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Neuer OECD-Bildungsbericht "Bildung auf einen Blick 2015" erschienen

Berichterstattung weltweit

Viele OECD-Länder haben ihre Bildungsausgaben gesenkt und Erwachsene mit höheren Bildungsabschlüssen verdienen deutlich mehr als Erwachsene mit niedrigeren Bildungsabschlüssen. Das sind zwei Ergebnisse des aktuellen OECD Bildungsbericht „Bildung auf einen Blick 2015 – OECD Indikatoren.“

Der Bericht "Bildung auf einen Blick" (Education at a Glance) gibt einen Überblick über die Bildungssysteme in den 34 Ländern der OECD und einer Reihe von Partnerländern. Mehr als 150 Indikatoren ermöglichen den internationalen Vergleich in Bezug auf Bildungsbeteiligung und -verlauf, die Finanzierung von Bildung sowie die Organisation von Schulen. Das Ergebnis der Untersuchung ist eindeutig: Bildung zahlt sich aus.

So sind Erwachsene mit höheren Bildungsabschlüssen deutlich weniger häufig von Arbeitslosigkeit betroffen als Erwachsene mit niedrigeren Bildungsabschlüssen. Während Erwachsene mit Tertiärbildung eine Erwerbstätigkeitsquote von mehr als 80 Prozent vorweisen können, fällt diese bei Erwachsenen mit Abschluss im Sekundarbereich II bereits auf rund 70 Prozent. Personen ohne Sekundarabschluss II weisen eine Beschäftigungsrate von unter 60 Prozent auf.

Darüber hinaus verdienen Erwachsene mit höheren Bildungsabschlüssen signifikant mehr als Vergleichspersonen mit niedrigerer Bildung. So verdienen erwerbstätige Erwachsene mit einem Bachelor oder gleichwertigem Abschluss rund 60 Prozent mehr als erwerbstätige Erwachsene mit Sekundarabschluss II. Personen mit Master-Abschluss, Promotionen oder einem anderen gleichwertigem Abschluss verdienen mehr als das Doppelte.

Entgegen der insgesamt positiven Effekte von Bildung auf die Erwerbstätigkeit wird in dem Bericht ein Rückgang der öffentlichen Bildungsausgaben festgestellt. Rund ein Drittel der untersuchten Länder haben trotz wachsendem BIP die Ausgaben für Bildungseinrichtungen zwischen 2010 und 2012 reduziert. In nur der Hälfte der Länder konnte ein Anstieg der Lehrergehälter verzeichnet werden. So verdienen Lehrer, je nach Bereich, nur zwischen 78 und 82 Prozent im Vergleich zu Vollzeitbeschäftigten, die über einen gleichwertigen Bildungsabschluss verfügen. Die Forscher warnen daher davor, dass unattraktive Gehälter dazu führen, dass nicht immer die besten Kandidaten für den Lehrerberuf gewonnen werden können.

Weitere Ergebnisse:

  • 2012 gaben die OECD‑Länder im Durchschnitt 5,3% ihres BIP für Bildungseinrichtungen vom Primar‑ bis zum Tertiärbereich aus; in 11 Ländern mit verfügbaren Daten betrugen die Ausgaben mehr als 6% des BIP.
  • Bildung wird überwiegend mit öffentlichen Mitteln finanziert, wobei tertiäre Bildungseinrichtungen den größten Anteil an Mitteln aus privaten Finanzierungsquellen verzeichnen. Von 2000‑2012 fiel der durchschnittliche Anteil der öffentlichen Finanzierungsmittel für tertiäre Bildungseinrichtungen von 69% auf 64%.
  • Die Teilnahme an frühkindlicher Bildung ist für Kinder mit Migrationshintergrund besonders vorteilhaft.
  • In allen Ländern und Volkswirtschaften, die 2012 an der Internationalen Schulleistungsstudie der OECD (PISA) teilgenommen haben, ist der Leistungsabstand zwischen Jungen und Mädchen im Bereich Lesekompetenz beim Lesen digitaler Texte geringer als beim Lesen gedruckter Texte. Beim digitalen Lesen schneiden Mädchen im Durchschnitt um 26 Punkte besser ab als Jungen, während ihr Leistungsvorsprung beim Lesen gedruckter Texte im Schnitt 38 Punkte beträgt, was einem Vorsprung von fast einem Schuljahr entspricht.
  • Ungefähr 77% der Erwachsenen mit einem berufsbildenden Abschluss des Sekundarbereichs II oder des postsekundaren nichttertiären Bereichs sind erwerbstätig – damit ist die Beschäftigungsquote bei diesem Personenkreis um 7 Prozentpunkte höher als bei Erwachsenen, deren höchste Qualifikation ein allgemeinbildender Abschluss des Sekundarbereichs II ist.
  • Jeder fünfte 20‑ bis 24‑Jährige ist weder in Beschäftigung noch in Bildung oder Ausbildung.
  • Rund 57% der erwerbstätigen Erwachsenen mit guten IKT‑ oder Problemlösekompetenzen nehmen an arbeitgeberfinanzierten formalen und/oder nichtformalen Fort‑ und Weiterbildungsaktivitäten teil, während unter den Erwachsenen, die keine Computerkenntnisse und mangelnde Problemlösekompetenzen haben, lediglich 9% an solchen Programmen teilnehmen.
  • Größere Klassen sind mit einer Verringerung der für das Lehren und Lernen verwendeten Zeit und einer Erhöhung der für die Aufrechterhaltung der Unterrichtsdisziplin verwendeten Zeit assoziiert. Eine Erhöhung der Schülerzahl in einer Klasse mit durchschnittlicher Größe um einen Schüler ist mit einer Verringerung der für Lehr‑ und Lernaktivitäten verwendeten Zeit um 0,5 Prozentpunkte verbunden.
  • Das Alter der Lehrerschaft in den OECD‑Ländern steigt zunehmend an: 2013 waren 36% der Lehrkräfte an Sekundarschulen mindestens 50 Jahre alt. Dieser Anteil hat sich zwischen 2005 und 2013 im Durchschnitt der Länder mit verfügbaren Daten um 3 Prozentpunkte erhöht.

In der 2015er Ausgabe des Berichts wurde erstmals die 2011 revidierte Fassung der International Standard Classification of Education verwendet (ISCED 2011). ISECD charakterisiert und klassifiziert Schultypen und -systeme in mehreren Ebenen (Level) und soll damit Bildungsniveaus international vergleichbar machen. Dazu berichtet Dirk Van Damme im OECD Blogspot Education & Skills Today.

Quelle: OECD Redaktion: Länder / Organisationen: OECD Themen: Berufs- und Weiterbildung Bildung und Hochschulen

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