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Sophia Antipolis

1. Kurzprofil

Der Wissenschaftspark Sophia Antipolis im südfranzösischen Département Alpes-Maritimes (Region Provence-Alpes-Côte d'Azur - PACA) gilt als einer der ersten und erfolgreichsten Wissenschaftsparks weltweit. Seine Entstehung reicht bis in das Jahr 1960 zurück, als Pierre Laffitte in der Zeitung Le Monde seine Vision eines „Quartier Latin aux Champs" entwarf. In diesem Artikel plädierte er dafür, in Frankreich ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Wirtschaft und Wissenschaft der unterschiedlichen Disziplinen wechselseitig befruchten können und in dem junge Unternehmen im Umfeld der Hochschulen attraktive Entwicklungs- und Wachstumsbedingungen vorfinden. Letztendlich sollte in diesem Umfeld Kreativität freigesetzt werden, die zu (Cross-)Innovationen, Wachstum und Beschäftigung führt.

Im Jahr 1969 gegründet, beherbergt Sophia Antipolis heute (2008) ca. 1400 Unternehmen mit knapp 30.000 Beschäftigten aus ca. 70 Ländern. 150 Unternehmen im Park sind in ausländischem Besitz und schaffen 28% der Beschäftigungsverhältnisse. 40% der Unternehmen weisen eigene FuE-Aktivitäten auf. Thematischer Schwerpunkt sind hierbei die Informationstechnologien, die heute 50% der Beschäftigungsverhältnisse und 25% der Unternehmen ausmachen. Weitere Themenschwerpunkte finden sich in den Lebenswissenschaften, Umweltwissenschaften und der Feinchemie.

Der Park beherbergt heute zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Standardisierungsinstitutionen, die ETSI (European Telecommunications Standards Institute) und W3C (World Wide Web Consortium) haben in Sophia Antipolis ihren Sitz. Zahlreiche Bildungseinrichtungen sind im Park beheimatet, darunter die Universität Nice-Sophia Antipolis und eine Niederlassung der renommierten École des Mines.

Die Wirkung des Wissenschaftsparks geht deutlich über seine räumlichen Grenzen hinaus und strahlt in die gesamte Region aus. Die Côte d'Azur versteht sich heute als zukunftsweisender Hightech-Standort, der insgesamt 8 Pôles des Compétitivité beheimatet, darunter die beiden internationalen Pôles des Compétitivité „Solutions Communicantes Sécurisées (SCS)“, der direkt in Sophia Antipolis angesiedelt ist, und „Pôle Mer PACA“.

Einst als Ort des anderen Lebens und Arbeitens („vivre et travailler autrement“) gegründet, orientiert sich Sophia Antipolis heute neu und hat mit dem Strategiepapier Sophia Vision 2020 den Weg in das 21. Jahrhundert aufgezeigt. Kernelemente des Strategiepapiers sind die Sicherung des Beschäftigtenpotenzials, eine optimierte Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Kompetenzfeldern sowie eine konsequente Umsetzung des Nachhaltigkeitsaspektes. 

Abbildung: Karte des Wissenschaftsparks (Quelle: Fondation Sophia Antipolis)

2. Internationale Anziehungskraft

Sophia Antipolis gilt als einer der ersten Wissenschafts- und Technologieparks weltweit. In einer Benchmarkingstudie (2007) positioniert sich Sophia Antipolis relativ zu Saint Laurent (Montréal), Kista (Stockholm), 22@ (Barcelona), Inovallée (Grenoble) und Plateau de Saclay (Essonne) mit u.a. folgenden Ergebnissen:

  • Im Jahr 2006 war Sophia Antipolis der Standort in Frankreich, der die meisten Forschungszentren ausländischer Unternehmen gewinnen konnte.
  • Sophia Antipolis weist von allen betrachteten Standorten die höchste Forscherdichte auf.
  • Sophia Antipolis hat von allen betrachteten Standorten den am stärksten diversifizierten Unternehmensbestand.

68 Nationalitäten sind derzeit unter den Beschäftigten in Sophia Antipolis vertreten. Mit seiner internationalen Ausrichtung und Perspektive ist Sophia Antipolis in zahlreichen europäischen und internationalen Gremien und Netzwerken präsent, und hat eine Reihe von Partnerschaftsabkommen unterzeichnet.

Die Côte d’Azur hat sich in den letzten Jahren als Standort forschungsintensiver Unternehmen, insbesondere im Bereich der Informations.- und Kommunikationstechnologien etabliert. Im Jahr 2007 konnten insgesamt

  • 30 Ansiedelungsentscheidungen, davon 20 internatonaler Unternehmen, und
  • 178 Investitionsprojekte

in der Region gezählt werden. Dabei machte der IKT-Sektor 56% der Projekte aus. 16% der neuen FuE-Arbeitsplätze, die in Frankreich durch ausländische Direktinvestitionen geschaffen wurden, sind in der Region entstanden (vgl. auch nachstehende Abbildung).

Abbildung: Regionale und fachliche Verteilung der Ansiedelungen und Investitionsvorhaben in der Region (Quelle: Invest in Côte d’Azur) 

3. Thematische Stärkefelder

Der Wissenschafts- und Technologiepark Sophia Antipolis weist ein klares fachliches Profil in den nachsehenden Themenfeldern auf:

  • Informationstechnologien (330 Unternehmen, 12600 Beschäftigte): Elektronik, Softwareentwicklung, Telekommunikations- und Multimedia-Technologien, E-Commerce, Internettechnologien
  • Aus- und Weiterbildung (65 Einrichtungen, 3275 Beschäftigte)
  • Life Science und Feinchemie (45 Unternehmen, 2150 Beschäftigte): Pharmazie, Dermatologie, Biotechnologie, Bildgebende Verfahren in der Medizintechnik
  • Umwelttechnologien (19 Unternehmen, 260 Beschäftigte): Solarenergie, Neue Materialien

Diese Themenfeldern sind mir forschungsintensiven Unternehmen und renommierten Forschungseinrichtungen hinterlegt. 8 der insgesamt 71 Pôles de Compétitivité haben unmittelbaren Bezug zu den Unternehmen und Forschungseinrichtungen in der Region:

Hinter diesen Pôles de Compétitivité stehen 3000 Unternehmen und Forschungseinrichtungen sowie 200.000 Arbeitsplätze (Quelle: Invest in Côte d’Azur)

Besonders hervorzuheben ist der direkt in Sophie Antipolis angesiedelte Wettbewerbspol Solutions communicantes sécurisées (SCS), der zugleich die Kernkompetenzen von Sophia Antipolis, die Informations- und Kommunikationstechnologien, repräsentiert. In der Region Provence Alpes Côte d’Azur / Nizza, Sophia-Antipolis angesiedelt, steht SCS für

  • 41.000 Arbeitsplätze in den Informations- und Kommunikationstechnologien, davon 13.000 in 25 internationalen Unternehmen und 6500 im FuE-Bereich,
  • 1200 Wissenschaftler in öffentlichen Forschungseinrichtungen,
  • 14 Ingenieurschulen und sechs Universitäten mit 1500 ingenieurwissenschaftlichen und promovierten Absolventen im Jahr,
  • Jährliche private und öffentliche Investitionen in Höhe von 400 Millionen Euro (2009).

Ziel von SCS ist der Aufbau eines der weltweit bedeutendsten Kompetenzzentren für Informations- und Kommunikationstechnologien:

  • Konsolidierung der Märkte, auf denen SCS führend ist (Chipkarten, Etiketten, Elektronik, Informations- und Kommunikationsdienstleistungen),
  • Entwicklung neuer Produkte entlang der gesamten Wertschöpfungskette, indem die Zeit bis zur Markteinführung reduziert und die Produktivität des Bereichs FuE verbessert wird,
  • Schaffung von 24.000 neuen Arbeitsplätzen in den nächsten zehn Jahren.

Projektliste des Pôle de Compétitivité SCS

Projektaufrufe

Alle Mitgliedsunternehmen

Alle institutionellen Partner

Ein zukunftsweisender Ansatz zur Förderung und Entwicklung von IKT-Technologien in der Region und zur Einbindung insbesondere von KMU in regionale Netzwerke ist das im Herbst 2008 aufgelegte Programm PACA Labs. Gegenstand des Programms ist der Aufbau von Netzwerken zwischen KMU und regionalen Akteuren (z.B. Hochschulen, Krankenhäuser, Gebietskörperschaften etc.) im Rahmen derer neue innovative Technologien der Digitaltechnik unter realen Bedingungen („in vivo“) getestet werden können.

Programmdetails

4. Akteure und Netzwerke

Charakteristisch für Sophia Antipolis ist eine breit gefächerte Netzwerklandschaft mit einer Reihe von für die Entwicklung des Standorts zuständigen Organisationen:

Die SAEM Sophia Antipolis Côte d’Azur bietet u.a. vollständige Listen mit Akteuren auf den unterschiedlichen Stufen der Wertschöpfungskette:

Liste sämtlicher Unternehmen nach Themenfeldern

Liste der öffentlichen Forschungseinrichtungen

Inkubatoren und Technologiezentren

5. Humankapital

Der Cluster zeichnet sich durch eine im internationalen Vergleich hohe Wissenschaftler- und Ingenieursdichte aus:

  • 14.000 Ingenieure
  • 4000 Wissenschaftler
  • 53% hochqualifizierte Arbeitsplätze
  • 5000 Studierende

Gespeist wird dieses Arbeitskräftepotenzial u.a. durch die Hochschulen der Region, insbesondere der Unversität Nice - Sophia-Antipolis, die mit der naturwissenschaftlichen Fakultät in Sophia Antipolis ansässig ist.

Eine zentrale Rolle bei der Ausbildung von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern spielen die renommierten Ingenieurschulen, darunter:

  • Niederlassung der Pariser Ecole des Mines mit einer Reihe von Master- und Promotionsstudiengängen in den Bereichen Neue Materialien, Energie und angewandte Mathematik.
  • Eurecom, 1991 von der TELECOM_ParisTech (Ecole Nationale Supérieure des Télécommunications) und der EPFL (Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne) gegründet.

 

Liste aller Bildungseinrichtungen im Cluster

Ein wichtiger Standortfaktor für die internationale Gemeinschaft im Cluster ist zudem die internationale Schule (vgl. LYCEE INTERNATIONAL DE VALBONNE-SOPHIA ANTIPOLIS  

6. Entwicklungsdynamik

Im Oktober 2008 hat die Versammlung der Akteure der Technopole Sophia Antipolis das Ergebnis eines halbjährigen Strategieprozesses, die Sophia Vision 2020 vorgestellt. In diesem Strategiepapier wird die Zielsetzung formuliert, in 10 Jahren 10.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen, darunter 2000 für Wissenschaftler, und die Zahl der Studierenden auf insgesamt 9000 (+4000) zu erhöhen. Maßnahmen zur Entwicklung des Wissenschaftsparks umfassen u.a.

  • die Intensivierung der Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien als Querschnittstechnologien für z.B. die Lebenswissenschaften oder Nachhaltigkeitstechnologien
  • eine stärkere Vernetzung der Stufen der Innovationskette, um technologiebasierte Unternehmensgründungen weiter zu forcieren,
  • den Aufbau von Rekrutierungsdienstleistungen für KMU oder
  • die stärkere Urbanisierung des Parks einschließlich einer Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs.

Ein zentrales Zukunftsprojekt ist der im Bau befindliche ISCT Campus. Auf einer Fläche von 14 ha sollen die Bildungs- und Forschungseinrichtungen im IKT-Bereich (EURECOM/INSTITUT TELECOM, ESSI, ESINSA, INRIA) zusammengefasst und miteinander verbunden werden. Der Campus bietet die Infrastruktur für Verbundprojekte sowie Synergien für neue Studiengänge einschließlich eines Doktorandenprogramms.

Chancen aber auch Herausforderungen bietet ein im Dezember 2007 beschlossener neuer Technologiepark in direkter Nachbarschaft des Flughafens Nizza. Das Vorhaben unter dem Titel Opération d’Intérêt National de la Plaine du Var (Eco Vallée) soll zum Aushängeschild der Nachhaltigkeitswirtschaft in Frankreich und zum Motor der wirtschaftlichen Entwicklung der Côte d’Azur werden. Es bieten sich Komplementaritäten zum Themenspektrum in Sophia Antipolis, die es zu nutzen und weiter auszubauen gilt. 

7. Clusterbibliothek

8. Nachrichten und Termine

Redaktion: 04.08.2009, von: Philipp Clemens, VDI Technologiezentrum GmbH