BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
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1. Kurzprofil

Belo Horizonte ist die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Minas Gerais. Das Stadtgebiet umfasst 331 Quadratkilometer und hat eine Einwohnerzahl von 2,5 Millionen. Damit ist Belo Horizonte die sechstgrößte Stadt Brasiliens; hinsichtlich des erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukts von 38 Milliarden Real (2007; 1 BRL = 0,45 EUR, Stand: 30.08.2010) liegt die Stadt landesweit an vierter Stelle.  

Weit umfassender und als Einzugsgebiet des Clusters zu betrachten ist die Metropolregion Belo Horizonte (Região Metropolitana de Belo Horizonte), zu der 33 weitere Stadtbezirke zählen, u. a. die industriestarken Regionen Contagem und Betim. Der Großraum BH, wie die Stadt im brasilianischen Sprachraum häufig abgekürzt wird, ist mit 5,4 Millionen Einwohnern die drittgrößte Metropolregion Brasiliens und erwirtschaftet knapp 65 Milliarden Real (2006). 

Das Clustergebiet Belo Horizonte ist international für seinen Rohstoffreichtum und die metallverarbeitende Industrie bekannt. Im "Quadrilátero Ferrífero" (dt.: Eisernes Viereck) lagert eines der größten und hochwertigsten Eisenerzvorkommen der Welt. Belo Horizonte ist allerdings nach der Rezession in den 1980er und 90er Jahren um eine Modernisierung der Wirtschaft bemüht, insbesondere um die Diversifizierung in Hochtechnologiefelder. Um die Basis der lokalen Ökonomie zu verbreitern, wurden Initiativen und Programme ins Leben gerufen, die ausländische Unternehmen aus anderen Sektoren anziehen und einheimische Firmengründungen fördern sollen. In den Bereichen Biotechnologie und IT haben sich mittlerweile Netzwerke gebildet und viele Unternehmen und Start-ups angesiedelt. 

Eine wichtige Grundlage der Region stellen die Bildungs- und Forschungseinrichtungen dar. In Belo Horizonte gibt es über 50 Universitäten und Hochschulen, von denen einige, wie z. B die Universidade Federal de Minas Gerais (UFMG), zu den besten Bildungseinrichtungen Lateinamerikas zählen. 

Belo Horizonte ist eine Spielstätte der Fußball WM 2014 und Nebenaustragungsort der Olympischen Sommerspiele 2016. Für diese sportlichen Großereignisse wird die Infrastruktur modernisiert und ausgebaut. Von diesen Investitionen erhofft sich Belo Horizonte eine Steigerung der internationalen Anziehungskraft.

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2. Internationale Anziehungskraft

Belo Horizonte liegt im sogenannten "Eisernen Viereck" ("Quadrilátero Ferrífero"), welches bekannt ist für seine reichen Vorkommen an Eisenerz (Itabirit), Mangan, Gold und Edelsteinen. Neben Belo Horizonte wird es begrenzt von Mariana im Südosten, Congonhas im Süden und Santa Bárbara im Osten. Mit etwa 80 Lagerstätten und Vorräten von über 10 Milliarden Tonnen hochwertigen Erzes ist das "Eiserne Viereck" eines der größten Vorkommen der Erde. 

Der Hafen von Tubarão bei Vitória im Bundesstaat Espírito Santo dient der Rohstoff- und Stahlindustrie als Hauptumschlagsplatz. Der Hafen gehört zum ehemaligen Staatskonzern Vale und ist einer der größten Erzexporthäfen der Welt. Durch die hohe Erzproduktion im "Eisernen Viereck" ist der Hafen seit einiger Zeit allerdings ausgelastet. Die Häfen Anchieta und Ubu werden daher kontinuierlich ausgebaut. Vale plant z. B. einen neuen Tiefsee-Container-Terminal im Rahmen einer drei Milliarden US-Dollar Investition in Anchieta. Das Eisenerz aus Minas Gerais wird über die moderne Zugverbindung "Estrada de Ferro Vitória-Minas" (EFVM) zu den Verladehäfen in Espírito Santo transportiert. Die Strecke wird ebenfalls von dem Logistikzweig des Vale-Konzerns betrieben. 

Der internationale Flughafen Aeroporto de Confins verzeichnet ein stetig wachsendes Passagieraufkommen (5,6 Millionen Passagiere in 2009). Obwohl etwa 40 km vom Stadtzentrum entfernt, ist der Flughafen dank einer neuen Schnellzugverbindung in 35 Minuten erreichbar. Da der Flughafen an seine Auslastungsgrenze gestoßen ist, soll die Jahreskapazität bis zur Fußball WM 2014 auf 7 Millionen Passagiere erhöht werden. Der Flughafen Aeroporto da Pampulha (Passagieraufkommen 2009: 600.000) spielt nur noch eine Rolle für den regionalen, privaten und militärischen Flugverkehr, nachdem 2005 die meisten Flugverbindungen nach Confins verlagert wurden. 

Mit der von 2003 bis 2006 unternommenen Modernisierung und Erweiterung des Ausstellungsgeländes Expominas soll sich Belo Horizonte als ein führender Messestandort in Lateinamerika etablieren. Expominas ist regelmäßig Veranstaltungsort wichtiger Messen und Fachtagungen:

  • Die Bergbaumesse Exposibram findet zweijährlich in Belo Horizonte statt. Nationalen und internationalen Konzernen bietet sich hier die Möglichkeit, sich in einem der weltweit wichtigsten Fördergebiete vorzustellen. Viele deutsche Firmen nutzen diese Chance. Die Clusterinitiative ProduktionNRW organisierte 2009 beispielsweise einen Stand für interessierte Mitgliedsunternehmen.
  • Mecminas ist eine der größten Fachausstellungen für Fertigungstechnik in Brasilien. Hunderte von Ausstellern aus den verschiedenen Bundesstaaten und dem Ausland präsentieren hier innovative Produkte, Dienstleistungen und Technologien aus dem Bereich der industriellen Fertigung. Ausgestellt werden unter anderem Werkzeugmaschinen, Maschinenkomponenten, Automationstechnik, Industrieroboter sowie Handling- und Lagerhaltungssysteme.
  • Inovatec ist eine jährlich stattfindende Messe mit einem branchenübergreifenden Fokus auf Technologie- und Systeminnovationen. Hier kommen Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Forschung zusammen, um neue Technologien, Dienstleistungen, Herstellungsprozesse und Produkte vorzustellen. 
  • BRASEG ist die führende Messe der Sicherheitsbranche in Brasilien. Alle zwei Jahre treffen sich führende nationale und internationale Unternehmen, um sich dem brasilianischen Markt zu präsentieren.

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3. Thematische Stärkefelder

Der Großraum Belo Horizonte ist seit jeher das Verarbeitungszentrum des rohstoffreichen Bundesstaates Minas Gerais ("Eisernes Viereck"), weshalb die Sektoren Metallverarbeitung, Stahlproduktion und Automobilbau stark ausgeprägt sind. Viele Großkonzerne aus diesen Bereichen sind daher im Clustergebiet beheimatet oder haben sich hier angesiedelt. Hinzu kommen zahlreiche KMU entlang der Wertschöpfungskette. 

Mit Usiminas hat einer der größten Stahlerzeuger Brasiliens sein Hauptquartier in Belo Horizonte. Der Konzern beschäftigt mehr als 46.000 Mitarbeiter und ist für fast ein Drittel der brasilianischen Stahlproduktion verantwortlich. Er hat eine Gesamtkapazität von 9,5 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr. Außerdem ist Usiminas 2008 ins Eisenerzgeschäft eingestiegen und hat das Bergbauunternehmen J. Mendes mit den vier Minen "Serra Azul" im Bundesstaat Minas Gerais übernommen.  

Gerdau, der größte Produzent von Langstählen auf dem amerikanischen Kontinent, ist seit dem Kauf von Açominas ebenfalls in Belo Horizonte vertreten. Gerdau Açominas arbeitet beim Ausbau seines Werkes im Süden des Clustergebiets (Ouro Branco) eng mit Siemens VAI Metals Technologies zusammen. Hier wird die Stahlerzeugung zukünftig von drei auf 4,5 Millionen Tonnen pro Jahr steigen. 

Auch Vallourec & Mannesmann betreibt auf 3 Quadratkilometern eine komplette Fertigungsanlage; der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal produziert seit den Übernahmen der lokalen Firmen Belgo-Mineira und Acesita ebenfalls im Clustergebiet. 

Vale, neben Rio Tinto und BHP Billiton eines der drei größten Bergbauunternehmen der Welt, betreibt neben Explorationsstätten ein F&E-Labor in der Metropolregion (Santa Luzia). 

Als lokaler Abnehmer der metallurgischen Produkte hat sich die Automobilindustrie im Großraum Belo Horizonte etabliert. Der italienische Konzern Fiat betreibt seine weltweit größte Fertigungsanlage in Betim, wenige Kilometer südwestlich von Belo Horizonte. Die in den 1970er Jahren erbaute Fabrik hat 2009 700.000 Fahrzeuge für den brasilianischen Markt und 100.000 Fahrzeuge für den Export produziert. Iveco, eine Unternehmenstochter von Fiat, stellt Nutzfahrzeuge in Sete Lagoaos, am nördlichen Rand des Clustergebiets, her. Zahlreiche Zulieferer, wie bspw. der italienische Karosseriehersteller Stola oder die amerikanische Uniparts-Gruppe, haben ebenfalls Fabriken in Belo Horizonte

Wegen der reichen Mineralienvorkommen sind zudem viele Unternehmen der chemischen Industrie in Belo Horizonte angesiedelt. Die deutsche Süd-Chemie ist über ihre brasilianische Tochter im Oktober 2009 beispielsweise ein Joint Venture mit Geosol eingegangen. Geosol ist der größte brasilianische Konzern für die Exploration und chemische Analyse von Industriemetallen. Das Gemeinschaftsunternehmen soll betonitbasierte Additive für den Einsatz in der brasilianischen Eisenerz-, Gießerei-, Bau- und Papierindustrie herstellen. 

Der Sektor Biotechnologie ist noch relativ jung. Ein Viertel der ansässigen Unternehmen sind nicht älter als vier Jahre (Stand: 2009) und ein Großteil hat weniger als 20 Angestellte. Rund zwei Drittel der Firmen arbeiten eng mit Universitäten zusammen. Die Biotechnologieunternehmen engagieren sich hauptsächlich in den Bereichen Human- und Veterinärmedizin, Agrobusiness und Umwelt. Der Sektor deckt hauptsächlich die steigende Nachfrage des heimischen Markts ab. Die Struktur der Biotechnologiebranche ist ausgewogen und gut entwickelt. Sie wird vom Staat durch Subventionen und Ausbildungsprogramme gefördert, es gibt komplementäre Industriezweige für Kooperationen und es haben sich Dachorganisationen gebildet, die den Standort und die Produkte bewerben. Lediglich ein Mangel an Ausrüstungsherstellern wird von den ansässigen Unternehmen bemängelt. 

Im Ballungsraum Belo Horizonte dominiert der tertiäre Sektor, der ungefähr 85 Prozent des städtischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmacht. Besonders leistungsfähig ist der in den letzten Jahren stark gewachsene IT-Sektor. Von den insgesamt 6.000 IT-Firmen im Bundesstaat Minas Gerais haben etwa 50 Prozent ihren Sitz in der Metropolregion Belo Horizonte. Der Schwerpunkt liegt im Bereich Software: 1.300 Softwarefirmen mit einem Umsatzvolumen von 2,8 Milliarden Real sind in Belo Horizonte ansässig. Von den 17.000 im Jahr 2007 direkt im IT-Sektor Beschäftigten sind über 7.000 im Bereich Softwareentwicklung tätig. Mit dieser Steigerung von 360% seit der Jahrtausendwende liegt Belo Horizonte knapp hinter São Paolo auf Platz zwei und hat Brasilia und Rio de Janeiro überholt. Die 2009 eingeführte Dachmarke "Software de Minas" soll die Sichtbarkeit der Branche nach außen erhöhen und durch einheitliche Zertifizierungsverfahren für einen hohen Qualitätsstandard bürgen. 

Die Bedeutung, die Belo Horizonte als lateinamerikanischer IT-Standort genießt, lässt sich auch an der Umsiedlung des sozialen Netzwerks Orkut erkennen. Im August 2008 beschloss die Inhaberin Google, die Firmenzentrale von Kalifornien nach Belo Horizonte zu verlegen. Hauptgrund für den Umzug war die starke brasilianische User-Basis, die mehr als 50 Prozent der über 100 Millionen aktiven Nutzer ausmacht. Die Entscheidung für Belo Horizonte zeigt darüber hinaus das Vertrauen, das Google in den Standort setzt. 

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4. Akteure und Netzwerke

In Belo Horizonte sind staatlich geförderte Technologie- und Branchennetzwerke ansässig. Die Stärkefelder Biotechnologie und Software werden über sogenannte "Lokale Produktivabkommen" (Arranjos Produtivos Locais - APLs) vernetzt. APLs sind lokale, Industrie orientierte Netzwerke mit Akteuren entlang der Wertschöpfungskette innerhalb einer Branche oder eines Industriekomplexes. 

Das APL Biotec RMBH (Arranjo Produtivo Local Região Metropolitana de Belo Horizonte) vereint Akteure der Metropolregion aus Industrie sowie Forschung, Bildung und Wirtschaftsförderung. Die Schwerpunkte liegen in der Diagnostik, der Herstellung von künstlichen Herzklappen und in Innovationen in der Augen- und Knochenheilkunde. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Nutztierreproduktion und Veterinärmedizin. 

Ein zentraler Akteur in diesem Netzwerk sowie für den Biotechnologiesektor insgesamt ist die Fundação Biominas. Die Stiftung berät Biotechnologiefirmen in allen Phasen der Unternehmensentwicklung. Sie analysiert u. a. Geschäftschancen, sucht nach potentiellen strategischen Partnern und berät bei Fragen zu Schutzrechten. Außerdem besteht ein Startkapital-Fonds in Zusammenarbeit mit der Inter-American Development Bank. Ein weiterer Aufgabenbereich ist die Beratung von Behörden, die Erstellung von Studien und die Promotion des Life-Sciences-Standorts Brasilien, z. B. durch Präsenzen auf internationalen Messen wie der BIO International Convention

Biominas wurde bereits 1990 gegründet und ist national und international stark vernetzt. In Brasilien arbeitet die Stiftung u. a. mit dem landwirtschaftlichen Forschungsinstitut EMBRAPA (Empresa Brasileira de Pesquisa Agropecuária) und dem nationalen Forschungsrat (CNPq) zusammen. Hinzu kommen Partnerschaften mit der Universität von Minas Gerais und staatlichen Instanzen wie der Landesregierung und der bundesstaatlichen Entwicklungsbank. Weitere nationale Partner werden auf der Website von Biominas aufgeführt. 

Auf internationaler Ebene kooperiert Biominas beispielsweise mit der European Federation of Biotechnology, dem französischen Biotechnologiepark Genopole und der University of Toronto. Auch zu deutschen Akteuren bestehen enge Kontakte: Biominas pflegt Partnerschaften mit dem Biopark Regensburg  und dem BioM Biotech Cluster im Großraum München. Des Weiteren arbeitet Biominas mit dem renommierten amerikanischen Risikokapitalgeber Burrill & Company zusammen. 

Mit dem 1997 gegründeten HABITAT Incubator, einem Joint Venture von Biominas, der Universität von Minas Gerais sowie der Landes- und Bundesregierung, wurde die Unterstützung junger Technologieunternehmen intensiviert. HABITAT wird von wichtigen brasilianischen Wirtschaftsförderungsinstitutionen unterstützt: FINEPCNPqSEBRAEBDMGFAPEMIG und IEL Minas. In den ersten zehn Jahren hat der Inkubator 133 Firmen gefördert; 15 betreute Start-ups haben die Reifephase erreicht. 

Das 2005 gegründete Netzwerk APL do Software umfasst etwa 2.000 Firmen im gesamten Bundesstaat Minas Gerais. Das Netzwerk soll die Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedsunternehmen u. a. über gemeinsame FuE, Teilnahmen an Ausschreibungen, Zertifizierungsstandards und Öffentlichkeitsarbeit unter der Dachmarke "Software de Minas" stärken. Ein besonderes Anliegen ist es, die Führungsrolle des Bundesstaats Minas Gerais in der gesamtbrasilianischen Initiative zur Verbesserung der Implementierung von Softwareprozessen MPS.BR hinsichtlich der Anzahl der nach diesem Standard zertifizierten Unternehmen zu behaupten. 

Das Netzwerk wird unterstützt und angeführt von Verbänden und bundestaatlichen Einrichtungen:

  • Die Softwarevereinigung von Minas Gerais FUMSOFT betreut die Firmen in der Branche Förderung von Entrepreneurship, Qualität, Export sowie FuE- und Innovationsmanagement.
  • Die föderale Agentur SEBRAE betreut über ihre Zweigstelle im Bundesstaat SEBRAE-MG speziell Mikro- und Kleinunternehmen der Branche.
  • Der regionale Zweig des brasilianischen IT-Firmenverbands ASSESPRO-MG unterhält die Geschäftsstelle des Netzwerkes.
  • Die Gewerkschaftsvereinigung des Informatiksektors in Minas Gerais SINDINFOR koordiniert die Marketingaktivitäten und Öffentlichkeitsarbeit unter der Marke "Software de Minas".

Der traditionelle Sektor Bergbau und Metallurgie hat sich in einem sog. Exzellenznetzwerk (Polo de Excelência), dem Polo Mineral Metal organisiert. 

Weiterhin gibt es Bestrebungen, Minas Gerais als führendes Zentrum für Grafk-, Industrie- und Modedesign in Brasilien zu etablieren. Das Centro Minas Design ist eine Initiative des Bundesstaates zur Vernetzung der Akteure in Branchennetzwerken. 

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5. Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Die Stadt Belo Horizonte verfügt im landesweiten Vergleich über ein gutes Schulbildungsystem. Gemessen am nationalen Index zur Primarbildung (IDEB - Índice de Desenvolvimento da Educação Básica) liegt die Stadt auf Rang zwei; im nationalen Schulranking 2008 anhand der Ergebnisse der Reifeprüfung (ENEM) waren zwei Schulen von Belo Horizonte unter den fünf bestplatzierten. Allerdings ist das Bildungsgefälle sehr groß: In einigen Randbezirken gibt es nur wenige und schlecht ausgestattete Schulen; eine zusätzliche Bildungshürde stellt dort die hohe Kriminalitätsrate dar.  

Bemerkenswert ist der stark ausgebildete tertiäre Bildungsbereich mit über 50 Hochschulen in Belo Horizonte. Besonders hervorzuheben sind folgende Hochschulen, die in vielen Disziplinen einen exzellenten Ruf aufweisen:

In der portugiesischen Wikipedia sind sämtliche Hochschulen in Belo Horizonte gelistet.

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6. Entwicklungsdynamik

Belo Horizontes Entwicklung sollte in den nächsten Jahren positiv verlaufen. Die Rohstoff- und Automobilindustrie profitieren von einem rasant wachsenden Absatzmarkt, brasilianisches Know-how im Bereich alternative Verbrennungstechnik ist international gefragt und IT-Lösungen werden zunehmend im eigenen Land entwickelt. 

Seit 2006 hat sich der Pkw-Markt in Brasilien beinahe verdoppelt. 2009 wurden mehr als drei Millionen Fahrzeuge abgesetzt. Der Markt ist noch nicht gesättigt und birgt weiterhin ein enormes Wachstumspotential. In Brasilien besitzen 114 von tausend Bürgern ein Auto, in Deutschland sind es ungefähr 500. Der Standort Belo Horizonte dürfte stark an dem Wachstum partizipieren. Er profitiert von der Nähe zu den Rohstoffen und kann sich die jahrzehntelange Erfahrung als Produktionszentrum zu Nutze machen. 

Da im März 2010 ein staatliches Konjunkturprogramm ausgelaufen ist, könnte sich das Wachstum des brasilianischen Automobilmarkts verlangsamen. Im ersten Halbjahr 2010 stieg der Absatz von sogenannten "Light Vehicles" immerhin noch um 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 1,5 Mio. Einheiten. 

Die staatlichen und privaten Ausbaupläne für das Schienennetz, das sich in Brasilien nur über 29.000 km (ca. 10.000 km mit einem modernen technischen Standard) erstreckt, betreffen auch das Clustergebiet. Brasilien plant bis 2020 den Anteil des Schienenverkehrs am Gütertransport von 25 auf 35 Prozent auszubauen. Hierfür sollen 15.000 km Gleise verlegt werden. Im aktuellen Konjunkturpaket sind 54 Milliarden Real für das Schienennetz vorgesehen. Weitere Investitionen sind angedacht. Belo Horizonte profitiert von dem Ausbau, da neue und modernere Verbindungen in die Hauptstadt Brasilia und zu den Exporthäfen an der Küste geplant sind. Detaillierte Informationen zu den Investitionsplänen sind auf der Internetpräsenz der Lateinamerika-Konferenz einzusehen. 

Die Regionalregierung ist bestrebt, die technologische Basis weiter zu diversifizieren. Im Rahmen des Programms "Pólos de Excelência" wurde eine Initiative zur Stärkung der Umwelttechnik ("Gestão ambiental") ins Leben gerufen. Die Universitäten UFMGPUC-MGUNAINCISA und UFOP haben ihre Forschungsaktivitäten in diesem Bereich seither verstärkt. 

Der neu errichtete Parque Tecnológico de Belo Horizonte ist ein Projekt von verschiedenen staatlichen Institutionen wie dem Staat Minas Gerais, der Stadt Belo Horizonte, sowie der UFMG und weiterer Akteure. Der Technologiepark umfasst in der ersten Phase 2.500 Quadratmeter Büro- und Laborfläche. Interessierte Hochtechnologiefirmen können sich seit dem Sommer 2010 um Nutzfläche bewerben. Die Firmen müssen nachhaltige Konzepte und Kooperationen mit Universitäten oder Forschungseinrichtungen nachweisen. 

Ein wirtschaftlicher Impuls wird von den in den nächsten Jahren anstehenden internationalen Großveranstaltungen, der Fußball WM 2014 und den Olympischen Sommerspielen 2016 erwartet.

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Redaktion: 31.08.10, von: Stefan Führt / Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH