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Frankreich: Deep Tech-Strategie der öffentlichen Investitionsbank Bpifrance

Berichterstattung weltweit

Frankreich bündelt seine Deep-Tech-Subventionsprogramme in Höhe von insgesamt über 1,5 Milliarden Euro bei Bpifrance. Die öffentliche Investitionsbank wird 800 Millionen Euro zusätzlich bereitstellen.

Die öffentliche Investitionsbank Bpifrance hat am 30. Januar 2019 ihre Deep Tech-Strategie vorgestellt. Ihr Ziel ist es einerseits, mit öffentlichen Geldern Schwachstellen des Markts auszugleichen und so Deep-Tech-Startups Wachstum zu ermöglichen. Andererseits will sie Innovationen fördern, indem sie die Verbindung zwischen akademischer und unternehmerischer Welt stärkt. Dafür übernimmt sie die Steuerung der Deep-Tech-Subventionsprogramme und stellt in den kommenden fünf Jahren zusätzliche 800 Millionen Euro zur Verfügung.

Wir erleben das Ende des Innovationszyklus, bei dem mit digitalen Werkzeugen neue Anwendungen entstanden. In der neuen Phase sind es disruptive Innovationen, das heißt neue Spitzentechnologien, mit denen wir Lösungen für die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts finden.“, erklärte Paul-François Fournier, Geschäftsleiter Innovation bei Bpifrance, der Tageszeitung La Tribune. Seit 2013 haben sich die Investitionen in „Technowissenschaften“ (künstliche Intelligenz, Quantencomputing, Bio- und Nanotechnologien …) weltweit mehr als verfünffacht, in Frankreich mehr als verdreifacht. Laut La Tribune stellt das eine große Chance für Frankreich und Europa dar, da hier Spitzenforschung betrieben wird, erfahrene Unternehmer arbeiten und sich die Risiko-Kapital-Branche gut entwickelt. 2017 wurden von französischen Deep-Tech-Startups 330 Millionen Euro für 109 Vorhaben eingeworben, damit liegt Frankreich im europäischen Vergleich auf Platz zwei nach Großbritannien.  Dieses Volumen soll sich in den kommenden Jahren verdoppeln.

Bpifrance übernimmt dafür die Steuerung aller Subventionsmaßnahmen für Deep Tech. Diese teilen sich in drei Kategorien:

  • 550 Millionen Euro zur Förderung neuer Projekte: Bpifrance übernimmt das SATT-Programm (Gesellschaften zur Beschleunigung des Technologietransfers / Sociétés d'accélération de transfert de technologies), mit dem der Staat seit 2010 die Weiterentwicklung von wissenschaftlichen Entdeckungen hin zu marktreifen Technologien oder Produkten fördert und das mit 400 Millionen Euro über fünf Jahre dotiert ist. Hinzu kommen die Verwaltung von 150 Millionen Euro für neue Inkubatoren und Deep-Tech-Startup-Förderungen in den Regionen. Bpifrance hat zudem eine strategische Partnerschaft mit der Nationalen Agentur für Forschungsförderung ANR (Agence nationale de la recherche) unterzeichnet, damit aus ANR-geförderten Projekten mehr Ausgründungen entstehen.
  • 800 Millionen Euro über fünf Jahre für Startkapital von Startups: 400 Millionen Euro stammen hierbei aus dem Fonds für Innovation und Industrie FII (Fonds pour l'Innovation et l'Industrie) und weitere 400 Millionen Euro aus dem Fonds French Tech Seed. Beides steuert nun Bpifrance.
  • 1,3 Milliarden Euro über fünf Jahre zum Startup-Wachstum: Eine Milliarde Euro stammt aus dem Fonds-Portfolio, das Bpifrance bereits verwaltet: 500 Millionen Euro kommen aus dem Nationalen Startkapitalfonds (Fonds national d’amorçage, FNA), der durch das Programm für Zukunftsinvestitionen PIA finanziert wird. Weitere 500 Millionen Euro kommen aus einem eigenen Bpifrance-Fonds, der nun in Deep-Tech investiert, und 300 Millionen Euro investiert Bpifrance direkt – bei diesen 800 Millionen Euro handelt es sich um die zusätzlichen, neuen Gelder.

Bpifrance veröffentlicht zudem eine Art Leitfaden, der die Deep-Tech-Branche umfassend vorstellt. Anhand von vier Kriterien soll jeder ermessen können, inwiefern das eigene Projekt dort hinein gehört: der Forschungsbezug; das Potential, technologische Hürden zu überwinden; die Schaffung eines maßgeblichen Wettbewerbsvorteils; eine komplexe und daher kapitalintensive "Go-to-market"-Strategie.

Zum Nachlesen (Französisch)

Quelle: La Tribune Redaktion: von Kathleen Schlütter, Deutsch-Französische Hochschule Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Förderung Innovation Strategie und Rahmenbedingungen

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