Überblick

Die Verteilung der Publikationen auf Fachgebiete kann erste Hinweise auf Stärken eines Forschungssystems geben (Bezugsjahr 2014, Quelle: SCImago (2007). SJR – SCImago Journal & Country Rank. Retrieved July 15, 2015, from http://www.scimagojr.com). Weltweit wie auch in Ägypten ist Medizin das Fachgebiet mit den meisten Publikationen. Allerdings liegt der Anteil in Ägypten leicht unter dem Durchschnitt (15,7 Prozent, Welt sowie Deutschland etwa 17,5 Prozent). Die Ingenieurwissenschaften liegen weltweit (12 Prozent) wie auch in Ägypten (11 Prozent) an zweiter Stelle.

Eine Spezialisierung Ägyptens ist in folgenden Fachgebieten festzustellen (Auswahl basierend auf Spezialisierungsindex Länderanteil/Weltanteil  1,3):

  • Chemie (8,9 Prozent, Welt: 5,2  Prozent, Deutschland: 5,7 Prozent)
  • Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazeutik (4,9 Prozent, Welt: 2,0 Prozent, Deutschland: 1,7 Prozent)
  • Umweltwissenschaften (4,2 Prozent, Welt: 3,0 und Deutschland: 2,7 Prozent)
  • Immunologie und Mikrobiologie (2,7 Prozent, Welt: 1,8 und Deutschland: 2,0 Prozent).

Bei einem weltweiten Vergleich der Anzahl der Publikationen liegt Ägypten im Jahr 2014 insgesamt auf Rang 37. Innerhalb der einzelnen Fachgebiete erreicht Ägypten die beste Platzierung  in Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazeutik (Rang 17) sowie Chemie (Rang 25).

Als ein Land mit knappen Wasserressourcen und sehr begrenzten Gebieten mit fruchtbarem Ackerland und gleichzeitig extrem hohem Bevölkerungswachstum sowie starker Landflucht sind die Sicherung von und Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln und Energie  zentrale Themen in der ägyptischen  Politik und Forschung. Diese Themen sind jedoch eng mit vielen anderen Disziplinen wie Umwelt, Gesundheit, Sicherheit sowie wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklung verbunden. Darüber hinaus werden die bestehenden Schwerpunkte in den Bereichen technische und angewandte Natur- und Lebenswissenschaften, sowie insbesondere die Informations- und Kommunikationstechnologien weiter ausgebaut und systematisch gefördert. In der MENA-Region ist Ägypten eines der forschungsstärksten und wissenschaftlich am weitesten entwickelten Länder, entsprechend diversifiziert sind die Forschungsthemen.

Auf politischer Ebene sind die Forschungsschwerpunkte jedoch relativ klar definiert. Diese werden vom Hohen Rat für Wissenschaft und Forschung (Higher Council for Science and Technologie, HCST, siehe Kapitel "Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungspolitik") (unter Beteiligung der Akademie für Wissenschaft und Technology (Academy for Science, Research and Technology, ARST, siehe Kapitel "Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungspolitik")) erarbeitet, vom Ministerium für Wissenschaftliche Forschung festgelegt und anschließend vom Präsidenten der Republik beschlossen. Die aktuelle List geht noch auf den 2007 veröffentlichten Plan zur Entwicklung von wissenschaftlicher Forschung (2007-2016) zurück. Eine Überarbeitung wurde bereits angekündigt, wurden aber bisher nicht veröffentlicht (siehe Kapitel "für Bildung und Forschung zuständige Ministerien").

Bildungsforschung

Die Entwicklung von Humankapital und dabei insbesondere die Verbesserung der Qualität und Relevanz von Studiengängen sowie -abschlüssen ist ein wichtiges Thema in Ägypten. In der Vergangenheit wurde vor allem auf die Quantität, also Anzahl der Studierenden, Absolventen etc. geachtet. Hier hat ein deutliches Umdenken stattgefunden. Neben der konsequenten Überwachung der Lehre durch Institutionen wie die National Authority for Quality Assurance and Accreditation of Education (NAQAAE) (vgl. Kap. Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungspolitik) soll in Zukunft auch die Qualität der Forschung stärker in den Mittelpunkt rücken und verbessert werden. Verschiedene Maßnahmen wie etwa das gezielte Anwerben von Absolventen für die Wissenschaft (expand young scientists critical mass), die Förderung des internationalen Austausches und der Mobilität von jungen Wissenschaftlern, Exzellenzinitiativen, Forschungs- und Exzellenzlehrstühle sowie Karriere- und Kompetenzentwicklung werden in diesem Zusammenhang diskutiert (vgl. ERAWATCH-Report 2012).

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Energieforschung

Hier steht die Entwicklung von neuen und erneuerbaren Energien im Mittelpunkt. Darüber hinaus geht es um die Sicherstellung der Energieversorgung sowie Energieeffizienz, d.h. der effizienteren Nutzung vorhandener Energiequellen. Insbesondere Windenergie, Photovoltaik (Concentrated solar power) und Nutzung von Nanotechnologie stehen im Zentrum der Forschung.

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Geistes- und Sozialwissenschaften

Geistes- und Sozialwissenschaften werden ebenfalls als Priorität genannt. Allerdings zeichnen sich bisher weder spezielle Programme noch Themen ab. Bisher steht die sehr große Anzahl der Studierenden im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften in keinem Verhältnis zu den relativ begrenzten Forschungsaktivitäten und Forschungsoutput auf diesem Gebiet.

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Geowissenschaften und Meeresforschung

Die Sicherung von Trinkwasser und die Entwicklung von Entsalzungsanlagen und -mechanismen stehen hier im Mittelpunkt. Darüber hinaus geht es auch um Wasser- und Abwassermanagement sowie innovative Verfahren zur Verknüpfung von Entsalzung, erneuerbaren Energien und der Wiederaufbereitung von Wasser.

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Gesundheitsforschung

Neben der ausreichenden Verfügbarkeit von Lebensmitteln, der Gewährleistung von sauberem Trinkwasser und einer medizinischen Grundsicherung konzentriert sich die Gesundheitsforschung insbesondere auf die Lebenswissenschaften, d.h. die Kombination aus Biologie, Industrietechnik, Medizin und Pharmazie. Diese Bereiche sollen stärker ausgebaut werden. Explizit wird der Kampf gegen Hepatitis C hervorgehoben, aber auch der Aufbau industrieller Biotechnologie- und pharmazeutischen Zentren wird als mittelfristiges Ziel verfolgt.

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Information und Kommunikation

Informations- und Kommunikationstechnologien - insbesondere Softwareentwicklung und Netzwerkdesign in unterschiedlichsten Bereichen wie z.B. integrierte Managementsysteme, Workflow-Systeme, Automatisierung, Benutzerfreundlichkeit und –akzeptanz, bilden einen zentralen Schwerpunkt auf der Forschungsagenda.

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Mobilität und Raumfahrt

Trotz insgesamt knapper Ressourcen für Wissenschaft und Forschung setzt Ägypten explizit auf ein Luft- und Raumfahrtprogramm. Dabei ist hier die Verknüpfung mit Informations- und Kommunikationstechnologie z.B. durch die Entsendung und Nutzung eigener Satelliten zur Erkundung und Überwachung der Erde, des Klimawandels sowie der Entwicklung von Fernerkundung und grid-computing von Interesse.

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Umwelt- und Klimaforschung

In einem durch überdurchschnittlich hohes Bevölkerungswachstum und extremer Knappheit von fruchtbarem Land und Wasser geprägten Land wie Ägypten ist der Schutz der Umwelt ein zentrales Thema. Geforscht wird hier jedoch eher indirekt und vor allem im Bereich der Landwirtschaft und Ernährung z.B. zur Effizienz von Saatgut oder Möglichkeiten zum nachhaltigen Ausbau von Aqua-Kultur und Fischerei.

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