StartseiteAktuellesNachrichtenUngarische Regierung will Akademie der Wissenschaften stärker kontrollieren

Ungarische Regierung will Akademie der Wissenschaften stärker kontrollieren

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Neuer Gesetzesentwurf soll die Ungarische Akademie der Wissenschaften unter Regierungskontrolle stellen. Kritiker befürchten Verlust der Wissenschaftsfreiheit.

Seit Monaten liegen die Regierung in Budapest und die Ungarische Akademie der Wissenschaften (Hungarian Academy of Sciences, HAS) im Konflikt um die Unabhängigkeit der Forschung des Landes. Wie "Nature" berichtet, hat der ungarische Forschungsminister László Palkovics Ende Mai einen Gesetzentwurf vorgelegt, der dem Ministerium direkte Kontrolle über die bislang unabhängigen Einrichtungen der HAS gewähren und die Immobilien der Akademie in Staatseigentum überführen würde.

Ferner sieht die geplante Reform vor, dass das Institutsnetzwerk der HAS von einem 13-köpfigen, von Premierminister Viktor Orbán ernannten Gremium geleitet wird. Das Gremium soll alle wichtigen Entscheidungen über die Einrichtungen treffen, einschließlich der Ernennung ihrer wissenschaftlichen Leitungen. Die HAS unterhält ein Netzwerk von rund 40 Forschungsinstituten, die einen Großteil der Grundlagenforschung in Ungarn durchführen.

Der Entwurf hat breite Kritik hervorgerufen. In einem Online-Statement beklagt die Akademie, der Verlust der Autonomie bedrohe das von der Regierung ausgerufene Ziel, Innovationen zu fördern. Außerdem sei die geplante Eigentumsübernahme verfassungswidrig. Am 29. Mai haben die Gewinner des sogenannten Momentum-Programms der HAS und mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie an die Regierung und den Premierminister appellieren, das Gesetz zu stoppen, da es "in seiner jetzigen Form außerordentlich schädlich" sei. Am 2. Juni fand eine Demonstration in Budapest statt, bei der Tausende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Unterstützerinnen und Unterstützer auf den befürchteten Verlust der Wissenschaftsfreiheit aufmerksam machten. Ungarn rangiere hinsichtlich der universitären Autonomie inzwischen am unteren Ende der europäischen Staaten, so "Nature" weiter.

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Quelle: Nature Redaktion: von Alexander Bullinger, VDI Technologiezentrum GmbH Länder / Organisationen: Ungarn Themen: Förderung Strategie und Rahmenbedingungen

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