StartseiteAktuellesNachrichtenProfitieren Entwicklungsländer von Innovation? OECD gibt erste Antworten

Profitieren Entwicklungsländer von Innovation? OECD gibt erste Antworten

Im Zuge ihre Hinwendung zu Entwicklungs- und Schwellenländern hat die OECD erste Überlegungen zu den Themen Innovation, soziale Ungleichheit und integrative Entwicklung vorgestellt. Ein Arbeitspapier bildete die Grundlage für eine umfassende Diskussion des Themas auf der Konferenz "Innovation for Inclusive Development“ in Kapstadt.

Die OECD kommt zu dem Ergebnis, dass Zusammenhänge zwischen Innovation, Ungleichheit und Integration komplex sind:

  • Innovation zahlt sich in Bezug auf Einkommensverteilung besonders für Hochqualifizierte und Risikofreudige aus;
  • Innovation kann aber auch Lösungen für Gruppen mit niedrigem und mittlerem Einkommen liefern (sogenannte frugale Innovation);
  • Und schließlich können Geringverdiener selbst innovativ sein ("Graswurzelinnovation" und informelle Aktivitäten), so dass ärmere Gemeinschaften von den daraus resultierenden Lösungsansätzen profitieren können.

In vielen Schwellenländern existieren „Exzellenzinseln“, d. h. sehr innovative Unternehmen und Forschungsinstitutionen von Weltklasse Seite an Seite mit zahlreichen Unternehmen, die wenig produktiv bzw. im informellen Sektor tätig sind. Die Unterschiede im Produktivitätsniveau sind deutlich größer als in den Industrieländern und im Zuge der Modernisierung werden diese vermutlich noch wachsen. Um dies zu vermeiden, sollten Schwellenländer die Unterstützung ihrer Exzellenzinseln mit einer Verbreitung von Wissen und Technologien koppeln.

Nutzer mit niedrigem und mittlerem Einkommen: Damit diese Gruppen von Innovationen (z.B. im Gesundheitssektor) profitieren können, sollten Produkte an besondere Nutzungsbedingungen angepasst werden, z.B. an die unzuverlässige Stromversorgung. Auch innovative Preis- und Finanzierungsmodelle können einen Beitrag liefern.

Graswurzelinnovationen (d.h. Innovation durch ärmere Bevölkerungsschichten mit niedrigem Bildungsniveau) können positive Effekte für ärmere Gemeinschaften haben. Sozialer Aufstieg wird jedoch gewöhnlich erst durch substantielle Innovationen erreicht, die eine höhere Bildung erfordern.

Informations- und Komunikationstechnologien spielen in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern eine zunehmend wichtige Rolle. Kleine Unternehmen und solche in kleineren Ortschaften profitieren ebenso wie Geringverdiener. Insbesondere können sich viele bisher ausgeschlossene Gemeinschaften durch Mobiltelefone vernetzen und so auch an integrativer Innovation teilhaben. Dazu gehören neu entwickelte Mobiltelefon-Anwendungen in den Bereichen Landwirtschaft, Fischerei, Gesundheit, Bildung und Banken. Für eine weitere Verbreitung fehlt es jedoch häufig an tragfähigen Geschäftsmodellen.

Der Bericht der OECD ist verbunden mit einer breiteren Hinwendung der Organisation zu Entwicklungs- und Schwellenländern. Dazu wurde im Mai 2012 eine Strategie angenommen. Zu den Themen Forschung, Innovation und Hochschulbildung für Entwicklung finanziert die schwedische Agentur SIDA das längerfristige Projekt IHERD (siehe unten).

Der Diskussionsbericht, der für die Konferenz in Kapstadt "Innovation for Inclusive Development“ (Webseite mit Präsentationen) erstellt wurde, ist frei zugänglich. Die eintägige OECD-Veranstaltung, an der Vertreter internationaler Organisationen und NGOs teilnahmen, fand unmittelbar vor der 6. MEIDE-Konferenz statt. Ziel von MEIDE ist es, Wissenschaftler aus aller Welt zu dem Thema "Micro Evidence on Innovation in Developing Economies" zusammen zu bringen.

Quelle: OECD Redaktion: von Sonja Bugdahn, DLR Projektträger Länder / Organisationen: OECD Global Ägypten China Indien Kolumbien Mexiko Kenia Region Westafrika Region Ostafrika Region südliches Afrika Südafrika Republik Korea (Südkorea) Themen: Wirtschaft, Märkte Innovation Fachkräfte Engineering und Produktion Information u. Kommunikation Bildung und Hochschulen

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