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Universität Paris-Saclay startet zum 1. Januar 2020

Berichterstattung weltweit

Aus der Fusion von drei Universitäten und vier Grandes Écoles entsteht eine Hochschuleinrichtung mit 65.000 Studierenden, 275 Forschungslabors und 9.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Am 19. Februar 2019 stellten 14 Hochschulpräsidenten und Vertreter der beteiligten Forschungseinrichtungen die zukünftige Struktur der Universität Paris-Saclay vor. Bisher sind die Partner auf dem weitläufigen Saclay-Plateau im Südwesten von Paris als Hochschul- und Forschungsverbund organisiert. Zum 1. Januar 2020 soll nun eine integrierte Volluniversität entstehen. Dafür fusionieren die drei Universitäten Paris-Sud, Versailles Saint-Quentin-en-Yvelines und Evry mit den vier Hochschulen Agro ParisTech, CentraleSupélec, ENS Paris-Saclay und Institut d’Optique Graduate School. Alle großen französischen Forschungseinrichtungen (CNRS, CEA, Inserm, Inria …) sind über gemeinsame Labore (UMR, Unité mixte de recherche) ebenfalls beteiligt. Damit entsteht eine Einrichtung mit 65.000 Studierenden, 275 Forschungslaboren und 9.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Zwölf bis 15 neue, thematisch unterteilte Graduate Schools für Doktoranden und Master-Studierende werden geschaffen und auch die grundständigen Studiengänge neu strukturiert. Laut der zukünftigen Saclay-Präsidentin Sylvie Retailleau (vormals Präsidentin der Universität Paris-Sud) werden damit fast 15 Prozent des französischen Forschungspotentials gebündelt und der Generaldirektor der Ingenieurhochschule Agro ParisTech Gilles Trystram betont, dass auf dem Campus die dichteste Ansiedlung von Forschungsinstrumenten in ganz Frankreich zu finden sein wird.

Großer Wert wurde von Anfang an auf die Attraktivität für internationale Studierende gelegt, unter anderem mit einem Welcome Office, einem Sprachzentrum und einer extra Website für ausländische Studieninteressierte. Die Partner wollen sich zudem zehn bis 20 Prozent ihres wissenschaftlichen Personals teilen – für konkrete Projekte und zeitlich begrenzt. Die Ingenieurhochschulen Agro ParisTech, CentraleSupélec und Institut d’Optique Graduate School behalten ihre Eigenständigkeit bei der Studierendenauswahl, der pädagogischen Ausrichtung und der Diplom-Vergabe. Allerdings werden die Diplome wie alle Studienabschluss-Zeugnisse zukünftig von der Präsidentin der Universität Paris-Saclay unterzeichnet.

Damit die neue Einrichtung auf dem Saclay-Campus entstehen kann, mussten und müssen mehrere Hochschulen nach Saclay umziehen: 2017 beispielsweise die Ingenieurhochschule École Centrale Paris, die sich 2015 mit der Supélec zur CentraleSupélec zusammengeschlossen hatte. Diesen Sommer zieht die ENS Paris-Saclay um, die vormals ENS Cachan hieß. Und die Agro ParisTech kommt 2021 auf den Saclay-Campus.

Damit findet eine lange Entstehungsgeschichte ihren vorläufigen Abschluss: Bereits 2008 begannen die ersten Hochschulen, sich auf dem Saclay-Plateau im Südwesten von Paris anzusiedeln. Nach dem Willen der Regierung sollte hier eine Art „Cambridge à la française“ entstehen. 2014 wurde der Verbund Universität Paris-Saclay gegründet, unter dessen Label unter anderem Masterabschlüsse vergeben und die Doktorandenausbildung gebündelt wurde. Dennoch sah der französische Rechnungshof Anfang 2017 das mit 5,3 Milliarden Euro umfänglich geförderte Prestigevorhaben an einem „toten Punkt“. Die ursprünglich insgesamt 19 Hochschul- und Forschungseinrichtungen konnten sich nicht über die Ausgestaltung der zukünftigen Universität einigen. Letztes Jahr gaben dann fünf Ingenieurhochschulen bekannt, aus dem Universitätsprojekt auszusteigen und ihren eigenen Verbund – das Institut Polytechnique Paris – zu gründen. Die Entscheidung darüber hatte Staatspräsident Emmanuel Macron persönlich bekannt gegeben.

Im Sommer wollen die Partner die Statuten der zukünftigen Einrichtung beschließen, damit vom Staat im Herbst das entsprechende Dekret verabschiedet werden kann. Der offizielle Start der Universität Paris-Saclay ist für den 1. Januar 2020 geplant. Mit einem ambitionierten Ziel: Sie soll es nächstes Jahr bei internationalen Hochschulrankings direkt unter die weltweit 20 besten Einrichtungen schaffen.

Zum Nachlesen (Französisch)

Quelle: L'Usine Nouvelle Redaktion: von Kathleen Schlütter, Deutsch-Französische Hochschule Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Bildung und Hochschulen Infrastruktur

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