Bildungspolitische Ziele und Programme

Die wichtigsten bildungspolitischen Ziele sind in der 2015 angenommenen Strategie zur nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development Strategy, SDS), der „Egypt Vision 2030“ festgelegt (S. 27-29). Um den Bildungsstand der Bevölkerung insgesamt zu erhöhen, werden sämtliche Bildungsbereiche von der frühkindlichen Bildung bis hin zum Hochschulstudium mit einbezogen. In Bezug auf Vorschulen/Schulen strebt die ägyptische Regierung an:

  • den Anteil der Kinder, die Vorschulen besuchen, von 31,3 Prozent (2015) auf 47 Prozent (2020) und 80 Prozent (2030) zu steigern;
  • den Anteil des Bruttoinlandsproduktes (BIP), der auf primäre und sekundäre Bildung verwendet wird, von 3 Prozent (2015) auf 5 Prozent (2020) und 8 Prozent (2030) zu steigern;
  • den Anteil der Analphabet/-innen unter den 15-35 jährigen von 28 Prozent (2015) auf 7 Prozent in 2020 und 2030 zu senken;
  • die Platzierung des Landes in dem Schulleistungstests TIMSS von Rang 41/48 für Wissenschaft und Rang 38/48 in Mathematik (2015) auf Rang 30 (2020) und Rang 20 (2030) zu verbessern.

In Bezug auf Berufsbildung strebt die ägyptische Regierung an:

  • den Anteil der Berufsbildungseinrichtungen, die eine Partnerschaft mit der Zivilgesellschaft eingehen, von 3 Prozent (2015) auf 12 Prozent (2020) und 20 Prozent (2030) zu steigern;
  • den Anteil der Auszubildenden, die eine betriebliche Ausbildung („vocational training“) durchlaufen, von 4 Prozent (2015) auf 16 Prozent (2020) und 30 Prozent (2030) zu steigern;
  • den Anteil derjenigen, die eine ausbildungsadäquate Beschäftigung ausüben, von 30 Prozent (2015) auf 60 Prozent (2020) und weiter auf 80 Prozent (2030) zu steigern.

Das Ministerium für Bildung und Berufsbildung hat im Mai 2018 eine neue Bildungsstrategie angenommen, die auf eine umfassende Schulreform abzielt. Die Weltbank unterstützt die Umsetzung mit 500 Mio. USD. Textbücher sollen durch digitale Materialien ersetzt werden (2030 Vision of Egypt: Egypt's Voluntary National Review 2018, S. 30 f.)

In Bezug auf Hochschulen strebt die ägyptische Regierung an:

  • die Anzahl der Hochschuleinrichtungen/Universitäten von 44 (2015) auf 50 (2020) und 64 (2030) zu steigern;
  • das Verhältnis Studierende - Hochschullehrkräfte von 1:42 (2015) auf 1:38 (2020) und 1:35 (2030) zu verbessern;
  • den Anteil der Alterskohorten von 18-22 Jahren, die ein Hochschulstudium aufnehmen, von 31 Prozent (2015) auf 35 Prozent (2020) und 45 Prozent (2030) zu steigern;
  • den Anteil der internationalen Studierenden sowie den Anteil der Studierenden, die mit Hilfe von Stipendien an internationalen Universitäten ausgebildet werden zu steigern (siehe unter Internationale Programme und Strategien);
  • den Anteil der Hochschuleinrichtungen, die eine nationale Akkreditierung erlangen, von 7,5 Prozent (2015) auf 30 Prozent (2020) und weiter auf 80 Prozent (2030) zu steigern;
  • die Anzahl der im Shanghai Ranking unter den Top 500 gelisteten Hochschulen von 1 (2015) auf 3 (2020) und 7 (2030) zu verbessern;
  • Den Anteil der arbeitslosen Hochschulgraduierten an allen Arbeitslosen von 35,1 Prozent (2015) auf 30 Prozent (2020) und weiter auf 20 Prozent (2030) zu senken.

An den Hochschulen ist in den vergangenen Jahren vor allem das Thema Beschäftigungsfähigkeit („employability“) ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Beispielweise haben einige Hochschulen verpflichtende Praktika in Studiengangpläne integriert, um so den Studierenden praktische Erfahrungen zu ermöglichen. Zudem sind jetzt an Hochschuleinrichtungen häufiger Berufsberatungszentren zu finden. Teilweise werden an ägyptischen Universitäten Kooperationen mit nationalen Unternehmen aufgebaut und arbeitsmarktrelevante Kompetenzen in die Curricula von Studiengängen eingebettet (Quelle: Europ. Kommission: Hochschulbericht - Ägypten 2017, S. 13).

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Forschungs- und innovationspolitische Ziele und Programme

Die mittel- und langfristigen forschungs- und innovationspolitischen Ziele sind ebenfalls in der Strategie zur nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development Strategy – SDS), der „Egypt Vision 2030“ festgelegt (S. 20). In Bezug auf Forschung und Innovation misst die ägyptischen Regierung der Platzierung Ägyptens im Global Innovation Index zentrale Bedeutung zu. Mit Hilfe einer besseren Platzierung in zahlreichen Sub-Indexen wird eine Verbesserung der Gesamtplatzierung im Global Innovation Index von 99 (2015) auf 85 (2020) auf 60 (2030) angestrebt. Dazu zählen u.a. der Sub-Index für Bildung, Hochschulen, Forschung und Entwicklung (FuE), Investition, Handel und Wettbewerb, Umwelt und Nachhaltigkeit und digitale Kreativität. Unter der Egypt Vision 2030 wurde die National Strategy for Science, Technology and Innovation (STI-EGY 2030) angenommen, die jedoch bisher nur in arabischer Sprache vorliegt.

Der Science and Technology Development Fund (STDF), der ab 2008 aktiv wurde, verwaltet eine Vielzahl von Programmen und Instrumenten zur Grundlagenforschung und angewandten Forschung. Die Förderprogramme lassen sich in drei Kategorien einteilen: In die erste Kategorie fallen Programme zum Kapazitätsaufbau: So können Hochschulen und außeruniversitäre Einrichtungen z.B. Förderung für die Etablierung von Exzellenzzentren erhalten. In die zweite Kategorie „Innovation“ fallen Programme zur Innovationsförderung wie „Faculty for Factory“, unter dem Hochschulen für einige Monate Forschende in Unternehmen entsenden können. In die dritte Kategorie fallen themenzentrierte Ausschreibungen. Die fachliche Prioritätenliste gilt für alle Kategorien: So sollen z.B. Exzellenzzentren vor allem zu diesen fachlichen Prioritäten eingerichtet werden.

Die Academy of Scientific Research and Technology (ASRT) konzentriert sich ausschließlich auf die Förderung angewandter Forschung. Dabei steht die Entwicklung von Technologien im Rahmen sogenannter „nationaler Kampagnen“ im Mittelpunkt, wie zum Beispiel einer Kampagne zur Erhöhung der Weizenproduktion oder für innovative Erntelagerungstechniken (Quelle: ASRT (2016): „STI Assessment and Evaluation. Fifth Issue: National STI Capacities and Local Performance“, S. 28 f.).

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Ergebnisse von Evaluierungen

2015 hat die OECD in der Studie „Schools for Skills – A New Learning Agenda for Egypt” mit Hilfe der Weltbank eine Bestandsaufnahme zu dem Berufsbildungssystem Ägyptens durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass die ehrgeizigen Reformansätze unter dem „National Education Strategic Plan 2007-2012“ größtenteils nicht verwirklicht werden konnten. Ebenfalls aus dem Jahr 2015 stammt eine Bestandsaufnahme der OECD zur postsekundären Berufsbildung in Ägypten („A Skills beyond School Review of Egypt“).

Die Förderorganisation Science and Technology Development Fund (STDF) veröffentlichte 2012 die Studie „Egypt’s Innovation Ecosystem“, die eine Reihe von Defiziten in Ägypten identifizierte: Demnach behindern Informationsdefizite, Vertrauensdefizite und ein Mangel an Fördermitteln die öffentliche und private Innovationstätigkeit.

Fast gleichzeitig wurde eine Bestandsaufnahme zu dem Wissenschafts- und Innovationssystem Ägyptens im Rahmen des multilateralen Projektes „Atlas of Islamic World Science and Innovation“ (AIWSI) veröffentlicht: Die AIWSI-Länderstudie Ägypten (2012) empfahl dringend, die verschiedenen Forschungsanstrengungen besser zu koordinieren sowie Partnerschaften zwischen dem öffentlichen und privaten Sektor gezielt zu fördern. Die Autonomie der Universitäten solle gestärkt, die darin vorherrschende hierarchische Kultur verändert und die Rekrutierung von Nachwuchskräften nicht länger auf die eigene Universität beschränkt sein. Künftig sollten nicht nur wissenschaftliche Veröffentlichungen sondern auch Kooperationen mit der Industrie positiv bewertet werden. Unternehmen des Privatsektors benötigten generell mehr Anreize, um sich in Forschung und Innovation zu engagieren, z.B. in Form von Steuererleichterungen. Auch die Bereitstellung von Risikokapital sei zu verbessern.

 

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