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Französische Exzellenzinitiative: Aufspaltungen bei Saclay und Université Sorbonne-Paris-Cité

Berichterstattung weltweit

Der Exzellenzcampus in Saclay wird nach monatelangen Diskussionen nun sowohl aus einer Forschungsuniversität als auch einem Grandes Écoles-Verbund bestehen, der insbesondere von der renommierten École Polytechnique angestrebt wurde. Beim Hochschulverbund Université Sorbonne-Paris-Cité (USPC) fusionieren nun voraussichtlich nur zwei statt vier Universitäten und ein Forschungsinstitut.

Am 17. Dezember 2017 läuft die Bewerbungsfrist für die voraussichtlich letzte Runde der französischen Exzellenzinitiative aus. Diese wird im Rahmen des französischen Programms für Zukunftsinvestitionen PIA (Programme d’investissement d’avenir) finanziert.

Die beiden Hochschulverbünde Universität Saclay und Université Sorbonne-Paris-Cité (USPC) werden bzw. wurden zwar bereits seit 2011/12 vom französischen Staat in diesem Rahmen mit dem Idex-Label und Zinsausschüttungen aus Kapitalanlagen gefördert. Für Saclay bedeutete das 32,4 Millionen Euro jährlich, für USPC etwa 20 Millionen Euro. Eine internationale Jury hatte beiden Verbünden allerdings im Frühjahr 2016 deutliche, insbesondere strukturelle Schwächen bescheinigt und die weitere Förderung von Saclay auf 18 Monate mit anschließender Neubegutachtung befristet und die der USPC sogar ganz eingestellt. Die USPC bekam jedoch die Chance, sich doch erneut zu bewerben nachdem der Verbund angekündigt hatte, dass die vier beteiligten Universitäten (Paris Diderot, Paris Descartes, Sorbonne Nouvelle und Paris 13) zum 1. Januar 2019 zu einer Volluniversität fusionieren wollten. Bei beiden Vorhaben entstehen nun weniger umfassende Einrichtungen als ursprünglich angestrebt.

Universität Paris-Saclay

Mit der Universität Paris-Saclay sollen im Südwesten von Paris 18 Hochschul- und Forschungseinrichtungen zu einer Volluniversität von Weltrang zusammen wachsen. Nach den ursprünglichen Plänen eine Art „Cambridge à la française“ mit verschiedenen Colleges, die etwa 15 Prozent des französischen Forschungspotentials vereint hätte. 5,3 Milliarden Euro öffentliche Gelder wurden seit 2008 bereits in das Prestige-Projekt investiert. Es gab jedoch unter den beteiligten Hochschulen Unstimmigkeiten über die Form von Saclay, ob ein Verbund oder eine einzige Institution entstehen solle. Insbesondere die École Polytechnique, die dem Verteidigungsministerium untersteht, wollte ihre Eigenständigkeit wahren. Zu den Absolventen der traditionsreichen Hochschulen zählen zahlreiche hohe Beamte und Unternehmensvorstände. Vor allem die international sehr erfolgreiche Universität Paris-Sud steht auf der anderen Seite für das Ziel einer großen Volluniversität. Die schleppende Entwicklung des Projekts wurde kürzlich auch vom französischen Rechnungshof kritisiert (siehe „Nachrichten“ unten).

Am 25. Oktober 2017 besuchte Staatspräsident Emmanuel Macron den Campus und gab bekannt, dass nun einerseits eine Forschungsuniversität „Paris-Saclay“ und andererseits ein Verbund der Grandes Écoles gegründet werden. Zu Paris-Saclay werden die Universitäten Paris-Sud, Versailles-Saint-Quentin und Évry sowie die Hochschulen Centrale Supélec, ENS Paris-Saclay und die IOGS (Institut d'optique Graduate School) fusionieren. Der Verbund, im Moment „NewUni“ getauft,  wird aus der École Polytechnique, ENSTA ParisTech, Ensae ParisTech, Telecom Paris Tech und Telecom Sud Paris bestehen. Voraussichtlich wird der Verbund gemeinsame Diplome und auch Doktortitel vergeben können, ob er auch den Status „Universität“ vom Staat erhalten wird, ist offen. Offen ist ebenfalls noch, welchem Projekt sich die Ingenieurhochschule AgroParisTech und die Business School HEC Paris (École des hautes études commerciales de Paris) anschließen. Um die Verlängerung des Idex-Labels wird sich die Universität Paris-Saclay allein bewerben.

Université Sorbonne-Paris-Cité

Nachdem die Universität Paris 13 im Oktober 2016 aus verschiedenen Gründen von den Fusionsplänen ausgeschlossen wurde (siehe „Nachrichten“ unten), wollten die drei anderen Universitäten wie angekündigt zum 1. Januar 2019 zu einer einzigen Einrichtung werden. Im September 2017 hat jedoch die Universität Sorbonne Nouvelle (Paris 3) ihre Zustimmung dazu zurückgezogen. Dafür waren die bekannte politikwissenschaftliche Hochschule Sciences Po und das Pariser Institut für Geophysik (Institut de physique du globe de Paris, IPGP) interessiert, sich der Fusion anzuschließen. Der Verwaltungsrat von Sciences Po hat nun jedoch einstimmig gegen diesen Vorschlag gestimmt, insbesondere aufgrund der kurzen verbleibenden Zeit bis zur Idex-Bewerbungsfrist. Um die Idex-Förderung wird sich der Verbund daher nun voraussichtlich mit einem Fusionsprojekt zwischen den Universitäten Paris 5, Paris 7 und dem IPGP bewerben. Die Verwaltungsräte dieser Einrichtungen müssen dem neuen Vorschlag aber noch zustimmen. Alle anderen Hochschulen bleiben Mitglieder des USPC-Verbunds, wobei ihr Status in Bezug auf die neu zu gründende Universität zu klären bleibt.

Zum Nachlesen (Französisch):

Quelle: Educpros.fr, Le Monde Redaktion: von Kathleen Schlütter, Deutsch-Französische Hochschule Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Bildung und Hochschulen Infrastruktur Netzwerke

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