BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
Kooperation International
 
StartseiteNachrichten ⁄ Studie bestätigt: Dank Open Access wird mehr zitiert

Studie bestätigt: Dank Open Access wird mehr zitiert

Als Open Access (engl.: offener Zugang) bezeichnet man den freien und kostenlosen Zugang zu wissenschaftlicher Literatur im Internet. In einer neuen Studie, die von Wissenschaftlern in Kanada und im Vereinigten Königreich durchgeführt und die im Open-Access-Journal PLoS ONE veröffentlicht wurde, wird die Macht des Publizierens unter Open-Access-Bedingungen (OA) zur Verstärkung der Auswirkungen von Forschung hervorgehoben. Die Forscher zählen nun darauf, dass ihre Erkenntnisse noch mehr Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Forschungsförderer dazu ermutigen, die OA-Selbstarchivierung (OA Self-archiving) zu übernehmen, bei der sämtliche unter deren Schirmherrschaft veröffentlichte Forschungsarbeiten für andere Forscher frei zugänglich sind.

Artikel, die in OA-Repositorien frei verfügbar sind, werden tendenziell häufiger als ähnliche Artikel zitiert, die nur von zahlenden Abonnenten gelesen werden können. Die Gründe für diese Tatsache waren bereits Gegenstand zahlreicher Debatten.

Professor Steven Harnard von der School of Electronics and Computer Science an der University of Southampton im Vereinigten Königreich und langjähriger Verfechter des Open Access dazu: "Es ist nun hinreichend bekannt, dass Forschungsergebnisse, die im Internet für alle frei zugänglich sind, eher verwendet und zitiert werden als Forschungsergebnisse, die nur zahlenden Abonnenten zur Verfügung stehen. Aber wir müssen durchaus nachfragen: Wird die Forschungsarbeit eher genutzt und zitiert, weil sie per Open Access zugänglich gemacht worden ist? Oder wurde sie unter OA-Bedingungen publiziert, damit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sie verwendet und zitiert wird?"

Um dieser Sache auf den Grund zu gehen, untersuchten Professor Harnard und seine Kollegen in Southampton und an der Université du Québec à Montréal in Kanada Publikationen der ersten vier Institutionen weltweit, die ihre Forscher zu Open Access verpflichteten. Das waren die School of Electronics and Computer Science Southampton, die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN), die Queensland University of Technology in Australien und die Minho Universität in Portugal.

Das Team verglich die Zitierhäufigkeit der Veröffentlichungen dieser Institutionen mit vergleichbaren Publikationen von Institutionen ohne OA-Anordnung, wobei sich die Autoren in einigen Fällen sowieso dafür entschieden hatten, ihre Artikel unter OA bereitzustellen; in den meisten Fällen hatten sie das allerdings nicht.

Die Untersuchung bestätigte die Auswirkungen des Open Access auf Zitierungen; OA-Artikel wurden deutlich häufiger als nicht zum Open Access freigegebene Artikel zitiert, auch wenn noch andere Variablen in Betracht gezogen wurden. Überdies ist der OA-Vorteil für Artikel, die zum Open Access freigegeben werden mussten, da es die Institutionen der Autoren verlangten, ebenso groß wie für Artikel, bei denen die Autoren sich freiwillig für OA entschieden hatten.

Das bedeutet letztlich, dass OA-Artikel nicht nur deshalb häufiger zitiert werden, weil die Autoren denken, dass sie zitierfähig seien, und sie deswegen in den Open Access geben. Vielmehr werden dank Open Access Artikel höherer Qualität besser zugänglich und damit leichter zitierfähig. Wären diese Artikel nicht per OA im Internet zu finden, könnten nur Menschen mit einem Abonnement der Zeitschrift über sie verfügen - und so wären sie weniger zugänglich und weniger zitierfähig.

Die Forscher schreiben: "Auf einem Spielfeld, auf dem durch OA faire Bedingungen für alle herrschen, kann der Nutzer wahlweise auf die Artikel zugreifen, diese nutzen und zitieren, die er als von höchster Relevanz und Qualität ansieht. Die Zugänglichkeit stellt somit keine Einschränkung mehr dar."

"Wir hoffen, dass diese Demonstration der Auswirkung des Open Access als realen und kausalen Vorteil weitere Anreize und Impulse für die weltweite Übernahme von OA-Verpflichtungen schaffen wird, um sicherzustellen, dass Forschung endlich ihr volles Wirkungspotenzial entfalten kann und nicht mehr auf die heutigen überflüssigen Grenzen stoßen muss, die den Zugang auf bestimmte Nutzer einschränkt."

Professorin Dame Wendy Hall von der University of Southampton, die nicht an dieser Studie beteiligt war, kommentierte: "Hier haben wir einen weiteren überzeugenden Beweis, dass wir alle die Auswirkungen unserer Forschungsarbeit verbessern können, indem - durch Open Access - sichergestellt wird, dass sie auch für jedermann zugänglich ist."

"Wenn wir endlich damit beginnen wollen, einige der derzeit unseren Planeten betreffenden wirklich drängenden Probleme zu lösen, müssen wir auch auf sämtliche Forschungsresultate vieler verschiedener Disziplinen sowie aller Forschungseinrichtungen dieser Welt zurückgreifen können."

Der Artikel wurde im Laufe der Open Access Week veröffentlicht, einer internationalen Initiative, deren Zweck die Förderung der Sache des Open Access war und die den OA-Befürwortern eine Gelegenheit zum Austausch von Wissen und Ideen geben sollte.

Jedes Jahr werden rund 2,5 Millionen Artikel in 25.000 von Experten begutachteten Zeitschriften und Konferenzberichten veröffentlicht. Derzeit werden nur 15% bis 20% dieser Artikel in OA-Repositorien selbstarchiviert. Allerdings kann, worauf die Autoren der Studie hinweisen, wohl keine Institution sämtliche Fachjournale der Welt abonnieren, die ihre Forscher brauchen könnten.

Es beginnen jedoch immer mehr Institutionen und Forschungsförderstellen damit, Anforderungen in Bezug auf OA zu stellen. Zum Beispiel fordert der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC), dass alle von Experten begutachteten Veröffentlichungen aus ERC-finanzierten Projekten in geeignete Repositorien eingestellt werden und sechs Monate nach ihrer Publikation öffentlich zugänglich gemacht werden.

Auch die Europäische Kommission betreibt ein OA-Pilotprojekt, bei dem die innerhalb der sieben Bereiche des Siebten Rahmenprogramms (RP7) finanzierten Projekte in einem Onlinedepot hinterlegt werden und 6 oder 12 Monate nach der Veröffentlichung unter Open-Access-Bedingungen vorliegen müssen. Das Pilotprojekt soll bis zur Beendigung des RP7 laufen. Ist es erfolgreich, könnte es als Modell für zukünftige Rahmenprogramme dienen.

Hintergrund:

Referenz: Gargouri, Y., et al. (2010) Self-selected or mandated, open access increases citation impact for higher quality research. PLoS ONE 5(10): e13636. DOI: 10.1371/journal.pone.0013636.

Quelle: CORDIS
Redaktion: 22.10.2010 von Aynur Sirin, VDI Technologiezentrum
Länder: global, EU
PDF:
Download dieser Seite als PDF. Die Datei ist nicht barrierefrei.
Teilen:
Diese Seite weiterempfehlen