Silicon Valley
1. Kurzprofil
Das Silicon Valley gilt aufgrund seines historischen Entwicklungsprozesses als der Vorzeigecluster schlechthin. Der Kooperationsraum wurde vor allem durch seine Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu einem weltweit beachteten Vorbild für Cluster. Trotz der Entwicklungsprozesse anderer Clusterstandorte kann sich das nahezu über 3.000 km² erstreckende Gebiet im amerikanischen Nordkalifornien weiterhin seiner Ausnahmestellung in der Clusterlandschaft sicher sein. Die Vielfalt an Technologie- und Wissenschaftsfeldern vor Ort ist außergewöhnlich groß.
Im Städteband von Paolo Alto über Mountain View, Sunnyvale und Cupertino, Santa Clara bis San Jose, am Südende der San Francisco Bay im kalifornischen Längstal, wohnen etwa 2,52 Millionen Menschen, von denen 1,41 Millionen in den größten Wirtschaftsfeldern des Clusters beschäftigt sind. Als Initiator der Erfolgsgeschichte gilt die Stanford University. Mit ihr und der UC Berkeley befinden sich zwei der drei erstplatzierten Bildungsinstitutionen im Academic Ranking of World Universities im Cluster, die Kooperationen zu den ansässigen Unternehmen unterhalten.
Gegenwärtig hat sich die Region mit mehreren tausend Unternehmen in über 30 Städten zu einem eigenen High-Tech Standort entwickelt, dessen faktische Aufzählung detaillierter Unternehmensstatistiken angesichts zweistelliger Start-ups und Börsengängen wöchentlich beinahe unmöglich erscheint.
Das durchschnittliche Jahreseinkommen im Silicon Valley liegt laut Studie des Silicon Valley Network bei 79.116 US Dollar und misst damit deutlich über amerikanischem Durchschnitt, was jedoch den ebenfalls höheren Lebenshaltungskosten Rechnung trägt. Im Jahr 2008 konnten über 500 Konzerne aus über 20 nicht amerikanischen Ländern gezählt werden. Darüber hinaus besitzen nahezu alle bekannten US Konzerne Niederlassungen im Cluster.
2. Internationale Anziehungskraft
Die ursprüngliche Idee der lokalen Symbiose aus Wissenschaft und Wirtschaft ist im Silicon Valley trotz einiger Krisen, wie der "dot.com-Blase" Anfang des neuen Jahrtausends, nach wie vor noch erfolgreich. Insofern messen die ansässigen Unternehmen der in der Entstehungsgeschichte verwurzelten räumlichen Nähe zwischen erstklassigen technologischen Forschungseinrichtungen und innovativen Firmen auch noch im Zeitalter der fortgeschrittenen weltweiten Vernetzung enorme Bedeutung bei.
1891 gegründet, legte die Stanford University Ende der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit einem Förderprogramm zur Unternehmensansiedlung in der bis dahin brachliegenden Umgebung den Grundstein für eine der zukünftig erfolgreichsten Wirtschaftsregionen der Welt. William Hewlett und David Packard waren die ersten Studierenden und Wissenschaftspioniere aus Stanford, denen damals die Vorzüge der Förderinitiative angeboten wurden. Ihre 1939 in einer Garage in Paolo Alto beginnende Erfolgsstory hält bis heute an: Hewlett Packard rangiert aktuell auf dem zweiten Platz der Top 100 IT Companies von Silicon Valley.
Eine ausgeprägte Risikobereitschaft gehört zu den grundsätzlichen Merkmalen dieser Wirtschaftsregion. Ein unterdurchschnittliches Alter sowie eine offene Einstellung gegenüber Managemenalternativen unterstützen die häufig zitierte Behauptung, das Silicon Valley würde sich ständig neu erfinden.
Laut einer Analyse der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers waren Venture Capital-Gesellschaften 2008 allein für Unternehmen in dieser Region bereit, ca. 8 Milliarden US Dollar zu investieren. Das entspricht ungefähr 29% des gesamten US Venture Capitals aus dem vorhergehenden Jahr. Ein Großteil floss in die Innovationsfelder IT, Media & Entertainment und Biotechnologie.
Ferner profitiert Silicon Valley aus seiner bestehenden, stark und modern ausgebauten Infrastruktur. Die Verfügbarkeit und Kapazitäten von Land, Straßen, Bahnnetzen und Flughäfen, wie beispielsweise der Mineta San José International Airport (SJC), schaffen geeignete Voraussetzungen für Start-ups in der Region und Unternehmenskooperationen weltweit.
3. Thematische Stärkefelder
Die Stärke der Region liegt in der sogenannten wechselseitigen Befruchtung von innovativen Ideen zwischen den verschiedenen Forschungsfeldern. Diese (Eigen-)dynamik kommt den großen Industriefeldern zugute. Der Begriff Silicon Valley ist zu einem Synonym für die Elektronik- und Computerindustrie geworden, dennoch lässt sich die Region nicht auf wenige Innovationsfelder reduzieren. Vielmehr umfasst die thematische Bandbreite der Industrie- und Wissenschaftsfelder heute folgende Schwerpunkte:
- Semiconductor
- Computer & Kommunikation (Hardware)
- Computers & Peripherie
- Netzwerk & Navigation
- Elektronik
- Software
- Software
- IT Service
- Biomedizin
- Lebenswissenschaften F&E
- Biopharmazie
- Neurotechnologie
- Innovation & Creative Services
- Venture Capital
- Grafikdesign & Marketing
- Nano-Bio-Info Technologie Konvergenz
- Biotechnologie
- Nanotechnologie
- Informationstechnologie
- Umwelttechnologien (Cleantech)
Die ständige Beobachtung des Marktes sowie der Zugang zu technischen Entwicklungen werden durch die Nähe zu Technologieführern und deren Forschungspionieren im Kooperationsraum gleich in mehreren Bereichen vereinfacht. Die kontinuierliche Selbsterfindung der Region, welche sich in verlagerten Industrieschwerpunkten niederschlägt, kann beispielhaft für den IT-Bereich durch eine spürbare Verlagerung von Hardware- zu Softwarekonzernen in den letzten zehn Jahren skizziert werden. Die Wirtschaft ist dabei auf eine ausgewogene Mischung von Export und eigener Regionsversorgung eingestellt. Wettbewerb und Kooperation gehen mit Unabhängigkeit und Unterstützung zwischen Unternehmen und Bildungsinstitutionen einher. Nur so konnte z.B. in großem Maße Venture Capital für das Innovationsfeld „Energy and Clean Technology“ mobilisiert werden. Bemerkenswert ist, dass die Themenfelder Biotechnologie und Medizin inzwischen den Sektor Semiconductors im Bereich der Venture Capital Investitionen hinter sich gelassen haben.
Auf dem Gebiet der Neurotechnologie ist Silicon Valley mittlerweile der weltweit führende Standort. In der Studie "Neurotech Cluster 2010" belegt die „Greater San Francisco Bay Area“ den ersten Platz. In der Region sind 94 neurotechnologische Unternehmen angesiedelt. Damit hat San Francisco die meisten Unternehmen aller untersuchten Cluster. Außerdem sind 99 Risikokapitalgeber in der Bay Area aktiv, die sich auf Neurotechnologie spezialisiert haben. San Francisco kann sich auf seine erstklassige Infrastruktur im Bereich Neurotechnologie verlassen. Die Region beherbergt drei der besten Universitäten im Sektor Neurowissenschaften (University of California, Berkeley; University of California, San Francisco; Stanford University) und einige einflussreiche Forschungskrankenhäuser (San Francisco Medical Center, Stanford Hospital and Clinics).
4. Akteure und Netzwerke
Führende Hochschulen und Bildungsangebote tragen zum Talentpool des Standorts bei. Die besondere Verknüpfung von Wissenschaft und Wirtschaft wurde bereits mehrfach als „shared community“ oder „knowledge ecology“ umschrieben, die sich im Eigenverständnis durch die Synergien von Diskurs, Wissen, Praxis und Vertrauen charakterisieren lassen. Im Stanford Research Institute konnten auf diese Weise viele Spin-offs entstehen. Renommierte Hochschulen mit Standort im Silicon Valley, die diesen Dialog fördern, sind:
Im Silicon Valley gibt es zahlreiche Institute und Zentren, die sich mit Wissens- und Technologietransfer befassen. Einige wichtige Akteure seien hier kurz genannt:
- Stanford University Office of Technology Licensing
- The Technology Transfer Program at ITS Berkely
- Bentech
- Bio | Info | Nano Research and Development Institute
- Environmental Business Cluster
- San Jose BioCenter
- Techfarm Ventures
- Panasonic Digital Concept Center
Einflussreiche Konzerne des Clusters sind in allen Industriebereichen des Standortes zu finden. Hierzu zählen sowohl die bekanntesten Softwareriesen wie Google, Microsoft oder Electronic Arts, ebenso wie Hardwareweltmarktführer, etwa AMD, Intel, Apple und Nvidia. Darüber hinaus haben wichtige ausländische Unternehmen aus den verschiedensten Bereichen die Standortvorteile für sich entdeckt. BMW, SAP und Siemens sind Beispiele für deutsche Konzerne aus der Automobil-, Software- und Elektronikindustrie, die sich für eine Niederlassung im Cluster entschieden haben.
Die Unternehmenslandschaft im Silicon Valley wird durch vertikale wie horizontale Netzwerke verbunden. Das aktive Honors Cooperative Program war und ist das Muster vieler neuerer Kooperationen im Cluster. Die daraus jahrelang erwachsene Affinität von Wissenschaft und Wirtschaft erzielt mit Gewährung von universitärer Unabhängigkeit für beide Kooperationspartner Vorteile. Gewinnerzielung und gemeinsames Wissen sind die Ziele von derartiger Zusammenarbeit am Standort und fließen in die Regionsstrategien ein.
5. Humankapital
Die nordkalifornische Region gilt als Magnet für die besten Studierenden aller Kontinente. Weltbekannte Unternehmensmarken begegnen hier den "Arbeitskräften von morgen". Ausbildung, Zukunftschancen, Erfolg, hohe Lebensstandards und überdurchschnittliche Einkommen locken die internationale, junge Bildungsoberschicht an, so dass statistisch 68% der Menschen im Silicon Valley das College besucht haben. 44%, also fast die Hälfte, können einen Bachelor oder höheren universitären Abschluss vorweisen.
Die Zahl der ausländischen Talente mit universitärem Abschluss im Bereich Ingenieur- und Naturwissenschaften ist seit 1996 innerhalb von 10 Jahren um 4 Prozentpunkte (von 14% auf 18%) gestiegen. Das sind vielfältige Voraussetzungen für Kooperationen, die durch weitere spezifische Förderungsprogramme der Universitäten vor Ort gestärkt werden.
6. Entwicklungsdynamik
Im Zweiten Weltkrieg erfuhr die Region durch die Rüstungswirtschaft enormen Aufschwung, so dass bereits unmittelbar nach dem Krieg 1946 das Stanford Research Institute (SRI) zur Unterstützung von non-profit F&E Organisationen ins Leben gerufen werden konnte. In den 50er Jahren wurde die Industrieregion im Umfeld der Universität zum Stanford Industrial Park (heute: Stanford Research Park) erklärt. Die erste offizielle Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft im wachsenden Netzwerk des Gebiets auf der kalifornischen Halbinsel war das Honors Cooperative Program (HCP). Noch heute wird durch dieses Projekt Angestellten der Mitgliederunternehmen ermöglicht, mit regulärem Studentenstatus universitäre Leistungen in Anspruch nehmen zu können.
Der diversifizierte Cluster gewinnt sein Standortimage unter anderem aus der starken Präsenz weltbekannter Unternehmensmarken. Die Erfolgstory des Clusters hält trotz diverser Krisen in seiner langen Entwicklungszeit an. Die weltweite Ausnahmestellung der Schnittstelle Wissenschaft-Wirtschaft wird langfristig nur in Verbindung mit Erweitern und Erhalten der charakteristischen Grundzüge dieser Kooperationen (z.B. Unabhängigkeit der Bildungsinstitutionen) funktionieren können.
Die zunehmende Internationalisierung asiatischer und indischer Produktionsstandorte und Science Parks mit deutlich niedrigerem Lohnniveau konnte in einigen Themen- und Forschungsfeldern bereits Alternativen in der Standortwahl aufzeigen. Die eigene starke wirtschaftliche Basis des Clusterstandorts Silicon Valley und das Bewusstsein für Standortstrategie und -marketing sprechen dennoch dafür, dass die „Leadfunktion“ dieses regionalen Kooperationsraumes ausgebaut werden kann. Diesbezüglich sind gleich mehrere Initiativen zur Standortattraktivität ein Indiz für die kontinuierliche Gestaltung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit. Diese reichen von innovativen Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrpersonal an Schulen und Universitäten bis hin zur Einrichtung einer "Public Sector Climate Task Force", die die Umsetzung klimafreundlicherer Industriestrategien am Standort unterstützt. Insgesamt bietet der Cluster den Vorteil, physische Nähe zu einer einzigartigen Anzahl von Marktführern aus den verschiedensten F&E Feldern nutzen und auf eine sehr modern ausgebaute Infrastruktur zurückgreifen zu können.
7. Clusterbibliothek
Times Higher Education-QS World University Rankings 2009: Arts and humanities
Times Higher Education-QS World University Rankings 2009: Social sciences
Times Higher Education-QS World University Rankings 2009: Natural sciences
Times Higher Education-QS World University Rankings 2009: life sciences and biomedicine
Times Higher Education-QS World University Rankings 2009: Engineering and information technology
Times Higher Education-QS World University Rankings 2009
Competitive Alternatives: KPMG's Guide to International Business Location (2010 Edition)
Competitive Alternatives 2010 - Special Report: Focus on Taxes
Understanding Research, Science and Technology Parks: Global Best Practices
Neurotech Clusters 2010: Leading Regions in the Global Neurotechnology Industry 2010-2020
Human Development Report 2009 Summary
8. Nachrichten und Termine
Cluster Kopenhagen: Life Science Ambassador Programme erweitert internationale Zusammenarbeit
Seminar with European expatriate entrepreneurs
USA: Bayer CropScience und Mendel Biotechnology weiten Zusammenarbeit im Pflanzenschutz aus
Top 10 der Cluster-Organisationen im Innovationsfeld Cleantech
Silicon Valley: Jobflaute für Ingenieure und IT-Experten
Globalfoundries bietet Kunden ab sofort weltweit Full-Service-Fertigung
Neue Clusterportraits: Silicon Valley, Seattle, Cambridge
ITLG Shortlists Dozen Irish Startups for "Silicon Valley Comes to Ireland" Belfast Event
Premiere für Deutsche Internationale Abiturprüfung
Rhein-Main-Neckar-Region einer der wichtigsten IT-Cluster weltweit
Redaktion: 08.03.2010, von: Philipp Clemens, VDI Technologiezentrum GmbH
Cluster Kopenhagen: Life Science Ambassador Programme erweitert internationale Zusammenarbeit
Seminar with European expatriate entrepreneurs
USA: Bayer CropScience und Mendel Biotechnology weiten Zusammenarbeit im Pflanzenschutz aus
Top 10 der Cluster-Organisationen im Innovationsfeld Cleantech











