BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
Kooperation International
 

1. Kurzprofil

Der Großraum Boston, an der Ostküste der USA im Bundesstaat Massachusetts gelegen, steht für eine ausgereifte Integration von Industrie, Universitäten und Politik. Durch die enge Kooperation ist um Boston ein weltweit führender Cluster in den Sektoren Life Sciences, IKT, Cleantech, Rüstung und Sicherheitsforschung entstanden. Kern des Clusters ist die Route 128, mittlerweile hat sich der Einflussbereich allerdings bis zum Interstate 495 ausgedehnt. Rückgrat des Clusters sind renommierte Forschungseinrichtungen wie das Massachusetts Institute of Technology (MIT), die Harvard University oder die Boston University. Aus dem Umfeld dieser bedeutenden Hochschulen entstehen etliche Hightech-Unternehmen. Wegen des Angebots an hoch qualifiziertem Personal haben auswärtige Großkonzerne eine Dependance im Großraum Boston gegründet. Hierzu gehören u.a. Intel, AMD, HP, IBM. Auch deutsche Firmen wie Osram, Carl Zeiss oder TVM Capital haben Niederlassungen vor Ort. Im Bereich der Medizintechnik (welche hier zu den Life Sciences gezählt wird) arbeitet der deutsche Clusterakteur TSB Medici eng mit dem Verband für Medizintechnik in Massachusetts (MassMEDIC) zusammen.  

In den 1980er Jahren war der Begriff "Route 128" ähnlich belegt wie heutzutage "Silicon Valley". "Route 128" stand also für konzentrierte und erfolgreiche Hightech-Industrie. Durch den Niedergang des Minicomputers, welcher hauptsächlich im Großraum Boston entwickelt und hergestellt wurde, verlor der Begriff "Route 128" einen Großteil seiner Anziehungskraft. Die Region musste sich auf andere Gebiete spezialisieren und startete erfolgreich Clusterinitiativen in den Bereichen IKT und Life Sciences. Seit 2007 wird außerdem der Cleantech-Sektor intensiver gefördert. 

Statistisch wird der Cluster in zwei Bereiche unterteilt. Kernbereich ist die Metropolitan Statistical AreaDas Gebiet wird nach den drei größten Städten im Einzugsgebiet auch Boston-Cambridge-Quincy genannt. Der Bezirk hat ca. 4,5 Millionen Einwohner und liegt damit auf Rang zehn der Metropolitan Areas in den USA. Er umfasst 11.683 Quadratkilometer. Im Jahr 2007 betrug das Durchschnittseinkommen 55.463 US-Dollar (US-Durchschnitt 2007: 41.680 US-Dollar). Mit 12,49 Patenten pro 10.000 Angestellte liegt der Großraum Boston deutlich über dem amerikanischen Durchschnitt von 6,38. 

Durch stetiges Wachstum zählt man mittlerweile auch die Combined Statistical Area Bostons zum Cluster hinzu. Hierbei handelt es sich um eine erweiterte Definition des Großraum Bostons, da die Einzugsgebiete der benachbarten Städte Worcester, Manchester und Providence hinzugerechnet werden. Das Gebiet wird in Statistiken als Boston-Worcester-Manchester geführt und hat ca. 7,5 Millionen Einwohner und umfasst 27.568 Quadratkilometer. 

Der Großraum Boston ist für die enorme Dichte an exzellenten Forschungseinrichtungen bekannt. Die Metropolitan Area beherbergt ungefähr 100 Colleges und Universitäten. Allein in den Städten Boston und Cambridge gibt es mehr als 250.000 Studierende. Die Boston University ist mit ca. 7.500 Angestellten der viertgrößte Arbeitgeber der Stadt. 

Aufgrund langjähriger Zusammenarbeit von Politik, Universitäten und Industrie und dem daraus resultierenden erfolgreichen Technologietransfer handelt es sich beim Großraum Boston um einen ausgereiften Cluster. Das lässt sich u.a. an der Verteilungsstruktur des Risikokapitals erkennen. In den ersten drei Quartalen 2009 flossen die Investitionen fast zu gleichem Maße in Unternehmen in den vier verschieden Phasen der Unternehmensentwicklung (early, seed, expansion und later stage).

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2. Internationale Anziehungskraft

Der Cluster Boston ist seit dem Zweiten Weltkrieg ein technologisch hoch entwickeltes und wirtschaftlich erfolgreiches Gebiet. Der Boom des Minicomputers und der digitalen Datenspeicherung in den 1980ern wurde besonders in Boston durch Firmen wie Wang, Digital (DEC) und Data General angekurbelt. Mit dem Niedergang des Minicomputers - der eng mit dem Silicon Valley verknüpfte PC setzte sich durch - wandelte sich Boston zu einem der wichtigsten Standorte für Life Sciences, IKT, Cleantech und Sicherheitsforschung.  

Die gemeinnützigen Forschungseinrichtungen im Großraum Boston (u.a. Universitäten, Kliniken, Forschungszentren) werden jährlich mit mehr als 4,5 Milliarden US-Dollar unterstützt. Unternehmen in Boston investieren pro Jahr mehr als 13,3 Milliarden US-Dollar in Forschung und Entwicklung. 

Durch die Dynamik und den Erfolg der Region wird überdurchschnittlich viel Risikokapital im Großraum Boston investiert. Der Bundesstaat Massachusetts, in welchem der Cluster Boston mit Abstand das wichtigste Wirtschaftszentrum ist, liegt innerhalb der USA seit jeher hinter Kalifornien auf Rang zwei der Liste für absolute Investitionen von Risikokapital. Umgelegt auf die absolute Zahl der Hightech-Unternehmen hat Massachusetts allerdings die höchste Quote der USA. Sie ist 35% höher als in Kalifornien und übersteigt den US-Durchschnitt sogar um 400%.  

Wie in Tabelle 1 zu sehen, erreichen die Investitionen in der Metropolitan Area im Jahr 2000 mit 8,8 Milliarden US-Dollar in 664 Abschlüssen ihren Höhepunkt. Mit dem Platzen der Dotcom-Blase fiel der Wert 2002 auf 2,1 Milliarden US-Dollar in 321 Abschlüssen. Seitdem stabilisieren sich die Risikokapitalinvestitionen zwischen knapp 2,5 Milliarden und gut 3 Milliarden US-Dollar. Im Zuge der Finanzkrise kam es 2009 allerdings zu einem signifikanten Einbruch der Risikokapitalinvestitionen.
Ein deutscher Risikokapitalgeber, der sich auf Life Sciences in Boston spezialisiert hat, ist TVM Capital aus München.

Risikokapitalinvestitionen in Firmen der Boston Metro Region
Jahr Unternehmen Deals Investitionen in $
1999 386 482 4.006.800.000
2000 537 651 8.623.500.000
2001 364 434 3.834.800.000
2002 259 321 2.103.300.000
2003 257 325 2.247.500.000
2004 278 333 2.775.100.000
2005 280 326 2.313.300.000
2006 296 355 2.753.000.000
2007 326 395 3.282.800.000
2008 317 377 2.654.200.000
2009 bis Q3 172 192 1.270.700.000

(Quelle: Ventureexpert.com, PricewaterhouseCoopers, Thomson Reuters, NVCA)

Der Cluster wird im amerikanischen "Cluster Mapping Project" vom Institute for Strategy and Competitiveness der Harvard Business School gelistet. Sowohl die Metropolitan Area als auch die Combined Statistical Area belegen im US-internen Ranking Spitzenplätze u.a. in den Sektoren IKT, Medizintechnik, Biopharmazie, Finanzdienstleitung und Analytische Instrumente. In den weltweiten Clusterportraits desselben Instituts werden die Sektoren Medizintechnik und Telekommunikation im Großraum Boston als besonders wettbewerbsfähig dargestellt ("among world`s top 10"). Im Bereich der Ionenimplantation führt die Harvard Business School den Cluster Boston sogar auf dem ersten Platz. 

In einer Studie des Milken Institute aus dem Jahre 2009 belegt der Life Sciences Cluster in Boston weiterhin den ersten Platz. Die Studie verweist bei der Bewertung auf die immensen Kapazitäten Bostons im Bereich der Forschung und Entwicklung. In der Studie "Neurotech Clusters 2010" der Neurotechnology Industry Organization (NIO) belegt Boston den zweiten Rang. Der Abstand zum wettbewerbsfähigsten Cluster "Großraum San Francisco" ist allerdings sehr gering. Die Studie begründet die Top-Platzierung Bostons vor allem mit der einzigartigen Infrastruktur für die Neurotechnologie im Clustergebiet. 

Der Logan International Airport liegt nur ca. fünf Kilometer von Bostons Innenstadt entfernt und ist Neuenglands wichtigster Verkehrsknotenpunkt. Am Flughafen werden jährlich über 26 Millionen Passagiere abgefertigt, ca. 3 Millionen sind internationale Reisende. Die Lufthansa fliegt Logan regelmäßig aus Frankfurt und München an. Sechs weitere Regionalflughäfen im Großraum Boston decken den nationalen Flug- und Frachtverkehr ab. Der Port of Boston ist der größte Hafen Neuenglands. 2008 wurden hier 15,5 Millionen Tonnen Fracht umgesetzt. Das Clustergebiet ist über die Grenzen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) hinaus gewachsen. Beschäftigte, die auf die Lebensqualität Bostons nicht verzichten wollen, sind daher auf ein Auto angewiesen. 

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3. Thematische Stärkefelder

Der Cluster Boston hat mehrere Stärkefelder in verschiedenen Sektoren und wird daher auch als Supercluster bezeichnet. Stärken der Region liegen vor allem in den Bereichen Life Sciences, IKT, Rüstung und Cleantech. Da sich die unterschiedlichen Sektoren ständig austauschen und kooperieren, kann auch die Fähigkeit zur Cross-Innovation zu den Stärken der Region hinzugezählt werden. Diese Fähigkeit wird aktiv von mehr als 30 Institutionen gefördert.  

Der Großraum Boston ist seit langem einer der führenden Standorte für die IKT-Branche und für die Rüstungsindustrie. Erfindungen wie der Großrechner, die Radar- und Mikrowellentechnologie, das Internet und die Nanotechnologie haben ihre Wurzeln in Forschungseinrichtungen Bostons. Im Jahr 2006 war jeder zehnte Angestellte in Massachusetts im IKT- oder Verteidigungssektor beschäftigt. Das entspricht etwa 331.000 Angestellten. Der IKT- und Rüstungsbereich ist für ca. 15% der jährlichen Wirtschaftsleistung Massachusetts' verantwortlich. Die Wirtschaftsleistung des Sektors betrug 2006 etwa 59 Milliarden US-Dollar. Damit liegt die durchschnittliche Produktion pro Beschäftigten mit 180.000 US-Dollar weit über dem amerikanischen Durchschnitt (97.100 US-Dollar). 

Größtes lokales Unternehmen des IKT-Sektors ist die EMC Corporation mit ungefähr 8.900 Angestellten. Weitere im Clustergebiet ansässige Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten sind Analog Devices, Meditech, Teraclyne, Varian Semiconductor, Thermo Fisher Scientific, The MathWorks, Sensata Technologies, Brooks Automation und Parametric Technology. 
Auch Großkonzerne wollen von der strukturstarken Region profitieren. Microsoft hat bspw. zwischen 2005 und 2008 zwei lokale Unternehmen gekauft und seine Belegschaft im Clustergebiet von 250 auf über 800 verdreifacht. Das Ziel Microsofts ist der Aufbau von "Microsoft Research New England" am Kendall Square in Cambridge, direkt zwischen dem MIT und Harvard. Hier hat auch Google 2008 ein Entwicklungszentrum bezogen und seine Beschäftigten von 50 auf 175 aufgestockt. IBM ist schon lange im Clustergebiet aktiv und ist mit über 4.700 Angestellten der größte Arbeitgeber, dessen Hauptsitz in einem anderen Bundesstaat liegt.
Die lokalen IKT-Unternehmen im Großraum Boston bedienen hauptsächlich den ausgereiften B2B-Markt. Die IKT-Branche Bostons versucht sich allerdings von der starken Verknüpfung zum B2B-Markt zu lösen, da dieser in den letzten Jahren nicht mehr so stark gewachsen ist. Eine positive Entwicklung ist die Entstehung vieler kleiner Firmen, die sich mit IT-Sicherheit (z.B. Datenverlust, Sicherheitslücken in Netzwerken) befassen. 

Die Rüstungsindustrie in der Region ist ebenfalls gut aufgestellt. Der Wert ihrer Produkte ist zwischen 1996 und 2006 von 3,2 Milliarden auf 8,1 Milliarden US-Dollar jährlich gestiegen. Die militärtechnisch ausgerichteten Unternehmen profitieren dabei von der steigenden Nachfrage nach "intelligenten" Waffensystemen. Das dafür nötige Know-how (Hardware, Software, hoch entwickelte Elektrotechnik) ist durch die Forschungseinrichtungen und Firmen vorhanden und mit der Hanscom Air Force Base in Bedford verfügt der Cluster über einen der führenden Stützpunkte des Air Force Research Laboratory (F&E-Abteilung der Air Force). Im Clustergebiet haben einige Rüstungskonzerne ihren Hauptsitz. Die in Waltham an der Route 128 angesiedelte Raytheon Corporation ist der fünftgrößte Rüstungskonzern der USA. Auf dem Gebiet der Lenkflugkörper ist das Unternehmen sogar Weltmarktführer. Weitere Firmen aus dem Rüstungssektor mit Hauptsitz im Clustergebiet sind Dynamics Research Corporation, Draper Laboratory, MITRE Corporation, iRobot, Foster-Miller und Lincoln Labs. Auch große Rüstungskonzerne mit Hauptsitz in anderen Bundesstaaten wie General Dynamics, BAE, Lockheed Martin und Textron sind im Cluster aktiv. 

Der Großraum Boston ist einer der bedeutendsten Standorte für Life Sciences auf der Welt. Kern des Clusters sind die Longwoodmedical Area (LMA) in Boston und der Kendall Square in Cambridge. Die LMA entstand um die Harvard Medical School und beherbergt mehr als ein Dutzend Life Sciences Organisationen, die auf ihrem jeweiligen Gebiet zu den Top5-Organisationen der USA zählen. Am Kendall Square, in direkter Nachbarschaft zum MIT, sind über 150 Life Sciences Unternehmen angesiedelt. Beide Zentren sind nur drei Meilen voneinander entfernt. Um diesen Kern herum dehnt sich das Clustergebiet mittlerweile bis Lowell im Norden, Worchester im Westen und Fall River im Süden aus. In diesem Areal gibt es mehr als 600 Life Sciences Firmen, wovon sich ca. 475 auf Medizintechnik und über 75 auf Pharmazie spezialisiert haben. Der Sektor wächst weiterhin stark. So haben die 25 größten Unternehmen ihre Einnahmen zwischen 2002 und 2006 auf 23 Milliarden US-Dollar verdoppelt. Im Cluster werden dreimal mehr Patente pro Kopf angemeldet als im US-Durchschnitt. Neben den kleineren Start-ups gründen immer mehr Großkonzerne Niederlassungen im Clustergebiet. Wyeth, Schering-Plough, Merck, Pfizer, Abbott Laboratories, Amgen, Astra-Zeneca, Bristol-Myers Squibb und Novartis haben F&E-Zentren im Großraum Boston. Im März 2010 kaufte die deutsche Merck KGaA das Biotechnologieunternehmen Millipore (Billerica, MA) für rund 5,3 Milliarden Euro. 

Innerhalb der Life Sciences ist die Neurotechnologie im Großraum Boston besonders ausgeprägt. In der Studie "Neurotech Clusters 2010" der Neurotechnology Industry Organization (NIO) belegt Boston den zweiten Platz. Im Cluster sind 75 Unternehmen angesiedelt. Davon sind 48 im neuropharmazeutischen Sektor aktiv, 15 entwickeln neurotechnologische Instrumente und Software. Mit 12 Unternehmen im Bereich der Diagnose von Nervenkrankheiten hat Boston die höchste Dichte aller untersuchten Cluster. Diese Dichte ist auf die einmalige Infrastruktur Bostons in der Neurotechnologie zurückzuführen. Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) und die Harvard University sind auf dem Gebiet der neurotechnologischen Forschung weltweit führend. Sie nehmen die ersten Plätze für Publikationen und Zitationen in der Neurotechnologie ein. Die gewonnenen Forschungsergebnisse werden von den bedeutenden neurologischen Krankenhäusern im Großraum Boston in klinischen Studien verwertet. Auf diese optimalen Voraussetzungen greift auch die Pharmaindustrie zurück. 

Ein weiteres Stärkefeld im Großraum Boston wird als "Boston Health 2.0 Cluster" bezeichnet. In Boston entstehen monatlich neue Firmen, die Web 2.0 basierte Gesundheitsdienstleistungen anbieten. Das schnelle Wachstum und die innovativen Ideen sind auch größeren Konzernen nicht entgangen. So kauften sich bereits große Konzerne wie Microsoft, Google und American Well bei Start-ups im Clustergebiet ein. Der "Boston Health 2.0 Cluster" ist ein Beispiel für erfolgreiche Crossinnovation, da in ihm diverse Stärken der Region verschmelzen (u.a. IT, Medizintechnik). 

Die Beschäftigungsverteilung im Life Sciences Sektor in Massachusetts wird in Form eines Tortendiagrammes dargestellt. Ein Klick auf die Grafik führt zu einer vergrößerten Ansicht in einem neuen Fenster.
Beschäftigungsverteilung im Life Sciences Sektor in Massachusetts (Quelle: Bureau of Labor Statistics Quarterly Census of Employment and Wages and PricewaterhouseCoopers analysis)

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4. Akteure und Netzwerke

Die Massachusetts Technology Collaborative (MTC) ist eine Einrichtung des Staates Massachusetts und maßgeblich an der Entstehung des Clusters Boston beteiligt. Sie wurde 1982 von der Regierung Massachusetts mit dem Ziel gegründet, ein innovatives Umfeld für die Hightech-Industrie zu schaffen. Einen wichtigen Beitrag hierzu liefert das John Adams Innovation Institute, welches zur MTC gehört. Es analysiert die Austauschprozesse der verschiedenen Akteure im Cluster und entwickelt geeignete Anreizsysteme zur Förderung des Wissens- und Technologietransfers. Über 500 Millionen US-Dollar an Darlehen und Zuschüssen hat die MTC bereits in lokale Projekte investiert. Seit 2008 hat die MTC mit dem Massachusetts eHealth Institute (MeHI) und dem Massachusetts Broadband Institute (MBI) zwei weitere Abteilungen. 

Die Bildungseinrichtungen im Großraum Boston fördern aktiv die Vernetzung ihrer Studenten und Absolventen mit der Industrie. Es gibt mehr als 30 Zentren von Universitäten, Kliniken und Forschungseinrichtungen, die sich mit Technologietransfer und -kommerzialisierung befassen. Einige Programme und Foren der Universitäten werden hier kurz vorgestellt:

  • Das MIT Industrial Liaison Program (ILP) ist das Bindeglied zwischen MIT und Industrie. Teilnehmende Konzerne bekommen einen festen Ansprechpartner im MIT zugewiesen ("Industrial Liaison Officer"). Dieser Berater repräsentiert das Unternehmen innerhalb des MIT und informiert es über relevante Forschungsergebnisse und interdisziplinäre Forschungsprogramme. Auf diese Weise können die Unternehmen direkte Kontakte zu Forschern und Studenten knüpfen. Fast 200 Firmen nutzen mittlerweile die Initiative des MIT. Unter den Mitgliedern finden sich viele weltweit führende Unternehmen. Aus Deutschland partizipieren beispielsweise Siemens, VW, Henkel, Bayer und Bosch. 
  • Das MIT Technology Licensing Office verwaltet das geistige Eigentum des MIT und seiner Wissenschaftler. Es hilft den Forschern, ihr geistiges Eigentum zu schützen und zu vermarkten. Außerdem prüft es Erfindungen auf seine Nutzbarkeit und stellt neue Technologien potenziellen Investoren vor. Das Technology Licensing Office ist damit die Hauptschnittstelle des MIT zum Risikokapital. Das Harvard Office of Technology Development ist eine ähnliche Institution der Harvard University. Das Office of Technology Development at Boston University ist das Pendant der Boston University.
  • Das MIT Enterprise Forum stellt seinen Mitgliedern diverse Hilfsmittel zur Unternehmensgründung und Unternehmensführung zur Verfügung. Dazu gehört zum Beispiel das MIT Entrepreneurship Center, welches den Mitgliedern weltweit Zugang zu Ausbildungsprogrammen, Technologien und Netzwerken verschafft. 
  • Das Institute for Technology Entrepreneurship and Commercialization (ITEC) ist ein Ausbildungszentrum für junge Unternehmer. Es arbeitet eng mit Firmen, Investoren, Forschern und der Politik zusammen, um innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln. Ein weiteres Anliegen des Instituts ist die Integration ausländischer Unternehmen auf dem amerikanischen Markt.

Neben den universitären Programmen zur Kooperation gibt es Initiativen vom Bundesstaat Massachusetts und von Wirtschaftsverbänden. Einige werden hier vorgestellt:

  • MassMEDIC ist der Verband für Medizintechnik in Massachusetts. Mit seinem MedTech Ignite Program unterstützt er junge Unternehmer bei der Finanzierung und Planung ihres Start-ups. Der Verband ist regelmäßig auf der MEDICA in Düsseldorf vertreten. Im Rahmen der MEDICA 2007 gaben MassMEDIC und TSB Medici (Berlin) bekannt, dass sie in Zukunft enger zusammenarbeiten wollen.
  • Die Massachusetts Life Sciences Center (LSC) ist ein Verband, der aktiv den Austausch der Clusterakteure fördert.
  • Das Massachusetts Life Sciences Center (MLSC) ist eine öffentliche Einrichtung des Staates Massachusetts. Das MLSC verwaltet eine Milliarde US-Dollar, die im Rahmen der Massachusetts Life Sciences Initiative investiert werden sollen.
  • Der New England Clean Energy Council wurde 2007 gegründet und hat bereits über 150 Mitglieder. Hierzu gehören u.a. mehr als 60 Geschäftsführer von Cleantech-Firmen und einige Risikokapitalfirmen, die zusammen mehr als 8 Milliarden US-Dollar verwalten. Der Rat konzentriert sich auf die fünf Kernbereiche Innovation, Wachstum, Aus- und Weiterbildung, Einführung neuer Technologien und Politik.
  • Das Massachusetts Technology Transfer Center (MTTC) unterstützt kleinere Forschungseinrichtungen, die selbst keine Technologietransferzentren haben, bei der Weiterentwicklung und Kommerzialisierung ihrer Technologien. Das MTTC arbeitet dabei eng mit der Massachusetts Technology Collaborative zusammen. 
  • Die Mass Insight Corporation ist eine in Boston angesiedelte Gesellschaft, die es sich zum Ziel gemacht hat, politische, akademische und wirtschaftliche Akteure aus Massachusetts national und international zu vernetzen. Sie fördert bspw. Austauschprogramme und Forschungsprojekte mit China und Indien und erstellt Studien über die Zukunftschancen des Wirtschaftsstandorts Boston.

Weitere wichtige Clusterakteure sind:

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5. Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Es gibt 74 Universitäten und Colleges in Boston und über 100 im gesamten Clustergebiet. Eine besondere Bedeutung haben das Massachusetts Institute of Technology (MIT), die Harvard University, die Boston University und das Massachusetts General Hospital. Die meisten Unternehmen aus Massachusetts gehen aus Forschungsprojekten dieser Institutionen hervor. Grundlage für den erfolgreichen Wissenstransfer in die lokale Industrie sind Einrichtungen der Universitäten, die Forscher zur Selbstständigkeit ermutigen. 

Das MIT ist eine der weltweit führenden Hochschulen im Bereich von technologischer Forschung und Lehre. Die private Universität wurde 1861 gegründet. Sie liegt in Cambridge (Massachusetts) direkt gegenüber Boston auf der anderen Seite des Charles River. Am MIT sind ca. 10.000 Studenten eingeschrieben, die bereits früh in Forschungsaktivitäten eingebunden werden. Wichtige Erfindungen (z.B. den Ferritkernspeicher) und erfolgreiche Kooperationen mit dem Militär und der NASA (Apollo-Programm) trugen zum exzellenten Ruf der Universität bei. Die erstklassige Ausbildung zog seit jeher Risikokapital an, was zu einer hohen Dichte an Hightech-Unternehmen im Umkreis des MIT führte. Der enorme Einfluss des MIT wird in einer Studie der Kauffman Foundation deutlich: Wenn die von MIT-Absolventen gegründeten Unternehmen einen unabhängigen Staat gründen würden, wäre dieser mindestens auf Rang 17 der wirtschaftsstärksten Nationen der Welt. 
Das MIT bieten seinen Studenten über das MIT-Germany Program Praktika in verschiedenen Firmen in Deutschland an. Das Institute ist außerdem Mitglied in der Global Engineering Excellence Initiative (GEE) und dem Global Engineering Internship Program (GEIP). Mit dem internationalen Praktikantenprogramm, das 2010 vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit einem "Best Practice-Award" ausgezeichnet wurde, fördern Continental und die teilnehmenden Hochschulen (u.a. Aachen, Shanghai, Peking, Monterrey) wichtige Zusatzqualifikationen und praxisnahe Ausbildung für die Anforderungen eines globalisierten Arbeitsmarkts. 

Weitere bedeutende Universitäten und Forschungsinstitute der Region sind u.a.: 

Einflussreiche (Forschungs-)Krankenhäuser sind beispielsweise: 

Die erstklassige Ausbildung im Großraum Boston beginnt bereits in den Grundschulen. So belegt der Bundesstaat Massachusetts in den Trends in Mathematics and Science Studies (TIMMS) weltweit den zweiten Platz. Der Erfolg des Bildungssystems wird auch an einer weiteren Statistik deutlich: In Massachusetts gibt es 40% mehr Ingenieursabschlüsse pro Kopf als in jedem anderen Bundesstaat der USA. Mit 191.700 Arbeitsplätzen in der Hightech-Industrie belegt die Metropolitan Area Boston hinter New York, Washington und San Jose/Silcon Valley den vierten Platz auf der Rangliste der amerikanischen Cybercities

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6. Entwicklungsdynamik

Wenn die Qualität der Bildung im Großraum Boston weiter auf diesem hohen Niveau bleibt, wird der Standort auch in Zukunft stark davon profitieren. In den 1980er Jahren, als der eng mit Boston verbundene Minicomputer dem PC weichen musste, hat der Cluster gezeigt, dass er die Fähigkeit besitzt, sich in kurzer Zeit an neue wirtschaftliche Realitäten anzupassen. Die langjährige Zusammenarbeit von Politik, Industrie und Wissenschaft hat Boston einen Vorsprung auf dem Gebiet des Wissens- und Technologietransfers gebracht. 

Der traditionell starke IKT-Sektor im Großraum Boston steht vor einem Umbruch. Die Unternehmen in der Region haben sich von Start-ups weiterentwickelt und sind in der Wertschöpfungskette aufgestiegen. Sie erfinden und entwerfen Hightech-Produkte, lassen diese allerdings an anderen Standorten fertigen. Dies führte in den frühen 2000er Jahren zu einer Verringerung der Angestellten im niedrigen und mittleren Lohnsegment. Die negativen Effekte konnten anfangs durch hoch bezahlte Arbeitsplätze in der F&E abgefedert werden. In jüngster Zeit geht allerdings auch in diesem Sektor die Beschäftigung zurück. Im Rahmen des Programms "Global Massachusetts 2015" werden die Gründe für diese Entwicklung analysiert und konkrete Vorschläge gemacht, wie man diesen Entwicklungen entgegenwirken kann. Der größte Arbeitgeber Bostons, die EMC Corporation, optimiert beispielsweise seine Produktpalette, um mit Komplettlösungen den "vertikalen" Markt bedienen zu können. Der Wandel vom Hardware- zum Software- und Serviceanbieter den IBM, der zweitgrößte Arbeitgeber Bostons, durchgemacht hat, kann für das Clustergebiet als beispielhaft angesehen werden. 

Der Life Sciences Sektor ist in einer stärkeren Ausgangsposition, muss diese allerdings gegen viele aufstrebende Gebiete rund um den Erdball verteidigen. Im Rahmen der Initiative "Global Massachusetts 2015" versucht man deswegen, diesen Sektor gezielt zu stärken. Die Studie "Life Sciences in Massachusetts: Forging Connections to Lead in a Changing World" setzt sich intensiv mit den zukünftigen Herausforderungen für die Lebenswissenschaften in Boston auseinander (z.B. Globalisierung, Preisdruck, Konsolidierung im Sektor) und zeigt Lösungen auf, wie Boston seine Postition stärken bzw. ausbauen kann. 

Des Weiteren wächst momentan der Sektor Umwelttechnologien (Cleantech) im Clustergebiet, da im Zuge der gewünschten Energiewende in den USA viele staatliche und private Investitionen in das technologisch starke Gebiet fließen. Der New England Clean Energy Council geht davon aus, allein bis 2012 über eine Milliarde US-Dollar an Investitionen gesammelt zu haben.

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7. Clusterbibliothek

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Redaktion: 26.05.10, von: Miguel Krux / Stefan Führt, VDI Technologiezentrum GmbH