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1. Kurzprofil

Hyderabad ist mit 6,8 Mio. Einwohnern auf einer Fläche von 650 km² Indiens sechstgrößte Stadt und seit Juni 2014 Hauptstadt der indischen Bundesstaaten Andhra Pradesh und des neu gegründeten Telangana. Diese Doppel-Regelung gilt übergangsweise für maximal zehn Jahre.

Der Cluster ist auch unter dem Namen „Cyberabad“ bekannt, der auf die Rolle Hyderabads als globales Zentrum der Informationstechnologie hinweist. Die thematischen Schwerpunkte des Clusters liegen in IT, Life Science und Biopharmazeutika.

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2. Internationale Anziehungskraft

Hyderabad liegt im Zentrum der Hochebene Dekkan (Bezeichnung für den südlichen Teil des indischen Subkontinents) im Gebiet des 2014 ausgegründeten Bundesstaats Telangana, es ist Finanzzentrum und wirtschaftliches sowie politisches Zentrum der gesamten Region.

Die Stadt ist auch unter der Bezeichnung „City of Pearls“ bekannt, womit auf die lange Tradition Hyderabads im Perlenhandel angespielt wird. Noch heute sind nahezu alle Einwohner des nahe Hyderabad gelegenen Dorfes Chandanpet in der Perlenbearbeitung beschäftigt.

Hyderabad und das nahe gelegene Secunderabad sind sog. „Zwillingsstädte“; beide werden durch den Hussain Sagar-See voneinander getrennt. Hyderabad selbst wird vom 240 km langen Musi-Fluss in Alt- und Neustadt geteilt.

Das BIP Hyderabads beträgt ca. 74 Mrd. USD, die Stadt verfügt über die meisten Sonderwirtschaftszonen (Special Economic Zones, SEZs) in ganz Indien, darunter die Andhra Pradesh Industrial Infrastructure Corporation, die Lonza Group SEZ und die Alexandria SEZ (siehe Kapitel „Thematische Stärkefelder“).

Als Beleg für die nationale wie internationale Anziehungskraft Hyderabads dürfen folgende Auszeichnungen gelten:

• Laut der Statistik-Website citymayors.com wird Hyderabad 2020 in der Liste der reichsten Städte und Metropolregionen der Welt mit einem BIP von (prognostizierten) 92 Mrd. USD Platz 82 in der Welt belegen.

• In dem von der Nachrichtenwebseite indiatoday erstellten Ranking India’s Best Cities, in dem Indiens Städte in insgesamt neun Kategorien untersucht wurden, belegte Hyderabad 2013 den vierten Platz.

Lonely Planet zeichnete Hyderabad als The World's third best city to visit im Jahr 2013 aus.

• Im März 2012 wurde Hyderabad – als erste indische Stadt überhaupt – zur Best Heritage City of India ausgezeichnet. Die Metropole zieht jedes Jahr rund 1,7 Mio. indische und 40.000 ausländische Touristen an.

Für den Zeitraum von April 2012 bis März 2013 konnte Hyderabad ausländische Direktinvestitionen in Höhe von ca. 1,16 Mrd. USD verbuchen.

Das Balkendiagramm stellt die Summe der ausländischen Finanzdirektinvestitionen in den Cluster Hyderabad im Zeitraum von April 2011 bis Oktober 2013.
Grafik: VDI TZ; Quelle: fDi Intelligence

An allen durch ausländische Direktinvestitionen in den indischen TMT-Sektor (Technologie-, Medien- und Telekom-Unternehmen) geschaffenen Arbeitsplätzen im Zeitraum 2007 bis 2012 verbucht Hyderabad den zweithöchsten Anteil mit 13,2 Prozent. Für denselben Zeitraum beträgt der Anteil Hyderabads an der Gesamtsumme aller in die indische Finanzdienstleistungsbranche getätigten Finanzdirektinvestitionen 8,6 Prozent, womit nur Mumbai (24,9 Prozent) einen noch größeren Anteil vorweisen kann. Der Anteil an allen indischen FDI-Projekten lag im selben Zeitraum bei 6,8 Prozent.

Das Diagramm stellt die Summe der ausländischen Direktinvestitionen, der dadurch entstandenen Arbeitsplätze und die Anzahl der Projekte in sechs indischen Städten und Regionen für den Zeitraum von 2007 bis 2012 dar. Dabei fällt auf, dass die National Capital Region um Neu-Delhi mit einer Summe von insgesamt 602 Projekten und 19,9 Mrd. USD FDI-Zuflüssen gemeinsam mit Chennai und Bengaluru die attraktivste Region für ausländische Direktinvestitionen darstellt.
Grafik: VDI TZ; Quelle: EY’s attractiveness survey - India 2014 (NCR: Nationales Hauptstadtterritorium Delhi)

Ein Vergleich der größten indischen Städte im Bezug auf die dorthin getätigten Finanzdirektinvestitionen für den Zeitraum von 2007 bis 2012 zeigt, dass Hyderabad im Vergleich mit Metropolen wie Mumbai, Pune und Delhi (bzw. dem Nationalen Hauptstadtterritorium Delhi) etwas weniger Finanzdirektinvestitionen anzieht. Die Anzahl der durch FDIs in Hyderabad geschaffenen Arbeitsplätze liegt für den genannten Zeitraum bei über 70 Tsd.

Mit dem Hyderabad International Convention Center (HICC) in der HITEC City (Hyderabad Information Technology Engineering Consultancy City) verfügt der Cluster über das größte und modernste Kongresszentrum in Indien. Das HICC veranstaltet jährlich einige der bedeutendsten Messen in Asien und ist auch Ausrichter verschiedener Kongresse mit wechselndem Veranstaltungsort. Zu den Messen im Cluster zählen:

• Das Bio Asia Global Business Forum, das alljährlich im Februar unter der Federführung der Federation of Asian Biotech Associations (FABA), der All India Biotech Association (AIBA) und der Universität von Hyderabad veranstaltet wird

• Ende Mai 2014 die 36. International Conference on Software Engineeringhttp://2014.icse-conferences.org/ in Hyderabad

• Der Cities for all (11. Metropolis World Congress) Anfang Oktober 2014

International Association for Media and Communication Research-Messe 2014

• Die 12th Global Conference on Ageing fand Anfang Juni 2014 in Hyderabad statt.

Der Rajiv Gandhhi International Airport in Shamshabad, 22km südwestlich von Hyderabad, wurde im März 2008 eröffnet und 2013 zum besten Flughafen Indiens ausgezeichnet, im selben Jahr fertigte er 8,6 Mio. Passagiere und ca. 87.000 Tonnen Ladung ab. Neben Flügen in alle großen indischen Städte gibt es tägliche Verbindungen zu wichtigen internationalen Luftfahrtknoten wie Frankfurt, London, Brüssel, New York oder Chicago.

Die Grundstückspreise sind verglichen mit anderen indischen Metropolregion vergleichsweise günstig: im Schnitt liegen die Preise hier 30 Prozent niedriger als in Bangalore und sogar 50 Prozent niedriger als in Mumbai.

Internationale Organisationen, denen Clusterakteure Hyderabads angehören, sind beispielsweise die Federation of Asian Biotech Associations (FABA) und das Pharmaceutical Export Promotion Council (PHARMEXCIL).

3. Thematische Stärkefelder

Die Stärken Hyderabads liegen in IT, Life Science und Biopharmazeutika, weitere in der Luftfahrt und der Verteidigungsindustrie. Zusätzlich ist Hyderabad ein wichtiger indischer Filmproduktionsstandort („Tollywood“) mit einem Bruttoeinspielergebnis von 190 Mio. USD in 2013.

3.1 Life Science und Pharma

Der Cluster verfügt über den am schnellsten wachsenden Gesundheitssektor in ganz Indien; mehr als 500 Pharmaunternehmen sind hier registriert, dazu kommen zahlreiche Forschungsinstitute und Labore, Universitäten und Berufsschulen. 2010 wurde ein Drittel aller indischen Medikamente sowie ca. 16 Prozent aller biotechnologischen Produkte in Hyderabad hergestellt, 20 Prozent aller indischen Pharma-Exporte stammen mittlerweile aus Hyderabad. Hyderabad ist Standort diverser Exzellenzentren („Centers of Excellence“) biotechnologischer Forschung und Ausbildung.

Das Zentrum der Pharmaindustrie und der Life Sciences in Hyderabad ist das Genome Valley. Auf einer Fläche von 600 Quadratkilometern haben sich mehr als 100 Biotechnologieunternehmen angesiedelt. Zentrum des Clusters sind der IKP Knowledge Park, der Alexandria Knowledge Park und der ICRISAT Agri-Business Incubator (mehr dazu im Kapitel „Akteure und Netzwerke“). 

Der Grund für den Erfolg des pharmazeutischen Sektors in Hyderabad wird im stark ausgeprägten technischen Know-How der Unternehmer in Hyderabad, deren Arbeitserfahrung in pharmazeutischen Organisationen sowie den proaktiven Maßnahmen der Staatsregierung in Andhra Pradesh gesehen.

Das Diagramm zeigt die Struktur der Pharmabranche in Hyderabad anhand der Anzahl der kleinen und mittleren Unternehmen in den Geschäftsfeldern "Massenarzneimittel" und "Formulierungen". Mittlere Unternehmen mit Konzentration auf Massenarzneimittel überwiegen, ihre Zahl liegt bei 150.
Grafik: VDI TZ; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

Anfang 2014 wurde bekannt, dass das Schweizer Biotechnologie- und Pharmaunternehmen Novartis einen Bürokomplex für 8.000 Mitarbeiter angemietet hat, bislang beschäftigt Novartis in Hyderabad 2.300 Mitarbeiter.

3.2 IT-Industrie

Seit den neunziger Jahren siedelten sich im Zuge des Internetbooms Softwareunternehmen, Dienstleister für Business Process Outsourcing, also der Auslagerung ganzer Geschäftsprozesse, und Unternehmen für weitere technologische Dienstleistungen in Hyderabad an. Das sehr gute Angebot an Fachkräften (gerade im Bereich Mathematik und Technologie) und die im Vergleich niedrigen Lohnkosten haben recht schnell zu der Ansiedlung großer multinationaler Technologieunternehmen wie etwa Facebook, Google, Amazon, Oracle, Texas Instruments, IBM, Motorola etc. geführt. 2013 stammten mehr als 12% aller indischen Exporte im Bereich IKT aus der Region Hyderabad. Ende 2013 hatten sich mehr als 1.000 IT- und ITes („Information Technology Enabled Services")-Unternehmen in Hyderabad mit knapp 500.000 Beschäftigten in Hyderabad angesiedelt.

Auch Microsoft unterhält in Hyderabad bereits seit 1998 ein Entwicklungszentrum: Hier wird u.a. "BizTalk360", eine Unternehmenssoftware zur Automatisierung von Geschäftsprozessen, entwickelt. Es ist das größte Microsoft-Entwicklungszentrum außerhalb der USA.

Laut einer Datenerhebung des sozialen Netzwerks LinkedIn im Juni 2014, in der die Daten von 300 Mio. LinkedIn-Profilen ausgewertet wurden, ist der Anteil an IT-Experten unter den neu zugezogenen Bewohnern in den indischen Metropolen so hoch wie nie und übertrifft sogar die Werte im Silicon Valley. So lag der Anteil von IT-Experten unter den nach Hyderabad Zugezogenen bei 43%. Auch wenn die Analyse nur über begrenzte Aussagekraft verfügt, da ausschließlich Daten aus dem sozialen Netzwerk ausgewertet wurden, unterstreicht sie doch Hyderabads Stellung als IT-Zentrum von Weltrang.

Das Diagramm stellt auf Grundlage von Datenerhebungen des sozial Netzwerks LinkedIn einen Vergleich des Anteils der qualifizierten Fachkräfte im High-Tech-Bereich an allen neuzugezogenen Einwohnern im internationalen Vergleich. Interessant ist, dass die vorderen vier Plätze ausschließlich durch indische Städte belegt werden und Hyderabad mit einem Anteil von 43 Prozent auf dem dritten Platz liegt. Damit hat der Cluster auch Regionen wie etwa Seattle und die San Francisco Bay Area hinter sich gelassen.
Grafik: VDI TZ; Quelle: blog.linkedin.com

Zentrum der IT-Industrie Hyderabads ist die „HITEC-City Hyderabad (Hyderabad Information Technology and Engineering Consultancy City)“, eine 61 ha großen Entwicklungsfläche, die sich über die nordwestlichen Stadtteile Madhapur, Gachibowli, Kondapur, Manikonda und Nanakramguda erstreckt. Die HITEC City bietet sowohl generische Anlagen als auch solche, die individuell an den Mieter angepasst werden, und richtet sich sowohl an multinationale als auch an kleine und mittlere Unternehmen mit Büroflächen von 230m² aufwärts. In der Entwicklungsfläche befinden sich wiederum auch kleinere IT-Parks wie z.B. L&T Infocity, Hitech City 2 SEZ, Vanenbug IT Park (The V), Mindspace Cyberabad SEZ, DLF IT SEZ, Tech Mahindra IT SEZ, TCS Synergy Park IT SEZ etc.

Im September 2013 beschloss die indische Regierung die Einrichtung einer ICT Investment Region (ITIR) in Hyderabad, in der drei u.a. Ausbildungs- und Forschungszentren geplant sind. In der Entwicklungszone, deren Investitionssumme insgesamt 35 Mrd. USD beträgt, sind des weiteren diverse Sonderwirtschaftszonen und Industrieparks geplant, die sich vornehmlich an kleinere und mittlere IKT-Unternehmen richten sollen.

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4. Akteure und Netzwerke

Die HITEC City ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Larsen & Toubro (89%) und der Andhra Pradesh Industrial Infrastructure Corporation (11%), zu deren Mietern Unternehmen wie Microsoft, Oracle und GE Capital zählen.

Der Schwerpunkt der zweiten Phase des Baus lag auf dem Cyber Gateway, einem sehr großen, bogenförmigen Gebäude, das das Tor zur HITEC City markiert. Das Cyber Gateway (zweite Bauphase) ist mit seinen über 80.000m² Büroräumen zugeschnitten auf ITes und der Ausgliederung von Geschäftsprozessen.

Die Andhra Pradesh Industrial Infrastructure Corporation ist eine Regierungsinitiative zur Einrichtung und Entwicklung von Sonderwirtschaftszonen und Industrieparks in Andhra Pradesh. 1996 gegründet, ist die Organisation heute für die Einrichtung von mehr als 600 Industrieparks verantwortlich. Sie befindet sich zu 100 Prozent im Besitz der Regierung von Andhra Pradesh.

Die Hyderabad Metropolitan Development Authority (HMDA) wurde 2008 durch den Bundesstaat Andhra Pradesh gegründet. Sie verfügt in der Summe über 7,3 km² Entwicklungsflächen (nur übertroffen von der Bangalore Metropolitan Region Development Authority, die über 8 km² verfügt). Die Aufgaben der HMDA liegen in der Planung, Koordination, Beaufsichtigung, Förderung sowie Sicherstellung der geplanten Entwicklung. Sie koordiniert zudem die Entwicklungstätigkeiten der Stadtverwaltung und Kommunalbehörden in der Metropolregion Hyderabad. Eine Karte des vollständigen Zuständigkeitsbereichs der HMDA findet sich hier.

Die 1988 gegründete „National Association of Software and Services Companies“ (NASSCOM) ist ein Wirtschaftsverband für die indische IT- und BPO-Industrie (business process outsourcing, die Auslagerung von Geschäftsprozessen) mit Sitz in Neu Delhi. Fast 10 Prozent der über 1.500 Mitglieder haben ihren Sitz in Hyderabad. Mit über 150 Mitglieds-Unternehmen in den USA, Großbritannien, der Europäischen Union, Japan und China besitzt die NASSCOM eine starke internationale Ausrichtung, Ziel des Verbandes ist die Förderung der IT- und BPO-Industrie sowie der Entwicklung von Softwaretechnologie. In Hyderabad befindet sich ein Regional-Büro der NASSCOM.

Ein weiterer IT-Branchenverband im Cluster ist die „IT and ITes Industry Association“ (ITSAP). Sie hat ihren Schwerpunkt in Hyderabad bzw. Andhra Pradesh und zählt über 300 Mitglieder.

Das bereits erwähnte Genome Valley ist eine 600km² große High-tech-Entwicklungszone, die insbesondere für die Forschung, Ausbildung und Fertigung in der Biomedizin eingerichtet wurde. Geographisch erstreckt sich die Zone über die Stadtbezirke Shameerpet, Medchal, Uppal, Patancheru, Jeedimeetla, Gachibowli und Keesara.

Innerhalb des Genome Valley befinden sich eigenständige Einheiten, zu den wichtigsten zählen der IKP Knowledge Park und der Alexandria Knowledge Park sowie mehrere Sonderwirtschaftszonen, darunter die „Andhra Pradesh Industrial Infrastructure Corporation, SEZ“, die „Lonza Group“ und „Alexandria“.

Das Genome Valley kann in in vier Zonen unterteilt werden: Die westliche „Technology Zone“ mit der University of Hyderabad (siehe Kapitel „Bildung, Qualifikation und Fachkräfte“) und der HITEC City, der „Traditional Pharma Zone“ im Nordwesten, der „Life Science Zone“ im Nordosten und der „Knowledge Zone“ (mit der Osmania Universität) im Osten der Stadt.

Die Karte zeigt die Aufteilung des Genome Valley in Hyderabad in die vier Zonen: Traditional Pharma Zone, Life Science Zone, Technology Zone und Knowledge Zone.
Grafik und Quelle: Genome Valley

In der „Life Science Zone“ konzentriert sich der Großteil der Investitionen; über 100 Unternehmen aus den Bereichen Agri-Biotech, Forschungsdienstleistungen, Biopharmazeutika und Impfstoff-Produktion haben sich hier angesiedelt. Auch die für das US-amerikanische Arzneibuch zuständige United States Pharmacopeia (USP) hat eine Repräsentanz im IKP Knowledge Park.

Der IPK Knowledge Park (0,8 km²) wird als einer der beispielhaftesten FuE-Parks in Indien gesehen. Zu Beginn war es das Ziel, kleinen und mittleren Unternehmen aus Biotechnologie und Pharma die Möglichkeit zu bieten, in geteilten Laborräumen eigene Forschung und Entwicklung zu betreiben. Später begann man auch mit der Förderung junger Start-Ups.

Derzeit bietet der IKP Knowledge Park ca. 40 FuE-intensiven Unternehmen einen Standort, darunter 30 Unternehmen, die sich auf Pharmazeutika, Biotechnologie oder Chemie konzentrieren. Ungefähr 70 Prozent der Unternehmen betreiben Technologie bzw. Produktentwicklung, während die restlichen 30 Prozent sich auf Auftragsforschung konzentrieren.

Der Alexandria Knowledge Park ist ein Public-Private-Partnership-Projekt, an dem die Regierung von Andhra Pradesh mitbeteiligt ist. Auf 1,2 km² siedeln sich indische und internationale FuE-Zentren an.

Auch im Bereich der Finanzierung von Unternehmensgründungen ist die Internationalisierung im Cluster spürbar: So rief hat die Venture-Capital-Organisation Invest Hong Kong Anfang Juli 2014 das „StartmeupHK Venture Programme“ in Hyderabad ins Leben.

Das  Council of Scientific and Industrial Research (CSIR) ist die größte FuE-Einrichtung Indiens mit 37 Laboratorien und 39 erweiterten Zentren im ganzen Land, es wird zum größten Teil vom indischen Ministerium für Wissenschaft und Technologie finanziert. Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten des CSIR erstrecken sich über die Gebiete Raumfahrttechnik, Bautechnik, Meeres- und Geowissenschaften, Lebenswissenschaften, Metallurgie, Chemikalien, Bergbau, Lebensmittelwissenschaften, Umweltwissenschaften u.a.

Mit dem Centre for Cellular and Molecular Biology (CCMB), dem Indian Institute of Chemical Technology (IICT) und dem National Geophysical Research Institute (NGRI) befinden sich gleich drei Forschungszentren des CSIR in Hyderabad.

Deutsche Brückenköpfe im Cluster

2012 wurde die Indo-German Environment Partnership (IGEP) der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) ins Leben gerufen. Gemeinsam mit der Indo-German Environment Partnership der GIZ hat die Telangana State Industrial Infrastructure Corporation (TSICC) einen Fünf-Punkte-Plan mit dem Titel „Retrofitting of Existing IT-Parks in Cyberabad Zone“ ausgearbeitet und im Juli 2014 vorgestellt. Darin werden konkrete Maßnahmen benannt, um die Industrieparks im Hinblick auf ihre Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit nachzurüsten, wie etwa durch die Integration eines Abfallmanagements, Regenwasseraufbereitung und die Förderung von fahrradfreundlichen Arbeitswegen. Nach der Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie sollen mit ausgesuchten Gebäuden und Unternehmen Pilotprojekte realisiert werden. Unternehmen, die im Zuge dieser Maßnahmen Umweltberater einstellen, werden mit finanziellen Förderungen in Höhe von 500.000 INR (umgerechnet ca. 6.100 EUR) belohnt. Die GIZ ist seit nunmehr 60 Jahren in Indien aktiv.

Bereits 2013 wurde von den beiden Kooperationspartnern der einmonatige „Industrial Environmental Improvement Drive“ veranstaltet. Mit der gleichzeitig in 75 Industrieparks in Andhra Pradesh koordinierten Aktion wurden Akteure und Unternehmen durch Gespräche mit Umweltexperten für Themen wie Ökoeffizienz sensibilisiert. In den Industrieparks wurden zusätzlich insgesamt 100.000 Pflanzen gesetzt.

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5. Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Die Alphabetisierungsrate im Cluster (ca. 83 Prozent) ist höher als der nationale Durchschnitt (ca. 74 Prozent). Hyderabad ist eines der wichtigsten Bildungszentren im südlichen Indien, es existieren (analog zu den Hochschultypen in Indien) zwei Zentraluniversitäten (central universities), drei private Hochschulen mit Universitätsstatus (deemed universities) und sechs bundesstaatliche Universitäten (state universities).

Deutlich ist, dass die Studierenden vor allem Studiengänge im Bereich der Ingenieur und Naturwissenschaften wählen, speziell Elektro- und Computertechnik (siehe nachfolgende Grafik).

Die Grafik zeigt die Zusammensetzung der Ingenieurabsolventen in Hyderabad, aufgeteilt nach Fachbereichen. Die meisten Ingenieure spezialisieren sich im Cluster demnach auf den Bereich Elektro- und Computeringenieurwesen.
Grafik: VDI TZ; Quelle: ITSAP

Die 1918 gegründete Osmania Universität (OU) ist eine der ältesten Universitäten Indiens, sie stellt mit über 300.000 Studenten auf den Campussen und assoziierten Fachschulen das größte Universitätssystem auf dem indischen Subkontinent dar; rund 3.700 Studenten sind internationaler Herkunft. Der Hauptcampus befindet sich im Nordosten Hyderabads und verfügt über eine Fläche von 6,5 km². Zur OU gehören außerdem eine Vielzahl ingenieurswissenschaftlicher und technischer Institute, wie etwa das Indian Institute of Technology (IIT Hyderabad), das unter anderem mit Mercedes Benz kooperiert. Weitere mit OU assoziierte Institute sind etwa:

Jawaharlal Nehru Technological University
International Institute of Information Technology
Birla Institute of Technology and Science (BITS)

Die OU genießt besonders in den Ingenieurs-, Rechts-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften einen exzellenten Ruf. Zu den Alumni der OU zählen bekannte indische Persönlichkeiten, wie etwa der frühere indische Premier Narasimha Rao.

Die University of Hyderabad (UoH) wurde 1974 für die weiterführende Hochschulbildung und die angewandte Forschung gegründet. Der 9,3 km² große Campus der Universität liegt rund 20 km nordwestlich von Hyderabad. Die UoH wurde von der indischen Kommission für Universitätszuschüsse als „Universität mit dem Potenzial zur Exzellenz“ („University with Potential for Excellence“) ausgezeichnet, vom National Assessment and Accreditation Council (NAAC) wurde die Universität mit der bestmöglichen Bewertung A***** bewertet. Sie zählt zu den zehn besten Universitäten Indiens. Die Hochschule ist in der Association of Indian Universities (AIU) sowie der Association of Commonwealth Universities (ACU) organisiert.

Eine weitere wichtige Bildungseinrichtung im Cluster ist die Indian School of Business in Hyderabad (ISB), die im Business School Ranking der Financial Times 2014 den 36. Platz belegte.

Berufsschulen im Cluster sind u.a. die National Academy of Construction und das National Institute of Fashion Technology in Hyderabad.

Die English and Foreign Languages University (EFLU) kooperiert mit der TU Dresden. Sie verfügt über insgesamt vier Campusse in Lucknow, Shillong und Malapuram. Die EFLU wurde 2007 der Rang einer central university verliehen, es werden sprach- und literaturwissenschaftliche Studiengänge in Englisch, Arabisch, Französisch, Deutsch, Japanisch etc. angeboten.

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6. Entwicklungsdynamik

Narendra Modi löste im Mai 2014 Manmohan Singh nach über zehn Jahren als indischen Premierminister ab. Auch deutsche Unternehmer in Indien erwarten, dass sich Modi neben der Vereinfachung der Verwaltung und der Eindämmung der Korruption auch der Senkung der indischen Inflationsrate widmen wird, die sich seit einigen Jahren auf einem verhältnismäßig hohen Niveau bewegt.

Das Diagramm stellt die Entwicklung der indischen Inflationsrate von 2003 bis 2013. Die Inflationsrate bewegte sich von 2003, wo sie etwa 3,7 Prozent betrug, bis 2010, wo ein Wert von ca. 12 Prozent erreicht worden war, stetig bergauf. Seit 2011 sank die Inflationsrate erstmals wieder leicht auf 8,8 Prozent, 2013 lag sie jedoch immer noch bei 9,6 Prozent.
Grafik: VDI TZ; Quelle: de.statista.com

Darüber hinaus versprach Singh, u.a. das Steuersystem zu vereinfachen und weitere notwendige Reformen anzugehen. Indien belegt im Ease of Doing Business Report 2014 der Weltbank nur den 134. Platz, allein in der Kategorie „Kreditvergabe“ erreicht Indien einen guten 28. Platz.

Die mehrjährige Diskussion (und die damit verbundene politische Unklarheit) um die schließlich 2014 erfolgte Ausgründung Telanganas hatte im entsprechenden Zeitraum für einen leichten Rückgang in den Finanzdirektinvestitionen in Hyderabad (besonders im IT-Sektor) gesorgt. Auch wenn die Teilung nun vollzogen und die politische Situation geklärt ist, droht Hyderabad Konkurrenz aus Seemandhra (der umgangssprachliche Name für Andhra Pradesh ohne das Gebiet Telangana), da Städte wie Vizag, Vijayawada, Kakinada und Tirupati aufgrund steuerlicher Vorteile von besonderer Attraktivität für IT-Unternehmen aus Hyderabad sind.

Gerade die Stadt Vizag verfügt darüber hinaus auch über eine hervorragende Versorgung mit Fachkräften: Die drei Universitäten zeichnen jährlich für allein rund 35.000 IT-Absolventen verantwortlich. International bahnt sich im Bereich des Business Process Outsourcing (BPO) ein weiterer Konkurrent für den Cluster (und Indien als Ganzes) an: Die Philippinen überholten Indien als Land mit der größten BPO-Industrie weltweit bereits im Jahr 2010.

Auch um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, wird der Status Hyderabads als IT-Standort von Weltrang derzeit ausgebaut: Der Bundesstaat Telangana plant, Hyderabad zum Zentrum von Hardware-Unternehmen und „Electronic System Design Manufacturing (ESDM)“ zu machen. Dazu sollen vor allen Dingen Investitionen und Ansiedlungen in die beiden SEZ’s „e-City Manufacturing Cluster“ und „Maheshwaram Science Park“ gefördert werden. Im Juli 2014 wurde auch bekannt, dass der Bundesstaat Andhra Pradesh Investitionen in den IT-Sektor mit einem Volumen von 7 Mrd. USD plant.

Laut der Studie “Future Trends and market opportunities in the worlds largest 750 cities” wird Hyderabad bis 2030 mit einem Bevölkerungszuwachs von 3,6 Mio. den achtzehntgrößten Bevölkerungszuwachs der Welt erreichen.

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Redaktion: 11.09.14, von: Nils Demetry, VDI Technologiezentrum GmbH