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Internationale Rankings und die Sichtbarkeit französischer Hochschulen

Berichterstattung weltweit

Im kürzlich erschienen Shanghai-Ranking konnte Frankreich seinen sechsten Platz mit 20 Einrichtungen unter den 500 besten behaupten. In einem Bericht wurde nun untersucht, inwiefern die zunehmende Bedeutung internationaler Rankings einen Einfluss auf die französischen Hochschulen hat.

Die Generalinspektion für Verwaltung von Bildung und Forschung IGAENR (Inspection générale de l’administration de l’éducation nationale et de la recherche) und die Generalinspektion für Finanzen (Inspection générale des finances, IGF) haben in ihrer aktuellen Studie untersucht, wie sich internationale Rankings auf Standortpolitik französischer Hochschulen auswirken. Dafür wurden fünf bekannte Rankings (ARWU/Shanghai-Ranking, QS, THE, Leiden und Webometrics) und die multidimensionale Kartographie von U-Multirank untersucht.

Französische Hochschulen stellen hierbei vier bis 4,4 Prozent der Top 500 der untersuchten Rankings. Dieser Anteil ist laut dem Bericht zwischen 2010 und 2016 stabil geblieben und liegt etwas über Frankreichs Anteil an den weltweiten wissenschaftlichen Publikationen (3,3 Prozent). Gleichzeitig hat die Anzahl französischer Hochschulen, die in mindestens einem Ranking vertreten sind, zugenommen. So habe sich 2016 der Effekt der Fusionspolitik neutralisiert und fünf Hochschulen mehr als 2010 waren unter den Top 500: insgesamt 36 Hochschulen, darunter 25 Universitäten. Seit etwa zehn Jahren werden die Hochschulen eines Standorts durch Reformbestrebungen aber auch Sonderausschreibungen wie der Exzellenzinitiative ermutigt, sich zusammenzuschließen oder zu fusionieren. Ein treibender Faktor ist hierbei der geäußerte politische Wille, französische Hochschulen international sichtbarer zu machen und die Annahme, dass dies für größere Einrichtungen leichter sei. Im Vergleich zu den USA, Großbritannien, China oder Deutschland schneidet Frankreich dennoch unterdurchschnittlich ab und ist mit seinen Einrichtungen auch weniger präsent auf den vorderen Plätzen. Die IGAENR führt dies darauf zurück, dass „der Staat abgesehen von der Exzellenzinitiative niemals wirklich die Entstehung von weltweit erfolgreichen Hochschulen gefördert hat“. Deren Ressourcen, Autonomie und Möglichkeit, ihre Studierenden auszuwählen stünden in keinem Verhältnis zu den Möglichkeiten anderer Hochschulen.

Der Bericht zieht eine Parallele zwischen nationalen Rankings und dem Interesse für internationale Bewertungen. So spielten in Frankreich außer für die Ingenieurhochschulen Rankings keine große Rolle. Die Erfahrungen Deutschlands und Chinas zeigten aber, dass internationale Rankings ein Anreiz sein können, nationale Methoden und eigene Bewertungsinstrumente zu entwickeln. Und schaue man sich insbesondere Deutschland an, zeige sich die Wichtigkeit, die Hochschulpräsidenten einzubinden und Rankings in Kooperation mit einem Medium zu verwerten um Nutzer besser zu erreichen. Es wird gezeigt, dass die von Frankreich verfolgte Fusionspolitik nicht wie erhofft mechanische positive Effekte auf die Ranking-Ergebnisse sondern unterschiedliche Folgen hatte. Eine Fusion kann eine Einrichtung dann in Rankings nach vorn bringen, wenn die Einrichtungen eher homogen sind und einige davon vorab bereits positive Ergebnisse in Rankings erzielten. Allerdings sei es schwierig zu sagen, ob es die Fusion, die Standortpolitik, die wissenschaftliche Dynamik, die Herstellung einer kritischen wissenschaftlichen Masse oder die Entwicklung der Untersuchungsmethoden sind, die letztlich zum Erfolg führen. 2016 vereinten fünf Hochschulzusammenschlüsse (Communauté d’universités et établissements, Comue) allein die Hälfte aller gerankten französischen Einrichtungen unter den 500 Bestplatzierten der fünf untersuchten Rankings. Sechs Comues hingegen sind überhaupt nicht vertreten. Für die IGAENR ist die Klassifizierung einer Comue statt einer einzelnen Mitgliedseinrichtung dann legitim, wenn wirklich der Wille besteht, eine Einrichtung von Weltniveau zu werden. Wenn eine Comue in einem Ranking erfasst wird, müsste dies also bedeuten, dass die einzelnen zugehörigen Einrichtungen aus dem Ranking verschwinden.

Während internationale Rankings für das Generalkommissariat für Investitionen CGI, das unter anderem für die französische Exzellenzinitiative verantwortlich ist, eine große Rolle spielen, sind sie für die außeruniversitären Forschungseinrichtungen oder auch die Ziel- und Leistungsvereinbarungen zwischen Hochschulen und Ministerium nicht so wichtig. Die Forschungseinrichtungen unterstützen zwar die Hochschulen bei ihren Sichtbarkeitsbemühungen, sind aber nicht bereit, dafür auf die eigene zu verzichten, insbesondere bei Publikationen.

Die befragten Hochschulen sahen eine steigende Bedeutung internationaler Rankings, aber schätzten paradoxerweise ihren Einfluss auf ihre eigene Einrichtung als gering ein.

Die IGAENR schließt ihren Bericht mit elf Empfehlungen. Dazu gehören insbesondere die Aufforderung an das französische Ministerium für Hochschulwesen, Forschung und Innovation MESRI (Minstère de l’enseignement supérieur, de la recherche et de l’innovation) sich zu internationalen Rankings sowie seine Erwartungen an die Einrichtungen klar zu positionieren und letzteren statistische Möglichkeiten zu bieten, eigene Indikatoren zu entwickeln. Der Staat müsse darauf achten, dass die verschiedenen ministeriellen Akteure, Kommissionen oder Gremien eine kohärente Position vertreten und diesbezüglich auch dieselben Anforderungen an die Hochschulen stellen.

Quelle: MESRI Redaktion: von Kathleen Schlütter, Deutsch-Französische Hochschule Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Bildung und Hochschulen Strategie und Rahmenbedingungen

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