Überblick

Bildung gilt in Ägypten spätestens seit 1952 als Allgemeingut, das allen Bürgern kostenlos zur Verfügung steht. Dies ist auch in der Verfassung entsprechend geregelt. Das staatliche Bildungssystem von der Grundschule bis einschließlich Universität ist darum kostenlos. Es werden keine Schul- oder Studiengebühren erhoben. Die Alphabetisierungsraten bei Jugendlichen (15-24 Jahre) von 89 Prozent entspricht dem Durchschnitt in der Region (vgl. UNESCO Institute for Statistics (UIS)).

Anders als Deutschland ist Ägypten seit über 30 Jahren durch ein überdurchschnittlich hohes Bevölkerungswachstum geprägt, das mit einer Wachstumsrate von 3,5 Prozent pro Jahr zu den höchsten der Welt gehört. Der Andrang an Schulen und Universitäten ist entsprechend hoch. Diesen Herausforderungen ist das staatliche System schon länger nicht mehr gewachsen und die vergleichsweise sinkenden Investitionen in Bildung und Forschung (2005: 5 Prozent 2010 3 Prozent des BNP, vgl. IMOVE 2013) reichen nicht aus, um Missstände wie sinkende Qualität und Überfüllung wirksam zu beheben. Trotzdem Ägypten im regionalen Vergleich zu den forschungsstärksten Ländern gehört und insgesamt relativ gut aufgestellt ist, erscheint das Bild des ägyptischen Bildungssektors, der einst Vorreiter mit Vorbildcharakter weit über die Grenzen der Region hinaus war, heute jedoch stark durch die bestehenden Missstände getrübt.

Ägypten schaut auf eine der längsten Traditionen für höhere Bildung weltweit zurück. Die durchgängig aktive Al-Azhar Universität wurde bereits im Jahr 988 von den Fatimiden gegründet. Heute ist die 1908 gegründete Kairo-Universität die größte und bekannteste Universität des Landes, gefolgt von den Universitäten Ain Shams und Alexandria.

Vor diesem Hintergrund schicken viele Ägypter ihre Kinder auf private Einrichtungen. Insbesondere englisch- und deutschsprachige Institutionen erleben seit Ende der 1990er einen regelrechten Boom. Zusätzlich zu den drei bereits im 19. Jahrhundert gegründeten Deutschen Schulen sind seitdem sechs neue deutsche Schulen, eine ägyptische Privatuniversität nach deutschem Vorbild (GUC), sowie die erste Zweigstelle einer deutschen Universität (TUB) in der Region entstanden.

Indikatoren für Bildung

Indikator

Ägypten

Deutschland

Stand

 

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender aus dem Land [Prozent]*

1,1

3,9

2016

 

Anzahl Studierender im Tertiärbereich insgesamt [Mio.]

2,789

3,043

2016

 

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender im Land [Prozent]**

1,8

8,0

2016

 

Anzahl Promovierender insgesamt

45.322

197.000

2016

 

Anteil an neuen Studienabschlüssen in Mathematik, Statistik und Naturwissenschaften (Ingenieurwissenschaften) [Prozent]

3,6 (6,2)

keine Angaben

2016

 

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Quelle: UNESCO Institute of Statistics, Stand September 2018
* UNESCO registriert nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss im Ausland anstreben.
** UNESCO registriert nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss in dem jeweiligen Land anstreben.

Redaktion: 30.11.2018, von: Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

Weitere Informationen
Links/Institutionen

Schulen und Hochschulen

Das ägyptische Bildungssystem ist in zwei Stufen aufgebaut: Grundschule (Ibtida'i) und Sekundarstufe (adadi). Die Unterrichtssprache an den staatlichen Schulen ist Arabisch. Die Schulpflicht beginnt mit 6 Jahren und umspannt nur die Grundschule. Vorschulen / Kindergarten (Hadana) existieren, sind aber nicht Teil des staatlichen Bildungssystems. 

Die Lernziele der insgesamt zwölfjährigen Schulbildung umfassen laut dem Ministerium für Bildung (Ministry of Education, siehe Kapitel "für Bildung und Forschung zuständige Ministerien")  folgende sieben Kernbereiche:

  • Demokratische Werte
  • Grundlagen der arabischen Sprache
  • Grundlagen gesellschaftlichen Verhaltens
  • Dialogfähigkeit und Flexibilität
  • Grundlagen mindestens einer Fremdsprache
  • Anwendung erlernter Fähig- und Fertigkeiten im Alltag
  • Interesse am (lebenslangen) Lernen

Die neunjährige Grundausbildung ist in zwei Stufen untergliedert: die Eingangsstufe (Klasse 1 bis 6) und die Vorbereitungsstufe (Klasse 7 bis 9). In der Eingangsstufe werden folgende Fächer in insgesamt 35-39 Wochenstunden (je 45 Min.) unterrichtet:

  • Religiöse Erziehung
  • Arabisch
  • Kalligraphie
  • Fremdsprache (in der Regel Englisch)
  • Mathematik
  • Sozialkunde
  • Naturwissenschaften
  • Erziehung und Alltagspraxis
  • Kunst
  • Sport
  • Musik
  • Werken und Instandhaltung
  • Computerkunde
  • Büchereibesuche

Während die Fächer Arabisch, Mathematik, Religion und Bücherei durchgängig auf dem Lehrplan stehen, werden andere nur in den Klassen 1 bis 3 (z.B. Erziehung und Alltagspraxis, Computerkunde) bzw. 4 bis 6 (z.B. Fremdsprache oder Naturwissenschaften) unterrichtet.  

Die Vorbereitungsstufe (Klasse 7-9) umfasst durchgehend alle obengenannten Fächer, wobei das Fach "Naturwissenschaften" durch 3 Wochenstunden "Technologie" und das Fach "Erziehung und Alltagspraxis" durch "andere Fächer" ersetzt wird.

Die Lernziele der Sekundarstufe, also der Klassen 10 bis 12, unterscheiden sich je nach Ausrichtung in allgemeine, akademische bzw. technische Fähigkeiten und praktisches, berufsvorbereitendes Training. Die Mehrheit der ägyptischen Schüler und Schülerinnen strebt den allgemeinen Sekundarabschluss Thanaweyya al-Amma (vglb. dt. Abitur) an.

Die technische, berufsbezogene Ausrichtung wird in drei Spezialisierungen angeboten: Industrie, Handel und Landwirtschaft. Am Ende steht hier der Erwerb des "Secondary School Technical Diploma" (vglb. dt. Fachabitur) in der gewählten Disziplin. (link Berufliche Bildung)

Daneben existiert, wie im Bereich der Grundschulen, auch in der Sekundarstufe das parallele Schulsystem der religiösen Al-Azhar Schulen, das nach der 12. Klasse mit dem "Al-Azhar Secondary School Certificate" abgeschlossen wird.

Von den insgesamt über 20 Millionen Schülern und Schülerinnen in allen Schulstufen befanden sich nach Angaben des ägyptischen Statistischen Amtes (CAPMAS 2014) im Schuljahr 2012/13 3.418.188 in der Sekundarstufe. Davon waren 1.390.262 (747.147 Mädchen) in der allgemeinen Sekundarstufe und 1.686.859 (735.352 Mädchen) an technischen, berufsbildenden Schulen. Der Anteil der Schüler und Schülerinnen, welche an Al-Azhar Schulen (Religiös ausgerichteter Schul- und Universitätsträger) unterrichtet werden, betrug 19,7 Prozent derer, die einen allgemeinen Abschluss machten. Nach Angaben der OECD und Weltbank (2010) lag die Erfolgsquote der Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2005/06 bei 78 Prozent eines Jahrgangs. 80 Prozent der Thanaweyya al-Amma Absolventen setzten danach die Ausbildung an einer staatlichen oder privaten Universität fort. Aktuellere Angaben gibt es derzeit nicht (vgl. World Data on Education. 7th edition, 2010/11).

Zum ägyptischen Hochschulsystem gehören 38 Universitäten: 18 öffentliche und 19 private sowie die Al-Azhar-Universität, des Weiteren 37 technische Hochschulen, 110 Fachhochschulen und eine Vielzahl anderer Hochschuleinrichtungen (vgl. IMOVE 2013). Insgesamt sind an diesen ca. 2,5 Millionen Studierende eingeschrieben, was ungefähr einem Drittel der gesamten Bevölkerung im Studentenalter entspricht (vgl. World Bank 2014, WfD). Im Jahr 2011 waren insgesamt 1,7 Millionen Studierende in Ägypten an Universitäten eingeschrieben, davon 1,65 Millionen an staatlichen und 73.000 an den privaten Einrichtungen; d.h. 86 Prozent der Studierenden sind an staatlichen Universitäten eingeschrieben. Der Frauenanteil betrug mit 828.000 eingeschriebenen Studentinnen knapp die Hälfte (48 Prozent). 2010 wurden an staatlichen und privaten Universitäten insgesamt 42.300 Bachelor (einschließlich Diploma), 8.100 Master und 4383 Doktortitel verliehen (vgl. Supream Council of Universities 2013).

Trotz der vergleichsweise mageren finanziellen Ausstattung der Institutionen ist Ägypten innerhalb der Region das arabische Land mit der höchsten Anzahl von  Studierenden und Absolventen.

Zu den bekanntesten Universitäten in Ägypten zählen die drei größten staatlichen Universitäten Kairo-Universität (CU), Ain Shams Universität (ASU), Universität Alexandria (AU), sowie die 1919 etablierte private Amerikanische Universität (AUC).

Staatliche Universitäten in Ägypten

Universität

Ort

Studierendenzahl

Website

Ain Shams University

Kairo

134030

net.shams.edu.eg

Alexandria University

Alexandria

124782

www.alex.edu.eg

Assiut University

Assiut

54723

www.aun.edu.eg

Aswan University

Aswan

7372

www.aswu.edu.eg

Al-Azhar University

Kairo

www.azhar.edu.eg

Banha University

Banha

45580

www.bu.edu.eg

Beni-Suef University

Kairo

33642

www.bsu.edu.eg

Cairo University

Kairo

146425

www.cu.edu.eg

Damanhour University

Damanhour

21184

www.damanhour.edu.eg

Damietta University

Damietta

11937

www.du.edu.eg

Fayoum University

Al Fayoum

18339

www.fayoum.edu.eg

Helwan University

Kairo

70413

www.helwan.edu.eg

Kafrelsheikh University

Kafr el-Sheikh

19944

www.kfs.edu.eg

Mansoura University

Mansoura

88698

www.mans.edu.eg

Military Technical College (MTC)

Cairo

www.mtc.edu.eg

Minia University

Minya

35465

www.minia.edu.eg

Minufiya University

Schibin al-Kaum

44244

www.menofia.edu.eg

National Civil Aviation Training Organization

Gizeh

www.eaaegypt.com/home.htm

Port Said University

Port Said

11835

www.psu.edu.eg

Sadat Academy for Management Sciences

Kairo

www.sadatacademy.edu.eg

Sohag University

Sohag

23204

www.sohag-univ.edu.eg

South Valley University

Qena

27345

www.svu.edu.eg

Suez Canal University

Ismailia

18066

www.scuegypt.edu.eg/en/

Suez University

Suez

7252

www.suezuniv.edu.eg/en/

Tanta University

Tanta

69897

www.tanta.edu.eg

Sadat City University

Sadat City

9345

www.usc.edu.eg/English/

Zagazig University

Zagazig

79097

www.zu.edu.eg

Private Universitäten in Ägypten

Universität

Ort

Website

Alamein University

El Alamein

www.almein.edu.eg

American University in Cairo

Kairo

www.aucegypt.edu.eg

Arab Academy for Science and Technology and Maritime Transport

Alexandria, Cairo, Port Said, Aswan

www.aast.eg

Arab Open University

Kairo

www.aou.edu.eg

Ahram Canadian University

www.acu.edu.eg

MTI University

Kairo

www.mti.edu.eg

British University in Egypt

Kairo

www.bue.edu.eg

Canadian International College

Kairo

www.cic-cairo.comw.almein.edu.egedu.joiversity

Delta University for Science and Technology

Mansoura

www.deltauniv.edu.eg/EN/home.html

Egyptian e-Learning University

Gizeh

www.eeluw.almein.edu.egedu.joiversity/.edu.eg

Egypt-Japan University of Science and Technology (E-JUST)

New Borg El-Arab city

www.ejust.edu.eg

Egyptian Russian University

Badr City

www.eru.edu.eg

El Asher University

10th OF RAMADAN

www.eauw.almein.edu.egedu.joiversity/.edu.eg

El Shorouk Academy

El Shorouk

www.elshoroukacademy.edu.eg

French University in Egypt

Kairo

www.ufe.edu.eg

Future Academy

Kairo

www.futureacademyegypt.info/en/

Future University in Egypt

Kairo

www.fue.edu.eg

German University in Cairo (GUC)

Kairo

www.guc.edu.eg

Heliopolis University

Kairo

www.hu.edu.eg

Higher Technological Institute

Kairo

www.hti.edu.eg//

International Academy for Engineering & Media Sciences

Gizeh

www.iams.edu.eg

Misr International University

Kairo

www.miuegypt.edu.eg

Misr University for Science and Technology

Gizeh

www.must.edu.eg

Modern Academy Maadi

Cairo Maadi

cs.modern-academy.edu.eg/index.php/en/

Modern Sciences and Arts University

Cairo

www.msaw.almein.edu.egedu.joiversity/.eun.eg

Nahda University

Cairo

www.nahdauniversity.orgw.almein.edu.egedu.joiversity

Nile University

Cairo

www.nileuw.almein.edu.egedu.joiversity/.edu.eg

October 6 University

Cairo

www.o6uw.almein.edu.egedu.joiversity/.edu.eg

Pharos University in Alexandria

Alexandria

www.puaw.almein.edu.egedu.joiversity/.edu.eg

Science Valley Academy

South Valley

www.svaw.almein.edu.egedu.joiversity/.edu.eg

Sinai University

Sinai

www.suw.almein.edu.egedu.joiversity/.edu.eg

Thebes Academy

Luxor

www.thebesacademy.org

Université Senghor d'Alexandrie

Alexandria

www.usenghor-francophonie.org

Quelle: Eigene Zusammenstellung (vgl. SCU 2010)

Das Hochschulsystem ist grundsätzlich in drei Abschnitte und Abschlüsse unterteilt.

  • Bachelor (Licance oder Baklorous), B.Sc. oder B.A., nach vier bis sechs Jahren
  • Master (Magister), M.Sc. oder M.A., nach 2 bis 3 Jahren
  • Promotion (Doctorah), Dr. oder Ph.D., 2 bis 5 Jahren

Die Länge der Ausbildung ist dabei im Rahmen der oben angegebenen Durchschnittswerte je nach Disziplin unterschiedlich.

Am EU Bologna Prozess nimmt Ägypten nicht teil. Bis heute unterscheiden sich deshalb sowohl die Struktur als auch das Bewertungssystem deutlich von der dreistufigen Bologna-Struktur und dem European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS). Ein erster Schritt zur Integration in und Konformität mit dem Bologna-System war der Beschluss des Universitätsrates (Supreme Council of Universities, link "Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungspolitik") zur grundsätzlichen Möglichkeit der Akkreditierung von ETCS-basierten Studiengängen Mitte 2011.

Ein wichtiges Anliegen der Politik war es bereits Anfang der 1950er Jahre allen Ägyptern Zugang zu tertiärer Bildung und Universitäten zu ermöglichen. Deshalb wurden systematisch in allen Teilen des Landes Universitäten auf- und ausgebaut (link zu Liste der Universitäten). Dennoch findet sich die größte Dichte an Institutionen im Umkreis der Hauptstadt Kairo.

Der Hochschulsektor wurde in den 1940er und 1950er Jahren mit Nachdruck vorangetrieben und allein in diesen 20 Jahren wurden landesweit mehr als acht staatliche Universitäten aufgebaut. Seit der Gesetzesreform 1992 hat sich das Land vollends auch für die Etablierung von privaten Universitäten und Einrichtungen der höheren Bildung geöffnet.

Aufgrund der hohen Studierendenzahlen und der damit einhergehenden Überlastung des öffentlichen Hochschulsektors haben die Privatuniversitäten, zumeist internationale Einrichtungen, großen Zulauf. Ihre Anzahl hat sich in den letzten Jahren stark erhöht. Die wichtigsten ausländischen Institutionen sind folgende (vgl. DAAD o.J.):

  • American University Cairo (AUC)
  • French International University for African Development (Senghor University)
  • German University Cairo (GUC)
  • Misr International University
  • Misr University for Science and Technology(MUST)
  • Sixth of October University
  • Modern Academy
  • British University
  • Ahram Canadian University (ACU)
  • Modern Science and Arts University (MSA)
  • French University in Egypt (UFE)
  • The Arab Open University (AOU)

 (Quelle: iMOVE Marktstudie Ägypten 2013)

Alle ägyptischen Universitäten verfügen über ein gewisses Maß an Autonomie, sind aber in der Regel eng an die Entscheidungen der relevanten Ministerien, insbesondere der Ministerien für Höhere Bildung (Ministry of Higher Education, MoHE) und des Ministeriums für wissenschaftliche Forschung gebunden (Ministry of Scientific Research, MoSR) (link Bildung und Forschung zuständige Ministerien). Zum Beispiel nominiert das MoHE je drei Kandidaten für das Amt des Präsidenten einer Universität, der dann direkt vom Präsidenten der Republik ausgewählt und ernannt wird. Auch die Präsidenten der privaten Universitäten werden durch Vorschlag von Seiten des MoHE ernannt (vgl. Tempus 2012).

Alle Einrichtungen der höheren Bildung unterstehen zudem der Aufsicht durch den Hohen Rat der Universitäten (Supreme Council of State/Private Universities, SCU/SCPU) und werden z.B. bei der Umsetzung von Qualitätsstandards unterstützt (link Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungspolitik). Alle Einrichtungen des Al-Azhar-Bildungssystems unterstehen zudem direkt der Zentralverwaltung der Al-Azhar Institutionen (Central Administration of Al-Azhar, CAA).

Ägyptische Universitäten sind traditionell sehr offen für internationale Kooperation und den Austausch mit bzw. die Aufnahme internationaler Studierender. Allein im Studienjahr 2009/10 haben über 8.000 internationale Studierende, zumeist aus arabischen Ländern, an staatlichen Universitäten in Ägypten studiert. Genaue Angaben zur Zahl der internationalen Studierenden an privaten und Al-Azhar Institutionen sind nicht verfügbar, werden aber deutlich höher eingeschätzt (Tempus 2012). Zudem werden die besten Absolventen regelmäßig mit Stipendien ins Ausland geschickt und dort gefördert. Ägypten unterhält mit einer Vielzahl an Ländern aktive Austauschprogramme. Abgesehen von den arabischen Ländern sind diese besonders intensiv mit Partnern wie den USA, Deutschland, England, Kanada und Frankreich. Die meisten Universitäten sind in ein oder mehrere Partnerschaften mit internationalen Universitäten eingebunden und haben in der Vergangenheit erfolgreich an EU- und internationalen Wissenschaftsförderprogrammen teilgenommen (link Förderorganisationen).

Bereits 2003 wurde mit deutscher Unterstützung und unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) die erste ägyptische private Universität nach deutschem Muster (German University Cairo, GUC) gegründet. Die GUC bietet anwendungs- und marktbezogene Ausbildung und Forschung in von der regionalen Wirtschaft nachgefragten Bereichen an und unterhält einen eigenen Maschinenpark, der von deutschen Produzenten unterstützt und bestückt worden ist. Trotz vergleichsweise hoher Studiengebühren – allerdings mit zahlreichen Stipendien von den deutschen Partneruniversitäten Ulm und Stuttgart sowie von privaten Gebern in Deutschland und Ägypten versehen, war die GUC von Anfang an ein Magnet für technisch interessierte Studierende und konnte die Zahl der Studierenden jährlich steigern. Inzwischen wurde nach dem Vorbild der GUC mit der German-Jordanien University (GJU) die zweite an das deutsche Universitäts- und Bildungssystem angelehnte Universität im arabischen Raum eröffnet. Anders als das TU-Campus in El-Gouna sind jedoch weder die GUC noch die GJU staatliche, deutsche Universitäten, sondern private, von lokalen Trägern verantwortete, mehr oder weniger profitorientierte höhere Lehranstalten. Anders als im deutschen Auslandsschulwesen gibt es bisher jedoch weder einheitliche, verbindliche Kriterien noch Qualitätsstandards für deutsche Universitäten im Ausland. Alle privaten Universitäten in Ägypten sind als Unternehmen im Handelsregister eingetragen, und dort meist als GmbH oder börsennotierte Aktiengesellschaften registriert. Geographisch konzentrieren sich die privaten Universitäten auf den Großraum Kairo/Neu Kairo (link Schulen und Hochschulen) und sind primär für reiche Familien und zahlungskräftige Studierende interessant. 

Im Herbst 2012 wurde erstmals die Außenstelle einer deutschen Universität in der arabischen Region eingeweiht. Das ehrgeizige Projekt wurde bereits im März 2010 mit der Unterschrift zwischen der Technischen Universität Berlin, der Berliner Senatsverwaltung und dem ägyptischen Ministerium für Höhere Bildung (link Für Bildung und Forschung zuständige Ministerien) besiegelt, und gilt als Kooperationsprojekt mit Vorbildcharakter, weil auf dem "TU-Campus Al-Gouna" erstmals die Standards deutscher Bildung im universitären Bereich von einer deutschen Institution umgesetzt werden.

Insgesamt ist die genannte Ausgründung der TU Berlin die Fortsetzung eines Trends hin zu deutschen und deutsch-ägyptischen Bildungseinrichtungen, der sich seit Ende der 1990er verstetigt hat. Zusätzlich zu den drei historisch gewachsenen von Deutschland akkreditierten deutschen Auslandsschulen sind seither 6 zusätzliche Schulen entstanden, die sich am deutschen Bildungssystem orientieren und langfristig auch eine Akkreditierung anstreben.

Berufliche Bildung

Der berufliche Ausbildungsweg ist in Ägypten zwar weit verbreitet, wird aber gesellschaftlich als zweitrangig angesehen (vgl. iMOVE 2013). Die berufliche Bildung umfasst eine praxisorientierte Schulbildung, die mit Praktika und Training kombiniert wird. In der iMOVE Länderstudie zu Ägypten des Bundesinstitutes für Berufsbildung BIBB (2013) wird die Ausbildung jedoch als verschult und praxisfern beschrieben. Des Weiteren krankt das System an Unterfinanzierung, veralteten Lehrplänen, mangelhafter Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte, niedrigen Löhnen und unzureichender Fachdidaktik (iMOVE 2013, S. 35).

Berufliche Ausbildung findet vor allem im Rahmen eines berufsvorbereitenden, sekundären Schulabschlusses an technischen Sekundarschulen (TSS) statt und wird kostenlos angeboten. Die Schüler und Schülerinnen erhalten je nachdem, ob sie das drei- (Klasse 9-12) oder fünfjährige Programm (Klasse 9-12 plus 2) wählen, am Ende entweder das "Secondary School Technical Diploma" oder das "Diploma of Advanced Technical Studies" (Schulen und Hochschulen). Während ersteres die Ausbildung von angelernten (middle-level) Hilfsfachkräften anstrebt, sieht letzteres eine Ausbildung zu hochqualifizierten Facharbeitern vor. Der Abschluss an einer Technical Secondary School ermöglicht zwar nicht den Zugang zum Studium an staatlichen Akademien wie z.B. in Jordanien, dennoch gilt das "Diploma of Advanced Techical Studies" unter bestimmten Voraussetzungen als Zulassungsvoraussetzung für ein weiterführendes Universitätsstudium (Schulen und Hochschulen).

Im Schuljahr 2012/13 waren nach Angaben des Ministeriums für Bildung, bei dem die Zuständigkeit für die berufliche Aus- und Weiterbildung angesiedelt ist, 1.686.859 Schüler und Schülerinnen an TSS eingeschrieben (Ministerien und Gremien). Die technische Ausbildung an Sekundarschulen wird in drei Bereiche untergliedert, wobei 50,8 Prozent der Schüler und Schülerinnen den Schwerpunkt Industrie, 38,6 Prozent Handel und 10,6 Prozent Landwirtschaft wählten.

Zusätzlich zu den Sekundarschulen bieten staatliche und private Berufsbildungszentren Ausbildungsplätze. Die meisten dieser Zentren (ca. 1.200) werden vom Ministerium für Handel und Industrie (MoTI) betrieben (iMOVE 2013). An 8 staatlichen, nicht-universitären Bildungseinrichtungen, an die insgesamt 45 Institute angegliedert sind, werden hier entsprechende Programme angeboten. Die weitere berufliche Ausbildung erfolgt über verschiedene staatliche und private - sowohl einheimische als auch ausländische Bildungsträger, meist in einem dualen System. Zu diesen zählen auf ägyptischer Seite u.a. das Productivity and Vocational Training Department (PVTD), der Industrial Training Council (ITC) und die NGO Egyptian Bio Dynamic Association (EBDA). Daneben werden Aus- und Weiterbildungsprogramme von internationalen Universitäten wie der German University Cairo (GUC) oder der American University Cairo (AUC), von Entwicklungshilfeorganisationen wie der GIZ und dem USAID, aber auch von privaten Trägern wie der deutschen Knauf-Gruppe angeboten (vgl. iMOVE 2013).

Berufliche Bildung existiert vor allem in folgenden Spezialisierungsbereichen:

  • Sozialarbeit
  • Gesundheitswesen
  • Handel & Industrie
  • Hotellerie und Tourismus
  • Landwirtschaft
  • Bildende Künste
  • Ingenieurswesen
  • Veterinärmedizin
  • Pharmazie
  • Zahntechnik
  • Medizinisch-technische Assistenz und Krankenpflege (sechs Jahre)
  • Islamisches Recht und Islamstudien.

Die Aussichten mit einem technischen Abschluss einen Arbeitsplatz zu erlangen sind in den meisten Fällen relativ begrenzt. Dies liegt zum einen an der schlechten finanziellen Ausstattung der berufsbildenden Zentren und Schulen und zum anderem an der nicht arbeitsmarktbezogenen Ausbildung an den staatlichen Institutionen. Dem fragmentierten System der beruflichen Ausbildung fehlt bislang eine koordinierende Stelle oder Zielsetzung, welche sowohl Institutionen und NGOs als auch die zuständigen Ministerien zusammenbringt. Zur Verbesserung des aktuellen Systems wurden bspw. in Zusammenarbeit mit der GIZ mehrere Programme aufgelegt u.a. die "Mubarak-Kohl Initiative" (MKI) heute "Employment Promotion Programme (EPP), welches sich mit dem Aufbau des dualen Systems nach deutschem Vorbild beschäftigt (vgl. EPP-egypt 2010).

Seit 2009 versucht man das ägyptische TVET-System zu reformieren bzw. zu vereinheitlichen. Aufgrund der Komplexität von Strukturen und Zuständigkeiten sowie der Vielzahl an Stakeholdern - allein 17 beteiligte Ministerien, gestaltet sich dieser Prozess als sehr langwierig und schwierig und nur wenige Veränderungen wurden bislang erreicht (Ministerien und Gremien). Nach wie vor besteht eine große Nachfrage nach fachlich qualifiziertem Personal. Davon profitieren wiederum private und internationale Institutionen, die - ähnlich wie die Universitäten - eigene Ausbildungs-Programme anbieten (World Bank 2014, WfD).

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Weiterbildung

Das System der beruflichen Weiterbildung ist ähnlich fragmentiert wie das der Berufsbildung. Es bestehen bislang keine klaren Regeln oder einheitliche Strukturen durch staatliche Stellen. Trotz eines hohen Bedarfs an Training von Arbeitskräften gibt es auf die Größe des ägyptischen Arbeitsmarktes bezogen nur eine geringe Anzahl an Institutionen.

Das Engagement der ägyptischen Privatwirtschaft in diesem Bereich ist relativ gering und den Arbeitskräften fehlen oft Geld, Zeit und Anreize zur eigenständigen Weiterbildung. Auf staatlicher Seite ist die qualifizierende Weiterbildung wie im Bereich berufliche Bildung, auf eine Vielzahl von Ministerien und Institutionen verteilt. Beispielhaft sind hier der Industrial Training Council (ITC) oder der Tourism Training Council (TTC) zu nennen, die technische bzw. touristische Weiterqualifizierung anbieten. Daneben existiert eine große Anzahl von privaten Angeboten, die entweder auf dem Engagement internationaler Geldgeber und Unternehmen oder privaten Bildungsanbietern basieren (Berufliche Bildung).

Eine Reform des Aus- und Weiterbildungssystems wird seit einigen Jahren angestrebt und durch verschiedene Untersuchungen internationaler Organisationen (Weltbank, USAID, GIZ) vorbereitet. Die endgültige Verabschiedung einer klaren Strategie ist aufgrund der politischen Ereignisse und komplizierter Verhandlungen bislang nicht realisiert worden (politische Zielsetzung).

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