StartseiteAktuellesNachrichtenGründung eines interdisziplinären Instituts für Migrationsstudien in Frankreich

Gründung eines interdisziplinären Instituts für Migrationsstudien in Frankreich

Berichterstattung weltweit

Wie das Nationale Zentrum für Wissenschaftliche Forschung CNRS bekannt gab, wird im Norden von Paris ein interdisziplinäres Institut für Migrationsstudien eröffnet. Sieben Hochschul- und Forschungseinrichtungen haben sich zusammengeschlossen, um in Reaktion auf die aktuelle Migrationskrise zur wissenschaftlichen Erforschung des Themas beizutragen und die öffentliche Hand bei ihren Entscheidungen zu unterstützen.

1,3 Millionen Asylanträge in Europa im Jahr 2015. Diese historische Migrationskrise habe in Frankreich zahlreiche und neue politische und wissenschaftliche Fragen aufgeworfen, heißt es in der Pressemitteilung des CNRS. Mit der Gründung eines gemeinsamen Instituts wollen die Partner Wissenschaft und Gesellschaft enger zusammenbringen, hochwertige wissenschaftliche Forschung betreiben und exzellente Ausbildungen anbieten.

Die Kooperation wird vom Nationalen Institut für Gesundheit und medizinische Forschung Inserm und dem CNRS gemeinsam mit fünf Hochschul- und Forschungseinrichtungen (Nationales Institut für demographische Studien Ined, Forschungsinstitut für Entwicklung IRD, Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne, Hochschule für Sozialwissenschaften EHESS und Forschungsorientierte Hochschule für Höhere Studien EPHE) getragen. Das Institut soll 2019 auf dem Campus Condorcet im Norden von Paris eingerichtet werden und 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beherbergen. Außer dem Inserm sind alle Einrichtungen an diesem sich im Bau befindlichen größten europäischen Campus für Geistes- und Sozialwissenschaften beteiligt und werden sich dort komplett oder teilweise niederlassen.

Das Institut wird im Rahmen der Ausschreibung „Instituts Convergences“ des Bildungsministeriums finanziert, mit der interdisziplinäre Strukturen zur Erforschung großer gesellschaftlicher Herausforderungen sowie entsprechende Aus- und Weiterbildungsangebote gefördert werden. Es wurde in der zweiten Ausschreibungsrunde im April 2017 ausgewählt und wird über zehn Jahre Fördermittel in Höhe von insgesamt 13,6 Millionen Euro erhalten.

Projektverantwortlicher ist der Forschungsdirektor des Ined, François Héran. Die 200 Forschenden aus den Gründungseinrichtungen aber auch aus ausländischen Kooperationseinrichtungen werden sich Themen wie den wirtschaftlichen, demographischen und umweltlichen Migrationsdynamiken, der Problematik der Verwundbarkeit und Ungleichheiten sowie Fragen der Integration, der Exklusion und der Diskriminierung widmen.

Im Bereich der Lehre sollen ein Master- und ein Promotionsprogramm entstehen. Ansätze der Geistes- und Sozial- aber auch der Gesundheitswissenschaften sollen darin einfließen (Statistik, Demographie, öffentliche Gesundheit, Epidemiologie, Wirtschaft, Anthropologie, Linguistik, Rechtswissenschaften, Ethik, Gender Studies, Data Science, Archivieriung). In einem ersten Schritt werden hierfür vorhandene Inhalte der Universität Paris 1, der EHESS und der EPHE genutzt. Zudem soll perspektivisch ein neuer, vollständig interdisziplinärer Master geschaffen werden.

Das Institut soll sich der Gesellschaft öffnen und zum Beispiel Hausaufgabenhilfe oder Sprachunterricht von oder für Migranten anbieten. Auch Präventionskampagnen oder gesundheitliche Aufklärung sind in Kooperation mit den Kommunen und entsprechenden Vereinen angedacht.

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Quelle: CNRS Redaktion: von Kathleen Schlütter, Deutsch-Französische Hochschule Länder / Organisationen: Themen: Bildung und Hochschulen Geistes- und Sozialwiss. Lebenswissenschaften Ethik, Recht, Gesellschaft Infrastruktur

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