StartseiteAktuellesNachrichtenDFG richtet zehn weitere Forschergruppen ein / Erstmalig japanisch-deutsche Forschergruppen

DFG richtet zehn weitere Forschergruppen ein / Erstmalig japanisch-deutsche Forschergruppen

Mit zehn weiteren Forschergruppen intensiviert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die interdisziplinäre und ortsübergreifende Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu besonderen Fragestellungen und die Etablierung neuer Arbeitsrichtungen. Die Einrichtungen wurden jetzt vom DFG-Senat beschlossen. Sie erhalten in ihrer ersten Förderperiode von drei Jahren insgesamt rund 22,2 Millionen Euro. Damit fördert die DFG nun 209 Forschergruppen, die zumeist auf eine mittelfristige Kooperation von sechs Jahren angelegt sind.

Besondere Bedeutung haben die nun beschlossenen Einrichtungen für die japanisch-deutschen Forschungskooperationen. Aufgrund eines Abkommens zwischen der DFG und ihrer japanischen Partnerorganisation JST (Japan Science and Technology Agency) konnten erstmals Forschergruppen aus beiden Staaten bewilligt werden. Nach Abschluss des Abkommens waren dazu im vergangenen Jahr zunächst 19 Konzepte für Kooperationen eingereicht worden, aus denen eine bi-nationale Gutachtergruppe vier in die engere Wahl nahm. Von diesen wurden nun drei bewilligt, mit denen die Zusammenarbeit zwischen japanischen und deutschen Wissenschaftlern weitere Impulse erhalten soll. Die Mittel für die japanischen Teilprojekte stellt dabei die JST zur Verfügung.  

Die drei ersten japanisch-deutschen Forschergruppen befassen sich allesamt mit Fragestellungen aus der Physik, Chemie und den Ingenieurwissenschaften. So arbeiten in der Forschergruppe „ASPIMATT: Advanced Spintronic Materials and Transport Phenomena“ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Mainz, Kaiserslautern und dem japanischen Sendai an neuen Werkstoffen für die Spintronik, die den Eigendrehimpuls der Elektronen zur Darstellung und Verarbeitung von Informationen nutzen und damit einen vielversprechenden Ansatz für eine hochleistungsfähige Datenspeicherung darstellen. Sprecher der Forschergruppe sind Professor Claudia Felser, Universität Mainz, und Professor Dr. Yasuo Ando, Sendai.  

Um Diamanten und die bislang wenig erforschten Quanteneigenschaften in ihren optischen Zentren geht es in der Forschergruppe „Quantum Computing in Isotopically Engineered Diamond“ (Sprecher: Dr. Fedor Jelezko, Universität Stuttgart, und Professor Junichi Isoya, Tsukuba), mit der Arbeitsgruppen in Stuttgart, Dortmund, Garching, Tsukuba und Ibaraki die Herstellung von Speicherelementen für Quanteninformation vorantreiben wollen. Dies ist ebenso ein wichtiger Schritt zur Realisierung von Quantencomputern wie die elektrische Kontrolle geometrisch geschützter Quantenzustände, die robust gegen externe Störeinflüsse sind, zu der Wissenschaftler aus Würzburg, Regensburg, Tokyo und Sendai in der Forschergruppe „Topological Electronics“ (Sprecher: Professor Laurens W. Molenkamp, Universität Würzburg, und Professor Dr. Seigo Tarucha, Tokyo) wichtige Beiträge liefern wollen.  

Ebenfalls international geprägt sind zwei weitere Einrichtungen: In der Forschergruppe „Kilimanjaro Ecosystems Under Global Change“ untersuchen Arbeitsgruppen verschiedener deutscher Hochschulen und aus dem schweizerischen Bern am Beispiel des Kilimanjaro im afrikanischen Tansania grundlegende Fragen zur Entwicklung von Ökosystemen unter sich ändernden Klimabedingungen und Landnutzungseffekten. Sprecher ist Professor Ingolf Steffan-Dewenter, Universität Bayreuth. Das Berner Teilprojekt wird dabei vom Schweizer Nationalfond finanziert.  

Eine deutsch-mexikanische Kooperation ist die Forschergruppe „Determinants of Polarized Growth and Development in Filamentous Fungi“, in der mithilfe verschiedener Pilz-Modellorganismen die molekularen Grundlagen der Zellpolarität untersucht und grundlegende Mechanismen des gerichteten Wachstums vielzelliger Organismen identifiziert werden sollen. Sprecher sind Professor Reinhard Fischer, Karlsruhe Institute of Technology (KIT), und Dr. Meritxell Riquelme, Center for Scientific Research and Higher Education of Ensenada/Mexiko; die mexikanischen Projekte werden von der DFG-Partnerorganisation CONACYT finanziert.  

Vier weitere Einrichtungen sind in den Lebenswissenschaften angesiedelt: Die Forschergruppe „Crop Sequence and Nutrient Acquisition from the Subsoil“ (Sprecher: Professor Ulrich Köpke, Universität Bonn) will mit modernsten bodenbiologischen, bodenphysikalischen und pflanzenphysiologischen Methoden die ökologisch und agronomisch wichtige Nährstoffaneignung von Pflanzen aus dem Unterboden und speziell den Einfluss der Fruchtfolge auf diesen Prozess erforschen. Ein noch besseres Verständnis der Evolution, Entwicklungsbiologie und Physiologie von Insekten ist das Ziel der Forschergruppe „iBeetle: Functional Genomics of Insect Embryogenesis and Metarmorphosis“ (Sprecher: Dr. Gregor Bucher, Universität Göttingen), hierzu sollen mit einem genomweiten RNA-Interferenz-Screen die entsprechenden Gene im rotbraunen Reismehlkäfer identifiziert werden.  

Einen hohen Anwendungsbezug haben die geplanten Arbeiten der Forschergruppe „Protein-based Photoswitches as Optogenetic Tools“ (Sprecher: Professor Peter Hegemann, Humboldt-Universität Berlin), die den Mechanismus von lichtaktivierten Ionenkanälen und Enzymen untersuchen will, um neue Werkzeuge für die Neurowissenschaften und die Zellbiologie zur Verfügung zu stellen. Die Forschergruppe „Sulfated Steroids in Reproduction“ (Sprecher: Professor Martin Bergmann, Universität Gießen) geht der Frage nach, ob und inwieweit sulfatierte Steroide als hochaktive Steroide in den Wirkungskreislauf überführt oder selber aktiv werden können, was für die Reproduktionsmedizin von großem Interesse ist.  

Im Bereich der Nanowissenschaften schließlich will die Forschergruppe „Controlling the Electronic Structure of Semiconductor Nanoparticles by Doping and Hybrid Formation“ (Sprecher: Professor Thomas Möller, Technische Universität Berlin) die elektronischen und optischen Eigenschaften kleiner Moleküle aus Kohlenstoff und Silizium gezielt modifizieren – ein wichtiger Beitrag, um die Charakteristika von Nanostrukturen weiter aufzuklären.  

Quelle: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Redaktion: Länder / Organisationen: Japan Themen: Lebenswissenschaften Förderung Information u. Kommunikation Physik. u. chem. Techn. Umwelt u. Nachhaltigkeit

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