BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
Kooperation International
 

1. Kurzprofil

Die französische Stadt Toulouse hat eine lange Tradition in der Luftfahrtindustrie und ist Hauptsitz des europäischen Flugzeugherstellers Airbus. Sie liegt im Süden Frankreichs an der Garonne und ist Hauptstadt der zweitgrößten französischen Region Midi-Pyrénées. Der Großraum Toulouse hat 1,1 Millionen Einwohner; in der Stadt selbst leben 440.000 Menschen (2008). 

Im Rahmen des 2004 von der französischen Regierung initiierten ressortübergreifenden, gleichnamigen Programms sind im Clustergebiet Toulouse drei Pôles de compétitivité ausgezeichnet worden. Das Aerospace Valley fördert die Sektoren Luft- und Raumfahrt sowie verwandte Technologien in den Regionen Midi-Pyrénées und Aquitanien. Hierbei handelt es sich um ein international ausgerichtetes Kompetenzzentrum ("Pôles mondiaux"). Die beiden anderen Exzellenzcluster, Agrimip Innovation für Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie sowie Cancer-Bio-Santé für Gesundheit, Biotechnologie und Krebsforschung, haben keine explizit internationale Ausrichtung - sie haben den Status autres pôles (dt.: andere Pole). Viele der beteiligten Akteure sind allerdings global vernetzt und binden internationale Partner auf diese Weise in die Kompetenzzentren ein.

Toulouse gilt nach Paris und neben Lyon als wichtigster Bildungsstandort Frankreichs. Die Stadt beheimatet die Universitäten Toulouse IToulouse II und Paul Sabatier (Toulouse III) sowie fünfzehn Grandes Écoles. Diese Elitehochschulen sind praxisorientierter als Universitäten und genießen in Frankreich einen exzellenten Ruf. Thematisch decken die Schulen in Toulouse hauptsächlich die Ingenieur- und Agrarwissenschaften ab. Sie bilden damit ein wichtiges Fundament für die drei ansässigen Pôles de compétitivité. Insgesamt besuchen rund 100.000 Studierende die höheren Bildungseinrichtungen im Clustergebiet.

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2. Internationale Anziehungskraft

Der Cluster Toulouse hat eine große internationale Anziehungskraft. Staatlich geförderte Exzellenzprogramme, renommierte Universitäten, Forschungsinstitute und Grandes Écoles sowie internationale Konzerne sorgen für ein positives Investitionsklima. Toulouse ist der am schnellsten wachsende Ballungsraum Frankreichs. Die Bevölkerungszahl der Metropolregion (1,1 Millionen Einwohner) hat sich seit 1982 (645.000 Einwohner) fast verdoppelt. Das Convention Bureau Toulouse spricht von 200.000 Zuzügen seit dem Jahr 2000. Mit 37,8 Jahren hat die Region Midi-Pyrénées zudem den niedrigsten Altersdurchschnitt Frankreichs.

Das Bevölkerungswachstum wird angetrieben von der positiven wirtschaftlichen Entwicklung des Clustergebiets. Für 2011 prognostiziert das Wirtschaftsforschungsinstitut Asterés der Region Midi-Pyrénées ein Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent. Damit liegt das Clustergebiet in der am schnellsten wachsenden Region auf dem französischen Festland (Korsika: 2,4 Prozent). Mit Ausgaben von 4,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung- und Entwicklung (FuE) zählt die Region Midi-Pyrénées zudem zu den führenden FuE-Standorten in Frankreich.

Die Anziehungskraft wird außerdem durch die günstige Lage verstärkt. Toulouse ist durch den Canal du Midi mit dem Mittelmeer und durch den Canal de Garonne mit dem Atlantik verbunden. Der Garonne-Kanal dient zum Transport von großen Airbus-Teilen. So werden beispielsweise die in Chester gefertigten Flügel des A380 über den Kanal nach Toulouse zur Endfertigung transportiert. Außerdem verbindet der Kanal den Cluster mit dem Wirtschaftsraum Bordeaux, der über das Clusterprogramm Aerospace Valley eng mit Toulouse zusammenarbeitet. Beim Transport über den Wasserweg ist wegen historischer Bebauung allerdings ein niedriger Pegelstand und häufig auch das Umladen auf kleinere Schiffe erforderlich.

Der Aéroport Toulouse-Blagnac ist der größte Flughafen im Clustergebiet. Er dient als Produktionsstandort für Airbus und verbindet Toulouse mit wichtigen internationalen Wirtschafts- und Bildungsstandorten. 2010 beförderte er 6,4 Millionen Passagiere und 53.000 Tonnen Luftfracht. Aktuell wird die Kapazität auf neun Millionen Passagiere erhöht. Die Arbeiten sollen bis 2015 abgeschlossen sein. Es bestehen regelmäßige Verbindungen nach Frankfurt, München und Düsseldorf. Rund 70 Flüge bedienen täglich die Strecke Toulouse-Paris. Der Flughafen liegt acht Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums von Toulouse in Blagnac.

Auf dem Flughafengelände bzw. in unmittelbarer Nähe gelegen sind folgende Unternehmenszweige und Produktionswerke der Airbus-Gruppe: Endfertigung A320, Endfertigung A330/A340, Endfertigung A380, Airbus Delivery CentreDesign Office Toulouse, Airbus Transport International und das Ausbildungszentrum Toulouse.Der Flughafen war Schauplatz einiger bedeutender Ereignisse der Luftfahrtgeschichte. Von hier starteten die Flugzeuge Concorde und A380 zu ihren Jungfernflügen und er war Heimatflughafen des Piloten und Autors Antoine de Saint-Exupéry.

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3. Thematische Stärkefelder

Das Gütesiegel "Pôle de compétitivité" wird auf Beschluss des interministeriellen Ausschusses für Raumordnung und regionale Wettbewerbsfähigkeit (Comité interministériel d’aménagement et de compétitivité des territoires) vergeben. Die im Clustergebiet angesiedelten Pôles aus den Sektoren Luft- und Raumfahrt, Gesundheit/Biotechnologie sowie Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie repräsentieren demnach auch die thematischen Stärkefelder des Clusters Toulouse.

Der wichtigste Industriezweig und das größte Stärkefeld des Clusters Toulouse ist die Luft- und Raumfahrtindustrie. Im Aerospace Valley, welches die Regionen Midi-Pyrénées und Aquitaine - und damit v.a. die Wirtschaftsräume Toulouse und Bordeaux - verbindet,  sind in diesem Sektor rund 1.600 Betriebe mit 120.000 Mitarbeitern aktiv. Hinzu kommen 8.500 Forscher. Im Pôle de compétitivité Aerospace Valley sind 550 dieser Unternehmen organisiert und vernetzt. Die Region ist Weltmarktführer in folgenden Technologiebereichen:

  • Verkehrsflugzeuge mit über 100 Sitzen
  • "High-end general aviation
  • Gasturbinen für Helikopter
  • Fahrwerkssysteme
  • Fernerkundung, Datenerfassung und Ortung

Hinzu kommen diverse Bereiche, in denen das Aerospace Valley die europäische Marktführerschaft beansprucht. Dazu zählen beispielsweise Satellitensysteme, Militärflugzeuge, Start- und Antriebstechnologien für Raketen, eingebettete System für die Automobilindustrie und Cockpitsysteme.

Die Sektoren Gesundheit, Medizin und Biotechnologie bilden das zweite Stärkefeld des Clusters. Folgende Zahlen (2010) belegen die Bedeutung, welche diese Sektoren für das Clustergebiet haben:

  • 130 Unternehmen mit 9.000 Angestellten im Gesundheitssektor
  • 8.000 Mitarbeiter in pharmazeutischen Unternehmen
  • mehr als 3.600 Forscher
  • über 600 Professoren in den sogenannten Lebenswissenschaften ("Life Sciences")

Die Unternehmen aus den Sektoren Gesundheit, Medizin und Biotechnologie decken die gesamte Wertschöpfungskette ab. Der für die Region bedeutendste Pharma- und Kosmetikkonzern ist Laboratoires Pierre Fabre, der seinen Hauptsitz in Castres, rund 70 Kilometer östlich von Toulouse, hat. Aber auch andere multinationale Unternehmen sind im Gesundheitssektor des Clustergebiets aktiv. Hierzu zählen beispielsweise Sanofi-Aventis, Thalès, GlaxoSmithKline, IBM, Siemens, GE Healthcare oder Lallemand.

Das dritte Stärkefeld ist Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie. Mit 25.000 Angestellten in mehr als 4.000 Betrieben ist die Nahrungsmittelindustrie einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige in der Region. 

Von dem hohen Maß der Vernetzung von Akteuren und dem hohen Innovationspotential profitiert zunehmend auch ein weiterer Bereich im Clustergebiet: die sogenannte "Green Economy", als Erneuerbare Energien und Umweltwissenschaften. 1.800 Unternehmen mit mehr als 15.000 Angestellten sind in diesem Sektor bereits aktiv. Zu den bekanntesten zählen Veolia, Suez Environnement, Arcadis, Sopave, Tarmac und Tenesol. 

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4. Akteure und Netzwerke

Die Clusterorganisation Aerospace Valley wurde 2005 gegründet und hat den Status einer Non-Profit-Organisation (NPO). Einen Monat nach Gründung bekam Aerospace Valley von der französischen Regierung der Status eines internationalen Spitzenclusters zugesprochen (Pôle mondiaux). Die NPO vereint 550 Unternehmen des Luft- und Raumfahrtsektors und ist in den Regionen Midi-Pyrénées (Toulouse) und Aquitanien (Bordeaux) aktiv.

Hauptziel des Aerospace Valley ist die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Laut dem Nationalen Institut für Statistik und Wirtschaftsforschung INSEE wurden allein von 2007 bis 2010 11.000 neue Stellen im Aerospace Valley geschaffen. Geholfen hat dabei u.a. eine bei der Luftfahrtschau in Paris 2009 unterzeichnete dreijährige Vereinbarung (2009-2011), nach der die französische Regierung und kommunale Behörden eng mit dem Aerospace Valley in den Bereichen internationale Märke und wirtschaftliche Entwicklung im Clustergebiet zusammenarbeitet. Hierfür wurden acht Zielvorstellungen formuliert.

Als führender europäischer Standort der Luft- und Raumfahrt ist das Aerospace Valley Mitglied der European Aerospace Cluster Partnership (EACP). Das Partnerschaftsprogramm entstand aus einem Projekt von PRO INNO Europe und bietet den Mitgliedsverbänden eine Plattform zum Austausch von Wissen, Erfahrungen und Informationen. Außerdem hilft die EACP beim Aufbau von nachhaltigen Geschäftsbeziehungen und Forschungskooperationen zwischen den Clusterakteuren. Die EACP unterteilt sich in drei Arbeitsgruppen: Qualifikationen und InnovationenStrategie und Internationalisierung. Mit 39 Mitgliedern aus 13 europäischen Staaten ist EACP das wichtigste und größte Clusternetzwerk für die Luft- und Raumfahrtindustrie in Europa. Folgende deutsche Standorte und Verbände sind Mitglied in diesem Partnerprogramm:

Die Organisation Aerospace Valley hat im Juni 2009 zudem eine Kooperationsvereinbarung mit der California Space Authority (CSA) unterzeichnet. Die CSA ist eine Non-Profit-Organisation und vertritt die Interessen ihrer Mitgliedsunternehmen aus Luft- und Raumfahrt. Nach Angaben der CSA ist Kalifornien Weltmarktführer auf diesem Gebiet. Laut der unterzeichneten Vereinbarung wollen die Verbände in folgenden Bereichen zusammenarbeiten:

  • (Aus-)Bildung und Fachkräfte,
  • Wirtschaftliche Entwicklung und Unternehmensinnovationen,
  • Eintreten für einen offenen Welthandel.

Durch Kooperationen in diesen Bereichen sollen der Handel und gegenseitige Investitionen gefördert und Wachstumshemmnisse abgebaut sowie Forschungskollaborationen gefördert werden.

Ein weiterer bedeutender Akteur aus dem Bereich Raumfahrt ist die französische Raumfahrtagentur CNES (Centre national d’études spatiales). Sie ist seit 1968 in Toulouse ansässig. Im Rahmen eines Dezentralisierungsprogramms der Hightech-Industrie ersetzte das Toulouse Space Centre (CST) das alte Raumfahrtzentrum der CNES in Brétigny-sur-Orge, südlich von Paris. Das CST ist eines der wichtigsten europäischen Zentren für Weltraumforschung und die Entwicklung neuer Weltraumanlagen und Raumfahrtanwendungen. Dabei kooperiert es eng mit verschiedenen industriellen und wissenschaftlichen Partnern. Das CST ist beispielsweise führend an den Forschungs- und Entwicklungsprogrammen Spot, Helios und Argos beteiligt. Des Weiteren beherbergt es das ATV-Kontrollzentrum der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Der Raumtransporter ATV (Automated Transfer Vehicle) ist ein Gemeinschaftsprojekt von Industrie und Forschung in Europa. Er ist das komplexeste Raumfahrzeug, das je in Europa gebaut wurde. Der Transporter wird von EADS Astrium Space Transportation in Bremen hergestellt. In Toulouse betreibt EADS Astrium ein FuE-Zentrum, welches sich hauptsächlich mit (Forschungs-)Satelliten, Kommunikations- und Positionsbestimmungssystemen sowie Erdbeobachtung befasst.

Der zweite Pôle de Compétitivité ist Cancer-Bio-Santé (CBS, zu Deutsch: Krebs-Biotechnologie-Gesundheit). Der Cluster wurde 2005 von der französischen Regierung anerkannt und verbindet Forschungszentren, medizinisch-klinische Organisationen und die Industrie aus der Region Midi-Pyrénées. Im Zentrum der Bemühungen der Clusterorganisation steht die Bekämpfung von Krebs. Der Forschungs- und Entwicklungsansatz ist dabei multidisziplinär. Akteure aus den Sektoren Ernährung, Landwirtschaft, Pharmazie, Biotechnologie sowie Informations- und Nanotechnologie gehören dem Netzwerk an. Kooperationen, Vernetzung und Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern soll die Entwicklung neuer Medikamente und Behandlungsmethoden beschleunigen.

Obwohl CBS von der französischen Regierung nicht als internationales Exzellenzzentrum eingeordnet wird, verfügt die Clusterorganisation über starke internationale Verbindungen. Im Dezember 2007 formierten sich drei regionale französische Pôles (CBS, LyonbiopôleAlsace BioValley) zum Lifescience Corridor France. Über diese Vereinigung kooperiert CBS z.B. mit folgenden internationalen Clustern und Standorten:

CBS hat sich außerdem mit Biotechnologie- und Gesundheitsnetzwerken aus benachbarten Regionen zum Southern Europe Biocluster zusammengeschlossen. Das 2007 gegründete Netzwerk will die Biotechnologieverbände und Clusterorganisationen in der Euroregion Pyrenäen-Mittelmeer verbinden und international als gemeinsamen Standort vermarkten. Neben CBS ist mit der BioMedicalAlliance ein weiterer wichtiger Akteur aus dem Clustergebiet Toulouse Mitglied in dem südeuropäischen Biocluster. Interbio, ein europäisches Kooperationsprogramm, unterstützt ebenfalls die Vernetzung und den Technologietransfer im Bereich Biotechnologie in Südwesteuropa.

Das Städtenetzwerk C6, bestehend aus Valencia, Saragossa, Barcelona, Palma de Mallorca, Montpellier und Toulouse, besteht seit 1991. Aus ihm sind bereits viele Kooperationen hervorgegangen und es deckt sich räumlich mit dem Southern Europe Biocluster, so dass ältere Verbindungen zwischen den Regionen dem Biocluster zugutekommen.

Die InNaBioSanté Foundation - eine von den Konzernen Amgen, GlaxoSmithKline, Pierre Fabre, Total und Siemens gegründete Stiftung - ist ein wichtiger nationaler Partner von Cancer-Bio-Santé. Die Stiftung finanziert etliche Forschungsarbeiten und Start-ups in Frankreich. In Toulouse sind das u.a. folgende Projekte:

Oncopôle Toulouse, der zentrale Campus für Krebsforschung im Clustergebiet, hat einen starken internationalen Fokus. Er ist ein Gemeinschaftsprojekt der regionalen Wirtschaftsförderung, der französischen Regierung und der EU. In das Projekt wurde bereits mehr als eine Milliarde Euro investiert. Das 220 Hektar große Areal liegt im Herzen von Toulouse. Oncopôle bringt Akteure der öffentlichen und privaten Forschung, akademische Organisationen und Industrie mit dem Ziel zusammen, innerhalb von zehn Jahren zu Europas führendem Standort der Krebsforschung zu werden. Über Oncopôle besteht eine enge Verknüpfung des Clusters Toulouse mit dem Oslo Cancer Cluster.

Im Clustergebiet gibt es drei Zentren für Technologietransfer, die sich auf die Bereiche Gesundheit, Medizin und Biotechnologie spezialisiert haben:

  • CRITT Bio-Industries
  • CATAR - CRITT Agroressources, welches durch den Bezug zu landwirtschaftlichen Themen auch für das Exzellenzcluster Agrimip von Bedeutung ist.
  • Midi-Pyrénées Innovation ist der größte regionale Förderer von Technologietransfer. Die Agentur wird unterstützt von der Regions- und Departementsregierung sowie der Europäischen Union
    und Bpifrance, einer den französischen Ministerien unterstellten Holding, die Geschäftsideen finanziert.

Der dritte Pôle de Compétitivité ist Agrimip Innovation. Der Exzellenzcluster wurde 2005 gegründet und verbindet Akteure der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelindustrie. 2010 bestand der Cluster aus 187 Mitgliedern: 131 Unternehmen, 21 Akteure der Forschung, Ausbildung und des Technologietransfers sowie 35 öffentlichen Institutionen.

Die Arbeit von Agrimip wird von dem Pôle Aliment: Sécurité sanitaire et Santé (PA3S) unterstützt. PA3S wurde 2005 gegründet und besteht aus ca. zwanzig Unternehmen und mehr als 160 Wissenschaftlern. Forschungsschwerpunkt sind Nahrungsmittelsicherheit und "Functional Food", also Lebensmittel mit zusätzlichen Inhaltsstoffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken sollen.

Auf nationaler Ebene ist die Agrimip über die Initiative F²C-Innovation vernetzt. F²C ist ein Programm der drei wichtigsten Pôles de Competitivite für die Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie. Neben dem Pôle aus Toulouse sind das Vitagora (Dijon und Umgebung) und Valorial (Rennes). In Frankreich sind über F²C 370 Unternehmen, 130 Forschungseinrichtungen sowie 35 Ausbildungszentren miteinander verbunden.

Die Nahrungsmittelindustrie in Toulouse ist außerdem über INRA mit dem europäischen Exzellenznetzwerk CASCADE verbunden. Das Netzwerk untersucht die Effekte, die chemische Rückstände in Nahrungsmitteln auf die Gesundheit von Menschen haben. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Auswirkungen auf den Hormonstoffwechsel. Aus Deutschland sind das Helmholtz Zentrum München sowie die Universitäten Tübingen, Göttingen und Mainz an dem Projekt beteiligt.

Ein weiteres wichtiges Netzwerk für die Sektoren Medizin, Biotechnologie und Nahrungsmittel/Landwirtschaft ist Genopole Toulouse, der zentrale Verband der Lebenswissenschaften im Clustergebiet. Genopole verfolgt einen interdisziplinären Ansatz und verbindet staatliche und private Akteure der Life Sciences. Auf regionaler Ebene steht Genopole stellvertretend für die nationale IBiSA (Infrastructures en Biologie Sante et Agronomie).

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5. Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Im Clustergebiet gibt es einige bedeutende Universitäten und Grandes Écoles. Mit rund 100.000 Studierenden ist Toulouse zusammen mit Lyon die zweitgrößte Studentenstadt hinter Paris.

Im französischen Bildungssystem sind Grandes Écoles und die klassischen Universitäten zu unterscheiden. Die Eliteschulen genießen in Frankreich ein höheres Ansehen als Universitäten. Sie sind praxisorientiert und dienen in erster Linie der Ausbildung von Eliten in Staat, Wirtschaft und Kultur. Forschungsaktivitäten hingegen sind zweitrangig.

Grand Écoles im Bereich Ingenieurwesen, Luft- und Raumfahrt:

Grand Écoles im Bereich Landwirtschaft:

Weitere Grand Écoles:

Die Universitäten in Toulouse:

Das Institut national polytechnique de Toulouse (INPT oder INP Toulouse) verbindet sieben Grandes Écoles und 21 Forschungslabore und spielt damit eine zentrale Rolle in der Bildungslandschaft des Clustergebiets. INPT ermöglicht den über 6.000 Studierenden durch die Vernetzung der Akteure multidisziplinäre Forschungen und Studiengänge. INPT ist Mitglied im Erasmus-Programm.

Mit ENAC und ISAE sind zwei der bedeutendsten Ingenieurschulen für die Luft- und Raumfahrtindustrie im Clustergebiet. In Kooperation mit der Exzellenzinitiative Aerospace Valley werden spezielle Ausbildungsprogramme angeboten, die auf den Bedarf der Industrie angepasst sind. Hierzu zählen dreizehn Doktorandenprogramme, zwölf spezielle Programme der Ingenieurschulen und sechs Studiengänge der lokalen Universitäten.

Von dem interdisziplinären Ansatz der verschiedenen Clusterakteure profitieren insbesondere die Felder Gesundheit und Biotechnologie. Einen ähnlichen Weg der Ausbildungsstrategie verfolgt die Region Midi-Pyrénées auch im Hinblick auf die aufstrebenden "grünen" Wirtschaftszweige. Es wurden bisher mehr als 40  Ausbildungsprogramme in Leben gerufen. In enger Zusammenarbeit mit den Bildungsakteuren des Clusters werden u.a. folgende Master- oder Ingenieurstudienabschlüsse angeboten:

  • Environmental Engineering
  • Energy and Eco-Activities
  • Environmental Monitoring and Management
  • Process Engineering and Environment
  • Management of Sustainable Development and Climate Change

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6. Entwicklungsdynamik

Toulouse ist seit Beginn der kommerziellen Luftfahrt eines der bedeutendsten Luftfahrtzentren der Welt. Im Ersten Weltkrieg wurde die Flugzeugproduktion nach Toulouse, in sichere Entfernung zur Frontlinie, verlagert. Die Konzentration der französischen Luft- und Raumfahrtaktivitäten in der südfranzösischen Stadt setzte sich in den folgenden Jahrzehnten fort. Toulouse war Sitz des staatlichen Luftfahrtunternehmens Sud Aviation, welches in den 1950er Jahren als größter europäischer Hersteller von Flugkörpern galt. Außerdem stellte Sud Aviation die Caravelle, das erste strahlgetriebene Kurz- und Mittelstrecken-Verkehrsflugzeug der Welt und verschiedene Hubschrauber her. 1970 fusionierten Sud Aviation, Nord Aviation und SÉREB zu Aérospatiale. Aérospatiale gründete gemeinsam mit der Deutschen Airbus die wirtschaftliche Interessengemeinschaft "Airbus Industrie". Ziel der Kooperation war die Herstellung konkurrenzfähiger Maschinen gegenüber dem amerikanischen Hersteller Boeing. Die spanische Construcciones Aeronáuticas (CASA) trat 1971 der Allianz bei, British Aerospace folgte 1979. Im Jahr 2000 ging aus dieser Gemeinschaft - mit Ausnahme von British Aerospace - der größte europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS (European Aeronautic Defence and Space Company) hervor. Der Sitz des wichtigsten Geschäftsbereichs Airbus ist weiterhin Toulouse.

Die Position als wichtigster europäischer Standort für die Luft- und Raumfahrtindustrie wird in Zukunft durch das Projekt Montaudran Aerospace gestärkt. Im Südosten von Toulouse, auf dem Flugfeld des ehemaligen Luftfahrtunternehmens Aéropostale, entsteht ein Campus nach dem Vorbild des Oncopôle-Projekts. Auf 40 Hektar entstehen rund 190.000 Quadratmeter Büro- und Laborfläche, Wohnheime für Studenten und Forscher sowie Einkaufs- und Erholungsmöglichkeiten. Montaudran Aerospace wird nach Angaben der Wirtschaftsförderungsagentur Midi-Pyrénées der größte europäische Campus dieser Art sein. Das Institute Clément Ader soll auf dem Campus eine zentrale Rolle einnehmen und steht als einer der ersten Mieter fest.

Die Krebsforschung und damit die Sektoren Gesundheit, Pharmazie und Biotechnologie werden in den nächsten Jahren von geplanten Erweiterungsstufen des Oncopôle-Campus profitieren. Bisher ist erst ca. die Hälfte der Einrichtungen in Betrieb. In den nächsten zwei Jahren sollen beispielsweise eine Spezialklinik für Krebspatienten sowie Laboratorien vom nationalen Institut für Gesundheitsforschung Inserm und von der nationalen Forschungsorganisation CNRS eröffnet werden.

Im Bereich Erneuerbare Energien verfolgt die Regierung der Region Midi-Pyrénées das Ziel, die führende Position innerhalb Frankreichs weiter auszubauen. Ein 700 Millionen Euro umfassendes Kreditprogramm zur Förderung von Erneuerbaren Energien wurde im September 2010 gestartet und läuft voraussichtlich bis Ende 2013. Die Mittel werden je zur Hälfte von der Europäischen Investment Bank und einem Bankenkonsortium (Crédit Agricole, BPCE Group) bereitgestellt. Im Mai 2011 ist außerdem der regionale Plan Midi-Pyrénées Energies 2011-2020 verabschiedet worden, nach dem 260 Millionen Euro v.a. in Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs investiert werden sollen. Im Mittelpunkt stehen dabei energieeffizientes Bauen und die Renovierung alter Gebäude.

Redaktion: 26.07.11, von: Stefan Führt / Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH