StartseiteAktuellesNachrichtenDas größte Doktorandenprogramm der Welt: Das Postgraduate Study Abroad Program des China Scholarship Council (CSC)

Das größte Doktorandenprogramm der Welt: Das Postgraduate Study Abroad Program des China Scholarship Council (CSC)

Teil 1: Wie Deutschland davon profitiert – Wichtige Programmänderungen seit 2012

Jetzt ist wieder Saison: Der China Scholarship Council (CSC) hat Ende September im Rahmen einer großen Präsentation an der Southeast University in Nanjing seine Programme für das Jahr 2014 ausgeschrieben. Das größte und wichtigste Programm ist hierbei das „Postgraduate Study Abroad Program“, das Promotionsaufenthalte im Ausland fördert. Für chinesische Studierende, die sich für eine Promotion außerhalb Chinas interessieren, war dies der Startschuss für die Suche nach einem Promotionsplatz im Ausland. Der Bewerbungsschluss für 2014 ist im März; Auslandsaufenthalte können ab Sommer 2014 angetreten werden.

Deutschland gehört zu den beliebtesten Gastländern. Seit dem Start des Programms im Jahr 2007 kamen insgesamt 3654 CSC-Stipendiaten nach Deutschland – in der Mehrzahl für eine Vollpromotion. Dies entspricht 9,8 Prozent der CSC-Geförderten von 2007 bis 2013 (37.278).

Deutschland ist damit nach den USA Zielland Nr. 2 weltweit, noch vor Großbritannien, Kanada und Australien (Abbildung 1). Bei Stipendien für eine Vollpromotion im Ausland belegt Deutschland sogar den Spitzenplatz.

Nach Angaben der Bildungsabteilung der chinesischen Botschaft in Berlin halten sich derzeit rund 2200 CSC-Stipendiaten in Deutschland auf. Rechnet man die laufenden Programmkosten hoch, so ist 2013 von einem finanziellen Beitrag der chinesischen Regierung zum deutschen Wissenschaftssystem von mehr als 25 Mio. EUR auszugehen. Zum Vergleich: Der DAAD wird im Jahr 2013 im Rahmen seiner bilateralen Programme für die Förderung von Deutschen und Chinesen rund 17 Mio. EUR ausgeben.

Das CSC-Doktorandenprogramm ist damit der größte Beitrag, den eine ausländische Regierung gegenwärtig zur Finanzierung von wissenschaftlichem Personal an deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen leistet. Für die chinesische Regierung ist das Programm, das pro Jahr etwa 6.000 Doktoranden ins Ausland schickt, eine langfristige Investition in die Entwicklung des eigenen Wissenschaftssystems. Auf deutscher Seite und insbesondere für die Betreuer von CSC-Doktoranden bietet das Programm die Möglichkeit zur Aufnahme qualifizierter Nachwuchswissenschaftler, die nicht mit direkten Personalkosten für das Gastinstitut verbunden sind. Für das deutsche Wissenschaftssystem insgesamt stellt das Programm – über die Laufzeit der Einzelförderungen hinaus – ein erhebliches Potential für die zukünftige wissenschaftliche Zusammenarbeit mit China dar.

Während der ersten fünf Jahre – von 2007 bis 2012 – war das Programm hauptsächlich einer Gruppe von gut 60 Universitäten vorbehalten und konnte auf diese Weise einen Eliteanspruch für sich geltend machen. Der Löwenanteil der jährlichen Stipendien – nämlich 5.000 der insgesamt 6.000 Stipendien – wurde in Form von Quoten an diese Universitäten weitergegeben, die dem CSC dann eigene Doktoranden bzw. Masterabsolventen für ein Stipendium vorschlugen. Der CSC beschränkte sich auf die Qualitätskontrolle der durch die Hochschulen nominierten Kandidaten. Lediglich eine Tranche von 1000 Stipendien wurde zentral vom CSC in einem offenen Verfahren an Bewerber anderer Hochschulen vergeben.

Die Stipendien gingen dabei je zur Hälfte an Doktoranden chinesischer Hochschulen, die an ein- bis zweijährigen Sandwich-Aufenthalten im Ausland teilnahmen, sowie an Masterabsolventen chinesischer Hochschulen, die eine Vollpromotion im Ausland anstrebten.

Änderungen des CSC-Programms in der zweiten Programmphase 2013-2017

Seit 2012 ist das Programm geöffnet worden und steht nun einem erheblich größeren Kreis an Bewerbern offen:

  • Für einen Sandwich-Aufenthalt im Ausland können sich jetzt Doktoranden aller chinesischen Universitäten bewerben, die über das Promotionsrecht verfügen. Das trifft auf ca. 250 Hochschulen zu (darunter auch solche, die nur in wenigen Fächern promotionsberechtigt sind) und schließt die Doktoranden der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) ein; letztere waren zuvor von einer Förderung ausgeschlossen.
  • Die Stipendien für eine Vollpromotion im Ausland richten sich weiterhin vor allem an Studierende, die gerade ihr Masterstudium absolvieren und anschließend direkt zum Zweck der Promotion ins Ausland gehen; neu ist, dass sich jetzt Masterabsolventen aller chinesischen Hochschulen bewerben dürfen.
    Bewerben dürfen sich außerdem Berufstätige mit Masterabschluss unter 35 Jahren, die einen Doktorgrad für ihr berufliches Fortkommen benötigen.
    Eine weitere Neuerung ist schließlich, dass sich auch Chinesinnen und Chinesen bewerben können, die als Selbstzahler einen Masterabschluss im Ausland erworben haben. Zuvor waren nur Masterabsolventen chinesischer Hochschulen bewerbungsberechtigt.

Aus deutscher Sicht und damit aus der Sicht eines der großen Aufnahmeländer für CSC-Stipendiaten stellt die bedeutende Vergrößerung der Bewerberpools keine gute Nachricht dar. Es ist kaum anzunehmen, dass die Zahl gut und sehr gut qualifizierter Kandidaten proportional mit der Gesamtzahl der Bewerber wächst. Eine fundierte Bewertung von Interessenten und die Auswahl von Bewerbern werden damit in Zukunft noch wichtiger.

Interessant ist hingegen, dass sich seit dem letzten Jahr auch chinesische Masterabsolventen deutscher Hochschulen um eine Anschlussförderung ihrer Promotion in Deutschland bewerben dürfen.

Mit der beschriebenen Vergrößerung des Bewerberpools geht eine partielle Verlagerung des Schwerpunkts der CSC-Förderung einher: Von den 6.000 Stipendien wird bereits ab diesem Jahr ein größerer Teil für Sandwich-Aufenthalte reserviert und im Gegenzug die Anzahl der Stipendien für eine Vollpromotion verringert:

  • Der Anteil der Stipendien für Sandwich-Aufenthalte im Ausland wurde 2013 von zuvor 3.000 auf jetzt 3.500 Stipendien erhöht. Entsprechend wurde der Anteil der Stipendien für eine Vollpromotion im Ausland reduziert, von 3.000 auf 2.500 Stipendien.
  • Im Jahr 2014, so die gerade vorgestellten Pläne des CSC, soll die Gesamtzahl der Stipendien von 6.000 auf 6.950 angehoben werden. Die zusätzlichen 950 Stipendien sollen dabei vollständig zur weiteren Verstärkung der Sandwich-Programmlinie dienen. Ab 2014 werden damit nahezu zwei Drittel aller Stipendien (64 Prozent) auf die Sandwich-Programmlinie entfallen (4.450 Stipendien). Die Programmlinie Vollpromotion wird weiter mit jährlich 2.500 Stipendien ausgestattet, was einem Anteil von in Zukunft nur noch 36% aller Stipendien entspricht.

Für Deutschland als wichtigstes Zielland von CSC-Stipendiaten mit dem Ziel einer Vollpromotion ist das keine gute Nachricht. Die Konkurrenz um ein Stipendium für eine Vollpromotion im Ausland wird zunehmen. Von den Stipendien für Sandwich-Aufenthalte im Ausland hat Deutschland in der
Vergangenheit eher wenig profitiert.

Erste Auswirkungen der neuen Programmpolitik auf die Förderstatistik – Vergleich der Ergebnisse der Jahre 2012 und 2013

Abbildung 2 zeigt die sechs wichtigsten Zielländer der CSC-Stipendiaten in den Jahren 2012 und 2013. Die Unterschiede zwischen beiden Jahren sind gerade vor dem Hintergrund der 2013 eingeführten neuen Stipendienpolitik interessant, nämlich der Erhöhung der Anzahl von Sandwich-Stipendien auf Kosten von Vollpromotionen.

Die USA konnten auch 2013 ihre dominante Rolle ausbauen – 42 Prozent aller neuen CSC-Stipendiaten gingen 2013 in die USA. Die Gesamtzahl der CSC-Stipendiaten mit dem Ziel Deutschland nahm zwar ganz leicht zu – von 604 auf 616. Gleichzeitig fiel Deutschland aber erstmals seit 2007 vom zweiten auf den dritten Platz der wichtigsten Zielländer zurück. Die Zahl der CSC-Stipendiaten mit dem Ziel Großbritannien stieg hingegen von 553 auf 731, wodurch sich das Vereinigte Königreich mit deutlichem Abstand vor Deutschland auf Rang 2 schob. Zu den Verlierern der neuen Stipendienpolitik zählt Kanada, das nur noch 375 anstatt zuvor 457 Stipendiaten als Zielland wählten.

In der Programmlinie der Stipendien für eine Vollpromotion im Ausland belegt Deutschland als Zielland weiterhin den ersten Platz, gefolgt von Großbritannien, den USA und Japan (Abbildung 3).

Leider liegen vom CSC keine Angaben zur Bewerberstatistik vor, so dass unklar ist, wie sich das Bewerberfeld quantitativ und qualitativ durch die Öffnung des Programms wirklich verändert hat. Der CSC machte klar, dass es keine Quoten für einzelne Bewerbergruppen gibt, sondern dass es um die Förderung der Besten gehe. Es ist davon auszugehen, dass Bewerber von guten und sehr guten Herkunftshochschulen nach wie vor sehr gute Chancen haben, ein Stipendium zu erhalten – aber sie müssen sich jetzt der Konkurrenz der anderen Bewerber stellen.

Eine interessante Detailangabe war vom CSC gleichwohl auf Nachfrage zu erfahren: Auf die Gruppe der Bewerber aus dem Ausland – also Chinesen, die als Selbstzahler ein Masterstudium im Ausland abschließen und dort eine Promotion anschließen möchten – entfielen im letzten Jahr weltweit 836 Bewerbungen, von denen 393 ein Stipendium erhalten haben – das entspricht immerhin etwa 15 Prozent aller Stipendien für eine Vollpromotion im Ausland. Auch für diese Gruppe, betont der CSC, gibt es keine Quoten. Wie sich diese Stipendiaten auf Zielländer aufteilen, war nicht zu erfahren. In jedem Fall handelt es sich um eine interessante Nachricht für chinesische Masterstudierende in Deutschland mit anschließender Promotionsabsicht.

Über den CSC

Der China Scholarship Council (CSC) ist eine dem chinesischen Bildungsministerium unterstehende gemeinnützige Förderorganisation mit Sitz in Peking. Mit seinen Programmen unterstützt der CSC chinesische Studierende und Hochschullehrer im Rahmen von Auslandsaufenthalten und ausländische Studierende und Wissenschaftler bei entsprechenden Aufenthalten in China. Die Förderprogramme des CSC sollen zur Entwicklung der Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft, Technologie, Kultur, Handel und Wirtschaft zwischen China und anderen Ländern sowie zum gegenseitigen Verständnis beitragen.
Der CSC wurde im Jahr 1999 gegründet und wird im Wesentlichen von der chinesischen Regierung finanziert. Er ist die wichtigste Partnerorganisation des DAAD in China.

Kontakt

Dr. Thomas Schmidt-Dörr
Leiter der DAAD-Außenstelle Peking
Email: director(at)daad.org.cn

Quelle: DAAD-Außenstelle Peking Redaktion: von Hannelore Bossmann, DAAD Außenstelle Peking Länder / Organisationen: China Deutschland Themen: Bildung und Hochschulen Förderung Fachkräfte

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