Hauptinhalt
Cluster Hsinchu
1. Kurzprofil
Der Hsinchu Science Park liegt im Nordwesten Taiwans und ist Teil des Taipei-Hsinchu Korridors. Besondere Bedeutung hat Hsinchu als weltweites Zentrum der Halbleiterindustrie. Weitere Themenschwerpunkte sind die Computerindustrie, die Telekommunikation, die Optoelektronik, der Präzisionsmaschinenbau und die Biotechnologie. Diese Branchen spiegeln sich auch in den Forschungsschwerpunkten im Cluster wider.
Der Hsinchu Science Park wurde 1980 mit dem Ziel gegründet, in Taiwan ein zweites Silicon Valley aufzubauen. Zentrum des Science Parks ist das Industrial Technology Research Institute (ITRI), aus dem als Spin-Off international führende Halbleiter-Unternehmen wie TSMC und UMC hervorgegangen sind.
Der Gesamtkomplex besteht aus sechs Science Park Anlagen, deren Zentrum der Hsinchu Science Park darstellt. Ende des Jahres 2007 waren im Hsinchu Science Park 413 High-Tech-Unternehmen mit 129.512 Beschäftigten tätig. Von diesen Beschäftigten haben 68% einen College-Abschluss, 46% einen Universitäts-Abschluss, 18% einen Master-Abschluss und 1% sind Promovierte. Im Jahr 2007 betrug der Umsatz des Parks ca. 26 Mrd. EUR. (Hsinchu Science Park Annual Report 2007)
Derzeit wird der HSP durch fünf weitere, aber deutlich kleinere Parkanlagen ergänzt: Chunan, Tongluo, Longtan, Hsinchu Biomedical und Yulan Science Park. Insgesamt hat die HSP- Anlage eine Entwicklungsfläche von annähernd 1.400 ha.
Im Chunan Science Park (CSP) sind vor allem der Biotechnologiesektor und die optoelektronische Industrie vorzufinden. Insgesamt sind im CSP 28 Unternehmen angesiedelt, die mehr als 10.000 Mitarbeiter beschäftigen. Im Jahr 2007 erwirtschafteten diese Unternehmen 1,36 Milliarden EUR Umsatz. Die positive Entwicklung des CSP lässt sich auch daran erkennen, dass 2007 die Produktionsanlagen eine größere Fläche benötigten. Der CSP wurde daraufhin um 18ha Bebauungsfläche erweitert.
Der Tongluo Science Park befindet sich noch im Bau. Geplant ist unter anderem die Ansiedlung von Biotechnologie sowie von Unternehmen der medizinischen, Avionik- und Raumfahrtindustrie.
Auch der Longtan Science Park befindet sich zum Großteil noch im Bau. Lediglich drei Unternehmen haben sich bereits ansiedeln können. Der Park soll eine Fläche von 107ha umfassen und Platz für 10.000 neue Arbeitsplätze bieten.
Der Hsinchu Biomedical Science Park (HBSP) ist 38ha groß und wurde in drei Zonen aufgeteilt: eine Forschungs- und Entwicklungszone für Inkubatoren, eine biomedizinische Industriezone und eine gemeinnützige Zone. Im HBSP sind größere Infrastruktur- und Bauprojekte im Gange bzw. geplant. Unter anderem sollen ein Innovations- und Inkubationszentrum, ein Seuchenpräventionszentrum und Biotechnologieanlagen aufgebaut werden. In Zukunft soll der HBSP insbesondere in den Bereichen Pharmazie und hochtechnologischer medizinischer Geräteindustrie weiterentwickelt werden. Außerdem wird der Integration von Halbleiterindustrie und Biomedizin eine besondere Bedeutung zugemessen.
Schließlich ist mit dem Yilan Science Park ein wissensbasierter Kommunikationsservice-Park geplant. Derzeit hat die Parkanlage 102ha Fläche.
2. Internationale Anziehungskraft
Der Hsinchu Science Park ist einer der leistungsfähigsten Hightech-Cluster weltweit. Das Institute for Strategy and Competitivenesszählt in seiner Clusterstudie den Hsinchu Science Park zu den Top 3 in der Welt. Der Erfolg des Clusters ist insbesondere auf eine sehr gezielte Forschungs-, Innovations- und Industriepolitik zurückzuführen. Entsprechend hat das World Economic Forum in seinem Global Competitiveness Report 2008/2009 Taiwan als No.1 der weltweit wettbewerbsfähigsten Cluster-Standorte beurteilt.
| Land | Punkte 2007-2008 | Rang 2007-2008 | Punkte 2006-2007 | Rang 2006-2007 | Punkte 2005-2006 | Rang 2005-2006 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Taiwan | 5.7 | 1 | 5.52 | 1 | 5.39 | 2 |
| USA | 5.3 | 2 | 5.22 | 2 | 5.19 | 4 |
| Südkorea | 5.1 | 3 | 4.19 | 31 | 4.28 | 21 |
| Singapur | 5.1 | 4 | 4.92 | 7 | 5.15 | 6 |
| UK | 4.8 | 9 | 5.06 | 4 | 4.63 | 14 |
| Deutschland | 4.8 | 10 | 4.90 | 8 | 4.45 | 17 |
| Finnland | 4.8 | 11 | 5.07 | 3 | 5.33 | 3 |
| Japan | 4.7 | 12 | 4.33 | 27 | 5.46 | 1 |
| Schweiz | 4.7 | 13 | 4.67 | 15 | 4.31 | 23 |
| Hong Kong | 4.7 | 14 | 4.75 | 12 | 4.68 | 11 |
| Italien | 4.5 | 21 | 3.19 | 85 | 5.16 | 5 |
Quelle: WEF; zusammengestellt vom Council for Economic Planning and Development
Die weltweit führende Bedeutung des Standortes wird bei einem Blick auf den Marktanteil der Unternehmen im Cluster Hsinchu deutlich. Die beiden im Cluster ansässigen Foundries (Halbleiterwerke für die Auftragsfertigung von mikroelektronischen Bauteilen) TSMC und UMC lagen 2007 auf den Rängen eins und zwei der weltweit größten Foundries und halten gemeinsam einen Marktanteil von knapp 60%.
| Rang (2007) | Unternehmen | Sitz (Headquarter) | Marktanteil (in %) | Unternehmen |
|---|---|---|---|---|
| 1 | TSMC | Hsinchu, Taiwan | 44,3 | TSMC |
| 2 | UMC | Hsinchu, Taiwan | 14,7 | UMC |
| 3 | SMIC | Schanghai, China | 7,0 | SMIC |
| 4 | Chartered Semiconductor | Malaysia | 6,5 | Chartered Semiconductor |
| 5 | IBM Microelectronics | Armonk (NY), USA | 2,7 | IBM Microelectronics |
| 6 | Vanguard | Hsinchu, Taiwan | 2,2 | Vanguard |
| 7 | X-Fab | Erfurt, Deutschland | 1,9 | X-Fab |
| 8 | Dongbu HiTek | Korea | 1,8 | Dongbu HiTek |
| 9 | MagnaChip | Korea | 1,7 | MagnaChip |
| 10 | Hua Hong NEC | Shanghai, China | 1,4 | Hua Hong NEC |
Quelle: IC Insights
Einen Teil des Erfolgs des Clusters macht die sehr großzügige Förderung von Investitionen aus, die insbesondere in kapitalintensiven Industrien wie der Halbleiterbranche einen enormen Standortvorteil darstellt. Die angebotenen finanziellen Anreize reichen von Steuerbefreiungen über öffentliche Kapitalbeteiligungen bis hin zu umfangreichen Mitteln der Forschungsförderung. Möglichkeiten der Kontaktanbahnung bietet z.B. die 2008 Taiwan Business Alliance Conference.
Um die internationale Kooperation und den internationalen Austausch zu verbessern, hat der HSP inzwischen mit 23 weiteren Science Parks aus insgesamt 12 unterschiedlichen Staaten Kooperationsbeziehungen aufgenommen. Ziel der Kooperation ist es, Managementerfahrung, technisches Know-how und Unternehmenskontakte auszutauschen. Dies soll helfen, aktuelle Trends und Entwicklungen besser zu nutzen und lokalen Unternehmen die Expansion ins Ausland zu erleichtern.
2007 wurden 5 neue Kooperationspartner hinzugewonnen, u. a. aus der Türkei, den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Japan. Eine komplette Liste der HSP-Kooperationspartner findet sich auf Seite 53 des Anual Report.
3. Thematische Stärkefelder
Der Hsinchu Science Park ist insbesondere als Standort der Halbleiterindustrie bekannt. Weitere Stärkefelder sind die Computerindustrie, Telekommunikation, Optoelektronik, Präzisionsmaschinenbau und Biotechnologie. In diesen Bereichen sind gegenwärtig folgende Schwerpunktsetzungen zu beobachten (vgl. hierzu auch Hsinchu Science Park Annual Report 2007):
- Halbleiterindustrie: Neben Foundries sind zunehmend Design-Häuser und dem Leading Edge Segment zuzuordnende Forschungsunternehmen im Cluster vertreten. Thematisch werden die Bereiche Sensoren, Multimedia-Anwendungen, Konsumgüter und Ortung/Navigation abgedeckt. Dies bedeutet, dass die Wertschöpfungskette erweitert werden konnte, was weitere Cluster Effekte erwarten lässt.
- Computer: Im Jahr 2007 waren 54 Unternehmen diesen Bereich zuzuordnen. Ihre Schwerpunkte lagen auf den Produkten LCD-Monitore, Optische Speicher, Digitalkameras, Beamer und Digitale Bilderrahmen. Auch hier wurden einerseits die Wertschöpfungskette erweitert - beispielsweise durch die Integration von Dienstleistungen - und zugleich arbeitsintensive Produktionsschritte ins Ausland verlagert.
- Telekommunikation: Die taiwanesische Telekommunikationsbranche ist ebenfalls im Hsinchu Science Park konzentriert. Schwerpunkt ist u. a. die Entwicklung von mobilen Kommunikationssystemen der zweiten Generation (z. B. WiMAX).
- Optoelektronik: In diesem Wachstumssegment (11% Wachstum in 2007) - insbesondere im Bereich von Flachbildschirmen - hat Taiwan mittlerweile Japan und Korea von der Weltspitze abgelöst. Ein stark expandierender Bereich ist zudem die Solarindustrie. Neben Mainstream-Technologien setzen Unternehmen im Cluster derzeit auch auf neue Materialien wie Elemente der Gruppe III-V.
- Präzisionsmaschinenbau: Dieser beliefert insbesondere die Halbleiter- und optoelektronische Industrie. Die Umsätze und der Anteil dieser Branche sind im Cluster in den vergangenen Jahren jedoch gesunken.
- Biotechnologie: Die Biotechnologie stellt einen neuen und wachsenden Themenschwerpunkt des Clusters dar. Mit einem Umsatzanteil von knapp 80% prägen medizintechnische Anwendungen den Cluster.
Die Forschung im Cluster – zu nennen ist hier allen voran das ITRI – ist strategisch auf den Bedarf der oben genannten Branchen und Themenfelder ausgerichtet. Schwerpunkte der Forschung sind die 6 Themenfelder IKT, Elektronik und Optoelektronik, mechanische und systemische Technologien, Werkstoffe einschließlich Chemie und Nanotechnologie, Biomedizin sowie Energie- und Umwelttechnologien. Für jedes dieser Themenfelder ist eine Planungskommission eingesetzt, die gemeinsam mit Experten langfristige FuE-Strategien entwickelt. Hierbei liegt der Fokus auf den Schnittstellen zwischen Themenfeldern und integrativen Großprojekten, wie z. B. dem Nanotechnologie-Programm.
4. Akteure und Netzwerke
Ein wichtiger Erfolgsfaktor des Clusters ist die extrem gute Vernetzung seiner Akteure. Dies ist vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen: Der Cluster wurde gezielt aufgebaut und von Anfang an mit Vernetzungsstrukturen wie Strategiekreisen oder Schnittstelleneinrichtungen für die Zusammenarbeit Forschung-Wirtschaft ausgestattet. Außerdem verfolgen die Forschungseinrichtungen und allen voran das ITRI eine sehr industrieorientierte Forschungsstrategie: Über 150 Unternehmen - so auch TSMC und UMC - sind Ausgründungen aus dem ITRI und es bestehen zahlreiche Beziehungen zwischen diesen Unternehmen und den Forschungseinrichtungen. Umgekehrt stellt das ITRI jungen Unternehmen seine Forschungskapazitäten zur Verfügung. Diesen Service haben bisher knapp 250 Unternehmen in Anspruch genommen.
Die Aufgaben des ITRI umfassen die Bereiche „Advanced Technology R&D“, „Industrial Services“ und „IP Business and New Venture“. Im Bereich der Technologieerforschung und -entwicklung wurden sechs zentrale Arbeitsfelder identifiziert. Im Feld Information und Kommunikation konzentriert sich das ITRI auf die Erforschung und Entwicklung von „wireless multimedia system-on-chip technology“, „all-IP telecommunication application services“ und „4G Essential IP issues“.
Das zweite Arbeitsfeld ist die Elektronik und Optoelektronik. Hier sind die Ressourcen in den Bereichen der Nanoelektronik, optischer Informationsspeicher, 3D-Darstellungen und der Halbleiter- und optoelektronischen Technologie konzentriert.
Das Feld Chemie- und Nanotechnologie wird als sehr zukunftsweisend verstanden, da diese Bereiche die Entwicklung der nächsten Generation von High-Tech Produkten vorantreiben soll. Dafür kooperiert das ITRI vor allem mit taiwanesischen Unternehmen zur Entwicklung z. B. neuer Displaywerkstoffe, innovative Materialanwendungen für elektronische Komponenten und High-Tech Fasern für die Textilindustrie.
Im Bereich der biomedizinischen Technologie zielen die Aktivitäten des ITRI darauf ab, eine bedeutende biomedizinische Industrie in Taiwan aufzubauen. Dazu setzt das ITRI auf fächerübergreifende Ingenieurkompetenzen und die Wettbewerbsvorteile in den Bereichen Elektronik, Informatik, Werkstoffe und Präzisionsmaschinenbau. Das Ziel ist unter anderem die Herstellung von technologisch hochwertigen kurativen und diagnostischen Medizingeräten, Gesundheitsmanagement Produkten sowie Medikamenten mit multiplen Anwendungen.
Schließlich wird auch in den Themenfeldern Energie und Umwelt geforscht. Die Notwendigkeit einer umweltverträglichen Industrieentwicklung und des globalen Umweltschutzes führten zur Erhöhung der Entwicklungsressourcen für umweltfreundliche und nachhaltige Energietechnologien.
Neben dem ITRI befinden sich folgende weiteren Forschungsorganisationen und -einrichtungen im Hsinchu Science Park:
- National Synchrotron Radiation Research Center
- National Center for High-Performance Computing
- Food Industry Research and Development Institute
- National Space Organization
- Chip Implementation Center
- National Nano Device Laboratories
Auch die spezifische Unternehmenskultur in Taiwan hat zur Netzwerkbildung beigetragen: Anders als etwa in Korea, wo große Industriekonglomerate dominieren, ist die taiwanesische Unternehmenslandschaft eher von KMU geprägt. Werden Unternehmen „zu groß“, werden oftmals Spin-Offs gegründet.
Zu den Stärken des Clusters zählt auch die Wettbewerbs- und Kooperationshaltung der Unternehmen untereinander. Letzteres zeigt sich insbesondere bei der Zusammenarbeit bei Großinvestitionen, die für die Entwicklung der Halbleiterbranche unerlässlich, aber mit großen Risiken behaftet sind. Durch eine breite Kooperation von Unternehmen und der Bildung von Arbeitsgemeinschaften werden die Risiken von Investitionen verteilt und minimiert.
Internationale Zusammenarbeit spielt für den Hsinchu Science Park von jeher eine herausragende Rolle. Die Gründungszielsetzung, ein zweites Silicon Valley zu schaffen, reflektiert diese Zielsetzung. Bereits im Vorfeld der Clustergründung wurden konsequent internationale Experten wie Patrick Hagerty (Gründer Texas Instruments) und Bob Evans (Vorstandsmitglied IBM und Computerpionier) als Berater eingesetzt (Ouyang, H.S.: Agency problem, institutions, and technology policy: Explaning Taiwan’s semiconductor industry development, Research Policy Vol. 35, 2006. S. 1314- 1328). Zahlreiche Unternehmer und Wissenschaftler im Cluster sind zurückgekehrte Auslands-Taiwanesen.
Sowohl der Hsinchu Science Park als auch das ITRI weisen eine aktive Internationalisierungsstrategie auf. Das ITRI kooperiert eng mit internationalen Spitzenhochschulen. Seine Internationalisierungsziele und -aktivitäten fasst das Institut wie folgt zusammen:
- Kooperation mit internationalen Partnern zur Identifizierung gemeinsamer Ziele und Entwicklung bestmöglicher Ansätze zur Zielerreichung.
- Zusammenarbeit mit den Niederlassungen in Übersee um die Koordination mit ITRI-Laboren, mit dem ITRI-Zentrum und der taiwanesischen Industrie zu verbessern.
- Auffinden von Partnern mit spezifischen Technologien, die die Kernexpertise des ITRI ergänzen können.
- Aktive Beteiligung an internationalen Aktivitäten, wie zum Beispiel der APEC (Asia Pacific Economic Cooperation).
- Organisierung von Workshops, um ITRI und der lokalen Industrie zusätzliche Wege ins Ausland zu eröffnen.
Einige europäische Forschungseinrichtungen haben im Gegenzug Repräsentanzen im Cluster aufgebaut: Hierzu gehört u.a. das belgische IMEC, das mit der taiwanesischen Repräsentanz die Erwartung verbindet, besseren Zugang zu taiwanesischen Unternehmen zu erhalten und diese für die Forschungsprogramme des IMEC zu gewinnen.
5. Bildung, Qualifikation und Fachkräfte
Umfeld des Hsinchu Science Parks befinden sich die Hochschulen National Chiao Tung University und die National Tsing Hua University. Sie gelten als die besten Universitäten Taiwans und sind bekannt für ihre gute Ingenieursausbildung. Beide Universitäten bieten – genau wie das ITRI – Weiterbildungskurse (on-the-job-trainings) für Halbleitertechnik und andere Hightech-Technologien an. Pro Jahr nehmen ca. 10.000 Personen diese Angebote in Anspruch. Weitere wichtige Universitäten sind:
Hsinchu wirkt als Magnet auf Arbeitskräfte aus dem ganzen Land. Hierzu wurden eine Reihe von Anziehungs- und Bindungsmaßnahmen wie z. B. Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer etabliert. Dennoch ist zunehmend ein Ingenieurmangel zu konstatieren. Seit 2003 werden Unternehmen des HSP von der Regierung Taiwans dabei unterstützt, im Ausland nach geeignetem Personal zu suchen und zu rekrutieren. Dafür wird jährlich eine Auslandsreise organisiert (Taiwan Overseas High-Tech Talent Recruiting Mission), die vom Wirtschaftsministerium und dem Nationalen Wissenschaftsrat veranstaltet wird. Neben den USA und Kanada sind auch Japan und Indien als Reiseziele ausgewählt worden. Mit durchschnittlich ca. 40 Kooperationsunternehmen ist es alleine 2006 gelungen, annähernd 2.300 Talente aus dem Ausland nach Taiwan zu holen.
6. Entwicklungsdynamik
Die Herausforderung für Hsinchu liegt derzeit darin, ein effizientes Offshoring nach China zu betreiben, um die Vorteile des dortigen Arbeitsmarktes zu nutzen und zugleich auf einem immer wichtiger werdenden Wachstumsmarkt präsent zu sein. Dabei gilt es, den technischen Vorsprung gegenüber China zu sichern und die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu halten.
Daher versuchen taiwanesische Unternehmen die Kontrolle über IC-Design und Innovation zu behalten und vor allem die Produktion aufgrund geringerer Produktionskosten nach China zu verlagern. Beispielhaft für die Entwicklung ist die Investition von US$ 900 Millionen für den Bau einer neuen Produktionsfabrik von TSMC in China. Unternehmen aus China, wie SMIC hängen in erheblichem Maße von taiwanesischem Personal ab, dessen Know-how sie systematisch nutzen.
Für die weitere Entwicklung des Clusters ist das IC Design von größter Bedeutung. Dies liegt vor allem daran, dass dieses Segment der Halbleiterindustrie derzeit die höchsten Gewinnspannen aufweist. Taiwan ist bereits der zweitgrößte IC-Standort der Welt, muss sich jedoch von der standardisierten Produktpalette noch weiterentwickeln und an innovativerer Design-Technik forschen. Dafür sind bereits erste Schritte vollzogen worden. Es wurde ein IC- Design-Büro gegründet, welches mit der Aufgabe betraut ist, die internationale Kooperation zu fördern und das internationale Marketing zur Anwerbung ausländischer Investitionen durchzuführen. Zudem ist der Bau eines Forschungszentrums für IC-Design geplant.




