BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung
Kooperation International
 

1. Kurzprofil

Die Region Mitteleuropa ist seit dem Ende des Kalten Krieges zu einem der weltweit wichtigsten Standorte der Automobilbranche geworden. Seit März 2010 wird die Vernetzung der verschiedenen nationalen Standorte aktiv durch die Europäische Union (EU) gefördert. Autonet - Transnational Network of Leading Automotive Regions in CE, wie das Förderprogramm der EU mit vollem Titel heißt, steht unter Führung der Slowakei. Die nationale Clusterorganisation Automotive Cluster - West Slovakia steuert das europäische Netzwerk und koordiniert die Aktivitäten der Partnerstandorte in Italien, Slowenien, Ungarn, der Tschechischen Republik, Polen und Deutschland. Da es sich um die Förderung von Regionen innerhalb der EU handelt, wird AutoNet zum Großteil (1,75 Millionen Euro) vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert. 

Zentrales Clustergebiet ist das Dreiländereck Slowakei - Tschechische Republik - Polen. Hier haben globale Konzerne der Automobilbranche nach dem Fall der Sowjetunion große Produktionsstätten errichtet bzw. lokale Autobauer übernommen. Der slowakische Teil des Clustergebiets liegt im Westen des Landes. In Bratislava (VW), Trnava (PSA Peugeot Citroën) und Zilina (Kia) werden jährlich mehr als eine halbe Million Fahrzeuge hergestellt. Hinzu kommen die Standorte Nosovice in Südtschechien und Tychy bei Kattowitz in Südpolen. Hier produzieren Hyundai, die Konzernmutter von Kia, und Fiat. 

In vorliegenden Clusterportrait wird der Fokus auf die Westslowakei gerichtet. Die europäischen Partnerstandorte werden in den Kapiteln 3. Thematische Stärkefelder und 4. Akteure und Netzwerke vorgestellt. 

Projektverantwortlicher der Netzwerkinitiative AutoNet ist der Verband "Autocluster Westslowakei". In der Westslowakei ist es durch die Ansiedlung dreier großer Automobilkonzerne zu einer Konzentration von Unternehmen und Forschungseinrichtungen der Automobilbranche gekommen. VW, PSA Peugeot Citroën und Kia Motors stellten im Jahr 2008 575.776 Kraftfahrzeuge her. Bei einer Gesamtbevölkerung von gut 5,4 Millionen produzieren damit statistisch gesehen 1.000 Einwohner rund 107 Fahrzeuge pro Jahr, womit die Slowakei 2008 weltweit führend war. Der Automobilsektor war 2008 mit 74.000 Angestellten für rund ein Viertel des slowakischen Bruttoinlandsprodukts verantwortlich. 

Ein weiteres länderübergreifendes Netzwerk, ebenfalls unter Leitung des Verbands "Autocluster Westslowakei", ist Autoclusters - Automotive Network for Innovation. Das Netzwerk wird im Rahmen der EU-Initiative South-East Europe gefördert und hat ein Gesamtbudget von 1,645 Millionen Euro. Hauptgeldgeber ist wiederum der Europäische Fonds für regionale Entwicklung. Das Projekt wurde im April 2009 gestartet und endet voraussichtlich im März 2012. Das Netzwerk verfügt über insgesamt elf Partnerorganisationen aus Italien, Österreich, Slowenien, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien und Bulgarien.

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2. Internationale Anziehungskraft

Als Hauptstadt und wichtigster Wirtschaftsstandort ist Bratislava das Messezentrum der Slowakei. Auf dem Gelände der Incheba Expo Bratislava finden einige der wichtigsten Ausstellungen der Region statt. Hierzu zählen z.B. die "Chemistry Slovakia", die "Slovmedica" und die "ELEKTRO a SVETLO". Für die Automobilbranche ist der "Autosalon Bratislava" von besonderer Bedeutung. Die mehrtägige Messe findet jährlich im April statt. 2010 präsentierten sich 181 Aussteller mehr als 215.000 Besuchern. Parallel zu der Publikumsmesse gibt es spezielle Ausstellungen für Zulieferer wie die "CAR PLAST" (Kunststoffprodukte für die Automobilindustrie) oder die AutoServis (Ausstellung für Autozusatzteile und Servicetechnologie). Eine weitere Publikumsmesse der Kfz-Industrie in der Westslowakei ist die "Auto-Moto Show", die jährlich Ende August im Expo Center Trencín veranstaltet wird.

Der internationale Flughafen Bratislava M. R. Stefánik liegt ca. neun Kilometer nordöstlich der Innenstadt und ist der größte und wichtigste Flughafen des Landes. 2010 wurden über 1,6 Millionen Passagiere abgefertigt. Nachdem eine geplante Privatisierung im Jahr 2006 am Widerstand der neuen Regierung gescheitert war, soll der Flughafen ab 2012 für 30 Jahre von einem strategischen Partner betrieben werden. Eine entsprechende Konzession wurde 2011 vom slowakischen Verkehrsministerium ausgeschrieben. Ein möglicher Partner ist der Flughafen Wien, der schon 2005 als Investor im Gespräch war. Der Wiener Flughafen kooperiert aufgrund seiner geographischen Nähe zur slowakischen Hauptstadt bereits in vielen Bereichen mit dem Flughafen Bratislava.

Ausländische Investoren und speziell Unternehmen aus der Automobilindustrie können bei der Expansion in die mitteleuropäischen Staaten mit beträchtlichen Subventionen rechnen. In Ungarn beträgt die staatliche Hilfe nach Angaben des Handelsblatts beispielsweise zwischen fünf und zehn Prozent der Investitionssumme. So erhält Opel für die Erweiterung des Motorenwerks in Szentgotthard mehr als 25 Millionen Euro und Daimler für eine neue Fabrik in Kecskemet mehr als 80 Millionen Euro. Neben staatlichen Zuschüssen stehen für die mitteleuropäischen Staaten auch EU-Mittel bereit. Die Slowakei bezieht zur Förderung der Wirtschaft beispielsweise von 2007 bis 2013 11,6 Milliarden Euro von der EU.

Das Förderprogramm "Internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung, Region Mittel-, Ost- und Südosteuropa" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) soll die Internationalisierung deutscher Einrichtungen in Bildung und Forschung stärken. Detaillierte Informationen und Ansprechpartner dazu können über die Internetseite des Internationalen Büros des BMBF abgerufen werden.

Weitere Auskünfte bezüglich Investitionen, Steuern oder Arbeitsrecht der mitteleuropäischen Länder erhält man z.B. bei den jeweiligen Deutschen Auslandshandelskammern:

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3. Thematische Stärkefelder

Die Automobilindustrie hat in den Ländern Mitteleuropas - insbesondere in Polen, der Tschechischen Republik, Slowakei, Ungarn, Rumänien und Slowenien - seit dem Fall des Eisernen Vorhangs bzw. dem Beitritt zur EU enorm an Bedeutung gewonnen.

Die Grundvoraussetzungen für eine positive Entwicklung der Automobilindustrie in Mitteleuropa waren sowohl nach dem Fall der Mauer 1989 als auch nach dem Beitritt zur EU günstig. Die vorteilhafte geographische Lage an der Grenze zu den Industrienationen Deutschland, Österreich und Italien und deren Absatzmärkten in Verbindung mit niedrigen Lohnkosten zog bzw. zieht viele ausländische Investoren an. Durch die lange Tradition der mitteleuropäischen Länder bei der Fertigung von Kraftfahrzeugen konnten ausländische Unternehmen auf qualifizierte Arbeitskräfte zurückgreifen. Außerdem folgten Großkonzernen wie VW, GM, PSA Peugeot u.a. viele der jeweiligen Zulieferunternehmen, so dass Firmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette vertreten sind. Eine besondere Dichte gibt es im Dreiländereck Polen - Tschechische Republik - Slowakei. Durch die räumliche Nähe sowie verschiedene nationale und übernationale Initiativen sind Netzwerke entstanden, die den Automobilstandort Mitteleuropa stärken.

Negative Folgen dieser Konzentration zeigten sich im Zuge der Finanzkrise. Die Staaten mit überdurchschnittlich starker Automobilindustrie waren weitaus stärker betroffen als die diversifizierteren Volkswirtschaften Westeuropas. Außerdem stiegen vor der Wirtschaftskrise 2007 beispielsweise die Lohnkosten in den mitteleuropäischen Ländern im Automobilsektor überdurchschnittlich, da wegen der Expansion der Automobilkonzerne das Angebot an Fachkräften zurückging.

Im Folgenden wird der Automobilsektor in den Ländern Slowakei, der Tschechischen Republik und Polen kurz vorgestellt.

In der Slowakei sind 76.000 Menschen in der Automobilbranche beschäftigt und der Sektor ist für fast 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verantwortlich. Im Krisenjahr 2009 ist die Produktion eingebrochen und es wurden nur noch 533.000 Fahrzeuge produziert (Vorjahr: 575.776 Fahrzeuge). Das Rückgrat der slowakischen Automobilindustrie stellen die drei internationalen Konzerne VW, PSA Peugeot Citroën und Kia dar. Da sich die Produktionsstätten alle im Westen des Landes befinden, hat sich hier das Netzwerk Autocluster Westslowakei gebildet.

Das VW-Werk liegt in Bratislava. Hier werden der VW Touareg, Audi Q7, Skoda Octavia und Porsche Cayenne gefertigt. Für die Herstellung des neuen Kleinwagens "UP!" hat VW weitere 308 Millionen Euro in den Standort investiert. Durch das zusätzliche Modell steigt die Beschäftigtenzahl auf ca. 7.800 Angestellte und die Gesamtproduktion voraussichtlich auf ca. 400.000 Einheiten.

Kia sitzt in Zilina, im Nordnordwesten der Slowakei. 2009 wurden in dem hochautomatisierten Werk 150.000 Fahrzeuge und 244.000 Motoren/Getriebe gefertigt.

Die Produktionsstätte von PSA Peugeot Citroën liegt in Trnava. Das Werk produziert die Kleinwagen Citroën C3 und Peugeot 207, weshalb PSA Slovakia relativ stark von der Subventionierung von Neufahrzeugen in der EU profitierte. 2009 lag die Gesamtproduktion bei 205.000 Einheiten.

Der Automobilsektor in der Tschechischen Republik beschäftigt rund 126.000 Menschen und trägt ca. 7,5 Prozent zum BIP bei. Die Gesamtproduktion 2009 lag bei 950.000 Kfz. Die VW-Tochter Skoda ist das umsatzstärkste Unternehmen des Landes. Außerdem betreibt Hyundai in Nosovice, rund 90 Kilometer vom slowakischen Werk der Konzerntochter Kia in Zilina entfernt, ein Werk und erzielt so Synergieeffekte.

Polen ist mit etwa einer Millionen produzierten Fahrzeugen ein wichtiger europäischer Automobilstandort. Größter Hersteller im Land ist Fiat. Im südpolnischen Tychy, nahe Nosovice und Zilina gelegen, stellt das italienische Unternehmen die Modelle Panda und Fiat 500 her. Außerdem wird hier auf der Plattform des Panda der Ford Ka gefertigt. 2009 belief sich die Stückzahl auf 600.000 Fahrzeuge. In Polen produzieren zudem VW und GM jeweils mehr als 100.000 Fahrzeuge: VW den Caddy in Posen und GM den Zafira, Astra und Chevrolet Aveo in Gleiwitz bzw. Warschau.

In Bezug auf den Absatzmarkt waren Polen, die Tschechische Republik, Slowakei, Slowenien und Ungarn nach ihrem Beitritt 2004 für den leichten Anstieg des gesamteuropäischen Absatzes für Pkw verantwortlich, da der Markt im restlichen Europa stagnierte. Durch die Finanzkrise kam es 2008 allerdings zu einem massiven Einbruch von Neuanmeldungen in Europa. Der Gesamtabsatz fiel um 7,8 Prozent auf 14,7 Millionen Einheiten. Während sich der Markt in (West-)Europa 2009 durch Subventionen auf 15,8 Millionen verkaufte Fahrzeuge erholte, brachen die Verkäufe in Mittel- und Osteuropa um weitere 30 Prozent ein.

Da in den neuen EU-Staaten die Zölle jährlich gesenkt werden, öffnen sich die mitteleuropäischen Märkte für billigere, ausländische Gebrauchtwagen bzw. Neuwagen aus anderen Ländern. Dies ist neben der Finanzkrise ein weiterer Grund für die Stagnation bzw. Depression des Absatzmarkts für Pkw in den neuen EU-Staaten.

Detaillierte Berichte und Analysen über die Automobilbranche in Mitteleuropa stehen u.a. bei Germany Trade & Invest zur Verfügung:

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4. Akteure und Netzwerke

Mitteleuropa hat nach Angaben der EU die größte Dichte an Autobauern und Automobilzulieferern in Europa. Die Finanzkrise und ihre Folgen für die Automobilindustrie haben Mitteleuropas Wirtschaft daher stark getroffen. Die Europäische Union (EU) hat deshalb ein Förderprogramm verabschiedet, welches die Rahmenbedingungen für die Automobilbranche an den mitteleuropäischen Standorten verbessern soll. Im Zentrum der Maßnahmen steht die Stärkung des Innovationspotentials durch die Vernetzung und Kooperation der Akteure sowie die Anregung des Technologietransfers. Im Mittelpunkt steht dabei nach Angaben der EU das "innovative Dreieck" bestehend aus KMU, Universitäten und Politik. 

Seit März 2010 finanziert die EU über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) die Vernetzung verschiedener Automobilstandorte in Mitteleuropa. Das Förderprogramm AutoNet - Transnational Network of Leading Automotive Regions in CE läuft voraussichtlich drei Jahre und steht unter Vorsitz von Automotive Cluster - West Slovakia. Autonet gehört zur Initiative CENTRAL EUROPE, über welche dem Netzwerk ein Budget von über zwei Millionen Euro zugesichert wurde. Im Folgenden werden die Partnerregionen des mitteleuropäischen Automobilnetzwerks vorgestellt:

  • Automotive Cluster - West Slovakia wurde 2007 von der Stadt und dem Landschaftsverband ("kraj") Trnava mit dem Ziel gegründet, die lokale Automobilindustrie durch Vernetzung, Ausbildungsinitiativen, Innovation und Technologietransfer zu stärken. Das Netzwerk hat 20 Mitglieder und etliche strategische Partner im In- und Ausland, zu denen u.a. die Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH gehört. Als projektleitende Institution für die beiden EU-Förderprogramme AutoNet und Autoclusters (ACSEE) nimmt das Netzwerk "Automobilcluster Westslowakei" mittlerweile eine führende Rolle in der mitteleuropäischen Automobilbranche ein.
  • Moravian-Silesian Automotive Cluster (Mährisch-Schlesischer Automobilcluster) in der Tschechischen Republik hat ca. 50 Mitglieder, unter denen auch die deutschen Unternehmen Brose, Continental und TÜV SÜD sind. Das Management des Clusters setzt sich aus drei Bereichen zusammen: Fachkräfte, Forschungslaboratorien und Netzwerkaufbau/ Geschäftsbeziehungen. Die Mitglieder betreiben zwei Laboreinrichtungen für die Bereiche Geräuschentwicklung/ Lärm bzw. Heizung/ Kühlung. Zudem haben sie die Initiative "Auto Academy" ins Leben gerufen, mit der die Motivation von Jugendlichen gesteigert werden soll, technische Berufe auszuüben. Das Projekt wird u.a. von dem tschechischen Ministerium für Industrie und Handel sowie dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.
  • Automotive Cluster of Slovenia (GiZ ACS) ist ein mehr als 60 Mitglieder umfassendes Netzwerk der slowenischen Automobilzulieferer. Die Mitgliedsunternehmen haben ca. 20.800 Angestellte und einen Jahresumsatz von über 3,2 Milliarden Euro. Hinzu kommen mehr als 2.000 registrierte Forscher. 
  • Die Mid-Pannon Regional Development Company sitzt in Szombathely, im äußersten Westen Ungarns, und ist in der Region Zentral-Transdanubien aktiv. Das Unternehmen wurde 1997 von der Hungarian Development Bank gegründet. Heute verfügt es über einen Kapitalstock von ca. fünf Millionen Euro, mit dem Start-ups, KMU oder andere Projekte (vor-)finanziert werden. Bisher hat die Firma als Entwicklungsträger 32 Unternehmen finanziert. Außerdem fördert die Mid-Pannon Company die Vernetzung der regionalen KMU durch die Entwicklung von fünf Clustern in den Bereichen Automobil, Forstwirtschaft und Möbel, Mechatronik, Informatik und alternative Energien.
  • Aus Polen sind die Netzwerke Podkarpacka Izba Gospodarcza und Lower Silesian Agency for Economic Cooperation (Niederschlesien) Mitglieder bei AutoNet.
  • Die beiden italienischen Clusterakteure POLI-AUTO e FILIERA DELL’INDUSTRIA AUTOMOTIVE (Lombardei) und die Provinz Reggio Emilia sind ebenfalls am europäischen Netzwerk beteiligt.
  • Die Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH ist in das mitteleuropäische Netzwerk einbezogen. Im "Autoland Sachsen" gibt es mit VW, BMW, Porsche und NEOPLAN vier große Automobilhersteller. Zusammen mit über 500 ansässigen Zulieferern sind in Sachsen mehr als 70.000 Menschen in der Automobilbranche angestellt.

Die vorgestellten Regionen bzw. Netzwerke aus Italien, Slowenien, Ungarn und der Slowakei sind ebenfalls Mitglied im Netzwerk Autoclusters. Das Förderprogramm läuft im Rahmen der EU-Initiative South-East Europe und hat ein Gesamtbudget von 1,645 Millionen Euro. Hauptgeldgeber ist der EFRE. Das Projekt wurde im April 2009 gestartet und endet voraussichtlich im März 2012. Das Netzwerk Autoclusters bringt Universitäten, Forschungs- und Entwicklungsinstitutionen sowie KMU-Förderungseinrichtungen aus Südosteuropa zusammen. So soll die Zusammenarbeit von langjährigen EU-Staaten (EU-15), neuen Mitgliedsstaaten und zukünftigen bzw. potentiellen Mitgliedsstaaten (siehe IPA) verbessert werden. Die EU erhofft sich von der Verflechtung eine Steigerung des Technologietransfers und des Innovationspotentials der Automobilindustrie in Südosteuropa. Die weiteren Partnerregionen des Netzwerks werden im Folgenden vorgestellt:

  • Die Clusterorganisation Automotive Region Vienna  vertritt die Interessen von ungefähr 130 Mitgliedsunternehmen aus dem Großraum Wien. Der Verband wurde 2001 gegründet und gehört seit 2011 als "Mobilitätscluster" zur Wirtschaftsagentur Wien. Zentrale Aufgaben der Initiative sind Vernetzung der Mitgliedsunternehmen, Zusammenarbeit mit den Automobilstandorten in Osteuropa, Ausbildung und Elektromobilität. Auf Bestreben des Mobilitätsclusters ist u.a. das Aus- und Weiterbildungsprogramm Automotive Academy Vienna Region (AAVR) gegründet worden..
  • Obwohl es in Kroatien keine bedeutenden Hersteller von Kraftfahrzeugen gibt, hat sich die Clusterorganisation Automotive Cluster Croatia gebildet. Sie besteht aus 50 Unternehmen mit mehr als 6.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von umgerechnet 380 Millionen Euro. Über 90 Prozent der Produktion werden nach Westeuropa exportiert. Zu den Kunden gehören u.a. VW, Ford, BMW, Mercedes, Opel, RenaultPeugeot und Scania.
  •  Serbian Automotive Cluster setzt sich aus 38 regionalen Unternehmen sowie fünf Forschungseinrichtungen zusammen. Durch das Netzwerk soll die Ausbildung von Facharbeitern, gemeinsames Marketing und die Kommunikation untereinander gestärkt werden. Serbian Automotive Cluster wird dabei von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt.
  • Partner aus Rumänien bzw. Bulgarien sind die Technische Universität "Gheorghe Asachi" Iasi und die Technische Universität Gabrovo. Die rumänische Hochschule in Iasi hat im Land die längste Tradition auf dem Gebiet der technischen Studiengänge und genießt einen ausgezeichneten Ruf. Die bulgarische Hochschule in Gabrovo ist international vernetzt und bietet vielfältige, für die Automobilindustrie relevante Studiengänge.

Eine Liste der wichtigsten Forschungs- und Entwicklungsinstitutionen der beteiligten Länder im Automobilsektor findet man auf der Internetseite von Autoclusters

Ein weiterer deutscher Akteur, der mit verschiedenen Institutionen in Mittel- bzw. Südosteuropa zusammenarbeitet, ist das automotive innovation center (aic) in Aachen. Das Innovationszentrum ist ein Zusammenschluss von erstklassigen Forschungszentren wie der RWTH Aachen, der Fachhochschule Aachen, der Fraunhofer Institute und vieler F&E Firmen, in dem alle Domänen der Automobiltechnik vertreten sind. Über das BMBF-Förderprogramm Forschungsmarketing in der Region Mittel-, Ost- und Südosteuropa hat sich aic in der "Automotive Region Eastern Europe" (AREE) als Kooperationspartner profiliert und arbeitet mit verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsinstitutionen der Region zusammen. Hierzu zählen u.a. die Fakultät für Automobil- und Maschinenbau der Technischen Universität Warschau, das Technologiezentrum der Akademie der Wissenschaften in Prag, Automotive Cluster Slowenien ACS und das Autoforum Polen. 

Autocluster Steiermark ist zwar kein Mitglied in den beiden oben genannten EU-Netzwerken, aufgrund der Größe und Lage ist es allerdings bedeutend für die Automobilindustrie in Mittel- bzw. Südosteuropa. Der erste österreichische Autocluster wurde 1995 gegründet und hat mittlerweile 180 Partnerbetriebe, die rund 46.000 Angestellte beschäftigen und elf Milliarden Euro umsetzen. Ziel der Clusterorganisation ist u.a. der "Aufbau einer automotiven Region Südost-Europa zur Erschließung neuer Märkte und Kooperationsmöglichkeiten." Einige deutsche (ITK-EngineeringHoffmann + Krippner), slowenische und ungarische Unternehmen sind bereits Mitglied im Netzwerk.

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5. Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Der Fachkräftemangel hat sich laut einer Studie von Kienbaum Consultants International durch die Finanz- bzw. Wirtschaftskrise entspannt. Das Beratungsunternehmen hatte in der vorangegangenen Untersuchung "Personalsituation in Osteuropa 2006/2007" noch einen harten Kampf um Arbeitskräfte auf den ost- und mitteleuropäischen Arbeitsmärkten festgestellt. So berichteten vor der Krise 96 Prozent der befragten slowakischen Firmen von einem Bewerbermangel bei Führungsposten im Bereich Forschung und Entwicklung. Im Zuge der Wirtschaftskrise seien die Bewerberzahlen bis 2010 allerdings deutlich gestiegen. Dies geht aus der Studie Remuneration Eastern Europe 2010 hervor.
 

Im Zuge der Personalknappheit kam es in den ost- und mitteleuropäischen Ländern zu einem starken Anstieg der Gehälter. Nach einer Prognose aus dem Jahr 2007 von Hans Werner Sinn, dem Chef des Ifo-Instituts, werden die osteuropäischen Länder allerdings erst 2030 50 Prozent der Löhne erzielen, die in Westeuropa gezahlt werden. VW-Arbeiter in der Tschechischen Republik verdienten 2007 beispielsweise etwa ein Drittel ihrer deutschen Kollegen, wenn man die Kaufkraftunterschiede nicht berücksichtigt.
 

Im Westen der Slowakei gibt es einige Hochschulen und Forschungsinstitute, die den Fokus auf eine technische Ausbildung gelegt haben. Zentrum der slowakischen Universitätslandschaft ist Bratislava mit mehr als 65.000 Studierenden (Stand 2008). Hier sitzt die größte technische Hochschule des Landes, die Slowakische Technische Universität Bratislava (STU). STU hat ca. 18.000 Studierende und über 3.000 wissenschaftliche Angestellte, die sich auf sieben Fakultäten (Bauingenieurwesen, Maschinenbau, Elektro- und Informationstechnik, Chemie und Ernährungswissenschaften, Architektur, Werkstoffwissenschaften, Informatik und Informationstechnik) verteilen. STU kooperiert mit renommierten Universitäten in aller Welt, aus Deutschland u.a. mit den TU München, Darmstadt, Braunschweig, Dresden, Chemnitz und Ilmenau. Außerdem ist sie Mitglied in verschiedenen europäischen Hochschul- und Bildungsnetzwerken, wie z.B. dem European Spatial Development Planning Network (ESDP).  

Die Fakultät für Werkstoffwissenschaften der STU sitzt in Trnava, das sowohl Produktionsstandort von PSA Peugeot Citroën als auch ein Bildungszentrum der Westslowakei ist. Die knapp 70.000 Einwohner umfassende Stadt verfügt mit der Universität Trnava und der Universität St. Kyrill und Methodius über zwei Hochschulen.  

Die Universität Zilina ist traditionell in den technischen Studiengängen verwurzelt. Sie ging als Hochschule für Bahnwesen bzw. für Verkehrswesen und Kommunikation aus der Technischen Universität Prag hervor. Die Universität hat über 13.000 Studierende und sieben Fakultäten, die den Schwerpunkt auf das Ingenieurwesen setzen. Nach einem Besuch im Werk des in Zilina ansässigen Kia-Konzerns im Dezember 2010 gab die slowakische Ministerpräsidentin Iveta Radicová bekannt, dass die Lehre der Universität in Zukunft noch stärker an den Bedarf der örtlichen Industrie angepasst werden solle. 

Weitere bedeutende Universitäten in der Westslowakei:

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6. Entwicklungsdynamik

Die Länder in Mitteleuropa haben eine lange Tradition bei der Herstellung von Kraft- und Nutzfahrzeugen. Die Standortbedingungen der bis 1989 zum Ostblock gehörenden Nationen waren dabei nach dem Fall der Sowjetunion ähnlich. Sie verfügten über genügend Fachkräfte, hatten allerdings mit veralteten Produktionsanlagen zu kämpfen. Zum Zeitpunkt des Falls der Sowjetunion stellten die mitteleuropäischen Staaten ca. eine Million Kraftfahrzeuge her. 

Die Tschechische Republik und die Slowakei (bis 1992 Tschechoslowakei) hatten bis 1989 mit Skoda, Tatra und Trnavské die bekanntesten und größten Hersteller der Region. Tatra ist der drittälteste Kfz-Produzent der Welt. Trnavské verlor nach dem Fall des Eisernen Vorhangs seine Eigenständigkeit und ist seit 1996 eine 100-prozentige Tochter der ZF Sachs AG. Die damalige Tschechoslowakei (inklusive Bratislavské automobilové BAZ, heute VW Slowakei) produzierte 1989 insgesamt 193.000 Einheiten, von denen ein Großteil in den Skoda-Werken Mladá Boleslav, Kvasiny und Vrchlabí produziert wurde. 

Ähnlich war die Situation in Ungarn und Polen. Ungarn ist v.a. für den Bushersteller Ikarus sowie etliche Zulieferbetriebe bekannt. Zeitweilig war Ikarus mit einer Jahresproduktion von 15.000 Stück der zweitgrößte Bushersteller der Welt. Von 1999 bis 2006 gehörte Ikarus der französisch-italienischen Irisbus-Gruppe. Nach finanziellen Schwierigkeiten und Umstrukturierungen stellt das Unternehmen unter dem Namen "Magyar Autóbuszgyártó Kft" wieder Busse her. Aktuell erfolgreichere ungarische Konkurrenten sind NABI (North American Bus Industry), ein Unternehmen das 1976 aus den USA-Aktivitäten von Ikarus entstand, und Credo, eine Marke der Firma Kravtex. 

Trotz steigender Lohnkosten bauen viele Automobilkonzerne in Mitteleuropa ihre Produktionsstandorte aus. Als problematisch an der Steigerung der Kapazitäten könnte sich erweisen, dass der Automarkt in Europa höchstens leicht wächst. Die zusätzlichen Einheiten müssten also auf den rasant wachsenden Automobilmärkten in Asien und Südamerika abgesetzt werden.

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Redaktion: 30.05.11, von: Stefan Führt / Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH