründete Einrichtung ist dem Landwirtschaftsministerium nachgeordnet und besteht aus 41 landesweit verteilten Forschungszentren mit jeweils thematischem Fokus. In den EMBRAPA-Zentren betreiben mehr als 2000 Wissenschaftler Forschung und Entwicklung auf den Gebieten der Landwirtschaft, Viehzucht und Ernährung. Die intensive internationale Zusammenarbeit hat zur Effizienz und Anerkennung von EMBRAPA beigetragen. Es bestehen Kooperationsabkommen mit 56 Ländern und 155 internationalen Forschungseinrichtungen. So promovieren an deutschen Universitäten regelmäßig Brasilianer in landwirtschaftlichen und verwandten Themen mit Unterstützung von EMBRAPA.

Vor dem Hintergrund der Bedeutung brasilianischer Agrarexporte und der landwirtschaftlichen Produktion fördert das brasilianische Landwirtschaftsministerium Forschungsprogramme für eine nachhaltige, bodenschonende Landnutzung in verschiedenen Bewirtschaftungssystemen. Agrarforschung ist einer der wichtigsten Bereiche des Landes. Brasilien trägt mit 3,7% zur weltweiten Wissensproduktion in der landwirtschaftlichen Forschung bei. 

Biotechnologie

Biotechnologische Forschung findet in Brasilien insbesondere in den Bereichen Landwirtschaft, Tierzucht, Gesundheit und zunehmend im Bereich Umwelt und Energie statt. 
In der Nationalen Strategie für Wissenschaft, Technologie und Innovation 2012 - 2015 wird der Bereich Biotechnologie als ein Technologiefeld genannt, dessen Innovationsfähigkeit von besonderer Wichtigkeit für die Entwcklung Brasiliens ist.  

Verschiedene Programme zielen darauf ab, die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie in diesem Technologiefeld zu verstärken und regionale Verbünde zu schaffen. Als Beispiel kann das „Programa Rede Nordeste de Biotecnologia“ - RENORBIO genannt werden, das sich auf die nordöstlichen Bundesstaaten Brasiliens konzentriert und, gefördert durch das Forschungsministerium MCTI, den Aufbau biotechnologische Innovationscluster unterstützt. 

In Brasilien gibt es etwa 250 Unternehmen, die sich mit biotechnologischer Forschung beschäftigen. Der größte Teil davon findet sich in den Bundesstaaten Sao Paulo und Minas Gerais. Es handelt sich überwiegend um junge Unternehmen kleiner und mittlerer Größe. Etwa 40% der Unternehmen sind im Bereich (humane) Gesundheitsforschung aktiv. Daneben sind die Bereiche Veterinärmedizin und Bioenergie bedeutende Geschäftsfelder der Unternehmen.
Neben der Privatwirtschaft und Universitäten sind vor allem die Zentren der landwirtschaftlichen Forschungseinrichtung EMBRAPA mit Biotechnologie beschäftigt. Sie untersuchen Fragestellungen mit Schnittstellen zu agrarwissenschaftlichen Themen, wie z.B. genetische Ressourcen, biologische Schädlingsbekämpfung oder biologische Sicherheit. 

Zur Erforschung der biologischen Vielfalt des Amazonasgebietes wurde das Zentrum für Biotechnologie in Amazonien (CBA) gegründet, das den Schutz und die Nutzung der Biodiversität des tropischen Regenwaldes in der Amazonasregion zum Ziel hat.

Gesundheitsforschung

Brasilien hat seine Kapazität in der Gesundheitsforschung in den letzten Jahren konsequent ausgebaut. Die Zahl international veröffentlichter Publikationen auf diesem Gebiet hat sich zwischen 2000 und 2010 vervierfacht. In einzelnen Forschungsbereichen, wie Tropenmedizin oder Parasitologie, ist Brasilien weltweit führend in der wissenschaftlichen Produktion. Das Gesundheitsministerium fördert strategischen Forschungsbereiche mit spezifischen Förderprogrammen. Dazu zählen u.a. Pharmazie, Biomaterialien, Diagnostik und Impfstoffe.

Die dem Gesundheitsministerium nachgeordnete Stiftung Fiocruz ist eine auch international herausragende Institution der Gesundheitsforschung. FIOCRUZ ist in der Grundlagenforschung bis hin zur Entwicklung und Produktion von Impfstoffen, Wirkstoffen und Medikamenten tätig. FIOCRUZ unterstützt darüber hinaus die strategische Forschung im Gesundheitsbereich (z.B. an Universitäten) mit Programmen zum Aufbau von Forschungsnetzwerken, z.T. in Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation.

Weitere wichtige Akteuere in der Gesundheitsforschung Brasiliens sind die staatlichen Universitätskliniken, wie die Medizinische Fakultät "Riberião Preto" der Universität São Paulo.

4. Chile

Bio- und Agrarwissenschaften

Biologie
Chile hat in diesem Bereich zwar einen großen Fortschritt gemacht, hat jedoch beim Aufbau der modernen Teildisziplinen der Biologie großen Aufholbedarf. Die Anzahl der jüngeren Absolventen mit einem im Ausland erworbenen Doktorgrad und Magister nimmt in den letzten Jahren zu.

Viele Forscher gehören internationalen Vereinigungen (v.a. USA und Kanada) an.
Jährlich wird ein Mikrobiologie-Kongress von der Mikrobiologischen Vereinigung ausgerichtet.
Ein Großteil der Forscher arbeitet an den folgenden Universitäten:

  • Universidad de Chile,
  • Universidad Católica,
  • Universidad de Concepción,
  • Universidad de Santiago,
  • Universidad Austral,
  • Universidad Andrés de Bello sowie
  • Universidad Valparaiso.

Biotechnologie

Es gibt in Chile rund 200 Institutionen, die auf dem Gebiet der Biotechnologie aktiv waren (biotechnologische Unternehmen, Forschungseinrichtungen). Da Chiles wirtschaftliche Entwicklung hauptsächlich auf dem Export von Rohstoffen basiert, wird jedoch ein jährlicher Zuwachs von 30 % erwartet. Grundlage dafür  ist, dass der Bereich etwa ein Investitionsvolumen von über 93 Mio. USD aus nationalen Mitteln und von über 170 Mio. USD aus dem Ausland verbuchen konnte.

Besonders konzentriert sich Chile dabei auf folgende drei strategische Bereiche:

  • Landwirtschaft und Agroindustrie (41 %)                                    
  • Fischerei, Nahrungsmittel und industrielle Biotechnologie (32%)
  • Medizin (27 %)

Ein besonderes Gebiet der biotechnologische Entwicklung in Chile stellt der Biobergbau dar, in dem bestimmte Bakterien zur Einlösung von diversen Metallen – etwa Kupfer – eingesetzt werden. Es gibt Einschätzungen, nach denen etwa 9% der Kupferproduktion Chiles nach Methoden des Biobergbaus erzielt wird. Hauptakteure auf diesem Gebiet sind die Großfirmen BioSigma und BHP – Billiton, die in den letzten Jahren rund 20 Mio. USD in Biotechnologie in Chile investiert haben. Ein anderes Gebiet mit hohen Zuwachsraten stellen die Biobrennstoffe dar. Die öffentliche Hand hat auf diesem Gebiet eine Investition von 30 Mio. USD getätigt.

Die seit 2001 bestehende Genom-Initiative (Initiativa Genoma Chile), die in den ersten Jahren ihres Bestehens mit Mitteln der Interamerikanischen Entwicklungsbank aufgelegt wurde, heisst seit Oktober 2008 in neuer Auflage "Programa Genoma Chile" und hat weiterhin die Entwicklung des Biotechnologiesektors zum Ziel. Das Programm finanziert mittlerweile nur noch mit nationalen staatlichen Mitteln (7 Mio. USD) Forschungsprojekte in den Bereichen Genomik, Proteomik und Biotechnologie/Bioinformatik  (natürliche Ressourcen und Biobergbau). Im Falle des Biobergbaus geht es um die Verbesserung und die Sequenzierung von Bakterien, die in die Bio-Extrahierung von Kupfer eingreifen. Hier werden Forschungsarbeiten in Kooperation mit BioSigma, einem Joint Venture der staatlichen Kupfergesellschaft CODELCO und Nippon Mining & Metals finanziert. Im Bereich der natürlichen Ressourcen werden Projekte in den Fachgebieten Aquakultur und Landwirtschaft gefördert, die mit funktioneller Genomik von Weinreben und Nektarinen zu tun haben. Ein Förderprogramm für die Aquakultur HUAM ist auf die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität dieser Branche ausgerichtet. Bisher wurden 13 Projekte mit insgesamt 4,28 Mio. Euro gefördert.  Hier wird untersucht, wie mittels Impfung und Diagnostik-Kits unterschiedliche Krankheiten bei Lachsen bekämpft werden können. Die Ergebnisse sollen vor allem zur Optimierung der landwirtschaftlichen und rohstofflichen Exportprodukte genutzt werden.

Die chilenische Regierung ernannte 2002 eine Nationalkommission für die Entwicklung der Biotechnologie (Comisión Nacional para el Desarrollo de la Biotecnología). Unter Expertenbeteiligung wurde eine Studie über die Situation der Biotechnologie in Chile und verschiedene Empfehlungen erstellt. Aufbauend auf diese Ergebnisse lancierte die Regierung 2004 ein Nationales Programm zur Entwicklung der Biotechnologie. Sie sah eine Reihe konkreter Maßnahmen vor wie

  • die Stärkung der Biotech-Industrie,
  • Ausweitung der Förderinstrumente für biotechnologische Innovation und
  • Erhöhung der Anzahl an gut ausgebildeten Fachkräften und Wissenschaftlern.

Die Staatsausgaben für den Bereich Biotechnologie sind in den letzten Jahren gestiegen. Das Innova-Programm von CORFO, die Gründung und finanzielle Unterstützung von technologischen Konsortien und die Erhöhung der Staatsausgaben für Forschung und Entwicklung in Biotechnologie sind einige Beispiele. Zudem hat 2009 CORFO ein neues Förderinstrument zur Unterstützung der angewandten Forschung in Chile ins Leben gerufen. Für die Gründung von bis zu fünf internationalen Forschungseinrichtungen werden 19,5 Mio. US-Dollar für jedes Zentrum für einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren bereitgestellt. Das "Fraunhofer Chile – Center for Systems Biotechnology (CSB)" hat als erstes internationales Exzellenzzentrum von chilenischer Seite den Zuschlag bekommen.

In den letzten Jahren hat CONICYT die Entwicklung der Biotechnologie in Chile hauptsächlich durch die Genehmigung verschiedener Projekte etwa in den Forschungsfonds FONDEF und FONDECYT entschieden gefördert. 2012 wurde 44 Projekten zugestimmt.

Auch auf regionaler Ebene gibt es Bestrebungen, das Thema Biotechnologie in die politische Strategie aufzunehmen. Die Lokalregierung der Region Bio-Bio (siebte Region) hat die Biotechnologie als eines der Hauptinstrumente für die lokale wirtschaftliche Entwicklung in die Entwicklungsstrategie aufgenommen. Gemeinsam mit der Universidad de Concepción wurde das Regionalzentrum für Biotechnologie (Centro Regional de Biotecnología) 2002 eingerichtet. Das Gebäude des Zentrums liegt auf dem Campus Concepción und ist mit Laboratorien für Forschung, Entwicklung und Innovation ausgestattet.

Im Jahr 2007 wurde der erste Biotechnologie-Park in Santiago de Chile eingeweiht. Dieser Park ist ein Agglomerat von verschiedenen Firmen und Forschungseinrichtungen, die in dieser Forschungsdisziplin tätig sind. Initiiert wurde der Park von der Biotecfirma BiosChile (1980 als die erste Biotecfirma in Chile gegründet) und der Stiftung Wissenschaft für das Leben (Fundación Ciencia para la Vida). Der Park hat Laboratorien für Grundlagenforschung und angewandte Forschung sowie ein Bioinformatikzentrum.
Aktuelle Forschung und Ergebnisse:

  • Diagnostik-Kit für die Chagas-Krankheit, eine Infektionskrankeheit
  • Forschung an einer Impfung gegen die Bakterie Piscirickettsia salmonis, die verantwortlich für den Verlust von 10% der Lachszucht (150. Mio. USD/Jahr) ist und
  • Forschung zur Behandlung von Brustkrebs.

Ebenso wird in dem Biotechnologie-Park eine Fabrik gebaut, um chilenische Algenextrakte zu produzieren, die in der Kosmetik und Pharmazeutik genutzt werden können.

Im Juli 2007 wurde die biotechnologische Abteilung des Labors Lo Aguirre (Unidad de Biotecnología del Laboratorio institucional de Lo Aguirre) des staatlichen Land- und Viehwirtschaftlichen Dienstes (Servicio Agrícola y Ganadero) eingeweiht. Diese Abteilung wurde im Rahmen eines EU-Projektes finanziert. Die Aufgabe des Labors wird es sein, die Tier- und Pflanzengesundheit, Biounbedenklichkeit von Lebensmitteln und biologischen Produkten zu diagnostizieren und zu zertifizieren und die Existenz von genetisch veränderten Organismen zu ermitteln. Außerdem wird das Labor diagnostische molekulare Dienstleistungen für verschiedene andere Laboratorien, u.a. des privaten Sektors, erbringen.

Im Bereich der Biotechnologie gibt es drei Institute, die im Rahmen der Milleniumsinitiative  wissenschaftliche Exzellenzforschung auf nationaler Ebene aufweisen. Insgesamt existieren in Chile derzeit 7 Milleniumsinistitute, an denen Exzellenzforschung betrieben wird. Im Bereich der Biotechnologie sind es: Instituto de Biología Fundamental y Aplicada (MIFAB), Núcleo Milenio en Biotecnología Celular Vegetal (PCB-MN), Ecología Microbiana y Microbiología y Biotecnología Ambiental (EMBA). 
Mit dem Thema Biosicherheit beschäftigt sich die Universidad de Concepción.

In der Biotechnologie tätig sind:

  • 58 Herstellungsfirmen,
  • 22 Dienstleistungsunternehmen,
  • 61 Forschungszentren,
  • 25 Techologietransferzentren sowie Technolgiezentren.

Die biotechnologische Forschung konzentriert sich hauptsächlich auf Forschergruppen in folgenden Einrichtungen: 

  • Universidad de Chile,
  • Universidad de Talca,
  • Universidad Federico Santa María de Valparaiso,
  • Universidad Católica de Chile,
  • Universidad de Santiago de Chile,
  • Universidad de Concepción,
  • Universidad Austral,
  • Universidad Andrés Bello.

Weitere wichtige Zentren sind:

  • Nationalinstitut für Landwirtschaftliche Forschung (Instituto Nacional de Investigación Agropecuaria, INIA),
  • Die Stiftung Chile (Fundación Chile) unterstützt Projekte im Bereich Landwirtschaft, Meeresressourcen, Forstwirtschaft, Umwelt, erneuerbaren Energien und Ressourcen
  • Institut zur Förderung der Fischerei (Instituto de Fomento Pesquero, IFOP),
  • Zentrum für fortgeschrittene Polymerforschung (Centro de Investigación de Polímeros Avanzados, CIPA)
  • Exzellenzzentrum für Biochemie und Biotechnologie (Centro de Excelencia Académica en Ingeniería Bioquímica y Biotecnológica, CIBYB), Universidad de Chile
  • Milleniumsinstitut für Mikrobiologie und Umweltbiotechnologie (Ecología Microbiana y Microbiología y Biotecnología Ambiental)
  • Milleniumsinstitut für biologische Grundlagenforschung und angewandte Forschung (Instituto Milenio Biología Fundamental y Aplicada),
  • Milleniumsinstitut für fortgeschrittene Studien in Zellularbiologie und Biotechnologie (Instituto Milenio de Estudios Avanzados en Biología Celular y Biotecnología), angesiedelt an der Universidad de Chile, Fakultät für Wissenschaft,
  • Chilenischer Verband biotechnologischer Unternehmen (Asociación Chilena de Empresas de Biotecnología A.G., ASEMBIO). Er wurde 2004 gegründet. Ihm gehören die meisten der biotechnologischen Firmen Chiles an. Asembio ist Mitglied des Lateinamerikanischen Verbands biotechnologischer Unternehmen (Federación Latinoamerciana de Empresas de Biotecnología, FELAEB).

In Chile gibt es mehrere Cluster im Bereich Biotechnologie. Der Nahrungsmittelcluster umfasst fünf Sektoren der Agrarindustrie: Obstbau, Weinbau, Geflügel- und Schweinezucht, Viehzucht und verarbeitete Lebensmittel. Der Nahrungsmittelcluster hat im Rahmen der F&E-Programme hauptsächlich die genetische Verbesserung der Arten sowie den Technologietransfer zum Ziel. Der Cluster für Aquakultur zielt auf eine Diversifizierung der Arten sowie die Verbesserung der sanitären Bedingungen der Lachsindustrie.

Gesundheitsforschung

Traditionell wird die Gesundheitsforschung in Chile in Zusammenarbeit mit Krankenhäusern und Medizinschulen durchgeführt.

Die Universität mit dem besten Ruf in diesem Bereich ist die Universidad de Chile, an der verschiedene Forschungszentren angegliedert sind. Forschung findet sowohl im Bereich der angewandten Forschung wie auch der Grundlagenforschung statt. Forschungsthemen sind z.B.

  • Molekularanalyse der Zelle,
  • Immunologie,
  • Immuntherapie,
  • Neurowissenschaften und
  • Krebs.

Eine weitere Universität an der Gesundheitsforschung betrieben wird ist die Pontificia Universidad Católica de Chile. Im Bereich der Grundlagenforschung wird zu Herzinsuffizienz und arterieller Hypertonie, physiologischen und physiopathologischen Aspekten der menschlichen Ernährung, ansteckenden Krankheiten, Immunologie, rheumatologischen Krankheiten, chronischen Lungenkrankheiten und molekularer Onkologie geforscht.

Biomedizin
Die biomedizinische Forschung konzentriert sich auf die Universidad de Chile, in der es ein Forschungszentrum für Umwelt und Biomedizin (Centro de Investigación en Medio Ambiente y Biomedicina, CIMAB) gibt und die Universidad Católica. Es gibt kleinere Forschergruppen an der Universidad de Concepción, der Universidad Austral und der Universidad Valparaíso, Universidad de Santiago und der Universidad de la Frontera. Auch die Universidad Nacional Andrés Bello und Universidad de los Andes sind in der Biomedizin aktiv.

Die Stiftung Wissenschaft & Leben (Fundación Ciencia & Vida), gegründet 1997,  fördert Forschung, Entrepreneurship und Ausbildung in den Bio- und Lebenswissenschaften.Die Stiftung forscht in den Bereichen Biomedizin, Bioressourcen sowie Bioinformatik und Genomics. 

CONICYT finanziert ein Konsortium zur technologischen Gesundheitsforschung (Consorcio de Investigación Tecnológica en Salud, CTI) an dem internationale Institutionen und Unternehmen teilnehmen:

  • Universidad de la Frontera,
  • Universidad de Concepción,
  • Universidad Austral de Chile,
  • Fundación Insituto Leloir (Argentinien),
  • Instituto Weizmann (Israel),
  • Farmindustrie S.A.,
  • Southern Technology Group,
  • Indena SpA (Italia) und
  • Fundación Arturo López Pérez.

Ziel des Konsortiums ist die wissenschaftliche und technologische Forschung, Entwicklung und Vermarktung neuer Produkte für den diagnostischen Gebrauch und die Therapie gegen Magendarmkrebs.

Fraunhofer Center für Biomedizin (CSB)
Die Biomedizin Forschung der FhG in Chile konzentriert sich auf die Entwicklung von Programmen zu einem besseren Verständnis der molekularen Grundlagen von Hirnerkrankungen. Es handelt sich um ein Forschungslabor mit Schwerpunkt auf Alzheimer und andere neurodegenerative Erkrankungen.

Das FhG-Center für Biomedizin konzentriert sich auf die Entwicklung von Forschungsprogrammen an der Schnittstelle zwischen präklinischer Forschung und klinischer Entwicklung, innovative therapeutische Strategien zur Diagnose und Behandlung von Autismus-Störungen, Alzheimer, Huntington und Parkinson sowie Arteriosklerose und Diabetes.

Es werden innovative präklinische Studien durchgeführt. Dafür werden in vivo und in vitro pharmakologische Studien an Nagetieren durchgeführt, um neuartige Medikamente für neurologische Entwicklungsstörungen genetischen Ursprungs und neurodegenerativen Krankheiten zu testen. Dem Wissenschaftler-Team gehören Experten auf den Gebieten der Neuropathologie, Psychopharmakologie, Tierverhalten, Entwicklungsgenetik, molekulare Neurowissenschaften, Zellbiologie, Bildgebung und Informatik an.

Die Biomedizin-Abteilung hat ein lateinamerikanisches Netzwerk aufgebaut, das als Plattform zur Entwicklung von Technologien und von klinischen Studien nach Internationalen Standards dient.

5. Finnland

Bioökonomie

Das Ziel der finnischen Bioökonomie-Strategie von 2014 ist es, durch die Stärkung der Bioökonomie in Finnland neues Wirtschaftswachstum zu generieren und neue Arbeitsplätze zu schaffen bei gleichzeitiger Sicherung der der natürlichen Ökosysteme. Dies soll durch in Finnland entwickelte wettbewerbsfähige und nachhaltige Bioökonomie Lösungen für globale Probleme erreicht werden.

Die strategischen Ziele der Bioökonomie-Strategie sind:

  1. Schaffung wettbewerbsfähiger Rahmenbedingungen für die Bioökonomie
  2. Ableitung neuer Geschäftsfelder aus der Bioökonomie
  3. Entwicklung einer starken Bioökonomie-Kompetenzbasis
  4. Erhalt der Zugänglichkeit und Nachhaltigkeit von Biomasse

Bioökonomie bezieht sich auf eine Wirtschaft, die auf erneuerbaren natürlichen Ressourcen beruht, um Nahrungsmittel, Energie, Produkte und Dienstleistungen zu produzieren. Die Bioökonomie soll die Abhängigkeit von fossilen natürlichen reduzieren Ressourcen verringern und den Verlust der biologischen Vielfalt stoppen.

Mittels der Bioökonomie-Strategie sollen die Ausgaben für Bioökonomie auf 100 Milliarden Euro bis zum Jahr 2025 gesteigert und 100.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Bereits heute ist Finnland in der Bioökonomie gut aufgestellt: 2011 wurden Produkte und Dienstleistungen der Bioökonomie im Wert von rund 60 Mrd. € in Finnland produziert, dies entsprach einem Anteil am BIP von 16%. Mit rund 300.000 Beschäftigten stellte die Bioökonomie im selben Jahr mehr als ein Zehntel aller Beschäftigten in Finnland.

Am größten finnischen Forschungsinstitut VTT stellt die Bioökonomie derzeit einen von insgesamt sieben langfristigen Schwerpunkten dar. Als Dienstleister für F&E-Aufträge der finnischen Unternehmen hat sich das VTT auf folgende Themen der Bioökonomie fokussiert:

  • C1 economy
  • Key technology platforms for the bioeconomy
  • High-performance fibres
  • Materials recycling and reprocessing
  • Sustainable packaging materials
  • Food, feed and beverages
  • Bio-based platform chemicals
  • Light-weight bio-based structures
  • Liquid biofuels

6. Frankreich

Bio- und Agrarwissenschaften

Am 11. September 2014 wurde das Gesetz für Landwirtschaft, Ernährung und Forstwirtschaft (Loi d’avenir pour l’agriculture, l’alimentation et la forêt) verabschiedet. Es soll zur Wettbewerbsfähigkeit der französischen Landwirtschaft beitragen und die Agrarökologie fördern. Frankreich soll Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll zufolge weltweit führend in der Agrarökologie werden. Staatspräsident François Hollande befürwortete im März 2015 zudem die in Frankreich umstrittene Wiederaufnahme der Forschung an genetisch veränderten Organismen (GVO) und betonte die Bedeutung der Biotechnologien.

In der Programmlinie „Landwirtschaftliche Lehre und Forschung“ (Enseignement supérieur et recherche agricoles) des Forschungsbudgets 2014 sind Ausgaben in Höhe von 312 Millionen Euro vorgesehen, um die Ausbildung landwirtschaftlicher Fachkräfte (Ingenieure, Landschaftsarchitekten, Forschern, Tiermediziner) und eine kohärente Forschungspolitik in diesem Bereich zu sichern.

Die weiteren nachfolgenden, einem oder mehreren Ministerien unterstehenden Einrichtungen (Organismes sous tutelle) sind die wichtigsten Akteure der französischen Bio- und Agrarforschung:

  • Nationales Institut für Agronomieforschung (Institut national de la recherche agronomique, INRA) – Das INRA hat über 100 Standorte in Frankreich und richtet seine Forschungsarbeiten an sechs Metathemen aus: Nachhaltige Konzepte für die Gesundheit von Pflanzenkulturen; Anpassung der Forstwirtschaft an die Klimaveränderungen; Meta-Genomik mikrobieller Systeme; Nachhaltige Konzepte für die Gesundheit von Tieren; Bestimmende Faktoren und Einfluss von Fütterungspraktiken; Genomische Selektion
  • Französisches Institut für die Erforschung des Meeres (Institut français d’exploitation de la mer, IFREMER) – Seine strategischen Forschungsschwerpunkte im Bereich Biowissenschaften sind Marine, Biodiversität und Nutzung der biologischen (Meeres-)Ressourcen, Nachhaltiger Fischfang und Aquakulturen
  • Nationales Forschungsinstitut für Umwelt- und Agrarwissenschaften und -technologien (Institut national de recherche en sciences et technologies pour l’environnement et l’agriculture, Irstea) – Das Irstea besteht aus der Zentrale in Antony in der Nähe in Paris sowie neun regionalen Standorten. Dem Institut ist die Kooperation mit lokalen und regionalen Akteuren besonders wichtig und seine Forschung ist anwendungsorientiert.
  • Internationales Zentrum für Agronomieforschung in der Entwicklungszusammenarbeit (Centre de coopération International en Recherche Agronomique pour le Développement, CIRAD)
  • Das Institut für Biologie (Institut des sciences biologique) des CNRS
  • Das Netzwerk landwirtschaftlicher anwendungsorientierter Forschungsinsitute ACTA (Réseau des instituts des filières animales et végétales)
  • Nationales Institut für Agronomie, Tiermedizin und Forstwirtschaft (Institut agronomique, vétérinaire et forestier de France, IAVFF) – Die Dachstruktur wurde 2015 von den Ministerien für Bildung sowie Landwirtschaft gegründet, ihr gehören 14 Hochschul- und Forschungseinrichtungen, unter anderem das INRA, an. Sie soll die Kooperation von Lehre und Forschung in den Bereichen Ackerbau, Forstwirtschaft, Tiermedizin sowie Landschaftsgestaltung fördern.

 Die Nationale Forschungsstrategie gibt für diesen Bereich die folgenden Themen und Handlungsorientierungen vor:

 

  • Lebensmittelsicherheit und die demografische Herausforderung:
    - Gesunde und nachhaltige Ernährung
    - Integrierter Ansatz für Produktionssysteme
    - Biomasseproduktion und Diversifizierung der Anwendung
  • Anpassung an den Klimawandel und verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen:
    - Intelligente Beobachtung des „System Erde
    - Nachhaltiges Management natürlicher Rohstoffe
    - Bewertung und Beherrschung von Klima- und Umweltrisiken
    - Umwelt- und Biotechnologien um den Umweltwandel zu begleiten
    - Das „Labor“ Küstenregion

Im November 2015 hat Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll bei einem Expertengremium den Plan „Innovationen für die Landwirtschaft 2025“ (Agriculture Innovations 2025) präsentiert. Dieser schlägt Maßnahmen vor, um die Fortschritte in Digitalisierung, Robotik, Biotechnologien, Biokontrolle und Bioökonomie besser für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Die Umsetzung von Strategien in konkrete Forschungsvorhaben geschieht mit Hilfe des „Wissenschaftlichen Beirates für biologische Landwirtschaft“ (Conseil Scientifique de l’Agriculture Biologique). Dieser wurde 2008 vom Landwirtschaftsministerium ins Leben gerufen, seine Mitglieder werden ernannt (http://agriculture.gouv.fr/Le-Conseil-Scientifique-de-l).

Die Bio- und Agrarwissenschaft sind zudem ein thematischer Schwerpunkt der Cluster (Pôles de compétitivité), in denen Industrie und Forschung zusammenarbeiten. Und zwar in folgenden Bereichen: Landwirtschaft / Lebensmittel; Bereich Bioressourcen, Materialien, Bioreaktoren; „Fabrik der Zukunft“ im Bereich ökologischer Verfahren, Recycling und Rezyklierbarkeit von Materialien, pflanzenbasierte Chemie; Nutzung von Algen. Die einzelnen Cluster werden hier nicht aufgeführt, können aber über den Link nachgelesen werden.

Gesundheitsforschung

In der Nationalen Forschungsstrategie wird „Gesundheit und Wohlbefinden“ als 4. Gesellschaftliche Herausforderung benannt. Die dazugehörigen Handlungsfelder sind: Mehr-Ebenen-Analyse der Diversität und der Evolution des Lebens; Verwertung und Sammlung biologischer Daten; Exzellenznetzwerk von Zentren für Forschung und Pflege. Frankreich hat auf diesem Gebiet international herausragende Institutionen. Dies sind insbesondere:

  • Nationales Institut für Gesundheit und medizinische Forschung (Institut national de la santé et de la recherche médicale, INSERM)
  • Institut Pasteur
  • Institut Curie
  • 30 Regionale und universitäre Klinikzentren (Centres Hospitaliers Régionaux et Universitaires, CHRU)
  • Universitäre, klinische Forschungsinstitute (Instituts Hospitalo-Universitaires, IHU) – In der ersten Ausschreibungsrunde der PIA 2010 wurden die IHU mit 855 Millionen Euro ins Leben gerufen und gefördert. Ziel war es, die CHRU zu ergänzen und 5 exzellente Standorte für klinische Forschungen zu identifizieren, die Grundlagenforschung mit Behandlungsmethoden und wirtschaftlich verwertbaren Produkten verbinden. Diese werden als Stiftung gefördert. Von einer internationalen Jury wurden 6 von 19 Anträgen ausgewählt, die hier aufgelistet sind.
  • Nationales Institut für Informatik und Automatik (Institut national de recherche en informatique et en automatique, INRIA) – einer der fünf thematischen Schwerpunkte lautet „Gesundheit, Biologie und der digitale Planet“
  • Kommissariat für Atom und erneuerbare Energien (Commissariat à l’énergie atomique et aux énergies alternatives, CEA) – im Bereich der Grundlagenforschung forscht das CEA auch zu Lebenswissenschaften

Relevant für die Forschung auf diesem Gebiet sind die Nationale Gesundheitsstrategie (Stratégie nationale de la santé, SNS), der Plan für neuro-degenerative Krankheiten (Plan maladies neurodégénératives) und der Plan für den Kampf gegen Krebs (Plan Cancer) (siehe Kapitel „Forschungspolitische Ziele“). Die regionalen und staatlichen Agenturen, die die Forschung im Rahmen dieser Strategien koordinieren, sind:

  • Nationale Agentur für Aidsforschung (Agence nationale pour la recherche sur le sida)
  • Nationales Krebsinstitut (Institut national du cancer, Inca) – Trotz des Namens handelt es sich beim Inca in erster Linie um eine staatliche Agentur, deren Aufgabe es ist, die Krebsforschung zu koordinieren und zu steuern
  • Sieben regionale Zentren für Krebsforschung (Cancéropoles) – Koordinierung der Krebsforschung auf regionaler Ebene, mit Unterstützung des Inca

Die Forschungseinrichtungen haben sich in der Nationalen Allianz für Lebenswissenschaften und Gesundheit (Alliance nationale pour les sciences de la vie et de la santé, AVIESAN) zusammengeschlossen, um ihre Arbeit möglichst effizient zu planen und zu koordinieren. Um die große Zahl der Institute optimal einzubinden, hat AVIESAN zehn virtuelle Institute (Instituts thématiques multi-organismes, ITMO) geschaffen, die die Forschung auf folgenden Themenbereichen verantworten:

  • Molekulare und strukturelle Grundlagen des Lebens
  • Zellbiologie – Evolution und Weiterentwicklung
  • Krebs
  • Kreislauf, Metabolismus, Ernährung
  • Genetik, Genomik und Bioinformatik
  • Immunologie, Hämatologie, Lungenkrankheiten
  • Mikrobiologie und Infektiöse Krankheiten
  • Neurowissenschaften, kognitive Wissenschaften, Neurologie, Psychiatrie
  • Volksgesundheit
  • Medizinische Technologien

Aviesan hat 2015 zudem einen Bericht im Auftrag der Regierung verfasst, wie die Gesundheitsforschung besser koordiniert werden kann. Die Alllianz schlägt dort unter anderem vor, dass die Nationale Forschungsagentur ANR alle relevanten Ausschreibungen unter dem Stichwort „Gesundheit“ bündelt.

Als neuer Schwerpunkt besonderer Förderung durch die französische Exzellenzinitiative im Rahmen des PIA wurde der Bereich „Kohortenforschung“ aufgenommen. Angesichts der hochkomplexen Entwicklungen durch die Entschlüsselung des Genoms ist der Schwerpunkt der Arbeiten in diesem Bereich eine integrale Systembiologie, die ein einheitliches Verständnis des Lebens erlauben soll. Dafür müssen die Integrationsmechanismen über alle Stufen des Lebens, vom Molekül bis zum komplexen Ökosystem, erforscht werden. Die wissenschaftlichen Untersuchungen tragen zur Biotechnologie, zur Biomedizin und – unter Vernetzung mit der klinischen Forschung und den Klinikbetrieben – zur Gesundheit bei. Das Vorgehen ist jeweils interdisziplinär angelegt und hat die medizinische und industrielle Verwertung im Blick. Kohortenforschung ist auch ein Schwerpunkt der deutsch-französischen Forschungsagenda.

Mit 32,5 Millionen Euro wurden im Rahmen der Ausschreibung „„Klinisch-universitäre Gesundheitsforschung“ (Recherche Hospitalo-Universitaire en santé, RHU) des PIA 2015 zudem vier Forschungsprojekte in der translationalen Medizin gefördert.

Während der Ebola-Epidemie 2014 in Westafrika  spielte das Institut Pasteur eine herausragende Rolle. Die Labore des Institut Pasteur in Paris, Lyon und Dakar haben zur ersten Diagnose beigetragen und leisten ihren Beitrag zur epidemiologischen Überwachung des Virus. Das Laboratoire Jean Mérieux (Inserm/Institut Pasteur) in Lyon ist darüber hinaus das einzige zivile Labor der Sicherheitsstufe 4 in Frankreich und hat europaweit in diesem Bereich die größte Kapazität für Versuchsreihen. 2015 wurde in der Folge der Epidemie die Eröffnung eines Institut Pasteur in Guinea bekannt gegeben.

7. Indien

Bio- und Agrarwissenschaften

Biologische Forschung und Technologie stehen seit mehreren Jahren auf der Prioritätenliste der Zentralregierung mit durchgehenden Steigerungsraten im Budget.
Die Schwerpunkte liegen in den Bereichen:

  • Pflanzenbiologie,
  • Serobiologie,
  • medizinische Biotechnologie,
  • Schutz und Nutzung seltener Pflanzen,
  • Aufbau eines Bioinformations-Programms sowie 
  • Bioinformatik.

Wie schon im 10. Indischen Fünfjahresplan (2002-2007) wurden auch im 11. Indischen Fünfjahresplan (2007-2012) der Biotechnologieforschung, insbesondere der "roten" (medizinische Biotechnologie) und "grünen" Biotechnologieforschung (z.B. transgene Baumwollpflanzen, Bioenergieerzeugung) hohe Priorität eingeräumt.

Die Fokussierung auf "grüne" Biotechnologie ist aufgrund der hohen Bedeutung des Agrarsektors in Indien nachvollziehbar. Etwa 72 % der Bevölkerung Indiens lebt im ländlichen Raum mit einem Pro-Kopf-Einkommen von weniger als 1,10 € pro Tag und produziert einen Beitrag von (nur) 20 % zum BIP Indiens. Neben der Agrarforschung soll die Biotechnologieforschung langfristig auch einen Beitrag zur integrierten ländlichen Entwicklung leisten.

Indien ist sehr stark in der pharmazeutischen Forschung und Produktion. Die Entwicklung neuer Medikamente erfolgt heute überwiegend unter Einsatz moderner biotechnologischer Methoden. Im Bereich "Microorganism and genetic engineering" registrierte das Europäische Patentamt (2003) 40 Patente (0,8 % von insgesamt 4857 Patenten weltweit) aus Indien, während es acht Jahre zuvor erst zwei Patente waren (EC, 2007). Die Zahl der in Indien registrierten biotechnologischen Patentanmeldungen stieg von 170 (1995) auf fast 400 im Jahr 2002, wovon 30 % der Patentanmeldungen auf Proteine und Enzyme und 10 % der Patentanmeldungen auf Bakterien entfielen (EC, 2007).

Im Finanzjahr 2007/08 (1.4. bis 31.3) setzten die schätzungsweise 325 Unternehmen aus dem Bereich Biotechnologie rund 2,5 Mrd. US$ um, wobei die Umsätze in den Jahren 2006/07 und 2007/08 zweistellig um 31% beziehungsweise 20% stiegen. Obwohl das Wachstum zuletzt zurückging, wird erwartet, dass der Sektor wieder Fahrt aufnimmt, sobald er die notwendigen Anpassungen durchlaufen und die krisenbedingte Abschwächung überstanden hat.

Bis 2015 soll sich der Branchenumsatz Schätzungen des Fachverbandes Association of Biotechnology Led Enterprises (ABLE) zufolge auf 370 Mrd. indische Rupien (INR; rund 7,2 Mrd. US$) in etwa verdreifachen. Das Land zählt deshalb zu den weltweit wichtigsten Zukunftsmärkten.

Gemessen am Umsatz stellt Indien nach Japan und Korea den drittgrößten Markt für biotechnologische Produkte und Dienstleistungen im Asiatisch-Pazifischen Raum dar.
 
Die Forschung im Bereich Biotechnologie wird von den verschiedenen öffentlichen Einrichtungen gefördert (Für weitere Informationen: s. Kap. 2.2.4. "Förderorganisationen").

Außerdem fördert die indische Regierung durch den Aufbau großer Biotechnologieparks die Kooperation in Forschung und Entwicklung. Große Biotechnologieparks wurden bereits in Bangalore (Bangalore Helix), in Hyderabad (Shapoorji Pallonji Biotech Park) und anderen Standorten im Bundesstaat Karnataka eröffnet.

Weitere Informationen zu Biotechparks bei der Association of Biotechnology Led Enterprises (ABLE), Bangalore  www.ableindia.org

Gesundheitsforschung

Die indische Gesundheitsforschung hat eine vergleichsweise hohe, z.T. internationalen Standards entsprechende Qualität. Die Schwerpunkte liegen derzeit bei Untersuchungen zu Infektionskrankheiten: Tuberkulose, Lepra, Malaria, Cholera, Typhus. Im Zusammenhang mit der 1998 eingeleiteten Politik zur AIDS-Bekämpfung steht das sogenannte National AIDS Control Programme.

Indien zählt heute in der pharmazeutischen Industrie (insbesondere bei Generika) zu den bedeutendsten Herstellern weltweit. Firmen wie z.B. Ranbaxy unterhalten eigene große Forschungsabteilungen mit international besetzten Forscherteams. Deutsche Pharmaunternehmen kooperieren mit Indien und jüngst wurde sogar ein deutsches Pharmaunternehmen von einem indischen Unternehmen übernommen. Seit der Änderung des Patentrechts in Indien (Indian Patents Third Amendment Bill, März 2005) mit einem deutlich verbesserten Schutz des geistigen Eigentums sind die Forschungsaktivitäten in Indien und die Attraktivität Indiens für internationale Zusammenarbeit deutlich gestiegen (Kleemann, 2007 s.u.).

8. Israel

Bio- und Agrarwissenschaften

Lebenswissenschaftliche Forschung spielt in Israel eine besonders große Rolle, das bezieht sich sowohl auf die Biowissenschaften als auch auf Gesundheitsforschung (s. unten).
Die Zahl israelischer Publikationen in diesem Bereich liegt über dem weltweiten Durchschnitt.

Die besondere Bedeutung der Biowissenschaften spiegelt sich vor allem in nationalen Initiativen wieder.
Im Rahmen des israelischen I-Core-Programms wurden in den Jahren 2011 und 2013 vier Exzellenzzentren gegründet:

  • Chromatin and RNA Gene Regulation, Koordination: Hebräische Universität Jerusalem, weitere Beteiligung: Bar Ilan Universität, Weizmann Institut
  • Structural Biology of the Cell - Biophysics and medical technology, Koordination: Weizmann Institut, weitere Beteiligung: Technion, Tel Aviv Universität
  • Plant Adaptation to Changing Environment, Koordination: Tel Aviv Universität, weitere Beteiligung: Ben Gurion Universität, Hebräische Universität Jerusalem, Weizmann Institut
  • Physical Approaches to Quantifying Dynamic Processes in Living Systems, Koordination: Technion, weitere Beteiligung Weizmann Institut, Bar Ilan Universität

Das National Institute for Biotechnology in the Negev (NIBN), gegründet an der Ben Gurion Universität in 2005, hat vor allem das Ziel, den Negev als strukturschwaches Gebiet zu stärken, indem dort gezielt hochrangige wissenschaftliche Zentren gebildet werden. Das Zentrum legt den Fokus auf strukturelle Biotechnologie, Computational Biotechnology, Humangenetik, Nanomedizin sowie Functinal and Immune System Biotechnology.
ESFRI (europäisches Strategieforum für Infrastrukturen) wählte das Israel Structural Proteomics Center am Weizmann Institut als eines von sieben Zentren für Struturbiologie aus.

Das Office of the Chief Scientist des MOITAL fördert Lebenswissenschaften in besonderem Maße durch Instrumente wie den Life Science Fund, NOFAR Biotechnology, NOFAR Medical Devices, National Bio-Bank und das TZATAM-Programm

Weitere Informationen zum Thema Biotechnologie in Israel s. http://www.biotechnologie.de/BIO/Navigation/DE/Hintergrund/laender-im-fokus,did=71480.html?listBlId=74632&sortSelect=AscendingTitle&searchActionPage2=searchActionPage2

 

Im Bereich Landwirtschaft ist das Engagement der Hebräischen Universität hervorzuheben. Die Ben Gurion Universität hat einen Forschungsschwerpunkt zu Landwirtschaft in trockenen Regionen. Weitere Zentren mit dem Fokus auf Agrarforschung sind das Center for International Agricultural Development Cooperation (CINADCO), finanziert durch das Ministry of Agriculture and Rural Development und das Volcani Institute of Agricultural Research in Beit Dagan.

Gesundheitsforschung

Israel gehört in der Gesundheitsforschung zu den weltweit führenden Nationen mit einer hervorragenden Infrastruktur. Alle israelischen Universitäten verfügen über eine Medizinische Fakultät bzw. eine Fakultät der Gesundheitswissenschaften:

 

Erst im Jahr 2011 wurde eine Medizinische Fakultät an der Bar Ilan Universität gegründet. Sie legt ihren Schwerpunkt auf die Ärzteausbildung und arbeitet dazu mit verschiedenen Krankenhäusern im Norden Israels zusammen.

Die Medizinische Fakultät der Hebräische Universität Jerusalem und das Hadassah University Medical Center besitzen in der medizinischen Forschung Weltrang. Neben der an den einzelnen Instituten betriebenen medizinischen Forschung existieren mehrere disziplin- und institutsübergreifende Forschungzentren in den Bereichen, Hirnforschung, Krebsforschung, Biotechnologie und AIDS. Das der Universität angeschlossene Interdisciplinary Center for Neural Computation (Disziplinenübergreifendes Zentrum für neuronale Berechnung) wurde 2005 von der Europäischen Kommission zum Exzellenzzentrum gekürt. 2009 wurde das Edmond and Lily Safra Center for Brain Sciences eröffnet.

Die Faculty of Health Science an der Ben Gurion Universität spielt eine große Rolle hinsichtlich der lokalen medizinischen Versorgung der Bewohner der Negev-Wüste. Die Fakultät besitzt als einzige unter den israelischen medizinischen Fakultäten Abteilungen zur Soziologie der Gesundheit, Gesundheitsmanagement, Epidemiologie und Evaluierung von Gesundheitsdienstleistungen, Health Quality Maintenance sowie Gesundsheitsförderung und Krankheitsprävention. Besondere Forschungsschwerpunkte liegen darüber hinaus in den Bereichen: Neurowissenschaften, Neuroanatomie, Neurophysiologie und Krebsforschung (Immunologie und Mikrobiologie). Die Zusammenarbeit mit anderen Ländern der Region und weltweit ist traditionell stark ausgeprägt.

Die erst 1996 gegründete Faculty of Social Welfare and Health Studies an der Universität Haifa hat ihren Schwerpunkt im Bereich Public Health. Zu ihren Einrichtungen zählen folgende Abteilungen: Sozialarbeit, Public Health, Human Services, Ergotherapie, Krankenpflege, Physikalische Therapie und Gerontologie. Gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät des Technions, der Bruce Rappaport Faculty of Medicine, hat sie besondere Bedeutung für die medizinische Versorgung der israelischen Bevölkerung im Norden Israels.

Das Rappaport Family Institute for Research in the Medical Sciences am Technion gehört zu den wenigen medizinischen Fakultäten weltweit, die nicht zu einer Universität sondern zu einem Technologie-Institut gehören. Diese Besonderheit kommt insbesondere in der fundierten naturwissenschaftlichen Ausbildung der zukünftigen Mediziner zum Tragen. Eine enge Zusammenarbeit gibt es auch zwischen der Medizinischen Fakultät und den ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten des Technions. Das Institut hat vier Exzellenzzentren:

  • the Cardiovascular Research Center,
  • the Cancer and Vascular Research Center
  • the Stem Cell and Regenerative Medicine Research Center,
  • the Genetics and Pharmaco Genomics Research Center.

Die Sackler Faculty of Medicine an der Tel Aviv Universität, zu der die Sackler School of Medicine, die Goldschleger School of Dental Medicine und die School of Health Professions gehören, ist die größte medizinische Fakultät in Israel. Eine Besonderheit ist ihre School of Continuing Medical Education: hier sind über 2.400 praktizierende Ärzte zur medizinischen Fortbildung eingeschrieben. Die präklinischen und klinischen Abteilungen betreiben in enger Zusammenarbeit mit der Faculty of Life Sciences der Tel Aviv Universität Forschung in allen modernen biomedizinischen Bereichen. Die 2012 gegründete Sagol School of Neuroscience beinhaltet ein Studienprogramm in Neurowissenschaften und legt ihren Schwerpunkt auf Bildgebung und molekularer und zellularer Neurowissenschaft sowie neurodegenerative Erkrankungen.

 

Im I-Core Programm werden drei Exzellenzzentren im Bereich Gesundheitsforschung gefördert:

  • Gene Regulation in Complex Human Disease, Koordination: Hebräische Universität Jerusalem, weitere Partner: Tel Aviv Universität, Hadassah, Bar Ilan Universität, Chaim Sheba Medical Center
  • Cognitive Sciences Koordination: Weizmann Institut, weitere Partner: Tel Aviv Universität, Bar Ilan Universität
  • Mass Trauma Research, Koordination: Tel Aviv Universität, weitere Partner: Hebräische Universität Jerusalem.

9. Italien

Bio- und Agrarwissenschaften

Die italienische Biotechnologiebranche wird von Startup- und Mikrounternehmen dominiert, die etwa zwei Drittel der Unternehmen ausmachen. Gemessen an der Anzahl der reinen Biotechnologieunternehmen belegt Italien den dritten Platz in Europa hinter Deutschland und dem Vereinigten Königreich. Biotechnologie ist in Italien zwar ein noch junger Industriezweig, die Projektpipeline in der italienischen Biotechnologie ist jedoch bereits gut aufgestellt und bietet in der medizinischen Biotechnologie deutschen Unternehmen in allen Phasen und Bereichen Chancen, sich in Kooperationen einzubringen. Im Rahmen einer Exportinitiative des Bundeswirtschaftsministeriums auf dem gebiet der Gesundheitswirtschaft bieten nun etwa der italienische Branchenverband Assobiotech und das Biotechnologiecluster der Provinz Mailand BioMilano gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen AHP als Projektträger mit dem Markterschließungsprojekt „Biotech Made in Germany für Italien“ deutschen Unternehmen der Biotechnologiebranche Kontaktentwicklung zu potentiellen italienischen Kunden und Geschäftspartnern an. 

Europäischer Forschungsmotor Lombardei

Knapp die Hälfte aller Biotechnologieunternehmen ist in der Lombardei angesiedelt. Nach Angaben von Eurostat nimmt die Region bei ihren Investitionen in Bildung und Forschung eine Führungsrolle ein.  Die Lombardei hat sich mit Regionen aus Deutschland, Frankreich und Spanien zusammen getan: Vier Regionen, deren Forschungsmotoren für Europa kooperieren sollen. Die Partnerschaften wurden mit der Unterstützung von Biopolo, einem gemeinnützigen Konsortium, das 1995 an der Universität Mailand-Bicocca gegründet wurde, initiiert.

10. Japan

Bio- und Agrarwissenschaften

Konkret werden die Ziele im Sektor Lebenswissenschaften im White Paper on Science and Technology 2015 benannt. So lagen und liegen die Schwerpunkte der Grundlagenforschungsförderung im wesentlichen in den Bereichen Genomforschung,  Proteinanalyse, Hirnforschung und Allergologie.  Projekte, die zur Bewältigung der gesellschaftlichen Herausforderungen im Bereich Life Innovation beitragen sollen, sind

  1. Klinische und transalationale Forschung
    • schnellere Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Anwedung
    • genetische Polymophie
    • Zelldifferenzierung
    • molekulare Biodgebung
    • Effizienzsteigerung bei der Idenifizierung von Wirkstoffen
    • neue Medizintechnologien (in KOoperation mit dem privaten Sektor)
  2. spezielle Therapien (z.B. Krebsbehandlung) und innovativer Medizintechnologien
  3. Infektionskrankheiten
  4. Lebensmittel und Lebensmittelsicherheit
  5. Übergreifende Themen wie Entwicklung von Bioressourcen, Bio-Informatik, Tierexperimente sowie Bioethik

Quelle: White Paper on Science & Technology 2015

Gesundheitsforschung

Der 5. Rahmenplan sieht eine stärkere Fokussierung auf das Feld "Life Innovation" vor. Themen hierunter sind u.a.

  • Entwicklung neuer revolutionärer Präventionsmethoden
  • Entwicklung neuer Frühdiagnose-Methoden
  • Realisierung einer sicheren und hocheffektiven medizinischen Behandlung
  • Verbesserung der Lebensqualität für Kranke, Alte und Behinderte

Unter der neuen Regierung wird bei den Wachstumstechnologien insbesondere die Medizin in den Fokus gerückt. So soll innerhalb der nächsten 10 Jahre die Regenerative Medizin unter Anwendung von iPS-Stammzellen (Nobelpreis für den Entdecker der Herstellung von iPS-Zellen, Prof. Shinya Yamanaka, 2012, Universität Kyoto) mit insgesamt 110 Mrd. Yen gefördert werden, was einer Verdopplung der bisherigen Förderung entspricht.

Zu den wichtigsten Kompetenzzentren in Japans Genomforschung zählen das 1984 gegründete Riken Tsukuba Insitute of Physical and Chemical Research, das Human Genome Center (HGC) an der Tôkyô Universität und das National Institute for Genetics (NIG), Japans DNA Datenbank.

Der Fachausschuss für Bioethik des Council for Science and Technology Policy (CSTP) veröffentlichte im Juni 2000 den "Grundgedanken über die Humangenomforschung". Anfang August 2001 hat der Fachausschuss des CSTP Richtlinien über menschliche embryonale Stammzellen (ES-Zellen) erlassen, die unter engen Bedingungen die Forschung an menschlichen ES-Zellen ermöglichen sollen. Am 23. Juni 2004 stimmte der Fachausschuss des CSTP für die Zulassung therapeutischen Klonens. Demnach ist Japan nach Korea und den USA ein weiteres Land, welches das Klonen menschlicher Embryos zu medizinischen Zwecken erlaubt.

Im Bereich der Gehirnforschung hat das 1997 eingerichtete Riken Brain Science Center einen international hervorragenden Ruf. Zahlreiche weitere Forschungseinrichtungen (z.B. die nationalen Forschungsinstitute im Okazaki-Wissenschaftspark) und Programme (z.B. das internationale Human Frontier Science Program) sind für die interdisziplinäre biologische, biogenetische und medizinische Forschung von Bedeutung.

11. Jordanien

Gesundheitsforschung

Neben der Verfügbarkeit von Lebensmitteln und vor allem von sauberem Trinkwasser konzentrieren sich die Gesundheitsforschung und der Pharmasektor in den Bereichen Heilpflanzen und Heilwirkung der Produkte des Toten Meeres. Die relative gut aufgestellt private Pharmawirtschaft (ca. 20 pharmazeutische Unternehmen gibt es im Land) forscht hingegen wenig. Ein zentrales Wirtschaftskonzept ist hier die Herstellung von Generika.

12. Kanada

Bio- und Agrarwissenschaften

Bereits 1983 hat Kanada eine erste nationale Biotechnologie-Strategie aufgestellt. Eine revidierte Fassung wurde als Canadian Biotechnology Strategy im Jahr 1998 verabschiedet. Maßgeblich für die Entwicklung und Umsetzung dieser Strategie ist das Ministerium "Industry Canada". In der im Jahr 2007 veröffentlichten Wissenschaftsstrategie "Mobilizing Science and Technology to Canada´s Advantage“wird Biotechnologie aber nicht mehr als Priorität der kanadischen Regierung genannt.

Die Förderung von Forschungs- und Entwicklungsmaßnahmen liegt bei den  fachlich relevanten Förderorganisationen "Canadian Institutes of Health Research", "Genome Canada" und "Natural Sciences and Engineering Research Council". Außerdem führen mehrere Ministerien relevante Forschung durch, so z.B. die Ministerien "Agriculture and Agri-Food Canada", "Fisheries and Oceans Canada" und das "Department of National Defence".

Die kanadische Biotechnologie-Industrie, etwas 500 Firmen, konzentriert sich vor allem in den drei Städten Montréal, Toronto und Vancouver. Fachlich liegt hier der Schwerpunkt vor allem im Bereich menschliche Gesundheit (52%) sowie Landwirtschaft und Ernährung (30%).

In Montréal hat sich ein Biopharma-Cluster gebildet. Etwa 150 Firmen sind hier eng mit Forschungsinstituten, dem NRC Biotechnology Research Institute und den vier Universitäten Montréals, vergesellschaftet. Im Großraum Toronto ist ein Schwerpunkt in den Gebieten Genomforschung und Bioinformatik festzustellen. In Vancouver liegt der Fokus bei der Gesundheitsforschung.

Hervorzuheben ist außerdem, dass sich Saskatoon zum kanadischen Zentrum der landwirtschaftlichen Biotechnologie entwickelt hat. Dort arbeiten zwei bundesstaatliche Forschungsinstitute (Agriculture and Agri-Food Canada´s Research Centre und das Plant Biotechnology Institute des NRC) eng mit der University of Saskachewan zusammen.

Ein bedeutendes strategisches Regierungsprogramm ist in diesem Bereich ist "Genome Canada". Dieses Programm soll das in Kanda vorhandene Potential in der Genomforschung koordinieren und stärken. Daher wird "Genome Canada", eine nicht auf Gewinn ausgerichtete Gesellschaft, mit erheblichen Mitteln gefördert. Bei den geförderten Projekten handelt es sich teilweise um Gemeinschaftsprojekte mit Institutionen anderer Länder, u.a. auch Deutschland. Hier ist die Pflanzenzüchtung Kooperiationsschwerpunkt, und Genome Prairie ist der wichtigste Partner. Ein Verbundprojekt zur Rapszüchtung, für das von Seiten des BMBF ca. 1,3 Mio € aufgewendet wurde, ist 2009 beendet worden. Ein Verbundprojekt zur Weizenzüchtung, das mit ca. 1,7 Mio. € vom BMBF gefördert wurde, endete Ende März 2010. Die Kooperation wird mit neuen Projekten fortgesetzt.

Gesundheitsforschung

Die von der kanadischen Regierung im Mai 2007 vorgestellte neue Strategie "Mobilizing Science and Technology to Canada´s Advantage" nennt das Thema Gesundheit und gesundheitsrelevante Lebenswissenschaften und Technologien als einen der vier wichtigsten Schwerpunkte.

Das Gesundheitsministerium "Health Canada" ist nicht nur für die Gesundheitspolitik zuständig sondern verfügt auch über eigene Forschungseinrichtungen, in denen insgesamt 4.000 Mitarbeiter/innen, 160 davon Wissenschaftler/innen, an 15 Orten in Kanada arbeiten. Die Health Canada zugeordneten Institute verfügen auch über zwei Stipendienprogramme, das "Visiting Fellowships Program" und das "Postdoctoral Fellowship Program".

Der größte Teil der medizinischen Forschung wird aber an den Universitäten und Universitätskliniken durchgeführt. Die bundesstaatliche Förderorganisation für die Gesundheitsforschung sind die "Canadian Institutes of Health Research" (CIHR). Thematisch werden Projekte gefördert, die neue medizinische Erkenntnisse liefern, die die neuen Erkenntnisse zur Umsetzung führen und die das Gesundheitssystem oder einzelne Gesundheitsprodukte verbessern.

Zusätzlich werden 13 virtuelle Institute gefördert, bei denen es sich um Netzwerke handelt, deren Mitglieder über ganz Kanada verstreut sind. In jedem dieser thematischen Netzwerke wird darauf Wert gelegt, dass die gesamte Bandbreite von der grundlegenden biomedizinischen und klinischen Forschung über die für das Gesundheitssystem relevanten Aspekte, bis hin zu den sozialen und kulturellen Aspekten abgedeckt sind.
Folgende virtuelle Institute wurden bislang eingerichtet:

Auch durch das kanadische Programm „Network of Centers of Excellence werden Netzwerke im Gesundheitsbereich gefördert.

Der kanadische "National Research Council" führt substanzielle Forschung im medizinischen Bereich durch. Hervorzuheben ist hier das Cluster zu biomedizinischer Technologie in Winnipeg, das seit der Gründung des "Institute for Biodiagnostics" im Jahr 1992 beständig gewachsen ist. Mittlerweile arbeiten in diesem Institut etwa 200 Wissenschaftler und 150 Firmen und Organisationen, die im Medizinbereich tätig sind, haben sich in Winnipeg angesiedelt.

ERA-Netze mit BMBF/IB-Beteiligung

Das ERA-NET NEURON ("Network of European Funding for Neuroscience Research") wurde von der Europäischen Kommission (EC) im 6. Rahmenprogramm von 2007 bis 2011 gefördert (NEURON I). Während des 7. Rahmenprogrammes wurde die Förderperiode bis 2015 verlängert; die erneute Auflage des ERA-NETs wurde NEURON II genannt. Das ERA-NET NEURON I+II haben sich zum Ziel gesetzt, die europäischen Förderprogramme und Förderaktivitäten auf dem Gebiet der krankheitsorientierten, neurowissenschaftlichen Forschung zu koordinieren. Die Koordination liegt in Deutschland (PT-DLR im Auftrag des BMBF). Derzeit beteiligen sich 21 Förderorganisationen aus 16 Ländern am Netzwerk. Kanada ist im Juni 2009 mit den Förderorganisationen FRQS (Fonds de la Recherche en Santé du Québec) sowie CIHR (Canadian Institutes of Health Research) beigetreten.

Die EU-Kommission hat bekanntgegeben, dass sie das ERA-Net Neuron für weitere fünf Jahre mitfördern wird. Ab 2016 wird das ERA-Netz Förderung durch das H2020-Instrument Cofund erhalten.

13. Mexiko

Bio- und Agrarwissenschaften

Biowissenschaftliche Forschung findet in Mexiko in allen relevanten Bereichen, z.B. Landwirtschaft, Gesundheit und Umwelt auf internationalem Niveau statt. Es existieren über 40 Einrichtungen, Institute und Hochschulen, die Forschung auf dem Gebiet der Biotechnologie betreiben. Die am stärksten ausgeprägten Forschungseinrichtungen beschäftigen sich u.a. mit Lebensmitteln, Industrieprozessen, Umwelt- und Pflanzen-Biotechnologie, Mikrobiologie und Medizin/Genetik. Auf Meeresorganismen (Mikroalgen, Aquakultur usw.) spezialisierte Richtungen befinden sich großenteils in Küstengebieten (wie  Sonora, Sinaloa, Veracruz und Baja California).

Zu den wichtigsten Forschungszentren in diesem Bereich gehören vier Institutionen in Mexiko. Die Nationale Universität von Mexiko (UNAM), die Autonome Universität Metropolitana (UAM), das Zentrum für Höhere Studien des Nationalen Polytechnischen Instituts das Forschungszentrum CINVESTAV und das Nationale Polytechnische Institut (IPN) bilden zusammen die bedeutendste Biotechnologie-Plattform in Mexiko. UNAM und UAM sowie die Hauptsitze von CINVESTAV und IPN sind im Bundesdistrikt (Mexiko-Stadt) angesiedelt, die beiden Letzteren verfügen jedoch über Zweigstellen in anderen Städten des Landes: das IPN über elf und das CINVESTAV über zehn.

Weitere für Forschung und Entwicklung in Biotechnologie relevante öffentliche Einrichtungen sind vom Bildungsministerium (SEP) gemeinsam mit CONACYT getragene Institute (SEP-CONACYT), wie das Zentrum für Biologische Forschungen des Nordwestens (CIBNOR) und das Institut für Ökologie (INECOL). Sonstige öffentliche Einrichtungen, die biotechnologische Forschungen betreiben, sind das Nationale Institut für Forst-, Landwirtschaft- und Fischereiforschung (INIFAP), das Nationale Institut für Ernährungswissenschaften Salvador Zubirán (INNSZ), das Nationale Institut für Genforschung (INMEGEN) sowie das Institut für Epidemologische Diagnostik und Referenz (InDRE).

Unter den privaten Bildungsanstalten führen das Instituto Tecnológico y de Estudios Superiores de Monterrey (ITESM), die Universidad Iberoamericana in Mexiko-Stadt, die Universidad de las Américas in Puebla (UdLAP) und die Universidad de La Salle weist ebenfalls anerkannte Forschungstätigkeiten in der Biotechnologie durch.

Die meisten Studiengänge auf Postgraduiertenebene in Biotechnologie befinden sich am Centro de Investigación y de Estudios Avanzados (CINVESTAV), am Instituto de Biotechnologie der Universidad Nacional Autónoma de Mexiko (UNAM) und an der Universidad Autónoma Metropolitana (UAM), Unidad Iztapalapa. Am IBT wird sowohl Grundlagen- als auch angewandte Forschung betrieben, z.B. in der Mikrobiologie und Molekularmedizin, und durch ein Master und Doktorandenprogramm zur Bildung nationalen Humankapitals beigetragen.

In der Biotechnologie gibt es 14 Master- und acht Promotionsstudiengänge. Ferner wurden 48 Master- und 21 Promotionsstudiengänge registriert, die mit Gebieten der Biotechnologie zusammenhängen wie Biochemie, Biologie, Bioprozesse, Pharmakologie, Genetik und Lebensmitteltechnik.

Wichtige Forschungsbereiche

  • Impfstoffe

Trotz des Einsatzes von Antibiotika und Immunisierungsprogrammen, sind Infektionskrankheiten in Mexiko nach wie vor weit verbreitet. Aus diesem Grund wird auch die Entwicklung von Impfstoffen vorangetrieben.

  • Diagnostika

Aufgrund der starken internationalen Abhängigkeit im Diagnostikbereich, sollen Tests für die Diagnose und die Beobachtung von Infektionskrankheiten entwickelt werden, die durch Mikroorganismen hervorgerufen werden.

  • Entwicklung von Arzneimitteln

Der Entwicklung und Eigenproduktion von Arzneimitteln für Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird aus denselben Gründen wie im Falle der Diagnostika erhöhte Priorität eingeräumt.

  • Molekulare Medizin und Genomwissenschaften

In diesem Bereich wird die Entwicklung der technischen Möglichkeiten für die frühzeitige Erkennung von genetisch bedingten Krankheiten als wichtig angesehen.

Wichtige Regionen
In der Biotechnologie sind rund 3100 Forscher an Hochschulen auf den Gebieten Biotechnologie und Angewandte Biowissenschaften tätig. Davon widmeten sich 8% dem Bereich biologischer Fermentationen, 11% der Molekularbiologie, 13% der Agrarbiotechnologie, 6% der Pflanzenbiotechnologie, 25% der Lebensmittel-Biotechnologie, 14% der Tierzucht-Biotechnologie und 33% sonstigen verwandten Gebieten. Die Bundesländer mit der höchsten Konzentration an Forschern und Einrichtungen mit Schwerpunkt Biotechnologie liegen in Mexikos Zentralregion:

  • Distrito Federal

Der Bundesdistrikt bildet eindeutig das Zentrum der Biotechnologie in Mexiko, denn hier befinden sich die bedeutendsten mit Biotechnologie zusammenhängenden Forschungseinrichtungen und Institute: UNAM, UAM, IPN und CINVESTAV.

  • Guadalajara/Jalisco

Der Bundesstaat Jalisco steht nach der Anzahl seiner Forscher an zweiter Stelle in Mexiko, und seine Hauptstadt Guadalajara beherbergt eine der in der Medizin führenden Universitäten Mexikos, die Universidad Autónoma de Guadalajara. In dieser Region ist Wissen über Pharmakologie sowie über die Entwicklung  und Herstellung medizinischer Geräte konzentriert. Die Forschung ist hauptsächlich spezialisiert auf Gesundheitswesen, Genetik, Lebensmittel, Umwelt und Veterinärwissenschaften.

  • Cuernavaca/Morelos

Besitzt auf Forschung zu biomedizinischer und biomoleklarer Biologie spezialisierte Institute. Verfügt ferner über große Forschungsbereiche für Bioinsektizide, Molekulardiagnostik-Dienstleistungen, Humantherapie und -diagnostik sowie industrielle Mikrobiologie. Hier stehen das Institut für Biotechnologie und das Zentrum für Genomwissenschaften, die beide dem UNAM-Netzwerk angehören.

  • Monterrey/Nuevo León

Einer der bedeutendsten Technologie- und Industriestandorte Lateinamerikas. Schwerpunkt in Monterrey:  Pharmazeutik- und Biotechnologiegewerbe im Bereich klinischer Studien. Hier wurde ein neuer Sektor für die wissenschaftliche Produktion, Innovation und technologische Entwicklung auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften gegründet. Im Innovations- und Technologietransferpark PITT steht das CINVESTAV, Zweigstelle Monterrey, sowie Gründerzentren für Firmen mit technologischer Grundlage, u.a. im Bereich Lebenswissenschaften und Informationstechnologien. Ferner befinden sich hier der Mexikanische Verein für Humangenetik e.V. und das ITESM, Campus Monterrey, mit dem Zentrum für Biotechnologie-FEMSA.

  • Irapuato/Guanajuato

Eine wichtige Region weltweit auf dem Gebiet der Agrarbiotechnologie. Hier steht das Nationale Genomiklabor für die Biodiversität (eine Abteilung des CINVESTAV). Schwerpunkte der Forschung: Pflanzenbiologie, Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen zur Produktion aktiver Moleküle, Produktion pflanzlicher Nahrungsergänzungsmittel, der Sequenzanalyse des Pflanzengenoms und der Schädlingsbekämpfung.

14. Neuseeland

Bio- und Agrarwissenschaften

Neuseelands exportorientierte Volkswirtschaft basiert vor allem auf Agrar- und Forstwirtschaft. Um hier international wettbebwerbsfähig zu bleiben, investiert Neuseeland in beträchlichem Maß in agrarrelevante Forschung. Neuseeland hat hier eine bedeutende wissenschaftliche Basis in vielen biotechnologisch relevanten Bereichen der biologischen und medizinischen Wissenschaften geschaffen. Heute haben sich neue Industrien, Forschungsinstitute und spezialisierte Universitätszentren um die Agrarforschung und Biotechnologie gruppiert.

Gesundheitsforschung

Neuseeland ist führend in speziellen Gebieten der Neurobiologie, Endokrinologie, Kanzerogenese, Neurologie, Kardiologie und der Forschung im öffentlichen Gesundheitswesen. Der Health Research Council (HRC) stellt 65% der Forschungsmittel für Gesundheitsforschung in Neuseeland zur Verfügung. Mehr Informationen zu den Strategien des HRC auf sind auf der Internetseite zu finden.

15. Niederlande

Biowissenschaften

Aktuelle Informationen zu den Lebenswissenschaften und zur Gesundheitsforschung bietet die Website Life Sciences Health (LSH). LSH ist die nationale Clusterorganisation in den Niederlanden. LSH hat unter anderem im März 2012 eine Zusammenstellung der wichtigsten niederländischen Biotechnologieunternehmen publiziert. Darüber hinaus präsentiert LSH seit 2010 jährlich einen Ausblick zur Entwicklung in diesem Sektor (zuletzt im Januar 2012).

Für die Entwicklung bis 2010 sind auf der Seite HOLANDBIOTECHNOLOGY Informationen zu allen Bereichen der Lebenswissenschaften und Biotechnologie zur Verfügung gestellt.  

Gesundheitsforschung

Die Netherlands Organization for Scientific Research: Council for Medical and Health Research (MW-NWO) bietet Förderprogramme im Bereich Gesundheitsforschung an. The Netherlands Organisation for Health Research and Development (ZonMw) ist eine nationale Organisation, die Qualität und Innovation im Bereiche der Gesundheitsforschung Health Care vorantreibt. Sie trägt damit aktiv zur Gestaltung nationaler Forschungsprogramme bei und stellt Fördergelder zur Verfügung.

16. Palästinensische Autonomiegebiete

Gesundheitsforschung

Gesundheitsforschung ist eng mit den Themen Umwelt und Klima, insbesondere Wasser und Landwirtschaft verknüpft. Hier steht die Ernährung und Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Wasser, ausreichend Nahrungsmitteln und einer sicheren medizinischen Grundversorgung im Mittelpunkt (public health and nutrition). Aber auch die Auswirkungen der Bewältigung von Krieg und Konflikt werden wie zum Beispiel am Palestine Center for Traumatic Stress an der Al-Quds Universität untersucht. 

17. Polen

Bio- und Agrarwissenschaften

Die Entwicklung der Biotechnologie in Polen wird bestimmt durch ein gut qualifiziertes Wissenschaftspotential. Die Bedeutung der Biotechnologie-Fakultäten ist in den letzten Jahren rapid gewachsen. Biotechnologie wird an 21 Universitäten gelehrt (einschließlich fünf Technischen Hochschulen und fünf Hochschulen für Landwirtschaft). Die gesamte Studentenzahl beträgt ca. 5.000 und wächst jährlich um ca. 15%.
Die Zahl der Wissenschaftler, die auf dem Gebiet tätig sind, beträgt über 3.000. Die meisten Institute sind an den Universitäten angesiedelt (15), zehn gehören zur PAN (Polnische Akademie der Wissenschaften), weiterhin gibt es drei Brancheninstitute und ein internationales Forschungsinstitut (International Institut of Molecular and Cell Biology).
Fast jedes Institut und fast jedes Unternehmen sind nicht nur aktiv auf nationaler Ebene sondern auch stark im Bereich der internationalen Kooperation.

Polen bietet deutschen Biotechnologieunternehmen sowohl eine hervorragende Wissenschaftsszene mit gut ausgebildeten Absolventen als auch eine hohe industrielle Nachfrage. Die Biotechnologie in Polen ist im Aufwind. Die Unternehmensausgaben für Forschung und Entwicklung in Polen haben sich in letzten Jahren um 800% (von 61 Mio. € auf 500 Mio. €) erhöht.

Den größten Teil der biotechnologie-Branche bilden kleine Unternehmen, die bis zu zehn Mitarbeiter beschäftigen. Sie sind sehr oft an den Universitäten oder Forschungseinrichtungen angesiedelt.

Polen – Leader oder Outsider Mitteleuropas

Unter diesem Titel fand am 4. Juni 2009 in Łódź eine Konferenz zu den Chancen und Barrieren bei der Biotechnologieentwicklung in Polen statt.

Die Entwicklung innovativer Technologien, eine der Prioritäten aller bisherigen polnischen Regierungen – nach der Wende – wird seit dem Beitritt Polens zur EU mit EU-Mitteln unterstützt. Allein aus dem Operationellen Programm Innovative Wirtschaft können in den Jahren 2007 – 2013 insgesamt 9,71 Mrd. Euro an polnische Firmen, Hochschulen und wissenschaftliche Institute gezahlt werden.

Quellen: Portal Innowacji www.pi.gov.pl/, Polnischen Agentur für Information und Auslandsinvestitionen AG (PAIiIZ) www.paiz.gov.pl/de?lang_id=3

Gesundheitsforschung

Polnische Wissenschaftler sind auch im Bereich der Gesundheitsforschung sehr aktiv. Deutschland ist hier ein wichtiger Partner für viele bilaterale Projekte.

Im Rahmen der deutsch-polnischen Zusammenarbeit fanden 2002 und 2006 gemeinsame Ausschreibungen des BMBF und des Ministeriums für Wissenschaft und Hochschulwesen (MNiSW) in den klinischen Neurowissenschaften statt, aus der 13 bzw. zehn deutsch-polnische Projekte hervorgingen. Die Begutachtung der Projektanträge erfolgte gemeinsam, die Finanzierung der beteiligten Wissenschaftler durch das jeweilige Ministerium. Die Zusammenarbeit beider Ministerien erfolgt im Rahmen des ERA-Net NEURON, dessen Ziel es ist, die Ergebnisse des Pilot-Projekts Specific Support Action (SSA) NEURON in ein gesamtes ERA-Netz zu erweitern.

Seit 2003 wurden 23 grenzüberschreitende Forschungsprojekte unterstützt. Dabei erarbeiteten die deutsch-polnischen Forschergruppen wichtige Erkenntnisse zu neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Alzheimer, Parkinson, Epilepsie, Multiple Sklerose und Hirntumoren. Unter anderem bauten die Universitäten Ulm und Warschau eine gemeinsame Genbank zur Untersuchung der molekularen Grundlagen seltener Erkrankungen wie der Amyotrophen Lateralsklerose auf. 

18. Republik Korea (Südkorea)

Bio- und Agrarwissenschaften

Auch die Biotechnologie (insb. Biomedizin) wurde als Wachstumsmotor von der koreanischen Regierung identifiziert. Ziel ist eine „florierende Bioökonomie". Strategische Grundlage ist der von 2007 bis 2017 geltende zweite Rahmenplan für eine Förderung der Biotechnologie. Die Ziele sind sehr grob gefasst (kreative Lösungen finden, Industrie fördern, effizientes System der Forschungsförderung schaffen). Hervorgehoben wird die Bedeutung von Bioethik, guter wissenschaftlicher Praxis und Redlichkeit in der Forschung.

Das wichtigste staatliche Forschungsinstitut in diesem Bereich ist das KRIBB –Korea Research Institute for Bioscience and Biotechnology. Die Zentren der Bioindustrie sind zahlreich: Bio21-Center in Jinju (Gyeongsang Provinz), Chuncheon Bioindustry Foundation (Gangwon Provinz), Jeonbuk Institute for Bioindustry (Jeonbuk Provinz). Ein weiteres wichtiges Cluster in der Biotechnologie ist das Gyeonggi Bio-Center in Suwon südlich von Seoul. Hinzu kommen regionale Bioparks. Die wichtigsten sind der Medical Industry Park in Wonju und der Ochang Scientific Industrial Complex. Die Regierung fördert in Osong (Chungcheongbuk Provinz) zudem den Aufbau eines Komplexes für Spitzentechnologien im Bereich der Biopharmazeutika und medizinischer Geräte auf Basis der Biotechnologie. Wichtige Industriemesse ist die Bio Korea, die jährlich in Seoul stattfindet.

19. Russland

Gesundheitsforschung

Die Förderung der medizinischen Versorgung in der Russischen Föderation gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die Regierung legte 2010 ein mit mehreren Milliarden Rubel ausgestattetes Programm zur Förderung öffentlicher Gesundheitseinrichtungen und Investitionen in den Krankenhausausbau auf. Die steigende Bedeutung der Investitionen im Bereich des Gesundheitswesen lässt sich z. B. auch am steigenden Marktvolumen in Russland für Medizintechnik festmachen, welches um 36% von ca. 3 Milliarden Euro in 2010 auf ca. 5 Milliarden Euro in 2012 gestiegen ist. Eine große Herausforderung für das russische Gesundheitswesen besteht u. a. darin, dass die meisten medizinischen Geräte importiert werden müssen. Gleiches gilt auch für den Pharmabereich. Zur Verbesserung der Situation in der Gesundheitsforschung sind verschiedene Föderalen Zielprogrammen bis 2020 erlassen worden (z. B. Pharma 2020 – Modernisierung der russischen Pharmaindustrie und der Medizintechnik).

Biotechnologie und Bioökonomie

Die Forschung und Entwicklung im Bereich Biotechnologie hatte zu Zeiten der Sowjetunion eine hohe wissenschaftliche Reputation, die nach dem Zerfall der Sowjetunion stark gelitten hat. Unter Präsident Medwedew setzte die Russische Föderation neue Akzente für die Bedeutung der Biotechnologie. Im Rahmen der Föderalen Zielprogramme wurden drei Technologieplattformen gegründet, die sich nachhaltig mit den Themen Medizin in der Zukunft, Bioindustrie und Bioressourcen (BioTech 2030) und Bioenergie beschäftigen. Im April 2012 wurde ein staatliches Koordinierungsprogramm zur Entwicklung der Biotechnologie verabschiedet in dessen Durchführung 7 Ministerien, 2 Föderalen Agenturen, verschiedenen Akademien der Wissenschaften, die .o. g. Technologieplattformen und andere Einrichtungen involviert sind. Ziel ist es u .a die Herstellung auf biotechnologiebasierender Produkte von 1% am Bruttosozialprodukt in 2020 bis auf 3 % in 2030 zu steigern. Die Wichtigkeit der Bioökonomie wird auch zunehmend auf russischer Seite betont und spielt insbesondere bei der Technologieplattform Bioindustrie und Bioresourcen eine hervorgehobene Rolle.

20. Schweden

Lebenswissenschaften

Bereits im Jahr 2005 verabschiedete die schwedische Regierung ein nationales „Biotech Strategy Program“, mit dem über einen Zeitraum von vier Jahren mit insgesamt rund 250 Mio. € speziell die wissenschaftliche biomedizinische Forschung gestärkt und der Biotechnologie-Transfer sichergestellt werden sollte. Um Schweden auf Weltniveau im Bereich der Lebenswissenschaften zu halten, wurde ab 2008 1% des BIP in die Grundlagenforschung investiert. Auch die liberale Einstellung Schwedens gegenüber Wissenschaftlern stellte eine positive Rahmenbedingung dar. Eine Stammzellendebatte wie in Deutschland wäre in Schweden nicht denkbar (biotechnologie.de 2014). Hauptinvestor in der Gesundheitsforschung ist allerdings die pharmazeutische und biomedizinische Industrie. Bei den FuE-Ausgaben der Universitäten nimmt die Gesundheitsforschung seit Jahren einen der ersten Plätze ein.

Heute arbeiten mehr als 30.000 Menschen in über 800 verschiedene Unternehmen der Lebenswissenschaften (SwedenBIO Service AB 2014).

Die Forschung konzentriert sich vor allem auf die pharmazeutische Entwicklung. Vorreiter sind die Regionen Stockholm-Uppsala und Malmö-Lund, daneben wachsen aber auch die Regionen rund um Göteborg, Linköping und Umeå. Während sich in der Nähe der zweitgrößten Stadt Schwedens Göteborg alles um die regenerative Medizin dreht - mit Stärken im Bereich Stammzellen und Biomaterial -, konzentriert man sich im Norden Schwedens bei Umeå vor allem auf die Bekämpfung von Infektionskrankheiten und Sportmedizin (Business Sweden 2014). Die Clusterregion um Stockholm-Uppsala gilt als größtes Life Science Cluster in Europa und beheimatet neben der Stockholmer und der Uppsala Universität elf Universitätskliniken sowie das angesehene Karolinska Institut mit über 2.000 Wissenschaftlern, die innerhalb der Lebenswissenschaften in den Bereichen angewandte Mikrobiologie, Immunologie, Endokrinologie, Diabetes, Infektions- und Autoimmunkrankheiten, Neurowissenschaften und Krebs forschen. Der Cluster wird derzeit noch weiter ausgebaut und beispielsweise um das neue „Karolinska Solna University Hospital“ erweitert. Auf der Website des Clusters wird u.a. über eine Datenbank der Unternehmen, Forschungsinstitute und Projekte die Kompetenz der Region anschaulich dargestellt (biotechnologie.de 2014).

The Swedish Life Science Industry Guide“ bietet eine englischsprachige recherchierbare Datenbank mit einer Vielzahl an Profilen von schwedischen Unternehmen, Anbietern von Auftragsforschung oder Auftragsproduzenten, die im Bereich Pharma, Medtech und Biotech tätig sind.

21. Senegal

Gesundheitsforschung

Der nationale Strategieplan des Gesundheitsministeriums zur Gesundheitsforschung  für die Jahre 2009-2012 hatte folgende Schwerpunkte  

  • Müttersterblichkeit
  • Kindersterblichkeit
  • Malaria
  • Mund- und Zahngesundheit
  • Hygiene, Umwelt und Gesundheit
  • HIV/AIDS
  • Tuberkulose
  • Bilharziose
  • Diabetes, Niereninsuffizenz, Hepatitis, Krebs
  • Psychische Gesundheit
  • Kontrolle von Epidemien (Cholera, Meningitis, Shigellose)
  • reproduktive Gesundheit
  • Gesundheitsbildung
  • traditonelle Medizin

Für AIDS, Tuberkulose, Paludismus und Mutter- und Kindgesundheit sind weitere Programme für die Jahre 2011-2015 auch in Zusammenarbeit mit der WHO verabschiedet worden.  

Forschungsinstitute und Einrichtungen, die neben der Ausbildung auch Forschung betreiben sind 

  • das Institut Pasteur de Dakar (IPD), gegründet 2009
  • das Ausbildungs- und Forschungsinstitut für Bevölkerung, Entwicklung und Gesundheit (L’Institut de formation et de recherche en Population, Développement et Santé de la Reproduction (IPDSR), angesiedelt an der Universität Cheikh Anta Diop Dakar (UCAD 
  • das Institut für Gesundheit und Entwicklung (Institut de Santé et Développement)
  • das regionale Ausbildungs- und Forschungszentrum am Universitätsklinikum Chu de Fann (Centre Régional de Recherche et de Formation à la Prise en Charge Clinique de Fann (CRCF).

Das CRCF wurde als Plattform 2005 in Zusammenarbeit mit französischen und europäischen Partnern sowie mit den Vereinten Nationen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten gegründet. Gründungsmitglieder sind der Nationale Rat zur Bekämpfung von AIDS (Conseil National de Lutte contre le Sida (CNLS), das französische Institut für Entwicklungsforschung (Institut de Recherche pour le Développement (IRD), das Institut für Medizin und angewandte Epidemiologie (Institut de Médecine et d’Epidémiologie Appliquée (IMEA), der Dienst für Tropen- und Infektionskrankheiten des Universitätsklinikums Fann (Service des Maladies Infectieuses et Tropicales (SMIT) du Centre Hospitalier National Universitaire de Fann (CHNU).

Weitere an Universitäten angesiedelte, in der Gesundheitsforschung aktive Fakultäten/Institute sind

  • Forschungsinstitut für Psychopathologie (Institut d'Etude et de Recherche en Psychopathologie der Universität Cheikh Anta DIOP (UCAD)
  • die Fakultät für Medizin und Phamarzie an der UCAD-Universität
  • Universitätsklinikum Aristide Le Dantec, Abteilung für Virologie und Bakteriologie

Private biomedizinische, forschende Unternehmen sind:

  • Parke-Davis de l'Afrique de l'Ouest (Warner Lambert)
  • Société industrielle Pharmaceutique de l'Ouest Africain (SIPOA)
  • Valdafrique Laboratoires Canonne

(Quellen: Healthresearchweb 2013, Plan Stratégique de la Recherche en Santé (2009–2012), Ministère de la Santé et de la Prévention et de l’hygiène Publique)

22. Singapur

Bio- und Agrarwissenschaften

Singapur hat weitere Anstrengungen unternommen, um sein Engagement auszuweiten, eines der bekanntesten Zentren für biomedizinische Wissenschaft zu werden, indem es Senior Forscher und deren Teams aus den USA, England und Japan rekrutiert. Mit der Unterstützung zweier prominenter Wissenschaftler aus den USA, welche in ihr International Advisory Committee (IAC) aufgenommen wurden, peilt Singapur nicht nur an, die führende Kraft der biomedizinischen Forschungsaktivität innerhalb Asiens zu werden, sondern versucht ihren daraus resultierenden Einfluss auch auf in- und ausländische Wissenschaftler auszuweiten, welche ansonsten möglicherweise in US-Laboren arbeiten würden. Die signifikante Bedeutung des Standortes Singapur für die Biomedizin und die Biotechnologie unterstreichen und bedingen das Bestreben, die biowissenschaftliche Forschung voran zu treiben.

Gesundheitsforschung

Singapurs Ziel ist es, im asiatischen Raum Spitzenreiter auf dem Gebiet der Gesundheitsforschung zu werden. Um diese zu realisieren, versucht Singapur durch neueste Innovationen medizinischer Technik, einem breiten Spektrum medizinischer Verfahren und der Sicherung medizinischer Qualitätsstandards, attraktiv und anziehend auf ausländische Patienten zu wirken.
 
Im Jahr 2011 wurden mehr als 900.000 ausländische Patienten in Singapur behandelt. Die Gesamtzahl der Gesundheitsinstitutionen beläuft sich gegenwärtig auf 29 Einrichtungen, einschließlich der Krankenhäuser. Diese decken die komplette Bandbreite des angebotenen klinischen Services ab, der von der Grund- bis zur komplexen Versorgung reicht. Sowohl die staatlichen Krankenhäuser, als auch die Spezialeinrichtungen investieren in die Gesundheitsforschung, die in Zusammenarbeit mit pharmazeutischen, biotechnologischen und medizinisch technologischen Unternehmen gehandhabt wird. Dies ermöglicht es Singapur, Vorreiter auf dem Gebiet der Gesundheitsforschung zu sein. Wichtiger Partner für deutsche Forschungseinrichtungen ist bspw. das Singapore Eye Research Institute (SERI), welches als weltweit führende Einrichtungen auf diesem Gebiet gilt.

23. Südafrika

Biotechnologie und Gesundheitsforschung

Im Januar 2014 wurde vom DST die neue nationale Bioökonomie-Strategie  nach einer mehr als siebenjährigen Entwicklungsphase vorgestellt. Diese baut auf der National Biotechnology Strategy von 2001 und dem 10-Jahres Innovationsplan von 2008 auf, in dessen Rahmen auch die Initiative "Farmer to Pharma" angesiedelt ist.  
Die Strategie zielt auf die Entwicklung biobasierter innovativer Technologien in den Wirtschaftszweigen Landwirtschaft, Gesundheitsversorgung sowie Umwelttechnologien. Ein differenzierter Implementierungsplan soll gemeinsam mit anderen Fachministerien entwickelt werden. Bislang wurden sechs CoE im Bereich der Bio-, Gesundheits- und Ernährungswissenschaft eingerichtet: "Birds as Keys to Biodiversity Conservation", "Invasion Biology", "Tree Health Biotechnology", "Food Security", "Biomedical TB Research", sowie "Epidemiological Modelling and Analysis".

Schwerpunkte im Bereich Gesundheitsforschung sind HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria. Insbesondere das Institut für Diagnostikforschung (IDR) entwickelt neuartige Produkte und Hilfsmittel zu Diagnose und Behandlung dieser Krankheiten. Die Südafrikanische Aids Impfstoff Initiative (SAAVI) arbeitet an der Entwicklung von Impfstoffen gegen Aids.
Südafrika ist Partner der Initiative "European and Developing Countries Clinical Trials Partnership (EDCTP)", welche klinische Versuche für Arzneimittel und Impfstoffe gegen HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria durchführt.

 

24. Thailand

Bio- und Agrarwissenschaften

Mit der Einrichtung des nationalen Forschungszentrums BIOTEC im Jahr 1983 wurde in Thailand der Grundstein für Forschung und Industrie im Biotechnologiebereich gelegt. Gegenwärtig existieren 165 Biotechnologieunternehmen im Königreich, von denen sich etwa die Hälfte in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts gründete. Die thailändische Politik investierte im Rahmen des 2004-2009 National Biotechnology Policy Framework über 92 Millionen € in diesen zukunftsträchtigen Forschungszweig. Folgende Ziele wurden formuliert:

  • die Entwicklung neuer Biobranchen
  • das Werben für Thailand als „Küche der Welt“
  • die Darstellung und Vorführung Thailands als Land mit gesunder Bevölkerung und Gesundheits- und Pflegezentrum Asiens
  • die Nutzung der Biotechnologie als eine Säule einer Selbstversorgungswirtschaft
  • und die Entwicklung qualifizierter Fachkräfte

Das Königreich besitzt eine der modernsten Industrien Südostasiens in der Lebensmittelverarbeitung mit über 10.000 Unternehmen in dieser exportorientierten Branche und Einnahmen von 7,86 Milliarden € für 2010. Als drittgrößter Hersteller von Biokunststoffen in der asiatisch-pazifischen Region beliefert Thailand bereits Japan, die EU und die USA. Bis 2021 soll Thailand auf diesem Gebiet die regionale Führungsrolle übernehmen.

25. Ukraine

Bio- und Agrarwissenschaften

In der Ukraine finden wissenschaftliche und wissenschaftlich-technische Aktivitäten im Bereich Agrar- und Biowissenschaften in über 120 Forschungseinrichtungen der Nationalen Akademie der Agrarwissenschaften, des Ministeriums für Agrarpolitik und Nahrungsmittel, der Staatlichen Agentur für Waldressourcen und der Nationalen Universität für Bioressourcen und Naturnutzung statt. Außerdem werden in die Forschungen im Bereich der Landwirtschaft auf Wettbewerbsbasis die hochqualifizierten Wissenschaftler der NAdWU, des Ministeriums für Ökologie und Naturressourcen der Ukraine, der Staatlichen Agentur für Wasserressourcen und der einschlägigen Hochschulen einbezogen.

Eine besondere Rolle im System der Agrarforschung besitzt die Nationale Akademie der Agrarwissenschaften der Ukraine, deren Einrichtungen den größten Teil der Forschungen durchführen. Zu den Hauptrichtungen der Forschungen der Akademie gehören:

  • Begründung der optimalen Struktur der Agrarlandschaften und Entwicklung des adaptiven Ackerbausystems;
  • Züchtung von landwirtschaftlichen Kulturen, deren Saatgut und Entwicklung der Anbautechnologien;
  • Schutz von landwirtschaftlichen Kulturen von Krankheiten, Schädlingen und Unkraut;
  • theoretische und angewandte Forschungen im Bereich der Physiologie, Biochemie, Genforschung bei landwirtschaftlichen Kulturen und Nutzvieh, Erhaltung ihres Genpools;
  • landwirtschaftliche Biotechnologie;
  • Getriebelehre und Entwicklung der Mechanisierungsmittel der Produktionsprozesse in Agrarproduktion, effektive Anwendung der Technik und deren Instandhaltung;
  • Züchtung neuer Nutzvieh-Genotypen und Entwicklung von Produktionstechnologien für tierische Erzeugnisse;
  • Erforschung von Tierkrankheiten und Entwicklung von Methoden und Mitteln für ihre Behandlung;
  • Forschungen im Bereich der Energieerzeugung aus den Produkten der Pflanzenzucht und erneuerbaren Energiequellen und Verfahren für ihre effektive Nutzung.

In der Grundlagenforschung im Zeitraum 2011-2012 wurden 785 wissenschaftlich-technische Produkte entwickelt und 181 davon in die Produktion überführt. zu den wichtigsten Ergebnissen der Grundlagenforschung im Zeitraum 2011-2012 gehören:

  • nationaler Bericht über die Bodenfruchtbarkeit der Ukraine;
  • Informations- und Auskunftsdatenbank über die Versorgung des Bodens durch bewegliche Formen von Spurenelementen und deren Beweglichkeitskoeffizienten;
  • Methodologie der Modellgestaltung für komplexen Schutz der meliorierten Territorien von der Grundwasserhebung und dem Bodenrückgang;
  • DNS-Technologien für die Auswahl nach molekularen Markern (MAS), Genmarker für die Widerstandsfähigkeit gegenüber Erkrankungen und Genmarker, mit deren Hilfe die wirtschaftliche wertvollen Eigenschaften von Weizen und Gerste kontrolliert werden;
  • Geoinformationsmodell für die Prognostizierung der Verbreitung von Quarantäneorganismen;
  • DNS-Pässe für verschiedene Schweinearten auf der Basis von Interlocus-Genassoziationen.

Im Rahmen der angewandten Forschungen wurden 413 Produkte entwickelt und 183 davon in die Produktion überführt. Die Forschungsinstitute der Akademie entwickelten 10 neue Arten der Technik, 35 ressourcensparenden Technologien; 368 anderen Arten der angewandten Produkte (darunter Verfahren, technische Anforderungen, technologische Handbücher, Empfehlungen, Schädlingsbekämpfungsmittel, Impfungen und Diagnostikmittel, Datenbanken, Methodiken).

Quelle: Ansprechpartner für Forschungskooperationen in Kiew

26. USA

Bio- und Agrarwissenschaften

Ein erheblicher Anteil der bundesstaatlichen Forschung und Forschungsförderung im Bereich der Biowissenschaften erfolgt durch das „Office of Science“ des „Department of Energy“ (DoE).

Das „Office of Science“ des DoE eröffnet seit über 50 Jahren mit dem “Biological and Environmental Research (BER) Program” nicht nur Möglichkeiten zur Forschung und Entwicklung von langfristigen Folgen der Energieerzeugung auf Gesundheit und Umwelt, sondern es spielt auch eine wichtige Runde in der biotechnologischen Forschung sowie in der Grundlagenforschung in Bezug auf den Klimawandel und die Umwelt.

Im April 2012 wurde die nationale Bioökonomie-Strategie („U.S. National Bioeconomy Blueprint“) veröffentlicht. Fünf strategische Handlungsfelder werden hier definiert: 

  • Support R&D investments that will provide the foundation for the future bioeconomy.
  • Facilitate the transition of bioinventions from research lab to market, including an increased focus on translational and regulatory sciences.
  • Develop and reform regulations to reduce barriers, increase the speed and predictability of regulatory processes, and reduce costs while protecting human and environmental health.
  • Update training programs and align academic institution incentives with student training for national workforce needs.
  • Identify and support opportunities for the development of public-private partnerships and precompetitive collaborations—where competitors pool resources, knowledge, and expertise to learn from successes and failures.

Gesundheitsforschung

Die Zuständigkeit für den Sektor Gesundheit liegt beim Ministerium „U.S. Department of Health and Human Services“. Die Obama-Regierung betont die Bedeutung der Gesundheitsforschung und hebt das öffentliche Budget in diesem Bereich weiter an. Ziele und Maßnahmen der gesundheitsrelevanten Forschung und Entwicklung sind:

  • Erhöhung der Anzahl qualifizierter Forscher
  • Vergrößerung des grundlegenden medizinischen Wissens
  • Durchführung angewandter Forschung
  • Transfer von Forschungsergebnissen in die Anwendung

An der Umsetzung dieser Ziele sind unter anderem die Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ), die Centers for Disease Control and Prevention (CDC), die Food and Drug Administration (FDA) und vor allem die National Institutes of Health (NIH) beteiligt.
 
Themen, die in besonderem Fokus stehen, sind: Gehirnforschung, Alzheimer, (Lungen-) Krebsforschung, Asthma, Grippe-Pandemie, antimikrobielle Resistenzen, Fettleibigkeit, menschlichen Entwicklung, Herz-Kreislauferkrankungen, Sicherheit von Lebensmitteln, Medikamenten und Geräten, Behandlung von Drogenmissbrauch.

Eine forschungspolitische Neuerung im Bereich der Gesundheitsforschung ist die im März 2009 verkündete Executive Order, die die unter der Bush-Administration angeordneten Beschränkungen zur Stammzellenforschung aufhebt. Allerdings steht die gerichtliche Klärung der Zulässigkeit der Förderung durch die U.S.-Bundesregierung weiterhin aus. 

Hauptträger der biomedizinischen Forschung sind die zum Department of Health and Human Services (DHHS) gehörenden National Institutes of Health (NIH) mit 27 Instituten und  Zentren, die mehr als 80% ihres Budgets für externe Forschung an über 3.000 Universitäten und anderen Wissenschaftseinrichtungen weltweit ausgeben. Ca. 6.000 Wissenschaftler arbeiten in eigenen NIH-Laboratorien, die sich überwiegend auf dem NIH-Hauptcampus in Bethesda (Maryland) befinden. Dort hat auch das NIH Clinical Center seinen Standort – das weltweit größte Krankenhaus, das ausschließlich der klinischen Forschung gewidmet ist.

Als Grundlage der Zusammenarbeit zwischen deutschen und US-amerikanischen Forschern wurde 1998 ein bilaterales Abkommen zur Gesundheitsforschung erneuert, das die seit über 20 Jahren bestehende Zusammenarbeit zwischen dem BMBF und dem Department of Health and Human Services (DHHS) sowie dem ihm angeschlossenen weltweit größten Forschungsinstitut in der Gesundheitsforschung, dem National Institute of Health (NIH), fortschreibt.