BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
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1. Überblick

Struktur des Bildungssystems, angefangen bei den falkutativen Vorschuleinrichtungen, über die zwölf Schuljare bis hin zum Studium von drei bis sechs Jahren

Struktur des Bildungssystems und nationale Besonderheiten

Das nationale allgemeine Bildungssystem umfasst seit 1981 einheitlich zwölf Schuljahre, wie die neben stehende Abbildung ausweist.

Der Primarstufe vorgeschaltet existieren zahlreiche staatliche, halbstaatliche und private Vorschuleinrichtungen und Kindergärten, deren Besuch jedoch nicht verpflichtend ist. Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Verbreitung der Grundschulpflicht (Luat Pho Cap Giao Duc Tieu Hoc) im Jahre 1991 ist die Primarstufe verbindlich von allen Angehörigen der betreffenden Altersgruppe zu absolvieren. Nach Beendigung der Primarstufe erfolgt eine Übergangsprüfung zur Aufnahme in die Sekundarstufe I. Ebenso wird den Schülerinnen und Schülern neben den normalen Leistungskontrollen eine weitere Übergangsprüfung zum Eintritt in die Sekundarstufe II abverlangt. Diese endet mit der Prüfung zur allgemeinen Hochschulreife, welche jedoch bisher nur in Ausnahmefällen, d.h. bei sehr gutem Leistungsdurchschnitt, zum direkten Übergang in eine Universität berechtigt. Im Allgemeinen verlangen die Universitäten und Fachhochschulen eine Aufnahmeprüfung, die seit Anfang der 1990er Jahre dezentral an den Hochschuleinrichtungen selbst geplant und durchgeführt wird.

Das berufliche Bildungssystem bietet verschiedene schulische Berufsbildungsgänge in der Sekundarstufe I und II an. Diese schulischen Berufsbildungsgänge variieren in ihrer Dauer (ca. ein bis zwei und drei bis vier Jahre) und sind unterschiedlich stark mit theoretischem Fachwissen unterfüttert. Neben den formalen beruflichen Schulen, Zentren und Fachmittelschulen ist es möglich, im Rahmen von "On-the-Job" Lehrgängen handwerkliche Fertigkeiten zu erwerben. Nach Abschluss des Abiturs bzw. auch des Fachabiturs stehen den Absolventen verschiedene Hochschulstudiengänge offen. Während die Vollzeitstudiengänge an den Universitäten (dai hoc) vier bis sechs Jahre in Anspruch nehmen, beläuft sich die Dauer des Studiums an Fachhochschulen (cao dang) nur auf drei Jahre. An den meisten größeren Hochschuleinrichtungen finden sich neben den regulären Vollzeitstudiengängen verschiedene Formen des Teilzeitstudiums und unterschiedliche Intensiv- und Fernstudienangebote. Die Hochschulstudiengänge schließen je nach Fachrichtung mit einem Diplom oder Bachelor ab. Mittlerweile sind zahlreiche Master- und PhD-Studiengänge im Postgraduiertenbereich entwickelt worden, die zum Teil mit internationaler Unterstützung durchgeführt werden.

Parallel zum formalen Bildungssystem existieren zudem sowohl Bildungseinrichtungen für besonders Begabte als auch für geistig und körperlich Behinderte, u.a. auch als Internate.

Als nationale Besonderheit darf der vielfach als "Königsweg" wahrgenommene Ausbildungsgang von Primarstufe über Sekundarstufe I und II bis hin zur Universität und zum Postgraduiertenstudium gelten. Dieses Phänomen führt zu einer gesellschaftlichen Grundhaltung, die allen beruflichen Bildungsgängen einen eher zweitrangigen Platz einräumt. Dem kann von Seiten der Regierung nur schwerlich entgegengewirkt werden, obwohl der Bedarf des Arbeitsmarktes an hochqualifizierten Facharbeitern immer deutlicher zu Tage tritt. In der Regel werden auf allen Bildungsstufen mit Ausnahme der Primarstufe staatliche Schul- und Studiengebühren erhoben. Zudem muss sich die Elternschaft an verschiedenen die Bildungseinrichtungen betreffenden Nebenkosten (bauliche Instandhaltung etc.) beteiligen. Ein vergleichsweise gut ausgeprägtes gesellschaftliches Bewusstsein um den Wert von Bildung als sozialer Aufstiegschance hat mittlerweile dazu geführt, dass immer größere Teile der Elternschaft private Investitionen in die Bildung ihres Nachwuchses leisten. Dies erfolgt nicht nur in Form von Zusatzunterricht (Fremdsprachen und PC-Kenntnisse) und Prüfungsvorbereitung, sondern zunehmend auch in Form von selbstfinanzierten Auslandsstudienaufenthalten, vornehmlich in Australien und den ASEAN-Staaten. Eine andere nationale Besonderheit, die mit der jüngeren Geschichte des Landes zusammenhängt, besteht in der Tatsache, dass vielerorts parallel zu den nach internationalen Maßstäben ausgerichteten Strukturen ältere, an osteuropäische sozialistische Bildungsstrukturen angelehnte Elemente und Haltungen zu beobachten sind.

Akteure

Zu den wichtigsten Akteuren auf staatlicher Ebene gehören die Kommunistische Partei Vietnams und das Ministerium für Erziehung und Ausbildung (MOET) als ausführende Behörde. Während die inhaltlichen Reformziele und -strategien zumeist im Nationalinstitut für Bildungsentwicklung (NIED) des Ministeriums für Erziehung und Ausbildung (MOET) entwickelt und koordiniert werden, versteht sich das Ministerium als ausführendes Organ. Es steht in direktem Kontakt zu verschiedenen Hochschuleinrichtungen, führt Tagungen zur Erläuterung der Reformprogramme durch und gibt detaillierte Richtlinien heraus.

Zu den Bildungsakteuren auf staatlicher Ebene gehören neben dem Ministerium die staatlichen Interessenvertretungen der Lehrenden und Studierenden. Als Mitgliedsorganisationen der Nationalen Vaterländischen Front sind sowohl die Gewerkschaft für Bildung als auch der Allgemeine Studentenbund direkt der Kommunistischen Partei Vietnams unterstellt. Beiden Massenorganisationen fällt meistens die Aufgabe zu, Propagandakampagnen und Projekte durchzuführen, die der Durchsetzung der staatlichen Reformlinien entsprechen. Darüber hinaus sind sie als Vertreter ihrer Berufsgruppe in den staatlichen Entscheidungsgremien vertreten. So gilt das vornehmliche Interesse der Gewerkschaft für Bildung der Durchsetzung sozialer Verbesserungen für die Lehrenden, die nach wie vor zu den am schlechtesten bezahlten Berufsgruppen gehören, und der weiteren Dezentralisierung von Entscheidungskompetenzen.

Bereits seit 1987 hat die Gewerkschaft die Staatskampagne zur "Vergesellschaftung von Bildung" (xa hoi hoa giao duc) durchgeführt. Vorrangiges Ziel ist es, ein gesellschaftliches Verantwortungsempfinden für den Bildungsbereich zu schaffen und so den Staat zu entlasten. Überdies beschäftigt sich die Gewerkschaft mit Fragen der Disziplin und Ordnung an Hochschuleinrichtungen und der Bekämpfung sog. sozialer Missstände an Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen (Drogenkonsum etc.). Ähnlich stellt sich auch der Allgemeine Studentenbund (Hoi Sinh Vien) dar, der seine Arbeit insbesondere auf die sozialen Missstände an den Universitäten und in den Studentenwohnheimen richtet. Beklagt werden von dem Bund u.a. auch die schlechten Studienbedingungen, die schlechte Ausstattung der Labs und Bibliotheken sowie die Überladung der Studieninhalte mit unnötigen Detailkenntnissen. Die schlechte Ausstattung z.B. habe dazu geführt, dass es innerhalb der Studentenschaft zunehmend zu ungleichen Studienbedingungen komme, da Studierende aus bessergestellten Familien sich teure Hilfsmittel wie PCs, Fachbücher etc. leisten könnten, die anderen Studierenden vorenthalten blieben. Bei durchschnittlich 30 Unterrichtsstunden im Klassenverband verbleibe außerdem kaum mehr Zeit für Eigenstudien, Bibliotheksarbeiten, Referatvorbereitung o.ä.

Betrachtet man die primären Akteure auf institutioneller Ebene, so zeigt sich, dass hier in erster Linie das Motiv der individuellen Chancenmaximierung die Handlungen der verschiedenen Gruppen prägt. Besonders der in letzter Zeit verstärkte Zulauf zu den Fachrichtungen Wirtschaft, Jura, Anglistik, Telekommunikation und Informatik hat von Seiten der Universitätsleitungen zu unterschiedlichen Selektionsmaßnahmen geführt. Während manche Universitätsleitungen an den begehrten Fachbereichen höhere Studiengebühren verlangen, haben andere sich für die Verschärfung der Aufnahmebedingungen entschieden. An wieder anderen Hochschulen gehen beide Maßnahmen Hand in Hand. Umgekehrt wurde begonnen, an den vernachlässigten Fachbereichen, besonders bei den Lehramtsstudiengängen und agrarwissenschaftlichen Fakultäten, Studiengebühren und/oder Prüfungsanforderungen zu senken oder aufzuheben, um so Anreize für die Aufnahme eines solchen Studiums zu schaffen. Zudem versuchen öffentliche Universitäten zunehmend ihren finanziellen Spielraum durch Auftragsforschung, Computer- und Englischkurse oder die Vermietung von Studentenwohnheimen in den Semesterferien zu erweitern. Das Hochschulentwicklungskonzept 2006-2020 schreibt u.a. vor, dass die Universitäten bis 2020 25% ihrer Einnahmen selbst erwirtschaften müssen. Hauptaugenmerk wird dabei auf eine bessere Vermarktung von angewandter Forschung (Technologietransfer, Patente) und Dienstleistungen gelegt. 

Die aktiven und passiven Reaktionen der Hochschullehrer und Studierenden auf die Reformmaßnahmen und Transformationsprozesse im Hochschulbereich sind gleichermaßen von der Intention der persönlichen Chancenmaximierung geprägt. Während die Hochschullehrer der begehrten Fachrichtungen verstärkt in fachbezogene legale und halblegale Nebenerwerbsaktivitäten involviert sind (Honorartätigkeit an Privatuniversitäten, private Prüfungsvorbereitungen, Kurse und ähnliche Dienstleistungen), gleiten viele Studierende ländlicher Herkunft bereits in eher illegale Tätigkeiten zur Finanzierung des Studiums ab. In Bezug auf die universitäre Lehrtätigkeit selbst beklagen Hochschullehrende, dass sie im Vergleich zu ihren Studierenden häufig über schlechtere Weiterbildungsmittel und veraltete Informationen verfügten. Zudem schaffe das hohe Einkommensgefälle zwischen den Lehrenden und Teilen der Studentenschaft einen guten Nährboden für Bestechungs- und Betrugskriminalität zwischen den beiden Gruppen.

Während die staatlichen Universitäten Vietnams Festverträge mit Hochschullehrern abschließen, verfügen die seit Anfang der 1990er Jahre zugelassenen privaten Hochschuleinrichtungen in der Regel nur über ein geringes festes Stammpersonal. Vielmehr sparen die noch jungen Hochschuleinrichtungen besonders an Personalkosten und Verwaltungsaufwand, bieten vor allem nachgefragte und gleichzeitig wenig kostenintensive Sudiengänge wie Betriebswirtschaftslehre und Fremdsprachen an  und können durch ihre Personalpolitik ausschließlich hervorragende Hochschullehrer und -lehrerinnen unter Vertrag nehmen und im Rahmen von Honoraren entlohnen. Die Hochschulleitungen der privaten Einrichtungen sind häufig ehemalige Hochschulprofessoren der öffentlichen Einrichtungen. Insgesamt ist die Rolle der privaten Universitäten von dem weiter eher ambivalenten Verhältnis der vietnamesischen Führung ihnen gegenüber geprägt.

Bezug zu europäischen/deutschen Standards und Rolle nationaler und internationaler Träger

Bis 1991 war in Vietnam eine starke Ausrichtung der Bildungseinrichtungen an osteuropäischen Standards zu beobachten. Politische Funktionsträger in Schlüsselpositionen rekrutierten sich zumeist aus zurückgekehrten Hochschulabsolventen aus dem ehemaligen Ostblock inkl. der DDR. Erst Anfang der 1990er Jahre erfolgte eine zunehmende Ausrichtung an westeuropäischen und US-amerikanischen Bildungsstandards und -abschlüssen. Neben dem bisherigen Promotionssystem  wurden Masterstudiengängen eingeführt. Die universitäre Qualifizierung sieht drei Stufen vor:

  1. allgemeiner Hochschulabschluss, der dem amerikanischen Bachelor Grad nahe kommt (cu nhan), in bestimmten Fachbereichen äquivalente Spezialabschlüsse, z.B. Medizin (bac si), Ingenieurswesen (ky su),
  2. Masterstudium (thac si),
  3. Doktoriat (tien si).

Fast alle BA-, MA- und PhD-Abschlüsse sind auch weiterhin international nicht akkreditiert (Stand 2013). Aus diesem Grund bemüht sich Vietnam um internationale Kooperationen im Bereich der Postgraduierten-Studiengänge und fachlicher Weiterbildung.  Die vietnamesische Gesellschaft bringt ausländischen Anbietern grundsätzlich ein großes Interesse und Engagement auch an höheren, international anerkannten Bildungsabschlüssen entgegen und ist prinzipiell zu verhältnismäßig umfangreichen Eigeninvestitionen in Bildung bereit. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass Vietnam bis heute zu den sog. Entwicklungsländern zählt. Zwei Aspekte sind bei einer erfolgreichen Planung daher von besonderer Bedeutung:

  1. Das Einkommensgefälle zwischen städtischen und ländlichen Regionen sowie zwischen Nord- und Südvietnam hat über die Jahre hinweg deutlich zugenommen. Insbesondere die privaten Haushalte verfügen in den Ballungszentren über deutlich mehr Investitionskapital, das für höhere Ausbildungsgänge des Nachwuchses eingesetzt werden kann. Mangels aktueller Informationen lassen sich selbst zahlende Eltern dabei häufig von ihren Erfahrungen während ihrer eigenen Studienaufenthalte in den früheren Ostblockstaaten wie der DDR leiten. Bei der Entscheidung für ein Auslandsstudium bzw. für ein international anerkanntes Inlandsstudium in einem Kooperationsstudiengang werden sowohl die entstehenden Kosten in Form von Reise-, Aufenthalts- und Studiengebühren miteinander verglichen als auch das gesellschaftliche Image bzw. der Bekanntheitsgrad der anbietenden Einrichtung bzw. des betreffenden Landes. Hier muss zugestanden werden, dass Australien auf Grund seiner umfangreichen Werbemaßnahmen und geografischen Nähe zu den in Vietnam populärsten Studienorten und Inlandsanbietern gehört, gefolgt von den USA, China, Singapur und Japan. Als europäische off-shore Aktivitäten in Vietnam sind vor allem die Vietnamese-German University (VGU) bei Ho Chi Minh Stadt und die Vietnamese-French University, offiziell unter dem Namen "Université des Sciences et des Technologies de Hanoi" (USTH), vor den Toren der Hauptstadt im Industriepark "Hoa Lac" gegründet, zu nennen. Die VGU hat 2009 ihren Lehrbetrieb eröffnet, die USTH ein Jahr später.  Die VGU und die USTH gehören zu den sog. "New Model Universities" (NMU) als Leuchtturm vietnamesischer Hochschulkooperation mit ausländischen Partnerm. Finanziert wird diese Initiative mit Krediten der Weltbank und der Asiatischen Entwicklungsbank. Zwei weitere Modellhochschulen sollen voraussichtlich mit japanischen und amerikanischen Partnern entstehen.  
  2. Staatliche und private Wirtschafts- und Verwaltungsinstitutionen in Vietnam sowie joint venture Betriebe stehen derzeit unter zunehmendem Druck, Mitarbeitern ein qualifiziertes Postgraduierten-Studium zu finanzieren. Das hieraus entstandene Potenzial machen sich zahlreiche internationale Bildungsanbieter in Vietnam bereits zunutze. Die erwähnten Studiengebühren werden zum überwiegenden Teil von den entsendenden Mutterinstitutionen entrichtet. Aus diesem Grund sind die Anbieter häufig geneigt, die aktiven Unterrichtsanteile in die frühen Abendstunden zu verlegen, um die entsendenden Unternehmen nicht zusätzlich durch Arbeitskraftausfälle zu belasten. Kleine und mittlere Betriebe, die in jüngster Zeit entstanden sind und die einen außerordentlich hohen Bedarf an höherer Qualifizierung ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben, sehen sich jedoch bisher noch außer Stande, volle Postgraduierten-Studiengänge zu finanzieren, und entsenden daher hauptsächlich in Kurzprogramme und spezifische Fachlehrgänge, deren Dauer und Gebühren akzeptabler erscheinen und die den jeweiligen Bildungsanbietern zudem häufig die Finanzierungsgrundlage für alle darüber angesiedelten Studiengänge liefern. Das Investitionskapital stammt zumeist vollständig aus dem Etat der ausländischen Hochschuleinrichtungen, später aus eingezogenen Studiengebühren. Zumeist beteiligt sich die vietnamesische Partnerinstitution (i.d.R. die beiden Nationaluniversitäten sowie einige größere Hochschulen) allein in Hinblick auf die Räumlichkeiten, die laufenden Betriebs-, Material- und Unterbringungskosten sowie die Reisekosten für evaluierende bzw. betreuende Hochschulangehörige der ausländischen Seite.

Insgesamt bleibt trotz der verschiedentlich geäußerten Bedenken deutscher Einrichtungen in Hinblick auf ein zunehmend korruptes Umfeld als Ergebnis festzuhalten, dass sich in Vietnam eine wachsende Nachfrage nach off-shore Aktivitäten ausländischer Hochschuleinrichtungen entwickelt hat und die Möglichkeiten der finanziellen Eigenbeteiligung teilweise als bereits beträchtlich einzustufen sind. Demzufolge haben zahlreiche internationale Anbieter seit geraumer Zeit bereits sehr erfolgreich in diesem Bereich investiert, sind die legalen Rahmenbedingungen wegen der erhöhten Nachfrage sowie des daher erhöhten Angebotes von den zuständigen Behörden revidiert und verbessert worden. Resümee: Kurzprogramme, externe Lehrgänge, Bachelor- und Master-Studiengänge in den Schlüsselfachrichtungen mit staatlicher Priorität insbesondere unter Verwendung der Unterrichtssprache Englisch dürften auch künftig großen Zulauf haben.

Informationen über vietnamesische Hochschulabschlüsse und -grade, die Voraussetzungen für ihren Erwerb sowie Hinweise zu ihrer Einstufung im Verhältnis zu deutschen Hochschulabschlüssen und -graden können bei der Datenbank "anabin" recherchiert werden.

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2. Indikatoren für Bildung

Indikator Vietnam Jahr/Quelle OECD-Gesamt Stand

Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: Gesamtbildung 5,3 % 2009, World Bank: World Development Indicators (WB) 6,2 % 2009
Alphabetisierungrate

93,3 %
2010, UNESCO Institute for Statistics (UIS) ---- ----

Schülerzahl pro Lehrer, Primarstufe 20 2010, UIS 15,8 2010

Schülerzahl pro Lehrer, Sekundarstufe 26,3 2001, WB 13,8 2010

Einschulungsquote für die erste Klasse männlich 109* % 2010, UIS ---- ----

Einschulungsquote für die erste Klasse weiblich 103* % 2010, UIS ---- ----

Einschulungsquote für die erste Klasse gesamt 106* % 2010, UIS ---- ----

Alphabetisierungsrate in der Altersgruppe 15+ männlich 95,3 % 2010, UIS ---- ----

Alphabetisierungsrate in der Altersgruppe 15+ weiblich 91,1 % 2010, UIS ---- ----

Die erste Klasse wiederholen müssen 1 % 2010, UIS ---- ----

Von der Primar- in die Sekundarstufe wechseln 93 % 2010, UIS ---- ----

*) Werte über 100 spiegeln Unterschiede zwischen der geschätzten Bevölkerungszahl im schulpflichtigen Alter und den tatsächlich gemeldeten Einschulungszahlen wider!

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3. Schulen und Hochschulen

Abschlussklasse der Hanoi University of Technology (HUT)
Hanoi University of Technology (HUT)

Die drei größten Universitäten des Landes sind die beiden Nationaluniversitäten in Hanoi und Ho Chi Minh City (HCMC) sowie die TU Hanoi: 

1. Vietnam National University (VNU) Hanoi 

Im Zuge einer Reform von 1993 wurde durch Regierungsverordnung die "Vietnam National University (VNU) Hanoi" als multidisziplinäre Lehr- und Forschungsuniversität gegründet. Diese inzwischen größte Universität im Norden Vietnams (63.000 Studierende) vereinigt mehrere der bis dahin unabhängigen kleineren Universitäten in Hanoi, darunter auch die "Hanoi University of Science". 

2. Hanoi University of Science and Technology (HUST) 

Die TU Hanoi (HUST) wurde 1956 als erste von derzeit drei Technischen Universitäten Vietnams (Hanoi, HCMC und Da Nang) gegründet. HUST ist mit einer großen Anzahl deutscher Universitäten (Aachen, Chemnitz, Darmstadt, Dresden, Freiberg, Hannover, Heidelberg, Ilmenau, Karlsruhe, Leipzig, Magdeburg, München, Stuttgart) und Fachhochschulen (Aachen, Anhalt, Bremen, Gelsenkirche, München, Pforzheim, Trier, Zittau) traditionell freundschaftlich und wissenschaftlich verbunden. Etwa 30 Professorinnen und Professoren haben einen Teil Ihrer wissenschaftlichen Ausbildung in Deutschland absolviert und sprechen sehr gut Deutsch. 

3. Vietnam National University Ho Chi Minh City (VNU-HCM) 

Die Nationaluniversität Ho Chi Minh Stadt ist eine multidisziplinäre Lehr- und Forschungseinrichtung. Diese (von der Nationaluniversität in Hanoi unabhängige) größte Universität Vietnams umfasst sieben Mitgliedsuniversitäten, ein Forschungsinstitut, eine Zentralbibliothek und zwei spezielle Zentren: 

  • University of Technology,
  • University of Natural Sciences,
  • University of Social Sciences & Humanities,
  • International University,
  • University of Information Technology,
  • Institut for Environment and Resources,
  • Central Library,
  • Information Technology Park,
  • Vietnamese-German University,
  • School of Medicine

Einen umfassenden Überblick zu den vietnamesischen Hochschulen und Fachhochschulen und die Bewertung von ausländischen Bildungsabschlüssen vermittelt die Datenbank "anabin" (Link s.w.o. unter Kap. 1). 

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    4. Berufliche Bildung

    Eine systematische Berufsvorbereitung, verbunden mit einer Berufsberatung, findet weiterhin nur in Ansätzen statt. Unter den jungen Beschäftigen haben etwa 40% eine nachschulische Ausbildung genossen, aber 13% der arbeitsfähigen Bevölkerung hat eine abgeschlossene Facharbeiterausbildung vorzuweisen. Die Regierung hat jedoch die Bedeutung gut qualifizierter Fachkräfte für ein weiteres Wachstum der Wirtschaft erkannt und ergreift seit einigen Jahren Maßnahmen zum Aufbau von Strukturen für berufliche Qualifizierung. 

    Das Berufsbildungssystem Vietnams umfasst drei Typen beruflicher Bildungseinrichtungen, die sich nach Zugangskriterien, Dauer der Angebote und Abschlussmöglichkeiten unterscheiden:

    1. Berufszentren/Berufliche Trainingscenter (Vocational Training Center, VTC),
    2. Berufsschulen (Vocational Training Schools, VTS),
    3. Berufscolleges (Vocational Colleges, VC)

    Berufszentren

    Schwerpunkt der Berufszentren sind kurze Weiterbildungen mit einer Dauer von drei bis zwölf Monaten. In einer Abfolge mehrerer Module werden aber auch Kurse über längere Zeiträume, bis zu eineinhalb Jahren, durchgeführt. Das Angebot soll sich am Bedarf der lokalen Wirtschaft orientieren und richtet sich an Schul- und Collgeabgänger ebenso wie an Berufstätige.

    Die ersten Berufszentren wurden in den 1990er Jahren gegründet. Es gibt keine allgemeinen fachlichen Zugangsvoraussetzungen. Allerdings gelten die Abschlüsse von Berufszentren nicht als Qualifikation für den Zugang zu Berufsschulen oder Berufscolleges.

    Berufsschulen 

    Die Ausbildung an Berufsschulen dauert 2 bis 3 Jahre. Die Berufsschulen bilden Facharbeiterinnen und Facharbeiter aus. Es gibt Vollzeitberufsschulen und "Technische Berufsschulen", die auch Unterrichtsfächer der gymnasialen Oberstufe umfassen. Der Abschluss an einer Technischen Berufsschule ermöglicht den Übergang an die Universität, zur fachgymnasialen Oberstufe oder zum Berufscollege. Der Abschluss an einer Vollzeitberufsschule hingegen ermöglicht ausschließlich den Besuch eines Berufscolleges.

    Berufscolleges 

    Das höchste Berufsausbildungsniveau bieten die Berufscolleges. Hier wird zwischen "pädagogischen Berufscolleges" zur Ausbildung von Primarschulllehrern, "medizinischen Berufscolleges" zur Ausbildung von Pflegekräften oberhalb des Krankenpflegerberufes und "technischen Berufscolleges" mit Angeboten in den Bereichen Wirtschaft, Finanzen, Kultur und Kunsthandwerk unterschieden. Eingansvoraussetzung ist die zentrale Aufnahmeprüfung. Der Abschluss an einem Berufscollege ermöglicht ein Studium oder den Besuch der fachgymnasialen Oberstufe.

    In Vietnam gibt es sowohl bei den Hochschuilen als auch bei den Einrichtungen der Berufsbildung weitaus mehr Bewerbungen als Plätze zur Verfügung stehen. In der Regel kommen auf einen Ausbildungsplatz zwei bis drei Bewerbungen. Wer keinen Ausbildungsplatz findet, bewirbt sich meist noch bei weiteren Berufsbildungseinrichtungen, meldet sich zu Ausbildungskursen an, die nicht zu den regulären Ausbildungsmodulen zählen, oder sucht sich eine Arbeitsstelle als ungelernte Arbeitskraft.

    Außerhalb des formellen Berufsausbildungssystems steht die Ausbildung in Familienbetrieben, die von Generation zu Generation die berufsfachlichen Kenntnisse weitergeben. Ihr Umfang ist gerade im ländlichen Raum beträchtlich. Die hier erworbenen Qualifikationen werden im heutigen Berufsbildungssystem als nicht formelle Kompetenzen betrachtet und daher offiziell nicht anerkannt. 

    Verwaltungstechnisch sind auf der nationalen Ebene das Ministerium für Arbeit, Invalide und Soziales (MOLISA), mit Schwerounkt auf berufliche Bildung und das Erziehungsministerium (MOET), mit Schwerpunkt auf universitäre Institutionen zuständig. Auf der Provinzebene sind die Abteilungen für Bildung und Ausbildung (DOLISA) und auf Bezirksebene die Büros für Bildung und Ausbildung für die berufliche Bildung zuständig.

    Mit dem Berufsbildungsgesetz von November 2006, dem "Erlass über die Verantwortlichkeiten des Staates im Bereich der Berufsausbildung vom 21. August 2009" und weiteren Entscheidungen wurden die historischen Kompetenzüberschneidungen auf nationler Ebene zwischen den Ministerien MOLISA und MOET weitgehend ausgeräumt. Für das Management und die staatliche Verwaltrung des Berufsbildungssystems ist seither das MOLISA verantwortlich. Zu den Aufgaben des Ministeriums zählt die Ausarbeitung der staatlichen Strategien und langfristigen, fünfjährigen und jährlichen Planungen zur beruflichen Bildung sowie dei Entscheidung über die Zulassung der Berufschulinstitutionen. Die im MOLISA für Berufsbildung zuständige Stelle ist das Berufsbildungsamt, General Directorate for Vocational Training (GDVT).

    Die weitere positive Entwicklung der Wirtschaft wird durch das mangelnde Anngebot an gut ausgebildeten Fachkräften gefährdet. Die Wirtschaft vor Ort bemängelt insbesondere, dass Berufsanfängerinnen und -anfänger trotz der überaus positiven Lerneinstellung kaum über praktische Erfahrungen und notwendiges Fachwissen verfügen. Die Mehrzahl der Unternehmen sieht sich daher gezwungen, die benötigten Arbeitskräfte aufwändig selbst aus- und weiterzubilden. Gleichzeitig ist die Mitarbeitersuche aufwändig und Stellen können nicht unmittelbar besetzt werden.

    Vor diesem Hintergrund wurden seit Januar 2011 neue umfassende Reformen eingeleitet, um die quantitative und qualitative Leistungsfähigkeit des Berufsbildungssystems maßgeblich zu verbessern.

     

    Quelle: iMOVE (2012): Marktstudie Vietnam, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Bonn

    Studie zum Weiterbildungsbedarf 

    iMOVE hat eine Studie zum Weiterbildungsbedarf des Landes veröffentlicht. Die Studie ist auf der Webseite von iMOVE abrufbar. iMOVE – International Marketing of Vocational Education 

    iMOVE 
    beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
    Robert-Schuman-Platz 3
    53175 Bonn 

    Tel.: 0228/ 107-1745
    Fax: 0228/ 107-2895 

    E-Mail: info(at)imove-germany.de
    Internet:  www.imove-germany.de

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    5. Weiterbildung

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