Übersicht

Die G7 sowie die G20 sind informelle Foren von Staats- und Regierungschefs. Sie sind keine internationalen Organisationen mit einem eigenen Verwaltungsapparat und ständigem Sekretariat. Themen für die rechtlich nicht bindende Beschlussfassung können weitgehend durch das jeweilige Vorsitzland gesetzt werden, das jährlich wechselt. 

1975 trafen sich in Rambouillet, Frankreich, zum ersten Mal Staats- und Regierungschefs wichtiger Industrienationen, um die Entwicklungen der Weltwirtschaft zu diskutieren. Dies war die Geburtsstunde der sogenannten G7-Gipfel, die von da an jedes Jahr organisiert wurden. 1998 wurde die Gruppe durch Aufnahme Russlands zur G8 erweitert. Der Vorsitz rotiert nach einer festgelegten Reihenfolge zwischen den beteiligten Ländern.

Die Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) ist ein seit 1999 bestehender, informeller Zusammenschluss aus 19 Staaten und der Europäischen Union. Zwischen 1999 und 2007 trafen sich die G20 ausschließlich auf der Ebene der Finanzminister. Seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 werden eigene G20-Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs durchgeführt. Im September 2009 in Pittsburgh erklärte sich die G20 auch zum maßgeblichen globalen Koordinierungsforum in Wirtschaftsfragen.

Die G7-Länder haben sich aufgrund der Krim-Krise im Frühjahr 2014 entschlossen, Russland aus der G8-Gruppe auszuschließen und ihre Teilnahme an dem geplanten G8-Gipfel in Sotschi unter russischem Vorsitz abzusagen. Die Europäische Union fungierte stattdessen zum ersten Mal als Gastgeber eines G7-Gipfels, der am 4./5. Juni 2014 in Brüssel stattfand.

Deutschland war in den Jahren 1978, 1985, 1992, 1999 und 2007 und 2015 Gastgeber der G7/G8 und hatte den Vorsitz damit bisher sechs Mal inne. Das Gipfeltreffen im Jahr 2015 fand vom 7. bis 8. Juni auf Schloss Elmau statt.

Deutschland hatte bereits 1999 und 2004 den G20-Vorsitz inne und war Gastgeber für die Finanzminister der G20. 2017 übernimmt Deutschland zum ersten Mal die Gastgeberrolle für die G20-Staats- und Regierungschefs. Der G20-Gipfel findet am 7. und 8. Juli 2017 in Hamburg statt. 

Jahr

G7-Gipfel, Vorsitz

G20-Gipfel, Vorsitz

2018

Kanada

Buenos Aires,

Argentinien

2017

Taormina,

Italien

Hamburg,

Deutschland

2016

Ise-Shima,

Japan

Hangzhou,

China

2015

Schloss Elmau,

Deutschland

Antalya,

Türkei

2014

Brüssel (EU),

Deutschland

Brisbane,

Australien

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Termine
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Zielsetzung

Grundsätzlich gilt für die G7 wie für die G20, dass eine thematische Schwerpunktsetzung weitgehend in der Hand des jeweiligen Vorsitzlandes liegt, und sich dadurch stetig wandelt. Gleichzeitig wird häufig auf Beschlüsse aus früheren Jahren Bezug genommen, so dass man von einer G7-Agenda und G20-Agenda sprechen kann.

Die Themenpalette der G7/G8 war zunächst auf Wirtschafts- und Währungspolitik beschränkt, sie wurde aber über die Jahre erweitert und umfasste schließlich das gesamte Spektrum globaler Politik, während Wirtschaftspolitik in den Hintergrund trat. 

Die G20 konzentrierte sich zunächst auf die Reformen zur Regulierung der Finanzmärkte und des internationalen Währungssystems sowie die makroökonomische Zusammenarbeit der G20-Länder. Inzwischen ist die Agenda der G20, ähnlich wie zuvor schon die Agenda der G7, auf viele weitere Politikfelder ausgedehnt worden (z.B. Energie, Entwicklungszusammenarbeit und Innovation).  

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Mitgliedsländer und Finanzierung

Die Gruppe der G7 umfasst die Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, die USA und Kanada (seit 1976). Außerdem ist die EU durch die Europäische Kommission und durch die ständige EU-Ratspräsidentschaft bei allen G7-Treffen vertreten. Russland war zwischen 1998 und 2014 Mitglied der Gruppe (damals G8). Lateinamerika und Afrika sind in der G7 nicht vertreten, Asien ausschließlich durch Japan.  

Die Erweiterung der damaligen G8 war im letzten Jahrzehnt Gegenstand intensiver Diskussionen. Von 2005 bis 2009 wurden fünf wichtige Schwellenländer, die sogenannten G5-Länder (China, Indien, Brasilien, Mexiko sowie Südafrika) zu den G8-Gipfeln eingeladen.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 führte dazu, dass die bereits vorher auf der Ebene der Finanzminister operierende G20 sich auch auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs als globales Führungsforum etablieren konnte. Zu der G20 gehören neben den G7- und den G5-Ländern auch Argentinien, Australien, Indonesien, Russland, Saudi-Arabien, Südkorea, die Türkei sowie als zwanzigstes Mitglied die EU.

In der G20 werden bestimmte regionale Gruppen unterschieden. Zwischen 1999 und 2008 rotierte der G20-Vorsitz der Finanzminister in einer festgelegten Reihenfolge zwischen diesen Gruppen. Ab 2016 wird dieses Rotationssystem auch für den Vorsitz der G20-Staats- und Regierungschefs angewandt. Der Vorsitz lag 2016 bei China als einem Land der Gruppe 5, gefolgt 2017 von Deutschland als einem Land der Gruppe 4. Argentinien folgt 2018 als Land der Gruppe 3. Die Europäische Union als zwanzigstes Mitglied gehört keine der Gruppen an.

  • Gruppe 1: Australien, Kanada, Saudi-Arabien, USA;
  • Gruppe 2: Indien, Russland, Südafrika, Türkei;
  • Gruppe 3: Argentinien, Brasilien, Mexiko;
  • Gruppe 4: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien;
  • Gruppe 5: China, Indonesien, Japan, Südkorea.

Die G20-Staaten stehen für fast zwei Drittel der Weltbevölkerung, drei Viertel des Welthandels und über vier Fünftel des weltweiten Bruttoinlandsproduktes. Im Bereich Forschung und Entwicklung sind sie ebenfalls für mehr als vier Fünftel (80 Prozent) der FuE-Ausgaben und 70 Prozent der Patentanmeldungen zuständig.

An den G20-Gipfeln nehmen neben den G20-Mitgliedsländern regelmäßig das Gastland Spanien, weitere von dem Vorsitzland eingeladene Gastländer sowie folgende internationale Organisationen teil: Internationaler Währungsfonds (IWF), Weltbank (WB), Financial Stability Board (FSB), Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Welthandelsorganisation (WTO), Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und die Vereinten Nationen (VN).

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Struktur und Arbeitsweise

Vorbereitung Gipfeltreffen

Der sichtbarste Teil des G7- und des G20-Prozesses sind die jährlichen Gipfeltreffen. Diese bieten den Staats- und Regierungschefs die Möglichkeit, über schwierige Fragen einen Konsens zu erzielen sowie im persönlichen Gespräch Standpunkte auszutauschen. Als informelles Forum der Staats- und Regierungschefs besitzen G7- und G20 weder einen eigenen Verwaltungsapparat mit ständigem Sekretariat noch eine permanente Vertretung ihrer Mitglieder.

Im Rahmen des G20-Prozesses richtet das vorsitzende Land ein vorläufiges Sekretariat für die Dauer seiner Amtszeit ein, welches die Arbeitsgruppen koordiniert und Treffen organisiert. Es arbeitet im Rahmen eines Troika-Konzeptes eng mit den Staaten zusammen, die im vorangegangenen und im folgenden Jahr den Vorsitz inne haben. Die Troika soll Stabilität für die Arbeit der G20 garantieren.

In dem Vorbereitungsprozess übernehmen zusätzlich die Persönlichen Beauftragten der beteiligten Staats- und Regierungschefs die fachkundige Vor- und Nachbereitung des Gipfels. Sie werden "Sherpa" genannt. Das aus dem Nepalesischen stammende Wort bezeichnet die einheimischen ortskundigen Bergführer im Himalaya-Gebirge. Die Sherpas gehören zu den zentralen Figuren des Prozesses. Das jeweilige vorsitzende Land lädt die Sherpas mehrmals jährlich zu Arbeitstreffen in ihr Land ein, um den Gipfel vor- und nachzubereiten.

Deutscher G7- und G20-Sherpa (persönlicher Beauftragter der Bundeskanzlerin für den G7 und G20-Gipfel) ist Prof. Dr. Lars-Hendrik Röller, wirtschafts- und finanzpolitischer Berater der Bundeskanzlerin.

Ministertreffen 

Im Vorfeld der G7-Gipfel findet regelmäßig je eine Zusammenkunft der Außen- und Finanzminister statt, im Vorfeld der G20-Gipfel eine Zusammenkunft der Finanzminister und Zentralbankchefs. Je nach fachlichem Schwerpunkt können im Vorfeld der Gipfel auch andere G7- und G20-Ministertreffen organisiert werden. Einige Ministertreffen sind verstetigt worden (z.B. G20-Treffen der Arbeitsminister).

Umsetzung von Beschlüssen

Die Umsetzung von Beschlüssen wird von den G7-Gipfeln teilweise an neu gegründete Gremien bzw. an bestehende internationale Organisationen delegiert. Die Beschlüsse der G7 und der G20 haben keine rechtlich bindende Wirkung. Daher wurden verschiedene Berichtsmechanismen entwickelt, mit denen überprüft wird, inwieweit die Beschlüsse auf nationaler Ebene tatsächlich umgesetzt werden.

  • Die G7-Forschungsgruppe der Universität Toronto legt als unabhängiges Gremium bereits seit 1996 jährliche Berichte vor, in denen für ausgewählte Zusagen die Umsetzungsmaßnahmen der G7-Staaten bewertet werden. Die Praxis wurde von der G20-Forschungsgruppe an der Universität Toronto übernommen (Umsetzungsmaßnahmen G20). 
  • Sowohl der G7-Gipfel als auch der G20-Gipfel verfügen über einen in den Gipfel integrierten Rechenschaftsmechanismus in Bezug auf Zusagen für Entwicklungsländer. Alle drei Jahre legen die G7 (2010, 2013, 2016) bzw. die G20 (2013, 2016) einen umfassenden Bericht vor. Die G20 nehmen außerdem seit 2013 jährliche Berichte zur Umsetzung ihrer Zusagen zu Wirtschaftswachstum auf den Gipfeltreffen an. Auch für die Umsetzung des G20-Aktionsplans zur Agenda 2030 (siehe unten) wird ab 2017 ein Berichtsmechanismus aufgebaut.

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