StartseiteAktuellesNachrichtenFrankreich: Zwei INRA-Forscher ziehen die Vorteile von Bio-Produkten unter den Gesichtspunkten Nährwert und Gesundheit in Zweifel

Frankreich: Zwei INRA-Forscher ziehen die Vorteile von Bio-Produkten unter den Gesichtspunkten Nährwert und Gesundheit in Zweifel

Léon Guéguen und Gérard Pascal, Honorarforscher von INRA und Spezialisten der Ernährungswissenschaft und Ernährungssicherheit, veröffentlichen in der Zeitschrift "Les Cahiers de nutrition et de diététique" eine dem Thema gewidmete Studie.

Nach sorgfältiger Durchsicht von mehr als 100 seit dem Jahre 2003 erschienenen wissenschaftlichen Veröffentlichungen kommen sie zu dem Ergebnis, dass die festgestellten Unterschiede zwischen Bioprodukten und konventionell angebauten Produkten in einer Gesamtbetrachtung der Ernährung weder die Annahme eines ins Gewicht fallenden Nährwertvorteils noch eines ins Gewicht fallenden gesundheitlichen Vorteils rechtfertigen.

Die beiden INRA-Forscher bestätigen damit das Ergebnis einer Studie der "Agence francaise de sécurité alimentaire" (Afssa) aus dem Jahre 2003.

Nachdem eine im Auftrag der "Food Standards Agency" durchgeführte Studie im Sommer 2009 zu dem gleichen Ergebnis kam und in die Kritik geraten war, weil sie die mit Pestiziden verbundenen Risiken nicht berücksichtigte und angeblich nur ausgewählte Veröffentlichungen auswertete, griffen Léon Guéguen und Gérard Pascal diese Kritikpunkte auf und stellten sich ihnen. Sie kommen in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass Bio-Produkte im Vergleich zu konventionell angebauten Produkten keinen Vorteil bieten.

Zwar erkennen die beiden Forscher an, dass bei Bio-Produkten keine synthetischen hergestellten chemischen Produkte eingesetzt werden und weniger Rückstände von Pestziden bei ihnen festzustellen seien; gleichwohl seien solche Rückstände wegen benachbarter konventioneller Kulturen noch vorhanden. In beiden Fällen würden jedoch die vorgeschriebenen Grenzwerte zu 92% eingehalten. Diese lägen vorsichtshalber um den Faktor 100 unter der Grenze, von der ab die nachgewiesenen Chemikalien als Gift wirkten.

Léon Guéguen und Gérard Pascal machen darauf aufmerksam, dass die bei Bio-Produkten zur Bekämpfung von Parasiten benutzten Mittel (Kupfer, Schwefel, Rotenon, Neem-Öl ) bis heute nicht Gegenstand der Forschung gewesen seien: "Diese Mittel, die die Leute - weil Naturprodukte -  für unbedenklich halten, können ebenso schädliche Wirkungen haben wie bestimmte synthetisch hergestellte Moleküle."

Le Figaro vom 21.5.2010 gibt seinem einschlägigen Artikel (Marc Menessier) die Überschrift "Bio essen ist nicht besser für die Gesndheit".

Eine Arbeitsgruppe der "Académie d' agriculture de France" weist in einem am 19.5.2010 veröffentlichten - aber bisher nicht ins Netz gestellten - Bericht einer Arbeitsgruppe darauf hin, dass Bio-Produkte es zwar erlauben, die Belastung der Oberflächengewässer und des Grundwassers zu begrenzen und die physische und biologische Qualität der Böden zu verbessern; diese Praxis führe aber auf die Dauer zur Verarmung der Böden an Mineralstoffen und zur Minderung der Erträge.

Der Bericht der Arbeitsgruppe ist hier zu lesen, sobald er im Netz verfügbar ist.

 

Quelle: Le Figaro vom 21.5.2010 Redaktion: von DLR PT Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Lebenswissenschaften

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