StartseiteAktuellesErfolgsgeschichtenStammzellenforschung: Eurasische Kooperation lüftet Geheimnisse des Alterns

Stammzellenforschung: Eurasische Kooperation lüftet Geheimnisse des Alterns

Erfolgsgeschichten

So sehr wir auch versuchen es zu verhindern, irgendwann packt das Alter jeden von uns. Deswegen stellen sich Forscher des internationalen Projekts StemReg die Frage, inwieweit die Alterung von Stammzellen den Altersprozess unseres Körpers beeinflusst und wie dieser dann gezielt beeinflusst werden könnte. Um dies herausfinden zu können, untersuchen sie im Rahmen des Projekts biologische Prozesse in unseren Stammzellen in Organen und im Gewebe, in der Hoffnung, neue Erkenntnisse über das menschliche Altern zu gewinnen.

Das Projekt StemReg besteht aus Partnern aus Europa und aus Südkorea, einem der führenden Länder in der Stammzellenforschung und regenerativer Medizin. Unter der Leitung von Projektkoordinator Andreas Kurtz wurden die Aktivitäten von Stammzellen während der altersbedingten Degeneration von Organen untersucht. Zur selben Zeit zielte das Projekt darauf ab, die interdisziplinäre Zusammenarbeit in Stammzellentechnologie und –therapie zwischen Europa und Asien zu verbessern und ein Forum für interessierte Forscher aus Industrie und Universitäten zu schaffen.

StemReg, als Teil von KORANET, dem wissenschaftlichen Netzwerk zum Aufbau technologischer Kooperation zwischen Südkorea und Europa, bündelt Partner aus neun europäischen Ländern und aus Südkorea. Hierbei konnte der Wissensaustausch im Bereich der Stammzellenseneszenz besonders zwischen jungen Forscher gefördert werden. Um die Forschungen weiterzuführen, wurden konkrete Pläne für ein gemeinsames Institut für Stammzellenforschung und regenerative Medizin, das aller Voraussicht nach in Osong, Chungbuk in Südkorea etabliert werden soll, entwickelt.

Südkorea, als Land mit einer stark alternden Bevölkerung, hat bereits eine sehr vielversprechende Dynamik in diesem Forschungsfeld bewiesen. Sämtliche koreanische Partner von StemReg wurden aufgrund ihrer Erfahrung in Schlüsselbereichen wie der Stammzellenbiologie sowie Mikrofluidanalyse von Molekülen und Zellkomponenten ausgewählt.

„Unser Projektteam arbeitete vor allem an neuen Möglichkeiten zur Erkennung von Alterungssignalen mithilfe der Biosensortechnologie“, so Projektleiter Andreas Kurtz, der am Berlin-Brandenburger Centrum für regenerative Therapien arbeitet. Bei jedem Vorstoß in der Verlängerung gesunden Lebens müsse jedoch die Beziehungen zwischen biochemischen und physiologischen Anzeichen des Alterns berücksichtigt werden. „Einsichten in diesen Prozess werden uns hoffentlich bald die Möglichkeit geben den Alterungsprozess zu überwachen, hinauszuzögern oder gar in bestimmten Organen umzukehren“, erklärt Kurtz.

Altern als vielschichtiger Prozess

Beim Altern findet eine zelluläre Seneszenz ("Alterung") statt, bei der die Reparatur von Organen an Geschwindigkeit verliert. Doch leider sind die komplexen und dynamischen Interaktionen auf molekularem, zellularem und organischem Level nur unzureichend verstanden. Um diese aufzukären, bedarf es einer multidisziplinären Untersuchung des gesamten Systems, weshalb im StemReg-Projekt die Kompetenz von Zellbiologen, Klinikern, Bioinformatikern und Ingenieuren aus verschiedenen europäischen Ländern und aus Südkorea gebündelt wird.

Kurtz erläutert weiter, dass es derzeit keine Werkzeuge zur Bestimmung der Zellalterung im Menschen gäbe und, dass das biologische Alter einer Person nicht durch eine davon unabhängige Messung bestimmt werden könne. Das StemReg-Team habe dafür ausgewiesene Komponenten entworfen, so Kurtz. „Im Zuge des Projekts konnten wir eine Möglichkeit zur Messung der biologischen Alterung entwickeln. Zur Evaluierung hilft die Bioinformatik, die Anwendung an Stammzellen um es umzukehren. Als nächster Schritt sollte die Implementierung in einer neuen Finanzierungsrunde mit deutlich gesteigertem Budget stattfinden“, fügt Kurtz hinzu.

Das Thema wird durch den weltweit höchsten Anteil älterer Menschen in Europa und damit verbundenen steigenden Sozialkosten für die Gesellschaften relevant. Diese Belastung könnte jedoch durch steigende Gesundheit und erhöhter Lebensqualität der älteren Bevölkerung reduziert werden.
Das Verstehen intra- und extrazellulärer Auslöser von Stammzellenseneszenz könnte dazu führen, dass sich neue Möglichkeiten zur frühzeitigen Entdeckung des Alterungsprozesses im Menschen ergeben. Darauf aufbauend könnten neue Methoden zur Verlangsamung oder Umkehr des Prozesses sowie neue regenerative Therapien entwickelt werden.

Das Altern verlangsamen

Einer der südkoreanischen Projektpartner, Herr Kyung Sun Kang, Professor an der Seoul National University, sagt, das Projekt sei eine großartige Möglichkeit zum Kennenlernen europäischer Forschung in regenerativen Therapien und Alterung gewesen. „Die regenerative Medizin bietet fundamentalere therapeutische Möglichkeiten, als es konventionelle, auf Chemie basierende Therapien tun. Ich denke, in der Zukunft könnte es möglich sein, den Prozess der Alterung zu verlangsamen und mit modifizierten Stammzellen sogar teilweise umzukehren“, so Kyung Sun Kang.

Redaktion: Länder / Organisationen: EU Republik Korea (Südkorea) Themen: Lebenswissenschaften

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