StartseiteAktuellesNachrichtenCarl-Duisberg-Gesellschaft zeichnet Abschlussarbeiten aus, die sich mit Problemen von Entwicklungsländern auseinandersetzen

Carl-Duisberg-Gesellschaft zeichnet Abschlussarbeiten aus, die sich mit Problemen von Entwicklungsländern auseinandersetzen

Zwei Studenten der Hochschulen Ulm und Neu-Ulm belegten die ersten beiden Plätze des durch die Carl-Duisberg-Gesellschaft (CDG) vergebenen Preises für herausragende Abschlussarbeiten, die sich mit den Problemen von Entwicklungsländern unter Nachhaltigkeitsaspekten auseinandersetzen.

Die sozioökonomischen Potentiale von Entwicklungsländern zu erkennen und Impulse zu setzen, die deren wirtschaftliche Perspektiven unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit verbessern, ist ein Anliegen der Carl-Duisberg-Gesellschaft. Dass hierzu Abschlussarbeiten aus Hochschulen einen wichtigen Beitrag leisten können, zeigte sich erneut bei der diesjährigen Verleihung des Carl-Duisberg-Preises. Den ersten Platz belegte Benjamin Seckinger, der Produktionsstätten für Kleinsolaranlagen in Mozambique aufbaut; mit einem neuen Verfahren zur Wasserdesinfiktion schaffte es Michael Sift auf den zweiten Platz. Die Preisträger studieren an den Hochschulen in Ulm bzw. Neu-Ulm.  

1. Platz: Produktion von Kleinsolaranlagen in Mozambique

Beim Aufbau einer Produktionsstätte für Klein-Solaranlagen im afrikanischen Mozambique orientierte sich Benjamin Seckinger an dem Drei-Säulen-Modell für nachhaltige Entwicklung und brachte die Produktion innerhalb von acht Wochen zum Laufen. Der Preisträger ist Absolvent des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen, den die Hochschule Ulm und die Hochschule Neu-Ulm gemeinsam durchführen.

Mozambique ist ein armer dünnbesiedelter afrikanischer Flächenstaat, dem es vor allem in ländlichen Raum an elektrischer Versorgung fehlt. Kleine Solar-Anlagen für den häuslichen Gebrauch können Abhilfe schaffen. Noch besser ist es, wenn solche Anlagen auf einfache und kostengünstige Weise im Land selbst produzierte werden können. Schon die Produktion einer solarbetriebenen Lichtquelle wäre ein wichtiger Fortschritt für den Alltag. Benjamin Seckinger stellte sich in seiner Bachelorarbeit der Aufgabe, eine Pilotanlage für die Produktion solcher Solar-Anlagen zu realisieren. Ausgehend vom Produkt-Design entwarf Seckinger für das Ulmer Unternehmen Fosera den Herstellungsprozess, plante die Einrichtung der Produktionsstätte und begleitete die Umsetzung in Maputo persönlich. Dabei betrachtete er das Vorhaben ganzheitlich nach dem Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung, wonach sich Erfolg nur einstellt, wenn ökologische, ökonomische und soziale Bedingungen gleichwertig berücksichtigt werden. Kurzgesagt, das Zusammenwirken der Aspekte Planet, Profit und People sollte stimmen.

Seckinger hat alle Informationen zusammengetragen, die für den erfolgreichen Aufbau eines solchen Kleinunternehmens unter den lokalen Bedingungen erforderlich sind. Innerhalb von acht Wochen wurde die Produktion zum Laufen gebracht. Wichtige Erfolgsfaktoren waren dabei unter anderem die Sicherung der Produktionsstätte gegen Diebstahl, die Schulung der künftigen Beschäftigten sowie die Gewährleistung eines professionellen Managements. Außerdem entwickelte er einen zweiphasigen Geschäftsplan mit realistischen Zielen. Kurzfristig ging es darum, die Produktion kostengünstig in Gang zu setzen und in der zweiten Phase die Voraussetzungen zu schaffen, die Produktion mittelfristig entsprechend der Nachfrage hoch zu fahren.

Geschäftsmodelle mit klarer Marktperspektive sind wichtig, damit in armen Entwicklungsländern mehr kleine und mittlere Unternehmen gegründet werden, die Produkte vor Ort herstellen, und so die Wertschöpfung im eigenen Land erfolgen kann. Hierfür liefert Seckingers Arbeit ein eindrucksvolles Beispiel, auch wenn derzeit die Einzelteile noch weitgehend importiert werden müssen. Als ganz persönliche Auszeichnung wertete der CDG-Preisträger jedoch die Nachricht eines der derzeit 15 Mitarbeiter in Maputo. Endlich würde er genügend Geld verdienen, um seine Familie zu ernähren, ließ dieser ihn dankend wissen.

Noch nie seien die Kriterien der Preisvergabe in einer Arbeit so vollständig zu finden gewesen wie in dieser, lautete das einhellige Urteil der CDG-Jury. Die sozioökonomischen Potentiale von Entwicklungsländern zu erkennen und Impulse zu setzen, die deren wirtschaftliche Perspektiven unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit verbessern, ist ein zentrales Anliegen der Carl-Duisberg-Gesellschaft. Dies fände sich in Seckingers Arbeit, die von den Professoren Dr. Manfred Hüser und Peter Adelmann betreut worden war, eindeutig wieder und sie erfülle gleichzeitig ein drittes Kriterium: Der Preisträger habe sich vor Ort in Maputo für den Aufbau selbst engagiert.

2. Platz: Neuer Ansatz zur Wasserdesinfektion in Entwicklungsländern

Der Prototyp eines mobilen Systems zur Desinfektion von Trinkwasser arbeitet mit speziellen LEDs. Werden diese technisch weiterentwickelt, ist es dem üblichen Desinfektionsverfahren mit Quecksilber-Dampflampen weit überlegen. Für diesen neuen Ansatz ist Michael Sift, Absolvent des Bachelor-Studiengang Medizintechnik der Hochschule Ulm, von der Carl-Duisberg-Gesellschaft mit einem zweiten Preis ausgezeichnet worden.

Motivation für die Arbeit von Michael Sift waren die Schätzungen der UNESCO, dass in den Entwicklungsländern mehr Kinder an verseuchtem Trinkwasser sterben als an AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammengenommen. Krankmachende Keime lassen sich jedoch mit UV-Licht zerstören. Überlicherweise werden hierfür Quecksilberdampf-Lampen verwendet. Der Preisträger entwickelte ein mobiles Wasserdesinfektionssystem, das gegenüber dem bisherigen folgende Vorteile vereint: Als UV-Quelle dienen spezielle LEDs, sodass das System frei von giftigem Quecksilber ist. Die Peak-Wellenlänge des UV-Lichts von 290 nm garantiert, dass alle Mikroorganismen abgetötet werden. Eine optoelektronische Durchflussüberwachung kontrolliert die LED-Leistung und passt sie an die Wassertrübung an, um den Desinfektionserfolg zu sichern. Der geringe Energiebedarf des Systems lässt sich über Kleinsolaranlagen decken.

Getestet wurde das Desinfektionssystem an dem Darmbakterium Escherichia coli, das gegenüber UV-Licht ähnlich sensibel ist wie Legionellen oder Cholera-Bakterien, die in Entwicklungsländern häufig Durchfallerkrankungen auslösen. Mittelfristig werden dem neuen System sehr gute Chancen eingeräumt, das herkömmliche Desinfektionsverfahren zu ersetzen. Diesem ist es prinzipiell hinsichtlich Effizienz, Langlebigkeit und Umweltverträglichkeit weit überlegen. Hierzu müssen allerdings die LEDs technisch optimiert und kostengünstiger werden.

Neben Michael Sift wurde auch die Arbeit von Verena Maurer, Hochschule für Technik Stuttgart mit einem zweiten Preis gewürdigt. Sie beschäftigte sich mit dem Einsatz von Energieträgern mit geringer CO2 –Belastung im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung in Malaysia.

Quelle: IDW Nachrichten Redaktion: von Tim Mörsch, VDI Technologiezentrum GmbH Länder / Organisationen: Global Themen: Bildung und Hochschulen Fachkräfte

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