BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
Kooperation International
 

1. Kurzprofil

Offizielles Emblem der Region Paris - Île de France.
Grafik und Quelle: Gemeinfrei via Wikimedia Commons

Die Region Paris, im Norden Frankreichs gelegen und offiziell bezeichnet als Île de France, besteht aus 8 Departements mit etwa 12,3 Mio. Einwohnern (18,2 Prozent der Bevölkerung Frankreichs) und ist das wirtschaftliche, politische und kulturelle Zentrum Frankreichs. Die Region, deren Mittelpunkt die französische Hauptstadt Paris (2,2 Mio. Einwohner) bildet, ist größtenteils mit dem Ballungsraum Paris identisch. Sie ist die zweitgrößte Metropolregion der EU nach London.

Die Region Île de France, die im folgenden Porträt als Cluster begriffen wird, setzt sich aus insgesamt 130 Städten zusammen. Die Vielfalt der Wirtschaftsstruktur deckt ein umfangreiches Spektrum ab, zu dessen Stärkefeldern Luft- und Raumfahrt, Kosmetikindustrie, Ökotechnologien, IKT, Image und Multimedia, Finanzdienstleistungen, Life Science, Logistik und die Automobilindustrie zählen.

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2. Internationale Anziehungskraft

Die Region Paris – Île de France ist stark international ausgerichtet: 12, 6 Prozent der Bevölkerung im Cluster sind ausländischer Herkunft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Region betrug 2012 612 Mrd. EUR, das Pro-Kopf-BIP ist das höchste im gesamten Land und das dritthöchste der EU. 2014 hatten dreißig Unternehmen der Fortune500-Liste ihre Zentralen in Paris (europäischer Spitzenwert). Das BIP der Region Paris - Île de France entspricht ca. 30 Prozent des französischen BIP sowie etwa 5 Prozent des gesamten BIPs der Europäischen Union.

In der Außenhandelsbilanz des Jahres 2013 stand dem Exportvolumen von 77 Milliarden Euro (18 Prozent des nationalen Exportvolumens) ein Importvolumen von 131 Mrd. EUR gegenüber. Die Hauptexportbranchen sind Automotive (10 Prozent), Luft- und Raumfahrt (9 Prozent) und Pharma (8 Prozent); bei den Importen sind es natürliche Kohlenwasserstoffe (12 Prozent), Automotive (11 Prozent) und Kommunikationstechnik (6 Prozent). Hauptpartner im Außenhandel ist Deutschland mit einem Anteil von 14 (Import) bzw. 11 (Export) Prozent (siehe nachfolgende Tabellen).

Internationale Handelspartner der Region Paris nach Importvolumen (2013)
Lieferland Importvolumen in Mrd. Euro Importanteil  
Deutschland 18,6 14%  
China 17,8 14%  
Belgien 15,6 12%  
USA 8,9 7%  
Spanien 7,9 6%  
Italien 7,6 6%  
Großbritannien 5,4 4%  
Niederlande 4,6 4%  
Schweiz 3,7 3%  
Japan 3 2%    

Tabelle: Die wichtigsten internationalen Handelspartner der Region Paris im Jahr 2013 nach Importvolumen (entnommen aus: Paris Region Key Figures 2015, Herausgeber: Paris Region Economic Development Agency)

Internationale Handelspartner der Region Paris nach Exportvolumen (2013)
Lieferland Exportvolumen in Mrd. Euro Exportanteil  
Deutschland 8,3 11%  
USA 7,7 10%  
Italien 5,1 7%  
Großbritannien 5,1 7%  
Belgien 4,6 6%  
Spanien 4,3 6%  
Schweiz 4,1 6%  
China 2,8 4%  
Niederlande 2,2 3%  
Hong Kong 2,1 3%    

Tabelle: Die wichtigsten internationalen Handelspartner der Region Paris im Jahr 2013 nach Exportvolumen (entnommen aus: Paris Region Key Figures 2015, Herausgeber: Paris Region Economic Development Agency)

Die Anzahl der ausländischen Unternehmen, die Direktinvestitionen (FDIs) in die Region tätigen, nimmt stetig zu: Während die diesbezüglich absolute Zahl in ganz Westeuropa zwischen 2013 und 2014 um 15 Prozent zurückging, konnte die Region einen Zuwachs von fast einem Drittel verzeichnen (32 Prozent). Der Zuwachs ist vor allem nordamerikanischen (Wachstum von 61 Prozent) und asiatischen Unternehmen (54 Prozent) zu verdanken, die primär im Technologiesektor investieren, wie sich auch anhand des folgenden Diagramms, in dem die Zielsektoren dieser Investitionen nach Anteil veranschaulicht werden, ablesen lässt:

In diesem Diagramm wird die Verteilung der Finanzdirektivestitionen in die Region Paris auf die Zielsektoren anteilig dargestellt. So entfällt ein großer Teil (38 Prozent) auf den Sektor IT und Software. Danach folgen mit Anteilen zwischen 14 und 17 Prozent Beratungs- und Ingenieurdienstleistungen sowie Betriebsdienstleistungen, weitere Dienstleistungen, Einzelhandel und Vertrieb und Prêt-à-porter.
Grafik: VDI TZ; Quelle: www.paris-region.com

Ein Blick auf die FDI-Projekte im Cluster nach Ursprungsland zeigt, dass die meisten ausländischen Finanzdirektinvestitionen (29 Prozent) aus den USA stammen (siehe Diagramm). Direkt dahinter folgen Großbritannien (10 Prozent) und Deutschland (8,5 Prozent).

Im Diagramm werden anteilig die Herkunftsländer für Finanzdirektinvestitonen in den Cluster veranschaulicht. Demnach stammen fast ein Drittel (29 Prozent) aus den USA, dahinter folgen Großbritannien (10 Prozent), Deutschland (8,5 Prozent), Japan und China mit jeweils 5,5 Prozent und Kanada mit 3 Prozent.
Grafik: VDI TZ; Quelle: Paris Region Key Figures 2014

Die Region verfügt über eines der am besten ausgebauten Verkehrsnetze weltweit und ist Knotenpunkt für das gesamte französische Eisenbahn- und Straßenverkehrsnetz. Am Stadtrand befinden sich mit Paris-Charles de Gaulle, Paris-Orly und Paris-Le Bourget drei internationale Flughäfen, die vom Flughafenbetreiber Aéroports de Paris betrieben werden. Paris-Beauvais (ca. 3,8 Mio. Passagiere pro Jahr) liegt außerhalb des Großraums und wird in erster Linie von „Billigfluggesellschaften“ angeflogen.

Paris-Charles de Gaulle (CDG) ist mit über 62 Mio. Passagieren pro Jahr (2013) der zweitgrößte Passagierflughafen Europas nach London-Heathrow, im weltweiten Vergleich belegt er Rang acht. Im Umfeld des Flughafens befinden sich über 600 Unternehmen mit über 75.000 Beschäftigten, was den Flughafen auch zu einem bedeutenden Wirtschaftsstandort in der Region macht. CDG wird von Air France als zentrales Liniendrehkreuz genutzt.

Ein weiterer Flughafen ist Paris-Orly, neun Kilometer südlich von Paris, mit einem Passagieraufkommen von über 28 Mio. pro Jahr (2014). Von hier werden Flughäfen in Europa, dem Mittleren Osten, Afrika, die Karibik, Nordamerika und Südostasien angeflogen. Der Flughafen Le Bourget wird heute noch für den Geschäftsflugverkehr und Flugshows genutzt und ist in diesem Sektor europaweit der wichtigste Flughafen.

In Paris findet sich auch der zweitgrößte Binnenhafen Europas hinter den Duisburg-Ruhrorter Häfen. Entlang der ca. 500 km befahrbaren Wasserstraße der Seine liegen ca. 70 Häfen.

Hinsichtlich der touristischen Attraktivität rangiert Paris mit über 15 Mio. Ankünften pro Jahr im Top City Destinations Ranking 2013 von Euromonitor International weltweit auf Platz 5.

Jedes Jahr werden in Paris mehr als 400 Fachmessen mit mehr als 10 Mio. Besuchern und rund 100.000 Ausstellern veranstaltet, was Paris zu einer der herausragenden Messeregionen europaweit macht.

  • Die erste Ausgabe des Pariser Autosalons (franz. Mondial de l'Automobile) fand 1901 statt. Heute besuchen über 1,2 Mio. Menschen die Messe, die alle zwei Jahre im Wechsel mit der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt stattfindet.
  • Die Pariser Luftfahrtausstellung (franz. Salon international de l’aéronautique et de l’espace, engl. Paris Air Show) ist eine der wichtigsten internationalen Luftfahrtmessen und wird im Zwei-Jahres-Turnus auf dem Flughafen Le Bourget bei Paris veranstaltet. Die seit 1909 ausgerichtete und damit älteste (und größte) Luftfahrtmesse der Welt zieht alle zwei Jahre deutlich über 300.000 Besucher an.
  • Pollutec Horizons ist eine internationale Ausstellung für Ökotechnologien, Energie und nachhaltige Entwicklung.
  • Internationale Bedeutung hat auch die Kosmetik-Fachmesse Beyond Beauty.
  • Die noch junge Messe Futur en Seine präsentiert digitale Innovationen aus Frankreich und der Welt und wird vom Netzwerk Cap Digital (siehe Kapitel „Akteure & Netzwerke“) organisiert.

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3. Thematische Stärkefelder

In der Hauptstadt Paris laufen durch die zentralistische Struktur Frankreichs alle Fäden in Wirtschaft, Politik sowie Bildung und Forschung zusammen. Größter Arbeitgeber der Region ist die staatliche Eisenbahngesellschaft Société Nationale des Chemins de fer Français (SNCF) mit 53.000 Beschäftigten.

Das Diagramm stellt die Anzahl der Beschäftigten der zehn größten Arbeitgeber im Cluster dar. Mit 54.000 Beschäftigten ist die staatliche Eisenbahngesellschaft SCNF der größte Arbeitgeber, dicht gefolgt von La Poste mit 50.000 und Air France mit 44.500.
Grafik: VDI TZ; Quelle: Paris Region Key Figures 2015

Luft- und Raumfahrt

Der Cluster besitzt besonderes Renommee im Bereich der Forschung und Technologie in Luft- und Raumfahrt. 35 Prozent aller Beschäftigten in diesem Sektor arbeiten bei vier großen Luft- und Raumfahrt-Unternehmen im Cluster: Airbus (14 Standorte), Dassault (4 Standorte), Safran (10 Standorte) und Thales (11 Standorte).

90 Prozent der Forschung im Bereich Business Aviation, 60 Prozent im Bereich der Antriebskomponenten und –ausrüstung und 50 Prozent der Forschung im Bereich der Weltraumfahrt sind im Cluster konzentriert. Mehr als 250 Luftfahrtunternehmen, Hightech-KMUs, Anlagenhersteller, Forschungszentren und Universitäten sind im Netzwerk ASTech Paris Region organisiert.

Kosmetika

Paris gilt als weltweites Zentrum der Kosmetik- und Luxusartikelindustrie. 40 Prozent aller französischen Kosmetikunternehmen haben ihren Sitz im Cluster, insgesamt sind es rund 200 Unternehmen mit mehr als 16.000 Mitarbeitern. Der Umsatz der gesamten Branche liegt bei ca. 14,5 Mrd. EUR, wobei 55 Prozent des Umsatzes aus dem Export herrühren.

Darüber hinaus haben sich die Auftragsforschungsinstitute im Cluster auf die klinische Entwicklung von dermatologischen Produkten spezialisiert (bspw. DermExpert).

Umwelttechnologie

Im Diagramm wird die Struktur des Umwelttechnologiesektors im Cluster dargestellt, der sich wie folgt zusammensetzt: Abfallwirtschaft (16 Prozent), Energieffizienz (15 Prozent), Wasser (15 Prozent), IKT (9 Prozent), Eneuerbare Energien (8 Prozent), Luft (6 Prozent), Ökobauwirtschaft (6 Prozent) sowie andere Sektoren (25 Prozent).
Grafik: VDI TZ; Quelle: Paris Region Entreprises

Im Bereich der Umwelttechnologie finden sich im Cluster mehr als 300 öffentlich und private Forschungsanlagen. 240 Akteure im Cluster sind im Netzwerk Advancity organisiert. Die Forschungsschwerpunkte von Advancity liegen in Ökotechnologie (Wasser-, Luft- und Abfallwirtschaft) und Erneuerbare Energien, Ökologischem Bauen (Nachhaltige Gebäude und Infrastruktur), Öko-Mobilität (Transport, Erreichbarkeit und Mobilität) und Öko-Städten.

Das erste Intelligente Stromnetz Frankreichs auf Bezirksebene (Issy Grid) wurde im Departement Hauts-de-Seine realisiert.

Im Balkendiagramm wird die absolute Zahl der Arbeitsplätze im Bereich Umwelttechnologie im Cluster dargestellt. Die meisten Arbeitsplätze entfallen demnach auf den Bereich "Ökologisches Bauen" (240.000). Dahinter folgen die Subsektoren "Infrastruktur und Ingenieurberatung" (164.000) und "Wassermanagement, Abfallwirtschaft und Wärmemanagement" (42.000).
Grafik: VDI TZ; Quelle: Paris Region Entreprises

Die meisten Arbeitsplätze im Bereich Umwelttechnologie werden mit dem Subsektor Ökologisches Bauen assoziiert (siehe Diagramm). Über 52 Prozent aller mit Umwelttechnologie assoziierten Patente kommen aus dem Cluster.

Finanzdienstleistungen

Im Cluster Region Paris – Île de France dominiert der Dienstleistungssektor: Fast alle großen Dienstleistungsunternehmen Frankreichs, insbesondere Banken und Firmen des Finanzwesens, haben ihren Sitz in Paris. Der Sektor der Finanzdienstleistungen ist für den Cluster dabei von herausgehobener Bedeutung. In Paris ist der viertgrößte Standort der Versicherungsbranche der Welt mit jährlichen Brutto-Beitragseinnahmen von ca. 200 Mrd. EUR und mehr als 460 Versicherungsunternehmen. Drei der fünf größten europäischen Investment-Banken sowie 17 der 20 größten Bankhäuser weltweit unterhalten Dependancen in Paris. Das Netzwerk Finance Innovation vereint 250 Mitglieder aus dem Cluster.

IKT

In einer von der Europäischen Kommission im April 2014 veröffentlichten Studie, dem EU Atlas of ICT Hotspots, rangiert die Region Paris hinter München und London auf dem dritten Platz. Der IT-Sektor ist entlang der Wertschöpfungskette breit gefächert: IT in Geschäftsprozessen, Open Source, Bildungssoftware, intelligente Fertigungssysteme, Telekommunikation, digitale Inhalte, Sicherheit und Verteidigung, Optik und Elektronik.

BlaBlaCar, ein Anbieter von Mitfahrgelegenheiten mit Sitz in inzwischen 13 Ländern und mehr als 10 Mio. Nutzern, wurde 2006 in Paris gegründet. Auch eine der ersten Crowdfunding-Plattformen, KissKissBankBank (2010), hat ihren Ursprung in der französischen Hauptstadt.

Image & Multimedia

90 Prozent der französischen Film-, Fernseh- und Rundfunkproduktion hat ihren Sitz im Cluster, darunter auch Computeranimations-Studios, Unternehmen für Spezialeffekte und Videospielfirmen (z.B. Ubisoft und Gameloft).

Im Bereich der Bildindustrie arbeiten etwa 3.800 Entwickler. Mithilfe von Steuervergünstigungen wird versucht, den Animations- und Spezialeffektsektor sowie die Videospielindustrie zu stärken (International Tax Credit, Video Games Tax Credit und Video Games Support Fund). Das Netzwerk Capital Games unterstützt seine Mitglieder im Bereich der Exportförderung.

Life Science

Die Region Paris - Île de France ist mit einer Vielzahl von internationalen Pharmaunternehmen wie etwa Pfizer, GSK, Novartis, Astra Zeneca und Roche sowie führenden französischen Unternehmen wie etwa Sanofi und Servier eine der herausragendsten Life Science-Regionen in ganz Europa. Insgesamt haben sich mehr als 1.000 Pharma- und Life Science-Unternehmen im Cluster angesiedelt; mehr als 300 in der Pharmaindustrie, über 200 in der Biotechnologie und mehr als 360 in der Medizintechnologie.

Der Cluster verfügt eine Reihe von Wissenschaftsparks mit biotechnologischem Schwerpunkt, wie zum Beispiel Biocitech, Cancer Campus, Genopole oder Paris Biotech Santé.

Automobilindustrie

Die Automobilindustrie im Cluster umfasst die gesamte automobile Wertschöpfungskette: Von der Entwicklung über Design und Herstellung bis hin zu Vertrieb sowie Kundendienst und Wartung. Eine Schlüsselstärke liegt hier im Bereich Forschung und Entwicklung, innerhalb derer der Cluster weltweites Renommee besitzt. Mit PSA Peugeot Citroën und Renault haben zwei global aktive Automobilhersteller ihren Sitz vor Ort. Allein 350 Mitglieder des Netzwerks mov’eo sind im Cluster ansässig. Es finden sich drei Fahrzeugmontagewerke, sechs große F&E-Zentren von Peugeot Citroën und Renault, ca. 70 Zulieferer (Bosch, Johnson Controls, ZF, Magna, Thyssen-Krupp etc.) und 400 weitere Unternehmen. Jährlich strömen ca. 3.000 Absolventen von für die Automobilindustrie relevanten Studiengängen auf den Arbeitsmarkt, der Sektor steht für ca. 50.000 direkte Arbeitsplätze.

4. Akteure und Netzwerke

In der Region sind zahlreiche Pôles de compétitivité vertreten. Diese thematisch und regional ausgerichteten Netzwerke verbinden die Akteure entlang der Wertschöpfungskette und werden im Rahmen des gleichnamigen Programms staatlich gefördert. Ziel ist die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft in den führenden Wirtschaftszweigen durch die Steigerung des Innovationspotentials, vornehmlich der industriellen Aktivitäten mit technologischer Ausrichtung, sowie die Erhöhung der Attraktivität Frankreichs durch eine verstärkte internationale Sichtbarkeit.

Geförderte Netzwerke (Pôles de Competitivité)
Netzwerk Branchen, Tätigkeitsfelder Mitglieder Anzahl finanzierter Projekte Gesamt-
investitionen in Mio. €
Öffentliche Förderung in Mio. €





Advancity Paris Region
Umwelttechnologien, Nachhaltige Stadtentwicklung 260 152 446 172



ASTech Paris Region
Luftfahrt, Raumtransporte, Antriebssysteme 274 47 122,5 95



Cap Digital Paris Region
Informations- und Kommunikationstechnologien, Digitale Medientechnologien 1.161 550 1.300 550




Cosmetic Valley Parfüm und Kosmetik 399 9 217 102




Elastopole Kunststoffe und Polymere 133 42 168 56




Finance Innovation Paris Region Finanzdienstleistungen 259 9 11 5


Medicen Gesundheitswirtschaft 217 246 901 410




Mov’eo Automotive-Sektor, Öffentliches Verkehrswesen 371 175 942 385




Systematic Paris Region Digitale Technologien 826 458 2.400 826



GESAMT   3.640 1.536 6.608 2.601

Tabelle: Die Pôles de compétitivité in der Region Paris 2015 (Quelle: Paris Region Key Figures 2015, Herausgeber: Paris Region Economic Development Agency)

Advancity Paris Region konzentriert sich auf vier zentrale Themenfelder: Stadt- und Raumplanung und –Entwicklung, Bauen und Wohnen, Mobilität und Verkehr sowie Naturressourcen und Umwelt. Das Netzwerk mit 260 Mitgliedern fördert die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, um mittelfristig absatzfähige Produkte, Prozesse und Dienstleistungen zu entwickeln. Der Cluster selbst stellt hierfür mit seinen über 12 Mio. Einwohnern ein großes Anwendungsgebiet dar.

ASTech Paris Region ist ein Netzwerk für Luftfahrt, Raumtransporte und Antriebssysteme mit 274 Mitgliedern (darunter 159 KMUs, 41 große Unternehmen sowie 45 Forschungs- und Bildungseinrichtungen). Kennzeichnend für das Netzwerk sind Verbundvorhaben in vier strategischen Feldern: Antriebssysteme, Onboard-Energiespeicher, Materialien und Prozesse sowie Fahrzeugarchitektur und –Ausrüstung.

Das Netzwerk Medicen Paris Region führt Akteure aus Life Science und Gesundheitswesen zusammen und konzentriert sich auf die Entwicklung von Spitzentechnologien für Gesundheit, Medikamente und neue Gen- und Zelltherapien. Im 2005 gegründeten Netzwerk sind 217 Mitglieder aus dem Cluster registriert. Ziel ist es, die europäische Spitzenposition, die die Region im Feld diagnostischer und therapeutischer Innovationen derzeit bereits innehat, zu festigen und auszubauen und den Cluster mittelfristig zu einem globalen Zentrum für translationale Medizin zu entwickeln. Der kooperative Ansatz des Netzwerks setzt auf die Vervollständigung der Wertschöpfungskette in der Region.

Cap Digital ist ein Netzwerk für digitale Inhalte und Dienste. Die 1.161 Mitglieder des Netzwerks setzen sich zum Großteil aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) zusammen, darüber hinaus auch aus Hochschulen und Forschungszentren.

Das bereits 1994 gegründete Netzwerk für Parfüm und Kosmetik, Cosmetic Valley, führt rund zehn große Luxusmarken und KMU zusammen, die im Bereich der Vorstufenprodukte sowie den nachgelagerten Industrien der großen Kosmetikmarken tätig sind. Das Netzwerk verfügt über 399 Mitglieder, die insgesamt für rund 70.000 Arbeitsplätze und einen Gesamtumsatz von etwa 11 Mrd. EUR stehen.

Elastopole ist ein Netzwerk mit Schwerpunkt auf Kunststoffen und Polymeren und konzentriert sich dabei auf sechs wissenschaftliche und technische Themenfelder: Polymere Werkstoffe und Verbindungen, Fertigungsprozesse, Nanomaterialen, Nachhaltige Entwicklungen und Umwelttechnologien und industrielle Anwendung.

Finance Innovation ist ein Wirtschafts- und Forschungsnetzwerk mit Fokus auf Finanzdienstleistungen. Ziel ist es, den Marktanteil der französischen Finanzdienstleistungsindustrie sowohl im europäischen als auch im globalen Wettbewerb durch die Realisierung von Forschungsprojekten mit hoher Wertschöpfung zu steigern.

Mit dem Schwerpunkt auf Forschung und Entwicklung im Bereich Automobil und öffentlicher Nahverkehr versucht das Netzwerk Mov’eo seit 2006, Kooperationsprojekte unter seinen Mitgliedern zu fördern. Inzwischen gehören 371 Mitglieder (darunter 207 KMUs) zum Netzwerk, das für etwa 70 Prozent der französischen Forschung und Entwicklung im Automotive-Sektor steht.

Seit 2005 ist das Netzwerk Systematic Paris Region aktiv, dessen Schwerpunkte in Automotive und Transport, intelligentem Energiemanagement, digitaler Sicherheit, freier und quelloffener Software, Systemdesign und Entwicklungswerkzeuge sowie Telekommunikation liegen.

Der DescartesCluster ist ein Netzwerk von Forschungszentren, Hochschuleinrichtungen und Hightech-Unternehmen, deren gemeinsames Ziel die Stärkung des Clusters hin zu einem weltweiten Zentrum für Nachhaltige Entwicklung ist. Das Netzwerk hat sein Zentrum im Osten des Clustergebietes, hier sitzen u.a. die Université Paris-Est Marne-la-Vallée, die Ecole Supérieure de Commerce International (ESCI), das Institut de Recherches Economiques et Sociales (IHRES) und die Ecole des Ponts ParisTech (ENPC).

Paris Région Lab unterstützt Gemeinden bei der Umsetzung von Innovationsstrategien und Unternehmen, die nach geeigneten Standorten suchen. Die Innovationsagentur verfügt über zehn Standorte in Paris und ist in allen Wachstumssektoren wie Cleantech, Finanzdienstleistungen, Vernetzte Mobilität (connected moblity), Verlagswesen, Medien, Spieleindustrie, Tourismus, E-Health, Design, Energie, IKT etc.

Im Cluster findet sich zusätzlich der weltweit einzige Startup-Inkubator für die Luftfahrtbranche, Starburst Accelerator. Partner des Inkubators sind Airbus, Safran, Thales, Dassault Aviation, Air France-KLM und andere Unternehmen gemeinsam mit der Stadt Paris. Seit der Gründung vor eineinhalb Jahren werden bereits 25 Startups betreut.

Auf dem Campus Paris Saclay konzentrieren sich eine große Universität (Universität Paris-Süd), drei Ingenieursschulen (Supélec, Institut d’Optique Graduate School, Ecole Polytechnique) und eine Handelsschule (HEC) sowie diverse Forschungszentren (CEA, CNRS, INRA, INRIA, ONERA und IHES). Der Campus ist 20 km südwestlich von Paris gelegen und weist eine hohe Dichte an Akteuren aus Forschung und Entwicklung auf. Verschiedene multinationale Unternehmen wie Danone, Air Liquide oder Thales haben bereits Forschungszentren auf dem Campus errichtet.

Die noch unter Nicolas Sarkozy im Februar 2008 gestartete Initiative Opération Campus fördert 12 universitäre Standorte mit rund 200 Mio. EUR jährlich, um die jeweiligen Campusse zu modernisieren und diese international wettbewerbsfähig zu machen. Gleich fünf weiterführende und Hochschuleinrichtungen aus dem Großraum Paris erhalten Mittel aus Opération Campus, der Campus Paris Saclay erhält mit 850 Mio. EUR die höchste Förderung.

Das Balkendiagramm veranschaulicht die Verteilung der Fördermittel aus Opération Campus. Es wird deutlich, dass Paris Saclay den größten Anteil (850 Millionen Euro) an Fördermittel erhalten hat. Danach folgen (zusammengefasst) weitere Einrichtungen in Paris, die insgesamt für 700 Millionen Euro stehen.
Grafik: VDI TZ; Quelle: Le Moniteur

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5. Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Der Großraum Paris darf – nicht nur wegen seiner insgesamt 600.000 Studenten, 70.000 Dozenten und damit fast 40 Prozent aller französischen Hochschullehrkräfte - als ein Zentrum für Bildungswesen in Frankreich und ganz Europa bezeichnet werden. Im von Quacquarelli Symonds herausgegebenen Ranking Best Student Cities 2015, in dem die Beliebtheit von Städten bei Studenten erfasst wird, belegt Paris (wie schon in den Vorjahren) Platz 1. Unterschieden wird zwischen Hochschulen und Grandes Écoles. Die Eliteschulen genießen in Frankreich ein höheres Ansehen: Sie sind praxisorientiert und dienen in erster Linie der Ausbildung von Eliten in Staat, Wirtschaft und Kultur. Zu den bedeutendsten Grandes Écoles im Cluster gehören

In insgesamt 12 Bildungs- und Forschungsnetzwerken kooperieren Pariser Universitäten gemeinsam mit Grandes Écoles und Forschungszentren. 70.000 im Cluster Studierende kommen aus dem Ausland; knapp die Hälfte stammt dabei aus Afrika, ein Viertel aus Europa sowie ein Drittel aus Asien und Amerika (siehe Diagramm).

In dem Diagramm wird anteilig die Herkunft ausländischer Studierender im Cluster dargestellt. Dabei fällt auf, dass fast die Hälfte der ausländischen Studierenden (46 Prozent) aus Afrika stammen, 25 Prozent stammen aus Europa, 19 Prozent aus Asien und 10 Prozent aus Amerika.
Grafik: VDI TZ; Quelle: Paris Region Key Figures 2014

Die Université Paris-Saclay (offizieller Start: 2014) ist – zusammengesetzt aus zwei Universitäten, Université Paris-Sud und Versailles Saint-Quentin-en-Yvelines Université, 9 Grandes Écoles und 8 Forschungseinrichtungen – mit 60.000 Studenten (12 Prozent internationaler Herkunft) und 10.500 Lehrkräften und Forschern eine der größten Universitäten auf dem europäischen Kontinent. Bereits 73 Stipendiatinnen und Stipendiaten des Europäischen Forschungsrats (ERC) haben an der Universität geforscht. Es ist das erklärte Ziel, die Hochschule in den kommendenAcademic World Rankings of World Universities (dem sogenannten Shanghai Ranking) in die Top 10 zu bringen, auch um die Kompetenzen des Clusters und Frankreichs im Hinblick auf international wettbewerbsfähige Forschung deutlicher aufzuzeigen.

Um ihren internationalen Einfluss zu erhöhen, haben sich zwölf Pariser Hochschulen 1991 zu einem Verband zusammengeschlossen. Seit 1999 treten sie gemeinsam unter dem Namen ParisTech auf. ParisTech hat knapp 20.000 Studierende und Forschungsverträge mit fast 3.000 Unternehmen. Der Hochschulverband ist Mitglied in der IDEA League, einer Vereinigung der renommiertesten technologischen Hochschulen Europas, und im ATHENS Programme. Außerdem laufen Kooperationen mit China, Brasilien und Russland. 

Die Universitätsreform von 1968 bis 1971 teilte die Universität von Paris in insgesamt dreizehn eigenständige Hochschulen (Paris I – Paris XIII), drei von ihnen tragen den Namenszusatz Sorbonne. Die Universität Paris-Süd (auch Universität Paris 11) wurde 1970 gegründet und hat fünf Fakultäten. An ihr studieren etwa 27.000. Studenten. Im Academic Ranking of World Universities (2014) belegt die Hochschule insgesamt den 42. Rang, innerhalb Frankreichs den 2.

Das Financial Times European Business School Ranking (2014) führt vier im Großraum Paris ansässige Wirtschaftshochschulen auf: HEC Paris (Rang 2), INSEAD (Rang 5), ESCP Europe (Rang 12) und die ESSEC Business School (Rang 15).

Seit der Dezentralisierung im Zuge der Studentenbewegung haben sich verschiedene universitäre Allianzen gebildet, die seit 2006 von der Regierung auch offiziell unterstützt werden. Durch diese Pôles de recherche et d’enseignement supérieur (PRES) soll die Forschung effizienter gestaltet werden. In der Region Paris - Île de France existieren vier PRES-Projekte (Karte):

  • Paris Est
  • UniverSud Paris
  • ParisTech
  • Université Paris Cité

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6. Entwicklungsdynamik

Das CGI Paris - Île-de-France (die Industrie- und Handelskammer von Paris) schätzt, dass das insgesamt zehn Teilprojekte umfassende Großprojekt Grand Paris mehr als 60 Mrd. EUR Privatinvestitonen generieren wird. Durch den Ausbau und die Modernisierung der Verkehrsnetze im Cluster – insbesondere durch den Grand Paris Express, ein aus sechs fahrerlosen U-Bahn-Linien geplantes Netz – soll die Region an Attraktivität gewinnen. Das geplante U-Bahn-Netz wird auch als supermétro automatique régional bezeichnet.

Im Juli 2013 wurde einem Gesetzentwurf zugestimmt, wonach mit der sog. métropole eine neue Verwaltungseinheit geschaffen werden sollte, nach der französische Großstädte dann gemeinsam mit ihrem Umland verwaltet würden. Zwar wurde der Entwurf im Senat zunächst abgelehnt und musste in der Folge modifiziert werden; ein Gesetzentwurf, mit dem die Schaffung der métropole du Grand Paris als Gemeindeverband und die Auflösung aller bestehenden Gemeindeverbände beschlossen wurde, wurde jedoch im Dezember 2013 verabschiedet. Diese Umstrukturierung ist im Zusammenhang mit dem Grand Paris-Projekt eine Antwort auf die territoriale Zersplitterung der Region, die Regierung und Verwaltung erschwert.

Vom 30. November bis zum 11. Dezember 2015 wird die 21. UN-Klimakonferenz (COP 21) in Paris stattfinden. Mit Blick auf die Konferenz und die ohnehin hohe Luftverschmutzung versucht die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo mit einem Verbot von umweltbelastenden Bussen und Lastwagen sowie ab 2017 auch Autos, die Luftqualität in der französischen Hauptstadt zu verbessern. In der Vergangenheit war es anlässlich vergleichbarer Pläne bereits zu Protesten in Frankreich gekommen. Die Regierung von Präsident François Hollande will parallel Anreize zur Nutzung von Elektro- und Hybridfahrzeugen schaffen.

Das im Herbst 2013 auf den Weg gebrachte Programm La nouvelle France industrielle (dt.: Programm für ein neues industrielles Frankreich) wurde im April 2015 von Staatspräsident François Hollande neu definiert, firmiert nunmehr unter dem Namen Industrie du futur und sieht unter anderem die Einrichtung von Arbeitsgruppen bestehend aus Fachverbänden, Forschungseinrichtungen (darunter Cluster-Akteure wie etwa Arts et Métiers Paris Tech (ENSAM) und das Institut Mines-Télécom) und Industrieunternehmen vor. Das etwa zehn Schwerpunkte umfassende Programm konzentriert sich u. a. auch auf die Usine du futur (deutsch: Fabrik der Zukunft) bzw. die Modernisierung und Digitalisierung industrieller Prozesse, die in Deutschland oft als „Industrie 4.0“ bezeichnet werden.

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Redaktion: 12.06.15, von: Nils Demetry, VDI Technologiezentrum GmbH