StartseiteAktuellesNachrichtenHanse-Wissenschaftskolleg: Zwölf neue Fellows aus elf Ländern

Hanse-Wissenschaftskolleg: Zwölf neue Fellows aus elf Ländern

Internationalisierung Deutschlands, Bi-/Multilaterales

Im zweiten Halbjahr 2020 kommen zwölf neue Stipendiatinnen und Stipendiaten aus elf Ländern für 3 bis 10 Monate an das Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) nach Delmenhorst. Sie erforschen in Kooperation mit Forschungsinstituten und Universitäten unter anderem die Replikationskrise in den biomedizinischen Wissenschaften, die Hochschulbildung in medizinischen Disziplinen in der Europäischen Union und die Anwendbarkeit von Algorithmen im musikalischen Kompositionsprozess.

Das Fellowship Programm des Hanse-Wissenschaftskolleg ermöglicht Forschenden einen Aufenthalt am HWK, bietet ihnen finanzielle Unterstützung und den Zugang zur Fellowship-Gemeinschaft. Es umfasst die Forschungsbereiche Brain, Earth, Energy, Society und Arts & Literature. Die ausgewählten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kooperieren mit Forschungsinstituten der Universitäten Bremen und Oldenburg sowie dem Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven.

Im Bereich BRAIN:

  • Dr. Verena Heise (University of Oxford, Großbritannien) erforscht die Krise der Replikation wissenschaftlicher Forschungsergebnisse in den biomedizinischen Disziplinen anhand eines Vergleichs der diesbezüglich erschienenen Fachliteratur.
  • Prof. Dr. András Imre Mihály (University of Szeged, Ungarn) arbeitet im Rahmen des Joint Research Fellowship in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Fakultät der Universität Oldenburg an der Erforschung der Unterschiede der Lehrpläne für die Lehrbereiche Anatomie, Histologie und Embryologie an drei europäischen Universitäten in Groningen, Oldenburg und Szeged und an Perspektiven für ihre Weiterentwicklung.

Im Bereich EARTH:

  • Dr. Alessa J. Geiger (Pontificia Universidad Católica, Chile) untersucht terrestrische und marine Eisbohrkerne auf Sedimentspuren, um Veränderungen in der Dynamik des patagonischen Eisschildes im Südwesten Chiles durch den nicht-anthropogenen Klimawandel zu verstehen. In ihrem Forschungsprojekt entwickelt sie daraus unter anderem eine Chronologie der Gletscherveränderungen und stellt mittels geologischer Datierungstechniken fest, wann und wie lange der patagonische Eisschild welche Form angenommen hat. Die ermittelten Daten werden verwendet, um gekoppelte Klima-Eisschild-Modelle zu überprüfen und ihre Prognosekapazität zu verbessern.

Im Bereich ENERGY:

  • Dr. Kamal Hajian (Institute for Research in Fundamental Sciences IPM, Iran) erforscht in der Hochenergiephysik und Gravitationsforschung Gravitationswellen, Gedächtnis-Effekte und Mikrozustände von Schwarzen Löchern und ihre Auswirkungen auf unser Verständnis des Raum-Zeit-Gefüges.
  • Dr. Oleg Tsupko (Space Research Institute of Russian Academy of Sciences, Russland) untersucht die Verzerrungs- und Ablenkungseffekte der extrem hohen Gravitationsenergien von Schwarzen Löchern und Neutronensternen auf das Licht. Ihn interessieren insbesondere die Wechselwirkungen dieser Effekte mit Plasma, wenn ein astronomisches Beobachtungsobjekt von diesem umgeben ist.

Im Bereich SOCIETY:

  • Assoc. Prof. Dr. Catherine Gegout (University of Nottingham, Großbritannien) erforscht die Entwicklungspolitik der Europäischen Union in ausgewählten Entwicklungs- und Schwellenländern zwischen "Protektionismus, Ausbeutung und wirtschaftlicher sowie sozialer Entwicklung".
  • Prof. Dr. Gerry van Klinken (University of Queensland, Australien) untersucht die politischen Strategien asiatischer Länder im Umgang mit regionalen Naturkatastrophen, insbesondere Taifunen, im 20. Jahrhundert. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und steigender Meeresspiegel interessiert er sich vor allem für die Frage, wie gut unterschiedlich verfasste asiatische Staaten auf künftige klimatische Katastrophen vorbereitet sind.
  • Assoc. Prof. Dr. Carsten Levisen (Roskilde University, Dänemark) untersucht den Zusammenhang der im wissenschaftlichen Kontext dominierenden englischen Schriftsprache und wissenschaftlicher Erkenntnis aus postkolonial-semantischer Perspektive am Beispiel akademischer Publikationen.

Im Bereich ARTS & LITERATURE:

  • Dr. Vlad R. Baciu (Rumänien) interessiert sich als Komponist für die Zusammenhänge von Schlaf und Psychotherapie. Für die Komposition einer Oper will er sich mit der Eye Movement Desensitization and Reprocessing-Therapie (EMDR) und ihren Wirkungen auf den Tiefschlaf auseinandersetzen. Die EMDR-Therapie arbeitet mit der Reaktivierung traumatischer Erinnerungen, um Patienten so bei ihrer Verarbeitung zu unterstützen.
  • Sandra Boeschenstein (Schweiz) ist als Zeichnerin auf der Suche nach dem Ursprung von Bedeutung, also nach den Gründen, welche einem Erlebnis Bedeutung verleihen. Sie arbeitet dabei vorwiegend im Medium der Zeichnung, das ihr als ideales Instrument zur Beobachtung der Übergänge zwischen Wahrnehmen und Denken gilt. Sandra Boeschensteins Projekt wird in eine Ausstellung in der Städtischen Galerie Delmenhorst münden.
  • Thorsten Encke (Deutschland) befasst sich als Komponist mit der Wechselbeziehung von Technologien und Kreativität, insbesondere der Anwendbarkeit von Algorithmen im musikalischen Kompositionsprozess. In diesem Zusammenhang arbeitet er im Auftrag des Konzerthauses Berlin an der Komposition "technologia", die anlässlich des 200-jährigen Bestehens des Berliner Schauspielhauses 2021 zur Uraufführung kommen wird.
  • Prof. Dr. Robert Mitchell (Duke University, USA) kommt im Rahmen des Programms "Fiction Meets Science", das in Kooperation mit der VolkswagenStiftung durchgeführt wird, ans HWK. Er erforscht den britischen Roman des 19. Jahrhundert und sein Wechselverhältnis mit den zeitgleich entstandenen demographischen Wissenschaften. Dr. Mitchell geht es besonders um die Vermittlungsleistung der Romane hinsichtlich neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Bevölkerungsentwicklung und wie diese Anlass zu ihrer literarischen Verarbeitung gaben.
Quelle: Hanse-Wissenschaftskolleg via IDW Nachrichten Redaktion: von Mirjam Buse, VDI TZ GmbH Länder / Organisationen: Chile USA Iran Dänemark Rumänien Russland Schweiz Ungarn Vereinigtes Königreich (Großbritannien) Australien Themen: Förderung Geistes- und Sozialwiss. Geowissenschaften Lebenswissenschaften Physik. u. chem. Techn.

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