Forschungslandschaft: Palästinensische Gebiete

  1. Überblick
  2. FuE-Indikatoren

Überblick

Seit 1998 lag in den Palästinensischen Gebieten die oberste Priorität zunächst ausschließlich im Bereich Bildung und weniger auf der Forschung. Trotz widrigster Umstände und mit Hilfe massiver internationaler Unterstützung ist es gelungen ein modernes Bildungssystem zu schaffen. Der Aufbau eines nennenswerten Forschungssystems und einer gut strukturierten Forschungslandschaft ist und bleibt jedoch weiterhin eine wesentliche Herausforderung. Nach wie vor sind selbst Universitäten hauptsächlich Lehranstalten ohne expliziten Forschungsauftrag oder direkte Forschungsambitionen. Dadurch ist der Forschungssektor bzw. die Forschungslandschaft in Bezug auf In- und Output sehr klein.

Die Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen ‑ 471 im Jahr 2013 ‑ ist in den Palästinensischen  Gebieten im Vergleich zu den Ländern im Nahen und Mittleren-Osten wie z.B. Jordanien (2.298) oder Forschungsvorreiter Ägypten (13.554) verschwindend gering. Trotzdem kann ein kontinuierlicher Anstieg der Publikationen in den letzten 15 Jahren festgestellt werden. Zudem ist die internationale Kooperation bei Publikationen im Gegensatz zum regionalen Durschnitt wesentlich größer (vgl  SJR – SCImago Journal and Country Rank 2014).

Die dominant hohen Absolventenzahlen im Bereich der sozial- und geisteswissenschaftlichen Spezialisierung spiegeln sich auch mit Hinblick auf die Forschungslandschaft wider. Der größte Anteil der Forschenden ist im Bereich der Sozial-, Geistes- und Politikwissenschaften tätig (vgl. UNESCO UIS 2010). Weitere Forschung findet statt im Bereich der Natur-, Lebens- oder technisch orientierten Wissenschaften. 

Die Strukturen sind trotz der relativ kleinen Anzahl an Forschenden (585 Wissenschaftler bzw. 327 Vollzeitäquivalente pro Mio. Einwohner) überdurchschnittlich unübersichtlich (vgl. UNESCO UIS 2010). Erfolge und Entwicklungen im Bereich Forschung und Entwicklung sind im Wesentlichen auf das private Engagement einzelner Universitätsangehöriger und Forscher zurückzuführen, während die Wahrnehmung von Forschungsaktivitäten durch eine Vielzahl von nichtstaatlichen und privaten Forschungsinstituten geprägt ist. Entsprechend unverbindlich und unstrukturiert sind Organisation und Zusammenarbeit von Forschungs- und Förderorganisationen bisher. Zur Höhe der staatlichen und privaten Gesamtausgaben im Bereich F&E existieren keine verlässlichen Quellen.

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FuE-Indikatoren

Indikator

Palästinensische Gebiete(1)

Deutschland(2)

OECD-Gesamt(2)

Stand

FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) [Prozent]

0,5

3,0

2,4

2013/1717

Anteil von HERD am BIP [Prozent]

0,1

0,5

0,4

2013/17/17

Anteil von GOVERD am BIP [Prozent]

0,3

0,4

0,2

2013/17/17

Anzahl der Forschenden (Vollzeitäquivalente)

2.492

419.617

4.838.034

2013/17/16

Anzahl der Forschenden (VZÄ) je 1000 Beschäftigte

2,9

9,5

8,3

2013/17/16

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* in laufenden Preisen kaufkraftbereinigt

Quellen:
(1) UNESCO Institute of Statistics, Stand Juni 2019
(2) OECD.Stat Main Science and Technology Indicators MSTI 2019/1, Stand August 2019

Redaktion: 13.08.2019, von: Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

Forschungsorganisationen

Die 1998 gegründete Palästinensische Akademie für Wissenschaft und Technologie (Palestinian Academy for Science and Technology, PALAST, s.a.  Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungspolitik) ist eine regierungsunabhängige Institution, die sich in den Palästinensischen Gebieten für Forschung und Wissenschaft einsetzt und auch das Ministerium in diesen Fragen berät. Obwohl PALAST selber keine Forschungslabors oder Forschungsprojekte betreibt und finanziert, ist diese trotzdem die wohl wichtigste Forschungsorganisation.

Unter dem Dach der Palästinensischen Akademie für Wissenschaft und Technologie organisieren sich insgesamt acht thematische Schwerpunkte:

  • Lebensmittel und Pharmazeutische Technologien (Food and Drug Technology)
  • Medizin- und Gesundheitswissenschaften (Medical and Health Sciences)
  • Energie und Natürliche Ressourcen (Energy and Natural Resources)
  • Innovative Technologien (Innovative Technologies' Engineering)
  • Naturwissenschaften (Natural and Physical Sciences)
  • Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Economic and Social Sciences)
  • Industrielle Produktivität und Materialwissenschaften (Industrial Productivity and Material Technology)
  • Wasser und Umwelt (Water Resources and Environment)

Eine offizielle Auflistung akkreditierter oder staatlicher bzw. staatlich anerkannter Forschungsinstitutionen existiert bisher nicht (s.a. Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungspolitik). Dennoch bietet die Liste der Mitglieder der Akademie wichtige Anhaltspunkte über aktive und wichtige Forschungsinstitute. Die Mitglieder der Palästinensischen Akademie stammen aus folgenden Instituten:

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Forschungsinstitute der Palästinensische Akademie für Wissenschaft und Technolgie

An-Najah National University

www.najah.edu

Palestine Polytechnic University

www.ppu.edu

Bethlehem University

www.bethlehem.edu

Birzeit University

www.birzeit.edu

Al-Quds University

www.alquds.edu

Al-Quds Open University

www.qou.edu

Hebron University

www.hebron.edu

Arab American University Jenin

www.aauj.edu

Islamic University

www.iugaza.edu.ps/en

Al-Azhar University

www.alazhar.edu.ps

Al-Aqsa University

www.alaqsa.edu.ps/site/

Natural and Energy Resources Authority

www.menr.org

Applied Research Institute Jerusalem

www.arij.org

Palestinian Water Authority

www.pwa.ps/english.aspx

Palestinian Hydrology Group

www.phg.org

Insgesamt sind über 90 an palästinensische Universitäten angegliederte Institute in PALAST verbunden. 

Darüber hinaus betreibt eine Vielzahl zivilgesellschaftlicher Institutionen und Nichtregierungsorganisationen nach eigenen Angaben Forschungszentren und Forschungsprojekte, die vor allem im Bereich der Sozialwissenschaften, Humanitären Zusammenarbeit und Flüchtlingshilfe angesiedelt sind. Hier sind beispielsweise folgende Institutionen zu nennen:

Weitere Forschungsinstitutionen

Applied Research Institute Jerusalem (ARIJ)

www.arij.org

Palestinian Academic Society for the Study of International Affairs (PASSIA)

www.passia.org

Palestinian Economic Policy Research Institute (MAS)

www.mas.ps/2012/

Union of Agricultural Work Committees (UAWC)

uawc-pal.org/MainEn.aspx

Förderorganisationen

Zur Förderung von Bildung und Forschung ist die Palästinensische Autonomiebehörde fast ausschließlich auf externe Geldgeber und Förderer angewiesen. Dies ist wahrscheinlich der Grund für die mit 65 Prozent überdurchschnittlich hohe internationale Kooperation bei wissenschaftlichen Publikationen (link Bildungslandschaft Überblick). Offizielle Angaben zu Art und Umfang der staatlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind nicht verfügbar. Schätzungen gehen aber von weniger als 0,1 Prozent des Bruttosozialproduktes aus. Zu den beständigsten internationalen Förderorganisationen gehören die Europäische Union und die Weltbank.

Grundsätzlich steht bei den internationalen Geldgebern der Auf- und Ausbau der Bildungslandschaft im Zentrum. Forschungsförderung findet dadurch eher indirekt statt. Zur Koordinierung der Projekte, welche aus Weltbankmitteln finanziert werden, wurde 2002 eine Projekt- Koordinierungseinheit gegründet. Diese betreut u.a. das Tertiary Education Project (TEP) welches neben einer allgemeinen Verbesserung der Lehre und des Managements an Bildungs- und Forschungsinstituten auch die Förderung von Forschung anstrebt. Zudem wird der Fonds für Qualitätsverbesserung (Quality Improvement Fund), der Qualitätssicherungsmaßnahmen an höheren Bildungsinstituten entwickelt und umsetzt, finanziert. Letzterer ist sowohl von der Regierung als auch der Akkreditierungskommission (link Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungpolitik) unabhängig. Ziel des Fonds ist es, Universitäten finanziell bei der Verbesserung der Qualität der Lehre zu unterstützen (link Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungpolitik) und den Aufbau von Exzellenzzentren zu fördern. Die Förderlinien stehen grundsätzlich allen Disziplinen offen (vgl. TEP 2014).

Darüber hinaus wird Bildung und Forschung in den Palästinensischen Gebieten von einer Vielzahl internationaler Organisationen finanziell und technisch unterstützt:

  • Die Organisation für Bildung, Kultur und Wissenschaft der Arabischen Liga (Arab League for education, culture and science Organisation/ ALESCO)
  • Die Islamische Gesellschaft für Bildung, Wissenschaft und Kulturelle Organisationen (Islamic Society for Education, Science and Cultural Organizations/ISESCO)
  • Die Kommission für Wirtschaft und Soziales in Westasien der Vereinten Nationen (United Nations‘ Economic and Social Commission for Western Asia/ESCWA)
  • Die Union der Arabischen Universitäten (Association of Arab Universities)
  • UNESCO
  • UNDP

Eine Vielzahl von Geberländern engagiert sich auch bilateral auf den Gebieten Bildung und Forschung. Dazu gehören neben Deutschland, den Vereinigten Staaten und England auch Frankreich, Belgien, die Niederlande, Norwegen, Polen, Südafrika, Italien und die Schweiz (Quelle: Arab Studies Quarterly 2012).

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FuE im öffentlichen Sektor

Offizielle monetäre Angaben zu Art und Umfang der staatlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind bislang nicht verfügbar. Bestehende Erhebungen des UIS belegen, dass mit Abstand die meisten Forschungsangestellten an Universitäten (68,6 Prozent) im Jahr 2010 angestellt waren. Im Gegensatz dazu lag der Anteil von öffentlichen Instituten bei 14,2 Prozent und der von privaten Non-profit Organisationen bei 17,2 Prozent (vgl. UNESCO UIS 2010). Aktuellen Schätzungen der Weltbank zufolge betragen die F&E Ausgaben weniger als 0,1 Prozent des Bruttosozialproduktes. Zur Förderung von Bildung und Forschung ist die Palästinensische Autonomiebehörde deshalb fast ausschließlich auf externe Geldgeber und Förderer angewiesen (Förderorganisationen).

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