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Reform der Studienplatz-Vergabe in Frankreich

Berichterstattung weltweit

Zu Beginn des Wintersemesters wird vor dem Hintergrund steigender Studierendenzahlen in Frankreich über den gerechten Zugang zu Studienplätzen debattiert und beraten, wie mehr Studierende erfolgreich ihren Abschluss erlangen können.

Der Semesterbeginn in Frankreich ist erneut von steigenden Studierendenzahlen geprägt: 40.000 mehr junge Menschen als im Vorjahr möchten an einer Hochschule studieren. Zum letzten Wintersemester waren es 45.000 und der Anstieg soll bis 2022 anhalten. Insbesondere aus diesem Grund warteten Ende August noch immer 6.000 Bewerber auf ein Angebot für einen Studienplatz von der zentralen Vergabeplattform APB (Admission Post-Bac), darunter drei Viertel Studienanfänger.

Staatspräsident Emmanuel Macron sagte gegenüber der Zeitschrift Le Point im Rahmen eines umfassenden Interviews zu seiner Politik am 30. August 2017: „Wir werden dafür sorgen, dass man aufhören wird, alle glauben zu machen, die Universität sei für jeden die Lösung.“ Insbesondere die französische Hochschulrektorenkonferenz CPU (Conférence des présidents d’université) begrüßte diese Ankündigung Macrons, denn nicht für jeden Studierenden sei ein allgemeinbildender Bachelor die richtige Lösung, so ihr Vizepräsident Khaled Bouabdallah.

Dahinter steht unter anderem die Frage, zu welchen Studienfächern Fachabiturienten (bac technologique) und Abiturienten mit einem berufsorientierenden Abitur (bac professionnel) zugelassen werden. Diese können sich bisher wie allgemeine Abiturienten für ein Fach ihrer Wahl an einer Universität einschreiben, haben jedoch ein deutlich höheres Risiko als Allgemeinabiturienten, zu scheitern: Nur 16 bzw. sechs Prozent dieser Studierenden schließen ihr grundständiges Studium innerhalb von vier Jahren ab, während Inhaber eines allgemeinen Abiturs dies zu fast 50 Prozent gelingt.

Es sollen entsprechend Macrons Wahlprogramm Vorbedingungen festgelegt werden, die sicherstellen, dass ein Abiturient den gewählten Studiengang bewältigen kann. Die Frage ist, wie diese aussehen sollen. Denkbar wäre etwa, dass man Biologie im Abitur belegt haben sollte, um die stark nachgefragten Fächer Sportwissenschaften oder Psychologie zu studieren. Im Gespräch sind auch bessere Orientierungsangebote, mehr Plätze in kurzen, berufsbildenden Studiengängen oder auch ein zusätzliches Studienjahr als eine Art Propädeutikum. Letzteres wurde von Premierminister Édouard Philippe ins Gespräch gebracht.

Wie die Tageszeitung Le Figaro schreibt, gehe es letztlich darum ob die Universität sich ihre Studierenden aussuchen sollen oder umgekehrt. Gewerkschaften wie die Sgen-CFDT oder die Unef sehen die Vorschläge kritisch und betonen, dass die letzte Entscheidung beim Studierenden liegen müsse und Vorleistungen lediglich informativ sein dürften.

Weiterhin sagte Macron gegenüber Le Point: „Und wir werden niemanden mehr per Losverfahren auswählen.“ So hatte die Ministerin für Hochschulwesen, Forschung und Innovation Frédérique Vidal bereits im August angekündigt, dass die umstrittene Plattform APB abgeschafft und durch eine bessere Lösung ersetzt würde. Dabei sollen Studienplätze nicht mehr wie bisher per Los vergeben werden. Dies ist zurzeit die einzig legale Auswahlmöglichkeit für Universitäten, wenn die Platzkapazitäten erschöpft sind. Die Alternative zu APB muss allerdings bis spätestens bis Januar fertig gestellt sein, da dann die Gymnasiasten beginnen, sich für Studienplätze zu bewerben.

Ab 11. September 2017 und bis Ende Oktober tagen im Ministerium für Hochschulwesen, Forschung und Innovation MESRI einmal wöchentlich elf Arbeitsgruppen (AG), um konkrete Lösungsvorschläge für einen besseren Start der Studierenden ins grundständige Studium zu ermöglichen. Sie beschäftigen sich mit den Themen Hochschulzugang (zwei AGs), Lehrangebote (vier AGs), Erneuerung der Pädagogik (eine AG), Studentisches Leben (eine AG) und den besonders beliebten Fächern Gesundheit, Sportwissenschaften und Psychologie (drei AGs).

Zum Nachlesen:

Quelle: EducPros.fr, Le Figaro Redaktion: von Kathleen Schlütter, Deutsch-Französische Hochschule Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Bildung und Hochschulen Strategie und Rahmenbedingungen

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