BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
Kooperation International
 

1. Überblick

Struktur des Bildungssystems, angefangen bei den falkutativen Vorschuleinrichtungen, über die zwölf Schuljare bis hin zum Studium von drei bis sechs Jahren

Struktur des Bildungssystems und nationale Besonderheiten

Das nationale allgemeine Bildungssystem umfasst seit 1981 einheitlich zwölf Schuljahre, wie die neben stehende Abbildung ausweist.

Der Primarstufe vorgeschaltet existieren zahlreiche staatliche, halbstaatliche und private Vorschuleinrichtungen und Kindergärten, deren Besuch jedoch nicht verpflichtend ist. Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Verbreitung der Grundschulpflicht  im Jahre 1991 ist die Primarstufe verbindlich von allen Angehörigen der betreffenden Altersgruppe zu absolvieren. Nach Beendigung der Primarstufe erfolgt eine Übergangsprüfung zur Aufnahme in die Sekundarstufe I. Ebenso wird den Schülerinnen und Schülern neben den normalen Leistungskontrollen eine weitere Übergangsprüfung zum Eintritt in die Sekundarstufe II abverlangt. Diese endet mit der Prüfung zur allgemeinen Hochschulreife, welche jedoch bisher nur in Ausnahmefällen, d.h. bei sehr gutem Leistungsdurchschnitt, direkten Aufnahme an einer Universität berechtigt. Im Allgemeinen verlangen die Universitäten und Fachhochschulen eine Aufnahmeprüfung, die ab 2014 zumindest an einigen ausgewählten Universitäten wieder dezentral  durchgeführt werden soll.

Das berufliche Bildungssystem bietet verschiedene schulische Berufsbildungsgänge in der Sekundarstufe I und II an. Diese schulischen Berufsbildungsgänge variieren in ihrer Dauer (ca. ein bis zwei und drei bis vier Jahre) und sind unterschiedlich stark mit theoretischem Fachwissen unterfüttert. Neben den formalen beruflichen Schulen, Zentren und Fachmittelschulen ist es möglich, im Rahmen von "On-the-Job" Lehrgängen handwerkliche Fertigkeiten zu erwerben. Berufliche Bildungsgänge sind deutlich weniger beliebt als akademische Studiengänge. Der zunehmende Fachkräftebedarf zwingt die vietnamesische Regierung diesem Trend durch entsprechende Reformen und Anreize entgegenzusteuern.

Nach Abschluss des Abiturs bzw. auch des Fachabiturs stehen den Absolventen verschiedene Hochschulstudiengänge offen. Während die Vollzeitstudiengänge an den Universitäten vier bis sechs Jahre in Anspruch nehmen, beläuft sich die Dauer des Studiums an Fachhochschulen nur auf drei Jahre. An den meisten größeren Hochschuleinrichtungen finden sich neben den regulären Vollzeitstudiengängen verschiedene Formen des Teilzeitstudiums und unterschiedliche Intensiv- und Fernstudienangebote. 

In der Regel werden in allen Bildungsstufen mit Ausnahme der Primarstufe staatliche Schul- und Studiengebühren erhoben. Zudem müssen sich die Eltern an verschiedenen die Bildungseinrichtungen betreffenden Nebenkosten (bauliche Instandhaltung etc.) beteiligen. Ein vergleichsweise gut ausgeprägtes gesellschaftliches Bewusstsein um den Wert von Bildung als sozialer Aufstiegschance hat mittlerweile außerdem dazu geführt, dass immer größere Teile der Elternschaft zu privaten Investitionen in die Bildung ihres Nachwuchses bereit sind. Dies erfolgt nicht nur in Form von Zusatzunterricht (Fremdsprachen und PC-Kenntnisse) und Prüfungsvorbereitung, sondern zunehmend auch in Form von selbstfinanzierten Auslandsstudienaufenthalten, vornehmlich in Australien und den ASEAN-Staaten.

Höhere Bildung im Vergleich zu internationalen Standards

Bis 1991 war in Vietnam eine starke Ausrichtung der Bildungseinrichtungen an osteuropäischen Standards zu beobachten. Politische Funktionsträger in Schlüsselpositionen rekrutierten sich zumeist aus zurückgekehrten Hochschulabsolventen aus dem ehemaligen Ostblock inkl. der DDR. Erst Anfang der 1990er Jahre erfolgte eine zunehmende Ausrichtung an westeuropäischen und US-amerikanischen Bildungsstandards und -abschlüssen. Neben dem bisherigen Promotionssystem wurden Masterstudiengängen eingeführt. Die universitäre Qualifizierung sieht drei Stufen vor:

  1. allgemeiner Hochschulabschluss, der dem amerikanischen Bachelor Grad nahe kommt (cu nhan), in bestimmten Fachbereichen äquivalente Spezialabschlüsse, z.B. Medizin (bac si), Ingenieurswesen (ky su),
  2. Masterstudium (thac si),
  3. Doktoriat (tien si).

Nur wenige BA-, MA- und PhD-Abschlüsse sind bislang international akkreditiert (Stand 2014). Aus diesem Grund bemüht sich Vietnam um internationale Kooperationen um gemeinsame Studiengänge aufzubauen und die fachliche Qualifikation des akademischen Personals zu verbessern. Eine Vorbildfunktion sollen die beiden sog. "New Model Universities" als Forschungsuniversitäten übernehmen, die in den letzten Jahren in Kooperation mit Deutschland und Frankreich entstanden sind. Daneben ist das Royal Melbourne Institute of Technology in Ho Chi Minh City die bislang einzige private Universität, die in ausländischer Trägerschaft betrieben wird.  

Nationale Akteure

Zu den wichtigsten nationalen Akteuren auf staatlicher Ebene gehören die Kommunistische Partei Vietnams, das Ministerium für Erziehung und Ausbildung (MOET) und - im Bereich der beruflichen Bildung - das Ministerium fü Arbeit, Invalide und Soziales (MOLISA) als ausführende Behörden. Während die inhaltlichen Reformziele und -strategien zumeist im Nationalinstitut für Bildungsentwicklung (NIED) des MOET und im MOLISA entwickelt und koordiniert werden, verstehen sich die Ministerien als ausführende Organe. 

Zu den Bildungsakteuren auf staatlicher Ebene gehören neben den genannten Ministerien die staatlichen Interessenvertretungen der Lehrenden und Studierenden. Als Mitgliedsorganisationen der Nationalen Vaterländischen Front sind sowohl die Gewerkschaft für Bildung als auch der Allgemeine Studentenbund direkt der Kommunistischen Partei Vietnams unterstellt. Beiden Massenorganisationen fällt meistens die Aufgabe zu, Propagandakampagnen und Projekte durchzuführen, die der Durchsetzung staatlicher Reformlinien entsprechen.

Schwachstellen

Wesentliche Schwachstellen des vietnamesischen Bildungssystems lassen sich wie folgt zusammenfassen:

- Qualifikation des Lehrpersonals ist im intenationalen Vergleich deutlich unterdurchschnittlich

- Motivation des Lehrpersonals ist aufgrund der tendenziell schlechten Bezahlung gering

- Lehrmethoden entsprechen häufig nicht modernen Standards (meist "Frontalunterricht" wenig oder kein Bezug zu aktiver Forschung der Lehrenden)

- die Infrastruktur ist meist veraltet 

- wenig Praxisbezug in Lehre und Ausbildung (berufliche Bildung)

Reformen

Mit der Higher Education Reform Agenda (2006-2020) versucht die vietnamesische Regierung vor allem bei der Qualifízierung des Lehrpersonals Defizite zu beheben. Im Bereich der beruflichen Bildung soll insbesondere der Praxisbezug der Ausbildung durch Kooperationen mit internationalen Bildungsträgern und ausländischen Firmen gestärkt werden.   

 

 

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2. Indikatoren für Bildung

Indikator Vietnam Stand    
Anteil öffentlicher Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt 6,6 % 2010    
Anteil öffentlicher Bildungsausgaben an den öffentlichen Gesamtausgaben 19,8 % 2008    
Anteil der Ausgaben für tertiäre Bildung an den Gesamtbildungsausgaben 15,4 % 2010    
Öffentliche Ausgaben pro Student/in anteilig zum Pro-Kopf-BIP (Tertiärbereich) 43,4 % 2010    
PISA-Ergebnisse: Lesen1 20. von 65 2012    
PISA-Ergebnisse: Naturwissenschaften1 8. von 65 2012    
PISA-Ergebnisse: Mathematik1 17. von 65 2012    

Quelle: UNESCO Institute of Statistics, außer:
1PISA 2012 - Ergebnisse

Redaktion: 10.12.13, von: Miguel Krux und Tim Mörsch, VDI Technologiezentrum GmbH

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3. Schulen und Hochschulen

Abschlussklasse der Hanoi University of Technology (HUT)
Hanoi University of Science and Technology (HUST)

Die drei größten Universitäten des Landes sind die beiden Nationaluniversitäten in Hanoi und Ho Chi Minh City (HCMC) sowie die TU Hanoi: 

1. Vietnam National University (VNU) Hanoi 

Im Zuge einer Reform von 1993 wurde durch Regierungsverordnung die "Vietnam National University (VNU) Hanoi" als multidisziplinäre Lehr- und Forschungsuniversität gegründet. Diese inzwischen größte Universität im Norden Vietnams (63.000 Studierende) vereinigt mehrere der bis dahin unabhängigen kleineren Universitäten in Hanoi, darunter auch die "Hanoi University of Science". 

2. Hanoi University of Science and Technology (HUST) 

Die TU Hanoi (HUST) wurde 1956 als erste von derzeit drei Technischen Universitäten Vietnams (Hanoi, HCMC und Da Nang) gegründet. HUST ist mit einer großen Anzahl deutscher Universitäten (Aachen, Chemnitz, Darmstadt, Dresden, Freiberg, Hannover, Heidelberg, Ilmenau, Karlsruhe, Leipzig, Magdeburg, München, Stuttgart) und Fachhochschulen (Aachen, Anhalt, Bremen, Gelsenkirche, München, Pforzheim, Trier, Zittau) traditionell freundschaftlich und wissenschaftlich verbunden. Etwa 30 Professorinnen und Professoren haben einen Teil Ihrer wissenschaftlichen Ausbildung in Deutschland absolviert und sprechen sehr gut Deutsch. 

3. Vietnam National University Ho Chi Minh City (VNU-HCM) 

Die Nationaluniversität Ho Chi Minh Stadt ist eine multidisziplinäre Lehr- und Forschungseinrichtung. Diese (von der Nationaluniversität in Hanoi unabhängige) größte Universität Vietnams umfasst zahlreiche Institutionen, u.a. die folgenden:  

  • University of Technology,
  • University of Natural Sciences,
  • University of Social Sciences & Humanities,
  • International University,
  • University of Information Technology,
  • Institut for Environment and Resources,
  • Central Library,
  • Information Technology Park,
  • Vietnamese-German University,
  • School of Medicine

Einen umfassenden Überblick zu den vietnamesischen Hochschulen und Fachhochschulen und die Bewertung von ausländischen Bildungsabschlüssen vermittelt die Datenbank "anabin".

Insgesamt hat sich der vietnamesische Hochschulsektor in beeindruckender Weise entwickelt. So haben sich die Studentenzahlen in den letzten Jahren deutlich erhöht: Von 1,45 Millionen 2009 auf 2,26 Millionen 2013. Die Anzahl an Hochschulen und anderer höherer Bildungseinrichtungen ist bis 2013 auf 421 angewachsen (zum Vergleich 2009: 376). Der akademische Lehrkörper ist bis 2013 auf 84.000 angewachsen (2009: 60.000).

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    4. Berufliche Bildung

    Eine systematische Berufsvorbereitung, verbunden mit einer Berufsberatung, findet weiterhin nur in Ansätzen statt. Unter den jungen Beschäftigen haben etwa 40% eine nachschulische Ausbildung genossen, aber 13% der arbeitsfähigen Bevölkerung hat eine abgeschlossene Facharbeiterausbildung vorzuweisen. Die Regierung hat jedoch die Bedeutung gut qualifizierter Fachkräfte für ein weiteres Wachstum der Wirtschaft erkannt und ergreift seit einigen Jahren Maßnahmen zum Aufbau von Strukturen für berufliche Qualifizierung. 

    Die bisherigen Bildungseinrichtungen decken vor allem Ausbildungen in den Bereichen Maschinenbau, E-Technik, IKT und Rechnungswesen ab. Ausbildungen im Agrarbereich oder spezifischen Beschäftigungen beispielsweise im Bergbau oder im Bereich der Erdöl-/ Erdgasförderung  werden hingegen bisher nur von wenigen Institutionen angeboten.

    Die Berufsbildungseinrichtungen sind hauptsächlich in städtischen Regionen konzentriert. Eine besonders hohe Zahl an Ausbildungsinstitutionen findet sich im Red River Delta in und um Hanoi sowie im Südosten Vietnams. Die verstärkte berufliche Ausbildung ländlicher Arbeitnehmer ist erklärtes Ziel der Regierung. Zahlreiche Teilnehmer an Berufsbildungsprogrammen aus dem ländlichen Bereich kehren nach Abschluss in ihre alten Berufe zurück,  haben aber aufgrund der Lehrgänge häufig die Möglichkeit ihre Effizienz und Produktivität zu verbessern und dadurch Einnahmen zu steigern. Einigen gelingt es darüber hinaus aufgrund ihrer zusätzlichen Ausbildung neue Arbeitsplätze in der Industrie, dem Handwerk oder im Dienstleistungssektor in ihrer Region zu finden und dadurch ihr Einkommen zu erhöhen. Insgesamt hat sich gezeigt, dass es sehr wichtig ist, die Angebote für berufliche Weiter-/ Ausbildung an die lokalen Entwicklungsstrategien und die Bedürfnisse der Arbeitnehmer und ihrer Familien anzupassen.

    Ein Problem stellt bisher noch die Lehrerausbildung dar. Auch wenn Quantität und Qualität der Berufsschullehrer beständig steigen, so stehen bisher doch noch zu wenig gut ausgebildete Lehrer zur Verfügung. Eine verbesserte Ausbildung für Lehrer an Berufsschulen – vor allen in den Bereichen Fremdsprachen und PC-Kenntnisse – steht daher sehr weit oben auf der politischen Agenda.

    Die Zahl privater Berufsbildungsinstitutionen wächst kontinuierlich, macht aber bisher noch einen relativ geringen Anteil aus.

    Das Berufsbildungssystem Vietnams umfasst drei Typen beruflicher Bildungseinrichtungen, die sich nach Zugangskriterien, Dauer der Angebote und Abschlussmöglichkeiten unterscheiden:

    1. Berufszentren/Berufliche Trainingscenter (Vocational Training Center, VTC),
    2. Berufsschulen (Vocational Training Schools, VTS),
    3. Berufscolleges (Vocational Colleges, VC)

    Berufszentren

    Schwerpunkt der Berufszentren sind kurze Weiterbildungen mit einer Dauer von drei bis zwölf Monaten. In einer Abfolge mehrerer Module werden aber auch Kurse über längere Zeiträume, bis zu eineinhalb Jahren, durchgeführt. Das Angebot soll sich am Bedarf der lokalen Wirtschaft orientieren und richtet sich an Schul- und Collgeabgänger ebenso wie an Berufstätige.

    Die ersten Berufszentren wurden in den 1990er Jahren gegründet. Es gibt keine allgemeinen fachlichen Zugangsvoraussetzungen. Allerdings gelten die Abschlüsse von Berufszentren nicht als Qualifikation für den Zugang zu Berufsschulen oder Berufscolleges.

    Berufsschulen 

    Die Ausbildung an Berufsschulen dauert 2 bis 3 Jahre. Die Berufsschulen bilden Facharbeiterinnen und Facharbeiter aus. Es gibt Vollzeitberufsschulen und "Technische Berufsschulen", die auch Unterrichtsfächer der gymnasialen Oberstufe umfassen. Der Abschluss an einer Technischen Berufsschule ermöglicht den Übergang an die Universität, zur fachgymnasialen Oberstufe oder zum Berufscollege. Der Abschluss an einer Vollzeitberufsschule hingegen ermöglicht ausschließlich den Besuch eines Berufscolleges.

    Berufscolleges 

    Das höchste Berufsausbildungsniveau bieten die Berufscolleges. Hier wird zwischen "pädagogischen Berufscolleges" zur Ausbildung von Primarschullehrern, "medizinischen Berufscolleges" zur Ausbildung von Pflegekräften oberhalb des Krankenpflegerberufes und "technischen Berufscolleges" mit Angeboten in den Bereichen Wirtschaft, Finanzen, Kultur und Kunsthandwerk unterschieden. Eingangsvoraussetzung ist die zentrale Aufnahmeprüfung. Der Abschluss an einem Berufscollege ermöglicht ein Studium oder den Besuch der fachgymnasialen Oberstufe.

    Insgesamt streben jedoch immer mehr Jugendliche einen Universitäts- oder Collegeabschluss an, was den Berufsbildungsinstitutionen zunehmend Probleme bereitet. Darüber hinaus ist - gemessen an den Einschreibungsraten an Berufsbildungsinstitutionen - der Anteil von Schülern, die ihren Abschluss machen insgesamt verhältnismäßig niedrig und die Abbruchrate relativ hoch.

    Um die Abschlüsse und Standards der diversen Einrichtungen zu vereinheitlichen arbeitet man derzeit in Kooperation mit der Wirtschaft und Experten an einem weiteren Ausbau von nationalen Prüfungsfragenkatalogen und gut ausgebildeten Prüfern. Dadurch soll die Anerkennung von Berufsausbildungen durch Arbeitgeber und auch Gesellschaft bestärkt  werden. Das General Department of Vocational Training (GDVT) arbeitet seit 2012 am Ausbau eines Akkreditierungsprogramms für die Qualität von Berufsbildungseinrichtungen.

    Außerhalb des formellen Berufsausbildungssystems steht die Ausbildung in Familienbetrieben, die von Generation zu Generation die berufsfachlichen Kenntnisse weitergeben. Ihr Umfang ist gerade im ländlichen Raum beträchtlich. Die hier erworbenen Qualifikationen werden im heutigen Berufsbildungssystem als nicht formelle Kompetenzen betrachtet und daher offiziell nicht anerkannt. 

    Verwaltungstechnisch sind auf der nationalen Ebene das Ministerium für Arbeit, Invalide und Soziales (MOLISA), mit Schwerpunkt auf berufliche Bildung und das Erziehungsministerium (MOET), mit Schwerpunkt auf universitäre Institutionen zuständig. Auf der Provinzebene sind die Abteilungen für Bildung und Ausbildung (DOLISA) und auf Bezirksebene die Büros für Bildung und Ausbildung für die berufliche Bildung zuständig. In zahlreichen zuständigen Behörden, insbesondere in der DOLISA, ist die Anzahl an gut ausgebildetem Managementpersonal im Bereich Berufsbildung noch sehr begrenzt. Die Regierung bemüht sich darum, mehr und besser ausgebildete Berufsbildungs-Manager zu qualifizieren.

    Mit dem Berufsbildungsgesetz von November 2006, dem "Erlass über die Verantwortlichkeiten des Staates im Bereich der Berufsausbildung vom 21. August 2009" und weiteren Entscheidungen wurden die historischen Kompetenzüberschneidungen auf nationaler Ebene zwischen den Ministerien MOLISA und MOET weitgehend ausgeräumt. Für das Management und die staatliche Verwaltung des Berufsbildungssystems ist seither das MOLISA verantwortlich. Zu den Aufgaben des Ministeriums zählt die Ausarbeitung der staatlichen Strategien und langfristigen, fünfjährigen und jährlichen Planungen zur beruflichen Bildung sowie die Entscheidung über die Zulassung der Berufsschulinstitutionen. Die im MOLISA für Berufsbildung zuständige Stelle ist das Berufsbildungsamt, General Directorate for Vocational Training (GDVT).

    Die weitere positive Entwicklung der Wirtschaft wird durch das mangelnde Angebot an gut ausgebildeten Fachkräften gefährdet. Die Wirtschaft vor Ort bemängelt insbesondere, dass Berufsanfängerinnen und -anfänger trotz der überaus positiven Lerneinstellung kaum über praktische Erfahrungen und notwendiges Fachwissen verfügen. Die Mehrzahl der Unternehmen sieht sich daher gezwungen, die benötigten Arbeitskräfte aufwändig selbst aus- und weiterzubilden. Gleichzeitig ist die Mitarbeitersuche aufwändig und Stellen können nicht unmittelbar besetzt werden.

    Vor diesem Hintergrund wurden seit Januar 2011 neue umfassende Reformen eingeleitet, um die quantitative und qualitative Leistungsfähigkeit des Berufsbildungssystems maßgeblich zu verbessern.

    Die Technical and Vocational Education and Training (TVET) Strategy for Development 2011-2020 (oder auch kurze Development Strategy for Vocational Training 2011-2012, hier abrufbar: http://www.most.gov.vn/Desktop.aspx/Details-Article/ST-stratergy/The_translation_is_for_reference/?SearchTerms=statistics ) wurde 2012 vom Premierminister verabschiedet und legt für den entsprechenden Zeitraum diverse Ziele in verschiedenen Bereichen, wie beispielsweise Zulassung von Berufsschulen Lehrerausbildung, Curricula, Verbindung zwischen Berufsbildung und Arbeitsmarkt und weiteres fest. Diese und die in der Entwicklungs-Strategie genannten Umsetzungsmöglichkeiten gelten als Richtlinien für die zukünftige vietnamesische Berufsbildungspolitik. Übergeordnetes Ziel ist der Aufbau eines kohärenten Ausbildungssystems mit anerkannten Abschlüssen. Um dieses Ziel zu erreichen, unterstützt die TVET-Strategie u.a.  eine verstärkte Kooperation mit ausländischen Organisationen, die sich in die vietnamesische Berufsbildung einbringen wollen. Insgesamt scheint die Umsetzung der Strategie jedoch bislang recht schleppend anzulaufen.

    Quellen: iMOVE (2012): Marktstudie Vietnam, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Bonn; General Department of Vocational Training in Kooperation mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) (2014): Vocational Training Report Viet Nam 2012, Ha Noi.

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    5. Weiterbildung

    Schulabgängerinnen und Schulabgänger, die nicht an Berufsschulen oder an einer Hochschule aufgenommen werden, besuchen oft Kurse zur beruflichen Fort- und Weiterbildung. Weitgehend offen für alle Interessentinnen und Interessenten sind die beruflichen Fort- und Weiterbildungen, die in Vietnam als kurzzeitige Kurse oder Angebote von 3 bis 12 Monaten durchgeführt werden. Die Kurse finden ganztägig oder stundenweise während der Woche oder am Wochenende statt. Die Bereitschaft, sich in der Freizeit und auf eigene Kosten weiterzubilden, ist in Vietnam sehr hoch. Ziel ist dabei sowohl die aktuelle Arbeitsplatzsicherung als auch die Weiterqualifizierung für neue Aufgaben. Beliebte Themen bei privaten Weiterbildungen sind kaufmännische Inhalte, Management, Sprachen, EDV oder Softskills wie „Präsentationen vorbereiten und halten“ oder „interkulturelle Kompetenz“. Diese Kurse werden sowohl von spezialisierten Bildungsinstituten als auch von Berufsbildungsinstitutionen und Hochschulen angeboten. Daneben führen Branchenverbände und Organisationen wie die Vietnam Chamber of Commerce (VCCI) ebenfalls Fort- und Weiterbildungen durch.

    Quelle: iMOVE 2012: Marktstudie Vietnam. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Bonn.

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    6. Bildungsorganisationen

    Leistungsstarke vietnamesische Bildungsträger sind oftmals solche, die mit staatlichen Budgets, mit Projektmitteln der Asian Development Bank (ADB) oder mit Mitteln der deutschen bilateralen Entwicklungszusammenarbeit aufgebaut wurden. Weitere leistungsstarke vietnamesische Partner sind auch Bildungseinrichtungen von Unternehmen oder private Bildungsträger.

    Beispiele sind u.a.:

    Dong An Polytechnic

    Der Bildungsträger Dong An Polytechnic bildet Arbeitskräfte für den benachbarten Industriepark Dong An unter hervorragenden technischen Rahmenbedingungen aus. Thematische Schwerpunkte sind technische Ausbildungsgänge und Inhalte, wie CNC-Anwendungen, industrielle Elektronik und Schweißen.

    Long Bien Vocational College

    Das Long Bien Vocational College bietet seit 2008 eine duale Ausbildung nach einem modularen Lehrplan an. In den ersten beiden Jahren sind die Teilnehmenden abwechselnd in Schule und Unternehmen, im dritten Lehrjahr überwiegend im Unternehmen. Die meisten Absolventinnen und Absolventen haben schon vor Ausbildungsende Arbeitsplatzzusagen in der Wirtschaft.
    Zu den Schwerpunkten der Ausbildung im Long Bien Vocational College zählen Buchhaltung, industrielles Nähen, IT sowie Tourismus.

    Vietnam-German Technology Transfer and Training Center – Handwerks-Center (HwC)

    Im Bereich Schweißtechnik ist das „Vietnam-German Technology Transfer and Training Center“, das so genannte „Handwerks-Center“ (HwC) des Directorate for Standards and Quality (STAMEQ) des Ministeriums für Wissenschaft und Forschung in Hanoi, führend. Das Zentrum entstand im Rahmen der 1995 begonnenen Zusammenarbeit von STAMEQ und der Handwerkskammer Koblenz. Das HwC in Hanoi besitzt die erste Zulassung einer schweißtechnischen Lehranstalt, die der Deutsche Verband für Schweißtechnik (DVS) außerhalb Deutschlands je vergeben hat. Heute bildet das Zentrum Schweißer nach europäischen und internationalen Richtlinien sowie Schweiß-Fachleute und Schweißgüteprüfer nach Richtlinien des Internationalen Verbandes für Schweißtechnik aus.

    Die meisten internationalen Bildungsanbieter in Vietnam kommen aus Australien, den USA und Großbritannien. Gerade im Bereich der universitären Bildung gibt es eine Vielzahl von Kooperationsangeboten, die erfolgreich und mit teilweise sehr hohen Gebühren umgesetzt werden. So werden für Kurse in Vietnam bis zu 10.000 USD pro Jahr und mehr berechnet, bei Auslandssemestern auch 20.000 USD und mehr, ohne Unterkunft und Verpflegung. Teilweise arbeiten die internationalen Anbieter von beruflicher Bildung und Hochschulbildung mit Unterstützung von Exportförderungsprogrammen.

    Weitere Informationen zum Stand der Berufsbildung sind unter

    Studie zum Weiterbildungsbedarf und auf der

    Webseite von iMOVE abrufbar.

    iMOVE
    beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
    Robert-Schuman-Platz 3
    53175 Bonn

    Tel.: 0228/ 107-1745
    Fax: 0228/ 107-2895

    E-Mail: info(at)imove-germany.de
    Internet: http://www.imove-germany.de/www.imove-germany.de

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