BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
Kooperation International
 

FlaggeLänderbericht: USA

1. Allgemeine Landesinformationen

1.1. Bevölkerung/Geografie

Ländername United States of America
Vereinigte Staaten von Amerika
Hauptstadt Washington D.C.
Fläche 9.826.630 km²
Bevölkerungszahl 313,23 Mio. (Schätzung Juli 2011)
Lebenserwartung Männer: 75,92 Jahre,
Frauen: 80,93 Jahre
(Schätzung 2011)
Altersstruktur 0-14 Jahre: 20,1%
15-64 Jahre: 66,8%
65 Jahre und älter: 13,1%
(Schätzung 2011)
Bevölkerungswachstum 0,96% (Schätzung 2011)
Bevölkerungsgruppen ca. 39 Mio. Afro-Amerikaner,
ca. 50,5 Mio. Amerikaner lateinamerikanischer Herkunft,
ca. 14,7 Mio. Amerikaner asiatischer Herkunft, ca. 3,0 Mio. Amerikaner indianischer Herkunft
Sprachen Englisch, lokal auch Spanisch
Religionen 62% der Bevölkerung gehören 238 Religionsgemeinschaften an,
davon 26% der römisch-katholischen Kirche,
27,5% protestantischen Gemeinschaften (Baptisten, Methodisten, Lutheraner, Presbyterianer),
2,6% Juden
Nationaltag 4. Juli - Independence Day
(Unabhängigkeitstag)
Zeitzone Es gibt 6 Zeitzonen:
EST - Eastern Standard Time: MEZ - 6 (UTC - 5)
CST - Central Standard Time: MEZ - 7 (UTC - 6)
MST - Mountain Standard Time: MEZ – 8 (UTC - 7)
PST - Pacific Standard Time: MEZ - 9 (UTC - 8)
Außerdem:
Yukon Time - Alaska-Festland: MEZ -10 (UTC - 9)
Alaska-Hawaii Time - Hawaii und Aleuten-Inseln
westlich von Alaska: MEZ -11 (UTC - 10)
Anmerkung: Vom 2. Sonntag im März bis zum ersten Sonntag im November werden die Uhren eine Stunde vorgestellt (ausgenommen in Hawaii, American Samoa, Guam, Puerto Rico, den Virgin Islands und im Staate Arizona - der Navajo Indian Reservation).
Währung 1 US Dollar (USD) / 100 Cents
Stand: 25.10.2011
1 USD = 0,72023 EUR
1 EUR = 1,38829 USD
Aktueller Wechselkurs unter OANDA.com - Währungskonverter (siehe u.a. Links)
Vorwahl +1

Quellen: Auswärtiges Amt, Spiegel Jahrbuch, CIA World Factbook, www.travelshop.de, www.oanda.com

Politische Karte der USA (bitte klicken für eine vergrößerte Version)
Politische Karte der USA (bitte klicken für eine vergrößerte Version)

Die USA erstrecken sich auf dem nordamerikanischen Kontinent von der Atlantikküste im Osten bis zur Pazifikküste im Westen (ca. 4.500 km) und von der kanadischen Grenze im Norden bis Mexiko und bis an den Golf von Mexiko im Süden (ca. 2.500 km). Die USA lassen sich in sechs geographische Großräume gliedern:

  1. Atlantische Küstenebene
    Von New York bis Florida und weiter bis zur mexikanischen Grenze erstreckt sich ein 200 km breiter Landstreifen. Große Buchten wie Delaware Bay, Chespeake Bay, VA + MD, Albemarle Sound, SC, Tampa Bay, FL, Galveston Bay) sind eben so typisch wie lange Sandstrände und Schwemmlandschaften.

  2. Zentrales Tiefland
    Ein ungefähr 800 km langes Landbecken vom Golf von Mexiko bis zu den großen Seen im Norden. Kennzeichnend ist die ca. 200 km breite Flußlandschaft von Mississippi und Missouri. Es ist der "Mittlere Westen", das Land der Riesenfarmen und endlosen Agrarflächen.

  3. Rocky Mountains
    Von Alaska Über Kanada und den Westen der USA (Montana, Idaho, Wyoming, Utah, Colorado, Arizona, New Mexico) bis Mexiko erstreckt sich das "Felsengebirge". Hier geht es über in die Kordillieren des südamerikanischen Festlandes und bildet so den gewaltigen Felsrücken der den amerikanischen Kontinent durchzieht. Höchste Erhebungen sind der 6.193 m hohe Mount McKinley in Alaska und der 4.396 m hohe Mount Elbert in Colorado.

  4. Great Basin
    Das "große Becken" westlich der Rocky Mountains umfass Hochebenen, Gebirgszüge und Wüsten, wie das Colorado-Plateau mit dem 300 km langen Grand Canyon, die Sierra Nevada, die Salzebene am Great Salt Lake und die Sonora Wüste mit dem Death Valley. Die Beckenlandschaften liegen zwischen 1.300 m und 1.600 m hoch.

  5. Pazifisches Gebirge
    Von Seattle bis San Diego entlang der Pazifikküste verläuft das pazifische Gebirge. Dazwischen das Great Valley, 600 km lang, wird zur Küste hin von der bis zu 2.700 m hohen Coast Range begrenzt

  6. Great Plains
    Das Präriegebiet zwischen Zentraler Tiefebene und den Rocky Mountains und der kanadischen und mexikanischen Grenze ist rund 500 km breit. Von einer durchschnittlichen Höhe von 500 m steigt es bei den Rockys bis auf 1500 m an.

1.2. Politik/Administration

Ländername United States of America
Vereinigte Staaten von Amerika
Regierungsform Präsidiale Bundesrepublik mit balancierter Gewaltenteilung
(Checks and Balances)
Staatsoberhaupt Barack H. OBAMA
44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika,
Amtsantritt: 20.01.2009
Hauptstadt Washington, D.C.
Regierungschef Der Präsident ist gleichzeitig Regierungschef
Außenminister/in John Forbes Kerry
Secretary of State of the United States of America,
Amtsantritt: 01.02.2013
Bildungsminister/in Arne Duncan
Secretary of Department of the Education
Wissenschaftsminister/in John HOLDREN
kein Minister aber Direktor des:
Office of Science and Technology Policy*, zuständig für die Umsetzung der Politik des Präsidenten in Wissenschaft und Technologie.
Parlament Kongress mit zwei Kammern:
Senat 100 Sitze
Repräsentantenhaus 435 Sitze
Regierungsparteien Dem - Democratic Party / Demokraten
  • Repräsentantenhaus (193 Sitze
  • Senat: (51 Sitze)
Oppositionsparteien
  • Rep - Republican Party / Republikaner: Repräsentantenhaus (242 Sitze), Senat 47 Sitze)
  • Unabhängige 2 Sitze im Senat

Ergebnisse der Wahlen zum 112. Kongress

Weitere Informationen zu Wahlergebnissen und Parteien - Stimmenanteile, Sitzverteilung im Parlament, etc. – unter United States auf der Wikipedia-Website: Elections by country
Landwirtschaftsminister Thomas J. Vilsack
Secretary of Department of Agriculture
Verwaltungsstruktur 50 Bundesstaaten (State / States) und der District Columbia* als Sitz der Bundesregierung:
Alabama, Alaska, Arizona, Arkansas, California, Colorado, Connecticut, D.C.*, Delaware, Florida, Georgia, Hawaii, Idaho, Illinois, Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Maryland, Massachusetts, Michigan, Minnesota, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, North Dakota, Ohio, Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West Virginia, Wisconsin, Wyoming

6 US-Territorien außerhalb der Landesgrenzen:
American Samoa, Federated States of Micronesia, Guam Midway, Islands, Puerto Rico, U.S. Virgin Islands.

Die Verfassung der Vereinigten Staaten gibt die Struktur der Bundesregierung vor und spezifiziert ihre Befugnisse und Aufgaben. Alle weiteren Regierungstätigkeiten liegen im Verantwortungsbereich der einzelnen Bundesstaaten, die ihre eigenen Verfassungen und Gesetze haben.

Jeder Bundesstaat untergliedert sich in Counties (entspricht etwa den deutschen Landkreisen), Townships (Kommunalbezirke unterhalb der Counties), Cities (Stadtgemeinden) und Villages (ländlichen Gemeinden) mit ihren eigenen gewählten Verwaltungen.
Unabhängigkeit 4. Juli 1776

Quellen: Auswärtiges Amt, Offizielle US-Regierungsseite, Wikipedia - Elections by country

Regierung der USA

Staatsaufbau

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind eine Präsidiale Republik (Bundesstaat). Grundlegende Prinzipien sind Gewaltenteilung und Gewaltenbalance ("Checks and Balances"). Die legislative Gewalt wird auf Bundesebene vom Kongress (Senat und Repräsentantenhaus) ausgeübt.

Jeder Staat entsendet zwei  für sechs Jahre gewählte Senatoren. Alle zwei Jahre (Legislaturperiode) werden ein Drittel der Senatoren und alle 435 Mitglieder des Repräsentantenhauses neu gewählt.

Für die Verabschiedung eines Gesetzes ist die Zustimmung beider Häuser erforderlich. Gegen verabschiedete Gesetze hat der Präsident ein Veto-Recht, das nur mit Zwei-Drittel-Mehrheit beider Häuser überstimmt werden kann.

Der Präsident bedarf der Zustimmung des Senats zur Ratifizierung außenpolitischer Verträge (Zwei-Drittel-Mehrheit) und zur Ernennung der obersten Bundesbeamten und hoher Richter.

Die Rechtsprechung wird von den Gerichten der Einzelstaaten und den Bundesgerichten ausgeübt. Die letzte Instanz liegt beim Obersten Bundesgericht (Supreme Court).

An der Spitze der Exekutive steht der Präsident, der alle vier Jahre vom Volk über ein Kollegium von Wahlmännern ("electoral college") mit einfacher Mehrheit gewählt wird. Er kann nur einmal wiedergewählt werden.

Die Wahlen zum 44. Präsidenten der USA gewann der Demokrat Barack Obama (53% der Stimmen) gegen den Republikaner John McCain (46% der Stimmen). Er wurde am 15.12.2008 formell vom Wahlmännerkollegium gewählt und trat sein Amt am 20. Januar 2009 an.

Bedingt v.a. durch das Mehrheitswahlrecht stellen sich in der Regel nur zwei Parteien - die Demokraten und die Republikaner - mit Aussicht auf Erfolg zur Wahl.

Quelle: Auswärtiges Amt (Stand: Oktober 2011)

1.3. Wirtschaftsinformationen

Logo iXPOS fuer Wirtschaftsinformationen; (Klick führt auf eine externe Webseite)

Wirtschaftsinformationen mit Basisdaten zum Außenhandel sowie Informationen zur deutschen Außenwirtschaftsförderung finden Sie bei iXPOS - dem Außenwirtschaftsportal.

USA - Wirtschaftskraft im Ländervergleich - 2010
Länder Bevölkerung in Mio. Gesamt-BIP kaufkraftbereinigt in Mio. internat. $* BIP pro Kopf kaufkraftbereinigt in internat. $*
USA   309,71 14.582.400 47.084
Japan   127,38   4.332.537 34.013
China 1.338,30 10.084.764   7.536
Deutschland     81,64   3.071.282 37.622

*Internationaler $ ist der Wertausdruck der Kaufkraftparität. Es ist die Anzahl von Einheiten einer Landeswährung, die man benötigt, um dieselbe Warenmenge in diesem Land einzukaufen, die man für 1 US$ in den Vereinigten Staaten erhalten könnte.

 

Quelle: Weltbank - World Development Indicators database

USA - Wirtschaftliche Entwicklung - 2008-2010
Kenngröße 2008 2009 2010
Wachstum 0,0% -2,6% 2,9%
Inflation 3,8% -0,3% 1,6%
Arbeitslosenrate 5,8% 9,3% 9,6%

Quelle: Germany Trade & Invest - Wirtschaftsdaten kompakt: USA, Mai 2011

USA - Weitere Eckdaten - 2010
Kenngröße 2010
Haushaltssaldo (% BIP) -10,0%
Staatsverschuldung (% BIP) 62,1%
Exporte (Veränd. z. Vorjahr) 1.278 Mrd. US$ (+20,9%)
Importe (Veränd. z. Vorjahr) 1.912 Mrd. US$ (+22,7%)
Handelsbilanz -634 Mrd. US$

Quelle: Germany Trade & Invest - Wirtschaftsdaten kompakt: USA, Mai 2011

USA - Import-Export weltweit - 2010
Wichtigste Importgüter Anteil am Gesamtimport Wichtigste Exportgüter Anteil am Gesamtexport
Erdöl u. -derivate 17,2% Maschinen 11,7%
Elektronik 14,5% Elektronik 10,7%
KFZ- & KFZ-Teile   9,3% KFZ & KFZ-Teile   7,4%
Maschinen   7,5% Sonstige Transportausrüstungen   6,6%
Bekleidung und Textilien   5,7% Nahrungsmittel   6,5%
Metall & Metallerzeugnisse   5,3% Rohstoffe   6,3%
Elektrotechnik   4,7% Erdöl und -derivate   5,0%
Nahrungsmittel   3,8% Metall & Metallerzeugnisse   4,4%
Arzneimittel   3,3% Elektrotechnik   4,3%
Chemikalien   3,1% Mess und Regeltechnik   4,1%
Mess und Regeltechnik   2,0% Chemikalien   3,9%
Rohstoffe   1,5% Arzneimittel   3,5%
    Kunststoffe   3,4%

Quelle: Germany Trade & Invest - Wirtschaftsdaten kompakt: USA, Mai 2011

USA - Handelspartner - 2010
Hauptlieferländer Anteil am Gesamtimport Hauptabnehmerländer Anteil am Gesamtexport
VR China 19,1% Kanada 19,4%
Kanada 14,5% Mexiko 12,8%
Mexiko 12,0% VR China   7,2%
Japan   6,3% Japan   4,7%
Deutschland   4,3% Großbritannien   3,8%
Großbritannien   2,6% Deutschland   3,8%
Korea (Rep.)   2,6% Niederlande   3,1%
    Korea (Rep.)   3,0%

Quelle: Germany Trade & Invest - Wirtschaftsdaten kompakt: USA, Mai 2011

1.4. Handel mit Deutschland

Hier sind zwei Grafiken mit Tortendiagrammen zu sehen. Das erste Diagramm zeigt den Anteil amerikanischer Exportgüter nach Deutschland im Jahre 2010. Verschiedene Produkte werden ähnlich stark gefragt. Das zweite Diagramm stellt das Verhältnis deutscher Exportgüter nach Amerika 2010 dar. KFZ-Teile und Maschinen haben dabei den größten Anteil.
Quelle: Statistisches Bundesamt

2. Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft

2.1. Bildungslandschaft

2.1.1. Überblick

Die Zuständigkeit für den Bildungsbereich liegt in den USA auf der Ebene der Bundesstaaten und Gemeinden. Die Zuständigkeit des auf bundesstaatlicher Ebene 1980 gegründeten U.S. Department of Education beschränkt sich auf folgende Aufgaben: 

  • Establishing policies on federal financial aid for education, and distributing as well as monitoring those funds.
  • Collecting data on America's schools and disseminating research.
  • Focusing national attention on key educational issues.
  • Prohibiting discrimination and ensuring equal access to education.

Das amerikanische Bildungssystem ist stark dezentralisiert und äußerst vielfältig.

Das amerikanische Bildungswesen versteht sich als Anbieter einer Vielfalt von Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten, für die die Studierenden bezahlen. An die Vorstellung vom postsekundären Bildungswesen als kommerzialisierten Dienstleistungsbereich müssen sich viele deutsche Studierende erst gewöhnen, aber Werbung und Öffentlichkeitsarbeit ist Teil der amerikanischen Hochschullandschaft und für Amerikaner selbstverständlich.

 

Die Grafik bildet die Struktur des Bildungssystems in den USA ab. Es umfasst die Schulformen von der Vorschule, über die Junior High School bis hin zu den Universitätsabschlüssen.
Quelle: U.S. Network for Education Information

2.1.2. Indikatoren für Bildung

Indikator USA Stand OECD-Gesamt Stand
Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: primäre und sekundäre Bildung 3,7 % 2011 3,8 % 2011
Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: tertiäre Bildung 2,7 % 2011 1,6 % 2011
Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: Gesamtbildung 6,9 % 2011 6,1 % 2011
Wachstum des Bildungsanteils am BIP (Differenz i. Vgl. zum Vorjahr in Prozentpunkten) -0,4 2011 -0,2 2011
Anteil öffentlicher Bildungsausgaben an den öffentlichen Gesamtausgaben 13,6 % 2011 12,9 % 2011
Pro-Kopf Ausgaben pro Student/in 26.021 USD 2011 13.958 USD 2011
Anteil tertiär Graduierter an der Gesamtbevölkerung 52 % 2012 50 % 2012
Schülerzahl pro Lehrer, Primarstufe 15 2012 15 2012
Schülerzahl pro Lehrer, Sekundarstufe 15 2012 13 2012
Klassengröße, Primarstufe 21 2012 21 2012
Klassengröße, Sekundarstufe 27 2012 24 2012
PISA-Ergebnisse: Lesen 24. von 65 2012 --- ---
PISA-Ergebnisse: Naturwissenschaften 28. von 65 2012 --- ---
PISA-Ergebnisse: Mathematik 36. von 65 2012 --- ---

Quellen: "OECD - Education at a Glance 2014" und "OECD PISA 2012 – Ergebnisse"
Redaktion: 18.09.14, von: Helena Lübbers, Tim Mörsch und Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

2.1.3. Berufliche Bildung

In den USA ist lebenslanges Lernen bildungspolitisches Programm. Da Ausbildung überwiegend in staatlichen (z.T. auch privaten, staatlich anerkannten) Colleges und Universitäten stattfindet, werden die Ausbildungsaktivitäten dem "post- secondary" Bildungsbereich zugeordnet. Ausbildung während der High School gilt als Grundausbildung. 93% aller staatlichen High Schools bieten berufsbildende Kurse an. Jugendliche, die solche Kurse über mehrere Schuljahre besuchen, können sich die erworbenen Noten und Credits sowohl auf den Schulabschluss als auch auf die nachfolgende Berufsausbildung auf einem Community College anrechnen lassen. Eine Differenzierung zwischen Erstausbildung und Weiterbildung wird deshalb nicht vorgenommen. Betriebliche und berufliche Erfahrungen werden auf diese Bildungsgänge angerechnet.

Community Colleges

Community Colleges sind öffentliche (kommunale) Bildungseinrichtungen und tragen den Hauptanteil der in den USA stattfindenden Berufsbildung. Betriebe bilden in den USA in der Regel nicht aus. Ergänzend zu einer Ausbildung auf dem Community College bieten die Betriebe Praktikumsplätze an.

  • Die zweijährige Ausbildung auf den Community Colleges bereitet auf einen Berufseinstieg und auf die Fortsetzung der Ausbildung auf einem vierjährigen College vor. Sie richtet sich einerseits stark am Qualifikationsbedarf der örtlichen Wirtschaft aus, zum anderen sind allgemeinbildende Fächer verpflichtender Bestandteil der Curricula und der Abschlussprüfung. Idealtypisch soll für alle die Möglichkeit erhalten bleiben, entweder unmittelbar oder später auf einem vierjährigen College bzw. einer Universität die Ausbildung fortzusetzen. Auszubildenden, die keine zweijährige Ausbildung durchlaufen wollen oder können ist es möglich, nach einem Jahr vom Community College ein berufliches Zertifikat zu erhalten, das bei Wiederaufnahme der Ausbildung angerechnet wird. 
  • Ausbildungsgänge werden überwiegend nach beruflichen Handlungsfeldern, den Career Clustern, und nicht nach einzelnen Berufen konstruiert. Von den Einzelstaaten und/oder von Industrie- und Branchenverbänden anerkannte Skill Standards (Tätigkeitsmerkmale) geben die Grundlage für die beruflichen Inhalte und Lernziele. 
  • Die Curricula für die Ausbildung auf den Community Colleges werden von den einzelstaatlichen Bildungsbehörden genehmigt. Meist werden hier auch die Lernziele für den allgemeinbildenden Bereich festgelegt. In kommunalen Konsortien zusammenarbeitende Vertreter der gesellschaftlichen Gruppen und örtlichen Industrie wirken an Entscheidungen zur beruflichen Orientierung des Lehrangebots der Community Colleges mit. Die Ausbildung selbst wird vom Lehr- und Ausbildungspersonal der Colleges durchgeführt. Diese nehmen auch die Prüfungen ab. Praktikumsplätze in einzelnen Betrieben werden meist von dafür ausgewähltem betrieblichen Fachpersonal auf freiwilliger Basis betreut. 
  • An der Finanzierung der Ausbildung auf den Community Colleges sind die Kommune, der jeweilige Einzelstaat sowie mit Programm- und Projektförderung die US- Bundesregierung beteiligt. Außerdem müssen die Auszubildenden Studiengebühren bezahlen. Zur Verfügung stehende staatliche und private Stipendien erleichtern den Zugang von sozial schwachen Auszubildenden. Die Stipendien werden nach Leistungskriterien erteilt. Die Betriebe beteiligen sich z.T. indirekt an der Finanzierung, indem sie zur materiellen Ausstattung des Colleges beitragen.

Es gibt drei Arten von anerkannten Abschlüssen, die auf dem Arbeitsmarkt anerkannt werden: 

  1. College- und/oder Universitätsabschluss
    Der in einem beruflichen Schwerpunktbereich auf einem Community College zu erzielende Associate Degree ist der erste berufliche Abschluss. Das College nimmt nach zweijähriger Ausbildung die Prüfung ab. Für eine Reihe von beruflichen Tätigkeiten ist der Bachelor Degree nach vierjährigem College- bzw. Universitätsbesuch notwendig. Alle Collegeabschlüsse werden national anerkannt. 
  2. Zertifikate
    Nach einjähriger Ausbildung auf einem Community College kann diese mit einem Zertifikat testiert werden. Ein solches Zertifikat wird im Ausbildungskontext als Zwischenprüfung verstanden. Auf dem Arbeitsmarkt erlaubt es den Berufseinstieg. 
  3. Berufliche Lizenz
    Hierbei handelt es sich um staatliche Anerkennung zur Ausübung eines speziellen Berufes und/oder zur selbstständigen Erwerbsarbeit. Für die Lizenz muss je nach Beruf eine vorgegebene Ausbildung nachgewiesen werden. Diese Lizenzen müssen in mehrjährigen Abständen und unter Nachweis der Teilnahme an Fortbildung erneuert werden.

Obwohl es staatliche Programme zur Unterstützung betrieblicher bzw. betriebsnaher Ausbildung gibt, gehört diese in den USA nach wie vor zur Ausnahme. Dagegen nimmt die Anzahl der Betriebe zu, die Auszubildende als Praktikanten aufnimmt. Damit sie auf den Collegeabschluss anrechenbar sind, stimmen die Betriebe die Inhalte und Ziele der Praktika mit den Colleges ab. 

Seit einigen Jahren gibt es für 16 Berufsfelder bundeseinheitliche, wenn auch nicht gesetzlich verankerte Career Cluster. Diese zeichnen auf der Grundlage von gesicherten Tätigkeitsmerkmalen, den Skill Standards, berufliche Entwicklungsgänge vor. Im Wechsel zwischen Berufsarbeit und Lernaktivitäten, können die verschiedenen Abschlüsse im öffentlichen Bildungssystem erreicht werden. Einzelne Berufe werden von den Betrieben definiert. 

Immer mehr private Unternehmen treten mit Zertifzierungsangeboten auf den Bildungsmarkt, insbesondere im IT- Ausbildungsbereich. Diese Zertifizierungen werden von den Betrieben als Zusatzqualifikation anerkannt, z.T. sogar gefordert. 

Insgesamt hat berufliche Bildung in den USA während der vergangenen Dekade an gesellschaftlicher und bildungspolitischer Bedeutung zugenommen. Dies ist erkennbar am hohen finanziellen Volumen, das die US- Bundesregierung und die Einzelstaaten für Berufsausbildung zur Verfügung stellen, an der erhöhten Partizipation der Betriebe an der Curriculumentwicklung und an einer wachsenden Anzahl junger Erwachsener, die vor dem Berufseinstieg eine Ausbildung auf einem Community College absolvieren. Unverändert geblieben ist hingegen die traditionell hohe gesellschaftliche Bewertung von Collegeabschlüssen z.B. gegenüber einer betrieblichen Ausbildung, wenn diese einen solchen Abschluss nicht beinhaltet.

2.1.4. Schulen und Hochschulen

Das Schulsystem ist in den USA eine Angelegenheit der Bundesstaaten, woraus sich eine große Heterogenität ergibt. Wichtige Entscheidungen werden auch auf der Ebene der Schulbezirke gefällt, so dass selbst innerhalb der einzelnen Bundesstaaten erhebliche Unterschiede existieren. Auch die Schulpflicht ist von den Bundesstaaten unterschiedlich geregelt, in einigen Bundesstaaten reicht die Schulpflicht vom vollendeten sechsten bis zum villendeten achzehnten Lebensjahr, in anderen Bundesstaaten gibt es hingegen nur eine Bildungs- oder Unterichtspflicht, so dass dort keine Schule besucht werden muss.

Die meisten Schüler in den Vereinigten Staaten besuchen staatliche, über Steuergelder finanzierte Schulen. Etwa 10 % der US-Schüler besuchen private Schulen (private schools), für die eine jährliche Gebühr bezahlt werden muss.

Die Kinder werden gewöhnlich mit sechs Jahren eingeschult. Die Junior High Schools und Middle Schools umfassen meist die Klassenstufen 6-8, gelegentlich darüber hinaus auch die Klassenstufe 5 oder 9. Die High School ist für die sekundäre Ausbildung zuständig. Sie umfasst die Klassenstufen 9 bis 12 und wird mit dem High School Diploma abgeschlossen. Die High School ist eine Schule mit Kurssystem, also ohne Klassenverbände.

Die Bildungseinrichtungen/Hochschulen sind höchste Autorität für alle akademischen Fragen: Sie entscheiden autonom über Zulassung, Lehrplan, Anerkennung u.s.w. Berufsqualifizierende Lizenzen für Mediziner, Lehrer u.s.w. werden von den zuständigen (Berufs)verbänden (licensing agencies), in der Regel auf Bundesstaatenebene, vergeben.

Von den ca. 4000 US-Hochschulen sind etwa 50 % in privater (einige davon in konfessioneller) Trägerschaft. Die privaten Hochschulen (private institutions) werden durch Gelder der Bundesstaaten, Gemeinden oder Städte sowie durch Studiengebühren finanziert. In mehreren Staaten gibt es State University Systems, d.h. dass selbständige staatliche Hochschulen an verschiedenen Standorten administrativ zusammengefasst sind, wie z.B. die State University of New York mit mehreren Standorten im Staat New York. Die privaten Hochschulen finanzieren sich primär über Studiengebühren. Beide Hochschultypen erhalten zudem erhebliche Beträge aus privaten Spenden. Die Trägerschaft sagt nichts über die Qualität einer Hochschule aus; sowohl unter den privaten wie unter den öffentlichen Einrichtungen befinden sich Hochschulen mit internationalem Ruf.

  • Die Association of American Colleges and Universities (AACU) repräsentiert über 670 postsekundäre Einrichtungen, die dem Konzept der liberal arts-Ausbildung verbunden sind. Die Mitgliedsinstitutionen (in alphabetischer Reihefolge und nach Bundesstaat gegliedert) sind mit Links zu den einzelnen Homepages aufgeführt. 

  • Zur Association of American Universities (AAC) gehören derzeit 60 Universitäten (research universities). Teil der AAC ist die Association of Graduate Schools (AGS), die eine Anzahl von graduate programs beschreibt. 

  • Beim American Council on Education (ACE) findet man über 1.800 postsekundäre Einrichtungen jeglichen Typs. 

  • Die American Association of Community Colleges (AACC) informiert über community colleges, ermöglicht die Suche nach Regionen gegliedert und bietet links zu den einzelnen Einrichtungen. 

  • Der Council of Independent Colleges enthält Namen und Adressen von über 460 liberal arts colleges und universities. 

  • Der Council of Graduate Schools nennt Institutionen mit Studienprogrammen auf Graduierten-Niveau und bietet links zu allen Mitgliedshochschulen. 

Die Websites der jeweiligen Hochschulen bieten hervorragende Kontaktmöglichkeiten über E-Mail sowie detaillierte Information zu allen Bereichen, die für ausländische Bewerber von Interesse sind: Zulassung, Bewerbung, Fristen, Gebühren, Studieninhalte, Unterkunft und Stipendien. 

Hochschul-Rankings in den USA 

Obwohl die Rankings in amerikanischen Hochschulkreisen kritisch beurteilt werden, werden die vielen jährlich erscheinenden Publikationen zum Thema nicht nur von Studienbewerbern beachtet. Ranking - die Beurteilung amerikanischer Hochschulen bzw. Fakultäten und Aufstellung einer Rangfolge - ist aus dem amerikanischen Hochschulwesen nicht mehr wegzudenken. Je nach begutachtender Organisation und Kriterienkatalog können sich die Ergebnisse unterscheiden. Rankings haben einen kommerziellen Aspekt und werden hauptsächlich von privaten Einrichtungen oder den Medien durchgeführt, nicht von einer allgemein anerkannten staatlichen Autorität. 

2.1.5. Weiterbildung

Studie zum Weiterbildungsbedarf
iMOVE hat eine Studie zum Weiterbildungsbedarf des Landes veröffentlicht. Die Studie ist auf der Webseite von iMOVE abrufbar. iMOVE – International Marketing of Vocational Education

iMOVE
beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Robert-Schuman-Platz 3
53175 Bonn
Tel.: 0228/ 107-1745
Fax: 0228/ 107-2895
info(at)imove-germany.de
www.imove-germany.de

2.2. Forschungs- und Innovationslandschaft

2.2.1. Überblick

Die USA sind weiterhin das weltweit führende Land bei der Förderung von Forschung und Entwicklung. Die inneramerikanische Diskussion um die technologische Wettbewerbsfähigkeit der USA ist jedoch von der Wahrnehmung geprägt, dass die jahrzehntelange amerikanische Dominanz in Wissenschaft, Forschung und Entwicklung zunehmend schwindet und große Anstrengungen erforderlich sind, um die Stellung Amerikas zu behaupten. Insgesamt ist zwischen 1999 und 2009 der U.S.-Anteil an den globalen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung von 38 % auf 31 % gesunken.

Die USA haben die Notwendigkeit und den Wert internationaler Kooperation in Wissenschaft und Technik seit jeher erkannt. Wissenschafts- und Technologieabkommen wurden mit zahlreichen Ländern sowohl auf Regierungs- wie auf Ministeriumsebene entwickelt. 

Finanzierung von FuE

Die Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) wurden nach Erhebungen der National Science Foundation (NSF) im Jahr 2009 auf ca. $ 400 Mrd., d.h. 2,88% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) der USA geschätzt. Der weitaus größte Teil der Forschung wird mit 71,9 % (2009) von der Industrie durchgeführt. Der Anteil der bundesstaatlichen Förderung 25,4 %. In sonstigen Nonprofit-Organisationen finden 2,7 % der Forschungsaktivitäten statt.  

Nachdem rezessionsbedingt die Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Haushaltsjahr 2001/2002 auf einen Stand von nur 277 Mrd. $ gesunken waren, sind die Ausgaben wieder kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2004 haben sie die 300 Mrd. $-Grenze überschritten und bis 2009 sogar ein Niveau von 400 Mrd. $ erreicht. 

Die US-amerikanische Bundesregierung hat in den 30 Jahren bis 1979 kontinuierlich mehr als die Hälfte der für Forschung und Entwicklung aufgewendeten Mittel bereitgestellt. Im Zeitraum von 1979 bis 2000 ist dieser Anteil auf 25 % gesunken. In den letzten Jahren ist wieder ein leichter Anstieg zu festzustellen.

Zwei Anfang 2009 verabschiedete Gesetze, der 2009 Omnibus Appropriation Act und der American Recovery and Reinvestment Act, die primär der Wirtschaftskrise entgegenwirken sollen, lassen die gesteigerte Bedeutung von Forschung und Entwicklung unter der neuen US-Regierung deutlich werden. Die Gesetze spiegeln u.a. die strategischen Prioritäten der USA in FuE: Investionen in FuE in den Kernbereichen Grundlagenforschung (als Basis für Technologien der Zukunft), Saubere Energie, Gesundheit und Sicherheit werden als strategische Investitionen in die Zukunft der USA dargestellt. Laut Angaben des OSTP erfährt das von der US-Bundesregierung bereitgestellte Budget für FuE im Haushaltsjahr 2010 eine deutliche Steigerung auf 147,6 Mrd. $. Von dieser Erhöhung profitieren die Etats aller größeren Institutionen deutlich. 

In den letzten 30 Jahren wurde mindestens die Hälfte der bundesstaatlichen Mittel für Forschung und Entwicklung bei verteidigungsrelevanten Aktivitäten aufgewendet. Die Gesundheitsforschung steht nach der Verteidigungsforschung bei den bundesstaatlichen Ausgaben an zweiter Stelle. 

2.2.2. FuE-Indikatoren

Indikator USA Stand OECD-Gesamt Stand
Nationale FuE-Ausgaben 453.544 Mio. USD 2012 1.106.506,4 Mio. USD 2012
FuE-Ausgabenwachstum i. Vgl. zum Vorjahr 5,7 % 2012 4,76 % 2012
FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2,79 % 2012 2,40 % 2012
Anteil öffentlicher FuE-Ausgaben am BIP 0,86 % 2012 0,71 % 2011
Öffentlicher Anteil an den FuE-Ausgaben 30,8 % 2012 29,8 % 2011
Anteil der Wirtschaft an den FuE-Ausgaben 59,1 % 2012 59,9 % 2011
Ausländischer Anteil an den FuE-Ausgaben 3,8 % 2012 5,2 % 2011
FuE-Ausgaben in Universitäten (intramuros) 62.723 Mio. USD 2012 201.566,8 Mio. USD 2012
Anteil der FuE-Ausgaben in Universitäten am BIP 0,39 % 2012 0,44 % 2012
Anzahl Forscher (Vollzeitäquivalente) 1.252.948 2011 4.296.736 2011
Anzahl Forscher (VZÄ) je 1000 Arbeitnehmer 8,8 2011 7,7 2011
Anzahl Forscher (VZÄ) in privaten Unternehmen 853.000 2011 2.556.190 2011
Anzahl Forscher (VZÄ) in privaten Unternehmen in % der Gesamtzahl 68,1 % 2011 59,5 % 2011
Anzahl "triadischer" Patentfamilien (nach Prioritätsjahr) 12.722 2012 41.041 2011
Anteil an der Gesamtheit triadischer Patentfamilien 29,74 % 2012 96,33 % 2011

Quelle: OECD Main Science and Technology Indicators, 2014/1
Redaktion: 18.08.14, von: R. Glitz und M. Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

2.2.3. Forschungsorganisationen

NAS - National Academy of Sciences
Die National Academy of Sciences (NAS) ist eine private, nicht profitorientierte Gesellschaft von ausgewählten Forschern, die sich für die Verbreitung von Forschung und Wissenschaft zum Nutzen der Allgemeinheit einsetzen. Seit 1863 hat die Academy ein Mandat zur Beratung der Bundesregierung und des Kongresses in wissenschaftlichen und technischen Angelegenheiten.

Zurzeit gibt es ungefähr 2000 in- und 300 ausländische Mitglieder, von denen mehr als 180 einen Nobelpreis erhalten haben. Nobelpreisträger Ralph J. Cicerone ist Präsident der the National Academy of Sciences.

Die Akademie besteht aus drei Einheiten: Academy of Engineering (NAE), Institute of Medicine (IOM) und dem National Research Council (NRC).

NIH - National Institute of Health
Das NIH ist dem Ministerium "Department of Health and Human Services" zugeordnet. Der Recovery Act der Obama-Regierung sieht einen Anstieg der finanziellen Mittel des NIH vor: Das für 2010 festgelegte Budget beträgt 30,8 Mrd. $. Während der bei weitem größte Teil der Mittel für Projekte an über 3000 Universitäten, medizinischen Hochschulen und sonstigen Forschungseinrichtungen aufgewendet werden, fließen 10 % des Budgets in Projekte der 27 NIH-Institute.  
Aufgabe der NIH ist die medizinische Forschung mit dem Ziel der Gesundheitsverbesserung. Dies wird erreicht durch:

  • Forschung in eigenen Labors
  • Förderung der Forschung an Universitäten un Kliniken im ganzen Land
  • Weiterbildung von Forschern
  • Förderung der Kommunikation medizinischer Informationen.

NSF - National Science Foundation
Die National Science Foundation wurde 1950 gegründet und ist die größte Forschungsförderorganisation der USA in nichtmedizinischen Bereichen. Stand der NSF im Haushaltsjahr 2007 noch ein Jahresbudget von 5,92 Mrd. $ zur Verfügung, stieg das Budget bis 2010 auf 6,9 Mrd $ an. Bereits jetzt werden etwa 20 % der gesamten Grundlagenforschung an Universitäten außerhalb der Lebenswissenschaften werden durch NSF-Mittel finanziert. In Bereichen wie Mathematik, Computerwissenschaften und Sozialwissenschaften ist die NSF damit die wichtigeste Förderorganisation des Landes.

Die NSF gliedert sich in sieben Direktorate

  • Biological Sciences
  • Computer and Information Science and Engineering
  • Engineering
  • Geosciences
  • Mathematical and Physical Sciences
  • Social, Behavioral and Economic Sciences
  • Education and Human Resources

2.2.4. FuE im öffentlichen Sektor

Die USA liegen weiterhin, wie bereits seit 20 Jahren, bei den FuE-Ausgaben weltweit an der Spitze. Die Summe aller Forschungsausgaben ist 2009 auf 400 Mrd. $ angestiegen. Der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung am BIP betrug 2009 2,88 %, 72 % davon sind durch Unternehmen finanziert.

Die Unterstützung für die akademische Forschung und Entwicklung von bundesstaatlicher Seite iegt seit ungefähr 20 Jahren gleichbleibend bei 60 %.

Die bundesstaatlichen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung haben sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt, Grundlagenforschung und angewandte Forschung machen im Vergleich zu Entwicklungsaktivitäten zusammen mehr als die Hälfte der Mittel aus.

Die Universitäten liegen im Verantwortungsbereich der einzelnen Bundesstaaten, und auch der größte Teil der Mittel für Forschungsaufgaben der Universitäten werden von den Bundesstaaten zur Verfügung gestellt. Auf Grund der unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten der Bundesstaaten und der Auswirkungen der Krise seit dem Jahr 2008 haben diese Aktivitäten in den letzten Jahren zum Teil erhebliche Kürzungen hinnehmen müssen.

2.2.5. FuE im privaten Sektor

Der überwiegende Teil, in etwa zwei Drittel der Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung in den USA, wird von der Industrie finanziert. Multinationale Firmen sind die größten Investoren, hier sind Firmen wie Microsoft, IBM und Intel beispielhaft zu nennen. 

Der starke Risikokapitalmarkt, der sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt hat, stellte bis zum Einsetzen der Wirtschaftskrise einen wichtigen Erfolgsfaktor dar. Es bleibt abzuwarten, ob sich die derzeitigen Wirtschaftsförderprogramme positiv auf FuE im privaten Sektor auswirken und der Trend zur forschungsintensiven High-Tech-Produktion anhält.

Ein wichtiges Instrument für die Förderung der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im privaten Sektor ist die steuerliche Absetzbarkeit der hierfür eingesetzten Kosten. Ein erstes Tax Credit-Programm wurde 1981 eingeführt. Erklärtes Ziel ist es, die steuerliche FuE-Förderung (Research and Experimentation Tax Credit) als ein dauerhaftes Programm einzuführen, um verstärkte Anreize für private FuEAufwendungen zu setzen.

 

2.2.6. Öffentlich-private Zusammenarbeit in FuE

Eine rege Interaktion zwischen Wirtschaft und Universitäten findet z.B. durch privat finanzierte universitäre Forschung und durch Zusammenarbeit in Exzellenzzentren und -clustern statt.

Die U.S. Economic Development Administration unterstützt die Entwicklung und das Wachstum regionaler Innovationscluster. Auch die U.S. Small Business Administration hat das Ziel, Innovationscluster zu unterstützen.

Im Verantwortungsbereich der Departments of Defense existieren Technologiecluster zu den Themen Robotiks, Energie und Cyber-Security.

2.3. Stärken des Forschungssystems

2.3.1. Bio- und Agrarwissenschaften

Ein erheblicher Anteil der bundesstaatlichen Forschung und Forschungsförderung im Bereich der Biowissenschaften erfolgt durch das „Office of Science“ des „Department of Energy“ (DoE).
 
Das „Office of Science“ des DoE eröffnet seit über 50 Jahren mit dem “Biological and Environmental Research (BER) Program” nicht nur Möglichkeiten zur Forschung und Entwicklung von langfristigen Folgen der Energieerzeugung auf Gesundheit und Umwelt, sondern es spielt auch eine wichtige Runde in der biotechnologischen Forschung sowie in der Grundlagenforschung in Bezug auf den Klimawandel und die Umwelt.

Im April 2012 wurde die nationale Bioökonomie-Strategie („U.S. National Bioeconomy Blueprint“) veröffentlicht. Fünf strategische Handlungsfelder werden definiert: 

  • Support R&D investments that will provide the foundation for the future bioeconomy.
  • Facilitate the transition of bioinventions from research lab to market, including an increased focus on translational and regulatory sciences.
  • Develop and reform regulations to reduce barriers, increase the speed and predictability of regulatory processes, and reduce costs while protecting human and environmental health.
  • Update training programs and align academic institution incentives with student training for national workforce needs.
  • Identify and support opportunities for the development of public-private partnerships and precompetitive collaborations—where competitors pool resources, knowledge, and expertise to learn from successes and failures.

2.3.2. Energieforschung

Im Energiebereich standen in den USA bisher vor allem die effizientere Nutzung herkömmlicher Energien sowie der Ausbau der Kernenergie im Vordergrund . Die Obama-Administration hat im Mai 2009 „A clean Energy Future“ – insbesondere durch Energieeffizienz und erneuerbare Energien – als ein prioritäres Forschungsgebiet festgelegt. 

Bereits im Dezember 2007 wurde der „Energy Independence and Security Act“ unterzeichnet, in dem Ziele für die Verbrauchsstandards für Fahrzeuge sowie den Anteil an erneuerbaren Kraftstoffen festgesetzt werden Eine Erhöhung der Erzeugung von Biokraftstoffen (Ethanol aus Mais) sowie die Steigerung des Anteils an Windenergie und Solarenergie ist zu erwarten. Außerdem wurden zum ersten Mal seit 30 Jahren Anträge für die Genehmigung für vier neue Kernkraftwerke gestellt.
Mit dem Haushalt 2008 wird die Forschung in den Feldern erneuerbare Energien und Energieeffizienz weiter gestärkt. Außerdem besteht ein besonderes Interesse bei den sauberen Kohletechnologien.
 
Hauptförderer für die erneuerbaren Energien ist das „Office of Energy Efficiency and Renewable Energy“ des DoE, dessen Budget in den letzten Jahren starke Zuwächse verzeichnen konnte. Forschungsthemen sind hier vor allem Biomasse inklusive Biokraftstoffe, Sonnenenergie, Wasserstofftechnologien und Windenergie. An mehr als 10 der nationalen Forschungszentren des DoE wird Forschung zu den erneuerbaren Energien durchgeführt, eines dieser Zentren, das „National Renewable Energy Laboratory“ konzentriert sich ausschließlich auf diesen Bereich.

Im Bereich der Elektromobilität hat Präsident Obama am 19. März 2010 folgende politischen Ziele formuliert:

  • Bis 2015 sollen 1 Mio. Plug-in Hybridfahrzeuge auf den Straßen der USA fahren.
  • Es werden 2,4 Mrd. $ Fördergelder für die Entwicklung von einer neuen Generation von Plug-in Hybridfahrzeugen und entsprechenden Batteriekomponenten zur Verfügung gestellt.
  • Für die Käufer von Plug-in Fahrzeugen wird ein steuerlicher Anreiz von bis zu 7.500 $ in Aussicht gestellt.
  • Das Department of Energy (DoE) stellt den Herstellern in den USA  bis zu 1,5 Mrd. $ Fördergelder zur Produktion effektiver Batterien und ihrer Komponenten zur Verfügung.
  • Das DoE fördert Hersteller in den USA mit bis zu 500 Mio. $ bei der Herstellung von anderen Komponenten elektrischer Fahrzeuge, z.B. elektrische Motoren.
  • Das DoE stellt bis zu 400 Mio. $ für die Demonstration und Evaluation von Plug-in Fahrzeugen und Konzepten für die entsprechende Infrastruktur (z.B. Ladestationen) zur Verfügung.

Die Mittel für diese Maßnahmen stammen aus den Geldern des American Recovery and Reinvestment Act of 2009 (ARRA).

 Als ein Element der Umsetzung der Ziele der Obama-Regierung werden vom DoE Energy Innovation Hubs aufgebaut. Ein Batteries and Energy Storage Hub soll ab dem Haushaltsjahr 2011 mit insgesamt 34 Mio. $ gefördert werden. 

Ein MoU Helmholtz-NREL zur "Solar Energy Initiative“ ist am 23.06.2011 in Berlin unterzeichnet worden

Im Mai 2010 hat in Bonn ein Kooperationsworkshop des BMBF/BIBB und des Department of Education auf dem Gebiet international wettbewerbsfähiger Qualifikationsstandards in der Automobilindustrie stattfinden. Der Schwerpunkt lag bei der Elektroautotechnologie.


Im Bereich der Brennstoffzellen-Technologien haben die Vereinigten Staaten und die EU im Juni 2003 ein Partnerschaftsabkommen über unterzeichnet, mit dem Ziel, Kooperationsprojekte zu starten, um doppelte Anstrengungen zu minimieren, technische Hindernisse zu überwinden und gemeinsame Normen und Codes zur Stimulierung des Marktes zu schaffen. Die Vereinbarung wurde in den Anhang zum Abkommen über wissenschaftliche Zusammenarbeit im Bereich der nichtnuklearen Energie zwischen der EU und den USA aufgenommen, welches am 16. Juni 2003 unterzeichnet wurde.

2.3.3. Gesundheitsforschung

Die Zuständigkeit für den Sektor Gesundheit liegt beim Ministerium „U.S. Department of Health and Human Services“. Die neue Obama-Regierung betont die Bedeutung der Gesundheitsforschung und hebt das öffentliche Budget für 2010 in diesem Bereich weiter an. In dem nach wie vor gültigen strategischen Plan, der die Jahre 2007 bis 2012 umfasst, werden unter anderem auch die Ziele und Maßnahmen in der gesundheitsrelevanten Forschung und Entwicklung festgelegt. 

Vier Hauptziele werden formuliert:

  • Erhöhung der Anzahl qualifizierter Forscher
  • Vergrößerung des grundlegenden medizinischen Wissens
  • Durchführung angewandter Forschung
  • Transfer von Forschungsergebnissen in die Anwendung

An der Umsetzung dieser Ziele sind unter anderem die Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ), die Centers for Disease Control and Prevention (CDC), die Food and Drug Administration (FDA) und vor allem die National Institutes of Health (NIH) beteiligt.
 
Themen, die in besonderem Fokus stehen, sind: Gehirnforschung, Alzheimer, (Lungen-) Krebsforschung, Asthma, Grippe-Pandemie, antimikrobielle Resistenzen, Fettleibigkeit, menschlichen Entwicklung, Herz-Kreislauferkrankungen, Sicherheit von Lebensmitteln, Medikamenten und Geräten, Behandlung von Drogenmissbrauch.

Eine forschungspolitische Neuerung im Bereich der Gesundheitsforschung ist die im März 2009 verkündete Executive Order, die die unter der Bush-Administration angeordneten Beschränkungen zur Stammzellenforschung aufhebt. Allerdings steht die gerichtliche Klärung der Zulässigkeit der Förderung durch die U.S.-Bundesregierung weiterhin aus. 

Hauptträger der biomedizinischen Forschung sind die zum Department of Health and Human Services (DHHS) gehörenden National Institutes of Health (NIH) mit 27 Instituten und  Zentren, die mehr als 80% ihres Budgets für externe Forschung an über 3.000 Universitäten und anderen Wissenschaftseinrichtungen weltweit ausgeben. Ca. 6.000 Wissenschaftler arbeiten in eigenen NIH-Laboratorien, die sich überwiegend auf dem NIH-Hauptcampus in Bethesda (Maryland) befinden. Dort hat auch das NIH Clinical Center seinen Standort – das weltweit größte Krankenhaus, das ausschließlich der klinischen Forschung gewidmet ist.

Als Grundlage der Zusammenarbeit zwischen deutschen und US-amerikanischen Forschern wurde 1998 ein bilaterales Abkommen zur Gesundheitsforschung erneuert, das die seit über 20 Jahren bestehende Zusammenarbeit zwischen dem BMBF und dem Department of Health and Human Services (DHHS) sowie dem ihm angeschlossenen weltweit größten Forschungsinstitut in der Gesundheitsforschung, dem National Institute of Health (NIH), fortschreibt.

Besonders intensiv und erfolgreich waren in der Vergangenheit Kooperationen im Bereich der Herz-Kreislauf-Forschung, der Krebsforschung sowie der Lungenforschung. Derzeit besteht ein Austausch in den Bereichen Schmerzforschung, Demenzforschung, klinische Forschung und molekulare Medizin. 

  • 2009 wurde zwischen dem BMBF und dem Californian Institute of Regenerative Medicine (CIRM) eine engere Zusammenarbeit im Bereich der Regenerativen Medizin vereinbart.
  • Ebenfalls 2009 haben BMBF und NSF eine Kooperationsvereinbarung für die computational neuroscience geschlossen.
  • Eine Kooperationsvereinbarung des National Cancer Institute mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum über ein Austauschprogramm für Nachwuchswissenschaftler (DKFZ-NCI Fellowship Program in Cancer Research) wurde im Februar 2010 unterzeichnet. 
  • Im Herbst 2011 startete das BMBF eine internationale Kampagne „Werbung für den Innovationsstandort Deutschland“, bei der Verbünde, bestehend aus Wirtschafts- und Wissenschaftsvertretern, darin unterstützt werden sollen, Kooperationen im Bereich der Medizintechnik in Zielländern,  u.a. den USA, zu erschließen oder zu vertiefen.

2.3.4. Grundlagenforschung

Die physikalische Grundlagenforschung ist seit Jahren ein Schwerpunkt der U.S.-amerikanischen Forschungsförderung. Die Obama-Administration strebt weiterhin an, die Forschungsmittel der drei Schlüsseleinrichtungen der Grundlagenforschung – NSF, Department of Energy (DOE) Office of Science (DOE-OS) und National Institute of Standards and Technology (NIST)-Laboratorien –zu verdoppeln. Das Budget des DOE-OS, aus dem die physikalische Grundlagenforschung und die Nationallaboratorien gefördert werden, soll erheblich aufgestockt werden. Diese Mittel sollen hauptsächlich für Forschung zur Deckung des langfristigen Energiebedarfs eingesetzt werden.

Die Forschungsaktivitäten in der physikalischen Grundlagenforschung finden vor allem in den folgenden nationalen Laboratorien statt.

  • Ames Laboratory
  • Argonne National Laboratory
  • Brookhaven National Laboratory
  • Fermi National Accelerator Laboratory
  • Idaho National Laboratory
  • Lawrence Berkeley National Laboratory
  • Lawrence Livermore National Laboratory
  • Los Alamos National Laboratory
  • National Energy Technology Laboratory
  • National Renewable Energy Laboratory
  • Oak Ridge National Laboratory
  • Pacific Northwest National Laboratory
  • Princeton Plasma Physics Laboratory
  • Sandia National Laboratory
  • Savannah River National Laboratory
  • SLAC National Accelerator Laboratory
  • Thomas Jefferson National Accelerator Facility

Thematisch liegen die Schwerpunket der Pysikalischen Grundlagenforschung in vier Forschungsgebieten:

  • Das Office of High Energy Physics unterstützt in seinem breit und langfristig ausgerichteten Programm Aktivitäten in drei Bereichen der Teilchenphysik. Die fundamentalen Bestandteile und die Architektur des Universums werden durch die Erzeugung und Kollision von Hochenergiepartikeln, die in Beschleunigern generiert werden, untersucht. Die Kombination von dichten Teilchenstrahlen und hochsensiblen Detektoren eröffnet eine Möglichkeit zur Erforschung von Neutrinos. Des weiteren steht die Erforschung von Dunkler Materie und Dunkler Energie im Fokus.
  • Das Office of Nuclear Physics führt Aktivitäten durch zur Entdeckung und Erforschung aller Formen nuklearer Materie. Dieses Programm wird in Abstimmung mit dem Nuclear Physics Program der NSF durchgeführt. Das DOE und die NSF fördern fast die gesamte Grundlagenforschung im Gebiet der Nuklearphysik in den USA
  • Das Fusion Energy Program Office hat das Ziel, die Kenntnisse über Materie bei sehr hohen Temperaturen und Dichten zu erweitern. Dies stellt die wissenschaftliche Grundlage zur Entwicklung einer Quelle für Fusionsenergie dar.
  • Das Basic Energy Sciences Programm unterstützt Grundlagenforschung im Bereich des Verständnisses und der Kontrolle von Materie und Energie auf dem Niveau von Elektronen, Atomen und Molekülen. Langfristiges Ziel ist es, die Grundlage für neue Energietechnologien zu legen. Außerdem sollen Grundlagen für andere Forschungsbereiche wie Umwelt und gelegt werden. Das Basic Energy Sciences Program fördert mehr als 160 Forschungsinstitute in drei Bereichen: Material- und Ingenieurswissenschaften; Chemie, Geo- und Biowissenschaften sowie Wissenschaftliche Infrastruktur

 

Das National Institute of Standards and Technology (NIST) wurde im Jahr 1901 gegründet und ist heute in Zuständigkeit des U.S. Department of Commerce. Das NIST mit rund 2.900 Angestellten verteilt sich auf zwei Standorte in Gaithersburg (Maryland) und in Boulder (Colorado). Das Institut ist für Standardisierungsprozesse zuständig und trägt damit zum Abbau von Handelshemmnissen bei. Im Haushaltsjahr 2012 verfügt das NIST über ein Budget von 750,8 Mio. $ zuzüglich 62,7 Mio. $ eingenommener Servicegebühren und 128,9 Mio. $ von Seiten anderer Behörden.

2.3.5. Information und Kommunikation

Das Programm „Networking and Information Technology Research & Development” (NITRD) bildet einen Rahmen, in dem viele bundesstaatliche Stellen zusammenkommen, um ihre Aktivitäten in der Forschung und Entwicklung in den Informationstechnologien zu koordinieren. Die Zusammenarbeit der bundesstaatlichen Stellen in NITRD fördert die Effizienz und Produktivität der bundesstaatlichen Investitionen in die IT-Forschung.

Das NITRD-Programm umfasst folgende Gebiete:

  • Big Data (BD)
  • Cyber Physical Systems (CPS)
  • Cyber Security and Information Assurance (CSIA)
  • Health Information Technology Research and Development (Health IT R&D)
  • Human Computer Interaction and Information Management (HCI&IM)
  • High Confidence Software and Systems (HCSS)
  • High End Computing (HEC)
  • Large Scale Networking (LSN)
  • Software Design and Productivity (SDP)
  • Social, Economic, and Workforce Implications of IT and IT Workforce Development (SEW)
  • Wireless Spectrum Research and Development (WSRD)

Das Office of Advanced Scientific Computing Research (ASCR) des Department of Energy unterstützt Forschung und Entwicklung in angewandter Mathematik, Computerwissenschaften und integrierten Netzwerkumgebungen. Dieses Programm stellt die umfangreichste Initiative in den Informationswissenschaften in den USA dar.

Das ASCR verfügt über folgende Einrichtungen im Bereich Supercomputing:

  • Oak Ridge Leadership Computing Facility
  • Argonne Leadership Computing Facility
  • NERSC (National Energy Research Scientific Computing Center (NERSC) am Lawrence Berkeley National Laboratory)
  • ESnet (Energy Sciences Network)
  • INCITE (The Innovative & Novel Computational Impact on Theory and Experiment)
  • ALCC (ASCR Leadership Computing Challenge)

2.3.6. Mobilität und Raumfahrt

In der Raumfahrtpolitik wurde mit der im Juni 2010 vorgestellten neuen nationalen Weltraumstrategie sowie dem Ende September 2010 vom Kongress mit parteiübergreifender Unterstützung verabschiedeten und im Oktober 2010 von Präsident Obama unterzeichneten NASA Authorization Act 2010 eine Kehrtwende eingeleitet. Das Constellation-Programm der Vorgängerregierung, das auf eine Rückkehr zum Mond abzielte, soll eingestellt werden. Stattdessen sollen die Wissenschafts- und Technologieprogramme der NASA bevorzugt gefördert werden. Die Internationale Weltraumstation (ISS) soll mindestens bis 2020 genutzt und 2011 eine letzte, zusätzliche Shuttle-Mission durchgeführt werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung kommerzieller Transportkapazitäten für die bemannte Raumfahrt im erdnahen Weltraum sowie einer neuen Schwerlast-Trägerrakete für die Erforschung des Weltalls. Der Haushaltsentwurf des Präsidenten für 2012 schreibt das Gesamtbudget der NASA mit 18,7 Mrd. USD auf dem Niveau von 2010 fort und unterlegt damit finanziell sämtliche Elemente des NASA Authorization Act 2010. Anfang Februar 2011 wurde zudem die U.S. National Security Space Strategy vorgestellt, die vor allem auch die Bildung und den Ausbau von Partnerschaften mit verantwortlich agierenden Ländern, internationalen Organisationen und privaten Unternehmen vorsieht.

Raumfahrtaktivitäten werden vielfach im internationalen Kontext durchgeführt. Kooperationspartner in Deutschland ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, das in Washington auch über ein eigenes Verbindungsbüro verfügt. Am 8. Dezember 2010 wurde zwischen DLR und NASA ein Rahmenabkommen über die Zusammenarbeit beider Organisationen in der Luft- und Raumfahrtforschung abgeschlossen.

Ein Beispiel der Zusammenarbeit mit der NASA ist das deutsch-amerikanisches Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie – SOFIA. Das Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie (SOFIA) ist ein gemeinsames deutsch-amerikanisches Vorhaben zur Erforschung des Weltalls. Mit dem in eine modifizierte Boeing 747SP integrierten 2,7 Meter-Teleskop werden astronomische Beobachtungen im Infrarot- und Submillimeter-Wellenlängenbereich weitgehend oberhalb der störenden irdischen Lufthülle durchgeführt.

2.3.7. Nanotechnologie

Die Forschungsaktivitäten in der Nanotechnologie werden seit 2000 auf Bundesebene durch die U.S.-ressort- und behördenübergeifende „National Nanotechnology Initiative“ (NNI) koordiniert. Die NNI schließt die Aktivitäten in der Nanotechnologie von 25 bundesstaatlichen Einrichtungen zusammen, 15 von diesen Einrichtungen haben ein eigenes Budget speziell für nanotechnologiscne Forschung und Entwicklung. Das jährliche Budget der NNI liegt insgesamt bei ca. 1,8 Mrd. $.

Entsprechend eines strategischen Plans erfolgt die Förderung in acht Themenbereichen

  • Fundamental Nanoscale Phenomena and Processes
  • Nanomaterials
  • Nanoscale Devices and Systems
  • Instrumentation Research, Metrology, and Standards for Nanotechnology
  • Nanomanufacturing
  • Major Research Facilities and Instrumentation Acquisition
  • Environment, Health, and Safety
  • Education and Societal Dimensions

2.3.8. Sicherheitsforschung

Die Sicherheitsforschung ist für die USA ein zentrales Thema, die in dem 2002 gegründeten Ministerium U.S. Department of Homeland Security gebündelt wurden.

Neben vielen anderen Abteilungen ist diesem Ministerium auch ein Science and Technology Directorate untergeordnet, in dem die forschungs- und entwicklungsrelevanten Themen bearbeitet werden.

Neben dem Department of Homeland Security sind auch andere Ministerien für relevante Teilaspekte verantwortlich.
 
Schwerpunkte der Forschung sind:

  • Abwehr von chemischen und biologischen Bedrohungen, insbesonders durch Detektionssysteme
  • Verteidigung gegen nukleare Bedrohungen und nichtnukleare Explosivstoffe
  • Medizinische Maßnahmen
  • Technologien zur Sicherung der Grenzen
  • IT-Sicherheit
  • Sicherung von Infrastruktur
  • Maßnahmen gegen Tierkrankheiten

 
In den Homeland Security Centers of Excellence (HS-Centers) werden Experten und Forscher zusammengebracht, die bei verschiedenen sicherheitsrelevanten Forschungsthemen zusammenarbeiten. Jedes dieser Zentren bzw. Netzwerke wird von einer Universität geleitet, die mit verschiedenen Partnern anderer wissenschaftlicher Institutionen und aus dem privaten Sektor zusammen auf dem jeweiligen Gebiet arbeitet.

Die von der Obama-Administration im Mai 2010 vorgelegte nationale Sicherheitsstrategie erläutert die generellen politischen Zielsetzungen der USA im Sicherheitsbereich und betont insbesondere die Notwendigkeit, im Interesse der Sicherheit der USA die internationale Kooperation in Wissenschaft und Technologie auszuweiten. Zur Umsetzung dieser Schwerpunktsetzung hat die U.S.-Regierung unter Federführung des Department of Homeland Security (DHS) eine Reihe von bilateralen Kooperationsabkommen im Bereich der Sicherheitsforschung mit anderen Ländern geschlossen, zuletzt im Juni 2011 mit Spanien (ähnliche Vereinbarungen bestehen mit elf anderen Ländern, darunter Australien, Deutschland (2009), Frankreich, Großbritannien, Israel, Kanada und Neuseeland).

2.3.9. Umwelt- und Klimaforschung

Die Environment Protection Agency (EPA), im Umweltbereich zuständig für Wissenschaft, Forschung und Ausbildung, umfasst etwa 17.000 Beschäftigte in Washington DC, zehn regionalen Büros sowie in mehr als einem Dutzend Forschungseinrichtungen. Im Januar 2009 wurde Lisa P. Jackson als neue Leiterin der EPA vom Senat bestätigt, mit ihr erfolgt eine Neuorientierung der Schwerpunktsetzung im Umweltbereich. Die von EPA durchgeführten Aktivitäten werden sich zukünftig auf folgende Bereiche konzentrieren:

  • Senkung der Emissionen an Treibhausgasen
  • Verbesserung der Luftqualität
  • Bewältigung der Risiken durch Chemikalien
  • Säuberung von mit Sondermüll kontaminierter Flächen
  • Wasserschutz

Ein wichtiges politisches Ziel der USA ist es, Energieunabhängigkeit insbesondere von Ölimporten zu erlangen, womit auch ein Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz verbunden ist. Neben der Energiesicherheit stehen auch die Sauberkeit der Technologien und der Klimawandel im Fokus. 
Die USA sind schon seit langer Zeit mit verschiedenen Programmen und einer Vielzahl von Einrichtungen in der Klimaforschung. Grundlage der amerikanischen Klimaforschung ist das U.S. Global Change Research Program (USGCRP), das 1989 ins Leben gerufen und vom Kongress 1990 durch den „Global Change Research Act“ bestätigt wurde. Maßgeblich beteiligt daran sind neben verschiedenen Ministerien und Behörden die NASA, die National Science Foundation (NSF) und das Smithonian Institute. Das USGCPR verfolgt folgende langfristig angelegte Forschungsziele:

  • Beschaffenheit der Atmosphäre
  • Klimaveränderung
  • Globaler Karbonzyklus
  • Globaler Wasserzyklus
  • Ökosysteme
  • Landnutzung/Oberflächenveränderungen
  • Einflüsse der Menschheit auf das Klima

Innerhalb von 13 Jahren wurden in diesem Programm über 20 Mrd. $ aufgewendet. 
Im Juni 2001 erfolgte mit der U.S. Climate Change Research Initiative (CCRI) eine neue Prioritätensetzung innerhalb der Klimaforschung, die sich primär auf kurzfristig mögliche Verbesserungen (2-5 Jahre) bei der Beschaffung und Verwaltung entscheidungsrelevanter Informationen konzentrieren soll. Ziel der Initiative ist es zum einen, die Unsicherheiten in vielen Bereichen auszumerzen. Zum anderen strebt sie die Verbesserung globaler Systeme zur Klimabeobachtung durch eine Verringerung der bislang vielen wissenschaftlichen Unbekannten an. Als politisches Instrument der Regierung dient CCRI sowohl dem Umweltschutz als auch den Wirtschaftswachstum.  

  1. Rolle der Aerosole für die Atmosphäre definieren und bewerten
  2. Modellhaft Karbonzyklen und –sänken erfassen und inventarisieren
  3. Einrichtung eines Zentrums für Klimamodellforschung
  4. „Risk Management“ – geeignete Maßnahmen entwickeln
  5. Beobachtung der Erdatmosphäre
  6. Beobachtung der Ozeane
  7. Satellitenbeobachtung

Im Februar 2002 wurde außerdem das Climate Change Science Program (CCSP) ins Leben gerufen, das die beiden Programme USGCRP und CCRI zusammenfassen, koordinieren und integrieren soll. Es hat folgende drei Schwerpunkte: 

  • wissenschaftliche Forschung (z.B. Erforschung der verschiedenen Klimamodelle, die für die Erde in diesem Jahrtausend einen Anstieg von 1 bis 4° Celsius voraussagen)
  • Verbesserte Integration der Systeme zur Erdbeobachtung
  • Entwicklung unterstützender Ressourcen für Entscheidungsprozesse, einschließlich ausführlicher Analysen möglicher Folgen für die Umwelt, Wirtschaft und Energiesysteme

Das Climate Change Technology Program (CCTP), das ressortübergreifend für die Forschung und Entwicklung von Technologien für den Klimabereich verantwortlich zeichnet, wurde im Jahr 2002 initiiert. Im Haushaltsjahr 2007 wurden insgesamt über 300 Mio. $ für das CCTP aufgewendet. 

Die „Transatlantische Klimabrücke“ fördert als Initiative der Bundesregierung eine verstärkte Zusammenarbeit in Klima- und Energiefragen. Ziel ist es, klimapolitisch aktive Kräfte zu vernetzen und die Vorstellungen deutscher und europäischer Klima- und Energiepolitik in die nordamerikanische Diskussion  einzubringen. 

3. Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik

3.1. Ministerien und Gremien

3.1.1. Überblick

Im Bereich der Bundesadministration wird die Gestaltung der Wissenschaftspolitik und öffentlichen Förderung von Forschung und Entwicklung von einem breiten Spektrum von Behörden, Fachministerien, Agenturen und Gremien getragen. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in den USA weder ein Wissenschafts- bzw. Forschungsministerium noch einen gemeinsamen Forschungsetat.

Die vielfältigen Aktivitäten der verschiedenen Fachministerien und anderen staatlichen Einrichtungen werden formal im Weißen Haus durch das Office of Science and Technology Policy (OSTP), das Office of Management and Budget (OMB), den National Science and Technology Council (NSTC) und den President’s Council of Advisors on Science and Technology (PCAST) koordiniert.

3.1.2. Für Bildung und Forschung zuständige Ministerien

Der Bildungsbereich wird auf bundesstaatlicher Ebene vom 1980 gegründeten U.S. Department of Education vertreten, der aber nur einen sehr eingeschränkten Zuständigkeitsbereich hat.


Forschung und Entwicklung erfährt in den USA ihre öffentliche Förderung von einem breiten Spektrum von Ministerien (Departments) und Bundesagenturen und wird von 13 verschiedenen Kongresskomitees kontrolliert. Die bugetmäßig größten Fördergeber sind:

  • Department of Defense
  • Department of Heath
  • NASA
  • Department of Energy

Folgende Bundesbehörden spielen im Kontext der FuE-Förderung eine prominente Rolle

  • National Science Foundation –NSF
  • Department of Energy –DoE
  • Laboratorien des National Instititute of Standards and Technology –NIST
  • National Institutes of Health –NIH
  • National Aeronautics and Space Administration –NASA
  • National Oceanic and Atmospheric Administration –NOAA
  • Department of Homeland Security –DHS
  • Department of Defense –DoD
  • Environmental Protection Agency –EPA
  • Department of the Interior -DOI / United States Geological Survey –USGS
  • Department of Agriculture –USDA
  • Department of Education –ED
  • Department of Transportation –DOT

 

Das Department of State (DOS) hat kein eigenes, signifikantes FuE-Budget und auch keinen direkten Zugriff auf die (Forschungs-) Aktivitäten anderer Ressorts oder von Wissenschaftseinrichtungen. Es spielt aber n der internationalen Kooperation aber auf dem Gebiet der Wissenschaftsaußenpolitik bzw. -diplomatie (Science Diplomacy) u. a. über die Abkommen im Bereich der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit (WTZ) eine Rolle.

 

3.1.3. Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungspolitik

Großen Einflus auf die Gestaltung der U.S.-Wissenschaftspolitik haben ferner regierungsnahe Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen.

Der President´s Council of Advisors on Science and Technology (PCAST) war ursprünglich vom damaligen Präsidenten George Bush im Jahr 1990 eingesetzt worden, um den Präsidenten seitens der Wirtschaft und der akademischen Forschung in Fragen der technologischen Entwicklung, der Forschungsprioritäten sowie der naturwissenschaftlichen Ausbildung zu beraten. PCAST besteht zur Zeit aus 20 Mitgliedern. Zu den Vorsitzenden von PCAST wurden Dr. John P.  Holdren, Dr. Harold Varmus und Dr. Eric Lander berufen. Die weiteren Mitglieder des Rates sind ausgewiesene Persönlichkeiten aus Industrie, Bildung und Forschungsorganisationen, die vom Präsidenten ernannt werden.

Daneben füllt die National Academy of Sciences (NAS) ihre seinerzeit bei ihrer Gründung von Präsident Jefferson zugewiesene Rolle aus, die Regierung in Schlüsselfragen der Wissenschaftspolitik zu beraten. Sowohl PCAST als auch NAS betrachten aktuell die Rolle der Wissenschaft und Technik bei der Bekämpfung des Terrorismus als vordringliches Thema. Ihre Empfehlungen finden Niederschlag in der differenzierten Ausgestaltung einer zentralen Einheit zur Prävention und Bekämpfung von Terror mit Mitteln der Wissenschaft im US Department of Homeland Security (DHS). Die Benennung von John Holdren unterstreicht hingegen die besondere Bedeutung der Klima- und Energiepolitik in der neuen Regierung von Präsident Obama.

Das National Science Board (NSB) wurde 1950 vom Kongress als Politkberatungsorgan und als Steuerungsgremium für die National Science Foundation (NSF) installiert. Das NSB besteht aus 24 Mitgliedern, die vom US-Präsidenten ernannt und vom US-Senat bestätigt werden. Der Direktor der NSF ist von Amts wegen Mitglied. Die auf sechs Jahre ernannten Mitglieder kommen aus Industrie und Universitäten und repräsentieren die Breite der Wissenschaftsdisziplinen. Das NSB bestätigt die neuen Programme der NSF und führt Evaluationen durch. Es initiiert Studien und Berichte zu einem breiten politischen Themenspektrum. Hierzu gehört die zweijährliche Veröffentlichung der "Science and Engineering Indicators".

Eine besondere Bedeutung kommt der American Association for the Advancement of Science (AAAS) zu, die als größte und sämtliche Disziplinen abdeckende Wissenschaftsorganisation übergreifende Interessen der Science Community gegenüber Regierung und Kongress vertritt und auch auf internationaler Ebene als Stimme der U.S.-Wissenschaft wirkt.

Auch wissenschaftliche Fachgesellschaften und Vereinigungen wie die American Physical Society (APS), die American Chemical Society (ACS), die Society for Neuroscience (SfN) sowie im Hochschulbereich z. B. die Association of American Universities (AAU) oder der Council of Graduate Schools (CGS) sind einflussreiche Akteure im komplexen  wissenschaftspolitischen Entscheidungsprozess.

3.2. Politische Zielsetzungen

3.2.1. Überblick

Die USA sind weiterhin das weltweit führende Land bei der Förderung von Forschung und Entwicklung. Die inneramerikanische Diskussion um die technologische Wettbewerbsfähigkeit der USA ist jedoch von der Wahrnehmung geprägt, dass die jahrzehntelange amerikanische Dominanz in Wissenschaft, Forschung und Entwicklung zunehmend schwindet und große Anstrengungen erforderlich sind, um die Stellung Amerikas zu behaupten.

Darüber hinaus wird auch Kritik am U.S.-Innovationssystem geäußert, das – in der Breite – bei der Umsetzung von Forschungsergebnissen in neue, innovative Produkte, Verfahren und Dienstleistungen leistungsfähiger werden müsse. Staatlich geförderte Grundlagenforschung auf der einen und Technologieentwicklung durch Wirtschaft / Industrie auf der anderen Seite sei zu stark getrennt. Dies erschwere den raschen Transfer von Ideen und Wissen hin zu (welt-)marktfähigen Anwendungen. Zunehmend setzt sich auch die Einsicht durch, dass die Kompetenz der USA in Forschung und Innovation nur bei einer entsprechenden industriellen Basis mit einem starken produzierenden Sektor und einer erstklassigen Infrastruktur erhalten werden kann.

3.2.2. Bildungspolitische Ziele

In der Bildungspolitik und Bildungsplanung liegen die Verantwortlichkeiten in erster Linie bei den Gemeinden und Bildungsinstitutionen selber sowie bei den einzelnen Bundesstaaten. Das Bildungswesen ist dementsprechend komplex und zersplittert.
 
Trotz der nur eingeschränkten bundesstaatlichen Zuständigkeit wurde 1980 das U.S. Department of Education mit folgenden übergeordneten Zielen im Fokus gegründet:

  • Sicherstellung gleicher Bildungschancen für alle
  • Ergänzung der Bildungsangebote der Bundesstaaten bzw. Gemeinden zur Verbesserung der Qualität der Ausbildung
  • Verbesserung der Ausbildung durch Forschung, Evaluation und Bereitstellung von Material

Diese Ziele werden in verschiedenen bundesstaatlichen Programmen der letzten Jahre weiter konkretisiert.
 
Das Programm No Child Left Behind zielt vor allem auf die Verbesserung der Lese- und Mathematikfähigkeiten von Schülern, die Qualifizierung von Lehren und die Vergrößerung der Verantwortlichkeit der Schulen.
 
Im September 2006 wurde vom U.S. Department of Education ein Aktionsplan zur Verbesserung der der tertiären Bildung vorgestellt.
 
Mehrere Programme des U.S. Department of Education haben die Förderung der Lesefähigkeit von Schülern im Fokus. Dies erstreckt sich von der Phase des Lesenlernens bis hin zu Leseschwierigkeiten bei High School-Schülern.
 
Ein Programm im High School Bereich stellt besondere Unterstützungen für Schulen mit einem hohen Anteil von Schülern aus armen Familien zur Verfügung.
 
Das 2006 etablierte National Mathematics Advisory Panel ist beratend zur Verbesserung der Lehre und des Lernens von Mathematik tätig.
 
Das Center for Rural Education kümmert sich um die besonderen Belange von Schülern und Studenten in ländlichen Bezirken.

3.3. Initiativen und Programme

3.3.1. Programme in der Bildung

Wie sein Vorgänger betont Präsident Obama die Bedeutung von Bildung für die Zukunft der USA. Im American Recovery and Reinvestment Act von 2009 (ARRA) wird auch für die Verbesserung der schulischen und universitären Ausbildung Geld bereitgestellt, u.a.:  

• 5 Mrd. $ für early learning programs
• 77 Mrd $ für Reformen der primären und sekundären Schulbildung 
• über 30 Mrd $ für Stipendien und andere Maßnahmen, die den Zugang zu Colleges und tertiärer Bildung ermöglichen. 

Strategisch wird in die sogenannte STEM education investiert - Bildung für Wissenschaft, Technologie Ingenieurwissenschaften und Mathematik. Zu den Programmen in diesem Bereich gehört z.B. das Mathematics and Science Partnerships Program, ein Programm mit einem Budget von knapp 200 Mio. $ im Haushalt 2010, das insbesondere auf die Verbesserung der schulischen Ausbildung in Naturwissenschaften und Mathematik ausgerichtet ist. 

Die US-Staaten fördern ebenfalls eine Vielzahl von Aktivitäten zur Zertifizierung, Einstellung, Personalentwicklung und Unterstützung von Lehrkräften und Lehradministration. Weitere Themen sind die Lehrevaluation und die Einführung leistungsgerechter Vergütungssysteme.

Die No Child Left Behind Initiative, eine unter Bush ins Leben gerufene Initiative zur Erziehungsforschung und der Ertüchtigung Jugendlicher in den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaften, wird auch unter Obama weiter geführt. 

Die Regierung von US Präsident Obama kündigte am 25. Oktober 2011 Veränderungen an, die den Umgang mit durch Studienkredite verursachten Schulden vereinfachen sollen. Ziel ist es, Hochschulabsolventen eine Möglichkeit zu geben, entstandene Schulden schneller als bisher abzubezahlen und Studienbewerbern die Angst vor der Einschreibung zu nehmen. Derzeit haben mehr als 36 Mio. Amerikaner Schulden durch staatliche Studienkredite. Durch die neuen Maßnahmen und beträchtliche Investitionen in Studienzuschüsse (Pell Grants) sowie den American Opportunity Tax Credit zielt die Regierung darauf ab, den Zugang zu einem Studium zu erleichtern und dieses insgesamt attraktiver zu machen.

3.3.2. Programme in der Forschung

Der American Recovery and Reinvestment Act von 2009 (ARRA) wurde vom Kongress beschlossen und von Präsident Obama am 17. Februar 2009 als Gesetz unterzeichnet. Ziel ist es, die Wirtschaft der USA zu unterstützen und dem wirtschaftlichen Abschwung entgegenzuwirken. Neben Maßnahmen wie Steuererleichterungen, der Ausweitung von Sozialleistungen wie der Arbeitslosenunterstützung und zahlreichen Investitionen in z.B. Infrastruktur, Gesundheitswesen und Ausbildung erhalten auch Wissenschafts- und Förderorganisationen zusätzlich insgesamt $ 8,9 Mrd., die sich wie folgt zusammensetzen:

  • $3 Mrd für die National Science Foundation
  • $2 Mrd. für das United States Department of Energy
  • $1.3 Mrd. für universitäre Forschungseinrichtungen
  • $1 Mrd. für die NASA
  • $600 Mio. für die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA)
  • $580 Mio. für das National Institute of Standards and Technology
  • $230 Mio. für Betrieb, Forschung und Einrichtungen der NOAA
  • $140 Mio. für den United States Geological Survey

Starke Grundlagenforschung als Basis für eine hohe Wettbewerbsfähigkeit
Das Office of Science and Technology Policy (OSTP) setzt auf eine starke Grundlagenforschung als Basis für eine hohe Wettbewerbsfähigkeit, für erhöhte Lebensqualität und für innere Sicherheit. Das OSTP hat hierbei die Funktion, ressortübergreifende FuE für strategische Ziele zu organisieren:

Das Department of Homeland Security ist unter anderem für die Koordinierung, Prioritätensetzung und Durchführung sicherheitsrelevanter Forschungsaktivitäten zuständig. Hierbei gibt es derzeit folgende Programme und Aktivitäten:

  • Homeland Security Centers of Excellence: In diesen Exzellenzzentren werden führende Forscher und Institute zusammengeführt, um multidisziplinäre Forschung zu sicherheitspolitisch wichtigen Problemen durchzuführen.
  • Homeland Security Institute: Das Homeland Security Institute ist für die Erstellung von Studien, Analysen und Empfehlungen zu Sicherheitsfragen zuständig.
  • University Programs: Mit den für die Universitäten bestimmten Programmen soll dort ein für Sicherheitsfragen geeignetes Forschungs- und Ausbildungsumfeld geschaffen werden.

Networking an Information Technology R&D Program (NITRD): Zusammen mit dem National Coordination Office for Information Technology Research and Development wird die Netzwerk- und Informationstechnikstrategie zusammen mit zahlreichen Kooperationspartnern durchgeführt. Das NITRD-Progrmm hat seinen Ursprung im „High-Performance Computing (HPC) Act” aus dem Jahr 1991 und dem „Next Generation Internet Research Act“ von 1998. Insbesondere im Bereich höchstleistungsfähiger Großrechner, mit deren Entwicklung die USA wieder die zurzeit von Japan eingenommene Weltspitze erreichen wollen, suchen die USA weltweit Kooperationspartner. Folgende Bereiche stehen im Mittelpunkt der Initiative:

  • HCI&IM Human Computer Interaction and Information Management
  • HCSS High Confidence Software and Systems
  • HEC High End Computing
  • LSN Large Scale Networking
  • SDP Software Design and Productivity
  • SEW Social, Economic, and Workforce Implications of IT

Nanotechnology Initiative (NNI): Die „National Nanotechnology Initiative (NNI)” ist ein bundesstaatliches Forschungs- und Entwicklungsprogramm zur Koordinierung der Aktivitäten im Nanobereich, die in den insgesamt 26 bundesstaatlichen Forschungseinrichtungen durchgeführt werden. In den Jahren 2006 und 2007 wurden durch die NNI je etwa 1,4 Mrd. $ aufgewendet.


Hinweis: Aktuelles zu fachspezifischen Initiativen und Programmen finden Sie auch im Kapitel "Aktivitäten in Forschung und Bildung" unter "Forschungs-/Bildungslandschaft".

3.3.3. Innovationsstrategien und FuE-Rahmenbedingungen

Die noch durch die Bush-Regierung gestartete  American Competitiveness Initiative vom Domestic Policy Council und Office of Science and Technology Policy von 2007 sollte die Innovationsfähigkeit des Landes durch verstärkte Investitionen in Forschung und Entwicklung, Verbesserung der Ausbildung und Unterstützung von Unternehmen bei ihren Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten fördern. Bei den Investitionen in Forschung und Entwicklung wurde ein besonderer Schwerpunkt auf die Gebiete Biomedizin, Sicherheitstechnologien sowie Physik und Ingenieurswissenschaften gelegt. 

Im Februar 2011 stellte Präsident Obama eine aktualisierte Fassung der Innovationsstrategie mit dem Titel "A Strategy for American Innovation: Driving towards Sustainable Growth and Quality Jobs" vor.  

Der American Recovery and Reinvestment Act (ARRA) sieht jedoch eine Budget von 610 Mio. $ zur Unterstützung des National Institute of Standards and Technology (NIST) vor, das Innovation und Wettbewerbsfähigkeit z.B. durch das Technology Innovation Program (TIP) unterstützt.  

 

4. Internationale Kooperationen des Landes in Bildung, Forschung und Innovation

4.1. Grundlagen

4.1.1. Überblick

Unter den Industrieländern sind die USA Deutschlands wichtigster Partner in der wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit. In fast allen Zukunftstechnologien nehmen Forschungsinstitute in den Vereinigten Staaten einen Spitzenplatz ein. Im Jahr 2010 wurde ein Rahmenabkommen auf Regierungsebene über die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie zwischen Deutschland und den USA abgeschlossen. Außerdem gibt es mehr als 50 bilaterale Kooperationsvereinbarungen. Sie sind Basis für ein enges Netzwerk deutsch-amerikanischer Forschungsprojekte. Das WTZ-Abkommen zwischen den USA und der Europäischen Union von 1998 trägt der europäischen Dimension der Forschungszusammenarbeit, die die mittel- und osteuropäischen Staaten einbezieht, Rechnung und schafft weitere Kooperationschancen. 

In allen Bereichen der Wissenschaft und Forschung sorgen eine Fülle von Initiativen sowie jährlich einige tausend öffentlich geförderte Wissenschaftler- und Studentenaufenthalte im jeweils anderen Land und ein traditionell intensiver Informationsaustausch für eine fast unübersehbare Vielzahl gemeinsamer oder einander ergänzender Forschungsvorhaben. 

4.1.2. Regierungs- und Ressortabkommen

Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den USA ist dezentral organisiert und wird von den Forschungsorganisationen, Forschungsinstituten bzw. Forscherinnen und Forschern weitgehend selbstständig betrieben. Es gibt mehr als 50 bilaterale Kooperationsvereinbarungen zwischen Einzelinstitutionen, die die Basis für ein enges Netzwerk deutsch-amerikanischer Forschungsprojekte bilden.

Auf Grundlage des im Februar 2010 unterzeichneten WTZ-Rahmenabkommens zwischen Deutschland und den USA sind regelmäßige Joint Committee Meetings auf ministerieller Ebene vorgesehen. Ein erstes Treffen fand am 19./20.09.2011 in Berlin statt.

 Auf Regierungsebene wurden verschiedene Abkommen unterzeichnet:

  • 2009 wurde zwischen dem BMBF und dem Californian Institute of Regenerative Medicine (CIRM) eine engere Zusammenarbeit im Bereich der Regenerativen Medizin vereinbart.
  • Ebenfalls 2009 haben BMBF und NSF eine Kooperationsvereinbarung für die computational neuroscience geschlossen.
  • Ein im März 2009 abgeschlossenes Regierungsabkommen zur zivilen Sicherheitsforschung ebnet den Weg für Kooperationen in diesem wichtigen Bereich.
  • Im Februar 1998 wurde vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie und dem US-amerikanischen Ministerium für Energie ein Abkommen zur Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Forschung, Wissenschaft, Technologie und Entwicklung im Energiebereich abgeschlossen.
  • Im Juli 2001 unterzeichneten das BMBF und das US-Energieministerium auf der Grundlage des Ressortabkommens von 1998 eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der dichten Plasmen.
  • Das WTZ-Abkommen zwischen den USA und der Europäischen Union von 1998 unterstreicht die europäische Dimension der Forschungszusammenarbeit.
  • Ein WTZ-Rahmenabkommen zwischen Deutschland und USA wurde im Februar 2010 unterzeichnet.

Das WTZ-Abkommen zwischen den USA und der Europäischen Union (unter Einbeziehung der mittel- und osteuropäischen Staaten) von 1998 unterstreicht die europäische Dimension der Forschungszusammenarbeit und schafft weitere Kooperationschancen. 

Einen Überblick über die bestehenden Regierungs- und Einzelabkommen zwischen den USA und Deutschland finden Sie in unserer Rubrik "Dokumente". 

4.1.3. Einzelvereinbarungen

Die Kooperation mit den USA gründet sich auf eine Vielzahl von Einzelvereinbarungen. In den letzten Jahren wurden u.a. folgende Vereinbarungen neu abgeschlossen:

Im Jahr 2009 wurde ein Vereinbarung zur Einrichtung einerdeutsch-US-amerikanische Förderinitiative in der Zusammenarbeit in den Computational Neurosciences begonnen, die gemeinsam vom BMBF und der National Science Foundation (NSF) getragen wird. Ziel ist die Etablierung transnationaler Forschungsprojekte.

Ebenfalls im Jahr 2009 unterzeichneten das BMBF und das Californian Institute of Regenerative Medicine (CIRM) eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit beim Thema Regenerative Medizin.

Die Helmholtz-Forschungszentren Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB), Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Forschungszentrum Jülich streben eine Kooperation mit dem National Renewable Energy Laboratory (NREL) im Bereich der Solarenergie (Concentrating Solar Power, Photovoltaics, Solar Fuels) an. Ein MoU Helmholtz-NREL zur "Solar Energy Initiative“ ist am 23.06.2011 in Berlin unterzeichnet worden 

Eine Kooperationsvereinbarung des National Cancer Institute mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum über ein Austauschprogramm für Nachwuchswissenschaftler (DKFZ-NCI Fellowship Program in Cancer Research) wurde im Februar 2010 unterzeichnet. 

Das BMBF hat im Oktober 2010 in Boston ein MoU zur Einrichtung des MIT-Germany Seed Funds unterzeichnet. Mit diesem neuen Mobilitätsfonds fördert das BMBF die Kooperation von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen des MIT mit deutschen Partnern. 

4.1.4. Vertretungen des Partnerlandes in Deutschland

Das Wissenschaftsreferat der Amerikanischen Botschaft in Berlin untersteht der Wirtschaftsabteilung. Aufgabe des Referates ist es, Themen aus Forschung und Technologie in Deutschland und den USA zu verfolgen und darüber zu berichten. Außerdem sieht es die Pflege und Ausweitung der Kooperationsbeziehungen als eine seiner zentralen Aufgaben.

Für Visa-Angelegenheiten sind die konsularische Abteilung der Botschaft in Berlin (Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, and Bremen) und das Generalkonsulat in Frankfurt (Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Saarland, Bayern, and Nordrhein-Westfalen) zuständig.

4.1.5. Deutsche Vertretungen im Partnerland

Deutschland unterhält in den USA neun Vertretungen. Neben der Botschaft in Washington existieren acht Generalkonsulate.  

4.1.6. Deutsche Wissenschafts- und Kulturinstitutionen im Partnerland

Das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) oder German Center for Research and Innovation (GCRI) New York wurde im Februar 2010 feierlich eröffnet. Das DWIH fungiert als „Schaufenster“ für deutsche und transatlantische Forschung in den USA sowie als Ort der Begegnung und des Austauschs. Das DWIH hat sich vor allem auch die Vernetzung mit der Forschungslandschaft in den USA zum Ziel gesetzt.

 

Das Deutsche Historische Institut (DHI) Washington widmet sich der Kooperation zwischen deutschen und amerikanischen Geschichtswissenschaftlern.

4.1.7. Institutionen der deutschen Wirtschaft

Deutsch-Amerikanische Handelskammern (AHK USA)

Mit Standorten in Atlanta, Chicago und New York sowie den Zweigstellen in Houston, Philadelphia und San Francisco, können die Deutsch-Amerikanischen Handelskammern (AHK USA) ihren Mitgliedern und Kunden ein flächendeckendes Netz an Dienstleistungen bieten.

Zusätzlich agiert der Repräsentant der Deutschen Wirtschaft (RGIT) mit Sitz in Washington, DC, als Interessenvertretung der deutschen Wirtschaft gegenüber der US Regierung und weiteren internationalen Organisationen vor Ort.

4.2. Deutsche Programme

4.2.1. Überblick

Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den USA ist dezentral organisiert und wird von den Forschungsorganisationen, Forschungsinstituten bzw. Forscherinnen und Forschern weitgehend selbstständig betrieben. Die Zusammenarbeit mit Partnern in den USA erstreckt sich über alle Bereiche der Wissenschaft und Forschung und umfasst eine Fülle von Initiativen sowie jährlich einige tausend geförderte Wissenschaftler- und Studienaufenthalte im jeweils anderen Land.

In der Stipendiendatenbank des DAAD finden Sie alle Förderprogramme für das Land USA.

www.daad.de/ausland/index.de.html

4.2.2. Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH)

Die Alexander von Humboldt-Stiftung fördert Wissenschaftskooperationen zwischen exzellenten Forscherinnen und Forschern aus den USA und Deutschland. Sie verleiht Forschungsstipendien an Postdoktoranden und erfahrene Wissenschaftler zur Durchführung von Forschungsprojekten an selbstgewählten Gastinstitutionen in Deutschland. Postdoktoranden und erfahrene Wissenschaftler aus Deutschland können im Rahmen des Feodor Lynen-Forschungsstipendienprogramms mit Alumni der Stiftung, den sogenannten „Humboldtianern“, in den USA kooperieren. Die angesehenen Forschungspreise der Alexander von Humboldt-Stiftung werden an herausragende, international sichtbare Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliehen. Im Rahmen des Bundeskanzler-Stipendienprogramms fördert die Stiftung jährlich bis zu zehn Nachwuchsführungskräfte aus den USA, die ein einjähriges Projektvorhaben in Deutschland durchführen. Dem Alumni-Netzwerk der Humboldt-Stiftung in den USA gehören über 4.700 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an.

4.2.3. Deutscher Akademischer Austauschdienst e.V. (DAAD)

Nordamerika ist die nach Westeuropa wichtigste Zielregion deutscher Studierender, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die Attraktivität hängt zum einen mit der großen Zahl hervorragender amerikanischer Hochschulen zusammen, zum anderen mit dem Angebot an Promotionsmöglichkeiten und den vielfältigen Karrieremöglichkeiten für Nachwuchswissenschaftler. 2010/11 besuchten 9.458 deutsche Studierende und Graduierte US-amerikanische Hochschulen. Nach mehreren Jahren sinkender Zahlen nach dem 11. September und seinen politischen und gesellschaftlichen Folgen, ist diese Zahl seit 2008/09 wieder auf etwa gleichbleibend hohem Niveau.

In den USA ist ein zunehmendes Bewusstsein für die Bedeutung internationaler Studienerfahrung und eine kontinuierlich steigende Zahl der Auslandsaufenthalte von Studierenden zu beobachten. Im akademischen Jahr 2009/10 waren insgesamt 270.604 Studierende mobil. Das entspricht gegenüber dem akademischen Jahr 2008/09 einer Steigerung um 3,9%. Zahlreiche potenzielle Zielländer konkurrieren um das Interesse der leistungsstarken Studierenden und der besonders renommierten Hochschulen. Deutschland liegt, wie auch im Vorjahr, auf Platz 7 der Beliebtheitsskala. Auf den ersten vier Plätzen liegen nach wie vor Großbritannien, Italien, Spanien und Frankreich. Deutschland konnte den Anteil an aufgenommenen US-amerikanischen Studierenden im akademischen Jahr 2009/10 noch einmal um 2,7% steigern.  

Der Deutsche Akademische Austauschdienst e.V. unterhält und unterstützt eine Fülle von Förderprogrammen, die auch in der Zusammenarbeit mit den USA genutzt werden können. Hier sind insbesondere Semester- und Jahresstipendien für Studierende und Graduierte zu nennen, sowie Stipendien für Forschungsaufenthalte während der Abschluss- oder der Promotionsarbeit. Das Programm des Projektbezogenen Personenaustausches (PPP) unterstützt Mobilität im Rahmen von wissenschaftlichen Kooperationen. 

Neue DAAD-Programme richten sich besonders an die Zielgruppe der Undergraduates, also der Studierenden, die noch vor dem Bachelorabschluss stehen. Für sie steht mit RISE (Research Internships in Science and Engineering) ein besonders erfolgreiches Förderprogramm mit dem Fokus auf Natur- und Ingenieurwissenschaften zur Verfügung. Insgesamt geht auch bei den US-amerikanischen Studierenden der Trend zu kürzeren Studienaufenthalten und Praktikumsprogrammen während der Sommerpause.

Gemeinsam mit der DFG und der AvH und mit Unterstützung des BMBFs hat der DAAD das German American International Network (GAIN) ins Leben gerufen, um die deutschen Nachwuchswissenschaftler in den USA untereinander zu vernetzen und um sie über aktuelle Entwicklungen in der deutschen Forschungs- und Wissenschaftslandschaft auf dem Laufenden zu halten. Die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft sowie die Hochschulrektorenkonferenz sind GAIN als assoziierte Mitglieder beigetreten.

 

 

4.2.4. Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist die zentrale Selbstverwaltungseinrichtung der Wissenschaft zur Förderung der Forschung an Hochschulen und öffentlich finanzierten Forschungsinstituten in Deutschland.
Die wesentlichen Aufgaben der Deutschen Forschungsgemeinschaft sind:

  • Die Forschungsförderung durch finanzielle Unterstützung von Forschungsvorhaben in allen Wissenschaftsgebieten, 
  • die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, 
  • die Beratung von Parlamenten und Behörden, 
  • die Förderung der Zusammenarbeit unter den Forschern,
  • die Förderung des Transfers zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung 
  • und die Förderung wissenschaftlicher Beziehungen zum Ausland.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat eine Reihe von koordinierenden und repräsentativen Verpflichtungen auf internationaler Ebene übernommen und vertritt damit die Belange der Forschung auf nichtgouvernementaler Ebene.
 
Innerhalb der DFG-Förderprogramme bestehen zahlreiche Möglichkeiten zur internationalen Kooperation. Die deutsche Staatsbürgerschaft ist keine Voraussetzung für eine Förderung durch die DFG, daher stehen die Förderprogramme auch ausländischen Wissenschaftler/innen offen, die im deutschen Wissenschaftssystem integriert sind oder dies beabsichtigen.
Mit GEPRIS stellt die DFG ein Informationssystem bereit, das es Experten und forschungsinteressierter Öffentlichkeit gleichermaßen erlaubt, sich einen umfassenden Überblick zu aktuellen Entwicklungen in der DFG-geförderten Forschung aller Wissenschaftsbereiche zu verschaffen.

Mit der NSF veranstaltet die DFG seit 2004 sog. DFG/NSF research conferences. Diese jeweils einer anderen Disziplin gewidmeten Konferenzen dienen der Anbahnung innovativer transatlantischer Forschungsprojekte.

In der Chemie ("International Collaboration in Chemistry between US Investigators and their Counterparts Abroad") besteht die Möglichkeit, für deutsch-amerikanische Kooperationsvorhaben einen gemeinsamen Antrag zu stellen, der von NSF und DFG gemeinsam begutachtet und entschieden wird. Die Förderquoten liegen zwischen 20 und 30%. 

Mit den NIH betreibt die DFG das 2004 ins Leben gerufene Career Transition Awards Program. Es gibt early career scientists die Möglichkeit, über einen zusammenhängenden Zeitraum von fünf bis sechs Jahren Forschungsarbeiten zunächst an einem der NIH-Institute in den USA und im Anschluss daran an einer deutschen Forschungseinrichtung durchzuführen. 

Mit dem NEH hat die DFG 2008 erstmals ein Memorandum of Understanding zur Zusammenarbeit im Bereich Digital Humanities unterzeichnet und transatlantische Ausschreibungen für bilaterale Symposia/Workshops und Joint Digitisation Projects auf den Weg gebracht. 

 

4.2.5. Deutsche Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

Kontakt mit den Hochschulorganisationen in den USA
Die Hochschulrektorenkonferenz steht in regelmäßigem Kontakt mit den Hochschulorganisationen in den USA sowie mit Organisationen, die sich der transatlantischen Zusammenarbeit widmen. Mit dem American Council on Education und der Association of American Universities finden in unregelmäßiger Folge Gespräche über aktuelle hochschulpolitische Themen statt. Darüber hinaus nimmt die HRK seit vielen Jahren aktiv an den jährlichen Tagungen der Association of International Educators teil. Sie ist außerdem in der Fulbright Kommission vertreten.

4.2.6. Pädagogischer Austauschdienst

In der Kooperation mit den USA arbeitet der Pädagogischen Austauschdienst (PAD) mit den vier Partnern: Bundesländer, AA, Botschaft Washington und der Fulbright-Kommission zusammen. Das Schulpartnerschaftsprogramm GAPP (German American Partnership Program) besteht seit 1982 und hat sich zum größten Schulpartnerschaftsprogramm deutscher und amerikanischer Schulen entwickelt. Jährlich nehmen etwa 11.000 deutsche und amerikanische Schüler und Schülerinnen für mindestens drei Wochen am Unterricht der Partnerschule teil.

Einzelne Bundesländer haben außerdem Regionalpartnerschaften mit speziellen Regionen der USA vereinbart, innerhalb derer ein regelmäßigern Austausch stattfindet.

Ca. 120-140 junge Germanisten kommen jedes Jahr nach Deutschland, um an Schulen zu assistieren. Im Gegenzug gehen ca. 20 Deutsche in die USA. Partner ist die Fulbright-Kommission.

4.2.7. Fraunhofer-Gesellschaft (FhG)

Die Erhöhung der wissenschaftlichen Kompetenz durch die Zusammenarbeit mit international renommierten Forschungszentren und die Stärkung des FuE-Portfolios stehen im Vordergrund des Fraunhofer-Engagements in den USA. Für die Fraunhofer-Gesellschaft zählt der US-amerikanische Markt als wichtiger internationaler Benchmark. Als Brückenkopf in die USA fungiert seit 1994 Fraunhofer USA, Inc., die hundertprozentige gemeinnützige Tochter der Fraunhofer-Gesellschaft mit Sitz in Plymouth, Michigan. 

Unter dem Dach von Fraunhofer USA operieren derzeit sechs rechtlich unselbstständige Fraunhofer Center mit eigenen Forschungskapazitäten. Seit 2007 existiert außerdem ein Büro für »Digital Media Technologies« (Fraunhofer DMT) in San José, Kalifornien. Für jedes der Fraunhofer Center sowie für das Fraunhofer DMT ist ein fachlich ausgewiesener geschäftsführender Direktor verantwortlich. 

·         Fraunhofer Center for Experimental Software Engineering CESE 

·         Fraunhofer Center for Coatings and Laser Applications CCL 

·         Fraunhofer Center for Laser Technology CLT 

·         Fraunhofer Center for Molecular Biotechnology CMB 

·         Fraunhofer Center for Manufacturing Innovation CMI 

·         Fraunhofer Center for Sustainable Energy Systems CSE 

·         Fraunhofer USA Digital Media Technologies DMT 

Jüngstes Center in den USA ist das 2008 in enger Kooperation mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) und als Außenstelle des Fraunhofer ISE gegründete Fraunhofer Center for Sustainable Energy CSE in Boston.

 

4.2.8. Max-Planck-Gesellschaft (MPG)

Gemeinsame Forschungsaktivitäten zwischen Max-Planck-Instituten und amerikanischen Partnern sind von herausragender Bedeutung. 

Im Jahr 2009 existierten 705 Projektpartnerschaften mit den USA, die an zweiter Stelle hinter Frankreich (707 Projekte) und vor Großbritannien (678 Projekte) liegen.

Auch der Austausch von Studenten und Wissenschaftlern nimmt einen hohen Stellenwert ein.

Der Senat der Max-Planck-Gesellschaft hat am 23. November 2007 der Gründung des ersten Auslandsinstituts in den USA zugestimmt. Wissenschaftliche Aktivitäten haben am Max Planck Florida Institute im Sommer 2009 begonnen. 

Gemeinsam mit der Princeton University gründet die Max-Planck-Gesellschaft das Max Planck Princeton Research Centre for Plasma Physics und stärkt damit ihr Engagement bei der Entwicklung einer nachhaltigen Energieversorgung. Partner des neuen Centers sind auf dem Gebiet der Fusionsforschung das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching und Greifswald und das Princeton Plasma Physics Laboratory. Auf dem Gebiet der astrophysikalischen Plasmen sind außerdem die Max-Planck-Institute für Sonnensystemforschung (Katlenburg-Lindau) und Astrophysik (Garching) sowie die Fakultät für Astrophysik der Princeton University beteiligt.

4.2.9. Helmholtz-Gemeinschaft

Die Helmholtz-Zentren unterhalten vielfältige Kooperationsbeziehungen mit Forschungseinrichtungen in den USA. 

Die Helmholtz Forschungszentren Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB), Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Forschungszentrum Jülich haben eine Kooperation mit dem National Renewable Energy Laboratory (NREL) im Bereich Solarenergie begonnen. Ein Memorandum of Understanding der vier Forschungszentren wurde am 23.06.2011 in Berlin unterzeichnet.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist das nationale Forschungszentrum für Aeronautik und Weltraumforschung. Es führt mit einem jährlichen Budget von 770 Mio. € (2009) Forschung in den Bereichen Aeronautik, Weltraum, Energie und Transport durch. Das DLR unterhält außerdem eine Außenstellen in  Washington D.C.. 

Für Deutschland sind die USA der wichtigste außereuropäische Kooperationspartner für Forschung in den Themen Weltraum, Aeronautik und Energie. Die sehr guten Kooperationsbeziehungen gehen zurück bis in die 60er Jahre. Die wichtigsten Kooperationspartner für das DLR sind die National Aeronautics and Space Administration (NASA), der United States Geological Survey (USGS), das Air Force Research Laboratory (AFRL), die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), das Renewable Energy Laboratory (NREL) sowie viele Universitäten (z.B. MIT, UCLA, Ohio State, Purdue University).

 

4.2.10. Bundesinstitut für Berufsbildung

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) unterhält eine langjährige Zusammenarbeit mit der American Association of Community Colleges (AACC), die seit 2003 auf der Grundlage einer Kooperationsvereinbarung basiert. Im Rahmen dieser Kooperation fanden in der Vergangenheit gemeinsame Tagungen, Informationsbesuche und Kongresspräsentation sowohl in Deutschland als auch in den USA statt.

Im Mai 2010 fand in Bonn unter dem Titel „Globally Competitive and Sustainable Qualifications in Vocational Education and Training – Automotive Production/Green Occupations” ein Kooperationsworkshop des BMBF/BIBB und des Department of Education auf dem Gebiet international wettbewerbsfähiger Qualifikationsstandards in der Automobilindustrie statt, bei dem konkrete Kooperationsansätze entwickelt wurden, bei denen weitere Maßnahmen zur Anbahnung von gemeinsamen Aktivitäten stattfinden.

4.2.11. Deutsches Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH)

Die deutschen Wissenschafts- und Innovationshäuser sind eine gemeinsame Initiative des BMBF und des AA. Das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) oder German Center for Research and Innovation (GCRI) New York wurde im Februar 2010 feierlich eröffnet. Das DWIH fungiert als „Schaufenster“ für deutsche und für transatlantische Forschung in den USA sowie als Ort der Begegnung und des Austauschs. Das DWIH hat sich vor allem auch die Vernetzung mit der Forschungslandschaft in den USA zum Ziel gesetzt.

4.2.12. Deutsches Programm für transatlantische Begegnung

Das "Deutsches Programm für transatlantische Begegnung" soll dazu dienen, den transatlantischen Beziehungen neue Impulse zu verleihen.

Es werden deutsch-amerikanische Projekte in den Bereichen Kultur, Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft finanziell unterstützt, die sich am Leitgedanken "Begegnung von Menschen" orientieren.

Es sollen im Wesentlichen folgende Ziele verfolgt werden:

  • Vermittlung eines umfassenden Deutschlandbildes, deutscher Kultur und Sprache,
  • Förderung der Begegnung insbesondere von jungen Menschen, Multiplikatoren und Nachwuchsführungskräften,
  • Meinungsaustausch über aktuelle und zukunftsorientierte Themen,
  • Begegnung zur Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

4.2.13. Deutsches Historisches Institut

Das Deutsche Historische Institut Washington (DHI Washington) ist ein unabhängiges Forschungsinstitut und der Stiftung Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute  im Ausland (DGIA) unterstellt. Es widmet sich der Kooperation zwischen deutschen und amerikanischen Geschichtswissenschaftlern. 

4.2.14. Transatlantische Klimabrücke

Ziel der Initiative "Transatlantische Klimabrücke" ist es, den Klimaschutz weltweit durch Kooperation auf beiden Seiten des Atlantik fördern die im September 2008 aufs Gleis gesetzt wurde.

Hintergrund der Initiative, die im September 2008 begonnen wurde, ist die Idee, dass Klimawandel nur gemeinsam bewältigt werden kann. Die EU und die USA haben als große Volkswirtschaften eine wichtige Rolle in diesem Bereich. Arbeiten sie zusammen, um Treibhausgase zu senken und die Folgen des Klimawandels abzufedern, so kann dies eine wichtige Signalwirkung haben.

Ein stabiles Klima und nachhaltige, verlässliche und erschwingliche Energieversorgung sind von zentraler Bedeutung für die Volkswirtschaften der Welt. Eine gemeinsame Initiative, in neuere, sauberere Energiequellen zu investieren, kann neue Arbeitsplätze schaffen, die Umwelt schonen und das Klima schützen, Lebensstandards verbessern und die globale Sicherheit voranbringen.

4.2.15. Weitere

“Skills Initiative“ der Deutschen Botschaft Washington

Mit der Skills Initiative fördert die Deutsche Botschaft Washington regionale Partnerschaften zwischen deutschen Unternehmen und Trägern der beruflichen Bildung. Dabei bindet sie die amerikanischen Bundesstaaten ein.

Am 16. Mai 2012 fand die Konferenz „Manufacturing, Innovation, and Workforce Training: What Works in Germany and the United States for Jobs and Growth“ in Washington DC statt. Diese bildete den Auftakt für die “Skills Initiative” der Botschaft. Ziel der Initiative ist es, praktische Verbesserungen der Berufsbildung in den USA zu bewirken, indem die Deutsche Botschaft regionale Partnerschaften zwischen deutschen Unternehmen und Institutionen der beruflichen Bildung fördert – unter Einbindung der US- Bundesstaaten.

Die Studienstiftung des deutschen Volkes e.V. vergibt jährlich bis zu 7 McCloy-Stipendien für ein zweijähriges Aufbaustudium für hoch qualifizierte Nachwuchskräfte an der John F. Kennedy School of Government oder Harvard University mit Ziel "Master of Public Administration". Die Bewerber sollen den Wunsch haben, später (im weitesten Sinn) im öffentlichen Bereich tätig zu sein. Das Programm richtet sich in erster Linie an Nachwuchskräfte aus den Rechts-, Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften. 

Förderung durch amerikanische Hochschulen
Hochschulen bieten finanzielle Förderung fast ausschließlich im Graduiertenbereich und zwar in Form von scholarships, grants, fellowships, teaching and research assistantships. Die Zahl dieser Stipendien ist stark begrenzt und der Wettbewerb entsprechend hart. Besonders beliebt bei graduate students sind die assistantships (siehe auch "Arbeitsmöglichkeiten für Studierende"). Diese Assistentenstellen gelten als Privileg und werden nur an qualifizierte Studenten vergeben, in der Regel erst im zweiten oder dritten Semester der graduate studies, wenn man seine Qualifikationen unter Beweis gestellt hat. 

Auskunft über Stipendienmöglichkeiten geben die faculties of graduate studies der einzelnen Hochschulen, bei denen man sich möglichst ein Jahr vor der geplanten Studienaufnahme erkundigen sollte. Weitere Informationen muß man aus unterschiedlichen Quellen zusammentragen. Hilfreich können sein: Foreign Student Adviser, Office of Financial Aid der betreffenden Hochschule, university catalogues (unter financial aid, assistantships nachschauen), und die homepages der einzelnen Hochschulen unter financial aid offices. 


Weitere Stipendien
Eine ausgezeichnete Quelle für die verschiedensten Arten von Förderungsmöglichkeiten ist das U.S. Department of Education. Der größere Teil des Stipendienangebots ist zwar für amerikanische Studenten, doch stößt man auch auf interessante Angebote für international students, z.B. die rotary scholarships, ausgeschrieben durch die örtlichen Rotary Clubs. The Foundation Center enthält die größte Datenbank privater Stiftungen in Amerika, die auch für ausländische Studenten interessante Angebote enthält. Informieren kann man sich natürlich auch in unzähligen gedruckten Publikationen zum Thema scholarships/grants. Die Educational Advising Centers können hier behilflich sein. Förderungsmöglichkeiten auch für jüngere ausländische Bewerber findet man bei finaid.

Informationen zu den begehrten Sportstipendien erhält man bei den Hochschulen selbst (Homepages). Helfen können hierbei auch Agenturen in Deutschland (pro-college-agency oder ask) und den USA. 

Auch Stiftungen vergeben unter bestimmten Voraussetzungen Stipendien. 


Assistententätigkeit, Vermittlung von Lektoren und Wissenschaftlern
Der Pädagogische Austauschdienst vermittelt angehende Fremdsprachenlehrer als Fremdsprachenassistenten an amerikanische Schulen, in der Regel in den Sekundarbereich. Studierende, die bei Antritt der Tätigkeit mindestens vier Semester eines wissenschaftlichen Studiums an einer deutschen Hochschule abgeschlossen haben und nicht älter sind als 30 Jahre, können sich bewerben. Über den DAAD findet die Vermittlung von Lektoren sowie der Wissenschaftleraustauch (Lang- und Kurzzeitdozenturen) statt.

4.3. Programme des Partnerlandes

4.3.1. Überblick

Das U.S. Department of State (Bureau of Educational and Cultural Affairs) fördert die Verständigung der USA mit anderen Ländern durch internationale Aus- und Weiterbildungsprogramme.

  • Das Fulbright Programm ist ausgerichtet auf graduierte Studenten, Wissenschaftler, Lehrer und Bildungsadministratoren.
  • Education USA fördert Auslandsaktivitäten amerikanischer Bildungseinrichtungen und unterstützt "Advising Centers" im Ausland.
  • Das International Visitor Program ist ein Mobilitätsförderprogramm für Wissenschaftler.

Ein Überblick über weitere Programme, die dem internationalen Austausch dienen, bietet außerdem der International Education Programs Service des US Department of Education.

4.3.2. Fulbright

Das Fulbright-Porgramm ist das einzige offizielle Austauschprogramm, das die Vereinigten Staaten von Amerika aktiv ko-finanzieren und damit selber außenpolitisch anerkennen. Es ermöglicht den Austausch zwischen den Vereinigten Staaten und mehr als 155 Ländern weltweit. Mehr als 50 binationale Kommissionen, unter ihnen die deutsch-amerikanische Kommission, unterstützen die Arbeit des Fulbright-Programms auf der zwischenstaatlichen Ebene.

Als größtes und vielfältigstes Fulbright-Programm weltweit hat das deutsch-amerikanische Fulbright-Programm seit seiner Entstehung im Jahr 1952 ca. 45.000 Amerikaner und Deutsche gefördert.

Das besondere Merkmal des deutsch-amerikanischen Fulbright-Programms ist der Austausch junger hochqualifizierter Akademiker. Dieses Kernprogramm wird ergänzt durch Jahresstipendien für Professoren, Fremdsprachenassistenten sowie durch Fortbildungsseminare für Hochschuladministratoren, Landeskundler und Lehrer.

4.3.3. Weitere

Das "Office of International Science and Engineering" der "National Science Foundation" verfügt über verschiedene Programme, die Wissenschaftler und Studenten für die Kooperation mit ausländischen Partnern nutzen können. Auch bei nationalen Projekten kann eine Ergänzungsfinanzierung für eine internationale Komponente beantragt werden. 

Das "Fogarty International Center" koordiniert die weltweiten Aktivitäten der "National Institutes of Health". Neben den Möglichkeiten der Forschungskooperation liegt ein weiterer Schwerpunkt bei der Ausbildung von Wissenschaftlern in der Gesundheitsforschung weltweit.

4.4. Bi- und multilaterale Programme

4.4.1. Überblick

Die USA haben die Notwendigkeit und den Wert internationaler Kooperation in Wissenschaft und Technik seit jeher erkannt. Wissenschafts- und Technologieabkommen wurden mit zahlreichen Ländern sowohl auf Regierungs- wie auf Ministeriumsebene entwickelt.

Bilaterale Rahmenabkommen für Wissenschaft und Technologie bestehen derzeit mit 38 Ländern. Sie werden alle fünf Jahre erneuert (mit Ausnahme von Armenien und Russland, welche im Zehnjahresabstand überarbeitet wurden). Zuständig für diese Abkommen ist das Bureau of Oceans and International Environmental and Scientific Affairs, Office of Science and Technology Cooperation des Department of State.

Bilaterale Wissenschafts- und Technologieabkommen bestehen zwischen Regierungsstellen in den USA und im Ausland. Genauere Informationen hierzu sind beim Department of Commerce: Technology Administration, Office of International Technology verfügbar; eine Übersicht über derzeit bestehende bilaterale S&T Abkommen auch auf der Homepage des Bureau of Oceans and International Environmental and Scientific Affairs.

4.4.2. Förderinitiative in den "Computational Neurosciences"

Im Jahr 2009 wurde eine deutsch-US-amerikanische Förderinitiative in der Zusammenarbeit in den Computational Neurosciences begonnen, die gemeinsam vom BMBF und der National Science Foundation (NSF) getragen wird. Ziel ist die Etablierung transnationaler Forschungsprojekte.

4.4.3. Förderinitiative Regenerativen Medizin

Im Bereich der Regenerativen Medizin unterstützt das BMBF die Projektkooperation mit dem kalifornischen Institut für Regenerative Medizin (CIRM) in der Stammzellenforschung. Das Ziel der Zusammenarbeit ist es, Methoden und Verfahren für die Regenerative Medizin vornehmlich im Bereich der Stammzellforschung weiter zu entwickeln, zu validieren und dadurch deren therapeutisches Potential und klinische Anwendung vermehrt zu erschließen. Sieben Projekte mit deutscher Beteiligung wurden mittlerweile im Umfang von 7 Mio. € bewilligt, weitere Projekte sind in der Vorbereitung.  Es wird von deutscher Seite angestrebt, die Kooperation auf die gesamte USA auszuweiten.

4.4.4. MIT-Germany Seed Fund

Am 20. Oktober 2010 hat der Staatssekretär im BMBF, Dr. Georg Schütte, ein Memorandum of Understanding zwischen dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) zur Einrichtung des MIT-Germany Seed Funds unterzeichnet. Der MIT-Germany Seed Fund fördert die Initiierung neuer Projekte und Kooperationen, soll neue längerfristige Verbindungen zwischen Deutschland und dem MIT aufbauen und bereits bestehende Kooperationen dauerhaft etablieren. 

Die Vereinbarung gilt für fünf Jahre, die ersten Projekte haben 2012 begonnen.

4.4.5. Europäische Programme und Initiativen

Der Rahmen für die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie der USA mit der Europäischen Gemeinschaft wird durch die 1998 geschlossene Vereinbarungen „Agreement for scientific and technological cooperation between the European Community and the Government of the United States of America” abgesteckt.

ATLANTIS (EU-USA) Kooperation im Bereich der Hochschul- und Berufsbildung 
Die EU und die USA haben am 21. Juni 2006 eine Verlängerung ihrer Zusammenarbeit in den Bereichen Hochschul- und Berufsbildung um weitere acht Jahre beschlossen. Die neue Übereinkunft bekräftigt die 1995 entstandene Kooperation. Finanzierung und Management erfolgen gemeinsam durch die Europäische Kommission und das US-amerikanische Bildungsministerium. Geplant ist die Durchführung von mehr als 200 Projekten mit ca. 6.000 Personen aus der EU und den USA.

Ein Beispiel für die enge transatlantische Kooperation ist die gemeinsame Nutzung wissenschaftlicher Großgeräte in USA und Europa. Hierzu gehören die Mitwirkung der USA und Kanadas bei DESY sowie die US-Beteiligung am Bau des Large Hadron Collider (LHC) bei CERN einschließlich der beiden großen LHC-Experimente.

4.4.6. Weitere

In der Zusammenarbeit im Rahmen der OECD spielen die USA eine wichtige Rolle. Zahlreiche US-Amerikaner arbeiten im OECD-Wissenschaftsdirektorat. Im OECD-Wissenschaftsausschuss und seinen Arbeitsgruppen gehören die USA aufgrund ihrer Bedeutung zu den Haupttreibern im Vorder- wie im Hintergrund. Die USA haben einen Sitz im Vorstand der meisten Arbeitsgruppen inne.

5. Ansprechpartner

5.1. Weitere Informationen

Nähere Informationen zur bilateralen Kooperation zwischen Deutschland und USA sowie Beteiligungsmöglichkeiten an Programmen und Fördermaßnahmen erteilt im Auftrag des BMBF das Internationale Büro des BMBF.

Fachlicher Ansprechpartner für USA:

Dr. Barbara Hellebrandt

Internationales Büro des BMBF beim DLR (IB)
Heinrich-Konen-Str. 1
53227 Bonn
Deutschland
Tel: +49 228 3821-1433
Fax: +49 228 3821-1400
E-Mail: barbara.hellebrandt(at)dlr.de

www.internationales-buero.de

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Redaktion: 18.04.13, von: Dr. Barbara Hellebrandt und Lydia Schmidt
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