BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
Kooperation International
 

1. Kurzprofil

Der Hsinchu Science Park (auch: Xinzhu) liegt im Nordwesten Taiwans etwa eine Autostunde von der Hauptstadt Taipeh entfernt und gilt sowohl als weltweites Zentrum der Halbleiter-Industrie als auch als Mittelpunkt der taiwanischen Hightechindustrie. Führende Halbleiterunternehmen wie TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company, Limited), der nach Intel und Samsung drittgrößte Halbleiterhersteller der Welt, und UMC (United Microelectronics Corporation) haben ihren Sitz im Hsinchu Science Park (HSP). Weitere Schwerpunkte des Clusters liegen im Präzisionsmaschinenbau, der Optoelektronik, der Computerindustrie, der grünen Energie sowie der Solarzellenindustrie. Unternehmen wie Acer, BenQ, Logitech und Foxconn haben ihre größten Fertigungsstätten im HSP, auch Philips, Realtek und Microtech sind vertreten.

Aufgrund der beeindruckenden Entwicklung in den letzten 30 Jahren gilt Hsinchu für den asiatischen Raum als das Vorzeigebeispiel eines staatlich geplanten Wissenschaftsparks. Von 1978 bis 2012 investierte die taiwanische Regierung umgerechnet über zwei Milliarden Euro in die Entwicklung des Parks. Das machte sich bezahlt: 1985 gab es bereits 50 Unternehmen im Park; heute sind es über 480 Mieter mit insgesamt 148.104 Beschäftigten. Im Jahr 2012 betrug der Umsatz der ansässigen Unternehmen 27,508 Mrd. EUR (Wechselkurs vom 31. Dezember 2012: 1 €/ 38,4908 NTD (Neue Taiwan-Dollar)).

Der Park befindet sich in unmittelbarer Nähe zu den beiden Universitäten National Tsing Hua University, die einen technologisch-naturwissenschaftlichen Fokus hat, und National Chiao Tung University mit den Stärkefeldern Elektrotechnik, Informatik und BWL – die beiden öffentlichen Universitäten waren in den späten siebziger Jahren der ausschlaggebende Faktor, den Wissenschaftspark überhaupt in Hsinchu anzusiedeln. Das Industrial Technology Research Institute spielte eine wesentliche Rolle in der Entwicklung Taiwans und Hsinchus und hat seinen Sitz im Park selbst.

Hsinchu ist die sechstgrößte Stadt Taiwans mit über 415.000 Einwohnern. Die Fläche des HSP allein beträgt 653 ha. Der Park umfasst neben Industriegebieten auch Wohngebiete und öffentliche Einrichtungen, wie Schulen und Grünflächen. Im Park befinden sich sowohl Fabrikanlagen, die von der Science Park Administration (SPA) gebaut wurden, als auch solche, die von privaten Unternehmen errichtet wurden.

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2. Internationale Anziehungskraft

Der HSP gehört zu den leistungsfähigsten Hightech-Clustern weltweit. Der Grund für den Erfolg des Clusters liegt insbesondere in der gezielten Forschungs-, Innovations- und Industriepolitik. Die Hightechunternehmen im HSP spielen für die wirtschaftliche Leistung Taiwans eine bedeutende Rolle. Entsprechend belegt Taiwan 2013 im Forbes-Ranking „Best Countries for Business“ als drittbestes asiatisches Land Rang sechzehn. In der von Business Environment Risk Intelligence S.A. durchgeführten Studie bezüglich des besten Investitionsklimas liegt das Land 2012 sogar auf Platz vier (von  50 untersuchten Ländern).

Der HSP ist für Taiwan von großer Bedeutung: Der Cluster steuert etwa 3% zum Bruttosozialprodukt Taiwans bei, im Park arbeiten fast 1% aller Beschäftigten in Taiwan und ein Viertel der Bevölkerung von Hsinchu. Die Tatsache, dass der HSP 1999 nach dem schwersten Erdbeben Taiwans in den letzten 30 Jahren und den damit verbundenen Stromausfällen eine privilegierte Versorgung der Regierung erfuhr, illustriert die strategische Bedeutung des Parks für die Insel. Hsinchu ist 2012 und 2013 in einer Umfrage der Economic Daily News und der Nan Shan Life Insurance Co. jeweils zur lebenswertesten Stadt Taiwans gewählt worden.

„In Kaliforniens Silicon Valley mag das Gehirn der globalen IT-Industrie sitzen. In Hsinchu, eine Stunde südlich von Taipeh, pocht aber ihr Herz.“ So formulierte es die Financial Times Deutschland im Dezember 2010 (Wendel, T. (2010): Die Suche nach dem großen Ganzen, in: Financial Times Deutschland vom 27.12.2010). Eine angesichts der Zahlen nicht ungerechtfertigte Aussage: Der Cluster verfügte Anfang der 2000er über die größten DRAM (elektronische Speicherbausteine)-Produktionskapazität der Welt. Gleichzeitig belegte er weltweit Platz zwei im Bereich der Chipentwicklung, sogar Platz eins in der Halbleiterherstellung und dem IC Packaging mit einem Weltmarktanteil von 70%. So stammten  2004 zum Beispiel 92% aller Scanner aus Taiwan. Zudem ist der HSP der Ausgangspunkt für viele erfolgreiche, taiwanische Exportprodukte wie Bildschirme, Fernseher, Laptops, Computer und Server und macht  90% der gesamten Hardware-Industrie-Produktion Taiwans aus. Das Forbes-Magazin ging Ende der 90er Jahre sogar so weit zu sagen, dass Taiwan Silicon Valley neu erfunden habe. Viele im Park hergestellten Hightech-Produkte sind preisgekrönt.

Im Bereich der Halbleiter-(Auftrags)fertigung sind mit TSMC und UMC zwei der weltgrößten Chipauftragshersteller im Cluster angesiedelt. Gemeinsam erzielten die Unternehmen 2009 einen Umsatz von insgesamt 11,81 Mrd. USD.

Taiwan verfügt über die höchste Industrieclusterdichte der Welt. Neben dem HSP-Komplex im Norden Taiwans existieren noch zwei weitere, staatlich geplante Wissenschaftsparks: Der Central Taiwan Science Park (bestehend aus: Taichung Park, Huwei Park, Houli Park, Erlin Park, Advanced Research Park) und der Southern Taiwan Science Park (Tainan Science Park und Kaohsiung Science Park). Der Umsatz der in allen drei Parks ansässigen Unternehmen betrug 2011 insgesamt ca. 49,5 Mrd. EUR, wobei der HSP mit über 50% den Großteil des Produkts beisteuerte. Gemeinsam steuerten die drei Wissenschaftsparks im Jahr 2007 ca. 15% des gesamten Bruttoinlandsprodukts Taiwans bei.

Die schnelle Industrialisierung der Insel in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert wird als das „Taiwan-Wunder“ bezeichnet. Taiwan gehört mit Singapur, Südkorea und Hongkong zu den vier „Tigerstaaten“, die vor dem chinesischen Festland gelegene Insel zählt zu den am stärksten deregulierten Volkswirtschaften der Welt. Das Pro-Kopf-Einkommen in Taiwan lag 1962 noch bei 170 USD, 2012 betrug es 38.500 USD: eine Entwicklung, die vor allem dem Umbau Taiwans zum Hightech-Standort seit den späten siebziger Jahren und der Errichtung des HSPs zu verdanken ist. Dass von dieser Entwicklung das gesamte Land profitiert hat, zeigt auch ein Blick auf die Arbeitslosenquote, die im September 2013 bei nur 4,25% lag.

Das Diagramm zeigt die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf in Taiwan von 1980 bis 2010. 1980 betrug das BIP pro Kopf noch weniger als 5000 Dollar. 2010 liegt es über 35000 Dollar im Jahr. Ein Klick auf das Diagramm vergrößert dieses.
Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf in Taiwan von 1980 bis 2010. (Quelle: indexmundi.com)

Als zweitgrößter Produzent von Halbleiter-Anwendungen wie PC-Hauptplatinen, Notebooks und WLAN-Komponenten besitzt Taiwan eine große Bedeutung für die globale Elektronikindustrie. Im Bereich der IC-Tests erreichte Taiwan zeitweise einen Weltmarktanteil von über 70%. Bekannte taiwanische Unternehmen sind unter anderem Acer, Asus, BenQ, Foxconn, HTC, Tatung und VIA. Darüber hinaus ist Taiwan einer der größten Hersteller von Fahrrädern (Giant, Merida uvm.) und LCD-Flachbildschirmen (AU Optronics).

Im Jahr 2012 erwirtschaftete der HSP einen Umsatz von rund 27,5 Mrd. EUR, womit gegenüber dem Vorjahr ein Wachstum von 2,3% erzielt werden konnte.

Umsatz des Hsinchu Science Parks seit 2003. Den höchsten Umsatz erzielte der HSP 2010 mit 31 Mrd. Euro. Gegenüber 2011 konnte man sich mit 28 Mrd. Euro noch einmal um eine Milliarde steigern.
Umsatz des Hsinchu Science Parks seit 2003. (Quelle: Hsinchu Science Park Administration)
Zufluss ausländischer Direktinvestitionen in den Hsinchu Science Park von 2009 bis 2012. 2012 erreichten die Finanzdirektinvestitionen einen Spitzenwert von knapp 3 Mrd. Euro.
Zufluss ausländischer Direktinvestitionen in den Hsinchu Science Park von 2009 bis 2012. (Quelle: Hsinchu Science Park Administration)

Während der neunziger Jahre waren die USA noch das wichtigste Exportland für die taiwanische Industrie. Dies änderte sich in zunehmendem Maße zu Beginn der 2000er Jahre: Mehr und mehr wurde China zum wichtigsten Exportziel taiwanischer Güter, 2004 überholte die Volksrepublik die USA das erste Mal. Der US-Anteil am taiwanischen Export betrug in diesem Jahr 15,8%, während der chinesische Anteil auf fast 19,9% kletterte.

2012 wurden 36 neue Investitionen mit einem Gesamtvolumen von 277,3 Mio. EUR genehmigt. Acht dieser Investitionen (95,4 Mio. EUR) kamen aus dem Ausland. Mithilfe dieser Investitionen sollen in den nächsten drei Jahren Umsätze von über einer Milliarde Euro und mehr als 3.500 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Auch anhand der Finanzdirektinvestitionen in das gesamte Land lässt sich diese positive Entwicklung ablesen: Der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen nach Taiwan stieg demnach 2012 auf ca. 3 Mrd. EUR.

Ein Grund für die Beliebtheit des Clusters als Investitionsstandort ist das  dort vorherrschende günstige Investitionsklima. Von Beginn an bot der HSP den Unternehmen finanzielle Anreize, um sich im Park anzusiedeln. Staatliche Banken bieten einen Investitionszuschuss von bis zu 49% an, forschungsintensive Unternehmen konnten von einer fünfjährigen Steuerfreiheit profitieren, auf die dann ein auch nur verringerter Steuersatz folgte, der 22% nicht überstieg.

Im Juni 2010 verabschiedete die Regierung Taiwans den Industrial Innovation Act, mit dem die Steuer für Unternehmen von 25% auf 17% gesenkt wurde. Bestandteil des Industrial Innovation Acts sind außerdem steuerliche und sonstige Anreize, um Investments in Innovationsindustrien wie Cloud Computing oder Grüne Energie zu fördern und Freihandelszonen und Wissenschaftsparks zu unterstützen.

Generell gelten für Unternehmen im Park sehr attraktive Rahmenbedingungen, da die Regierung Taiwans die Ansiedlung auch ausländischer Unternehmen nach wie vor mithilfe von Anreizen forciert:

•    Exportorientierte Unternehmen können von der Umsatzsteuer befreit werden
•    Die Körperschaftssteuer liegt bei 17%
•    Für ausländische Unternehmen gelten dieselben Vergünstigungen wie für taiwanische Unternehmen
•    Investoren werden seit der Gründung des Parks mit bis zu 49% der investierten Summe unterstützt

Entwicklungsflächen für Cluster zur Verfügung zu stellen stellt in Hsinchu eine weitere wesentliche Strategie dar, um das regionale Wachstum zu fördern: Zurzeit stehen insgesamt 1.342 ha Fläche zur Verfügung, 3,29% der gesamten Fläche Hsinchus sind unvermietet. Desweiteren profitieren Unternehmen von den traditionell sehr niedrigen Mietkosten: im Ylan Science Park, der zur Zeit noch fertig gestellt wird, liegen die Kosten momentan bei umgerechnet 0,20 EUR/m², auch nach der Fertigstellung werden diese mit 0,70 EUR/m² vergleichsweise niedrig bleiben.

Internationalisierung spielt für den HSP traditionell eine herausragende Rolle. Nicht nur, dass man sich bei der Gründung des Parks sehr deutlich an dem Vorzeige-Cluster Silicon Valley orientierte, auch im Vorfeld konsultierte man von Seiten der Taiwaner aus regelmäßig internationale Experten wie Patrick Hagerty, den Gründer von Texas Instruments, oder den damaligen IBM-Vorstand Bob Evans. Darüber hinaus verfügen viele Unternehmer und Wissenschaftler im Park über Auslandserfahrung. Für Taiwan spielt die wirtschaftliche Internationalisierung auch aus politischen Gründen eine herausgehobene Rolle.

Der HSP ist in verschiedene überregionale und internationale Netzwerke eingebunden. Dazu gehören die Asian Science Parks Association (ASPA), die Association of University Research Parks (AURP) und die International Association of Science Parks (IASP). Daneben gibt es Kooperationsvereinbarungen mit nahezu 30 Parks in aller Welt:

•    Parque Cientifico e Tecnologico da Pontifícia Universidade Católica do Rio Grande (Brasilien)
•    The Federal University of Rio Grande Do Norte (Brasilien)
•    Quebec Metro High Tech Park (Kanada)
•    The Science Council of British Columbia (Kanada)
•    Sophia Antipolis Science Park (Frankreich)
•    Kitakyushu Science and Research Park (Japan)
•    Yokosuka Research Park (Japan)
•    Gyeonggi Technopark (Korea)
•    Parque Tecnologico de Andalucia (Spanien)
•    Mjardevi Science Park (Schweden)
•    Thailand Science Park (Thailand)
•    Hancettepe TEKNOKENT (Türkei)
•    Manchester Science Park (UK)
•    City of San Jose (USA)
•    City of Baton Rouge Parish of East Baton Rouge (USA)
•    Sandia Science and Technology Park (USA)
•    Science and Technology Park@UNM (USA)
•    The California State University (USA)
•    The Economic Development Alliance for Business (USA)
•    Tri-Cities Science & Technology Park (USA)
•    Hoa Lac High Tech Park (Vietnam)

Viele der Elektronik-Unternehmen im HSP profitieren von langjährigen Erfahrungen aus den USA, insbesondere aus dem Silicon Valley. Aus einer Untersuchung von 1999 geht hervor, dass rund 40% der Unternehmen im Park von taiwanischen Rückkehrern aus den USA gegründet worden sind. Der Grund für die schnelle Entwicklung des gerade durch kleinere und mittlere Unternehmen geprägten Parks wird auch in der engen Kooperation mit Silicon Valley gesehen.

Ein anderes Mittel des internationalen Austausches stellen Messen dar: Die Fachmesse Bio Taiwan hat sich seit 2010 als wichtiges, jährliches Treffen für die gesamte asiatische Biotechnologiebranche etabliert. Angeschlossen an die Messe sind Konferenzen und verschiedene Investitionsforen. Möglichkeiten der Kontaktanbahnung bietet auch die alljährliche Taiwan Business Alliance Conference: Auf der vom Wirtschaftsministerium organisierten Konferenz werden Investitionsmöglichkeiten in Taiwan vorgestellt.

Nennenswert sind auch die engen Beziehungen des Clusters mit dem US-Bundesstaat New Mexico: So fand im März 2012 bereits zum zweiten Mal das Taiwan-New Mexico Forum in New Mexico statt. Zwischen dem HSP und dem in New Mexico gelegenen Sandia Science and Technology Park besteht zusätzlich eine Kooperationsvereinbarung. Auch bei der BIO 2012 in Boston, USA, präsentierte sich eine Delegation des HSP.

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3. Thematische Stärkefelder

Die thematischen Stärkefelder im Cluster liegen in der Halbleiterindustrie, Computerindustrie, Telekommunikation, Optoelektronik und Biotechnologie. Die Halbleiterbranche steuert etwa 70% zum Gesamtumsatz des Clusters bei, während der Anteil der Computerindustrie sich seit vielen Jahren verringert. Die Optoelektronik macht etwa 20% des gesamten Umsatzes aus.

Anteil der einzelnen Branchen am Gesamtumsatz des HSP in %. Quelle: Hsinchu Science Park Administration. Deutlich wird, dass die Halbleiterindustrie fast 70 % des Umsatzes im Cluster erwirtschaftet und dass der Anteil der Computerindustrie seit Jahren zurückgeht.
Anteil der einzelnen Branchen am Gesamtumsatz des HSP in %. (Quelle: Hsinchu Science Park Administration)
Anzahl der Unternehmen pro Branche im Hsinchu Science Park. Stand: September 2013. Deutlich wird, dass die Halbleiterindustrie mit Abstand die meisten Unternehmen registriert hat, nämlich 200.
Anzahl der Unternehmen pro Branche im Hsinchu Science Park. (Quelle: Hsinchu Science Park Administration)

•    Halbleiterindustrie: 2012 existieren etwa 200 Unternehmen, die der Halbleiterbranche zuzurechnen sind. Damit ist die Branche in den letzten fünf Jahren hinsichtlich der ansässigen Firmen noch einmal um 6% gewachsen. Der Umsatz im Halbleiterbereich lag 2012 umgerechnet bei ca. 19 Mrd. EUR. Neben dem Anteil der Halbleiter-Fertigungsbetriebe wie UMC und TSMC, zu deren Kunden unter anderem AMD, NVIDIA und Texas Instruments gehören, ist der Anteil des Chipdesigns im Park in den vergangenen Jahren gestiegen. Die Halbleiterindustrie ist die dominierende Branche im HSP. Während viele taiwanische IT-Firmen ihre Produktionsstätten im Laufe der Zeit nach China verlagert haben, blieb die Halbleiterindustrie in Hsinchu und wuchs von Jahr zu Jahr. Sie zeichnet für knapp 70% des gesamten Umsatzes in Hsinchu verantwortlich.

•    Computer: Insgesamt 52 registrierte Unternehmen gehören zur Computerindustrie. Zusammen generierten sie 2012 einen Umsatz von umgerechnet 1,7 Mrd. EUR. Die taiwanische Regierung erkennt im Cloud Computing einen wichtigen Trend für die kommenden Jahre und fördert diesen Bereich entsprechend. Thematische Schwerpunkte in diesem Zweig liegen in Cloud-Computing-Systemen, Server, Speichergeräten, Software, Netbooks, E-Book-Readern und Tablet PC’s.

•    Telekommunikation: Allein 50 Unternehmen im Park zählen zum Bereich der Telekommunikation, der Umsatz in dieser Branche lag im Jahr 2012 bei ca. 790 Mio. EUR.

•    Optoelektronik: 99 Unternehmen im Park ließen sich 2012 dem optoelektronischen Segment zuordnen, zusammen generierten sie einen Umsatz von 4,858 Mrd. EUR. Diese Firmen haben ihre Schwerpunkte unter anderem in den Bereichen Hintergrundbeleuchtung von Großbildfernsehern, optischer Telekommunikation und Projektor-Lichtgeneratoren für Smartphones und Tablet PCs.

•    Präzisionsmaschinenbau: Im HSP waren 2012 insgesamt 37 Unternehmen aus dem Bereich des Präzisionsmaschinenbaus tätig; zusammen generierten sie einen Umsatz von umgerechnet 659,5 Mio. EUR. Das Wachstum hängt zu einem großen Teil von der Halbleiter- und Optoelektronikbranche im Park ab. Der Aufstieg der Erneuerbaren Energien hat dem Präzisionsmaschinenbau einen kleinen Schub verliehen, sein Anteil am GDP des gesamten HSP-Areals ist jedoch eher gering.

•    Biotechnologie: Die Biotech-Industrie wird von der Regierung Taiwans als Schlüsselbranche für zukünftiges Wachstum im Land angesehen. Im Park sind 45 biotechnologische Unternehmen mit einem Jahresumsatz von insgesamt 189 Mio. EUR ansässig. Für die positiven Aussichten der Branche spricht, dass 2012 neun neue Unternehmen hinzugekommen sind, deren Investitionskapital sich insgesamt auf ca. 52 Mio. EUR belief. Gerade durch den Cluster-Effekt des HSP und der Informations- und Kommunikations-Branche im Park hat sich der biotechnologische Bereich in der letzten Zeit besonders gut entwickeln können. Der Umsatz der Biotech-Branche in Hsinchu hat sich in den vergangen 10 Jahren fast verfünffacht.

Umsatzentwicklung der biotechnologischen Branche von 2002 bis 2012 in Millionen Euro. Dabei fällt auf, dass sich der Umsatz binnen zehn Jahre beinahe verfüfnfacht hat.
Umsatzentwicklung der biotechnologischen Branche von 2002 bis 2012 in Millionen Euro. (Quelle: Hsinchu Science Park Administration)

3.1 Entwicklung des Hsinchu Science Parks seit 1980

Blickt man auf die Geschichte des Clusters zurück, wird die starke Orientierung an den USA noch deutlicher. Ein zweites Silicon Valley zu errichten: Das war der Plan, als die Bauarbeiten zum HSP 1980 begonnen wurden. Nachdem die Regierung Taiwans in den späten siebziger Jahren eine Sondierungsmission in das Silicon Valley entsandt hatte, entschied man sich für die Elektronikindustrie als zu fokussierendes Stärkefeld.

Anfang der 80er galten ostasiatische Staaten wie Südkorea und Taiwan noch als Werkbank der USA und Japan, rund 80% der taiwanischen Studenten verließen nach ihrem Abschluss das Land. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurde unter maßgeblichem Einfluss des damaligen taiwanischen Finanzministers Kwoh-Ting Li und dem National Science Council (NSC) im Norden Taiwans der HSP errichtet. Li brachte die Idee des Risikokapitals nach Taiwan, um Start-Ups im Park zu ermöglichen; darüber hinaus genossen neugegründete Firmen eine fünfjährige Steuerfreiheit. Ein prägendes Element war von Beginn an die enge Vernetzung zwischen Wirtschaft und Forschung.

Die ersten Unternehmen im Park waren zunächst jedoch keine Start-Ups, sondern bereits etablierte taiwanische Auftragshersteller für große, ausländische IT-Firmen wie Acer und Mitac. Zwar nutzte man gemeinsam die Infrastruktur im Park und das Angebot von Facharbeitern vor Ort, es kam jedoch nicht wirklich zu einem Cluster-Effekt. Dies änderte sich in den 1990er Jahren, als die Regierung Taiwans beschloss, in Hsinchu eine komplette Halbleiterindustrie zu etablieren. Von 121 Unternehmen und etwa 22.300 Beschäftigten in Hsinchu 1990, wuchs der Park binnen etwas mehr als einer Dekade auf 369 Unternehmen mit über 100.000 Beschäftigten in 2003.

Anzahl der Beschäftigten in Hsinchu seit 1986. Mitte der achtziger Jahre arbeiteten etwa 8.000 Menschen in Hsinchu. 2012 waren es bereits über 150.000.
Anzahl der Beschäftigten in Hsinchu seit 1986. (Quelle: Hsinchu Science Park Administration)

3.2 Die Ergänzungsparks in Hsinchu

Der Park ist im Laufe der Zeit durch fünf weitere Parkanlagen ergänzt worden, von denen vier bereits in Betrieb genommen wurden. Insgesamt verfügt die HSP-Anlage (inklusive aller fünf Ergänzungsparks) über eine Entwicklungsfläche von 1.342 ha.

Jhunan Science Park: Der Jhunan Science Park ist der größte und älteste ergänzende Park in Hsinchu. 1997 vom Exekutiv-Yuan (der taiwanischen Regierung) zum Wissenschaftspark auserkoren, begannen 1999 die Bauarbeiten auf dem 123 ha großen Grundstück. Ca. 50 Unternehmen mit über 13.000 Beschäftigten aus Biotechnologie, Erneuerbaren Energien und der Optoelektronik haben sich seitdem dort angesiedelt.

Seit der Gründung sind dort 80 standardisierte Anlagen für Hightechunternehmen gebaut worden, etwa die Hälfte ist spezifisch auf biotechnologische Unternehmen ausgerichtet, was die strategische Bedeutung der biotechnologischen Branche für den Cluster spiegelt. Neben den Unternehmen finden sich im Park auch Telekommunikationsbetreiber, Banken, Polizeistationen und Restaurants. Mittelfristig soll der Park weiter ausgebaut werden, um noch mehr Unternehmen und Arbeitskräften Platz zu bieten.

Longtan Science Park: Der Longtan Science Park umfasst ein Gebiet von insgesamt 107 ha Land, welches in zwei Phasen erschlossen wurde. Longtan soll zum Innovationscluster für Optoelektronik und Solarzellenindustrie ausgebaut werden. Momentan arbeiten 4.500 Beschäftigte in neun registrierten Unternehmen, darunter der Hightech-Produkthersteller BenQ. Der Cluster soll als Schlüssel für den Wandel des Parks und den damit verbundenen Anstieg der Arbeitsplätze fungieren.

Hsinchu Biomedical Science Park: Der Hsinchu Biomedical Science Park (HBSP) befindet sich in Jhubei im Nordwesten Taiwans, einer Stadt mit über 137.000 Einwohnern. In unmittelbarer Nähe des Hauptparks gelegen, erstreckt sich der Biomedical Science Park über 18 ha Land. Hier ist ein medizinischer Mehrzweckbereich geplant, zusätzlich Industriegebiete und Dienstleister. Momentan sind 15 Unternehmen im Park ansässig. Das „Biotechnology Building“ wurde 2011 fertiggestellt.

Der Park dient als Inkubator für die biomedizinische Industrie. Im Rahmen des „Taiwan Biotechnology Takeoff Action Plans“, der im Mai 2010 von der taiwanischen Regierung vorgestellt wurde, werden dort drei biomedizinische Schlüsselzentren eingerichtet: das Hsinchu Biomedical Science Park Hospital, das Biomedical Technology and Product R&D Center und das Industry and Incubation Center. Die Leitung der drei Einrichtungen obliegt dem Department of Health, dem National Science Council und dem Ministry of Economic Affairs.

Für die zukünftige Entwicklung der biotechnologischen Branche in Taiwan spielt der Hsinchu Biomedical Science Park eine wichtige Rolle: Während im bis 2016 im Nangang-Distrikt von Taipei entstehenden National Biotechnology Research Park der Schwerpunkt auf der Entwicklung neuer Pharmazeutika liegen wird, soll der Hsinchu Biomedical Science Park zum klinischen Testzentrum für diese neuen Produkte ausgebaut werden. Der Luzhu Science Park in Kaohsiung wird sich dann, so der Plan, auf die Entwicklung und Produktion von Medizintechnik konzentrieren.

Tongluo Science Park: Mit einem Mieter und insgesamt 20 Beschäftigten befindet sich der Tongluo Science Park derzeit noch in der Aufbauphase. Insgesamt sind dort 350 ha Entwicklungsfläche verfügbar, die in drei Phasen erschlossen werden. Sowohl Jhunan als auch Tongluo sind als Antwort auf den gestiegenen Landbedarf der taiwanischen Hightechindustrie konzipiert worden. Unternehmen aus den Bereichen Saubere Energie, Solarindustrie, wissensbasierte Telekommunikationsindustrie, Elektronikindustrie und Industrien mit niedrigem Energieverbrauch sollen sich hier ansiedeln. Der NSC legt den Fokus in Tongluo mittelfristig auf die Entwicklung von IC Design, Digitales Leben, Luft- und Raumfahrttechnik und Biopharmazeutika. Der Park soll einmal einen Umsatz von umgerechnet ca. 3 Mrd. EUR und insgesamt 6000 Arbeitsplätze schaffen.

Ylan Science Park: Der Ylan Science Park liegt im Nordosten Taiwans etwa 100 Autominuten vom Hsinchu Science Park. Taiwans Stärken in der Telekommunikation, den digitalen Inhalten und den wissensintensiven Dienstleistungen sollen hier zusammengebracht werden. 22 ha sind für den Fabrikbau vorgesehen, 34 ha für Industriegebiete.

3.3 Strategie des Hsinchu Science Parks

Für die Strategie des HSP spielt die Forcierung vertikaler Integration und branchenübergreifender Kooperation eine entscheidende Rolle. Die langjährige Ausrichtung des HSP als traditioneller Auftragsfertiger in der Halbleiterindustrie soll somit überwunden werden.

Grundsätzlich sieht der Entwicklungsplan des NSC für alle Wissenschaftsparks in Taiwan vor, in jedem Park eine gesunde Balance zwischen der Entwicklung von technologischem Know-How, einer jeweils ausgewogenen regionalen Entwicklung und der Ankurbelung der taiwanischen Industrie zu finden. Auch deswegen erfahren Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Energiesparen seit vielen Jahren eine hohe Priorität. Konkrete Initiativen wie der im Jahr 2012 begonnene „Sewage Treatment Plan“, der u. a. das Abwasser-Volumen der einzelnen Parks im HSP regelt oder das „HSP Power Supply Quality Improvement Comittee and Task Force“, das die Energieversorgungsysteme der Parks verbessern soll, sind Beispiele für das gestiegene Umweltbewusstsein im Cluster.

Zur spezifisch taiwanischen Unternehmenskultur gehört es, dass sich im HSP traditionell eher kleine und mittlere Unternehmen finden, während beispielsweise in Südkorea große Multikonzerne wie Samsung den Markt dominieren. Wird ein Unternehmen zu groß, trennt es oftmals einzelne Abteilungen ab, so dass aus diesen neue Unternehmen werden. Ein bekanntes Beispiel hierfür liefert etwa der Hightech-Produktanbieter BenQ, der ehemals zu Acer gehörte.

3.4 Das Industrial Technology Reserach Institute (ITRI) und seine Forschungsfelder

Der HSP wurde ganz bewusst in der Nähe der wichtigsten F&E-Einrichtung Taiwans, dem Industrial Technology Research Institute (ITRI), und der beiden Forschungsuniversitäten National Chiaotung University und National Tsinghua University errichtet. Unternehmen, die sich im Park ansiedeln, profitieren von den hochqualifizierten Absolventen der beiden Universitäten, an denen derzeit ca. 24.000 Studenten eingeschrieben sind, und von den technischen Innovationen, die vom ITRI ausgehen.

Das ITRI verfolgt eine sehr industrieorientierte Forschungsstrategie. Im ITRI arbeiten 40.000 Ingenieure in vielen verschiedenen Laboren (darunter sechs staatlich geförderte) und kooperieren hierbei mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT), der University of Californa at Berkeley und Carnegie Mellon.

In der Technologieforschung und –Entwicklung des ITRI wurden zentrale Themenfelder identifiziert, die sich stark an den Bedürfnissen der im Cluster vertretenen Unternehmen orientieren:

•    Information und Kommunikation: Die Forschung des ITRI konzentriert sich in diesem Bereich auf die Entwicklung von IT-gestützten Dienstleistungen und drahtlosen Ein-Chip-Systemen.

•    Elektronik und Optoelektronik: Der Schwerpunkt der elektronischen und optoelektronischen Forschung liegt in der Entwicklung von Spitzentechnologie. Dazu gehören Nanoelektronik, flexible Elektronik, Mikrooptoelektronik, 3D-Bildverarbeitung, 3D-Chipbündelung und neue Bildschirmtechnologien.

•    Chemie- und Nanotechnologie: Im Bereich der Chemie und der Nanotechnologie arbeitet das ITRI mit wettbewerbsfähigen Branchen zusammen, um Schlüsselmaterialien und Bauteile für die Bereiche Elektronik, Optoelektronik und Flachbildschirme zu entwickeln. Gleichzeitig arbeitet man an der Entwicklung von Hightech-Fasern und Spezialchemie, um den Wandel der traditionellen Textil- und Chemieindustrien zu Industrien mit hohem Wertzuwachs zu fördern. Auch die Entwicklung von grüner Energie, biomedizinischer Materialien und Biomassematerialen gehören zum Aufgabenfeld des ITRI.

•    Biomedizinische Technologie: Die Hauptaufgabe des ITRI im biomedizinischen Feld ist die Entwicklung und Förderung der biomedizinischen Industrie in Taiwan. Dabei möchte das ITRI ganz bewusst Taiwans Wettbewerbsvorteil aus anderen Bereichen wie Elektronik, Informatik, Optik, Materialien und Präzisionsherstellung nutzen, um künftig auch im biotechnologischen Bereich erfolgreich zu sein, den die Regierung Taiwans zur Schlüsselbranche für zukünftiges Wirtschaftswachstum auserkoren hat.

•    Maschinen- und Anlagenbau: Mikropräzision und Grüne Energie sind der Kern der Forschung im Maschinen- und Anlagenbau des ITRI. Die Forschung in diesem Bereich konzentriert sich auf die Entwicklung von intelligenter Automatisierungstechnik, ökologisch einwandfreier Herstellung und intelligenter Prüftechnologie.

•    Grüne Energien und Umwelttechnologien: Um den Anforderungen einer nachhaltigen Entwicklung nachzukommen, entwickelt das ITRI neue Technologien in den Bereichen Grüne Energien und Umweltschutz. Die Schwerpunkte liegen hier in den Erneuerbaren Energien, der Energieeffizienz, den alternativen Energien, Energiemanagement und den natürlichen Ressourcen.

In Hsinchu finden sich daneben eine Reihe weiterer staatlicher Laboratorien oder F&E-Einrichtungen, darunter das Synchrotron Radiation Research Center, das National Space Program Office, das Precision Instrument Development Center, das Chip Implementation Center und die National Nano-Device Laboratories.

Ein gutes Beispiel für die Vernetzung benachbarter Themenfelder im Cluster bietet das National Center for High-Performance Computing (NCHC). Das Forschungszentrum steht unter anderem für einen interdisziplinären Forschungsansatz mit der Optoelektronik, in der es darum geht, eine optoelektronisch basierte, erneuerbare Energiequelle zu entwickeln; die Forschungszusammenarbeit des NCHC im Projekt Medical Computing zielt hingegen auf die Erforschung der Verbreitung von Krankheiten und der Entwicklung virtueller Operationsplattformen.  

Gleichzeitig ist das NCHC Teil des international ausgerichteten PRAGMA-Netzwerks (Pacific Rim Application and Grid Middleware Assembly), dass sich auf den pazifisch-asiatischen Raum konzentriert und das sich die Förderung von Grid-Technologien durch Kooperationen von Institutionen und Forschern zur Aufgabe gemacht hat.

Auch zwischen dem Präzisionsmaschinenbau und der Optoelektronik sowie der traditionell starken Halbleiterbranche im Park bestehen enge Verflechtungen.

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4. Akteure und Netzwerke

Der Park wird von der Regierung Taiwans in Zusammenarbeit mit dem National Science Council und der Hsinchu Science Park Administration geleitet.

Die Science Park Administration (SPA) übernimmt die Leitung des Parks. Sie ist ihrerseits aufgeteilt in sechs Abteilungen: Planning, Investment Services, Labor Relations, Business, Construction Management und Land Development.

Der National Science Council (NSC) ist die wichtigste staatliche Förderinstitution für wissenschaftliche Forschung in Taiwan. Ihm obliegt die Entwicklung der taiwanischen Wissenschaftsparks und damit auch des HSP. Als Regierungsstelle unterliegt der 1959 eingerichtete NSC dem Exekutiv-Yuan (der Regierung Taiwans). Zu den Aufgaben des NSC gehören:

  • Förderung der nationalen Entwicklung in Wissenschaft und Technik
  • Unterstützung der akademischen Forschung
  • Entwicklung von Wissenschaftsparks

Darüber wurden bis heute über 70 Kooperationsvereinbarungen mit S&T-Organisationen in 37 Ländern getroffen, um den Austausch zwischen den Forschern zu fördern. Aufgrund der diplomatischen Isolierung Taiwans kommt dem NSC in seinen internationalen Aktivitäten auch eine politische Rolle zu: Hochrangige Besuche, Handelskonferenzen und die Mitgliedschaft in internationalen S&T-Organisationen sollen so auch die außenpolitische Präsenz Taiwans stärken.

Das Food Industry Research and Development Institute (FIRDI) wurde 1965 gegründet und ist zuständig für Lebensmittelentwicklung und biotechnologische Forschung. Es unterstützt die lokale Lebensmittel- und Bioindustrie hinsichtlich etwaiger Prozessoptimierungen und der Qualitätskontrolle.

Die Wertschöpfungskette im Bereich der elektronischen Produkte ist in Taiwan bereits nahezu abgedeckt. Von den Halbleiterherstellern über die Montagewerke bis hin zu OEMs (Erstausrüstern) sind alle wesentlichen Elemente der Wertschöpfung vorhanden. Test und Herstellung eines Produkts können so vollständig in Taiwan abgewickelt werden, was einen signifikanten Zeitvorteil mit sich bringt.

Die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft ist im Cluster besonders ausgeprägt. Die Universitäten und technischen Fachschulen in der Nähe von Hsinchu versorgen den Park mit entsprechenden Fachkräften, Weiterbildungsmöglichkeiten, beratenden Tätigkeiten und Forschungspartnerschaften. Neben den beiden großen, bereits genannten Forschungsuniversitäten gibt es jedoch noch eine große Zahl weiterer Hochschulen, die mit Hsinchu kooperieren, wie beispielsweise die National Hsinchu University of Education, Chung Hua University, Husang Chuang University u.a. Zusätzlich gibt es auch auf der Ebene der Fachkräfte einen Austausch zwischen dem ITRI und den Unternehmen, beispielsweise durch Ingenieure, die das ITRI in Richtung Privatwirtschaft im Park verlassen.

Ein prominentes Beispiel für die enge Verflechtung von Wirtschaft und Wissenschaft sind die beiden größten Halbleiterhersteller im Park, TSMC und UMC, die im Laufe der Zeit als Spin-Offs aus dem Industrial Technology Research Institute hervorgegangen sind.

Desweiteren gibt es eine Reihe von staatlichen Programmen, die sowohl die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft als auch die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Branchen intensivieren sollen. So konzentriert sich das National Project for Intelligence Electronics (NPIE) auf die Entwicklung der „MG+4C“: Medizin, Grüne Energie, Computer, Kommunikationsbereich, Unterhaltungselektronik und Fahrzeugelektronik. Bedingt durch die ständig wachsende Verbreitung intelligenter elektronischer Geräte gibt es mittlerweile auch in den Bereichen Akustik, Photonik, Kinetik, Logistik, Biotechnologie und Medizin eine immer größere Nachfrage nach integrierten Halbleiterschaltungen und intelligenten Chipsystemen.  Hier setzt das MG+4C Vertical Integration Program des NPIE, das von der SPA verwaltet wird, an.

Das MG+4C Vertical Integration Program verfolgt die Integration von Ressourcen durch Kooperationen von Industrie und Wissenschaft und staatlichen Förderungen, um Chiphersteller dazu zu ermutigen, an dem Programm teilzunehmen. Das Ziel dieser Partnerschaft ist es, integrierte Forschungsprojekte anzuregen, in denen es um innovative und originelle Produktanwendungen geht und vertikal integrierte Design- und Produktionsprozesse in den Kernbereichen zu entwickeln.

Im Jahr 2012 wurden acht Gesamtkonzepte mit einem Wert von über 1,4 Mio. EUR  innerhalb des Programms genehmigt. Das MG+4C soll langfristig helfen,  die Massenfertigung für heterogene und vertikale Integration zu etablieren,  die sowohl die Schnittstellenanbindung beschleunigen als auch die benötigte Zeit von der Idee zum marktreifen Produkt verkürzen wird.

Die Taiwan Venture Capital Association (TVCA) sorgt dafür, dass sich lokale und ausländische Investoren in Fällen von Kapitalbedarf Kapital beschaffen können. Die TVCA umfasst mehr als 180 Gemeinschaftsunternehmen in Taiwan und hält regelmäßige Seminare und Meetings.

Die deutsche Auslandshandelskammer betreibt in Taipei ein Deutsches Wirtschaftsbüro, das deutschen Unternehmen bei der Ansiedlung auf dem taiwanischen Markt z.B. durch Standortanalysen, Kontaktvermittlung oder Übersetzung behilflich ist.

Zunehmend etablieren sich in Taiwan Handelsmittler und Vertragshändler, die ausländischen Unternehmen dabei helfen, Taiwan als Investitions- und Konsumgüterabsatzmarkt zu erschließen.

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5. Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Die Beschäftigten im Hsinchu Science Park nach ihrem akademischen Abschluss, Stand: September 2013.
Die Beschäftigten im Hsinchu Science Park nach ihrem akademischen Abschluss, Stand: September 2013. (Quelle: Hsinchu Science Park Administration)

Fast zwei Drittel der Beschäftigten im Cluster verfügen über einen Master- oder Bachelorabschluss, zwei Prozent  sogar den akademischen Doktorgrad. Die gute Ausbildung der Beschäftigten hängt eng mit den zwei Universitäten in der unmittelbaren Nähe des Parks zusammen und spiegelt die mittlerweile große Verbreitung forschungsintensiver Unternehmen im HSP.

Die beiden staatlichen Forschungsuniversitäten gehören laut des britischen Times Higher Education-Magazins zu den Top300-Universitäten auf der Welt und zu den Top40 in Asien und waren der ausschlaggebende Grund, den Wissenschaftspark überhaupt in Hsinchu anzusiedeln. Von Beginn an wurde versucht, die Studentenzahlen in den Ingenieurwissenschaften zu erhöhen. Momentan studieren an der National Tsing Hua University (NTHU) und der National Chiao Tung University (NCTU) insgesamt 23.700 Studenten. Über 3000 Studenten verlassen die NTHU jedes Jahr mit einem Abschluss, die Zahl der Patentanmeldungen hat sich in den letzten drei Jahren mehr als verdoppelt: von 71 Patenten im Jahr 2010 auf 163 im Jahre 2012. Es bestehen Partnerschaften mit insgesamt 155 Hochschulen weltweit.

1998 wurde das Institut für Elektrotechnik und Informationstechnik an der NTHU eingerichtet. Das Ziel ist es, mehr professionelle Fachkräfte im Hightech-Bereich auszubilden. Gerade für den Cluster Hsinchu ist dieses Institut von großer Bedeutung, da viele seiner Absolventen heute im Park arbeiten. Daneben gibt es noch weitere Institute für die Lebenswissenschaften, Ingenieurswissenschaften und Nuklearforschung sowie eine Reihe verschiedener Forschungszentren auf dem Campus.

Zahl der Partnerhochschulen der NTHU nach Kontinent. Im Februar 2013 existieren 88 Hochschulpartnerschaften mit asiatischen Hochschulen und 34 Partnerschaften mit europäischen Hochschulen.
Zahl der Partnerhochschulen der NTHU nach Kontinent. (Quelle: NTHU)

Im von der Shanghai Jiao Tong University erstellten Academic Ranking of World Universities belegt die NCTU den 38. Platz im Bereich der Informatik, im Bereich Ingenieurwissenschaften/Technologie und Computerwissenschaften den 45. Platz. Bezüglich der zitierten Publikationen aus dem Bereich Informatik belegt das NCTU weltweit Platz 20, sogar Platz 1 in Taiwan. Internationalität spielt für die NCTU eine hervorgehobene Rolle: insgesamt bestehen 146 Kooperationen mit Partnerhochschulen weltweit, darunter alleine sechs Partnerschaften mit deutschen Hochschulen (TU Berlin, TU München, Universität Mannheim, Universität Stuttgart, Universität Augsburg, Universität Offenbach). Darüber hinaus pflegt die NCTU das größte Alumni-Netzwerk im gesamten pazifisch-asiatischen Raum.

Die Bedeutung für den Cluster Hsinchu und Taiwan insgesamt zeigt sich unter anderem darin, dass mehr als 500 Vorsitzende und CEOs der taiwanischen Elektronik- und Computerindustrie an der NCTU ihren Abschluss gemacht haben, wie zum Beispiel Stan Shih, der Gründer von Acer.

Durch diese engen Verbindungen zwischen Unternehmen und den Universitäten in Hsinchu finden Marktwissen und Technologien ihren Weg zurück zur Universität.

Zahl der Partnerhochschulen der NTHU nach Kontinent. Im August 2013gibt es annähernd genausoviele Partnerschaften mit asiatischen wie mit europäischen Hochschulen..
Zahl der Partnerhochschulen der NCTU nach Kontinent. (Quelle: NCTU)

Um einem möglichen Fachkräftemangel frühzeitig entgegenzuwirken, sind in jüngster Zeit zwei Weiterbildungsinitiativen in Hsinchu etabliert worden.

Im Rahmen des „HSP Talent Cultivation Program“ werden in Zusammenarbeit von Universitäten, Forschungseinrichtungen, lokalen Unternehmen und der SPA speziell auf die Bedürfnisse des Clusters zugeschnittene Trainings angeboten, in denen es beispielsweise um Vertiefungen im Bereich der Halbleiter- oder Optoelektronikindustrie geht. Die Seminare und Symposien werden dabei in enger Zusammenarbeit mit den teilnehmenden Unternehmen entwickelt. Allein 2012 verzeichnet die SPA über 8.000 Teilnehmer an den diversen Angeboten.

Damit es in Zusammenhang mit den nachrückenden Talenten in den Park zu keinem Mangel kommt und auch, um die Lücke zwischen Theorie und Praxis an den Universitäten zu schließen, ermuntert die SPA mit seinem „HSP Talent Cultivation Subsidy Program“ die nahegelegenen Forschungsuniversitäten, Ausbildungsprogramme für Studenten anzubieten, die eine Brücke in die Hsinchu-Industrie selber schlagen.

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6. Entwicklungsdynamik

Die Auftragsfertigung als dominierendes Geschäftsmodell in der wichtigsten Branche des HSP, der Halbleiterindustrie, soll langfristig abgelöst werden. Entsprechend ist das bereits erwähnte TSMC der erste Auftragsfertiger, der es 2011 in die TopTen der F&E-Ausgaben aller Halbleiterhersteller weltweit schaffte, da er seine F&E-Ausgaben von 2010 auf 2011 um 44% gesteigert hat. In Zukunft sollen die vertikale Integration und inter-industrielle Allianzen unterstützt werden, damit Hsinchu auch langfristig wettbewerbsfähig bleibt. Aufgrund der hohen Einfuhrzolle, die taiwanische Firmen oftmals bei Auslandsgeschäften zahlen müssen, bietet die Markenherstellung eine höhere und attraktivere Gewinnmarge. Taiwans Auftragshersteller könnten den chinesischen Markt künftig nutzen, um eigene Marken zu etablieren. Auch um diesen Absatzmarkt künftig effektiv nutzen zu können, kam es am 29. Juni 2010 zum Economic Cooperation Framework Agreement (ECFA) zwischen Taiwan und China, einem präferenziellen Handelsabkommen, mit dem die Zölle und wirtschaftlichen Barrieren zwischen beiden Ländern abgebaut werden sollen. Politisch gilt es als wichtigstes Abkommen zwischen beiden Ländern nach dem Ende des chinesischen Bürgerkriegs bis 1949. Es wird erwartet, dass der bilaterale Handel zwischen beiden Ländern, der momentan ein Volumen von 110 Mrd. USD aufweist,  nachhaltig profitieren wird. Die taiwanische Regierung erhofft sich von dem Abkommen darüber hinaus die Möglichkeit, das Land in Zukunft international noch mehr einbinden zu können. Auch mit Singapur befindet sich Taiwan bereits in Gesprächen zu einem möglichen Handelsabkommen.

Die Entwicklung zum globalen Markenhersteller, zum Beispiel im Bereich der Smartphones, ist jedoch nicht ohne Risiken verbunden, da es den HSP in ein direktes Konkurrenzverhältnis mit seinen Auftragskunden setzen würde. Als BenQ beispielsweise eigene Mobilgeräte auf den Markt brachte, wechselten Motorola und Nokia den Auftragshersteller. Zusätzlich ist das Etablieren eigener Marken eine relativ neue Herausforderung für die Unternehmen Taiwans.

Ein Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung dieses Wandels bietet dagegen das in Hsinchu ansässige Unternehmen MediaTek: Bis 2004 konzentrierte sich das Halbleiterunternehmen fast ausschließlich auf die Produktion von Chips, die in CD-ROM- und DVD-Laufwerken zum Einsatz kommen. Dann vervollständigte es seine Wertschöpfungskette, in dem es die Chips von nun auch verbaute und mit notwendiger Software ausstatte, um so Low-End-Mobiltelefone herzustellen. Mit diesem Schritt verringerte MediaTek plötzlich die Kosten für die Herstellung eines Mobiltelefons auf 10%. MediaTeks Umsatz verdoppelte sich danach binnen drei Jahre auf 3,5 Mrd. USD.

Auch in den biomedizinischen Bereich wird in den kommenden Jahren investiert werden. Im Rahmen des „Taiwan Biotechnology Takeoff Diamond Action Plan“ von 2010, für den ein sogenannter „Mega-Fond“ von 1,9 Mrd. USD zur Verfügung gestellt wurde, und dem daran anschließenden Strategiepaper „Taiwan Action Plan for Biotech Takeoff“ von 2013, sind im Hsinchu Biomedical Science Park drei Schlüsselzentren für die taiwanische Biomedizin errichtet worden.

Zunehmend sind im biotechnologischen Bereich auch ausländische Firmen beteiligt. Die Umsätze der Biotech-Industrie, zu der die angewandte Biotechnologie, Pharmazeutika und die Medizintechnik gehören, sollen sich bis 2015 verdoppeln.

In der ersten Hälfte des Jahres 2012 hat die gesamte Industrie in Taiwan unter der Schuldenkrise in Europa, der schwachen Konjunktur in den USA und dem verlangsamten chinesischen Wirtschaftswachstum gelitten. Mittlerweile haben sich die Auswirkungen auf Taiwans Wirtschaft jedoch wieder entspannt, gleichzeitig nutzten Hightechunternehmen im Park die Möglichkeit, neue Produkte zu veröffentlichen, was den gesamten Exports Taiwans ankurbelte.

Redaktion: 11.11.13, von: Nils Demetry, VDI Technologiezentrum GmbH