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Frankreich: Forum Science, Recherche et Société

Das eintägige Forum unter dem Leitthema "Ändern wir die Zukunft jetzt!" fand am 12. Juni 2010 - wie schon im Jahre 2009 - in den Räumen des traditionsreichen "Collège de France" statt. Es wurde von der Tageszeitung Le Monde und der renommierten Monatszeitschrift "La Recherche" ausgerichtet. Dem Patenschaftskomitee gehörten ausgewiesene Wissenschaftler und eine Anzahl führender Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens an (u. a. EDF, France Télécom, AREVA, Veolia Environnement). Zwei Nobelpreisträger (Yves Chauvin, Chemie, 2005; Francoise Barré - Simoussi / Medizin, 2008) wirkten an der Vorbereitung bzw. der Durchführung des Forums mit.

Unter den Oberthemen "Energie, Ernährung, Gesundheit, Chemie, Neurowissenschaften, Mobilität, Hightech, Umwelt) wurden in z. T. parallelen Veranstaltungen - zahlreichen  "Tables rondes / Débats" sowie in Vorträgen - so verschiedene Einzelthemen wie z. B.

  • Innerstädtische Mobilität im Jahre 2030
  • Internet für alle: ein Mythos?
  • Hat die Biodiversität einen Preis?
  • Marine Energien: eine echtes Förderpotenzial? 
  • Unser Bewusstsein während und nach einem Koma
  • Landwirtschaft: Wie kann der Planet ernährt werden?
  • Die Ursprünge des Menschen: die einzigartige Geschichte eines Neandertalers
  • Wissenschaft, Ernährung und Handel: gefährliche Verbindungen?
  • Nanomaterialien: Welche Risiken für die Umwelt und die Gesundheit?
  • Mit der Alzheimer-Krankheit leben
  • Biokraftstoffe: eine falsche gute Idee?
  • Abwässer: können sie wirtschaftlich verwertet werden?
  • Grüne Chemie: ein echter Fortschritt für die Umwelt?

Das vollständige Programm des Forums ist verfügbar unter:
www.forum-srs.com/files/programme/1/pdf/FORUM_PROGRAMME_A4.pdf

Das Forum war so angelegt, dass das Publikum unmittelbar mit den Vortragenden in einen Dialog eintreten konnte.

Forschungsministerin Valérie Pécresse hielt die Schlussansprache des Forums. Sie warnte davor, die Wissenschaft dadurch zu überfordern, dass sie anstelle der Politk und der Gesellschaft Entscheidungen treffe, "die uns obliegen".

Am Beispiel der Stammzellenforschung betonte sie die Notwendigkeit einer sachlichen Auseinandersetzung mit den durch sie aufgeworfenen wissenschaftlichen und ethischen Fragestellungen.

Bezugnehmend auf das im Jahre 2009 im Elsass mutwillig zerstörte Versuchsfeld genetisch veränderter Weinstöcke (OGM) forderte Valérie Pécresse eine Debatte in ruhiger Atmossphäre unter Aufgabe von Schlagworten ("formules toutes faites"), die nur dazu angetan seien, pauschale Abwehrreaktionen auszulösen, sobald eine vorgetragene Meinung mit der eigenen nicht übereinstimmte. Widerspruch nicht zu ertragen, führe zu einer totalitären Logik. Nichts sei weniger demokratisch und weniger wissenschaflich. Die Wissenschaft wie die Demokratie beruhen auf der "Kultur des Zweifels". Diese "Kultur der Debatte" müsse lebendig gehalten werden. Gegenüber dem Misstrauen, das ihr teilweise entgegenschlage, dürfe sich die Wissenschaft nicht zurückziehen. Ganz im Gegenteil müssten die Wissenschaftler zu Wort kommen. Im Falle der OGM müssten für jeden einzelnen genetisch veränderten Organismus getrennt seine Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen werden. Das setze einerseits zunächst voraus, dass die Wissenschaftler ungestört ihrer Arbeit nachgehen und über die Ergebnisse ihrer Arbeit Bericht ablegen und die Möglichketien der praktischen Anwendungen ihrer Arbeitsergebnisse darstellen könnten; dazu gehöre andererseits, dass sie die mit diesen möglicherweise verbundenen Risiken offen ansprechen.

Bisher sei - so die Forschungsministerin - den Wissenschaftlern noch nicht genügend zugehört worden. Sie wünsche, dass ihnen künftig mehr Platz in der öffentlichen Erörterung eingeräumt werde. Dies sei nicht nur aus ethischen, sondern auch aus politischen Gründen notwendig. Transparenz sei der Schlüssel zu Vertrauen.

Als Kontrast zu denjenigen Meinungen, die aus Misstrauen das Fortschreiten der Wissenschaft bremsen möchten, stellt Valérie Pécresse an konkreten Beispielen noch einmal die mit der "Großen Staatsanleihe" verfolgten Zielsetzungen der aus ihr finanzierten Zukunftsinvestitionen im Bereich von Wissenschaft und Forschung (22 Milliarden Euro) heraus. Eine "neue Kultur der Forschung und Innovation" sei notwendig, um das Misstrauen gegenüber dem Fortschritt abzubauen. Dazu gehöre aber auch, den restlichen Zweifel und die verbleibende Unsicherheit in Kauf zu nehmen, "die das Herzzentrum wissenschaftlichen Geistes ausmache".

Quelle: www.recherche.gouv.fr Redaktion: von DLR PT Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Lebenswissenschaften Energie Ethik, Recht, Gesellschaft Mobilität Physik. u. chem. Techn. Umwelt u. Nachhaltigkeit

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