BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
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1. Kurzprofil

Die Region Paris, offiziell bezeichnet als Île-de-France, besteht aus 8 Departements mit etwa 11,7 Millionen Einwohnern (2008). Sie stellt flächenmäßig 2% von Frankreich dar, jedoch 20% der französischen Bevölkerung und 30% des französischen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreichte die Region 2006 einen Index von 169,7 (Eurostat 2009; EU-27 = 100). Die Mehrzahl der Einwohner lebt in der städtischen Agglomeration um Paris mit etwa 10 Millionen Einwohnern. 

Die Region Paris ist die führende europäische Region und nach Tokio die zweite Region weltweit in Bezug auf die Anzahl der Unternehmen aus der Fortune-500-Liste der umsatzstärksten Unternehmen. In der Region sind fast alle französischen Konzerne ansässig. Sie ist der führende europäische Arbeitsmarkt und beschäftigt bedingt durch die hohe Dichte von Unternehmenssitzen 53% der französischen Führungskräfte. Paris steht an zweiter Stelle weltweit hinter Brüssel, was den Sitz internationaler Organisationen betrifft. 

Die Vielfalt der Wirtschaftsstruktur deckt ein umfangreiches Spektrum ab. Zu den Stärkefeldern zählen neben neuen Bereichen wie IT, Bio- und Nanotechnologie auch traditionelle Industriebereiche wie die Kosmetik-, Luftfahrt- oder Automobilindustrie. Weiterhin ist sie ein herausragender Standort für Dienstleistungszentren, insbesondere aufgrund der starken Nachfrage nach Unternehmensdienstleistungen. 

Im Großraum Paris sind neun Pôles de compétitivité vertreten. Diese thematisch und regional ausgerichteten Netzwerke verbinden Akteure entlang der Wertschöpfungskette und werden im Rahmen des gleichnamigen Programms staatlich gefördert. 

Mit etwa 80.000 Forschern und jährlichen FuE-Ausgaben von 15,5 Milliarden Euro (2006) ist Paris ein bedeutender FuE-Standort. Ein herausragender Akteur insbesondere in der Grundlagenforschung ist das 1945 gegründete Forschungszentrum Saclay für Kernphysik und -technik, Biologie und Materialforschung mit 6.000 Angestellten. 

Im zentralistisch ausgerichteten Frankreich ist Paris das Zentrum des Bildungswesens. Dementsprechend befinden sich die angesehensten Bildungsstätten des Landes in der französischen Hauptstadt und das Angebot an qualifiziertem Personal ist hoch. Allein die Anzahl der Studierenden in Paris beträgt 600.000. 

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2. Internationale Anziehungskraft

Die Region Paris ist stark international ausgerichtet. 15% der in der Region Paris erwerbstätigen Bevölkerung kommt aus dem Ausland, davon 6.500 Führungskräfte. Sie ist nach Tokio das zweite Standortzentrum der 500 größten Unternehmen weltweit. 

In der Außenhandelsbilanz des Jahres 2008 stand dem Exportvolumen von 64 Milliarden Euro ein Importvolumen von 120 Milliarden Euro gegenüber. Die Hauptexportbranchen sind Pharma, Automotive und Aerospace; bei den Importen liegt Automotive an erster Stelle. Hauptlieferant der Region ist Deutschland mit einem Anteil von über 15% (siehe folgende Tabelle).

Internationale Handelspartner der Region Paris
Lieferland Importvolumen in Millonen Euro Importanteil in Prozent    
Deutschland 18.817 15,7    
Belgien 14.995 12,5    
China 12.992 10,8    
Spanien 10.038 8,4    
USA 8.254 6,9    

Tabelle: Die wichtigsten internationalen Handelspartner der Region Paris im Jahr 2008 nach Importvolumen (entnommen aus: Paris Region Key Figures 2010, Herausgeber: Paris Region Economic Development Agency)

Seit den 1990er Jahren werden vermehrt Anstrengungen unternommen, multinationale Konzerne anzusiedeln. Die Anzahl ausländischer Direktinvestitionen, mit den USA an der Spitze, stieg zwischen 2003 und 2008 um 75% an. Ausländische Unternehmen stellen etwa 550.000 Arbeitsplätze und beschäftigen 15% der Arbeitnehmer in der Region. 

Die Region verfügt über eines der besten Verkehrsnetze weltweit. In der Nähe von Paris befinden sich drei internationale Flughäfen. Paris besitzt den zweitgrößten Binnenhafen in Europa und ist Knotenpunkt des Eisenbahn- und Straßenverkehrsnetzes in Frankreich. 

Paris ist mit 2,2 Millionen Tonnen an Frachtgut und Postsendungen (2009) das größte Luftfracht-Drehkreuz Europas; mit 83 Millionen Passagieren (2009) liegt Paris europaweit auf Platz zwei. Aéroports de Paris betreibt im Umkreis von Paris drei große FlughäfenParis-Charles de Gaulle (2009: 57 Mio. Passagiere; 2,1 Mio. t Frachtgut) nordöstlich von Paris ist der größte Flughafen Frankreichs und der zweitgrößte Passagierflughafen Europas. Der Flughafen ist ein bedeutender Wirtschaftsstandort mit über 600 Unternehmen und etwa 75.500 Beschäftigten (ohne Zulieferer). Er wird von Air France als zentrales Liniendrehkreuz genutzt. Der zweite internationale Flughafen Paris-Orly (2009: 25 Mio. Passagiere; 0,1 Mio. t Frachtgut) liegt neun Kilometer südlich von Paris. 1996 wurde das Aufkommen auf 30 Millionen Fluggäste und 25.000 Flugbewegungen pro Jahr limitiert; Nachtflüge sind verboten. Paris-Le Bourget wird heute nur noch für Flugshows und den Kleinflugverkehr von Firmenflugzeugen benutzt, ist aber europaweit der wichtigste Flughafen dieser Art. Dort findet jährlich der Salon International de l’Aéronautique et de l’Espace, die weltweit führende Ausstellung der Luft- und Raumfahrtindustrie, statt. Der internationale Flughafen Paris-Beauvais befindet sich außerhalb des eigentlichen Großraums und wird überwiegend von Low-Cost-Carriern angeflogen. 

Über das Schienennetz erreichen Fahrgäste und Gütertransporte in wenigen Stunden die größten europäischen Städte (London: 2:15 Std.; Brüssel: 1:25 Std.; Frankfurt: 3:50 Std.; Köln: 3:15 Std.). Die bedeutenden Eisenbahnstrecken Frankreichs beginnen in Paris. In Richtung Lille im Norden, Rennes und Bordeaux im Westen, Lyon und Marseille im Süden sowie Straßburg im Osten gibt es Hochgeschwindigkeitsstrecken, die vom TGV bedient werden. Außerdem gelten die Strecken des Eurostar nach London und des Thalys nach Köln und Amsterdam über Brüssel als bedeutende europäische Verbindungen. 

Ports de Paris betreibt das größte französische und zweitgrößte europäische Drehkreuz für den Binnenschiffsverkehr mit 500 km Wasserstraßen, 70 Häfen und 10 multimodalen Logistikplattformen (Fluss/Straße/Schiene). 

Das terrestrische Telekommunikationsnetz bietet Zugang zu Netzen wie ADSL2 von Orange (France Telecom) mit einer Übertragungsrate bis zu 20 Mbit/s. Die Anbieter Orange, Free und Neuf betreiben ein Glasfaserkabelnetz für FTTH-Hochgeschwindigkeitszugänge (Fiber To The Home) mit bis zu 1 Gigabyte pro Sekunde. Drahtlose Datenübertragung ermöglicht ein WLan-Netz von 5.000 Standorten, welches durch ein reichweitenstärkeres Wimax-Netz ergänzt wird. 

Die Region Paris ist weltweit führend in Bezug auf die Veranstaltung von Branchentreffs und -events und positioniert sich europaweit bei Messen und Ausstellungen auf dem ersten Platz. Sie verfügt über eine der größten Ausstellungskapazitäten im internationalen Vergleich. Jedes Jahr kommen 9 Millionen Besucher mit einem Auslandsanteil von 25 %. Informationen zur Infrastruktur und über den Messekalender gibt das Messeportal Paris - Île de France.

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3. Thematische Stärkefelder

Durch die zentralistische Ausrichtung Frankreichs laufen in der Hauptstadt alle wirtschaftlichen, politischen und akademischen Fäden zusammen. Daraus resultiert, dass Paris mit großem Abstand der wichtigste Absatz-, Ausbildungs- und Arbeitsmarkt in Frankreich ist. Fast alle großen Dienstleistungsunternehmen Frankreichs, insbesondere Banken und Firmen des Finanzwesens, haben ihren Sitz in Paris. Als eine der wichtigsten Handelsmetropolen Europas und Standort vieler internationaler Großkonzerne ist der Bedarf an B2B-Dienstleistung sowie Finanzberatung und Immobilienmanagement hoch. Diese Sektoren sind für fast 50 Prozent der Wertschöpfung in der französischen Hauptstadt verantwortlich (siehe folgende Tabelle). 

Wertschöpfung nach Branchen
Branche Anteil nach Wertschöpfung in Prozent Anteil nach Anzahl der Unternehmen in Prozent
Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung 0,9 0,8
Industrie (gesamt) 13,0 13,2
Konsumgüter 2,5 3,1
Baugewerbe 4,2 8,0
Investitionsgüter 2,0 0,7
Zwischenprodukte 1,6 1,0
Energie 2,1 0,4
Automobilindustrie 0,6 0,0
Diensteistungen (gesamt) 86,1 85,9
Business to Business Dienstleistungen 25,5 24,7
Finanzen und Immobilien 22,6 13,4
Bildung, Gesundheit, Sozialhilfe, öffentliche Verwaltung 15,7 12,8
Groß- und Einzelhandel 9,3 19,8
Business to Consumer Dienstleistungen 8,1 11,8
Transport 4,9 3,4
GESAMT 100,0 100,0

Tabelle: Wertschöpfung in der Region Paris nach Branchen 2008 (entnommen aus: Paris Region Key Figures 2010, Herausgeber: Paris Region Economic Development Agency)

Auch sind fast alle Industrie- und Technologiezweige in Île-de-France vertreten. Die Wirtschaftsagentur Paris stellt folgende Wirtschaftszweige als Exzellenzbereiche der Region vor:

4. Akteure und Netzwerke

Auf den Seiten von Econovista® können Sie interaktiv Karten der Region Paris erstellen, die Akteure entlang der Wertschöpfungskette nach Wirtschaftszweigen zeigen. 

Der Industriesektor ist in der Pariser Wirtschaft unterrepräsentiert, auch wenn sich etwa ein Viertel der Produktionsbetriebe des Landes hier niedergelassen haben. Dominierend ist der Dienstleistungssektor: Fast alle großen Dienstleistungsunternehmen Frankreichs, insbesondere Banken und Firmen des Finanzwesens, haben ihren Sitz in Paris. Die folgende Tabelle zeigt die größten Arbeitgeber.

Die größten Arbeitgeber der Region Paris 2007
Unternehmen Anzahl der Arbeitnehmer
in der Region
La Poste 58.200
Air France 51.800
SNCF 45.300
RATP 44.200
France Télécom 35.300
PSA Peugeot Citroen Automobiles 28.300
Société Génerale 25.200
BNP Paribas 24.000
Renault SAS 22.900
Carrefour Hypermarchés 21.600
EDF 17.900
Crédit Lyonnais 15.000
Disneyland Resort Paris 14.000
AXA France 11.700
Auchan France 10.700
Aéroports de Paris 9.300

Tabelle: Die größten Arbeitgeber der Region Paris 2007 (Quelle: Paris Region Key Figures 2010, Herausgeber: Paris Region Economic Development Agency)

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In der Region sind zahlreiche Pôles de compétitivité vertreten. Diese thematisch und regional ausgerichteten Netzwerke verbinden die Akteure entlang der Wertschöpfungskette und werden im Rahmen des gleichnamigen Programms staatlich gefördert. Ziel ist die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft in den führenden Wirtschaftszweigen durch die Steigerung des Innovationspotentials, vornehmlich der industriellen Aktivitäten mit technologischer Ausrichtung, sowie die Erhöhung der Attraktivität Frankreichs durch eine verstärkte internationale Sichtbarkeit. 

Geförderte Netzwerke (Pôles de Competitivité)
Netzwerk Branchen, Tätigkeitsfelder Mitglieder Anzahl finanzierter Projekte Gesamtinvestitionen in Mio. € Öffentliche Förderung in Mio. €



Advancity
Nachhaltige Stadtentwicklung, Bautechnik, Mobilität, Ökotechnologien 136 70 150 n/a

ASTech
Luftfahrt, Raumtransporte, Antriebssysteme 150 19 86 42

Cap Digital
Informations- und Kommunikationstechnologien, Digitale Medientechnologien 500 261 525 227

Cosmetic Valley Parfüm und Kosmetik 506 21 69 18

Elastopole Kunststoffe und Polymere 79 20 52 n/a

Finance Innovation Finanzinstitute, Investment Management, Dienstleistungen für das Finanzwesen 201 12 9 n/a

Medicen Innovative Therapien und Technologien für die Gesundheitswirschaft 157 35 161 70

Mov’eo Automotive-Sektor, Öffentliches Verkehrswesen, Straßensicherheit und Umweltaspekte 250 82 310 140

System@tic Fahrzeugtechnik und Mobilität, Freie und Open Source Software, Sicherheit und Verteidigung, Systemdesign und -Entwicklung, Telekommunikation 500 186 900 330

GESAMT   2.479 706 2.262 827

Tabelle: Die Pôles de compétitivité in der Region Paris 2009 (Quelle: Paris Region Key Figures 2010, Herausgeber: Paris Region Economic Development Agency)

Cap Digital Paris Region hat sich zum Ziel gesetzt, aus der Region Paris eine Referenz der digitalen Industrie zu machen. Dazu soll der Zugang zum europäischen Markt von Unternehmen und Universitäten der Region gestärkt werden. Cap Digital strebt die Zusammenführung von Digitaltechnologien in Strategiebereichen an, die fest mit der Region verankert sind: Wissensmanagement, digitale Archivierung, Bild, Ton und Interaktivität, Videospiele, Digitale Bildung, Dienstleistungen und Anwendungen, Design, Robotertechnik, Verknüpfung von Business Intelligence und Technologie. KMU stellen einen Anteil von 90% der über 700 Cap-Digital-Mitglieder dar. 

Das Netzwerk Medicen Paris Region führt die großen Akteure des Bereichs Life Science und des regionalen Gesundheitswesens zusammen. Medicen Paris Region widmet sich den Spitzentechnologien für Gesundheit, neue Medikamente und neue Gen-, Molekular- und Zelltherapien. Dabei befasst es sich mit sechs Themenschwerpunkten, wovon jeweils drei auf Behandlungsansätze (Nervenkrankheiten, Onkologie, Infektiologie) und auf technologische Ansätze (Molekular- und Zellmedizin, biomedizinische Bildgebung, Medizinwissenschaft und Medizintechnik) ausgerichtet sind. Mitglieder im Netzwerk sind Großunternehmen, KMU, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie öffentliche Fördereinrichtungen. 

Als Netzwerk für FuE im Bereich Automobil und öffentliche Verkehrsmittel führt Mov'eo innovative Gemeinschaftsprojekte zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit von französischen Unternehmen und Regionen durch. Das Netzwerk erstreckt sich über die Basse-Normandie, die Haute-Normandie und die Region Paris; es umfasst über 70 % der französischen FuE im Automobil-Bereich. Mov'eo hat über 250 Mitglieder mit einem steigenden Anteil an KMU, die inzwischen 40 % der Mitglieder stellen. Die Gemeinschaftsprojekte verteilen sich auf sieben strategische Geschäftsfelder: Mobilitätslösungen, Straßenverkehrssicherheit, Pilotprojekte und Autos ohne Kohlendioxid-Ausstoß, Umweltbelastung durch Fahrzeuge, eingebettete Systeme zur Speicherung reversibler Energien/Schnittstellensysteme, Mechatronische Systeme für die Elektrifizierung von Fahrzeugen sowie thermische Antriebssysteme. 

Inance Innovation ist ein gemeinsames Vorhaben wichtiger Akteure am Finanzplatz Paris: Banken, Versicherungen, Verwaltungsgesellschaften, Universitäten und Forschungsinstitute. Ziel ist es, unter Rückgriff auf die Stärken des Standorts neue Geschäfts- und Forschungsprojekte mit hohem Mehrwert ins Leben zu rufen, um den Marktanteil des französischen Finanzsektors gegenüber der europäischen und internationalen Konkurrenz auszubauen sowie neue Arbeitsplätze zu schaffen. Das Netzwerk fungiert als Katalysator für die Entwicklung von Projekten und fördert gleichzeitig in Kooperation mit Partnern aus den Bereichen Finanzen und Bildung das Wissen über wichtige technologische und marktrelevante Fragestellungen. 

ASTech führt die wesentlichen Akteure des Flugzeugmotorenbaus, der Raumfahrt und der regionalen Geschäftsluftfahrt zusammen. Ergänzend zu den Netzwerken Aerospace Valley (Midi-Pyrénées) und Pégase (Provence Alpes Côte d'Azur) positioniert sich ASTech Paris Region in der Produktvorstufe der Branche. Mitglieder sind Zulieferer von Herstellern aus aller Welt (Triebwerks- und Fahrwerkshersteller, Spezialisten für EDV-Ausstattung von Flugzeugen, usw.) sowie Industrieunternehmen aus der Raumfahrt, Geschäftsluftfahrt und der Verteidigung. ASTech sieht sich ebenfalls als Ergänzung zu den Netzwerken Systematic (IKT) und Mov'eo (Automobilbranche). Die Mitglieder befassen sich mit den technischen Schwerpunktthemen Antriebe, Bordenergie, Materialien und Verfahren, Instandhaltung, Fahrzeugaufbau und -architektur sowie Prüfmittel. Hinzu kommen als branchenübergreifende Themen Forschung und Ausbildung. 

Das Netzwerk für Parfümerie und Kosmetik Cosmetic Valley führt rund 10 große Luxusmarkennamen und KMU zusammen, die in der Produktvorstufe sowie den nachgelagerten Industrien der großen Marken tätig sind. Dabei verfügen sie über sich ergänzende Kompetenzen aus verschiedenen Bereichen der Beauty-Industrie (Pflanzenkulturen, Rezeptur, Versuche, Spritzguß, Verpackung, Präsentation, Werbung am Verkaufsort, Logistik). Cosmetic Valley hat über 300 Mitgliedsunternehmen. 

Advancity ist in der Nachhaltigkeit beim Städtebau und in der Mobilität tätig. Die Schwerpunkte von Advancity liegen in den Themenbereichen Stadtplanung, Wohnraum und Bauwesen sowie Mobilität und Transportwesen. Die Aufgabe des Netzwerkes mit 332 Teilnehmern (Januar 2013) besteht darin, die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu ermöglichen und gemeinsame Projekte ins Leben zu rufen, um mittelfristig absatzfähige Produkte, Prozesse und Dienstleistungen zu entwickeln. Die Region Paris stellt dabei mit 11,3 Millionen Einwohnern und 10 Millionen Transfers pro Tag ein großes Anwendungspotenzial dar. 

Systematic soll die Systemintegration der Region über die IuK-Technologien fördern. Eines der wichtigsten Ziele von Systematic ist es, Paris zu einer international führenden Region in Bezug auf Entwicklung, Herstellung und Beherrschung komplexer Systeme zu machen. Die strategische Positionierung des Netzwerkes verbindet technologische Ausrichtungen (Optik, Elektronik und Software) und die entsprechenden Wachstumsmärkte (Telekommunikation, Automobilwirtschaft und Transportwesen, Sicherheit und Verteidigung, Entwicklungswerkzeuge und Systementwicklung, freie Software). Das Netzwerk hat über 500 Mitglieder

Elastopôle ist im Bereich Kautschuk und Polymere tätig und zielt auf die Entwicklung und Anwendung von Technologien entlang des gesamten Produktlebenszyklus. Dies geschieht durch gemeinsame FuE-Projekte der Mitglieder (Forschungseinrichtungen sowie Kunststoffhersteller und -anwender) in den Bereichen Materialien, Anwendungen, Prozesse und Umwelt. Das weiträumige Netzwerk erstreckt sich über vier Regionen: Île de France, Pays de la Loire, Auvergne und Centre

Im Forschungsbereich verfügt Paris über eine Vielzahl an Universitäten und Forschungseinrichtungen aller Disziplinen. Die öffentliche Forschung stellt mit Forschungseinrichtungen wie dem CNRS, dem CNES, dem INRA und dem Institut Pasteur einen gewichtigen Anteil dar. 

Das Campus du Plateau von Saclay, knapp 20 Kilometer südwestlich von Paris gelegen, weist eine enorme Dichte an Akteuren aus Forschung und Entwicklung auf. 30.000 Studenten und 12.000 Forscher (ca. 10 % des gesamten französischen Forschungspersonals) arbeiten in 160 öffentlichen und privaten Einrichtungen. Außerdem gibt es auf dem Plateau über 4.000 Betriebe. Dazu gehören beispielsweise Danone, Motorola, Thales, Honeywell und GE Healthcare. Auch Kraft Foods wird 2011 ein neues Entwicklungszentrum mit 100 Forschern für 15 Millionen Euro eröffnen. 

Ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Plateau de Saclay ist die hier ansässige Forschungseinrichtung des Commissariat à l'énergie atomique et aux énergies alternatives (CEA², deutsch: "Kommissariat für Kernenergie und alternative Energien"). CEA² betreibt über 700 Labore an sieben Standorten in Frankreich und veröffentlicht mehr 4.000 Publikationen pro Jahr. Die größte Forschungseinrichtung liegt in Saclay. 6.000 Beschäftigte betreiben hier Grundlagenforschung v.a. in den Bereichen Nuklearenergie, Chemie und Physik sowie in Umwelt-, Lebens- und Nanowissenschaften. In Saclay entsteht momentan ein Forschungslabor für ein gemeinsames Projekt von CEA², Intel, GENIC (Grand Equipement National de Calcul Intensif) und der Universität Versailles Saint-Quentin-en-Yvelines. Das Gemeinschaftsvorhaben trägt den Namen "Ex@tec" und ist der Beginn einer multidisziplinären Zusammenarbeit zur Entwicklung von Höchstleistungsrechnern.

Die Cité Descartes bei Champs-sur-Marne im Osten des Clustergebiets ist ein weiteres Zentrum für Forschung und Entwicklung. Hier sitzen u.a. die Université Paris-Est Marne-la-Vallée, die Ecole Supérieure de Commerce International (ESCI), das Institut de Recherches Economiques et Sociales (IRES) und die Ecole des Ponts ParisTech (ENPC). Die Interessen der ansässigen Einrichtungen und Unternehmen werden durch den Verband Polytechnicum vertreten. In der Cité Descartes entsteht außerdem der Pôle scientifique et technique Paris-Est (PST) des französischen Umweltministeriums. Ab 2012 werden im PST 1.800 Personen beschäftigt sein; 1.000 Angestellte sollen aktiv im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit forschen. Dabei ist eine enge Kooperation mit Advancity vorgesehen. 

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5. Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Im zentralistisch ausgerichteten Frankreich ist Paris das Zentrum des Bildungswesens. Dementsprechend befinden sich die angesehensten Bildungsstätten des Landes in der französischen Hauptstadt und das Angebot an qualifiziertem Personal ist hoch. Allein die Anzahl der Studierenden in Paris beträgt 600.000. 

Zu unterscheiden sind die Grandes Écoles und die klassischen Universitäten. Die Eliteschulen genießen in Frankreich ein höheres Ansehen. Sie sind praxisorientiert und dienen in erster Linie der Ausbildung von Eliten in Staat, Wirtschaft und Kultur. Forschungsaktivitäten hingegen sind zweitrangig. Zu den bedeutendsten Grandes Écoles gehören:

Um ihren internationalen Einfluss zu erhöhen, haben sich zwölf Pariser Schulen 1991 zu einem Verband zusammengeschlossen. Seit 1999 treten sie gemeinsam unter dem Namen ParisTech auf. ParisTech hat knapp 20.000 Studierende und Forschungsverträge mit fast 3.000 Unternehmen. Der Hochschulverband ist Mitglied in der IDEA League, einer Vereinigung der renommiertesten technologischen Hochschulen Europas, und im ATHENS Programme. Außerdem laufen Kooperationen mit China, Brasilien und Russland. 

Die Universitätslandschaft in Paris ist durch die Bildungsreformen von 1968-1971 zersplittert. Die geschichtsreiche Universität von Paris wurde beispielsweise in 13 eigenständige Hochschulen aufgeteilt (Paris I- Paris XIII), von denen drei den bekannten Namenszusatz Sorbonne tragen. Seit der Dezentralisierung im Zuge der Studentenbewegung haben sich allerdings etliche universitäre Allianzen gebildet, die seit 2006 von der Regierung auch offiziell unterstützt werden. Durch diese Pôles de recherche et d’enseignement supérieur (PRES) soll die Forschung effizienter gestaltet werden. 

Eine Vereinbarung über solch ein Netzwerk für Forschung und Hochschulbildung sind im Februar 2010 fünf namhafte Einrichtungen eingegangen. Erstes Resultat dieser Kooperation war die Gründung einer Stiftung zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit (FSC). Unter dem Namen "Paris Sciences et Lettres - Quartier Latin" werden die ENS, das Collège de France, das Observatoire de Paris, die ESPCI sowie die Ecole de chimie ParisTech (ENSCP) insgesamt 5.000 Studenten, darunter 3.000 Doktoranden, vereinigen. Wichtigstes Ziel dieser Allianz ist die Koordinierung von Investitionen in Grundstücke, Dokumentenbestände und digitale Ausrüstung. Außerdem soll ein gemeinsamer digitaler Campus geschaffen werden. Erster Erfolg der Zusammenarbeit der Hochschulen ist die geplante Ausgründung eines internationalen Instituts für Nano- und Mikrofluide, das von Total und Schlumberger unterstützt wird. 

Das Financial Times European Business School Ranking (2012) führt vier im Großraum Paris ansässige Wirtschaftshochschulen in den Top-20:

  • HEC Paris (École des hautes études commerciales Paris)
  • INSEAD (Institut européen d’administration des affaires), ca. 60 Kilometer südlich des Stadtkerns in Fontainebleau
  • ESCP Europe (École Supérieure de Commerce de Paris)
  • ESSEC Business School (École Supérieure des Sciences Économiques et Commerciales)

Als Zentrum des Bildungswesens profitiert Paris enorm von den jüngsten staatlichen Investitionen. Ein Großteil der für Bildung vorgesehenen Gelder der Großen Staatsanleihe und der "Operation Campus" fließen in die Hochschul- und Forschungseinrichtungen der Region Île-de-France. Von den 5 Milliarden Euro, die durch den Verkauf von Anteilen an EdF eingenommen wurden und nun im Rahmen der "Operation Campus" zur Verfügung stehen, werden allein 700 Millionen Euro in den innerstädtischen Bereich von Paris investiert.  Fördermittel fließen auch in andere Bezirke der Region Paris: Hierzu zählt beispielsweise das Campus du Plateau de Saclay (siehe Entwicklungsdynamik). 

Um den starken Gegensatz zwischen Paris und dem Rest des Landes abzumildern, wird in der Elitenausbildung eine Dezentralisierung angestrebt. So wurde die Verwaltungsschule ENA (École nationale d'administration) nach Strasbourg und die ENS (École normale supérieure lettres et sciences humaines) nach Lyon verlagert.

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6. Entwicklungsdynamik

Der Bankenstandort Paris ist mit seinen knapp 370 (oft aber kleineren) Instituten besser aus der Finanzkrise gekommen als die deutschen und insbesondere die britischen Banken (FAZ). Im Bankensystem-Rating von Standard & Poor's (S&P), das die Wahrscheinlichkeit einer nationalen Bankenkrise abschätzt, hat sich das französische Bankensystem in der besten Kategorie halten können, während Großbritannien Herabstufungen hinnehmen musste (Helaba Volkswirtschaft/Research Mai 2010, Reuters).  

Auf eine Stärkung der Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Standortes zielen groß angelegte Projekte und Infrastrukturmaßnahmen. 23 der auf dem Plateau de Saclay angesiedelten FuE-Einrichtungen haben sich zum Projekt Camus du Plateau de Saclay zusammengeschlossen. Auf der Hochebene entstehen bis 2015 diverse Forschungsanstalten, die sich Mitarbeiter und Studenten der Mitgliederorganisationen teilen. Der resultierende Technologie- und Wissenstransfer soll zu einer höheren Innovationsrate führen. Das Programm wird durch Mittel aus dem Fond der staatlichen "Operation Campus" mit 860 Millionen Euro gefördert. Außerdem hat die Regierung Ende 2009 eine weitere Milliarde Euro im Rahmen der Großen Staatsanleihe für das Projekt bereitgestellt. Forschungsschwerpunkte des Plateau de Saclay Campus sind Energie, Klima und Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt, Pharmazie und therapeutische Innovation, IKT sowie Nanotechnologie. Am Projekt beteiligen sich u. a. das Institut Télécom, Institut national de recherche en informatique et en automatique (INRIA), École Polytechnique, Université Paris-Sud 11, CEA² sowie das Centre national de la recherche scientifique (CNRS). 

Ein Vorhaben, das die Attraktivität des Standorts Paris weiter steigern wird, ist das Projekt "Grand Paris", mit dem die französische Regierung die Infrastruktur stärken möchte. Es wurden acht Gebiete identifiziert, die den Rahmen für das Projekt bilden sollen. Die Wahl fiel dabei auf strukturell starke Bezirke, die bereits stark vernetzt sind:

  • Roissy-Villepinte
  • Le Bourget
  • Paris-Saclay, France's Silicon Valley
  • Biotech Valley
  • An Area for Creative Design (Aubervilliers, Saint-Denis)
  • Downstream Seine Confluence
  • Paris - La Défense - Financial District
  • Cité Descartes

Es ist geplant, diese zentralen Gebiete durch ein 130 Kilometer langes, automatisches U-Bahn-Netzwerk zu verbinden, welches rund um die Uhr bedient werden soll. Zielsetzung ist ein Zug alle 80 Sekunden. Die Kosten werden mit 21 Milliarden Euro veranschlagt; die Arbeiten sollen 10 Jahre dauern. Baubeginn ist 2013. Doch nicht nur in den öffentlichen Personennahverkehr wird investiert. Weiterhin ist geplant, die Binnenschifffahrtsverbindungen auszubauen. Der Hafen von Le Havre - hier mündet die Seine in den Ärmelkanal - wird weiter ausgebaut und soll zum wichtigsten Seeumschlagsplatz der Region Île de-France werden. Zusätzlich wird der Canal Seine-Nord Europe ab 2015 Paris sowie die Häfen von Le Havre und Rouen an die Seehäfen Dünkirchen, Antwerpen und Rotterdam anschließen. Über den Kanal wird Frankreich außerdem mit dem belgischen, niederländischen und deutschen Wasserstraßennetz verbunden. Dies führt zu einer Entlastung des Straßengüterverkehrs, da voraussichtlich 7 Millionen Tonnen Fracht von der Straße auf das Schiff verlagert werden können.

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Redaktion: 16.08.10, von: Miguel Krux / Stefan Führt, VDI Technologiezentrum GmbH