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Deutsch-chilenische Exzellenzinitiative zur Bergbauförderung

Erfolgsgeschichten

Chile verfügt über reiche und vielfältige Rohstoffvorräte. Der Bergbau ist für Chile der wichtigste Wirtschaftszweig. Sein Anteil am BIP betrug 2010 rund 20 Prozent. Weiterhin plant Chile in den nächsten acht Jahren ca. 67 Milliarden US-Dollar in den Bergbausektor zu investieren. Zahlreiche Bergbauprojekte stehen schon vor dem Start. Die bereits bestehende hohe Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften auf diesem Gebiet nimmt noch weiter zu. Nach aktuellen Rechnungen chilenischer Unternehmen werden in den kommenden vier Jahren ungefähr 23.000 Fachleute fehlen.

Die chilenische Regierung hat auf die Problematik reagiert und zusammen mit dem BMBF und Unterstützung des Internationalen Büro des BMBF ein Projekt für eine deutsch-chilenische Exzellenzinitiative für Bergbauförderung entwickelt. Diese soll in diesem Wirtschaftsbereich tätige deutsche und chilenische Universitäten, Unternehmen beider Länder, technische Weiterbildungseinrichtungen sowie den öffentlichen Dienst mit einbeziehen. Ziel ist die Ausbildung von hochqualifizierten Fachkräften sowie ihre Weiterbildung im technischen Bereich zu fördern und die Forschung in den nördlichen Regionen Chiles voranzutreiben.

Virtueller Zusammenschluss deutscher und chilenischer Hochschulen

Die TU Bergakademie Freiberg und die TFH Georg Agricola zu Bochum haben ein Konzept für die Errichtung eines Bergbau-Exzellenzzentrums mit dem Namen "Ignacio y Casimiro Domeyko-Zentrum" in Kooperation mit chilenischen Hochschulen zur Ausbildung von Bergbaustudenten erarbeitet. Das Vorhaben ist ein virtueller Zusammenschluss zwischen zwei deutschen und drei chilenischen Hochschulen. Die vorhandenen Beziehungen zwischen den Universitäten in Concepción (UdeC), Copiapo (UdA) und Antofagasta (UCN), der TUB Freiberg und der TFH Bochum sollen strukturiert ausgebaut werden. Im Norden Chiles soll zeitnah ein chilenisch-deutsches Exzellenzzentrum im Lehr- und Forschungsbereich im Bergbau aufgebaut werden.

Auf Grund des zukünftigen Ausbaus des Rohstoffsektors ist das Interesse der chilenischen Regierung an einer engeren Rohstoffzusammenarbeit mit Deutschland groß. Bildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan und der chilenische Bergbauminister, Dr. Hernán de Solminihac, unterzeichneten dazu am 1. Oktober 2012 in Santiago de Chile eine gemeinsame Erklärung zur Zusammenarbeit in Bildung und Forschung im Bergbaubereich. Im Beisein beider Minister unterschrieben auch die TU Freiberg, TFH Bochum und die chilenischen Partneruniversitäten eine Absichtserklärung  für den Aufbau des deutsch-chilenischen Zentrums für bergbaubezogene Lehre und Forschung "Ignacio und Casimiro Domeyko". Die Gründungs- und Aufbauphase des Domeyko-Zentrums wird vom BMBF finanziell gefördert. Das Internationale Büro des BMBF betreut das Projekt und berät fachlich.

Praxisnahe Ausbildung im Bergbau

Ähnliche Engpässe bei der Ausbildung von Fachkräften bestehen nach Meinung der Bergbaubranche sowohl in der Entwicklung von Projekten als auch in den Bergbaubetrieben selbst. An diesem Punkt setzt die TFH Bochum an, die neben ihren fachlichen Schwerpunkten vor allem ihre Stärken in der praxisorientierten, industrienahen Ingenieursausbildung in diese Initiative einbringen wird. Für die TFH Bochum sind über diese Hochschulkooperationen hinaus insbesondere die chilenischen Hochschulbildungszentren INACAP, IP Virginio Gomez und IP de la Universidad de Atacama von Interesse, da dort auf Fachhochschulniveau praxisnah ausgebildet wird. Neben ihrem Engagement in der Exzellenzinitiative hat die TFH Bochum ebenfalls mit dem chilenischen und weltweit größten Kupferproduzenten CODELCO (Corporación Nacional del Cobre de Chile) während der Chile-Reise von Bildungsministerin Schavan ein Kooperationsabkommen unterzeichnet. Geplant sind gemeinsame Weiterbildungsprogramme, Personalentwicklungsaktivitäten aber auch Forschungsprojekte.

Unter dem Dach des Domeyko-Zentrums wird zukünftig auch die Kooperation im Bereich der technischen Berufs- und Weiterbildung mit eingebunden. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) soll bei der Einführung des dualen Berufsbildungssystems in Chile nach deutschem Vorbild unterstützen. Im November 2011 haben das BIBB und das chilenische Bildungsministerium (MINEDUC) dazu einen Kooperationsvertrag geschlossen. Ziel ist es, eine Plattform für den Informationsaustausch zu bilden und zu prüfen, ob chilenische Unternehmen bereit sind, Bildungsangebote aus Deutschland (z.B. iMOVE) zu implementieren. Dazu hat während der Chile-Reise von Bildungsministerin Schavan im Oktober 2012 eine Berufsbildungskonferenz und erste Workshops stattgefunden. Das BIBB berät das chilenische  Bildungsministerium beispielsweise bei der Einführung von Ausbildungsordnungen oder entwirft Programme zur Ausbildung der Ausbilder.

"Faktor Mensch" im Bergbau

Neben der qualifizierten Ausbildung der Fachkräfte ist auch die menschliche Belastung im Bergbau ein wichtiges Thema. Deshalb hat das Institut für Weltraummedizin der Charité Berlin im Oktober 2012 mit Unterstützung des BMBF einen deutsch-chilenischen Masterstudiengang Bioinformatik "Human Factors – Occupational Health and Safety in Extreme Environments" für Medizin- und Bergbaustudenten an der Universidad de Antofagasta (UC) gestartet. Dieser ist eine weitere Initiative des Domeyko-Zentrums. Der Masterstudiengang und die speziell avisierten Forschungen zu höhenphysiologischen Problemen stoßen sowohl in den Minen als auch den Observatorien im Norden Chiles auf sehr großes Interesse. Es sind spezielle Vorlesungen, Seminare und praktische Übungen geplant, die in den zurückliegenden Jahren in eingeschränkter Form bereits erfolgreich in Santiago de Chile und Antofagasta durchgeführt wurden. Pro Jahr werden rund 20 Studenten der Bioinformatik an einem solchen Kurs teilnehmen können.

BMBF-Forschungsprojekte im chilenischen Bergbau

Zum Ausbau der Forschungsaktivitäten des Domekyo-Zentrums wird ein Vorhaben der TUB Freiberg im Rahmen des BMBF-Programms CLIENT gefördert. Thema des Forschungsvorhabens ist "Secondary Mining - Gewinnung strategischer Elemente aus Bergbaualtablagerungen (z.B. Tailings) und einer anschließenden umweltschonenderen Verwahrung der Restmaterialien".  Die Rückgewinnung von Metallen aus Rückstandshalden ist auch für deutsche Unternehmen interessant, da es zu Versorgungsengpässen aufgrund des erhöhten Bedarfs kommen kann. Weiterhin führen positive Projektergebnisse zu neuen Impulsen für den Export deutscher Gewinnungs- und Aufbereitungstechnologien und -maschinen sowie des Sanierungs Know-Hows. Das Vorhaben hatte sich aus einem Innovationsforum entwickelt, das das Internationale Büro des BMBF zum Thema Altlasten im Bergbau 2009 in Valparaíso in Chile veranstaltet hatte.

Ein weiteres Forschungsvorhaben des Helmholtz-Institut Freiberg zur Optimierung von Primärrohstoffen in der Kupferproduktion wird durch eine Anschubfinanzierung des BMBF gefördert. Das Projekt beschäftigt sich sowohl mit einer ressourceneffizienten Kupfererzeugung und der Nutzung aller möglichen Koppelprodukte, als auch einer Abtrennung von umweltrelevanten Verunreinigungen. Damit reduzieren sich die Konzentrationen in den Tailings (Halden) und somit auch die Umweltgefährdung. Das Vorhaben stößt auf chilenischer Seite auf großes Interesse und wird gemeinsam mit einem der größten Kupferhersteller durchgeführt.

Redaktion: Länder / Organisationen: Chile Themen: Energie Förderung Geowissenschaften

Die Rektoren der Hochschulen unterzeichnen die Absichtserklärung für den Aufbau des deutsch-chilenischen Zentrums für bergbaubezogene Lehre und Forschung "Ignacio und Casimiro Domeyko" in Nord-Chile. (Quelle: TU Freiberg / Koordinierungsstelle Domeyko-Zentrum)

Die Halde "Barahona" der Lagerstätte "El Teniente" bei Rancagua ist seit 30 Jahren geschlossen. Dieses Tailing ist für das Forschungsprojekt der TU Freiberg besonders interessant, da hier in den letzen Jahrzehnten neue Mineralisationsprozesse stattgefunden haben.

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