BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
Kooperation International
 

1. Kurzprofil

Als politisches, wirtschaftliches, kulturelles und wissenschaftliches Zentrum bildet die finnische Hauptstadt Helsinki gemeinsam mit den vier Nachbarstädten Espoo, Vantaa und Kauniainen die sog. „Hauptstadtregion“, mit zehn weiteren Verwaltungsgebieten die „Großregion Helsinki“, die im folgenden Porträt als Cluster begriffen wird.

Seit 1917 ist Helsinki die Hauptstadt Finnlands, zusätzlich ist es heute Zentrum der Großregion Helsinki (Greater Helsinki) mit 1,4 Mio. Einwohnern (knapp ein Viertel der Einwohner Finnlands) und 753.000 Arbeitsplätzen (Helsinki in Zahlen 2014). Die Stärkefelder des Clusters liegen in IKT, Lebenswissenschaften, Biotechnologie, Nanotechnologie und Cleantech.

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2. Internationale Anziehungskraft

Helsinki liegt in der südfinnischen Landschaft Uusimaa an der Küste des Finnischen Meerbusens und profitiert von einem direkten Zugang zur Ostsee, an deren Küste vier weitere europäische Hauptstädte liegen; die estnische Hauptstadt Tallinn ist nur 80 km Luftlinie von Helsinki entfernt. Nach dem Ende der Sowjetunion entstanden mit Tallinn intensive Verbindungen, rund 20.000 Esten pendeln heute täglich nach Helsinki.

Der Hafen von Helsinki – dem größten für Fracht- und Personenverkehr in ganz Finnland – ist inzwischen der am zweithäufigsten frequentierte Personenverkehrshafen in ganz Europa (11 Mio. Passagiere im Jahr 2013).

Die Fotografie zeigt eine Luftaufnahme des Flughafens Helsinki-Vantaa.
Luftaufnahme des Flughafen Helsinki-Vantaa (Quelle: Wikimedia Commons, Urheber: Migro)

Mit dem Flughafen Helsinki-Vantaa (15 km vom Stadtzentrum entfernt) verfügt der Cluster über den größten Verkehrsflughafen Finnlands: Hier werden jährlich über 15 Mio. Passagiere abgefertigt. Derzeit werden noch einmal 200 Mio. EUR in den Flughafen investiert, um ihn weiter zu modernisieren. Helsinki-Vantaa wird u. a. von München, Frankfurt, Berlin und Düsseldorf aus angeflogen.

Die Großregion ist die nördlichste aller Metropolregionen mit einer Bevölkerung von mehr als 1 Million Einwohnern in der EU sowie deren nördlichste Hauptstadt. Mit der NASDAQ OMX Helsinki befindet sich auch die wichtigste Börse Finnlands im Cluster. Das Pro-Kopf-BIP gemäß EU-Kaufkraftstandard (KKS) liegt bei 158,5 und entspricht damit etwa dem eineinhalbfachen des EU-Durchschnitts. Darüber hinaus finden sich hier über 80.000 Unternehmen, rund ein Viertel aller Unternehmen in Finnland (83 der 100 größten Unternehmen Finnlands haben ihre Zentralen in Helsinki). Im Cluster wird ein Drittel des nationalen BIP erwirtschaftet.

Die Attraktivität Finnlands und des Clusters (auch im internationalen Maßstab) wird durch die folgenden Auszeichnungen und Ranking-Positionierungen verdeutlicht:

• In der vom fDi-Magazine veröffentlichten Studie European Cities and Regions of the Future 2014/15 belegt Helsinki den zweiten Platz hinter London.
• Im Human Development Index 2014 liegt Finnland auf dem 24. Rang.
• In der von Transparency International erstellten Rangliste Corruption Perceptions Index 2014 erzielt Finnland einen dritten Platz hinter Dänemark und Neuseeland.
• Im Global Competitiveness Index 2014-2015 rangiert Finnland auf dem vierten Platz hinter der Schweiz, Singapur und den USA.
• In dem Start-up-Ranking Technology Fast 500 Europe, Middle East & Africa (EMEA) finden sich 24 finnische Unternehmen.
• Im Dezember 2014 wurde Helsinki zur UNESCO-Stadt des Designs gekürt.
• In der Studie Innovation Union Scoreboard 2014, in der die Innovationssysteme der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union untersucht wurden, belegt Finnland hinter Schweden, Dänemark und Deutschland den vierten Platz.
• Helsinki wird in der Conde Nast Traveler-Liste Top 15 places to go in 2015 aufgeführt.

Der gestiegene internationale Stellenwert des Clusters lässt sich auch daran ablesen, dass auch China inzwischen intensive Geschäftsbeziehungen mit Helsinki verfolgt: Helsinki ist die aus chinesischer Perspektive am nächsten liegende europäische Metropole und liegt – über den Vantaa-Flughafen - auf der kürzesten Route zwischen China und Europa. Von hier aus bietet sich für China ein sehr guter Zugang zum europäischen und russischen Markt. Das Netzwerk China-Finland Golden Bridge organisierte gemeinsam mit Invest in Finland und der finnischen Botschaft in Peking im Oktober 2014 das Investitions-Seminar Where’s the next billion im Zhongguancun Software Park. Ein weiteres Beispiel für die verstärkte Finnisch-Chinesische Kooperation ist das China-Finland Nano Innovation Center in Suzhou, das im November 2012 eröffnet worden ist.

Helsinki ist Mitglied des METREX-Netzwerk europäischer Metropolregionen. METREX bietet eine Plattform für den Wissens- und Erfahrungsaustausch über Fragen der Stadtentwicklung. Die seit 2010 jährlich im Cluster stattfindende ICTexpo gilt als größte IT-Messe in Nordeuropa, die Start-up-Konferenz Slush bringt rund 10.000 Teilnehmer (Technologie-Start-Ups, Investoren, Führungskräfte, Medien) zwei Tage lang in Helsinki zusammen.

Wenngleich das in der Clusterstadt Espoo beheimatete Unternehmen Nokia – über ein Jahrzehnt lang weltweit führender Mobiltelefonhersteller – seine Mobilfunksparte im April 2014 an Microsoft verkaufte und sich seither auf die drei Geschäftsfelder Netzwerk- und Telekommunikationstechnik, Navigationsdienste und Forschung konzentriert, hat sich in Helsinki eine junge Gründerszene in der „post-Nokia era“ (The Guardian) etabliert, die u. a. eine Führungsrolle in der mobilen Spieleindustrie übernommen hat. Vorteile wie etwa die 2014 von 24,5 auf 20 Prozent gesunkene Körperschaftssteuer tragen zur Attraktivität des Standortes bei (wenngleich es in anderen Bereichen immer noch eine relativ hohe Steuer- und Abgabenbelastung gibt).

Das Diagramm zeigt die Top10 der europäischen Ballungsgebiete nach Zuwachs an FDI-Projekten im Jahr 2014. Deutlich wird, dass die Cluster-Region Uusimaa mit 48 Prozent den größten Zuwachs in puncto FDI-Projekte vorweisen kann.
Grafik: VDI TZ; Quelle: Ernst&Young

Helsinki ist laut des von Ernst&Young erstellten European Attractiveness Survey 2014 die am schnellsten wachsende Region in Europa im Bezug auf die Zahl neuer ausländischer Direktinvestitons-Projekte (FDI, Foreign Direct Investment). Demnach stieg die Zahl der Projekte im Vergleich zum Vorjahr um 48 Prozent auf 61 (siehe Diagramm). Der Anteil Helsinkis an der Summe aller FDIs beträgt 83 Prozent.

Die zur Großregion Helsinki zählende Nachbarstadt Espoo galt im u. a. von der Cornell-Universität herausgegebenen Global Innovation Index 2013 als attraktivster Zielort für wissensintensive ausländische Direktinvestitionen in Europa.

Der Stadtrat von Helsinki plant, die Stadt bis zum Jahr 2020 zu einer der Top5-Ziele für ausländische Direktinvestitionen auszubauen. Die Hauptexportländer für Finnland sind Schweden, Deutschland und Russland, jeweils mit einem Anteil von 9 bis 12 Prozent.

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3. Thematische Stärkefelder


3.1 IKT

Helsinkis bedeutendstes Innovationsfeld mit crossinnovativem Potenzial sind die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Innovationen wie etwa das Betriebssystem Linux, die SMS-Technologie, Klingeltöne und Online-Banking sind im Cluster entwickelt worden, in jüngster Zeit die Spiele-Apps Clash of Clans (erfolgreichste Spiele-App des Jahres 2013) des Herstellers Supercell und Angry Birds (insgesamt mehr als 2 Mrd. Downloads) von Rovio. Rovio betreibt darüber hinaus zahlreiche Kooperationen im Bereich spielendes Lernen bspw. mit der Universität Helsinki, CERN, NASA und der National Geographic Society.

Ermuntert durch die jüngsten Erfolge im mobile-games-Segment des Clusters (über 200 Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von über 1,2 Mrd. EUR) investiert die Finnische Förderagentur für Technologie und Innovation TEKES inzwischen 135 Mio. EUR in Start-ups (mehr als 600 Projekte pro Jahr). TEKES verfolgt damit das Ziel, Finnland zum europäischen Zentrum für Start-up-Unternehmen zu machen. Weitere internationale bekannte Videospielentwickler mit Sitz im Cluster sind RedLynx, Electronic Arts u. a.

Dezidiert an mobile-games-Start-ups richtet sich das Skene – Games refueled-Investitionsprogramm von TEKES: Hierzu stehen seit Jahresbeginn 2014 rund 70 Mio. EUR zur Verfügung; über 100 Spieleentwicklungen sind so inzwischen von Skene gefördert worden.

Der IKT-Sektor steht auf nationaler Ebene für über 100.000 Arbeitsplätze. Die finnischen FuE-Investitionen in den IKT-Sektor sind – gemessen am BIP-Anteil – die dritthöchsten auf der Welt. 9,7 Prozent (Großregion Helsinki: 7,5 Prozent, Finnland: 4,1 Prozent) aller Arbeitsplätze in Helsinki lassen sich dem IKT-Bereich zuordnen. Weitere Stärke- und Innovationsfelder des Clusters im Bereich IKT sind u. a. das Internet der Dinge, Cloud-Dienstleistungen, Big Data sowie Digitale Sicherheit.


3.2 Nanotechnologie

Die Förderung der Nanotechnologie war bereits wesentlicher Bestandteil des Clusterprogramms Center of Expertise Programme (OSKE), das von 2007 bis 2013 lief. Eine ganze Reihe der wesentlichen Akteure des Nanotechnologie-Netzwerks im Programm fördert die Nanotechnologie in Finnland jedoch auch über 2013 hinaus (Diagramm). Ein Schwerpunkt des Stärkefelds Nanotechnologie im Cluster ist der Bereich Oberflächen und Beschichtungen.


3.3 Lebenswissenschaften und Biotechnologie

Lebenswissenschaften und Biotechnologie verkörpern ein drittes Stärkefeld, das intensiv im Fokus der im Helsinki Business & Science Park ansässigen Unternehmen und Einrichtungen steht. In Zusammenarbeit mit den Forschungseinrichtungen der drei universitären Campusse Viikki, Meilathi und Kumpula konzentrieren sich die Akteure auf die Bereiche Arzneimittelentwicklung, Ernährung, Umwelt und Werkstoffe.

Der durchschnittliche FuE-Anteil am jährlichen Umsatz beträgt in finnischen Life Science-Unternehmen ca. 10 Prozent. Ein Beispiel für die dynamische Gründerszene im Technologiebereich ist das Start-up Mendor: es entwickelt modern Diabetesprodukte und hat in den letzten drei Jahren Investitionskapital von insgesamt 19 Mio. EUR beschaffen können.

Dass im Cluster auch Kompetenzen in benachbarten Themenfeldern genutzt werden, zeigt das Beispiel der (bereits per se) interdisziplinären Bioinformatik, deren Ursprung in Finnland bis in die achtziger Jahre zurückreicht. Stärkefelder liegen hier beispielsweise in der Computersimulation biologischer Prozesse. Die wichtigsten Unternehmen aus dem Bereich Bioinformatik im Cluster sind Applied Numerics, BC Platforms, Cyberell u. a.

Die Entwicklungsorganisation Makery verbindet die Geschäftsentwicklung im Helsinki Business and Science Park (HBSP), dem Vikki Food Centre und die Expertise der Lebensmittelbranche.


3.4 Cleantech

In ganz Finnland existieren etwa 1.300 Cleantech-Unternehmen, die einen Gesamtumsatz von 4,5 Mrd. EUR im Jahr generieren, das durchschnittliche Wachstum der Branche betrug 10 Prozent p.a. in den letzten zehn Jahren. Im Global Cleantech Innovation Index 2014 belegt Finnland den zweiten Platz hinter Israel,  die Metropolregion Helsinki weist etwa 300 Cleantech-Unternehmen sowie ca. 20 Forschungseinrichtungen auf.

Entwicklungspotenziale werden derzeit in der stärkeren Entwicklung nationaler Pilotprojekte,  im verbesserten Anschluss an internationale Wertschöpfungsketten, einer innovativeren öffentlichen Auftragsvergabe sowie hinsichtlich einer Verstärkung der Risiko-Investitionen gesehen. Mit Cleantech Invest existiert zumindest ein Investor in Helsinki, der sowohl in junge als auch etablierte Cleantech-Unternehmen investiert.

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4. Akteure und Netzwerke

Der Telekommunikationskonzern Nokia galt bis zum Verkauf der Mobilfunksparte an Microsoft als treibende Kraft des Stärkefeldes IKT sowie der gesamten Entwicklung der südfinnischen Region und prägte die Großregion Helsinki entscheidend. Die Diversifikation der Wirtschaft Helsinkis und des IK-Sektors ist so weit vorangeschritten, dass die Entwicklung inzwischen unabhängig von einheimischen Großkonzernen stattfinden kann.

Die Abteilung für wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Helsinki (The City of Helsinki’s Economic Development Service) ist verantwortlich für die wirtschaftspolitische Ausrichtung der Stadt, die Investitions- und Wirtschaftsförderung sowie die Förderung des Tourismus.

Eine Unterabteilung des Economic Development Service ist Enterprise Helsinki, ein Dienstleistungsbüro für Start-up-Unternehmen. Dabei unterstützt das Büro z. B. bei der Entwicklung von Geschäftsideen oder bei der Vermittlung von Geschäftskontakten. Gemeinsam mit der Universität Helsinki hat Enterprise Helsinki das Netzwerk Helsinki Think Company ins Leben gerufen. Diese wird zusätzlich durch TEKES und die Aalto-Universität finanziell gefördert und fördert und unterstützt – ähnlich wie Enterprise Helsinki – junge Start-up-Unternehmen.

Startup Sauna hat sich 2010 aus der Aalto Entrepreneurship Society (AaltoES) ausgegründet und seitdem ca. 130 Neugründungen mit mehr als 28 Mio. EUR gefördert. Startup Sauna und die AaltoES organisieren gemeinsam die jährliche Startup-Konferenz Slush.

Das 2003 gegründete finnische Netzwerk COSS – The Finnish Centre of Open Source Solutions ist ebenfalls im Cluster tätig und auf überregionaler bzw. nationaler Ebene aktiv, um die Wettbewerbsfähigkeit der finnischen Software-Industrie zu stärken und die Internationalisierung der rund 100 Mitglieder voranzutreiben.

Finnische Hochschulen am Standort können aufgrund der höchsten nationalen F&E-Ausgaben in Europa (3,55 Prozent) im Verbund mit den ansässigen Unternehmen attraktive Voraussetzungen für kooperative Aktivitäten im Bereich Forschung & Entwicklung bieten.

Die Deutsch-Finnische Handelskammer hat Ihren Sitz in Helsinki und ist die größte in Finnland tätige bilaterale Handelskammer. Sie bietet Dienstleistungen in den Bereichen Information, Beratung und Geschäftsbeziehungen.

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5. Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Das Diagramm stellt die Bildungsstruktur der Bevölkerung von Helsinki dar: 33 Prozent verfügen zumindest über einen Grundschulabschluss, 39 Prozent über einen Abschluss nach der Sekundarstufe 2 und 28 Prozent verfügen über einen akademischen Abschluss.
Grafik: VDI TZ; Quelle: HelsinkiBusinessHub

In Helsinki konzentrieren sich viele gut ausgebildete Arbeitskräfte sowie ein gut ausgebautes Innovationssystem aus Investoren, Arbeitskräften, Forschungseinrichtungen und Universitäten. Die Großregion Helsinki ist die führende Region Finnlands in Forschung, Entwicklung und Innovation: Hier konzentrieren sich 41 Prozent aller finnischen FuE-Beschäftigten und 64 Prozent aller öffentlich FuE-Beschäftigten.

Finnland gilt als eines der innovationsstärksten Länder in ganz Europa: Wie in der Studie Innovation Union Scoreboard 2014 herausgestellt, liegt die Zahl der internationalen wissenschaftlichen Publikationen in Finnland etwa viermal so hoch wie im europäischen Durchschnitt, der Anteil der erfolgreichen Promotionen ist über 50 Prozent höher als im europäischen Durchschnitt. Das Land weist zusätzlich eine der weltweit höchsten Forscherdichten auf: Auf eine Mio. Einwohner kommen hier durchschnittlich über 7.700 in der Forschung Beschäftigte. Zudem platzierte sich Finnland im 2014 IMD World Talent Ranking, in dem der Fachkräfte- und Absolventenpool und die Wettbewerbsfähigkeit von insgesamt 60 Volkswirtschaften untersucht wurden, auf Rang vier.

Helsinki ist das Bildungszentrum Finnlands: Hier finden sich über 190 Einheitsschulen, 41 Gymnasien und 15 Berufsschulen. Desweiteren finden sich im Cluster insgesamt acht Universitäten und polytechnische Fachhochschulen.

Die Universität Helsinki ist die größte (ca. 38.000 Studenten) und älteste (1640 gegründet) Universität in ganz Finnland. Kurse werden in Finnisch, Schwedisch und Deutsch angeboten. Die Hochschule ist Mitglied der League of European Research Universities, des Utrecht Networks und des Europaeum. Im Academic Ranking of World Universities 2014 belegt die Universität Helsinki den 73. Platz und ist damit die einzige finnische Universität in den Top200 des Rankings; im Quacquarelli Symonds Ranking belegte die Universität 2013 sogar den 69. Platz von über 800 Universitäten weltweit. Sie verfügt über vier Campusse.

Die finanzielle Förderung von Forschung und Bildung durch die Academy of Finland ist seit 2012 noch einmal um 7 Prozent gestiegen. In der Förderperiode 2014 – 2019 kann die Universität Helsinki 14 Centres of Excellence (CoE), eine nationale Auszeichnung im Rahmen eines finnischen Förderprogramms, vorweisen, von denen sie sieben sogar koordiniert. Mit den CoEs soll ein innovatives und zielorientiertes Forschungsumfeld geschaffen sowie Nachwuchsspitzenkräfte gefördert werden. Schwerpunkte der Lehre liegen sowohl in den Geistes- als auch in den Naturwissenschaften:

An der Helsinki Metropolia University of Applied Sciences (Fachhochschule Helsinki Metropolia) studieren knapp 17.000 Studenten; sie ist eine der größten und internationalisiertesten Fachhochschulen und verfügt in der Helsinki Metropolitan Area (HMA) über insgesamt 15 Campusse.

Weitere Hochschulen im Cluster:

Aalto-Universität (hier entstand u. a. 2009 die Aalto Entrepreneurship Society)
Schwedische Handelshochschule (auch bekannt als Hanken)
University of the Arts Helsinki
National Defence University

6. Entwicklungsdynamik

Durch den finnischen Global Player Nokia begann Helsinkis internationale Wahrnehmung als Wirtschaftsstandort im letzten Jahrhundert. Die gesamte Hauptstadtregion Vantaa, Espoo, Kauniainen und Helsinki sowie die umliegenden Verwaltungseinheiten und Städte Hyvinkää, Mäntsälä, Vihti, Nurmijärvi, Järvenpää, Pornainen, Tuusula, Kerava, Sipoo und Kirkkonummi wuchsen schnell in ihrer Wirtschaft und Infrastruktur. Die entstandene Großregion Helsinki, der heutige Cluster Helsinki, wurde zur zentralen und wichtigsten Wirtschaftsregion Finnlands. Der Großteil des Im- und Exports von Finnland wird über die Hauptstadt abgewickelt.

Das Bruttoinlandsprodukt Finnlands ist jedoch in den Jahren 2012 und 2013 leicht zurückgegangen. Grund dafür ist unter anderem der anhaltende Strukturwandel in den wichtigen Industriebranchen, ein weiteres Problem liegt in dem relativ kleinen Binnenmarkt Finnlands sowie der Konzentration auf einige wenige große Konzerne (und eine verhältnismäßig geringe Bedeutung des Mittelstands).

Als einer der weltweit führenden Standorte für Informations- und Kommunikationstechnologien ist der Erfolg des Clusters nicht mehr alleine auf die Aktivitäten des ehemaligen Motors für das wirtschaftliche Wachstum, Nokia, angewiesen. IKT-Cluster-Studien zufolge wird bei ausländischen Akteuren besonders das insgesamt hohe Bildungs- bzw. Ausbildungsniveau finnischer Angestellter und Studierenden geschätzt. Weiterhin gelten die Kooperationen zwischen Unternehmen und Bildungsinstitutionen als stark ausgeprägt.

Angesichts der wachsenden Nachfrage an Hochschulabsolventen und der heterogenen Bildungsstruktur (wie die zahlreichen und verschiedenen Fachschulen) gehört die Weiterentwicklung von Bildungsstandards zu den wichtigsten kommenden Aufgaben.

Der mit acht Prozent relativ geringe Anteil ausländischer Studierender – in Deutschlands sind es durchschnittlich 11,5 Prozent – bietet unter Bezug der treibenden Innovationsfelder noch Potenzial, erhöht zu werden.

Redaktion: 05.02.15, von: Nils Demetry, VDI Technologiezentrum GmbH