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Cluster Hyderabad
1. Kurzprofil
Hyderabad ist die Hauptstadt des indischen Bundesstaates Andhra Pradesh und ein wichtiges Zentrum der indischen Pharma- und IT-Industrie. Cyberabad, wie die Stadt wegen ihrer hohen Dichte an IT-Unternehmen auch genannt wird, beherbergt etliche internationale Großkonzerne, insbesondere aus dem Bereich IT und Business Process Outsourcing (BPO). Microsoft betreibt sein größtes Entwicklungslabor außerhalb der USA in Hyderabad und auch Facebook, Google, IBM, Amazon, Electronic Arts, HP, Oracle und andere sind im Clustergebiet aktiv. Das bekannte indische IT-Unternehmen Mahindra Satyam hat seinen Hauptsitzsitz in Hyderabad. Andere bekannte indische Firmen wie Infosys, Tata Consultancy Services oder Wipro haben hier Zweigstellen. Die Pharma- und Life-Sciences-Branche ist mit Firmen wie Dr. Reddy's, Aurobindo oder Matrix Laboratories noch eher national geprägt. Allerdings steigt auch die Zahl der internationalen Pharmaunternehmen wegen der attraktiven Standortbedingungen stetig. Dies geschieht häufig über Joint Ventures, Investitionen in Wissenschaftsparks oder den Aufkauf von kleineren indischen Betrieben. So kaufte Sanofi Aventis 2009 beispielsweise den etablierten indischen Impfstoffhersteller Shanta Biotech für ca. 550 Millionen Euro.
Mit fast 4,1 Millionen Einwohnern ist Hyderabad die sechstgrößte Stadt auf dem Subkontinent. Die Angaben zur Metropolregion, zu der die Schwesterstadt Secunderabad gezählt wird, schwanken zwischen einer Population von 6,4 bis 9 Millionen. Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von geschätzten 60 Milliarden US-Dollar in 2008 (Quelle: PwC) ist die "City of Pearls" eine der reichsten Städte Indiens.
Hyderabad ist eine der wichtigsten Universitätsstädte Indiens. Neben drei staatlichen Hochschulen gibt es zahlreiche Bildungseinrichtungen mit Universitätsstatus und viele, international bedeutende Forschungsinstitute. Der Pharma- und Life-Sciences-Sektor zeichnet sich durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Forschungsinstituten und der freien Wirtschaft aus. Kooperationen werden durch zahlreiche Clusterinitiativen (z.B. HITEC City), Sonderwirtschaftszonen für bestimmte Industrie- und Forschungszweige sowie Wissenschaftsparks gefördert.
2. Internationale Anziehungskraft
Indien, einer der vier BRIC-Staaten, strahlt mit seinen knapp 1,2 Milliarden Einwohnern und einem hohen Wirtschaftswachstum eine große internationale Anziehungskraft aus. Zusätzlich wirbt die indische Regierung mit staatlichen Subventionen um internationale Geldgeber. Vor allem durch die Installation sogenannter Special Economic Zones (SEZs) sollen direkte ausländische Investitionen gefördert werden. Das Konzept der SEZs wird insbesondere im Clustergebiet Hyderabad angewandt und vielen Wissenschafts- und Innovationsparks wurde dieser Status zugesprochen. Detaillierte Informationen zu den steuerlichen Vergünstigungen gibt es beispielsweise über das Portal von BC Associates.
Hyderabad gilt als Messe- und Kongresszentrum Indiens. Das Hyderabad International Convention Center (HICC) in der HITEC City (Hyderabad Information Technology Engineering Consultancy City) ist das größte und modernste Kongresszentrum auf dem Subkontinent. Das HICC veranstaltet jährlich einige der bedeutendsten Messen in Asien und ist auch Ausrichter verschiedener Kongresse mit wechselndem Veranstaltungsort:
- Die Messe "BioAsia - The Global Bio Business Forum" findet jährlich im Februar in Hyderabad statt (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Konferenz in Tokio). Sie gilt als wichtigste Veranstaltung für die Biotechnologiebranche in Asien. 2010 nahmen ca. 4350 Delegierte aus über 600 Unternehmen bzw. Forschungseinrichtungen teil. Außerdem wurde bei über 800 B2B-Meetings über Kooperationen und Lizenzierungsfragen verhandelt. Die BioAsia 2010 wird als großer Erfolg für das Clustergebiet gewertet, da viele Akteure überzeugt wurden, in die Region zu investieren. So plant beispielsweise Lonza weitere 150 Millionen US-Dollar für den Standort Genome Valley aufzuwenden. Außerdem gab der Ministerpräsident von Andhra Pradesh bekannt, dass große Biotechnologieunternehmen zehn Milliarden Indische Rupie / INR (über zwei Milliarden US-Dollar) in die Infrastruktur Hyderabads investieren werden. Organisatoren der BioAsia sind die Federation of Asian Biotech Associations (FABA), die All India Biotech Association (AIBA) und die Universität von Hyderabad.
- Im August 2010 fand die eIndia, wie bereits im Jahr 2009, im HICC statt. Schwerpunktthemen waren eGov India, digital LEARNING India, eHealth India, eAgriculture India, Indian Telecentre Forum und municipalIT India. Die eIndia ist die größte Konferenz für die IKT-Branche in Indien.
- Hyderabad richtet 2011 die 20th International World Wide Web Conference (WWW2011) aus. Die Konferenz findet jährlich an verschiedenen Orten statt und gilt als wichtigste Veranstaltung für neue Trends in den Bereichen neue Technologien und Standardisierung im Bereich WWW. Organisatoren sind das International Institute of Information Technology Bangalore, das International Institute of Information Technology Hyderabad sowie das Indian Institute of Technology Bombay.
- Nach dem Erfolg der SOLARCON 2009 findet auch im Jahr 2010 die SOLARCON wieder in Hyderabad statt. Bereits im ersten Jahr der Messe präsentierten sich 68 internationale Unternehmen den 3.500 Fachbesuchern. Außerdem nahmen über 600 Delegierte an der begleitenden Konferenz teil.
- Weitere Informationen zu Messen und Konferenzen in Hyderabad, z. B. zum Internationalen Mathematikerkongress 2010, findet man auf der Veranstaltungsseite des HICC.
Im März 2008 wurde der neue Hyderabad International Airport (auch: Rajiv Gandhi International Airport) in Betrieb genommen, da der zentral gelegene Begumpet Airport den steigenden Passagierzahlen nicht gewachsen war. Der neue Flughafen liegt südwestlich von Hyderabad in Shamshabad und fertigt jährlich mehr als sieben Millionen Besucher und über 52.000 Tonnen Ladung ab. 2009 wurde er vom Airports Council International (ACI) zum fünftbesten Flughafen der Welt gewählt. Neben Flügen in alle großen indischen Städte gibt es tägliche Verbindungen zu wichtigen internationalen Luftfahrtknoten wie Frankfurt, London, Brüssel, New York oder Chicago. Von dem modernen Flughafen profitiert die Wirtschaft im Südwesten Hyderabads. So sind Projekte wie der Fabrikationspark Fab City, das Mucherla IT Cluster oder der APIIC (Andhra Pradesh Industrial Infrastructure Corporation) Hardware Park in unmittelbarer Nähe zum Flughafen geplant, bzw. bereits im Bau befindlich.
Die Studie "Doing Business in India 2009" der International Finance Corporation (IFC), einer Organisation der Weltbank, analysiert und bewertet 17 indische Städte im Bezug auf das Geschäftsklima. Dabei stehen u. a. die Themen Regulierung, Steuern und Probleme bei der Geschäftsgründung bzw. -auflösung im Fokus. Hyderabad belegt in der Gesamtwertung hinter Ludhiana (Punjab) den zweiten Platz. Der Standort überzeugt im nationalen Vergleich in dem Bereich Geschäftsauflösung und bei der Vollstreckbarkeit von Vertragsansprüchen.
3. Thematische Stärkefelder
Hyderabads Wirtschaftsentwicklung ist ein Spiegelbild für Indiens Aufstieg zu einer der bedeutendsten Wirtschaftsnationen weltweit. Nach der Unabhängigkeit 1947 war Indiens Wirtschaftspolitik, geprägt von den Erfahrungen der Kolonialzeit, sozialistisch ausgerichtet. Dies änderte sich erst Anfang der 1990er Jahre. Durch den Zusammenbruch der UDSSR, dem wichtigsten Handelspartner, und den, vom ersten Golfkrieg ausgelösten, Ölpreisanstieg geriet Indiens Wirtschaft zunehmend in Schieflage und die Regierung war gezwungen, sich 1,8 Milliarden US-Dollar vom Internationalen Währungsfonds zu leihen. An den Kredit waren allerdings Reformmaßnahmen geknüpft, denen der Subkontinent ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 7,5 Prozent bis 2000 verdankte. Die Liberalisierung der Wirtschaftspolitik und die Erlaubnis von direkten ausländischen Investitionen führten zu einem Boom in den Bereichen IT, Pharma, Life Sciences und Outsourcing. In diesen Branchen liegt auch die wirtschaftliche Stärke von Hyderabad.
Das Zentrum der Pharmaindustrie und der Life Sciences in Hyderabad ist das Genome Valley. Auf einer Fläche von 600 Quadratkilometern haben sich mehr als 100 Biotechnologieunternehmen angesiedelt. Zentrum des Clusters sind der IKP Knowledge Park, der Alexandria Knowledge Park und der ICRISAT Agri-Business Incubator.
Der Nordwesten des Clustergebiets wird umgangssprachlich auch als Cyberabad bezeichnet. Hier liegt HITEC City (Hyderabad Information Technology Engineering Consultancy), einer der größten IT-Parks in Indien. Das Projekt wurde vom Joint Venture L&T Infocity geplant und errichtet. Das Gemeinschaftsunternehmen von Larsen & Toubro, einem der größten Mischkonzerne Indiens, und der APIIC verwaltet und vermarktet außerdem die Immobilien. Zentrum des Parks sind die Cyber Towers und das Cyber Gateway. Die markanten Gebäude bieten 135.000 Quadratmeter Büro- und Laborfläche, sind momentan allerdings voll belegt. Durch die geplante HITEC City 2 und den dazugehörigen Intellicity IT Park (S.40/41) soll der Bedarf der IT-Industrie gedeckt werden. Erste Gebäude sind bereits bezugsfertig. An den Mietern bzw. Pächtern der Anlagen in der HITEC City kann man die Bedeutung ablesen, die Hyderabad für die globale IT- und Outsourcing-Branche hat. Microsoft, Oracle, HSBC und Dell sind hier u. a. ansässig.
Die Halbleiter- und Photovoltaikbranche soll im Süden Hyderabads Fuß fassen. In Shamshabad, nahe am neuen Flughafen gelegen, wird seit 2006 das Großprojekt Fab City von der Regierung Andhra Pradesh gefördert. Über vier Quadratkilometer wurden 27 Firmen aus der Halbleiter- und Photovoltaikbranche zugewiesen. Doch das Vorhaben, das mindestens drei Milliarden US-Dollar Investitionen in die Region bringen sollte, gerät zunehmend ins Stocken (Stand: Juli 2010). Viele Unternehmen haben sich aus dem Projekt zurückgezogen, andere haben nicht mit den Bauvorhaben begonnen oder benötigen weniger Land als erwartet. So ist die Zahl der Interessenten von 27 auf 14 gefallen und 1,7 Quadratkilometer stehen wieder für Investoren zur Verfügung. Momentan wird geprüft, ob man das freie Land auch an Unternehmen aus dem Bereich Elektronik vergeben kann. Da es sich allerdings um eine Special Economic Zone (SEZ) für Halbleiter handelt, müssen Änderungswünsche erst von den zuständigen Behörden geprüft und genehmigt werden.
Ein weiteres Stärkefeld ist die Filmindustrie. Hyderabad ist das Zentrum für Filme in einer der 22 Nationalsprachen Indiens: Telugu. Das als Tollywood bekannte Kino ist nach Mumbai (früher Bombay, deswegen umgangssprachlich Bollywood) mit ca. 150 Projekten der zweitgrößte Filmproduzent Indiens. 25 Kilometer südwestlich der Innenstadt liegt mit der Ramoji Film City der größte Filmstudio-Komplex der Welt. Auf einer Fläche von 6,7 Quadratkilometern können Filmemacher bis zu 20 internationale und 40 indische Filme gleichzeitig drehen. Die Filmstadt ist außerdem ein beliebtes Touristenziel und lockt mit verschiedenen Attraktionen jährlich mehrere Millionen Besucher an.
4. Akteure und Netzwerke
Der IKP Knowledge Park (früher: ICICI Knowledge Park) ist ein Projekt der ICICI Bank und des Bundesstaates Andhra Pradesh. Der Wissenschaftspark wird als Non-Profit-Organisation geführt. ICICI, die größte private Bank Indiens, ist für die Bereiche Management, Investment, Marketing und Expansion verantwortlich. Zu Beginn des Projekts im Jahr 1999 hat sie außerdem 400 Millionen Rupien (ca. 8,6 Millionen US-Dollar) Startkapital zur Verfügung gestellt. Die Regierung von Andhra Pradesh hat für die Anlage ca. 1,6 Quadratkilometer Land bereitgestellt. Ferner kümmert sie sich um die Infrastruktur, Regulierung und steuerliche Erleichterungen. Die indische Bundesregierung hat über verschiedene Fonds und Ministerien das virtuelle Informationszentrum und den "Life Sciences Incubator" mit 31,2 Millionen Rupie (ca. 670.000 US-Dollar) finanziert. Der IKP Knowledge Park gilt als bester Forschungspark Indiens und dient als nationale Referenz.
Der Shapoorji Pallonji Biotech Park (SPBP) (Neuer Stand Januar 2013: umbenannt in Alexandria Knowledge Park) umfasst 1,2 Quadratkilometer und ist ein Gemeinschaftsprojekt der Shapoorji Pallonji Group und der Regierung von Andhra Pradesh. Neben modernen Laborflächen bietet der SPBP eine Pilotanlage und ein Gründerzentrum. Der Park kooperiert mit verschiedenen Forschungslaboren und Technologieparks. Hierzu zählen beispielsweise der Research Triangle Park North Carolina und das Super Computing Centre in San Diego. Auch zum Technologiepark Heidelberg und zum Biotechnologiepark Luckenwalde pflegt das Parkmanagement enge Kontakte. Von dieser internationalen Vernetzung profitieren die Mitglieder des SPBP, da Technologietransfer und die Bildung von Joint Ventures angeregt werden. Zurzeit sind alle Gebäude verpachtet. Wegen der hohen Nachfrage ist allerdings eine weitere Ausbauphase geplant, in der über 100.000 Quadratmeter zusätzliche Büro– und Laborfläche zur Verfügung gestellt werden soll. Interessenten finden Kontaktmöglichkeiten auf der Homepage.
Ein weiterer wichtiger Akteur aus dem Bereich Biotechnologie/Agrobusiness ist der Agri-Science Park@ICRISAT (ASP), der ebenfalls im Genome Valley liegt. Der Wissenschaftspark dient dem International Crops Research Institute for the Semi-Arid Tropics (ICRISAT) als Schnittstelle zur Privatwirtschaft. Über ihn werden Forschungsergebnisse nutzbar gemacht und Kooperationen mit der Privatwirtschaft angestoßen. Hierfür wurden sechs zentrale Institutionen im Park errichtet:
1. Ag-biotech Innovation Center (AIC)
2. Agri-Business Incubator (ABI)
3. Hybrid Parents Research Consortium (HPRC)
4. Bioproducts Research Consortium (BRC)
5. NutriPlus Knowledge Center (NutriPlus)
6. SAT Eco-Venture
Mehrere Biotechnologieunternehmen haben F&E-Einrichtungen im AIC bezogen. Seit Dezember 2003 gingen bereits 36 Unternehmen aus dem Inkubator hervor. Über 20 Technologien erlangten Marktreife und werden in der freien Wirtschaft eingesetzt. Dazu zählt beispielsweise ein Verfahren für die effiziente Herstellung von Ethanol aus Hirse.
BioGenesis ist eine junge Non-Profit-Organisation. Das "Euro-Indian Health Cluster", wie das Unternehmen im Titelzusatz heißt, versucht Kooperationen zwischen europäischen Health Clustern und Hyderabad anzubahnen. Dabei dient das französische Forschungsinstitut Renaissance als Brückenkopf. Neben Kooperationsgesprächen mit diversen europäischen Firmen, der französischen Regierung und der Europäischen Kommission plant Renaissance bis 2015 die Fertigstellung einer eigenen Forschungsanlage inklusive Krankenhaus in Hyderabad. Als erstes Ergebnis mehrerer Treffen nach der BioAsia gaben Repräsentanten von Biogenesis und der Provence Promotion Economic Development Agency of France bekannt, dass neben Renaissance weitere französische Firmen ca. 200 Millionen Euro in Hyderabad investieren werden.
Ascendas, ein führender Anbieter von Büro- und Laborfläche, betreibt im Nordwesten Hyderabads (Cyberabad) zwei Wissenschafts- bzw. IT-Parks. Cyberpearl und The V bieten moderne Geschäftsräume für IT- und Outsourcing-Unternehmen. Allein in The V arbeiten über 7.000 IT-Spezialisten und nach der beginnenden letzten Ausbaustufe stehen hier gut 60.000 Quadratmeter kommerzielle Fläche zur Verfügung.
An fast allen großen Infrastruktur- und Wirtschaftsprojekten ist die Andhra Pradesh Industrial Infrastructure Corporation (APIIC) beteiligt. 1973 von der Regierung Andhra Pradesh gegründet, verfolgt die APIIC das Ziel, potentielle Wachstumszentren im Andhra Pradesh zu erkennen und zu entwickeln. Neben der technischen (Versorgung, Verkehr, Kommunikation) und sozialen (Wohnungen, Schulen, etc.) Infrastruktur errichtet die APIIC auch Industrie- und Wissenschaftsparks. Dies geschieht zunehmend in Kooperation mit Interessenten oder Investoren (Public Private Partnership). Ein Beispiel hierfür ist HITEC City, die zusammen mit dem größten Bau- und Maschinenbauunternehmen Indiens, Larsen & Toubro, errichtet wurde. Größtes Projekt der APIIC ist momentan ein neues Geschäftsviertel in Manchirevula, westlich von Hyderabad. Herz des Finanzdistrikts soll der 450 Meter hohe APIIC Tower werden. Angaben zur Fertigstellung schwanken zwischen 2012 und 2020.
Die APIIC untersteht dabei der Hyderabad Metropolitan Development Authority (HMDA), welche ein Gebiet von 7,1 Quadratkilometer verwaltet und die verschiedenen Investitionen und Bauvorhaben koordiniert.
Die Einrichtung Andhra Pradesh Technology Development & Promotion Centre (APTDC) ist eine Organisation der Regierung von Andhra Pradesh und der Confederation of Indian Industry. Das APTDC unterstützt die lokalen Unternehmen in den Bereichen Technologietransfer und IPR Management.
Deutsche Akteure spielen im Clustergebiet eine bedeutende Rolle. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt beispielsweise KMU aus dem Pharma- und Textilsektor in den Bereichen Finanzierung, Ausbildung und Marketing. Hierfür arbeitet die GTZ mit großen indischen Banken wie der State Bank of India (SBI), der ICICI, der Industrial Development Bank of India (IDBI) und der Small Industries Development Bank of India (SIDBI) zusammen. Außerdem vermittelt die Gesellschaft Kontakte zu großen deutschen Konzernen, von denen die indischen KMU z.B. durch Zulieferverträge profitieren. Auftraggeber des bis Ende 2011 laufenden Programms ist das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Ferner hat die GTZ eine beratende Funktion für die ökologische Entwicklung Hyderabads und seiner Industrie. Im Rahmen dieses Auftrags richtete die GTZ die International Conference on Eco Industrial Parks aus.
Seit dem 01.07.2006 läuft in Hyderabad das Projekt Future Megacities - Megastädte von morgen, welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. In einer ersten Phase (01.07.2006 - 31.03.2008) erarbeitete das Europäische Institut für Energieforschung, eine Kooperation von Électricité de France (EDF, zu denen auch EnBW gehört) und der Universität Karlsruhe, Konzepte für den Umgang mit schnellem urbanen Wachstum. Basierend auf den Ergebnissen dieses sogenannten SHAKTI-Projekts koordiniert die Humboldt-Universität zu Berlin die zweite Phase des Vorhabens (01.07.2008 - 30.06.2013): Klima und Energie in einem komplexen Transformationsprozess zur Nachhaltigkeit in Hyderabad.
Mit Anbahnungsmitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des Internationalen Büros (IB) wurde außerdem die Initiative Indo-German Liaison Office (IGLO) ins Leben gerufen. Das Kontaktbüro koordiniert die Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung an der Universität Würzburg und dem Centre for DNA Fingerprinting and Diagnostics in Hyderabad.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterhält eine Zweigstelle in Hyderabad.
Weitere Netzwerke oder Ansprechpartner für Indien und Hyderabad:
Die Studie Higher Education and High-Tech Industry in India vom Indian Institute of Management bietet detaillierte Informationen über die Vernetzung von Forschung und freier Wirtschaft in Indien.
5. Bildung, Qualifikation und Fachkräfte
Hyderabad ist das Bildungszentrum des Bundesstaates Andhra Pradesh und eine der wichtigsten Universitätsstädte Indiens. Im Stadtgebiet sind drei zentrale Universitäten ("Central Universities"), zwei staatlich anerkannte Privathochschulen ("Deemed Universities") und sechs regionale Universitäten ("State Universities") ansässig. Hinzu kommen zahlreiche Forschungsinstitute.
- Die Osmania University ist eine öffentliche Hochschule, die 1918 gegründet wurde. Neben dem fast 6,5 Quadratkilometer großen Hauptcampus im Nordosten Hyderabads sind noch zahlreiche weitere Institute an die Osmania University angeschlossen. Das Universitätsnetzwerk mit fast 300.000 Studierenden genießt besonders in den Bereichen Ingenieurwesen und Management einen exzellenten Ruf.
- Für weiterführende Hochschulbildung und angewandte Forschung wurde 1974 die University of Hyderabad gegründet. Der 9,3 Quadratkilometer große Campus liegt ungefähr 20 Kilometer nordwestlich von Hyderabad. Die Hochschule wird vom National Assessment and Accreditation Council (NAAC) mit der besten Note bewertet (A*****); NISSAT (National Information System for Science and Technology) of the Department of Scientific and Industrial Research (DSIR) führt die University of Hyderabad als einzige Universität in der Kategorie "High Input - High Output".
- Nizam's Institute of Medical Sciences ist eine der führenden medizinischen Universitäten Indiens. Die Klinik verfügt über knapp 1.000 Betten.
- Potti Sreeramulu Telugu University ist die führende Hochschule für die lokale Sprache, Telugu.
Weitere bedeutende Forschungseinrichtungen im Cluster sind:
- Indian Institute of Chemical Technology (IICT)
- Centre for Cellular & Molecular Biology (CCMB)
- Centre for DNA Fingerprinting and Diagnostics (CDFD)
- International Institute of Information Technology, Hyderabad (IIIT-H)
- Andhra Pradesh Agricultural University (APAU)
- Indian School of Business (ISB)
- National Institute of Nutrition
- L V Prasad Eye Institute (LVPEI)
- International Advanced Research Centre for Powder Metallurgy and New Materials (ARCI)
- Defence Metallurgical Research Laboratory (DMRL)
- Environment Protection Training and Research Institute (EPTRI)
Da in Indien mehr als 30 Prozent der knapp 1,2 Milliarden Einwohner jünger als 14 Jahre sind, hat der Subkontinent einen Mangel an Hochschulen. Aktuell besuchen nur 12 Prozent der Schulabgänger ein College. Die Regierung hat es sich zum Ziel gemacht, diesen Wert bis zum Jahr 2020 auf 30 Prozent zu erhöhen. Dies soll u. a. durch ein neues Gesetz erreicht werden, welches ausländischen Universitäten den Zugang zum indischen Bildungsmarkt erleichtert ("Foreign Universities Bill"). Über den Gesetzesentwurf wird allerdings in Indien seit über vier Jahren heftig diskutiert, da Gegner eine starke Kommerzialisierung, soziale Ungerechtigkeiten und eine Verringerung der Bildungsqualität fürchten. Aktuell ist es ausländischen Hochschulen nur in Kooperation mit indischen Instituten oder durch Sondergenehmigungen erlaubt, einen Campus auf indischen Boden zu errichten. Diese Unsicherheiten schrecken ausländische Universitäten häufig von einem Engagement in Indien ab. So hat beispielsweise das renommierte Georgia Institute of Technology den geplanten Kauf eines ein Quadratkilometer großen Grundstücks für einen Auslandscampus wiederholt wegen rechtlicher Unsicherheiten verschoben. Stattdessen startet Georgia Tech in Hyderabad ein kleines F&E-Programm in Kooperation mit dem indischen IT-Spezialisten Infosys.
6. Entwicklungsdynamik
Die Regierung des Bundesstaates Andhra Pradesh und die Andhra Pradesh Industrial Infrastructure Corporation (APIIC) planen weitere große Infrastruktur- und Industrieparkprojekte, um nationale und internationale Akteure für Hyderabad zu gewinnen. Dabei steht die Clusteridee im Vordergrund; die Standorte von Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus ähnlichen Wirtschaftszweigen sollen nah beieinander liegen, um so die Vernetzung zusätzlich zu fördern. Neuestes Vorhaben ist die Clusterinitiative Medtech Valley. Die Hyderabad Metropolitan Development Authority (HMDA) gab zur BioAsia 2010 bekannt, dass für das Projekt 0,8 Quadratkilometer zur Verfügung stehen. Interessierte Unternehmen können sich um Parzellen bewerben. Das Gebiet liegt in direkter Nachbarschaft zum Genome Valley, wovon sich die Organisatoren Synergieeffekte und Cross-Innovation erhoffen. Nach Informationen der HDMA haben bereits mehrere Unternehmen Interesse am Standort signalisiert, u. a. auch die Großkonzerne Siemens und Johnson & Johnson. Weitere Großprojekte sind der Waverock IT Park und ein Aero Space Park in der Umgebung Defence Research & Development Organisation. Außerdem baut Infosys derzeit seinen größten Campus in Hyderabad. Der 250 Millionen US-Dollar teure Komplex soll ca. 25.000 Beschäftigte unterbringen. Die endgültige Fertigstellung ist bis 2018 geplant.
Es gibt allerdings auch einige Faktoren, die die Entwicklung von Hyderabad bremsen. So sind die Arbeiten am 0,8 Quadratkilometer umfassenden Knowledge & Innovation Park auf unbestimmte Zeit unterbrochen worden. Die Anlage auf dem Campus der University of Hyderabad wurde von der Universität und der Andhra Pradesh Industrial Infrastructure Corporation (APIIC) geplant und soll(te) zur direkten Schnittstelle von universitärer Forschung und Industrie werden. ICSA India, AlexandriaReal Estate und Aurobindo Pharma werden zwar noch als Bauherren auf der offiziellen Homepage geführt, doch zumindest Alexandria und Aurobindo haben sich aus dem Projekt zurückgezogen. Grund dafür sind Proteste von Studenten und Angestellten, die den Verkauf an ausländische Großinvestoren verhindern wollen. Positiv für Hyderabad ist allerdings, dass beide Unternehmen dem Standort trotz der langwierigen Verzögerung treu bleiben. Aurobindo hat sein indisches F&E-Zentrum in der Nähe von Patancheruvu errichtet und plant, sein Forschungspersonal von 45 auf 200 aufzustocken. Alexandria hat im Rahmen seines Investitionsplans, der rund zehn Milliarden Indische Rupie / INR (über zwei Milliarden US-Dollar) umfasst, bereits ein Gründerzentrum im Genome Valley eröffnet.
Ein schwerwiegenderes Problem für Gesamtindien und speziell den Bundesstaat Andhra Pradesh sind die sogenannten Naxaliten, eine neokommunistische Rebellenorganisation. Ihre Zahl im "Roten Gürtel", wie das Gebiet von Westbengalen über Jharkhand, Orissa, Chhattisgarh, Andhra Pradesh bis Maharashtra mittlerweile genannt wird, beläuft sich auf mehr als 50.000. Neben etlichen Terroraktionen sabotieren die Maoisten gezielt Projekte von Großkonzernen. So wurde z. B. eine 267 Kilometer lange Pipeline des Essar-Konzerns zerstört und ein Neun-Milliarden-Euro-Projekt von Arcelor-Mittal steht auf der Kippe. Nach SPIEGEL-Informationen (Ausgabe 22/2010) macht sich aufgrund dieser Entwicklung auch Unruhe in den Konzernzentralen von Hyderabad breit.



