StartseiteAktuellesNachrichtenMehr internationale Studierende sollen nach Frankreich kommen – und Studiengebühren zahlen

Mehr internationale Studierende sollen nach Frankreich kommen – und Studiengebühren zahlen

Berichterstattung weltweit

Frankreich will für internationale Studierende attraktiver werden. Neben Visa-Vereinfachungen, mehr Französisch-Sprachkursen aber auch Lehrangeboten auf Englisch sieht eine der Maßnahmen vor, dass außereuropäische Studierende deutlich höhere Immatrikulationsgebühren zahlen.

Der französische Premierminister Edouard Philippe hat im Beisein der Ministerin für Hochschulbildung, Forschung und Innovation Frédérique Vidal und des Staatssekretärs des Außenministeriums Jean-Baptiste Lemoyne unter dem Slogan „Choose France“ (Wählen Sie/Wählt Frankreich) eine Reihe von Maßnahmen bekannt gegeben, mit denen mehr internationale Studierende nach Frankreich kommen sollen. Bis 2027 sollen es statt aktuell 324.000 pro Jahr 500.000 werden. Auch mehr französische Studierende soll im Rahmen von Hochschulaustausch oder eines kompletten Studiengangs ins Ausland gehen.

Frankreich ist für internationale Studierende das beliebteste, nicht-englischsprachige Zielland und belegt auf der Beliebtheitsskala nach USA, Großbritannien und Australien insgesamt Platz vier. Dennoch wächst die Zahl der internationalen Studierenden in Frankreich langsamer als in Ländern, die eine eigene und offensivere Willkommens-Strategie haben. Die Regierung sieht das Problem dabei vor allem in komplizierten Visa-Prozeduren, Verwaltungshürden vor Ort und in einem fehlenden einheitlichen Willkommens-Programm, das insbesondere nicht-frankophonen Studierenden die Ankunft in Frankreich erleichtern würde.

Folgende Maßnahmen gab der Premierminister daher bekannt:

  • Ab dem kommenden Wintersemester soll in Zusammenarbeit mit dem Innenministerium die Visa-Politik vereinfacht werden. Anträge internationaler Studierender sollen bevorzugt behandelt und alle Formalitäten über eine zentrale Stelle abgewickelt werden können. Ab Mitte nächsten Jahres sollen sie ihr Visum online validieren und damit den Gang zur Ausländerbehörde vermeiden können. Wer nach seinem Master in Frankreich zurückkehren möchte, um Arbeit zu suchen, wird Anspruch auf ein Visum haben. Staatspräsident Emmanuel Macron hatte Letzteres bei einer Grundsatzrede an der Universität Ouagadougou (Burkina Faso) im November 2017 angekündigt.
  • Ab 2019 wird das Ministerium für Hochschulbildung, Forschung und Innovation MESRI (Ministère de l’enseignement supérieur, de la recherche et de l’innovation) den französischen Hochschulen zehn Millionen Euro für Französisch-Sprachkurse oder Lehrangebote auf Englisch zur Verfügung stellen. Die Zahl internationaler Studierender, die von diesen Angeboten profitieren, soll verdoppelt werden. Auch Online-Sprachkurse sollen ausgebaut und Hochschulzertifikate für geflüchtete Studierende und Wissenschaftler aus diesem Fonds unterstützt werden.
  • Mit dem Label „Bienvenue en France“ (Willkommen in Frankreich) erhalten ab kommenden Jahr Hochschulen, die sich besonders für ihre internationalen Studierenden engagieren, mehr Sichtbarkeit. 70 Hochschulen haben sich bereits dafür beworben.
  • Die Immatrikulationsgebühren für nicht-europäische Studierende werden deutlich erhöht. Bezahlten diese bisher den gleichen Satz wie alle französischen bzw. europäischen Studierenden (170 Euro für einen grundständigen Studiengang, 243 Euro für einen Master, 380 Euro als Doktorand), müssen sie ab kommendem Wintersemester 2.770 Euro für einen grundständigen Studiengang und 3.770 Euro für einen Master bzw. die Promotion entrichten. Laut MESRI entspricht dies weniger als einem Drittel der realen Studienkosten. Premierminister Philippe begründete die Entscheidung damit, es sei ungerecht, dass ein wohlhabender ausländischer Studierender, der nach Frankreich kommt, den gleichen Satz zahle wie ein wenig wohlhabender französischer Studierender, dessen Eltern seit Jahren in Frankreich leben, arbeiten und Steuern zahlen. Gleichzeitig sollen die Stipendien für ausländische Studierende verdreifacht werden. So soll im Durchschnitt einer von vier nicht-europäischen Studierenden von einem Stipendium oder einem Kostenerlass profitieren. Studierende, die im Rahmen von bilateralen Hochschulabkommen nach Frankreich kommen, sind von der Erhöhung ausgenommen. Die Frage der Immatrikulationsgebühren wird in Frankreich seit Längerem debattiert. Unter dem sozialistischen Vorgänger von Staatspräsident Emmanuel Macron, François Hollande, war noch beschlossen worden, die einheitlichen Gebühren für alle beizubehalten.
  • Das Angebot von Studiengängen französischer Hochschulen im Ausland soll ausgebaut werden. 2019 werden dafür über die Französische Entwicklungsagentur AFD (Agence Française de Développement) fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt, danach jährlich 20 Millionen Euro. Aktuell gibt es 140 Niederlassungen französischer Hochschulen im Ausland.
  • 2019 soll unter der Federführung der französischen Internationalisierungsagentur Campus France eine internationale Marketingkampagne für das Studium in Frankreich starten. Geographisch werden besonders frankophone Länder, große aufstrebende Nationen wie China oder Indien sowie das englischsprachige Afrika im Fokus stehen. Es sollen besonders Master- oder Promotionsinteressierte angesprochen werden.

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Quelle: MESRI Redaktion: von Kathleen Schlütter, Deutsch-Französische Hochschule Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Bildung und Hochschulen Strategie und Rahmenbedingungen

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