Schweden wurde im Februar 2000 von dem Analystenunternehmen IDC zur führenden IT-Nation der Welt erklärt. In den meisten internationalen Studien, die sich mit der Anwendung von Computern, Mobiltelefonen und Internet befassen, befand sich Schweden während der 1990er Jahre ständig unter den führenden Ländern, aber schon seit längerem, nämlich den 1970er Jahren, gehört Schweden zu den maßgebenden Ländern der Welt, was die Durchdringung bei festen Telefonleitungen, Mobiltelefonen und Computern am Arbeitsplatz betrifft. Gut die Hälfte aller Schweden haben einen Internetzugang zu Hause. Auch die schwedischen Unternehmen halten die Spitzenposition bei der Nutzung von Computern allgemein.
Eine Erklärung für die schwedischen Erfolge sind natürlich u.a. Investitionen. Dazu gehört die schwedische Förderung von Forschung und Entwicklung. Der OECD zufolge war Schweden Anfang des 21. Jahrhunderts die Nation unter den OECD-Ländern, die mit einer Förderung von 3,8% des BSP pro Jahr den größten Anteil für Forschung und Entwicklung allgemein ausgab. Die Unternehmen kommen für 75% der Mittel der Förderung auf. Ein Resultat der Förderung der Informationstechnik ist, dass Schweden 1998 Produkte der Telekommunikation zu einem Wert von 10,3 Mrd. US$ exportierte.
Die Schweden sind auch eifrige Medienkonsumenten, was wiederum die technische Entwicklung beeinflusst, während Telekommunikationstechnik, Informationstechnik und Medientechnik integriert werden. Wenn die Anwender der Kommunikationstechnik immer anspruchsvoller werden, steigen auch die Ansprüche an den Zugang zu nutzbarem Inhalt. Die Integration der Telekommunikations- und Computertechnik in die Medientechnik und damit interessante, nützliche und verwendbare Inhalte in Form von Dienstleistungen und Produkten geht weiter und beeinflusst die Bereitschaft und Fähigkeit der Menschen, sich neuen Medien zuzuwenden.
Die Gründe dafür, dass gerade Schweden, trotz seiner geografischen Lage und obwohl es ein kleines Land ist, als Hersteller und Exporteur fortgeschrittener Kommunikationssyteme und als Land mit der intensivsten IT-Nutzung der Welt so erfolgreich ist, sind vielfältig und komplex.
Zu den historischen Ursachen gehört die Tatsache, dass Telekommunikation bereits früh genutzt wurde. Die Telegrafie war wichtig für die Entwicklung und Blüte des Bergbaus sowie der holzverarbeitenden Industrie und der Sägeindustrie im späten 19. Jahrhundert. Schweden hatte früh fähige Ingenieure, welche die Möglichkeiten neuer Technik erkannten.
Die schwedischen Unternehmen erwiesen sich auf Grund ihres Know-hows als sehr fähig bei der Entwicklung von Produkten für den globalen Markt. Ericsson war dabei selbstverständlich führend, häufig in Zusammenarbeit mit der Telia. In der Folgezeit sind viele Unternehmen in die Fußstapfen getreten, wie z.B. Allgon (Antennensysteme), Axis (Marktführer bei intelligenten Servern für Druckerteilung), Bokus.com (virtuelle Buchhandlung). Konkurrenz und Wechselwirkung zwischen Betreiber und Lieferant sind zwei Schlüssel für die frühe und schnelle Entwicklung der Telekommunikation.
Zu den historischen sozialen Faktoren, die zu der positiven Entwicklung beigetragen haben, gehören einerseits das heutige relativ hohe Bildungsniveau und andererseits die Fähigkeit und die Bereitschaft der Schweden, neue Technik anzunehmen. Ein Beispiel dafür ist die geplante Expansion von Breitbandsystemen. Bereits früh erkannten staatliche Behörden und Organisationen in Schweden, welche Möglichkeiten die Informationstechnik für eine effektivere und reibungslose öffentliche Verwaltung bietet. Viele im öffentlichen Sektor Beschäftigte hatten früh Zugang zu Computern, die u.a. dazu verwendet wurden, die Effizienz der Beschaffungstätigkeit von staatlichen Organisationen und Gemeinden zu verbessern. Dies hatte zur Folge, dass alle privaten Unternehmen, die den öffentlichen Sektor als Kunden gewinnen wollten, ebenfalls ihre Verfahren auf EDV umstellten.
Regionale Aktivitäten für die Informationstechnik sind eine weitere wirtschaftliche und soziale Triebfeder für Schwedens Erfolge in der IT-Branche. Behörden, Unternehmen und Bildungsinstitutionen haben sich vielerorts zusammengeschlossen, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Dank Ericsson entwickelte sich Kista zu einem weltführenden Zentrum für Forschung und Ausbildung in siliziumbasierter Technik.
itsweden.com
Die Plattform bietet aktuelle schwedische Nachrichten über drahtlose Kommunikation, E-Handel, spezialisierte Softwareentwicklung, Internet und neue Medien.
Schwedisches Amt für Transport- und Kommunikationsforschung
Das schwedische Amt für Transport- und Kommunikationsforschung ist ein zentrales Regierungsorgan zur Planung, Bereitstellung, Koordinierung und Unterstützung.
Zukunftsaussichten
Wichtig für zukünftige Erfolge sind die Unternehmen, die sich mit neuen Medien befassen und deren jährliches Wachstum 100% beträgt. Wird Kista im Norden Stockholms als "Schwedens Silicon Valley" bezeichnet, wo sich die traditionellen IT- und Kommunikationsfirmen befinden, gilt vor allem die Stockholmer Innenstadt als "Schwedens Sillicon Valley". Unternehmen, die Dienstleistungen und Inhalte für e-commerce etc. entwickeln, entstehen jetzt auch in den Innenstädten Göteborgs und Malmös.
Es werden aber immer die Anwender sein, welche die Entwicklung in Wirklichkeit vorantreiben. Die Schweden akzeptieren neue Techniken durchweg bereitwillig, besonders wenn sie das tägliche Leben erleichtert und die Kosten annehmbar erscheinen.