BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
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Bildung und Forschung: Lebenswissenschaften

Diese Seite zeigt eine aus den Länderberichten über Bildung und Forschung automatisch generierte Zusammenstellung zu den Aktivitäten einzelner Länder in dem von Ihnen gewählten Themenbereich. Die vollständigen Länderberichte finden Sie auf der Seite Bildung und Forschung.

1. Argentinien

Bio- und Agrarwissenschaften

1947 legte der spätere Nobelpreisträger Luis Leloir den Grundstein für die nationale biowissenschaftliche Forschung als er das biochemische Institut, das heute seinen Name trägt, gründete. Seitdem und verstärkt ab den 1980er Jahren wurden mehrere weitere Forschungsinstitute errichtet und die Schwerpunkte der Biowissenschaften systematisch erweitert. Dank dieser Bemühungen wird die biowissenschaftliche Forschung in Argentinien heute nach Meinung internationaler Experten als vielversprechender Forschungsbereich eingeschätzt. Es gibt über 80 Produktionsstätten für biotechnologische Produkte. Mehrere davon führen eigene Forschungstätigkeiten durch. Rund 55% der Produkte werden durch nationale Firmen hergestellt. Das Problem des Kapitalmangels, das in den letzten Jahren das Wachstum des Biotechnologiesektors bremste, soll durch die Verabschiedung eines neuen Gesetzes zu Steueranreizen gelöst werden. 

Die Verband der Biowissenschaftsdozenten Argentiniens (A.D.Bi.A) wurde 1993 durch eine Gruppe Professoren der staatlichen Universität Córdobas gegründet. Der gemeinnützige Verband verfügt über ein Dokumentationszentrum zur Zusammenstellung und Verbreitung der Forschungsergebnisse sowie zahlreiche internationale Beziehungen. Durch insgesamt 18 Zweigstellen ist die Forschungsarbeit über das gesamte Land verteilt.  

Das Zentrum für Forschungen im Bereich Bio-Chemie (Ciquibic) an der staatlichen Universität Córdoba wurde 1982 durch einen Vertrag zwischen Hochschule und CONICET geschlossen. Momentan sind in diesem Zentrum 30 Wissenschaftler/-innen und 55 Stipendiat/-innen – größtenteils durch den CONICET finanziert – beschäftigt. Hauptforschungsschwerpunkte liegen neben der Biochemie in der Zell- und Molekularbiologie sowie der Biotechnologie. 

Die Hauptforschungsfelder im Bereich der Biowissenschaften sind Agrartechnologie und Medizin.

Bioagrartechnologien

Die Nationale Kommission für Agrarbiotechnologie (CONABIA), die dem Agrarministerium untergeordnet ist, übernimmt die Koordination des Bereiches und legt die Prioritäten der Forschung fest. 

Der Schwerpunkt der Agrarbiotechnologie liegt auf der genetischen Verbesserung von Pflanzen, insbesondere bei Soja, Mais und Obst. Im Vordergrund steht die angewandte Forschung - experimentelle Forschung und Grundlageforschung werden jedoch auch betrieben. 

Die Forschung wird in staatlichen und privaten Einrichtungen durchgeführt. Das wichtigste Forschungsinstitut im Bereich sowohl der traditionellen wie auch der biotechnologischen Agrarforschung ist das Nationale Institut für Agrartechnologie (Instituto de Tecnología Agropecuaria, INTA). Zu ihm gehören zahlreiche „Forschungsstationen und drei Forschungszentren mit verschiedenen Instituten (Institute für Biotechnologie, Genetik, Mikrobiologie und Zoologie etc.), ebenso so genannte regionale Zentren, deren Aufgabe es ist, den wissenschaftlichen und produktiven Sektor miteinander zu verbinden. 

Grundlagen- und angewandte Forschung werden auch im Rahmen einer argentinisch-brasilianischen Kooperation durchgeführt. Die Forschungsaktivitäten sowie die Festlegung der Prioritäten liegen bei dem argentinisch-brasilianischen biotechnologischen Zentrum (CABBIO). Aktuelle Schwerpunktthemen sind transgene Pflanzen und Tiere sowie die biologische Bekämpfung von Seuchen. 

Biopharmazie und Biomedizin
Die Darstellung dieser Themen erfolgt im nachfolgenden Kapitel Gesundheitsforschung.

Gesundheitsforschung

Mit rund 14% der Forscher/-innen und knapp 15% der FuE-Ausgaben gehört die Medizin zu den wichtigsten Forschungsgebieten Argentiniens.

Der Nationalrat für die Programme der Gesundheitsforschung (Comisión Nacional de Programas de investigación Sanitaria, CONAPRIS) legt die Prioritäten der Wissenschaft fest. Die Nationale Akademie für Medizin fördert neben dem CONAPRIS  Forschungsprojekte in verschiedenen Bereichen der Medizin.

Die Hauptforschungsfelder im Bereich Medizin sind allgemeine Medizin, Kardiologie, Krebserkrankungen, Stoffwechsel- und Blutkrankheiten sowie neuronale Krankheiten. Die Nuklearmedizin gehört ebenfalls zu den wichtigen Gebieten.

Forschung wird v.a. in staatlichen Krankenhäusern und Universitäten sowie in staatlichen und privaten Forschungsinstituten durchgeführt. Private Krankenhäuser und private Universitäten spielen eine untergeordnete Rolle.  

Das staatliche Krankenhaus Prof. Garrahan führt Grundlagen- und angewandte Forschung von Kinderkrankheiten durch. Viel versprechend sind Forschungsaktivitäten im Bereich der multiplen Sklerose bei Kindern. Seit einigen Jahren bestehen Kooperationen mit Wissenschaftlern aus Toronto, New York und Finnland. 

Die nationale Verwaltung der Gesundheitsinstitute und Labore (ANLIS) ist die Nachfolgeorganisation des renommierten nationalen Instituts für Ansteckungskrankheiten Malbran. Elf untergeordnete Institute führen Forschungstätigkeiten im Bereich der Epidemiologie, Atmungskrankheiten, Parasiten und Viren sowie Hauterkrankungen und Ernährung durch. 

Die im Jahre 1975 gegründete private Stiftung Favarolo ist eines der wichtigsten kardiologischen Institute Lateinamerikas. Zurzeit wird dort mit Erfolg und weltweiter Resonanz an der Anwendung von Impfstoffen gearbeitet, um Herzkrankheiten zu bekämpfen.

Die ebenfalls private Stiftung für die Bekämpfung neurologischer Kinderkrankheiten (Instituto Fleni) führt nicht nur Grundlagen- und angewandte Forschung im Bereich der Neurologie durch, sondern befasst sich auch mit der Entwicklung neuer Techniken für Gefäßchirurgie.

Die Schwerpunkte des Instituts Leloir, eines der bedeutendsten nationalen biotechnologischen Institute, liegen heute nicht nur auf der biochemischen Grundlageforschung, sondern auch in den Bereichen der genetischen und molekularen Medizin sowie der Immunologie.  

Das nach dem argentinischen Nobelpreisträger Milstein benannte Exzellenzzentrum (Centro de Investigación Milstein) bringt unter einem Dach Wissenschaftler des CONICET und der Stiftung Pablo Cassará zusammen. Mehr als 100 Gesundheitsforscher beschäftigen sich dort mit  Biotechnologie und molekularer Genetik. Im Vordergrund steht Grundlagenforschung auf den Gebieten Proteine, Immunologie, Peptiden, Molecular framing und Bioreaktoren.

Einige der wichtigsten Forschungsinstitute des Landes sind an der Medizinfakultät der Universität Buenos Aires angesiedelt. Darunter: das Institut für Zellforschung und angewandte Neurowissenschaften sowie die Institute für Morphologie, Biomembrane und Endokrinologie. Ebenfalls abhängig von der Universität ist das experimentelle Forschungszentrum (Instituto de Biología y Medicina experimental, IBYME), das der Nobelpreisträger Alberto Houssay 1943 gründete.

Die knapp 20 Jahre alte Schule für Nuklearmedizin (FUESMEN) und die noch nicht eingeweihte 5 Mio. U$S Stiftung für nukleare Diagnostik der Universität Buenos Aires (CEDIN) werden durch ihre angewandten Forschungstätigkeiten die mehr als 300 Nuklearzentren in Argentinien unterstützen. Bereits abgeschlossen sind Verträge mit arabischen Ländern, um die Kooperation in diesem Bereich zu fördern. 

Das argentinische Forum für die Forschungen im Gesundheitssektor (FISA) arbeitet seit fast zehn Jahren im Bereich der Forschungsförderung im Gesundheitssektor. Generell versucht FISA den Austausch der medizinischen Forscher bzw. der privaten und öffentlichen Institutionen zu stärken, um das System in diesem Bereich effizienter zu gestalten.

In Argentinien werden fünf medizinische Zeitschriften publiziert. Die Forschungsartikel, die dort veröffentlicht werden, können durch die beiden nationalen Datenbanken Medline und Lilacs konsultiert werden.

2. Australien

Bio- und Agrarwissenschaften

Das Queensland Bioscience Precinct in Brisbane zählt zu den vielversprechendsten Initiativen Australiens auf dem Gebiet der Biowissenschaften. Die an dem Projekt beteiligten 700 Wissenschaftler/innen, die mit der CSIRO und dem ebenfalls an der University of Queensland angesiedelten Institute for Molecular Bioscience kooperieren, befassen sich mit folgenden Themen:

  • genome mapping
  • bioinformatics
  • tropical and agricultural landscapes
  • resource futures
  • rangelands and savannas
  • crops for northern Australia including wheat, sugar, soybean and macadamia

Gesundheitsforschung

Die Medizinforschung, einer der Leuchttürme der australischen Wissenschaft, soll unter der neuen Abbott-Regierung dauerhaft zusätzliche Mittel erhalten. Hierzu soll ein aus einer neuen Praxisgebühr gespeister Medical Research Future Fund eingerichet werden, dessen Zinseinnahmen dem National Health and Medical Research Council (NHMRC) als zusätzliche Mittel für die Forschungsförderung zur Verfügung gestellt werden sollen. Zusätzlich sollen für die Demenzforschung über die kommenden fünf Jahre 200 Mio. AUD zur Verfügung stehen.

Unter dem Terminus "Health and Wellbeing" hat die Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) einen Forschungsbereich eingerichtet, der folgende Aspekte der Gesundheitsforschung untersucht:

  • Nutrition. Lifestyle and DNA
  • The CSIRO Wellbeing Plan for Kids
  • Food Bioactives for health
  • Food Safety
  • Bowel cancer and gut health
  • Dementia and Alzheimer´s disease
  • Advances in medical imaging
  • Environmental health

3. Brasilien

Bio- und Agrarwissenschaften

Das Bild dient als Link zur Webseite von AmbienteBrasil und zeigt zwei Reagenzgläser.
AmbienteBrasil

Landwirtschaft

Eine zentrale Institution für die brasilianische, landwirtschaftliche Forschung ist die Einrichtung EMBRAPA, Empresa Brasileira de Pesquisa Agropecuária. Diese 1973 gegründete Institution besteht neben 14 Verwaltungs- und Dienstleistungszentren aus 37 landesweit verteilten Forschungsinstitutionen. Mehr als 2000 Wissenschaftler und Fachkräfte der EMBRAPA betreiben Forschung und Entwicklung auf den Gebieten der Landwirtschaft, Viehzucht, Versorgung und Ernährung. Die intensive internationale Zusammenarbeit hat zur Effizienz und Anerkennung von EMBRAPA beigetragen. Es bestehen 275 Übereinkommen über technisch-wissenschaftliche Zusammenarbeit mit 56 Ländern und 155 internationalen Forschungseinrichtungen. EMBRAPA vergibt außerdem  bilaterale Forschungsstipendien. So promovieren an deutschen Universitäten regelmäßig Brasilianer in landwirtschaftlichen und verwandten Themen mit Unterstützung von EMBRAPA.

Vor dem Hintergrund der Bedeutung brasilianischer Agrarexporte und der landwirtschaftlichen Produktion initiierte das das brasilianische Landwirtschaftsministerium mehrere Forschungsprogramme für eine nachhaltige, bodenschonende Landnutzung in verschiedenen Bewirtschaftungssystemen. Agrarforschung ist einer der wichtigsten Bereiche des Landes. Brasilien trägt mit 3,7% zur weltweiten Wissensproduktion in der landwirtschaftlichen Forschung bei. 

Biotechnologie

Biotechnologische Forschung findet in Brasilien insbesondere in den Bereichen Landwirtschaft, Tierzucht, Gesundheit und zunehmend im Bereich Umwelt und Energie statt. 
Im Nationalen Aktionsplan 2007 – 2010 des Ministeriums für Wissenschaft und Technologie wurde der biotechnologische Bereich als Wissenschaftsgebiet mit strategischer Bedeutung für die sozioökonomische Weiterentwicklung Brasiliens definiert. Um Brasiliens Rolle in der Biotechnologie zu stärken, wurden im Zeitraum 2008 bis 2010 insgesamt ca. 90 Mio US-Dollar aus öffentlichen Quellen in biotechnologische Forschung investiert. 

Mehrere Programme zielen darauf ab, die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie in diesem Technologiefeld zu verstärken und regionalen Verbünde zu schaffen. Als Beispiel kann das „Programa Rede Nordeste de Biotecnologia“ - RENORBIO genannt werden, das sich auf die nordöstlichen Bundesstaaten Brasiliens konzentriert und dort den Aufbau biotechnologische Innovationscluster unterstützt. 
Im Gegensatz zur produktorientierten biotechnologischen Forschung der regionalen Cluster widmen sich auch verschiedene Zentren der Forschungseinrichtung EMBRAPA biotechnologischen Bereichen mit Schnittstellen zu agrarwissenschaftlichen Themen, wie z.B. genetische Ressourcen, biologische Schädlingsbekämpfung oder biologische Sicherheit. 

Zur Erforschung der biologischen Vielfalt des Amazonasgebietes wurde das Zentrum für Biotechnologie in Amazonien (CBA) gegründet, das den Schutz und die Nutzung der Biodiversität des tropischen Regenwaldes in der Amazonasregion zum Ziel hat.

Gesundheitsforschung

Die Brasilianische Regierung gestaltet mit einer Reihe von Programmen das Bildungssystem in der Primar und Sekundarstufe. Das erklärte Ziel der brasilianischen Bildungspolitik ist es, den allgemeinen Bildungsstand der Bevölkerung zu erhöhen. Dies soll zum einen durch eine Ausweitung der kostenlosen Bildungsangebote und durch bessere Chancen für den Zugang zu Hochschulen und zum anderen durch die Verbesserung der Qualität der Lehre an Schulen und Universitäten erreicht werden. Im Zuge einer Hochschulreform soll die Rolle der staatlichen Universitäten gegenüber den privaten gestärkt werden. Mit den staatlichen Programmen kann der Bund nun auch stärker Bundesstaaten und Kommunen bei der Bildungsaufgabe unterstützen. Der hohe Stellenwert von gesundheitsbezogener Forschung (Medizin, Biomedizin und Pharmazie) in Brasilien spiegelt sich in einer hohen Anzahl von international veröffentlichten Publikationen auf diesem Gebiet wider. In einzelnen Forschungsbereichen, wie Tropenmedizin oder Parasitologie, stammen große Teile der weltweiten wissenschaftlichen Produktion aus Brasilien. Im Rahmen der staatlichen Forschungsförderung werden strategischen Themenbereiche durch das Gesundheitsministerium gefördert. Dazu zählen insbesondere Pharmazie, Biomaterialien, Diagnostik und Impfstoffe.

Die dem Gesundheitsministerium nachgeordnete Stiftung Fiocruz ist eine auch international herausragende Institution auf dem Gebiet der Gesundheitsforschung sowie in der industrienahen und anwendungsbezogenen Entwicklung, wie beispielsweise in der medizinischen Biotechnologie. Im Auftrag des Ministeriums ist FIOCRUZ von der Grundlagenforschung bis zur Entwicklung von Wirkstoffen und der Produktion von Impfstoffen und Medikamenten tätig.
Neben der Forschung berät Fiocruz das Gesundheitsministerium in allen Fragen der Gesundheitspolitik und unterstützt die strategische Forschung im Gesundheitsbereich mit Programmen zur Förderung von Forschungsnetzwerken, z.T. in Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation.

Darüber hinaus sind in der Gesundheitsforschung staatliche Krankenhäuser und Universitäten, wie der Medizinischen Fakultät "Riberião Preto" der Universität São Paulo, sowie staatliche und private Forschungsinstituten aktiv. Private Krankenhäuser und private Universitäten spielen eine untergeordnete Rolle.

4. Chile

Bio- und Agrarwissenschaften

Biologie
Chile hat in diesem Bereich zwar einen großen Fortschritt gemacht, hat jedoch beim Aufbau der modernen Teildisziplinen der Biologie großen Aufholbedarf. Die Anzahl der jüngeren Absolventen mit einem im Ausland erworbenen Doktorgrad und Magister nimmt in den letzten Jahren zu.

Viele Forscher gehören internationalen Vereinigungen (v.a. USA und Kanada) an.
Jährlich wird ein Mikrobiologie-Kongress von der Mikrobiologischen Vereinigung ausgerichtet.
Ein Großteil der Forscher arbeitet an den folgenden Universitäten:

  • Universidad de Chile,
  • Universidad Católica,
  • Universidad de Concepción,
  • Universidad de Santiago,
  • Universidad Austral,
  • Universidad Andrés de Bello sowie
  • Universidad Valparaiso.

Biotechnologie

Es gibt in Chile rund 200 Institutionen, die auf dem Gebiet der Biotechnologie aktiv waren (biotechnologische Unternehmen, Forschungseinrichtungen). Da Chiles wirtschaftliche Entwicklung hauptsächlich auf dem Export von Rohstoffen basiert, wird jedoch ein jährlicher Zuwachs von 30 % erwartet. Grundlage dafür  ist, dass der Bereich etwa ein Investitionsvolumen von über 93 Mio. USD aus nationalen Mitteln und von über 170 Mio. USD aus dem Ausland verbuchen konnte.

Besonders konzentriert sich Chile dabei auf folgende drei strategische Bereiche:

  • Landwirtschaft und Agroindustrie (41 %)                                    
  • Fischerei, Nahrungsmittel und industrielle Biotechnologie (32%)
  • Medizin (27 %)

Ein besonderes Gebiet der biotechnologische Entwicklung in Chile stellt der Biobergbau dar, in dem bestimmte Bakterien zur Einlösung von diversen Metallen – etwa Kupfer – eingesetzt werden. Es gibt Einschätzungen, nach denen etwa 9% der Kupferproduktion Chiles nach Methoden des Biobergbaus erzielt wird. Hauptakteure auf diesem Gebiet sind die Großfirmen BioSigma und BHP – Billiton, die in den letzten Jahren rund 20 Mio. USD in Biotechnologie in Chile investiert haben. Ein anderes Gebiet mit hohen Zuwachsraten stellen die Biobrennstoffe dar. Die öffentliche Hand hat auf diesem Gebiet eine Investition von 30 Mio. USD getätigt.

Die seit 2001 bestehende Genom-Initiative (Initiativa Genoma Chile), die in den ersten Jahren ihres Bestehens mit Mitteln der Interamerikanischen Entwicklungsbank aufgelegt wurde, heisst seit Oktober 2008 in neuer Auflage "Programa Genoma Chile" und hat weiterhin die Entwicklung des Biotechnologiesektors zum Ziel. Das Programm finanziert mittlerweile nur noch mit nationalen staatlichen Mitteln (7 Mio. USD) Forschungsprojekte in den Bereichen Genomik, Proteomik und Biotechnologie/Bioinformatik  (natürliche Ressourcen und Biobergbau). Im Falle des Biobergbaus geht es um die Verbesserung und die Sequenzierung von Bakterien, die in die Bio-Extrahierung von Kupfer eingreifen. Hier werden Forschungsarbeiten in Kooperation mit BioSigma, einem Joint Venture der staatlichen Kupfergesellschaft CODELCO und Nippon Mining & Metals finanziert. Im Bereich der natürlichen Ressourcen werden Projekte in den Fachgebieten Aquakultur und Landwirtschaft gefördert, die mit funktioneller Genomik von Weinreben und Nektarinen zu tun haben. Ein Förderprogramm für die Aquakultur HUAM ist auf die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität dieser Branche ausgerichtet. Bisher wurden 13 Projekte mit insgesamt 4,28 Mio. Euro gefördert.  Hier wird untersucht, wie mittels Impfung und Diagnostik-Kits unterschiedliche Krankheiten bei Lachsen bekämpft werden können. Die Ergebnisse sollen vor allem zur Optimierung der landwirtschaftlichen und rohstofflichen Exportprodukte genutzt werden.

Die chilenische Regierung ernannte 2002 eine Nationalkommission für die Entwicklung der Biotechnologie (Comisión Nacional para el Desarrollo de la Biotecnología). Unter Expertenbeteiligung wurde eine Studie über die Situation der Biotechnologie in Chile und verschiedene Empfehlungen erstellt. Aufbauend auf diese Ergebnisse lancierte die Regierung 2004 ein Nationales Programm zur Entwicklung der Biotechnologie. Sie sah eine Reihe konkreter Maßnahmen vor wie

  • die Stärkung der Biotech-Industrie,
  • Ausweitung der Förderinstrumente für biotechnologische Innovation und
  • Erhöhung der Anzahl an gut ausgebildeten Fachkräften und Wissenschaftlern.

Die Staatsausgaben für den Bereich Biotechnologie sind in den letzten Jahren gestiegen. Das Innova-Programm von CORFO, die Gründung und finanzielle Unterstützung von technologischen Konsortien und die Erhöhung der Staatsausgaben für Forschung und Entwicklung in Biotechnologie sind einige Beispiele. Zudem hat 2009 CORFO ein neues Förderinstrument zur Unterstützung der angewandten Forschung in Chile ins Leben gerufen. Für die Gründung von bis zu fünf internationalen Forschungseinrichtungen werden 19,5 Mio. US-Dollar für jedes Zentrum für einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren bereitgestellt. Das "Fraunhofer Chile – Center for Systems Biotechnology (CSB)" hat als erstes internationales Exzellenzzentrum von chilenischer Seite den Zuschlag bekommen.

In den letzten Jahren hat CONICYT die Entwicklung der Biotechnologie in Chile hauptsächlich durch die Genehmigung verschiedener Projekte etwa in den Forschungsfonds FONDEF und FONDECYT entschieden gefördert. 2012 wurde 44 Projekten zugestimmt.

Auch auf regionaler Ebene gibt es Bestrebungen, das Thema Biotechnologie in die politische Strategie aufzunehmen. Die Lokalregierung der Region Bio-Bio (siebte Region) hat die Biotechnologie als eines der Hauptinstrumente für die lokale wirtschaftliche Entwicklung in die Entwicklungsstrategie aufgenommen. Gemeinsam mit der Universidad de Concepción wurde das Regionalzentrum für Biotechnologie (Centro Regional de Biotecnología) 2002 eingerichtet. Das Gebäude des Zentrums liegt auf dem Campus Concepción und ist mit Laboratorien für Forschung, Entwicklung und Innovation ausgestattet.

Im Jahr 2007 wurde der erste Biotechnologie-Park in Santiago de Chile eingeweiht. Dieser Park ist ein Agglomerat von verschiedenen Firmen und Forschungseinrichtungen, die in dieser Forschungsdisziplin tätig sind. Initiiert wurde der Park von der Biotecfirma BiosChile (1980 als die erste Biotecfirma in Chile gegründet) und der Stiftung Wissenschaft für das Leben (Fundación Ciencia para la Vida). Der Park hat Laboratorien für Grundlagenforschung und angewandte Forschung sowie ein Bioinformatikzentrum.
Aktuelle Forschung und Ergebnisse:

  • Diagnostik-Kit für die Chagas-Krankheit, eine Infektionskrankeheit
  • Forschung an einer Impfung gegen die Bakterie Piscirickettsia salmonis, die verantwortlich für den Verlust von 10% der Lachszucht (150. Mio. USD/Jahr) ist und
  • Forschung zur Behandlung von Brustkrebs.

Ebenso wird in dem Biotechnologie-Park eine Fabrik gebaut, um chilenische Algenextrakte zu produzieren, die in der Kosmetik und Pharmazeutik genutzt werden können.

Im Juli 2007 wurde die biotechnologische Abteilung des Labors Lo Aguirre (Unidad de Biotecnología del Laboratorio institucional de Lo Aguirre) des staatlichen Land- und Viehwirtschaftlichen Dienstes (Servicio Agrícola y Ganadero) eingeweiht. Diese Abteilung wurde im Rahmen eines EU-Projektes finanziert. Die Aufgabe des Labors wird es sein, die Tier- und Pflanzengesundheit, Biounbedenklichkeit von Lebensmitteln und biologischen Produkten zu diagnostizieren und zu zertifizieren und die Existenz von genetisch veränderten Organismen zu ermitteln. Außerdem wird das Labor diagnostische molekulare Dienstleistungen für verschiedene andere Laboratorien, u.a. des privaten Sektors, erbringen.

Im Bereich der Biotechnologie gibt es drei Institute, die im Rahmen der Milleniumsinitiative  wissenschaftliche Exzellenzforschung auf nationaler Ebene aufweisen. Insgesamt existieren in Chile derzeit 7 Milleniumsinistitute, an denen Exzellenzforschung betrieben wird. Im Bereich der Biotechnologie sind es: Instituto de Biología Fundamental y Aplicada (MIFAB), Núcleo Milenio en Biotecnología Celular Vegetal (PCB-MN), Ecología Microbiana y Microbiología y Biotecnología Ambiental (EMBA). 
Mit dem Thema Biosicherheit beschäftigt sich die Universidad de Concepción.

In der Biotechnologie tätig sind:

  • 58 Herstellungsfirmen,
  • 22 Dienstleistungsunternehmen,
  • 61 Forschungszentren,
  • 25 Techologietransferzentren sowie Technolgiezentren.

Die biotechnologische Forschung konzentriert sich hauptsächlich auf Forschergruppen in folgenden Einrichtungen: 

  • Universidad de Chile,
  • Universidad de Talca,
  • Universidad Federico Santa María de Valparaiso,
  • Universidad Católica de Chile,
  • Universidad de Santiago de Chile,
  • Universidad de Concepción,
  • Universidad Austral,
  • Universidad Andrés Bello.

Weitere wichtige Zentren sind:

  • Nationalinstitut für Landwirtschaftliche Forschung (Instituto Nacional de Investigación Agropecuaria, INIA),
  • Die Stiftung Chile (Fundación Chile) unterstützt Projekte im Bereich Landwirtschaft, Meeresressourcen, Forstwirtschaft, Umwelt, erneuerbaren Energien und Ressourcen
  • Institut zur Förderung der Fischerei (Instituto de Fomento Pesquero, IFOP),
  • Zentrum für fortgeschrittene Polymerforschung (Centro de Investigación de Polímeros Avanzados, CIPA)
  • Exzellenzzentrum für Biochemie und Biotechnologie (Centro de Excelencia Académica en Ingeniería Bioquímica y Biotecnológica, CIBYB), Universidad de Chile
  • Milleniumsinstitut für Mikrobiologie und Umweltbiotechnologie (Ecología Microbiana y Microbiología y Biotecnología Ambiental)
  • Milleniumsinstitut für biologische Grundlagenforschung und angewandte Forschung (Instituto Milenio Biología Fundamental y Aplicada),
  • Milleniumsinstitut für fortgeschrittene Studien in Zellularbiologie und Biotechnologie (Instituto Milenio de Estudios Avanzados en Biología Celular y Biotecnología), angesiedelt an der Universidad de Chile, Fakultät für Wissenschaft,
  • Chilenischer Verband biotechnologischer Unternehmen (Asociación Chilena de Empresas de Biotecnología A.G., ASEMBIO). Er wurde 2004 gegründet. Ihm gehören die meisten der biotechnologischen Firmen Chiles an. Asembio ist Mitglied des Lateinamerikanischen Verbands biotechnologischer Unternehmen (Federación Latinoamerciana de Empresas de Biotecnología, FELAEB).

In Chile gibt es mehrere Cluster im Bereich Biotechnologie. Der Nahrungsmittelcluster umfasst fünf Sektoren der Agrarindustrie: Obstbau, Weinbau, Geflügel- und Schweinezucht, Viehzucht und verarbeitete Lebensmittel. Der Nahrungsmittelcluster hat im Rahmen der F&E-Programme hauptsächlich die genetische Verbesserung der Arten sowie den Technologietransfer zum Ziel. Der Cluster für Aquakultur zielt auf eine Diversifizierung der Arten sowie die Verbesserung der sanitären Bedingungen der Lachsindustrie.

Gesundheitsforschung

Traditionell wird die Gesundheitsforschung in Chile in Zusammenarbeit mit Krankenhäusern und Medizinschulen durchgeführt.

Die Universität mit dem besten Ruf in diesem Bereich ist die Universidad de Chile, an der verschiedene Forschungszentren angegliedert sind. Forschung findet sowohl im Bereich der angewandten Forschung wie auch der Grundlagenforschung statt. Forschungsthemen sind z.B.

  • Molekularanalyse der Zelle,
  • Immunologie,
  • Immuntherapie,
  • Neurowissenschaften und
  • Krebs.

Eine weitere Universität an der Gesundheitsforschung betrieben wird ist die Pontificia Universidad Católica de Chile. Im Bereich der Grundlagenforschung wird zu Herzinsuffizienz und arterieller Hypertonie, physiologischen und physiopathologischen Aspekten der menschlichen Ernährung, ansteckenden Krankheiten, Immunologie, rheumatologischen Krankheiten, chronischen Lungenkrankheiten und molekularer Onkologie geforscht.

Biomedizin
Die biomedizinische Forschung konzentriert sich auf die Universidad de Chile, in der es ein Forschungszentrum für Umwelt und Biomedizin (Centro de Investigación en Medio Ambiente y Biomedicina, CIMAB) gibt und die Universidad Católica. Es gibt kleinere Forschergruppen an der Universidad de Concepción, der Universidad Austral und der Universidad Valparaíso, Universidad de Santiago und der Universidad de la Frontera. Auch die Universidad Nacional Andrés Bello und Universidad de los Andes sind in der Biomedizin aktiv.

Die Stiftung Wissenschaft & Leben (Fundación Ciencia & Vida), gegründet 1997,  fördert Forschung, Entrepreneurship und Ausbildung in den Bio- und Lebenswissenschaften.Die Stiftung forscht in den Bereichen Biomedizin, Bioressourcen sowie Bioinformatik und Genomics. 

CONICYT finanziert ein Konsortium zur technologischen Gesundheitsforschung (Consorcio de Investigación Tecnológica en Salud, CTI) an dem internationale Institutionen und Unternehmen teilnehmen:

  • Universidad de la Frontera,
  • Universidad de Concepción,
  • Universidad Austral de Chile,
  • Fundación Insituto Leloir (Argentinien),
  • Instituto Weizmann (Israel),
  • Farmindustrie S.A.,
  • Southern Technology Group,
  • Indena SpA (Italia) und
  • Fundación Arturo López Pérez.

Ziel des Konsortiums ist die wissenschaftliche und technologische Forschung, Entwicklung und Vermarktung neuer Produkte für den diagnostischen Gebrauch und die Therapie gegen Magendarmkrebs.

5. Dänemark

Bio- und Agrarwissenschaften

Auf dem Gebiet der Biowissenschaften liegt Dänemark mit an der europäischen Spitze. So gehörte Dänemark 2008 laut einer Studie von Ernst & Young zu den fünf Biotechnologie-Spitzenreitern (mit Großbritannien, Deutschland, Frankreich und der Schweiz) in Europa. Nach Angaben von Eurostat (Science, Technology and Innovation Indicators 2010) zeichnet sich Dänemark durch eine im EU-Vergleich überdurchschnittliche Quote an Patenten im Biotechnologiesektor aus.  Im Rahmen des EU-Forschungsrahmenprogramms zielt etwa ein Fünftel der Projekte mit dänischer Beteiligung auf die Bereiche Lebenswissenschaften, Genomforschung und Biotechnologie (FP6-Verträge, Stand: Mai 2008).

Das dänisch-schwedische Medicon Valley umfasst mehr als 60% der pharmazeutischen Industrie Skandinaviens und ist die am schnellsten wachsende Biotechnologie-Region Europas -  gemessen an den Produkten im Entwicklungsstadium. Medicon Valley ist Teil der Öresund-Region, bestehend aus der südwestlichen schwedischen Region Skåne und der dänischen Region im Großraum Kopenhagen (Qu.: Deutsche Botschaft Kopenhagen 2010, unveröffentlicht).

Die Plattform Biotechnology – Europe nennt für Dänemark 22 wissenschaftliche Einrichtungen, sechs Technologieparks, 99 Firmen (über 7.000 Beschäftigte) und ein Cluster (Medicon Valley), die im Bereich der Biotechnologie aktiv sind.  Etwa 80% der Biotechnologie-Aktivitäten finden im Raum des Clusters Medicon Valley statt. Der zweitgrößte Biotechnologie-Cluster in Dänemark liegt mit einem Anteil von etwas über 10% in der Region Aarhus.

Der Ostseeraum insgesamt verfügt über ein ausgewiesen hohes Potenzial in der biotechnologischen Forschung. Das Netzwerk ScanBalt dient dazu, die Ostseeregion als eine international konkurrenzfähige Bioregion zu entwickeln. ScanBalt umschließt elf Länder mit 85 Millionen Einwohner, mehr als 60 Universitäten und mehr als 870 Firmen im Sektor Biotechnologie und Lebenswissenschaften.

Stärken der dänischen Lebenswissenschaften sind unter anderem die enge Verzahnung zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen und die hohe Wagnisbereitschaft (ca. zehn Prozent der dänischen Biotechnologie-Firmen sind an der Börse (Qu.: www.biotechnologie.de)), sowie die hohe Dichte an Kliniken.

Wichtiger Akteur in der biotechnologischen Forschungsförderung ist die Novo Nordisk Stiftung des gleichnamigen Pharmaunternehmens, die unter anderem den Aufbau einer nationalen Biobank im Statens Serum Institut unterstützt.
Gentechnologie wird auf sehr hohem Niveau an der biotechnologischen Fakultät der Universität Kopenhagen betreiben. In den Pflanzenwissenschaften setzt seit 2010 ebenfalls die Universität Kopenhagen verstärkt Schwerpunkte. Die Aktivitäten, bisher dezentral ausgeführt sollen im „Copenhagen Plant Science Center“ gebündelt werden. Einige der laufenden Centres of Excellence (vgl. Kap. Förderorganisationen) fokussieren auf biowissenschaftliche Fragestellungen, so das Centre for Epigenetics und das Centre for Models of Life, beide an der Universität Kopenhagen.

Eine ausführliche und fundierte Darstellung zur Biotechnologie in Dänemark (Stand: März 2010) mit weiterführenden Informationen bietet das BMBF-Portal www.biotechnologie.de.

Die Danish Biotech Research Academy fördert die Ausbildung auf dem Biotechnologiesektor in Dänemark. Als Netzwerk aufgebaut koordiniert es Kurse und Seminare von sechs dänischen Hochschulen sowie des Biotechnologieunternehmens Novozymes.

The Danish Association of Biotechnology Industries (Dansk Biotek) ist einer der ältesten Biotechnologieverbände in Europa. Seit 1987 vertritt der Verband die Interessen der Branche. Mit derzeit rund 80 Mitgliedern erreicht er auch eine hohe Abdeckung der dänischen Branche.

6. Estland

Bio- und Agrarwissenschaften

Die estnische Forschungslandschaft ist sehr stark in den Biowissenschaften engagiert, ingesamt gibt es 15 Einrichtungen, die auf diesem Gebiet mit rund 300 Wissenschaftlern aktiv sind. Führend ist hierbei vor allem das Biozentrum, das bereits im Jahr 1986 als Joint Venture der Universität Tartu und dem Nationalen Institut für Chemische Physik und Biophysik (KBFI) aus Tallinn gegründet wurde und im Rahmen der EU das Siegel eines Exzellenzzentrums erhielt. Darüber hinaus hat die Universität Tartu im Jahr 1999 das Biomedicum für die medizinische Fakultät gebaut sowie in eine neues Gebäude für Chemiker investiert und das Klinikum erweitert und auf diese Weise eine gute Basis für die Durchführung präklinischer Forschungsarbeiten gewonnen. Des weiteren wurde erst kürzlich ein Institute of Technology auf dem Maarjmoisa Science Campus in Tartu installiert, das ebenfalls für einen Schub sorgen soll. Seit 1990 existiert zudem das Institute of Molecular and Cell Bioloby (IMCB) an der Universität in Tartu, das ebenfalls zu den großen biowissenschaftlichen Einrichtungen in Estland gehört. Aber auch in Tallinn sind in den vergangenen Jahren kräftig Gelder geflossen. Davon hat vor allem die Technische Universität profitiert, die ein neues Gebäude für Naturwissenschaften erhalten hat und somit neben der wissenschaftlichen Seite auch forschenden Biotech-Unternehmen wie Celecure oder Protobios (beide Krebsforschung) ein neues, gemeinsames Dach über dem Kopf gibt. Des weiteren gibt es bereits Pläne für einen eigenen Spin-off-Inkubator.
 
Inhaltlich liegt die Stärke der estnischen Forschung vor allem in der Genomforschung. Aus diesem Grund unterstützte der Staat das Genom-Datenbank Projekt (Estonian Genome Project Foundation) mit 7,7 Mio. Euro. Einst war es im Jahr 2000 ebenfalls mit politischer Unterstützung durch den estnischen Präsidenten ins Leben gerufen worden, um mithilfe einer nationalen Gendatenbank die Entwicklung personalisierter Medikamente und Diagnoseverfahren voranzutreiben. Ursprünglich sollten eine Million Esten, das ist fast die gesamte Bevölkerung, zur Spende bewogen werden. Es werden derzeit rund 100.000 Proben anvisiert.
 
Abgesehen von solchen Großprojekten werden biowissenschaftliche Projekte von mehreren Einrichtungen der öffentlichen Hand finanziell unterstützt, auch wenn die Ausgaben für Forschung in den vergangenen Jahren ingesamt auf einem eher geringen Niveau bei 0,75 % des Bruttoinlandsprodukts liegen. Biomedizin ist hierbei jedoch neben Informationstechnologien und Materialwissenschaften einer der drei Schwerpunkte. Eine Förderinstanz ist dabei die Estonian Science Foundation, die etwa 20 % des Forschungsbudgets des Bildungsministeriums der Regierung verwaltet. Die Gelder werden vor allem an grundlagenorientierte Projekte und Nachwuchsforscher vergeben, sind allerdings eher klein und nicht sehr langfristig. Größere Summen werden durch den Scientific Competence Council ausgeschüttet. Dies umfasst sowohl Post-Doc-Programme als auch Center-of-Excellence-Initiativen. Der größte Teil wird hierbei jedoch projektorientiert finanziert.
Anwendungsorientierte Forschungsprojekte können hingegen Gelder von der Estonian Technology Agency erhalten. Darüber hinaus gibt es über das Wirtschaftsministerium einige Start-up-Finanzierungen aus wissenschaftlichen Einrichtungen heraus. Europäische Programme werden durch die Archimedes Foundation koordiniert.

Im Dezember 2001 verabschiedete das estnische Parlament das Gesetz über die Erforschung menschlicher Gene, das eines der progressivsten Rechtsakte der Gentechnik in Europa darstellt. Die Regierung hat auch drei für die Zukunft Estlands prioritäre Bereiche benannt, die durch öffentliche Ausgaben finanziert werden. Diese sind die Forschung, der Aufbau neuer Technologien und die Biotechnologie. Innerhalb von vier Jahren mussten die Ausgaben für den Aufbau der Wissenschaft und neuer Technologien von 1,6 % auf 2 % des Bruttoinlandsprodukts erhöht werden.

Das am Ende des letzten Jahrhunderts gegründete Estnische Zentrum für Biotechnologie in Tartu (www.ebc.ee) war schon zu Zeiten der UdSSR Wegweiser für Trends in der Molekularbiologie. Im Zentrum für Biotechnologie konzentriert sich ein mächtiges Wissenschaftspotential und es ist dank umfangreicher Investitionen mit moderner Anlagentechnik sowie technologischen Möglichkeiten ausgerüstet und entspricht dem Weltstandard. Nach der Eröffnung des molekulargenetischen Labors in Tallinn wurde es zu einer der führenden Institutionen auf dem Gebiet der Biotechnologie in Estland.

Zur Förderung der vorstehend erwähnten Einrichtungen in diesen drei vorrangigen Bereichen wurde die Estnische Agentur für Technologie (www.estag.ee) gegründet, die die Forschungen finanziert. Das größte Projekt wurde mit mehr als 1 Million Euro unterstützt.

Im Jahre 1999 wurde mit dem Estnischen Genomprojekt (www.genomics.ee) begonnen, welches das umfangreichste Biochemie- und Gesundheitsprojekt Estlands darstellt. Ziel dieses Projektes ist es, eine Gendatenbank der Feno- und Genotypen der estnischen Bevölkerung zur Durchführung von genetischen und Gesundheitsforschungen zu erstellen, um, falls Gene gefunden werden, die herkömmliche Erkrankungen hervorrufen, diese wirksam bekämpfen zu können. Die estnische Biotechnologie ist eine sich schnell entwickelnde Wissenschaft, die hervorragende Zukunftsperspektiven besitzt und deren Ergebnisse uns schon heute einen kleinen Schritt auf der Entwicklungsspirale der Menschheit fortschreiten lassen.

Das Estonian Biocentre (EBC) wurde 1986 durch die estnische Regierung als eine Kooperation zwischen der Universität Tartu und dem institut für Chemische Physik und Biophysik eingerichtet. Die Hauptaufgabenfelder des Institutes sind die molekulare Medizin und die Biotechnologie.

Estnische Biotechnologievereinigung EBIO
Estonian Biotechnology Association EBIO
EBIO repräsentiert Biotechnologiefirmen und akademische Institutionen in Estland.
 
Estonian Biotechnology Association EBIO
Tiigi 61b, 50410 Tartu, Estonia
+372 52 76678
biotech(at)city.ee
 www.biotech.ee

Gesundheitsforschung

In Estland wird Forschung im Gesundheitssektor besonders im Bereich von Public Health betrieben. Involvierte Ministerien sind das Ministry of Social Affairs (www.sm.ee/eng) sowie das Ministry of Education and Research .
 
Auch das National Institute of Health Development (www.tai.ee/?id=1389) sowie die Estonian Science Foundation (www.etf.ee/index.php) sind an der Forschung beteiligt und erhalten finanzielle Unterstützung von den Ministerien, die an die Forschungsinstitutionen weitergegeben werden.
 
Auch der Estonian Health Insurance Fund (www.haigekassa.ee/eng/ehif/) hat als Krankenversicherer der estonischen Bevölkerung Interesse an Forschungsergebnissen in diesem Sektor.

7. Finnland

Biowissenschaften

Die Biotechnologie-Branche in Finnland umfasst mehr als 120 Biotechnologie-Firmen. Finnland lag 2007 nach der absoluten Anzahl der Biotechnologie-Unternehmen an sechster Stelle in Europa (nach Großbritannien, Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Schweden). Die fünf Schwerpunkt-Regionen auf dem Biotechnologie-Gebiet sind Helsinki, gefolgt von Turku, Tampere, Kupio und Oulo. 

Lebenswissenschaften und Biotechnologie verkörpern ein Stärkefeld des Clusters Helsinki. Das Thema steht im Fokus der im Helsinki Business & Science Park ansässigen Unternehmen und Einrichtungen. In Zusammenarbeit mit den Forschungseinrichtungen der drei universitären Campi Viikki, Meilathi und Kumpula konzentrieren sich die Akteure auf die Bereiche Arzneimittelentwicklung, Ernährung, Umwelt und Werkstoffe. 

Die Entwicklung der Biotechnologie-Branche wurde maßgeblich durch den Erfolg Finnlands im Informations- und Kommunikationssektor angetrieben. Die finnische Regierung hoffte, mit intensiver Förderung die Biotechnolgie ähnlich stark und international wettbewerbsfähig zu machen. Dies gelang bisher nur eingeschränkt. Studien zur Biotech-Industrie nennen als Grund dafür unter anderem die im internationalen Vergleich geringe Größe der Pharmaindustrie (Quelle: www.biotechnologie.de). 

Von den derzeit laufenden Tekes-Forschungsprogrammen sind für die Biotechnologie relevant:

  • BioRefine 2007-2012
  • Pharma - Building Competitive Edge 2008-2011 und
  • SymBio – Industrial Biotechnology 2006–2011.

Auf der vom BMBF initiierten Internetplattform „biotechnologie.de“ findet sich eine ausführliche Darstellung zum Stand der biotechnologischen Forschung in Finnland. 

Informationen zu Biotechnologie-Unternehmen in Finnland liefert die Seite www.biotechnology-europe.com/Finland.htm

Gesundheitsforschung

Einer der Research Councils (Research Council for Health) der Akademie von Finnland ist für den Gesundheitsbereich zuständig. Er entscheidet über die diesbezügliche Akademieförderung. Als Forschungsfelder nennt der Council u.a. Biomedizin, Pharmazie, Pflege, Ernährung und Umweltmedizin. Die Akademie hat ein spezifisches Forschungsprogramm zu Gesundheit und Ernährung aufgelegt: Nutrition, Food and Health, ELVIRA (2006–2010). 15 multidisziplinäre Projekte sind in dieses Programm eingebunden. Der Förderanteil der Akademie an ELVIRA beträgt sieben Mio. EUR.

Im Bereich der Biomedizin investierte die Akademie von Finnland 1,85 Mio. EUR in die Entwicklung europäischer biomedizinsicher Forschungsinfrastrukturen (BMS ESFRIs). Sie sollen den finnischen Beitrag und die Teilhabe in diesen Forschungsbereichen sichern.

Den Stand der klinischen Forschung in Finnland und Schweden stellte 2009 ein gemeinsamer Bericht der Akademie von Finnland und des schwedischen Wissenschaftsrates dar.

8. Frankreich

Pflanzen und Landwirtschaft

Die Leibniz-Gemeinschaft (WGL) und das „Institut National de Recherche Agronomique“ (INRA) haben am 29. Februar 2008 im Rahmen des 3. Forums zur deutsch-französischen Forschungskooperation ein strategisches Abkommen unterzeichnet. Die Hauptzielsetzungen dieser gemeinsamen Initiative im Bereich Nahrungsmittel, Umwelt, Landwirtschaft und Bodenbewirtschaftung (im vorliegenden Dokument als „Agronomie“ zusammengefasst) zwischen den beiden Forschungsorganisationen sind: 

  • Entschlüsselung der Genome von Weizen und Gerste sowie
  • fünf spezifischere Themen aus dem Bereich der menschlichen Ernährung:
  1. Entwicklung von Geschmacks und Nahrungsmittelpräferenzen (insbesondere bei Kindern)
  2. Einwirkung des Verzehrprofils auf den Metabolismus der Zusammenhang zwischen Verbraucherverhalten und Gesundheit
  3. die metagenomische Analyse der Darmmikrobiotik und ihre Wechselwirkung mit ihrem Wirt.
  4. Ernährungstoxikologie
  5. Umwelt und Landwirtschaft 

Biowissenschaften

Biowissenschaften und Gesundheit

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Centre national de la recherche scientifique (CNRS)
  • Institut national de la santé et de la recherche médicale (INSERM)
  • Institut national de la recherche agronomique (INRA)
  • Centre de coopération internationale en recherche agronomique pour le développement (CIRAD)
  • Commissariat à l’énergie atomique et aux énergies alternatives (CEA)
  • Institut Pasteur 
  • Institut Curie
  • Consortium national de recherche en génomique (CNRG)

Die wichtigsten auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften und der Gesundheit tätigen Akteure (Inserm, CNRS, le CEA, l’Inra, l’Inria, l’IRD, la Conférence des Présidents d’université et l’Institut Pasteur ) haben am 8.4.2009 eine "Alliance natinale pour les sciences de la vie et de la santé" unter sich vereinbart. Die Alliance strukturiert ihre Arbeit in zehn "Instituts Thématiques Multi-Organismes" (ITMO):

  • Molekulare und strukturelle Grundlagen des Lebens
  • Zellbiologie – Entwicklung und Evolution und Weiterentwicklung
  • Genomik und Bioinformatik
  • Neurowissenschaften, Kognitive Wissenschaften, Neurologie und Psychiatrie
  • Mikrobiologie und Infektionskrankheiten
  • Krebs
  • Immunologie, Hämatologie, Pneumologie
  • Volksgesundheit
  • Medizintechnik
  • Als neuer Schwerpunkt besonderer Förderung durch die französische Exzellenzinitiative wurde der Bereich “Kohortenforschung“ aufgenommen

Angesichts der hochkomplexen Entwicklungen durch die Möglichkeiten der Entschlüsselung des Genoms und  Einflüsse der globalen Veränderungen auf die lebenden Arten ist der Schwerpunkt der Arbeiten in diesem Bereich  eine integrale Systembiologie, die ein einheitliches Verständnis des Lebens erlaubt. Dies erfordert ein funktionales Vorgehen mit der Untersuchung der Integrationsmechanismen über alle Stufen des Lebens, vom Molekül bis zum komplexen Ökosystem. Die wissenschaftlichen Untersuchungen sind auch im Lichte ihres Beitrags zur Biotechnologie, zur Biomedizin und - unter Vernetzung mit der klinischen Forschung und den Klinikbetrieben - zur Gesundheit zu sehen.
Das Vorgehen ist jeweils pluridisziplinär angelegt und hat die medizinische und industrielle Verwertung im Blick.
Insbesondere beim CEA  kommen in diesem Kontext auch nukleare Technologien (isotopische Marker, bildgebende Verfahren etc.) zum Einsatz. Dabei handelt es sich um die Programme „Nukleartechnologien für Gesundheit und Biotechnologien“ sowie „nukleare Strahlenbiologie/Toxikologie“. Darüber hat Frankreich an internationalen Aktivitäten wie dem Europäischen Molekularbiologischen Labor u.a. teil.

Die in der „Alliance nationale pour les sciences de la vie et de la santé“ Allianz zusammengeschlossenen Einrichtungen suchen die Zusammenarbeit mit der Industrie, insbesondere dem Pharma-Riesen Sanofi-Aventis.

Im Bereich der Bioökonomie organisieren sich Forschung und Industrie in Frankreich im Rahmen von „Pôles de compétitivité“. Nach Themen untergliedert sind dies:

1. „UPC2V (Union des pôles de la chimie verte du végétal)“, in der sich fünf einzelne Pôles zusammengeschlossen haben:

Industries & Agro Ressources:

  •  zentrale Themen: Bioressourcen, Materialien, Energie
  • aktive Mitglieder: 78 Unternehmen, darunter 25 KMU, zwölf Forschungslabors, sieben Ausbildungsstätten sowie 39 andere Partner

Axelera

  • zentrale Themen: Fabrik der Zukunft im Bereich ökologischer Verfahren,  Recycling und Rezyklierbarkeit von Materialien, Pflanzenbasierte Chemie,  Chemie im Dienst großer Gesellschaftlicher Fragestellungen (Gebäude, Transport und CO2-freier Energie)
  • Aktive Mitglieder 137 Unternehmen, darunter 78 KMU, 53 Forschungsstätten, neun Ausbildungsstätten sowie acht andere Partner

Agrimip Innovation 

  • zentrales Thema: Landwirtschaft
  • aktive Mitglieder: 244, darunter 44 KMU, zwei Großforschungszentren, zwölf Ausbildungsstätten sowie 13 andere Partner

Fibres

  • zentrale Themen: Bioressourcen und Materialien
  • aktive Mitglieder: 134 Unternehmen, darunter 56 KMU, 34 Forschungsstätten, 22 Ausbildungsstätten sowie 18 andere Partner

Xylofutur

  •  zentrale Bereiche: Bioressourcen, Materialien mit  den Fragestellungen ’Versorgung der Holzindustrie’, ’ Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen’ und ’Zukünftige Entwicklung der Märkte’
  • aktive Mitglieder: 79 Unternehmen, darunter 64 KMU, 19 Forschungsstätten, 17 Ausbildungsstätten und 31 andere Partner.

2. Verbund der Pôles de Compétivité zur Nutzung von Algen

Trimatec

  •  zentrale Bereiche: Energie, Ingenieurwesen, Dienstleistungen mit den Fragestellungen: Produktion und Verwertung von Algen-Biomasse, Trenn- und Membranverfahren
  • aktive Mitglieder: 105 Unternehmen, darunter 78 KMU, zwölf Forschungsstätten, sieben Ausbildungsstätten sowie 23 weitere Partner

Mer Bretagne

  • zentrale Bereiche: Energie, IuK-Technologien, Transport mit den Fragestellungen: Meeressicherheit,  Seefahrt, energetische Meeresressourcen, biologische Meeresressourcen
  • aktive Mitglieder:  220 Unternehmen, darunter 167 KMU, 54 Forschungs- und Ausbildungsstätten sowie 43 weitere Partner.

Mer PACA

  •  zentrale Bereiche: Energie, IuK-Technologien, Transport mit den Fragestellungen: Meeressicherheit,  Seefahrt, energetische Meeresressourcen, biologische Meeresressourcen
  • aktive Mitglieder: 156 Unternehmen, darunter 104 KMU sowie 81  Forschungs- und Ausbildungsstätten 

3. „France Green Plastics“ umfasst drei Pôles de Compétivité zur Nutzung von pflanzlichen Rohstoffen für die Kunststoffindustrie, die ihrerseits in europäische (RP7-) Projekte eingebunden sind

  • Céréales Vallée (verbunden u. a. mit dem deutschen  Unternehmen BASF)
  • Industries & Agro-Ressources (IAR)  
  • Plastipolis (verbunden u.a. mit dem deutschen Kompetenznetz CFK Valley (Stade)

Gesundheitsforschung

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Centre nationale de la recherche scientifique (CNRS)
  • Institut national de la santé et de la recherche médicale (INSERM)
  • Institut Pasteur
  • Institut Curie
  • Agence nationale pour la recherche sur le sida 

Der „Plan Cancer 2009-2013“, der „Plan Alzheimer 2008 -2012“ und der „Plan national santé – environnement 2009 – 2013“ (PNSE 2) sowie die Aids-Forschung  sind hinsichtlich ihrer Forschungskomponenten Schwerpunkte der französischen Gesundheitsforschung. 
Es bestehen Querbezüge zu dem Programmschwerpunkt  "Biologie - Santé" (Abschnitt 2  der "ANR-Programmation 2009“  und dem Programmschwerpunkt  "Ecosystèmes et Développement Durable /EDD der ANR. Auf den Abschnitt  „Biowissenschaften  und Gesundheit“ der vorliegenden Darstellung wird wegen etwaiger Überschneidungen hingewiesen.

Krebsforschung

Die Leistungsträger von FuE in diesem Bereich sind insbesondere:

  • Centre national de la recherche scientifique (CNRS)
  • Institut national de la santé et de la recherche médicale (INSERM) 
  • Commissariat à l’énergie atomique et aux énergies alternatives (CEA)
  • Institut national du cancer (Inca)
  • sieben über das französische Staatsgebiet verteilte « cancéropoles » ; sie spielen in ihrer Zusammenarbeit mit den Universitätskliniken eine hervorgehobene Rolle.

Von den 13 MIRES-Programmen bestehen die engsten Bezüge zu dem Programm 187 "Recherches scientifiques et technologiques pluridisciplinaires" ("Livre Bleu MIRES 2013"). Die einschlägige  Aktion No 5“ „Recherches scientifiques et technologiques en sciences de la vie et de santé“ nimmt den ersten Platz  in diesem Programm ein. Auch insoweit wird wegen etwaiger Überschneidungen  auf den Abschnitt „Biowissenschaften und Gesundheit“ (s.o.) hingewiesen.

9. Großbritannien

Biowissenschaften

Für die Förderung der Biotechnologie und Biowissenschaften standen 2011/12  insgesamt 470 Mio. ₤ zur Verfügung. Hiervon wurden 284 Mio. ₤ für Forschungsstipendien, 124 Mio. ₤ in Form von Unterstützungen für die Wissenschaftsinfrastruktur und weitere 64 Mio. ₤ für Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen verwendet.

Gesundheitsforschung

Für Forschung und Nachwuchs in der Gesundheitsforschung standen 2011/12 insg. 759,4 Mio. £ bereit. Von diesen Geldern wurden 309,9 Mio. £  für Stipendien an Universitäten, medizinischen Fakultäten und Forschungseinrichtungen und 86,0 Mio £ für Stipendien an Einrichtungen des Research Councils ausgegeben. Weitere 309,9 Mio. £  sind für Forschungsprogramme innerhalb von Institutionen des Research Councils und 18,3 Mio. £ im Rahmen von internationalen Kooperationen aufgewendet worden.
Mit einem Jahresumsatz von über 50 Mrd. £ ist Großbritanniens Lebenswissenschaftensektor der größte Europas -rund 165.000 Menschen arbeiten in Englands Life Science Industrie (Stand 2012).

(Quelle: www.number10.gov.uk/news/global-health-policy/)

10. Indien

Bio- und Agrarwissenschaften

Biologische Forschung und Technologie stehen seit mehreren Jahren auf der Prioritätenliste. Das jährliche Budget der Zentralregierung verzeichnet für diesen Bereich durchgehend erhebliche Steigerungsraten.

Die Schwerpunkte liegen in den Bereichen:

  • Pflanzenbiologie,
  • Serobiologie,
  • medizinische Biotechnologie,
  • Schutz und Nutzung seltener Pflanzen,
  • Aufbau eines Bioinformations-Programms sowie 
  • Bioinformatik.

Wie schon im 10. Indischen Fünfjahresplan (2002-2007) werden auch im 11. Indischen Fünfjahresplan (2007-2012) der Biotechnologieforschung, insbesondere der "roten" (medizinische Biotechnologie) und "grünen" Biotechnologieforschung (z.B. transgene Baumwollpflanzen, Bioenergieerzeugung) hohe Priorität eingeräumt.

Die Fokussierung auf "grüne" Biotechnologie ist aufgrund der hohen Bedeutung des Agrarsektors in Indien nachvollziehbar. Etwa 72 % der Bevölkerung Indiens leben im ländlichen Raum mit einem Pro-Kopf-Einkommen von weniger als 1,10 € pro Tag und produzieren einen Beitrag von (nur) 20 % zum BIP Indiens. Neben der Agrarforschung soll die Biotechnologieforschung langfristig auch einen Beitrag zur integrierten ländlichen Entwicklung leisten.

Indien ist sehr stark in der pharmazeutischen Forschung und Produktion. Die Entwicklung neuer Medikamente erfolgt heute überwiegend unter Einsatz moderner biotechnologischer Methoden. Im Bereich "Microorganism and genetic engineering" registrierte das Europäische Patentamt (2003) 40 Patente (0,8 % von insgesamt 4857 Patenten weltweit) aus Indien, während es acht Jahre zuvor erst zwei Patente waren (EC, 2007). Die Zahl der in Indien registrierten biotechnologischen Patentanmeldungen stieg von 170 (1995) auf fast 400 im Jahr 2002, wovon 30 % der Patentanmeldungen auf Proteine und Enzyme und 10 % der Patentanmeldungen auf Bakterien entfielen (EC, 2007).

Im Finanzjahr 2007/08 (1.4. bis 31.3) setzten die schätzungsweise 325 Unternehmen aus dem Bereich Biotechnologie rund 2,5 Mrd. US$ um, wobei die Umsätze in den Jahren 2006/07 und 2007/08 zweistellig um 31% beziehungsweise 20% stiegen. Obwohl das Wachstum zuletzt zurückging, wird erwartet, dass der Sektor wieder Fahrt aufnimmt, sobald er die notwendigen Anpassungen durchlaufen und die krisenbedingte Abschwächung überstanden hat.

Bis 2015 soll sich der Branchenumsatz Schätzungen des Fachverbandes Association of Biotechnology Led Enterprises (ABLE) zufolge auf 370 Mrd. indische Rupien (INR; rund 7,2 Mrd. US$) in etwa verdreifachen. Das Land zählt deshalb zu den weltweit wichtigsten Zukunftsmärkten.

Gemessen am Umsatz stellt Indien nach Japan und Korea den drittgrößten Markt für biotechnologische Produkte und Dienstleistungen im Asiatisch-Pazifischen Raum dar.
 
Biotechnologische Forschung wird von vielen verschiedenen öffentlichen Einrichtungen gefördert. Die wichtigsten sind: Department of Science and Technology (DST), Department of Biotechnology (DBT), Council of Scientific and Industrial Research (CSIR), Indian Council of Medical Research (ICMR), Indian Council of Agricultural Research (ICAR), University Grants Commission (UGC), Department of Scientific and Industrial Research (DSIR). DST, DBT und DSIR gehören zum Ministry of Science and Technology. DSIR fördert CSIR und beide fördern (eigenständig) biotechnologische Forschung. ICMR untersteht dem Ministry of Health während ICAR zum Ministry of Agriculture gehört und UGC dem Ministry of Human Resource Development untersteht. In Fragen der Biologischen Sicherheit sind DBT und das Ministry of Environment and Forestry involviert.
Die Indische Regierung möchte mit Hilfe von Biotechnologieparks Kooperation bei Forschung und Entwicklung fördern. Große Biotechnologieparks befinden sich in Bangalore (Bangalore Helix) und anderen Standorten im Bundesstaat Karnataka und Hyderabad (Shapoorji Pallonji Biotech Park). Weitere Biotechparks sind geplant. Weitere Informationen zu Biotechparks bei der Association of Biotechnology Led Enterprises (ABLE), Bangalore  www.ableindia.org

Eine Kooperationsvereinbarung zwischen den deutschen Biotechnologieclustern BioM, Heidelberg Technology Park und Berlin BioTOP und dem Department of Industries and Commerce of Andra Pradesh wurde anlässlich der Reise zur BioAsia2008 in Hyderabad unterzeichnet.

Eine erste gemeinsame Fördermaßnahme für deutsch-indische Forschungsprojekte im Rahmen des „IGSTC“ (Indo-German Science and Technology Centre) wurde Mitte Februar 2009 u.a. zum Thema Biotechnologie bekannt gegeben. Die Finanzmittel stellen das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das indische Department of Science and Technology (DST) des Ministry of Science and Technology (MST) bereit.

Gesundheitsforschung

Die indische Gesundheitsforschung hat eine vergleichsweise hohe, z.T. internationalen Standards entsprechende Qualität. Die Schwerpunkte liegen derzeit bei Untersuchungen zu Infektionskrankheiten: Tuberkulose, Lepra, Malaria, Cholera, Typhus. Im Zusammenhang mit der 1998 eingeleiteten Politik zur AIDS-Bekämpfung steht das sogenannte National AIDS Control Programme.

Indien zählt heute in der pharmazeutischen Industrie (insbesondere bei Generika) zu den bedeutendsten Herstellern weltweit. Firmen wie z.B. Ranbaxy unterhalten eigene große Forschungsabteilungen mit international besetzten Forscherteams. Deutsche Pharmaunternehmen kooperieren mit Indien und jüngst wurde sogar ein deutsches Pharmaunternehmen von einem indischen Unternehmen übernommen. Seit der Änderung des Patentrechts in Indien (Indian Patents Third Amendment Bill, März 2005) mit einem deutlich verbesserten Schutz des geistigen Eigentums sind die Forschungsaktivitäten in Indien und die Attraktivität Indiens für internationale Zusammenarbeit deutlich gestiegen (Kleemann, 2007 s.u.).

Wie bereits im 10. Indischen Fünfjahresplan (2002-2007) wird auch im 11. Indischen Fünfjahresplan (2007-2012) der "roten" Biotechnologieforschung (medizinische Biotechnologie) hohe Priorität eingeräumt. Indien ist sehr stark in der Pharmazeutischen Forschung und Produktion. Die Entwicklung neuer Medikamente erfolgt heute überwiegend unter Einsatz moderner biotechnologischer Methoden. Im Bereich "Microorganism and genetic engineering" registrierte das Europäische Patentamt (2003) 40 Patente (0,8 % von insgesamt 4857 Patenten weltweit) aus Indien, während es acht Jahre zuvor erst zwei Patente waren (EC, 2007).

11. Israel

Bio- und Agrarwissenschaften

Lebenswissenschaftliche Forschung spielt in Israel eine besonders große Rolle, das bezieht sich sowohl auf die Biowissenschaften als auch auf Gesundheitsforschung (s. unten).
Die Zahl israelischer Publikationen in diesem Bereich liegt über dem weltweiten Durchschnitt.

Die besondere Bedeutung der Biowissenschaften spiegelt sich vor allem in nationalen Initiativen wieder.
Im Rahmen des israelischen I-Core-Programms wurden in den Jahren 2011 und 2013 vier Exzellenzzentren gegründet:

  • Chromatin and RNA Gene Regulation, Koordination: Hebräische Universität Jerusalem, weitere Beteiligung: Bar Ilan Universität, Weizmann Institut
  • Structural Biology of the Cell - Biophysics and medical technology, Koordination: Weizmann Institut, weitere Beteiligung: Technion, Tel Aviv Universität
  • Plant Adaptation to Changing Environment, Koordination: Tel Aviv Universität, weitere Beteiligung: Ben Gurion Universität, Hebräische Universität Jerusalem, Weizmann Institut
  • Physical Approaches to Quantifying Dynamic Processes in Living Systems, Koordination: Technion, weitere Beteiligung Weizmann Institut, Bar Ilan Universität

Das National Institute for Biotechnology in the Negev (NIBN), gegründet an der Ben Gurion Universität in 2005, hat vor allem das Ziel, den Negev als strukturschwaches Gebiet zu stärken, indem dort gezielt hochrangige wissenschaftliche Zentren gebildet werden. Das Zentrum legt den Fokus auf strukturelle Biotechnologie, Computational Biotechnology, Humangenetik, Nanomedizin sowie Functinal and Immune System Biotechnology.
ESFRI (europäisches Strategieforum für Infrastrukturen) wählte das Israel Structural Proteomics Center am Weizmann Institut als eines von sieben Zentren für Struturbiologie aus.

Das Office of the Chief Scientist des MOITAL fördert Lebenswissenschaften in besonderem Maße durch Instrumente wie den Life Science Fund, NOFAR Biotechnology, NOFAR Medical Devices, National Bio-Bank und das TZATAM-Programm

Weitere Informationen zum Thema Biotechnologie in Israel s. http://www.biotechnologie.de/BIO/Navigation/DE/Hintergrund/laender-im-fokus,did=71480.html?listBlId=74632&sortSelect=AscendingTitle&searchActionPage2=searchActionPage2

 

Im Bereich Landwirtschaft ist das Engagement der Hebräischen Universität hervorzuheben. Die Ben Gurion Universität hat einen Forschungsschwerpunkt zu Landwirtschaft in trockenen Regionen. Weitere Zentren mit dem Fokus auf Agrarforschung sind das Center for International Agricultural Development Cooperation (CINADCO), finanziert durch das Ministry of Agriculture and Rural Development und das Volcani Institute of Agricultural Research in Beit Dagan.

Gesundheitsforschung

Israel gehört in der Gesundheitsforschung zu den weltweit führenden Nationen mit einer hervorragenden Infrastruktur. Alle israelischen Universitäten verfügen über eine Medizinische Fakultät bzw. eine Fakultät der Gesundheitswissenschaften:

 

Erst im Jahr 2011 wurde eine Medizinische Fakultät an der Bar Ilan Universität gegründet. Sie legt ihren Schwerpunkt auf die Ärzteausbildung und arbeitet dazu mit verschiedenen Krankenhäusern im Norden Israels zusammen.

Die Medizinische Fakultät der Hebräische Universität Jerusalem und das Hadassah University Medical Center besitzen in der medizinischen Forschung Weltrang. Neben der an den einzelnen Instituten betriebenen medizinischen Forschung existieren mehrere disziplin- und institutsübergreifende Forschungzentren in den Bereichen, Hirnforschung, Krebsforschung, Biotechnologie und AIDS. Das der Universität angeschlossene Interdisciplinary Center for Neural Computation (Disziplinenübergreifendes Zentrum für neuronale Berechnung) wurde 2005 von der Europäischen Kommission zum Exzellenzzentrum gekürt. 2009 wurde das Edmond and Lily Safra Center for Brain Sciences eröffnet.

Die Faculty of Health Science an der Ben Gurion Universität spielt eine große Rolle hinsichtlich der lokalen medizinischen Versorgung der Bewohner der Negev-Wüste. Die Fakultät besitzt als einzige unter den israelischen medizinischen Fakultäten Abteilungen zur Soziologie der Gesundheit, Gesundheitsmanagement, Epidemiologie und Evaluierung von Gesundheitsdienstleistungen, Health Quality Maintenance sowie Gesundsheitsförderung und Krankheitsprävention. Besondere Forschungsschwerpunkte liegen darüber hinaus in den Bereichen: Neurowissenschaften, Neuroanatomie, Neurophysiologie und Krebsforschung (Immunologie und Mikrobiologie). Die Zusammenarbeit mit anderen Ländern der Region und weltweit ist traditionell stark ausgeprägt.

Die erst 1996 gegründete Faculty of Social Welfare and Health Studies an der Universität Haifa hat ihren Schwerpunkt im Bereich Public Health. Zu ihren Einrichtungen zählen folgende Abteilungen: Sozialarbeit, Public Health, Human Services, Ergotherapie, Krankenpflege, Physikalische Therapie und Gerontologie. Gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät des Technions, der Bruce Rappaport Faculty of Medicine, hat sie besondere Bedeutung für die medizinische Versorgung der israelischen Bevölkerung im Norden Israels.

Das Rappaport Family Institute for Research in the Medical Sciences am Technion gehört zu den wenigen medizinischen Fakultäten weltweit, die nicht zu einer Universität sondern zu einem Technologie-Institut gehören. Diese Besonderheit kommt insbesondere in der fundierten naturwissenschaftlichen Ausbildung der zukünftigen Mediziner zum Tragen. Eine enge Zusammenarbeit gibt es auch zwischen der Medizinischen Fakultät und den ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten des Technions. Das Institut hat vier Exzellenzzentren:

  • the Cardiovascular Research Center,
  • the Cancer and Vascular Research Center
  • the Stem Cell and Regenerative Medicine Research Center,
  • the Genetics and Pharmaco Genomics Research Center.

Die Sackler Faculty of Medicine an der Tel Aviv Universität, zu der die Sackler School of Medicine, die Goldschleger School of Dental Medicine und die School of Health Professions gehören, ist die größte medizinische Fakultät in Israel. Eine Besonderheit ist ihre School of Continuing Medical Education: hier sind über 2.400 praktizierende Ärzte zur medizinischen Fortbildung eingeschrieben. Die präklinischen und klinischen Abteilungen betreiben in enger Zusammenarbeit mit der Faculty of Life Sciences der Tel Aviv Universität Forschung in allen modernen biomedizinischen Bereichen. Die 2012 gegründete Sagol School of Neuroscience beinhaltet ein Studienprogramm in Neurowissenschaften und legt ihren Schwerpunkt auf Bildgebung und molekularer und zellularer Neurowissenschaft sowie neurodegenerative Erkrankungen.

 

Im I-Core Programm werden drei Exzellenzzentren im Bereich Gesundheitsforschung gefördert:

  • Gene Regulation in Complex Human Disease, Koordination: Hebräische Universität Jerusalem, weitere Partner: Tel Aviv Universität, Hadassah, Bar Ilan Universität, Chaim Sheba Medical Center
  • Cognitive Sciences Koordination: Weizmann Institut, weitere Partner: Tel Aviv Universität, Bar Ilan Universität
  • Mass Trauma Research, Koordination: Tel Aviv Universität, weitere Partner: Hebräische Universität Jerusalem.

12. Italien

Bio- und Agrarwissenschaften

Ungefähr ein Sechstel der vom Forum für biomedizinische Forschung (Forum della ricerca biomedica) untersuchten Einrichtungen hat in den Jahren 1980 bis 1984 mit Forschungen im Bereich Biotechnologie begonnen. Zwischen 1985 und 1989 waren es 24,4%, zwischen 1990 und 1994 28,6% und zwischen 1995 und 2000 über 31,5%. Dabei ist der Prozentsatz an staatlichen Laboren, die sich an der Biotechnologieforschung beteiligt haben, stetig gestiegen. 57,1% der untersuchten öffentlichen Labore unterstehen einer Dachorganisation in Form einer Universität, 16,3% einer Universitätsklinik und 8,2% einem Krankenhaus oder der staatlichen Forschung. Ein staatliches Labor hat im Durchschnitt 343.000 € zur Verfügung und wird zu 50% aus öffentlichen Finanzierungen und zu über 16% aus der Wirtschaft finanziert. Von der Aufteilung der verfügbaren Mittel fallen 67,5% der Forschungsarbeiten in den Bereich der Grundlagenforschung, 25,6% sind der angewandten und 6,9% der Entwicklungsforschung zuzuordnen. Die Schaffung von internationalen Netzwerken führt zu einem Beziehungssystem, das durchschnittlich 2,9 öffentliche internationale Labore und ungefähr ein ausländisches Unternehmen umfasst. Die untersuchten Netzwerke existieren im Schnitt drei Jahre und bei 76,9% der Fälle ist das staatliche Labor der Förderer des Netzes. Dennoch ist das Labor nur in 61,5% der Fälle Bezugspunkt. 

Europäischer Forschungsmotor Lombardei

In der Lombardei befinden sich die meisten biowissenschaftlichen Forschungseinrichtungen, gefolgt von der Emiglia-Romagna und Friaul-Julisch-Venetien. Die Lombardei hat sich mit Regionen aus Deutschland, Frankreich und Spanien zusammen getan: Vier Regionen, deren Forschungsmotoren für Europa kooperieren sollen. Die Partnerschaften wurden mit der Unterstützung von Biopolo, einem gemeinnützigen Konsortium, das 1995 an der Universität Mailand-Bicocca gegründet wurde, initiiert. "Ein klares Engagement, die Biotechnologie in Italien zu fördern, wobei die wissenschaftliche Forschung aufgewertet und der Transfer von neuen Technologien gefördert werden soll", sagt der Generaldirektor des Konsortiums Luigi Ricciardi, Nuklearingenieur, der in den 90er Jahren Machbarkeitsstudien für Start-ups, die in der Lombardei entstanden sind, durchgeführt hat. 

Internationale Biopartnerschaften

1998 trafen sich Vertreter von vier europäischen Regionen, um eine erste gegenseitige Vereinbarung zur Zusammenarbeit ihrer Forschungsmotoren zu treffen. Es handelt sich neben der Lombardei um Baden Württemberg, das mit seinen neun Universitäten, 14 Fachinstituten der Max-Planck-Gesellschaft und 320 meist kleinen und mittelständischen Biotech-Unternehmen ein Wachstum von 30% in den letzten fünf Jahren zu verzeichnen hat; außerdem Katalonien, das 25% der spanischen Industrieproduktion und 70% der pharmazeutischen Produktion inne hat und ungefähr 100 Forschungsgruppen innerhalb der neun Universitäten aufweisen kann, die sich seit kurzem vor allem auf besondere Anwendungen im Bereich Biomedizin und Agrar- und Nahrungsmittel konzentrieren; des Weiteren die französische Region Rhône-Alpes mit einem Ausbildungs- und Unterstützungspool, neun Universitäten, ca. 20.000 Forscher/innen und 230 lokalen Firmen, die 20% der nationalen biomedizinischen Industrie abdecken. 

Erfolgreiche Start-ups

Beispiele für erfolgreiche italienische Start-ups sind unter anderem: 

  • Bioxell, das aus einem Spin-off von La Roche entstanden ist und sich auf die Forschung im Bereich des Immunsystems konzentriert (Infektionskrankheiten und Allergien), (2010 von Cosmo Pharmaceuticals S.p.A übernommen),
  • NiKem Research, ein Unternehmen, das im August 2001 durch einen Management-buy-out von Forschern des Centro di Baranzate der Glaxo-SmithKline gegründet wurde und im Bereich Arzneimittelchemie tätig ist,
  • sowie Axxam, ebenfalls 2001 gegründet, die im Bereich der Genforschung vom Genom bis zur Bioinformatik tätig sind.

13. Japan

Bio- und Agrarwissenschaften

Konkret werden die Ziele im Sektor Lebenswissenschaften im White Paper on Science and Technology 2010 benannt. So lagen und liegen die Schwerpunkte der Grundlagenforschungsförderung im wesentlichen in den Bereichen Genomforschung,  Proteinanalyse, Hirnforschung und Allergologie.  Projekte, die zur Bewältigung der gesellschaftlichen Herausforderungen im Bereich Life Innovation beitragen sollen, sind

  1. Klinische und transalationale Forschung
    • schnellere Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Anwedung
    • genetische Polymophie
    • Zelldifferenzierung
    • molekulare Biodgebung
    • Effizienzsteigerung bei der Idenifizierung von Wirkstoffen
    • neue Medizintechnologien (in KOoperation mit dem privaten Sektor)
  2. spezielle Therapien (z.B. Krebsbehandlung) und innovativer Medizintechnologien
  3. Infektionskrankheiten
  4. Lebensmittel und Lebensmittelsicherheit
  5. Übergreifende Themen
    • Entwicklung von Bioressourcen
    • Bio-Informatik
    • Tierexperimente
    • Bioethik

Quelle: White Paper on Science & Technology 2010

Gesundheitsforschung

Der 4. Rahmenplan sieht eine stärkere Fokussierung auf das Feld "Life Innovation" vor. Themen hierunter sind u.a.

  • Entwicklung neuer revolutionärer Präventionsmethoden
  • Entwicklung neuer Frühdiagnose-Methoden
  • Realisierung einer sicheren und hocheffektiven medizinischen Behandlung
  • Verbesserung der Lebensqualität für Kranke, Alte und Behinderte

Unter der neuen Regierung wird bei den Wachstumstechnologien insbesondere die Medizin in den Fokus gerückt. So soll innerhalb der nächsten 10 Jahre die Regenerative Medizin unter Anwendung von iPS-Stammzellen (Nobelpreis für den Entdecker der Herstellung von iPS-Zellen, Prof. Shinya Yamanaka, 2012, Universität Kyoto) mit insgesamt 110 Mrd. Yen gefördert werden, was einer Verdopplung der bisherigen Förderung entspricht.)

Zu den wichtigsten Kompetenzzentren in Japans Genomforschung zählen das 1984 gegründete Riken Tsukuba Insitute of Physical and Chemical Research, das Human Genome Center (HGC) an der Tôkyô Universität und das National Institute for Genetics (NIG), Japans DNA Datenbank.
Der Fachausschuss für Bioethik des Council for Science and Technology Policy (CSTP) veröffentlichte im Juni 2000 den "Grundgedanken über die Humangenomforschung". Anfang August 2001 hat der Fachausschuss des CSTP Richtlinien über menschliche embryonale Stammzellen (ES-Zellen) erlassen, die unter engen Bedingungen die Forschung an menschlichen ES-Zellen ermöglichen sollen. Am 23. Juni 2004 stimmte der Fachausschuss des CSTP für die Zulassung therapeutischen Klonens. Demnach ist Japan nach Korea und den USA ein weiteres Land, welches das Klonen menschlicher Embryos zu medizinischen Zwecken erlaubt.

Im Bereich der Gehirnforschung hat das 1997 eingerichtete Riken Brain Science Center einen international hervorragenden Ruf. Zahlreiche weitere Forschungseinrichtungen (z.B. die nationalen Forschungsinstitute im Okazaki-Wissenschaftspark) und Programme (z.B. das internationale Human Frontier Science Program) sind für die interdisziplinäre biologische, biogenetische und medizinische Forschung von Bedeutung.

14. Jordanien

Gesundheitsforschung

Neben der Verfügbarkeit von Lebensmitteln und vor allem von sauberem Trinkwasser konzentrieren sich die Gesundheitsforschung und der Pharmasektor in den Bereichen Heilpflanzen und Heilwirkung der Produkte des Toten Meeres. Die relative gut aufgestellt private Pharmawirtschaft (ca. 20 pharmazeutische Unternehmen gibt es im Land) forscht hingegen wenig. Ein zentrales Wirtschaftskonzept ist hier die Herstellung von Generika.

15. Kanada

Bio- und Agrarwissenschaften

Bereits 1983 hat Kanada eine erste nationale Biotechnologie-Strategie aufgestellt. Eine revidierte Fassung wurde als Canadian Biotechnology Strategy im Jahr 1998 verabschiedet. Maßgeblich für die Entwicklung und Umsetzung dieser Strategie ist das Ministerium "Industry Canada". In der im Jahr 2007 veröffentlichten Wissenschaftsstrategie "Mobilizing Science and Technology to Canada´s Advantage“wird Biotechnologie aber nicht mehr als Priorität der kanadischen Regierung genannt.

Die Förderung von Forschungs- und Entwicklungsmaßnahmen liegt bei den  fachlich relevanten Förderorganisationen "Canadian Institutes of Health Research", "Genome Canada" und "Natural Sciences and Engineering Research Council". Außerdem führen mehrere Ministerien relevante Forschung durch, so z.B. die Ministerien "Agriculture and Agri-Food Canada", "Fisheries and Oceans Canada" und das "Department of National Defence".

Die kanadische Biotechnologie-Industrie, etwas 500 Firmen, konzentriert sich vor allem in den drei Städten Montréal, Toronto und Vancouver. Fachlich liegt hier der Schwerpunkt vor allem im Bereich menschliche Gesundheit (52%) sowie Landwirtschaft und Ernährung (30%).

In Montréal hat sich ein Biopharma-Cluster gebildet. Etwa 150 Firmen sind hier eng mit Forschungsinstituten, dem NRC Biotechnology Research Institute und den vier Universitäten Montréals, vergesellschaftet. Im Großraum Toronto ist ein Schwerpunkt in den Gebieten Genomforschung und Bioinformatik festzustellen. In Vancouver liegt der Fokus bei der Gesundheitsforschung.

Hervorzuheben ist außerdem, dass sich Saskatoon zum kanadischen Zentrum der landwirtschaftlichen Biotechnologie entwickelt hat. Dort arbeiten zwei bundesstaatliche Forschungsinstitute (Agriculture and Agri-Food Canada´s Research Centre und das Plant Biotechnology Institute des NRC) eng mit der University of Saskachewan zusammen.

Ein bedeutendes strategisches Regierungsprogramm ist in diesem Bereich ist "Genome Canada". Dieses Programm soll das in Kanda vorhandene Potential in der Genomforschung koordinieren und stärken. Daher wird "Genome Canada", eine nicht auf Gewinn ausgerichtete Gesellschaft, mit erheblichen Mitteln gefördert. Bei den geförderten Projekten handelt es sich teilweise um Gemeinschaftsprojekte mit Institutionen anderer Länder, u.a. auch Deutschland. Hier ist die Pflanzenzüchtung Kooperiationsschwerpunkt, und Genome Prairie ist der wichtigste Partner. Ein Verbundprojekt zur Rapszüchtung, für das von Seiten des BMBF ca. 1,3 Mio € aufgewendet wurde, ist 2009 beendet worden. Ein Verbundprojekt zur Weizenzüchtung, das mit ca. 1,7 Mio. € vom BMBF gefördert wurde, endete Ende März 2010. Die Kooperation wird mit neuen Projekten fortgesetzt.

Gesundheitsforschung

Die von der kanadischen Regierung im Mai 2007 vorgestellte neue Strategie "Mobilizing Science and Technology to Canada´s Advantage" nennt das Thema Gesundheit und gesundheitsrelevante Lebenswissenschaften und Technologien als einen der vier wichtigsten Schwerpunkte.

Das Gesundheitsministerium "Health Canada" ist nicht nur für die Gesundheitspolitik zuständig sondern verfügt auch über eigene Forschungseinrichtungen, in denen insgesamt 4.000 Mitarbeiter/innen, 160 davon Wissenschaftler/innen, an 15 Orten in Kanada arbeiten. Die Health Canada zugeordneten Institute verfügen auch über zwei Stipendienprogramme, das "Visiting Fellowships Program" und das "Postdoctoral Fellowship Program".

Der größte Teil der medizinischen Forschung wird aber an den Universitäten und Universitätskliniken durchgeführt. Die bundesstaatliche Förderorganisation für die Gesundheitsforschung sind die "Canadian Institutes of Health Research" (CIHR). Thematisch werden Projekte gefördert, die neue medizinische Erkenntnisse liefern, die die neuen Erkenntnisse zur Umsetzung führen und die das Gesundheitssystem oder einzelne Gesundheitsprodukte verbessern.

Zusätzlich werden 13 virtuelle Institute gefördert, bei denen es sich um Netzwerke handelt, deren Mitglieder über ganz Kanada verstreut sind. In jedem dieser thematischen Netzwerke wird darauf Wert gelegt, dass die gesamte Bandbreite von der grundlegenden biomedizinischen und klinischen Forschung über die für das Gesundheitssystem relevanten Aspekte, bis hin zu den sozialen und kulturellen Aspekten abgedeckt sind.
Folgende virtuelle Institute wurden bislang eingerichtet:

Auch durch das kanadische Programm „Network of Centers of Excellence werden Netzwerke im Gesundheitsbereich gefördert.

Der kanadische "National Research Council" führt substanzielle Forschung im medizinischen Bereich durch. Hervorzuheben ist hier das Cluster zu biomedizinischer Technologie in Winnipeg, das seit der Gründung des "Institute for Biodiagnostics" im Jahr 1992 beständig gewachsen ist. Mittlerweile arbeiten in diesem Institut etwa 200 Wissenschaftler und 150 Firmen und Organisationen, die im Medizinbereich tätig sind, haben sich in Winnipeg angesiedelt.

ERA-Netze mit BMBF/IB-Beteiligung

Das ERA-NET NEURON ("Network of European Funding for Neuroscience Research") wurde von der Europäischen Kommission (EC) im 6. Rahmenprogramm von 2007 bis 2011 gefördert (NEURON I). Während des 7. Rahmenprogrammes wurde die Förderperiode bis 2015 verlängert; die erneute Auflage des ERA-NETs wurde NEURON II genannt. Das ERA-NET NEURON I+II haben sich zum Ziel gesetzt, die europäischen Förderprogramme und Förderaktivitäten auf dem Gebiet der krankheitsorientierten, neurowissenschaftlichen Forschung zu koordinieren. Die Koordination liegt in Deutschland (PT-DLR im Auftrag des BMBF). Derzeit beteiligen sich 21 Förderorganisationen aus 16 Ländern am Netzwerk. Kanada ist im Juni 2009 mit den Förderorganisationen FRQS (Fonds de la Recherche en Santé du Québec) sowie CIHR (Canadian Institutes of Health Research) beigetreten.

16. Lettland

Bio- und Agrarwissenschaften

Die wichtigsten Bereiche der Biotechnologie in Lettland sind die BiomedizinErnährung und LebensmittelwissenschaftenPharmazieLandwirtschaft und Umwelt.

Die Biowissenschaften in Lettland konzentrieren sich hauptsächlich auf einige wenige Institute in Riga, können aber schon eine lange Tradition vorweisen. So war die Nukleinsäure-Arbeitsgruppe um Prof. Elmar Grens am Institut für Organische Synthese (Lettische Akademie der Wissenschaften) im Jahr 1965 das erste wissenschaftliche Team im Baltikum, das sich mit Molekularbiologie auseinandersetzte und auch heute noch zu den führenden biowissenschaftlichen Einrichtungen in Lettland gehört. 1978 wurden hier erstmals gentechnologische Methoden erforscht und so war das Labor auch eine der ersten Einrichtungen der früheren UDSSR, in der rekombinante Proteine hergestellt wurden. Auch heute noch werden hier eine Reihe von klinischen Studien durchgeführt.

Im Jahr 1988 wurde auch an der University of Latvia in Riga eine Abteilung Molekulare Biologie geschaffen, aus der im Jahr 1993 das Biomedical Research and Study Centre (BMC) als eigenständige Einrichtung hervorging. In den vergangenen Jahren vollzog sich dabei ein Wandel von der gentechnologischen Grundlagenforschung und der Herstellung rekombinanter Produkte für die Biotechnologie hin zur angewandten molekularen Medizin und ihrer Anwendung (Impfstoff- und Proteinforschung, DNA-Diagnostik). Eine Reihe von staatlichen biomedizinischen Programmen werden ebenfalls vom BMC aus koordiniert – so auch das Projekt einer Lettischen Genomdatenbank, die ähnlich wie in Estland einen großen Teil der Bevölkung erfassen will und deren Arbeit im Jahr 2003 startete (siehe auch unten). Angepeilt wurde eine Million Spender. Das BMC kooperiert zudem stark mit Biotech-Firmen aus dem Aus- oder Inland. Darüber hinaus gibt es am Institute of Microbiology and Biotechnology der Universität Riga wissenschaftliche Arbeitsgruppen, die sich mit Biomaterialien sowie Bioanalytik beschäftigen. Am Research Institute of Biotechnology and Veterinary Medicine (SIGRA) wiederum stehen Fragen der Tiernahrung und Tiermedizin im Vordergrund.

Von staatlicher Seite hat die Forschung zwar einerseits einen hohen Stellenwert. So wurde eigens für konzeptionelle und strategische Fragen ein Wissenschaftsrat (www.lzp.lv) eingerichtet, der die Regierung und insbesondere das Forschungsministerium berät. den größten Teil des Forschungsbudgets verwaltet und sogenannte LZP Grants verteilt. In einem nationalen Forschungsplan (1998-2010)(www.lzp.lv/concept.htm), der mit Hilfe europäischer Experten unter der Leitung der Dänischen Regierung entwickelt wurde, wurde den Lebenswissenschaften eine Schlüsselrolle in der lettischen Wissenschaft eingeräumt.

Am 12. Oktober 2006 wurde eine deutsch-lettische Kooperation im Bereich Lebensmittel und Veterinärwesen gestartet. Ziel des gemeinsamen EU-Twinning Projektes ist die Hilfestellung bei der Vervollständigung von EU-Rechtsvorschriften im Veterinärbereich. Zudem soll gemeinsam am Aufbau neuer Verwaltungsstrukturen und Kontrollmechanismen in Lettland gearbeitet werden. Partner im Rahmen dieses Projektes sind das lettische Landwirtschaftsministerium und das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Weitere Informationen: 

Lettisches Genomforschungsprogramm

Genomstudien der lettischen Bevölkerung, ihre Anwendung für Diagnosen und zum Vorbeugen von menschlicher Pathologie. Ziel dieses Programms ist es, möglichst ausführliche, genetische Informationen über die lettische Bevölkerung zu sammeln und diese Eckdaten mit klinischen Untersuchungen zu vergleichen.  Aufgrund der genetischen Charakteristiken des Individuums wird die Risikowahrscheinlichkeit ermittelt, mit der eine seltene Krankheit zustande kommen kann.

Der lettische Wissenschaftsrat hat eine Übersicht zu den aktuellen Programmen in den Biowissenschaften auf seiner Homepage zusammengestellt.

Kompetente Ansprechpartner für alle Fragen der biomedizinischen Forschung in Lettland findet man im Biomedizinischen Forschungszentrum der Universität von Lettland.

Biomedizinisches Forschungs- und Lehrzentrum 
Biomedical Research and Study Centre
University of Latvia
Ratsupites str. 1
LV-1067 Riga
Latvia
Tel: +371-7808200
Fax: +371-7442407
E-mail: bmc at biomed lu lv
bmc.biomed.lu.lv/gene/
 
Geographisch gesehen sammeln sich fast alle Aktivitäten im Biotech/Pharmassektor um die Hauptstadt Riga herum. Lettland will ähnlich wie Estland vor allem für ausländische Investoren attraktiv sein und kann seine Stärke (niedrige Lohnkosten, niedrige Infrastrukturkosten) ebenfalls vor allem bei Schweden oder Finnen ausspielen. Durch die starke Konzentration in und um Riga findet hier noch immer ein starker Austausch zwischen privaten Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen statt. Auf diese Weise konnten etliche Bildungsangebote an den Universitäten verstärkt nachfrageorientiert aufgebaut werden.

Gesundheitsforschung

Das aktuelle Schwerpunktthema in der Gesundheitsforschung ist die Weiterentwicklung klinischer Forschung, basierend auf angewandten Technologien. Weitere Informationen zum Bereich Gesundheitsforschung in Lettland können beim Lettischen Gesundheitsforschungszentrum erfragt werden.

Lettisches Gesundheitsforschungszentrum 

Health Promotion Centre
Health Promotion Research Department
Skolas str. 3
Riga LV 1010
LATVIA
Tel: +371 7686420
Fax: +371 7240447
Web address:  www.esi-vesels.lv
Email: iveta.pudule(at)esi-vesels.lv  
 
Weitere Informationen geben der Lettische Wissenschaftsrat sowie das lettische Forschungsministerium.

17. Litauen

Bio- und Agrarwissenschaften

Der Biotechnologiesektor ist einer der vielversprechendsten in Litauen. Er hat in Litauen, verglichen mit anderen mittel- und osteuropäischen Ländern, einen großen Vorsprung. Litauens Biotechnologieunternehmen konkurrieren auf dem internationalen Markt, auf dem sie einen guten Ruf und starke Position haben.
Die Biotechnologie ist ein strategisch wichtiger Sektor und in der Langzeitstrategie der litauischen Regierung fest verankert.

Weitere Informationen zu litauischen Programmen liefert das Institut of Biology (siehe Link).

Litauische Gesellschaft für biomedizinische Technik

Ziele der Gesellschaft

  • Unterstützung der Wissenschaft und Technologien auf dem Feld der biomedizinischen Technik
  • Koordination der Kollaboration von Spezialisten der Medizin und Techniken
  • Organisation von Veröffentlichungsaktivitäten innerhalb dieser Gebiete
  • Unterstützung von Experten in den Feldern der Wissenschaft und Studien, Organisation von Konferenzen und Kursen
  • Zusammenarbeit und Austausch von Informationen mit anderen professionellen Gesellschaften und Institutionen in Litauen und anderswo
  • Vorschläge für die legislativen Institutionen erarbeiten um die existierende Legislative zu verbessern oder neue Projekte zu präsentieren.

Institut für Biotechnologie

Die Wissenschaftler des Instituts führen Grundlagenforschungen und angewandte Forschungen durch. Sie arbeiten zusammen mit den anderen litauischen Forschungsinstitutionen (Fakultäten für Naturwissenschaften und für Chemie an der Universität Vilnius, Gediminas Technische Universität, Technologische Universität Kaunas, Universität für Landwirtschaft in Kaunas).

Im Institut werden Forschungen in folgenden Bereichen durchgeführt:

  • Chemische, biologische und technologische Erforschungen von Proteinen
  • Genforschungen in Hefen
  • Molekulare genetische Forschungen

Im Institut für Biotechnologie in Vilnius werden folgende Forschungsprojekte durchgeführt:

  • Projekte der industriellen Biotechnologie
  • Projekte zur Entwicklung von Hochtechnologien
  • Projekte, die durch nationalen Forschung und Bildungsfond finanziert werden
  • Auslandsprojekte

Das Institut arbeitet mit den großen bekannten litauischen  biotechnologischen Unternehmen „Fermentas“, „Sicor Biotech“, „Biocentras“, „Profarma“ sowie mit anderen ausländischen Unternehmen zusammen.

Institut für Biomedizin (Technologische Universität Kaunas)

Am Institut werden Forschungen und Technologieentwicklung für medizinische Diagnostik durchgeführt.
Mehr Informationen unter www.bmii.ktu.lt

Biomedizinwissenschaften an der Universität Vilnius

Zu den biomedizinischen Forschungen an der Universität gehören Bioinformatik, Verhaltensforschung, Grundlagenforschung und angewandte Forschung in der Biotechnologie, Anwendung neuer Technologien, Bioethik, Veränderung der Ökosysteme und viele andere wichtige Forschungen.
Mehr Informationen unter www.vu.lt

Gesundheitsforschung

Gesundheitsforschung deckt in Litauen ein weites Spektrum aus verschiedensten Bereichen und über verschiedenste Forschungsinstitutionen, die alle sehr heterogen in Bezug auf Standards und  Qualität sind, ab. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass:

  • Gesundheitsforschung in Litauen unter einer zu gering angesetzten Finanzierung leidet sowie auch unter einer nicht angepassten Koordinierung auf nationaler und institutioneller Ebene
  • das Land jedoch über substanzielle wissenschaftliche Kompetenz und Expertise verfügt, die politische Entscheidungen in Fragen der Entwicklung des Gesundheitssystems unterstützen kann und bei der Implementierung von natioanlen und lokalen Programmen hilfreich ist.
  • internationale Kooperation auf diesem Gebiet kontinuierlich als Hilfsmittel zum Austausch von Erfahrungen genutzt werden sollte, um den Fortschritt des Gesundheitssystmes auf internationale Standards zu gewährleisten.

Nähere Informationen erteilt das Litauische Gesundheitsministerium unter www.sam.lt

Medizinische Fakultät der Universität Vilnius

Zurzeit beschäftigen sich die Wissenschaftler der medizinischen Fakultät mit fünf Bereichen, die den Prioritäten der europäischen Forschungen entsprechen:

• Vielfalt des menschlichen Gens, seine Herkunft
• Gesundheit des Menschen und der Gesellschaft, Qualität des Lebens und des Umfeldes
• Gesundheit von Mutter und Kind: psychologische und soziale Aspekte
• Bioethik, Gesundheitspolitik, Anwendung der neuen Technologien
• Genesis der Krankheit, Diagnostik, Rehabilitation und Prävention

Weitere Informationen unter www.mf.vu.lt

Weiterhin existieren in Litauen verschiedene Institutionen, die mit ihren Webseiten Informationen zum litauischen Gesundheitssystem zur Verfügung stellen:

  • Lithuanian folk medicine knowledge
  • Lithuanian Heart Association
  • Lithuanian Library of Medicine
  • Lithuanian Pediatric Respiratory Society
  • Lithuanian Psychological Association
  • Lithuanian Society of Psychoanalysis
  • Ministry of Health
  • Red Cross in Lithuania
  • Society of Laboratory Medicine
  • State Medicines Control Agency
  • Utena Medical College

18. Mexiko

Bio- und Agrarwissenschaften

Biowissenschaftliche Forschung findet in Mexiko in allen relevanten Bereichen, z.B. Landwirtschaft, Gesundheit und Umwelt auf internationalem Niveau statt. Es existieren über 40 Einrichtungen, Institute und Hochschulen, die Forschung auf dem Gebiet der Biotechnologie betreiben. Die am stärksten ausgeprägten Forschungseinrichtungen beschäftigen sich u.a. mit Lebensmitteln, Industrieprozessen, Umwelt- und Pflanzen-Biotechnologie, Mikrobiologie und Medizin/Genetik. Auf Meeresorganismen (Mikroalgen, Aquakultur usw.) spezialisierte Richtungen befinden sich großenteils in Küstengebieten (wie  Sonora, Sinaloa, Veracruz und Baja California).

Zu den wichtigsten Forschungszentren in diesem Bereich gehören vier Institutionen in Mexiko. Die Nationale Universität von Mexiko (UNAM), die Autonome Universität Metropolitana (UAM), das Zentrum für Höhere Studien des Nationalen Polytechnischen Instituts das Forschungszentrum CINVESTAV und das Nationale Polytechnische Institut (IPN) bilden zusammen die bedeutendste Biotechnologie-Plattform in Mexiko. UNAM und UAM sowie die Hauptsitze von CINVESTAV und IPN sind im Bundesdistrikt (Mexiko-Stadt) angesiedelt, die beiden Letzteren verfügen jedoch über Zweigstellen in anderen Städten des Landes: das IPN über elf und das CINVESTAV über zehn.

Weitere für Forschung und Entwicklung in Biotechnologie relevante öffentliche Einrichtungen sind vom Bildungsministerium (SEP) gemeinsam mit CONACYT getragene Institute (SEP-CONACYT), wie das Zentrum für Biologische Forschungen des Nordwestens (CIBNOR) und das Institut für Ökologie (INECOL). Sonstige öffentliche Einrichtungen, die biotechnologische Forschungen betreiben, sind das Nationale Institut für Forst-, Landwirtschaft- und Fischereiforschung (INIFAP), das Nationale Institut für Ernährungswissenschaften Salvador Zubirán (INNSZ), das Nationale Institut für Genforschung (INMEGEN) sowie das Institut für Epidemologische Diagnostik und Referenz (InDRE).

Unter den privaten Bildungsanstalten führen das Instituto Tecnológico y de Estudios Superiores de Monterrey (ITESM), die Universidad Iberoamericana in Mexiko-Stadt, die Universidad de las Américas in Puebla (UdLAP) und die Universidad de La Salle weist ebenfalls anerkannte Forschungstätigkeiten in der Biotechnologie durch.

Die meisten Studiengänge auf Postgraduiertenebene in Biotechnologie befinden sich am Centro de Investigación y de Estudios Avanzados (CINVESTAV), am Instituto de Biotechnologie der Universidad Nacional Autónoma de Mexiko (UNAM) und an der Universidad Autónoma Metropolitana (UAM), Unidad Iztapalapa. Am IBT wird sowohl Grundlagen- als auch angewandte Forschung betrieben, z.B. in der Mikrobiologie und Molekularmedizin, und durch ein Master und Doktorandenprogramm zur Bildung nationalen Humankapitals beigetragen.

In der Biotechnologie gibt es 14 Master- und acht Promotionsstudiengänge. Ferner wurden 48 Master- und 21 Promotionsstudiengänge registriert, die mit Gebieten der Biotechnologie zusammenhängen wie Biochemie, Biologie, Bioprozesse, Pharmakologie, Genetik und Lebensmitteltechnik.

Wichtige Forschungsbereiche

  • Impfstoffe

Trotz des Einsatzes von Antibiotika und Immunisierungsprogrammen, sind Infektionskrankheiten in Mexiko nach wie vor weit verbreitet. Aus diesem Grund wird auch die Entwicklung von Impfstoffen vorangetrieben.

  • Diagnostika

Aufgrund der starken internationalen Abhängigkeit im Diagnostikbereich, sollen Tests für die Diagnose und die Beobachtung von Infektionskrankheiten entwickelt werden, die durch Mikroorganismen hervorgerufen werden.

  • Entwicklung von Arzneimitteln

Der Entwicklung und Eigenproduktion von Arzneimitteln für Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird aus denselben Gründen wie im Falle der Diagnostika erhöhte Priorität eingeräumt.

  • Molekulare Medizin und Genomwissenschaften

In diesem Bereich wird die Entwicklung der technischen Möglichkeiten für die frühzeitige Erkennung von genetisch bedingten Krankheiten als wichtig angesehen.

Wichtige Regionen
In der Biotechnologie sind rund 3100 Forscher an Hochschulen auf den Gebieten Biotechnologie und Angewandte Biowissenschaften tätig. Davon widmeten sich 8% dem Bereich biologischer Fermentationen, 11% der Molekularbiologie, 13% der Agrarbiotechnologie, 6% der Pflanzenbiotechnologie, 25% der Lebensmittel-Biotechnologie, 14% der Tierzucht-Biotechnologie und 33% sonstigen verwandten Gebieten. Die Bundesländer mit der höchsten Konzentration an Forschern und Einrichtungen mit Schwerpunkt Biotechnologie liegen in Mexikos Zentralregion:

  • Distrito Federal

Der Bundesdistrikt bildet eindeutig das Zentrum der Biotechnologie in Mexiko, denn hier befinden sich die bedeutendsten mit Biotechnologie zusammenhängenden Forschungseinrichtungen und Institute: UNAM, UAM, IPN und CINVESTAV.

  • Guadalajara/Jalisco

Der Bundesstaat Jalisco steht nach der Anzahl seiner Forscher an zweiter Stelle in Mexiko, und seine Hauptstadt Guadalajara beherbergt eine der in der Medizin führenden Universitäten Mexikos, die Universidad Autónoma de Guadalajara. In dieser Region ist Wissen über Pharmakologie sowie über die Entwicklung  und Herstellung medizinischer Geräte konzentriert. Die Forschung ist hauptsächlich spezialisiert auf Gesundheitswesen, Genetik, Lebensmittel, Umwelt und Veterinärwissenschaften.

  • Cuernavaca/Morelos

Besitzt auf Forschung zu biomedizinischer und biomoleklarer Biologie spezialisierte Institute. Verfügt ferner über große Forschungsbereiche für Bioinsektizide, Molekulardiagnostik-Dienstleistungen, Humantherapie und -diagnostik sowie industrielle Mikrobiologie. Hier stehen das Institut für Biotechnologie und das Zentrum für Genomwissenschaften, die beide dem UNAM-Netzwerk angehören.

  • Monterrey/Nuevo León

Einer der bedeutendsten Technologie- und Industriestandorte Lateinamerikas. Schwerpunkt in Monterrey:  Pharmazeutik- und Biotechnologiegewerbe im Bereich klinischer Studien. Hier wurde ein neuer Sektor für die wissenschaftliche Produktion, Innovation und technologische Entwicklung auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften gegründet. Im Innovations- und Technologietransferpark PITT steht das CINVESTAV, Zweigstelle Monterrey, sowie Gründerzentren für Firmen mit technologischer Grundlage, u.a. im Bereich Lebenswissenschaften und Informationstechnologien. Ferner befinden sich hier der Mexikanische Verein für Humangenetik e.V. und das ITESM, Campus Monterrey, mit dem Zentrum für Biotechnologie-FEMSA.

  • Irapuato/Guanajuato

Eine wichtige Region weltweit auf dem Gebiet der Agrarbiotechnologie. Hier steht das Nationale Genomiklabor für die Biodiversität (eine Abteilung des CINVESTAV). Schwerpunkte der Forschung: Pflanzenbiologie, Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen zur Produktion aktiver Moleküle, Produktion pflanzlicher Nahrungsergänzungsmittel, der Sequenzanalyse des Pflanzengenoms und der Schädlingsbekämpfung.

19. Neuseeland

Bio- und Agrarwissenschaften

In den letzten zwei Jahrzehnten erarbeitete sich Neuseeland eine bedeutende wissenschaftliche Basis in vielen biotechnologisch relevanten Bereichen der biologischen und medizinischen Wissenschaften. Heute haben sich neue Industrien, Forschungsinstitute und spezialisierte Universitätszentren um die Biotechnologie gruppiert. Eine Übersicht über diesen Sektor bietet das vom MoRST veröffentlichte „New Zealand Biotechnology Strengths booklet“.

Gesundheitsforschung

Neuseeland ist führend in speziellen Gebieten der Neurobiologie, Endokrinologie, Kanzerogenese, Neurologie, Kardiologie und der Forschung im öffentlichen Gesundheitswesen. Der Health Research Council (HRC) stellt 65% der Forschungsmittel für Gesundheitsforschung in Neuseeland zur Verfügung. Mehr Informationen zu den Strategien des HRC auf sind auf der Internetseite zu finden.

20. Niederlande

Biowissenschaften

Aktuelle Informationen zu den Lebenswissenschaften und zur Gesundheitsforschung bietet die Website Life Sciences Health (LSH). LSH ist die nationale Clusterorganisation in den Niederlanden. LSH hat unter anderem im März 2012 eine Zusammenstellung der wichtigsten niederländischen Biotechnologieunternehmen publiziert. Darüber hinaus präsentiert LSH seit 2010 jährlich einen Ausblick zur Entwicklung in diesem Sektor (zuletzt im Januar 2012).

Für die Entwicklung bis 2010 sind auf der Seite HOLANDBIOTECHNOLOGY Informationen zu allen Bereichen der Lebenswissenschaften und Biotechnologie zur Verfügung gestellt.  

Gesundheitsforschung

Die Netherlands Organization for Scientific Research: Council for Medical and Health Research (MW-NWO) bietet Förderprogramme im Bereich Gesundheitsforschung an. The Netherlands Organisation for Health Research and Development (ZonMw) ist eine nationale Organisation, die Qualität und Innovation im Bereiche der Gesundheitsforschung Health Care vorantreibt. Sie trägt damit aktiv zur Gestaltung nationaler Forschungsprogramme bei und stellt Fördergelder zur Verfügung.

21. Norwegen

Biowissenschaften

Mit dem Inkrafttreten der Änderungen des Biotechnologiegesetzes im Jahr 2008 wurde die Etablierung von - und Forschung an - Stammzelllinien aus überzähligen Embryonen in Norwegen erlaubt - vorbehaltlich der schriftlichen Einverständniserklärung der Eltern. Die Forschung ist bis zum 14. Tag der Embryonalentwicklung möglich. Im November 2009 wurde das erste nationale Zentrum für Stammzellforschung in Oslo eröffnet.
Der Norwegische Forschungsrat führte im Dezember 2010 24 Programme mit Schnittflächen zur Biotechnologie auf ,darunter eines STAMCELLER auf dem Gebiet der Stammzellenforschung.
Mehrere Centres of Excellence sind ebenfalls in den Biowissenschaften, der Biotechnologie bzw. an der Schnittstelle zur Medizin verortet:

  • Centre for Molecular Biology and Neuroscience (CMBN)
  • Centre for Biomedical Computing (CBC)
  • Centre for Cancer Biomedicine (CCB)
  • Centre for the Biology of Memory (CBM).

Für Mitte 2011 ist eine neue Strategie für die norwegische Biotechnologieforschung angekündigt. Sie basiert auf verschiedenen Initiativen des norwegischen Forschungsrates, so der Biotek2012 Prozess.

Gesundheitsforschung

Etwa die Hälfte der medizinischen Forschung in Norwegen findet am Universitätsklinikum in Oslo statt. Hier wurde Mitte 2010 ein Molekularmedizin-Zentrum eingerichtet. Zusammen mit Forschergruppen aus Schweden und Finnland ist dieses Teil der Nordic EMBL Partnership for Molecular Medicine. Am EMBL (European Molecular Biology Laboratory) arbeiten 85 unabhängige Forschergruppen, die zusammen ein breites Spektrum im Bereich der Molekularbiologie abdecken.

Auch in der Gesundheitsforschung spielt die internationale Kooperation eine zunehmend wichtige Rolle. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die Zusammenarbeit der Universität Bergen und der Universität des us-amerikanischen Bundesstaates Washington (Seattle) zu Fragen der globalen Gesundheitsforschung.

22. Polen

Bio- und Agrarwissenschaften

Die Entwicklung der Biotechnologie in Polen wird bestimmt durch ein gut qualifiziertes Wissenschaftspotential. Die Bedeutung der Biotechnologie-Fakultäten ist in den letzten Jahren rapid gewachsen. Biotechnologie wird an 21 Universitäten gelehrt (einschließlich fünf Technischen Hochschulen und fünf Hochschulen für Landwirtschaft). Die gesamte Studentenzahl beträgt ca. 5.000 und wächst jährlich um ca. 15%.
Die Zahl der Wissenschaftler, die auf dem Gebiet tätig sind, beträgt über 3.000. Die meisten Institute sind an den Universitäten angesiedelt (15), zehn gehören zur PAN (Polnische Akademie der Wissenschaften), weiterhin gibt es drei Brancheninstitute und ein internationales Forschungsinstitut (International Institut of Molecular and Cell Biology).
Fast jedes Institut und fast jedes Unternehmen sind nicht nur aktiv auf nationaler Ebene sondern auch stark im Bereich der internationalen Kooperation.

Polen bietet deutschen Biotechnologieunternehmen sowohl eine hervorragende Wissenschaftsszene mit gut ausgebildeten Absolventen als auch eine hohe industrielle Nachfrage. Die Biotechnologie in Polen ist im Aufwind. Die Unternehmensausgaben für Forschung und Entwicklung in Polen haben sich in letzten Jahren um 800% (von 61 Mio. € auf 500 Mio. €) erhöht.

Den größten Teil der biotechnologie-Branche bilden kleine Unternehmen, die bis zu zehn Mitarbeiter beschäftigen. Sie sind sehr oft an den Universitäten oder Forschungseinrichtungen angesiedelt.

Polen – Leader oder Outsider Mitteleuropas

Unter diesem Titel fand am 4. Juni 2009 in Łódź eine Konferenz zu den Chancen und Barrieren bei der Biotechnologieentwicklung in Polen statt.

Die Entwicklung innovativer Technologien, eine der Prioritäten aller bisherigen polnischen Regierungen – nach der Wende – wird seit dem Beitritt Polens zur EU mit EU-Mitteln unterstützt. Allein aus dem Operationellen Programm Innovative Wirtschaft können in den Jahren 2007 – 2013 insgesamt 9,71 Mrd. Euro an polnische Firmen, Hochschulen und wissenschaftliche Institute gezahlt werden.

Quellen: Portal Innowacji www.pi.gov.pl/, Polnischen Agentur für Information und Auslandsinvestitionen AG (PAIiIZ) www.paiz.gov.pl/de?lang_id=3

Gesundheitsforschung

Polnische Wissenschaftler sind auch im Bereich der Gesundheitsforschung sehr aktiv. Deutschland ist hier ein wichtiger Partner für viele bilaterale Projekte.

Im Rahmen der deutsch-polnischen Zusammenarbeit fanden 2002 und 2006 gemeinsame Ausschreibungen des BMBF und des Ministeriums für Wissenschaft und Hochschulwesen (MNiSW) in den klinischen Neurowissenschaften statt, aus der 13 bzw. zehn deutsch-polnische Projekte hervorgingen. Die Begutachtung der Projektanträge erfolgte gemeinsam, die Finanzierung der beteiligten Wissenschaftler durch das jeweilige Ministerium. Die Zusammenarbeit beider Ministerien erfolgt im Rahmen des ERA-Net NEURON, dessen Ziel es ist, die Ergebnisse des Pilot-Projekts Specific Support Action (SSA) NEURON in ein gesamtes ERA-Netz zu erweitern.

Seit 2003 wurden 23 grenzüberschreitende Forschungsprojekte unterstützt. Dabei erarbeiteten die deutsch-polnischen Forschergruppen wichtige Erkenntnisse zu neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Alzheimer, Parkinson, Epilepsie, Multiple Sklerose und Hirntumoren. Unter anderem bauten die Universitäten Ulm und Warschau eine gemeinsame Genbank zur Untersuchung der molekularen Grundlagen seltener Erkrankungen wie der Amyotrophen Lateralsklerose auf. 

23. Russland

Gesundheitsforschung

Die Förderung der medizinischen Versorgung in der Russischen Föderation gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die Regierung legte 2010 ein mit mehreren Milliarden Rubel ausgestattetes Programm zur Förderung öffentlicher Gesundheitseinrichtungen und Investitionen in den Krankenhausausbau auf. Die steigende Bedeutung der Investitionen im Bereich des Gesundheitswesen lässt sich z. B. auch am steigenden Marktvolumen in Russland für Medizintechnik festmachen, welches um 36% von ca. 3 Milliarden Euro in 2010 auf ca. 5 Milliarden Euro in 2012 gestiegen ist. Eine große Herausforderung für das russische Gesundheitswesen besteht u. a. darin, dass die meisten medizinischen Geräte importiert werden müssen. Gleiches gilt auch für den Pharmabereich. Zur Verbesserung der Situation in der Gesundheitsforschung sind verschiedene Föderalen Zielprogrammen bis 2020 erlassen worden (z. B. Pharma 2020 – Modernisierung der russischen Pharmaindustrie und der Medizintechnik).

Biotechnologie und Bioökonomie

Die Forschung und Entwicklung im Bereich Biotechnologie hatte zu Zeiten der Sowjetunion eine hohe wissenschaftliche Reputation, die nach dem Zerfall der Sowjetunion stark gelitten hat. Unter Präsident Medwedew setzte die Russische Föderation neue Akzente für die Bedeutung der Biotechnologie. Im Rahmen der Föderalen Zielprogramme wurden drei Technologieplattformen gegründet, die sich nachhaltig mit den Themen Medizin in der Zukunft, Bioindustrie und Bioressourcen (BioTech 2030) und Bioenergie beschäftigen. Im April 2012 wurde ein staatliches Koordinierungsprogramm zur Entwicklung der Biotechnologie verabschiedet in dessen Durchführung 7 Ministerien, 2 Föderalen Agenturen, verschiedenen Akademien der Wissenschaften, die .o. g. Technologieplattformen und andere Einrichtungen involviert sind. Ziel ist es u .a die Herstellung auf biotechnologiebasierender Produkte von 1% am Bruttosozialprodukt in 2020 bis auf 3 % in 2030 zu steigern. Die Wichtigkeit der Bioökonomie wird auch zunehmend auf russischer Seite betont und spielt insbesondere bei der Technologieplattform Bioindustrie und Bioresourcen eine hervorgehobene Rolle.

24. Schweden

Gesundheitsforschung

Das Ministerium für Gesundheit und Soziales befasst sich mit allen Belangen im Gesundheits- und Sozialbereich, die die Bevölkerung betreffen. Ihr angegliedert sind verschiedene Agenturen, die sich mit Einzelthemen aus dem Gesamtbereich beschäftigen.

Hauptinvestor in der Gesundheitsforschung ist die pharmazeutische und biomedizinische Industrie (ca. SEK 12 Mrd.). Die Förderung über öffentliche Einrichtungen, vorwiegend grundlagenorientiert, liegt im Vergleich dazu bei ca.  SEK 0,5 Mrd. Bei den FuE-Ausgaben der Universitäten nimmt die Gesundheitsforschung mit einem Anteil von über 30% den ersten Platz ein.

Die 1951 gegründete Swedish Cancer Society ist eine unabhängige gemeinnützige Organisation. Sie unterstützt die Krebsforschung in Schweden. Im Jahr 2007 vergab sie dafür ca. SEK 300 Mio. Zu den weiteren wichtigen Non-Profit-Organisationen in der Gesundheitsforschungsforschung zählen:

  • Swedish Children’s Cancer Foundation (ca. SEK 111 Mio., 2008)
  • Swedish Heart-Lung Foundation (ca. SEK 150 Mio., 2009)
  • Swedish Diabetes Association’s Research Foundation
  • Swedish Brain Foundation
  • Swedish Society of Medicine
  • Swedish Society for Medical Research
  • Knut and Alice Wallenberg Foundation
  • Wenner Gren Foundations

Der Stand zur Gesundheitsforschung ist in der Broschüre "Health and Medical Research in Sweden 2008" ausführlich dargestellt. Die finnische Akademie der Wissenschaften hat darüber hinaus im Mai 2009 eine Studie zur klinischen Forschung in Schweden und Finnland herausgegeben.

25. Senegal

Gesundheitsforschung

Der nationale Strategieplan des Gesundheitsministeriums zur Gesundheitsforschung  für die Jahre 2009-2012 hatte folgende Schwerpunkte  

  • Müttersterblichkeit
  • Kindersterblichkeit
  • Malaria
  • Mund- und Zahngesundheit
  • Hygiene, Umwelt und Gesundheit
  • HIV/AIDS
  • Tuberkulose
  • Bilharziose
  • Diabetes, Niereninsuffizenz, Hepatitis, Krebs
  • Psychische Gesundheit
  • Kontrolle von Epidemien (Cholera, Meningitis, Shigellose)
  • reproduktive Gesundheit
  • Gesundheitsbildung
  • traditonelle Medizin

Für AIDS, Tuberkulose, Paludismus und Mutter- und Kindgesundheit sind weitere Programme für die Jahre 2011-2015 auch in Zusammenarbeit mit der WHO verabschiedet worden.  

Forschungsinstitute und Einrichtungen, die neben der Ausbildung auch Forschung betreiben sind 

  • das Institut Pasteur de Dakar (IPD), gegründet 2009
  • das Ausbildungs- und Forschungsinstitut für Bevölkerung, Entwicklung und Gesundheit (L’Institut de formation et de recherche en Population, Développement et Santé de la Reproduction (IPDSR), angesiedelt an der Universität Cheikh Anta Diop Dakar (UCAD 
  • das Institut für Gesundheit und Entwicklung (Institut de Santé et Développement)
  • das regionale Ausbildungs- und Forschungszentrum am Universitätsklinikum Chu de Fann (Centre Régional de Recherche et de Formation à la Prise en Charge Clinique de Fann (CRCF).

Das CRCF wurde als Plattform 2005 in Zusammenarbeit mit französischen und europäischen Partnern sowie mit den Vereinten Nationen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten gegründet. Gründungsmitglieder sind der Nationale Rat zur Bekämpfung von AIDS (Conseil National de Lutte contre le Sida (CNLS), das französische Institut für Entwicklungsforschung (Institut de Recherche pour le Développement (IRD), das Institut für Medizin und angewandte Epidemiologie (Institut de Médecine et d’Epidémiologie Appliquée (IMEA), der Dienst für Tropen- und Infektionskrankheiten des Universitätsklinikums Fann (Service des Maladies Infectieuses et Tropicales (SMIT) du Centre Hospitalier National Universitaire de Fann (CHNU).

Weitere an Universitäten angesiedelte, in der Gesundheitsforschung aktive Fakultäten/Institute sind

  • Forschungsinstitut für Psychopathologie (Institut d'Etude et de Recherche en Psychopathologie der Universität Cheikh Anta DIOP (UCAD)
  • die Fakultät für Medizin und Phamarzie an der UCAD-Universität
  • Universitätsklinikum Aristide Le Dantec, Abteilung für Virologie und Bakteriologie

Private biomedizinische, forschende Unternehmen sind:

  • Parke-Davis de l'Afrique de l'Ouest (Warner Lambert)
  • Société industrielle Pharmaceutique de l'Ouest Africain (SIPOA)
  • Valdafrique Laboratoires Canonne

(Quellen: Healthresearchweb 2013, Plan Stratégique de la Recherche en Santé (2009–2012), Ministère de la Santé et de la Prévention et de l’hygiène Publique)

26. Singapur

Biowissenschaften

Singapur hat weitere Anstrengungen unternommen, um sein Engagement auszuweiten, eines der bekanntesten Zentren für biomedizinische Wissenschaft zu werden, indem es Senior Forscher und deren Teams aus den USA, England und Japan rekrutiert. Mit der Unterstützung zweier prominenter Wissenschaftler aus den USA, welche in ihr International Advisory Committee (IAC) aufgenommen wurden, peilt Singapur nicht nur an, die führende Kraft der biomedizinischen Forschungsaktivität innerhalb Asiens zu werden, sondern versucht ihren daraus resultierenden Einfluss auch auf in- und ausländische Wissenschaftler auszuweiten, welche ansonsten möglicherweise in US-Laboren arbeiten würden. Die signifikante Bedeutung des Standortes Singapur für die Biomedizin und die Biotechnologie unterstreichen und bedingen das Bestreben, die biowissenschaftliche Forschung voran zu treiben.

Gesundheitsforschung

Singapurs Ziel ist es, im asiatischen Raum Spitzenreiter auf dem Gebiet der Gesundheitsforschung zu werden. Um diese zu realisieren, versucht Singapur durch neueste Innovationen medizinischer Technik, einem breiten Spektrum medizinischer Verfahren und der Sicherung medizinischer Qualitätsstandards, attraktiv und anziehend auf ausländische Patienten zu wirken.
 
Im Jahr 2011 wurden mehr als 900.000 ausländische Patienten in Singapur behandelt. Die Gesamtzahl der Gesundheitsinstitutionen beläuft sich gegenwärtig auf 29 Einrichtungen, einschließlich der Krankenhäuser. Diese decken die komplette Bandbreite des angebotenen klinischen Services ab, der von der Grund- bis zur komplexen Versorgung reicht. Sowohl die staatlichen Krankenhäuser, als auch die Spezialeinrichtungen investieren in die Gesundheitsforschung, die in Zusammenarbeit mit pharmazeutischen, biotechnologischen und medizinisch technologischen Unternehmen gehandhabt wird. Dies ermöglicht es Singapur, Vorreiter auf dem Gebiet der Gesundheitsforschung zu sein. Wichtiger Partner für deutsche Forschungseinrichtungen ist bspw. das Singapore Eye Research Institute (SERI), welches als weltweit führende Einrichtungen auf diesem Gebiet gilt.

27. Südafrika

Bio- und Agrarwissenschaften

Im Rahmen der 2001 verabschiedeten Biotechnologie-Strategie wurden bislang folgende Initiativen umgesetzt:

  • Einrichtung eines Netzwerkes Regionaler Biotechnologie Informationszentren (BRICs). Die vier bislang ins Leben gerufenen BRICs (Biopad, Cape Biotech, LIFElab und Plant Biotechnology Innovation Centre) haben bislang mehr als 100 Projekte unterstützt und 38 Unternehmen mit 400 Arbeitskräften geschaffen. Insgesamt existieren in Südafrika 106 Biotechnologie Unternehmen. Seit Juli 2009 wurden die vier BRICs unter einem gemeinsamen Dach in der Technology Innovation Agency (TIA) zusammengeführt.
  • Etablierung eines Nationalen Innovationszentrums Pflanzen-Biotechnologie (PlantBio) mit dem Schwerpunkt Nahrungsmittelsicherheit
  • Einrichtung der Technologieplattform National Bioinformatics Network (NBN) an elf Universitäten des Landes, die verstärkt in FuE, Infrastruktur und Lehre investiert
  • DST-Informationsprogramm "Öffentliches Verständnis von Biotechnologie" (PUB)

Mit dem Zehn-Jahres-Plan für Innovation hat sich Südafrika zum Ziel gesetzt, 2018 im Bereich Biotechnologie und Pharmazeutika eine der weltweit führenden Nationen zu sein.

Südarfrika ist Mitglied im Netzwerk des südlichen Afrikas für Biowissenschaften (SANBio)

Gesundheitsforschung

Die Schwerpunkte im Bereich Gesundheitsforschung sind HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria. Insbesondere das Institut für Diagnostikforschung (IDR) entwickelt neuartige Produkte und Hilfsmittel zu Diagnose und Behandlung dieser Krankheiten.

Die Südafrikanische Aids Impfstoff Initiative (SAAVI) arbeitet an der Entwicklung von Impfstoffen gegen Aids.

Südafrika ist Partner der Initiative European and Developing Countries Clinical Trials Partnership (EDCCTP), welche klinische Versuche für Arzneimittel und Impfstoffe gegen HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria durchführt.

Die Max-Planck-Gesellschaft hat 2012 zum ersten Mal Max-Planck-Forschungsgruppen in Afrika eingerichtet. Als Leiter der beiden Gruppen des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie wurden Alex Sigal und Thumbi Ndung'u berufen. Die Unterstützung der beiden auf HIV spezialisierten Forscher ist auf fünf bis maximal neun Jahre angelegt und soll die Grundlagenforschung zu HIV und Tuberkulose vorantreiben. Die beiden Forschungsgruppen werden am neu gegründeten KwaZulu-Natal Research Institute for Tuberculosis and HIV (K-RITH) in Durban, Südafrika, angesiedelt sein. Das Institut ist ein Gemeinschaftsprojekt der Universität KwaZulu-Natal und dem Howard Hughes Medical Institute in den USA und widmet sich ausschließlich der Erforschung von HIV und Tuberkulose.

Quelle: www.deutsch-suedafrikanisches-wissenschaftsjahr.de

28. Thailand

Biowissenschaften

Mit der Einrichtung des nationalen Forschungszentrums BIOTEC im Jahr 1983 wurde in Thailand der Grundstein für Forschung und Industrie im Biotechnologiebereich gelegt. Gegenwärtig existieren 165 Biotechnologieunternehmen im Königreich, von denen sich etwa die Hälfte in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts gründete. Die thailändische Politik investierte im Rahmen des 2004-2009 National Biotechnology Policy Framework über 92 Millionen € in diesen zukunftsträchtigen Forschungszweig. Folgende Ziele wurden formuliert:

  • das Aufkommen und die Entwicklung neuer Biobranchen
  • das Werben für Thailand als „Kitchen of the World“
  • die Darstellung und Vorführung Thailands als Land mit gesunder Bevölkerung und Gesundheits- und Pflegezentrum Asiens
  • die Nutzung der Biotechnologie als eine Säule einer Selbstversorgungswirtschaft („self-sufficient economy“)
  • und die Entwicklung qualifizierter Fachkräfte

Thailand betreibt Forschung in der Grünen, Roten, Weißen und Blauen Biotechnologie. Das Königreich besitzt eine der modernsten Industrien Südostasiens in der Lebensmittelverarbeitung mit über 10.000 Unternehmen in dieser export-orientierten Branche und prognostizierten Einnahmen von 7,86 Milliarden € für 2010. Forschungsfelder umfassen z.B. Feldversuche rekombinanter DNA-Technik in transgenen Pflanzen zur Steigerung der Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Schädlingen oder die Erhöhung des Nährwertes von Reis und der Widerstandsfähigkeit gegen Überschwemmung, Dürre oder Krankheiten.

Die Rote – oder medizinische – Biotechnologie besitzt einen hohen Stellenwert, da sich Thailand als führender Akteur im Medizintourismus etablieren konnte (siehe Abschnitt "Gesundheitsforschung").

Als drittgrößter Hersteller von Biokunststoffen in der asiatisch-pazifischen Region beliefert Thailand bereits Japan, die EU und die USA. Bis 2021 soll Thailand auf diesem Gebiet die regionale Führungsrolle übernehmen.

1987 entstand die Marine Biotechnology Research Unit (MBRU) als Kooperation zwischen BIOTEC und der Chulalongkorn University. Akademiker und Forscher des BIOTEC, der Chulalongkorn und der Srinakharinwirot University beschäftigen sich in diesem Forschungslabor u.a. mit Aquakultur, molekularer Genetik, Probiotika und aquatischer Umweltbiotechnologie. Seit 2003 trägt es den Namen Center of Excellence for Marine Biotechnology (CEMB).

Gesundsheitsforschung

Im Medizintourismus ist Thailand weltweit führend, die Branche boomt. Fast zwei Millionen ausländische Patienten unterziehen sich jährlich in Thailand medizinischer Behandlung und haben dazu beigetragen, den einheimischen Arzneimittel- und medizinischen Markt auf über 740 Millionen € anwachsen zu lassen. Es gibt über 1000 öffentliche Krankenhäuser und 400 private Kliniken.

Forschungsanstrengungen werden u.a. zur Prävention und Bekämpfung von Krankheiten wie Tuberkulose, HIV, Malaria, Denguefieber oder Vogelgrippe unternommen. 2009 entwickelte Thailand mithilfe von Mitteln, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereitstellte, einen Impfstoff gegen das H1N1-Virus. Im Juli 2008 wurde das Transplantieren von Blutstammzellen aus dem Knochenmark zur Behandlung von Leukämie genehmigt.

Thailand ist Mitglied des Medical/Health Research Council in South-East Asia unter dem WHO-Regionalbüro für Südostasien.

(Quelle: BOI www.boi.go.th/english/why/sectors.asp)

29. Ukraine

Bio- und Agrarwissenschaften

1997 wurde im Rahmen des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft der Ukraine mit dem Ziel der Koordinierung der Wissenschafts-, Entwicklungs- und Investitionstätigkeit auf dem Gebiet der Biotechnologien die Abteilung für Landwirtschaft, Medizin und Biotechnologien gegründet. Zum zwischenbehördlichen Rat gehören die Vertreter der Regierungsorganisationen, die für die Entwicklung der Biotechnologien zuständig sind, sowie Wissenschaftler und Unternehmensvertreter. Zu den Hauptaufgaben des Rates gehören die Ausarbeitung von Vorschlägen auf dem Gebiet der Formierung und Realisierung der staatlichen Politik für Biotechnologien, die Bewertung des Zustandes der wissenschaftlich-technischen Entwicklung der Technologien, die Förderung der Formierung des Marktes für biotechnologische Produkte sowie der Organisation der Begutachtung von biotechnologischen Importwaren, die Erarbeitung von Vorschlägen für die Finanzierung der Inlandsbiotechnologien usw.

Die führenden Richtungen für die Entwicklung der Biotechnologien in der Ukraine auf der heutigen Stufe sind im Koordinationsplan des Programms "Die neuen Biotechnologien" dargelegt und auf folgende Bereiche orientiert:

  • Entwicklung von Genressourcen für Biotechnologien; 
  • Entwicklung von Mikrobensuperproduzenten für Medizin, Landwirtschaft,Industrie und Ökologie; 
  • Entwicklung transgener Pflanzen für Landwirtschaft, Pharmazie  und Industrie; 
  • Entwicklung transgener Tiere für die Landwirtschaft und Erzeugung von nicht traditionellen Stoffen für die Medizin; 
  • Schaffung der rechtlichen und normativ-methodischen Grundlagen für moderne Biotechnologien. Biosicherheit und Bioethik der modernen Biotechnologien. Intellektuelles Eigentum auf dem Gebiet der Biotechnologien; 
  • Entwicklung der Ausrüstung und Hilfsmaterialien für Biotechnologien; 
  • Entwicklung von Bioinformatik, Biokybernetik und von Biomaterialien.  

Der zwischenbehördlichen Koordinierung auf dem Gebiet der Biotechnologien, die für mehr als zehn Ministerien und Behörden von Interesse ist, misst man große Bedeutung bei.

Die Ukraine unterhält Beziehungen mit den internationalen Organisationen, die im biotechnologischen Bereich tätig sind, darunter OECD, UNIDO, ICGEB (International Center for Genetic Engineering and Biotechnology). Wegen der finanziellen Schwierigkeiten, des Mangels an Biotechnologien, die dem Weltniveau entsprechen würden, ist aber oft die internationale Tätigkeit der Ukraine auf dem Gebiet der Biotechnologien erschwert und die wissenschaftliche und kommerzielle Zusammenarbeit mit den weltberühmten Unternehmen nicht möglich. Unter den ausländischen Firmen, deren Tätigkeit mit der Entwicklung von Biotechnologien verbunden ist, sind MONSANTO, NOVARTIS, AgrEvo und PIONEER auf dem ukrainischen Markt höchst aktiv. Mit der Erschließung des ukrainischen Marktes beschäftigen sich auch andere ausländische Unternehmen und Firmen.

Quelle: intec.net

30. USA

Bio- und Agrarwissenschaften

Ein erheblicher Anteil der bundesstaatlichen Forschung und Forschungsförderung im Bereich der Biowissenschaften erfolgt durch das „Office of Science“ des „Department of Energy“ (DoE).
 
Das „Office of Science“ des DoE eröffnet seit über 50 Jahren mit dem “Biological and Environmental Research (BER) Program” nicht nur Möglichkeiten zur Forschung und Entwicklung von langfristigen Folgen der Energieerzeugung auf Gesundheit und Umwelt, sondern es spielt auch eine wichtige Runde in der biotechnologischen Forschung sowie in der Grundlagenforschung in Bezug auf den Klimawandel und die Umwelt.

Im April 2012 wurde die nationale Bioökonomie-Strategie („U.S. National Bioeconomy Blueprint“) veröffentlicht. Fünf strategische Handlungsfelder werden definiert: 

  • Support R&D investments that will provide the foundation for the future bioeconomy.
  • Facilitate the transition of bioinventions from research lab to market, including an increased focus on translational and regulatory sciences.
  • Develop and reform regulations to reduce barriers, increase the speed and predictability of regulatory processes, and reduce costs while protecting human and environmental health.
  • Update training programs and align academic institution incentives with student training for national workforce needs.
  • Identify and support opportunities for the development of public-private partnerships and precompetitive collaborations—where competitors pool resources, knowledge, and expertise to learn from successes and failures.

Gesundheitsforschung

Die Zuständigkeit für den Sektor Gesundheit liegt beim Ministerium „U.S. Department of Health and Human Services“. Die neue Obama-Regierung betont die Bedeutung der Gesundheitsforschung und hebt das öffentliche Budget für 2010 in diesem Bereich weiter an. In dem nach wie vor gültigen strategischen Plan, der die Jahre 2007 bis 2012 umfasst, werden unter anderem auch die Ziele und Maßnahmen in der gesundheitsrelevanten Forschung und Entwicklung festgelegt. 

Vier Hauptziele werden formuliert:

  • Erhöhung der Anzahl qualifizierter Forscher
  • Vergrößerung des grundlegenden medizinischen Wissens
  • Durchführung angewandter Forschung
  • Transfer von Forschungsergebnissen in die Anwendung

An der Umsetzung dieser Ziele sind unter anderem die Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ), die Centers for Disease Control and Prevention (CDC), die Food and Drug Administration (FDA) und vor allem die National Institutes of Health (NIH) beteiligt.
 
Themen, die in besonderem Fokus stehen, sind: Gehirnforschung, Alzheimer, (Lungen-) Krebsforschung, Asthma, Grippe-Pandemie, antimikrobielle Resistenzen, Fettleibigkeit, menschlichen Entwicklung, Herz-Kreislauferkrankungen, Sicherheit von Lebensmitteln, Medikamenten und Geräten, Behandlung von Drogenmissbrauch.

Eine forschungspolitische Neuerung im Bereich der Gesundheitsforschung ist die im März 2009 verkündete Executive Order, die die unter der Bush-Administration angeordneten Beschränkungen zur Stammzellenforschung aufhebt. Allerdings steht die gerichtliche Klärung der Zulässigkeit der Förderung durch die U.S.-Bundesregierung weiterhin aus. 

Hauptträger der biomedizinischen Forschung sind die zum Department of Health and Human Services (DHHS) gehörenden National Institutes of Health (NIH) mit 27 Instituten und  Zentren, die mehr als 80% ihres Budgets für externe Forschung an über 3.000 Universitäten und anderen Wissenschaftseinrichtungen weltweit ausgeben. Ca. 6.000 Wissenschaftler arbeiten in eigenen NIH-Laboratorien, die sich überwiegend auf dem NIH-Hauptcampus in Bethesda (Maryland) befinden. Dort hat auch das NIH Clinical Center seinen Standort – das weltweit größte Krankenhaus, das ausschließlich der klinischen Forschung gewidmet ist.

Als Grundlage der Zusammenarbeit zwischen deutschen und US-amerikanischen Forschern wurde 1998 ein bilaterales Abkommen zur Gesundheitsforschung erneuert, das die seit über 20 Jahren bestehende Zusammenarbeit zwischen dem BMBF und dem Department of Health and Human Services (DHHS) sowie dem ihm angeschlossenen weltweit größten Forschungsinstitut in der Gesundheitsforschung, dem National Institute of Health (NIH), fortschreibt.

Besonders intensiv und erfolgreich waren in der Vergangenheit Kooperationen im Bereich der Herz-Kreislauf-Forschung, der Krebsforschung sowie der Lungenforschung. Derzeit besteht ein Austausch in den Bereichen Schmerzforschung, Demenzforschung, klinische Forschung und molekulare Medizin. 

  • 2009 wurde zwischen dem BMBF und dem Californian Institute of Regenerative Medicine (CIRM) eine engere Zusammenarbeit im Bereich der Regenerativen Medizin vereinbart.
  • Ebenfalls 2009 haben BMBF und NSF eine Kooperationsvereinbarung für die computational neuroscience geschlossen.
  • Eine Kooperationsvereinbarung des National Cancer Institute mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum über ein Austauschprogramm für Nachwuchswissenschaftler (DKFZ-NCI Fellowship Program in Cancer Research) wurde im Februar 2010 unterzeichnet. 
  • Im Herbst 2011 startete das BMBF eine internationale Kampagne „Werbung für den Innovationsstandort Deutschland“, bei der Verbünde, bestehend aus Wirtschafts- und Wissenschaftsvertretern, darin unterstützt werden sollen, Kooperationen im Bereich der Medizintechnik in Zielländern,  u.a. den USA, zu erschließen oder zu vertiefen.