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Frankreich: Strategien und Initiativen gegen Ebola

Die Allianz für Lebenswissenschaften und Gesundheit (Alliance nationale pour les sciences de la vie et de la santé, Aviesan) hat das Programm vorgestellt, mit dem die französische Forschung auf die Ebolakrise reagiert. Anlässlich des Ausbruchs der Infektionskrankheit hatten die Gesundheitsministerin Marisol Touraine und die Staatssekretärin für Hochschulen und Forschung Geneviève Fioraso Aviesan beauftragt, bei Infektionsepidemien die Koordination der entsprechenden französischen Forschungsprogramme zu übernehmen. Ein Infektionsschnelltest, der ähnlich einem Schwangerschaftstest funktioniert, wurde bereits entwickelt.

Die zur Bekämpfung von Ebola begonnenen Forschungsprojekte werden von Forschern des Nationalen Instituts für Gesundheit und medizinische Forschung (Institut national de la santé et de la recherche médicale, Inserm), des Kommissariats für Atomenergie und erneuerbare Energien (Commissariat à l'énergie atomique et aux énergies alternatives, CEA), des Institut Pasteur, des Instituts für Entwicklungsforschung (Institut de recherche pour le développement, IRD) und den Universitäten gemeinsam durchgeführt. Sie arbeiten in direkter Partnerschaft mit Teams in Guinea, der Elfenbeinküste und dem Senegal zusammen.

8 Forschungsprogramme werden von Aviesan koordiniert: 

  • Standardisierung der Diagnosetests - Ergebnisse für November bis Mai 2014 erwartet
  • Entwicklung eines Schnelltests – Bereits umgesetzt, die Forscher des CEA bereiten nun die Markteinführung vor (http://www.cea.fr/le-cea/actualites/test-ebola-142807)
  • Vorklinische Tests effizienter Behandlungen gegen Ebola – Tierversuche, um drei antivirale Wirkstoffe zu testen (Favipiravir, Lavimudine und Mischung aus monokolonalen und Patientenserum-Antikörpern).
  • Umsetzung eines klinischen Phase 2-Versuchsreihe auf Guinea, diese soll im November beginnen – Anwendung von Favipiravir in Kombination mit der Standardbehandlung an Patienten, die am Beginn einer Ebolainfektion stehen.
  • Identifikation von zugelassenen Medikamenten die gegen Ebola wirken könnten – 54 Moleküle, die in Fragen kommen könnten, wurden bereits identifiziert; Test in vitro und in vivo im Labor Inserm-Jean Mérieux in Lyon (höchste Sicherheitsstufe); Ergebnisse Oktober bis Dezember 2014 erwartet.
  • Zusammenstellung einer Kohorte von Patienten, die Ebola überlebt haben, um genetische und immunologische Faktoren zu analysieren – 12monatige Nachbetreuung von genesenen Patienten in Guinea und der Demokratischen Republik Kongo.
  • Analyse des sozio-anthropologischen Impacts der Krankheit: soziokultureller und historischer Hintergrund – Projektdauer 5 Jahre.
  • Gerüchte, Diskussionen und Kontroversen: Digitale Perspektiven – vergleichende Auswertung der Informationsverbreitung durch die betroffenen afrikanischen Gesundheitsbehörden und die Gesundheitsbehörden in Kanada, USA und Frankreich; ab Januar 2014 bis Ende der Epidemie.

Ein bereits erfolgreiches Kooperationsbeispiel ist mobile P4-Labor auf Guinea des Labors Inserm-Jean Mérieux. Im April 2014 wurde es im Rahmen des von Deutschland koordinierten europäischen Forschungsprojekts "EMP4" eingerichtet. 11 Spezialisten des European Mobile Laboratory Projects können dadurch vor Ort die Diagnose der Krankheit verbessern.

Aviesan greift für die Koordination auf das Netzwerk REACTing zurück. Es wurde 2009 anlässlich der Pandemie H1N1 ("Schweinegrippe") gegründet und besteht aus 15 Experten für Human- und Veterinärmedizin, von der Grundlagen- bis zur klinischen Forschung. REACTing zielt auf keine bestimmte Krankheit ab, sondern schaltet sich bei Bedarf ein. Das Netzwerk hat bei der Chikungunya-Epidemie auf den Antillen seine Effizienz bewiesen, innerhalb von sechs Monaten wurden 11 Projekte gestartet, die gemeinsam von verschiedenen Forschungseinrichtungen aber auch der Generaldirektion für Gesundheit (Direction générale de la santé, DGS) sowie der Generaldirektion für Pflege (Direction générale de l'offre de soins, DGOS) finanziert wurden. 

Quelle: Aviesan Redaktion: von Kathleen Schlütter, Deutsch-Französische Hochschule Länder / Organisationen: Frankreich Global Themen: Netzwerke Grundlagenforschung Lebenswissenschaften

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