Überblick

Nach Angaben der UNESCO verzeichnete Ägypten im Jahr 2011 rund 1,146 Wissenschaftler bzw. 524 Vollzeitäquivalente pro Million Einwohner. Allgemein gehört die ägyptische Forschungslandschaft zu den wichtigsten innerhalb der MENA-Region. Dies belegen die Zahlen der Scopus Datenbank, die im Zeitraum von 1996 bis 2013 insgesamt 104.784 Veröffentlichungen zählen. Obwohl dieser Wert im Vergleich zu Deutschland oder bspw. der Türkei eher gering ist, stellt er innerhalb der Region einen Spitzenwert (Saudi-Arabien 74.210; VAE 22.874) dar (UNESCO UIS).

Die ägyptische Forschungslandschaft ist wesentlich geprägt durch staatliche Einrichtungen, insbesondere durch staatliche Universitäten und Forschungszentren. Nach Zahlen des UNESCO Instituts für Statistik (UIS) finden rund 76 Prozent der Forschung an Universitäten bzw. universitären Einrichtungen statt, die 80 Prozent der 90,990 (2011) in Ägypten angestellten Wissenschaftler beschäftigen. Dies entspricht einem Vollzeitäquivalent von 41,568 Wissenschaftlern für das Jahr 2011. Aktuellere Zahlen stehen derzeit nicht zur Verfügung. Die verbleibenden 24 Prozent der aktuellen Forschungstätigkeit wird in staatlichen Forschungszentren durchgeführt, die jeweils direkt einem Ministerium zugeordnet sind. Dadurch erklärt sich auch die große Zahl der in Wissenschaft und Forschung involvierten Ministerien (link Ministerien und Gremien).

Nach einer Studie des Ägyptischen Zentrums für die Weiterentwicklung von Wissenschaft, Technologie und Innovation (Egyptian Center for the Advancement of Science, Technology and Innovation, ECASTI Report), existieren insgesamt 429 sowohl private als auch staatliche Forschungseinrichtungen in Ägypten. Davon sind 60 Prozent universitäre Institute (vgl. Abbildung).

Alle Universitäten haben neben dem Bildungsauftrag auch einen expliziten Forschungsauftrag. Dennoch stehen für Wissenschaft und Forschung nur sehr geringe Budgets zur Verfügung. Etwa 70 Prozent der Universitätsbudgets sind Personalausgaben und von den verbleibenden 30 Prozent wird der Großteil für Infrastruktur und Instandhaltung aufgewendet (vgl. Tempus 2012). Insgesamt beliefen sich die Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Jahre 2011 auf kaum 0,43 Prozent des BIP (UNESCO UIS).

Das Ministerium für Wissenschaftliche Forschung (MoSR) koordiniert die staatlichen Forschungsinstitute und die Forschungsfunds. Unter anderen sind dem MoSR das gröβte Institut für angewandte Forschung, das National Research Center (NRC) und die Akademie für Wissenschaft und Technology (Academy for Science, Research and Technology, ARST) angegliedert. Außerdem verwaltet das MoSR den Science and Technological Development Fund (STDF) und das Research Development and Innovation (RDI) Programm (Ministerien und Gremien).

FuE-Indikatoren

Indikator

Ägypten(1)

Deutschland(2)

OECD-Gesamt(2)

Stand

Nationale FuE-Ausgaben [Mio. USD*]

7.562

118.159

1.266.135

2016

FuE-Ausgabenwachstum im Vergleich zum Vorjahr [Prozent]

4,2

3,7

2,3

2016

FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) [Prozent]

0,7

2,9

2,3

2016

Ausgaben für FuE in Unternehmen (BERD) [Mio. USD*]

448

80.537

875.912

2016

Anteil von BERD am BIP [Prozent]

0,04

2,0

1,6

2016

Ausgaben für FuE in Hochschulen (HERD) [Mio. USD*]

4.913

21.314

221.528

2016

Anteil von HERD am BIP [Prozent]

0,5

0,5

0,4

2016

Ausgaben für FuE in außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen (GOVERD) [Mio. USD*]

2.197

16.307

138.301

2016

Anteil von GOVERD am BIP [Prozent]

0,2

0,4

0,3

2016

Anzahl der Forscher (Vollzeitäquivalente)

65.097

400.821

4.770.739

2016/16/15

Anzahl der Forscher (VZÄ) je 1000 Arbeitnehmer

2,4

9,2

8,3

2016/16/15

Anteil der Forscher (VZÄ) in privaten Unternehmen [Prozent]

6,0

58,8

61,4

2016/16/15

Anteil internationaler Ko-Patente an Patentanmeldungen unter dem Vertrag über Patentzusammenarbeit (PCT) [Prozent](3)

23,6

16,9

7,7

2014

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* in laufenden Preisen kaufkraftbereinigt

Quellen:
(1) UNESCO Institute of Statistics, Stand Juni 2018
(2) OECD.Stat Main Science and Technology Indicators MSTI 2018/1 (Stand Juli 2018)
(3) OECD.Stat Patents Statistics, Stand Oktober 2017

Redaktion: 19.11.2018, von: Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

 

Bei der Durchführung von Forschung und Entwicklung nehmen die Unternehmen in den OECD-Ländern meist eine dominante Rolle ein (Anteile für Deutschland und OECD liegen bei 67 bzw. 68 Prozent). Für Ägypten fehlen hingegen Daten zur Durchführung von FuE in Unternehmen.

Während der OECD-Raum überwiegend hochschulzentriert ist (Verhältnis von GOVERD zu HERD von etwa 40 : 60), gilt dies in geringerem Maße auch für Deutschland und Ägypten. Hier spielen außeruniversitäre öffentliche Forschungseinrichtungen jedoch eine etwas größere Rolle (Verhältnis von GOVERD zu HERD liegt bei etwa 45 : 55).

Forschungsorganisationen

Die mit Abstand größte und wichtigste Forschungseinrichtung ist das bereits 1956 gegründete, interdisziplinäre Nationale Forschungszentrum (National Research Center, NRC link www.nrc.sci.eg), das direkt dem Ministerium für wissenschaftliche Forschung unterstellt ist und dessen Präsident im Rang einem Minister gleichgesetzt ist. Das NRC beschäftigt derzeit rund 4.800 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen und ist in 14 thematischen Forschungseinheiten organisiert:

  • Landwirtschaft und Biologie
  • Chemische Industrie
  • Ingenieurswesen
  • Umweltwissenschaft
  • Ernährung und Lebensmitteltechnik
  • Gentechnik und Biotechnologie
  • Anorganische Chemie und mineralische Rohstoffe
  • Medizin
  • Pharmazie
  • Physik
  • Textilindustrie
  • Veterinärwesen
  • Humangenetik
  • Zahnmedizin

Neben angewandter Forschung auf diesen Gebieten ist das NRC auch in den Bereichen Wissenschafts- und Wirtschaftsberatung sowie technische Dienstleistungen tätig. www.nrc.sci.eg

Außerdem gehören zu den dem MoSR unterstellten Forschungseinrichtungen:

Weitere wichtige Forschungseinrichtungen des Landes sind die direkt den entsprechenden Fachministerien nachgeordneten Forschungszentren. Dazu gehören u.a.:

  • Das Landwirtschaftliche Forschungszentrum (Agricultural Research Center  www.arc.sci.eg 
  • Das Nationale Wasserforschungszentrum (National Water Research Center) www.nwrc-egypt.org
  • Die Ägyptische Umweltagentur (Egyptian Environmental Affairs Agency Energy Research Center) www.eeaa.gov.eg
  • Die Behörde für Neue und Erneuerbare Energien (New and Renewable Energy Authority) www.nrea.gov.eg
  • Das Forschungszentrum für Nanotechnologie (Nanotechnologie Research Center) www.egnc.gov.eg/egnc/
  • Das Forschungszentrum für Wohnungsbau und Konstruktion (Housing und Building Research Center) www.hbrc.edu.eg/en/Home.html

Weitere wichtige Forschungsinstitute sind an Universitäten, insbesondere an die Universität Kairo (siehe Kapitel "Hochschulen"), angegliedert.

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Förderorganisationen

In Ägypten gibt es zwei zentrale Organisationen, die aufbauend auf den vom Hohen Rat für Wissenschaft und Technologie (Higher Council for Science and Technology, HCST, link Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungspolitik) beschlossenen nationalen Forschungsprioritäten wissenschaftliche Forschung in Ägypten fördern:

Der Wissenschafts- und Technologiefonds (Science and Technology Development Fund, STDF) wurde 2007/8 ins Leben gerufen und ist direkt dem Ministerium für Wissenschaftliche Forschung MoSR (link Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungspolitik) in Ägypten zugeordnet. Im Rahmen wettbewerblicher Bewerbungsverfahren und offener Ausschreibungen vergibt STDF nationale Forschungsstipendien und Fördergelder für gemeinsame Forschungsvorhaben mit internationalen Forschungspartnern in allen Bereichen der Wissenschaft. Daneben fördert der STDF auch gezielt die Forschungsgebiete, die vom HCST als Prioritäten definiert wurden, z.B. Erneuerbare Energien, Gesundheit oder Nanotechnologie. Ein besonderes Anliegen ist außerdem die Förderung von Nachwuchswissenschaftlern und die Reintegration von ägyptischen Wissenschaftlern, die bisher im Ausland geforscht und gelebt haben. (link STDF)

Das EU-ägyptische Programm zur Förderung von Forschung und Innovation in Ägypten (Research, Development and Innovation, RDI) ist die zweite wichtige Säule der Forschungsförderung. Das RDI Programm hat in seiner ersten Phase 2007-2012 insgesamt 11 Millionen EUR zur Verfügung gestellt, davon 6,8 Mio. im Rahmen des EU-ägyptischen Innovation Fonds (EU-Egypt Innovation Fund, EEIF). 2011 wurde die 2. Phase des Programmes beschlossen und die Fördersumme wurde um 20 Mio. EUR erhöht. Das RDI Programm bietet drei Förderschienen: Die erste zielt auf Innovationsförderung, durch den Aufbau von Exzellenzzentren und Innovationsclustern, die zweite auf die Unterstützung von wissenschaftlichen Kooperationen von ägyptischen und europäischen Forscherteams zur Bildung von Forschungsnetzwerken unter Einbindung anderer europäischer Forschungsprogramme wie das FP7 bzw. Horizon2020. Drittens sollen die bestehenden Exzellenzzentren unterstützt werden. (vgl. RDI).

Ähnlich wie im Bereich Forschung, verfügen einzelne Ministerien über eigene Fördertöpfe, die zum Teil auch wissenschaftliche bzw. wissenschaftsnahe Tätigkeiten finanziell unterstützen. Zum Beispiel finanziert das Ministerium für Kommunikation und Informationstechnologie (Ministry of Communication and Information Technology, MCIT) mit Hilfe des RDI Programms über eine eigene Agentur - die Information Technology Development Agency (ITIDA), das "Center of Excellence Programme" um Wissenschaft, Forschung und Industrie im Bereich der Telekommunikation miteinander zu verflechten (link www.itida.gov.eg ). Das Ministerium für Industrie und Außenhandel (Ministry of Industry and Foreign Trade, MIFT) unterhält im Rahmen seines Zentrums für Industrielle Modernisierung  - Industrial Modernisation Center, IMC, eine Reihe von Programmen zur Förderung von Wettbewerbsfähigkeit, die zum Teil mit Hilfe des STDF ko-finanziert und umgesetzt werden (vgl. IMC).

1. Forschungsgelder für Angewandte Forschung

Förderorganisation

Programm

Agricultural Research & Development Fund (ARDF)

Förderung von landwirtschaftlichen Untersuchungen

Industrial Modernization Center (IMC) - Science & Technology Development Fund (STDF)

3 Forschungsprogramme zur Verbindung von Industrie und Wissenschaft.

a. Forschung und Entwicklung

b. Professoren in jede Fabrik

c. Innovationprogramm

Information Technology Industry Development Agency (ITIDA)

ITIDA Fellowship (IF)

Unterstützt Forschung durch die Förderung von Forschenden von Universitäten und Forschungsinstitutionen themenunabhängig

Misr El Kheir (MEK)

Förderung über Bekanntmachungen in den Themenbereichen Gesundheit, Sozialwissenschaften, Erneuerbare Energien und Entsalzung

Research, Development & Innovation Programme (RDI)

Unterstützung über den EU-Ägypten Innovations Fond (EEIF).

Förderung von Industrie und Wissenschaft mit der Zielsetzung der Innovationsförderung in Ägypten

Science & Technology Development Fund (STDF)

Vielzahl nationaler Forschungsfonds in allen Bereichen der Wissenschaft mit unterschiedlichen Zielsetzungen

   
2. Forschungsgelder für Prototypen Entwicklung

Förderorganisation

Programm

Academy of Scientific Research and Technology (ASRT) - Misr El Kheir (MEK)

"Solutions with Our Minds"

 

Spezielle Unterstützung bei der Entwicklung von Prototypen

Information Technology Industry Development Agency (ITIDA)

Advanced Research Projects (ARP)

 

Unterstützung bei der Kooperation zwischen ICT Industrie und Wissenschaft

Industrial Modernization Center (IMC) - Science & Technology Development Fund (STDF)

Allgemeine Unterstützung bei der Forschung an Prototypen aber kein spezieller Förderfond

Research, Development & Innovation Programme (RDI)

Allgemeine Unterstützung bei der Forschung an Prototypen, über den EU-Ägypten Innovations Fond (EEIF).

3. Forschungsgelder für Produkt Entwicklung

Förderorganisationen

Programme

Information Technology Industry Development Agency (ITIDA)

Produkt Entwicklungsprojekt (PDP)

 

Fördert die Entwicklung von marktreifen Produkten aus Prototypen

Industrial Modernization Center (IMC) - Science & Technology Development Fund (STDF)

Allgemeine Unterstützung bei der Forschung an Produkten, aber kein spezieller Förderfond

Research, Development & Innovation Programme (RDI)

Allgemeine Unterstützung bei der Forschung an Produkten, über den EU-Ägypten Innovations Fond (EEIF).

FuE im öffentlichen Sektor

Die wichtigsten Forschungsorganisationen Ägyptens befinden sich ohne Ausnahme im öffentlichen Sektor. Forschungstätigkeiten des Privatsektors sind nach wie vor gering, auch wenn vermehrt Anstrengungen betrieben werden, hier zusätzliche Kapazitäten zu schaffen und zu fördern.

Laut dem ERAWATCH-Report von 2012 finanzierte der öffentliche Sektor in Kooperation mit internationalen Geldgebern bis dato 97 Prozent der Forschungsförderung. Auch bei den Forschungsinstitutionen dominieren Universitäten und staatliche Forschungsinstitute den Markt. Die Beteiligung des Privatsektors an Forschung und Entwicklung ist relativ gering, nicht belastbare Zahlen aus dem Jahre 2011 sprechen von nur 11 Prozent der nationalen Ausgaben für F&E, die von Unternehmen stammen (vgl. ERAWATCH-Report 2012).

Auch bei den Anteilen der Forschenden in Abhängigkeit zum Auftraggeber bestätigt sich dieses Bild. Die überwiegende Mehrheit arbeitet entweder an Universitäten (47,8 Prozent) oder staatlichen Forschungsinstituten (52 Prozent), nur 0,2 Prozent werden von der privaten Wirtschaft beschäftigt (vgl. UIS 2011).

Um das Engagement der Privatwirtschaft stärker einzufordern wurden in den letzten Jahren verstärkt öffentlich-private Gemeinschaftsprojekte (public private partnerships - PPP) im Bereich von Wissenschaft und Forschung lanciert. Diese Bemühungen tragen erste Früchte, seitdem sind zum Beispiel entstanden:

  • Das Egypt-IBM Nanotechnology Research Center. Eine Zusammenarbeit von ITIDA, STDF und IBM , an dem die Cairo University und die Nile University aktiv beteiligt sind.
  • Das Microsoft Innovation Lab in Kairo mit Beteiligung der Cairo University, der Ain Shams, Helwan und Nile University, der American University Cairo und der Bibliotheca Alexandrina.

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