BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
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1. Kurzprofil

Belo Horizonte wurde 1701 gegründet und ist die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Minas Gerais. Mit rund 2,5 Mio. Einwohnern ist sie auch die größte Stadt im Bundesstaat und die sechstgrößte in Brasilien. Weit umfassender ist die im folgenden Porträt als Cluster vorgestellte Metropolregion Belo Horizonte (Região Metropolitana de Belo Horizonte) mit insgesamt 34 Stadtbezirken und mehr als 5 Mio. Einwohnern (28 Prozent der Bevölkerung im Bundesstaat). Der im Englischen als Greater Belo Horizonte bezeichnete Cluster ist gleichzeitig die drittgrößte Metropolregion Brasiliens.

Neben der durch die Lage des Clusters im „Eisernen Viereck“ (die Bezeichnung spielt auf die besondere Häufung von Eisenerzlagerstätten in Minas Gerais an) begünstigten Metallverarbeitungsindustrie vollzog die Wirtschaft in Belo Horizonte seit den neunziger Jahren einen Wandel hin zu einer Diversifizierung in Hochtechnologiefelder. Die thematischen Stärkefelder des Clusters liegen heute in der Bauindustrie, Chemie, Automobilindustrie, Biotechnologie und IKT.

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2. Internationale Anziehungskraft

Der brasilianische Bundesstaat Minas Gerais, dessen Anteil am nationalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2012 9,2 Prozent betrug, liegt im Südosten Brasiliens und grenzt dort an den Bundesstaat Rio de Janeiro. Minas Gerais ist mit rund 19,9 Mio. Einwohnern der bevölkerungsreichste Bundesstaat Brasiliens hinter São Paulo (2014 wurde die Bevölkerungszahl auf 20,5 Mio. geschätzt) und mit einer Fläche von rund 587.000 km² ist er etwa so groß wie Frankreich (ohne Überseeinseln und – gebiete). Das Pro-Kopf-BIP der Metropolregion lag 2012 bei 17.239 USD.

Die Zentralregion des Bundesstaates Minas Gerais erwirtschaftet rund die Hälfte des gesamten Bruttoinlandsproduktes des Bundesstaates (46,98 Prozent), obwohl sie weniger als ein Drittel der Gesamtbevölkerung des Bundesstaats repräsentiert (28 Prozent). Ähnliches lässt sich auch hinsichtlich der Bedeutung der Metropolregion Belo Horizonte für ganz Brasilien feststellen: Obgleich nur 2,8 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes repräsentierend, erwirtschaftet der Cluster 4 Prozent des gesamten BIPs.

Belo Horizonte liegt im sogenannten „Quadrilátero Ferrífero“, im „Eisernen Viereck“: Die Erzreserven in dieser Region zählen zu den größten der Welt. Das Eisenerzvorkommen spiegelt sich auch im Namen des Bundesstaats Minas Gerais wieder, der übersetzt etwa „Erze aller Art“ bedeutet. Minas Gerais ist das Bergbauzentrum Brasiliens.

Der Flughafen Belo Horizonte-Confins (port. Aeroporto Internacional de Confins - Tancredo Neves, CNF) ist der Hauptflughafen für den Cluster. Jährlich werden über 10 Mio. Passagiere abgefertigt. Der 38 km nordöstlich vom Zentrum Belo Horizontes gelegene Flughafen zählt zu den fünf größten Flughäfen in Brasilien.

Mit seiner Lage im Südosten Brasiliens bietet der Cluster direkten Zugang zur Region mit der höchsten Konsumnachfrage des Landes. Gleichzeitig verfügen Belo Horizonte und der Bundesstaat über ein hochentwickeltes Verkehrsnetz, das die wichtigsten Bezirke und Gemeinden mit den Seehäfen in São Paulo, Rio de Janeiro und Espírito Santo verbindet. Die internationale Anziehungskraft des Clusters lässt sich auch anhand von diversen Platzierungen in Rankings ablesen:

Das Ausstellungsgelände Expominas (port. EXPOMINAS - Centro de Feiras e Exposições de Minas Gerais) befindet sich im Westen des Stadtgebiets von Belo Horizonte und zählt zu den wichtigsten und größten Veranstaltungszentren Lateinamerikas. Über eine direkte U-Bahn-Anbindung erreicht man das Messegelände innerhalb von 6 Minuten vom Stadtzentrum aus. Zu den wichtigsten Messen und Fachtagungen der Expominas zählen folgende Veranstaltungen:

  • Die Bergbaumesse Exposibram findet seit 1999 in Belo Horizonte statt und ist die größte Bergbau-Messe in Lateinamerika.
  • Die Messe Mecminas zählt zu den größten Fachausstellungen für Fertigungstechnik in Brasilien. Ausgestellt werden Werkzeugmaschinen, Maschinenkomponenten, Automationstechnik und Industrieroboter.
  • Eine weitere jährlich stattfindende Messe im Cluster ist die Technological Innovation Trade Fair (INOVATEC), eine der wichtigsten Technologie- und Innovationsmessen im lateinamerikanischen Raum. Thematisch deckt sie das Feld von Energie- und Bio- über Software- bis hin zur Systemtechnik ab.
  • BRASEG ist eine Ausstellung für Sicherheit und Brandschutz im Cluster, die seit 1987 alle zwei Jahre stattfindet.

Der Anteil des Bundesstaates Minas Gerais am gesamten brasilianischen Export betrug 2013 13,8 Prozent. Der Exportumsatz des Bundesstaates betrug in diesem 33,4 Mrd. USD. Minas Gerais ist zudem national

  • der größte Exporteur von Ferrolegierungen (Anteil: 71,4 Prozent),
  • der größte Kaffeeexporteur (Anteil: 29,2 Prozent),
  • größter Exporteur von gediegenem Gold, halbfertig oder in Pulver-Form (Anteil: 56,3 Prozent),
  • größter Exporteur von Silikonen (Anteil: 87,8 Prozent),
  • größter Exporteur von Niobium (Anteil: 88,8 Prozent),
  • größter Exporteur von Zink (Anteil: 95,9 Prozent),
  • größter Exporteur von Eisenerz (Anteil: 49,7 Prozent).

Knapp die Hälfte aller Exporte des Bundesstaats geht nach Asien (ohne den mittleren Osten) mit einem Anteil von 49,6 Prozent. Ein weiteres wichtiges Exportziel ist die EU (21,7 Prozent). Nach Deutschland gehen rund 3 Prozent aller Exporte.

Zu den ausländischen Unternehmen, die sich im Cluster angesiedelt haben, zählen unter anderem ABB, General Electric, Google, Arcelor Mittal, AngloGold Ashanti, New Holland, Fiat und Toshiba. Belo Horizonte war Spielstätte der Fußball WM 2014 und ist Nebenaustragungsort der Olympischen Spiele 2016 in Rio.

Seit einiger Zeit ist der Cluster sowie der Bundesstaat Minas Gerais ein attraktives Ziel für ausländische Direktinvestitionen (FDIs). Der größte Teil der FDIs konzentrierte sich für den Zeitraum von 2001 bis 2010 auf den Bergbau- und die Stahlbranche:

Das Kuchendiagramm stellt die ausländischen Direktinvestitionen nach Minas Gerais nach Sektor für den Zeitraum von 2001 bis 2010 dar. Deutlich wird, dass beinahe die Hälfte der Investitionen auf die Sektoren Bergbau, Stahl und Automobilindustrie entfallen.
Ausländische Direktinvestitionen nach Minas Gerais nach Sektor 2001 - 2010; (Grafik: VDI TZ; Quelle: ACMinas)

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3. Thematische Stärkefelder

Der Tourismus stellt in Belo Horizonte einen traditionell starken Wirtschaftszweig dar. Traditionell sind auch die Bergbauindustrie sowie die Lebensmittelproduktion von Bedeutung, die in Belo Horizonte mittels der Urban Agriculture Support Policy gefördert wird. Mit 62 Prozent ist der Dienstleistungssektor der wichtigste Sektor in der Wirtschaftsstruktur von Minas Gerais.

Im Diagramm wird die Wirtschaftsstruktur Belo Horizontes dargestellt: 8,6 Prozent entfallen dabei auf die Landwirtschaft, knapp 30 Prozent auf die Industrie und der überwiegende Teil, 62 Prozent, auf die Dienstleistung.
Wirtschaftsstruktur in Minas Gerais nach Sektoren (Grafik: VDI TZ; Quelle: Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung des Bundesstaats Minas Gerais)

3.1 Informations- und Kommunikationstechnik

Brasilien ist einer der größten Internet-Märkte der Welt: Mit Blick auf die Zahl der Internet-Nutzer liegt das Land weltweit auf Platz 5, hinsichtlich der Zeit, die die Nutzer online verbringen, sogar auf Platz 3; zudem lässt sich eine große Zahl von Social-Media und E-Commerce-Unternehmen im Land feststellen.

Zur Software-Industrie in Belo Horizonte zählen heute etwa 1.300 Unternehmen, die sich in verschiedenen Bereichen entlang der Wertschöpfungskette angesiedelt haben und gemeinsam einen Jahresumsatz von über 2,5 Mrd. Real (2015: 2007; 1 BRL = 0,23 EUR, Stand: 17.09.2015) erzielen.

Google betreibt seit der Übernahme des Unternehmens Akwan in Belo Horizonte sein brasilianisches Forschungs- und Entwicklungszentrum mit über 100 Beschäftigten. Akwan war eine Suchmaschine, die sich insbesondere auf den Bereich business-to-business konzentriert hatte und als Ausgliederung der UFMG (siehe Kapitel „Bildung, Qualifikation und Fachkräfte“) entstanden war.

DataViva.info ist ein „Open-Data“-Projekt der Landesregierung des Bundesstaates Minas Gerais, auf dem Beschäftigungs- und Exportdaten für die gesamte brasilianische Wirtschaft mit mehr als 700 Mio. interaktiven Visualisierungen frei zur Verfügung gestellt werden. Neben dem Ziel der Öffnung von Regierung und Verwaltung gegenüber der Bevölkerung und Wirtschaft (im Sinne des Open Government-Konzepts), ist es gleichzeitig erklärtes Ziel, Investoren und Fachkräften durch „gute“ Daten auf Minas Gerais aufmerksam zu machen, das als Bundesstaat außerhalb Brasiliens relativ wenig Bekanntheit genießt.

3.2 Biotechnologie

In den letzten Jahren sind in Brasilien die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen worden, die gemeinsam mit staatlicher Förderung, Kooperationen mit ausländischen Biotech-Unternehmen und der Nachfrage großer Konzerne für das Wachstum der brasilianischen Biotech-Branche gesorgt haben. Geographisch konzentriert sich die brasilianische Biotechnologie auf die Bundesstaaten São Paulo und Minas Gerais.

Im Cluster sind etwa 200 Biotechnologie-Unternehmen ansässig. Damit befinden sich rund 16 Prozent aller brasilianischen Biotechnologie-Unternehmen in Belo Horizonte. Der Umsatz der Biotech-Unternehmen liegt bei 550 Mio. USD. Da der Anteil privater Risikokapitalgeber in Brasilien vergleichsweise niedrig ist, wird Forschung und Entwicklung in den biotechnologischen Unternehmen fast vollständig über Programme staatlicher Förderung finanziert. Zu den wichtigsten Akteuren zählen dabei die Förderagentur FINEP und der Nationale Rat für wissenschaftliche und technologische Entwicklung (CNPq), die beide dem Nationalen Forschungsministerium MCTI nachgeordnet sind.

3.3 Automobilindustrie

Brasilien ist der viertgrößte Automobilmarkt weltweit mit 3,6 Mio. verkauften Pkw im Jahr 2013. Der Bundesstaat Minas Gerais ist das zweitgrößte Automobilproduktionszentrum Brasiliens mit einem nationalen Produktionsanteil von rund 24 Prozent.

Fiat unterhält seit 1976 seine weltweit größte Fertigungsanlage im einige Kilometer südwestlich von Belo Horizonte gelegenen Betim, die Produktionskapazität des Werks liegt seit 2012 bei über 800.000 Pkw pro Jahr. Inzwischen haben sich auch der italienische Nutzfahrzeughersteller IVECO als auch Mercedes Benz (in Juiz de Fora) angesiedelt. Mercedes Benz produzierte in seinem Werk von 1999 bis 2012 die A-Klasse, dann wurde das Werk umgewandelt, um dort LKW zu produzieren. Auch Zulieferer haben sich seither in und um den Cluster herum angesiedelt.

3.4 Bauindustrie

Von den zehn größten brasilianischen Bauunternehmen haben vier ihren Hauptsitz in Belo Horizonte: Andrade Gutierrez (Umsatz 2012: 4,6 Mrd. Real), MRV Engenharia (Umsatz 2012: 2,57 Mrd. Real), A.R.G. (Umsatz 2012: 1,85 Mrd.) und Egesa (1,52 Mrd. Real). Der Tiefbau steht für 18 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung des Bundesstaats Minas Gerais.

Das Technologie- und Internetmagazin TechCrunch berichtete im Juni über ein noch vergleichsweise junges Startup-Unternehmen, Construct, das auch über das SEED-Programm des Bundesstaates Minas Gerais gefördert wurde. Es bietet eine App für kleine und mittlere Bauunternehmen an, die das Projektmanagement auf Baustellen unterstützt und gleichzeitig alle wesentlichen Vorgänge dokumentiert, wodurch Bauprojekte transparenter und Korruption weniger wahrscheinlich wird.

3.5 Stahlbranche

Belo Horizonte liegt inmitten des „Eisernen Vierecks“ (port. Quadrilátero Ferríferro), einem etwa 7.000 km² großen Gebiet im Zentrum von Minas Gerais, das durch die Städte Santa Barbara, Ouro Preto, Congonha und Belo Horizonte begrenzt wird. Mit Vorräten von über 10 Mrd. t Erz ist das „Eiserne Viereck“ eine der größten Eisenerzanreicherungen der Welt (der Anteil Brasiliens an der weltweiten Eisenerzproduktion betrug 2012 13,4 Prozent).

Auf der Karte des brasilianischen Bundesstaats Minas Gerais ist in blauer Farbe die ungefähre Lage des sogenannten Eisernen Vierecks markiert.
Lage des „Eisernen Viereck“ in Minas Gerais (Grafik und Quelle: Wikimedia Commons, Bearbeitung: VDI TZ; Urheber: Marcos Elias de Oliveira Júnior, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Belo Horizonte ist seit jeher das Verarbeitungszentrum des rohstoffreichen Bundesstaates Minas Gerais, so dass die Sektoren Metallverarbeitung und Stahlproduktion stark ausgeprägt sind. Als lokaler Abnehmer der metallurgischen Produkte hat sich zudem die Automobilindustrie im Cluster etabliert.

Vale ist der wichtigste Eisenerzproduzent weltweit (in über 30 Ländern aktiv) und der wichtigste Akteur im brasilianischen Bergbausektor. 2013 konnte das Unternehmen einen Umsatz von insgesamt 46,7 Mrd. USD vorweisen. Brasilien ist der weltweit größte Exporteur von Niobium und Tantalit, der drittgrößte Produzent sowie der weltweit zweitgrößte Exporteur von Eisenerz, Mangan und Bauxit. Mit Usiminas hat auch einer der größten Stahlproduzenten Südamerikas seinen Sitz in Belo Horizonte.

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4. Akteure und Netzwerke

In Belo Horizonte sind staatlich geförderte Technologie- und Branchennetzwerke ansässig, die Stärkefelder Biotechnologie und Software werden über sogenannte lokale Produktivabkommen (Arranjos Produtivos Locais, APL) vernetzt. APLs sind lokale, industrieorientierte Netzwerke mit Akteuren entlang der Wertschöpfungskette einer Branche oder eines Industriekomplexes. Verschiedene Studien zum Thema konnten den positiven Effekt der Arranjos Produtivos Locais für kleine und mittlere Unternehmen in Brasilien belegen.

APL do Software wurde 2005 gegründet und umfasst mehrere Tausend Unternehmen im gesamten Bundesstaat Minas Gerais aus dem Bereich Software und IT. Das Netzwerk stärkt Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedsunternehmen unter der Dachmarke Software de Minas. Die Softwarevereinigung von Minas Gerais, FUMSOFT, unterstützt Unternehmen der Branche in puncto Unternehmensgründungen, Forschung und Entwicklung sowie im Export.

Das APL Biotec RMBH ist ein lokales Netzwerk mit dem Schwerpunkt Biotechnologie. Bei über 70 Prozent der im APL organisierten Biotech-Unternehmen handelt es sich um kleine Firmen mit bis zu maximal 19 Beschäftigten. Zusätzlich sind innerhalb des Netzwerks zwei Inkubatoren organisiert: Inova (UMFG) und Habitat (Biominas, s.u.).

Zentraler Akteur des APL Biotec RMBH sowie für den Biotechnologiesektor insgesamt ist die Fundação Biominas. Die Stiftung berät Biotechnologiefirmen in allen Phasen der Unternehmensentwicklung. Sie analysiert u. a. Geschäftschancen, sucht nach potentiellen strategischen Partnern und berät bei Fragen zu Schutzrechten.

Der 2005 errichtete Parque Tecnológico de Belo Horizonte (BH-TEC) ist ein Projekt von verschiedenen staatlichen Institutionen wie dem Staat Minas Gerais, der Stadt Belo Horizonte, der UFMG und weiterer Akteure. Der Gesamtumsatz aller Unternehmen im Park lag 2014 bei 104 Mio. Real (2015; 1 BRL = 0,23 EUR, Stand: 17.09.2015). Interessierte Hochtechnologie-Unternehmen müssen nachhaltige Konzepte und Kooperationen mit Universitäten oder Forschungseinrichtungen vorweisen. Der BH-TEC fördert die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, beispielsweise durch eine Kooperationsvereinbarung des Parks mit der UMFG, die es ermöglicht, dass Unternehmen auf die Labore der Hochschule als auch das Knowhow der Professoren und Forscher zurückgreifen können.

Das San Pedro Valley Comunidade de Startups de Belo Horizonte ist eine seit 2011 etablierte Bezeichnung für ein loses Netzwerk junger Unternehmen im Stadtteil São Pedro von Belo Horizonte. Die Bezeichnung San Pedro Valley spielt dabei auf das kalifornische Silicon Valley an. Die Gruppe veranstaltet regelmäßige Treffen sowie kollaborative Software- und Hardwareentwicklungsveranstaltungen (sog. Hackathons).

AMBIOTEC (Minas Association of Biotechnology and Life Science) ist ein Unternehmensverband für die Sektoren Biotechnologie und Life Science und wurde am 26. Juli 2010 gegründet. Ziel ist es, die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in der Branche in Belo Horizonte zu fördern. Die Brazilian Industrial Biotech Assocation (Associação Brasileira de Biotecnologia Industrial, ABBI) wurde im April 2014 ins Leben gerufen, zu den Gründungsmitgliedern zählen unter anderem BP, BASF und DuPont. Zu den Zielen des Verbands zählt es unter anderem, den Dialog über die Fortschritte der industriellen Biotechnologie in Brasilien anzustoßen sowie die brasilianischen Regulierungen hinsichtlich der Biotechnologie zu verbessern.

SEED (Startups and Entrepreneurship Ecosystem Development) wurde vom Bundesstaat Minas Gerais nach dem chilenischen Vorbild StartupChile gegründet, um Startups aus Südamerika und dem Rest der Welt in den brasilianischen Bundesstaat zu werben und Minas Gerais so zum wichtigsten Zentrum für Hightech-Unternehmensgründungen in Südamerika auszubauen. Die Zukunft des Programms ist seit dem Regierungswechsel in Minas Gerais bei den Wahlen 2014 jedoch unklar – derzeit ist das Programm ausgesetzt.

INDI ist die bundesstaatliche Investitionsförderungsagentur in Minas Gerais (Instituto de Desenvolvimento Integrado de Minas Gerais) und ist einer der wichtigsten Zugänge für ausländische Investoren in Minas Gerais.

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5. Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Zahlreiche Bildungs- und Forschungseinrichtungen im Cluster bilden die Grundlage für die Entwicklung der Region, in der rund 15 Prozent der Bevölkerung und 35 Prozent aller offiziell Beschäftigten über einen Universitätsabschluss verfügen. In Belo Horizonte gibt es über 50 Universitäten und Hochschulen, darunter einige, die zu den besten Bildungseinrichtungen Lateinamerikas zählen:

  • Die Bundesuniversität von Minas Gerais (Universidade Federal de Minas Gerais, UFMG) ist eine staatliche Universität in Belo Horizonte mit fast 46.000 Studierenden. Damit ist die UMFG die größte bundesstaatliche Universität und eine der fünf größten Universitäten in Brasilien. Entlang eines großen thematischen Spektrums bietet die UFMG insgesamt 75 Bachelor-Studiengänge an. Besonderes Renommee genießt die UFMG dabei in der Informatik, Sozialwissenschaft und Biotechnologie: Das Pharma-Unternehmen Biobras ist beispielsweise eine Ausgliederung der biochemischen Fakultät der UMFG aus den frühen 70er Jahren. Im QS University Ranking: BRICS 2015 belegt sie innerhalb Brasiliens den sechsten Rang, im gesamten Ranking den 41. Rang. Im LatAM University Ranking, das den Fokus auf lateinamerikanische Universitäten legt, belegt die UMFG den 11. Rang.
  • Die Pontifícia Universidade Católica de Minas Gerais (PUC Minas) ist eine katholische Universität mit derzeit ca. 57.000 Studierenden. Die private Hochschule wurde 1958 gegründet. Die PUC Minas hat bereits mehrfach enge Kooperationen mit Unternehmen in Minas Gerais (beispielsweise durch die Vermittlung von Praktika) durchgeführt. Sie gilt als eine der fünf besten Universitäten des Landes und betreibt inzwischen mehrere Zweigstellen im Bundesstaat Minas Gerais.
  • Eine weitere private Universität ist die Faculdade de Ciências Médicas de Minas Gerais, die einen ausgezeichneten Ruf in der Medizin genießt.
  • Das Centro Federal de Educação Tecnológica de Minas Gerais (Bundeszentrum für technologische Bildung von Minas Gerais, CEFET-MG) ist eine Bildungseinrichtung mit technischem Schwerpunkt im Bundesstaat Minas Gerais und bekannt für sein sehr hohes Ausbildungsniveau in den Ingenieurs- und Naturwissenschaften.
  • Die Escola de Governo Professor Paulo Neves de Carvalho bietet u.a. einen renommierten Studiengang für die öffentliche Verwaltung in Brasilien an. Die öffentliche Bildungseinrichtung wurde 1992 gegründet, um die Verwaltung in Brasilien und Minas Gerais zu verbessern und zu modernisieren und die Ausbildung von Verwaltungsbeamten auf lokaler sowie auf Staats- und Bundesebene zu verbessern. Derzeit hat die Hochschule über 800 Studierende.
  • Das Universitätszentrum Newton Paiva befindet sich auch in Belo Horizonte und bietet insgesamt 27 Studiengänge an.
  • Das Universitätszentrum Belo Horizonte (Centro Universitário de Belo Horizonte, UniBH) hat über 19.000 Studierende und ist besonders in der Medizin und im Journalismus renommiert.
  • Die Universidade do Estado de Minas Gerais (Universität des Bundesstaates Minas Gerais, kurz: UEMG) ist eine staatliche öffentliche Hochschule mit über 20.000 Studenten.
  • Die SKEMA Business School hat einen Campus im Cluster im 20 km von Belo Horizonte entfernten Lima. Der Campus wurde in Kooperation mit der Fundação Dom Cabral, einer renommierten brasilianischen Wirtschaftshochschule, errichtet.

Einem Artikel des Wall Street Journal von 2015 zufolge wird brasilienweit ein Fachkräftemangel beklagt, insbesondere im Bereich Technologie und Informatik. Auch das bereits erwähnte FuE-Zentrum von Google kann derzeit aufgrund der fehlenden Fachkräfte nicht wie gewünscht vergrößert werden. Vor diesem Hintergrund ist derzeit eine Kooperation zwischen Google und der UFMG sowie der Bau eines Google-Campus in Minas Gerais geplant.

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6. Entwicklungsdynamik

Der Cluster kann seit Beginn der neunziger Jahre eine positive Entwicklung aufweisen: Das Pro-Kopf-BIP stieg von 1990 bis 2012 um 44 Prozent, die Zahl der Arbeitsplätze um 37 Prozent, die Mittelschicht ist – wie im ganzen Land – in den letzten zehn Jahren um 40 Prozent gewachsen.

Brasilien als Ganzes befindet sich zur Zeit jedoch in einer Rezession: Die für die Wirtschaft wichtigen Ausfuhren des Landes nach China gingen von 2013 auf 2014 um zwölf Prozent zurück, gleichzeitig werden derzeit nur rund 1,2 Prozent des nationalen BIPs in Forschung und Entwicklung investiert. Vor dem Hintergrund des Korruptionsskandals im Zusammenhang mit dem halbstaatlichen Mineralölunternehmen Petrobras sprach die Zeit im August 2015 sogar von der „brasilianische[n] Totalkrise“. Im selben Monat kam es zur fünften Massendemonstration gegen Staatspräsidentin Dilma Rousseff.

Die Gründe für die Probleme des Landes lassen sich auch in Minas Gerais und Belo Horizonte ausmachen: So kommt die Studie Doing Business in Brasil der australischen Wirtschaftsförderungsagentur Austrade zu dem Schluss, dass die Ausstellung von Regierungsgenehmigungen für Abbaurechte in Brasilien teilweise sehr lange dauert und dass es dringend Großinvestitionen in Häfen und Eisenbahnen braucht.  Hinzu kommt der im vorigen Kapitel bereits angesprochene Fachkräftemangel.

Nach den Wahlen im Oktober 2014 gab es einen Regierungswechsel im Bundesstaat Minas Gerais: Seither ist Fernando Pimentel von der Arbeiterpartei (Partido dos Trabalhadores) Gouverneur des Bundesstaates. Gleichzeit wurde relativ überraschend das Startup-Förderprogramm SEED beendet. Über die Weiterführung des Programms SEED des Bundesstaats herrscht derzeit noch Unklarheit.

Eine – insbesondere in Lateinamerika häufig anzutreffende Besonderheit – ist seit 1994 auch in Belo Horizonte zu beobachten: der sog. „Bürgerhaushalt“ bzw. „Partizipativer Haushalt“ (im Englischen als Participatory budgeting (PB) bezeichnet): Im Sinne von mehr Haushaltstransparenz lassen Städte und Gemeinden die Bürger dabei zumindest über die frei verwendbaren Mittel mitbestimmen und entscheiden. 1989 in Porto Alegre eingeführt, wird das Konzept heute in 200 brasilianischen Kommunen angewandt (in ganz Lateinamerika sind es über 1.000). Inzwischen beteiligen sich in Belo Horizonte fast 50.000 Bürger jährlich am partizipativen Haushalt.

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Redaktion: 16.10.15, von: Nils Demetry, VDI Technologiezentrum GmbH