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ZAFBildungslandschaft: Südafrika

  1. Überblick

    Die Regierung Südafrikas versteht die Reorganisation der staatlichen Bildungspolitik und des Erziehungswesens als kulturpolitische Schlüsselaufgabe. Für 2008/09 sah der Staatshaushalt ZAR 127,3 Mrd. für Bildung vor (17,4%).

    Obwohl Südafrika im Bildungssektor große Anstrengungen unternimmt und im internationalen Vergleich relativ viel Geld für Erziehung ausgibt, sind noch immer 25 % der Einwohner Analphabeten. Die meisten gehören den farbigen und schwarzen Bevölkerungsgruppen an.

    Mit dem Higher Education Act leitete die Regierung 1997 die Transformation des Universitätswesens ein. Die 2004 und 2005 erfolgten Fusionen von Universitäten und Fachhochschulen (Technikons); brachten eine Reduktion von 36 auf 23 Hochschulen und hatten das Ziel, das duale System (frühere sog. weiße und sog. schwarze Universitäten) zu beseitigen. Heute sind etwa 760.000 Studierende aus allen Bevölkerungsgruppen eingeschrieben, gegenüber 473.000 im Jahr 1993; die Zahl soll bis 2015 um weitere 100.000 wachsen.

    Die Bildungsausgaben machten 2008 mit ca. 17% der Gesamtausgaben den größten Einzelposten im Haushalt aus. 

    Quellen:
    Auswärtiges Amt
    Forschungsbericht der Deutschen Botschaft in Pretoria, April 2010
    South Africa Yearbook – Education 2007/2008
    The Presidency Republic of S.A. Development Indicators 2008

    Weitere Informationen
    Einrichtungen

    ADIT-Meldungen zu Forschung und Bildung

    South Africa Yearbook 2007/08 - Research

    Dokumente

    Europäischer Strategierahmen für die internationale wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit [24.09.2008]

    Redaktion: 24.06.10, von: Dipl.-Ing. Petra Ruth Mann, IB Internationales Büro des BMBF beim DLR e. V.

     
  2. Indikatoren für Bildung
    SüdafrikaStandOECD-GesamtStand
    Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: Gesamtbildung5,7 %UNESCO, 20045,7 %2006
    Anteil tertiär Graduierter an der Gesamtbevölkerung3,4 %2002, SA Strategy48,1 %2007
    Alphabetisierungrate85,3 %World Bank/WDI-2002
    Analphabetisierungsrate, männlich86 %World Bank/WDI-2002
    Analphabetisierungsrate, weiblich84,5 %World Bank/WDI-2002
    Schülerzahl pro Lehrer, Primarstufe37 UNESCO, 200416,0 2007
    Alphabetisierungsrate in der Altersgruppe 15+ männlich84,1 %UNESCO, 2004
    Alphabetisierungsrate in der Altersgruppe 15+ weiblich80,9 %UNESCO, 2004
    Die erste Klasse wiederholen müssen9 %UNESCO, 2004
    Von der Primar- in die Sekundarstufe wechseln92 %UNESCO, 2004

    Südafrika verfügt über das beste Bildungssystem in Afrika. Es besteht eine allgemeine Schulpflicht von 7-15 Jahren. Dennoch bestehen noch immer als Folge der Apartheid große Mängel im staatlichen Schulsystem.

    Redaktion: 06.03.09, von: Dipl.-Ing. Petra Ruth Mann, IB Internationales Büro des BMBF beim DLR e. V.

     
  3. Bildungsorganisationen

    Das Bildungsministerium (DoE) ist zuständig für alle bildungsrelevanten Bereiche von der Vorschule bis zur Hochschulausbildung. Die Provinzen setzen die gesamtstaatlichen Vorgaben der Bildungspolitik um, können aber auch eigene Prioriäten entwickeln.

    Bildungsorganisationen:
    Council of Education Minister (CEM) und das Heads of Education Departments Comittee (HEDCOM). Diese beiden Organisationen wurden zur Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen gesamtstaatlicher und Provinzebene und der Weiterentwicklung des Bildungswesens ins Leben gerufen.

    Der Bildungsbeirat (CEM) besteht aus dem Bildungsminister, dem stellvertretenden Minister sowie Vertretern der Executive Councils for Education (MEC) der neun Provinzen. Der HEDCOM setzt sich aus den Abteilungsleitern und den stellvertretenden Abteilungsleitern des Erziehungsministeriums sowie den Abteilungsleitern der Bildungsabteilungen der Provinzen zusammen.

    Der Rat für Qualitätssicherung im Bildungsbereich, Council for Quality Assurance in General and Further Education and Training (Umalusi) stellt das Vorhandensein entsprechender Einrichtungskapazitäten, die Qualifikationen der Lehrenden und die Qualität der Lehr-Programme sicher.

    The South African Qualifications Authority (SAQA) ist eine vom Gesetzgeber festgelegte Einrichtung, deren 29 Mitglieder von den Ministerien für Arbeit und Bildung benannt werden.
    Die Aufgabe der SAQA ist es, die Qualität des Bildungssystems auf international vergleichbaren hohen Level sicherzustellen.

    Der Council on Higher Education (CHE) ist ein unabhängiges gesetzliches Gremium. Er hat die Aufgabe, den Bildungsminister in allen Angelegenheiten der höheren Bildung zu beraten. Der Rat ist auch verantwortlich für die Qualitätssicherung. Hierzu wurde der Ausschuss Higher Education Quality Committee (HEQC) eingerichtet.

    Der Beirat für Erzieher, South African Council for Educators (SACE) ist verantwortlich für die Registrierung, Förderung und professionelle Entwicklung von Erziehern sowie die Festsetzung und Überwachung der beruflichen Standards bei Lehrern.

    Der Nationale Ausschuss für Weiterbildung, National Board for Further Education and Training (NBFET) berät das Bildungsministerium in allen Aspekten der Weiter- und Berufsbildung.

    Der Ausschuss zur Erwachsenen Ausbildung, Adult Basic Education and Training (ABET Board) berät über die Gesetzgebung für die Einrichtung, Verwaltung und Finanzierung von ABET Zentren.

    Lehrergewerkschaften

    Die Mehrzahl der Lehrer sind in drei Gewerkschaften organisiert:
    National Professional Teachers Organisation of South Africa
    South African Teachers Union
    South African Democratic Teachers Union.

    Einen guten Überblick mit vielen Links zu Aus- und Fortbildung in Südafrika bieten die nachfolgenden Internetseiten.

    Redaktion: 10.07.10, von: Dipl.-Ing. Petra Ruth Mann, IB Internationales Büro des BMBF beim DLR e. V.

     
  4. Schulen und Hochschulen

    Südafrika verfügt über ein dreistufiges Bildungssystem:

    General Education and Training (GET):- Vorschule bis Klasse 9 einschließlich,
    Further Education and Training (FET): Klassen 10-12 sowie berufsbildende Colleges
    Higher Education (HE):Höhere Bildung (Hochschulen und Universitäten).

    Schulsystem

    GET-Stufe
    : In Südafrika besteht Schulpflicht vom 7. bis zum 15. Lebensjahr bzw. zum Ende der 9.Klasse. Die neun Jahrgangsklassen (grades) sind unterteilt in die Phasen Foundation, Intermediate und Senior. Im Anschluss daran erhalten die Absolventen ein General Education and Training Certificate.

    FET-Stufe: Nach weiteren drei Jahrgangsklassen (grades 10-12) erwerben die Schüler am Ende der formalen Schulausbildung das Further Education and Training Certificate, das zur Immatrikulation an den südafrikanischen Universitäten berechtigt.

    Wer es sich leisten kann (vorwiegend die weiße Bevölkerung), schickt seine Kinder auf die teilweise erstklassigen und teuren Privatschulen des Landes. Heute besuchen ca. 4% der südafrikanischen Schüler Privatschulen. Während hier die Bestehensrate in den Abschlussprüfungen bei ca. 98% liegt, schließen auf den staatlichen Schulen des Landes nur knapp 50% ihr Examen erfolgreich ab, rund ein Viertel davon mit Hochschulzulassungsberechtigung.


    Schulgebühren

    Zulassung zum Studium
    Grundvoraussetzung zur Zulassung an einer südafrikanischen Hochschule ist ein dem dortigen Sekundarschulabschluss mindestens ebenbürtiger Schulabschluss. Die deutsche Allgemeine Hochschulreife wird in der Regel anerkannt.
    Die Hochschulen halten je nach Fachrichtung Eingangsprüfungen ab.

    Gebühren
    An südafrikanischen Hochschulen werden generell Studiengebühren erhoben. Die Gebührenhöhe schwankt je nach Hochschule, Fachrichtung und angestrebtem Abschluss zwischen 700 und 4.000 Euro (im Einzelfall bis zu 6.000 Euro) pro Jahr. Bei bestehenden Hochschulpartnerschaften werden zum Teil erheblich geringere Gebühren erhoben. Internationale Studierende müssen häufig zusätzlich zu den Studiengebühren eine gesonderte Gebühr (international student fee) entrichten.


    Universitäten und Hochschulen
    Südafrika verfügt über 17 Universitäten und 6 technische Hochschulen. Von den 17 Universitäten stellen 11 Volluniversitäten mit starker Forschungsorientierung und hohem Anteil an Postragudierten und Doktoranden dar. Die übrigen Universitäten verstehen sich als „Comprehensive Universities“, die stärker auf die Ausbildung und Lehre ausgerichtet sind, aber dennoch Forschung und postgraduelle Studiengänge realisieren wollen.

    Universitäten (Auswahl):

    University of Cape Town:
    1829 gegründet ist Cape Town die älteste Universität des Landes. Heute gilt sie als eine der renommiertesten Universitäten Südafrikas – erhielt sie die Auszeichnung als „Centre of Excellence“. Als einzige Universität des afrikanischen Kontinents gelang es ihr 2008, unter den Top 200 des „Times Higher-QS World University Ranking“ eine Platzierung zu erreichen. Die Fakultäten: Wirtschaftswissen­schaften, Ingenieurswe­sen, Gesundheitswissenschaften, Humanwissenschaften, Recht und Naturwissenschaften.

    University of Witwatersrand:
    Die Ursprünge der Universität gehen auf die im Jahr 1896 gegründete “South African School of Mines” zurück. 1922 erhielt die Einrichtung den Status einer Universität. Im World University Ranking (s.o.) schnitt sie als zweitbeste Universität Südafrikas ab.  Witwatersrand brachte vier Nobelpreisträger hervor. Witwatersrand besteht aus fünf Fakultäten: Wirtschaft, Recht und Management, Ingenieurwissenschaften und Bauingenieurwesen, Medizin, Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften.

    University of KwaZulu-Natal:
    Die Universität ist eine der führenden Forschungs- und Lehruniversitäten in Südafrika und zählt zu den 500 weltweit besten Universitäten. Sie ging 2004 aus der Zusammenlegung der University of Durban-Westville und der University of Natal hervor.
    Die Universität verfügt über acht Fakultäten: Erziehungswissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Landwirtschaft, Gesundheitswissenschaften, Medizin, Rechtswissenschaften und Management.

    University of Pretoria:
    1908 gegründet beging die Universität 2008 ihr 100jähriges Jubiläum.
    Die Universität gliedert sich in neun Fakultäten: Betriebswirtschaft, Erziehungswissenschaften, Humanwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Medizin, Naturwissenschaften, Rechtswissenschaften, Theologie und Veterinärmedizin.

    University of Stellenbosch:
    Die 1866 gegründete Stellenbosch Universität gehört zu den führenden Forschungsuniversitäten Südafrikas. Sie verfügt über den landesweit höchsten Anteil postgraduierter Studenten. Forschungsschwerpunkte sind u.a. Sprache und Kultur in einer multikulturellen Gesellschaft, „Knowledge Economy“, Aufbau einer neuen Gemeinschaft und Biotechnologie. Die Universität umfasst folgende Fakultäten:
    Künste und Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften, Pädagogik, Land- und Forstwissenschaft, Rechtswissenschaften, Theologie, Wirtschaftswissenschaften, ingenieurwissenschaften, Gesundheitswissenschaften und Militärwissenschaften.

    Die Universität soll zudem einer der fünf Standorte einer panafrikanischen Universität (PAU) unter der Federführung der Afrikanischen Union werden.

    University of Johannesburg:
    Die Universität entstand im Jahr 2005 als Zusammenschluss der ehemaligen Rand Afrikaans University und dem früheren Technikon Witwatersrand und verbindet universitäre mit beruflicher Bildung. Besonders in den Bereichen Rechnungswesen, und Sozialarbeit ist die Universität über die Landesgrenzen hinaus angesehen. Die Universität verfügt über neun Fakultäten: Geisteswissenschaften, Design und Architektur, Wirt­schafts- und Finanzwissenschaften, Erziehungswissenschaften, Inge­nieurs- und Bauwesen, Gesundheitswesen Postwesen, Recht und Betriebswirtschaft und die Fakultät für Naturwissenschaften.

    Weitere Universitäten: Nelson Mandela Metropolitan, North-West, Western Cape, Rhodes, Free State, Witwatersrand, Venda, Western Cape und Walter Sisulu, Fort Hare, Limpopo, Pretoria, South Africa (UNISA).

    Technische Hochschulen
    Die sechs technischen Hochschulen sind die Cape Peninsula, Central, Durban Tshwane, Mangosuthu (in Durban) und Vaal Technische Hochschule.


    Quellen:
    Development Indicators – The Presidency Republic of South Africa 2008
    GATE-Germany - Länderprofile Edition Südafrika 2010
    A Parent’s Guide to Schooling – South Africa.Info
    Forschungsbericht der Deutschen Botschaft in Pretoria, Mai 2009
    DAAD Länderinformation Südafrika, 2008
    Study South Africa 2008
    South Africa Yearbook – Education 2007/2008

    Redaktion: 10.07.10, von: Dipl.-Ing. Petra Ruth Mann, IB Internationales Büro des BMBF beim DLR e. V.

     
  5. Berufliches Bildungswesen

    Die südafrikanische Regierung hat in den letzten Jahren die gesetzlichen Voraussetzungen für ein modernes und entwicklungsorientiertes Berufsbildungssystem geschaffen. Die Regierung hat für jeden Wirtschaftssektor Ausbildungskammern gegründet, sogenannte Sector Education and Training Authorities (SETAs). Sie sind für die Anerkennung neuer Ausbildungsgänge und Ausbildungsstätten zuständig.

    Schwerpunkt des schwach entwickelten südafrikanischen Berufsbildungssektors sind die Technischen Colleges. Ihre Aufgabe ist es, Ausbildungsdefizite Menschen aus früher benachteiligten Bevölkerungsgruppen auszugleichen und ihnen eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu geben. Mit der Reformierung des Further Education and Training (FET) College Sektors 2002/2003 wurden die bis dahin bestehenden 152 Technischen Colleges zu 50 „multisite-campus“-Colleges zusammengefasst. Das Angebot der Colleges wurde 2007 umfassend modernisiert, erweitert und auf die Bedürfnisse der südafrikanischen Industrie zugeschnitten, was die Ausbildung insgesamt praxisnäher werden ließ. Durch Kooperationen mit privatwirtschaftlichen Industriebetrieben sollen künftig auch finanzielle Zuwendungen dieser Unternehmen an die Colleges fließen.

    Seit der Öffnung Südafrikas ist die Förderung der beruflichen Bildung ein Schwerpunkt der südafrikanisch-deutschen Entwicklungszusammenarbeit, die im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit vor allem von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) ausgeführt wird. Sie berät beispielsweise die Ausbildungskammern (s.o.) bei der Entwicklung von Lehrplänen und fördert kleine und mittlere Unternehmen (KMU) durch sogenannte Public Private Partnerships.

    Weitere Informationen
    Einrichtungen

    iMOVE Marktinformationen Südafrika

    Redaktion: 10.07.10, von: Dipl.-Ing. Petra Ruth Mann, IB Internationales Büro des BMBF beim DLR e. V.

     
  6. Weiterbildung

    iMOVE (International Marketing of Vocational Education), eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zur Internationalisierung deutscher Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen, hat eine Studie zum Weiterbildungsbedarf des Landes veröffentlicht. Die Studie ist auf der Webseite von iMOVE abrufbar (siehe unten stehenden Link):

    Quellen:
    South Africa Yearbook 2007/2008

    Weitere Informationen
    Einrichtungen

    South Africa Yearbook 2007/08 - Research

    iMOVE Training - Made in Germany

    Redaktion: 10.07.10, von: Dipl.-Ing. Petra Ruth Mann, IB Internationales Büro des BMBF beim DLR e. V.

     
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